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Das Thema

Die deutschen Kolonien in Kamerun und Togo
von 1884 - 1919

 

"Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erde überließ, dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel reservierte, wo die reine Doktrin thront
(Heiterkeit – Bravo!)
Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.
(Bravo!)"
Staatssekretär von Bülow

Kamerun/Beginn

Kamerun

 


Linke Flagge: Die Flagge des deutschen Gouverneurs von Kamerun
Rechte Flagge: Die Dienstflagge des Kolonialamtes (1893-1919)

Die ersten Schritte in Kamerun

Die ersten deutschen wirtschaftlichen Schritte gab es in Kamerun, abgeleitet vom portugiesischen Wort "camarão" für Krabbenbucht, gab es im Jahr 1868. Dabei wurde eine Fabrik von der Firma Woermann auf einem ausgedienten Schiff im Gebiet des Kamerunflusses errichtet. Danach dauert es etwas bis die deutschen Geschäftsmänner weiter versuchen ihren Einflussbereich zu vergrößern. So werden ab 1877 die ersten Dampfer für die Firma Woermann gebaut, um diese dann in den Transportdienst nach Westafrika eingesetzt. 1884 hat sich diese Linie dann auf insgesamt 5 Schiffe vergrößert und ab Hamburg ist nun eine stetige Verbindung nach Kamerun aufgebaut. Da nun ein Transport von Material und Personal weiter ausgebaut werden kann expandiert die Firma Woermann. So wird 1881 die erste Niederlassung auf dem afrikanischen Festland errichtet. In Duala in Kamerun errichtet man die erste Fabrik. Durch den Erfolg werden weitere Industrielle auf den Standort Westafrika aufmerksam. So will auch die Firma Colin im Gebiet eine Fabrik errichtet und beginnt ab etwa 1883 mit den Planungen dafür. Sie möchte gegenüber den britischen Gebieten der "Los-Inseln" ansiedeln und dort die sogenannte Dembiahkolonnie gründen. Um die örtlichen Verhandlungen zu führen werden Dr. Nachtigal und Dr. Buchner nach Afrika gesandt um mit den örtlichen Stammesführern Schutzverträge auszuhandeln. Nach ersten Gesprächen stellt sich aber schnell heraus das die Deutschen zu spät sind. Im Vorfeld hatten die Franzosen schon mit den Einheimischen gesprochen und mit diesen Vereinbarungen getroffen. Da diese Verträge schon 1880 geschlossen wurden wird nicht versucht die Stammesführer von diesen Verträgen zurücktreten zu lassen. Am 24. Dezember 1885 werden damit ein deutsch-französischer Vertrag geschlossen in dem man die Gebiete der Dembiahkolonie an Frankreich abgegeben wird, somit ist die Liegenschaft der Firma Colin, die "Fr. Colin, Deutsch-Afrikanisches Geschäft" nun auch im Bereich der französischen Gerichtsbarkeit.

 

Kamerun/Kolonie

 

Die Kolonisation beginnt in Kamerun

Trotz dieses Rückschrittes wird die Expansion in Westafrika weiter im Auge behalten. So erhält Dr. Nachtigal, der deutsche Generalkonsul in Tunis, am 19. Mai 1884 den Auftrag in die westafrikanischen Gebiete zu reisen. Dort soll er die Möglichkeiten erkunden ob es in den Gebieten zwischen dem Nigerdelta und Gabun, besonders im Bereich des Kamerunflusses bis zum Kap St. John, Gebiete gibt in denen man Schutzverträge abschließen kann und somit Fuß in diesem Bereich fassen kann. Ihm wird dabei aber auch gleich mitgeteilt, dass der Aufbau einer Schutztruppe sowie einer Verwaltung nicht vorgesehen ist. Man hofft so auf diplomatischem Wege neue Gebiete zu erhalten, durch diese aber keine Kosten tragen zu müssen. Mitte Juli 1884 ist es dann soweit. Durch Vorarbeiten von Mitarbeitern der Firmen "Woermann" und "Jantzen & Thormählen" kann die Delegation um Dr. Nachtigal Verträge mit Stammesführern in Bimba, Bell, Aqua und Didotown abzuschließen. In den folgenden Monaten arbeitete Dr. Nachtigal weiter daran den Einflussbereich zu vergrößern, so konnten nicht nur in Küstennahe sondern auch im Landesinneren weitere Schutzverträge abgeschlossen werden. Schlussendlich kam es dann 1885 zum Abschluss eines Schutzvertrages in Südkamerun.

Links: Eine Plantage in Dschungel
Rechts: Eine deutsche Fabrik mit einheimischen Mitarbeitern

 

Durch Probleme unter den Stammesfürsten und durch Konflikte mit den alteingesessenen Kolonialmächten, England und Frankreich, kommt es zu Spannungen. So kommt es im September 1884 zu einem Aufstand gegen den "König Bell" im gleichnamigen Stammesgebiet. Dieser Aufstand der Einheimischen, wohl auch durch englische Kaufleute aufgehetzt, muss durch ein deutsches Landungskorps zweier Kriegsschiffe niedergeschlagen werden. Es kommt zwar zu keinen nennenswerten Verlusten, zeigt aber die spannungsgeladene Luft in diesen Gebieten auf. Durch diese Situation aufmerksam geworden, versucht Deutschland politisch dort Ruhe zu schaffen. Am 29. April 1885 wird deshalb ein Abkommen mit den Briten geschlossen, dabei sollen die gegenseitigen Interessen vertraglich abgegrenzt und zugesichert werden. Durch diesen Vertrag sind die Gebietskonflikte, zumindest für die Kolonialmächte, beendet. Entgegen der früheren Meinung wird nun doch eine Verwaltung in diesen Gebieten aufgebaut. So trifft am 3. Juli 1885 der Freiherr von Soden in Kamerun ein um dort als Gouverneur die Verwaltung aufzubauen. Mit ihm reist ein gewisser Unteroffizier Füllbier. Dieser soll aus Einheimischen eine Polizeitruppe ausbilden um diese dann im Auftrag der Gouverneur-Regierung einzusetzen. Die Planungen beginnen früh, die Umsetzung findet aber schließlich erst 1891 statt. Man hatte zwar mit den Briten einen Vertrag über die Gebiete abgeschlossen aber nicht mit den Franzosen, so beginnt die deutsche Kolonialregierung auch mit Diesen über die Gebiete in Westafrika zu verhandeln. Man kann schließlich am 24. Dezember 1885 einen Erfolg verzeichnen. In dem abgeschlossenen Vertrag werden die Einflussgebiete zwischen den beiden Staaten festgelegt, auch kann man sich über den Austausch der kleineren durcheinander liegenden Schutzgebiete einigen. Somit haben jetzt beide Gebiete geschlossene Einflussgebiete und keine Ländereien mehr die in der Gerichtsbarkeit des jeweils anderen liegen. Durch diese weitere politische Problemlösung kann man weiterhin die Ruhe in den Gebieten ausbauen, die Wirtschaft ankurbeln und so die Gebiete weiter voran bringen. Am 10. Oktober 1886 wird somit auch die Bezahlung in der Reichsmarkwährung eingeführt. Am 1. Februar 1887 folgt dann das erste Postamt in Duala und schließlich am 24. Februar die erste Regierungsschule. Im Jahr 1888 wird eine Forschungsexpedition ins Leben gerufen, ihr Zweck ist die weitere Erkundung des Landesinneren um dort weitere Möglichkeiten zu erkunden ob und wie man das Land weiter wirtschaftlich nutzen könnte. In diesem Verlauf kommt es zu schweren Kämpfen mit den Einheimischen und Verluste sind zu beklagen. Die Expedition muss daraufhin abgebrochen werden. Um die staatliche Gewalt in den Gebieten ausüben zu können wird 1891 nun endlich die Polizeitruppe aufgestellt und in den Dienst gestellt. Im Februar des Jahres 1893 erhalten die deutschen Gebiete in Westafrika den Anschluss an das Telegrafennetz. Dazu wird mit einer britischen Gesellschaft ein Nutzungsvertrag abgeschlossen der bis 1913 bestehen bleibt. Erst dann wird, durch ein deutsches Kabel aus Togo ermöglicht, ein deutsches Netz aufgebaut und der Vertrag mit den Briten wieder aufgelöst. Durch ein Ausweiten der Einflussgebiete in das afrikanische Hinterland muss ein neues Abkommen zwischen England und Deutschland geschlossen werden. Ziel ist es die Grenzen im Hinterland frühzeitig festzulegen, um so Konflikten zuvor zu kommen. Diese Abkommen werden am 14. April und am 15. November 1893 abgeschlossen.

 

Soldaten der deutschen Schutztruppe



Im Dezember 1893 kommt es zu einem Aufstand innerhalb der Polizeitruppe. Dabei verlangen 50 Polizisten aus Dahomey, dass ihnen Sold gezahlt wird. Bis dahin hatte man den ehemaligen Sklaven, die man aus Dahomey freigekauft hatte, nur Kleidung, Unterkunft und Nahrung gestellt. Da eine schnelle Einigung ausbleibt beginnen diese Aufständischen auf der Joßplatte zu plündern. Daraufhin wird der Aufstand durch die Mannschaft des deutschen Kriegsschiffes "S.M.S. Hyäne" niedergeschlagen. Am 15. März 1894 wird ein neuer Vertrag mit Frankreich geschlossen. Dabei geht es wiederum um strittige Gebiete, als Ergebnis der Verhandlungen erhält das Deutsche Reich die Gebiete des sogenannten "Entenschnabels". 1894 beginnt schließlich eine Strafexpedition der Deutschen gegen die "Bakwiri". Diese hatten begonnen ihre Ländereien gegen die Einnahme durch deutsche Betriebe zu verteidigen. Es gibt mehrere Kämpfe bis schließlich der Stammesführer der "Bakwiri" fällt. Der Aufstand ist niedergeschlagen und es kann mit der Inbesitznahme der Gebiete begonnen werden. Dabei stößt man auf die Gebeine der Gefallenen der Expedition die 1888 ins Landesinnere marschiert war und dabei angegriffen wurde. So werden die Gebeine des Hauptmann von Gravenreuth, des "Löwen von Ostafrika", geborgen und schließlich in Duala unter einem Denkmal beigesetzt. Die neu gewonnenen Gebiete um den Kamerunberg werden 1897 schließlich wirtschaftlich erschlossen, man beginnt dort große Kakaopflanzungen anzulegen. Durch den Erfolg der sich einstellt gibt es weitere Expeditionen ins Landesinnere. Eine dieser Expeditionen, unter Führung eines gewissen Herrn Schlechter, erreicht ein Gebiet das sehr reich an Kautschukbäumen ist. Von dieser Information beeindruckt versuchen viele Händler in dieses Gebiet vorzudringen um sich ein Stück vom Kuchen abzuholen. Daraufhin kommt es zu schweren Konflikten mit den dort ansässigen Stämmen. In deren Verlauf wird dann ein Aufstand des Bulistammes bei Kribi blutig niedergeschlagen. Da man durch Verträge die Ländereien zwischen England und Deutschland zwar aufgeteilt hatte aber nie wirklich vermessen hatte beginnt ab 1902 schließlich eine deutsch-englische Expedition damit die Grenzlinie zwischen Yola und dem Tschadsee zu vermessen. Es dauert bis 1904 bis diese Expedition erfolgreich beendet werden kann. Wie auch in Deutsch-Ostafrika wird mit einer Verordnung des Reichskanzlers vom 21. Februar 1902 nach und nach die Sklaverei abgeschafft. Diesen geht es somit immer besser aber die allgemeine Lage im Land wird eher unruhig. Das Verhältnis zwischen den Industriellen und Händlern mit den Einheimischen wird immer schlimmer. Schließlich endet dies in Unruhen im Jahr 1903. Dabei kommt es zu schweren Konflikten am oberen Dja und Njong im Süden. Dabei werden viele Händler entweder vertrieben oder sogar getötet. Wie auch schon bei den Bakwiri wird der Aufstand blutig nieder geschlagen um die Ordnung wieder herstellen zu können. Die nächsten Unruhen flammen dann langsam auf als die deutsche Gesellschaft "Südkamerun" mit einem Dampfer den Njong hinauffuhr und versuchte dort ansässig zu werden. Die dort ansässigen Stämme schlossen sich zusammen um gemeinsam gegen die Eindringlinge vorzugehen. Um den ständigen Unruhen entgegen zu wirken werden verschiedene Verordnungen beschlossen um die Lage zu stabilisieren. So wird zum Beispiel am 1. Juni 1907 ein Gesetz verabschiedet das die Bezahlung der Arbeiter in Kamerun regelt. Trotz dieser Neuerungen kommt es aber zu weiteren Aufständen, diesmal erhebt sich die muslimische Bevölkerung im Norden gegen die deutsche Regierung. Schnell wird dieser Aufstand aber wiederum von der Polizeitruppe niedergeworfen. 1908 wird ein neuer Vertrag zwischen Frankreich und Deutschland geschlossen. Dabei geht es um die Regulierung der Grenzen im Süden und Osten zwischen diesen beiden Staaten.
 

 

Links: Kampf im Dschungel
Rechts: Deutsche Offiziere und Unteroffiziere

 

Um das Leben in Westafrika weiter zu verbessern, vor allem für die einheimische Bevölkerung, werden weitere Betriebe angesiedelt. So entstehen zum Beispiel eine eigene Druckerei der Regierung, es wird eine erste Eisenbahnlinie von 160km Länge gebaut, man baut ein Hospital für Lepra-Kranke und viele weitere Betriebe die vor allem auf die Ausbildung der Einheimischen ausgerichtet sind. 1910 entsteht auch eine landwirtschaftliche Schule in Viktoria. Durch die neu gewonnenen Möglichkeiten schaffen es die Deutschen langsam Ruhe in ihre Kolonie in Westafrika zu bekommen. Auch kann der Einflussbereich des Kaiserreiches weiter ausgebaut werden. Durch das Deutsch-französisches Marokkoabkommen, das am 4. November 1911 beschlossen wird, erlangt das deutsche Kaiserreich Zugang zum Kongo und dessen rechtem Nebenfluss Unangi. Die deutschen Gebiete im Westen des Schwarzen Kontinentes werden immer größer und wirtschaftlich bedeutender. 1912 beginnt schließlich auch die Tabakanpflanzung in Südkamerun und die "Afrikanische Frucht-Compagnie, G.m.b.H." wird gegründet. Damit gibt es weitere Wirtschaftszweige die gute Profite abwerfen. Um die Verbindungen in Kamerun zu verbessern aber auch nach Deutschland zu vereinfachen wird 1912 durch die Gesellschaft "Telefunken" eine Funkstation errichtet. Im Februar 1913 wird dann eine Kopfsteuer von 10 Mark in Kamerun eingeführt, der Ubangivorsprung wird unter deutsche Verwaltung gestellt und man erhält im April von Frankreich die Station Carnot in Neukamerun. Somit ist schließlich ab Juni 1913 der Gebietsaustausch mit Frankreich abgeschlossen und alle strittigen Grenzfragen aus der Welt geschafft. Neben den außenpolitischen Erfolgen gibt es im Jahr 1913 auch noch innenpolitische Neuerungen. Man erhöht zwar einerseits die Einfuhrzölle nach Kamerun nutzt diese aber dann zeitgleich um das Straßennetz weiter auszubauen. Somit kommt das mehr gezahlte Geld allen, vor allem aber der Wirtschaft zu gute. Auch wird endlich das Europäer-Krankenhaus eröffnet. Mit Standort in Jaunde haben nun die Europäer ein sehr gutes, auf neustem Stand stehendes Krankenhaus zu Verfügung. Auch wird das Bahnnetz weiter ausgebaut. So kann man am 1. August 1914 die Bahnstrecke von Duala über Eseka hinaus mit einer Gesamtlänge von insgesamt 180km fertigstellen und frei geben.

Kamerun/Weltkrieg

 

Der 1. Weltkrieg in den Gebieten von Kamerun

Als in Europa der 1. Weltkrieg ausbricht wird auch in den Koloniegebieten in Westafrika der Ausnahmezustand ausgerufen. Durch die Nähe der Engländer und Franzosen werden mehrere Maßnahmen eingeleitet und durchgeführt um eine mögliche Invasion zu erschweren. So wird zum einen der Regierungssitz von Buea nach Duala verlegt, die Fahrrinne des Kamerunflusses wird bei Duala durch das Versenken von Dampfern gesperrt und die deutschen Truppen in Alarmbereitschaft versetzt. Insgesamt stehen etwa 215 weiße und 2750 schwarze Soldaten und Polizisten zur Verfügung. Der Kommandeur dieser Truppe ist Major Zimmermann, dieser erhält am 2. August 1914 alle militärische Befehlsgewalt vom Gouverneur übertragen, um so möglichen Eindringlingen entgegen treten zu können. Das erste Opfer des Krieges in Westafrika ist schließlich Rudolf Manga Bell. Er ist der Enkel des König Bells und hatte versucht durch diplomatische und juristische Schritte die geplante Umsiedlung seines Volkes aus den angestammten Gebieten zu verhindern. Diese Maßnahmen wurden ihm schließlich als Verrat vorgehalten, er wurde dafür verurteilt und noch im August 1914 hingerichtet. Am 5. August erklärt die deutsche Regierung den Kriegszustand über Kamerun, man bereitet sich auch auf Angriffe der europäischen Nachbarn vor. Dies geschieht am 7. August 1914, französische Truppen greifen an diesem Tag einen deutschen Zollposten bei Singa an. Dabei versuchen 300 französische Soldaten in diesen Bereich, im Osten der Kolonie, den Angriff zu starten. Die daraus folgende versuchte Einnahme von Kusseri scheitert und die Franzosen werden zurück geschlagen. Bei diesem Angriff haben sie schwere Verluste erlitten und stellen vorerst weitere Angriffe in diesem Bereich ein. Die Briten haben bei ihren Angriffsplänen größeren Erfolg. Am 25. August 1914 rücken sie, aus dem Nord-Westen kommend, auf dem deutschen Kolonialgebiet vor. Ihnen gelingt es dabei aus Nigerien auf das Schutzgebiet vorzurücken und Nssanakang einzunehmen und zu halten. Nun treten auch die Belgier den Kämpfen bei. Sie versuchen ab 28. August 1914 ihren Einflussbereich zu vergrößern rücken dabei aber nur vorsichtig vor. Die Briten hingegen rücken weiter aggressiv vor, dabei marschieren sie an der Küste entlang in Kamerun ein. Im Bereich von Nssanakang, das sie ja schon in Besitz genommen hatten, kommt es zu weiteren Kämpfen. Diesmal unterliegen aber die Briten und werden zurück gedrängt. Trotzdem geben sie nicht auf.

 

Links: Eingeborene der Schutztruppe angetreten
Rechts: Bildkollage über Dr. Nachtigal

 

Zusammen mit den Franzosen beginnen sie einen Angriff mit Kriegsschiffen auf die Kamerunbucht. Dabei versuchen sie durch den Beschuss von Duala die eigene Anlandung von Truppen zu ermöglichen. Dieses Vorhaben gelingt und die Stadt fällt in die Hände der Briten. Die nahegelegene Funkstation der Deutschen wird dabei von der Mannschaft selber zerstört damit diese nicht in die Hände der Angreifer fällt. Durch den groß angelegten Angriff und die Tatsache, dass die deutschen Verteidiger über eine ungenügende Anzahl von Waffen verfügen, ist die deutsche Niederlage besiegelt. Ein großer Teil der deutschen Kämpfer muss in die britische Gefangenschaft gehen. Durch diese Erfolge beflügelt rücken die Briten weiter vor. Im November des Jahres 1914 gelingt es ihnen dann Viktorie und Buea zu erobern und zu halten. Im Anschluss daran startet das Empire einen Angriff aus die Stadt Jabassi. Dieser kann zwar anfangs zurück geschlagen werden, dennoch müssen sich schließlich am 14.Oktober die Verteidiger geschlagen geben und die Stadt an die Briten übergeben. Ebenfalls im Oktober 1914 können auch die Franzosen weitere Erfolge verzeichnen. Ihnen gelingt es bei ihren weiteren Vorstößen Edea und Sanaga zu besetzen. In der Folgezeit kehrt etwas Ruhe ein in Westafrika. Alle Parteien stellen die Angriffe ein, organisieren die Truppen neu und gleichen Verluste aus. Mitte 1915 startet dann der alliierte Angriff von vorn. Am 10.Juni 1915 erzielen die Briten erneute Erfolge. Ihnen gelingt es, nach langem Widerstand der deutschen Verteidiger, die deutsche Station Garua zu erobern. Ende Juni 1915 muss dann Ngaundere an die Briten abgegeben werden und im Oktober geht dann noch Banjo verloren. Nach einem weiteren Rückzug der Truppen nach Jaunde können sich dort die deutschen Truppen festsetzen. Bis zur Jahreswende können sie sich dort halten. Durch den steigenden Druck der Alliierten sehen sich aber die deutschen Truppen gezwungen auch von dort auszuweichen. Die deutschen Schutztruppen sammeln sich, packen Waffen und Material zusammen und marschieren in Richtung der spanischen Rio-Muni-Kolonie. Die Kolonne, bestehend aus 900 Weißen und 14000 schwarzen Soldaten und Trägern, erreicht am 14. Februar 1916 die spanischen Gebiete. Dort werden sie entwaffnet und unter den Schutz der Spanier gestellt. Für sie und die etwa 40000 Eingeborenen, die der Kolonne gefolgt waren, ist der Krieg damit vorbei. Die anderen Angehörigen der Schutztruppe die es nicht bis in die spanischen Gebiete geschafft haben kommen in französische Gefangenschaft. Bis zum Ende des Krieges verbleiben sie im Gefangenenlager Dahomey. Die letzten Deutschen die sich den Alliierten ergeben ist die 3. Kompanie der Schutztruppe. Sie war in der Station Mora am Logonefluss im Norden stationiert. Auf Grund von Munitionsmangel erfolgt ihre Kapitulation am 18.Februar 1916. Sie kommen ebenfalls nach Dahomey.

Nach der deutschen Niederlage in Kamerun wird bereits 1916 eine Neuverteilung der Gebiete durchgeführt. In einem Geheimvertrag zwischen Großbritannien und Frankreich teilt man die Gebiete so auf, dass ein kleinerer Teil Kameruns, das an Nigerien grenzt, an die Briten fällt. Der größere Rest kommt unter französische Verwaltung. Mit dem Abschluss des "Versailler Vertrages" am 7.Mai 1919 verliert das Deutsche Reich nun offiziell alle Rechte auf die Kolonie Kamerun. Nun kann offiziell die Teilung, wie im Geheimvertrag von 1916 beschlossen, zwischen den Briten und den Franzosen durchgeführt werden.


Togo/Beginn

Togo

 


Linke Flagge: Die Flagge des deutschen Gouverneurs von Togo
Rechte Flagge: Die Dienstflagge des Kolonialamtes (1893-1919)

 

Die Handelsbeziehungen mit den Gebieten die später zu Togo gehören sollten kam es schon recht früh. Die ersten Kontakte knüpfte man 1857, als das Bremer Händlerhaus "F. M. Vietor & Söhne" in diesem Bereich der Erde erstmals nach möglichen Handelsverbindungen suchte. Die ersten großen Handelsunternehmen kamen dann 1880 an die Sklavenküste bei Bey Beach und nach Klein-Popo um dort durch die Gründung von Faktoreien ansässig zu werden und an die früheren Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Nach den ersten Jahren in denen man versuchte Fuß zu fassen kam dann der Versuch durch die deutsche Regierung die bisher lockeren Beziehungen mit den Einheimischen zu verstärken. Anfang Juli 1883 gelangte Dr. Nachtigal, schon aus Kamerun bekannt, an die Sklavenküste. Nach kurzen Verhandlungen kann er die deutsche Fahne hissen und den Abschluss eines Schutzvertrages mit dem König von Togo vorweisen. Er hatte diesen mit dem Vertreter des Königs in Bagida aushandeln können. Da auch die schon ansässigen Unternehmen dem Kolonialstreben folgen wollen, um den Einflussbereich sowie Rohstoff- und Absatzmärkte zu vergrößern, erhalten die Faktoreileiter von ihren jeweiligen Vorständen die Weisung alles zur Unterstützung der Kolonisierung zu leisten. So gelingt es ihnen in den Jahren 1884 und 1885, besonders aber den Gebrüdern Randad, weitere Dörfer und Landesabschnitte zur Unterzeichnung von Schutzverträgen zu motivieren. Die Anfänge für die spätere Kolonie Togoland sind gelegt, als Auszeichnung für die besonderen Leistungen im Bereich der Gebietserweiterung wird Heinrich Randad als provisorischer Konsul in Klein-Popo, das am 24. Dezember 1885 von Frankreich an Deutschland abgetreten wurde, eingesetzt. Da nicht nur die Küstenabschnitte von großer Bedeutung waren wurden auch Expeditionen ins Landesinnere geschickt. Hier kann man als ein Beispiel für eine größere Expedition die von Dr. Gruner und Dr. Döring aus dem Jahr 1885 nennen.

 

Warentransport zu Fuss und auf dem Schiff



Im April und im Juli des Jahres 1887 werden Verhandlungen mit Frankreich und England durchgeführt, Sinn davon sind die Grenzfestlegungen des Hinterlandes. Man möchte so schon früh möglichen Grenzstreitigkeiten aus dem Wege gehen. Die erzielten Vereinbarungen werden eingehalten, 1904 sowie 1908 finden dann die letzten beiden Regulierungen der Grenzverläufe statt. 1888 wird dann die Station Bismarckburg gegründet. Ein gewisser Hauptmann von Francois war dabei nach Sälaga marschiert und hatte dort ein Abkommen vereinbaren können. In Klein-Popo wird am 1. März 1888 die erste Poststelle eröffnet und somit etabliert sich die Stadt langsam aber sicher zum Schwerpunkt der deutschen Verwaltungsorganisation. So wird dort auch der Grundstein für die erste Regierungsschule gelegt, die dann schließlich Anfang November 1891 eröffnet werden kann. Bis 1897 wird dort unterrichtet bis man die Schule schließlich im Jahre 1897 nach Sebevi verlegt. Der Ausbau und die Entwicklung der Kolonie Togoland wird weiterhin vorangetrieben. So wird 1892 eine wissenschaftliche Station gegründet um von dort koordiniert die Ländereien weiter zu begutachten. Der Gründer ist Hans Gruner, er nennt die Station Misahöhe und wird später, durch seinen Einsatz als Bezirkshauptmann in Misahöhe sowie als Begründer des Anbaus von Kakaopflanzen, in Togoland bekannt. In den Jahren 1893/1894 werden in Togoland die ersten Telegrafenlinien aufgebaut. Durch die Verbindung mit den Netzen der Nachbarn Frankreich und England kann schließlich auch die Verbindung nach Deutschland geschlossen werden. Man ist somit näher an das Kaiserreich gerückt. Auf Grund der Telegrafenverbindung kommt es auch zu Verschiebungen in der Verwaltung. So wird der Hauptverwaltungssitz von Bagida über Sebe bis nach Lome verlegt. Weiterhin sind deutsche Expeditionen unterwegs um durch das Abschließen von Schutzverträgen den Einflussbereich des Kaiserreiches zu vergrößern. Eine Expedition unter Gruner erreicht im Jahr 1894/95 Gando und kann dort einen Vertrag aushandeln. Ein weiterer Schritt in das Hinterland kann somit verkündet werden. Trotz der relativ ruhigen Erschließung der Ländereien von Togoland kommt es auch zu kleineren Unruhen. So muss zum Beispiel 1897/98 ein größerer Aufstand der Kongomba niedergeschlagen werden. Nach kurzen Kämpfen erzielt die deutsche Polizeitruppe den Sieg und die Ländereien gehen an die deutsche Krone. Es kommt zwar noch zu anderen kleinen Konflikten die aber fast alle weitestgehend friedlich gelöst werden können.

 

Togo/Kolonie

 

Nach der Jahrhundertwende in Togo

Um die Kolonie noch weiter wirtschaftlich voranzutreiben entschließt man sich um 1900 einen eigenen Baumwollanbau im Togoland durchzuführen. Man hofft durch gute Erträge Marktanteile im Welthandel vergrößern zu können und noch mehr Profite einzufahren. Da man, wie auch schon in den anderen Kolonien, den Sklavenhandel verboten hatte kam am 21. Februar 1902 eine Verordnung heraus. Diese besagte das Jeder, der trotzdem Sklavenhandel betrieb, mit bis zu drei Monaten Zuchthaus und einer Geldstrafe bis zu 1000 Mark bestrafen würde. Man wollte so das Recht der Einheimischen weiter ausbauen. Den schon 1900 begonnenen Baumwollanbau erlebte kurze Zeit später weiter Aufschwung. 1903 wurde eine Baumwollschule gegründet um den Abbau weiter zu optimieren, diese Schule wurde dann später auch noch um den Bereich Ackerbau erweitert. Man versuchte so vorhandenes Wissen an die Einheimischen weiter zu geben und neues Wissen zu erlangen. Mit Ablauf des 1. Januar 1905 erhält die Kolonie Togoland ihre neuen Namen. Dieser ist Togo und er ist bis heute die Länderbezeichnung, auch die Stadt Klein-Popo wird umbenannt und erhält ihren ursprünglichen afrikanischen Namen Anecho zurück. Um den Handel weiter zu vereinfachen wird ein Bahnnetz aufgebaut, am 18. Juni 1905 kann schließlich der Abschnitt Lome und Anecho übergeben werden und der Transport der Waren aus dem Landesinneren an die Küste wird damit erleichtert. Zwei Jahre später kommt zum bestehenden Bahnnetz eine weitere Strecke hinzu, nun kann auch zwischen Lome und Palime der Zugverkehr rollen. Auch die Reichsmark wird zur Vereinheitlichung des Handels eingeführt. Mit dem Datum 1. Juni 1907 tritt die Verordnung in Kraft. Auch die Heilversorgung in Togo erlebt langsam Aufschwung. So werden 1909 zwei Krankenhäuser eröffnet. Eines in Palime ist für die Einheimischen bestimmt, das in Lome eher für die europäischen Bürger. 1911 entsteht eine Fortbildungsschule der Regierung in Lome um Einheimische mehr in die Verwaltung einbeziehen zu können und in gewissem Maße europäische Bildung zu verbreiten. Ein weiterer Großer Schritt im Annähern an das Deutsche Kaiserreich ist schließlich im Januar 1913 der direkte Telegrafenkabelanschluss an das deutsche Heimatgebiet. Durch das Ankoppeln an dem vorhandenen Kabel Emden-Pernambuco, der Telegrafengesellschaft die die Verbindung nach Südamerika hält, ist Togo die erste Kolonie die direkt und nicht über ein englisches Kabel mit Deutschland verbunden ist. Der Standort der Funkstation ist Kamina und am 8. Dezember 1913 kann der erste Funkkontakt zwischen Togo und Nauen, im Deutschen Kaiserreich, hergestellt werden.
 


Links: Arbeiter an einer Bahnstrecke
Rechts: Eine Kirche in Lome



Durch die ständig drohende Gefahr eines europäischen Krieges versucht schließlich der Gouverneur von Togo, Major von Doering, durch eine Erklärung der Neutralität einen offenen Konflikt in Togo zu verhindern. Die Franzosen reagieren nicht auf sein Angebot, die Briten wie immer zurückhaltend und ausweichend. Somit wird auch am 5. August 1914 der Kriegszustand in Togo ausgerufen. Bereits am 6. August treffen die ersten britischen und französischen Truppen ein. Am 6. geht Lome an die Briten und am 7. August Anecho und Porto Seguro an die Franzosen verloren. Weitere Gefechte folgen und der stellvertretende Gouverneur zieht sich daraufhin mit seinen Truppen in das Landesinnere zurück. Aber auch dort brechen nach und nach die Gefechte aus, die Deutschen müssen ihre Stellungen bei Chra am Chrafluss und schließlich auch Kamina aufgeben. Aber noch bevor die Briten in Kamina einrücken können wurde die deutsche Funkstation durch die Besatzung gesprengt. Bereits am 27. August muss man die Niederlage in Togo erkennen, nach mehreren Tagen Verhandlungen kapituliert an diesem Tage das deutsche Schutzgebiet vor den Engländern und Franzosen. Die verbliebenen Togo-Deutschen werden schließlich im September 1914 ins Gefangenenlager nach Dahomey verbracht, im August 1915 erfolgt erst ihre Entlassung nach Deutschland. Wie auch schon im Fall von Kamerun wird noch während der 1. Weltkrieg stattfindet über die Kolonien zwischen England und Frankreich verhandelt. So wird auch 1916 schon über die Aufteilung von Togo gesprochen. Mit der Unterschrift des Deutschen Reiches unter den Versailler Vertrag endet die deutsche Kolonialgeschichte in Togo. Die Kolonie wird unter Frankreich und England aufgeteilt wogegen aber die Einheimischen protestieren. Trotzdem ist es ihnen nicht möglich diese Mandatsverwaltung zu verhindern.

 


Quellen

"Die Deutsche Schutztruppe 1889/1918", Werner Haupt, Dörfler zeitgeschichte, ISBN: 3-89555-032-9
"Deutsche Kolonialgeschichte", Winfried Speitkamp, Stuttgart: Reclam, ISBN: 3-15-017047-8.
Bundesbildarchiv
http://greif.uni-greifswald.de/geogreif ... amerun.jpg
http://www.figuren-modellbau.de/schutzg ... oland.html
http://bad-langensalza.npage.de/togo.html



Autor: Panzermeyer