1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 3.34 (16 Votes)

Das Thema

Adolf Hitler

 

 

 

Vom größten Feldherrn zum größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts

 

"Als ich noch nicht Reichskanzler war, habe ich gemeint, der Generalstab gleiche einem Fleischerhund, den man fest am Halsband haben müsse, weil er sonst jeden Menschen anzufallen drohe. Nachdem ich Reichskanzler geworden war, habe ich feststellen müssen, daß der deutsche Generalstab nichts weniger als ein Fleischerhund ist. Dieser Generalstab hat mich immer gehindert, das zu tun, was ich für nötig halte. Der Generalstab hat der Aufrüstung, der Rheinlandbesetzung, dem Einmarsch nach Österreich, der Besetzung der Tschechei und schließlich sogar dem Krieg gegen Polen widersprochen. Der Generalstab hat mir abgeraten, gegen Frankreich offensiv vorzugehen. Der Generalstab hat mir abgeraten, gegen Rußland Krieg zu führen. Ich bin es, der diesen Fleischerhund immer erst antreiben muß."
18./19. Januar 1942 in der Wolfsschanze
(Werner Jochmann (Hrsg.): Monologe im Führer-Hauptquartier 1941-1944. Hamburg 1982)

 

 

 

 

Einleitung



Es ist immer schwer einen Beitrag, Artikel oder Aufsatz zu einem Mann zu schreiben, der wie kein anderer Deutschland und die Welt bis heute geprägt hat - auf negative Weise. Eine solche Abhandlung trägt immer das Risiko in sich etwas zu vergessen, nicht in den richtigen Zusammenhang zu stellen oder schlichtweg jeden Rahmen zu sprengen. Ich will und darf bei einer so wichtigen Figur des 20. Jahrhundert nicht dieser Versuchung erliegen, sondern muss von Beginn an mich an eine Fragestellung halten, die zum Bild und thematischen Schwerpunkt unser Bibliothek passt, wie auch die Ansprüche der Geschichtswissenschaft zufrieden stellt.
So soll dieser Beitrag nicht das ganze Leben Adolf Hitlers Revue passieren lassen, sondern nur die Episode des Zweiten Weltkrieges besprechen. Dabei handelt es sich bekanntlich um einen sehr prägenden Teil seiner Biographie, ist aber nicht der Spiegel seines Weges als Staatsmann. Die Entwicklung im Leben Hitlers, in der er durch Leistungen Freund und Feind überraschte, hat durchaus 2 Gesichter, die er nach außen getragen hat. Bis 1939 war Hitler nach außen hin Politiker, Diplomat und selbsternannter Friedensstifter, wobei er im Hintergrund schon immer einen Krieg plante um seine Ziele zu verwirklichen. Dabei sei angemerkt, dass diese Ziele bereits halb-offiziell seid den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts in seinem Werk "Mein Kampf" nachzulesen sind. Ich sage halb-offiziell, da es sich bei dem Buch "Mein Kampf" wohl um den einzigen Bestseller weltweit handelt, der nur von den wenigsten Menschen wirklich gelesen wurde.
 


(Signatur Adolf Hitler)



"Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Wort das Gewollte sich vorzustellen vermag."
18./19. Januar 1942 in der Wolfsschanze
(Werner Jochmann (Hrsg.): Monologe im Führer-Hauptquartier 1941-1944. Hamburg 1982)



So wurde der Demagoge und Trommler der NSDAP, später Führer der Partei und auch des Deutschen Reiches, Feldheer mit Ansage. Das Militär, gedemütigt vom November 1918 und auf jede Chance der Revision versessen, wie das Volk folgten dem Führer in den größten Krieg der Menschheit. Dieser Krieg brachte dem gebürtigen Österreicher Ruhm und einen Ruf im Deutschen Reich, von dem andere Staatsmänner nur träumen konnten. Der unbesiegte Feldherr, Autodidakt des Militärischen und vom Schicksal begünstigen Lenker in eine neue Zukunft. Doch genau darin lag die Crux dieses Mannes, denn Hitler fing an, diesen seinen eigenen Mythos zu glauben. Seine Ziele, die seiner Jugend entsprangen oder doch nur von anderen völkischen Denkern übernommen wurden, erwuchsen von der antisemitistischen Politik zu einem Wahn der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung überall in Europa. Aus seinem Feldzug im napoleonischen Stil, der Eroberung Europa und der Etablierung einer deutschen Vorherrschaft, wurde das Streben nach militärischer Allmacht und grenzenloser Überlegenheit ohne den Realitäten noch ins Auge zu sehen. Dieser Irrglaube an die eigene Unverwundbarkeit und schicksalsgelenktem Aufstieg, wurde zu einer Odyssee der Leiden, Unterdrückung und Massenvernichtung am deutschen Volk - mag es jüdisch oder christlich sein.
Die Wannsee Konferenz ließ die Menschheit die Grausamkeit ideologischer Ziele mit bürokratischer Genauigkeit erblicken und das deutsche Volk, in einen heroischen Endkampf befohlen und gefolgt, sollte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, durch Hitlers Vernichtungsbefehlen beschlossen, nur noch das wiederfinden was Sie für ihr primitivstes Weiterleben brauchten.
Der Massenmord an einer zur Rasse erhobenen Religion und am Deutschen Volk, stehen am Ende des Weges dieses Mannes, den man mit vielen großen Persönlichkeiten der Geschichte vergleicht und am Ende nur die schlechtesten Eigenschaften dieser Gestalten sich in ihm zu bündeln scheinen.

(Unterschriften Adolf Hitlers im Wandel der Zeit)

 


"Was für ein Glück für die Regierenden, dass die Menschen nicht denken!"
18./19. Januar 1942 in der Wolfsschanze
(Werner Jochmann (Hrsg.): Monologe im Führer-Hauptquartier 1941-1944. Hamburg 1982)



Der Beitrag soll sich dieser Entwicklung stellen und die Entwicklung Hitlers, seiner Persönlichkeit und seines Abdriften in militärische Scheinwelten aufzeigen. Die Wandlung eines einfachen Gefreiten zum größten Feldherrn und gleichzeitig zum größten Verbrecher an der Menschlichkeit und dem deutschen Volke.
12 Jahre Herrschaft Hitler, davon 6 Jahre als Oberbefehlshaber einer auf ihn vereidigten Wehrmacht, die er durch ganz Europa marschieren ließ und am Ende in den Kesseln, ohne Möglichkeit eines Rückzugs, sterben ließ. Der Führerbefehl als Todesurteil, für den deutsche Soldaten wie unzählige Seelen in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches.

Jugend und Frontsoldat

Geprägt durch den Krieg
in die Politik entlassen

 

 

 

Adolf Hitler wurde in einfachen, aber gut behüteten Umständen geboren. Am 20.4.1889 erblickt er als Sohn eines Zollbeamten in Braunau am Inn in Österreich das Licht der Welt. Er wuchs in Braunau, Passau, Linz und in Leonding bei Linz auf. Als sein Vater starb und er allein von seiner Mutter groß gezogen wurde, verfiel der junge Hitler in eine weniger beaufsichtigte Phase seines Lebens. Nun wurde er von der Mutter umsorgt und vor allem verwöhnt, was seinen schulischen Leistungen nicht zur Gute kam. Schon zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters brach er 1905 den Besuch der Realschule ohne Abschluss ab. Was danach kommt liest sich wie das Leben eines gescheiterten jungen Mannes, der ohne Ausbildung und Beruf mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter in Linz über die Runden kommt. Doch trotz seiner abgebrochenen Schulbildung und der nicht vorhandenen Aussicht auf eine Zukunft, sieht sich Hitler als Könner seines Faches – der Malerei. Schon davor malte er gerne und sah sich als begnadeter Zeichner monumentaler Perspektiven, ganz in der Tradition eine Schlachten- bzw. Städtemalers. Mit Landschaften und lebendiger Gestaltung hatte es Hitler nie wirklich anfreunden können und trotzdem ist er gewiss, im September 1907, in Wien einen Platz an der Allgemeine Malschule an der Akademie der Bildenden Künste in Wien zu ergattern. Er scheiterte jedoch zweimal an der Aufnahmeprüfung, wobei nicht nachzuvollziehen ist, ob der Ausschuss seine wenigen malerischen Talente und die geringe Bildung als Ausschlag für die Ablehnung nahmen.

 


Hitler als Schüler

 


 
Lebenslauf I
20. April.1889
Als Sohn des Zollbeamten Alois Hitler (bis 1877 Schicklgruber) und seiner Frau Clara (geb. Pölzel) in Braunau am Inn (Oberösterreich) geboren.
1905
Hitler verlässt die Realschule ohne Abschlussexamen.
Hitler wird in der Folgezeit von vielen Strömungen beeinflusst, zieht die eigene Lektüre völkischer Schriften der Schulbildung vor.
1907
Übersiedlung nach Wien, vergebliche Bewerbungen an der Kunstakademie, lebt kurzfristig von seinem Erbe und schlägt sich danach als Obdachloser durch.
Antisemitische Literatur und Redner beeinflussen ihn maßgeblich und prägen seinen Judenhass und Feindschaft gegen Marxismus und Liberalismus.
24. Mai. 1913
Er entzieht sich dem Wehrdienst in der österreichisch-ungarischen Armee und siedelt nach München über.
16. August. 1914
Als Kriegsfreiwilliger tritt er in das Bayerische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 16 (später Regiment "List") ein.
In der Folgezeit:
Schwere Beinverwundung an der Westfront (1917) /
schwere Vergiftung bei einem Gasangriff (1918)
1918
Es reift sein Entschluss heran "Politiker" zu werden und nach dem Krieg, wird er von der Reichswehr als "Verbindungsmann" und "Aufklärungsredner" engagiert.

 

Diese Ablehnung erschütterte dennoch nicht das Selbstbewusstsein des jungen Österreichers, der sich von nun an als „Schriftsteller" und „Kunstmaler" betitelt, obwohl keine Ausbildung in dieser Richtung absolviert. Sein Leben konnte er aus dem Erbe bestreiten und war so gar nicht erpicht darauf, sich zusätzliches Geld durch Hilfsarbeiten zu erwirtschaften. In Männerwohnheimen und sporadischen Unterkünften fristete er sein Leben, immer mit der Wut auf die Perspektivlosigkeit, die natürlich nicht er zu verschulden hatte. Das vielseitige, vielschichtige und vielsprachige Wien offenbarte da viele Möglichkeiten einen Schuldigen zu finden. Dabei griff Hitler auf einen altbewährten, immer wieder aufgegriffenen Feind der Menschen zurück – die Juden. Sie mussten immer wieder Pogrome erleiden, sind von jeher aus der Gesellschaft ausgeschlossen und Stossfänger jeder gesellschaftlichen Kränkung. So nahm Hitler die allgegenwärtigen antisemitischen und nationalistischen Bestrebung auf und nahm dazu, für alle Erklärungen seines undankbaren Daseins offen, die Abneigung gegen Marxismus und Liberalismus mit auf. Dabei sollte es noch schlimmer kommen, denn der österreichische Militärdienst wollte den jungen Hitler 1913 einziehen. Dies sollte so gar nicht seinen Lebensplan als freischaffender Künstler passen und so konnte er dich Flucht nach München bzw. Musterung mit dem Ergebnis der Untauglichkeit diesem Los entgehen.

 


Der Gefreite Hitler

 

Doch der Trend jener Zeit lautete anders, wer stolz und national war, der kämpfte für sein Vaterland. Zwar war Deutschland nicht sein Vaterland und Bayern nicht seine Heimat, doch zogen ihm die Begeisterung auf den Straßen und die Möglichkeit eines ersten glorreichen Sieges in seinem Leben in die Armee. Er meldete sich als Freiwilliger im Reserve-Infanterie-Regiment 16 (Meldegänger) zur Front. Die nicht vorhandene Schulbildung, keine militärische Erfahrung und der Status als Österreicher, ließen ihn nie über den Rang eines Gefreiten steigen, wobei nicht geklärt ist, ob dies überhaupt wollte. Er erlangte durch kühne Frontgänge als Melder das Eiserne Kreuz beider Klassen und hatte keine Ambitionen im Regiment aufzusteigen. Dennoch scheint eines hängen geblieben zu sein, der Hang zum Militärischen, zur Uniform und zur Hierarchie. Man sollte hier natürlich nicht auf die autobiographischen Beschönigungen seines Buches „Mein Kampf“ vertrauen, doch sind die Erlebnisse an der Front für die Fahne, in der Gemeinschaft und im bedingungslosen Schlagabtausch in ihm haften geblieben. Dabei ist Hitler natürlich kein Einzelfall, war der Erste Weltkrieg doch eine einschneidende Erfahrung für jeden kämpfenden Soldaten jener Zeit. Die militärische Hierarchie jedoch schien ihm am wirksamsten für eine Führung von Menschen, direkt und ohne Widerworte. So sollte sich diese Organisationsstruktur im Führerprinzip wiederfinden, wobei die Erfahrung der Gemeinschaft in der Truppe, geeint durch Fahne und Uniform, in seiner Auffassung von der „Volksgemeinschaft" in die spätere Gesellschaft des „Dritten Reiches“ Einzug hielt. Die Uniformierung machte gleich und dies gefiel dem Mann ohne Abschluss und Referenz besonders. Jeder Soldat erhielt mit der Uniform ein neues Leben, dessen Leistung durch Ausschmückungen in Form von Orden bzw. Rangabzeichen gewürdigt wurden. Die Uniform als Zugehörigkeitssymbol, Zeugnis des eigenen Schaffens und Bindung an die Gemeinschaft. Hitler nahm diese Lehre in sich auf und zerrte davon bis an sein Ende. Er war sich der Uniform des Gedankens einer militärischen Führung bewusst, benutzte diese Institution aus und schuf sogar eine eigene Armee, die nur ihm gehorchte. Umso prägender muss für ihn der Waffenstillstand 1918 und die dadurch proklamierte Niederlage gewesen sein. Auch der Ort an dem er dies erfuhr trug zur Prägung dieses Ereignisses bei Hitler bei, denn er erfuhr davon, als vorübergehend durch Giftgas erblindet, im November1918 in einem Lazarett in Pommern untergebracht war. Einer verbreiteten Meinung entsprechend verstand er die Kapitulation als Dolchstoß von Juden und Marxisten. Er nahm auch hier wieder den Trend an und fürchte in der Kapitulation nicht so sehr die Zukunft Deutschlands, sondern seine eigene in Gefahr. Sein Leben war nun das Militär und er fühlte sich wohl in dieser hierarchischen Gesellschaft, wo er doch mit Tapferkeitsauszeichnungen gewürdigt, sich eine Reputation in ihr erarbeitet hatte. Er wollte um alles in der Welt diese seine uniformierte Heimat nicht mehr verlassen. Ein Ausweg bot der Dienst als Aufklärer, Spion und Beobachter für die Reichswehr. Er war so immer noch Teil der Armee, wenn auch nicht vorrangig in Uniform. Im September 1919 trat er, ohne je einen Beruf erlernt zu haben, als Gefreiter der im Januar gegründeten DAP bei.

 


Links: Hitler Militärpass
Mitte: Sein Waffenschein
Rechts: Die Verwundeten-Annonce in der Zeitung

 

Eigentlich um die Partei zu infiltrieren, aber gleichzeitig bot sich hier eine neue Heimat auf, eine die Erklärungen für Hitler Leben bot. So kam zu seiner militärischen Werteordnung, welcher eher einem asketischen Idealismus als Nationalismus ähnelte, eine „höheren Berufung“ durch die Politik dazu. Sebastian Haffner nannte Hitlers Fronterfahrung sein „einziges Bildungserlebnis“ und die Bildung wandte er auf die Politik an – führen, hierarchisieren und eine Gemeinschaft schaffen. Ian Kershaw urteilte: „Der Krieg und die Folgen haben Hitler geschaffen.“ Wobei es Hitler gelang, sich nicht dem Leben anzupassen, sondern immer das Glück zu haben, dass sich das Leben ihm anpasste. Die Gelegenheiten kamen wie auf Hitler zugeschnitten des Weges und Hitler sah sich immer mehr in seinem Selbstvertrauen und Berufung bestärkt.

 


Mitte: Hitler als Verwundeter im Lazarett

 

Er hat sich 1914 erstmals in seinem Leben ganz einer Sache hingegeben habe, dem Krieg, hätten sich seine schon mitgebrachten Vorurteile und Phobien in der Erbitterung über die Kriegsniederlage ab 1916 entscheidend verstärkt. Nun wollte er diese Erinnerung nicht tilgen, sondern darauf aufbauend seine Lebensideal daraus entstehen lassen. Immer mit der Prämisse, das eine Gemeinschaft eine starke Führung braucht. Diese Führung durfte seit dem Ersten Weltkrieg aber nie mit Politik oder „Politik machen“ verstanden werden, sondern immer mit der militärischen Verdrehung eines Clausewitz Zitates:

 

„Krieg ist nur die Fortsetzung von Diplomatie mit anderen Mitteln“ (Clausewitz)

„Politik ist nur die Weiterführung von Krieg in Friedenszeiten“ (Versinnbildliches Ideal Hitlers)

 

 

 

Hitler wurde schnell zum Führer der Partei, der er das Kürzel NS für Nationalsozialistisch vorsetzte. Er wollte die Partei abheben von der Masse, Uniformierte Sie, Hierarchisierte Sie und erhob Sie mit dem NS zur Gemeinschaft. Alles militärisch organisiert und mit Verbündeten aus dem alten Kaiserreich an der Seite, allen voran General Ludendorff, der die NSDAP gerne für seine Ideal benutzen wollte. Mag auch alles militärisch aussehen, so war doch der erste „Fronteinsatz“ seiner Partei eine Katastrophe. Man könnte mit durch den improvisierten und dilettantisch durchgeführten Putschversuch am 9. November 1923 Schlüsse bezüglich militärischen Talent und Fähigkeit Hitlers ziehen, doch wäre dies zu diesem frühen Zeitpunkt sehr gewagt. Fakt ist, dass Hitler im Scheitern des Putsches einen General an seine Seite holen will, ihn führen lassen wollte, doch Erich Ludendorff blieb isoliert und griff nicht ein. Ein weiterer Schluss bezüglich Hitlers Vertrauen in die Generalität und sein Bestehen auf eigenen militärischen Führungsanspruch? Ein am Morgen des 9. November von Hitler und Ludendorff angeführter Marsch mit mehreren Tausend, zum Teil schwer bewaffneten Teilnehmern endete im Feuer der Polizei an der Feldherrenhalle. Vier Polizisten und 14 Demonstranten kamen ums Leben. Hitler-Anhänger ließen anschließend auf Flugblättern keinen Zweifel daran, wer die Schuld am Scheitern des Umsturzversuchs trug: der bayerische Generalstaatskommissar Kahr, der ebenso wie Otto von Lossow dem "völkischen Befreier" Hitler die Gefolgschaft verwehrt hatte. Ein letzter Schluss bezüglich Hitlers Bestreben den Staat auszuhebeln, seine eigene Gefolgschaft ersetzbar zu machen und gegenseitig auszuspielen?

 

„Aus dieser ganzen Not ist unsere Bewegung entstanden, und sie hat daher auch schwere Entschlüsse fassen müssen vom ersten Tage an. Und einer dieser Entschlüsse war der Entschluss zur Revolte vom 8./9. November 1923. Dieser Entschluss ist damals scheinbar misslungen, allein, aus den Opfern ist doch erst recht die Rettung Deutschlands gekommen.“
Adolf Hitler: Rede vom 9. November 1939 im Bürgerbräukeller

 

 



Dass man Schlüsse ziehen muss, aus dieser Zeit Hitlers, als aus dem „Krieg in die Politik“ entlassen wurde steht fest. Denn dieser missglückte Putschversuch kehrt in der Tradition des „Dritten Reiches“ und des „Führerkults“ immer wieder. Mit jährlich wiederkehrenden Totenfeiern für die Erschossenen und Aufmärschen der am Putsch beteiligten Blutordensträger gedachten die Nationalsozialisten nach ihrer Machtübernahme 1933 des ersten Feldzuges ihres Führers. Immer wieder werden danach in der nationalsozialistischen Propaganda vermeidliche Rückschläge in Siege und unvermeidliche Vernichtung in heroische Niederlage umstilisiert. Hitler selbst lebt nach 1933 sein Ideal der Militär-Politik, eines Führerstaates, Parteiarmee und Volksgemeinschaft. Als Krönung dieser Bestrebungen macht er sich zum Führer der militärischen Kräfte des Landes, lässt sich nur zu gerne mit „größten Feldherr aller Zeit“ titulieren und als Beweis seiner Reputation trägt er bis zum Ende seine Eisernes Kreuz an der immerbraunen Uniform.

Legendenbildung

Legenden um Hitler

 

Bis heute sind historische wie politische Legenden der Unterbau für viele Völker und spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie prägen das Geschichtsbewusstsein und damit auch das politische Handeln. Die Dolchstoßlegende ist eine dieser Legenden, die maßgeblich an der Zerstörung der Demokratie in Deutschland beteiligt war.
Das Dritte Reich war schon immer angewiesen auf Legenden, die Propaganda arbeitet 12 Jahre lang und mit Hilfe der Massenmedien an der Etablierung solcher Legenden für die eigenen Zwecke. Der Bürger hatte damals nur die Wochenschau, Radio, Plakate und Zeitungen als Informationsmöglichkeit, welche heute nicht nur ideales Anschauungsmaterial im Geschichtsunterricht ist, sondern bis heute noch das totalitäre Denken in Deutschland beflügelt. Viele dieser Legenden ranken sich um den Führer selbst und ließen den Führermythos in den Gedanken der Menschen heranwachsen. Schauen wir uns die bis heute überlieferten und prägenden Legenden einmal an:

 

"Hitler hat die Autobahnen geschaffen..."
"Hitler hat für den arbeitenden Menschen gesorgt..."
"Hitler hat Deutschland von den Fesseln des Versailler Vertrages befreit..."
"Hitler wollte Europa vor dem Bolschewismus retten..."

... oder?



Wenn wir diese 4 Legenden einmal mit den Tatsachen konfrontieren, dann können wir der Person Hitler ein Gesicht geben. Ein Gesicht, dass vom geschichtswissenschaftlichen wie vor dem publizistischen Aspekt her gesehen, die nötige Übersichtlichkeit und Korrektheit als Kriterium erfüllt.

Fangen wir gleich bei der ersten Legende an und hier ist die Antwort unumstößlich, denn bei näherer Betrachtung hatte Hitler weder als erster die Idee zu den Autobahnen, noch hat er sich als erster gebaut. Die vorhanden Strecken und die Vorarbeiten während der Weimarer Republik ermöglichten es ihm, in kurzer Zeit ein Projekt aufzubauen und propagandistisch auszuwerten. Dabei steht dieses Projekt nur exemplarisch für seine wirtschaftlichen Erfolge, denn die Vorlagen für seinen Aufbau stammen noch von der Regierung Brüning (bis 30. Mai 1932). Brüning und sein Kabinett wurden von den Nationalsozialisten für ihre Sparpolitik verurteilt, doch war es gerade dieses und weitere Arbeitsbeschaffungsprogramme im Zusammenspiel, die Hitler nur fortsetze und anders als Brüning, die Früchte ernten durfte. Die Autobahnen ragen dabei nur deshalb hervor, weil alle Kräfte und Kapazitäten auf dieses Vorzeigeprojekt gebündelt und somit ein schneller Abschluss realisiert werden konnte. Sie ließen durch den massiven Einsatz von Arbeitskräften die Arbeitslosenzahlen sinken und die Staatsausgaben steigen, dabei waren Sie damals bei weitem nicht so nützlich wie heute. Für die damalige Wirtschaftslage und Motorisierungsdichte in Deutschland, war es ein Luxus auf ihnen zu reisen. Schließlich und endlich ruinierte Hitler damit den Staatshaushalt bevor er überhaupt saniert werden konnte, und die Sparer bezahlten dies bei der Währungsreform 1948 auch noch nachträglich. Arbeitsbeschaffung schön und gut, doch Hitler sah nur dieses eine medienwirksame Projekt, im Gegensatz zu Brüning, der es den USA gleichtun und Arbeitsbeschaffung mit Langzeitwirkung fördern wollte. Fazit: Die Autobahnen sind deshalb nicht schlecht, weil Hitler Sie gebaut hat, doch sind Sie kein Verdienst Hitlers für die Wirtschaftspolitik, sondern nur ein hochstilisiertes Projekt (s)einer Diktatur.
 


(Nürnberg 1933)



Kommen wir zur zweiten Legende: "Hitler hat für den arbeitenden Menschen gesorgt" oder wie gerne von dessen Befürwortern zitiert: "Ich werde keinen größeren Stolz in meinem Leben besitzen als den, einst am Ende meiner Tage sagen zu können: ich habe dem deutschen Reich den deutschen Arbeiter erkämpft .(Adolf Hitler)" Dazu eine kurze aber knappe Antwort, denn Hitlers NSDAP war weder eine Partei des Arbeiters, noch eine Partei für den Arbeiter. Gegen das Reich war der Arbeiter auch nie gewesen, außerdem gab es ja auch andere Arbeiterparteien und - Verbände, die von Hitler nur zu gern verboten wurden. Hitlers Wählerschaft rekrutiere sich auch nie wesentlich aus der Arbeiterschaft, so war der Arbeiter nie eine Stütze für das Regime. Der Arbeitnehmer spürte, dass er für Hitler nichts anderes bedeutete als "Menschenmaterial".
Es wirkt schon beinahe ironisch, dass sich gerade diese Legende am hartnäckigsten hält. Waren es doch in der Mehrzahl die Arbeiter waren, die den Widerstand gegen die Nazis wagten und war es an Hitler, der die Gewerkschaften verbot. Hängen geblieben ist in der Gesellschaft nur der 1. Mai - "Tage der nationalen Arbeit", den Hitlers den Menschen als Feiertag gewährte - nach der Zerschlagung der Gewerkschaften. Ein Mann, der oft genug und vor allem öffentlich den Bolschewismus als Hauptfeind beschwörte, wollte mit der Zerschlagung der Gewerkschaften "dem marxistischen Gesindel seine Hauptwaffe aus der Hand schlagen." Auch findet sich unter den Parteioberen kein Arbeiter wieder und auch die Punkte zum "Sozialismus" im Parteiprogramm, wie Gewinnbeteiligung der Arbeiter an Großbetrieben oder eine Bodenreform, wurden nie umgesetzt. Die heute beschworende Volksgemeinschaft unter der Regie Hitlers, mit ihrem Tenor: "Was Deutschland nützt, das ist recht, und alles, was Deutschland schadet, ist unrecht.", diente als Abart des Sozialismus nur Hitler und seiner Clique. Dabei mögen ja Einrichtungen wie die Organisation "Kraft durch Freude" oder die "Deutsche Arbeiterfront" äußerlich als die "Heimat aller Schaffenden" wirken, doch sind Sie im Inneren nur Ausgeburten einer totalitären Sozialtechnik. Nur der Schlaf ist noch Privatsache hieß die Losung und die Wirtschaftsleistung des Arbeiters wurde ganz in den Dienst der Mächtigen gestellt. Also genau das Gegenteil zur Legende.

Bei der dritten Legende: "Hitler hat Deutschland von den Fesseln des Versailler Vertrages befreit" sprechen wir nach der Wirtschaftspolitik und Innenpolitik, nun die Außenpolitik Hitlers an. Hier möchte ich nicht groß ausschweifen, weil Teil der Argumentation noch im weiteren Verlauf immer wieder auftauchen werden. Fakt ist, dass der Versailler Vertrag von vornherein kein wirkungsvolles Instrument für die Stabilisierung des Friedens in Europa gewesen ist. Die Revision war somit schon vorgegeben und wurde von der Weimarer Republik bis 1932 auch äußerst erfolgreich betrieben. Trotz großer Erschwernisse, der Isolation, der Reparation und der demütigenden Verklausulierung des Deutsches Reiches durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges, ist es der Weimarer Republik gelungen in friedlichen Verhandlungen den Vertrag und seine Bedingungen aufzulösen. Bis 1932 stand fest, dass der Vertrag wohl nie voll zum Tragen kommen wird, dass er von allen Beteiligten als Verhandlungsbasis gesehen wurde und es wohl keine 10 Jahre mehr zur Rehabilitierung des Deutsches Reiches gedauert hätte. Doch die zersetzende Agitation der Radikalen bis 1933 und der Verfälschung der Wahrheit nach 1933, haben dafür gesorgt, dass die außenpolitischen Erfolge der Weimarer Republik nur schwach ins Bewusstsein der einzelnen gedrungen ist. Nur durch die Vorarbeit der demokratischen Kabinette vor 1932 ist eine Remilitarisierung des Rheinlandes überhaupt möglich geworden, denn die französischen Truppen waren schon längst abgezogen. Hitler nutze den erarbeiteten Meinungsumschwung bei den Siegermächten von damals, um bis 1938 eine schnelle und erfolgreiche Revision der noch offenen Vertragsbestimmungen durchzuführen. In der langfristigen Taktik und Strategie war diese offensive Außenpolitik jedoch nur die Vorstufe zu der schon in "Mein Kampf" angekündigten Expansionspolitik. Das erarbeitete Vertrauen auf dem internationalen Parkett, dass die Politiker von 1920-32 als Grundlage für eine Revision brauchten, wurde durch eine "Schnellrevision" Hitlers über die Expansion in den totalen Krieg und den totalen Zusammenbruch bis heute nachhaltig zerstört.
Und genau das ist der Ansatz für die letzte Legende Hitlers, seinen legitimen Kriegsgrund und Grundlage für seine Kriegsziele. Die Legende soll im Mittelpunkt des Beitrages stehen:

 

"Hitler wollte doch Europa vor dem Bolschewismus retten?"

 

 

 

"Meine Generäle verstehen nichts von Kriegswirtschaft"
Wolfsschanze August 1941
(Heinz Guderian: Erinnerungen eines Soldaten. Stuttgart 1994, S. 182.)

 

Hitler als gestandener Antibolschewist ist ein Bild, das sich wohl am längsten in der Geschichte gehalten hat. Ein oftmals angeführter Grund, um Hitlers Terror im Osten als europäischen Verdienst zu rechtfertigen und vor allem zu verherrlichen. In der Propaganda wird diese Weltanschauung Hitlers als Fügung des Schicksals gedeutet, welche Deutschland vor einer kommunistischen Diktatur gerettet hat. Seine Bündnisse mit zahlreichen Regierungen und Gruppen aus Europa, haben den Kampf gegen den Bolschewismus geschürt und Hitler dadurch Europa "geeint".
Diese Argumente sind Fehlinterpretation und gehen weit an der Wirklichkeit vorbei. Wenn man die Fakten objektiv betrachtet, so ist schon das Prinzip der Totalität bzw. der totalitären Herrschaftsform an ein Feindbild gekoppelt. Dieses Feindbild dient vor allem dazu den Menschen zu binden, zu einen und zur ständiger Wachsamkeit wie äußersten Anstrengungen zu bringen. Faktisch also einen ständigen Ausnahmezustand zu legitimieren. Bereits in den frühen Regierungsjahren wendet Hitler dieses System an und etabliert durch seine Gesetze: Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) dem das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich (Ermächtigungsgesetz) folgte. Diese Gesetze, basierend auf den Artikel 48 (Notstand) der Weimarer Reichsverfassung erlassen, schufen eine ständigen Ausnahmezustand „zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“.

 


 
Lebenslauf II
12. September. 1919
Hitler besucht eine Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) und tritt ihr wenige Tage später mit der Mitgliedsnummer 555 bei.
1920
Es folgen viele Reden zur Politik und die Mitarbeit am Programm der in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
29. Juli. 1921
Als Agitator und Trommler für die Partei für die Partei werbend bzw. unentbehrlich geworden, werden ihm diktatorischen Vollmachten über die NSDAP zugesprochen.
9. November. 1923
Der Hitler-Putsch in München wird von Regierungstruppen mit Waffengewalt niedergeschlagen.
Die NSDAP wird am folgenden Tag verboten.
26. Februar. 1924
Zu fünfjähriger Festungshaft verurteilt, benutzt er dennoch den Prozess zur Agitation.
(Während seiner Haft ist die Schrift "Mein Kampf" entstanden)
30. April. 1925
Neugründung der NSDAP /
Hitler wird auf Antrag aus der österreichischen Staatsbürgerschaft entlassen und ist seither staatenlos.
1928
Hitler spricht nach Aufhebung des Redeverbots für Preußen im Berliner Sportpalast und kann in der Folgezeit für seine Partei viele Anhänger gewinnen.
1931
Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt Hitler erstmals zu einer Aussprache und mit der Harzburger Front
(NSDAP, Deutschnationale Volkspartei (DNVP), Alldeutscher Verband, Stahlhelm)
will Hitler das höchste Amt im Staate für sich erobern.
1932
Hitler spricht vor den Wichtigen des Reiches /
Zuerkennung der deutschen Staastsbürgerschaft /
Die Wahl zum Reichspräsidenten nur knapp verloren
/ die NSDAP geht als stärkste Fraktion aus den Wahlen hervor, kann sich aber in den folgenden Wahlen nur knapp in Führung halten /
man will Hitler (noch) nicht an der Regierung beteiligen
30. Januar. 1933
Hitler wird zum Reichskanzler eines national-konservativen Kabinetts ernannt (man will ihn als Gallionsfigur benutzen und mit seiner Partei eine regierungsfähige Mehrheit erhalten)
Das Ermächtigungsgesetz wird verabschiedet und bildet den ersten Schritt zur Diktatur in Deutschland
1934
Röhm-Putsch:
Hitler entledigt sich der SA Führung und lässt zahlreiche politische Gegner ermorden.
(Die Schutzstaffel (SS) wird Hitler direkt unterstellt)
2. August. 1934
Reichspräsident Hindenburg stirbt. Hitler vereinigt die Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler in seiner Person und führt den Titel "Führer und Reichskanzler". Die Reichswehr, aus der 1935 die Wehrmacht hervorgeht, wird auf ihn persönlich vereidigt
15. September. 1935
In Nürnberg werden die Nürnberger Rassegesetze verabschiedet.



Das Feindbild war geschaffen und mit nur 2 Gesetzen wurde ab dem 28. Februar 1933 bzw. 24. März 1933 die Verfassung für die kommenden 12 Jahre ausgehebelt. Das Feindbild zur Machtsicherung und Etablierung einer Schreckensherrschaft.
Dabei wirkte die Argumentation Hitlers geradezu zynisch und naiv, wenn er in aller Öffentlichkeit behauptete, dass die Juden gezeitigt als Plutokrat Wallstreet und als Bolschewist den Kreml beherrschen. Die internationale Weltverschwörung der Juden in Deutschland bedrohe den rassisch wertvollsten Teil der Welt. Nicht nur das er Feindbilder aus dem Nichts erschuf, außerdem erhob er eine Religion gleich zur Rasse, dessen eigentlich durch die Geschichte aufgezwungene Isolation und Abschottung in der Gesellschaft durch ihn als langfristiger Plan zur Vernichtung der arischen Rasse gedeutet wurden. Unglaublich aber wahr, ganz nach Murphys Gesetz: "Der komplizierteste Lösungsansatz ist meist der Falsche und das Ergebnis immer eine Katastrophe". Dabei ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass Hitler sich dieser Tatsache bewusst war und dieses Feindbild sogar bewusst eingesetzt hat: "Es gehört zur Genialität eines großen Führers, selbst auseinander liegende Gegner immer als nur zu einer Kategorie gehörend erscheinen zu lassen." Schlauer Politiker und gerissener Schurke? Wahrscheinlich von beidem etwas, bis zu dem Punkt an dem Hitler die Macht zu Kopf steigt und seine Hirngespinste für ihn wahr werden, was Murphys Gesetz nur untermauert: „Was man seinem Unterbewusstsein als wahr übermittelt, wird wahr.“ An einem Punkt in seiner Karriere wird aus dem Feindbild Jude eine wahrer Hass und Vernichtungswahn, und aus dem verlorenen Krieg in der Realität nur schlecht eingesetzte Kräfte auf dem Schlachtplänen im bereits eingekreisten Bunker unter Berlin.
Die marxistische Ideologie war dem selbsternannten Führer eigentlich schon immer egal, auch weil Sie der eigenen Ideologie doch sehr nahe war. Hitler sah in Russland bzw. die Sowjetunion, vor allem der Unkenntnis der marxistischen Ideologie in seinen Grundzügen und der inneren Entwicklung nur den "Jüdischen Vampir." Dazu kam sein Ziel und Streben in der Außenpolitik, dass nur die "Rasse" und den "Lebensraum" sah, das politische war doch nur ungeliebtes Theater.
 

 

 

"Wenn in diesen kommenden Tagen und Wochen jeder Soldat an der Ostfront seine Pflicht tut, wird der letzte Ansturm Asiens zerbrechen, genauso, wie am Ende auch der Einbruch unserer Gegner im Westen trotz allem scheitern wird. [...] In dem Augenblick, in dem das Schicksal den größten Kriegsverbrecher aller Zeiten [ Franklin D. Roosevelt ] von dieser Erde weggenommen hat, wird sich die Wende des Krieges entscheiden."
Tagesbefehl vom 15. April 1945
(John Toland: Adolf Hitler. Bergisch Gladbach 1977, S. 1005.)



Dabei stellt sich nun die Frage, wie kommen die Anhänger Hitler auf den Gedanken, er könnte mit seinem Antibolschewismus Europa gar geeint haben? Das wird wohl ein großes Rätsel bleiben, denn Europa bzw. die Länder außerhalb des Deutschen Reiches, waren geprägt von Misstrauen und Ablehnungen gegenüber Hitler. Nicht wegen des Antibolchewismus, sondern wegen der Gleichartigkeit beider totalitären Herrschaftsformen. Dabei waren die Menschen ja sogar antibolschewistisch eingestellt und fanden so gar keinen Anreiz am marxistischen Lebensideal, aber Hitlers postulierter Kampf gegen die Marxisten, gepaart mit der Rassen- und Lebensraumtheorie, machte ihnen schlichtweg Angst. Man konnte diese Ziele im Zusammenhang einfach nicht gutheißen.
Wenn wir uns nun die diplomatisch-politischen Ereignisse bis zum Angriff auf die Sowjetunion ansehen mutete es nicht nach strikter Ablehnung gegenüber dem ideologischen Feind an, sondern eher nach einem Zickzack Kurs. Die deutsch-sowjetischen Beziehungen sind von Anerkennung der jeweiligen Revolution zur "Rettung des Volkes" geprägt, aber auch von einem Bündnissystem zur Absicherung gegen den anderen. Fakt ist, dass Hitler den Angriffsbefehl ohne Rücksicht auf die diplomatische Situation gab, die Sowjetunion an einen (kurzfristigen) Erhalt des Status quo interessiert war, dass Stalin Hitler schlichtweg unterschätzt hat und der von Hitler argumentierte Präventivkrieg gegen die "bolschewistische Bedrohung" eine Farce ist, wenn man den Zusammenhang von NS-Ideologie und Hitlers Expansionspolitik betrachtet. Also kein Retter in der Not, sondern Kriegsherr zum eigenen Wohl und Sieg.
Schon in seinem Werk "Mein Kampf" schließt er Bündnisse mit der Sowjetunion aus, hielt sich immer für klüger als Stalin und schwenkte seine Politik gegenüber der SU (und auch allen anderen Staaten) nach Gutdünken um. So schließt er einen Nichtangriffspakt mit der SU und erklärt dennoch auf dem Reichstag "Der Bolschewismus ist eine Lehre der Weltrevolution, d.h. der Weltzerstörung. Diese Lehre als einen gleichberechtigen Lebensfaktor in Europa aufzunehmen, heißt ihm Europa auszuliefern [...]" Was ist dieser Mann also nun, ein Politiker wider Willen ohne diplomatisches Feingefühl, ein gerissener und von sich eingenommer Politiker oder ein launischer Diktator ohne Gewissen und Skrupellosigkeit? Wie die Geschichte gezeigt hat, war er letzteres wobei man die Unberechenbarkeit noch hinzufügen muss.
 


Zeremonie für AdmiralAdolf Lebrecht von Trotha - 15 Oktober 1940
(Von Rechts: Erich Raeder, Wilhelm Keitel, Erhard Milch, Friedrich Fromm und Adolf Hitler)



Es wird zu einem Feldzug der Vernichtung, der brutalen Besatzungspolitik von selbsternannten "Herrenmenschen" und des Völkermords hinter den Kulissen der großen Siege an der Ostfront. Es sollte beherrscht, verwaltet und ausgebeutet werden - von Befreiung und Freiheit war keine Rede mehr. Aus den Antibolschewisten in Hitlers Stab macht der Führer schnell Leiter von Wirtschaftsstellen, Himmler zum "Reichskommissar zur Festigung des deutschen Volkstums", die SS zum Aufpasser und Vernichter der zu Untermenschen erniedrigten Religionsgemeinde und er selbst wurde zu letzten Instanz aller diese Fäden.

Feldherr

Der Feldherr

 

 

 

"Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: dass der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde."
(Eugen Gerstenmaier, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 1975)



Der Feldherr Hitler, ein großer Mythos und Unwahrheit oder doch ein begnadeter Stratege? Schauen wir uns die Ausgangssituation an. Bis 1939 hat Hitler durch mehr oder weniger diplomatisches Geschick rund 15 Millionen Deutsche wieder mit ihrem Mutterland vereint, er schaffte dies durch Eingliederung solcher Länder, die einen größeren Prozentsatz Volksdeutsche ihr eigen nennen konnten. Bis dahin galt er als Stratege der waffenlosen Eroberung und so war es auch, Länder wurden besetzt, annektiert bzw. an das Deutsche Reich angeschlossen, dabei fiel kein Schuss und deutsche Soldaten wurden mit Blumen begrüßt.
Übriggeblieben sind noch die Volksdeutschen Polens, die in großer Zahl sich eine weitere friedliche Eroberung Hitlers wünschten. Er versuchte es, doch die Forderungen an Polen waren gelinde gesagt unverschämt und eine polnische Regierung konnte diesen Forderungen nicht nachgeben ohne ihr Gesicht zu verlieren bzw. Polen lächerlich zu machen. Dazu war man sich den westlichen Mächten um England und deren Eingestehen für Polen sicher. Es kam zu dem wohlbekannten Ereignis in der Geschichte Europas, einem wohl unausweichlichen Beginn, denn die Wehrmacht war vorbereitet und ein Abbruch der Verhandlungen eher gewollt als zu verhindern gewusst. So trat am 1. September 1939 die Wehrmacht erstmals aktiv in der aggressiven Expansionspolitik Hitlers auf. Sie marschieren ein und rückten wie erwartet schnell gegen die mit Lanzen bewaffneten polnischen Truppen vor, die außer ihrem Mut nicht viel mehr den deutschen Panzern entgegenzusetzen hatten.
Die Propaganda überschlug sich mit passenden Meldungen und Verlautbarungen, welche die Lage auf Hitler zugeschnitten präsentierten: "Als die Polen aber in ihrer Großmannssucht und in ihrem Hass die deutsche Grenze missachteten und mit bewaffneten Banden deutsches Gut und Leben angriffen, ließ er die deutsche Wehrmacht marschieren. England und Frankreich hatten die Polen seit langem zu diesen Gewalttaten ermuntert. Jetzt erklären sie selbst an Deutschland den Krieg. Wieder war es Deutschlands Schicksal, einen Zweifrontenkrieg führen zu müssen. Aber in dieser Schicksalsstunde des Reiches offenbarte sich die Größe, seines Schöpfers und Führers, Adolf Hitler zog wieder den Soldatenrock an."
 


 
Soldateneid auf den Führer
 
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid,
dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes,
Adolf Hitler,
dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht,
unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will,
jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“

(Eid für jeden Soldaten, gültig ab 2. August 1934)
 
 
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid,
dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes,
Adolf Hitler,
dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will,
jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“

(Endgültige Fassung vom 20. Juli 1935)



Alle Vorbereitungen der Wehrmacht und des Deutschen Reiches: Bau des Westwalles von Konstanz bis Kleve, wurden als Selbstverteidigung ausgelegt und Hitler sollte nun als Retter auftreten. Ein Retter der nur widerwillig die Uniform wieder trug und Sie nie wieder ausziehen sollte. Hitler trug schon länger die Uniform, anfangs die Parteiuniform später dann eine schlichte Anzugsuniform. Die Uniform gibt ihm eine Aura der Autorität und die Möglichkeit, sein Eisernes Kreuz 1. Klasse zu präsentieren. Auf diese Auszeichnung ist er sehr stolz und lässt sich bereits vor 1939 nur zu gerne mit der Auszeichnung ablichten. Mag er also den Soldatenrock schon länger tragen, soll er jetzt vor allem mit ihm führen.
Im Krieg fand der Nationalsozialismus und sein Führer zu sich selbst. Die nationalsozialistische Bewegung war aus der Erfahrung eines verlorenen Weltkrieges heraus entstanden. Das Deutsche Reich sollte in diesem neuen Krieg Widergeboren werden und das nationale Überleben gesichert werden. Nur "das Schwert", so Hitler, konnte dieses Ziel realisieren. Dieses Schwert in der Hand des Führers sollte nun den Sieg bringen, dabei waren es nun nicht mehr die diplomatischen Ereignisse, die den Führerkult in Deutschland prägten, sondern die Berichte aus dem Führerhauptquartier, die den Führer nun nicht mehr als Politiker darstellten, sondern als Feldherrn an der Front. Mit ihm zog nun immer eine Entourage mit Adjutanten, Sekretärinnen und vor allem Martin Bormann, der nun nicht mehr von der Seite des Führers wich, immer darauf bedacht die Wünsche des Führers weiterzuleiten und "den ideologischen Elan des Regimes zu bewahren".
 


(Von Links: Adolf Hitler, Hermann Göring, Werner von Blomberg, Werner Freiherr von Fritsch and Erich Raeder)



Doch Hitler mischte sich nur selten in die Kriegsführung mit ein: "Während des polnischen Feldzuges waren uns Eingriffe Hitlers in die Führung des Heeres nicht bekannt geworden. Bei seinen zweimaligen Besuchen bei der Heeres-Gruppe von Rundstedt hatte er unsere Darlegungen über die Lage und über die Absichten unseres Ob.Kdo. mit Verständnis angehört und ihnen zugestimmt, ohne den Versuch irgendwelchen Hereinredens zu machen."(Manstein) Ihn interessierte nicht so sehr das militärische Tagesgeschehen, sondern der Fortgang des Krieges und die Bewegungen auf der Karte Richtung Feind, das Vorstoßen von Wehrmachtsspitzen und die Erfolgsmeldungen mitsamt der Auflistung der eroberten Ortschaften ließen Hitler in seinem Element erwachen - Der Krieg belebte ihn.
Nur 18 Tage dauerte diese erste Feldzug und im Westen bewegte sich nichts. Die Welt sprach vom Blitzkrieg und Blitzsieg des Führers. In Warschau hielt er eine Siegesparade ab und über Berlin ließen englische Bomber Flugblätter abwerfen. Sollte es so einfach sein? Sollte er jetzt also auch noch Kriege nach seinem Belieben führen können und die Mächte ließen ihn walten? Aus den politischen Erfolgen formten sich jetzt militärische Erfolge, ohne dieses lästige Verhandeln und "Politik machen". Das gefiel Hitler und der Glaube an sein eigenes unverrückbares Schicksal, als Heilsbringer Deutschlands, fing an zu wachsen. Dieser Glaube an die eigene Unverwundbarkeit und vor allem Unfehlbarkeit, wuchs proportional zum Jubel in der Heimat. Die Menschen verfolgten den militärischen Vormarsch, bejubelten jeden Sieg über die gegnerischen Truppen und der Triumpf in Polen wurde zu einer Selbstverständlichkeit, die sich zu einer grenzenlosen Popularitätswelle für den Führer entwickelte. Die Pläne für diesen Sieg entstammten natürlich nicht aus seiner Feder, doch der Ruhm gehörte ihm, dafür beschenkte er seine Generäle auch reich.
Mit den Siegen wird aus dem Feldherr auch der Henker Hitler: "Des Führers Urteil über die Polen ist vernichtend" Hitler wünsche keine Assimilierung: "Mehr Tiere als Menschen. [...] Der Schmutz ist unvorstellbar" (Goebbels Tagebücher). Hitlers selbst sieht keinen Anlass zur Gnade: "Sie sollen in einen verkleinerten Staat hineingedrückt und ganz unter sich gelassen werden." Die Rassegesetze von Nürnberg sind sein Leitfaden für die Kriegspolitik in den besetzten Gebieten und sein Mitleid mit den Schwachen bzw. Besiegten, wird in demselben Maße kleiner je größer seine Siege werden. Die Weiten der eroberten Gebiete und die Flächen auf den Karten werden für ihn eine Phantasie des allumfassenden Eroberungsplans, der umso weiter gereift einfach keinen Platz für Schicksale von anfangs Menschen später dann ganzer Völker sieht: "Neuordnung der ethnographischen Verhältnisse" (Hitler, 6.10.1939 vor dem Reichstag) Der Regelungen der Besetzung, Annektierung und Verwaltung Polens werden Vorbild für den gesamten Krieg und Hitlers Vernichtungspläne sind bereits jetzt geschmiedet, doch nur sein engster Kreis wird eingeweiht sein. Die Planungen für seine militärischen Siege überlässt er anderen, wie dem Strategen Manstein, der von Hitler die Weisungen und Ziele erhielt bzw. diese umsetze sollte. Es sind dabei sehr optimistische Zielsetzungen: "Was nun die operativen Ziele [...] anging, so waren sie weitgehend durch politische und kriegswirtschaftliche Erwägungen bedingt. [...] Was er jedoch übersah, dass das Gewinnen, [...] eines territorialen Zieles die Überwindung der feindlichen Wehrmacht zur Voraussetzung hat." Doch die Generäle befolgten die Befehle des Führers, bekamen Sie doch alle Mittel in die Hand und freie Verfügbarkeit der Kriegsmittel. Was Hitler aber immer fehlte, war die realistische Einschätzung der Dinge: "Wie auf politischem Gebiet [...] so fehlte Hitler auch auf dem militärischen Gebiet das Maß für das Erreichbare. [...] Es fehlte ihm [...] die wirkliche strategische bzw. operative Schulung." Dabei schießt er alle Warnungen immer wieder in den Wind und wird oftmals von der Generalität und militärischen Führung gewarnt, dass ohne Vorbereitungszeit und Planung solche verlangten Siege einfach nicht möglich sind:
 

 

 

"Damit komme ich zu dem wohl entscheidenden Faktor, der Hitlers Führung bestimmte: Die Überschätzung der Macht des Willens. Seines Willens, der sich nur bis zum jüngsten Grenadier in die Gläubigkeit umzusetzen hätte, [...] als es der Wille Hitlers war, der letzten Endes dem Glauben an seine "Sendung" entsprang. [...] Die vermutbaren Absichten der feindlichen Führung von vornherein in sein Kalkül einzubeziehen, war Hitler im allgemeinen wenig geneigt [...] da sein Wille ja schließlich dort triumphieren werde. Ebenso wenig war er bereit, selbst die zuverlässigsten Angaben über eine vielleicht vielfache Überlegenheit des Gegners anzuerkennen [...] Er lehnte sie ab, oder bagatellisierte sie durch Behauptungen über Mängel der gegnerischen Verbände, oder er nahm zu endlosen Aufzählungen eigener Produktionszahlen seine Zuflucht."
(Zitate von Manstein; Buch: Verlorene Siege)

 


 
Lebenslauf III
7. März. 1936
Einmarsch deutscher Truppen in das entmilitarisierte Rheinland.
(25. Oktober / Antikominternpakt mit Japan, später Italien)
1937
"Achse Berlin-Rom" entsteht als außenpolitisches Allianzsystem.
1938
Hitler entlässt die militärische Spitze und übernimmt den Oberbefehl über die Wehrmacht /
"Anschluß" Österreichs /
Münchner Abkommen

9. November:
Reichspogromnacht in der zahlreiche Synagogen und jüdische Geschäfte zerstört werden und Juden wahllos verschleppt und ermordet werden.
1939
Hitler kündigt in einer Reichstagsrede für den Fall eines neuen Weltkriegs die "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa" an /
Zerschlagung der Tschechoslowakei /
Hitler erläutert den Generälen der Wehrmacht seine Angriffspläne und fordert "Lebensraum im Osten".
1. September. 1939
Mit dem deutschen Angriff auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg.
1940
Hitler teilt dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) seinen Entschluss mit, die Sowjetunion anzugreifen /
Frankreich ist besetzt
1941
Hitler postuliert den "Vernichtungskrieg" im Osten /
"Kommissarbefehl" etabliert den ideologischen Krieg mit allen Mitteln
1942
Wannsee-Konferenz zur "Endlösung der Judenfrage" /
Hitler lässt sich vom Reichstag als "Obersten Gerichtsherr" bestätigen.
1943
Kapitulation der eingeschlossenen deutschen 6. Armee bei Stalingrad /
kein Zurück ist die Weisung des obersten Feldherrn und dennoch ist der Krieg für die Wehrmacht verloren - es geht nur noch Zurück!
1944
Das Attentat Claus Graf Schenk von Stauffenbergs auf Hitler schlägt fehl /
Der "Volkssturm" soll zur Verteidigung der Reichsgrenzen eingesetzt werden.
1945
Hitlers beschwört den "Endsieg" und gibt auf der anderen Seite den "Verbrannte-Erde-Befehl", der vorsieht, die deutschen Gebiete vor dem Rückzug vollständig zu verwüsten
30. April: Adolf Hitler begeht gemeinsam mit Eva Braun im Bunker unter der Reichskanzlei in Berlin Selbstmord.



Trotz allem war der Krieg für Hitler kein abstraktes Naturgesetz oder letztes Mittel der Politik. Man muss immer wieder betonen, dass Hitler sich mit dem Krieg identifizierte und er in seinen Monologen das Wesen des Krieges als sozialdarwinistischen "Kampf in allen seinen Formen" darstellte und er "sich im Krieg zu Hause" fühlte. Kein analytischer Feldherr will er sein, sondern intuitiver Ideengeber, Antreiber und die Symbolfigur des Feldherrn - eines soldatischen Führers ("military commander" im Sinne von "warlord" = Kriegsherrn). Er sieht sich dabei gern in der Rolle eines Friedrich des Großen (Friedrich II. von Preußen), der als "erster Diener des Staates" in die Geschichte einging, so will Hitler als "erster Soldat des Reiches" in Erscheinung treten. Dabei verachtete er seine Generäle und tat dies auch oft in seinen Gesprächsrunden kund. Für seine Generäle ist die Kriegsführung eine Art Geheimwissenschaft, für ihn ist Sie nur "eine Sache des gesunden Menschenverstandes". So gibt er nur zu gerne zu kein General zu sein, denn "wer wie er strategisches Talent hatte, brauchte keine formale Generalstabsausbildung, durch die der militärische Führernachwuchs mehr von des Gedankens Blässe angekränkelt als zur Geistesgegenwart gegenüber dem Zufall erzogen wurde." (Auszüge aus den Monologen Hitlers) Seine persönlichen Richtwerte an einen militärischen Führer sind: "Energie, Systematik, Geistesgegenwart, Entschlusskraft, Gelassenheit und Unempfindlichkeit gegen Rückschlüsse" kurzum ein "Organisator des Sieges."
 

 



Dabei lässt er seine Generäle nicht unerwähnt, die er auf dem Höhepunkt seiner/ihrer Siege als kongeniale Berater in der Öffentlichkeit betitelt, sehr zum Gefallen der Wehrmachtsführung. Dennoch steht fest, dass nach dem Abgang Blombergs, er keinen militärischen Feldherrn neben ihm mehr duldet. Genau wie unter Friedrich dem Großen, mit der sich während des Krieges und der Erfolge zu identifizieren versucht, gibt es neben ihm nur noch Operationen durchführende Feldmarschälle. So ist es für ihn nur selbstverständlich, dass sich alles und jeder seiner Person bzw. Willen unterzuordnen hat. So auch die Politik, der schon lange kein Platz mehr in der Gesamtstrategie zufällt. Sie muss der totalen Führung zurückstehen und der sozialdarwinistische Daseinskampf des "absoluten" bzw. "totalen" Krieges sich alles andere unterordnen. Im Laufe des Krieges, als Ergebnis seiner Siege, fielen Politik und Kriegsführung, Zweck und Mittel, Strategie und Mord zusammen. Internationale Regeln trafen für Hitler nicht zu, nur seine Regeln und Weisungen sind zu befolgen - dem Führerbefehl hat sich alles unterzuordnen: "Dies Ausweichen vor dem Risiko auf militärischem Gebiet mag dreierlei Gründe gehabt haben. Einmal das [...] Gefühl Hitlers, dass ihm das militärische Können fehle, gegebenenfalls mit einem solchen Risiko fertig zu werden. Was er sich in seinem Inneren aber nicht selbst zuzutrauen mochte, das traute er noch weniger seinen Generalen zu. Zum zweiten die Besorgnis, [...] dass etwa eintretende Fehlschläge sein Prestige erschüttern könnten. [...] Drittens Hitlers in seinem Machttrieb wurzelnde Abneigung, irgend etwas, von dem er einmal Besitz ergriffen hatte, aufzugeben."(Manstein)


Hitler hielt sich Zeit seines Lebens für einen Künstler, einen Soldaten und einen Politiker. Wenn wir ihn verstehen wollen, dann müssen für seinen Weg als Feldherrn ansehen, denn hier laufen alle diese Stränge zusammen. Der Kriegsherr als wahrer Charakter eines Politikers in seinen Augen, der Krieg basierend auf dem intuitiven Verständnis bzw. individueller Kunst und der Soldat als bestes Abbild eines Menschen aus darwinistischer Sichtweise - Der Sieger dominiert die anderen und entscheidet über Wohl und Wehe der Population (Mensch).

Hitlers Krieg

Hitlers Krieg

 


(7 September 1935: (Erkennbar) Werner von Blomberg / Werner Freiherr von Fritsch / Adolf Hitler )

 

"Schließlich sei noch erwähnt, daß Hitler zwar stets seine soldatische Einstellung betonte und gern erwähnte, daß er seine militärischen Erfahrungen als Frontsoldat gewonnen habe. In Wahrheit lag seinem innersten Wesen soldatischens Denken und Fühlen fern. Ebenso wie das Gebaren seiner Partei mit preußischem Wesen, auf das sie sich so gern berief, nichts zu tun hatte. Wohl war Hitler über die Zustände an der Front durch die Berichte der H.Gr., Armeen usw. völlig eindeutig unterrichtet. Er ließ sich auch öfters durch Frontoffiziere unmittelbar mündlich vortragen. Er kannte also nicht nur die Leistungen unserer Truppen, sondern wußte auch von dem, was sie infolge dauernder Überbeanspruchung [...] zu erdulden hatten. Vielleicht ist dieses Wissen mit ein Grund dafür gewesen, daß es im Osten nicht gelungen ist, Hitler an die Front zu bringen."
(Manstein)

 

Hitler, eigentlich als untauglich für den Militärdienst gemustert, war als Kriegsfreiwilliger pflichtbewusst und tapfer gewesen, dreimal verwundet und fünfmal ausgezeichnet. Sein Kriegshandwerk verstand er als Führen. Sebastian Haffner nannte Hitlers Fronterfahrung, da dieser später von militärischen Fragen durchaus etwas verstanden habe, ein Bildungserlebnis, allerdings sein „einziges Bildungserlebnis“. Auf diese Bildung oder besser Halbwissen, baute er nun seine Militärstrukturen auf. Dies betraf vor allem die Wehrmachtsführung, welche beim Machtantritt klar aufgeteilt war. In der Reichswehr wurde zwischen der Befehlsgewalt und der Kommandogewalt unterschieden. Man ging davon aus, dass ein Politiker nicht die Kompetenz zur Truppenführung hat, und teilte deshalb die Führungskompetenzen zwischen dem Reichspräsidenten als Oberbefehlshaber und den Chefs der Heeresleitung und der Marineleitung als Oberkommandierende auf. Das hieße für den politischen Führer, dass er (Reichspräsident) zwar Befehle erteilen konnte, die Truppenführung aber den Offizieren überlassen musste (Art. 47 Weimarer Verfassung).

 


 
Auszeichnungen Hitlers
Militärischer Rang
(Höchster):
Gefreiter
Eisernes Kreuz I. Klasse (04.08.1918)
Eisernes Kreuz II. Klasse (02.12.1914)
Militärverdienstkreuz III. Klasse (17.09.1917)
Verwundetenabzeichen in Schwarz mit Schwertern (18.05.1918)
Regimentsdiplom für hervorragende Tapferkeit (09.05.1918)
 
Objektiv betrachtet, erhielt Hitler für seine Fronteinsätze (übermäßig) viele Ehrungen und Auszeichnungen.Das EK I war für einen Gefreiten damals eine eher seltene Auszeichnung.



Dies war in den ersten Kampagnen der deutschen Wehrmacht auch noch der Fall, gerade weil Hitler auch kein Interesse an einer alleinigen Führung hatte, doch seit Ende 1940 wurden immer mehr Funktionen, Ämter und Entscheidungsgewalt auf Adolf Hitler vereinigt. Sodass mit Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges keine Trennung der Entscheidungsgewalt zwischen Hitler und der Wehrmachtsführung zu erkennen war. Viele Entscheidungen der Truppenführung wurden von Hitler getroffen, wobei sich seine Detailverliebtheit bis auf die untersten Verbändestrukturen abfärben sollte. Mit der Übernahme des Postens des Oberbefehlshabers des Heeres fiel die Teilung zwischen Befehls- und Kommandogewalt endgültig weg. Als Blomberg ging, waren vor allem seine Mitarbeiter Keitel und Jodl darüber froh, wobei Sie erleichtert waren, dass Hitler nichts an den Strukturen ändern wolle. Keitel erbte den Posten als OKW und war voller Dankbarkeit gegenüber Hitler, dass er dabei wohl übersehen hatte, dass sein Posten nicht mehr derselbe war. Als Oberbefehlshaber der Wehrmachtsteile war er nun dem Führer protokollarisch gleichgestellt, was sich erst einmal auch wichtig anhört, dennoch er außerhalb seines eigentlichen Bereichs keinerlei Befehlsgewalt mehr inne hatte. Ein Amt, welches auf einem Nebenast der Führerhierarchie abgelegt wurde Der Chef des OKW fungierte als ein "Sekretär" des Führers, zuständig für das Militär. Für einen Feldmarschall eine Verunglimpfung und Sortierung ins Abseits, für (La-)keitel die höchste Ehrung. So verstand sich Keitel mehr als Organisator der personellen und materiellen Bedürfnisse des Wehrmacht. Sein ganzes Amt und der dazugehörige Stab waren nicht viel mehr als eine zwischengeschaltete Institution, die die strategischen Direktiven Hitlers in militärische Weisungen an das Heer, Marine und Luftwaffe weiterleitete. Aus dem Wehrmachtsführungsstab wurde so ein reiner "Ausführungsstab", der jämmerlich versagte als es um die Weiterleitung des "Haltebefehls" Hitlers ging. Der gesamte Stab Keitels verlor im Krieg seine Identität und auf empörter Anfrage der Wehrmachtsteile bzw. Heeresgruppen, dass ein solcher Befehl "hirnrissig" sei, wurde nur geantwortet "dies sei ein Führerbefehl und dem ist unbedingt Folge zu leisten".
 


Beim gemeinsamen Mittagsessen an der Front im Beisein Hitlers, wird immer ein vegetarisches Menu serviert.
(Ganz Rechts Keitel zweiter von rechts Adolf Hitler und hinten links Heinz Guderian)

 

"Blitzschnell holte Hitler aus und schlug die Mücke tot -- und sofort lief das von der Mücke gerade aufgesogene Blut dem General über die Backe." Hitler hatte mächtigen Spaß: "Sehen Sie, der erste deutsche General, bei dem in diesem Krieg Blut fließt."
Vorfall bei der Präsentation einer Gelände-Version des VW-Käfers, berichtet durch Porsches Sohn und Assistent, Ferdinand ("Ferry") Porsche

 

"So sehr Hitler gelegentlich seine frühere Frontkämpfereigenschaft hervorhob, so habe ich doch nie das Gefühl gehabt, daß sein Herz der Truppe gehört hätte. Verluste waren für ihn nur Zahlen, die die Kampfkraft verminderten. Menschlich dürften Sie ihn kaum ernstlich berührt haben. Ein früherer Offizier des OKW, der dorthin nach schwerer Verwundung, als Frontoffizier versetzt worden war und dessen Stellung es mit sich brachte, daß er Hitler fast täglich, [...] erlebte, schreibt mir zu Vorstehendem: "Ich erkenne die Berechtigung dieses subjektiven Gefühls [...] durchaus an. Er erschien so im größeren Kreis, in Wirklichkeit aber war es fast gegenteilig. Er war vom Soldatischen her gesehen vielleicht sogar zu weich, in jedem Fall zu gefühlsabhängig. Es war symptomatisch, daß er die Begegnung mit dem Grauen des Krieges nicht ertrug. Er fürchtete sich vor seiner eigenen Weichheit und Empfindsamkeit, die ihn daran gehindert hätten, Entschlüsse zu fassen, die sein politischer Wille von ihm forderte. Verluste, mit denen er sich auseinandersetzen mußte, oder die plastisch geschildert wurden, waren ihm furchtbar, er litt förmlich darunter. [...] Es war ganz sicher kein Mangel an persönlichem Mut, sondern Angst vor dem Grauen des Erlebens. In inoffiziellem Kreis gab es oft Gelegenheiten, wo man bei Unterhaltungen über Leistungen und Anstrengungen der Truppe - ohne Unterschied der Dienstgrade - sichtbar merkte, daß er für die kämpfende Truppe viel Verständnis und Herz hatte." Das Urteil dieses Offiziers, der nicht zu den Anhängern oder Bewunderern Hitlers gehört hat, zeigt zum mindesten, wie gegensätzlich der Eindruck sein konnte [...] War Hitler - wie vorstehend gesagt wird - wirklich zu "weich", wie kann man dann die grausame Brutalität erklären, die, immer zunehmend, sein Regime kennzeichnete?"
(Manstein)



Die Feldzüge in Polen, Norwegen, Frankreich und auf dem Balkan hatten Hitler das System der Heereskörper (Heeresgruppen / Armee / Armeekorps) und dessen Einsatz vertraut gemacht. Er beteiligte sich oft bei der Planung, wenn auch nur durch Fragen, Einwürfen und Zielsetzungen. Dennoch lernte er die Truppenführung kennen und verstehen. Aus diesem groben Wissen der Stabsarbeit und seine Lektüre militärischer Werke, leitete er sein Feldherrentum ab. Bis zum Schluss wird er seinen Generälen vorwerfen, dass nur er den Wert des Manstein "Sichelschnitt-Plans" erkannt hatte und seinen "allwissenden" Generälen, durch autodidaktischen Erwerb des Kriegshandwerkes, immer einen Schritt voraus war. Viele militärischen Größen büßten so an Einfluss und Ansehen immer mehr ein, ihre Pläne verwarf Hitler, ließ sie in Eigenregie neu ausarbeiten und hielt sich den Generälen als garantieren Erfolg unter die Nase. Anfangs durchaus zurecht, denn die triumphalen Erfolge Hitlers "Offensivstrategie" traten nur allzu deutlich zu seinem Mythos bei. Vor allem Frankreich ließ diesen Mythos zu einem übersteigerten Wahn aufsteigen, und bei jeder Gelegenheit gab er zum Besten, dass er es gewesen ist, der die Scharte von 1918 ausgewetzt hätte. Ohne die Panzerwaffe (Guderian), die strategischen Genies im Planungsstab (Manstein, Halder) und ideale militärische Führer in dieser neuen Art des Krieges (Rommel), hätten solche Blitzsiege nie umgesetzt werden können. Da auch Hitler dies nicht ignorieren konnte, besänftigte er die Väter dieses Sieges - insgesamt 31 Generäle - mit Auszeichnungen (12 wurde der Stab des Feldmarschalls verliehen) und mit Beförderungen (19 wurden zum Generaloberst befördert). Dafür zollten ihm die Geehrten auch die Ehre des Feldherren, dem "militärisch überrangenden Führergenie des Führers bei der Erledigung Frankreichs".
 

 

 

„Mein Führer, Sie sind der größte Feldherr aller Zeiten.“
(Wilhelm Keitel)

(GröFaZ ist ein als Spottname gebrauchtes Akronym für „Größter Feldherr aller Zeiten“ und bezeichnete Adolf Hitler. Die Abkürzung wurde von Hitlers kommandierenden Generälen lange vor dem Ende des Krieges (1943 nach der Schlacht von Stalingrad) mit Galgenhumor und in ironischer Absicht verwendet)



Die Kriegskunst war nun sein Lebensinhalt und gleichzeitig sollte es sein Lebenswerk werden. Vom Russlandfeldzug an, traf Hitler alle operativen Entscheidungen. Kein General sollte ihm noch reinreden und sein militärisches Hauptquartier wurde nun Zentrum des Reiches. Hatte er als Reichskanzler nur unregelmäßig gearbeitet und überwogen vor dem Krieg die bohemienhaften Phasen des Nichtstun sein Leben, so war Hitler als Feldherr täglich 12-14 Stunden an der Arbeit. Von nun an sprechen die Memoiren der Generäle von damals von einer Energie, Fanatismus, Unduldsamkeit und einem faszinierenden-dämonischen Willen bzw. Wirken auf sein Umfeld. Ohne dieses Charisma und Wirkung auf Menschen um ihn, wäre wohl der Krieg nie so verlaufen. Er verstand es Privilegien im Führerhauptquartier zu verteilen, die an das Versaille Ludwig XIV. erinnerten. Ein goldener Käfig für seine Generäle, die durch das "Hof-"Zeremoniell des Führers geprägt und gefesselt sind. Wer darf wo beim Essen sitzen, wer wo am Kartentisch stehen oder Gast seines inneren Zirkels sein. Spaziergänge zur Beratung und anregendem Gespräch werden zu Audienzen, für die so mancher General alles stehen und liegen lässt. "Der Führer wünscht Sie zu sprechen ..." gilt als Ritterschlag und die Verleihungen von Ritterkreuzen werden wie zu absolutistischen Zeiten zelebriert. Die Wolfschanze und ihr tägliches Ritual wurden zum Kompass des Krieges.
 


Spaziergang mit Militärführung und Angang
(Adolf Hitler und Generalfeldmarschall Hans-Günther von Kluge - März 1943)

 

Während der Operation Barbarossa bestimmte der "größte Feldherr aller Zeiten" nicht nur das Vorgehen nach seinem Willen, sondern musste sich die ganze Planung seinen Schlaf- und Wachgewohnheiten unterordnen. Der Boheme Hitler hatte seinen ganz eigenen Tagesrhythmus, so verließ er sein Bett nicht vor 12 Uhr, woraufhin er ein kleines Frühstück zu sich nahm, meist im Stehen oder während eines Spaziergangs mit Hund Blondi. Meist wurde nach diesen Spaziergängen die erste Lagebesprechung abgehalten - "Mittagslage" - welche oft bis 14 oder 16Uhr ging. Die Termine des Führers verschoben sich danach meist nach hinten, oder wurden kurzfristig abgesagt. Ein Faktum, dass so manchen Attentatsversuch auf Hitler scheitern ließ - Unpünktlichkeit als Überlebensgarant.
Das Mittagessen wurde dann in den Nachmittagsstunden eingenommen, dabei änderten sich die Teilnehmerkreise je nach Günstlingsstellung der Anwesenden. Bei diesen Essen dominierte Hitler meist das Tischgespräch und hielt mit seinen Monologen die Anwesenden bis zu 2 Stunden an den Tisch gefesselt. Er sinnierte über alles und jeden, vornehmlich durch historische Fakten untermauert, nahm er nur zu gern die Dozenten Rolle ein:

 

 

 

"Die Russen haben einen Fehler gemacht: Sie haben sich auf Stalingrad geworfen [...] Man kann einen Krieg immer nur gewinnen, wenn der andere mehr Fehler als man selber macht [...] Die Überzeugung muss man absolut haben. Wäre das nicht Stalingrad, so wären sie anders vorgegangen. [...] Der Name ist eben doch oft mehr als leerer Schall und Rauch. Haben wir auch Leningrad noch, so ist das ein böses Omen. Daher werde ich nie erlauben, dass man gefährdete Dinge mit meinem Namen oder dem Namen eines meiner Mitarbeiter bezeichnet. Gerade in Kriegszeiten ist das Volk abergläubisch. Auch die alten Römer waren es, einschließlich Julius Cäsar. Vielleicht ist der Aberglaube bei einem Mann wie Cäsar gar kein Aberglaube gewesen, sondern die Erkenntnis dessen, dass das Volk abergläubisch ist. An einem 13. würde ich nicht angreifen lassen. Nicht weil ich abergläubisch bin, sondern weil ich weiß, andere sind es. In meinem Leben spielen Daten keine Rolle. Ich habe an ganz schlechten Tagen schon größere Erfolge erzielt und bin an anderen auf die Nase gefallen.[...] Die Holländer sind eine wunderschöne Rasse. Die Mädel sehen phantastisch aus. Wenn die gekapert werden, da kann ich nur sagen: ja Für die Verbindung mit den Malaien war wohl bestimmend die sexuelle Not in den holländischen Kolonien. Auch in Deutschland selber war das Grundprinzip das: Katholiken zum Beispiel dürfen eine Negerin heiraten, wenn sie Katholikin ist, aber keine Deutsche, die Protestantin ist. Monatelang redet der Pfaffe, wenn eine Katholikin einen Protestanten heiraten will. In Bauerndörfern wurde bis vor kurzem eine Mischehe noch als eine Schande von der Kanzel verlesen. Ob aber Bastarde kommen, die Farbe, das war ganz egal. Bei den Engländern ist es umgekehrt. Die englische Kirche ist eben letzten Endes eine politische Einrichtung [...] Was ich da oft zur Unterschrift vorgelegt bekomme: bildschöne Jungs von uns und geradezu Mistkäfer auf der anderen Seite ..."
(Auszug ein einem Monolog zur Mittagszeit - 6. 9. 1942)



Ab ca. 18 Uhr wurde dann die aktuelle Lage im Arbeitsraum besprochen, die meist Jodl vortrug. "Wichtig beim Umgang mit Hitler war vor allen Dingen, dass man wusste oder doch wenigstens ahnte, was er jeweils wollte. Aus seinen Anweisungen und Befehlen war dies keineswegs herauszuhören. Da beleuchtete er - laut denkend - einzelne Probleme von allen Seiten und machte simple Vorgänge manchmal dadurch erst eigentlich zu schier unüberschaubaren Problemen. Jeder Position legte er redend so dar, dass ein nicht eingeweihter und seinen Methoden nicht vertrauter Zuhörer oft nicht wissen konnte, was er denn eigentlich wollte. [...] Selbst die normalerweise an knappe und klare Befehle gewöhnten Militärs mussten zuweilen eine oder zwei Stunden dauernde Erläuterungen über sich ergehen lassen, und längst nicht jeder wusste, warum es Hitler eigentlich gegangen ist."
 


Lagebesprechung am Kartentisch
(Göring, Hitler und Guderian beim Planen der Operation "Wacht Am Rhein" - Oktober 1944)



So wurde meist erst nach 20 Uhr das Abendessen im Kreis von ca. 15 Personen - Himmler / Goebbels, Ley oder ein anderer Parteiführer (Gauleiter / Reichskommisare) zur Rechten, dazu Jodl (zur Linken). Hitler gegenüber saßen Bormann und Keitel, um diesen festen Kreis sammelten sich dann Adjutanten, ausgewählte Generäle und Persönlichkeiten aus dem Militär. Das letzte Essen des Tages schloss meist erst gegen Mitternacht und die Monologe waren meist ungleich ausschweifender als zur Mittagszeit. "Wenn der Krieg noch lange dauert, kommen wenigstens wir zu der normalen Arbeitszeit eines Frühaufstehers und nehmen Hitlers Abendtee als unseren Morgentee ein." (Speer) Zum Ende des Krieges konnten sich diese Abendrunden bis zum nächsten Morgen hinziehen und so war es nur logisch, dass die autoritäre Regierungsmaschinerie regelmäßig am Vormittag stillstand. Das OKW wurde erst am Nachmittag aktiv, weil Hitler die Befehle genehmigen musste und so trafen militärische Entscheidungen oft zu spät ein.
 


Hitler mit seinem Stab im Führerhauptquartier

Erste Reihe: Wilhelm Brückner,Otto Dietrich, Wilhelm Keitel, Hitler, Alfred Jodl, Martin Bormann, Nicholas von Below und Heinrich Hoffmann
Zweite Reihe: Johannes Engel, Dr. Karl Brandt, Jesko von Puttkamer über Keitel's Mütze, Karl-Heinrich Bodenshatz, Heinz Lorenz zum Teil verdeckt von Bodenshatz, Walter Hewel über Hitler's Kopf, Rudolf Schmundt, Julius Schaub über Jodl's Kopf, Max Wünsche, Karl Wolff, Theodor Morell und Hans Georg Schulze.

 


 
Bedienstete und engere Umgebung
Chefadjutant:
Julius Schaub
Persönlicher SS-Adjutant:
Otto Günsche
Chefadjutanten beim OKW:
General Rudolf Schmundt
General Wilhelm Burgdorf
Chefpilot
Flugstaffelführer:
Hans Baur
Kammerdiener:
Heinz Linge
Leibwächter
Telefonist:
Rochus Misch
Leibärzte:
Karl Brandt
Theodor Morell
Fahrer:
Julius Schreck
Erich Kempka
Privatsekretärinnen:
Traudl Junge
Gerda Christian
Christa Schroeder
Johanna Wolf
Leibfotograf:
Heinrich Hoffmann
Diätköchinnen:
Constanze Manziarly
Helene von Exner



Nur allzu selten verließ Hitler seine Hauptquartiere und begab sich kurzfristig nach Berlin oder auf den Berghof. Trotzdem wurde die Wolfsschanze in Rastenburg zu einer Art zu Hause mit stetigem Gefolge, das sich immer aus Keitel (OKW), Jodl (Chef des Wehrmachtsführungsstabes) nebst Stellvertreter, Adjutanten, Verbindungsoffizieren der Wehrmachsteile und nicht zu vergessen Scherff, der Beauftragte des Führers für die militärische Geschichtsschreibung. Generäle von der Front waren meist selten anzutreffen, selten zu den Besprechungen da und auch von der Clique des Führers unerwünscht - Sie widersprachen den Führer zu oft. Als die Front im Osten ins Stocken geriet und Guderian am 20. Dez. 1941 die Wolfsschanze besuchte, empfahl er dem Führer seine militärischen Berater auszutauschen und fronterfahrende Offiziere einzusetzen. Daraufhin antwortete Hitler nur entrüstet: "Ich kann mich jetzt von meiner Umgebung nicht trennen." So entwickelte sich das Führerhauptquartier zu einer realitätsfernen Kommandoeinrichtung, die eher einem absolutistischen Hofstaat glich als einem militärischen Nervenzentrum.
Hitler hatte sich an seine hörige Umgebung gewöhnt und darum unterließ er auch die 1942 geplanten Auswechslung von Keitel und Jodl, durch Kesselring und Paulus. Der bequeme Untergebende als Ideal, sodass der Feldherr seine militärische Beratung nur noch von kritiklosen Bewunderern und "Jasagern" erhielt. Ein militärisches Sekretariat, das nie Profil entwickeln konnte und in einem solchen Krieg eine große Schwäche darstellte - "Halb Kloster, halb Konzentrationslager" (Jodl). Somit entstand für Hitler, der nach 1941 nie mehr die Front besuchte, eine Schein- und Wahnwelt, die er sich selber erbaut hatte und den Krieg für ihn als fiktives Planspiel - mit ihm als Architekten:
 

"Wir haben Heeresgruppen, die sind rein landwirtschaftliche Genossenschaftsunternehmen: Sie versorgen sich mit allem Lebensnotwendigen selbst [...]
Wir werden, einschließlich Baumwolle, der autarkste Staat, den es gibt. Das einzige, was wir nicht haben werden, wird der Kaffee sein; aber eine Kaffeekolonie werden wir schon irgendwo zusammenkratzen [...]
Eine Bezahlung der Kriegsschuld durch den Gegner kann ich nicht erzwingen. Ich glaube nicht, daß wir von den Engländern etwas kriegen. Wenn der Engländer morgen kommen würde, er möchte jetzt Frieden schließen auf der Basis, jeder trägt seine Kosten, da würde ich wahrscheinlich sagen: Gut. Eigentlich sind wir bezahlt [...] Das billigste für uns ist der Frieden."
(Monologe Hitler 8. bis 11. August 1942)

Der Beginn von Ende

Der Gefreite führt Deutschland in den Untergang

 

 



Mit dem Russlandfeldzug steht Hitler als Alleinentscheider auf der Bühne des Krieges und seine Generäle dürfen nur noch Wünsche äußern, die meist vom Führer abgelehnt werden. Die Ablehnung wächst mit den Stalingrad täglich an, die Warnungen seiner Berater schlägt er in den Wind, bis Sie ganz verblassen. Ein Besucher von der Front wird vor seinem Vortrag vor dem Führer peinlich genau geimpft und vorbereitet, der Führer führt und die Generäle folgen ihm in den Untergang. Die wenigen Militärs, die den Widerstand gewagt haben, sind hinausgeworfen worden. Solche Generäle und Offiziere, die Hitler nun nicht mehr als Heilsbringer der Wehrmacht und Deutschlands sahen, und den Henker der deutschen Soldaten besser gestern als heute beseitigt sähen, wurden am 20. Juli 1944 beseitigt. Sie wurden eines besseren belehrt und mussten sich von den Feldmarschällen sagen lassen, dass ein solcher niemals meutert und die preußische Ehre nun mehr als Grabstein für die deutsche Armee herhalten musste. Die Generäle wussten um den Kommissarbefehl, die Erschießungskommandos an der Front und sahen in der Logistik die umfangreichen Transporte ohne Widerkehr in die Vernichtungslager hinter der Front. Der Führer befielt und die Generäle folgten wie Lemminge dem GröFaZ salutierend über den Rand der Menschlichkeit hinaus.
Einem Mann, dessen Orden und Ehrenzeichen bis auf den Ersten Weltkrieg zurückreichen, der ganze Armeen in die Schlacht geführt hat, wird nun vom Führer in Anwesenheit seines ganzen Stabes heruntergemacht. Guderian wagte es noch offen, genau wie vor ihm Rundstedt, dem Führer Paroli zu bieten, trat im Februar 1945 für die Räumung des Balkans ein und erzeugte damit einen Wutausbruch Hitlers, der schließlich mit erhobenen Fäusten vor seinen Generalstabschef stand. Der General Thomale musste Guderian wegzerren um ein Handgemenge zu vermeiden. Danach traute sich kein General mehr etwas gegen die Führung Hitlers zu sagen, auch nicht als die Rote Armee 100 Meter vor der letzten Verteidigungslinie am Führerbunker stand.
Das Verhältnis Hitlers zu seinen Generälen war schon immer gestört, denn er fühlte sich wohl immer von ihrem Wissen bedroht und sprach abschätzig von einem "Objektivitätsfimmel der Generalstabsoffiziere". Die Generäle auf der anderen Seite bezeichneten Hitler als unbelehrbar, unfähig und aufgrund seines geistigen Übermutes nicht in der Lage das Wesentliche zu erkennen. So trafen bei jeder Besprechungen eine "Sonderkaste hochnäsiger, junkerlicher Hohlköpfe und Nationalschädlinge, Versager des Ersten Weltkrieges bzw. Männer voll steriler Ideenlosigkeit" auf den "einfachen Gefreiten mit Malerausbildung und begrenzten militärischen Verstand, der eine militärischen Schlachtordnung auch dann nicht erkennen würde, wenn man ihn mit der Nase reindrückte." Umso länger der Krieg dauerte, umso weniger ließ er Belehrung zu. Hitler berief sich auf das Studium von Clausewitz, die vielen praktischen Erfahrungen, die er bis dato hat sammeln konnte (dabei vergessend, dass alle seine Generäle von Anfang an dabei waren). "Ich habe Clausewitz und Moltke studiert und alle Aufmarschpläne Schlieffens gelesen. Ich bin besser im Bild als Sie."
Er wollte Ihnen sogar die Uniform verbieten, heißt Ihnen die karmesinroten Hosenstreifen und besonderen Kragenspiegel nehmen, was zwar letztendlich scheiterte aber den Generälen hätte klar machen müssen, dass dieser Mann kein Anführer für sie ist. Ab 1942 ließ er alle Besprechungen stenographisch aufzeichnen, um sich "von einer Gruppe Intellektuellen" nicht das Wort im Munde herumzudrehen. Die wenigen Generäle mit Mumm: Rundstedt, Reichenau, Zeitzler, Manstein, Model, Guderian, Schörner, Richthofen, Rommel und Milch verschwanden mit der Zeit in Frontkommandos oder in die Führerreserve - Hitler wollte Sie weit weg von seinem Kartentisch. Dabei war für Hitler schon seit 1942 klar, mit dem Generalstab wird er aufräumen und sobald die Generäle der Waffen SS genug fähige Leute ausgebildet haben, werden diese der Generalsstab von Morgen sein: "Ihre Erziehung sei seit Generationen falsch gewesen." (Goebbels Tagebücher)
So steigerte sich Hitler immer mehr in die Aufgabe des "globalen Krieges" gegen die "jüdisch-kapitalistisch-bolschewistische Welt" hinein und setze alles auf eine Karte - Sein oder Nichtsein. Dieses Vabanque Spiel, ohne Rücksicht auf die personelle und materielle Lage der Wehrmacht, ließ seinen selbst auferlegten Zwang siegen zu müssen - in allen Aspekten dieses Krieges - deutlich hervortreten. Dabei überbot er seine Kräfte an der Front und stürzte ganze Armeen in Kesselschlachten ohne Aufgabe und hinter der Front immer mehr Juden in die Vernichtungsmaschinen Auschwitz und ähnlicher Lager.
 


(Adolf Hitler bei einem Manöver in Österreich 1939)



Dabei waren diese von Hitler befohlenen Massenmorde zwar im Krieg begangen worden, aber sie waren keine Kriegshandlungen. Er nahm den Krieg und sein Ziel als Vorwand diese Gräueltaten an Millionen zu begehen, weil es ihm schon immer ein Bedürfnis gewesen war: "Wenn an der Front die Besten fielen, dann konnte man zu Hause wenigstens das Ungeziefer vertilgen." (Hitler, Mein Kampf) Dabei mag der Krieg die Aufmerksamkeit von den Transporten ganzer Züge mit jüdischen Zivilisten Richtung Osten abgelenkt haben, doch gerade die für die KZs eingesetzten tausenden kriegstüchtigen SS- Männer behinderten die Kriegsführung. Dieses Äquivalent von mehreren Divisionen fehlte in den Schlachten und die Transporte nahmen wichtige Kapazitäten des Nachschubes in Anspruch. Seine Mordaktionen an so vielen Menschen, machte es für Deutschland unmöglich einen Kompromissfrieden mit den Alliierten zu schließen. Diese Taten, unabhängig vom Kriegsgeschehen waren ein neues Format der Kriegsverbrechen und können gerade wegen der aufgezählten Tatsachen nicht als solche "verharmlost" werden. Es waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse wirkten gegen diese Tatsachen mehr als unglückliche Veranstaltung und schmaler Witz gegenüber den begangenen Verbrechen. Somit hat Hitler es in 12 Jahren geschafft, nicht nur militärisch alles zu verlieren, sondern auch aus menschlicher Sicht Deutschland seine Zukunft zu verbauen. Schaut man sich den Krieg in der Weltgeschichte an, dann erkennt man, dass der "Krieg aus dem Staatensystem ebenso wenig zu verbannen ist wie der Stuhlgang aus dem biologischen System des menschlichen Körpers" (Sebastian Haffner). Kriege sind mit dem Staatengebilde in einer Symbiose verbunden und werden niemals verschwinden können, wenn man nun versucht zu Hitlers Krieg eine Schuldfrage zu treffen, dann ist das ein Witz. Hitler plante eine Weltherrschaft basierend auf Rassenideologischen Säuberungen - weltweit! Diese Schuld war ihm bewusst, darum war dieser Krieg keine Frage des Sieges oder der Niederlage, sondern um Leben und Tod. Dieses Schicksal verband Hitler mit seinem Krieg und er verband es mit ganz Deutschland!
Der Feldherr Hitler schwört schon zu Beginn seines militärischen Wirkens allen militärischen Statuten und Regeln ab. Er wird im Laufe des Krieges zu einer paradoxen und naiven Persönlichkeit, für den die in den letzten dreieinhalb Kriegsjahren zu einer Art Wettlauf kulmunieren. "Wer würde früher am Ziele sein: Hitler mit seiner Judenausrottung oder die Alliierten mit ihrer militärischen Niederwerfung Deutschlands? Die Alliierten brauchten dreieinhalb Jahre, bis sie am Ziel waren. Und inzwischen war auch Hitler seinem Ziel immerhin schrecklich nahe gekommen."

Götterdämmerung

Götterdämmerung

 

 

 

Starrsinn als Erfolgskonzept und der Grund seines Scheiterns. Haffner hat dieses Mysterium Hitlers, der bis 1941 alles erreicht was er sich zum Ziel setzt, aber nach 1941 keinen Erfolg mehr vorzuweisen hat, in seinem Buch "Anmerkungen zu Hitler" treffend beschrieben. Seine Erklärung findet sich in einem einfachen Fakt, bis 1941 hatte er es nur mit unterlegenden Gegnern zu tun: Die Weimarer Republik konnte er nie überwinden, wurde ja auch nie frei gewählt, sondern auf den Reichskanzlerposten von anderen gehievt, die sich als schwächer als Hitler entpuppten. Im Krieg konnte er sich gegen eine schwache Appeasement Politik behaupten, wo man ihn schlichtweg unterschätzte, wobei sich dies ab 1940 änderte und er somit keinen Sieg mehr auf den Schlachtfeldern Europas erringen konnte. Hitler profitierte nachweislich von der Schwäche anderer und dies muss man ihm als Leistung anerkennen. Kein anderer Politiker kann sich bis heute dieses Talentes rühmen, als ehemaliger Gefreiter und gescheiterter Maler auf die Bühne zu treten und einen solchen Durchmarsch bis nach oben zu erreichen. Er kam in eine Partei, die in sich brüchig und unschlüssig war, so nutze Hitler diesen Fakt aus um sich als Führer an die Spitze zu setzen - er stellte einfach die Forderungen, welche ihm aufgrund von nicht vorhanden Alternativen einfach gegeben worden sind. Er gewann nie Wahlen, die ihm eine regierungsfähige Mehrheit gebracht hätten, vor allem nicht, da 1932 es für ihn in den Wahllokalen immer schlechter aussah. Er nutze die Gelegenheit einer in sich korrupten Gruppe um den greisen Feldmarschall Hindenburg, stellte seine Forderungen Reichskanzler zu werden, blieb stur und die streitenden Politiker um Papen und Schleicher gaben ihm den Posten - nicht weil Sie sich seiner Fähigkeiten bewusst waren, Sie nahmen ihn gar nicht wahr und waren nur darauf bedacht sich gegenseitig zu behindern. Die glückliche Fügung eines Reichstagsbrandes sicherte ihm die Diktatur und schwache Alliierte ließen ihn nach Außen nehmen was er wollte. Bis 1940 traf er nur auf Gegner, die ihn unterschätzen bzw. dessen Schwäche Hitler effizient für sich ausnutze. Dabei ließ er andere Politiker für sich arbeiten, wetterte gegen Brüning, nur um dann seine fortgeschrittenen Reformen zu übernehmen und als die seinen ins Rampenlicht zu stellen. Die Generäle arbeiteten für ihn die großen Feldzüge aus, vor allem gegen Frankreich. Dabei muss man ihm anrechnen, dass er es war, der die brillanten Denker im Militär erkannte, sie zu sich holte und die "Alte Garde" außen vor ließ. Wie schon gesagt, ein Talent im richtigen Moment auf das richtige Pferd zu setzen, das lag Hitler im Blut.
Seine Instinkte und seine Sturheit, waren ihm eine große Hilfe bis 1941, ließen die Erfolge erst realisierbar machen. Um mich Haffners Interpretation zu bedienen: "Immer stürzte er nur das Fallende, tötete er nur das schon Sterbende." Dieser Instinkt ist nicht erlernbar, er war Hitler angeboren und zeigt sich schon in seinen jungen Jahren, doch hat Haffner zum Schluss richtig bemerkt, dass diese Gabe "weniger dem Blick des Adlers als der Witterung eines Geiers" entspricht.

 

"Liebte er die Deutschen?
Er hatte sich Deutschland ausgesucht - ohne es zu kennen; und eigentlich kennengelernt hat er es nie. Die Deutschen waren sein erwähltes Volk, weil sein angeborener Machtinstinkt wie eine Magnetnadel auf sie hindeute als auf das zu seiner Zeit größte Machtpotential Europas; was sie ja waren.
Und nur als Machtinstrument haben sie ihn je wirklich interessiert."
(Sebastian Haffner, ' Anmerkungen zu Hitler')



Die Aufgabe kam für Hitler nie in Frage, wahrscheinlich aus der Einsicht heraus, dass niemand mit ihm ernsthaft würde verhandeln wollen. Die militärische Karte war sein letzter Trumpf, dieses letzte Blatt sollte bis zum Schluss durchhalten und gespickt werden mit den Wunderwaffen aus den Arsenalen der Forschung des Reiches. Ein "Leuthen 1757" sollte ihn und die Wehrmacht erretten, doch es wurde zur Uraufführung der "Götterdämmerung" - unter Hitlers Regie.
Die Wehrmacht von 1939-41 gab es schon lange nicht mehr, zu stark waren die Verluste an Mensch und Material. Der Sieg war 1943-45 keine Frage mehr von Wille, Energie und Technik, sondern lag in der Hand der Gegner. Die schnellen Beförderungen wirkten sich weit negativer aus als gedacht, man konnte die Reihen nicht mehr füllen und die Erfahrung konnte man ohnehin nicht ersetzen. Auf den Schlachtfeldern der letzten 3 Kriegsjahre standen den Alliierten nur eine heterogene, unzureichend ausgebildete und unterversorgte Wehrmacht gegenüber. Mag es an Tapferkeit nicht gemangelt haben, Hitlers Taktik des "Haltens", der "Festungsstädte" und des Ausharrens ganzer Armeen in riesigen Kesseln, waren keine Strategie des Sieges oder des Hinhaltens, sondern der Vernichtung. Vorne vielen die Deutschen Soldaten und hinter ihnen ließ Hitler die Reste der Menschlichkeit in den Krematorien verbrennen.
Hitlers Zähigkeit und Sturheit auf dem politischen Parkett der Jahre 1933-39 und auch bei seinem Aufstieg in der NSDAP, entwickelten sich nun zu einem kontraproduktiven Starrsinn, der genährt wurde vom Wahn eines Endsieges, seiner historischen Mission für Deutschland und seinem vorherbestimmten Schicksal als "Weltenlenker". Immer wieder überschatteten seine Wutausbrüche die Lagebesprechungen und er entwickelte eine psychische Kälte bezogen auf seine Umgebung bzw. auf das Schicksal von ganz Deutschland. Hitler war überfordert, seine Psyche angeknackst und nur die Spritzenkur seines Leibarztes ließen ihn noch aufrecht den Tag überstehen. Genau wie sein körperlicher Verfall zunahm, so entwickelte sich auch seine taktische Leitlinie vom "Dogma der Beweglichkeit" zum "Verteidigungsgefecht".
Bis heute nicht unbestritten ist die These des verlorenen Krieges aber der politischen Chancen der letzten Kriegsmonate. Ein Hinhalten der Alliierten, ein Hoffen aus dessen Konfliktpotential untereinander und als Krönung des Ganzen eine neue Dolchstoßlegende, durch Goebbels und Hitler verbreitet, welche diesmal den Soldaten das verräterische Handeln anlasten sollte. War für Hitler der Krieg Ende 1944 verloren oder klammerte er sich an die letzten Strohhalme, wie brüchig sie auch erschienen? Wohl eher letzteres, denn mögen seine Generäle ihm diese realistische Einschätzung wohl noch zutrauen, so waren Sie selber doch schon lange in Hitlers Scheinwelt gefangen. Der Soldat auf dem Schlachtfeld weiß spätestens nach Stalingrad, dass der Krieg verloren war, doch die Generäle an Hitlers Seite, stumpf geworden durch Hitlers Routine und Regeln des militärischen Hofes fern der Front, sprechen lieber von "Verlorenen Siegen", letzten Chancen und das Sie es doch besser gemacht hätten. Doch gab es leider zu viele Keitels und loyale Diener im preußischen Gewand, als Tresckows und andere aufrechte Offiziere wie einen Stauffenberg, die den Ernst der Lage erkannten und nicht sehen wollten, dass dieser Krieg kein ehrenvoller, sondern ein Krieg gegen die Menschlichkeit war.
 

 

 

"Die Vernichtug Deutschlands war das letzte Ziel, das Hitler sich setzte. Er hat es nicht ganz erreichen können, so wenig wie seine anderen Vernichtungsziele. Erreicht hat er damit, dass Deutschland sich am Ende von ihm lossagte [...] Dreiunddreißig Jahre nach Hitlers Selbstmord hat niemand in Deutschland auch nur die kleinste politische Außenseiterchance, der sich auf Hitler beruft. Das ist auch gut so. [...]
Weniger gut ist, dass viele Deutsche sich seit Hitler nicht mehr trauen, Patrioten zu sein. Denn die deutsche Geschichte ist mit Hitler nicht zu Ende. Wer das Gegenteil glaubt und sich womöglich darüber freut, weiß gar nicht, wie sehr er damit Hitlers letzten Wunsch erfüllt."
(Sebastian Haffner, ' Anmerkungen zu Hitler')

 


(Skulptur von Arno Breker - 1938)

Quellen

Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler, München 2003.
Ian Kershaw, Hitler: 1889-1945, Pantheon Verlag 2009.
Lemberger, Durch die Vergangenheit zur Gegenwart, Band 4, Veritas Verlag 2005.
Erich vonManstein, Verlorene Siege, Bernard & Graefe in der Mönch Verlagsgesellschaft mbH, 18.Auflage, Bonn, 2009, S.303 - 318.
Jürgen Förster, Die Wehrmacht im NS-Staat: Eine strukturgeschichtliche Analyse, Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2009.
Wolfgang Ernst, War Hitler ein Feldherr?: Der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, Wolfgang Ernst (Hrsg.), Books on Demand Gmbh 2001.
Uwe Neumäker / Robert Conrad / Cord Woywodt, Wolfsschanze im Zweiten Weltkrieg, Augsburg 2008.


http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenp ... index.html (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://wasistlosinder3a.blogspot.com/20 ... adolf.html (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ ... index.html (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://adolfhitlerbestpictures.blogspot ... r-von.html (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://www.sgipt.org/politpsy/finanz/schuldp/hitler.htm (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://de.wikiquote.org/wiki/Adolf_Hitler (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=30&RID=1 (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://www.worldfuturefund.org/wffmaste ... .06.22.htm (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://rocknord.wordpress.com/2011/05/0 ... lf-hitler/ (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://teacher.eduhi.at/Deutsch/cont/si ... ldherr.pdf (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://info.kopp-verlag.de/hintergruend ... iter-.html (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14323367.html (Letzter Aufruf 18.05.2011)
http://einestages.spiegel.de/external/S ... turedEntry (Letzter Aufruf 18.05.2011)

 

Die DMP-Bibliothek empfiehlt



Die Generäle der Waffen SS / Heer / Luftwaffe im Überblick

Wunderwaffen und Mythen des Dritten Reich

Das Großkreuz zum Eisernen Kreuz






Autor: Freiherr von Woye