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Das Thema

 

Pour le Mérite
"Der Höchste Orden des Deutschen Kaiserreichs"

 


Einleitung

 

Der Orden pour le mérite geht auf den brandenburgisch-preußischen Orden de la générosité (1667) zurück. Die Umwandlung bzw. Neustiftung erfolgte, anlässlich des ersten Schlesischen Krieges gegen Österreich, durch Friedrich den Großen nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1740, wobei allerdings Statuten nicht erlassen wurden.
Der Orden war zunächst Militär-und Zivilauszeichnung und wurde erst 1810 zum reinen Kriegsorden. Die Kabinettsorder vom 18.01.1870 bestimmte ausdrücklich: „Der Orden pour le mérite soll künftig nur für das im Kampf gegen den Feind erworbene Verdienst erworben werden können.“
 

 



Weiterhin wurde in der Stiftungsurkunde des Eisernen Kreuzes festgelegt, dass der Orden für „außerordentliche Fälle“ auch „mit drei goldenen Eichenblättern am Ringe“ verliehen werden kann.
 

 



Der Orden ist ein blaues achtspitziges emailliertes Malteserkreuz (Das sogenannte Kleinod des Ordens), mit goldenem Rande, in dessen Winkel sich goldene (ungekrönten) Adler mit ausgebreiteten Flügeln befinden. Der obere Balken zeigt ein goldenes „F“ und darüber eine Krone, die unteren Balken tragen die Inschrift: „Pour le Mé - rite“. (dt: „für den Verdienst“). Die Rückseite des Kreuzes ist blau emailliert und glatt.
Der Orden wird an einem schwarzen, mit Silber eingefassten Bande am Hals getragen. Bei Verdiensten, die einer zweiten Verleihung entsprochen hätten, wurde dem Band ein silberner Mittelstreifen hinzugefügt. Den Ordensrittern wird nach § 11 des Ordensgesetzes weiterhin Ehrensold gewährt. Außerdem hatten die Ordensinhaber Anspruch auf besondere militärische Ehren. So waren sie stets zuerst zu grüßen, auch von Ranghöheren. Wachen mussten vor ihnen „ins Gewehr treten“, was sonst nur den unmittelbar vorgesetzten Kommandeuren und Personen aus regierenden Häusern vorbehalten war.
 

 



Nach dem Sieg über Österreich erweiterte König Wilhelm I. den "Pour le Mérite" durch eine Kabinettsorder vom 20. September 1866 um eine Großkreuzstufe mit dazugehörigem Bruststern. Beim Großkreuz sind die Adler gekrönt. Das Kreuz besaß zusätzlich ein goldenes Medaillon mit dem Bildnis Friedrichs des Großen. Der blass goldene Stern zum Großkreuz war annähernd rhombusförmig, in der Mitte befand sich das Medaillon mit dem Bildnis Friedrichs des Großen. Der blau emaillierte Medaillonring zeigte den Namen des Ordens und zwei grün emaillierte Lorbeerzweige.
Als einziger Ausländer wurde der russische Zar Alexander II. (1818-1881) mit der Großkreuzstufe in Anerkennung seiner Leistungen zur Beendigung des russisch-türkischen Kriegs ("Krimkrieg": 1853-1856) geehrt. Danach wurde diese Stufe nur noch ein einziges Mal verliehen: Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke (1800-1891) erhielt diese höchste Auszeichnung 1879 zu seinem 60jährigen Dienstjubiläum.

Der Pour le Mérite war neben dem Orden vom Schwarzen Adler die bedeutendste Auszeichnung, die in Preußen vergeben werden konnte. Aber mit der Revolution von 1918/19 und dem Ende der preußischen Monarchie entfiel die Militärauszeichnung, die insgesamt 5.430-mal verliehen worden war.


Ordensträger

 
König Friedrich des Großen (1740-1786)
in 46 Jahren 924 Verleihungen
König Friedrich Wilhelm II. (1786-1797)
in 11 Jahren 1.006 Verleihungen
König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840)
in 43 Jahren 2.454 Verleihungen
König Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861)
in 21 Jahren 36 Verleihungen
König Wilhelm I. (1861-1888)
in 27 Jahren 306 Verleihungen
König Friedrich III. (1888-1888)
in 1/2 Jahr keine Verleihungen
König Wilhelm II. (1888-1918)
in 30 Jahren 704 Verleihungen

 


 
Liste der Träger des Pour le Mérite (Militärorden)

(prominente Träger)
Werner von Blomberg Generalfeldmarschall (letzter Dienstgrad), Heer, 3. Juni 1918 (Verleihung)
Max Immelmann Oberleutnant Luftwaffe 12. Januar 1916
Paul von Hindenburg Generalfeldmarschall Heer 8. September 1914 / 23. Februar 1915 (Erweiterung zum Eichenlaub)
Alfred Keller Generaloberst Luftwaffe 4. Dezember 1917
Erich Ludendorff General der Infanterie Heer 8. August 1914 / 23. Februar 1915
Kronprinz Wilhelm von Preußen General der Infanterie Heer 22. August 1915/ 8. September 1916

Manfred von Richthofen Rittmeister Luftwaffe 12. Januar 1917
Manfred Freiherr von Richthofen Generalleutnant Heer 18. Januar 1918

Erwin Rommel Generalfeldmarschall Heer 10. Dezember 1917
Hans von Seeckt Generaloberst Heer 14. Mai 1915
Alfred von Tirpitz Großadmiral Marine 10. August 1915
Ernst Udet Generaloberst Luftwaffe 9. April 1918
Ernst Jünger Hauptmann Heer 18. September 1918 (Er erhielt den letzten verliehenen "Pour le Mérite" kurz vor dem Waffenstillstand vom 11. November 1918. Jünger (1998 verstorben) war auch der letzte lebende Träger der militärischen Ordensklasse und letzter Ordenskanzler.)


Friedensklasse

Friedensklasse

 

 



Alexander von Humboldt (1769–1859) regte 1842 Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) dazu an, eine „Friedensklasse“ des Ordens unter der Bezeichnung Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste für die drei Abteilungen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin sowie Schöne Künste zu stiften (31. Mai). Hier besteht das Ordenszeichen aus einem blau emaillierten goldenen Ring, an dem außen an vier gegenüberliegenden Stellen die preußische Krone und innen zweimal die Zeichenfolge „FF II“ angebracht sind, während auf dem Ring die Ordensbezeichnung verläuft. In der Mitte befindet sich ein goldenes Medaillon mit Adler. Das Band entspricht dem der Militärklasse.
Bis 1918 erfolgten zahlreiche Verleihungen des Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Nach Abdankung der Hohenzollern im Zuge der Revolution 1918/19 wurde der „Pour le Mérite“ nicht mehr als staatliche Auszeichnung verliehen, aber die vom Kaiser verliehenen Orden durften in der Weimarer Republik öffentlich getragen werden. Da die Verfassung von 1919 alle Stiftungen von Orden verbot, organisierten sich die verbliebenen Ordensträger als eine freie Gemeinschaft von Künstlern und Gelehrten zur Verleihung ziviler Auszeichnungen. Das Staatsministerium billigte 1924 diesen Brauch.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden wieder staatliche Auszeichnungen gestiftet. Die Verantwortung dafür lag zunächst beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und ging nach dessen Tod 1934 auf den Reichskanzler Adolf Hitler über.Hermann Göring (selbst Ordensträger der Kriegsklasse) ließ als preußischer Ministerpräsident die bisherigen Träger von der Gestapo „auf ihre politische und künstlerische Eignung“ überprüfen, woraufhin der Orden allen Juden und politischen NS-Gegnern wie Kommunisten abgesprochen wurde – unter anderem auch Käthe Kollwitz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterblieben zunächst Verleihungen des „Friedenszweiges“, doch es bildete sich wie in der Weimarer Republik eine zivile Gemeinschaft mit staatlicher Anerkennung unter dem Namen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Bundespräsident Theodor Heuss wurde 1952 Protektor des Ordens. Das Sekretariat des Ordens wird vom Kulturstaatsminister beim Bundeskanzler geführt. So hat nun der „Pour le Mérite“ in Deutschland zwar ein hohes Prestige, doch keinen offiziellen Status wie z. B. der Verdienstorden des Bundesverdienstkreuzes. Laut Satzung (in der letztgültigen Fassung von 1990) sind die Ordensinsignien „Eigentum der Bundesrepublik Deutschland“. Sie werden im tatsächlichen Sinne nur ver-„liehen“ und müssen, anders als bei anderen Ordenszeichen, nach dem Tode des Trägers zurückgegeben werden.
(Ich verzichte an dieser Stelle auf die Nennung von Trägern des Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste)
 


 
Träger beider Ordensklassen
Bedingt durch die vollkommen unterschiedlichen Verleihungsanforderungen sind nur sehr wenig Geehrte mit beiden Klassen ausgezeichnet worden.
Helmuth Karl Bernhard von Moltke, Historiker und Generalfeldmarschall – Kriegsklasse „mit Eichenlaub“
Julius von Verdy du Vernois, General der Infanterie
Otto von Bismarck, Staatsmann
Hermann von Kuhl, Historiker und General der Infanterie – Kriegsklasse „mit Eichenlaub




Eine zusammenhängende ausführliche Darstellung der Ritter des Ordens existiert bis heute nicht. Allerdings sind verschiedene literarische Werke entstanden, aus denen sich die wichtigsten Daten zu den einzelnen Persönlichkeiten heraussuchen lassen. In erster Linie sind dies vier Bücher, auf die hier Bezug genommen wird und die auch die Quellengrundlage für die folgende Zusammenstellung sind. Aus diesen vier Bänden lassen sich alle Verleihungen rekonstruieren. Bis auf einige Ausnahmen - namentlich aus der frühen Zeit des Ordens im 18. Jahrhundert - ist für jede Person das Datum der Verleihung sowie meistens eine ausführliche Verleihungsgründung vorhanden!

 


Quellen

Katalog deutsche Orden und Ehrenzeichen. 1871 bis zur Gegenwart, Battenberg 1995.
Karl-Friedrich Hildebrand/Christian Zweng Die Ritter des Ordens Pour le Mérite 1740-1918, Biblo-Verlag 1999.
Hans Karl Geeb/ Heinz Kirchner / Hermann-Wilhelm Thiemann, Deutsche Orden und Ehrenzeichen, Berlin 1977.
http://de.wikipedia.org/wiki/Pour_le_M%C3%A9rite (letzter Aufruf 28.09.2009)
http://home.foni.net/~adelsforschung/plm00.htm (letzter Aufruf 28.09.2009)
http://www.orden-pourlemerite.de/ (letzter Aufruf 28.09.2009)
http://www.hdg.de/lemo/html/kaiserreich ... index.html (letzter Aufruf 28.09.2009)
http://www.pourlemerite.org/ (letzter Aufruf 28.09.2009)
http://www.orden-pourlemerite.de/orden.htm (letzter Aufruf 28.09.2009)
http://www.bundesregierung.de/nn_23690/ ... erite.html (letzter Aufruf 28.09.2009)



Autor: Freiherr von Woye