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Das Thema

Das deutsche Wirtschaftssystem der 30iger Jahre

 

 


Begriffserklärung

 

1.Begriffserklärung:
 

  • 1.1.: Inflation: Als Inflation bezeichnet man einen Anstieg des Preisniveaus. Das Verhältnis von Geld- zu Gütermenge verändert sich. Inflation ist nichts anderes als eine Entwertung des Geldes. Vereinfacht könnte man sagen, dass die Waren teurer werden.
  • Österreichische Ökonomen begründen Inflation damit, dass die Notenbank Geld, das nicht durch Goldreserven des Staates gedeckt ist druckt. Man erhöht also die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet.
  • Beispiel: am Montag bekomme ich für einen Euro einen Laib Brot, am Dienstag muss ich für den gleichen Laib Brot zwei Euro bezahlen.
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  • 1.2.:Arbeitslosenquote: Hier möchte ich vorausschicken, dass es verschiedene Arten der Arbeitslosigkeit und Theorien zu Erklärung der Entstehung der Arbeitslosigkeit gibt. Ich werde auf die für mich plausibelste eingehende, die auch in unserem Zusammenhang am besten passt – die konjunkturelle Arbeitslosigkeit.
  • Konjunkturelle Arbeitslosigkeit entsteht dann, wenn in einem Wirtschaftssystem das Angebot an Gütern, die Nachfrage übersteigt.
  • Beispiel: Ein Bäcker produziert 100 Brotlaibe pro Tag, es haben aber lediglich 2 Leute die finanziellen Mittel um sich einen Brotlaib zu kaufen. Die Folge werden Entlassungen beim Bäckermeister sein, da er weniger Brot auch alleine herstellen kann.
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  • 1.3.: Die Phillipskurve: Die Phillipskurve beschreibt den Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Kernaussage der Phillipskurve: der Staat kann zwischen zwei Übeln wählen – entweder Arbeitslosigkeit oder Inflation.
  • Beispiel: Erhöht die Zentralbank die Geldmenge, steigt die Nachfrage und der Bäcker produziert wieder mehr Brot. Die Folge ist eine sinkende Arbeitslosenquote (mehr Bäckergesellen werden eingestellt) aber auch der Anstieg der Inflation.
     

 

  • 1.4.: Wechsel: Ein Wechsel ist nichts anderes als ein schuldrechtliches Wertpapier. Der Aussteller eines Wechsels weist den Schuldner an, die im Wechsel vereinbarte Summe zurückzuzahlen.
  • Beispiel: Unser Bäckermeister stellt seinem Mehllieferanten einen Wechsel aus. Der Bauer verpflichtet sich die im Wechsel vereinbarte Summe zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzuzahlen.


Hintergrund

2. Hintergrund:


 

Hjalmar Schacht

 

  • 2.1.: Wie funktionierte nun das deutsche Wirtschaftssystem der 30iger Jahre:

 


Reichsbankpräsident Horace Greeley Hjalmar Schacht entwickelte ein geniales System, um in Deutschland einerseits die Nachfrage nach Gütern zu erhöhen, andererseits die Arbeitslosigkeit zu senken und drittens die Währung stabil zu halten. Wie funktionierte das aber? Wie wir oben gesehen haben, kann man diese drei Prämissen nicht unter einen Hut bringen. Deutschland finanzierte seine Ausgaben für Rüstung und andere Wirtschaftsprojekte nicht indem es die Geldmenge erhöhte sondern, indem es Wechsel annahm, die von den Produktionsbetrieben ausgestellt wurden. Der Clou an der Sache war jedoch, dass nicht der Staat die Wechsel annahm, sondern eine ausgelagerte Scheinfirma die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH kurz MEFO genannt. Durch diesen Trick stiegen die Staatsschulden nicht an.

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  • 2.2.: Die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH:


Hinter der metallurgischen Forschungsgesellschaft mbH verbargen sich Siemens, Gutehoffnungshütte, Rheinmetall und Krupp. Die Mefowechsel stellten also im Prinzip nichts anderes als einen Kredit dieser Unternehmen an den Staat dar. Wer also für den Staat produzierte stellte nun einen Mefo-Wechsel aus, es wurde also quasi neben der Reichsmark eine zweite Währung geschaffen. Jeder Wechsel war durch die Reichsbank gedeckt und obendrein noch mit 4% verzinst.
Beispiel: Unser Bäcker produziert für die Wehrmacht Brot. Dieses Brot wird nicht in Reichsmark bezahlt sondern mit einem Mefo-Wechsel.
Der Bäcker bezieht sein Mehl ebenfalls mit einem Mefo-Wechsel, den der Bauer annimmt. Die Folge: Die Reichsmark wird durch diesen Vorgang überhaupt nicht tangiert, die Inflation steigt nicht an. Der Bauer und der Bäcker werden die Wechsel auch nicht bei der Reichsbank einlösen, da sie ja Zinsen auf die Wechsel bekommen.
 

  • 2.3.: Auswirkungen:

Die Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH stellten zwischen 1934 und 1938 Mefo-Wechsel in der Höhe von zwölf Milliarden Reichsmark aus und finanzierte somit 45% aller Rüstungsausgaben.
 

  • 2.4.: Andere Mittel zur Geldbeschaffung:

Öffa-Wechsel: Nichts anderes als der Mefo-Wechsel jedoch für öffentliche Staatsaufgaben, wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Arbeitslose.
Reichsfluchtsteuer: Staatsangehörige des Deutschen Reiches mussten, wenn sie ihren Wohnsitz ins Ausland verlegten eine sogenannte Reichsfluchtsteuer entrichten. Die Vermögensgrenze betrug ab 1934 50.000 Reichsmark und es musste ein Steuersatz von 25 % des Gesamtvermögens entrichtet werden. Insgesamt wurden so 941 Millionen Reichsmark in die Kassen des Staates gespült.


Staatshaushalt/Rüstung

3. Der deutsche Staatshaushalt und die Rüstungsausgaben:

 

 



Bereits 1934 entfielen 2,6 Milliarden Reichsmark auf Ausgaben für die Wehrmacht, für zivile Projekte stand lediglich eine Milliarde Reichsmark zur Verfügung, einen Großteil davon verschlang der Ausbau der Reichsautobahnen. Das das Reich knapp an Devisen war mussten alle Geschäfte mit dem Ausland von staatlichen Stellen genehmigt werden. Dies hatte zur Folge, dass die Einfuhr von Gütern des täglichen Bedarfs gedrosselt wurde und primär kriegswirtschaftlich nutzbare Ressourcen importiert wurden.

Mit von Deutschland abhängigen Staaten wie der Türkei, Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Ungarn wurden Handelsvereinbarungen getroffen, die einen devisenlosen Zahlungsverkehr ermöglichten. Der devisenlose Zahlungsverkehr war nichts anderes als ein reiner Tauschhandel. Importe in das Reich wurden durch in Deutschland produzierte Waren abgegolten. Dies erhöhte natürlich die Abhängigkeit der Handelspartner von Deutschland. Wer sich dieser Politik nicht beugte wurde brutal isoliert. Ein Beispiel hierfür ist die, gegenüber Österreich eingeführte Tausend-Mark Sperre oder die Einführung der Todesstrafe für Devisenvergehen.

Die Tausend-Mark-Sperre war eine Wirtschaftssanktion, die am 27. Mai 1933 von der deutschen Reichsregierung gegen Österreich verhängt worden war. Deutsche Staatsbürger mussten fortan vor Antritt einer Reise nach Österreich eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zahlen. Verglichen mit heutiger Kaufkraft (2008) entspräche diese Gebühr einem Betrag von etwa 3500 €. Ziel war die Schwächung der österreichischen Wirtschaft, die schon zu dieser Zeit stark vom Tourismus abhängig war. Die Sperre wurde im „Juliabkommen“ vom 11. Juli 1936 wieder aufgehoben*

Trotz all dieser Maßnahmen, reichte dies nicht aus, um die Aufrüstung des Reichs, wie von Hitler geplant durchzuführen. In einer Rede von Hermann Göring im Berliner Sportpalast unter dem Titel "Kanonen statt Butter" meinte dieser:

 

 


"Erst schafft eine starke Nation. Zuviel Fett - zu dicke Bäuche. Ich habe selbst weniger Butter gegessen und habe zwanzig Pfund abgenommen."


Ende 1937 waren fast die gesamten Gold- und Devisenreserven des Reiches aufgebraucht und betrugen nur noch 74 Mill. RM, damit konnten kaum die Tagesausgaben gedeckt werden.


Quellen

Johannes Bähr, Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reichs, Oldenbourg 2006

http://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Mark-Sperre (Letzter Zugriff 18.09.2010)
http://www.wer-weiss-was.de/theme75/article821249.html (Letzter Zugriff 18.09.2010)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft ... chen_Reich (Letzter Zugriff 18.09.2010)



Autor: Gebirgsjäger