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Das Thema

Deutsch-Ostafrika
"Eine deutsche Kolonie"

Ostafrika Kolonie

Die Entstehung und Entwicklung der Kolonialgebiete in Ostafrika
vor der Jahrhundertwende

 

 

 

Flagge der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG)

 

Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland der Wunsch groß eigene Kolonien aufzubauen, um so die außenpolitische Macht zu vergrößern und den eigenen Absatzmacht für Exportartikel zu stärken. Dieser Wille wurde aber von der Regierung, speziell vom Reichskanzler Otto von Bismarck, anfangs abgelehnt. Er war eher der Auffassung, dass man sich außenpolitisch hauptsächlich nur auf Europa konzentrieren wolle und sollte und das Afrika davon nur ablenken würde. Somit musste die Kolonialisierung nicht durch den Staat sondern durch private Organisationen durchgeführt werden. Eine dieser Organisationen war die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ mit Sitz in Berlin. Diese Gesellschaft sah für sich den Auftrag die benötigten Kolonien in Afrika zu schaffen, ob nun mit Hilfe durch den deutschen Staat oder auch ohne. So entschied man auf einer Ausschusssitzung am 16. September 1884, dass eine Gruppe von Mitgliedern ausgeschickt werden sollte um Land für die Gesellschaft zu erwerben. Den Auftrag erhielt der Pfarrersohn Dr. Carl Peters mit seinen beiden Begleitern, dem Juristen Dr. Jühlke und Graf J. Pfeil. Kurze Zeit später setzte sich das kleine Kommando mit Ziel Sansibar in Bewegung. Von dort aus sollte der Erwerb von Land gestartet werden. Um den anderen Kolonialmächten in Afrika, wie England und Belgien, dieses Vorhaben zu verheimlichen versuchte man den Grund der Reise zu vertuschen. Dies gelang auch relativ gut. Im November 1884 erreicht die Gruppe schließlich Sansibar, dort werden sie vom deutschen Konsul William Oswald empfangen um dabei zu erfahren das dieser im Namen der deutschen Regierung sämtliche Hilfsstellung zu unterlassen sei, die neu erworbenen Kolonien keinen Reichsschutz erhalten würden und auch das Leben der Gesellschafter in ihrer eigenen Hand liegen würde. Man versuchte wohl so mit letzter Kraft die Kolonisation aufzuhalten. Doch dieses Vorhaben misslang.
Bereits am 10. November 1884 betraten die Drei in „Sadani“ an der ostafrikanischen Küste. Von dort aus begeben sich die Männer ins Landesinnere um die gewünschten Landerwerbungen durchzuführen. Bis Mitte Dezember 1884 schaffen es Peters und seine Begleiter im Hinterland von „Sadani“ und „Bagamoyo“ Verträge mit einigen Stammesfürsten abschließen zu können. Diese sollten später Grundlage für die Schutzherrschaft und das Hissen der Reichsflagge auf diesen Gebieten sein. Das erworbene Gebiet zwischen „Pangani“ und „Kingani“ ist etwa mit der Größe von Süddeutschland zu vergleichen. Auch schafft es Peters mit dem Sultan von „Usagara“ einen Schutzvertrag abzuschließen und so weiteren Einflussbereich zu schaffen. Nachdem die Erwerbungen abgeschlossen wurden reiste Dr. Carl Peters wieder nach Berlin. Er trifft doch am 5. Februar 1885 ein und hat für seine Gesellschaft dieses Gebiet vereinnahmt und gerade einmal Kosten von etwa 2000 Mark verursacht.

 

 

 

Links: Die Eisenbahnstation Tanga und der Zug
Rechts: Die Hafenanlage von Dar es Salam



Von den Erfolgen der Gesellschaft überrascht und durch die Androhung von Peters zur Not eine Vereinbarung mit dem belgischen König Leopold zu treffen, lenkte der Kanzler aus innenpolitischen Gründen schließlich ein. Die Gesellschaft „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ hatte somit gewonnen. Am 27. Februar unterzeichnete Kaiser Wilhelm I. einen Schutzbrief für die erworbenen Gebiete, somit wurde die Besetzung dieser ostafrikanischen Gebiete legitimiert. Im Weiteren benannte sich nun die Gesellschaft um, ihr neuer Name war nun „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ (DOAG) und die Leitung oblag Dr. Carl Peters. Nachdem die Gesellschaft im Handelsregister eingetragen ist und der Jurist und ehemalige Begleiter von Dr. Peters, Dr. Jühlke, als Vertreter für die Gesellschaft in Sansibar eingesetzt wird, beginnt die Ausbreitung des Machtbereiches. So wird als erstes dem Juristen Jühlke die Gerichtsbarkeit in den Schutzgebieten übertragen und danach der Auftrag erteilt weitere Ländereien im Bereich um „Kap Guardafui“ bis „Rovuma“ und von „Madagaskar“ bis zu den „Komoren“ zu erwerben. Es werden Expeditionen ausgeschickt um diesen Auftrag auszuführen. So wird zum Beispiel ein Vertrag mit dem „Sultan von Witu“ geschlossen und man kann Land von der Größe von ungefähr zwei Drittel des Deutschen Reiches erwerben.
Durch den stetigen Erwerb neuer Ländereien und dem damit verbundenen Anstieg des Deutschen Reiches in Ostafrika kommt es allmählig zu Spannungen zwischen dem Sultan von Sansibar und den deutschen Kolonisten. England unterstützt dabei den Sultan da es ebenfalls den eigenen Einfluss schwinden sieht. Um auch kaiserliche Präsenz zu zeigen und militärische Macht zu bekunden wird im August 1885 ein deutsches Flottengeschwader unter Führung von Konteradmiral Knorr in die Küstengewässer vor den deutschen Kolonien verlegt. Man versuchte so den Sultan von Sansibar unter Druck zu setzen und von ihm die Anerkennung der von der „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ (DOAG) erworbenen Ländereien zu erzwingen. Auch sollte so versucht werden die Ausdehnungen der eigenen Gebiete auf die gesamte Somaliküste zwischen „Buur Gaabo“ und „Aluula“ zu ermöglichen. Schließlich ergab sich im Oktober 1886 eine Einigung im Konflikt zwischen dem Sultan, den Engländern und den Deutschen. Deutschland erkannte die Souveränität von Sansibar an, akzeptierte auch einen 10km breiten Küstenstreifen der unter der Kontrolle von Sansibar war, erzielte Vereinbarungen bei der Abgrenzung von Einflussgebieten und beendete so die politischen Querelen. Gleichzeitig gab das britische Empire aber die Zusage das das Deutsche Reich die Hafenverwaltung von „Dar es Salaam“ und „Pangani“ pachten konnte, um so eine Zugang zum Meer für die Kolonien zu erhalten. Im November des Jahres 1886 beginnt schließlich die Geschichte des Plantagenbaus. Die „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ gründet einen Zweig um in den Warenhandel in Afrika einzusteigen. Die Deutsch-Ostafrikanisch Plantagengesellschaft „Lewa“ wird gegründet. Das erste Anbauprodukt ist Tabak, hierbei scheitert man aber und muss einen Rückschlag erleiden. Der nächste Anlauf wird dafür aber ein Erfolg. Man beginnt mit dem Anbau von Kautschuk und kann so wirtschaftliche Erfolge erzielen.
 

 

 

Links: Die Kolonialverwaltung in Dar es Salam
Rechts: Das von einem Inder errichtete Krankenhaus in Dar es Salam

 

Noch im gleichen Jahr wird eine weitere Grenzfestlegung in Deutsch-Ostafrika durchgeführt. Man regelt dabei den Grenzverlauf zum portugiesischen Nachbarn im Bereich des heutigen Tansania und Mozambique. Ein weiterer erfolgreicher Schachzug ist schließlich die Neuregelung des Vertrages zwischen Said Bargash und Carl Peters als Vertreter der DOAG. Der ursprüngliche Vertrag vom 26. Februar 1886 wird am 30. Juli 1887 so modifiziert das die ganze Küste vom „Umba“ bis zum „Rovuma“ zwecks Weiterübertragung der DOAG überlassen wird. Und im Jahr 1988 pachtete die „DOAG“ schließlich den 10km breiten Küstenstreifen vom Sultan von Sansibar. Man kann somit den Machtbereich wieder weiter ausbauen und mehr Einfluss in diesem Bereich von Afrika erlangen. Im Dezember 1888 brechen dann schwere Zeiten für die Gebiete in Ostafrika an. Der so genannte "Araberaufstand" unter Führung von Buschiri bricht aus und innerhalb kurzer Zeit verliert die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft fast ihren kompletten Einfluss über die Gebiete. Lediglich die beiden Häfen „Bagamoyo“ und „Dar es Salaam“ kann die Gesellschaft unter Kontrolle behalten. Somit entschließt sich die deutsche Regierung der „DOAG“ zu Hilfe zu kommen. Am 2. Februar 1889 wird dem Reichskanzler, durch den Reichstag, die Vollmacht erteilt erforderliche Maßnahmen einzuleiten um die Gebietskontrolle wieder zu erlangen. In dieser Vollmacht, die im Reichsgesetzblatt veröffentlicht wurde, heißt es:

 

„ … für Maßregeln zur Unterdrückung des Sklavenhandels und zum Schutz der deutschen Interessen in Ostafrika über eine Summe von zwei Millionen Mark zu verfügen
und die Ausführung der erforderlichen Maßregeln einem Reichskommissar zu übertragen.“

 

So wird schon am 3. Februar der Hauptmann Wissmann zum Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika ernannt. Er soll in Afrika Soldaten für eine schlagkräftige Truppe anwerben und dann die deutschen Gebiete wieder unter Kontrolle bekommen und schützen. Zu diesem Grund bildet Wissmann am 8. Februar einen Stab und verlegt mit diesem am 15. Februar nach Ägypten. Dort wirbt er Einheimische an die unter Führung der Deutschen kämpfen soll. Er kann 650 Sudanesen sowie 350 Männer aus Mosambique anwerben und bildet mit diesen Männern dann, auf Grund der kaiserlichen Verordnung vom 19. Februar 1889, eine Polizeitruppe für Ostafrika. Nachdem diese Truppe in Ostafrika angekommen ist beginnen auch sofort die militärischen Operationen gegen die Aufständischen. Mitte Mai sind dann die aufständischen Führer verhaftet und werden zum Tode verurteilt, die „Ruhe“ ist wieder hergestellt.
Während der Aufstände hatte Dr. Peters aber weiter daran gearbeitet die Einflussbereiche seiner Gesellschaft zu vergrößern. So schloss er mit den Sultanen und Stammeshäuptlingen neue Verträge ab beziehungsweise überzeugte sie das sie die Verträge die sie mit England abgeschlossen hatten rückgängig machten und lieber mit den Deutschen diese Verträge unterzeichneten. Da dieses Verhalten nicht dem Willen vom Reichskanzler von Bismarck entsprach notierte dieser dazu: „Bisher brauchen wir England, wenn der Friede noch erhalten werden soll“. Dies lässt der Reichkanzler auch an die englische Regierung übermitteln. Damit erklärt Bismarck, dass die letzten so entstandenen Verträge ohne das Einverständnis und dem Rückhalt der deutschen Regierung entstanden seien. Ohne den Rückhalt der deutschen Regierung die Gebiete weiter zu vergrößern sind diese Pläne von Dr. Peters nun gescheitert den Machtbereich seiner Gesellschaft weiter auszubauen.

 

 

 

Links: Träger überqueren einen Fluss
Rechts: Während der trockenpreiode wird eine kleine Brücke errichtet



Am 1. Juli 1890 wird der Sansibarvertrag zwischen Deutschland und Großbritannien unterzeichnet, dabei erklärt sich Deutschland bereit die Schutzherrschaft über „Witu“ an die Engländer zurück zugeben um die politischen Wogen etwas zu glätten. Im gleichen Jahr tritt der erste deutsche Reichspostdampfer seinen Weg nach Ostafrika an. Von Hamburg aus fährt dieses Schiff, der neu gegründeten „Deutschen Ostafrikalinie“ (DOAL), nun regelmäßig von Deutschland nach Ostafrika. Auf dieser Fahrt ist auch der erste Postbeamte an Bord, der dann schließlich das erste Postamt in Sansibar am 27. August 1890 eröffnet. Im September des Jahres 1890 wird auch die Verlegung eines Seekabels von „Sansibar“ nach „Bagamoyo“ und „Dar es Salam“ beendet. Mit diesem Kabel kann nun eine Telegrafenverbindung hergestellt werden die am 18. September bzw. am 22. September ihren Betrieb aufnehmen kann. Ebenfalls in diesen beiden Orten wird am 4. Oktober 1890 jeweils ein Postamt eröffnet. Im November 1890 versucht die deutsche Regierung eine Einigung mit Großbritannien zu schließen. Dabei ging es in erster Linie um die Entschädigung von Deutschen die im Gebiet von „Witu“ lebten. Nachdem das Deutsche Reich nämlich diese Gebiete an Großbritannien abgegeben hatte wurden die dort lebenden Deutschen von den Einheimischen beraubt oder getötet da diese die Aufgabe der Schutzherrschaft als Verrat ansahen. Da die britische Regierung diesen Angriffen nicht entgegentrat sollte nun so eine Entschädigung dafür ausgehandelt werden. Das Ergebnis war in erster Linie einige unklare Zusagen, die letztendlich nicht gehalten wurden. Eine weitere Umstrukturierung gibt es noch im Jahr 1890. Der Gouverneurssitz wird von „Bagamoyo“ nach „Dar es Salam“ verlegt und ab 1. Januar 1891 gibt es einen Zivilgouverneur anstelle des bereits zurück gerufenen Reichskommissars. Die Polizeitruppe bleibt vor Ort und wird dem Reichsmarineamt unterstellt. Der Kommandeur der neuen regulären kaiserlichen Schutztruppe wird Leutnant Zelewski. Später im Jahr 1891 wird dieser, zusammen mit 9 weiteren Europäern und etwa 150 Askari, bei einem Hinterhalt getötet. Man kann erkennen, dass es trotz Schutztruppe gefährlich sein konnte.
 

 

 

Ein 5-Rupien-Schein der Deutsch-Ostafrika-Bank



Im Mai 1892 wird die Telegrafenlinie erweitert, die Linie Bagamoyo-Sadani wird eröffnet. Es gibt aber auch noch weitere infrastrukturelle Neuerungen. Im Dezember 1892 wird die Regierungsschule in Tanga für 50 Schüler errichtet und schon 3 Jahre später kann die Schule als Gouvernementsschule insgesamt 100 Schüler aufnehmen. 1893 entsteht ein großes Krankenhaus in Dar es Salam. Eine Stiftung eines Inders stellt die nötigen Mittel zur Verfügung um 1893 das „Sewa-Hadji-Krankenhaus“ für Einheimische und Inder zu erbauen. Die Eröffnung findet schließlich 1895 statt. Auch entsteht in diesem Zeitraum die erste Eisenbahnstrecke. Am 16. Oktober 1884 wird die erste koloniale Eisenbahnstrecke, sie beträgt insgesamt 14km, von Tanga nach Pongwe eröffnet. Erst im Jahr 1895 wird diese Strecke auf 129km erweitert.
Auch die Planung einer Zuckerfabrik wird durchgeführt. Diese wird 1897 durchgeführt, zum Bau kommt es aber erst 1900. Die erste richtige Ernte ist dann 1901, das Ergebnis ist niederschmetternd und somit gibt man dieses Vorhaben wieder auf. 1899 erscheint dann die erste Zeitung in Dar es Salam. Die "Deutsch-Ostafrikanische Zeitung" mit dem Herausgeber Wilhelm (Willy) v. Roy-Quadendorf, ein Schriftsteller, wird gegründet und berichtet fortan.
Um auch der normalen einheimischen Bevölkerung den Fortschritt näher zu bringen wird ab 1. August 1899, durch das Bezirksamt Tanga, die allgemeine Schulpflicht für die einheimischen Jungen eingeführt.

 

Entwicklung

Die Entwicklung nach der Jahrhundertwende in Ostafrika
bis zum 1. Weltkrieg

 

 

 

Linke Flagge: Die Flagge des deutschen Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika (1891-1919)
Rechte Flagge: Die Dienstflagge des Kolonialamtes (1893-1919)

 

Um den wirtschaftlichen Erfolg und Ertrag zu steigern wird ab etwa 1902 versucht Baumwolle in Ostafrika wirtschaftlich anzubauen. Vorbild sind dabei die Betriebe der Engländer und Franzosen. Auch entscheidet die deutsche Führung in Afrika ab 1904 auf die Sklaverei zu verzichten. So sollen ab dem 31. Dezember 1905 alle ab diesem Datum geborenen Kinder von Sklaven frei sein und die Haussklaven sollen alle ab 1920 komplett nicht mehr erlaubt sein.
Im Januar 1905 wird die „Deutsch-Ostafrikanische Bank“ gegründet, ihr wird das Recht zur Ausgabe von Banknoten verliehen und so gibt es im Dezember diesen Jahres schon die ersten eigenen 5-Rupien-Noten die heraus gegeben werden konnten. Um mehr Siedler nach Ostafrika zu locken werden Plakate und Prospekte gedruckt um die Auswanderungswilligen mit Informationen zu versorgen. Aber diese Broschüren plus die verlangten 9000 Mark als „Startkapital“ schrecken diese Leute eher ab als das sie anlocken.
Als Ende 1905 Anfang 1906 die Steuern im Süden von Deutsch-Ostafrika erhöht werden, um so die Einheimischen zur Plantagenarbeit zu zwingen, bricht der sogenannte "Maji Maji-Aufstand" aus. Dabei kommt es zu großen Unruhen und schweren Kämpfen zwischen den Einheimischen und der kolonialen Schutztruppe. Es gibt auf beiden Seiten Verluste wobei die der Einheimischen um ein Vielfaches höher sind, Der Aufstand kann aber niedergeschlagen werden. Im gleichen Jahr gibt es auch innerhalb der Verwaltung noch einige Umbauten, so wird zum Beispiel die Zivilverwaltung komplett aus dem Bereich der Schutztruppe ausgegliedert. So soll die Verwaltung und der Schutzauftrag getrennt werden um Beides besser durchführen zu können. Um die Verbindung ins Kaiserreich zu verbessern wird am 19. August 1907 eine neue Telegrafenstation in Moschi eröffnet und der Deutsche Carl Stangen hat die Geschäftsidee eine private Reisegesellschaft zu eröffnen. So soll auch durch die nun möglichen Urlaubsreisen nach Ostafrika das Anwerben von Auswanderungswilligen vereinfacht werden. Auch das Bahnnetz wird erweitert, am 5. Oktober 1907 kann man die Eröffung der Bahnstrecke Dar es Salam-Morogoro bis zur Station in Mikeke bekannt geben. Deutsch-Ostafrika ist zu dieser Zeit aber auch Anlaufpunkt für Abenteurer.

 

 

 

Mit dem Automobil durch Afrika



So startet Oberleutnant Paul Graetz, ein ehemaliger Angehöriger der Schutztruppe, eine Reise mit dem Automobil durch Afrika. So reist er von 1907 bis 1910 für den Seherl-Verlag durch Afrika, diese Reise wiederholt er schließlich 1911/12 noch einmal. Diesmal benutzt er aber ein Motorboot. 1908 wird schließlich auch ein Versuch gestartet Gold abzubauen. So beginnt die „Kironda-Goldminengesellschaft“ in Quarzgängen bei Sekenke mit dem Abbau. Das Abbauergebnis ist aber sehr gering, so wird aus einer Tonne Abraum nur 14-45g Gold gewonnen. Im März des Jahres 1913 wird unter Führung des Hauptmann a.D. Von Price ein Freiwilligenkorps gegründet, man möchte so noch mehr für die Verteidigung der deutschen Gebiete tun da sich die weltweite politische Lage immer weiter zuspitzt. Am 20. März wird in Dar es Salam die erste Funktelegrafenstation in Betrieb genommen, man kann somit noch schneller Informationen in Ostafrika sowie nach Ostafrika weiterleiten. Da es die unterschiedlichsten Maße und Gewichte im Schutzgebiet gibt, mit denen man arbeitet, werden am 1. April die aus Deutschland bekannten Maße eingeführt. Durch diese Einheitsmaße soll der Handel mit Waren vereinfacht werden. Auch gibt es unterschiedliche Zeiten in Ostafrika, dies ändert sich am 1. Oktober 1913. An diesem Tag wir die „Zeit von Moschi“ als Einheitszeit eingeführt um einen einheitliche Zeitzone in Deutsch-Ostafrika zu haben. Am 12. Dezember 1913 betritt der neue Kommandeur der Schutztruppe den afrikanischen Kontinent. Oberstleutnant von Lettow-Vorbeck, der spätere Held von Afrika, wird der Nachfolger von Oberstleutnants von Schleinitz. Bis August 1914 bleibt es in Deutsch-Ostafrika ruhig, dann erreicht über die Kabelverbindung eine Meldung das Gouvernement. Dabei wurde mitgeteilt, dass es in Deutschland eine Mobilmachung gäbe, die Truppen in den Kolonien davon aber ausgenommen seien. Auch wird ein späteres Telegramm angekündigt das aber nie die Gebiete in Ostafrika erreicht. So erfährt man von Gerüchten von Schiffen aus Sansibar das die Gefahr bestehe mit England in einen Krieg zu kommen. Am 5. August, morgens gegen 4:45 Uhr, erreicht schließlich ein Telegramm die Kolonialregierung. Dabei handelt es sich um die Information über die Kriegserklärung gegen Frankreich und England. Damit beginnt auch in den deutschen Schutzgebieten von Ostafrika der 1. Weltkrieg.

 

 

1. Weltkrieg

Die Entwicklung während des 1. Weltkrieges

 

 

 

Deutsch-Ostafrika zur Zeit des 1. Weltkrieges

 

Anfänglich gibt es in Ostafrika kaum kriegerische Auseinandersetzungen. Die zweigeteilte Schutztruppe, im Ostteil unter dem Kommando von General Lettow-Vorbeck und im Westteil unter General Wahle, behält die Kolonialgebiete unter Kontrolle. An den Grenzen gibt es kleinere Geländeverluste die aber als eher unbedeutend anzusehen sind. Am 8. August 1914 erklärt man Dar es Salam als „offene Stadt“, am 17. August wird auch Tanga dazu erklärt, Grund war das Einlaufen des britischen Kreuzers „Peagasus“. Dieses Abkommen mit den Briten hält aber nur bis zum November, dann kündigen die Engländer dieses wieder auf. Anfang September kommt es dann zu ersten größeren Gefechten zwischen der Schutztruppe und den Briten, im Bereich von Tsavo an der Bahnstrecke kommt es zu Kämpfen mit britischen Truppen. Diese, aus Indern bestehenden Einheiten, werden geschlagen und erhalten dabei große Verluste. In der Folgezeit gibt es viele Land- und Seegefechte in denen Geländegewinne erzielt werden und an anderer Stelle wieder verloren gehen. Diese erste Phase des Krieges in Deutsch-Ostafrika endet etwa März 1916.

Mit der zweiten Phase sind dann das Vordringen der britischen und belgischen Truppen und deren Verbündeten gemeint. In diesem Zeitraum, von März bis September 1916, erleidet die deutsche Kolonie große Geländeverluste. Auch die Zentralbahn geht an die Alliierten verloren. Die Belgier waren im Nord-Westen gegen die deutschen Gebiete vorgestoßen und die Briten hatten sich von Süden und Süd-Westen auf das deutsche Gebiet kämpfend vorgeschoben. Am Ende dieser Phase sind eigentlich nur noch die Gebiete südlich des Rovuma sowie der westlich angrenzende Mahengebezirk in deutschem Besitz. Nachdem die Alliierten Dar es Salam, Tabora und Kissaki Anfang September einnehmen konnten tritt eine längere Gefechtspause ein. Die Truppen auf beiden Seiten sind völlig erschöpft und müssen sich ausruhen. Somit endet die zweite Phase des Krieges in Afrika.

 

 

 

Links: Eine Einheit der Askari auf einem Marsch
Rechts: Eine Askari-Kompanie beim Stiefelappell angetreten



Von September 1916 bis November 1917 ist der dritte Abschnitt im Kampf um Afrika zu sehen. Nachdem sich die Truppen erholen konnten kommt es nun wieder vermehrt zu Gefechten bis am 1. Januar 1917 schließlich eine Großoffensive der Briten startet. In deren Verlauf müssen sich die deutschen Truppen immer weiter zurückziehen, die Briten können ihrerseits aber auch keinen entscheidenden Erfolg erzielen. Auch hindert die einsetzende Regenzeit die Alliierten daran schnell weiter vorzurücken. So schaffen es die Deutschen immer wieder sich zu sammeln und zu verstärken. So starten sie am 19. Juli 1917 einen großen Gegenangriff, dabei können sie den britischen Truppen große Verluste zufügen und auch die britische Offensive vorerst aufhalten, erst im September kommt sie wieder in Fahrt. Ab da geht es aber wieder für die deutschen zurück da sie in den schweren Gefechten dem britischen Gegner nicht wirklich viel entgegensetzen können. Auch müssen sich in diesem Zusammenhang viele deutsche Truppen ergeben da ihnen entweder die Vernichtung droht oder sie an völligem Mangel von Lebensmitteln leiden und so kapitulieren müssen. Um den Truppen in Ostafrika Versorgungsgüter zukommen zu lassen startet man in Bulgarien einen Zeppelin der diese Aufgabe übernehmen soll. Man versucht so die englischen Schiffe zu umgehen und den Verlust des Nachschubs zu verhindern. Am 22. November 1917 kehrt das Luftschiff aber wieder um, der Absender dieses Umkehrbefehls ist bis heute unbekannt. Damit entspannt sich die Versorgungslage in Ostafrika nicht wirklich, am 25. November 1917 ziehen sich die deutschen Truppen dann schließlich nach Portugiesisch-Ostafrika (Mozambique) zurück. Damit endet auch die dritte Phase.

Der vierte und letzte Abschnitt des Krieges ist dann der Teil vom Einmarsch in Portugiesisch-Ostafrika bis zum Waffenstillstand. Anfänglich kann die deutsche Truppe gegnerische Forts erobern und viel Kriegsmaterial erbeuten, trotzdem bleibt die allgemeine Versorgungslage sehr schwierig. Daran ändert auch die einsetzende Regenzeit nichts. Nachdem diese vorbei ist startet dann das Wanderleben der deutschen Schutztruppe. Man versucht so größeren Gefechten auszuweichen aber trotzdem durch kleinere Scharmützel die feindlichen Truppen zu binden. Ende September 1918 ist es dann soweit, die deutsche Schutztruppe geht auf das deutsche Gebiet wieder zurück. Nach 2500km Marsch ist sie wieder im Gebiet des heutigen Tansania zurück. Es gibt noch weitere kleinere Gefechte bis am 12. November 1918 schließlich die letzte Schlacht in Ostafrika geschlagen wird. Nach den Gefechten um Kasama muss die deutsche Schutztruppe unter Kommando von General Lettow-Vorbeck die Waffen niederlegen. Die Kämpfe sind nun auch in Ostafrika beendet. Nun erfahren die deutschen Soldaten erstmals genauere Informationen über die Vorgänge im Heimatland, seit Beginn des Feldzuges hatte man nur schwer an Nachrichten aus Deutschland kommen können. Nachdem die deutschen Soldaten in Dar es Salam angekommen sind wird ihr Abtransport aus Deutsch-Ostafrika vorbereitet. Am 17. Januar 1919 werden sie auf das Schiff „Feldmarschall“ der Deutsch-Ostafrika-Linie (DOAL) eingeschifft und über Großbritannien und Holland nach Deutschland verbracht. Mit dem Abschluss des Versailler Vertrages“ verliert das Deutsche Reich völkerrechtlich die Kolonien ist Ostafrika an Belgien und Großbritannien. Mit dem Verlust der Kolonien endet auch der deutsche Traum von der „Kolonialmacht Deutschland“.

 


Quellen

"Die Deutsche Schutztruppe 1889/1918", Werner Haupt, Dörfler zeitgeschichte, ISBN: 3-89555-032-9
"Die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Koloniale Sicheitspolitik und transkulturelle Kriegführung 1885 bis 1918", Tanja Bührer, München (Oldenbourg), ISBN: 978-3-486-70442-6
"Deutsche Kolonialgeschichte", Winfried Speitkamp, Stuttgart: Reclam, ISBN: 3-15-017047-8.
"Heia Safarie", General Lettow-Vorbeck, Köhler Verlag - Leipzig, (1920)

http://www.traditionsverband.de/magazin/feldapo.html



Autor: panzermeyer