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Das Thema

Der Luisenorden
(Damenorden)

 


(Louisenorden 1. Klasse - 1865)

 

In einer Zeit des Krieges, wo der große Kampf für Freiheit und Recht ganz Preußen forderte und einverleibte, wurde den stummen Kämpferinnen des Krieges im Hintergrund gedacht. So sollten auch die Frauen nicht zurückbleiben und ungeehrt sein. Sie waren genauso Patrioten und brachten mitunter die schwersten Opfer, ohne eine Anerkennung oder der verdienten Bewunderung. Nicht die Eitelkeit sollte diesen Orden auszeichnen, sondern die Würdigung der indirekt kämpfenden weiblichen Bevölkerung Preußens. Die Existenz eines solchen Ordens in Preußen ist schon einmalig, seine Stiftung, Statuten und Ausstattung aber umso mehr.

 


(Königin Luise - * 10. März 1776 / † 19. Juli 1810)

 

Rudolf Speth - "Königin Luise von Preußen als Nationalheldin"

Entstehung

Entstehung

 

Dieser Orden, der an die unvergessliche Königin Preußens erinnert und als höchster Damenorden im Königreich Preußen verliehen wurde, wird am besten durch die Worte der Stiftungsurkunde charakterisiert:

 

"Als die Männer unserer tapferen Heere für das Vaterland bluteten, fanden die in der pflegenden Sorgfalt der Frauen Labsal und Linderung. Glaube und Hoffnung gab den Müttern und Töchtern des Landes die Kraft, die Besorgnis um die Ihrigen, die mit dem Feinde kämpften, und den Schmerz um die Verlorenen durch ausdauernde Tätigkeit für die Sache des Vaterlandes zu stillen und ihre wesentlichen Hilfsleistungen für den großen Zweck wurden nirgends vermisst. Unmöglich ist es, diese Handlungen des stillen Verdienstes bei allen öffentlich zu ehren, die ihr Leben damit schmückten; aber Wir finden es gerecht, Denjenigen unter ihnen eine Auszeichnung zu verleihen, deren Verdienst besonders anerkannt ist."

 

(Friedrich Wilhelm III - 3. August 1814)

 

Der Orden wurde am 3. August 1814 während der Freiheitskriege gegen Napoleon I. von König Friedrich Wilhelm III. als Andenken an seine 1810 verstorbene Gattin Königin Luise gestiftet. Die Verleihung geschieht ohne Rücksicht auf den Familienstand (ledig oder verheiratet). Zusätzlich können solche Personen berücksichtigt werden, die durch Heirat oder anderweitig die preußische Nationalität angenommen haben. Dabei ist die Zahl auf 100 beschränkt, was den Orden sehr exklusiv und selten macht.

Ursprünglich wurde der Orden durch folgende Personen verliehen:

 

    - Vorsitz: Prinzessin Wilhelm königl. Hoheit

    - Staatsministerin Gräfin v. Arnim
    - Generalin v. Bogulawsky
    - Ehegattin des Kaufmanns Welper
    - Witwe des Bildhauers Eben

    - Geschäftsführung: Hofmarschall Grafen v. d. Gröben.

    (Später bestand das Kapitel dann aus fünf Ordensdamen, die über die Verleihung abstimmten)



Der Orden wurde 1850 unter König Friedrich Wilhelm IV., 1865 unter Wilhelm I. (zwei Klassen entstehen bzw. eine zweite untersetzte Abteilung entsteht) und 1890 unter Wilhelm II. erneuert. Die Stiftung selber, eine der wichtigsten neben einer Kriegsauszeichnung dieser Zeit, des Eisernen Kreuzes, wurde an dem Geburtstag Luise vorgenommen wurde. Hofarchitekt Schinkel hat den Entwurf des Königs in die Gestaltung übernommen und die Münze gestaltet. Die Neustiftung zum deutsch- französischen Krieg wurde auf den 60. Todestag der Königin gelegt. Die Kriegsgedenkmünze (10. März 1814) wurde ebenso an ihrem Geburtstag gestiftet und war ebenso vorwiegend gedacht für zivile Träger. Ein Rittmeister namens Haake initiierte die Schaffung eines Ordens für Frauen und Mädchen, die sich bei der Pflege Kranker und Verwundeter des Krieges hervorgetan hatten.

Des Weiteren fand Erweiterung des Statuts (1850) zugunsten "solcher Damen, welche sich gelegentlich der Unruhen in Baden und Posen durch besondere Aufopferung und patriotische Hilfeleistung hervorgetan haben" statt.
Außerdem sind ab 1865 die Jahreszahlen der Kriege auf die Rückseite in Erscheinung getreten. Wobei die neu errichtete zweite Abteilung an Frauen und Jungfrauen vergeben werden sollte, die sich um die Pflege und verdienstvolle Handlungen im Kriege verdient gemacht haben. Das ähnliche Statut der II. Klasse führte dazu, das Frauen ab 1890 diese innehaben mussten um die I. Klasse verliehen zu bekommen. Bis auf das Material veränderten sich nur Details an dem Orden zweiter Klasse. So war das „L“ anders geformt und eine Krone (golden oder silber, je nach Art des Verdienst bzw. Leistung) war über dem Kreuz angebracht.
 


(Luisenorden 2. Klasse - 1865)

Bedeutung

Historische Bedeutung

 

Der Orden ist Teil des Nationsmythos um die Ikone Luise. So wurde dieser Orden in national politisch entscheidenden Phasen immer wieder erneuert und somit ein gewisses Signal der Dankbarkeit gesendet. Man verlieh den Orden an Frauen, die sich durch die Pflege von Verwundeten während der Kriege und revolutionärer Ereignisse ausgezeichnet haben. Nutzt somit den Namen und Geschichte der Frau wie des Ordens, zur Gewinnung der (weiblichen) Bevölkerung in Krisenzeiten. Motivation, Überzeugung und Opferbreitschaft zu implementieren war die Strategie. Der Vaterländische Frauenverein hat diese Tätigkeit im großen Stil während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ausgeübt. Ergänzend zu diesem Orden und der Form des Eisernen Kreuzes zur Gänze nachempfunden ist, ist noch das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen zu nennen. Ebenfalls 1814 gestiftet, sollte es einen größeren Kreis von Frauen ehren.
So ist die Stiftung des Luisenordens und ebenso des Luisenkreuzes Bestandteil der Einbeziehung von Frauen in die Nation. Luisenkult ist Teil eines politischen Mythos und Mobilisierung der Gesellschaft bzw. eines Teils der Gesellschaft, den man in Krisenzeiten nicht unterschätzen durfte, denn fiel die Heimatfront war auch der Krieg verloren.

 


(Großkreuz des Louisenordens - 1901)

Trageweise

Tragweise



Der Orden besteht aus einem kleinen schwarz emaillierten goldenen Kreuz und ist auf beiden Seiten himmelblau (ebenfalls emailliert). Das Medaillon in der Mitte ist ein rundes Schild: Außenseite trägt es den Buchstaben L. (für Louise) mit einem Sternenkranz; Auf der Rückseite sind die Jahreszahlen 1813/1814 aufgemalt. Der Orden wird am weißen Band des Eisernen Kreuzes mit einer Schleife auf der linken Brust getragen. Er ähnelt somit in der Ausführung dem Eisernen Kreuz und ist auch, im historischen Zusammenhang, als Spiegelbild dieses Verdienstordens angelegt. Nicht christliche Trägerinnen bekamen statt des Kreuzes eine goldene Medaille mit gleichem Mittenmedaillon wie im Avers des Kreuzes.

 


Quellen

Maximilian Gritzner, Handbuch der Ritter- und Verdienstorden, Graz 1962.

http://de.wikipedia.org/wiki/Luisenorden (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834/A/Luisenorden (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.grosser-generalstab.de/orden/luisen001.html (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.preussenweb.de/prorden.htm (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://ordensmuseum.de/script/ekjungfr/ekjungfr.htm (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt01/0102dokb.htm (Letzter Zugriff 27.04.2010)



Autor: Freiherr von Woye