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Das Thema

Josef Mengele

 

 

 

Ein gebildeter Mensch, Doktor der Philosophie und Doktor der Medizin.
Ein KZ-Arzt und Sadist.
Geigenspieler und Verseschmied.
Ein Zyniker und Menschenfeind.
Der "schöne Satan", der "Teufel von Auschwitz".

(Eine Auswahl von Beschreibungen der Überlebenden von Auschwitz über ihren Peiniger Josef Mengele)



(Geb. 16. März 1911 (Günzburg) - Gest. 7. Februar 1979 (Bertioga, Brasilien)

 

Der Todesengel von Auschwitz



Ein Mann, der des vieltausendfachen Mordes angeklagt war, auf dessen Kopf 1 Million Deutsche Mark ausgesetzt waren (die höchste von Deutschland jemals ausgesetzte Belohnung) und der durch seine geistigen Fähigkeiten wie rassistischen Überzeugungen zu einem der gewissenlosesten Verbrecher der Menschheit wurde. Die Anlage gegen ihn war so simpel wie erschreckend:
"... aus Freude am Töten und aus Überheblichkeit gegenüber Juden, Polen, Zigeunern und anderen, von ihm als minderwertig angesehenen Bevölkerungsgruppen, teils auf sadistische und bestialische Art und Weise aus rassistischen Gründen Deportierte und Häftlinge des Konzentrationslager getötet zu haben." (Aus dem Haftbefehl gegen Josef Mengele - 22. Strafkammer des Landesgerichtes Frankfurt/Main).
Er entzog sich seiner gerechten Strafe durch die Flucht ins Ausland (Brasilien) und seines natürlichen Todes im Februar 1979. Sein Name steht heute für das Schrecken der Menschheit und die Gräueltaten im Namen der Medizin, des nationalsozialistischen Regimes und des Rassenwahns. Dabei ist sein Lebenslauf ach so typisch für die damalige Zeit: Gruppenführer des deutschnationalen Jugendbundes und Medizinstudent. Auch sein Anschluss zur NSDAP und SS, aus politischen oder karriereförderlichen Gründen, müssen nicht unbedingt logischerweise zum Beruf des Wachmannes oder in seinem Fall zum "Todesdoktor" in einem KZ führen. Was war also los im Leben des Josef Mengele, was geschah bis zu seiner Versetzung als Lagerarzt ins Vernichtungslager Auschwitz (30.05.1943)? Warum deutet in seinem Leben vor Auschwitz nichts auf seine Werdung zum Monster, zum Teufel in Menschengestalt hin?
 

 

Jugend

Kindheit und Jugend

 

Seine autobiographischen Aufzeichnungen sind von schwülstig-pathetischen Selbststilisierungen geprägt und hat er die Erzählungen seiner Eltern zu seiner Geburt etwas verschönert:
"Der immer noch heftig anbrausende Wind jagte die wie ein dichter Schleier fallenden Schneeflocken in tollen aufbäumenden Wirbeln durcheinander ..."
Eine gewisse Art von Selbstinszenierung in Anlehnung an alter Erzähltraditionen, die eines Helden würdig sind, sollten seine Geburt und dessen Umstände ausstaffieren. Dabei nennt er aber den Namen seiner Heimatstadt nicht. Ist hier der Charakter und die Persönlichkeit des Todesengels schon zu erahnen? Verschwimmen die Erinnerungen an ein Leben vor Auschwitz wie ein Schleier für ihn, der nur ein pathetisches und verklärtes Bild seiner frühen Jahre hindurch lässt?
Josef Mengele ist am 16. März 1911 in Günzburg als ältester von drei Söhnen zur Welt gekommen. Sein Vater war der Fabrikbesitzer Karl Mengele (Landmaschinen) und dessen Frau, keine bedeutenden Persönlichkeiten und doch mangelte es dem Jungen in seiner Kindheit an nichts. Ein braves Kind wenn man den Quellen Glauben schenken kann und vor allem selbstbewusst. Sein ältester Sohn allerdings will nicht in das Geschäft seiner Vaters einsteigen und es übernehmen, seine Gedanken folgen einer eigenen Karriereplanung. So trat er als junger Mann durchaus positiv aus und verstand sich als geselliger Mensch, der in Szenelokalen gern verkehrte. Er scherte sich wenig um die Politik und genoss das Leben. So ist es auch nicht verwunderlich warum es ihn nach dem Abitur in die Großstadt zog und er alsbald in München mit dem Medizinstudium begann. Die Genetik und Anthropologie hatte es ihm dabei besonders angetan. Er träumt schon früh vom Ruhm als Arzt und in München findet er hier ein aufstrebende Wissenschaft vor. Die Rassenlehre als Ideologie war ihm zwar fremd, aber im wissenschaftlichen Gewand durchaus akzeptabel. Dabei trug gerade die Anthropologie dieses Dogma der Rassenunterschiede mit und stütze somit - wissentlich durch die Partei gelenkt - diese "nun endlich verstandene" Wissenschaft.

 

Erste Promotion (Dr. phil.) 1935
"Rassenmorphologische Untersuchungen des vorderen Unterkieferabschnittes bei vier rassischen Gruppen"
summa cum laude



Für Hilter galt der Ausspruch - "Nicht der Staat bestimmt uns, sondern die Rasse bestimmt den Staat und wird durch Sie geschaffen!" Für die Familie Mengele ist der Hitler Idol und Förderer zugleich, fördert Hitler doch die Bauern und die Agrarwirtschaft. So existieren Fotos mit Hitler und Karl Mengele, der sich von einer Bindung an die nationalsozialistischer Regierung viel persönlichen Gewinne und Reichtum verspricht. Die Rassenideologische Linie ist da wohl zweitrangig, doch für den jungen Josef Mengele das Sprungbrett schlechthin. In der "Parteiarmee" war er nur kurz, den nach der geschlossene Überführung des Stahlhelms, dem er angehörte, zu SA, trat er im Oktober 1934 aus.
Er handelt in diesen frühen Jahren seines Lebens immer selbstbewusst aber auch egoistisch, ist er doch von einem betuchten Leben geprägt und einem Elitebewusstsein unterworfen. Dazu kam sein Streben nach Erfolg, der Fleiß und die Tugenden einer werten Gesellschaft jener Tage. Er hatte ehrgeizige Ziele für seinen Lebensweg: "Eines Tages wird man meinen Namen kennen..."
 

Zweite Promotion (Dr. med.) 1938
"Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte"
summa cum laude



Er geht dafür in die Lehre bei einem der führenden Genetiker Deutschlands (Theodor Mollison - Direktor des anthropologischen Institutes in München)und vertrat somit, wenn auch vorerst Indirekt, den Wahn Hitlers nach einer Superrasse. Schon als Assistentsarzt fungiert er in der Funktion des Gutachters für Rassenangelegenheiten und führte Befragungen, Blutest und Untersuchungen durch - Eine erste Selektion vorerst ohne Endlösung!
So marschierten auch die Ärzte im Gleichschritt und "gingen mit der Zeit". Sie sollen die Rasse erhalten, Rein halten und medizinisch "lenken". Josef Mengele ist einer von Ihnen ...

Interessant ist, dass seine persönlichen Aufzeichnungen im Jahre 1932 enden und setzen erst wieder im Frühjahr 1945 ein. Warum spart er diese Kapitel so vehement aus seinen Aufzeichnungen aus? Vollzog sich 1932 eine Wendung im Leben und Charakter dieses Mannes? Ist es das aufgehen in der Wissenschaft und seine Tätigkeiten, die ihn vom Schreiben anhalten oder hat sich der junge Josef Mengele und sein Leben von der Eigenbetrachtung weg zu einer höheren Aufgabe hingwendet?
Kein Wort über zwölf Jahre NS- Herrschaft und der eigenen Verstrickung in deren Machenschaften. Keine Erwähnung der rassenkundlichen Studium an den Universitäten München und später Frankfurt. Seinen Aufzeichnungen ist weder der Eintritt in die NSDAP im Mai 1937 zu entnehmen, noch so private Momente wie das Kennenlernen seiner Frau, die Hochzeit, die Geburt seines Sohnes oder seine Militärzeit. Nicht eine Zeile zum Zweiten Weltkrieg oder den Jahren in Auschwitz.
Zwölf Jahre seines Lebens überging Josef Mengele in seinen autobiographischen Niederschriften, ohne dafür Gründe zu nennen. Mit dem Ende des Studium versiegen die niedergeschriebenen Gedanken des aufgeweckten und selbstbewussten jungen Mannes und es versiegt wohl auch seine frühere Persönlichkeit

Aufstieg

Sein Aufstieg zur Elite des Reiches



Der entscheidende Schritt in Mengeles Karriere war die Berufung am 1. Januar 1937 nach Frankfurt. Nicht nur, dass dem jungen Arzt die ewigen Stunden der Visite und der Station wohl langweilig wurden, sondern auch die Verlockung der Wissenschaft ließ ihn nie los. Auf Empfehlung seines ehemaligen Mentors Prof. Mollisons wurde er zum Forschungsassistenten am namhaften Reichsinstitiut für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität Frankfurts. Er wurde Teil des Mitarbeiterstabes des führenden Genetikers Prof. Otmar Freiherr von Verschuers, der sich vornehmlich der Zwillingsforschung widmete. Dessen Bewunderung für Hitler war wohlbekannt und er verhehlte dies auch niemanden. Mengele wurde schnell sein Lieblingsschüler und sehr wahrscheinlich beeinflusste Verschuer seine spätere Versetzung nach Auschwitz. Auch die späteren Finanzierungen für Mengeles Arbeiten kamen vom späteren Direktor der Kaiser-Wilhelm Instituts in Berlin und Mengele sendete dafür viele "exemplarischer Zeugnisse seiner Forschung" nach Berlin.

Im letzten Abschnitt werden ... die biologischen Gefahren aufgezeigt, die dem deutschen Volke drohen ... Bei der Darstellung der Rassen wäre eine schärfere Herausarbeitung der Vorzüge und nachteiligen Eigenschaften aller europäischen Rassen zu wünschen. Ferner vermisst man eine hinreichende Darstellung der Beziehungen der in Deutschland hauptsächlich vertretenen Rassen zu den kulturschöpferischen Leistungen des deutschen Volkes. Auch wäre es zweckmäßiger gewesen, die Gesetzte zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes mehr inhaltlich als verfahrensrechtlich zu erläutern.
(Eine Bemerkung Mengeles über ein Buch mit dem Titel: "Grundzüge der Erbkunde und Rassenpflege")

Mengele war nun im Epizentrum des Rassenideologischen Kreises im NS- Reich eingetaucht, da kam sein Eintritt in die NSDAP im Mai 1937 nicht überraschend (Nr. 5574974).
Von nun an war seine Karriere ganz der Ideologie verschrieben. Der Gedanke, dass sich das Erbgut einer Rasse durch geeignete Auslese "verbessern" lasse, wurde nun Stück für Stück Lebensinhalt des aufstrebenden Arztes. Die Wissenschaft wurde seine Religion und Hitlers Worte seine Predigten. Vor allem Verschuer nahm sich des intelligenten jungen Mannes an:
 


(Mengele ganz rechts im Bild)

 

"Er zeigte ein lebhaftes Interesse an medizinischer Forschung und Chirurgie. Er war auch intelligent und gebildet. Ich entsinne mich, dass er Musikliebhaber war, er hörte gern Bach, Verdi und natürlich Strauß und Wagner."
(Als Mengele nach Auschwitz kam, hatte er unterdessen auch seine Liebe für Puccini entdeckt, wie Überlebende - die ihn flüchtig ein paar Takte pfeifen hörten, während er die Selektionen für die Gaskammer vornahm - sich voller Bitterkeit erinnern.)

 

Mengele war erst 27 Jahre alt, aber schon in den wichtigsten Kreis eine reichsweiten Rassenforschungselite vorgedrungen. Es war deshalb unausbleiblich, dass er sich um den Eintritt in eine Organisation bewerben sollte, die als Hüterin der Rassenreinheit der Nation betrachtet wurde: Die SS - die Schutzstaffel. Der schwarze Orden verbreitete nicht nur den völkischen Elitewahn, sondern garantierte auch eine Karriere im NS - Staat. Die SS war eine Gesellschaft für sich und musste bei seiner Heirat sogar zustimmen. Trotzdem war dieser Karriereweg der SS nichts ungewöhnliches, so "musste" auch von Braun die schwarze Kluft anziehen um sich in der Wissenschaft eines NS - Regimes auf Dauer halten zu können. Für Dr. Mengele war das aber nicht der letzte Beitritt, so war der NS - Ärztebund ebenso Pflicht für ihn um seinen Platz in der Gesellschaft zu bekommen.
Er bestand alle Test und wurde in die NS - Elite aufgenommen, nur die Blutgruppe ließ er sich nicht eintätowieren, so wie es für SS- Mitglieder Brauch war, seine Eitelkeit hielt ihn davon ab. Die Zugehörigkeit zu dieser Gesellschaftsschicht, die Wohlstand und Einfluss versprach, war verlockend. So ließ er die Arztpraxis hinter sich, ging von Frankfurt an das Dritte-Reich-Institut und später an das Kaiser-Wilhelm-Institut, beides führende Einrichtungen auf dem Gebiet der Genetik. Sein Aufstieg bzw. vordringen ging sogar noch tiefer, denn im Juli 1938 trat der der Elite innerhalb der SS bei - der Waffen SS. Dort durchlief er in der unmittelbaren Vorkriegsphase die Grundausbildung (Tiroler Gebirgsregion von Snafeldon) und ging wieder zurück nach Frankfurt. Sein Wehrdienst begann im Juni 1940.

 

Der Doktor im Krieg

 

 



Fünf Wochen nach seiner Hochzeit brach der Krieg aus. Nach den Aussagen von Mengeles Sohn Rolf freute sich der Vater darüber: "Er konnte es gar nicht erwarten, eingezogen zu werden."
Für Mengele bedeutete Krieg, wie es später schrieb, den "letzten Verzweifelungskampf der deutsche Nation um ihre gefährdete Existenz."
Doch musste er wegen eines Nierenleidens bis zum Sommer 1940 auf die erste Abkommandierung als Sanitätsoffizier einer regulären Wehrmachtseinheit in Kassel warten. Im August bekam er als Untersturmführer zur Waffen SS, die als Hitlers fantastischste und ideologisch außerordentlich geprägte Kampftruppe galt. So war er nun im Krieg und sammelt auch Fronterfahrungen. Wenige Tage nach seiner Versetzung in die Ukraine wurde ihm das EK II verliehen und seine Kriegsbegeisterung stieg von Tag zu Tag " jetzt wo sie dem Erzfeind in die Augen sehen konnten".
Als SS- Truppenarzt war er bewandert in der Methode der Triage und bestimmender Faktor über Leben und Tod. Der spätere Hauptsturmführer Mengele war dabei nicht an den Einsatzkommandos beteiligt der SS direkt beteiligt und doch tat er seine "Pflicht" als Mann der SS - als Arzt in Uniform. Im Januar wurde er in das Sanitätskorps der Division "Wiking" innerhalb der Waffe - SS aufgenommen. In der Schlacht von Rostow und Bataisk (5 Tage) zeichnete er sich durch besondere Tapferkeit und Aufopferung aus (er rettete 2 Soldaten unter Feindbeschuss aus einem brennenden Panzer) - ihm wurde das EK I verliehen. Ihm wurde im weiteren Verlauf noch das Verwundetenabzeichen in schwarz und die Medaille für deutsche Volkspflege verliehen.
Gegen Ende des Jahres 1942 wurde Mengele an das Rasse- und Siedlungshauptamt zurückversetzt, dessen Sitz jetzt in Berlin war. Dieser Umstand lässt die Historiker und Geschichtswissenschaft davon ausgehen, dass Mengele schon früh über die Endlösung Bescheid wusste. Auch weil er in hohe Position in der SS und dem Polizeiarztamt tätig war, welche in den Vernichtungslagern eine Aufsichtsfunktion ausübten. Im Zusammenhang mit der Person Verschuer und dessen Einfluss, welcher auch Mengele wieder nach Berlin holte, muss auch die Versetzung nach Auschwitz von Mengele angestrebt worden sein. Er wusste welches Menschenmaterial dort "zur freien Verfügung" stand und sah die wissenschaftlichen Potenziale für sich und seine Arbeit.
 

Mitarbeiter im Rasse- und Siedlungshauptamt

* Karl Gebhardt : Oberster Kliniker beim Reichsarzt SS, Leibarzt Himmlers
* Joachim Mrugowsky: Oberster Hygieniker beim Reichsarzt SS
* Helmut Poppendick: Chef des persönlichen Büros im Stabe des Reichsarztes SS.
* SS-Hauptsturmführer Dr. Ferdinand Berning, Adjutant des Reichsarztes SS

 

Verschuer förderte seinen ehemaligen Schützling und wollte auch seine wissenschaftliche Leitlinien bestens vertreten wissen. Nach neusten Erkenntnissen der Forschung war es Verschuer, der ihm die Stelle in Auschwitz vermittelt hat und ihn auch dazu überredet.
Im Mai 1943 kam dann sein Einsatz. Ende des Monats traf er in einem riesigen, von Stacheldraht umzäunten Sumpfgelände in einer Niederung in Südpolen, eine Stunde von Krakau entfernt ein - Auschwitz.

 

Spiegel TV - Der Todesengel von Auschwitz

 

Facetten eines Mörders

Ehrgeiz

"Josef war ein sehr ehrgeiziger junger Mann, der unter starkem Erfolgszwang stand."
Julius Diesbach, Mitschüler und Studienkollege Mengeles

Akribie

"Er war ein Pedant. Und er hatte einen Archivierungstick."
Anton M., Studienkollege Mengeles

Geltungsdrang

"Er wollte nicht nur erfolgreich sein, sondern sich von der Masse abheben. Es war seine Leidenschaft, berühmt zu werden."
Julius Diesbach, Mitschüler und Studienkollege Mengeles

Kalkül

"Er wollte das erforschen, was am modernsten war: Erbbiologie, Rassenkunde."
Hermann Langbein, Häftlingsschreiber beim Standortarzt von Auschwitz

Gefühlskälte

"Ich würde ihn [...] nicht für einen Sadisten halten, denn das Wesen eines Sadisten ist ja, daß er an dem Schmerz seines Opfers Freude hat. Bei Mengele hatte man das Gefühl, daß er gar nicht merkt diesen Schmerz, der fällt ihm gar nicht auf. Sondern die Häftlinge waren für ihn Meerschweinchen, Ratten, mit deren Seelenleben und Leiden man sich überhaupt nicht beschäftigt."
Dr. Ella Lingens, Häftlingsärztin in Auschwitz

Fanatismus

"Als diese Transporte einsetzten, war es mir möglich, Mengele in Birkenau auf der Rampe stehen zu sehen, und ich konnte ihn rufen hören: 'Zwillinge raus!' Er schien mir wie von Sinnen zu sein, wenn er auf der Rampe herumlief und Zwillinge suchte."
Fürstin Martina Puzyna, Anthropologin und Häftlingsärztin in Auschwitz

Skrupellosigkeit

"Er war ein hochintelligenter und gebildeter, kalter Zyniker, der sich des Unrechts des gesamten Geschehens in Auschwitz voll bewußt war."
Dr. Ella Lingens, Häftlingsärztin in Auschwitz

Auschwitz

Auschwitz - das Vernichtungslager

 

(Lagermanschaft von Auschwitz beim geselligen Zusammensein)

 

"Wenn es dem internationalen Judentum inner- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergbnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!"
(Adolf Hitler in einer Reichstagsrede zum sechsten Jahrestag der "Machtübernahme"
30. Januar 1939)

"Wenn wir die Pest ausrotten vollbringen wir eine Tat für die Menschheit, von der sich unsere Männer draußen noch gar keine Vorstellung machen ...."
(Adolf Hitler in einem seiner vielen Monologe 1941 - aufgezeichnet von seinem Sekretär)

"Zahllose Erkrankungen haben ihre Ursache in einem Bazillus: dem Juden [...] Wir werden gesund, wenn wir den Juden eliminieren!"
(Adolf Hitlers Aussage vier Monate später in einer Unterhaltung)



Was Hitler und die Nazi-Ideologen wollten, wurde nicht versteckt erdacht, nicht insgeheim angezettelt und dann, aufs strengste abgeschirmt, tatsächlich ausgeführt. Es geschah öffentlich, legitimiert von der Wissenschaft, gebilligt von fast allen gesellschaftlichen Autoritäten.
Einer dieser Männer der Wissenschaft war Josef Mengele, der sich am 14. Februar in Berlin beim SS-Ersatzbataillon "Ost" meldete und auf seinen Einsatz an der Ostfront wartete. Tatsächlich wurde er aber, nach seiner Beförderung zum Hauptsturmführer der SS, am 24. Mai 1943 vom Führungshauptamt der SS zur Amtsgruppe D III versetzt. Er übergab seine Dienstgeschäfte und setzte sich in Marsch zum K.L. Auschwitz bei Kattowitz und sollte sich dort beim Lagerkommandanten melden.
Kam ihm das Angebot nach Auschwitz gerade recht um nicht zurück an die Ostfront zu müssen oder ging er auf Drängen seines Förderers Verschuer, als zuverlässiger Lieferant für "lebendfrisches Forschungsmaterial" ins Vernichtungslager? Die Forschung hat nach gründlicher Akteneinsicht das Drängen Verschuer ausgemacht und doch muss ein Aspekt beachtet werden. Die Person Benno Adolph, Hauptsturmführer und Lagerarzt und Auschwitz/Birkenau. Er wurde krank und lauf Plan war Mengele sein Ersatzmann. Also keine Freiwilligenmeldung und Versetzung nach Plan oder geschickt eingefädeltes Spiel aus Berlin? Im Versetzungsbefehl steht "ohne Bezug" und ""keine Anlagen, also keine Freiwilligenmeldung. Es ist Rätselhaft und doch der Anfang vom Ende vieler Leben. So versah der Arzt Mengele von Dezember 1944 bis zu seiner Flucht aus dem Lage am 17. Januar 1945 seinen Dienst als Lager- und Truppenarzt mit zusätzlichen Aufgaben. Er unterstand dabei direkt dem leitenden KZ-Arzt von Auschwitz/Birkenau Eduard Wirth.
Als Mengele im Mai 1943 eintraf, war Auschwitz mit fast 140.000 Häftlingen überfüllt; es streckte sich kilometerweit in alle Richtungen aus. Das gewaltige von Stacheldraht umzäunte und von SS-Wachhundpatrouillen kontrollierte Lage umfasste fünf Krematorien und Gaskammern. An klaren Tagen konnte man die Flammen und den schwarzen Qualm aus den Krematoriumsschonrsteinen, die aus dem flachen Sumpflandhorizont um Auschwitz ragten, fast fünfzig Kilometer weit sehen. Nach Höß betrug die Höchstzahl der innerhalb von vierundzwanzig Stunden vergasten Juden Neuntausend.
Als Mengele in die alptraumartige Welt von Auschwitz trat, setzte er sich sofort von den anderen SS-Ärzten ab. Er hatte als einziger Lagerarzt an der Ostfront gedient und das EK I erhalten. Dr. Hans Münch, der als SS-Arzt in einem Nebenlager von Auschwitz in einem bakteriologischen Labor Dienst tat und ein enger Freund Mengeles wurde, erinnert sich, dass Mengele auf seine Orden außerordentlich stolz war und sie deutlich sichtbar an der Uniform trug. Mengele kam oft auf seiner Kampferfahrungen zu sprechen und umgab sich im Lager wegen seines Fronteinsatzes, der im krassen Gegensatz zu den Schreibtischkarrieren der anderen Lagerärzte stand, bald mit einer besonderen Aura. Dabei verband er seinen Status als Fronterfahrender mit fanatischer Pflichterfüllung. Während die anderen Auschwitz-Ärzte nur so viel taten, wie von ihnen verlangt wurde, war Mengele immer auf der Suche nach neuen Projekten und zusätzlicher Verantwortung. Er blühte auf, nahm sich der Arbeit nicht nur an, sondern steigerte sich förmlich hinein - einige Überlebende halten ihn heute noch für den Chefarzt des Lagers. Die Beförderung zum Oberarzt für das Frauenlager in Birkenau kam also nicht überraschend.
Er ging Probleme sehr entschlussfreudig an und bewies seine Tatkraft bei einer der vielen Typhusepidemien in Auschwitz:
 

 

 

"Laut Haftbefehl schickte Mengele am 25. Mai 1943 507 Zigeuner und 528 Zigeunerinnen mit Verdacht auf Typhus in die Gaskammer, Gleichzeitig heißt es, dass er am 25. oder 26. Mai Zigeuner deutscher Herkunft verschonte und dafür etwa 600 andere vergasen ließ "
(Haftbefehl nach Anlagepunkt 78 gegen Mengele)[/

 

Sein "Rassenbewusstsein" wurde von vielen SS-Leuten im Lager bewundert, genauso wie die konsequente Art gegen Krankheiten vorzugehen. Seine zynischen Züge in Bezug auf menschliches Leben bildeten sich schon in den ersten Monaten besonders heraus. Bei Mangel von Lebensmitteln ließ er einfach so viele Menschen in die Gaskammer, bis die Kalorien wieder für alle (restlichen) Frauen in seinem KZ-Bereich ausreichten. Teilweise wurden so 4000 Frauen pro Tag auf Anordnung Mengeles vergast. Den Ruf als gnadenloser Zyniker erwarb sich Mengele aber vor allem bei der Selektion und schockte sogar die SS-Kollegen mit seiner Vorgehensweise. Er war vor allen anderen der "Hauptlieferant" für die Gaskammer und die Krematoriumsöfen:

 

"Wer durch das Eingangstor des KZ ging, war ein Todeskandidat. Hatte das Schicksal ihn in die linke Kolonne gelenkt, wurde er durch die Gaskammer innerhalb einer Stunde zu einer Leiche. Als weniger glücklich galt, wen ein widriges Geschick für die rechte Kolone ausgewählt hatte. Der war zwar immer noch ein Todeskandidat, aber mit dem Unterschied: dass er drei Monate lang oder solange er es ertragen konnte, all die Schrecken erfahren musste, die das KZ für ihn bereithielt, bis er völlig erschöpft zusammenbrach"
(Aussage von Dr. Miklos Nyiszli - Arzt in Auschwitz)

"Einige, wie Werner Rhöde, der seine Arbeit hasst, und Hans König, den die Aufgabe zutiefst anwiderte, mussten sich betrinken, ehe sie an der Rampe erschienen. Nur zwei Ärzte nahmen die Selektionen ohne jegliche Aufputschmittel vor: Dr. Josef Mengele und Dr. Fritz Klein - Dr. Mengele gab sich besonders kalt und zynisch."
(Dr. Ella Lingens - Ärztin in Auschwitz)

 


(Mengele in der Mitte)

 

Viele tausend Häftlinge, die mit hunderten Zügen heran geschafft wurden, sahen zuallererst den Selektierer am Bahnhof vor dem Eingangstoren von Auschwitz. Viele sahen diesen Dr. Mengele, wie er da stand und viele fanden ihn sehr gepflegt und gut aussehend. Das behaupten auch einige Frauen, die er oftmals nackt an sich vorbeiziehen ließ und "sie besser zu begutachten und eine Selektion zu vollziehen".

 

 

 

"Tag für Tag war er auf Posten und beobachtete, wie sich die bedauernswerte Menge von Männern, Frauen und Kindern, die sich nach der unmenschlichen Reise in Viehwaggons am Rande der völligen Erschöpfung befanden, vorbeikämpfte. Mit seinem Rohrstöckchen wies er auf jeden einzelnen und dirigierte ihn mit einem einzigen Wort: rechts oder links ... Er fand an seiner grässlichen Aufgabe offensichtlich Gefallen."

Steckte dieser Mengele schon von Anfang an in diesem aufstrebenden Arzt? Fing er an Gefallen an seiner Aufgabe, seiner gottähnlichen Position und seiner Befugnis über das Leben und den Tod zu entscheiden? Es gibt viele psychologische Untersuchungen in der Beziehung von Wärter und Gefangenen, in diesem Fall aber muss der Faktor Wissenschaft noch dazu genommen werden. Denn hier selektierte ein Mensch aufgrund von anatomischen und gesundheitlichen Aspekten andere Menschen wie Vieh. Wir haben es hier mit einem abgestumpften Menschen zu tun, der die Grausamkeit als Beruf kalkuliert und "sein Patienten" als Objekte unter seinem Willen und dem der Wissenschaft beurteilt.

 

Anklageschrift gegen Josef Mengele



Der Angeschuldigte Josef Mengele ist dringend verdächtig, als SS - Lagerarzt an sogenannten Lagerselektionen und Selektionen im Häftlingskrankenblock aktiv und entscheidend teilgenommen zu haben, wobei er solche Häftlinge, die im Lager durch Hunger, Entbehrungen, Ausbeutung der Arbeitskraft, Krankheiten, Seuchen, Misshandlungen oder aus anderen Gründen arbeitsunfähig geworden waren und deren alsbaldige Wiederherstellung nicht abzusehen war, aber auch solche, die ansteckende oder lediglich ekelerregende Krankheiten - etwa einen Hautausschlag - hatten, teils zur Tötung durch Injektionen oder Erschießung, teils durch qualvollen Erstickungstod durch Blausäuredämpfe in den Gaskammern aussuchte, um dadurch im Lager Platz für arbeitsfähige Häftlinge, die er oder andere SS- Ärzte in der vorbeizeichneten Art und Weise selektiert hatte, in einer Vielzahl von Fällen teils unter dem Vorwand und Anschein einer Heilbehandlung eigenständig durch Injektionen von Phenol, Benzin, Evipan, Chloroform, Luft oder anderem in den Blutkreislauf, vorzugsweise in die Herzkammer, getötet haben oder die Tötung durch SS- Sanitätsdienstgrade befohlen und überwacht haben, teils soll er auch in Fällen von Lager- und Krankenblock-Selektionen die Aufsicht geführt haben, wenn SS-Dienstgrade bei den Grabkammern das granulierte Blausäurepräparat Zyklon B durch die Einfüllstutzen in die Räume, in denen dichtgedrängt die zu Tode bestimmten Menschen standen, einwarfen, oder er soll das Präparat selbst eingeworfen haben.



Er hatte dabei diesen gewissen Charme, der an guten Tagen aufblitzte und war freundlich zu den ankommenden Menschen. Er sagte Ihnen, sie sollen ihre Sachen hier lassen und gab im freundlichen Ton wieder, dass sie sich doch der netten Frau hier und dem netten Mann dort anschließen sollten. So fragte er oft, ob es denjenigen gut ging, ob sie etwas brauchten. Am nettesten, wenn nicht gar zuvorkommend, war er Eltern mit Zwillingen gegenüber. Er hoffierte sie förmlich aus den Wagons heraus und sagte ihnen ins Gesicht, dass sie ihre Kinder am Abend aus der Kindergrippe abholen könnten - "solche Eltern gingen meist nur 5-6 Stunden später in Rauch auf". Für Mengele entwickelte sich seine Zeit in Auschwitz als ein Aufenthalt in einem riesigen Menschenlabor, in dem er als Wissenschaftler seiner Forschung nachgehen könne. Er oft an der Rampe, auch außerhalb seiner dort eingeteilten Dienste und holte sich seine Zwillinge. Neuste Schätzung ergeben, dass er wohl für den Tod von über 100 000 Menschen - durch Selektion - verantwortlich ist.

Es gibt viele Theorien zum Zweck seiner Arbeit in Auschwitz. Er wollte, soviel ist sicher, das Geheimnis der Erzeugung von Mehrfachgeburten mit genetisch manipulierten arischen Merkmalen ergründen. Die Zwillingsforschung rückte dabei in den Mittelpunkt seiner Arbeit und Aufmerksamkeit. Er führte zuweilen seltsame sexuelle Experimente durch, dabei war Geburtenkontrolle genauso ein Aspekt wie die Anregung der Fruchtbarkeit. Juden sollten sterilisiert oder besser unter Kontrolle gehalten werden, um ihre Population zu kontrollieren und Sie weiterhin als Arbeitssklaven einzusetzen. Das Beispiel Ägypten wurde dabei von Himmler aufgegriffen. Dabei wurde ganz den Weisung Himmlers nach gehandelt:

"Ich sah ihn als überzeugten Nationalsozialisten an, der nie in Frage stellte, wie die Endlösung im Lager durchgesetzt wurde. Er war ein Opportunist. Zu der Zeit hatte die Ideologie einen großen Einfluss. Himmler war einer der großen Nazimystiker, und es ist denkbar, dass pseudowissenschaftliche Forschung betrieben wurde, um Himmler zu gefallen. Gewiss bestand Mengeles vorrangiges Ziel darin, nach dem Krieg Professor an einer Universität zu werden."

Dr. Hans Münch, Hygiene-Institut der Waffen-SS in Rajsko



Dabei war ihm seine Karriere wohl jedes Menschenleben wichtiger. Der Ehrgeiz nach wissenschaftlichen Ruhm machte vor den Häftlingen nicht halt. Die Mittel dafür kamen auch direkt aus Berlin, von seinem Mentor Verschuer, der ein pathologisches Labor. Er hatte es unter anderem auf die Augen der vergasten Patienten abgesehen, die er sorgfältig nummerierte und zwecks ihre Pigmentierung und Eigenschaft untersuchte. Seine Untersuchungsobjekte wurden wie Schmetterlinge aufgesteckt und als Objekt nach Berlin geschickt. Nach dem Kriege viel auf, dass wohl alle Menschen, zu denen die Augen einmal gehört haben, zur gleichen Zeit gestorben sein müssen ergo wohl in einem KZ umgebracht wurden - selektiert und nach Augenfarbe sortiert.
Mengeles Experimente mit dem Zwillingen im Block 14 des Lager F in Birkenau, auch als "Zoo" bekannt, umfassten nach Messungen der Schädel und Knochen bald auch Versuche mit den "Probanden". Grausame chirurgische Eingriffe und schmerzhafte Tests folgten den Messungen, oft ohne Anästhesie. Es gab unnötige Amputationen, Lumbalpunktionen, Typhusinjektionen und absichtlich infizierte Wunden, um zu vergleichen wie jeder Zwilling reagiert. Viele starben in dieses Testreihen:

"Eines Tages brachte Mengele Schokolade und besondere Kleidung. Am nächsten Tag kamen SS-Männer und nahmen zwei Kinder mit. Die beiden, Tito und Nino, gehörten zu meinen Lieblingskindern. Einer von ihnen war bucklig. Zwei oder drei Tage später brachte sie ein SS-Mann in einem fürchterlichen Zustand zurück. Man hatte an ihnen herum geschnitten. Der Bucklige war Rücke an Rücken und auch an den Handgelenken an das andere Kind genäht worden. Ein schrecklicher Gangrängeruch lag in der Luft. Die schnitte waren unsauber und die Kinder weinten jede Nacht."

"Jeder Frau erhielt eine Bluttransfusion von einem anderen Zwillingspaar, so dass Mengele die Reaktion verfolgen konnte. Wir beide bekamen jeder 350 cm3 Blut von einem männlichen Zwillingspaar. Die Reaktion war starker Kopfschmerz und Fieber."

Mengele hatte hunderte von Zwillingspaaren in der Jahren für seine Untersuchungen, ließ sie sterben und leiden. Nach dem Tod sezierte er sie, auf das sie ihm die Lösung für die Reproduktion einer Rasse liefern sollten. Er tötete auch um zu Sezieren - nur um ihr toten Leiber zu haben. Er selbst, so ist nach Aussage seine Assistenten Dr. Nyiszli beschrieben, tötete oft selbst durch ein Spritze angefüllt mit Chloroform ins Herz.
Der Haftbefehl der deutschen Regierung, zur Festnahme Mengeles ausgestellt, umfasste 40 Seiten und war in neun separate Punkte unterteilt, die mit 153 von Mengele zu Sektionsversuchen getöteten Kindern zusammen hingen. Dabei ging der Doktor während seines Aufenthalts in Auschwitz immer brachiales, rücksichtloser und von Wahnsinn getrieben vor. Er pickte sich "interessante Objekte" aus dem Zug der frisch eingetroffenen Kinder heraus und charakterisierte sie nur an Äußerlichkeiten. Den Menschen sah er da schon lange nicht mehr, nur seine Forschung und Gefangene, die im dafür gerade recht kamen.
Mit seiner Pseudowissenschaft überzeugte er auch die Offiziere des Lagers, hielt Ihnen Vorträge und stellte Skelette von Kinderleichen, die er oftmals selbst zu diesem Zweck töten ließ, als medizinische Phänomene vor. Viele dieser Kinderskelette gingen nach Berlin zum Institut des Prof. Verschuer.
Mag er auf seine Kollegen im allgemeinen freundlich gewirkt haben, so fällt doch allen seine Besessenheit auf. Später folgert man aus den Zeugenaussagen, dass sich der Wahnsinn Auschwitz, der Ehrgeiz von Mengele und die Aussicht auf akademische Ehren zu einer Charakteränderung zusammenfügten. Sein Opportunismus gegenüber der nationalsozialistischen Medizin brachte einen neuen Mann hervor - den Doktor des Todes von Auschwitz.

"Nicht, dass sein Gesicht einen schreckenerregenden Eindruck machte. Sein Gesicht konnte sehr angenehm aussehen, Aber die Stimmung in den Baracken, bevor er kam, und die ganze Vorbereitung durch die Aufseher erzeugten diese Atmosphäre des Schreckens und Entsetzens: Mengele kommt. So musste jeder strammstehen. Er bemerkte zum Beispiel, dass ein Zwilling in einem der Betten tot dalag. Dann brüllte er wild: *Was ist hier los? Wie konnte dieser Zwilling sterben?* Aber heute begreife ich natürlich: EIN EXPERIMENT WAR FUTSCH"

Der manische Mengele mit seiner Idee von einer Superrasse, ging in seiner Rolle als Nazi und Rassist förmlich auf. Wie geschaffen schien dieses Ordnung für ihn zu sein, bei der ganz oben stand und die Massen in die von ihm vorgeschriebenen Bahnen bringen konnte. Dabei waren die Zwillingsexperimente nur ein Zweig seiner Forschung. So setzte er eine Gruppe von polnischen Häftlingen (Nonnen wohlgemerkt) "zu Forschungszwecken extremer Röntgenstrahlung aus, wovon sie schwere Verbrennungen erlitten". Versuche mit Knochenmarktransplantationen, Amputationen und Bluttransfusionen wurden an einer extra für ihn bereitgestellten Reserve an Gefangenen regelmäßig durchgeführt, mit teilweise verheerenden Auswirkungen für die Menschen. Dazu kamen Kastrationen und Sterilisationen als Vorbereitung für eine zukünftige Populationskontrolle. Er erzwang Geburten "indem er sich auf den Bauch von Schwangeren gestellt hat bis die Wehen einsetzen und das Kind frühzeitig geboren werden konnte" - er brauchte die Frauen ja weiterhin. Die Babys wurden gleich bei lebendigem Leibe seziert und untersucht, danach dann oftmals eingetütet, konserviert und auf die Reise nach Berlin geschickt.
Zum Ende seiner Zeit in Auschwitz nahm Mengele sadistische und Menschen verachtende Züge an, die von vielen Überlebenden heute nur unter Tränen und Schock erzählt werden können:

"Jeden Tag starben Menschen bei der Arbeit vor Entkräftung. Mengele stand stumm da, den Kopf auf die Hand gestützt und den Blick nach unten gerichtet - er lauschte. Er stand wie angewurzelt und nahm diesen Marsch der Toten direkt neben ihm überhaupt nicht wahr. Hier die Leichen, da Mengele, einfach von der Musik ergriffen. Ich erinnere mich, dass das auch im Krankenrevier geschah. Das Orchester, ein sehr gutes Orchester, ungarischer Juden, tauchte plötzlich auf, um zu spielen, und um uns herum waren überall schrecklich kranke Menschen, rein Skelette. Mengele nahm von Ihnen nicht einmal Notiz."
 


(Mengele und seine Frau)



Die Macht, die der Mensch Mengele im Lager Auschwitz hatte, stieg im zu Kopf, wanderte in seine Seele und ließ die Menschen um ihm herum leiden. Dabei entwickelte sich ein "narzisstische Komponente des Sadismus" bei ihm. Der Mensch, so Mengele, sterbe hier sowieso, dann ginge es ihm also besser dann (nach seinem Tode). Das Schicksal der Menschen dort war im Klar und so füllen die von Mengele begangenen Grausamkeiten wahre Aktenschränke und je länger er in Auschitz ist, um so öfter nehmen die Wutausbrüche zu die ihm "zu unaussprechlichen Gräueltaten an Menschen befähigten". Er soll Babys den Müttern entrissen und auf Leichenberge geworfen haben, grundlos Menschen aus der Gaskammer geholt, untersucht und dann wieder rein geschickt haben, die Familie desjenigen wurde in dieser Zeit auch gesucht und mit ihm hineingeschickt und vergast. Die Dienstpistole des Doktors wurde oftmals zu einem willkürlichen medizinischen Tötungswerkzeug, dass er nur zu gern benutzt haben soll. Besonders grausam ist der Bericht des Russen namens Anmali Silowitsch Petko:

"Nach einer Weile traf eine große Gruppe (von SS-Offizieren) auf Motorädern ein, unter ihnen Mengele. Sie fuhren auf den Hof und stiegen ab. Sowie sie angekommen waren, bildeten sie einen Kreis um die Flammen; das Feuer brannte horizontal. Wir sahen zu, um zu erfahren, was nun geschehen würde. Eine Weile später trafen Lastwagen ein, Kipper; mit Kindern drauf. Etwa zehn solcher Lastwagen. Als sie auf dem Hof waren, gab der Offizier einen Befehl, die Lastwagen fuhren rückwärts an das Feuer heran, und dann wurden die Kinder direkt ins Feuer, in die Grube abgeworfen. Die Kinder begannen zu schreien; einigen gelang es, aus der brennenden Grube zu kriechen; ein Offizier ging herum mit Stöcken und stieß sie zurück, denen es gelang, herauszukommen. Höß und Mengele waren dabei und erteilten Befehle."

Die Aktion hatte - nach Höß - den Grund, dass Kinder in den Gaskammern wohl schwer zu vergiften seien und deshalb auch diese Lösung in Betracht kam, sich ihrer zu entledigen.
Zu den Vorwürfen gegen Mengele sei gesagt, dass viele Gefangene diese Erzählungen bezeugen können und andere wieder sich nicht vorstellen können, das der "nette" Doktor selbst diese Taten begangen hatte bzw. dieses überhaupt bewerkstelligen könne. Die Manifestation des gewalttätigen Charakters Mengeles lässt sich dennoch nicht nur an Aussagen der Gefangenen, sondern auch von seinen Mitarbeitern belegen, die immer wieder davon berichteten. Vor allem seiner Raserei nachdem ein Experiment misslungen, das "Objekt zu früh gestorben" oder er Kollegen dabei erwischt, wie sie sich unerlaubt ein paar Kartoffeln kochten im Krankenrevier. Seine nicht existenten Schuldgefühle nach Auschwitz unterstreichen die Art und den Charakter des Todesdoktor: "Es gibt keine Richter, nur Rächer", soll er gesagt haben und er sollte Recht behalten in seinem Fall. Der unbegreifliche Dualismus von Zuneigung und Grausamkeit wurde sehr treffend von dem Psychologen Robert Jay Lifton aus New York analysiert:
 


(Zweiter von Links)

 

"Mit dem Auschwitzer Ich trat Mengeles Potential des Bösen hervor, wenngleich Elemente des vorherigen Ich, zu dem Zuneigung gegenüber Kindern gehörte, fortbestanden. In diesem Prozess verhielt sich jeder Ich-Teil als funktionierendes Ganzes: das Auschwitzer Ich befähigte ihn. In dieser mörderischen Umgebung zu wirken und seine menschlichen Ressourcen mit bemerkenswerter Effizienz zu nutzen, während das vorherige Ich in die Lage versetzte, ein Gefühl von Anstand zu bewahren. Seine starke Hingabe an die Naziideologie diente als Brücke, als notwendige Verbindung zwischen Beiden!"



Die Menschen um Mengele herum lernten ihn zu fürchten, Gefangene weil sie jederzeit als unwichtig eingestuft und somit zum Tode von ihm verurteilt wurden und seine Kollegen, weil diese charismatische Doktor immer unzurechnungsfähiger wurde.
Seine Vorgesetzten waren begeistert von ihm, empfahlen ihn zu einer Beförderung und bescheinigten ihm "absolute Festigkeit und Eignung für die Tätigkeit". Seine Frau bemerkte den steigenden Einfluss von Mengele bei seinen Vorgesetzten und den immer mehr anwachsenden Ruf um den Doktor bei der Nennung seines Namens. So wurde Frau Mengele kein Wunsch abgeschlagen. Mengeles Bestrebungen gingen seit 1944 immer wieder in Richtung Berlin an die Adresse des Reichsführers SS Himmler, um seine Förderung bewarb er sich und strebte den vorgelebten Rassenwahn nach. Umso mehr aber der Krieg sich zu Ungunsten der Nazis wendete, so schlechter wurde die Laune des Doktors. Immer größer wurde die Angst, dass die Nazis den Krieg verlieren. Seine Frau interpretierte es als Unzufriedenheit mit seiner Arbeit, doch für Mengele wären die Tage in Freiheit gezählt, seine Karriere beendet und seine Forschung sehr wahrscheinlich für immer wertlos, diese Angst quälte ihn nun mehr als der Misserfolg!

Am Abend des 17. Januar 1945 verließ Mengele Auschwitz und nahm an Aufzeichnungen alles mit was er konnte. Einer der letzten Insassen, die Mengele sahen, war der zwölfjährige Marc Berkowitz, den Mengele zu seinem persönlichen Botenjungen auserkoren hatte:

"Sein Gesicht war gerötet, seine Augen blickten müde, als sei er traurig. Er legte seine Hand auf meinen Kopf und sagte Adieu. Du warst ein braver Junge.

Und dann war er fort ..."
 

 

Flucht

Haft und Flucht

 

Am 17. Januar 1945 verlässt Dr. Mengele Auschwitz und flieht vor der Roten Armee in Richtung Westen. Das war die einzige Richtung, in die er konnte. Sein Weg führte über das KZ Groß-Rosen (23 / 24. Januar 1945) von wo aus er nach Berlin weiter reiste. Dort angekommen, wird er aber sofort vom leitenden Arzt der KZ’s nach Groß-Rosen zurückgeschickt. Der Befehl war eindeutig, doch Groß-Rosen wurde aufgelöst und Mengele begab sich weiter in das Nebenlager Reichenau. Das Ende von Reichenau war aber schon besiegelt und die Rote Armee rückte immer näher. Ende April 1945 ist die Zeit Mengeles in KZ Lagern endgültig vorbei, er muss weiter fliehen und das schnell bzw. ohne Aufmerksamkeit auf sich zu sehen. So findet er 150 km westlich ein einem Feldlazarett Unterschlupf und tauscht seine SS- mit einer Wehrmachtsuniform aus. Am 2. Mai 1945 beginnt mit dem Ablegen der schwarzen Kluft der SS seine Flucht vor der Justiz allierter Richter und Soldaten.

 

 

 

Im Juni 1945 kam es zur Gefangennahme und Internierung der gesamtem Einheit des Feldlazaretts durch die US-Armee. Durch die falsche Uniform wurde er nicht als SS-Mann erkannt und konnte unter dem falschen Namen Fritz Hollmann sich der Justiz bzw. dem Hass der Amerikaner auf die SS entziehen. Er wurde sogar Anfang August entlassen und ging danach unbehelligt seiner Wege. Im Somer 1945 versteckte er dich in den Wäldern um Günzburg. Im Herbst verdingte er sich als Knecht auf dem Bauernhof „Lechnerhof“ in Mangolding (in Oberbayern).
Vom 1. August 1948 bis Anfang 1949 verliert sich seine Spur. Fakt ist, Mengele verlässt den Lechnerhof und setzt seine Flucht weiter fort. Der nächste Ort, an dem seine Spur wieder entdeckt wird, ist Genua. Hier kommt Mengele, der jetzt Helmut Gregor heißt, am 15. April 1949 an. Die gefälschten italienischen Papiere verhelfen ihm zum Sprung über den Teich. Er muss aus Europa weg, soviel war ihn schon nach Auschwitz klar. Das Schiff „North King ist sein Weg raus aus dem besiegten und zerstörten Europa. Am 25. Mai 1949 geht seine Flucht weiter nach Argentinien. Ein Land, das viele ehemalige Soldaten des NS-Reichs beherbergt bzw. gezielt anwirbt, genauso wie flüchtige Kriegsverbrecher. Man spricht von 20 000 Deutsche, die in Südamerika Zuflucht suchten und in Deutschland auf der Fahndungsliste standen.

 

 

 

Am 20. Juni 1949 began für Josef Mengele ein neues Leben, er erreicht Buenos Aires und lässt sich dort nieder. Ein Auslieferungsabkommen gibt es nicht und seine finanzielle Situation ist durch seine Familie in Günzburg gesichert. Die deutsche Justiz zeigt noch wenig Interesse bei der Verfolgung von NS-Verbrechern und so ist die Sonne Argentiniens der einzige Beobachter Mengeles.
Am 3. August 1958 kommt es dann doch zu einer Strafanzeige gegen Josef Mengele, eingereicht von dem Journalisten Ernst Schnabel. Ein erster Haftbefehl wird ausgestellt und Mengele fühlt sich nun nicht mehr sicher genug. Er flieht nach Paraguay, erhält die Staatsbürgerschaft unter dem Namen José Mengele und sieht sich nun auf der Flucht vor der Justiz. Eine Flucht, die 1960-75 nach Brasilien führt und den alternen Doktor in die Isolierung treibt. Sein Haus in Sao Paulo ist leer und Mengele sein einziger Bewohner. Gerade deshalb und weil nur wenig über die Zeit zu erfahren ist, entstand der Mythos Mengele, vor allem was seinen Tod betrifft.

 


(Hier liegt Mengele bgraben)

 

Josef Mengele erlitt am 7. Februar 1979 im brasilianischen Badeort Bertioga beim Schwimmen einen Schlaganfall und ertrank. Er wurde angeblich unter dem Namen Wolfgang Gerhard in Sao Paulo beerdigt. Ist es wirklich so geschehen? Seine Leiche wurde am 5. Juni 1985 erstmals entdeckt und exhumiert. Die Identität wurde bestätigt, doch viele Leute und auch ausländische Institutionen verweigern eine Bestätigung hatten immer noch starke Zweifel.

 

Erst 1991 konnte Josef Mengele zweifelsfrei durch eine DNA-Analyse Identifiziert werden

 

2004 wurden in Brasilien Briefe und Tagebuchnotizen Mengeles veröffentlicht. Der Zufallsfund wirft Licht auf einige der letzten Gedanken und Lebensumstände des SS-Arztes. In den Schriftstücken wird deutlich, dass Mengele keine seiner Taten bereute und bis zu seinem Tod ein überzeugter Nationalsozialist blieb, der seine Schuld leugnete. Er verteidigte die „Andersartigkeit der Rassen“.

 


(Eine Überlebende aus den Testguppen Mengeles in Auschwitz)

 

Quellen

Gerald L. Posner / John Ware, Mengele - Die Jagd auf den Todesengel, Aufbau Verlag 1993.
Ulrich Völklein, Josef Mengele - Der Arzt von Auschwitz, Steidl Verkag 1999.
Lucette Matalon Lagnado / Sheila Cohn Dekel, Die Zwillinge des Dr. Mengele - Der Arzt von Auschwitz und seine Opfer, Rowohlt Verlag 1994.
Sven Keller, Günzburg und der Fall Josef Mengele - Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher, Oldenbourg 2003.

http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Mengele (Letzter Zugriff 14.09.2010)
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http://www.schoah.org/kz/auschwitz.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
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http://www.welt.de/themen/Josef+Mengele/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)



Autor: Freiherr von Woye