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Das Thema

 

Die Dickschiffe der Kriegsmarine
und ihr Verbleib von 1939-1945

 


Einleitung

 

Einleitung

Die Definition von Dickschiff ist aus der Umgangssprache abzuleiten und steht für die größten Einheiten einer Flotte (Schlachtschiff, Linienschiff, Schlachtkreuzer), bei Segelparaden auch der Fünf- und Viermaster.
Als fachlicher Begriff ist das „Dickschiff“ vor allem im Schiffbau anzutreffen. Damals mehr als heute, ist es ein Begriff, der sich auf das Verhältnis zwischen Höhe und Breite der Spanten des Rumpfes eines Schiffes bezieht. Deshalb sind diese sogenannten „Dickschiffe“ auch anfälliger für hohen Wellengang als andere Schiffsformen. Das "Dickschiff" hat sich so aus der eher abfälligen Bemerkung eines "zu dicken" Schiffes, zu einem Fachbegriff gemausert.
So ist der ironische Unterton dieses Begriffes heute noch bei den Seglern geläufig, die gerne auf diesen Bezeichnung zurückgreifen, wenn sie geschlossene Kielyachten von Jollen unterscheiden. Die Kielyachten als „Dickschiffe“ zu bezeichnen ist natürlich für die im folgenden vorgestellten Dickschiffe kein ernst zu nehmender Vergleich.

 

Die Dickschiffe der Kriegsmarine
 

Die Kriegsmarine sollte nach dem sogenannten Z-Plan bis 1947 eine große Zahl neuer Schiffe erhalten, darunter Flugzeugträger, Schlachtschiffe, eine große Zahl von Kreuzern, U-Booten und anderen leichten Seestreitkräften.

Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, notierte am 3. September 1939 im Kriegstagebuch der Seekriegsleitung:

„Die Überwasserstreitkräfte sind aber noch so gering an Zahl und Stärke gegenüber der englischen Flotte, dass sie - vollen Einsatz vorausgesetzt - nur zeigen können, dass sie mit Anstand zu sterben verstehen und damit die Grundlage für einen späteren Wiederaufbau zu schaffen gewillt sind.“


Flugzeugträger

 

Flugzeugträger:

Graf Zeppelin

 

Der Flugzeugträger Graf Zeppelin war das wohl größte Dickschiff in der Kriegsmarine. Die Baukosten für Deutschlands einzigen Flugzeugträger beliefen sich auf 93 Millionen Reichsmark. Die Bauwerft für die Graf Zeppelin war bis 1940 die Germania-Werft in Kiel. Der Baustopp, vor allem wegen knapper Mittel und Neuorientierung der Marineleitung, kam Anfang 1942. Ende 1942 wurde der Träger bei den Deutschen Werken in Kiel weiter gebaut. Aber nur bis zum Panzerdeck, das heißt keine Geschütze und keine Aufbauten wurden fertiggestellt. Im Jahr 1943 wurde das Projekt dann endgültig aufgegeben.
Der Träger hatte eine Wasserverdrängung von 33.500 BRT, eine Länge von 263 Metern, eine Breite von 36.2 Metern. Die Geschwindigkeit war mit 33 Knoten angegeben.
Geschützt war dieses Dickschiff bzw. Träger durch einen 100 mm starken Panzergürtel. Ferner konnte er 42 Flugzeuge aufnehmen.

1945 wurde dieses beeindruckende aber unfertige Schiff von der Kriegsmarine in Stettin versenkt. Die Hebung durch die UdSSR fand im März 1947 und diente vor allem einer Auswertung der Konstruktion. Die endgültige Versenkung erfolgte am 18. Juni 1947 in der Ostsee.
Es wurde noch ein Flugzeugträger B auf Kiel gelegt. Dies fand 1938 statt, fand aber bereits 1939 mit einem Baustopp sein Ende.
Am 18. Juni 1947 wurde die Graf Zeppelin schließlich durch Artilleriefeuer des russischen Zerstörer Grozyashchig im Baltischen Meer versenkt.
(Die geplanten Umbauten der Europa, Potsdam, Seydlitz und den französischen Kreuzer De Grase wurden nur für kurze Zeit verfolgt.)


Schlachtschiffe/Schlachtkreuzer

 

Schlachtschiffe:

Bismarck

 

Tirpitz

 

Die Baukosten für die Tirpitz und für die Bismarck beliefen sich auf jeweils 184 Millionen Reichsmark.
Die Bauwerft der Tirpitz war die KM-Werft in Wilhelmshaven, während die Bismarck bei den Blohm & Voss Werken in Hamburg gebaut wurde.
Die Tirpitz hatte eine Wasserverdrängung von 52.600 BRT, die Bismarck kam auf 50.300 BRT.
Beide Schiffe waren 251 Meter lang, 36 Meter breit. Die Geschwindigkeit beider Schiffe lag bei über 30 Knoten. Die Bewaffnung war mit 8 mal 38 cm Geschützen und 12 mal 15 cm Geschützen sehr stark. Dazu kam noch eine starke Flakbewaffnung. Geschützt wurden beide Schiffe durch einen 360 mm dicken Panzergürtel.
Die Tirpitz wurde am 12. November 1944 durch britische Fliegerbomben bei Tromsö, in Norwegen versenkt.
Das Wrack wurde zwischen 1948 bis 1957 abgebrochen.
Am 27. Mai 1941 versenkte sich die Bismarck im Atlantik 300 Seemeilen vor der Küste von Frankreich selbst, nachdem sie vorher einen Lufttorpedotreffer hinnehmen musste der das Seitenruder lahm legte. Dazu kam dann, dass schwere Artillerietreffer der britischen Kampfflottenverbände die, die Bismarck schwer beschädigten.

 

Schlachtkreuzer:


Scharnhorst

 

Gneisenau

 

Die Baukosten für die Gneisenau und für die Scharnhorst beliefen sich auf jeweils 145 Millionen Reichsmark.

Die Gneisenau wurde auf der KM-Werft in Wilhelmshaven gebaut, die Bauwerft vom Schlachtkreuzer Scharnhorst waren die Deutsche Werke in Kiel.
Beide Schlachtkreuzer hatten eine Wasserverdrängung von 38.100 BRT, eine Länge von 235 Metern, die Breite war mit 30 Metern angegeben. Die Geschwindigkeit war mit 31.5 Knoten eher überdurschnittlich.
Bewaffnet waren sie mit 9 mal 28 cm Geschützen und 12 mal 15 cm Geschützen sowie 6 Torpedorohre und eine starke Flakbewaffnung. Ihr Panzergürtel war mit 350 mm sehr dick.
Die Gneisenau wurde am 01. Juli 1942 nach Fliegerbombentreffer außer Dienst gestellt.
Am 27. März 1945 schließlich gesprengt, und zwischen 1947 und 1951 abgebrochen.
Die Scharnhorst wurde am 26. Dezember 1943 nach einem Gefecht gegen britische Streitkräfte nordöstlich vom Nordkap versenkt.


Panzerschiffe

 

Panzerschiffe:

Admiral Graf Spee

 

Admiral Scheer

 

Lützow

 

Die Baukosten jedes dieser Panzerschiffe wurde mit 80 Millionen Reichsmark beziffert.

Die Admiral Graf Spee und die Admiral Scheer wurden auf der KM-Werft in Wilhelmshaven gebaut, während die Lützow (ehemals Deutschland) auf der Deutsche Werk Werft in Kiel gebaut wurde.
Die Admiral Graf Spee hatte eine Wasserverdrängung von 16.020 BRT, die Admiral Scheer von 15.180 BRT und die Lützow von 14.290 BRT.
Alle drei Panzerschiffe waren 188 Meter lang und über 20 Meter breit. Diese Schiffe waren 28 Knoten schnell. Bewaffnet waren sie mit 6 mal 28 cm Kanonen und 8 mal 15 cm Kanonen sowie 8 Torpedorohren. Eine Flakbewaffnung gehörte auch noch dazu.
Gepanzert waren die drei Schiffe durch einen 80 mm dicken Panzergürtel.
Am 17. Dezember 1939 musste sich die Admiral Graf Spee im Rio la Plata in Montevideo nach Gefechtsschäden gegen einen britischen Kreuzerverband selbst versenken.
Am 09. April 1945 wurde die Admiral Scheer durch britische Fliegerbomben in Kiel versenkt.
Die Lützow lief am 04. Mai 1945 auf Grund. 1946 versuchten die Russen sie wieder klar zu bekommen, was aber nicht gelang. Am 22. Juli 1947 wurde sie schließlich in der Ostsee versenkt.


Schwere Kreuzer

 

Schwere Kreuzer:


Admiral Hipper

 

Blücher

 

Prinz Eugen

 

Die Prinz Eugen wurde auf der Germania-Werft in Kiel gebaut, die Blücher bei den Deutschen Werken in Kiel und die Admiral Hipper bei der Blohm & Voss in Hamburg.
Alle drei Schiffe hatten eine Wasserverdrängung von bis zu 19.042 BRT. Die Länge war mit über 213 Metern und die Breite mit über 21 Metern angegeben.
Die Bewaffnung war mit 8 mal 20,3 cm Kanonen, 12 mal 10,2 cm Kanonen und eine unterschiedliche Flakbewaffnung für einen Kreuzer mehr als stark.
Der Panzergürtel dieser Schiffe war bis zu 105 mm dick.
Die Prinz Eugen wurde nach Kriegsende US- Kriegsbeute. Im Juli 1946 wurde sie bei Atombombenversuchen im Bikini-Atoll versenkt. Die Reste sind heute noch sichtbar.
Die Blücher wurde am 09. April 1940 im Oslofjord durch Torpedotreffer versenkt.
Am 03. Mai 1945 wurde die Admiral Hipper im Dock von Kiel durch Fliegerbomben versenkt und zwischen 1948 bis 1952 schließlich abgebrochen.

 

 

 

Das Scheitern der Dickschiffe

Der Umbruch im maritimen Denken der deutschen Kriegsmarine kam mit den Erfolgen der U-Boote - von denen monatlich 25 gebaut werden sollten -, und auch Hitler begann allmählich, die Material- und Kostenverschlingenden "Dickschiffe" abzuschreiben. Nachdem die "Bismarck" schon im Mai 1941 verloren gegangen war und die schweren Einheiten "Gneisenau", "Scharnhorst" und "Prinz Eugen" außer dem Kanaldurchbruch am 11./12. Februar 1942 zu Sicherung gegen eine befürchtete Invasion Norwegens keine nennenswerten Erfolge hatten erzielen können, war das Thema "Dickschiff" für Kriegsmarine nur noch von historischer Bedeutung.
Dazu beigetragen haben unter anderem die Operation eines Verbandes von Dickschiffen gegen den Geleitzug "PQ 17" im Juli 1942, bei dem sie völlig versagten. Dabei wurde bewiesen, dass der strategische Nutzen von Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern im Zeitalter der hauptsächlichen Unterwasserkriegsführung in Frage gestellt werden muss. Das Festhalten eines Großadmirals Raeder an den Traditionen und Vorstellungen der Reichsmarine bzw. den Visionen eines Tirpitz schien nun mehr als unangemessen.


Leichte Kreuzer

 

Leichte Kreuzer:

Nürnberg

 

Leipzig

 

Köln

 

Karlsruhe

 

Königsberg

 

Emden

 

Die Nürnberg und die Karlsruhe wurden bei den Deutschen Werken in Kiel gebaut. Während die Köln, Königsberg, Leipzig und die Emden bei der KM-Werft in Wilhelmshaven gebaut wurden.

Alle 6 leichten Kreuzer verdrängten 8.900 BRT. Sie waren bis zu 181 Meter lang und 16 Meter breit. Die Geschwindigkeit dieser leichten Kreuzer war bis zu 30 Knoten schnell.
Sie hatten eine Bewaffnung von 9 mal 15 cm Geschützen, 8 mal 8 cm Geschützen und eine unterschiedliche Flakbewaffnung.
Die Panzerung war bis zu 60 mm dick.

Die Nürnberg wurde russische- Kriegsbeute, das Boot machte noch als Admiral Makarow bis 1959 Dienst in der russischen Marine.
Die Leipzig wurde am 11. Juli 1946 südwestlich Farsund versenkt. Die Köln wurde am 30. April 1945 in Wilhelmshaven durch Fliegerbomben versenkt.
Am 09. April 1940 wurde die Karlsruhe in Kristiansand durch das britische U-Boot Truant torpediert uns später durch das deutsche Torpedoboot Greif versenkt.
Die Emden wurde am 14. April 1945 in Kiel durch Fliegerbomben versenkt.
Die Königsberg wurde am 10. April 1940 in Bergen durch Fliegerbomben versenkt.
Am 17. Juli 1942 wurde sie gehoben und abgewrackt.

Zum Schluss

 

 

 

Schlussbemerkung
Die Außerdienststellung der "Dickschiffe" hätte die Seekriegsleitung tief erschüttert, denn "es fiel der Kriegsmarine wohl schwerer als anderen Marinen, auf das Schlachtschiff in Zukunft bewusst zu verzichten, weil sie sich durch einen solchen Verzicht wieder in die Rolle einer zweitklassigen Küstenmarine zurückgeworfen glaubten."

Die führenden Köpfe in der Seekriegsleitung waren bemüht Hitler zum Umdenken, zu bewegen. Dabei war Hitler nur "in der momentanen Lage" von den U-Booten mehr überzeugt. Die Prestigegründe, die solch große Überwasserschiffe mit sich brachten, blieben für ihn weiterhin notwendig. Wenn er jetzt, im Jahre 1942, den Einsatz von Großkampfschiffen ablehnte, hieß das noch lange nicht, dass er auf sie auch in Zukunft verzichten würde. Das Gegenteil davon war der Fall, denn genau diese "Dickschiffe" sollten das Kernstück einer deutschen Nachkriegsflotte bilden, vielleicht der deutschen Wehrmacht überhaupt.
Die Marineführung dieser Jahre plante fern von realen Bezügen oder dem Kriegsgeschehen entsprechend. Sie strebte mit "hybriden deutsch-japanischen strategischen Konstruktionen" einer Mittelmeer-, Nahost- und Indienseekriegsführung gegen die "englischen Orientstellungen". Damit handelten und planten sie gegen jedwede reale militärische oder rüstungspolitische Gegebenheit an.
Ein Beispiel dafür ist die große Planungsoffensive für Schlachtschiffe, Hilfsflugzeugträger, Flugdeckkreuzer und Flugzeugträgern für eine Kriegs- und Nachkriegsmarine im Sommer und Herbst 1942. Bereits Anfang 1943 fehlten Arbeitskräfte wie Material, um ein solches Projekt langfristig bzw. kurzfristig umzusetzen. Die U-Boot Waffe sollte von nun Priorität bekommen. Sie war kostengünstiger, schneller zu produzieren, effizienter und vor allem eine vielseitigere Offensivwaffe. Eine weitere Umverteilung des Materials für die geplanten Dickschiffe ging in die neuen Kampfmittel: Torpedo und Mine. Diese waren mit weit geringerem Aufwand herzustellen und brachten eine enorme Abwertung der traditionellen Hauptkräfte der Schlachtenflotten. Auch den nach der Seeschlacht wichtigsten Form der Seekriegsführung, der Kriegs- sowie Handelsblockade, verliehen die neuen Waffen ein anderes Gesicht.

"Ich fühlte, dass der Augenblick gekommen war, in dem ich mich von Hitler trennen musste"
(Die Worte von Großadmiral Raeder, der den Stopp aller Großkampfschiffbauten als Aufforderung zum Abschied nahm.)

Mit dem 30. Januar 1943 und dem neuen Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz war dann auch die Wende in der strategischen Führung erreicht. Dönitz interessierten keine Schlachtschiffe- oder Flugzeugträgerplanungen, und vom Vergangenen hielt er eben so wenig wie von Denkschriften zu einer eventuellen Nachkriegsmarine auf Basis von "Dickschiffen". Alle noch 1943 verhandelten Bauprojekte bezüglich den Dickschiffen, wurden ersatzlos gestrichen.

"Es handelt sich allein darum, diesen Krieg zu gewinnen.[...] Nur mit dem U-Bootkrieg kam die Kriegsmarine einen entscheidenden Beitrag zur Gesamtkriegsführung leisten."

"Wenn wir also vor die Wahl gestellt werden, unsere Mittel für Kampfkräfte zu verwenden, die an Hand der nun einmal gegebenen Lage im großen Ganzen nur bedrohen, oder für solche, die totschlagen können, so ist es richtig, unsere Kräfte in die Totschläger hineinzustecken, denn durch Drohung allein ist noch niemand gestorben"

(Aussagen von Dönitz zum generellen Baustopp von "Dickschiffen")

 


Quellen

Die Schiffe der deutschen Kriegsmarine und Luftwaffe 1939 bis 1945 und ihr Verbleib. ISBN 3-7637-6215
Rolf-Dieter Müller und Hans-Erich Volkmann, Die Wehrmacht: Mythos und Realität, Oldenbourg 1999.
Werner Rahn, Deutsche Marinen im Wandel: Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument nationaler Sicherheit , Oldenbourg 2005.
P. Schubert, E. Weddige, H. Sohst, und P. Kurze, Die deutschen Marinen im Minenkrieg Band 1: Historische Entwicklung - Kaiserliche Marine - Reichsmarine, Books on Demand Gmbh 2006.
Michael Salewski, Die Deutschen und die See: TEIL II, Franz Steiner Verlag 2002.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dickschiff (Letzter Zugriff 09.02.2010)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsmarine (Letzter Zugriff 09.02.2010)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_hist ... eutschland (Letzter Zugriff 09.02.2010)
http://www.deutschekriegsmarine.de/haup ... chiffe.htm (Letzter Zugriff 09.02.2010)

Autor: Freiherr von Woye