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Das Thema

Hoher Orden vom Schwarzen Adler


 

 

 

Der Hohe Orden vom Schwarzen Adler war der höchste preußische Orden.

Einleitung

Kurfürst Friedrich (III.) von Brandenburg stiftete am 17. Januar 1701, dem Tage vor seiner Königskrönung, den Hohen Orden vom Schwarzen Adler, im Sprachgebrauch meistens Schwarzer-Adler-Orden genannt. Mit dieser Stiftung, wie auch schon mit der für das arme Kurfürstentum Brandenburg sehr prunkhaften Krönungszeremonie, wollte der neue König die Würde und Bedeutung seines Staates im Konzert der damaligen führenden Dynastien in Europa demonstrieren.
Der Ordensstern mit dem schwarzen Reichsadler, einst dem Hochmeister des Deutschen Ordens vom Kaiser verliehen, von Herzog Albrecht im neuen Herzogtum Preußen weitergeführt, trägt die Aufschrift „Suum cuique“ = Jedem das Seine. Frei übersetzt kann man es mit „Gerechtigkeit“ übersetzen. Damit offenbart sich auch der Charakter des neu gestifteten Ordens. Zum einen die Verteidigung des christlichen Glaubens (denn 1683 standen die Türken ein zweites Mal vor Wien). Zum Anderen dem Schutz von Witwen und Waisen, einschließlich aller „Gewalt und Unrecht leidenden Leuten“.
So wurde die Tradition dieses Ordens weitergeführt und der Ordensstern zum höchsten preußischen Orden erhoben. Er bestand bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 und genauso wie der deutsche Kaiser verschwand er aus der Ordenslandschaft. Damit endete die Epoche der (bedeutenden) Hausorden in Deutschland, dabei handelte es sich in der Regel um einklassige Auszeichnungen, für die der regierende Fürst erblich die Großmeisterwürde innehatte.

 

 

Einordnung

 

Der große Unterschied zum Orden Pour le Mérite war, das der Schwarze Adlerorden kein Verdienstorden im üblichen Sinne war, sondern zunächst ein Ritterorden mit begrenzter Mitgliederzahl. Dies sollte die Exklusivität des Ordens unterstreichen und die Ehrung durch den preußischen König (gleichzeitig deutschen Kaisers) hervorheben. Die Prinzen des Königshauses waren dabei außen vor (sie waren geborene Mitglieder und wurden in den Statuten nicht mitgezählt), zum Einen weil sie durch die hohe Stellung in der Thronfolge herausgehoben wurden und auf der anderen Seite die Hochwohlgeborenen „nur“ in den höchsten Kreisen der elitären Gesellschaft des Königreiches verkehren sollten. Trotzdem erhielten die Prinzen die vollen Ehren des Ordens erst nach ihrer Konfirmation. Erst dann legten die Insignien, zusammen mit ihrer ersten Offiziersuniform, zum vollendeten zehnten Lebensjahr an.
Ursprünglich sollte die Zahl der preußischen Ordensträger nur 30 betragen, doch es qualifizierten sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderten weit mehr Personen für diese höchste Auszeichnung. Diese Personen mussten Eine Grundvoraussetzung für ihre Aufnahme in den Orden vor allen anderen vorweisen und zwar die der (prinzipiellen) adligen Herkunft. Der statutenbedingte Nachweise und Bedingungen waren extrem kompliziert. Entscheidend waren dabei die genaue Abstammung und das Alter der Adelsfamilie. (Bis 1848 mussten Personen von nicht reichsfürstlicher Geburt, die die Auszeichnung bekommen sollten, ihre Abstammung von acht adligen Ahnen nachweisen und das 30. Lebensjahr erreicht haben.) Die Neuveröffentlichung der Statuten, durch Friedrich Wilhelm IV. am 20. Februar 1848, brachte hier eine Wende. Die nichtadeligen Ordensritter erhielten mit dem Erhalt der Insignien einen Wappenbrief, der sie in den erblichen Adelsstand erhob. (Von nun an konnten auch nichtadlige „Untertanen“ den Orden bekommen. Natürlich nur sehr verdiente Persönlichkeiten, die dem König/Kaiser sehr nahe standen)
Der König/Kaiser konnte so „wichtige“ Persönlichkeiten an sich binden und damit Loyalitäten bzw. Königstreue fördern. Als Großmeister konnte er auch auf einer ganz anderen Ebene Einfluss nehmen. So ging die Aufnahme immer einher mit der Akzeptierung von Regeln und Pflichten, über die ebenfalls die Statuten Auskunft geben. Die Inhalte orientierten sich an landesherrlichen Gesichtspunkten. Die Treue zum Herrscherhaus galt als grundlegende Verpflichtung.
Der Orden vom Schwarzen Adler und seine Gesellschaft bildeten einen eigenen kleinen Hof. Gefördert wurde dies durch die spezifischen Rechten, die durch den Orden verliehen wurden. Darunter zählten der (fast ungehinderte) Zutritt am Hof, die Gewährung von Audienzen beim Landesherrn und Pensionszahlung und Gelddotationen zu den Wichtigsten. Die oben erwähnten Loyalitäten zum König/Kaiser konnte so auf eine „solide“ Grundlage gestellt werden. Diese Rechte waren aber nicht nur „Zuckerbrot“, denn durch die einhergehenden Pflichten des ständigen Tragens des Ordenszeichens in der Öffentlichkeit (Bei dem ersten Versäumnis der Tragepflicht musste der Ritter 30 Taler, bei der zweiten 100 Taler an das Waisenhaus zu Königsberg zahlen. Beim dritten Versäumnis wurde der Orden aberkannt.) und die Teilnahme an Ordenssitzungen/ -festen, schuf sich die preußische Krone einen gebundenen und vertrauenswürdigen Zirkel, in den Militärs, Künstler und andere (bedeutende) Personen des Hofes als Berater, wie auch als zuverlässige Untertanen fungierten.

 

 

Form/Ausstattung/Verleihung

 

Die Insignien des Ordens, die in der Regel aus dem Ordenskreuz (Ordenszeichen oder Kleinod), dem Ordensstern (Bruststern), der Schärpe, der Ordenskette (Kollane) und einer Ordenstracht bestehen, entsprechen den Traditionen der Hausorden in der Frühen Neuzeit und spiegeln in ihrer Symbolik den Stifters wieder. Voraussetzung für ihren künstlerischen Wert war eine ausgezeichnete handwerkliche Meisterschaft der Juweliere, Medailleure und Emailmaler.
Der Orden entsprach in Form und Ausstattung anderen europäischen Hausorden. Doch gehörte er als letzter (großer) Hausorden, eines Ordens innerhalb weltlicher Ritterorden, zu den letzten seiner Art. Die Tradition verlor sich mit dem Orden, denn starb ein Ritter, so ging die Kette, nachdem sie bei den Begräbnisfeierlichkeiten beigestellt gewesen war, an das Kapitel des Ordens zurück, worauf sie an einen neu aufgenommenen Ritter weitergegeben wurde. Ohne neue Ritter schrumpfte der Gemeinschaft der Ordensträger und gehört heute der Vergangenheit an. Er markierte die Grenze und den Übergang zu einer neuen „Klasse“ von Orden, den Verdienstorden. Früher waren es Personengemeinschaften, die sich durch solche Orden „heraushoben“, nach 1918 dominierten die Insignien für Verdienste die Ordenswelt in Deutschland.
 

 

 

Das Medaillon des achtstrahligen silbernen Ordenssternes zeigt den schwarzen preußischen Adler auf orangefarbenem Grund innerhalb der Ordensdevise Suum cuique (dt.: „Jedem das Seine“) sowie einen Lorbeerzweig. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Ordensstern gestickt und wurde an die Uniform genäht. Ab 1810 wurden die ersten Ordenssterne aus Metall verliehen und Friedrich Wilhelm IV. verfügte 1858, dass nur noch silberne Ordensterne zu verleihen sind.
Der silberne Ordensstern konnte, wie das Kleinod, auch mit Brillanten verliehen werden.
Die Ähnlichkeit zu den anderen europäischen Orden, wie dem englischen Hosenbandorden, bestand in der Trageweise. So konnte der Stern des Schwarzen Adlerordens mit dem Hosenband umschloßen werden. Das hob den Träger heraus und wies den Betrachter auf eine sehr charakteristische bzw. unnachahmliche Art auf den „Grad“ oder „Stand“ der Person hin. Der Adel unter dem Adel sozusagen. Ein Grund warum dieser Orden so begehrt war und die Verpflichtungen nur zu gern in Kauf genommen wurden. Dieser Effekt eines Ordens und seine Wirkung auf den Träger bzw. auf seine Umgebung, wurde in der Zeit danach gern „genutzt“. Vor allem nachdem auch der „kleine Mann“ in den Genuss einer Ordensverleihung kam.
Arbeiten zur Förderungen der Loyalitäten durch Orden gibt es leider nur sehr wenige.

Das Ordenszeichen des einklassigen Ordens ist ein blauemailliertes Malteserkreuz mit schwarzen gekrönten Adlern in den Kreuzwinkeln. In der Mitte befindet sich in einem goldenen Medaillon das verschlungene Monogramm des Stifters FR (= Fridericus Rex). Unter Friedrich Wilhelm II. (reg. 1786-1797) zeigt das Medaillon das Monogramm FWR (= Fridericus Wilhelminus Rex).

 

 

 

Die Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler trugen ab 1861 stets das Großkreuz des Roten Adlerordens als Halsdekoration.

 

 



Verliehen wurde der Orden an inländische Militär- und Zivilbeamte und an ausländische Fürsten und deren vornehmste Würdenträger. Die Blühte des Ordens hing von der Regentschaft der preußischen Könige ab. Im Zeitraum von über 200 Jahren, wurde die Kette 407mal verliehen. (57 Verleihungen in die Jahre 1701-1713, wurden noch vom Stifter, König Friedrich I., persönlich vorgenommen)


Erbe

Erbe

 

Heute ist der Ordensstern Zeichen der Feldjägertruppe der Bundeswehr und soll an die Gründung des Feldjägerkorps durch Friedrich II. im Jahre 1740 erinnern.
Er wird als Abzeichen in Eichenlaub gefasst am Barett getragen.

 


 
Prominente Träger
Alexander Hermann von Wartensleben (1650–1734)
königlich-preußischer Generalfeldmarschall und Stadtkommandant von Berlin

Karl von Plettenberg (1852-1938)
General der Infanterie, Kommandierender General des Gardekorps und Generaladjutant des Kaisers

Paul von Hindenburg (1847–1934)
Generalfeldmarschall und Reichspräsident, 1911

Alfred von Tirpitz (1849-1930)
Deutscher Großadmiral, 1907


Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800–1891)
Königlich-preußischer Generalfeldmarschall und Chef des Generalstabes, 1879

Guido Henckel von Donnersmarck (1830-1916)
Für Verdienste um Reparationsverhandlungen im Deutsch-Französischen Krieg, 1875
(Verwandt mit dem gleichnamigen deutschen Oscarpreisträger).

August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831)
Königlich-preußischer Generalfeldmarschall, 1815

Alexander Friedrich von Knobelsdorff (1723-1799)
Königlich-preußischer Generalfeldmarschall, 28. Mai 1789
 
Ordensritter - hier einige der ersten ausgezeichneten Persönlichkeiten
Kronprinz Friedrich Wilhelm

Prinz Ferdinand Kettler (1655–1737)
Preußischer General, Sohn von Jakob Kettler

Hans Albrecht von Barfus (1635–1704)
Brandenburgisch-preußischer Generalfeldmarschall

Philipp Karl von Wylich und Lottum (1650–1719)
Preußischer Generalfeldmarschall

Johann Georg von Tettau (1650–1713)
Kammerherr Friedrich III., Generalmajor der Kavallerie, Kommandant der Garde du corps




Wolfgang Stirbrny, Der Weg der Hohenzollern. Lebensbilder aller Kurfürsten, Könige und Kaiser aus dem hause Brandenburg-Preußen und der wichtigen übrigen Hohenzollern, Starke-Verlag 1981.

Quellen

http://www.preussenweb.de/prorden.htm (Letzter Aufruf 1.10.2009)
http://www.dhm.de/magazine/orden/ueber_haus.htm (Letzter Aufruf 1.10.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Adlerorden (Letzter Aufruf 1.10.2009)



Autor: Freiherr von Woye