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Das Thema

Das Nanking-Massaker

 

 

Vorwort

Vorwort



Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, in dem Japan auf den Seiten der Entente gekämpft hatte, konnten die damaligen deutschen Territorien Kiautschou, die Marianen, Karolinen, Marshall-Inseln und Palau übernommen werden. In der damals als Taishō-Ära bekannten Zeit, durchlebte Japan eine ähnliche Entwicklung wie seinerzeit Deutschland in der Weimarer Republik, und ebenso scheiterten erste aufkeimende demokratische Bewegungen. Konservative Kreise und das Militär gewannen mehr und mehr an Bedeutung und führten Japan, unter dem Deckmantel der allmächtigen Führung des Tennō Hirohito, „dem vom Himmel gesandten Herrscher“, in das Zeitalter des Shōwa. Einem totalitären Staat, zu welchem auch Deutschland im sogenannten „3.Reich“ werden sollte. Die absoluten Herrschaft des Tennō jedoch, beruhte nicht auf der, zunächst erwählten und später erzwungenen Diktatur wie der Deutschlands, sondern war tief verwurzelt in der Tradition und der (vererbten) und tief verehrten Göttlichkeit des Kaisers, seinem gottgegebenen und nicht anzuzweifelnden Rechtes. Eine Tatsache, die viele für den Westen als unverständlich und nicht rational erscheinenden Taten der Japaner, sowie des einzelnen in der Gesellschaft rückwirkend, eher verständlich werden lassen. Mehr noch als Fanatismus und Propaganda waren es diese tiefe Überzeugung in der Gesellschaft, welche noch aus mittelalterlichen Strukturen heraus bestanden.
Es bestand die Überzeugung, dass das die Interessen des Einzelnen zum Wohle des ganzen Volkes unterzuordnen war. Der Satz „Stärke durch Einheit“ traf in der damaligen Zeit auf kein Volk so sehr zu wie auf das Japanische. All dieses konnte von der machthabenden Generalität unter Zustimmung des Kaisers ausgenutzt werden, um Ihre Position zu stärken. Eine blinde und fanatische Aufopferungsbereitschaft, wie die der späteren „Kamikaze“ Flieger, wären nach heutigem Maßstab eher mit radikal-religiösen Selbstmordattentätern, als mit denen verblendeter/verzweifelter Deutscher Soldaten oder Hitlerjungen zum Ende des Krieges zu vergleichen. Das japanische Volk glaubte somit fest an sein gottgegebenes Recht der „Superiorität“, die Vormachtstellung in Asien innezuhaben und „minderwertige Rassen“, wie Chinesen oder Koreaner zu beherrschen. Dieses und die gleichzeitig totalitäre Kontrolle der Bevölkerung, ließ keinerlei Opposition zu.
Bedingt durch die japanische Mentalität, Fehler als Schande anzusehen (selbst heute noch in vielen Situationen zu erkennen) wurden alle während dieser Zeit verübten Taten eher totgeschwiegen als zugegeben. Entschuldigungen stehen im direkten Kontrast zur Japanischen Tradition, da hierdurch „das Gesicht verloren“ wird. Dieses mag ein Grund dafür sein, dass die Japanische Kriegsgeschichte, anders als die des 3. Reiches in Deutschland, bis heute nur mangelhaft aufgearbeitet wurde und eher Schweigen und Ignoranz als offene Diskussion bestehen. Viele Begebenheiten werden bis zum heutigen Tage in Japan abgestritten. Einem der während der 30er Jahre unbestreitbar geschehenen Gräuel soll dieser Bericht gewidmet sein - dem Massaker von Nanking.
 

 

Showa Ära

Die Shōwa-Ära

 

Japan, innerlich erstarkt in nationaler Einheit, vereint unter dem Banner der „aufgehenden Sonne“, einem schon selbst symbolträchtigen Bild, strebte zu Beginn der 30er Jahre eine koloniale Ausweitung, wie sie es noch nie in der Geschichte des Landes gegeben hatte, an. Die Besetzung neuer Gebiete und Kolonien sollten endgültig die Vormachtstellung sichern und Japan unumkehrbar in das 20. Jahrhundert führen, sowie ausreichende Ressourcen für das Aufstrebende und wachsende Land sichern. China, selbst in den letzten Jahren durch zahllose Unruhen, Bürgerkrieg und die Herrschaft verschiedener Kriegsherren völlig zerschlagen und uneins, bot sich für Japan als ideales Ziel seiner Expansion an. Die Mandschurei wurde nahezu in einem Handstreich von japanischen Truppen 1932 besetzt und zum Königreich Mandschuko, unter der „Herrschaft“ des ehemaligen Chinesischen Kaisers Pu Yi, ernannt.

 


(Skulptur im Nanking Massaker Museum)

 

Es begann im Jahr 1931...
Am 18. September wurde eine Eisenbahnbrücke in der Nähe der Südmandschurischen Stadt Mugden bei einer Explosion schwer beschädigt. Das Japanische Gouvernement machte umgehend vermeintliche Rebellen dafür verantwortlich und besetzte noch in derselben Nacht. Der sogenannte „Mugden Zwischenfall“ wurde zum Auslöser der Besetzung der Mandschurei. Alle Appelle Chinas an den Völkerbund und dessen Aufforderung an Japan, sich auf Grund der Verstöße gegen den Briand-Kellog Pakt, die Satzung des Völkerbundes, sowie das Neun Mächte Abkommen aus der Mandschurei zurückzuziehen, verhallten ergebnislos. Am 18. Februar 1932 wurde die Mandschurei zum Sattelitenstaat Japans. Erst ein Jahr später, nach dem verhängnisvollen Bombardement von Shanghai und dessen anschließende Besetzung, in dem nahezu 20.000 Menschen getötet wurden sowie der Eroberung zahlreicher andere Chinesischer Provinzen, trat Japan, nach erneuten Protesten des Völkerbundes, einfach aus der Staatengemeinschaft aus. Sowohl im Falle Japans, als auch Deutschlands sollte sich die Hilflosigkeit des Völkerbundes, des direkten Vorgängers der „Vereinten Nationen“

 

In den folgenden Jahren sollte China, das Land und die Leute unter der gnadenlosen Herrschaft zu leiden haben



Ein Schusswechsel zwischen chinesischen und japanischen Soldaten, auf der Marco Polo Brücke am 7. Juli 1937, löste den von japanischen Nationalisten schon länger vorbereiteten Krieg gegen das zerrissene China aus. Der chinesische Bürgerkrieg zwischen Tschiang Kai-Schecks Kuomintang-Regierung (den konservativen Kräften) und den Kommunisten unter Mao-Tse Tung, ging in einen gemeinsamen Abwehrkampf gegen Japan über. Der Beginn des Japanisch-Chinesischen Krieges.

Vormarsch

Der Weg nach Nanking

 

 

 

Noch vor Sonnenaufgang des 5. November 1937 landete die 6. Division (Kumamato), die 18. Division (Kurume) und die 114. Division (Utsunomiya), unter starkem Gegenfeuer an einem Flussarm des Hangzhou Flusses in der Nähe von Jinshanwei. Es handelte sich um eine Geheimoperation unter dem Schutz von mehr als 100 Schiffen der kaiserlichen Marine und es sollte der Beginn der bis dahin größten geplanten Operation der Japaner und dem Niedergang der Hauptstadt Nanking nach mehr als dreißig Tagen werden. Weitere 5 Divisionen der Japaner änderten Ihr Ziel nach verstärktem Wiederstand der Kuomintang ebenfalls auf Nanking. Die nun mehr als 100.000 Mann starke 10. Armee der "Schanghai Expeditionsarmee", unter General Matsui, waren bereit zum Sturm auf die Stadt.

Die Japanische Zeitung Asahi Shimbun titelte damals:

 

"Offizielle Bekanntmachung des Kriegsministeriums: Teile der Arme konnten mit der Unterstützung der Seestreitkräfte eine komplizierte Landung unter schwerem feindlichen Feuer nördlich der Hangzhou bay durchführen. Die Landung war ein großer Erfolg."

 

Direkt nach der Landung wurden Zahlreiche Ballons gestartet, welche mit Propaganda Blättern verkündeten "Eine Million Japanische Soldaten nördlich von Hangzhou gelandet!" Sie sollten die Moral der Nationalistischen Truppen untergraben. Auch wenn es sich bei den gelandeten Truppen um weit weniger als eine Million gehandelt hatte verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Die Truppen der Kuomintang flohen nach Norden..

Die Memoiren eines Japanischen Soldaten aus dieser Zeit, Hino Ashihei, sollten noch später als Zeugnis vieler Kriegsgegner zitiert werden obwohl dieser es seinerzeit nicht mit der direkten Absicht geschrieben hatte. Folgend ein Zitat aus Hinos Schriften über die Eroberung eines Bunkers.

 

"Die Chinesischen Soldaten strömten aus dem Bunker, eigentlich sahen alle genauso wie Japaner aus. Es schien, als wären Sie von einer Handgranate erwischt worden und so kamen sie alle nacheinander hervor, der eine nach Luft ringend, der andere mit verkohltem Gesicht. dem einen war das Kinn weggesprengt worden, dem anderen hing die linke Backe in Fetzten vom Gesicht. Sie krümmten sich, hielten die Hände zusammen mit einem nach Gnade winselnden Gesichtsausdruck.....Wir dachten, dass niemand mehr drin war, doch dann hörte ich ein wimmern und Stöhnen aus der Dunkelheit. Ich konnte weitere Soldaten auf dem Boden im Dreck liegend entdecken. Ich fuhr mit meiner Hand zur Pistole. Doch es war kein stöhnen, sie alle weinten jämmerlich. ich bückte mich herunter und berührte einen der Soldaten. "Lai, Lai" sagte ich "komm, Komm" Sie standen schließlich auf. Es kamen junge Gesichter zum Vorschein, es waren noch Kinder. Sie lehnten sich an mich und sagten etwas. ich konnte sie natürlich nicht verstehen. Einer von Ihnen nahm ein Notizbuch aus seiner Jacke und zeigte mir ein Foto.. Es war das Foto seiner Mutter. ich konnte erahnen was sie sagten und es schien als wären sie Brüder. Sie flehten mich an sie nicht zu töten, und ich ließ sie vor mir aus dem Bunker gehen und stimmte zu sie nicht zu töten..Ein unbeschreiblicher Gesichtsausdruck des Glücks kam über die Gesichter der Jungen..Ein Soldat nahm sie in Empfang und führte sie in das Lager. Als ich später in das Lager zurückkahm und nach den Gefangenen fragte sagte Yoshida: "Wir haben sie alle getötet!". ..36 Mann lagen mit Elektrokabeln gefesselt in einem schlammigen Graben, erschossen..Als ich gerade weggehen wollte sah ich, wie einige der Körper sich noch bewegten. Ein junger Soldat lag da auf all den Leichen und schaute mich stumm an. Sein Gesichtsausdruck, so klar und direkt erschreckte mich. Er zeigte mit seiner Hand auf seinen Brustkorb und wollte mir sagen, dass ich Ihn töten solle... ich zögerte nicht und drückte den Abzug. Truppführer Yamazaki kam zu mir angerannt und schrie mich an "warum ich im Angesicht des Feindes einen Schuss verschwendet hätte?" ich wollte Ihn fragen "warum er so etwas schreckliche getan hätte" aber ich konnte nicht. Ich ging schweren Herzens"

 

Die Hauptstreitmacht der Japaner rückte weiter nach Norden vor, alles vernichtend, was Ihnen in den Weg kam. Verbrannte Hütten, Menschen getötet wie Vieh. Das Oberkommando gab die "drei Regeln" aus "Verbrennen, Töten, Plündern!". Ganze Dörfer wurden vernichtet, überall die Kadaver von Mensch und Vieh. Alleine auf dem Weg fielen hunderte von Chinesinnen und sogar Kinder der Vergewaltigung durch Soldaten zum Opfer. So wurden die, die nicht rechtzeitig fliehen konnten mit den Bajonetten aufgespießt oder bei lebendigem Leibe in Ihren Hütten verbrannt.
Innerhalb von 3 Tagen waren 80% der Siedlung Jinshanwei vernichtet. Es wurden 1,015 Tote gezählt.

Nur eine weitere Siedlung von vielen, die den Japanern zum Opfer fiel war Shanyang. Es wurde berichtet, dass von den 351 Toten 137 älter als 60 Jahre alt, 21 Kinder und die restlichen im mittleren Alter waren. 2048 Menschen wurden zur Zwangsarbeit rekrutiert, von 72 von Ihnen wurde nie mehr etwas gehört. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Bevölkerung von Shanyang ca. 15.000 Menschen. 957 Wassermühlen wurden zerstört, ca. 18 Hektar erntereife Reisfelder sowie ca. 35 Kubik Tonnen Reis wurden verbrannt. desweiteren wurden unbestimmte Mengen an Baumwolle sowie 2,335 Klafter Brennholz vernichtet.

 

 

 

In einem kleinen Dorf namens Yangjia wurden 123 der 130 Häuser niedergebrannt und 49 Menschen getötet. Insgesamt wurden 12 ganze Familien ausgelöscht. Pei Yinbao lebte in Yangjia. Ihr Sohn Qi Zugen wurde mit einem Bajonett aufgespießt und Ihr drei Jahre alter Enkelsohn wurde mit einem Messer in zwei Hälften gespalten. Danach schnitten japanische Soldaten Ihr bei lebendigem Leibe die Brüste ab und erstachen sie. Die Tochter Ihres Sohnes, die die Geschichte berichtete, entkam den Tod nur knapp indem Sie sich unter dem Fußboden versteckte.

Im Dorf Jianguo wurde Li Quanbo erschossen, als sie mit Ihrer sieben Monate alten Tochter das Haus verließ. Sie fiel auf einen Reissack und das Baby wurde , immer noch an der Brust der toten Mutter saugend, gefunden. Zhu Jiahe (das Baby) überlebte und starb im Alter von 69 Jahren im Jahr 2006 in Shanghai. Sie hat bis zu Ihrem Tod den Japanern nie verziehen.

Drei Männer aus Xiangyang, Zhue Jiahe, Shen Yougen und Cheng Amei versteckten sich in einem Reisfeld, wurden aber gefunden und in das Haus von Hu Asai verschleppt. Die japanischen Soldaten rissen ihnen die Kleider vom Leib, hackten ihnen Arme und Beine ab und hingen die Gliedmaßen am Giebel auf, danach brannten Sie das ganze Haus nieder.

 

Die Reihe der Gräueltaten auf dem Weg nach Nanking könnte noch unendlich weitergeführt werden....

Das Massaker

Das Massaker von Nanking

 

 

 

Als die 10. Armee Nanking erreicht hatte, folgte ein Bombardement Tag und Nacht. Am 12. Dezember 1937 befahl die völlig hilflose und unterlegene Chinesische Garnison den Rückzug.
Die in Panik geratenen chinesischen Soldaten versuchten krampfhaft sich ihrer Uniformen zu entledigen um in Zivilkleidung fliehen zu können. Es wurde berichtet, dass sogar chinesische Zivilisten überfallen wurden, nur um an die Kleidung zu kommen. Während der Flucht über den Fluss Jangtsekiang wurden zahlreiche Menschen versehentlich von eigenen Truppen erschossen oder ertranken im reißenden Strom.

 

Am 13. Dezember besetzten die Japaner Nanking

 

 

 

In einer sechs Wochen andauernden Orgie der Gewalt wurden nach unterschiedlichen Schätzungen und Berichten zwischen 100.000 und 300.000 Menschen in Nanking ermordet, eine Stadt förmlich ausgelöscht. Völkermord wurde in bis dahin unbekanntem Maße verübt. Schätzungen gehen von mehr als 20.000 Vergewaltigungen aus, die genaue Zahl dürfte allerdings viel höher liegen. Zahlreiche Berichte der Überlebenden und Tagebuchaufzeichnungen der Japanischen Soldaten beweisen diese unumstößliche Tatsache...
Einer Tat, die auch selbst heute in Japan eher verschwiegen als ausgesprochen wird. In ganz Asien herrscht seitdem eine zurückhaltende bis feindliche Haltung gegenüber Japanern
... bis heute.

Während der Besatzung und des Massakers von Nanking, gelang es dem Deutschen John Rabe, welcher für die Firma Siemens in Nanking seinerzeit tätig war, durch die Errichtung einer Schutzzone von mehrenden Quadratkilometern sowie auf seinem eigenen Grundstück mehr als 200.000 Chinesen das Leben zu retten. Nach Rabes Rückkehr 1938 nach Deutschland konfrontierte er die Deutsche Führung mit den Gräueltaten und erhoffte, dass diese auf die Japaner Einfluss nehmen könnten. Seine Hoffnungen verliefen im Sand und er wurde sogar kurzzeitig von der Gestapo verhaftet. Zum Schweigen verurteilt wurde er schließlich entlassen. Seine Erinnerungen sind heute in den veröffentlichten persönlichen Tagebüchern, als schockierendes Dokument der Zeitgeschichte nachzulesen.

 

3 Jahre nach dem Massaker verbündete Deutschland sich mit Japan und bildete mit Italien am 27. September 1940 "die Achse"

Quellen

The Nanjing massacre: a Japanese journalist confronts Japan's national shame – ISBN0-7656-0334-9
Eyewittness to massacre - ISBN07656-0684-4


http://www.nanking-massacre.com/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.uni-hamburg.de/Japanologie/n ... rez_07.pdf (Letzter Zugriff 14.09.2010)



Autor: Gastronaut