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Das Thema

Eberhard von Künsberg
und die
Raubzüge des „SS-Sonderkommando Künsberg“

 

 

 


 
RECHTLICHER HINWEIS:
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Eberhard Max Paul Freiherr von Künsberg wurde am 2. September 1909 in Speyer geboren. Sein Leben war geprägt von den Tätigkeiten als Jurist, Diplomat und aktiver Nationalist des Dritten Reiches. In diesem Aufgabengebiet unterstand ihm später auch das „SS-Sonderkommando Künsberg“, mit dem er an vielen Fronten des 2. Weltkrieges im Einsatz war um für das Auswärtige Amt (AA) Archive und Akten zu beschlagnahmen, Durchsuchungen von feindlichen oder neutralen Botschaften und Institutionen durchzuführen sowie in großem Stile auch Kunstdiebstähle zu leiten.

Jugend

Die Jugend und die nationalsozialistische Karriere

 

Nach seiner Kindheit und Jugend, die hier keinen Einfluss findet, endete mit dem Besuch und dem Abschluss eines humanistischen Gymnasiums. 1921 begann schon seine nationalsozialistische Karriere. Mit 12 Jahren wurde er durch seine Eltern beim „Jungsturm Adolf Hitler“ angemeldet und somit schon sehr früh dem Einfluss dieser Organisation untergeben. Im Jahr 1929 trat er schließlich als Mitglied mit der Nr.: 132008 der NSDAP bei. Auch in der SS wurde er in diesem Jahr aktiv, seine Mitgliedsnummer dort war die 1552. Er wurde auch Mitglied im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ nachdem er 1929 ein Studium der Rechtswissenschaften in München aufgenommen hatte. Als sehr aktives Mitglied in diesem nationalsozialistischen Studentenbund wurde er schnell zum Leiter des Kreises VII (Bayern) ernannt und gab zeitgleich dazu eine NS-Studentenzeitung mit dem Titel „Deutsche Revolution“ heraus. Man kann also schon hier erkennen, dass er selbst in dieser frühen Zeit der Nationalsozialisten aktiv an deren Aufbau und Weiterverbreitung beteiligt war. Im Juli 1934 konnte er schließlich sein Studium abschließen. Damit konnte sein weiterer Aufstieg in der Organisation der NSDAP beginnen.

 


Wahlplakat des NS-Studentenbundes

Karriere

Die politische Karriere



Nach seinem Studiumsende wurde Künsberg zum Führer der 15. SS-Reiterstandarte in Regensburg ernannt. Durch Heinrich Himmler erhielt er dabei auch noch die Führung über den „Standort Regensburg“ übertragen. Am 1.Mai 1936 ging sein Aufstieg weiter. Er wurde Referent im Außenpolitischen Amt der NSDAP um darauf am 01.April 1937 als Gerichtsreferent an das Amtsgericht in Berlin-Weißensee zu wechseln. Zum Ende des Jahres ging es für ihn aber schon wieder zurück nach München. Er kam an die SS-Hauptreitschule nach München-Riem, wurde dort zum SS-Obersturmführer befördert und schließlich am 1. Mai 1938 als geschäftsführender Direktor der Reichsorganisation für das Pferderennen "Das Braune Band von Deutschland“ eingesetzt. Mit diesem Rennen, das zu einem der höchstdotierten Pferderennen dieser Zeit gehörte, wollten die Nationalsozialisten dem „Großen Preis von Baden (Baden-Baden) abringen. Für seine bisher geleisteten Dienst erhielt Eberhard von Künsberg den „Ehrendegen des Reichsführer-SS“ und den „Ehrenring der SS“. Zusätzlich dazu gehörte er noch dem Lebensborn an, einer Institution die versuchte auf Grundlage der nationalsozialistischen Rassenhygiene und der Gesundheitsideologie eine Erhöhung der Geburtenrate von „arischen“ Kinder, auch aus außerehelichen Beziehungen, herbeizuführen. Um dieses Ziel zu erreichen wurden auch anonyme Entbindungen und Vermittlung der Kinder zur Adoption – bevorzugt an Familien von SS-Angehörigen – durchgeführt.
Als er schließlich am 14.März 1939 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in das Auswärtige Amt zurück wechselte begann die diplomatische Karriere von Künsberg. Mitte 1939 wurde er zum Legationssekretär ernannt und wechselte damit in den Höheren Dienst des AA. Er kam dabei in die „Abteilung Protokoll“. Als Mitarbeiter dieser Abteilung erlebte er den Beginn des 2. Weltkrieges durch den Überfall der Wehrmacht auf Polen.
 


Ein Dankesschreiben für die geschenkten Bücher durch das Sonderkommando Künsberg

Besetzte Gebiete

Aktivitäten in den besetzten Gebieten

 

Polen

Diese Kriegshandlung hatte zur Folge, dass er eine aktive Tätigkeit erhielt. Auf Geheiß seines direkten Vorgesetzten, Alexander Freiherr von Dörnberg, würde Künsberg nach Warschau geschickt. In seinem Auftrag sollte er sich Zugang zu feindlichen und neutralen diplomatischen Vertretungen verschaffen und die dort vorhandenen Akten sichern. Ebenfalls mit diesem Auftrag versehen sollte auch das polnische Außenministerium besetzt werden. Ziel dieser Aktionen sollte die Verwendung dieser Akten zu Propaganda- oder Nachrichtendienstzwecke sein. Da diese Aktionen sehr erfolgreich von Künsberg durchgeführt wurden bekam er auch den Auftrag dies in Dänemark und Norwegen, nach der Operation Weserübung, durchzuführen. Aber nicht nur diese Tätigkeiten lagen in seinem Aufgabenbereich. Er war auch an diplomatischen Verhandlungen durch das AA beteiligt und hatte so auch Anteil am Zweiten Wiener Schiedsspruch, an der Erweiterung des Dreimächtepakts und an der Neubildung der norwegischen Regierung.
Nebenbei begann seine zweite Karriere, die ihn schließlich „berühmt“ machen sollte. Bereits während seiner Zeit in Polen war er an der Beschaffung von Kunstgegenständen beteiligt. So würden zum Beispiel historische Waffen aus dem Heeresmuseum in Warschau konfisziert um diese dann dem „Deutschen Jagdmuseum“ in München zur Verfügung zu stellen.

Der Westfeldzug

Als der Westfeldzug begann war auch Künsberg wieder mit von der Partie. Unter seinem Kommando wurde eine Einheit, bestehend aus Angehörigen des Auswärtigen Amtes (AA), der Geheimen Feldpolizei (GFP) und des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK), gebildet. Bis zum Januar 1941 wurde diese Einheit dann als „Geheime Feldpolizei-Gruppe z.b.V.“ bezeichnet. Wie schon in Warschau sollten so auch in Den Haag, Brüssel und Paris die Botschaften und Außenministerien übernommen werden und die Akten sichergestellt werden. Aber hier war auch noch nicht das Ende der Arbeit des Sonderkommandos erreicht. So kam es, unter Abstimmung mit dem Außenminister Ribbentrop und dem späteren Botschafter in Paris Otto Abetz, zu beschlagnahmen von Kunstsammlungen jüdischer Personen, Akten, Papiere und Unterlagen von Parteien und Pressebüros und von Logen der Freimaurer. Auch im unbesetzten Frankreich wurden sie aktiv. So sollte auch dort nach ausgelagerten Kunstschätzen gesucht werden. Dabei kam es aber des Öfteren zu Konflikten mit anderen Einheiten die den gleichen Auftrag verfolgten.

 

 

 

Aber genauso wie die Arbeit von Künsberg geschätzt wurde kam es auch zu Kritiken daran. So nannte Franz Graff Wolf Metternich, der OKH-Beauftragte für Kunstschutz in den besetzten Gebieten, sein Vorgehen als Freibeuterei oder Piraterie. Diese Kritik perlte aber an Künsberg ab und auch die Konkurrenz verstärkte seinen Willen noch besser und schneller zu arbeiten. So wurde im Januar 1941 eine Umstrukturierung des Sonderkommandos durchgeführt. Dabei wurden Angehörige der Waffen-SS in das Sonderkommando aufgenommen und dieses zu einer militärisch organisierten Truppe umgebaut. Es fand danach eine Umbenennung in „SS-Sonderkommando Gruppe Künsberg“ statt. Am 1. August 1941 wurde die Einheit dann formell in die Waffen-SS eingegliedert und dem Führungshauptamt der SS unterstellt. Die Einheit blieb aber selbstständig und Künsberg erhielt die Disziplinarbefugnisse eines selbstständigen Bataillonskommandeurs. Auch die jeweiligen Kommandoführer behielten ihre Extrabefugnisse der Geheimen Feldpolizei.

 


Die zerstörte Universitätsbibliothek in Rostow

 

Der Balkan

Als der Feldzug in Jugoslawien und Griechenland begann war auch das Sonderkommando wieder mit dabei und fuhr immer kurz hinter den kämpfenden Truppen mit um schnell vor Ort zu sein. Bei diesem Feldzug wurden auch erstmals wichtige statistische und kartografische Materialien beschlagnahmt und auf deren Grundlage wichtige ethnographische Karten erarbeitet. Auf Grundlage dieser sollte die ethnische Säuberung durchgeführt werden. Als der Balkanfeldzug auf dem Festland beendet war ging es für die Einheit auch nach Kreta. Vom 20. Mai bis zum 21. Juni 1941 war dort das Sonderkommando aktiv.

Die Sowjetunion

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion, mit der Operation Barbarossa, begann ein weiterer Schritt in der Entwicklungsgeschichte des SS-Sonderkommandos Künsberg. Denn neben der Beschlagnahme von Akten, von kartographischem Material, Objekten in Bibliotheken und Kunstgegenstände und nahm die Einheit nun auch gelegentlich an bewaffneten militärischen Einsätzen teil. Bis Ende 1942 hatte das Sonderkommando viele Einsatze und Beschlagnahmen durchgeführt. Dabei waren mehr als 250000 Objekte an Institutionen und Organisationen im Deutschen Reich verteilt wurden. Viele für den Dienstgebrauch, zum Beispiel in Forschungseinrichtungen, aber die meisten für den privaten Gebrauch. So durften sich zum Beispiel Mitarbeiter des Auswärtigen Amts aus den Beständen auch Bücher und andere Dinge für den persönlichen Bedarf aussuchen.

 


Das Tschaikowski-Haus nach dessen Durchsuchung durch die Männer von Künsberg

Das Ende

Die Auflösung des Sonderkommandos



Nach diesen Einsätzen in der Sowjetunion war im Februar 1942 schließlich der offizielle politische Einsatz des SS-Sonderkommandos beendet. Das wissenschaftliche Personal wurde zu anderen Stellen geschickt aber auf Abruf gehalten, der militärische Teil der Einheit geschlossen in die 1.SS-Panzer-Division „Leibstandarte Adolf Hitler“ eingegliedert. Diese Männer wurden dabei besonders für die Partisanenbekämpfung auf der Krim eingesetzt, in die Küstenbewachung eingeteilt oder zur Ausbildung von Tartaren gegen die Rote Armee verwendet. Am 1. August 1942 wurde das Sonderkommando schließlich in ein „Bataillon der Waffen-SS z. b. V.“ umgewandelt.
 


Sichergestellte Bücher

Einheitenführer

Als Einheitsführer in der Waffen-SS bis zum Ende

 

Eberhard Freiherr von Künsberg selber wurde rückwirkend zum 1. April 1942 seiner Stellung als Führer des Kommandos enthoben wurden. Man übernahm ihn aber als einen „Sturmbannführer der Reserve“ in den aktiven Dienst der Waffen-SS. Durch teilweise sehr ausgedehntes Auslegen der ihm anvertrauten Befugnisse hatte er sich den Unmut der SS und des Auswärtigen Amtes zugezogen. Himmler meinte einmal in diesem Zusammenhang: „Künsberg hat zu sehr bisher in seinem Leben verstanden auf vielen Klavieren zu spielen. Auf ihn trifft zu, was man in Bayern ‚G’schaftlhuber‘ nennt und es ist höchste Zeit, dass wir ihn richtig erziehen.“ Somit wurde Künsberg an die Front versetzt. Dort war er als Kompaniechef und Abteilungsführer eines Panzerregimentes eingesetzt. Zu Beginn des Jahres 1944 erkrankte er aber schwer und musste ins Lazarett nach Tamopol verbracht werden. Er hatte sich mit Diphtherie und Paratyphus angesteckt.

 


Wappen der 8. SS-Kavallerie-Division "Florian Geyer"



Nach seinem Lazarettaufenthalt kam Künsberg zur 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“. Mit ihr war er in viele Kämpfe verwickelt bis diese Einheit im Januar 1945 bei den Kämpfen um Budapest fast völlig aufgerieben und vernichtet wurde. Deshalb wird im Allgemeinen vermutet, dass auch Künsberg irgendwann im Zeitraum Januar oder Februar in oder um Budapest verstorben sein muss. Es gibt aber auch eine Aussage des Hausarchives der Freiherrn von Künsberg in er noch einmal im April 1945 in Pommern gesehen wurden sein soll. Er gilt als vermisst und wurde schließlich im Jahr 1949 für Tod erklärt.


Quellen

  • "Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik"; Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann; Karl Blessing Verlag; ISBN 978-3-89667-430-2
  • "Raubzüge in der Sowjetunion. Das Sonderkommando Künsberg 1941–1943"; Ulrike Hartung; Herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa; ISBN 3-86108-319-1.
  • "Die „Beuteorganisation“ des Auswärtigen Amtes. Das Sonderkommando Künsberg und der Kulturgutraub in der Sowjetunion"; Anja Heuß; In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. 45, H. 4, 1997
  • "Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945"; Maria Keipert (Red.); Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 2: Gerhard Keiper, Martin Kröger: G–K. Schöningh, Paderborn u. a.; ISBN 3-506-71841-X.
  • http://www.lostart.ru/de/svodnyj_katalog/knigi/tom11/
  • Bundesbildarchiv
  • http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9a/8divss.gif

 

Autor: panzermeyer