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Das Thema

IJN Musashi

Das japanische Schlachtschiff Musashi galt mit seinem Schwesterschiff Yamato
als größtes und stärkstes Schlachtschiff der Welt. Benannt war es nach der früheren Provinz Musashi. Ihre schwere Artillerie
hatte mit 46 cm das größte bisher auf Schiffen verwendete Kaliber.


Geheimhaltung

Benannt wurde das neue Superschlachtschiff nach der alten japanischen Provinz Musashi bei Tokio. Der Stapellauf war am 8. November 1940, die Indienststellung erfolgte am 5. August 1942.

Die japanische Führung beschloss 1937 sowie 1939 zwei Schlachtschiffe der Yamato-Klasse auf Kiel zulegen, über ein fünftes Schlachtschiff sollte 1942 entschieden werden. Es waren jedoch zuvor noch einige Umbauten an den Werften notwendig. Es musste etwa die Sohle der Marinewerft Kure um einen Meter tiefer gelegt werden und die Helgen in Nagasaki musste man wegen des höheren Gewichtes verstärken. In der Marinewerft Yokosuka musste ein Baudock für das dritte Schlachtschiff gebaut werden, da es hier noch gar kein ausreichendes Dock gab. Zudem mussten alle Werften über Kräne mit mindestens 100 t Tragkraft verfügen, sowie über Schwimmkräne mit 150 t bzw. 350 t Hubkraft. Außerdem war es notwendig, ein eigenes großes Transportschiff für die 46 cm Geschütze zu bauen. Ein Transport dieser Giganten war weder auf der Straße noch auf den Schienen möglich.

Höchste Geheimhaltung war für dieses Projekt angesagt. Größe, Bewaffnung und Kosten wurden verschleiert. Es wurden zur Tarnung groß angelegte Umbauten an den Werften vorgenommen. Bei der Werft in Musashi wurde ein 2.710 m langer und 408 t schwerer, aus Sisalmatten bestehender Sichtwall um das Baudock herum aufgestellt. Die Marinewerft Kure konnte theoretisch von einer nahegelegen Bergkuppe aus eingesehen werden. Deshalb wurde veranlasst, über einem Viertel der Länge des Baudocks ebenfalls einen Sichtwall aus Sisalmatten anzubringen. Weiters wurde ein großes Hafenlagerhaus zum Schein errichtet. Dieses sollte die Sicht von den in der Nähe liegenden britischen und amerikanischen Konsulaten verdecken.

Auch der Stapellauf der Schiffe wurde geheim gehalten.
In den frühesten Morgenstunden und ganz ohne Parade, dafür unter weiträumiger Absperrung, wurden die Giganten jeweils zu Wasser gelassen.

Die bei Mitsubishi Nagasaki gebaute Musashi wurde nach etwa 52,25 Monaten, am 1. November 1940 zu Wasser gelassen und am 5. August 1942 in Dienst gestellt.

Zuvor wurde das Schwesterschiff, die Yamato in der Marinewerft Kure am 8. September 1940 zu Wasser gelassen und nach rund 49,5 Monaten war das Schiff fertiggestellt.

Das dritte Schiff der Yamato-Klasse, die Shinano sollte bei Yokosuka gebaut werden und hatte die Baunummer 110. Sie wurde am 8. November 1944 als Flugzeugträger zu Wasser gelassen und elf Tag später in Dienst gestellt.

Die Kii, so sollte vermutlich das vierte Schiff (Baunummer 111) heißen, wurde auf demselben Dock, wie die Yamato am 7. November 1940 auf Kiel gelegt. Sie wurde jedoch vorzeitig abgebrochen und das Material für andere Schiffe verbraucht.

Für das fünfte Schiff wurde nicht einmal der Bauauftrag vergeben.

Japan ging davon aus, dass sowohl die USA als auch Großbritannien bei ihren zukünftigen Schlachtschiffen gemäß dem Washingtoner Flottenabkommen bei der maximalen Kalibergröße von 40,6 cm bleiben würden. Deshalb sollte die Yamato-Klasse mit den 46,0 cm Geschützen L/46 Type 94 bestückt werden.


Bewaffnung

 


IJN Musashi - Blick vom Hauptturm nach vorne


Diese Hauptbewaffnung war in jeder Hinsicht ein Supergeschütz. Mit ihr konnte man pro Rohr in einer Minute eine 1.460 kg schwere Granate mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 785 m/s auf eine Entfernung von maximal 41.400 m verschießen.

Dieses Geschoss konnte auf eine Entfernung von 20.000 m eine 566 mm starke Panzerung vertikal durchschlagen. Bei 30.000 m immerhin noch 417 mm Panzerstahl. Die maximale Rohrerhöhung betrug 45°. Dieser Umstand ermöglichte es, mit der Hauptartillerie auch in die Luftverteidigung einzugreifen. Das Gewicht der 3 Türme war gewaltig. Ein Turm wog mit der Bereitschaftsmunition 2.774 t, das war mehr, als die neuesten japanischen Zerstörer der Akizuki-Klasse wogen.

Als Nebenbewaffnung wurden statt der ursprünglich geplanten 20,3 cm Geschütze in Zwillingstürmen, sechs 15,5 cm L/60 Geschütze in zwei Drillingstürmen eingebaut.
Das 15,5 cm L/60 Geschütz hatte einen Höhenrichtbereich von -10° bis +55° und eine Höchstschussweite von 27.340 m.
Mit ihr konnten zwölf 55,17 kg schwere Granaten pro Minute mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 925 m/s verschossen werden.

Als schwere Flakbewaffnung dienten zwölf 127 mm L/40 Type 89 Geschütze in sechs Zwillingslafetten. Diese hatten einen Höhenrichtbereich von -8° bis +90°.
Es konnten damit 23,05 kg schwere Granaten bis zu 9.440 m hoch (bei 90°) verschossen werden. Die Flak hatte eine Mündungsgeschwindigkeit von ungefähr 880 bis 910 m/s. Es konnten vierzehn Granaten pro Minute maximal 14.700 m weit verschossen werden.

Da die Bedrohung aus der Luft erkannt wurde, wurden noch vierundzwanzig der 25 mm L/60 Type 96 Geschütze in Drillingslafetten vorgesehen. Diese hatten eine Kadenz von 220 Schuss je Minute. Mit ihnen wurden 250 g schwere Geschosse auf eine Kampfentfernung von bis zu 7.500 m verschossen werden. Die Mündungsgeschwindigkeit lag bei 900 m/s. Der Höhenrichtbereich lag bei -10° bis +90° und bei +85° Rohrerhöhung konnten die Geschosse 5.500 m hoch verfeuert werden.Später wurde die Fla-Bewaffnung bei der Musashi auf insgesamt 129 25 mm L/60 Geschütze, beim Schwesterschiff Yamato, sogar auf 150 erhöht.

Mitte 1944 wurden zum Schutz gegen Tiefflieger zwölf Type 5 Startgeräte für 120 mm Raketen eingebaut. Die Type 5 Startgeräte waren 28-rohrige Abschussgeräte, welche 120 mm Raketen auf eine Kampfentfernung von 1.000 bis 1.500 m verschießen konnten. Die ungelenkten 22,5 kg schweren Raketen erreichten maximal 4.500 m.
Doch auch dieser Umstand konnte beide Giganten nicht retten!


Kaiser Hirohito an Bord der Musashi


Daten


 

 
Technische Daten
 
Einsatzverdrängung:
max. 72.089 ts
Schiffskörper
20.212 ts
Panzerung
22.896 ts
Maschinen
6.408 ts
Bewaffnung
11.661 ts
Ausrüstung
2.268 ts
Brennstoff
6.200 ts
Konstruktionsverdrängung
69.646 ts
Länge
263 m
Breite
38,90 m
Tiefgang
10,80 m
Geschwindigkeit:
27,46 Knoten
Treibstoffreserven:
6.201 t
Fahrbereich:
17.500 sm bei 16 kn,
7.200 sm bei 27 kn
Kesselanlage:
12 Kampon-Kessel
Leistung:
150.000 PS ( 110.294 kW ) konstruktiv,
165.000 PS ( 121.323 kW ) maximal


Panzerung/Ausrüstung

Panzerung

Die Panzerung der Yamato-Klasse war die stärkste, die jemals ein Schlachtschiff besaß. Die Forderung der Militärs lautete, dass das Schiff einem 46 cm Geschoss auf 20.000 m widerstehen sollte. Auch an die Bedrohung aus der Luft wurde gedacht: So wurde gefordert, dass die Schiffe gegen 1.000 kg Bomben aus einer Abwurfhöhe von 3.400 m immun sein mussten. Das Hauptgewicht bei der Panzerung lag bei den 46 cm Drillingstürmen der Yamato-Klasse. Sie verfügten über 650 mm Frontpanzerung und 440 mm Seitenpanzerung.


 
weitere Daten
Gürtelpanzer:
410 mm
Zitadelle:
75 - 340 mm
Außenhaut:
20 mm
Panzerdeck:
200 - 230 mm
Oberdeck:
35 - 50 mm
46cm Türme
Front:
650 mm
Decke
270 mm
Seiten:
440 mm
Rücken:
190 mm
15,5 cm Türme
Front /
Decke /
Seiten /
Rücken:
jeweils 50 mm
Vorderer Kommandoturm
Decke:
200 mm
Seiten:
500 mm200 mm
Verbindungsschacht:
300 mm
Bewaffnung
9 Geschütze 45,7 cm SK L/45 Type 94 in drei Drillingstürmen (540 Schuss)
ein Drillingsturm wog 2.774 t
das Geschoßgewicht betrug 1.460 kg und durchschlug auf 44 km 60 cm Panzerstahl

12 Geschütze 15,5 cm L/60 in vier Drillingstürmen (900 Schuss)
Später reduziert auf zwei Drillingstürme.

Flugabwehr
12x 127 mm L/40 Type 89 in sechs Zwillingslafetten (3.600 Schuss)
24 MK 25 mm L/60 Type 96 in acht Drillingslafetten später erhöht auf 129.
Flugzeuge:
7 Aichi E13A

Wegen des extremen Gasdrucks, der beim Abfeuern der 46,0 cm Geschütze entstand, musste man für die Bordflugzeuge einen gasdrucksicheren Ort finden. Man wählte das Heck. Dort wurde auf Höhe des Panzerdecks ein 44 m langer, 5,75 m hoher und 13,50 m breiter Hangar eingebaut. Zum Transport für die Flugzeuge diente ein 11 m langer und 6,50 m breiter Aufzug. Mit Hilfe eines 6 t Kranes konnten die Flugzeuge auf eines der beiden 19,50 m langen und um 360° drehbaren Druckluftkatapulte gehoben werden. Der Kran diente auch zum Einholen der gewasserten Flugzeuge, sowie zum Aussetzen oder Einholen der Beiboote.

 

 
Beiboote
2 Motorpinassen
1 Motorboot
1 Verkehrsboot
4 Motorbarkassen
1 Motorarbeitsboot
4 Kutter
1 Dingi
Besatzung:
2.900


Einsatz

Das Schiff nahm im Jahr 1944 an diversen Schlachten teil, wie der, bei der Philippinen - See, der Schlacht im Golf von Leyte sowie bei der erfolglosen Abwehr alliierter Landungen auf den Philippinen.


Japanische Schlachtschiffe Yamato, Musashi und Nagato bei Brunei im Oktober 1944

Während der Schlacht von Leyte, bildete sie zusammen mit ihrem Schwesterschiff Yamato einen Teil der zentralen Kampfgruppe von Vizeadmiral Takeo Kurita.


Die Musashi beim Verlassen von Brunei 1944


Vizeadmiral Takeo Kurita

Bevor die Musashi die feindlichen Schiffe angreifen konnte, wurde sie selbst trotz heftiger Gegenwehr immer wieder von hunderten von US-amerikanischen Trägerflugzeugen mit Bomben und Torpedos angegriffen. Nach 17 Bomben- und 20 Torpedotreffern bzw. 18 Nahtreffern kenterte das Schiff nach Backbord.


US-Trägerflugzeuge der Task Force 38 greifen am 24. Oktober 1944 die Musashi in der Sibuyan-See an.


Die Musashi sank am 24. Oktober 1944 um 19:35 Uhr unter heftigen Explosionen in der Sibuyansee, wobei sie 1023 der 2399 Seeleute mit in die Tiefe riss.
Von der Besatzung konnten 1376 Mann durch die Zerstörer Kiyoshimo und Shimakaze gerettet werden.


Zerstörer Shimakaze


Das Wrack der Musashi liegt wahrscheinlich auf der Position 13° 7′ Nord, 122° 32′ Ost