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Das Thema

Heinkel He 219 "Uhu"



 

Neue Generation

"Eine neue Generation von Nachtjägern"

Bereits 1940 entwickelte Heinkel selbständig die He 219 als Fernaufklärer. Ein Projekt, welches jedoch auf Drängen des RLM aufgegeben wurde. Ab 1941 zeigten sich deutliche Mängel der vorhandenen Jachtjäger der Muster Ju 88 und Me 110. Der General der Nachtjäger, Josef Kammhuber, erhielt daher Vollmachten um in direkter Zusammenarbeit zwischen Industrie und Frontverbänden einen neuen Nachtjäger zu schaffen. Der Entwurf der He 219 schien geeignet und wurde an die Erfordernisse der Nachtjagd angepasst. Unter anderem war dies der erste Nachtjäger in welchem der Pilot nicht durch das eigene Mündungsfeuer geblendet wurde.
 


 
Baureihen A,B,C,V
He 219 A-0 Nachtjäger
He 219 A-3 Jäger
He 219 A-5 Nachtjäger
He 219 A-6
He 219 B-2 Jäger
He 219 C-1 Nachtjäger

 

Der wohl beste deutscher Nachtjäger im 2. Weltkrieg wurde nur wenige gebaut. Das hatte seinen Grund In der Politik: Das RLM schaltete sich Anfang 1943 in die Entwicklung ein, und ordnete ein Vergleichsfliegen mit dem Konkurenzmodell Ju 188 an: Wohl, da letztere einfacher zu fertigen war. Heinkel baute den Typ auf und dies auf eigenes Risiko, weil die Anweisungen lauteten sich auf andere Typen zu konzentrieren.
Bereits 1940 als Mehrzweck-Kampfflugzeug entwickelt, und dann Ende 1941 als echter Nachtjäger konfiguriert, startete die Heinkle He 219 als eigentlich Erfolg verpsrechendes Modell. Die erste Maschine (von 10 Modellen) machte im November 1942 den Erstflug, und 300 bestellte He 219 A Maschinen schienen ein erfolgreiches Modell zu gewährleisten. Dabei waren die 130 Maschinen des Typs He 219 A-0 die Grundlage für eine neue Generation von Nachtjägern. Die folgenden Modelle wurden mit diversen Motoren und Bewaffnungen gebaut.

"Am 11. Juni 1943 schoss Major Werner Streib fünf Avro Lancasters in einem einzigen Einsatz ab, und in den ersten sechs Einsätzen seiner Einheit wurden 20 gegnerische Flugzeuge abgeschossen."
(I./NJG 1 - Major Steub - Fronterprobungsflug)


Am 25. 3. 43 beim berüchtigen Vergleichsfliegen in Rechlin überzeugte die He 219 überzeugte in allen Bereichen: Sie flog gute 25 km/h schneller bei einer deutlich überlegenen Wendigkeit. Die Flugeigenschaften und besonders die Sicherheit bei der Landung durch das Bugradfahrwerk stachen hervor. Trotz dieser erfolgversprechenden Testergebnisse verzögerte sich die Serienfertigung derart, dass 1943 lediglich 11 Maschinen ausgeliefert werden konnten ('44 und '45 kamen 195 bzw 62 dazu) Zu diesen Maschinen der A-Reihe kamen lediglich 3 Versuchsmuster der Reihe B und C hinzu.

 

 

 


 
Die He 219 wurde bei folgenden Einheiten eingesetzt
A-0, A-1: I.,II./NJG 1, NJGr 10, NJSt. Finnland bzw. Norwegen, Erg./JG 2.
A-5, A-6: I./NJG 1, NJGr 10
A-7: 1 Stück bei I./NJG 1
B-2: Erprobung eines Exemplars ist bekannt bei I./NJG 1


A-Serie

Heinkel He 219 A-Reihe

 

Die A-Reihe schaffte es als einzige Variante der He 219 in die Serienfertigung und in den Fronteinsatz - und auch das nur in kleinen Stückzahlen.
Ursprünglich war eine Besatzung von 2 Mann in der Druckkabine vorgesehen - später würde die Anzahl jedoch auf 3 erhöht. Die serienmäßige Ausstattung mit Schleudersitzen war in damaligen Zeit ein Novum. Als sonstige Ausrüstung war im Bug das Lichtensteinradar SN-2 eingebaut.

 

 

 


 
He 219 A-2
Die He 219 A-2 stellte das erste Einsatzmuster dar und besaß daher noch die etwas schwächeren
DB 603 A Triebwerke.

Die Bewaffnung entsprach den offiziellen Vorgaben für Nachtjäger

4 x MG 151/20 mit je 300 Schuss in der abnehmbaren Rumpfwanne
2 x MK 103 als "Schräge Musik" mit je 100 Schuss
2 x MG 151/15 in den Flügelwurzeln
 
Technische Daten
Länge:
15,5 m
Höhe:
4,2 m
Spannweite:
18,5 m
Tragflügelfläche:
44,5 m²
Gewicht (leer/voll):
8120 kg/ 12500 kg
Triebwerk:
2 x DB 603A mit 1510 PS
Höchstgeschwindigkeit:
605 km/h; voll ausgerüstet: 560 km/h
Dienstgipfelhöhe:
9300 m
Reichweite:
2100 km

 


 
He 219 A-5
Bis auf die neuen DB 603E - Triebwerke entsprach diese Variante nahezu völlig der A-2.
Die Besatzung war bereits auf 3 Mann erhöht worden und ein nach hinten feuerndes MG 131 auf Lafette kam zur Bewaffnung hinzu.
 
Technische Daten
Länge:
16,3 m
Höhe:
4,2 m
Spannweite:
18,5 m
Tragflügelfläche:
44,5 m²
Gewicht (leer/voll):
8345 kg/ 13575 kg
Triebwerk:
2 x DB 603E mit 1380 PS
Höchstgeschwindigkeit:
615 km/h; voll ausgerüstet: 585 km/h
Dienstgipfelhöhe:
9400 m
Reichweite:
2850 km

 

 

 

 

He 219 A-7
Die A-7 war die letzte gebaute Serienausführung und unterschied sich nur im Detail von der A-5.
So wurde zB statt den 4 x MG 151/20 in der Rumpfwanne 4 x MK 108 verwendet, was die Feuerkraft enorm erhöhte.
Einzelne Muster erhielten überdies eine Heckwarnanlage oder den Jumo 222 2500 PS Startleistung.
 
Technische Daten
Länge:
15,5 m
Höhe:
4,2 m
Spannweite:
18,5 m
Tragflügelfläche:
44,5 m²
Gewicht (leer/voll):
8510 kg/ 14245 kg
Triebwerk:
2 x DB 603E mit 1380 PS
Höchstgeschwindigkeit:
630 km/h; voll ausgerüstet: 600 km/h
Dienstgipfelhöhe:
10300 m
Reichweite:
2800 km

B-Serie

Heinkel He 219 B-Reihe

 

Parallel zur A-Reihe wurde die B-Reihe als Höhen-Nachtjäger entwickelt. Dazu wurde die Flügelform verändert, die Bodenwanne entfiel und stärkere Triebwerke wurden verbaut. Es wurden jedoch nur wenige Versuchsmuster fertiggestellt. Die gute Flugstabilität waren für die Nacht wie geschaffen, das Bugradfahrwerk und das doppelte Seitenleitwerk war für die schwierigen bedingungen der Nachtjagd ausgelegt. Außerdem war die He 219 das erste Flugzeugmuster, das serienmäßig mit Schleudersitzen für die Besatzung ausgerüstet war. Viele andere Neuerungen wurden zwar geplant doch nie ungesetzt. Bessere Kanzeln, Heckschützen Neuerung und andere technische Dinge des Radars waren vielversprechend, doch konnten wegen des Materialmangels nicht umgesetzt werden.

 


 
Technische Daten
Länge:
15,5 m
Höhe:
4,2 m
Spannweite:
22,06 m
Tragflügelfläche:
50 m²
Triebwerk:
2 x Jumo 222 E/F mit 2500 PS
 
He 219 B-1
Konzepiert als Zerstörer mit Lichtenstein SN-2, 3 Mann als Besatzung und verstärkter Bewaffnung
2 x MK 108, 2 x MG 151/20, 2 MK 108 "Schräge Musik" sowie 1 x MG 131 als Abwehrbewaffnung
 
He 219 B-2
Es wurde nur die V 29 gebaut. Diese sollte nur 2 Besatzungsmitglieder aufnehmen,
und wurde versuchsweise mit den Höhentriebwerken DB 603/TK 13 ausgestattet.

 

 

 


 
Heinkel He 219 C-Reihe
Die He 219 C War wie die B-Reihe ebenfalls als Höhenflugzeug konzipiert.
Allerdings mit einem abgewandelten Rumpfbug, woduch sich die Länge auf 17,13 m erhöhte.
 
Technische Daten
Länge:
17,13 m
Höhe:
4,2 m
Spannweite:
22,06 m
Tragflügelfläche:
50 m²
Triebwerk:
2 x Jumo 222 E/F mit 2500 PS
 
He 219 C-1
Die C-1 war als schwerer Jäger mit 4 Mann Besatzung konzepiert.
Der Heckstand war bemannt und sollte mit 4 MG 131 bestückt werden.
Als starre Bewaffnung waren 2 MK 108, 2 MG 151 sowie 2 MK 108 als "Schräge Musik" vorgesehen.
Die Waffen wurden im Rumpf bzw den Tragflügelwurzeln untergebracht, so dass der Rumpfbehälter entfallen konnte.
Wie bei der B-Reihe sollte ein Lichtenstein SN 2 verwendet werden.
Es wurde nur ein Modell gebaut.
 
He 219 C-2
Für den Einsatz als Jagdbomber sollte auf das Lichtenstein SN 2 verzichtet werden.
Als starre Bewaffnung waren lediglich 2 MK 103 im Rumpf geplant.
Durch diese Gewichtsersparnis ergab sich eine Bombenlast von 4x250 kg.

Verspielter Sieg

Ein verspielter Sieg



Der berühmte "Kammhuber Riegel", eine von Dänemark bis Zentralfrankreich sich überschneidene Luftverteidigungszone, wäre für die He 219 das perfekte Einsatzgebiet gewesen. Die unterstellten Verbände verteilten sich auf diese Gebiete, die Kommunikation zwischen Horchposten, Radarstationen, Scheinwerferbatterien, Flakeinheiten und Nachtjäger wurden vereinheitlicht. Durch dieses koordinierte Zusammenwirken der Verteidiger konnten die Jäger nun gezielt und effektiv an den Feind herangeführt werden. Wegen steigender eklatanter Material- und Personalengpässe - die Fronten benötigten laufend Soldaten und Nachschub - wussten Kammhuber allerdings nur zu genau die Grenzen seiner Taktik. Er forderte mindestens 2000 Flugzeuge - in großer Zahl He 219 - sowie neue Flak- und Funkmess-Stationen, wie Radarstellungen auf deutscher Seite damals genannt wurden, um die Abwehrleistung zu erhöhen. Das Konzept der Vorwärtsverteidigung erweist sie rückblickend gesehen als mögliches Hinderniss für viele allierte Unternehmungen, doch die Realität der Politik, Macht und Führung sah anders aus. Göring ließ die Kritik von General Kammhuber und General Galland (General der Jagdflieger) gar nicht erst nach oben durchdringen und ließ die Worte der beiden erfahrenden Flieger als "verantwortungslosen Redereien und Hirngespinste schlapper Defäisten"  an sich abprallen.

Produktion:
 

- Luftwaffe erhielt 252 He 219 von Oktober 1943 bis April 1945 zugeteilt ( 201 He 219 gingen an die Luftflotte Reich)
- Ab 1945 wurden 24 He 219 der OKL-Reserve zugewiesen (Nachtjägergeschwader hatten zu dieser Zeit keinen Bedarf mehr)

 


 
Heinkel-Werken Rostock-Marienehe
bis 31. März 1943 vier Prototypen
104 A-0 (Anfang 1943 bis Juni 1944) - 9 Stück
A-2 (ab Juli bis November 1944) - 80 Stück
A-7 (ab Dezember 1944) - 54 Stück

 


 
Heinkel-Werken Wien-Schwechat/Heidfeld
104 A-0 (Anfang 1943 bis Juni 1944) - 95 Stück
A-2 (ab Juli bis November 1944) - 15 Stück
A-7 (ab Dezember 1944) - 5 Stück




(ab April 1945 weitere 28 He 219 ausgeliefert - Produktionsstandort nicht genau nachweisbar. Vermutlich Version A-7. Somit sind 86 A-7 produziert worden. Damit wurden insgesamt 276 oder 286 Serienflugzeuge und vier Prototypen von der He 219 gebaut)

Sein Konzept der "Zahmen Sau" , hieß der Einsatz mit Radar ausgestatteten Maschinen, sollte der letzte Akt das Kammhubers und seiner Taktik sein. Hiefür forderte Kammhuber die schnelle Einführung der Heinkel 219. Sie vefügt über überlegende Flugeinschaften und war die einzige als Nachjäger konzipierte Maschine. Wegen der hohen Herstellungskosten lehnte man aber ab und die spätere geingen Produktionszahlen, kamen zu spät. Wer dafür büßen musste war klar, die vielen zivilen Toten in den Bombennächte und als Sündenbock der möglicher Retter Kammhuber. Als Sündenbock entließ Göring Kammhuber, den "Nachjägergeneral". Erst im Februar 1945 holte Hitler den Organisator der Nachjagd aus dem toten Gleis Norwegen zurück und sollte als "Sonderbeauftragter zur Bekämpfung der viermotorigen Feindflugzeugen" Deutschland retten, doch sein Amt hatte keine praktische Bedeutung mehr. Flugzeuge gab es nicht mehr, die wenigen Uhus wurden oftmals abgeschossen oder befanden sich auf bereits eroberten Gebiet.

 


Quellen

„Die deutsche Luftrüstung 1933-1945“ Heiz J. Nowarra, Band 2

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinkel_He_219 (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Waffen/He219.htm (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Waffen/He219.htm (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/He_219_Uhu.html (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.flugzeugforum.de/forum/showt ... hp?t=59711 (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.ffmc.de/modelle/Frida/Frida_ ... he219.html (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.luftfahrtmuseum.com/htmd/dtf/he219.htm (Letzter Aufruf 17.05.2010)
http://www.cockpitinstrumente.de/Ausrus ... ersitz.htm (Letzter Aufruf 17.05.2010)

Luftwaffen-Experten 1939-45
Protokoll des Vergleichsfliegens in Rechlin vom 25./26.3.1943



Autor: pogotorte / Freiherr von Woye