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Das Thema

 

Kleinst-U-Boote

 

Admiral Heye schreibt in seinen Aufzeichnungen über die Gründerzeit des neuen Verbandes:

“Bei der Kriegslage im Winter 1943/44 kam für uns auf See nur die Defensive in Frage. Es war bekannt, dass ich aus diesem Grund vielen kleinen Schiffen und Kampfmitteln den Vorzug vor großen Einheiten gab. ... Natürlich waren der Neuaufbau eines Verbandes und die Herstellung völlig neuartiger Waffen im 5. Kriegsjahr sehr schwierig. Zudem sollte alles sehr schnell gehen. Lange Entwicklungszeiten und Erprobungen waren nicht möglich. Ich ließ mir vom Oberbefehlshaber größere Vollmachten geben, um lange und bürokratische Wege zu vermeiden. Wir selbst hatten keinerlei praktische Erfahrungen in dieser Art Kriegsführung.“


Allgemeines

Allgemeine Informationen

 

"Zu Beginn des Krieges waren nur die Italiener und Japaner im Besitz von Kleinst-U-Booten, denn die Führung der Kriegsmarine sah in diesen Booten anfangs nur eine Verschwendung von Ressourcen und Personal."

Kleinst-U-Boote waren von Menschenhand (teilweise war nur ein Mann nötig) gesteuerte Kleinkampfmittel. Sie waren einem Torpedo gleich und wurden hauptsächlich gegen wertvolle militärische Ziele in Küstennähe eingesetzt. Beispielsweise der "Neger" - Einmanntorpedo bestand aus einem umgebauten Torpedo, der an der Unterseite einen Kampftorpedo trug.
Das Kleinst-U-Boot war ein Einhüllentyp und wie ein großes Boot ausgerüstet, jedoch fehlten einige für die Navigation notwendige Geräte. So erfolgte die Navigation nur über zwei Kompasse, die Horcheinrichtung oder über das Seerohr, welches aber nur drei Meter lang war.
Alle Fahrer von Kleinst-U-Booten gehörten dem K-Verband an. Die Zugehörigkeit wurde geheimgehalten und ohne weitere Angaben in den Personalakten erwähnt. So ist dort lediglich der Tag der Versetzung zum K-Verband notiert. Die Einsatzfahrten dauerten, abgesehen von Ausnahmen, bis zu sieben Tage.

 

Ausgewählt wurden nur Freiwillige. U-Boot-Fahrer gab es genügend in den Ausbildungs-Flottillen, da sich der Neubau von herkömmlichen U-Booten, besonders der neuesten Typen, immer weiter verzögerte. Viele von den frisch ausgebildeten und hoch motivierten jungen Männern befanden sich in Warteposition und versuchten, auf diesem Weg an die Front zu kommen. Nach einem Eignungstest wurden letztendlich nur die Fähigsten unter ihnen ausgewählt und dem K-Verband zugeteilt. Neben Offizieren waren auch Unteroffiziersränge und Mannschaften dort vertreten. Der Rang spielte keine große Rolle, lediglich die persönliche Eignung des Einzelnen. Das ging sogar soweit, dass keine Rangabzeichen mehr getragen wurden, damit auch wirklich alle gleich waren.

"Für die Soldaten war jeder Einsatz ein “Himmelfahrtskommando”, wobei der Tod durch Ersticken keine Seltenheit war. Realistisch gesehen war die Überlebenschance ca. 50:50. Jedoch kamen 80% der Besatzung um. Gefahren wurde dabei nur bei Nacht"

Angestachelt von den Erfolgen italienischer und britischer Kleinst-U-Boote (X-7 gegen die Tirpitz) versuchte man deutscherseits, das (See)Kriegsglück mit dieser neuen Waffengattung zu wenden.
So wurde vor allem der 'Kleinkampfverband' unter Vizeadmiral Hellmuth Heye, bekannt durch die Kampfschwimmer, mit diesen V (Vergeltungs-)Waffen ausgerüstet. Neben den Einmann-Torpedos (Neger, Marder), bis zu kleinen Tauchbooten mit max. 2 Mann Besatzung, gehörten auch Sprengboote zur Gattung der Kleinst-U-Boote.

"Federführend für die Entwicklung der Ein-Mann-Torpedos war die Torpedoversuchsanstalt Kiel-Eckernförde. Man hängte einfach zwei Torpedos vom Typ G7e untereinander, wobei der obere Torpedo keinen Sprengsatz, sondern ein Cockpit für einen Fahrer erhielt. Dieser saß, ausgerüstet mit einem Dräger-Atemgerät und einem Armbandkompass, unter einer Plexiglashaube, die ihm relativ gute Sichtmöglichkeit nach allen Seiten geben sollte. Er saß jedoch zu tief, um seine Ziele vernünftig ausmachen zu können. Das Fahrzeug war, abgesehen von einem Torpedo, unbewaffnet und nicht tauchfähig. Der Fahrer schoss den unteren Torpedo über ein einfaches Kimme-Korn-Visier (Gradskala in der Kuppel und Visiernadel) ab. Mit dem untergehängten Gefechtskopf konnte der Neger durch feindliche Ortungsgeräte nicht aufgespürt werden, da nur die Plexiglashaube “aus dem Wasser schaute”. Den Namen erhielt dieses “Boot” nach seinem geistigen Vater, dem Marinebaurat Richard Mohr."

 

Ziel war es, ein überlegenes Kleinst-U-Boot zu schaffen, das bei geringstmöglichem materiellen Aufwand und menschlichen Einsatz eine größtmögliche Waffenwirkung bzw. Schaden beim Feind verursacht.
Zusammen mit der HWK entwickelte man das Projekt Schwertwal. Die Entwürfe wurden auch als U-Jäger bezeichnet, wegen der zu erwartenden hohen Agilität.
U.a. sollte ein Einsatz auch gegen getauchte feindliche U-Boote mittels der neuentwickelten 'Rückstoßtorpedos' möglich sein.
Die Angaben und Pläne sind aber mit angebrachter Sorgfalt und Distanz zu beurteilen, denn sie sind nur bruchstückhaft erhalten und geben nur einen unzureichenenden Blick auf den Entwicklungsstand jener Tage. Von den real existierenden Projekten sind, auch wegen der Geheimhaltung, Vernichtung von Plänen und der Akquirierung von Material durch die Allierten, nur Wenige erhalten geblieben bzw. nachvollziehbar.

 

 

(Prototyp des Kleinst-U-Bootes "Schwertwal")


Varianten

 


 
Kleinst-U-Boote
 
Einmann-Torpedo
Neger Einmann-Torpedo, bei dem statt des Sprengkopfes Sitzraum für einen Mann vorgesehen ist.
Waffe: Ein Torpedo angehängt.
Der Name "Neger" stammte übrigens daher, dass ein für die Entwicklung Verantwortlicher der Marinebaurat Richard Mohr war und man das Synonym seines Nachnamens als Bezeichnung wählte.
Marder Einmann-Torpedo, verbesserter "Neger".
Tauchfähig
"Schweine" Von zwei Mann berittener Torpedo.
Die Reiter müssen zugleich als Kampfschwimmer und Techniker ausgebildet sein.
"Haie" Einmann-Doppeltorpedo, zusammengesetzt aus zwei Torpedomittelstücken.
Waffe: eingehängter Torpedo.
"Molche" Einmann-Tauchfahrzeug von ca. 11 m Länge. Geschwindigkeit bei kleiner Fahrt = 3 kn.
Waffe: 2 Torpedos außenbords.
"Hechte" Zweimann-Uboot von ca. 10,4o m Länge.
Waffe: Haftmine oder angehängter Torpedo oder Schwimmer, der im Kopfteil an den Feind gebracht werden kann.
Nicht zum Einsatz gekommen. Erprobungen 1944 abgebrochen.
Fahrzeuge mit E-Antrieb mit Benzinmotor verbunden:
"Biber I" Einmann-Tauchboot von ca. 8 -9 m Länge.
6 Zyl.-Opel-Benzinmotor von 32 PS und E-Maschine.
Waffen: 2 Torpedos außenbords. Im Einsatz bewährt, jedoch große Verluste; das Fahrzeug musste zum Angriff auftauchen.
"Biber II" Zweimann-Tauchboot. Diesel-Kreislaufmotor von 65 PS.
Waffen: 2 Torpedos außenbords. Biber II kam nicht mehr zum Einsatz.
 
Kleinst-U-boote
"Seehund" Zweimann-Uboot von ca. 12 m Länge - AEG-E-Maschine 25 PS.
Waffen: 2 Torpedos.
Im Einsatz gut bewährt. Boote wurden nach dem Kriege von anderen Marinen übernommen.
"Seehund II" Verbesserung des Typs Seehund durch Einbau eines Kreislaufdiesels.
Nicht mehr zum Einsatz gekommen.
"Schwertwal" Zweimann-Walter-U-boot.
Waffen: 2 Torpedos.
Der Schwertwal kam nicht mehr zum Einsatz.
"Einmann-Uboot" Waffe: Sprengladung 1200 kg
Sprengstoff. Fahrer schleudert sich vor dem Auftreffen heraus.
Nicht zum Einsatz gekommen.
"Großer Delphin" Zweimann-Uboot.
Waffe: 2 Torpedos.
Nicht zum Einsatz gekommen.

Genauere Angaben sind unter anderer Website zu finden.

 

 


Zum Schluss

Abschließende Bemerkung

 

 

Amerikanische Soldaten finden Einmann-Torpedo Typ „Neger“

Hellmuth Heye sagte nach Kriegsende über den Sinn und die Grenzen des Einsatzes von Männern des K-Verbandes:

"Kleinkampfmittel, welcher Art auch immer, werden stets nur eine Ergänzung der regulären Kampfmittel sein und können diese niemals ersetzen. Sie sind jedoch vorzüglich geeignet, durch den Einsatz weniger, geübter und entschlossener Männer sehr viel stärkere Kräfte des Gegners zu zersplittern oder zu binden. … (Rest des Zitats habe ich wegen rassistischer Äußerungen außen vor gelassen)“

In den letzten Tagen des Krieges bekam diese U-Boot-Bauart eine Dringlichkeitseinstufung. Dem gegenüber war der Zerstörerbau einzustellen, um zusätzliche Bau- und Materialkapazitäten freizumachen.
Die Arbeit an diesen oben vorgestellten Projekten verdeutlicht das enorm hohe technische Niveau, auf dem sich der deutsche U-Boot-Bau bewegte; der Mangel an Mensch und Material ließ jedoch die Planung im frühen Entwicklungsstadium veröden. Insgesamt gelangten 1944 248 U-Boote zur Auslieferung (Vorjahr 284).
Die Waffe wurde als Vergeltungswaffe hochstilisiert und war durch den schonungslosen Einsatz als Instrument des letzten Mittels oft verheizt worden. Vor allem die Soldaten in diesen Kleinst-U-Booten mussten diese Taktik oft mit dem Leben bezahlen. So reihte sich auch diese V-Waffe und seine Taktik nahtlos in die so typische taktische Orientierung der Wehrmachtsführung des „Endkampfes“ ein.

"Nur wenige Exemplare der 324 gebauten Kleinst-U-Boote sind noch erhalten geblieben. Das Exemplar des Technik-Museums Speyer wurde beim Freibaggern einer Fahrrinne in Holland entdeckt und dem Museum übergeben."

Quellen

http://www.u-boote-online.de/diekluboote/kverband.php (Letzter Aufruf 10.10.2009)
http://forum.panzer-archiv.de/viewtopic ... sc&start=0 (Letzter Aufruf 10.10.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kleinst-U-Boot (Letzter Aufruf 10.10.2009)
http://www.geschichtsseite.ubootgeschichte.de/ (Letzter Aufruf 10.10.2009)
http://www.ww2technik.de/dsub_mini.htm (Letzter Aufruf 17.01.2010)

Paul Kemp, Bemannte Torpedos und Kleinst-U-Boote im Einsatz 1939-1945, Motorbuch Verlag 2003.

Autor: Freiherr von Woye