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Das Thema

Die deutschen Kolonien in Deutsch-Südwestafrika
von 1884 - 1919

 



Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc.
verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags, was folgt:


§. 1. Die Schutzgewalt in den deutschen Schutzgebieten übt der Kaiser im Namen des Reichs aus

 


Linke Flagge: Die Flagge des deutschen Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika
Rechte Flagge: Die Dienstflagge des Kolonialamtes


"(...) Die schwere Krisis, die durch die Aufstände der Eingeborenen in Südwest- und Ostafrika über diese Schutzgebiete hereingebrochen war, ist überwunden. In Ostafrika ist der Aufstand vollständig unterdrückt. In Südwestafrika sind die feindlichen Stämme bis auf wenige Überreste unterworfen, so daß eine erhebliche Verminderung der dort stehenden Schutztruppe aller Voraussicht nach möglich sein wird. Der Dank des Vaterlandes ist den Tapferen sicher, die in jahrelangen schweren Kämpfen mit einem verschlagenen und hartnäckigen Gegner den Ruhm der deutschen Waffen hochgehalten haben. (...)"
Auszug aus der Thronrede Kaiser Wilhelms II. - Eröffnung des Reichstags am 19.11.1907

Südwest Kolonien

 

In früheren Zeiten lebten in Süd-Westafrika vor allem Buschmänner und Bergdamaras, ein Volk das in den Bergen lebte. Zur Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es dann zu Stammeswanderungen. Dabei kamen aus dem Nordosten die Hereros und kurze Zeit später aus dem Süden die Hottentottenstämme. Unter den Hottentottenstämmen versteht man das Volk der Nama, Hottentotten ist die Bezeichnung, die sie von den holländischen Siedlern erhielten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts folgten noch weitere Hottentottenstämme, durch das kriegerische Verhalten der Neuankömmlinge konnten die ursprünglichen Einwohner schnell unterjocht und auch ausgerottet werden. Aber auch Gegeneinander führten sie Kriege. Anfänglich waren die Hereros im Vorteil, gegen Ende der 60ziger Jahre des 19. Jahrhunderts konnten die Hottentotten dann aber wieder ein Machtgleichgewicht wieder herstellen.
 

 

 

Im März des Jahres 1878 kommt es dann zu ersten Kolonialisierungsversuchen der Europäer, dabei erklären die Briten die Walfischbay und des Umland im Bereich von 15 Meilen als britischen Besitz. Aber schon 1880 geben sie diese Gebiete wieder auf und konzentrieren sich nur auf die Walfischbay. Da sich in den britischen Gebieten aber auch schon eine deutsche Mission entwickelt hatte versuchte der Reichskanzler Bismarck bei den Briten den Schutz zu erbitten. Man hat die Befürchtung, dass die Hereros sowie die Hottentotten die Mission angreifen und zerstören wollen. Die Anfrage wird aber von der britischen Regierung abgelehnt. Im Jahr 1882 gibt es dann von Seiten der Deutschen die Überlegung in den Gebieten um die Walfischbucht Fuß zu fassen. Dabei ersucht der Kaufmann Lüderitz um Schutz, da er im Bereich von Angra Pepuena eine Niederlassung gründen möchte. Eine Nachfrage bei den Briten, ob sie auf diese Gebiete Anspruch erheben, wird mit einer ausweichenden Antwort abgetan. So landet im Jahr 1883 Heinrich Vogelsang in Angra Pepuena und erwirbt im Auftrag des Kaufmannes Lüderitz Land. Nach Abschluss der Landkäufe kommt dann auch Lüderitz persönlich in dieses Gebiet. Aus Interesse über diese Gebiete, wird im Januar 1884 das deutsche Kanonenbott "Nautilus" in die Walfischbucht gesandt, der Kapitän erhält den Auftrag die Besitzungen von Lüderitz zu besichtigen und darüber Bericht zu erstatten. Als dann Anfang April ein Schreiben von Adolf Lüderitz beim Auswärtigen Amt eintrifft und damit um Schutz der Erwerbungen gebeten wird, kann man sich auf den Bericht des Kanonenbootes beziehen. Somit wird schon am 24. April 1884 diesem Antrag statt gegeben. Dies wird telegrafisch an den Konsul in Kapstadt und per Brief an den Botschafter in London weiter geleitet.

 

 



Am 7. August 1884 wird dann die deutsche Flagge in den Besitzungen gehisst, dabei ist aber zu sagen das sich das Schutzgebiet ausschließlich auf das Firmengelände von Lüderitz bezieht. Die Ländereien drum herum blieben davon unberührt. Trotzdem versucht Lüderitz weitere Gebiete zu erwerben. So startet er im Jahr 1886 eine Expedition mit Ziel des Oranje-Flusses, von dieser Reise kommt er nicht zurück und gilt somit als verschollen. Im Jahr 1890 wird schließlich die erste deutsche Schutztruppe in Süd-Westafrika gebildet. Unter Hauptmann von Francois wird eine Truppe gebildet die 20 Soldaten umfasst. Im August 1892 kommt es zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Rechtsanwalt Dr. Scharlach und dem Hamburger Kaufmann C. Wichmann mit der South Westafrican Company Limited. Dabei werden die von den beiden Personen erhaltenen Land-, Bergbau- und Eisenbahnberechtigungen im Damaraland an die britische Gesellschaft weiter übertragen. Somit kann mit dem weiteren wirtschaftlichen Aufbau in den neuen Gebieten begonnen werden. Um die Wichtigkeit dieser Maßnahme und weiterer die noch folgten zu verdeutlichen, hier ein paar Zahlen: Im Jahr 1901 wurden Waren im Wert von etwa 1,2 Millionen Mark aus der Kolonie in Deutsch-Südwestafrika ausgeführt und schon wenige Jahre später, im Jahr 1912, waren es schon 70,3 Millionen Mark. An dieser Steigerung um das 70-fache in gerade einmal 10 Jahren kann man die wirtschaftliche Bedeutung dieser Gebiete schnell erkennen. Durch den stetig größer werdenden Einfluss der Europäer, insbesondere der Deutschen, kommt es 1893/94 zum Aufstand der Hottentotten, ihr Führer dabei ist Hendrik Witbooi. Bevor noch die Hottentotten richtig zuschlagen können führt Hauptmann von Francois einen Präventivangriff durch. Ein Versuch gewaltlos eine Lösung heranzuführen ist damit gescheitert. Nach mehreren kleineren Gefechten kommt es am 27. August 1894 schließlich zur entscheidenden Schlacht. Dabei greifen die deutschen Truppen, unter Führung von Major Leutwein, das Lager von Witboois an. Am 15. September 1895 muss sich dieser dann den deutschen Truppen geschlagen geben. Er erklärt dabei den Deutschen in weiteren möglichen Konflikten immer mit Männern und Waffen zur Seite zu stehen. Dieses Versprechen hält er 10 Jahre lang und nimmt dabei auf deutscher Seite an 6 Feldzügen teil.
 


Links: Führer der Hottentotten und der deutschen Truppen, links Major Leutwein
Rechts: Der Führer der Hottentotten Hendrik Witbooi



Obwohl die deutschen Truppen gegen den Hauptstamm der Hottentotten siegreich waren gab es im Laufe der folgenden Jahren immer wieder kleinere Aufstände von Unterstämmen. So erhoben sich zum Beispiel im Jahr 1896 noch die "Khauashottentotten" sowie die Osthereros. Aber auch diese Aufstände konnten schnell beendet werden. Im Jahr 1897 kommt es dann zu großen Problemen in Deutsch-Südwestafrika. Aus Südafrika wird die Rinderpest eingeschleppt und verbreitet sich über das gesamte Gebiet. Etwa 60% der Kinder der Einheimischen sowie 30% der Rinder der Weißen gehen an dieser Krankheit zu Grunde. Viele erleiden große Not dazu kommt noch die Teuerung im ganzen Land. So steigt zum Beispiel der Preis für Rindfleisch um das Dreifache. Durch diese Krise kommt es schließlich dazu, dass Händler und Spekulanten Land, besonders das der Hereros ankaufen. Dazu verlieren auch noch viele andere ihr Land da sie ihre Schulden nicht zurückzahlen können, speziell die Hereros leiden darunter. Am 16. Januar 1899 kommt es zur Gründung des "Windhoeker Anzeigers", damit ist die erste erscheinende deutsche Kolonialzeitung gegründet worden. Um eine direkte Telegrafenlinie von Deutschland nach Deutsch-Südwestafrika einzurichten und somit eine ständige Verbindung zu gewährleisten, wird am 16. Januar 1899 ein Vertrag mit einer südafrikanischen Telegrafen-Company geschlossen. Damit soll für die nächsten 20 Jahre eine direkte Verbindung bestehen, um dieses Vorhaben zu ermöglichen wird von Kapstadt aus ein Telegrafenkabel Richtung Swakopmund verlegt. Dort kommt der englische Kabeldampfer aber nicht an. Er verlegt das Kabel in die englischen Besitzungen der Walfischbay und von dort geht es dann zum eigentlichen Bestimmungsort. Am 13. April 1899 kann dann schließlich in Swakopmund die erste Telegrafenstelle eröffnet werden, sie ist der Ausgangspunkt für zahlreiche weitere Zweigstellen in der deutschen Kolonie. Ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Kolonie von Deutsch-Südafrika ist der Ausbau der Eisenbahn. So kann man im Juni und Juli des Jahres 1902 die Eröffnung der ersten Bahnlinie vermelden. Sie führt von Swakopmund nach Windhuk, ist insgesamt 382km lang und durchquert dabei die Namib-Sandwüste. Die Errichtung der Bahnstrecke war dadurch ermöglicht worden, das aus dem deutschen Kaiserreich Eisenbahntruppen heran geholt wurden um mit deren Erfahrungen die schwierige Strecke zu erbauen.


Aufstände

Die Aufstände der Hereros und der Hottentotten

 

Nach wenigen Jahren relativer kommt es 1903 zu erneuten Unruhen. Dabei sind Streitigkeiten zwischen mehreren Einheimischen der Ausgangspunkt. Im weiteren Verlauf kommt es aber dazu das mehrere Deutsche, unter anderem der Distriktchef Jobst, sowie Angehörige der Bondelwarts zu Tode kommen. Diese, zu den Hugenotten gehörende Einheimischengruppe, versorgen sich daraufhin mit Waffen aus Südafrika. Als sie nach Deutsch-Südafrika zurückkehren ermorden sie ihrerseits Deutsche sowie Einheimische. Um dieser Gewalt endlich Herr zu werden wird 1904 schließlich die deutsche Schutztruppe ausgesandt um die Unruhen zu beenden. Dazu führen sie eine Strafexpedition im Süden der Kolonie durch. Im gleichen Zeitraum erheben sich schließlich auch die Hereros, sie wollen so ihrerseits nicht mehr Opfer der Bondelwarts sein und andererseits gegen ihre schlechte wirtschaftliche Lage ankämpfen.
Denn die Führer der Hereros hatten das Land ihres Stammes im Norden verkauft und trotzdem nutzten die Hereros es weiter als ihr Weideland. Dadurch gereizt, kam es schließlich zu Viehdiebstählen oder Erschießungen der Rinder durch die Siedler. Das entwickelte sich aber schnell auch dazu, dass sich Siedler und Hereros gegenseitig erschossen. Eine politische Lösung blieb erfolglos. Einerseits hatte Gouverneur Leutwein in Deutschland nach Hilfe gebeten, die aber aus blieb und andererseits versuchten nun die Führer der Hereros, durch den Wunsch zur Bildung eines Reservates, die anstehenden kriegerischen Auseinandersetzungen zu verhindern. Beide Versuche scheiterten und somit beginnt am 12. Januar 1904 schließlich der Hereroaufstand. Dabei kam es anfangs zu Plünderungen und teils schweren und brutalen Morden von Hereros an den Siedlern sowie Angehörigen anderer einheimischer Volksgruppen. Im Anschluss daran gingen die Kämpfer der Hereros schließlich in eine Offensive gegen die Schutztruppe über. Den nicht einmal 800 Angehörigen der deutschen Truppe standen dabei mehrere Tausend gut bewaffneter Krieger gegenüber.

 


Deutsche Soldaten während des Herero-Aufstandes



Anfänglich konnten die Aufständischen auch viele Erfolge erzielen, die Schutztruppe zurück drängen und Ortschaften im Aufstandsgebiet belagern oder sogar erobern. Durch diese Erfolge aufgeschreckt, wurde in Deutschland ein Marinekorps aufgestellt um den bedrohten Truppen in der Kolonie zu helfen. So konnte am 27. Januar 1904 durch die Truppen von Hauptmann Franke, er war aus dem Süden in den Norden geeilt, die Eingeschlossenen von Okahanadja und am 4. Februar von Omaruru entsetzt werden. Auch trafen am 9. Februar die ersten Angehörigen des Marineexpeditionskorps ein. Die "S.M.S. Habicht" landete in Swakopmund an. Trotzdem waren noch gut 6 Monate nötig bis die Deutschen endlich wieder die Initiative zurück gewinnen konnten. Nachdem schließlich eine Umstrukturierung der Schutztruppe durchgeführt wurde und Generalleutnant von Trotha den Oberbefehl übernahm ging es bergauf für die deutschen Truppen. Schließlich kam es am 11. August 1904 zu einer Entscheidungsschlacht bei Waterberg. Nach hohen Verlusten mussten sich die Hereros zurückziehen, sie marschierten dabei in das sogenannte Sandfeld. Dort verdursteten viele der Kämpfer schließlich. Der Kampf der Hereros war damit vorbei, aber fast zeitgleich damit kam es zu Aufständen der Hottentotten. Die selber Gründe wie schon bei den Hereros sind dabei die Ausgangsursache gewesen. Nach anfänglichen kämpfen in großen Stammesverbänden kam es schließlich zum Kleinkrieg vieler kleiner Gruppierungen. Erst im Dezember 1906 kam es zur Beendigung der Kämpfe und am 31. März 1907 wurde der Friedensvertrag unterzeichnet. Der ehemalige Verbündete, Hendrik Witbooi, kämpfte dabei auf Seiten der Hottentotten und verlor dabei sein Leben. Der Verlauf und die Verluste in diesen beiden Konflikten werden noch heute sehr kontrovers diskutiert. Meinungen gehen dabei von üblichen Vorgehensweisen der Armee bis hin zum Völkermord auseinander. Klar ist nur das nach den Kämpfen die Hereros in Lagern untergebracht wurden und dabei viele verstarben.

 

Bis zum Weltkrieg

Bis zum 1. Weltkrieg

 

Im Oktober 1906 wird schließlich die Schulpflicht für die Kinder der weißen Bevölkerung eingeführt. Alle zwischen 6 und 14 Jahren sollen so die Möglichkeit haben sich vernünftig bilden zu können. Mit dieser Maßnahme und der Bewilligung von ungefähr 5 Millionen Mark, als Entschädigung für Siedler die durch den Aufstand ihren Besitz verloren, soll die Normalität wieder Einzug erhalten. Im Juli 1907 kann nun endlich auch mit der Verschiffung großer Mengen Kupfers aus Deutsch-Westafrika begonnen werden. Damit macht die Wirtschaft einen gewaltigen Sprung nach vorn. Am 31. August des Jahres 1907 wird auch das Bahnnetz erweitert, dabei wird der Streckenabschnitt Lüderitzbucht bis Aus frei gegeben. Mit der steigenden Wirtschaft kommt auch der Wille auf die Verwaltung der Kolonie weiter zu stärken. So erlässt am 4. Oktober 1907 die Reichsregierung die Verordnung über das Einrichten einer Landespolizei in den kolonialen Gebieten des Südwestens. Im Oktober 1907 kommt es auch zur Bildung einer Farmgesellschaft, diese soll an der Verbreitung und Verbesserung des Farmsystems mitarbeiten und so die Nutzung der Ländereien verbessern, auch wird im November 1907 eine Züchtereigenossenschaft gegründet die mit den gleichen Zielen für den Bereich der Viehzucht versehen ist. Im April und Juni 1908 werden schließlich Diamanten in der Lüderitzbucht und um Kolmanskop gefunden, ein weiterer wirtschaftlicher Aufschwung ist damit ins Rollen gekommen. Im gleicher Jahr gibt es eine weitere Vergrößerung des Bahnnetzes, so sind jetzt weitere 545km Schienen von Lüderitzbucht-Seeheim-Keetmannshoop-Seeheim bis Kalkfontein verlegt und sorgen so für einen verbesserten Transport von Menschen und Materialien. Im Jahr 1909 erhält die Kolonie schließlich die Selbstverwaltung zugesprochen, nun können die Männer vor Ort über den weiteren Werdegang der deutschen Gebiete bestimmen.

 


Links: Blick auf die Lüderitzbucht
Rechts: Die Kirche von Lüderitzburg



Im Dezember 1911 werden weitere 697 km Bahnstrecke eröffnet, nun besteht auch eine Zugverbindung zwischen Keetmanshoop und Windhuk. Um einen Verbesserten Informationsaustausch mit dem deutschen Kaiserreich zu haben, wird im Februar 1912 in Swakopmund sowie im Juni in der Lüderitzbucht eine Telegraphenstation eröffnet, die Station in Windhuk wird erst kurz nach Kriegsausbruch 1914 fertig gestellt. Am 9. Juni 1913 wird die "Landwirtschaftsbank für Deutsch-Südwestafrika" gegründet, man möchte so die Ausweitung des deutschen Farmlandes und der deutschen Landwirtschaft fördern und unterstützen. Im gleichen Jahr kommt es auch zur Eröffnung eines neuen, großen und modernen Krankenhauses. Dieses ist in Keetmanshoop ansässig und heißt Johanniterkrankenhaus. Auch wird am 9. September die schon 1905 eingeführte Kaiserliche Bergwerksverordnung auf weitere Bereiche von Deutsch-Südwestafrika ausgeweitet. Man möchte so den stetig steigenden Bergbau kontrollieren und reglementieren. 1914 wird auch ein weiterer Schritt im Bereich der Versorgung von Kranken und Bedürftigen gemacht. So eröffnet in Grootfontein das Elisabethhaus, ein Wöchnerinnenheim. Hier sollten die ansässigen Frauen Hilfen bei der Geburt erhalten. Durch die langsam in Europa aufkommenden Probleme zwischen Deutschland und Frankreich sowie England wird am 21. Februar 1914 die Verordnung über das Wehrgesetz für die Deutsche Schutztruppe erlassen. Dadurch werden alle männlichen Reichsangehörige, die dauerhaft in den Schutzgebieten siedeln, verpflichtet Wehrdienst in den Schutztruppen zu absolvieren. So wollte man es ermöglichen mehr Männer unter Waffen zu bekommen falls es zu Konflikten in den Kolonialgebieten kommen sollte. Um die Auslieferung der Postsendungen zu vereinfachen und schneller zu machen wird im Juni 1914 eine weitere Neuerung eingeführt. Das Schutzgebiet erhält zwei Flugzeuge mit denen die Postsendungen über weite Strecken transportiert werden sollen.

 

1. Weltkrieg

Südwestafrika zur Zeit des Weltkrieges

 

 



Am 5. August 1914 beginnt mit der Kriegserklärung Englands an Deutschland auch der Krieg in den Kolonien. Über die Funkstation in Lome in Togo wird diese Nachricht nach Lüderitzbucht weitergeleitet. Am 6. August erklärt man den Belagerungszustand und am 7. August wird die allgemeine Mobilmachung im Schutzgebiet ausgerufen. Zwischen dem 8. und dem 13. August 1914 werden die Funkstationen in Lüderitzbucht und Swakopmund abgebrochen, man möchte so verhindern das die Alliierten diese einnehmen und gegen die Deutsche Schutztruppe einsetzen können. Im September 1914 kommt es bei Beenbreck schließlich zum ersten Gefecht in Süd-Westafrika zu Zeiten des 1. Weltkrieges. Am 9. September erklärt auch die Südafrikanische Union den deutschen Gebieten den Krieg, am 13. September 1914 greifen die ersten Truppen der Südafrikaner die Polizeistation in Ramansdrift an. Somit sind auch dort die ersten Gefechte mit dem neuen Gegner zu verzeichnen. Die deutschen Truppen können aber auch selber Erfolge erzielen, so besetzen sie am 10. September 1914 die Walfischbay die bis dahin den Briten gehörte. Am 18. September muss man Lüderitzbucht an die Südafrkaner abgeben, sie hatten es geschafft diese wichtige Hafenstadt einzunehmen. Im weiteren Verlauf werden die deutschen Männer der Stadt nach Pretoria gebracht und dort in sogenannten "concentration camps" festgesetzt, im Oktober 1914 folgen dann auch die Frauen und Kinder. Um das verlorene Ramasdrift zurück zu gelangen wird am 23. September eine Offensive über den Oranje und Unionsgebiet der Südafrikaner gestartet können aber keinen Erfolg bei der Rückgewinnung verzeichnen. Am 23. und 24. September sowie am 30. Oktober führen die Briten kleinere Angriffe auf Swakopmund aus, dabei beschießen Hilfskreuzer die Stadt. Durch das Hin und Her gibt es kaum größere Erfolge für eine der beiden Kriegsparteien zu verzeichnen trotzdem ist die britische Offensive durch das Erobern der Küste in Lüderitzbucht, Ramasdrift und von Schuckmannsburg etwas erfolgreicher.
 

 



Am 12. November wird der Kommandeur der Deutschen Schutztruppe, Oberstleutnant von Heydebreck, durch die Explosion einer Gewehrgranate verletzt und verstirbt kurze Zeit später an seinen Verwundungen. Als Nachfolger wird Major Franke bestimmt. Am 25. Dezember 1914 landen die ersten Teile von Unionstruppen in der Walfischbay und können sich dort festsetzen. Ihnen folgen später noch weitere Truppen. Im Februar 1915 erhalten die Truppen der südafrikanischen Union einen neuen Befehlshaber, General Botha übernimmt dieses Kommando. Durch schwere Gefechte in Pforte, Jakalswater und Riet sehen sich die deutschen Schutztruppen gezwungen im März 1915 den Süden der deutschen Besitzungen zu räumen, im April muss man dann auch noch die Landesmitte um Windhuk verlassen. Am 12. Mai muss schließlich der Gouvernourssitz in Windhuk geräumt werden und man zieht sich bei Rückzugsgefechten weiter zurück. Im Juni 1915 beginnen die Unionstruppen mit dem Einmarsch in den nördlichen Gebieten von Süd-Westafrika. Die Schutztruppe muss sich daraufhin auf vorbereitete Stellungen ausweichen und erreicht schließlich am 26. Juni Otavi. Weitere Rückzugsgefechte folgen, Otavifontein muss geräumt werden und schließlich erreichen die Kämpfe am 6. Juli 1915 die Funkstation von Tsumeb im Norden des Landes. Noch vor deren Zerstörung muss sie an die Unionstruppen übergeben werden. Die verbleibenden Truppen ziehen sich nach Khorab zurück. Trotzdem muss man am 9. Juli 1915 erkennen, dass die Kämpfe aussichtslos sind. Somit unterzeichnet man an diesem Tag einen Waffenstillstandsvertrag mit General Botha. Somit wird am 16. Juli ganz Deutsch-Südwestafrika durch Unionstruppen Südafrikas besetzt. 1919 verliert das Deutsche Kaiserreich dann schließlich auch völkerrechtlich alle Rechte an Südwestafrika. Die ehemalige Kolonie wird Mandatsgebiet von Südafrika. Bis zu diesem Zeitpunkt war es den Engländern möglich über 6000 deutsche Siedler aus dem Land auszuweisen. Im Jahr 1923 gelingt es Politikern das "Londoner Abkommen" zwischen Großbritannien und Deutschland zu unterzeichnen. Damit garantiert man den deutschen Siedlern Heimatrecht in den ehemaligen Schutzgebieten von Deutsch-Südafrika.

 

Quellen

"Die Deutsche Schutztruppe 1889/1918", Werner Haupt, Dörfler zeitgeschichte, ISBN: 3-89555-032-9
"Deutsche Kolonialgeschichte", Winfried Speitkamp, Stuttgart: Reclam, ISBN: 3-15-017047-8
"Deutsches Koloniallexikon", Roßberg´sche Buchdruckerei, Leipzig (1920)

http://www.briefeankonrad.com/2011/02/d ... -anno.html
http://www.phoenix.de/test_1/48799.htm?skip=3
http://tobia.sgrab.de/2008/05/19/deutsc ... estafrika/
http://www.slideshine.de/12555



Autor: panzermeyer