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Das Thema

Arado Flugzeugwerke

 

 

 

Die Arado Flugzeugwerke GmbH wurde ursprünglich unter dem Namen Flugzeugbau Friedrichshafen (1921), später dann in Warnemünde, gegründet. Durch die restriktiven Bestimmungen, die Deutschland nach dem 1. Weltkrieg auferlegt wurden, musste die Produktion eingestellt werden. Ab 1924 wurden die verschiedensten Modelle von Flugzeugen gebaut, vom Sportflugzeug, über Schulflugzeugen bis zu (späteren) Bombern. Zwischen 1936 und 1942 existierten zahlreiche Zweigwerke in Deutschland. Die Flugzeugherstellung endete im Mai 1945, die Firma wurde 1961 liquidiert.

 

Richtungsweisende Flugzeugtypen

Ar 96 das meist genutzte Trainingsflugzeug der Luftwaffe
Ar 196 ein Aufklärer, der zur Standardausstattung der
großen Schiffe der deutschen Kriegsmarine gehörte
Ar 234 erster strahlgetriebener Aufklärer und Bomber

 

 

Entstehung

Entstehung

 

Im Jahr 1913 wurde in der damaligen Neuendorfer Kaiser-Wilhelm-Straße (später Friedrich-Engels-Straße) die Seidenwarenfabrik Michels & Cie. errichtet. Es war Heinrich Lübbe, der ab 1921 die Gesellschaft übernahm bzw. die Fabrikgebäude der früheren Dinos-Automobilwerke in Warnemünde dazu aufkaufte und damit gezielt die Bestimmungen des Versailler Vertrages umging, indem die Gesellschaft ausschließlich Flugzeuge für den Export produzierte. Es wurde außerdem ein Werk im Königreich der Serben und Kroaten eröffnet, das Flugzeige unter dem Namen Ikarus herstellte. Im Jahre 1925 firmierte der Flugzeugbau Friedrichshafen unter dem Namen Arado Handelsgesellschaft mit Geschäftssitz im "Hamburger Hof".

 

 



Da der Hauptsitz in Warnemünde bald die Produktionskapazitäten erreicht hatte, wurde 1934 ein drittes Werk (das zweite in Deutschland) in Brandenburg an der Havel errichtet. Ein Jahr zuvor wurde, auf Drängen der Nationalsozialistender Firmenname erneut in Arado Flugzeugwerke GmbH geändert. Währenddessen gründete Lübbe Zweigstellen im damaligen Jugoslawien (Ikarus) und stellte Walter Rethel als Chefentwickler (ehemals Fokker und Kondor) ein. Damit sollte der Erfolg gesichert werden. Die Nazis sorgten in der Folgezeit dafür, dass Rethel durch das Reichsverkehrsministerium von Walter Blume (ehemals Albatros) als Betriebsleiter ersetzt wurde. Das Unternehmen wurde somit für eine Tätigkeit im Rüstungsprogramm vorbereitet, gleichzeitig wurde die Arado Flugzeugwerke GmbH 1936 verstaatlicht. Zuvor wollte die Deutsche Regierung, besonders das Reichsluftfahrtministerium (RLM), wollte das Lübbe Parteimitglied der NSDAP wird. Lübbe lehnte ab und setze sich auch immer mehr gegen die Rüstungsbestimmungen zu wehr. So musste er sein Unternehmen im Frühjahr 1936 an das Reich verkaufen und wurde aus seiner eigenen Firma entlassen. Die Unternehmen ging klang heimlich an das Reich und verwaltet wurden die Anteile unter dem Namen als Luftfahrtkontor GmbH.
 


 
Die Produktionspalette von Arado
(beginnend in den 30er Jahren)
Arado W II
Seegestütztes Übungsflugzeug (1928)
Ar 65
Erstflug 1931 Einmotoriger Jäger
Ar 66
Erstflug 1932 Nachtjäger
Ar 38
Erstflug 1933 Jäger und Nachtjäger
Ar 76
Erstflug 1934 Jäger und Kunstflugzeug
Ar 95
Erstflug 1936 Aufklärer und Torpedobomber
Ar 79
Erstflug 1937 Trainings- und Verbindungsflugzeug
Ar 96
Erstflug 1938 Zweisitziges Schulungsflugzeug
Ar 196
Erstflug 1938 Marineflugzeug (seegestützt)
Ar 240
Erstflug 1940 Zweimotoriger Jagdbomber
Ar 232
Erstflug 1941 Taktischer Transporter
Ar 396
Erstflug 1942 Leichter Jäger und Trainingsflugzeug
Ar 234 "Blitz"
Erstflug 1944 Aufklärer, Bomber, Nachtjäger



Von 1936 bis 1943 entstanden weitere Arado-Zweigwerke in Rathenow, Anklam, Potsdam-Babelsberg[3], Alt-Lonnewitz, Landeshut, Sagan und Wittenberg. Man brauchte die Kapazitäten für die Rüstungsprogramme anfangs und die steigenden Kriegsnachfragen später. So mussten in den Werken von 1935 (3.749 Mitarbeiter), 1938 (14.090 Mitarbeiter) und 1942 (22.000 deutschen Beschäftigten), auch rund 4.000 ausländische Arbeiter für den Krieg arbeiten. Diese Zahl wuchs weiter und Fremdarbeiter, Gefangene und Häftlinge steigerten die Zahl auf 17.600, während nur noch 9.300 deutsche Arbeitskräfte übrige blieben, die anderen wurden in den Krieg einberufen. Am 30. Juni 1944 verzeichnete das Unternehmen mit 30.670 Mitarbeitern die höchste Beschäftigungszahl. Danach ging es stetig bergab, die Bombardierungen (z.B. Heidefeld bei Rathenow / Produktion des Heinkel He 177), stoppten die Produktionen. Vor allem die modernen Arado-Bomben-Flugzeuge und ihre Herstellungsorte waren Ziele der Amerikaner und wurden in der „Big Week“ (1944) teilweise zerstört.
Die Arado Flugzeugwerke wurde aus der reinen Zulieferfirma, zu einer großen Rüstungsfirma mit über 80 Entwürfe für weitere eigene Flugzeuge. Mit dem Ende des Krieges endete auch der Flugzeugbau bei Arado. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte, nach den Festlegungen der Konferenz von Jalta, die Demontage der Anlagen. Die Anlagen wurden als Reparationszahlungen in die Sowjetunion gebracht. In den verbliebenen Gebäuden wurde später die Druckerei der Märkischen Volksstimme eingerichtet.

Produktion

Produktion und Wirken

 

Ab 1926 entstanden die ersten leichten Schulflugzeuge, geliefert an die Deutsche Verkehrsfliegerschule, wobei weitere Typen folgten. Das Modell Arado W II war eines dieser Modell, das auf eine mögliche militärische Nutzung hinwies. Im Jahre 1929 wurde die L I, die als Prototyp eines modernen Sportflugzeug entwickelt wurden, zur Serienreife gebracht. Im September 1934 begannen die Bauarbeiten für ein Zweigwerk in Brandenburg an der Havel, welches die Produktion des Typs Arado Ar 66 sicherstellen sollte. Am 11. April 1935 verließ die erste in Brandenburg gebaute Maschine, ein Schulflugzeug des, die Werkshallen. Die Leitung der Produktion, Vertrieb und Linie der Arado Flugzeugwerke oblag Erich Serno und Felix Wagenführ in dieser Zeit. Auch erlangte Arado Bedeutung als Lieferant für die Luftwaffe, wegen Ar 66 (Trainingsflugzeug) und dann Ar 65 bzw. Ar 68 (Jagdflugzeug-Typen). Auch in Wittenberg wurde nun produziert (Ar 95, Ar 96 und Ar 234), wobei später Lieferaufträge (He 111 und He 177 / Focke-Wulf (Fw 190) / Junkers- Flugzeuge Ju 88) folgten. So wanderte die Konstruktionsabteilung 1935 von Warnemünde nach Brandenburg. Hier entstanden bis 1943 unter der Führung von Walter Blume (1895-1964) etwa 80 neue Flugzeugprojekte.

 


(Arado Ar 234 Blitz)

 

Im Werk Brandenburg wurden mehr als 20 Flugzeugtypen als Muster oder in Serie gebaut, dazu kamen umfangreicher Lizenzfertigungen (Ar 79 und Ar 232). Bekannt wurde das Unternehmen durch die Ar 234, welche der erste strahlgetriebenen Aufklärer und Bomber aus eigener Produktion wurde.

 


 
Prototypen
Ar 64
Erstflug 1930 Jäger
Ar 67
Erstflug 1933 Jäger
Ar 69
Erstflug 1933 Jäger
Ar 77
Erstflug 1934 Leichter Bomber
Ar 80
Erstflug 1934 Jäger
Ar 81
Erstflug 1936 Leichter Bomber
Ar 195
Erstflug 1937 Torpedobomber und Aufklärer
Ar 197
Erstflug 1937 Jäger
Ar 198
Erstflug 1938 Aufklärer
Ar 199
Erstflug 1938 Marinebomber (seegestützt)
SSD I
Seegestütztes Jagdflugzeug (zwischen 1929 und 1944)
Ar 231
Erstflug 1940 U-Boot Jäger
Ar 234
Erster strahlgetriebener Bomber (1944)
Ar 440
Erstflug 1944 Jäger



Die Produktionserweiterung in Preußen bzw. Brandenburg und Umgebung, kosteten viel Geld, welches das Reichsluftfahrtministerium in eine langfristig geplanten Aufbau des Unternehmens steckte. Das Zweigwerk Brandenburg sollte ausschließlich für den Zellenbau und die Endmontage von Bombern zur Verfügung stehen, die Zweigwerke in Wittenberg und Rathenow für die Produktion von Flugzeug-Tragflächen, während Babelsberg für den Leitwerksbau und die Drehteileproduktion als Standort vorgesehen war. Dabei waren die Werke in Warnemünde und Anklam an weiteren Lizenzprodukten zuständig. So kam es zu dem Umstand, dass Arado prinzipiell an allen wichtigen Luftfahrprojekten, Flugzeugen und Produktionen auf (Me 109, Fw 190, Ju 88 und He 177 "Greif"). So wurde mit der Aufrüstung, den Investitionen und Zweigstellen (ab 1933) von der kleinen Flugzeugwerft in Wismar zum staatlicher Großbetrieb, der die Luftrüstung im Deutschen Reich wesentlich unterstützte.
Eines der größten Erben des Unternehmens ist die Arado E 555, das Projekt eines zweistrahligen Nur-Flügelbombers, welcher nicht nur dem Nurflügelkonzept folgte, sondern auch flexibel einsetzbar gebaut werden sollte. Angesetzt war eine Reisegeschwindigkeit bei der Arado E 555-1 von 715 km/h, E 555-2 bis 810 km/h und die E 555-14 gar bei 950 km/h. Gebaut wurden Sie wahrscheinlich nie, denn die Mittel dafür flossen zu den Horten Brüdern. Dabei verfolgte auch der Arado E 555, das Prinzip eines strategischen Bombers bzw. strahlgetriebenen Langstreckenbomber, der fähig sein sollte, die USA mit Atombomben anzugreifen und danach nach Deutschland zurückzukehren. Mitte Dezember 1943 sollte in der Arado Fabrik in Landeshut/Schlesien, unter der Führung von Dr.-Ing W. Laute, Kosin und Lehmann, die Arbeit an dem Projekt Nürflügel beginnen. Trotz der Originalität und des offensichtlichen Potentials des Designs, wurde die Arbeit an der E 555 eingestellt. Schuld war der Mangel an Rohstoffen und die in zunehmendem Maße hoffnungslose Krisensituation.
 


(Strategischer Bomber Arado E 555)



Am 22. Dezember 1944 ordnete die Entwicklungskommission den sofortigen Stopp aller Arbeiten an dem Projekt Arado E 555/1 an. Das vielversprechende Design wanderte vom Reißbrett in die Schubladen des Reichsluftfahrtministeriums und von dort in Vergessenheit, bis die Alliierten auf diese mehr als fortgeschrittene Technologie stießen.
 

Werke

Brandenburg (Havel)
Warnemünde
Anklam
Rathenow
Wittenberge
Neuendorf
Babelsberg

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg



Mit der Besetzung des Werkes in Brandenburg durch die Rote Armee Anfang Mai 1945 endete der Flugzeugbau Arados. Maschinen und Geräte kamen als Reparationsgut in die UdSSR bzw. wurden Volkseigentum der DDR. Die Firma wurde 1945 aufgelöst und existierte faktisch nicht mehr. Ihre Verkaufsschlage, wie die Ar 96, wurde noch bis 1949 von Avia und Letov weiter produziert. 1961 wurde die Arado - Flugzeugwerke GmbH auch auf dem Papier aufgelöst. Eines der wichtigsten Luftfahrtunternehmen des Deutschen Reiches verschwand somit.
In der kurzen Phase des Unternehmens, kann man auf Meilensteine der Luftfahrt zurückblicken. Im Jahr 1928 wurde hier das erste Jagdflugzeug hergestellt, es folgten Bomber und Sturzkampfflieger (StuKa). Ab 1929 wurde hier das erste seegestützte Flugzeug hergestellt. Im Jahr 1944 wurde hier das erste strahlgetriebene Bombenflugzeug der Welt, die „Arado Ar 234“ hergestellt.


 

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