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Das Thema

Auschwitz

 


Haupteingang des Stammlagers Auschwitz I mit dem berüchtigten Spruch „Arbeit macht frei“



§ 1 - Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reichs werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Es sind daher Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechts der freien Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegrafen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig.
Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat. Vom 28. Februar 1933

"Dort hinter dem Draht lauert der Feind und beobachtet all Euer Tun, um Eure Schwäche für sich zu nutzen. Jeder, der auch nur die geringste Spur von Mitleid mit diesen Staatsfeinden erkennen lässt, muss aus unseren Reihen verschwinden. Ich kann nur harte, zu allem entschlossene SS-Männer gebrauchen, Weichlinge haben bei uns keinen Platz!"
Theodor Eicke, Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, späterer Kommandeur der Totenkopf-Verbände

Ich weiß, dass es manche Leute gibt, denen es schlecht wird, wenn sie diese schwarzen Uniformen sehen. Wir haben Verständnis dafür und erwarten nicht, dass wir von allzu vielen geliebt werden.
Heinrich Himmler, 1936

Nicht Hitler, Göring,Goebbels, Himmler und wie sie alle hießen haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Und dann haben sie eine Uniform bekommen, eine Binde bekommen und eine Haube , und dann waren sie die Herrenrasse.
Karl Stojka, Wiener Zigeuner, 1943 nach Auschwitz deportiert.

Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden Straßen bauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifelsohne ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird.
Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.
Auszug aus dem Protokoll zur Wannsee-Konferenz, 20. Januar 1942

Als ich das Vernichtungsgebäude in Auschwitz einrichtete, gebrauchte ich also Zyklon B, eine kristallisierte Blausäure, die wir in die Todeskammer durch eine kleine Öffnung einwarfen. Es dauerte 3 bis 15 Minuten, je nach den klimatischen Verhältnissen, um die Menschen in der Todeskammer zu töten.
Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz, in einer eidesstattlichen Erklärung in Nürnberg vom 5. April 1946.

Ich bitte Sie, das, was ich Ihnen in diesem Kreise sage, wirklich nur zu hören und nie darüber zu sprechen. Es trat an uns die Frage heran: Wie ist es mit den Frauen und Kindern? – Ich habe mich entschlossen, auch hier eine klare Lösung zu finden. Ich hielt mich nämlich nicht für berechtigt, die Männer auszurotten, sprich also umzubringen oder umbringen zu lassen – und die Rächer in Gestalt der Kinder für unsere Söhne und Enkel groß werden zu lassen. Es musste der schwere Entschluss gefasst werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen. Für die Organisation, die den Auftrag durchführen musste, war es der schwerste, den wir bisher hatten. […]“
Ich habe mich für verpflichtet gehalten, […] zu Ihnen als den obersten Würdenträgern der Partei, dieses politischen Ordens, dieses politischen Instruments des Führers, auch über diese Frage einmal ganz offen zu sprechen und zu sagen, wie es gewesen ist. Die Judenfrage in den von uns besetzten Ländern wird bis Ende dieses Jahres erledigt sein. Es werden nur Restbestände von einzelnen Juden übrig bleiben, die untergeschlüpft sind.
Heinrich Himmler vor einer Tagung von Reichs- und Gauleitern in Posen am 6. Oktober 1943

Am Tag der Befreiung ritt ein sowjetischer Offizier in das Lager und sagte uns, dass wir frei seien und nach Hause gehen könnten. Aber ich dachte daran, dass meine Mutter nicht zurückkommen würde, ich ahnte, dass meine Schwester tot war, und ich wusste nicht, was meinem Vater und meinem Bruder passiert war und wohin ich zurückgehen sollte. Was für eine Art von Freiheit war das?
Renée Firestone, Überlebende von Auschwitz

 

Vor dem Beginn

 

Wie erklärt man jemanden, was Auschwitz ist?
Wie kann man jemanden begreiflich machen, was hier passiert ist?
Kann man je verstehen, warum es geschehen musste?
Die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen ist das schwierigste und heikelste Thema zugleich. Es ist unangenehm, niemand liest gerne von den vielen Verbrechen, die während des 2. Weltkriegs passiert sind.
Teils kann man es nicht fassen, teils will man es nicht glauben.
Wie geht man also an ein Thema wie Auschwitz heran?
Wie konnte es dazu kommen?
Alles begann mit der Besetzung Polens.
Der erste Schritt zur „Gewinnung von Lebensraum im Osten“ war getan.
Doch was sollte man mit einem Großteil der Polen tun, die man im Reich keinesfalls haben wollte? Was sollte mit den Juden geschehen?

Auschwitz I

Stammlager Auschwitz I

 

Eben diese Fragen stellte man sich damals auch im Reichssicherheitshauptamt. Schnell wurden entsprechende Lösungen gefunden. Um dem Mangel an Arbeitskräften im Laufe des Krieges entgegenwirken zu können, wollte man zunächst alle Arbeitskräfte der deutschen Industrie im Reich zuführen. Nachdem man zunächst alle Menschen in Ghettos getrieben hatte, die man zuvor als „Menschen 2. Klasse“ bzw. „Untermenschen“ bezeichnete, beschloss man, nahe einer kleinen polnischen Stadt namens Oświęcim ein sogenanntes Quarantäne- und Durchgangslager zu errichten. (Oświęcim wurde nach der Eingliederung ins Reich in Auschwitz umbenannt) Aus diesem Durchgangslager wollte man die dringend benötigten Arbeitskräfte aussortieren und der Wirtschaft zuführen.
Auschwitz wurde nicht zuletzt aufgrund der günstigen, verkehrstechnischen Lage ausgewählt. Auschwitz gehörte zum westlichen Teil des Landkreises Bielitz im neu gegründeten Regierungsbezirk Kattowitz, Provinz Schlesien. Der Ort liegt in Südpolen am Fluss Sola, 50 km westlich von Krakau, und bietet die notwendige Anbindung an das Eisenbahnnetz.

 


Das Einzugsgebiet von Auschwitz als SS-Wirtschaftsraum



Das Gebiet um Auschwitz war durch die dort vorhandenen Sand- und Kiesgruben bereits zuvor von Himmler als SS-Wirtschaftsgebiet in Anspruch genommen worden. Gedacht war ursprünglich, das etwa zwanzig Quadratkilometer große Gebiet zwangsräumen zu lassen, um dort im Frühjahr ein Mustergut für Zuchtvieh und Saatgut einzurichten.
Am 1. Mai 1940 erging eine mündliche Anweisung von Reichsführer SS Heinrich Himmler an den künftigen Lagerkommandanten SS-Hauptsturmführer Rudolf Höß, in Auschwitz ein Konzentrationslager zu errichten. Der dazugehörige schriftliche Befehl wurde durch den damaligen zuständigen Inspekteur der Konzentrationslager, Gruppenführer Glücks nachgereicht. Als Höß in Auschwitz ankam, fand er lediglich eine verlassene Kaserne vor und machte sich daran, den Befehl weisungsgemäß auszuführen. Am 20. Mai 1940 bereits traf der erste Gefangenentransport in Auschwitz ein. Dieser erste Transport bestand aus 30 Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen, die unter Aufsicht des SS-Hauptscharführer Gerhard Palitzsch den Kern der Funktionshäftlige im künftigen Lager bilden sollten. Am 14. Juni 1940 trafen dann die ersten 728 polnischen politischen Gefangenen in Auschwitz ein.
 

Die Begrüßung des ersten Häftlingstransports übernahm der Schutzhaftlagerführer Karl Fritzsch mit den bezeichnenden, hoffnungsraubenden Worten:

 

Ihr seid hier nicht in ein Sanatorium gekommen, sondern in ein deutsches Konzentrationslager, aus dem es nur einen Ausweg gibt - durch den Schornstein. Wem das nicht gefällt, der kann gleich in den Draht gehen. Falls sich in dem Transport Juden befinden, so haben sie kein Recht, länger zu leben als zwei Wochen. Falls es Geistliche gibt, können sie einen Monat leben, alle anderen drei Monate.

Da es zu diesem Zeitpunkt keineswegs ein fertiges Lager gab, hatten die ersten Häftlinlge die Aufgabe, die Kaserne unter unmenschlichen Bedingungen in ein Konzentrations- und vorerst noch Arbeitslager umzubauen. Die Backsteingebäude wurden teilweise aufgestockt, Stacheldrahtverhaue und Wachtürme errichtet, ein Lazarett sowie ein Lagergefängnis (der berüchtigte 'Block 11') gebaut. Ein erstes Krematorium entstand in einem aufgegebenen, halb in der Erde liegenden Munitionsbunker außerhalb des Zauns. Unmittelbar danebenlagen die 2 Unterkünfte der Wachmannschaften.
Eine Anekdote am Rande: Höß ließ in der umliegenden Gegend sogar Stacheldraht stehlen, als dieser beim Bau ausging. Höß war es auch, der den berüchtigten Wahlspruch des Konzentrationslagers Dachau über der Einfahrt anbringen ließ: "Arbeit macht frei".

 


Das Stammlager Auschwitz I - eine Übersicht



Ich möchte an dieser Stelle gerne näher auf die „unmenschlichen“ Bedingungen eingehen. Schon bei ihrer Ankunft im Lager wurden die Gefangenen ihrer Menschlichkeit, ihrer Würde beraubt. Sie mussten sich nackt ausziehen und wurden von Ärzten, teils von Lagerpersonal gemustert. Höß hatte unter Eicke von 1934 bis 1938 im allerersten Konzentrationslager in Dachau alles nötige über die Führung eines Lagers gelernt. Höß verstand sein Handwerk und konnte es perfekt umsetzen. Er bediente sich dabei der Häftlinge selbst, um das System des Terrors und der Unterdrückung zu vervollständigen und bis in den letzten Winkel des Lagers zu tragen. Niemand konnte sich auf dieser Art dessen entziehen.
Der Kommandantur eines Lagers unterstanden normalerweise 5 Abteilungen. Diese bildete die oberste Instanz, der Kommandant selbst war Befehlshaber des gesamten SS-Personals des Lagers.

Josef Mengele

Die Abteilungen gliederten sich wie folgt:

Abteilung I - Adjutantur
Sie war in erster Linie für die Wachmannschaften zuständig.

Die Abteilung II - 'Lager-Gestapo'
Diese Abteilung war weitestgehend selbstständig für Einweisung und Entlassung, Bestrafung und Exekution von Häftlingen verantwortlich.

Abteilung III - Schutzhaftlagerführung

Abteilung III war das eigentliche Machtzentrum – der Schutzhaftlagerführer war für die Häftlinge und ihre Einteilung zur Zwangsarbeit zuständig.

Die Abteilung IV – Verwaltung
Hier wurde die komplette Versorgung des Lagers organisiert. Die Verwaltung bestimmte die Höhe der Versorgung der Gefangenen mit Kleidung und Lebensmitteln bzw. war auch zuständig für das beschlagnahmte Eigentum der Häftlinge.

Abteilung V - 'Sanitätswesen'
Diese Abteilung bestand aus den Ärzten und Pflegern des Krankenreviers. Eigentlich verantwortlich für die Wiederherstellung arbeitsunfähiger Häftlinge und der Seuchenbekämpfung, nahm die spätere Tätigkeit solche Auswüchse an, sodass eine Einweisung in das Lazarett für einen Häftling meist einem Todesurteil gleichkam. Tödliche Phenol-Injektionen und unbeschreibliche medizinische Experimente gehörten leider zum Lageralltag. erreichte durch seine unmenschlichen medizinischen Versuche hier zweifelhaften Ruhm.

 

Die SS-Wachen setzten auf Unterstützung aus den Reihen der Gefangenen, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Einige ausgewählte Gefangene wurden zu Helfern der Lagerwachen umfunktioniert und sorgten dadurch für zusätzlichen Terror, der meist an Brutalität den Totenkopfverbänden um nichts nachstanden. Der Lagerälteste wurde als oberster Vertreter der Gefangenen eingesetzt. Unter ihm verzweigte sich ein Hierarchiesystem aus Blockältesten und Stubenältesten. Hinzu kamen Oberkapos und Kapos, die für die Beaufsichtigung der Häftlinge beim Arbeitseinsatz verantwortlich waren. Der Begriff stammte dabei aus dem Italienischen: il capo bedeutet 'das Haupt' oder 'der Chef'. Kapos erhielten erhöhte Nahrungsmittelrationen und mussten weniger hart arbeiten. Kapos wurden sorgfältig ausgewählt, meist willfährige Opportunisten oder Kriminelle, den Terror wirkungsvoll bis zu jeden einzelnen Gefangenen tragen zu können.

 

Eugen Kogon, ein Überlebender des KZ Buchenwald erinnert sich:

 

Das Lagersystem verdankte seine Stabilität nicht zuletzt einer Hilfstruppe von Kapos, die den Alltagsbetrieb aufrecht erhielten und das SS-Personal entlasteten. Dadurch wurde absolute Macht allgegenwärtig. Ohne die Delegation der Macht hätte sich das System der Disziplin und Überwachung umgehend aufgelöst. Dabei war die Rivalität um die Aufsichts-, Verwaltungs- und Versorgungsposten für die SS nur eine willkommene Gelegenheit, um die Fraktionen der Häftlingselite gegeneinander auszuspielen und sie in Abhängigkeit zu halten. Der normale Gefangene war jedoch einer doppelten Obrigkeit ausgeliefert, der SS, die häufig kaum mehr im Lager erschien, und den Funktionshäftlingen, die immerzu da waren.
Eugen Kogon, Der SS-Staat

Anfangs wählte der Chef der SS-Totenkopfverbände, SS-Obergruppenführer Theodor Eicke, seine Männer noch persönlich aus. Der perfekte Totenkopfmann musste als hart und gefühllos gelten, musste ohne mit der Wimper zu zucken Häftlinge blutig schlagen können, bei Prügelstrafen persönlich anwesend sein oder, noch besser, diese selbst durchführen können.
Wer sich den Häftlingen annäherte, vielleicht sogar Mitleid zeigte, galt als Schwächling und gehörte laut Eicke "selbst ins KZ" – und dies wurde auch wortwörtlich umgesetzt. Ehemalige SS-Männer, die sich eines Tages selbst in einem KZ wiederfanden sind keine Seltenheit.
Wenn man nun versucht ist anzunehmen, dass sich diese Verbände in erster Linie aus Sadisten, Verbrechern oder gescheiterten Existenzen zusammensetzten, dann irrt man gewaltig. Neueste Forschungen ergaben, dass besonders die Führungsriege der Kommandanten durchwegs aus gutbürgerlichem Hause stammte, meist gebildet war, sogar nicht selten studiert - und doch wiesen alle ein Merkmal auf: den unbedingten Willen zu gehorchen und sich der herrschenden Weltanschauung bedingungslos unterzuordnen. Befehle wurden stets ohne zu Fragen ausgeführt.
Höß wusste, dass von ihm größtmögliche Brutalität gegenüber den Gefangenen erwartet wurde, er hatte keine Skrupel, die in ihm gesetzten Erwartungen auch zur vollsten Zufriedenheit der obersten Führung zu erfüllen.

Eicke musste niemand zwingen seinen Dienst in den Totenkopfverbänden zu leisten. Er konnte stets auf genügend Freiwillige zurückgreifen. Es gab natürlich immer wieder Ausnahmen, die nach einiges Zeit Wachdienst in einem KZ die Versetzung an die Front beantragten, jedoch waren die Wachmannschaften der Lager größtenteils ausreichend mit SS-Männern versorgt. Es gab genügend Freiwillige, die keinerlei Hemmungen oder Skrupel hatten, den Dienst mit mehr als der üblichen Beflissenheit und Brutalität zu versehen. Zu erwähnen ist, dass man den Häftlingen jeglichen menschlichen Status absprach, sie als Ungeziefer oder Untermenschen bezeichnete. So wurde es vielen Wachleuten erleichtert, die letzte Grenze menschlichen Mitgefühls weit hinter sich zu lassen.
Prügelstrafen gehörten nicht nur in Auschwitz I zur Tagesordnung. Besonders berüchtigt waren die Foltermethoden des Lagergefängnisses – genannt „Block 11“. Eines der eingesetzten Mittel war die sogenannte „Schaukel“. Dabei wurde der zu bestrafende Häftling gezwungen, nackt vor den angezogenen Knien seine Hände zu falten, die dann mit Handschellen zusammen geschlossen wurden. Dann schob man eine massive Eisenstange zwischen Ellbogen und Knie hindurch und legte den Gefangenen so auf zwei Holzböcke. Der Häftling hing mit dem Kopf nach unten, während die Wachen begannen, mit einem Ochsenziemer oder ähnlichem auf das Gesäß, die ungeschützten Geschlechtsteile und die Fußsohlen zu schlagen. Dies geschah teilweise mit solcher Heftigkeit, dass die Bestraften nicht selten ganze Umdrehungen auf der Stange vollführten. Die gefolterten schrien sich die Schmerzen aus dem Leibe – war den SS-Männern das Geschrei zu laut, setzten die Wachmänner dem Gepeinigten kurzerhand eine Gasmaske auf. Viele Häftlinge überlebten diese Art der Bestrafung nicht.

Banale Vergehen reichten bereits um die Prügelstrafe verhängt zu bekommen. Auch das nicht rechtzeitige Senken des Blickes vor einem SS-Mann, hieß bereits, dass man mit einer Bestrafung rechnen musste.
Es kam auch vor, dass Gefangene aus purem Vergnügen eines Wachsoldaten zum Tode verurteilt wurden. Ehemalige Insassen berichteten, dass der Unglückliche sich bäuchlings auf den Boden zu legen hatte, worauf der Wachmann dann einen Knüppel über dessen Nacken legte und mit gespreizten Beinen darauf sprang, bis das Genick brach.

Einen besonders grausamen Ruf erwarb sich Höß' erster Schutzhaftlagerführer Karl Fritzsch. Mehrere Male wählte er gemeinsam mit Höß Häftlinge aus, die als Strafe für Fluchtversuche anderer Häftlinge den Hungertod sterben sollten. Sie wurden in den gefürchteten Block 11 gebracht und im Keller in Zellen gesperrt, bis sie verhungert waren.
Fritzsch wendete auch eine besonders grausame Strafe an, die gefürchteten Stehzellen. Hierbei wurden so viele Häftlinge wie möglich in einem Raum zusammenpfercht, bis diese sich nicht mehr rühren konnten.
Tausende Häftlinge wurden an der schwarzen Wand im Hof zwischen Block 10 und dem als Lagergefängnis berüchtigten Block 11 erschossen. Diese Wand kann man auch heute noch sehen.
Selbst für ein Konzentrationslager erwarb sich Auschwitz rasch einen fürchterlichen Ruf. Von den ersten 23.000 polnischen Häftlingen beispielsweise, überlebte nicht einmal die Hälfte die ersten 20 Monate.

 


Die "Schwarze Wand" - Exekutionsmauer zwischen Block 10 und Block 11

Wirtschaftsfaktor

"Wirtschaftsstandort" Auschwitz



Anfangs schufteten die Häftlinge in den SS-eigenen Kies- und Sandgruben oder auf dem landwirtschaftlichen Gut. Bald schon siedelte sich jedoch Industrie an - deutsche Unternehmen, die die billige Arbeitskraft der Gefangenen für ihre Zwecke einzusetzen gedachten. Als Bürger zweiter Klasse waren Polen absolut rechtlos und konnten ohne gerichtliche Verurteilung verhaftet und in ein Lager eingewiesen werden. Dadurch wuchs das Lager Auschwitz schnell an und musste ständig erweitert werden. Immer mehr neue Gebäude wurden errichtet. Rüstungsbetriebe erhielten eigene Außenlager, die ebenfalls durch Gefangene errichtet werden mussten. Bis zum Ende des Krieges wuchs die Zahl der Außenlager von Auschwitz auf unglaubliche 40 an!

Aus wirtschaftlicher Sicht war der Standort bestens ausgewählt worden. Die gute Anbindung an die Reichsbahn, reichliche Rohstoffvorkommen an Wasser, Kalk, Salz und Kohle versprachen gute Geschäfte für die SS.
Anfang 1942 beschloss der Vorstand der I.G. Farben, ein BUNA-Werk in Auschwitz zu errichten. Himmler hatte bereits seit 1941 Arbeitskräfte für I.G. Farben abgestellt. I.G. Farben lieferte Baumaterial für den Ausbau der Lagers Auschwitz, im Gegenzug versprach Himmler kostenlos Arbeitskräfte, die mindestens 10 Stunden pro Tag arbeiten würden. Anfang 1941 wurden 1000 Häftlinge an I.G. Farben verliehen, gegen Ende 1941 stieg die Zahl auf mehr als 3000 Gefangene an. 1942 wurde aufgrund des Bedarfs von 4000 Zwangsarbeitern ein eigenes Nebenlager gebaut. So entstand das Lager Auschwitz III, auch genannt Konzentrationslager Monowitz.
Die Herstellung des synthetischen Kautschuks war enorm wichtig für die Rüstungsindustrie - und ausreichend Rohstoffe sowie billige Arbeitskräfte waren in Auschwitz in großer Zahl vorhanden.
In diesem Zuge befahl der Reichsführer der SS, dem Kommandanten Höß die Kapazität des Lagers von 10.000 auf 30.000 Häftlinge auszubauen.

In den Archiven der ehemaligen Sowjetunion tauchten Dokumente auf, die verrieten, was der Reichsführer SS wirklich in Auschwitz plante. Die gesamte Stadt sollte eine „germanische Mustersiedlung“ verwandelt werden, natürlich von Grunde auf neu errichtet im gewohnt pompösen Stil der nationalsozialistischen Architektur.
Die polnische Bevölkerung sollte zuvor zur Zwangsarbeit in Lager wie Auschwitz gezwungen werden. Vor allem aber sollte auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Sola ein noch viel größeres Konzentrationslager entstehen. Für Himmlers Besuche war sogar ein eigenes Büro geplant - komplett mit bequemer Sitzgarnitur und feinen Wandteppichen mit SS-Runen. Diese Pläne eines neuen, großen Lagers wurden jedoch schon bald von der Realität überholt – mit dem Bau wurde nie begonnen.

Mit größter Brutalität zwang man die Zwangsarbeiter täglich zu 10 Stunden teils schwerster Arbeit. Pausen wurden den Häftlingen teilweise verwehrt. Die Verpflegung war von schlechter Qualität und alles andere als ausreichend für das geleistete Arbeitspensum. Viel zu wässrige Suppe und hartes, minderwertiges Brot. Bewusst nahm man in Kauf, dass Häftlinge diese Tortur nicht lange überleben würden. Als schlimmstes Verbrechen galt es daher unter Häftlingen, einem anderen das Essen zu stehlen. Wenn jemand erwischt wurde, erwartete ihn eine rigorose Bestrafung: den Essensdieben wurde nachts eine Decke ins Gesicht gepresst, bis sie erstickt waren. Der Blockälteste meldete am darauffolgenden Morgen wie jeden Tag ganz normal die Todesfälle der vergangenen Nacht. Leider gab es immer Tote zu melden. Die fürchterlichen hygienischen Bedingungen, mangelnde Ernährung, schwerste Arbeit, zu wenig Schlaf – all das wirkte sich fatal auf die Gesundheit der Zwangsarbeiter aus. Typhus oder Fleckfieber war in Auschwitz keine Seltenheit. Der Tod war ein ständiger Begleiter. Der Schutzhaftlagerführer Fritzsch bezeichnete die Verbrennung der Leichen als „Durch den Kamin gehen“.
Beim Aus- und Einmarschieren zu den „Arbeitseinsätzen“ mussten die Kolonnen nicht selten deutsche Soldatenlieder singen. Auch wenn sich die Häftlinge aufgrund schwerster Arbeit oft nicht mal auf den Beinen halten konnten, mussten sie weiter singen – wer nicht mehr konnte, wurde auf der Stelle erschossen – „auf der Flucht“ hieß es dann.

Am 22. Juni 1941 begann Hitlers Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, deshalb musste im Lager Platz geschaffen werden. Das hieß für die bereits im Lager befindlichen Polen eine drastische Verschlimmerung ihrer Lage, denn es musste Platz für Kriegsgefangene aus Russland geschaffen werden. Der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich erlies den Kommissarbefehl, nachdem sämtliche „Berufsfunktionäre und Volkskommissare“ der Sowjetunion auszusondern und zu beseitigen waren. Das hieß im Detail, dass diese Personen, aus Gründen der Geheimhaltung vor der Öffentlichkeit in Konzentrationslager verbracht wurden, um dort in aller „Heimlichkeit“ exekutiert werden zu können. Nach dem Eintreffen jedes Transportes aus den besetzten Sowjetgebieten in Auschwitz waren durchwegs Gewehrsalven von Block 11 zu hören.

Diese mit der Zeit sehr große Anzahl an Exekutionen durch Erschießen, belastete die SS-Männer stark. Die Erschießung von Zivilisten stellte auch bei den Einsatzgruppen des SD hinter den Frontlinien ein erhebliches Problem dar. Die Moral der SS-Männer litt erheblich. Viele versuchten das Erlebte in Alkohol zu ertränken. Himmler verlangte daher nach einem schonenderen Verfahren – nicht für die Opfer, sondern für die Täter schonender wohlgemerkt. Höß hatte daher den Auftrag, arbeitsunfähige Gefangene in diverse Versuchsanstalten ins Reich zu senden, sodass die Tötung durch Kohlenmonoxid z.B. getestet werden konnte. Man konnte bereits einige Erfahrungen im Euthanasieprogramm sammeln, allerdings mussten hier neue Methoden erforscht werden, da die Anzahl der zu tötenden Menschen erheblich größer war. Die Tötung musste möglichst schnell und möglichst billig erfolgen können. 570 kranke Häftlinge, hauptsächlich politische Gefangene wurden daher zu diesem Zweck von Höß ausgewählt und in die Versuchsanstalten gebracht.
 


Für die SS die Lösung eines 'Moral-Problems': Dosen des Schädlingsbekämpfungsmittels Zyklon B

 

Der 1. Schutzhaftlagerführer Karl Fritzsch kam während einer Dienstreise von Höß Ende August 1941 auf die Idee, das normalerweise zur Entlausung verwendete Zyklon B, ein Schädlingsbekämpfungsmittel auf Blausäure-Basis, an russischen Kriegsgefangenen zu testen. Er befahl Block 11 zu sperren und ließ die Fenster und die Türen des Kellers gasdicht verschließen.

 

Ein polnischer Häftling Jósef Paczynski erinnert sich:

 

Ich hatte immer Angst am Block 11 vorbeizugehen, auch wenn das Tor geschlossen war. Wenn ich daran vorbei musste, hatte ich Angst, denn Block 11 war der Tod.

Ein anderer Häftling, August Kowalczyk beschreibt, was er in diesen Tagen sah:
Meine Kameraden und ich sahen ziemlich aufgeregte SS-Männer, die mit Gasmasken um den Block rannten. Die Fenster des Bunkers waren mit Sand zugeschüttet. Im Keller, in den Zellen, waren die sowjetischen Gefangenen. Am nächsten Tag rannten die SS Männer besonders panisch wie verrückt herum. Sie waren nervös, das Gas hatte nicht so gewirkt, wie sie gehofft hatten. Viele Gefangenen lebten noch. Dann haben sie noch mehr Kristalle hinein geschüttet, um es zu Ende zu bringen.

 

Jósef Paczynski führt weiter aus:



Die Gefangenen mussten die Toten auf Karren, den sogenannten Rollwagen zum Krematorium bringen. Der Schornstein qualmte. Jeder wusste, was vorging. Wie fühlt man sich dabei? Man war abgestumpft. Heute der, Morgen ich.

Fritzsch meldete Höß sofort als dieser von seiner Dienstreise zurückkehrte, mit Stolz das Ergebnis seiner Versuche. Noch Jahre später sollte Fritzsch damit prahlen, dass er selbst die Massenvernichtung in Auschwitz erst möglich machte. Höß wird in seinen Erinnerungen niederschreiben:
Nach meiner Rückkehr meldete er mir dies und beim nächsten Transport wurde wiederum Gas benutzt. Ich muss sagen, auf mich wirkte diese Vergasung beruhigend. Mir graute immer vor den Erschießungen. Nun war ich doch beruhigt, dass uns allen diese Blutbäder erspart bleiben sollten.

So war im September 1941 der Erste Schritt in Richtung Vernichtungslager gegangen. Von nun an sollte Auschwitz kein Arbeitslager mehr sein…

Die Endlösung

Endlösung der Judenfrage

 

Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler beorderte Höß zu sich nach Berlin. Bald schon bemerkte Höß, daß dies keine normale, dienstliche Besprechung sein würde. Keine Adjutanten oder andere SS-Offiziere waren wie sonst üblich anwesend. Himmler wollte Höß mit gutem Grund unter 4 Augen sprechen. Himmler kam auch ohne Umschweife sofort auf den Grund des Treffens zu sprechen. Der Führer persönlich habe, so Himmler, ihm die Endlösung der Judenfrage übertragen. Er führte weiter aus:

„Die Juden sind die ewigen Feinde des deutschen Volkes und müssen ausgerottet werden. Alle für uns erreichbaren Juden sind jetzt während des Krieges ohne Ausnahme zu vernichten. Gelingt es uns nicht, die biologischen Grundlagen des Judentums zu zerstören, so werden einst die Juden das deutsche Volk vernichten.“
Rudolf Höß in „Kommandant in Auschwitz“

Die verkehrsgünstige und zugleich abgeschiedene Lage, machte Auschwitz zum perfekten Ort, wo man die Endlösung der Judenfrage, dieses gigantische Vorhaben in die Tat umzusetzen konnte, ohne dass man in der Bevölkerung großartig davon was mitbekommen würde. Als fanatischer Nationalsozialist zweifelte Höß keine Sekunde an der ihm persönlich vom Reichsführer übertragenen Aufgabe. Er wollte sich des ihm entgegengebrachten Vertrauens würdig erweisen und machte sich sofort an die neue, große Aufgabe. Genaue Anweisungen, wie dieses riesige Projekt zu bewältigen sei, blieben jedoch vorerst aus. Alles, was Höß wusste, war das Ziel: die Ausrottung aller Juden Europas.

Im Oktober 1941 kamen 10.000 russische Kriegsgefangene an, um die Erweiterung des Konzentrationslagers Auschwitz durchzuführen. Wenige Tage zuvor hatte Höß den Befehl erhalten, ein Kriegsgefangenenlager für 100.000 Menschen im Interessengebiet Auschwitz zu errichten.
Schnell war der geeignete Standort gefunden: ein kleines Dorf namens Brzezinka, drei Kilometer vom Stammlager entfernt. Der deutsche Name lautete: Birkenau.

Die Pläne verrieten bereits, was die SS dort vor hatte. In einem „normalen“ deutschen KZ teilten sich 3 Häftlinge eine Fläche, auf der in Birkenau 9 Menschen Platz finden sollten. Das ergab 558 Mann untergebracht in 174 Baracken der primitivsten Art: fest gestampfter Lehmboden, ungedämmte Holzwände, kein fließendes Wasser. Das ergab rein rechnerisch Platz für 97.000 Kriegsgefangene. Dem verantwortlichen Planer war das nicht genug: anstatt 9 Gefangene pro Dreistockverschlag nahm er kurzerhand 12 – auf dem Plan wurde die Zahl 550 mit einem Bleistift durchgestrichen und durch 744 ersetzt – das ergab mehr als 130.000 Menschen, die auf engstem Raum ohne ausreichende sanitäre Versorgung leben mussten – eine Brutstätte für alle nur erdenklichen Seuchen und Krankheiten. Offensichtlich sollte das neue Lager nur einen Zweck erfüllen: das Töten seiner Insassen.

Im Stammlager wurden weiterhin Vergasungen durchgeführt. Jedoch wurden diese aus dem Keller von Block 11 in die Leichenhalle verlegt, gleich neben dem Krematorium.
Zu verheimlichen waren diese Tötungen jedoch nicht, denn selbst wenn die SS Motoren laufen ließ, konnte man immer noch die Schreie der Sterbenden hören. Dieser „Sonderbehandlung“ wurden in der Anfangszeit ausschließlich russische Kriegsgefangene zugeführt. Bald sollte sich dies jedoch ändern, denn nahe der Hauptstadt des Reiches fanden sich am 20. Januar 1942, 15 hochrangige Vertreter des Reiches unter Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrichs zu einer Besprechung zusammen. Das Zweck dieser Konferenz war, die bereits beschlossene Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“ zu besprechen. Vorrangig ging es um die Koordination der Transporte der europäischen Juden in den Osten des Reiches. Dieses Treffen sollte als Wannseekonferenz in die Geschichte eingehen.

 


Die zur Gaskammer umfunktionierte Leichenhalle in Auschwitz I

 

Höß trieb in Auschwitz die Vorbereitungen zur Durchführung der ihm gestellten Aufgabe voran. Der Ort, an dem die Massenvernichtung stattfinden konnte unweit des Nebenlagers Auschwitz II Birkenau gefunden werden – ein verlassener polnischer Bauernhof. Das „kleine rote Haus“ war die erste richtige Gaskammer. Höß nannte dieses Gebäude den Bunker I. Die Fenster wurden kurzerhand zugemauert und die Türen konnten gasdicht verschlossen werden. Trotz der günstigen Lage, wollte man anfangs nur in der Nacht „arbeiten“ um sicher zu gehen, dass es keine Zeugen gab. Lediglich die „Sonderkommandos“ bestehend aus Häftlingen, die in Loren die Leichen zu Erdgräben führen und hineinwerfen mussten, hatten eine Ahnung was hier Nacht für Nacht vor sich ging.

Der erste Transport mit slowakischen Juden kam am 29. April 1942 in Auschwitz an. Mit diesem Transport einher ging die erste Selektion an der Rampe hunderte dieser berüchtigten Selektionen sollten in den kommenden 30 Monaten noch folgen.
Bald schon zeigte sich, dass die gewünschte Perfektion noch lange nicht erreicht war, denn die nur in Gräben verscharrten Leichen fingen in der Sommerhitze an zu faulen und füllten die Luft um Birkenau mit bestialischem Gestank. Die schnell wachsenden Leichenberge stellten zunehmend ein Problem dar. Rasch musste eine langfristige Lösung her, denn die 2. Gaskammer, das sogenannte „weisse Haus“ wurde bald fertiggestellt. Die einzige Möglichkeit war die Verbrennung der Leichen. In der Hitze des Sommers 1942 mussten die Sonderkommandos die teils stark verwesten Leichen wieder ausgraben und auf die Roste über den Gruben legen. Die Feuer brannten teilweise tagelang und die Aschenberge konnten nur Anfangs über die umliegenden Felder und in die Sola gestreut werden.

Aber auch die Gruben in denen die Leichen verbrannt wurden, war keine dauerhafte Lösung. Pläne für gigantische Krematorien nebst Gaskammern wurden erstellt. Die Kapazitäten dieser Anlagen sollten gespenstisch hohe Zahlen erreichen. Man kann sich nicht vorstellen, wie man nur derartige Anlagen planen konnte. Familien wurden noch an der Rampe getrennt, die Schreie der Kinder, der Frauen, ihre Gesichter müssen einen SS-Mann doch für ein Leben lang verfolgen. Warum ist bei vielen selbst nach dem Krieg keine Reue zu vernehmen gewesen? Wie konnte man nur so kalt sein, die Menschen, die aus den Viehwagons ausgeladen wurden, so lange zu täuschen, bis sich die Türen der Gaskammern hinter ihnen schlossen.

 

Der SS-"Hygieniker" Kurt Gerstein war Augenzeuge, berichtet in alliierter Gefangenschaft von einem Besuch im Vernichtungslager Belcec in Polen:



Dicht bei dem kleinen zweigleisigen Bahnhof war eine kleine Baracke, die so genannte Garderobe, mit einem großen Wertsachenschalter ... Dann eine kleine Allee im Freien unter Birken, rechts und links von doppeltem Stacheldraht umsäumt, mit Inschriften: "Zu den Inhalier- und Baderäumen". Vor uns eine Art Badehaus mit Geranien, dann ein Treppchen und dann rechts und links je 3 Räume 5 x 5 Meter, 1,90 Meter hoch, mit Türen wie Garagen. An der Rückwand, in der Dunkelheit nicht recht sichtbar, große hölzerne Rampentüren. Auf dem Dach als "sinniger kleiner Scherz" der Davidstern.

Am anderen Morgen kurz vor sieben kündigt man mir an: In zehn Minuten kommt der erste Transport! - Tatsächlich kam nach einigen Minuten der erste Zug von Lemberg aus an. 45 Waggons mit 6.700 Menschen, von denen 1.450 schon tot waren bei ihrer Ankunft. Hinter den vergitterten Luken schauten, entsetzlich bleich und ängstlich, Kinder durch, die Augen voller Todesangst, ferner Männer und Frauen. Der Zug fährt ein: 200 Ukrainer reißen die Türen auf und peitschen die Leute mit ihren Lederpeitschen aus den Waggons heraus. Ein großer Lautsprecher gibt die weiteren Anweisungen: Sich ganz ausziehen, auch Prothesen, Brillen usw. Die Wertsachen am Schalter abgeben, ohne Bons oder Quittung. Die Schuhe sorgfältig zusammenbinden (wegen der Spinnstoffsammlung), denn in dem Haufen von reichlich 25 Meter Höhe hätte sonst niemand die zugehörigen Schuhe wieder zusammenfinden können. Dann die Frauen und Mädchen zum Friseur, der mit zwei, drei Scherenschlägen die ganzen Haare abschneidet und sie in Kartoffelsäcken verschwinden lässt. "Das ist für irgendwelche Spezialzwecke für die U-Boote bestimmt, für Dichtungen oder dergleichen!" sagt mir der SS-Unterscharführer, der dort Dienst tut.

Dann setzt sich der Zug in Bewegung. Voran ein bildhübsches junges Mädchen, so gehen sie die Allee entlang, alle nackt, Männer, Frauen, Kinder, ohne Prothesen. Ich selbst stehe mit dem Hauptmann Wirth oben auf der Rampe zwischen den Kammern. Mütter mit ihren Säuglingen an der Brust, sie kommen herauf, zögern, treten ein in die Todeskammern! - An der Ecke steht ein starker SS-Mann, der mit pastoraler Stimme zu den Armen sagt: "Es passiert Euch nicht das Geringste! Ihr müsst nur in den Kammern tief Atem holen, das weitet die Lungen, diese Inhalation ist notwendig wegen der Krankheiten und Seuchen." Auf die Frage, was mit ihnen geschehen würde, antwortet er: "Ja, natürlich, die Männer müssen arbeiten, Häuser und Chausseen bauen, aber die Frauen brauchen nicht zu arbeiten. Nur wenn sie wollen, können sie im Haushalt oder in der Küche mithelfen." - Für einige von diesen Armen ein kleiner Hoffnungsschimmer, der ausreicht, dass sie ohne Widerstand die paar Schritte zu den Kammern gehen - die Mehrzahl weiß Bescheid, der Geruch kündet ihnen ihr Los! - So steigen sie die kleine Treppe herauf, und dann sehen sie alles. Mütter mit Kindern an der Brust, kleine nackte Kinder, Erwachsene, Männer, Frauen, alle nackt - sie zögern, aber sie treten in die Todeskammern, von den anderen hinter ihnen vorgetrieben oder von den Lederpeitschen der SS getrieben. Die Mehrzahl ohne ein Wort zu sagen. Eine Jüdin von etwa 40 Jahren, mit flammenden Augen, ruft das Blut, das hier vergossen wird, über die Mörder. Sie erhält 5 oder 6 Schläge mit der Reitpeitsche ins Gesicht vom Hauptmann Wirth persönlich, dann verschwindet auch sie in der Kammer. Viele Menschen, beten. Ich bete mit ihnen, ich drücke mich in eine Ecke und schreie laut zu meinem und ihrem Gott. Wie gerne wäre ich mit ihnen in die Kammer gegangen, wie gerne wäre ich ihren Tod mit gestorben. Sie hätten dann einen uniformierten SS-Offizier in ihren Kammern gefunden - die Sache wäre als Unglücksfall aufgefasst und behandelt worden, sang- und klanglos verschollen. Noch also darf ich nicht. Ich muss noch zuvor künden, was ich hier erlebe! - Die Kammern füllen sich. Gut vollpacken - so hat es der Hauptmann Wirth befohlen. Die Menschen stehen einander auf den Füßen. 700 - 800 auf 25 Quadratmetern, in 45 Kubikmetern! Die SS zwängt sie physisch zusammen, soweit es überhaupt geht. - Die Türen schließen sich. Währenddessen warten die anderen draußen im Freien nackt. Man sagt mir: auch im Winter genau so! Ja, aber sie können sich ja den Tod holen, sage ich. - Ja, grad for das sinn se ja doh! sagt mir ein SS-Mann darauf in seinem Platt. - Jetzt endlich verstehe ich auch, warum die ganze Einrichtung Heckenholt-Stiftung heißt. Heckenholt ist der Chauffeur des Dieselmotors, ein kleiner Techniker, gleichzeitig der Erbauer der Anlage. Mit den Dieselauspuffgasen sollen die Menschen zu Tode gebracht werden. Aber der Diesel funktioniert nicht! Der Hauptmann Wirth kommt. Man sieht, es ist ihm peinlich, dass das gerade heute passieren muss, wo ich hier bin. Jawohl, ich sehe alles! Und ich warte. Meine Stoppuhr hat alles brav registriert. 50 Minuten, 70 Minuten [?] - der Diesel springt nicht an! Die Menschen warten in ihren Gaskammern. Vergeblich! Man hört sie weinen, schluchzen ... Der Hauptmann Wirth schlägt mit seiner Reitpeitsche den Ukrainer, der dem Unterscharführer Hackenholt beim Diesel helfen soll, 12, 13 mal ins Gesicht. Nach zwei Stunden 49 Minuten - die Stoppuhr hat alles wohl registriert - springt der Diesel an. Bis zu diesem Augenblick leben die Menschen in diesen 4 Kammern, viermal 750 Menschen in 4 mal 45 Kubikmetern! - Von neuem verstreichen 25 Minuten. Richtig, viele sind jetzt tot. Man sieht das durch das kleine Fensterchen, in dem das elektrische Licht die Kammern einen Augenblick beleuchtet. Nach 28 Minuten leben nur noch wenige. Endlich, nach 32 Minuten, ist alles tot!

Von der anderen Seite öffnen Männer vom Arbeitskommando die Holztüren. Man hat ihnen - selbst Juden - die Freiheit versprochen und einen gewissen Promillesatz von allen gefundenen Werten für ihren schrecklichen Dienst. Wie Basaltsäulen stehen die Toten aufrecht aneinander gepresst in den Kammern. Es wäre auch kein Platz hinzufallen oder auch nur sich vornüber zu neigen. Selbst im Tode noch kennt man die Familien. Sie drücken sich, im Tode verkrampft, noch die Hände, sodass man Mühe hat, sie auseinander zu reißen, um die Kammern für die nächste Charge frei zu machen. Man wirft die Leichen nass von Schweiß und Urin, Kot beschmutzt, Menstruationsblut an den Beinen, heraus. Kinderleichen fliegen durch die Luft. Man hat keine Zeit. Die Reitpeitschen der Ukrainer sausen auf die Arbeitskommandos. Zwei Dutzend Zahnärzte öffnen mit Haken den Mund und sehen nach Gold. Gold links, ohne Gold rechts. Andere Zahnärzte brechen mit Zangen und Hämmern die Goldzähne und Kronen aus den Kiefern.

Gerstein hatte schreckliches von Belcec berichtet, doch Auschwitz sollte alles bisher dagewesene noch übertreffen. Auschwitz sollte die Todesfabrik des 3. Reichs werden und alles andere in den Schatten stellen.

Todesfabrik

Die Fabrik des Todes

 

Um sich ein Bild von Höß` Arbeit machen zu können, besucht der Reichsführer SS im Juli 1942 das Lager Auschwitz. Sehr erstaunt über die Maßnahmen, die Höß mittlerweile ergriffen hatte, bzw. die ehrgeizigen Pläne für die geplanten Erweiterungen, befördert der zufriedene Himmler Höß umgehend zum Standartenführer. Gleichzeitig eröffnete er ihm:

"Eichmanns Programm geht weiter und wird von Monat zu Monat gesteigert. Sehen Sie zu, dass Sie mit dem Ausbau von Birkenau vorwärts kommen. Ebenso rücksichtslos vernichten Sie die arbeitsunfähigen Juden."

 


Im November 1941 angefertigter erster Plan für das Krematorium II mit einer unterirdisch liegenden Leichenhalle,
die später als Gaskammer Verwendung fand. Zu diesem Zweck wurde der Plan abgeändert und die doppelflügelige Tür des Leichenkellers
gegen eine einzelne, gasdichte Tür ausgetauscht, die sich nach außen öffnen ließ.

 

Im Spätsommer 1942 war es dann soweit, die SS redete nicht mehr nur von der Endlösung der Judenfrage, sondern sie wurde nun systematisch angegangen. Die Vernichtungslager Chlemno, Belzec, Sobibor, Maidanek und Treblinka wurden so schnell es ging errichtet. Die Abfertigung der Transporte, die Beseitigung der Leichen, alles gewann an System, gewann an grausiger Routine. Als Gas kam in den neuen Lagern in erster Linie Kohlenmonoxid zum Einsatz, das von Motoren erzeugt, in die Gaskammern geleitet wurde. Treblinka war bereits nach der Errichtung 1942 schon das größte Vernichtungslager, sollte jedoch schon bald von Auschwitz überholt werden. Mittlerweile wurden auch in Auschwitz die Deportationszüge zur Routine.

 

Am 8. November 1942 verkündete Adolf Hitler vor einem ausgewählten Publikum im Münchner Löwenbräukeller stolz:

 

"Sie werden sich noch erinnern an die Reichstagssitzung, in der ich erklärte, wenn das Judentum sich etwa einbildet, einen internationalen Weltkrieg zur Ausrottung der europäischen Rassen herbeiführen zu können, dann wird das Ergebnis nicht die Ausrottung der europäischen Rassen, sondern die Ausrottung des Judentums in Europa sein."

Emsig machte man sich in Auschwitz-Birkenau an die Arbeit, den Willen des Führers in die Tat umzusetzen. In Auschwitz sollten mehrere Krematorien und Gaskammern zu unterschiedlichen Zeiten in Betrieb sein – sozusagen im Schichtbetrieb wollte man die eintreffenden Transporte der „Sonderbehandlung“ zuführen. Schon bald erreichte die Kapazität von Auschwitz einen Grad, der jegliches andere Lager in den Schatten stellte. Da die Krematorien jedoch noch immer bei weitem nicht ausreichten, die einkommenden Transporte abzuarbeiten, benutzte man zusätzlich die alten Verbrennungsgruben. Erhöht wurde der sogenannte „Verbrennungsausstoß“ auch durch die Tatsache, dass die angegebenen Zahlen für voll ausgewachsene, männliche Leichen galten, Kinder wurden von Anfang an zu zweit oder zu dritt in einen Ofen geschoben. Wenn Höchstlast gefahren werden musste, kam es auch vor, dass man zwei der ausgemergelten erwachsenen Leichen auf einen Rost legte.

 


 
In Auschwitz eingesetzte Krematorien und Gaskammern
 
Auschwitz I - Stammlager
Vernichtungsanlagen
in Betrieb
Krematorium I
1 Gaskammer, drei Öfen für 340 Leichen
Anfang 1942 bis
Frühjahr 1943
 
Auschwitz II - Birkenau
Vernichtungsanlagen
in Betrieb
Bunker I
zwei Gaskammern für 720 Personen,
Entkleidungsräume, Massengräber
1942
Bunker II
vier Gaskammern für 840 Personen,
Entkleidungsräume, Verbrennungsgruben
1942;
im Frühjahr 1944 umgebaut
und tagsüber als Reserve benutzt
Krematorium II
Gaskammer unterirdisch für bis zu 1.680 Personen, oberirdisch fünf Öfen für täglich 1.440 Leichen März 1943 bis November 1944
Krematorium III
Gaskammer unterirdisch für bis zu 1.680 Personen, oberirdisch fünf Öfen für täglich 1.440 Leichen
Juni 1943 bis November 1944
Krematorium IV
4 Gaskammern oberirdisch für etwa 1.888 Personen,
zwei Öfen für täglich 768 Leichen
ab März 1943, am 7. Oktober 1944 von Häftlingen zerstört
Krematorium V
4 Gaskammern oberirdisch für etwa 1.888 Personen,
zwei Öfen für täglich 768 Leichen
April 1943 bis November 1944

 

Einbringung des Gases Zyklon B in die Gaskammer:

Die Krematorien II und III hatten unterirdische Gaskammern, wo in der Decke vier Öffnungen angebracht waren, die in Drahtgittersäulen endeten. Während des Prozesses gegen Höß beschrieb der ehemalige Auschwitz-Häftling Michal Kula die Herstellung dieser Säulen umfangreich:

„…Unter anderem wurden in der Schlosserei die falschen Duschen für die Gaskammern und die Netzsäulen zur Einschüttung der Zyklongranulate in die Gaskammern hergestellt. Diese Säule war 3 Meter hoch, mit einem Durchmesser von ca. 70 cm. Diese Säule bestand aus drei ineinander eingefügten Netzen. Das äußere Netz war aus 3 mm dickem Eisendraht gefertigt, der auf 50 x 10 mm messenden Eckpfeilern aufgespannt war. Diese Eckpfeiler befinden sich in allen Ecken des Netzes und waren im oberen Teil durch einen Pfeiler desselben Typs miteinander verbunden. Die Maschen des Netzes waren viereckig und maßen 45 mm. Das zweite Netz war auf dieselbe Art gefertigt und im Abstand von 150 mm innerhalb des ersten installiert. Die Maschen dieses Netzes waren viereckig und maßen ca. 25 mm. Beide Netze waren in den Ecken durch eine Eisenstange verbunden. Der dritte Teil der Säule war mobil. Es war eine leere Säule aus dünnem Zinkblech mit einem Durchmesser von rund 150 mm. Oben mündete sie in einen Kegel und unten in ein flaches Viereck. Etwa 25 mm von den Rändern dieser Säule waren auf dünnen Blechstäben Eckpfeiler aus Blech angeschweißt. Über diese Eckpfeiler war ein feines Netz mit viereckigen Maschen von ca. 1 mm Größe gezogen. Dieses Netz endete am Fuß des Kegels; von da führte ein Rahmen aus Blech ganz nach oben bis zur Spitze des Kegels. Der Inhalt einer Zyklonbüchse wurde von oben in den zur Ausstreuung [der Granulate] dienenden Kegel geschüttet, und so wurde eine gleichmäßige Verteilung des Zyklons auf allen vier Seiten der Säule erreicht. Nach der Verdunstung des Gases wurde die ganze innere Säule nach oben gezogen, und man nahm die entleerten Trägergranulate heraus…“
Michal Kula: Zeugenaussage im Gerichtsverfahren gegen Rudolf Höß am 11. Juni 1945 - The Case for Auschwitz S. 206.

Für die Einbringung des Zyklon B war ausschließlich die SS zuständig - die Begleitung der Ankommenden zu den Gaskammern, das Haareschneiden und für das ordnungsgemäße Entkleiden waren Sonderkommandos eingeteilt. Es sollte bei den ankommenden Juden zur „Entspannung“ beitragen, wenn sie von bereits inhaftierten Juden möglichst freundlich begleitet wurden. Die Sonderkommandos mussten auch die Gaskammern nach der Tötung durch Zyklon B öffnen, um die Leichen in den Krematorien oder Verbrennungsgruben zu beseitigen. Alles hatte in einer schrecklichen Maskerade abzulaufen, da man eine Massenpanik fürchtete. Um die Opfer so lange wie möglich ruhig zu stellen, waren die Gaskammern als Entlausungs- oder Duschanlagen ausgezeichnet. Per Todesstrafe war es den begleitenden Sonderkommandos untersagt, die zur Vergasung bestimmten Häftlinge mit irgendwelchen Handzeichen oder Gesten über ihr wahres Schicksal zu informieren. Wer es trotzdem versuchte und erwischt wurde, musste gleich mit in die Gaskammer gehen.

Auch die Sonderkommandos konnten sich ihres Lebens nicht sicher sein, denn in regelmäßigen Abständen wurden diese durch frische, noch kräftige Häftlinge ersetzt und mussten selbst ins Gas.
Man fragt sich, was in diesen Männern vorgehen musste, die - wie Zeugenaussagen belegen - teilweise eigene Angehörige in den Tod begleiten mussten? Unfassbar, wie der menschliche Geist es nur ertragen konnte, wieder und wieder die Metalltür zu öffnen und die dahinter im Todeskampf verkeilten Leichen mit Haken herauszuzerren, um sie hinauf ins Krematorium zu bringen.

Das perfide System der Konzentrations- und Vernichtungslager war darauf ausgelegt, Opfer mit zu Tätern zu machen. 'Divide et Impera' - Teile und Herrsche schreib Höß später zynisch in seinen Erinnerungen 'Kommandant in Auschwitz' nieder, während er in seiner polnischen Gefängniszelle auf seine Hinrichtung wartete. Dies hatte jedoch auch einen praktischen Grund, denn die Wachmannschaften waren zahlenmäßig bei weitem nicht so stark, um diese Masse an Gefangenen unter Kontrolle halten zu können. Besonders Auschwitz hatte unter einer verhältnismäßig hohen Fluchtrate „zu leiden“. Flüchtende Häftlinge zu verfolgen war ohnehin nicht möglich, selbst die Überwachung, vor allem bei Arbeitseinsätzen außerhalb des Lagers war teilweise nur unzureichend möglich.

Theoretische Leistungsfähigkeit der Todesfabrik Auschwitz

 


 
Kapazität der Krematorien
 
Krematorium
Kremierungskapazität (Leichen pro Tag)
Genutzt (Tage) Gesamt (Leichen)
II
1.440
603
0.868.320
III
1.440
517
0.744.480
IV
0.768
562
0.431.616
V
0.768
666
0.511.488
Gesamt
4.416
2.555.904 (2,6 Millionen)

 


 
Kapazität der Gaskammern ohne Bunker I und Bunker II
 
Gaskammer
Personen pro Vergasung
Genutzt (Tage) Gesamt
Krema II
1.680
573
962.640
Krema III
1.680
487
818.160
Krema IV
1.888
562
1.061.056
Krema V
1.888
666
1.257.408
 
Gesamt
7.136
4.099.264

 

Anmerkung:
Die Zahlen der Leistungsfähigkeit der Öfen wurden von der Herstellerfirma Topf & Söhne in dieser Höhe angegeben. Die Kapazität der Gaskammern in Auschwitz wurde aus den Überresten errechnet, die man nach dem Krieg fand. Der Historiker Francisek Piper verwies auf die „Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung“ (BOStrab) vom 31. August 1965. Hierbei wird die Stehplatzfläche pro Person mit 0,125 Quadratmetern angegeben (acht Personen pro Quadratmeter). Man kann davon ausgehen, dass die SS auf weitaus größere Personenzahlen kam. (Ich möchte an dieser Stelle an die Zahlen der Planungen zur Erweiterung des Lagers erinnern.)

Die Kapazität der Gaskammern und Krematorien lag weit über der tatsächlichen Opferzahl. Aktuelle Forschungen gehen von insgesamt 1,1 - 1,5 Millionen in Auschwitz vergasten Menschen aus. Man beruft sich dabei unter anderem auf die Erinnerungen des Lagerkommandanten Rudolf Höß, die dieser schriftlich niedergelegt hat. Die bei seiner ersten Vernehmung von ihm genannten Zahlen waren viel zu hoch, Höß musste sich später selbst nach unten korrigieren.

 

„Die Zahl der in Auschwitz zur Vernichtung eingelieferten Juden gab ich in früheren Vernehmungen mit 2,5 Millionen an. Diese Zahl stammt von Eichmann, der sie kurz vor der Einschließung Berlins, als er zum Rapport zum RFSS befohlen war, meinem Vorgesetzten, Gruppenführer Glücks gab... Nach jeder größeren Aktion mussten in Auschwitz alle Unterlagen, die Aufschluss über die Zahl der Vernichteten geben konnten, laut RFSS-Befehl verbrannt werden... Ich halte die Zahl 2 1/2 Millionen für viel zu hoch. Ich selbst wusste nie die Gesamtzahl, habe auch keine Anhaltspunkte, um sie wiedergeben zu können. Es sind mir lediglich noch die Zahlen der größeren Aktionen in Erinnerung, die mir wiederholt von Eichmann oder dessen Beauftragten genannt worden waren.



 

Aus Oberschlesien und GG [Generalgouvernement] 250.000
Deutschland und Theresienstadt 100.000
Holland 95.000
Belgien 20.000
Frankreich 110.000
Griechenland 65.000
Ungarn 400.000
Slowakei 90.000



Die Zahlen der kleineren Aktionen sind mir nicht mehr in Erinnerung, sie waren aber im Vergleich zu obigen Zahlen unbedeutend. Ich halte die Zahl 2,5 Millionen für viel zu hoch. Die Möglichkeiten der Vernichtung hatten auch in Auschwitz ihre Grenzen. Die Zahlenangaben ehemaliger Häftlinge sind Fantasiegebilde und entbehren jeder Grundlage.“

Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz, S. 252



Die deportierten Juden aus ganz Europa führten oft - obwohl verboten - Wertsachen mit sich. Geld, Schmuck jedoch auch Kleidung, Schuhe, Brillen und Zahngold. Für die SS stellte dies neben den Einkünften aus der Zwangsarbeit eine erhebliche Einnahmequelle dar. Man geht davon aus, dass die SS allein aus Auschwitz die ungeheure Summe von 60 Millionen Reichsmark erwirtschaftete. Die Dunkelziffer ist noch wesentlich höher, da bekannt ist, dass sich einige SS-Männer in den Lagern gerne selbst bereicherten sofern sie Gelegenheit dazu hatten.
Die Abteilung IV, die für die beschlagnahmten Wertsachen der Ermordeten verantwortlich war, stellte für alle Wachmänner eine enorme Versuchung dar. Der Dienst der SS-Männer wurde lasch gehandhabt. Disziplinlosigkeiten waren an der Tagesordnung, wurden jedoch stillschweigend geduldet, solange die Funktionen des Lagers nicht beeinträchtigt waren. Überlebende Häftlinge berichten beispielsweise von Saufgelagen, die SS-Männer durchführten. Auch Höß versuchte alles, um mit „Kameradschaftsabenden“ und Ausflügen die Moral hochzuhalten, denn das tägliche „Geschäft des Mordens“ stumpfte die Männer ab. Alkoholismus war keine Seltenheit.

Wachmänner nahmen teils an der Rampe ankommenden Deportierten Schmuckstücke ab und steckten diese selbst ein. Auch in der Abteilung IV wurde nicht besonders viel Wert auf eine genaue Buchführung gelegt.
Der SS-Mann Oskar Gröning versah zwei Jahre seinen Dienst in Auschwitz. Seine Hauptaufgabe war die Sicherstellung von Devisen der ankommenden Juden. Damit keine Wertsachen verschwanden, begann sein Dienst bereits an der Rampe. Er beobachtete die SS-Männer, die dort ihren Dienst verrichteten. Doch die Versuchung wurde zu groß, selbst er bediente sich. Er sah was bei den Selektionen geschah, musste Vergasungen mit ansehen und konnte beobachten, wie Leichen außerhalb der Krematorien in provisorischen Gruben verbrannt wurden. Bei seinem ersten Einsatz auf der Rampe wurde er Zeuge folgender grauenvollen Tat:

"Ein neuer Transport war angekommen. Ich hatte Dienst auf der Rampe, mein Auftrag war, das Gepäck zu bewachen. Die Juden waren schon abtransportiert. Auf dem Boden lag jetzt nur noch Unrat, Übriggebliebenes. Plötzlich hörte man die Schreie eines Babys. Es lag auf der Rampe, eingewickelt in Lumpen. Eine Mutter hatte es zurückgelassen, vielleicht weil sie wusste, dass Frauen mit Kleinkindern sofort vergast wurden. Ich sah, wie ein anderer SS-Mann das Baby an den Beinen packte. Das Geschrei hatte ihn gestört. Er schleuderte das Baby mit dem Kopf gegen die Eisenstangen eines Lkw, bis es ruhig war."

Im Mai 1943 die Abteilung V des Lagers verstärkt. Als sich der noch junge Arzt bei Höß vorstellte, war dieser erfreut: vor ihm stand ein Frontsoldat, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz, der freiwillig um Versetzung nach Auschwitz ersucht hatte - Sein Name war Josef Mengele. Er würde für eine neue Dimension des Schreckens in Auschwitz sorgen. Selbst Höß wurde im Herbst 1943 der Korruption verdächtigt und wurde kurzerhand nach Berlin zur Verwaltung der Konzentrationslager versetzt.

Selektion

Selektion

 


Meister des Todes: Josef Mengele, Rudolf Höß, Josef Kramer und ein unbekannter SS-Offizier



Europas Juden wurden aus ihren Wohnungen getrieben, sie mussten sich, nur das nötigste Gepäck bei sich, zum nächstgelegenen Bahnhof aufmachen. An den Bahnhöfen erwarteten sie bereits die Züge zum Abtransport, Ziel: Osten. Benutzt wurden Güterwägen, Menschen wurden wie Vieh in die Waggons gepfercht. Toiletten gab es auf der „Reise“ nicht, vielleicht ein Kübel oder Eimer im Eck musste reichen. Wasser und Verpflegung gab es ebenfalls nicht. Die Züge waren oft tagelang unterwegs, hielten manchmal auf Bahnhöfen, um anderen Transporten Vorrang zu gewähren. Die Deportationszüge hatten aber meist hohe Priorität und wurden in den meisten Stationen durchgewunken. Die Reichsbahn wusste sehr wohl, was sie transportierte, Zug- und Lokomotivführer wurden Zeugen, wohin die europäischen Juden abtransportiert wurden – wo die Endstation war.

Wenn dann ein Zug endlich die Rampe in Birkenau erreichte, waren die „Passagiere“ oft erschöpft und entkräftet. Die Türen wurden aufgerissen und erhellten plötzlich das Dunkel. Während die Verängstigten noch in das Licht blinzelten, wurden sie auch schon von den SS-Männern angeschrien: "Raus! Raus!", die scharfen Hunde bellten und die Sonderkommandos halfen, die Waggons schnellstmöglich zu entleeren. Wer zögerte oder zurückblieb, wurde aus den Waggons getreten und geschlagen. Das Ganze wurde absichtlich so inszeniert, um den Opfern keine Zeit zum Nachdenken zu lassen. Die Koffer und Gepäckstücke mussten noch auf der Rampe abgelegt werden, während die dazu eingeteilten Häftlinge die Leichen aus den Waggons warfen, denn viele waren schon auf den menschenunwürdigen Transporten verstorben. Die SS-Männer selbst machten sich dabei ihre Hände nicht schmutzig.

Bereits an der Rampe entschied sich das Schicksal der Angekommenen. Brutal und ohne mit der Wimper zu zucken, wurden Männer von ihren Frauen, Kinder von ihren Müttern getrennt. Die Deportierten mussten sich nach Geschlecht und Alter getrennt in Fünferreihen aufstellen. Die zum Rampendienst eingeteilten SS-Ärzte entschieden lediglich mit einer einfachen Handbewegung über ihr weiteres Schicksal. Arbeitsfähige nach rechts, Alte, Schwache, Kranke, Mütter mit Kleinkindern nach links. Rechts das Leben, Links der Tod. Kamen zu viele an oder wurden die SS-Leute müde, dann gab es prinzipiell nur noch die linke Seite. Manch einer verfiel dem Alkohol oder nahm Aufputschmittel, um den Dienst als Richter über Leben und Tod an der Rampe durchzustehen. Ein Arzt jedoch schien seine Aufgabe ruhig und gelassen angehen zu können: Josef Mengele. Mit gleichmäßigen Handbewegungen urteilte er mühelos in Sekunden. Dabei, so würden sich Zeugen später erinnern, pfiff er oftmals wie gelangweilt eine Walzer- oder Operettenmelodie.

Doch nicht nur an der Rampe, sondern auch in der Lazarettbaracke von Birkenau zeichnete sich Mengele als kaltblütiger Mörder aus. Er war ehrgeizig, wollte sich als Arzt in den Lehrbüchern der Medizin verewigen. Immer hielt er bei den Selektionen Ausschau nach Zwillingen für seine zweifelhaften medizinischen Experimente – alles unter dem Deckmantel der Forschung. Er spritze zum Beispiel einigen Häftlingen Chemikalien in die Augen, um zu sehen, ob sich eine dauerhafte Blaufärbung erzielen ließe. Vor allem Kleinwüchsige und Zigeunerkinder weckten sein Interesse. Starb etwa ein Zwilling an den Folgen der Mengel'schen Versuche, wurde automatisch auch der andere getötet. Denn bei einer vergleichenden Obduktion hoffte er Belege für seine Theorien der Rassenlehre finden zu können.

Das Wesen eines Sadisten ist, dass er am Schmerz seines Opfers Freude hat. Bei Mengele hatte man das Gefühl, das er diesen Schmerz gar nicht bemerkte. Der fiel dem gar nicht auf, sondern die Häftlinge waren für ihn Meerschweinchen, Ratten, mit deren Seelenleben und Leiden man sich überhaupt nicht beschäftigte.
Dr. Ella Lingers, Häftling und Ärztin in Auschwitz

Um Arzt in Auschwitz sein zu können hieß, die Menschlichkeit hinter sich lassen zu müssen. Trotz aller Gefühlslosigkeit kam es doch auch zu erschütternden Beweisen von Mitgefühl und Menschlichkeit in den Reihen der Täter.
Maria Stromberger arbeitete ab 1942 als Krankenschwester im SS-Revier des Stammlager I. Als sie von den Vergasungen erfuhr, verschrieb sie sich vorbehaltlos der Hilfe für die Gefangenen. Sie versorgte Häftlinge mit Lebensmittel, Medikamente und schloss sich sogar der Widerstandsbewegung im Lager an. Als ihre Tätigkeit aufflog, wies sie der Standortarzt Dr. Eduard Wirths in eine Entzugsklinik für Morphinisten ein. Nach dem Krieg wurde sie von den Polen verhaftet. Als ehemalige Gefangene zu ihren Gunsten aussagten, wurde sie sofort aus der Haft entlassen.
Leider waren Menschen wie Maria Stromberger seltene Ausnahmen in den Reihen der Totenkopfverbände.

Der erste Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höß kehrte noch einmal in „sein Lager“ zurück. Es war im Mai 1944, sein Wissen und Können, wurden dringend benötigt. Zwar wurden bis dahin bereits über 500.000 Juden in Auschwitz vergast, SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann plante jedoch die Vernichtung der ungarischen Juden. Vom 14. Mai 1944 bis 20. Juni 1944 sollten 141 Transporte mit insgesamt 438.000 ungarische Juden Auschwitz erreichen und sofort der „Sonderbehandlung“ zugeführt werden. Die Gaskammern und Krematorien mussten Tag und Nacht arbeiten, die Sonderkommandos mussten in 12 Stunden-Schichten schuften. Die genaue Zahl der im Sommer 1944 Vergasten ist bis heute nicht bekannt.
Auch das Zigeunerlager wurde im August 1944 nicht verschont. Anfangs konnten sich die Roma und Sinti gegen die Vergasung wehren - es war der einzige Bericht von einem erfolgreichen Widerstand gegen die Vergasung durch die SS. Doch alle Anstrengung half nichts - in der Nacht vom 2. auf den 3. August umstellte die SS das „Zigeunerlager“ und erschoss sämtliche noch lebenden Sinti und Roma.

Im Spätsommer 1944 erreichten von Tag zu Tag Nachrichten über die näher kommende Ostfront das Lager. Entsprechend nervös wurden die Wachmannschaften. Die Alliierten wussten mittlerweile über das Lager Bescheid und hatten Kenntnis über die entsetzlichen Dinge die hier geschahen. Ende Mai bereits wurde das komplette Lager von Aufklärungsflugzeugen der RAF fotografiert. Auf den Fotos konnte man sogar die Verbrennungsgruben des Krematorium V erkennen.
Am 13. September 1944 flogen die Amerikaner einen Luftangriff gegen das BUNA-Werk der I.G. Farben. Die Gaskammern, Krematorien und Gleisanlagen des Vernichtungslagers wurden jedoch mit keiner einzigen Bombe getroffen. Bis heute diskutiert man die Frage, ob auch ein gezielter Angriff auf das Lager oder die Transportwege durchgeführt hätte werden sollen. Hätte man einige Transporte verhindern können, oder hätten sie ein anderes Lager erreicht? Wie auch immer, eine Entschuldigung für die Täter ist dies keinesfalls.

 


Von der RAF durchgeführte Luftaufnahme von Auschwitz-Birkenau.
Auf der linken Seite ist die Rauchfahne der Verbrennungsgruben sichtbar.



Der Spätsommer 1944 war besonders für die Sonderkommandos die Hölle. Tag und Nacht rollten Transporte herein, das Lager war heillos überfüllt und die Vernichtungsmaschinerie lief auf Hochtouren.
Am 7. Oktober 1944 versuchte das jüdische Sonderkommando einen Aufstand. Jüdische Frauen hatten aus einer Waffenfabrik Sprengstoff in das Lager geschmuggelt. Tatsächlich gelang es einigen Häftlingen, das Krematorium IV damit teilweise zu zerstören. Die anschließende Massenflucht von 250 Häftlingen hatte jedoch keinen Sinn. Nur kurz waren die Häftlinge in Freiheit. Alle Flüchtigen wurden kurze Zeit später von der SS gefasst und sofort hingerichtet.

Erst im November 1944 begann die SS in Auschwitz hastig die Spuren ihrer Untaten zu verwischen. Selbst dem größten Optimisten musste mittlerweile klar geworden sein, dass der Krieg längst verloren war. Jetzt galt es nur noch, die Zeugnisse für das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte so gut es nur irgend ging zu beseitigen. Die Vergasungen wurden auf Befehl Himmlers eingestellt und die Gaskammern gesprengt. Die Öfen der Krematorien wurden bis auf einen demontiert und zum Abtransport ins Reich bereitgestellt. Die Öfen sollten im Konzentrationslager Mauthausen weiter verwendet werden. Bereits im Juli 1944 war Höß wieder nach Berlin zurückgekehrt. Auch Mengele hatte sich rechtzeitig um eine andere Verwendung bemüht um das Ende in Auschwitz nicht miterleben zu müssen.

Als die Rote Armee sich dem Lager gefährlich näherte, befahl Himmler das Lager zu räumen. Beim allerletzten Appell am 17. Januar 1945 wurden immer noch 66.020 Häftlinge in Auschwitz und allen Nebenlagern gezählt. Die meisten von ihnen mussten sich auf die qualvollen Todesmärsche ins Reichsgebiet begeben. Tausende sind erfroren, oder verhungerten bzw. mussten vor Erschöpfung ihr Leben lassen.
Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee schließlich das praktisch verlassene Lager. Sie fanden nur noch 5.000 kranke und nicht gehfähige Häftlinge vor, die ihre Bewachern zurückließen. Der Schrecken war für diese 5.000 Menschen endlich vorbei. Trotz allen Bemühungen gelingt es vielen Tätern, sich der Justiz zu entziehen. Heinrich Himmlers letztes Treffen mit einem seiner gehorsamsten Kommandanten lässt diesen verwirrt und enttäuscht zugleich zurück:

Die letzte Meldung und Verabschiedung beim RFSS bleibt mir unvergesslich. Er strahlend und bester Laune - und dabei war die Welt untergegangen, unsere Welt. Wenn er gesagt hätte: "So, meine Herren, jetzt ist Schluss, Sie wissen, was Sie zu tun haben" - Das hätte ich verstanden - das hätte dem entsprochen, was er jahrelang der SS gepredigt hatte. Selbsthingabe für die Idee. So aber gab er uns als letzten Befehl: "Taucht unter in der Wehrmacht".

Daten/Fakten

Nachspiel

 

Die genaue Zahl der Opfer des Konzentrationslagers Auschwitz wird wohl niemals mit Sicherheit festgestellt werden können. Wie viele vergast, erschossen, erhängt, erschlagen, erfroren, verhungert oder Selbstmord begangen haben, können weder Täter noch Überlebende mehr beziffern. Historiker sprechen von ungefähr 1,1 Millionen.
Der Tod war kein Gast in Auschwitz, er war dort zu Hause.

Es gab in Auschwitz 400.207 registrierte Häftlinge. Dies geht klar aus der am höchsten vergebenen 6-stelligen Häftlingsnummer hervor, die den Insassen in den linken Unterarm tätowiert wurde. Eine genauere Zuweisung der registrierten Gruppen ist nur bei den RKG (russischen Kriegsgefangenen) und den „Zigeunern“ möglich.

Transporte, die in das Lager Birkenau führten, sind nicht mehr nachvollziehbar. Die genauen Zahlen wurden nach erfolgreicher Durchführung des Transportes und der erfolgten „Sonderbehandlung“ an das Wirtschaftsverwaltungshauptamt beziehungsweise RSHA (Reichssicherheitshauptamt) gemeldet. Die Unterlagen wurden im Anschluss umgehend vernichtet. In dem man von den 1,3 Millionen Lagerzugängen die 400.000 registrierten Häftlinge abzieht, könnte man ca 900.000 Deportierte zählen, die sofort ins Gas geschickt worden waren. Allerdings ist auch diese Rechnung keineswegs bewiesen, sondern nur ein weiterer Ansatz, an eine seriöse Zahl der Opfer zu kommen.

Rudolf Höß wurde am 11. März 1946 auf einem Bauernhof nahe Flensburg, wo er sich wochenlang versteckt hielt, von der britischen Militärpolizei festgenommen. Am 25. Mai 1946 wurde er an Polen ausgeliefert. In seiner Haft schrieb er seine Erinnerungen mit dem Titel „Kommandant in Auschwitz“ nieder. Am 2. April 1947 wurde Höß in Warschau zum Tode verurteilt und 14 Tage später, vor seinem ehemaligen Wohnsitz in Auschwitz erhängt.

 

Kurt Gerstein, der für die Versorgung von Auschwitz mit Zyklon B mit verantwortlich war, wurde am 25. Juli 1945 in seiner Zelle im Pariser Militärgefängnis erhängt aufgefunden. Bis heute ist unklar, ob er Selbstmord beging, oder ob er gar von Mithäftlingen getötet wurde.

Josef Mengele gelang die Flucht nach Südamerika. Bis zu seinem Tode am 7. Februar 1979 in Bertioga (Brasilien), konnte sich der ehemalige Lagerarzt von Auschwitz seiner Verhaftung und damit auch der Verantwortung seiner ungeheuren Taten entziehen. Seine Familie in Günzburg, die stets von seinem Aufenthaltsort wusste, schweigt bis heute auf sämtliche Fragen.

 

Selbst heute noch leugnen viele Menschen im In- und Ausland, trotz unwiderlegbarer Beweise, die in Auschwitz begangenen Verbrechen. Für sie hat der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning eine Botschaft:

 

Ich habe die Krematorien gesehen,
ich habe die offenen Feuerstellen gesehen,
ich möchte gerne, dass Du mir glaubst, dass diese Schrecklichkeiten geschehen sind.
Ich war dabei.

 

Für alle Zeiten ein Symbol der Unmenschlichkeit: Auschwitz II Birkenau

Quellen

Höß, Rudolf: Kommandant in Auschwitz, dtv, München 1963 (18. Auflage 2002), ISBN 3-423-30127-9
Rees, Laurence: Auschwitz – eine Dokumentation in 6 Teilen, eine BBC / KCET Hollywood Co-Production, NDR 2005
Knopp, Guido: Holokaust - Der Mord an den Juden,C. Bertelsmann Verlag, München 2000, ungekürzte Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertriebs GmbH, Buch-Nr. 06901 3
Knopp, Guido: Die SS - Eine Warnung der Geschichte, C. Vertelsmann Verlag, München 2002, ISBN 3-570-00621-2
Geyer, Matthias: Der Buchhalter von Auschwitz, Spiegel-Verlag, Gruner + Jahr Pressedatenbank

http://www.ns-archiv.de/verfolgung/gers ... ericht.php (Letzter Zugriff 25.03.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz-Birkenau (Letzter Zugriff 25.03.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gaskammern ... _Auschwitz (Letzter Zugriff 25.03.2011)
http://www.deathcamps.org/occupation/au ... en_de.html (Letzter Zugriff 25.03.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Opferzahle ... eportierte (Letzter Zugriff 25.03.2011)
http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at/Ausc ... hrung.html (Letzter Zugriff 25.03.2011)
http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at/Ausc ... hrung.html (Letzter Zugriff 25.03.2011)



Autor: Schwarzenberg