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Vorwort

Der Sowjetisch-Afghanische Krieg

 


 

Vorwort



Der Sowjetisch-Afghanische Krieg war einer von vielen Stellvertreterkriegen im Kalten Krieg, wie auch der Chinesische Bürgerkrieg nach dem Zweiten Weltkrieg, der Koreakrieg oder der Vietnamkrieg. Die Stellvertreterkriege waren Konflikte zweier Parteien, die wie im Beispiel des Koreakriegs, zwischen den Süd und Nordkoreanern. In diesem Krieg erhielten die Südkoreaner Unterstützung durch die Vereinten Nationen und die Nordkoreaner durch die Sowjetunion. Der Sowjetisch-Afghanische Krieg ist jedoch etwas anders, da die Sowjetunion nicht über ein anderes Land Einfluss nimmt, sondern direkt auf Seiten der demokratischen Republik Afghanistans mit eigenen Truppen eingreift. Hierbei unterstützen die USA, Großbritannien, Pakistan sowie Saudi Arabien die dortigen Widerstandskämpfer, auch Mudschaheddin genannt, lediglich mit Waffen und finanziellen Mitteln ohne direkt mit eigenen Soldaten ins Geschehen einzugreifen.

Vorgeschichte

Wie alles begann ...

 


[size=85](Afghanische Revolutionäre nach dem Ausruf der Volksrepublik, im Vordergrund die Flagge der DVPA)[/size]



Die folgenden Umstürze und teils recht blutigen Rangeleien in der Regierung, begannen 1973 als der bis dato Afghanische König Zahir Schah Europa besuchte. Sein Vetter Mohammad Daud nahm dies zum Anlass die Monarchie in Afghanistan durch einen Staatsstreich zu beenden und die Afghanische Republik auszurufen. Von nun an war Afghanistan erstmals unter einer Sozialistischen Herrschaft. Zu dieser Zeit, wie auch zuvor unter der Monarchie, wurde an der Infrastruktur und an der Wirtschaft Afghanistans kräftig gefeilt. So erhielt Afghanistan bereits am 01.10.1964 seine erste recht moderne Verfassung und vor allem Ökonomisch stand die Regierung unter Daud erfolgreich da. Man konnte also nicht behaupten Afghanistan würde sich zu dieser Zeit entwicklungstechnisch in einem rückwärts bewegen. Trotz all dieser Erfolge von Dauds Regierung und der Monarchie zuvor, war keiner in der Lage die wirklichen Probleme des Landes zu lösen. Und so kam es am 28. April des Jahres 1978 zu einem brutalen und blutigen Putsch durch kommunistisch gesinnte Offiziere und Elitetruppen der Afghanischen Armee. Daud wurde dabei getötet und die Demokratische Volksrepublik Afghanistan unter der Führung von Nur Muhammad Taraki ausgerufen. Aber das Wort "Demokratisch" ist hierbei nicht wörtlich zu nehmen, denn es gab nur eine Partei im Land und Taraki war ihr unangefochtener Anführer ... noch.
Auch die neue Regierung unter Nur Muhammad Taraki versuchte durch weitere umfassende Reformen in Bildungspolitik sowie den Frauenrechten und der Infrastruktur das Land zu modernisieren. Man war dabei die traditionalistische Gesellschaftsstruktur Afghanistans radikal zu verändern, wodurch der Unmut in einem Teil der Bevölkerung weiter geschürt wurde. Und so kam es, das 1978 eine neue Guerilla Bewegung entstand, besser bekannt als "Mujaheddin". Dies ist eine Gruppierung, die im Laufe vieler Jahre zu zweifelhafter Berühmtheit gelangen sollte. Doch in den späten Siebzigern waren sie anfangs die Einzigen die Widerstand gegen die kommunistische Regierung leisteten. Ein Widerstand, der jedoch in ganzen Aufständen umschlug und im Folgejahr mit Massenmorden und Folter von der Regierung beantwortet wurde. Noch herrschte dazu ein Zwist innerhalb der Regierung Afghanistans, da die Partei zwar einheitlich Sozialistisch war aber aus zwei Fraktionen bestand, die verschiedene Ansichten hatten. Auf der einen Seite standen die Mitglieder der Khalq Fraktion, welche radikal leninistisch gesinnt waren. Auf der anderen Seite stand die eher gemäßigt sozialistische Parcham Fraktion. Die nach und nach aufkeimende Unzufriedenheit innerhalb der DVPA, der Demokratischen Volkspartei Afghanistans, erreichte ihren Höhepunkt als der Amtierende Ministerpräsident Taraki, welcher wohl gemerkt der Khalq Fraktion angehörte, im Juli des Jahres 1978 die Politiker der Parcham Fraktion aus seiner Regierung ausschloss und dessen Führungsebene wegen Hochverrats anklagte. Auch diese Staatsmänner sollten in den Folterkammern Taraki's enden. Infolgedessen stieg die Unzufriedenheit im Land immer weiter, angefacht durch die Afghanische Geheimpolizei, die immer wieder durch Misshandlungen, Massenmorden und Folter auffiel. Noch dazu die Mudschaheddin, die weiterhin großen Druck ausübten. Der Machthaber Taraki war nun dabei die Kontrolle über das Land vollständig zu verlieren und deshalb bat er Afghanistans Entwicklungshelfer und Geldspender Nummer eins, die Sowjetunion, um Hilfe. 1979 entschieden sich dann die Genossen in der Sowjetunion zu einer Hilfestellung in Form einer Invasion, die letztendlich den Sowjets nicht nur eine gewaltige Stange Rubel kosten sollte...
… jedoch sollte Taraki dies nie erleben, er wurde vorher von seinen Landsleuten ermordet. Sein Nachfolger war Hafizullah Amin der ebenfalls mit Gewalt versuchte den Widerstand in seinem Land dem Gar auszumachen. Ein weiterer Grund warum die Sowjets in den Konflikt eingriffen war auch das man in Moskau befürchtete Afghanistan, könnte sich bei dem Versuch um Hilfe an den Westen wenden. Zumal da Afghanistan ein Wichtiger Pufferstaat für die Sowjetunion darstellte.

Weihnachten 1979

Ein Weihnachtsabend des Jahres 1979...Operation Storm 333

 

Der Einmarsch der Sowjetischen Truppen begann in der Nacht des 25.12 1979. Jedoch nicht indem irgendwelche motorisierten oder sonstige Truppenverbände über Land einfach einmarschierten, wie man es vielleicht gewohnt wäre. Sondern die ersten Truppenteile kamen geflogen. Bereits im Mai wurde die dafür vorgesehene 40. Armee im Militärbezirk Turkestan neu aufgestellt. Zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Befehl lediglich die Grenzen zu schützen. Die 40. Armee bestand aus der 108., der 68. und der 5. Gardedivision, insgesamt drei Divisionen, die unter anderem auch motorisiert waren. Doch zum ersten Einsatz kamen die Spezialeinheiten, mit dem Plan den Afghanischen Präsidenten zu ermorden, noch bevor die Hauptstreitmacht in das Land einfällt.
An dem besagten 25.12 landete ein KGB Sturmtrupp der Abteilung "mokryje dela", die speziell für Attentate und Sabotage ausgebildet und ausgerüstet war, in Kabul. Obwohl der Sturmtrupp unter dem Kommando von Oberst G. I. Bojarinow in Afghanistan gelandet war, was natürlich von den dortigen Sicherheitskräften bemerkt wurde, schöpfte keiner einen Verdacht. Es war zu dieser Zeit nämlich öfters so, dass sowjetische Flugzeuge in Afghanistan landeten und Munition sowie Panzerfahrzeuge dort ablieferten. Nach zwei weiteren Tagen, am 27.12, setzte sich der Sturmtrupp in Bewegung. Zur weiteren Tarnung hatte man nun an den Fahrzeugen Afghanische Hoheitsabzeichen angebracht und die Soldaten in Afghanische Uniformen gesteckt. Zeitgleich wurden die Afghanischen Angehörigen der DVAP bei ihrer Sitzung am Morgen mit Schlafmittel vergiftet und anschließend verhaftet. Hafisullah glaubte zu diesem Zeitpunkt, dass die Truppen gekommen seien um ihm im Kampf gegen die Aufständischen zu unterstützen. Dabei merkte er nicht, dass sein Frühstück, welches er in diesem Moment aß, vergiftet war. Im Gegensatz zu einem Großteil seines Gefolges im Palast, überlebte er jedoch da ein Sowjetischer Arzt eingriff und ihn stabilisierte. Als der Trupp begann Kabul zu besetzen, wurde als erstes das Telegrafenamt gesprengt und die Rundfunkstation besetzt, um Kabul vom Rest Afghanistans abzuschneiden. Denn es wäre wohl ziemlich unvorteilhaft gewesen wenn bei dem Einmarsch der eigentlichen Invasionsstreitmacht die Afghanen und Co gewarnt werden würden. Der Präsident weilte zu dieser Zeit in seinem Palast, dem Darulaman Palast. Hier traf der Sturmtrupp auf ersten heftigen Widerstand der Bewacher des Palastes, jedoch rückten die Sowjetischen Elitetruppen weiter im Eiltempo vor, was sie wohl unter anderem auch ihrer guten Ausbildung sowie ihrer Ausrüstung verdanken konnten. Im Gegensatz zu den Afghanischen Truppen, die in der Regel eher schlecht ausgebildet waren und teils auch schlecht ausgerüstet waren. Als der Palast gestürmt wurde, töteten sie Hafisullah mitsamt seinem Gefolge durch eine Handgranate. Im weiteren Verlauf des Tages rückte der Trupp weiter vor und besetzte wichtige Schlüsselpunkte in Kabul, darunter der Flugplatz Bagram, das Innen- sowie das Außenministerium sowie den Generalstab. Des Weiteren wurde die zentrale Vermittlungsstelle in Kabul gesprengt und ein Großteil der Regierungsmitglieder, die den Angriff überlebt hatten, verhaftet. Am Tag darauf kapitulierte die Afghanische Armee in Kabul.

 


(Afghanische Widerstandskämpfer vor und auf einem abgeschossenem sowjetischen Helikopter)



Wie ist es den Sowjets gelungen so schnell und präzise in ein für sie eigentlich unbekanntes Land einzudringen und dessen Präsidenten zu töten? Das liegt zum einen daran das die Sowjets nicht zum ersten Mal da waren und versuchten die Afghanische Führung zu töten. Da die Genossen zuvor bereits fürchteten die Afghanische Führung könne sich an die USA wenden, um ihrer Lage Herr zu werden, wollte man schon einmal den Afghanischen Präsidenten mitsamt seiner Regierung beseitigen. Als erstes orderte man Einheiten des KGB, ALFA sowie der 154. SpezNas Abteilung nach Kabul, mit dem Vorwand den Afghanischen Präsidenten zu schützen. Währenddessen versuchte der KGB verschiedene Spione in das direkte Umfeld des Präsidenten einzuschleusen, was auch gelang. Ein Agent war als Koch des Präsidenten und seines Gefolges tätig. Beim ersten Mal versuchte man Hafizullah, seinen Neffen sowie Mohammed Yaqub, dem Chef der Spionageabwehr zu vergiften und somit auch zu töten. Dies war dem KGB jedoch nicht gelungen, lediglich der Neffe Hafizullahs, Asadullah Amin wurde mit Vergiftungserscheinungen nach Moskau ausgeflogen. Zum Unbehagen Moskaus kam es danach dazu das Hafizullah in den Tajbeng Palast umzog, da er überzeugt war dort besser bewacht und sicherer zu sein. Natürlich wurden auch im Zuge dessen die KGB Einheiten zum neuen Wohnsitz des Präsidenten verlegt, schließlich sollten sie ihn ja „schützen“. In Wirklichkeit erkundeten sie das Gelände rund um den Palast, was ihnen bei der Operation Storm 333 natürlich Vorteile verschaffte.

Am Ende dieser Operation starben 200 Soldaten der Leibwache Hafizullahs, er selbst und sein Sohn. 1700 Afghanische Soldaten ergaben sich und wurden gefangen genommen und 200 weitere Afghanische Soldaten wurden dabei verwundet. Auf Seiten des KGB starben lediglich 19 Soldaten und 50 wurden verwundet. Insgesamt standen bei dieser Operation 54 Elitesoldaten der ALFA, 520 der SpezNas, sowie 80 Fallschirmjäger etwa 2500 Afghanischen Soldaten gegenüber. Trotz dieser mehr als dreifachen Überlegenheit der Afghanischen Sicherheitskräfte, gelang es den Sowjetischen Elitetruppen den Präsidentenpalast zu erstürmen und Hafizullah mitsamt seiner Familie zu töten.

Sowjetische Besatzung

Besatzung nach der Operation

Besatzung nach der Operation

 

Die Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion wurde von vielen westlichen sowie Islamisch geprägten Staaten verurteilt. Im Februar des Jahres 1980 standen etwa 85000 sowjetische Soldaten in Afghanistan um den dortigen Widerstand der Mudschaheddin, der sich auch große Teile der verbliebenen Afghanischen Armee anschlossen haben zu zerschlagen. Die Mudschaheddin hatten dabei große internationaler Unterstützung in Form von Geldern, Ausrüstung und Unterstützung bei der Ausbildung der eigenen Kämpfer. Der Größte Anteil hierbei wurde von den USA geleistet. Am 21. März 1980 wurde die „Islamische Allianz für die Freiheit Afghanistans“ gegründet. Diese Allianz bestand aus vielen verschiedenen Gruppierungen welche von sieben Islamischen Parteien innerhalb Afghanistans geführt wurden. Diese Parteien bezeichnete man auch als „Warlord's“. Letzten Endes verband sie nur eines und das war die Bekämpfung der Sowjetischen Besatzer. Im Übrigen gab es kaum oder gar keine Gemeinsamkeiten was später, nach dem Abzug der Sowjetischen Truppen auch sein Teil zum neuen Bürgerkrieg beitrug. Kommandiert wurde der Widerstand von Pakistan aus, wo sich das Hauptquartier der Islamischen Allianz befand. Der Krieg gegen die Besatzer wurde grausam und ohne Gnade geführt, auch vor Zivilisten machte man nicht halt, wer hier unter Verdacht geriet mit dem Feind zu kollaborieren, war so gut wie tot - egal ob öffentlich hingerichtet oder irgendwo „An die Wand gestellt“. Auch auf sowjetischer Seite war dies nicht anders, hier lauerte der Tod überall, unter anderem auch aus der Luft, da die Sowjets die Lufthoheit über Afghanistan innehatten.
Der Krieg zog sich bis 1986 hin, wobei bereits ein Vorankommen im Jahre 1982 unmöglich erschien. Zwar hatten die Sowjetischen Truppen wichtige Schlüsselpunkte wie Straßen und Städte besetzt, jedoch hatte man kaum bis gar keine Kontrolle über die Gebiete außerhalb der Städte. Währenddessen wurde die Kriegsführung von beiden Seiten immer brutaler geführt, jedoch gelang es nie den Widerstand der Mudschaheddin zu brechen. Die Lage verschlimmerte sich noch als der Widerstand Stinger Raketen durch die USA erhielt und somit die Lufthoheit der Sowjetunion brechen konnte. Der 1986 gewählte Michail Gorbatschow versprach unterdessen den Krieg in Afghanistan zu beenden, da ohnehin klar war das dieser Krieg militärisch nie zu gewinnen war. Auf afghanischer Seite wurde im Mai 1986 der amtierende Regierungschef Karmal durch Mohammed Madschibullah indirekt abgelöst, da karmal weiterhin bis zum November 1986 Vorsitzender des Revolutionsrates blieb, was auch bedeutete das er weiterhin das Staatsoberhaupt war. Mohammed Madschibullah versuchte währenddessen den Krieg durch Verhandlungen voran zu bringen.

 


(Die letzten Truppen der Sowjets verlassen Afghanistan)



 

Truppenstärken
Afghanistan :
Sowjetunion :
ca. 55.000
ca. 115.000
Mudschaheddin : ca. 200.000 bis 250.000
Verluste
Afghanistan : 18.000 Soldaten gefallen
600.000 bis 2 Millionen Zivilisten getötet
3 Millionen verwundet
7 Millionen geflohen oder vertrieben"
Mudschahiddin : unbekannt

Das Ende und Schlusswort

Die Zeit unmittelbar nach dem Abzug

 

Nachdem die Sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen waren konnte Muhammad Nadschibullah den Druck durch die Mudschaheddin Parteien noch drei weitere Jahre standhalten. Da nun das Internationale Interesse an Afghanistan schwand, konnten die Mudschaheddin in einem weiteren zehn Jahre andauernden Krieg die Vorherrschaft an sich reißen. Doch dies ist ein anderes Thema.


 

Schlusswort