1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 3.73 (11 Votes)

Das Thema

Frauen in der SS

 

Frauen in der SS

RECHTLICHER HINWEIS:
Auf Grund des historischen Sachbestandes ist es nicht zu vermeiden, dass in dem verwendeten Bildmaterial auch die Abzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen auftauchen.
Bezugnehmend auf § 86 und § 86a des StGB machen die Autoren darauf aufmerksam, dass diese ausschließlich im Sinne § 86 Absatz 3 Verwendung finden.
Jegliches Anfertigen von Kopien zwecks propagandistischer Verwendung ist hiermit
ausdrücklich untersagt.

Vorwort

Vorwort

Die Geschichte der Frauen im Nationalsozialismus wird in Teilen verharmlost, waren doch auch Frauen an den Gräueltaten der SS und in den Konzentrationslagern zu Gange. Wie auch bei den Männern, kann bei den Frauen zwischen Tätern und Opfern entschieden werden. Sie klammern sich nicht aus dem Gesellschaftsbild der Opfer des Regimes, der Mitläufer und der Beteiligten bzw. Schuldigen aus. Mag das Leitbild der Frauen in der NS Bewegung von der Propaganda auf die Mutterrolle und Erzeugerin beschränkt sein, so war doch im fortschreitenden Kriegsverlauf schon bald klar, dass man auch Frauen im Einsatz benötigte. Beim Einsatz sind solche Tätigkeitsfelder gemeint, die über die Sanitäterin, Flakhelferin und Trümmerfrau hinausgeht. Den Frauen wurde durch das Leitbild natürlich keine führende Rolle im NS System der Verfolgung und Vernichtung zugedacht, doch ist auch die an sie delegierte Verantwortung über tausende Frauen und Mädchen bzw. die Aufsicht über dessen Folter, Arbeitseinsatz und Tötung eine direkte Beteiligung an den Verbrechen des Systems. So wird aus der treusorgenden, unterstützenden Gattin und Hausfrau eines Täters, eine Mitwisserin bzw. Mittäterinnenschaft. Diese Verknüpfung geht bei manchen Frauen, die im Einsatz in den Konzentrationslagern war, sogar so weit, dass man Sie zu den Kriegsverbrechern großen Stils zählen darf. Solche Frauen haben auch ihren Platz auf den Anklagebänken der Nürnberger Gerichte bekommen und ihre Strafen erhalten.

 

So gibt es eine Vielzahl von Täterinnengruppen, die wir in ihrer Beziehungen bzw. Beteiligung an den Verbrechen des NS System nicht vorstellen wollen. Dieser Beitrag soll sich auf wesentliche Beispiele unter den Täterinnen beschränken, die nach einhelliger Meinung wohl am massivsten und umfangreichsten in die Vorgänge in Konzentrationslagern bzw. der Vernichtung und Folter in den Konzentrationslagern beteiligt waren. Nicht zu vergessen sind an dieser Stelle die Frauen, die sich offen für das System einsetzen und dabei vor allem die antisemitische, rassistische und ideologische Lehre annahmen bzw. verbreiteten. Diese Frauen beteiligten sich an den Forschungen zur Vernichtung des Judentums, riefen in Zeitungen und Magazinen zu antisemitischen Einstellungen auf und fungierten aus Gestalter der Volksgemeinschaft in theoretischen Schriften! Von den Nazies selber wurden solche Frauen nicht gern gesehen, war es doch unüblich Frauen in gehobene Stellungen im Regime zu dulden oder gar Ihnen anderweitig ein ideologisches Stimmrecht zu geben. So braucht man die (überzeugten) Frauen lediglich bei den Hilfsarbeiten des rassistischen Tagewerks der Nationalsozialisten. Sie sollen als Krankenschwestern und Medizinerinnen in Tötungskliniken helfen die Ausrottung anderer Rassen voranzutreiben. Frauen legten oftmals Hand bei Sterilisationen an und ließen Kranke entweder systematisch verhungern oder durch die Injektion von Gift sterben. Man kann diese Frauen durchaus als Sekretärinnen des Todes nennen, die den NS-Ärzten zur Hand gingen. Dennoch gab es auch die klassische „Schreibtischtäterin“, als Beamtinnen, die an der Transformation von antisemitischer und rassistischer Ideologie in verwaltbare Vorgänge beteiligt waren. Sie organisierten in der Verwaltung die Deportation der jüdischen Bevölkerung, stellten das Vermögen von Juden fest, recherchierten in Mietverträgen und Meldeämtern nach Juden bzw. nutzen diese Infos auch aus, um sich selbst bei der Arisierung zu bereichern. Die direkte Bereicherung war aber äußerst selten, eher gingen die Frauen am Schreibtisch fleißig ihrer Arbeit nach.

 

KZ-Aufseherinnen mit SS Offizier
KZ-Aufseherinnen mit SS Offizier auf einem Gruppenbild bei einem Ausflug

 

Neben der Verwaltung suchten auch die NS Organisationen fleißige Helfer. Die Frauen im Dienste des BDM oder der Partei sind hier nicht gemeint, auch soll die Wehrmacht als Arbeitgeber außen vor gelassen werden. Hier sollen mehr die Angebote der SS im Mittelpunkt stehen, die vielen Frauen einen Rahmen bot, in dem sie tätig werden konnten. Vor allem die mit Frauenanteil unter den Häftlingen brauchten Aufseherinnen, wobei ab 1938 im Frauenlager Lichtenburg zum ersten Mal SS-Aufseherinnen eingesetzt wurden. Die Frauen waren dabei direkt mit den weiblichen Häftlingen in Kontakt und übernahmen eine äußere Bewachung nicht. Die Bewachung der Zäune, der Tore und Baracken wurde durch Männer in SS Rängen ausgeführt. Den direkten Kontakt, das Zählen, untersuchen und die Begleitung bzw. „Betreuung“ im Alltag übernahmen die Frauen. Die Ausbildung zur SS-Aufseherin erfolgte bis 1944 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, wobei rücksichtsloses, gewalttätiges und bedingungslos gehorsames Verhalten die besten Aufstiegschancen garantierten. Insgesamt waren 10% des Wachpersonals weiblich. Rechtlich waren sie Angestellte der SS.

 

SS-Furien

Die SS-Furien

Die gefangenen Frauen wurden von vertierten SS-Weibern mit Peitschen vielfach zu Krüppeln geschlagen. In manchen Monaten waren im Lager bis zu zehntausend Frauen. Sie wurden genau so wie die Männer behandelt, nur mit dem einem Unterschied, daß sie von SS-Weibern bewacht wurden. Wir wollen über eine dieser Furien erzählen, die im Unteroffiziersrang stand und Oberaufseherin der Frauenbaracken war. Leider ist es bisher noch nicht gelungen, ihren Namen festzustellen, weil sie bei allen einfach nur unter der verstümmelten deutschen Bezeichnung "Lagerseherka" bekannt war. Diese "Lagerseherka" erschien nie ohne eine Peitsche. Ein zwei Meter langer, elastischer Stahldraht, umwickelt mit Gummi und mit Leder bespannt, das war die Peitsche. Die "Lagerseherka" war eine mißgestaltete hagere Megäre, die sich durch perversen Sadismus auszeichnete und halb verrückt war. Bei der Morgen- und Abendkontrolle suchte sie unter den erschöpften und abgemagerten Frauen die hübscheste aus, die noch mehr oder minder menschlich aussah, und schlug sie grundlos mit der Peitsche auf die Brust. Wenn das Opfer, von diesem Schlag getroffen; zu Boden fiel, erhielt es einen zweiten Peitschenschlag zwischen die Beine, wohin dann ein dritter Stoß mit dem beschlagenen Stiefel folgte. Gewöhnlich konnte sich eine solche Frau nicht mehr erheben und mußte, bevor sie aufstand, noch lange auf dem Boden kriechen, wobei sie Blutspuren hinterließ. Nach einer oder zwei solcher Mißhandlungen wurden die Frauen zu Krüppeln und starben bald. Es fällt schwer, über all das zu sprechen. Es bleibt nur noch zu hoffen, daß dieses entsetzliche Geschöpf und Tausende, die ihr gleichen, beim Namen genannt, ausfindig gemacht und hingerichtet werden, also wenigstens den hundertsten Teil der verdienten Strafe büßen werden.

(Ausschnitt aus Quellen des Gelsenzentrums)

 

KZ-Auschwitz Ankunft ungarischer Juden

Von Bundesarchiv, Bild 183-N0827-318 / CC-BY-SA 3.

 

Es kam aber zur Mitgliedschaften von Frauen in der SS, konnten also auch in den Rängen der SS aufsteigen. So bot das weibliche Nachrichtenkorps der SS eine Chance für diesen Karriereweg. Man brauchte zunehmend qualifizierter Funker, Fernschreiber, Stabshelfer, Mechaniker und Krankenhelfer, also Aufgaben, die durchaus auch von Frauen bewältigt werden können. Auch sah man diese SS Frauen in den besetzten Gebieten, als Mitglieder der SS-Polizeiregimenter und auch in der Waffen-SS als Fernsprech-, Fernschreib- und Funkanlagentechnikerinnen. Gegen Kriegsende gab es 10.000 Frauen im weiblichen SS-Korps. Die Frau in der SS konnte also Einblick in alle Bereiche des SS nehmen oder war zu mindestens am bürokratischen bzw. kommunikativen Verkehr beteiligt. Die Spitze dieser SS Frauen bildete Reichsfrauenführerin Gertrude Scholz-Klink, die die Führungsrolle für die Frau im schwarzen Orden übernahm. Dies war aber auch schon die einzige Frau, die den Machtzirkeln der NS und somit auch deren Entscheidungen scheinbar nahe kam. So haben wir durchaus viele verurteilte SS Frauen auf den Anklagbänken nach Kriegsende, aber bei den wichtigen Prozessen fehlen Sie. Die Frau einfach nur Helferin und eine entscheidungsrelevante Größe im System. Trotzdem haben wir hier eine Gruppe von Frauen noch vergessen, die Ehefrauen der in KZs eingesetzten SS-Männer. Sie hatten Kenntnisse über die Gräueltaten, unterstützen ihrer Männer aus moralischer Perspektive und hatten KZ-Häftlinge als Hauspersonal um sich. Sie lebten von Taten ihrer Männer, nicht so sehr durch das Gehalt der SS, sondern eher durch die Vorzüge, die das Lagerleben für solche Frauen bereithielt. Ihre Garderobe stammt oft aus beschlagnahmten Sachen bzw. wurde durch solche bezahlt. Ihr Tag war geprägt durch die Dienerschaft der Häftlinge, was Sie durchaus für sich nutzen und so manchen auch in ihren Diensten Qualen erleiden ließ.

 

So hatten Frauen durchaus ihren Platz in den Machenschaften des NS Systems, seinen Verbrechen an der Menschlichkeit und Vorgängen in den Lagern. Ihr Aufgabengebiet war zwar typisch fraulich angelegt, doch wuchs im Laufe des Krieges, auch in Folge des Männermangels. Die Berufsgruppen fangen bei den Ärztinnen, Lehrerinnen, Auseherinnen, anderen Helferinnen an und enden bei den Frauen der SS Größen, wie auch Magda Goebbels und den anderen „besseren Hälften“ der NS Elite.

 

Helferinnen der SS

Helferinnen der SS

Elisabeth Bachner
Dienststellung: KZ-Außenkommando vom KZ Mauthausen in Lenzing (Oberösterreich)
Luise Ballreichs
Dienststellung: Arbeitserziehungslager (AEL) Rudersberg
Jenny Wanda Barkmann
Dienststellung: -----
Sydonia Bayer
Dienststellung: Ravensbrück, (auch Sidonia Bayer) exekutiert
Elisabeth Becker
Dienststellung: -----
Erna Beilhardt
Dienststellung: Ravensbrück
Jane Bernigau
Dienststellung: ------
Herta Bienck, (auch: Herta Bieneck)
Dienststellung: Majdanek seit 1. Juni 1943
Dorothea Binz
Dienststellung: -----
Erna Boden
Dienststellung: -----
Grete Boesel
Dienststellung: -----
Hermine Böttcher
Dienststellung: Ravensbrück
Johanna Bormann
Dienststellung: -----
Hertha Bothe, (auch Herta Bothe)
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Rosa Brandl
Dienststellung: Arbeitserziehungslager (AEL) Berg am Laim
Therese Brandl
Dienststellung: -----
Hermine Braunsteiner-Ryan
Dienststellung: -----
Luise Brunner
Dienststellung: Ravensbrück
Franiska Buchinger (nach Heirat: Franziska Steindl)
Dienststellung: Ravensbrück
Luise Danz
Dienststellung: -----
Anna David (SS)
Dienststellung: Majdanek
Helene Dörnbrach (auch: Helene Dornbach)
Dienststellung: -----
Margot Drechsel
Dienststellung: -----
Hertha Ehlert (auch Herte Ehlert)
Dienststellung: -----
Else Ehrich
Dienststellung: -----
Elisabeth Ernst
Dienststellung: Majdanek
Ruth Ertl
Dienststellung: Majdanek
Gertrude Fiest, (auch Gertrud Feist)
Dienststellung: Bergen-Belsen,Ravensbrück
Ida Forster
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Ilse Forster
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Margarete Maria Gallinat
Dienststellung: -----
Ilse Göritz
Dienststellung: -----
Irma Grese
Dienststellung: -----
Martha Haake
Dienststellung: -----
Hildegard Hahnel
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Louise Halata
Dienststellung: Majdanek
Irene Haschke
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Gertrud Heise
Dienststellung: Bergen-Belsen, Majdanek /15 Jahre Haft
Anna Hempel
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Ruth Elfriede Hildner
Dienststellung: -----
Kaethe Hoern
Dienststellung: -----
Christine Holthöwer
Dienststellung: Ravensbrück
Wanda Klaff
Dienststellung: -----
Anna Friederike Mathilde Klein (Anne Klein)
Dienststellung: 1942-1944 Ravensbrück
Charlotte Klein
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Ilse Koch
Dienststellung: -----
Anneliese Kohlmann
Dienststellung: Bergen-Belsen
Liesbeth Krzok
Dienststellung: -----
Hildegard Lächert
Dienststellung: -----
Johanna Langefeld
Dienststellung: -----
Martha Linke
Dienststellung: Bergen-Belsen
Hildegard Lisiewitz
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Elisabeth Lupka
Dienststellung: -----
Emilie Macha
Dienststellung: Majdanek
Maria Mandel
Dienststellung: -----
Elisabeth Marschall
Dienststellung: -----
Elisabeth Maselow
Dienststellung: Majdanek
Charlotte Mayer
Dienststellung: Majdanek, Ravensbrück
Anna Meinel
Dienststellung: Majdanek
Margarete Mewes
Dienststellung: -----
Elfriede Mohneke
Dienststellung: -----
Ruth Neudeck (Ruth Closius)
Dienststellung: -----
Hildegard Neumann
Dienststellung: Theresienstadt
Gertrude Neumann
Dienststellung: Ravensbrück
Herta Oberhäuser
Dienststellung: -----
Klara Opitz
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Alice Orlowski
Dienststellung: -----
Ewa Paradies
Dienststellung: -----
Erna Pfaunstiel
Dienststellung: Majdanek
Erna Petermann
Dienststellung: -----
Margarete Rabe
Dienststellung: -----
Gertrud Rabestein
Dienststellung: -----
Rosemarie Reichel
Dienststellung: Majdanek
Gertrud Rheinholt
Dienststellung: Ravensbrück
Elfriede Rinkel
Dienststellung: -----
Gertrude Sauer
Dienststellung: Bergen-Belsen, Ravensbrück
Anna Schabert
Dienststellung: Majdanek
Ida Schreiter
Dienststellung: -----
Gertrud Slottke
Dienststellung: Reichssicherheitshauptamt, Referat IV B 4 (Judenreferat) beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei (BdS) in den Niederlanden, Kriegsende in Ravensbrück
Ilse Steinbusch
Dienststellung: Ravensbrück
Gerda Steinhoff
Dienststellung: -----
Maria Stromberger
Dienststellung: -----
Rosi Süss (auch Rosi Süß)
Dienststellung: Majdanek, Ravensbrück
Marta Ulbrich
Dienststellung: Majdanek
Ilse Vettermann
Dienststellung: Ravensbrück
Inge Viermetz
Dienststellung: -----
Elisabeth Volkenrath
Dienststellung: -----
Erna Wallisch
Dienststellung: -----
Frieda Walter
Dienststellung: Ravensbrück, Bergen-Belsen
Charlotte Weber
Dienststellung: Majdanek
Charlotte Wöllert (auch: Charlotte Wollert)
Dienststellung: Majdanek
Joanna Zelle
Dienststellung: Majdanek
Emma Zimmer
Dienststellung: -----
Elfrida Zimmermann
Dienststellung: Majdanek

 

Nachkriegszeit

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg kommen die helfenden Frauen in der Vernichtungmaschinerie ein Gesicht. So auch Irma Grese „Hyäne von Auschwitz", mit 15 als Hilfsschwester im SS-Sanatorium Hohenlychen die ersten Erfahrungen machen können, kam sie, nach mehrfacher Ablehnung einer Ausbildungsstelle zur Krankenschwester, eine Arbeit als Aufseherin im KZ Ravensbrück. Sie wurde später nach Auschwitz-Birkenau versetzt und hatte als letzten Rang am Standort Bergen-Belsen den einer „Kommandoführerin" inne. „Nr. 9, Grese, war Aufseherin verschiedener Arbeitskommandos und zeitweilig Aufseherin des Frauenstraflagers in Auschwitz. Sie wurde als die schlimmste Frau des ganzen Lagers beschrieben. Es gab keine Grausamkeit im ganzen Lager, mit der sie nicht in Verbindung gebracht wurde. Sie hat regelmäßig an Selektionen für die Gaskammer teilgenommen, folterte nach eigenem Belieben und Ermessen. In Belsen setzte sie dieses grausame Verhalten genauso fort. Ihre Spezialität war es, abgerichtete Hunde auf wehrlose Menschen zu hetzen."

 

Irma Grese (1945)

Irma Grese (1945)

 

Sie wurde verurteilt und nahm die Verkündung in der Vollzugsanstalt Hameln ohne eine Reaktion in ihrem Gesicht hin. Es folgte ihrem Schicksal, die Tode durch den Strang, am selben Tag noch Elisabeth Volkenrath und Johanna Bormann. Alle berüchtigten Auseherinnen in Konzentrationslagern, die später durch Zeugenaussagen von Insassen schwer belastet wurden und der Öffentlichkeit ein schreckliches Bild von diesen Frauen mit Engelsgesichtern gab. Für die deutsche Öffentlichkeit hieß dies nur eins, irgendwie war jeder dabei und doch versuchte jeder sich von der Last zu befreien. Das sogar Frauen sich dieser schrecklichen Verbrechen schuldig gemacht haben, lässt es manchen Leuten schwer fallen auf diese Frauen zu zeigen und sagen „sie sind schuld“. Es waren doch nur Frauen …
… solche die man auf heute gefundenen Fotos, als SS-Helferinnen fröhlich mit SS Offizieren bei einem Lage des KZ Ausschwitz schäkern sieht. Die Frau als unbeschwerte Person auf Fotos, die am nächsten Tag wahrscheinlich wieder ihre Tätigkeit als Schlägerin von Insassinnen und skrupellose Aufseherin ihren Dienst für den NS Staat nachgeht. "Diese Fotos unterstreichen, wie sie das Leben genossen, während sie gleichzeitig unvorstellbares Leid beaufsichtigten." / "Auf den Fotos ist nichts Schreckliches zu sehen, noch nicht einmal ein Gefangener im Hintergrund" / "Und genau das macht sie so furchtbar." (Judith Cohen, Washingtoner Holocaust-Museums) Die SS-Helferinnen kommen fröhlich, gut genährt und vergnügt daher. Kein Anzeichen von Belastung oder moralischen Bedanken ihrer Tat. Leider gibt es keine Bilder vom Lageleben der Frauen in SS Uniform aus Ravensbrück, einem Dorf an der Havel, 90 Kilometer nördlich von Berlin, das im Mai 1939 eigens für Frauen errichtet wurde. Hier wurden auch Frauen als Aufseherinnen ausgebildet, insgesamt 3500 Frauen, und dann vom Ausbildungslager Ravensbrück als Gefolge der SS auf die verschiedenen Lager aufgeteilt. Natürlich alle mit einem Festvertrag, verbindlichen Arbeits- und Urlaubszeiten, wie bezahlt nach der Tarifordnung für Angestellte im öffentlichen Dienst. Bisher sind knapp 2400 Frauen bekannt, die in verschiedenen Tätigkeiten für die SS tätig waren. Dabei schwankt die Zahl ja nach fester Einbindung in die Hierarchie der SS oder ob im losen Angestelltenverhältnis. Nur diese Frauen trugen als sichtbares Merkmal ihrer Zugehörigkeit die SS-Runen an ihrer Uniform. Sie bildeten innerhalb des SS-Gefolges den größten Anteil des weiblichen Hilfspersonals der SS. Die Aufseherinnen, die in den Konzentrations- und Arbeitslagern als Wachmannschaften arbeiteten, waren meist nur angestellt und selten direkt dem SS System unterstellt. Sie kamen freiwillig zum Dienst in den Konzentrationslagern und folgten diesem Ruf vor allem wegen der für Frauen guten finanziellen Vergütung (25 Jahre, ledig: 105 RM und Überstundenzuschlag 35 RM). Ausgeschrieben wurden diese Stellen als „körperlich nur bedingt anstrengend“ und mit „leichter Bewachungstätigkeit“. Die Ausbildung betrug meist nicht mehr als vier Wochen und umfasste neben weltanschaulicher Schulung auch praktische und theoretische Grundlagen im Zusammenhang mit der Lager- und Häftlingsführung. Nach einer dreimonatiger Probezeit wurden Sie dann „vollwertige“ Auseherinnen, die eigenständig mit Häftlingen im Lager arbeiten durften. Sie waren denselben Verhaltensregeln wie alle anderen KZ Aufseher unterworfen und wurden auch bei Vergehen bestraft. Dazu gehörte auch das Verbot willkürliche Misshandlungen durchzuführen. Trotzdem waren diese an der Tagesordnung und die Regeln für die Häftlinge umso mehr durchgesetzt.

 


"SS-Helferinnen können nach zweijähriger Zugehörigkeit zum SS-Helferinnenkorps, soweit sie sich bewährt und stets eine klare, der deutschen Frau würdige Haltung bewiesen haben, dem Chef des Fernmeldewesens namhaft gemacht werden zwecks Überprüfung der Vorschlagsmöglichkeiten zur Verleihung der Silberspange für SS-Helferinnen (bisher Brosche genannt) durch den Reichsführer-SS. Bei der Namhaftmachung ist strengster Maßstab anzulegen."


Nachbetrachtung

Die Forschung nimmt heute an, dass diese Tätigkeit durchaus begehrt war unter den Frauen, war es doch eine Chance aus dem Gefüge der typischen Frauen und Mutter im nationalsozialistischen Gefüge herauszukommen. Die Frau als Einzelperson war nicht mehr existent, es gab nur die Volksgemeinschaft und der Platz der Frau in ihr. Mit den Möglichkeiten und Aufgaben der Frauen im Kriegseinsatz und an der «Heimatfront», konnte man diesem Bild entrinnen und individuelle Erfolge für das Reich vorbringen. Für manchen Frauen ein Gefühl der Emanzipation und Teilhabe an der Macht, welche Sie an den Häftlingen ausleben konnten. Die Silberspange für SS-Helferinnen ist ein Ausdruck des System, sich der Hilfe und dem Dienst der Frauen gewiss zu sein. Die Spange mit der Inschrift „H E L (SS) F E N"- die Silberspange für SS-Helferinnen, wurde am 28. Juli 1943 gestiftet und dient „als Anerkennung für gute Leistungen und eine klare, saubere, der deutschen Frau würdigen Haltung“ (Dienstordnung für SS-Helferinnen vom 28. Juli 1943). Sie wird den SS-Helferinnen nach einer bestimmten Zeit, auf Vorschlag des Chefs des Fernmeldewesens, verliehen und durch eine Urkunde bestätigt, eine mit Nummer versehene Silberspange verliehen.
So warb man ein spezielles Frauenbild an, starke Frauen, die im Umgang mit Macht geübt und vertraut sind. Solche Frauen, die Macht wollen, die genießen und Männern, bei der Anwendung von Gewalt, Herrschaft und Machtausübung, gleichgestellt sind, vielleicht sie sogar überflügeln können. Andere zeitzeugen dagegen berichten, die Aufseherinnen seien durchaus human gewesen, zu mindestens der große Teil, und hat eine Behandlung gewährleistet, die nicht annähernd so brutal wie die der Männer war.
 



«Nicht dass man sie in Schutz nehmen soll, aber sie werden überschätzt. [...] Ich glaube, auf Grund dessen, was ich [...] selbst erfahren habe, dass sie im Durchschnitt weniger brutal waren als die Männer [...]»
US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Ruth Klüger



Inwiefern dies zustimmt und die Frauen den Verlockungen, Angeboten, Ideologie und Gruppenzwang in den KZs erlegen sind, ist heute nur noch schwer festzustellen. Es hat definitiv Ausnahmen gegeben, gute wie schlechte! Dennoch dienten diese Frauen dem NS-Staat auf vielfältige Weise. Von der Oberaufseherin (höchste Funktion in einem Frauen-Konzentrationslager), Rapportführerin (Bindeglied zwischen dem Lager und der Oberaufseherin), Blockführerinnen (innerhalb des Lagers tätig: Appelle, Einteilung , Auswahl und Anleitung von Häftlingen), Aufseherinnen (letzte Glied in der SS-Befehlskette) und Arbeitsdienstführerinnen (Organisation und Überwachung). Neben der SS sind natürlich die Frauenschaftsführerinnen, Arbeitsmaiden, Sekretärinnen und Ehefrauen von SS-Männern nicht zu vergessen. Sie bilden die «Sippengemeinschaft» des Ordens unter dem Totenkopf, die ihre Männer unterstützten. Zwischen 1933 und 1945 wurden rund 240.000 SS-Ehen geschlossen. Sie waren die Mütter, Erzieherinnen und vor allem aber das linientreue bzw. folgsame Rückgrat der männerdominierten SS Welt. Die Rassenideologie gab Ihnen einen Platz in der Volksgemeinschaft und sie füllten ihn aus bzw. handelten ganz im Sinne dieser Gemeinschaft. Auch weil Sie meist nur im Hintergrund standen, Helferinnen und Unterstützer waren, kamen Frauen in der Nachkriegsjustiz in aller Regel glimpflich davon. Die wenigen „Monster“ wurden natürlich hochgespielt, wobei Sie immer als Ausnahme von der Regel dadurch gelten sollten. Eine oftmals fehl interpretierte Annahme der Justiz, die viele Männer wegen gleicher vergehen weit höher bestrafte, und eine „bequeme Lebenslüge, es habe keine oder kaum verantwortliche NS-Täterschaft von Frauen gegeben“. Heute ist klar, die Frauen haben bewusst gehandelt und waren sich der auch Konsequenten bei einem verlorenen Krieg gewiss. Es ist bewiesen, dass Frauen ebenso der ideologischen Linie anhangen, derer verfallen waren und es zur „Nachahmungserscheinungen im Zuge der Anpassung an männliche Vorbilder“ gekommen sind. Der Wille des Führers wurde auch von den Frauen ohne Rücksicht auf anderes Menschenleben ausgeführt, mit begrenzter Machtfülle des nötigste getan und die Rolle als „Führerinnen im Führerstaat“ angenommen. Zwar haben wir hier kurz die extremsten Fälle der Frauen in der SS vorgeführt, die zumeist ohne Unrechtsempfinden ihrer Arbeit nachgingen, aber die Fürsorgerinnen, Krankenschwestern, Sekretärinnen der Gestapo, Nachrichtenhelferinnen der Wehrmacht und anderen Frauen in Berufen, die den Schrecken des Kriegs mit geführt, gelenkt und organisiert haben. Die Gesamtheit der Täter sollte die Frauen nicht ausschließen. Frauen, die Juden terrorisierten, denunzierten, rassische Vormachtstellung ausnutzten und dadurch eigene Interessen durchzusetzen versuchten. Auch diese Taten wurden zur Rechenschaft gezogen, sind aber der Öffentlichkeit nur zum Teil bekannt und auch in ihrer Zahl nur in geringfügigen bzw. wenigen Verurteilen ausgeführt worden.