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Vorwort

Gefechtsmedaille der Bundeswehr

 

 

"Man kann daran eine neue Etappe der schleichenden Militarisierung der Außenpolitik der Bundesrepublik erkennen. (...) Die sogenannte Tapferkeitsmedailleoder das Ehrenkreuz hätten ausgereicht, um Mut im Einsatz würdigen. Mit der Gefechtsmedaille werden in der Tat das kriegerische Element und der alte Kriegerkult im Militär hofiert".

(Militärhistoriker Detlev Bald im Interview )

Daten

Stifter: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Datum: 12. November (Bestätigt durch den Bundespräsidenten Wulf)

Statut: Sonderstufe der Einsatzmedaille der Bundeswehr für deutsche und ausländische Militärangehörige. Betreffender muss mindestens einmal aktiv an Gefechtshandlungen teilgenommen oder unter hoher persönlicher Gefährdung terroristische oder militärische Gewalt erlitten haben (Stichtag 28. April 2009). Verleihung jedoch hauptsächlich an das Erreichen von Mindesteinsatztagen gebunden ist (Ausnahme: Verwundung und Tod).

 


Teil I

Manche nennen es ein Zeichen für zunehmende Militarisierung, andere vernünftigen Schritt in Richtung der Kameraden im Feld. Fakt ist, dass eine neue Gefechtsmedaille der Bundeswehr in Berlin verliehen worden ist. Der Verteidigungsminister zu Guttenberg initiierte diese Ehrung und zeichnete zugleich 15 Bundeswehrsoldaten, von denen elf die Auszeichnung posthum erhielten. Diese Gefechtsmedaille ist dabei als eine Sonderstufe der Einsatzmedaille der Bundeswehr zu betrachten und das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit nicht den Ausschlag geben.
Den Statuten ist zu entnehmen, dass Auszuzeichnende mindestens einmal aktiv an Gefechtshandlungen teilgenommen oder unter hoher persönlicher Gefährdung terroristische oder militärische Gewalt erlitten hat; außerdem ist als Stichtag dafür der 28. April 2009 festgelegt. D.h., dass Soldaten, die in Afghanistan durch bei Anschlägen und nicht in einer Gefechtssituation ums Leben kamen, nicht berücksichtigt werden - gilt nicht als Gefechtssituation. Ungerecht?
 


(Verteidigungsminister zu Guttenberg auf Truppenbesuch in Afghanistan)

 

tagesschau.de: Die Medaille kann auch posthum an Soldaten verliehen werden, die ums Leben kamen. Allerdings gibt es einen Stichtag, den 28. April 2009. Schafft die Bundesrepublik damit Gefallene erster und zweiter Klasse?

Bald: Diese Auszeichnung, man habe sich aktiv in einem Gefecht ausgezeichnet, ist schon etwas, was sich von den bisherigen Ehrungen unterscheidet. Ich meine, die sogenannte Tapferkeitsmedaille oder das Ehrenkreuz hätten ausgereicht, um Mut im Einsatz würdigen. Mit der Gefechtsmedaille werden in der Tat das kriegerische Element und der alte Kriegerkult im Militär hofiert - und das ist zu bedauern.

...

tagesschau.de: Das Dritte Reich hatte eine Fülle von Auszeichnungen für seine Soldaten. Die neugegründete Bundesrepublik tat sich aus diesem Grund lange schwer mit der Verleihung von Orden. Hat sich das Bewusstsein der Bevölkerung in dieser Frage gewandelt?

Bald: Ich glaube, die Bevölkerung wird die zunehmende Verleihung von solchen Medaillen eher mit Argwohn sehen. Die Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr treten ja kaum einmal mit Uniform in der Öffentlichkeit auf. Diese Medaille dient vielmehr dazu, den inneren Zusammenhalt der Bundeswehr zu prägen.


(Ausschnitt aus einem Interview der Tagesschau)

 



Zu Guttenberg reagiert mit diesem Ehrenzeichen aber auch auf die vielen Meinungen und Forderungen der Truppe, denn die gegenwärtige Einsatzmedaille Besitz keinerlei militärischen Wert. Diese Einsatzmedaille wird nämlich unterschiedslos an das gesamte Personal ausgegeben, das an Auslandseinsätzen teilgenommen hat. Natürlich ist das auf der einen Seite gerecht, dass kein Unterschied zwischen dem Feldkoch im Feldlager und den Patrouillenfahrer gemacht wird, aber sind jene Tapferen, die den Angriffe des Feindes immer offen ins Auge blicken müssen und dieser Gefahr eines Kampfes sehr viel direkter ausgesetzt sind, einfach nur unzureichend Aufmerksamkeit gewährt worden.
Im Vergleich mit anderen Nationen in Kriegsgebieten, ist die Bundeswehr bei den Orden und Ehrenzeichen verzweifelt unangemessen ausgestattet. Das Ehrenkreuz der Bundeswehr ist ursprünglich nämlich am Ideal des pflichtbewussten Beamten orientierte und nicht am kämpfenden deutschen Soldaten, der er ja eigentlich nie wieder werden sollte. Wer zehn Jahre diente, durfte das Ehrenkreuz in Silber in Empfang nehmen, wer es auf dreißig Jahre brachte, erhielt die Auszeichnung in Gold (Ausfertigung in Gold wie in Silber in roter Umrandung und ohne Mindestdienstdauer verliehen, wenn eine hervorragende Leistung vollbracht worden war. Ohne Lebensgefahr in Silber, unter Lebensgefahr in Gold) - mehr gab es schlichtweg nicht und nur die altgedienten Soldaten durften Auszeichnungen der Wehrmacht in der 1957er Version sich an die Brust heften.

 


Teil II

Es hat sich was getan im deutschen Militäralltag, denn der Kampf unter Einsatz des Lebens ist wieder Quintessenz des soldatischen Lebens geworden, auch weil ein reformierte Bundeswehr auf Ausland getrimmt werden soll und nicht mehr direkt der Landesverteidigung dienen kann. Endlich sich von der haltlosen Ideologie zu verabschieden, wonach der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan und anderswo dem Brunnenbohren, der Errichtung von Krankenhäusern und deren militärischer Absicherung diene.
Die Tapferkeitsmedaille hat eine neue Tradition begründet, die mit der Gefechtsmedaille fortgesetzt wurde, dabei ein ständiger Vergleich mit dem Eisernen Kreuz einfach nicht zu vermeiden. Das Eiserne Kreuz war (vor allem in seiner minderen zweiten Klasse) nicht nur zu Hunderttausenden unter die Landser gestreut worden. Es wurde auch - und dies nicht zu knapp - an die Massenmörder der SS-Einheiten und Polizeibataillone verliehen. Dies der Grund, warum die Alliierten nach der Kapitulation ein generelles Ordensverbot erließen.
 

"der Gott, der Eisen wachsen ließ, der mochte keine Knechte". An diese freiheitliche Tradition des Bürgersinns sollten wir uns anschließen. Hartnäckige Gegner des Eisernen Kreuzes unter den Linksalternativen sollten ferner bedenken, dass ihr Berliner Lieblingsort Kreuzberg den Namen des Eisernen Kreuzes trägt. Das Viertel wurde nach dem von Schinkel geschaffenen Denkmal umbenannt, das der Stiftung des Eisernen Kreuzes gewidmet war.

(Aus dem Artikel der TAZ)

 


(Der Verteidigungsminister bei der Verleihung)



Die Politik lehnte die Einführung eines reinen Verwundetenabzeichens, wie z.B. das US-amerikanische Purple Heart ab, obwohl es durchaus andere Stimmen in der Truppe gab. Die Medaille hat aber auch einen größeren Zweck, den sie erfüllen muss, denn die Lücke zwischen Einsatzmedaille der Bundeswehr und dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit wird dadurch geschlossen. So langsam entsteht wieder ein Ordenssystem, dass an die Kriegsbedingungen - denn dies sind Sie - der deutschen Armee im Ausland unterworfen sind.

Die Medaille entspricht den deutschen Ordensnormen in der Nachkriegszeit, so hat sich auch hier die goldene Farbe durchsetzt, ebenso der erhaben geprägten Bundesadler in der Mitte. Die unten gekreuzter und nach oben hin gebogenen offenen Lorbeerzweigen, entsprechen den traditionellen Gestaltungstraditionen der Vorkriegszeit. Der äußere Rand der Medaille wird von einem schwarz-roten Rand gebildet. Der schwarz emaillierte Schriftzug GEFECHT auf goldenem Hintergrund, der zusätzlich auf dem Band getragen wird, hebt die Medaille von der Einsatzmedaille charakteristisch ab. Ganz in der Tradition deutscher Kriegsmedaillen hat sich diese kleine Detail wieder durchsetzt und betont das Ordensbändchen auf ganz besondere Weise. Ein verkleinertes Modell kann auch am Zivilanzug getragen werden. Besondere Trageverordnungen sind für besondere Anlässe gedacht und lasse außerordentliche Möglichkeiten, die Medaille in verschiedenen Formen zu tragen.
 


(Der Verteidigungsminister mit Trägern des Ehrenkreuz für Tapferkeit und der Gefechtsmedaille)

 

Wer den deutschen Soldaten Gutes tun will, muss sich um ihre Sicherheit kümmern, dafür sorgen, dass sie bestens ausgerüstet sind und gute Gründe haben für einen Marschbefehl in gefährliche ferne Länder. Das ist wichtiger als ein Orden, den man an die Uniform heftet oder womöglich gar auf einen Sarg legt.