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Das Thema

Henschel HS 129





 


 

 
Typ
Entwickler
Hersteller
Leitender Konstrukteur
Erstflug
Einsatzzeitraum von – bis
Stückzahl
Einsatzländer
Erdkampf / Schlachtflugzeug
Henschel
Henschel - Werk in Schönefeld
Friedrich Nicolaus
März.1939
01.04.1942 – Kriegsende
878
Deutschland / Rumänien (62) / Ungarn (4)

Vorgeschichte

Vorgeschichte

Deutschland setzte bereits im Ersten Weltkrieg erfolgreich Schlachtflugzeuge ein, die
Junkers J-10 (CL-1). Sie wurden in Tiefflugeinsätzen zur Infanterieunterstützung eingesetzt.
Durch ihre Glanzmetallbauweise konnten sie Beschuss besser hinnehmen als andere Flugzeuge
jener Zeit (1918).


Junkers J-10 (CL-1)

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich aber die Meinung durch, dass Erdkampfflugzeuge sich in Zukunft durch verbesserte Jäger und Flugabwehrgeschütze nicht mehr behaupten könnten. Dies änderte sich aber im Laufe des Spanischen Bürgerkrieges wieder, weil dort Flugzeuge,
vor allem die Henschel 123, sehr erfolgreich zur Nahunterstützung eingesetzt wurden.



Daraufhin gab das Technische Amt ein Pflichtenheft für Schlachtflugzeuge heraus.
Die Anforderungen:

  • möglichst klein
  • wendig, aber nicht schnell
  • starke Panzerung
  • schwere Bewaffnung (min. 2*20mm Kanonen)
  • zweimotorig

 

 


Entwicklung

Entwicklung

An der anschließenden Ausschreibung nahmen 4 Firmen teil, es kamen aber nur Focke-Wulf und Henschel in die engere Auswahl. Focke Wulf plante einen Umbau der FW-189, Henschel ein komplett neues Flugzeug. Im ersten Anlauf fielen beide Vorschläge durch. Henschel baute ein neues Modell, das nach einigen Änderungen, angenommen wurde.
Der Jungfernflug der Hs 129 V erfolgte im Februar oder März 1939.
Charakteristisch für die Hs129 war der trapezförmige Rumpfquerschnitt und die Trapezflügel.
Obwohl das Reflexvisier außen angebracht wurde und der Steuerknüppel sehr kurz ausgeführt war, hatte der Pilot extrem wenig Platz.

Die Hs129 war ein in Glanzmetallbauweise gefertigtes Flugzeug, das eine einfach tragende Hautstruktur und Trapezflügel besaß. Die beiden hängend angeordnet Argus As 410 A-1 V12 Motoren mit 465 PS wurden von der FW 189 übernommen. Das geteilte Fahrgestell wurde hydraulisch eingezogen, dabei blieben die Reifen etwas außerhalb des Rumpfes um mögliche Schäden bei Bruchlandungen zu minimieren. Die Panzerung der Kabine war 6 mm an den Seitenwänden, bis 12 mm am Boden und Dach stark, die Panzerscheibe war 75 mm dick.
Die Bewaffnung bestand aus je einem Paar 20 mm MG FF und 7,92 mm MG 17 in den Rumpfseitenwänden des Bugs. Die Sicht für den Piloten war stark begrenzt.
Der Vorserienauftrag ging über 12 Maschinen ( Hs129-A0), diese fielen in der Truppenerprobung durch, den folgenden 16 der A1 Serie ging es nicht besser und wurden später an Rumänien verkauft.
 

Hs129A-0



Nach dem Sieg über Frankreich standen Gnome-Rhone 14M Sternmotoren (522 KW/700 PS) zu Verfügung. Diese konnten in die Hs129 eingebaut werden, es entstand die V3, zudem wurden einige A1 mit dem Motor ausgestattet. Dadurch konnte die Flugleistung gesteigert werden, war aber immer noch unzureichend. Die Forderung das ein Motor zum Fliegen der Maschine ausreicht wurde nie erfüllt. Zudem war der franz. Motor extrem Staub anfällig und in der Erprobung ging deswegen eine Maschine verloren. Zudem verlagerte sich der Schwerpunkt der Maschine nach vorne, deshalb mussten Änderungen an der Konstruktion vorgenommen werden, so bekam sie unter anderem neue Flügel. Außerdem wurden die MG FF durch MG151/20 ersetzt und es wurden Vorrichtungen für Rüstsätze angebracht, so entstand die Baureihe HS129 B.


Produktion


Serienfertigung

Durch den Russlandfeldzug entstand ein großer Bedarf an Schlachtfliegern, aus Zeitmangel wurde die Serienproduktion der Hs129 beschlossen. Geplant war eine monatliche Fertigung von 40 Maschinen, was aber erst Mitte 1943 erreicht wurde. Die 10 Vorserienmaschinen Hs129 B-0 wurden Ende 1941 ausgeliefert.
Die B-1 Serie folgte im März 42, ihr wichtigster Rüstsatz war der R2, die 30 mm MK 101.
Damit war sie gegen alle Panzerfahrzeuge, mit Ausnahme des T-34, erfolgreich. Diesen konnte sie nur von hinten im Heckbereich beschädigen.

Die Rüstsätze der Hs129 B 1:

Rs1 : 2 50 kg Bomben oder Bombenbehälter
Rs2 : MK 101
Rs3 : 4 MG 17 mit 1.000 Schuss
Rs4 : 4 50 kg Bomben oder Bombenbehälter mit je 24 Splitterbomben SD 4 oder eine 250 kg Bombe
Rs5 : Reihenbildkamera




Die Hs129 B-2 wurde ab 1943 ausgeliefert, sie war anhand der im Einsatz gemachten Erfahrungen leicht modifiziert. Sie wurde zur Hauptversion mit 90% der hergestellten Maschinen. Am 30. Juni 1942 erteilte das RLM einen Auftrag über 928 Flugzeuge, der Produktionszeitraum erstreckte sich bis Dezember 1944. Anfangs wurde auch sie mit Rüstsätzen ausgeliefert, bald aber nur noch als Panzerzerstörer, Hs129 B-2/WA mit der 30mm MK 103. Damit konnte sie auch Panzer, wie den T-34, von der Seite mit Erfolg bekämpfen. Aufgrund der guten Erfahrungen die man bei der Ju-87 mit der BK 3,7 gemacht hatte wurden einige Maschinen mit ihr ausgerüstet. Dafür mussten die beiden MG-17 allerdings weichen. Eine weitere Verbesserung war die -C, bei der unter anderem die Motorenpanzerung verstärkt war. Zudem wurde für die Wüsteneinsätze ein Sandfilter entwickelt.

Rüstsätze Hs-129 B 2:

Rs1 : 6 Bombenbehälter mit je 24 Splitterbomben SD-4 (4 unterm Rumpf 2 unter den Flügeln)
Rs2 : MK101 ab Sommer 43 MK 103 mit 30 Schuss
Rs3 : BK3,7 mit 12 Schuss
Rs4 : Bk7,5 wurde zur Hs129 B 3


Hs.129b-2 c 37-mm-Kanone BK-3, 7


Gegen Kriegsende gab es etliche Versuche die Kampfkraft zu steigern, unter anderem wurden 3 Hs129 B2 mit Förstersonden SG-113A ausgerüstet. Es wurden 6 schräg, ca. 75° nach hinten feuernde Mörserrohre mit Kaliber 77 eingebaut, aus diesen wurden panzerbrechende Geschosse mit Kaliber 45 verschossen. Damit der Rückstoß aufgefangen werden konnte, wurde gleichzeitig, in entgegengesetzter Richtung, zum Geschoss ein Gegengewicht verschossen. Als Auslöser fungierte in diesem Fall eine fotoelektrische Zelle, damit sie auslöste, musste der Pilot sein Ziel in max. 10 m Höhe überfliegen, was zu einer Treffgenauigkeit von 80% führte. Allerdings wurden die Tests nicht abgeschlossen.



Weitere Versuche die Kampfkraft zu steigern waren folgende Projekte:

  • Rüstsatz mit BK 5
  • Einbau eines Flammenwerfers mit 300 l
  • Einbau von WGr. 21 /WGr. 30
  • Rüstsatz mit 2 MG 151 mit je 250 Schuss
  • Rüstsatz mit 4 MG 131 mit je 250 Schuss
  • Rüstsatz mit 2 MG 131 mit je 500 Schuss



Das letzte Serienmodell war die Hs 129 B3/WA mit der effektiven BK 7,5 für die 16 Schuss mitgenommen werden konnten. Mit der BK 7,5 konnte jeder Feindpanzer, auch der JS 2, problemlos ausgeschaltet werden. Durch die schwere BK wurde das Flugzeug beim Fliegen noch instabiler, dies glich man durch ein verbessertes Höhenleitwerk etwas aus. Es wurden 20 Maschinen dieses Typs hergestellt und beim 13. und 14. (Pz)/SG 9 eingesetzt.



Bei Kriegsende wurde noch an Projekten mit leistungsstärkeren und zuverlässigeren Motoren gearbeitet, diese wurden aber alle nicht umgesetzt.

Henschel Hs 129 C mit it. Isotta-Fraschini Delta-IV-V12 Motoren (850PS) und einen ausrichtbarem MK-103 Zwilling
Henschel Hs 129 D Projekt mit zwei Junkers Jumo 211 mit 1.100 PS oder noch stärkeren Motoren

Einsatz

Einsatzgeschichte

Die ersten Fronteinsätze erfolgten in Afrika. Dort wurden sie meist gemeinsam mit Me 110 gegen Nachschubeinheiten, Artilleriestellungen, Panzerfahrzeuge eingesetzt. Dabei wurden sie durch Me 109 gegen Feindliche Flieger abgeschirmt. Nach der Kapitulation der Panzerarmee Afrika wurden die verbleibenden Maschinen zum Schlachtgeschwader 9 an der Ostfront überstellt.
In Russland rüstete man die Hs129 ab dem Spätsommer 42 mit der MK101 aus, ca. 20 bis 30 Maschinen pro Monat und machte sie so zu Panzerknackern. Da die Sowjets aber im Herbst / Winter keine großen Panzerverbände einsetzten und es bei niedrigen Temperaturen zu Problemen mit der Munition kam, wurden die meisten wieder ausgebaut und die Einsätze wieder mit Bombenbewaffnung geflogen. Lediglich zwei Staffeln unter Otto Weiß, blieben mit ihr ausgestattet und dienten als Panzerjagdkommandos gegen durchgebrochene Panzer.
Ab 1943 wurden die Schlachtflieger modernisiert, wobei die wichtigste Neuerung die MK103 war, die einen erfolgreichen Einsatz gegen alle Panzer, auch von der Seite ermöglichte.
Für das Unternehmen Zitadelle wurde die Panzerjägerstaffel IV/SG9 unter Bruno Mayer aufgestellt. Sie führte den wohl bekanntesten Einsatz der Hs129 durch. Am 8.7.1943 griffen sie morgens zusammen mit Fw 190 Schlachtfliegern erfolgreich Panzer- Infanterieverbände an. Am Nachmittag entdeckte Hauptmann Mayer bei einem Aufklärungsflug bei Gostischtschewo eine massive Ansammlung von Panzern und Infanterie, die ihren Bereitstellungsraum im Wald verließ. Er befahl den staffelweisen Einsatz aller Maschinen, um so die Gefahr in der Flanke des II-SS-Panzerkorps zu beseitigen. Die Flugzeuge griffen von hinten an. Dabei reichte ein Feuerstoß der Bordwaffen von 3 bis 4 Schuss aus, um einen Panzer zu vernichten. Die Geschosse durchschlugen die Heckpanzerung, zerstörten die Motoren, das Getriebe und setzten den Treibstoff im Tank in Brand. Nach den ersten Angriffswellen blieben dreißig T-34 brennend auf dem Schlachtfeld zurück. Die russischen Truppen gerieten in Unordnung und wurden demoralisiert. Die Maschinen flogen direkt nach dem Angriff zum Horst zurück tankten und munitionierten auf und starteten zur nächsten Welle. Bei den Angriffen wurden achtzig Panzer ausgeschaltet und die Infanterieeinheiten zerschlagen. Dies war das einzigste Mal, das eine ganze Panzerbrigade nur durch Luftangriffe besiegt wurde.
Nach Kursk begann aber der Abstieg der Luftwaffe im Osten, so das die sowjetischen Jagdflieger immer öfter die Luftherrschaft errangen. Zudem wurden die russischen Bodentruppen mit mehr und stärkerer Flak ausgestattet. So konnten viele Angriffe der Panzerflieger abgewehrt werden, bevor diese ihre Ziele unter Beschuss nehmen konnten. Wenn sie es schafften, die Luftabwehr zu durchbrechen erzielten sie weiterhin gute Erfolge. Dies war aber bei der geringen Anzahl von eingesetzten und verfügbaren Maschinen viel zu wenig um die Massen von feindlichen Panzern aufzuhalten.


Erfolgreiche Einsätze/Piloten
 

  • OFw Dittrich erzielte bei 100 Einsätzen bis zum 12.04.1944 42 Panzerabschüsse
  • Hauptmann Ruffer brachte es bis April 1944 auf 60 Panzerabschüsse
  • Das SG 9 schaffte es mit 12 Hs129 46 T34 an einem Tag abzuschießen
  • Das 10.(Pz)SG 9 brachte es im März 45 auf 100 T34, 30 Sturmgeschütze, einige 100 Fahrzeuge und 6 Flugzeuge - bei einem Verlust von 2 Maschinen


Fazit

Fazit

Die HS-129 war als erstes reines Erdkampfflugzeug richtungweisend. Die zu schwachen Motoren, die zudem extrem störanfällig waren, blieben den Krieg über ein großes Problem, das zu niedrigen Klarständen der Einsatzstaffeln führte. Sie waren auch der Hauptgrund, das nur begrenzt schwere Waffen eingebaut wurden.
Ihr großes Plus war die Widerstandskraft gegen kleine Kaliber und Granatsplitter. Dazu war sie recht klein und recht preiswert in der Herstellung. Hätte man ihr früher eine hohe Priorität gegeben und sie mit besseren Motoren und in größerer Stückzahl hergestellt, hätte sie vielleicht entscheidenden Einfluss, gerade in den Kämpfen im Osten, haben können.
Ihr Grundkonzept wird auch heute noch verwendet, wie an der amerikanischen A-10 Thunderbolt zu sehen ist.


Daten



 
Technische Daten der Hs 129
 
Kenngröße
Hs.129A-0
Hs.129B-0
Hs.129B-1
Hs.129B-2
Hs.129B-3
Länge, m
9,85
9,75
9,75
9,75
9,75
Höhe,m
3,25
3,25
3,25
3,25
3,25
Spannweite, m
14,2
14,2
14,2
14,2
14,2
Tragflügelfläche, m ²
28,4
28,9
28,9
28,9
28,9
Leergewicht, kg
3 260
3 675
3 661
3 810
4 063
Max. Startge., kg
----
5 000
5 000
5 250
5 230
Tank,
l
610
610
610
610
610
Motor
Argus Als 410A-1
Gnome-Rhone 14M Sternmotoren
Gnome-Rhone 14M Sternmotoren
Gnome-Rhone 14M Sternmotoren
Gnome-Rhone 14M Sternmotoren
Leistung
2 × 465 PS
2 x 700 PS
2 x 700 PS
2 x 700 PS
2 x 700 PS
Propeller
Zweiblatt
Dreiblatt
Dreiblatt
Dreiblatt
Dreiblatt
Durchmesser
2,62 m
2,6m
2,6m
2,6m
2,6m
Max. Geschw., Km/h
385
355
407
320-350
400
Marschgeschwindigkeit
---
---
---
265
250
Reichweite, Km
650
750
560
680
780
Dienstgipfelhöhe, m
---
---
---
7 500
9 000
Steiggeschwindigkeit
---
---
---
320-486 m/min
8 000 m in 37 min.
Flächenbelastung
---
---
---
181 kg/m ²
---
Grundbewaffnung
2 × 7,9 mm MG-17 2 × 20 mm MG FF
2 × 7,9 mm MG-17 2 × 20 mm MG FF
2 × 7,9 mm MG-17 2 × 20 mm MG FF
2 × 7,9 mm MG-17 2 × 20 mm MG-151/20
2 × 7,9 mm MG-17
Zusatzbewaffnung
2 × 50 kg Bomben
2 × 50 kg Bomben
Siehe Rüstsätze
Siehe Rüstsätze
BK-7,5

 


 
Produktionszahlen Hs -129 B-1 / B-2 / B-3
 
Monat 1942 1943 1944
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
3
3
6
31
18
18
20
24
15
33
24
24
24
27
30
33
36
36
40
40
40
40
40
24
30
25
35
35
35
35
18
3
17
-
-
-
Gesamt: 219 410 233
Insgesamt produzierte Hs129 B1-B3 :
862

 




Videos :


Quellen

Jäger des zweiten Weltkriegs David Donald ISBN 3-8289-5317-4
Waffen-Arsenal S-16 Flugzeuge gegen Panzer ISBN 3-7909-0390-6
Luftarchiv.de
airwar.ru
Wikipedia.org
theaerodrome.com
wunderwaffe.narod.ru

Zugriffe 05.10.09


 




Autor: Frundsberg