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Das Thema

Japanische Medaillen

Boxer-Aufstand-Ehrenmedaille
(shinkoku jugun kisho)

 

 



Die japanischen Ehrenmedaillen sind grob mit den Ärmelbändern und -schilden der Wehrmacht zu vergleichen.

Medaille

 

Die Medaille:

Mit kaiserlichem Edikt Nr. 142 vom 21 April 1901 wurde eine Ehrenmedaille für alle im Rahmen des Boxer-Aufstandes an der Belagerung von Beijing, dem Entsatz und den bis November 1900 folgende Gefechten beteiligten Soldaten geschaffen. Diese sollte ursprünglich auch an besonders herausragende ausländische Soldaten vergeben werden. Dies ist jedoch niemals erfolgt, wohl als Antwort auf die Ergebnisse der Friedensverhandlungen.

Die Medaille bestand aus einer 30 mm durchmessenden bronzenen Scheibe und einer oben angelöteten Spange für das Medaillenband. Auf der Vorderseite ist unten ein stilisierter asiatischer Phönix (der mystische Hō-ō) mit aufwärts gespreizten Flügeln und eine stilisierte Chrysanthemenblüte oben eingeprägt. Zwischen den Flügeln unter der Blüte stehen die Kanji-Symbole für jugun kisho (Ehrenmedaille). Auf der Rückseite sind zwei Zeilen Kanji eingeprägt, oben dai-nippon teikoku (Großes Japanisches Kaiserreich), unten Meiji sanjusan-nen (Meiji 33. Jahr = 1900). Auf der Medallienspange sind ältere Kanji-Symbole für shinkoku jihen(China-Zwischenfall) eingeprägt.

Das Medallienband ist aus Seide, 37 mm breit. Außen sind 2 mm breite grüne Streifen, dazwischen wechseln sich drei 7 mm breite weiße und zwei 6 mm breite grüne Längsstreifen ab.


Historie

 

Hintergrund:

Ende des 19. Jahrhunderts unternahmen die europäischen Großmächte immer mehr Anstrengungen, China unter ihre Kontrolle zu bringen, um sich den riesigen Absatzmarkt zunutze machen zu können. Neben politischem Druck auf den politisch sehr schwachen Kaiser und seine Regierung waren Bestechung, Drogen und christliche Missionierung Mittel ihrer Wahl. Die Chinesen galten als minderwertig. Dagegen erhoben sich Mitte der 1890er immer mehr chinesische Patrioten. Diese Gruppen setzten sich insbesondere für eine Stärkung des Kaiserreichs und für die Zurückdrängung der „europäischen Barbaren“ ein. Neben politischem Druck wurde Gewalt als legitimes Mittel der Wahl angesehen. Dazu unterzogen sich die Mitglieder einem körperlich anstrengenden Training im waffenlosem Kampf und Nahkampf.
Auf Druck der Europäer wurden diese Bewegungen zunächst vom chinesischen Staat brutal unterdrückt. Dies führte jedoch zu einem massiven Zulauf an Mitgliedern und zu einem Machtwachstum. 1898 schlossen sich schließlich die meisten Gruppen zur „Rechtschaffenden Faust der Harmonie“ (Yihe tuan) zusammen. Deren Mitglieder nicht zuletzt auch wegen des Kampftrainings von den Europäern respektlos „Boxer“ genannt wurden. Ziele der "Faust" waren unter anderem die gewaltsame Vertreibung der Ausländer, Stärkung des Kaisers und Zurückdrängung des Christentums. Während der Kaiser Guangxu nicht zuletzt wegen seines Wissens um die waffentechnische Überlegenheit der Ausländer selbst nur eine Zukunft im Zusammenwirken mit den Europäern sah, sah die wahre Machthaberin Tz'u-Hsi T'ai-hou (Mutter des Vorgängers und offizielle Machthaberin bis zur Volljährigkeit Guangxus 1898) eine Chance zur Wiederherstellung der staatlichen Souveränität.

1899 begann ein landesweiter Aufstand der „Faust“ gegen die insbesondere im Norden stark verbreiteten christlichen Missionen. Trotz massivem politischem Drucks wurden seitens des Kaiserhauses nur wenig dagegen getan, da Tz'u-Hsi T'ai-hou den Kaiser Anfang 1899 de-facto wieder entmachtet hatte. Ab Mitte Juni 1900 griffen die „Boxer“ schließlich auch die ausländischen Gesandtschaften im Diplomatenviertel von Beijing an. Die Europäer und Japaner hatten diesen Angriff erwartet und sich entsprechend verschanzt. Am 21.06.1900 sah man im Kaiserpalast eine einmalige Chance und erklärte den Ausländern offiziell den Krieg und unterstütze die Säuberungen durch die „Faust“. Zu den im Diplomatenviertel verschanzten Truppen (insgesamt 435 Mann) gehörten neben britischen, französischen, russischen, deutschen, österreichischen, italienischen und amerikanischen Soldaten auch eine Gruppe von 30 japanischen Marinesoldaten, die sich in den Gefechten hervorragend bewährten und unter den Europäern höchsten Respekt genossen.

 

Karte des belagerten Diplomatenviertels

 


 

Ein erster improvisierter Entsatzversuch von 2.000 hastig zusammengestellten ausländischen Soldaten unter britischer Führung Ende Juni 1900 endete 25 km vor Beijing im Feuer chinesischer Truppen und Kämpfern der „Faust“. Bis Mitte Juli wurden dann 54.000 Mann internationale Truppen, darunter ca. 21.000 japanischen Soldaten (Teile der 5. Infanteriedivision und Marine-Landungsverbände sowie Hafen-Schutztruppen und die Besatzungen von 18 Kriegsschiffen aller Größen), und 1.000 loyale Chinesen zusammengezogen, die strategische Häfen einnahmen und einen nachhaltigen Vorstoß auf Beijing abdecken sollten. Anfang August begann dann der Vorstoß von 2.0000 alliierten Soldaten auf Beijing gegen 70.000 kaiserliche Soldaten und bis zu 100.000 Kämpfer der „Faust“. Am 14.08.1900 erreichten die allliierten Verbände schließlich Beijing, beendeten die Belagerung und eroberten die Verbotene Stadt. Der Kaiser und die Herrscherin hatten nur kurz zuvor entkommen können.

Bis September 1901 zogen alliierte Strafexpeditionen durchs Land und bekämpfte mit Unterstützung untergetauchter chinesischer Christen die „Faust“ mit brutaler Gewalt. Dabei wurde jedoch die kaiserliche Verwaltung weitestgehend geschont, da man durchaus verstanden hatte, dass ein Kaiser als Marionette eine bessere Kontrolle ermöglichte als ein fremder Herrscher. Am 07. September 1901 endete der Konflikt mit einem Anerkenntnis des Kaisers.

 


Japanische Marine-Landungstruppe



Die Auswirkungen des Krieges waren weitreichend. So endete die nationale Eigenständigkeit Chinas für fast 50 Jahre. Außerdem wurden Reparationsverpflichtungen bis 1939 vereinbart, die den chinesischen Staat nahezu handlungsunfähig und vom Wohlwollen der Schuldnerstaaten abhängig machten. Außerdem eignete sich Russland vor Kriegsende noch die Mandschurei an und erhielt mir Port Arthur einen dauerhaft eisfreien Hafen in Asien. Zusätzlich wurde Japan endgültig als Teil der internationalen Gemeinschaft anerkannt, was die Gefahr einer Kolonialisierung durch die Europäer und Amerikaner ausschloss. Die staatliche Souveränität war damit vorerst sichergestellt, auch wenn die Europäer und Amerikaner Japan trotz des größten gestellten Truppenkontingents bei den Friedensverhandlungen sowohl bei der Verteilung der Reparationen übervorteilten als auch Russland die von Japan beanspruchte Mandschurei überließen.


Quellen

Orders and Medals Society of America (letzter Zugriff 28.10.2009)
www.xavierb.org (letzter Zugriff 28.10.2009)
en.wikipedia.org (letzter Zugriff 28.10.2009)
Nambu World (letzter Zugriff 28.10.2009)



Autor: tom!