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Das Thema

 

Der Flugzeugträger "Graf Zeppelin"

 

 

Graf Zeppelin und die deutsche Marine
Namensgeber und Traditionsleitbild des ersten und einzigen deutschen Flugzeugträgers war Ferdinand Adolf August Heinrich Graf von Zeppelin. Der Name des Grafen Zeppelin ist auf alle Zeit verbunden mit der Schaffung des ersten wirklich brauchbaren Starrluftschiffs.

 

 

Ferdinand Graf von Zeppelin und der Führer der Luftschiffe, Fregattenkapitän Peter Strasser


Planung

 

Baugeschichte des Flugzeugträgers Graf Zeppelin

Als nach dem 1.Weltkrieg mit dem Flugzeugträger ein neuer Kriegsschiffstyp entstand, konnte man noch nicht ahnen, dass dieser ein Vierteljahrhundert später das Schlachtschiff, dieses galt bis dahin als der Kern jeder hochseefähigen Flotte, überrunden und schließlich verdrängen würde.
Damals galt der Flugzeugträger noch als eine Art von Hilfs-Kampfschiff und allenfalls als ein Trabant des Schlachtschiffes, dem er zu dessen Schutz beigegeben werden konnte. An die Möglichkeiten einer offensiven Träger-Kriegsführung dachten nur wenige weiterblickende Marineoffiziere und sie standen sozusagen auf verlorenem Posten. Zu groß war der Widerstand jener Kreise, die im Schlachtschiff nach wie vor das non plus Ultra sahen und dem Träger höchstens Aufklärungsdienst und defensive Verwendungsmöglichkeiten zuzubilligen bereit waren.
Weil jedoch der neue Kriegsschifftyp nun einmal vorhanden war, gaben ihn die großen Seemächte nicht auf, aber sie taten zunächst auch wenig, um seine Weiterentwicklung zu fördern. Unterdessen arbeitete die Zeit für das Flugzeug. Mit der Steigerung der Flugzeugleistungen änderte sich die taktischen Anschauungen über einen zukünftigen Seekrieg und der Flugzeugträger gewann allmählich an Bedeutung.

Der deutschen Marine blieb die Teilnahme an dieser Entwicklung versagt, denn die Bestimmungen des Versailler Vertrages ließen weder den Bau von Flugzeugträgern noch überhaupt die Unterhaltung von Kriegsflugzeugen zu.
Der militärische Wert des Flugzeugträgers war auch von aufgeschlossenen deutschen Marineoffizieren erkannt worden und zwar relativ lange vor dem alsbald im Gefolge von Hitlers Machtantritt einsetzenden Aufbau der Wehrmacht. Nachdem mit der Aufstellung der Luftwaffe als 3.Wehrmachtteil begonnen worden war, wandte sich auch die Kriegsmarine diesem neuen Kriegsschifftyp zu. Die vorerst vorwiegend theoretisch betriebene Entwicklung fand ihren ersten weitergreifenden Ausdruck, als um die Jahrwende 1933/1934 die Konstruktionsabteilung der Marineleitung beauftragt wurde, einen Studienentwurf für einen Flugzeugträger zu erarbeiten.

 

Ihm lagen folgende militärischen Forderungen zugrunde:

• Wasserverdrängung etwa 20.000 Tonnen
• Geschwindigkeit 33 kn
• 50 bis 60 Flugzeuge
• Bewaffnung: 8 x 20,3 cm Geschütze, dazu starke Flak, Panzerung und Innenschutz nach Maßgabe der auf Leichten Kreuzern üblichen Normen.


Diese Aufgabe war schwer genug. Erfahrungen jedweder Art standen nicht zur Verfügung und das Unterlagenmaterial über die Flugzeugträger fremder Flotten beschränkte sich auf den in der zugänglichen Fachliteratur enthaltenen Erkenntnisstand.
Auf diese fremden Träger musste als Vorbilder zurückgegriffen werden, um überhaupt erst einmal über die grundlegenden Fragen Aufschluss zu gewinnen. Mit diesem höchst lückenhaften und unzureichenden Material musste sicher der Entwurfsreferent, es war der damals 36 Jahre alte Marinebaurat Dipl. Ing. Wilhelm Hadeler, Schritt für Schritt an die Lösung der Aufgabe herantasten.

 

 

Entwurfsdezernent Marineoberbaurat Dipl.Ing. Wilhelm Hadeler

Die Luftwaffe sah sich anfangs außerstande, daran mitzuwirken, weil sie durch ihren hektischen Aufbau maßlos überlastet war. Sie war nicht einmal dazu in der Lage, der Marine die Größenordnung für die Abmessungen der in Betracht kommenden Trägerflugzeuge zu nennen, um danach die Hallen und Aufzüge bemessen zu können. Trotz dieser Widrigkeiten gelang es dem Konstrukteur, den Studienentwurf im Laufe eines Jahres zu einem gewissen Abschluss zu bringen. Allerdings blieb die wichtigste Frage, ob die Aufgabe zweckmäßig gelöst war, einstweilen offen.
Die gestellten Forderungen konnten sämtlich erfüllt werden, allerdings waren die gewünschten 8 x 20,3 cm Geschütze durch ebenso viele 15 cm Geschütze ersetzt worden. Hinzu kamen 10 x 10,5 cm Flak und zahlreiche Maschinenwaffen. Insgesamt war mit etwa 23.000 ts Wasserverdrängung und 35 kn Geschwindigkeit zu rechnen. Von dem ursprünglichen Vorbild dieses Studienentwurfes, der britischen Courageous-Klasse, war nur noch ein aus der oberen Flugzeughalle über die Backbord geführte Jägerstartdeck übriggeblieben.
Das wichtigste Ergebnis dieses Studienentwurfes aber war, dass die beteiligten Stellen der Kriegsmarine in den etwa 14 Monaten seiner Bearbeitung eine Vorstellung bekommen hatten, was man qualitativ und quantitativ an Kampfwert von einem Träger zu erwarten hatte und wie viel Schwierigkeiten noch zu überwinden waren, bis eine brauchbare Konstruktion erreicht war. Dies zu schaffen, wurde dann allerdings sehr viel früher notwendig, als es selbst für Optimisten vorhersehbar war.
Bereits am 18. Juni 1935 wurde der Weg zu deutschen Flugzeugträgern frei, an diesem Tage ist das deutsch-britische Flottenabkommen unterzeichnet worden, dass die zukünftige Stärke der deutschen Kriegsmarine auf 35 % des britischen Bestandes an Kriegsschifftonnage festlegte und für alle Schiffstypen Gültigkeit besaß. An Flugzeugträgertonnage standen, ausgehend vom derzeitigen britischen Bestand, 38.500 ts zur Verfügung, also 2 Einheiten zu je 19.250 ts.
Den Studienentwurf auf diese kleinere Verdrängung umzugestalten, erwies sich als nicht besonders schwierig. Unter den grundlegend veränderten politischen Aspekten konnte der erste deutsche Flugzeugträger (mit der Haushalts- und Baubezeichnung "A") im Haushaltsjahr 1936 eingestellt werden, ein zweiter ("B") folgte im Haushaltsjahr 1938.
Der endgültige Entwurf war dem Studienentwurf recht ähnlich. Zu dieser Zeit wurden die Belange der Trägerflugzeuge jedoch noch nicht mit der ihnen als Hauptwaffe gebührenden Geschwindigkeit vertreten, denn ähnlich wie in weiten Kreisen der großen ausländischen marinen sah man auch in Deutschland das eigentliche Wesen des neuen Kriegsschifftyps nicht so, wie es ihm eigentlich zukommen hätte müssen. Man hatte noch nicht erkannt, dass seine Hauptwaffe schlechthin das Flugzeug war. Stattdessen betonte man die Artillerie, die man als Hauptkampfwertfaktor kannte, indem man diese durch Verdoppelung der Rohrzahl aufwertete.
Inzwischen hatte auch die Luftwaffe begonnen, sich in die Entwicklungsarbeiten einzuschalten. Auf ihre Veranlassung sollte das Jägerstartdeck nach dem Vorbild der britischen Courageous-Klasse wegfallen. Während dieser Arbeiten wurde ein höherer Baubeamter des K-Amtes zur Navy Week nach England entsandt, um Einblick in den dort zur Besichtigung freigegebenen britischen Flugzeugträger Furious zu erhalten.
Dieser Besuch brachte aber nur wenige nutzbringende Ergebnisse. Etwas mehr Erfolg hatten Verhandlungen mit der japanischen Marine. Diese gestattete im Herbst 1935 einer deutschen Kommission die Besichtigung ihres Flugzeugträgers Akagi. Hierbei wurden der Kommission etwa 100 Blaupausen einschlägiger Sondereinrichtungen im Bereich der Fluganlage ausgehändigt.
Das Gesamtergebnis war jedoch auch hier nicht so ergiebig, wie es erhofft worden war. Aufgrund des dort Gesehenen wurde neben einigen weniger bedeutenden Änderungen lediglich ein dritter, der mittlere, Flugzeugaufzug vorgesehen. Eines aber hatte der Japan Besuch zum Vorschein gebracht und dies erwies sich als überaus wichtig und kostbar.
Es wurde bestätigt, dass man auf deutscher Seite auf dem richtigen Wege war.

 

Nachdem der Entwurf gegen Ende 1935 seinen vorläufigen Abschluss erreicht hatte und vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine bestätigt worden war, erhielten am 16. November 1935 die Deutschen Werke Kiel AG, die bereits mit der eingehenden konstruktiven Durcharbeitung betraut war, nun auch den Auftrag zum Bau des Flugzeugträgers "A".
Diese Werft war jedoch noch mit dem Bau anderer Kriegsschiffe, Schlachtschiff Gneisenau, Schwerer Kreuzer Blücher, Zerstörer Z 1-4, Uboote U 13-16 und Troßschiff Franke, vollauf beschäftigt, ihre Helgen (den Platz in einer Werft, auf dem ein Schiff gebaut wird) waren noch belegt. Daher konnte die Konstruktion des Trägers bis zur Kiellegung ohne Überstürzung gefördert werden.
Am 28. Dezember 1936 wurde auf Helling 1 (von der 20 Tage zuvor das Schlachtschiff Gneisenau abgelaufen war) der Kiel des Trägers gestreckt. Fast genau 2 Jahre später, am 8. Dezember 1938, lief er vom Stapel und wurde dabei auf den Namen "Graf Zeppelin" getauft.

 

 

Deutschlands erster und einziger Flugzeugträger ist soeben auf dem Namen "Graf Zeppelin" getauft.

Für den zweiten Flugzeugträger "B" war schon am 11. Februar 1935 der Auftrag zum Bau der Maschinenanlage erteilt worden und zwar an die Friedrich Krupp Germania-Werft in Kiel. Der Auftrag zum Bau des Trägers selbst folgte am 16. November 1935. Die Kiellegung konnte jedoch erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1938, nach dem Stapellauf des Schweren Kreuzers Prinz Eugen, erfolgen, weil allein diese Helling den Bau des Trägers zuließ. Die Arbeiten an ihm sind bewusst langsam vorangetrieben worden, um nach Möglichkeit noch bei der Erprobung von Graf Zeppelin anfallenden Erfahrungen berücksichtigen zu können. So wuchsen bis Kriegsbeginn die unteren Spannten nur bis zum Plattformdeck. Nach der friedensmäßigen Planung war der Stapellauf für den 1. Juli 1940 in Aussicht genommen, als frühester Fertigstellungstermin der Dezember 1941.
Zwei weitere Träger, "C" und "D", sollten gemäß Z-Plan, ebenfalls unter friedensmäßigen Bedingungen, ab April 1941 bei der Germaniawerft resp. Deutsche Werke Kiel gebaut und bis Juli 1944 in Dienst gestellt werden.
Die Arbeiten an Graf Zeppelin machten im Laufe des Jahres 1939 normale Fortschritte. Im August 1939 ließ sich absehen, dass man mit der Fertigstellung in den letzten Wochen des Jahres 1940 rechnen konnte. Bei Kriegsausbruch war der Träger etwa zu 85 % fertig, die Maschinen waren bereits eingebaut und die Kessel ausgekocht und es fehlten eigentlich nur noch einige wenige, aber schon bereitstehende Hilfsmaschinen. Die Erprobung in See hätten also nach aller Voraussicht nach um die Jahreswende 1940/1941 beginnen können.
Auch die 15 cm Geschütze waren schon eingebaut, ihre Leitmittel allerdings noch im Rückstand. Nach Kriegsbeginn liefen die Arbeiten an Graf Zeppelin zunächst planmäßig weiter, doch gerieten sie wegen des bald darauf einsetzenden verstärkten Ubootbaus in Verzug. Hinsichtlich ihrer Dringlichkeitsstufe hatten die Träger stets nur an letzter Stelle gestanden.

 

Reihenfolge lautete bis zum Kriegsbeginn:

Schlachtschiffe ---> Uboote ---> Zerstörer ---> Kreuzer ---> Flugzeugträger

Schließlich schlug am 29. April 1940 der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine selbst vor, die Arbeiten einzustellen, weil der Träger, selbst wenn er termingemäß gegen Jahresende in Dienst gestellt werden könnte, artilleristisch nicht verwendungsbereit wäre.

Die 15 cm Geschütze waren zuvor ausgebaut und nach Norwegen gebracht worden, um dort die Küstenverteidigung zu verstärken, über die Flak-Bewaffnung war bereits anderweitig verfügt und die Bereitstellung von Feuerleitanlagen verzögerte sich wegen der Lieferung solcher Anlagen an die Sowjetunion im Rahmen der 1939 mit ihr abgeschlossenen Verträge.
Am 12. Juli 1940 verließ der Träger Graf Zeppelin, Kiel. Eskortiert von dem Versuchsboot Nautilus erreichte der Schleppzug am 18. Juli Saßnitz, wo 2 x 3,7 cm Doppellafetten eingerüstet wurden, um eine Verteidigungsbereitschaft gegen Angriffe aus der Luft sicherzustellen. Danach ging der Schleppzug weiter nach Gotenhafen (polnisch Gdynia). Dort lag Graf Zeppelin fast ein ganzes Jahr lang fest.
Als der militärische Angriff auf die Sowjetunion für den 22. Juni 1941 angesetzt worden war, befiel das Oberkommando der Kriegsmarine, Graf Zeppelin bis spätestens 19. Juli aus Gotenhafen westwärts abzuschleppen. An den Haken der beiden Schlepper Danzig und Albert Forster verließ der Träger am Mittag des 19. Juni Gotenhafen und erreichte am 21. Juni Stettin, wo er gegenüber der Hakenterrasse festgemacht wurde.

 

 

Juni 1941, Graf Zeppelin vor der Hakenterrasse in Stettin.

Dort blieb er so lange, bis die Wehrmacht tief genug in die Sowjetunion vorgedrungen war, dass keine sowjetischen Luftangriffe mehr drohten.
Am 10. November 1941 verließ Graf Zeppelin befehlsgemäß Stettin und kehrte am 17. November nach Gotenhafen zurück. Dort ist sie unter den Namen "Zugvogel" als schwimmendes Lager für Edelholzvorräte der Kriegsmarine genutzt worden.
Das Schwesterschiff "B", der ihm in der Nachkriegsliteratur häufig zugeschriebene künftige Name "Peter Strasser" hat nur den Wert einer rein spekulativen Vorhersage, verfiel bereits am 19. September 1939 dem Baustopp. Das verbaute Material wurde dann ab 28. Februar 1940 innerhalb von 4 Monaten von einer Essener Firma abgebrochen und neuer Verwendung zugeführt.


Schiffsbau

 

Der Schiffaufbau


Schiffskörper:

 

Der Schiffskörper war in 19 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Diese sehr engzellige Unterteilung entsprach den für große Kampfschiffe der Kriegsmarine üblichen Normen. Unter Wasser lief der Vorsteven in einer Wulst (Taylor-Birne) aus, durch welche der Reibungswiderstand messbar reduziert werden sollte.
Konstruktiv-technisch war Graf Zeppelin einer der interessantesten deutschen Kriegsschiffneubauten. Der Träger war als Inseltyp ausgelegt, das heißt, alle Aufbauten waren in einer an der Steuerbordseite befindlichen "Insel" konzentriert. Als Gewichtsausgleich für die Insel waren die Hallendecks und das Flugdeck um 0,8 m aus der Schiffslängsachse nach Backbord verschoben, deshalb hing die Außenhaut an Backbord etwas stärker über als an Steuerbord.
Ursprünglich hatte Graf Zeppelin den bis dahin im deutschen Kriegsschiffbau üblichen fast senkrechten Vorsteven. Im Jahre 1940 wurde dieser durch einen sogenannten Atlantiksteven ersetzt, um die Seeeigenschaften zu verbessern. Dieser Umbau bewirkte eine Verlängerung des Schiffskörpers um 5,20 m.
Die Panzerung von Träger Graf Zeppelin entsprach in etwa den Normen zeitgenössischer Leichter Kreuzer. Verwendet wurden sowohl Krupp-KC-Panzer (KC = Krupp Cementiert) als auch das neue Material "Wotan hart" (Wh) und "Wotan weich" (Ww).
Oberstes Verbandsdeck war das Flugdeck. Das bedeutete, dass die Hallendecks mit dem Flugdeck nicht, wie im Ausland vielfach üblich, auf Stützen auf dem Oberdeck des Schiffskörpers aufgebaut, sondern in dessen Festigkeitsverbände einbezogen waren. Die Seitenhöhe betrug 22,50 m, das war für diese Dimension das bis dahin erreichte höchste Maß.


Antriebsanlage:

 

Um die geforderte Geschwindigkeit zu erreichen, war eine auf 4 Wellen arbeitende Dampfturbinenanlage mit einer Gesamtleistung von 200.000 WPS erforderlich. Eine so leistungsstarke Anlage hatte es bis zu diesem Zeitpunkt noch auf keinem in Europa gebauten Schiff gegeben.
Die Graf Zeppelin erhielt 4 Turbinensätze von Brown, Boveri & Cie. mit jeweils 50.000 WPS Einzelleistung, für das Schwesterschiff "B" waren Marine-Turbinen der Krupp Germania-Werft von gleicher Leistung vorgesehen. Die Turbinensätze, von denen die beiden vorderen nebeneinander in einem gemeinsamen Turbinenraum untergebracht waren, während die beiden anderen hintereinander in getrennten Räumen aufgestellt wurden, wirkten auf 4 Wellen mit jeweils einem vierflügeligen Propeller von 4,40 m Durchmesser. Bei 300 Umdrehungen in der Minute sollte die Höchstgeschwindigkeit 34,5 kn betragen. Das Leistungs-Einheitsgewicht der gesamten Anlage wird mit 19,25 kg/Ps angegeben, umgerechnet rund 3.850 Tonnen.

Eine Neuheit im Schiffbau der damaligen Zeit war die Voith-Schneider-Steueranlage. Wegen ihrer großen Seitenhöhe musste Graf Zeppelin dem Wind eine sehr große Angriffsfläche bieten. Die Fläche des Längsschnitts eines Schiffes oberhalb seiner Eintauchlinie, betrug auf ihr rund 4.500 qm.
Dadurch bestand die Gefahr, bei Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal vom Wind gegen die Kanalböschungen gedrückt zu werden, weil der Flugzeugträger wie alle großen Schiffseinheiten bei der dabei vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 8 kn nicht gut im Ruder zu halten sein würde. Es wurden deshalb 2 hintereinander angeordnete VS-Anlagen von je 450 PSe im Vorschiff installiert. Diese waren in senkrechten Schächten ein und ausfahrbar installiert und sollten den Träger gegen den Wind halten. Ihr Schub reichte aus, um bei Windstille und stromlosen Wasser das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 4,5 kn fortzubewegen. Außer Gebrauch waren sie im Schacht eingefahren, die Klappe schloss so dicht, dass in Ruhelage ohne weiteres die Wartung der Anlage möglich war. Zur Versorgung mit elektrischer Energie standen 4 x E-Werke zur Verfügung.

 

In diesen arbeiteten:

• 5 Dieselgeneratoren zu je 350 kW (475 Ps)
• 5 Turbogeneratoren zu je 460 kW (625 Ps)
• 1 Turbogenerator von 230 kW (315 Ps) mit angehängtem 200 kVA Wechselstromgenerator

 

Der Träger Graf Zeppelin hatte 2 parallel angeordnete Schwebruder (auch Spatenruder genannt), deren Fläche 1/41 des aus der Länge auf KWL und der Konstruktionstiefe gewonnenen Produkts betrug, das heißt, etwa 18 qm. Die verfügbare Gesamtruderfläche betrug somit etwa 36 qm.


Bewaffnung

Bewaffnung:

Die artilleristische Bewaffnung war von Anfang an umstritten. So waren schon die ursprünglich gewünschten 8 x 20,3 cm und später die 15 cm Geschütze zu viel, so erst recht die auf Grund der Forderung des Marinewaffenamtes verdoppelte Anzahl. Diese Seezielbestückung war seinerzeit, nicht nur in Deutschland, unter völlig falschen Voraussetzungen eingeführt worden.
Damals wurde dem Flugzeugträger die Rolle eines Hilfs-Kampfschiffes zuerkannt, von dem man forderte, dass es sich, wenn es allein operiert, gegen alle möglichen Gegner bis zum Kreuzer hinauf im Artilleriegefecht wehren kann. Das Hitler anlässlich eines Vortrages des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine von sich aus auf die Probleme und Gefahren bei einem Artilleriegefecht mit Überwassereinheiten zu sprechen kam, warf ein Schlaglicht auf das orthodoxe, der Artillerie verhaftete Denken in der Marine.
Es wurde daraufhin von der Marine in Erwägung gezogen, auf die 15 cm Geschütze zu verzichten, um aus ihren Gefechtsständen Konsolen auszubauen und darauf weitere 10,5 cm Doppelflak zu positionieren. Untersuchungen ergaben jedoch, dass eine solche Maßnahme technisch nicht oder nur mit großen Mühen und Einschnitten in die Konstruktion durchführbar ist. Es wurde nunmehr eine sechste 10,5 cm Doppelflak, die vorderste, vorgesehen!

Die Bewaffnung umfaßte somit:

• 12 x 10,5 cm Flak L/65 C/33 auf Doppellafette C/31 mit 400 Schuss je Rohr, zusammen 4800 Schuss
• Zur Bekämpfung Tieffliegender Flugzeuge waren 22 x 3,7 cm Flak L/83 C/30 auf Doppellafette C/30 mit 2.000 Schuss je Rohr.
• Hinzu kamen 7 x 2 cm FlaMG L/115 C/30 auf Sockellafette C/30 ohne Schutzschild, der Munitionsvorrat betrug 2.000 Schuss pro Rohr.

Bewaffnung - Feuerleitmittel:

Die Seezielartillerie erhielt ihre Schusswerte aus einem vorderen (Haupt-)Artillerieleitstand und einem hinteren (Reserve-)Artillerieleitstand. Beide waren auf dem Inseldeck angeordnet. Zur Entfernungsmessung stand ein kombiniertes 6 m Langbasisgerät und Richtungsweiser zur Verfügung, dazu gab es je 2 x Zielgeber. Der Einsatz der 10,5 cm Doppelflak erfolgte mittels 4 x 3'achsig stabilisierter Kugelform-Fla-Leitstände SL-6, von der 4. mit einer 5 m Basis ausgerüstet waren. Für die 3,7 und 2 cm Waffen stand je ein tragbares 1,25 m E-Messgerät zur Verfügung.
Zur Zielbeleuchtung standen 4 x Scheinwerfer von je etwa 1,50 m Durchmesser zur Verfügung. Ihre Positionen befanden sich auf Konsolen um den Schornstein und am vordersten Mast.
Funkmessgeräte waren zwar schon seit 1937 vorgesehen, doch hatte man für diese bis zum Planungsstand von 1938/1939 noch keine Positionen vorgesehen. Im Bugwulst befand sich ein S-Gerät und außerdem ein Bugschutzgerät mit ausfahrbarer Spier. Zur Ubootortung diente eine Gruppenhorchanlage.


Bewaffnung - Bordflugeinrichtung:

Graf Zeppelin hatte 2 x Hallendecks von ca. 6 m lichter Höhe und 15,50 m maximaler Breite. Das obere war 185 m lang, das untere 172 m. Das ergab eine Gesamtgrundfläche von mehr als 5450 m².
Nach dem ursprünglichen Belegungsplan sollten im unteren Hallendeck 10 x "Fi 167" (vorn) und 8 x "Fi 167" (hinten) abgestellt werden, im oberen Hallendeck 13 x "Ju 87C (vorn) und 8-10 x "Me 109T" (hinten), insgesamt 39-41 Maschinen.
Das Flugdeck war 244 m lang und bis knapp 30 m breit. Zwischen ihm und den Hallendecks pendelten 3 x elektrisch betriebene Flugzeugaufzüge, außerdem 2 x kleine Aufzüge für die Startwagen.
Das Starten der Flugzeuge sollte primär durch Katapulthilfe erfolgen. Der Betriebsablauf war darauf abgestimmt, dass die zum Einsatz bestimmten Flugzeuge im oberen Hallendeck auf ein Wagen gesetzt, per Aufzug auf das Flugdeck gefahren und dort weiter auf Schienen auf das Katapult gelangen, wobei Weichen den wechselweisen Betrieb zuließen.
Vor jedem Katapult war eine nach binnenbords abwärts führende Bühne angebaut, die dazu diente, den vorgeprellten Startwagen in Seitwärtsrichtung in das obere Hallendeck zu neuer Nutzung zurückzuführen. Das bedeutete, dass die im unteren Hallendeck abgestellten Flugzeuge per Aufzug zunächst in das obere Hallendeck gebracht werden mussten, um dort auf den in Gleisspuren laufenden Startwagen gesetzt zu werden.
Die druckluftbetriebenen Katapulte hatten eine Länge von ca. 23 m. In Bezug auf ihre Endgeschwindigkeit waren sie regelbar.

 

 

Eine Me 109D bei einer Katapultstartübung in Travemünde am 21. Juni 1940.

 

Für ein 2.500 kg schweres Jagdflugzeug betrug sie bei der Beschleunigung 2,4 G und bei der Geschwindigkeit 140 km/h, für ein Bomber 4,25 G und 130 km/h. Der Druckluftvorrat der Katapulte reichte für den Start von je 9 Flugzeugen aus, danach musste neu komprimiert werden, was etwa 50 Minuten in Anspruch nahm. Das hatte zur Folge, dass zunächst nur 18 Flugzeuge in die Luft zu bringen waren. Der nächste Pulk hätte also erst 50 Minuten später aufsteigen können, es sei denn, dass auf herkömmliche Art von Deck aus gestartet wurde.
Die Katapulte konnten durch Blechhaubensegmente abgedeckt werden, so dass sie gegen Wasser, Eis und Schnee geschützt waren. Zur Landung an Deck waren 4 Bremsseile querdecks verlegt. Diese vermochten das an Deck aufsetzende Flugzeug mit einer Verzögerung von 2,2 bis 2,6 G auf 20-30 m Länge zum Halten zu bringen. Erprobt worden waren diese Fangseile bei der E-Stelle Travemünde der Luftwaffe, wo etwa 1.800 gebremste Landungen geflogen wurden. Der Vorrat an Flugbetriebsstoffen belief sich auf 150-200 Tonnen.

 

An Abwurfwaffen wurden mitgeführt:

Torpedos:

• 66 F-5 in den Torpedolagerräumen
• 23 F-5 im A-III-Minenraum
• Oder 89 F-5, wenn keine Minen mitgeführt wurden

Minen:

• 70 A-III in der Minenkammer
• Oder 151 A-III, wenn keine Torpedos mitgeführt werden

Das fliegende und flugtechnische Personal, 51 Offiziere und 255 Unteroffiziere und Mannschaften, gehörte nicht der Kriegsmarine an, sondern der Luftwaffe. Das entsprach dem Anspruch des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, aus dem Jahr 1938.

 

Zitat : "Alles was fliegt gehört mir!"

 

 

30 Seefähnriche der Crew V/41 als zukünftige Seebeobachter zusammen mit fliegendem und technischem Personal der Luftwaffe während der Ausbildung für Graf Zeppelin.

 

Eine Aufstellung vom 10. November 1938 gliederte die Schiffsbesatzung des Flugzeugträgers wie folgt:

• 57 Offiziere, Beamte und Angestellte
• 68 Portepee-Unterofiziere
• 30 Fähnriche (zur Ausbildung)
• 260 Unteroffiziere
• 934 Mannschaften
• 29 Mann ziviles Vertragspersonal
---------------------------------------------------
1387 Mann


So alt wie der Seekrieg selbst ist der Leitsatz : Nicht Schiffe kämpfen, sondern Männer!


Bewaffnung - Trägerflugzeuge:

Da die deutsche Flugzeugindustrie nur gerade eben die Bedürfnisse der Luftwaffe an Entwicklungsarbeit und Flugzeuglieferungen erfüllen konnte, erwies es sich von Anfang an als unmöglich, besondere Muster von Trägerflugzeugen zu entwickeln und zu bauen, zumal die benötigten Stückzahlen auch bei reichlichen Reserven klein genug und damit wenig attraktiv für die Produktionsstätten zu bleiben schienen. Deshalb begnügte sich die Luftwaffe mit den bereits in Serienproduktion befindlichen Mustern, die man für ihre zukünftigen Zwecke umbaute. Diese Änderungen betrafen hauptsächlich die jetzt beiklappbaren Tragflächen, die Installierung von Greifhaken für die Bremsseile und bestimmte Verstärkungen an Fahrwerk und Zelle.
Insgesamt sollten bis zu 43 Flugzeuge aufgenommen werden, und zwar Jäger, Sturzkampfflugzeuge und Mehrzweckflugzeuge.
Als Träger-Jagdflugzeug war zunächst versuchsweise ein Doppeldecker, die Arado-197, geschaffen worden und zwar als direkte Ableitung aus der vorhandenen Arado-68. Diese Version absolvierte 1938/1939 ihre Flugerprobung, weil sich dabei ergab, dass die erreichte Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h nicht mehr ausreichen wird, wurde diese Entwicklung gestoppt und schließlich das inzwischen vollauf bewährte Jagdflugzeug "Messerschmitt 109E" in einen Trägerjäger "Me-109T" umgewandelt.

 

 

Die "Ju-87 C" für den Flugzeugträgereinsatz ausgerüstet mit abklappbaren Tragflächen und Landehaken.

 

Als Sturzkampfflugzeug wurde ein aus der Junkers 87 umgeändertes Muster, Junkers-87 C, vorgesehen. Diese wurde in 5 Exemplaren gebaut und von der Versuchsanstalt Travemünde erprobt. 1939 war damit begonnen worden, aus dem berühmten einmotorigen Sturzkampfflugzeug Ju-87 C eine für den Trägereinsatz taugliche Version, die "Ju 87 C-1", zu entwickeln. Bei dieser blieben die Zelle, das Triebwerk und die Bewaffnung, bis auf gewisse Verstärkungen, um den beim Katapultstart entstehenden Materialbelastungen gewachsen zu sein, unverändert aber es wurde ein abwerfbares Fahrwerk eingebaut, um bei Notwasserungen wenigsten eine Zeitlang schwimmfähig bleiben zu können.
Die Tragflächen wurden so ausgeführt, dass sie nach hinten oben zurückgeklappt werden konnten. Schon kurz nach Kriegsbeginn sollen die Entwicklungsarbeiten vorläufig eingestellt worden sein.
1942, als der Weiter- und Fertigbau der Graf Zeppelin verfügt worden war, griff man auf die Muster "Me-109T" und "Ju-87C-1" zurück, doch sind sie nach dem erneuten und endgültigen Baustopp des Trägers aufgegeben worden. Mehrzweckflugzeuge für Aufklärungs- und Torpedoeinsätze wurden bei den Firmen Fieseler und Arado in Auftrag gegeben und bereits 1937/1938 als Versuchsmuster angeliefert. Es handelte sich dabei um die Doppeldecker "Fieseler 167" und "Arado 195". Auf diese wurde jedoch ab 1939/1940 verzichtet.


Entscheidung

 

Die Entscheidung und das Ereignis um das Schicksal des Flugzeugträgers Graf Zeppelin

Bis zum Ende des Kriegsjahres 1941 war in alarmierender Weise deutlich geworden, dass in den trägergestützten Luftstreitkräften ein neues maritimes Kampfmittel erwachsen war, das für Schiffe jedweder Kategorie kaum noch zu kalkulierende Gefahren brachte.

Dafür gab es eine Reihe von Marksteinen :

- Britische Trägerflugzeugen war es im November 1940 gelungen, die in Tarent versammelte italienische Flotte schwer anzuschlagen.

- Bei der Verfolgung der deutschen Bismarck im Mai 1941 waren es britische Torpedoflugzeuge, die sie lahmschossen, so dass sie gestellt werden konnte.

- Der erfolgreiche Angriff Träger gestützter japanischer Kampfflugzeuge im Dezember 1941 auf die Pearl Harbour liegende amerikanische Flotte führte zur Ausschaltung von 5 Schlachtschiffen, einem Drittel ihres Bestandes an solchen. Davon blieb auch die deutsche Kriegsmarine nicht unbeeindruckt. Das Fehlen eigener Flugzeugträger musste daher als besonders schmerzlich und nachteilig empfunden werden. Deshalb drängte die Seekriegsleitung immer wieder darauf, Graf Zeppelin doch noch fertigzustellen und zum Einsatz zu bringen.
Die entscheidende Besprechung fand am 16. April 1942 im Führerhauptquartier statt.

 

Das Ergebnis war wie folgt zusammenzufassen :

- Die Arbeiten an Schiffskörper und Maschine, vorerst nur der halben Antriebsanlage, könnten bis zum Sommer 1943 durchgeführt werden.

- Die zu dieser Zeit allein in Betracht kommende Verwendung adaptierter Ausführungen der ursprünglich in Aussicht genommenen Flugzeugmuster "Me-109 & Bf-109" und "Ju-87" machen gewisse Änderungen an den flugtechnischen Anlagen erforderlich. Vor allem würden leistungsfähigere Katapulte erforderlich sein, für deren Entwicklung, Konstruktion und Erprobung bis zu 2 Jahre erforderlich seien.
Es wurde jedoch in Aussicht gestellt, die vorhandenen Katapulte abzuändern und gebrauchsbereit zu machen, wofür ein Zeitraum von etwa 6 Monate ausreichend schien. Unter Berücksichtigung dieser Situation erschien der Winter 1943/1944 als der frühestmögliche Zeitpunkt der Fertigstellung des Trägers.
Die Entwicklung eines speziellen Trägerflugzeuges schien aus der Sicht der Luftwaffe nicht vor dem Jahr 1946 möglich.

- Die Luftwaffe erklärte sich zunächst nur Bereitstellung von 10 Jagdflugzeugen und 22 Sturzkampfflugzeugen, die auch als Aufklärer verwendet werden sollten. Die Entwicklung eines Torpedoflugzeuges scheiterte an Hitlers Standpunkt, dass ein solches nicht notwendig sei.


Unter diesen Voraussetzungen wurde vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine am 13. Mai 1942 der Weiterbau und die Fertigstellung des Flugzeugträgers Graf Zeppelin befohlen.
Neben den Änderungen der flugtechnischen Anlagen ergaben sich mehrere, durch die marinetechnische Weiterentwicklung eigentlich schon 1938/1939 notwendig gewordene Änderungen.
Vor allem genügten die Einrichtungen der Inselaufbauten nicht mehr. Ein schwerer Mast mit Jägereinsatzstand im Topp und Funkmessgeräten mussten den bisherigen Pfahlmast ersetzen und die Schiffsführung und Waffenleitzentralen mussten zum besseren Schutz ein splittersicheres Haus erhalten.
Auch wurde ein hoher Schornsteinaufsatz erforderlich, um den Jägereinsatzstand rauchfrei zu halten. Dies alles brachte eine deutliche Gewichtsvermehrung ein, die um die Stabilität zu wahren, ausgeglichen werden musste.
Deshalb wurde beschlossen, an beiden Seiten Wulste anzubauen, die in erster Linie die Aufgabe hatten, den Gewichtsausgleich herzustellen.
Der Backbordwulst wurde aus normalen Schiffbaustahl (ST 52) gebaut, der Steuerwulst hingegen aus dünnerem, maximal 18 mm dickem Material. Die Wulste hatten eine maximale Breite von etwa 2,40 m und griffen dicht über dem Schlingerkiel an.

 

 

Blick auf die bis Spant 190 reichende Seitenwulst.

Zum Teil wurden sie als Heizölbunker bestimmt. Dadurch gelang es aber auch, den bisher reichlich knapp bemessenen Fahrbereich zu vergrößern.
Außerdem boten die Wulste den Vorteil, dass dadurch ein besserer Schutz gegen Unterwasserwaffen zu erreichen war, weil das Detonationszentrum im Falle eines Torpedos oder Minentreffers weiter nach außen verlegt worden wäre. Jetzt genügten auch die ursprünglich vorgesehenen 2 cm FlaMG in Einzellafetten nicht mehr. An ihre Stelle traten 2 cm Vierlingsflak mit erhöhtem Munitionsvorrat. Jetzt 56.000 Schuss gegenüber bisher nur 14.000 Schuss.
An Flugzeugen wurden nunmehr 28 Sturzkampfflugzeuge des Musters Ju 87 und 12 Jagdflugzeuge des Musters Bf 109 vorgesehen, insgesamt also 40.
Wegen der stetig zunehmenden Gefährdung aus der Luft verzögerte sich die unter der Tarnbezeichnung "Zugvogel" vorbereitete Überführung nach Kiel, wo die vorgesehenen Arbeiten erledigt werden sollten.
Zunächst musste vom Zweigbetrieb der Deutschen Werke Kiel AG in Gotenhafen eine aus 3 x 3,7 cm Zwillingen und 6 x 2 cm Vierlingen sowie 4 x Fla-Scheinwerfer bestehende Bewaffnung eingebaut werden, um sich gegen Luftangriffe während des Verlegungsmarsches verteidigen zu können.
Mit Hilfe dreier Schlepper verließ die Graf Zeppelin am 30. November 1942 Gotenhafen. Als Geleitschutz befanden sich 3 x Typ 35 Minensuchboote (M3, M14, M37) und 6 x Boote, davon 3 x Uboot-Abwehrschule Gotenhafen (Spree, Stolpe, Brake, Dahme, Nogat, Pregel) im Einsatz.
Am 3. Dezember 1942 erreichte das Geleit die Heikendorfer Bucht bei Kiel, am 5. Dezember traf es bei den Deutschen Werken ein. Alsbald wurde Graf Zeppelin in dem 40.000 t Schwimmdock der Werft eingedockt und die schiffbaulichen Arbeiten (Wulstanbau) begannen unverzüglich. Gleichzeitig setzten die Arbeiten an der Maschinenanlage ein, mit dem Ziel, die beiden inneren Wellen für 25 bis 26 kn Geschwindigkeit fahrbereit zu machen. Als Ziel war die vorläufige Indienststellung für den Herbst 1943 gesetzt, danach hätten die Erprobungen beginnen sollten.
Aber zu all dem kam es nicht mehr. Am 30. Januar 1943 erging der Führerbefehl, alle großen Kampfschiffeinheiten der Kriegsmarine außer Dienst zu stellen bzw. ihren Bau abzubrechen.

 

Es bedeutete nach den Worten von Großadmiral Raeder, dem bisherigen Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ..

"Den billigsten Seesieg, den England je errungen hat."
.. und bewirkte seinen Abgang.

Am 2. Februar erreichte Graf Zeppelin der Stillegungsbefehl.
In der 61 Tagen Umbauzeit waren gerade die Wulste angebaut worden. Bis zum März wurden nur noch Arbeiten vorgenommen, die ein Lenzen durch Pumpendampfer im Falle eines Leckwerdens sicherstellen sollten.
Am 20. April nahmen die Schlepper den Träger an den Haken und marschierten mit 6 kn Schleppgeschwindigkeit nach Osten. Swinemünde wurde am 23. April erreicht, danach ging es weiter nach Stettin. Dort wurde er, mit nur noch einem halben Meter Wasser unter dem Kiel, in der Mönne, einem Arm der Oder, festgemacht.

 

Dort ist er so getarnt worden, dass er einer Insel gleichkommen sollte. Ursprünglich war Pillau als neuer Liegehafen ausersehen, doch wurde davon Abstand genommen, um dort den Uboot-Ausbildungsbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Damit war der Fertigbau des ersten deutschen Flugzeugträgers endgültig aufgegeben worden, denn die immer kritischer werdende Kriegslage machte eine nochmalige Bauaufnahme unmöglich, aber zugleich auch im Grunde genommen überflüssig.


Das Ende

 

Das Ende des Flugzeugträgers Graf Zeppelin

Die Schicksalsstunde des Flugzeugträgers Graf Zeppelin schlug, nachdem die Rote Armee zum Sturm auf das Reichsgebiet angesetzt hatte. Zunächst wurden alle Absperrventile ausgebaut und der Träger durch Fluten auf Grund gesetzt. Danach ist ein 10-köpfiges Sonderkommando zu dem Träger beordert worden, dass über Sprechfunk mit dem örtlichen Marinebefehlshaber in Verbindung stehend, die Sprengung in Bereich der Maschinenanlage vorbereitete, wozu Wasserbomben zur Verfügung gestellt worden waren.
Am 25. April 1945 um 18 Uhr gab der Kapitän zur See Wolfgang Kähler als Bevollmächtigter des Kommandierenden Admirals Westliche Ostsee in Stettin den Befehl zur Zündung. Das geschah unmittelbar vor dem Eindringen der Roten Armee in den Stettiner Raum.
Von einem Werftkran der Stettiner Vulkan-Werft aus beobachtete Kähler die Durchführung des Befehls. Aus dem Schornstein vom Flugzeugträger quollen dichte Rauchwolken, ein Zeichen dafür, dass die Ladungen gezündet hatten. Die Schäden waren offenkundig so schwer, dass es den Sowjets, das war die Absicht der deutschen Maßnahmen, unmöglich sein würde, den Träger jemals wiederherzustellen oder gar in Fahrt zu bringen.
Den Sowjets gelang es dennoch, den Träger soweit abzudichten, dass er im März 1946 wieder schwamm. Er wurde dann nach Swinemünde abgeschleppt, wo er ab 03. Februar 1947 als PB-10 Sitz der Spezialabteilung des Hauptstabes der Seekriegsflotte, die gewissermaßen vor Ort die Auswertung der Konstruktion des Graf Zeppelin und andere Beuteschiffe sowie ihre Einordnung in Verwertbarkeitsklassen betrieb. Nachdem dieser Auftrag erfüllt worden war, wurde der Flugzeugträger zur Versenkung als Zielschiff bestimmt.
Für die letzten Stationen des Schiffes gibt es gegenwärtig einige Angaben des russischen Marinehistorikers Boris V. Lemachko. Am 18. Juni 1947 soll der Träger auf der geographischen Position von 55° 48'N / 18° 30'O durch Torpedos von Torpedoschnellbooten und des Zerstörers Grozyyashchiy versenkt worden sein.
Seit Herbst 1993 wird von russischen Zeitzeugen die Version verbreitet, wonach der Träger im Ergebnis umfangreicher Kampfmitteltests im Sommer 1947 in einem streng bewachten Erprobungsgebiet des Finnischen Meerbusen gesunken sei und dort noch heute als Wrack auf Grund läge.
Weiterhin hält sich hartnäckig die Version, dass der Träger mit großen Mengen von Beutegut beladen worden sei und am 14. August 1947 von Schlepper auf östlichen Kurs ging. Unterwegs soll er während eines Sturmes im Finnenbusen auf ein Minenfeld geraten sein, aber er ist entgegen von ersten Nachkriegsmeldungen dabei nicht untergegangen, sondern hat Leningrad erreicht, wo er 1948 / 49 vermutlich stückweise abgebrochen wurde. Die Stichhaltigkeit dieser Informationen konnte bisher noch nicht überprüft werden!


Quellen

Bücher:

Flugzeugträger Graf Zeppelin von Richard Wagner und Manfred Wilske
Flugzeugträger - Typenkompaß von Ingo Bauernfeind
Einziger deutscher Flugzeugträger Graf Zeppelin von Ulrich H.-J. Israel

Wikipedia (letzter Zugriff am 19.12.)
Lexikon der Wehrmacht (letzter Zugriff am 22.12.)
Bundesarchiv (letzter Zugriff am 22.12.)
Deutsches Marinearchiv (letzter Zugriff am 12.01.)
Luftarchiv (letzter Zugriff am 13.01.)

Autor: Thor