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Thema/Statistik

Schlacht von Điện Biên Phủ




 


 
Die Schlacht von Điện Biên Phủ
 
Datum
13. März–7. Mai 1954
Ort
Điện Biên Phủ, Vietnam
Ausgang
Sieg der Viet Minh
Folgen
Die Genfer Indochina-Konferenz
 
Konfliktparteien
 
Frankreich/Việt Minh
Befehlshaber
Henri Navarre
Christian Marie de Castries
Marcel Bigeard
Võ Nguyên Giáp
 
Truppenstärke
Frankreich
16.000 Soldaten,
1 Pionierbataillon,
1 Panzerkompanie,
3 Artillerieabteilungen,
14 Flugzeuge
Việt Minh
65.000 Soldaten,
2 Infanteriedivisionen,
3 Infanterieregimenter,
1 Pionierbataillon,
4 Artillerieabteilungen,
1 Flak-Regiment
 
Verluste
Frankreich
2.293 Gefallene
5.193 Verwundete
11.800 Gefangene
Việt Minh
7.900 Gefallene
15.000 Verwundete und Vermisste




Die Schlacht von Điện Biên Phủ war die entscheidende Schlacht während des Indochinakrieges. Die hohen Verluste an Menschen und Material (auf beiden Seiten) beendete die französischen Interventionen in Indochina. Sie wird gerne auch als „Frankreichs Stalingrad bezeichnet“.

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte:

 



Zum Zeitpunkt, als das Lager gegründet wurde, sah es für den französischen Oberkommandierenden General Navarre denkbar schlecht aus: Der Krieg dauerte schon sieben Jahre, und es konnte immer noch kein entscheidender Sieg verbucht werden. Im Gegenteil: die Guerillataktik der Viet Minh zermürbte die Moral der Truppe.
Diese unterschied sich grundlegend nicht von der, die der Viet Cong später gegen die amerikanisch-südvietnamesischen Truppen anwendete. Hart zuschlagen, Waffen verstecken und unter der Zivilbevölkerung verschwinden, das war die Devise. Daher beschloss man, die Viet Minh in eine offene Feldschlacht zu zwingen, in der sie gegen die technologisch weit überlegene französische Armee keine Chance haben würden.
Als Austragungsort wurde ein verlassener französischer Außenposten in der Nähe von Điên Biên gewählt, den man zu einem Fort mit vielen vorgelagerten Posten ausbaute (man benannte ihn nach dem Namen der damaligen Kreisstadt, Điện Biên Phủ). Dieser erschien für diesen Zweck geradezu ideal: Er befand sich in einer 16 km langen und 8 km breiten Talmulde, und wurde von einer Hügelkette umgeben, sodass die Viet Minh keinen Ausweg haben würden. Zudem würde der Stützpunkt die Zusammenarbeit der beiden Freiheitsbewegungen Vieth Minh und Pathet Lao verhindern – so dachte man zumindest. Er sollte vor allem aus der Luft versorgt werden, da er sich, wie schon erwähnt, an einer recht unzugänglichen Lokalität befand.
 

 

Die Errichtung und der Aufbau der Festung Điện Biên Phủ

 

Der Ausbau zur Festung begann am 20. November 1953. Die Errichtung des selbigen und die Aufstockung des Kontingents an Soldaten bekam den Operationsnamen „Castor“.
Noch am selbigen Tag setzten die Franzosen die ersten 9.000 Fallschirmjäger in dem Gebiet ab.
Das Hauptlager bestand aus den Komplexen Claudine (dort befand sich das HQ), Eliane, Dominique, Francoise und Huguette (hier wurde der der Flugplatz errichtet), während sich die Außenposten Gabrielle im Norden (auf der Anhöhe Doc Lap), Beatrice im Osten (auf der Erhöhung Him Lam - er sollte die Straße absichern; aufgrund dessen, dass diese Aufgabe äußerst wichtig war, wurde dort ein Bataillon Fremdenlegionäre stationiert), Anne Marie im Westen und Isabelle im Süden (dieser wurde 3 km vom Hauptlager entfernt auf dem Hügel Ham Cum errichtet - daher besaß er auch eine eigene Start- und Landebahn) befanden.
Insgesamt verfügte das französische Expeditionskorps über gut 17.000 kampferfahrene Soldaten, zudem über zahlreiche bewegliche Verbände (auch Panzereinheiten) und mehrere Artilleriebatterien, die im Mittelfeld der Festung positioniert waren. Dort befand sich auch der Kommandostab. Dieses riesige Verteidigungssystem war sowohl auf Wällen, als auch in unterirdischen Gängen aufgebaut. Den Oberbefehl und die Planung der gesamten Anlage übernahm der französische Oberst Christian Marie de Castries.

 

Die Angriffsvorbereitungen der Việt Minh



Von den Việt Minh nur geringfügig beim Aufbau gestört, wurde das Lager schnell fertig. Am 6. Dezember 1953 erhielt General Võ Nguyên Giáp den Befehl, das Lager anzugreifen, und begann sofort mit den Angriffsvorbereitungen.
In monatelanger harter Arbeit gelang es, mit Hilfe der Zivilbevölkerung Artillerie und Flakgeschütze in die umliegenden Berge zu schaffen.
Dabei wurde sowohl die Munition, als auch die in ihre Kleinteile zerlegten Waffen mit Büffeln, Fahrrädern oder sogar per Hand in die Stellungen geschafft.
Um dies verwirklichen zu können, legte der Việt Minh Dschungelpfade an, und schaffte es auch, im ganzen Tal, von den Franzosen unbemerkt, Gräben auszuheben, um die Truppen halbwegs sicher vor der gegnerischen Artillerie, an die Front zu bringen. Diese Gräben wurden auch während der Schlacht noch erweitert und ausgebaut.
Insgesamt zog Võ (Anm.: Ich habe seinen Namen nach der traditionellen Schreibweise verwendet - sein Familienname ist Võ, sein Vorname Nguyên und sein persönlicher Name Giáp) für die Schlacht ca. 33.000 Soldaten zusammen; diese Zahl erweiterte sich während der Stadt auf 50.000. Es wurden folgende Verbände für die erste Angriffswelle aufgestellt:
 

 

*die 308. Infanteriedivision
*die 312. Infanteriedivision
*zwei Regimenter der 316. Infanteriedivision
*ein Regiment der 304. Infanteriedivision
*zwei Abteilungen 105-Millimeter-Haubitzen der „schweren“ 351. Division
*zwei Abteilungen 75-Millimeter-Haubitzen
*ein Flak-Regiment
*ein Pionierregiment

 

In den frühen Tagen des Monats März waren die Angriffsvorbereitungen abgeschlossen, General Võ erhielt den Einsatzbefehl. Daraufhin sprach er folgende Worte (übersetzt) zu seinen Soldaten:

 

Für unsere regulären Streitkräfte hat die Stunde der Offensive gegen Điện Biên Phủ geschlagen. Unser Sieg bei Dien Bien Phu wird bedeuten, die Masse der feindlichen Truppen zu vernichten, den ganzen Nordwesten zu befreien, das Hinterland für den Widerstandskrieg auszudehnen und zu festigen sowie zum Erfolg der Bodenreform beizutragen… Unser Sieg bei Dien Bien Phu wird den Zusammenbruch des Navarre-Plans bedeuten, der schon schwere Rückschläge erlitten hat.“

Die Schlacht

Der Beginn der Schlacht



Am Morgen des 13. März 1954 schlugen plötzlich Unmengen an Artilleriegranaten im Lager ein. Im Lager war man überrascht; war doch De Castries fest davon überzeugt gewesen, dass die Việt Minh niemals schwere Artillerie in die Berge schaffen könnten (dies war auch ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Ortes der Entscheidungsschlacht gewesen). Die französischen Streitkräfte sammelten sich zwar schnell, und erwiderten auch das Feuer auf die gegnerischen Geschützstellungen (allerdings recht wirkungslos), doch konnte nicht verhindert werden, dass schon nach dem ersten Tag die wichtigste Landebahn im Lager schwer beschädigt und die meisten Waffen und Munitionsvorräte vernichtet wurden.
Noch zur selben Zeit griff die 312. vietnamesische Infanteriedivision den nördlichen Außenposten Gabrielle an; die restlichen Truppenteile schlossen dann den Kessel, sodass das gesamte Lager umzingelt war. Immer noch am 13. März griffen die Vietnamesen den nordöstlichen Posten Béatrice an. Obwohl dieser hauptsächlich von Fremdenlegionären, der Elite der französischen Armee, verteidigt wurde, fiel er bereits in der Nacht auf den 14. März.
Der nördlichste Verteidigungsraum, Gabrielle, konnte sich noch bis zum 15. März halten, wurde aber dann ebenfalls von den Vietnamesen überrannt.
Nach diesen ersten Erfolgen setzte Võ seine Truppen auf die westliche Verteidigungsstellung, Anne Marie genannt, an. Dieser war zum Großteil mit rekrutierten T'ais besetzt, und fiel am 17. März, da die nämlichen geschlossen zum Feind übergelaufen waren. Durch den Verlust dieses Außenpostens befand sich das ganze Gebiet nördlich des Hauptlagers unter der Kontrolle der Việt Minh. Indessen war man, bedingt durch die Lage der Festung in einer Talsohle, dem gegnerischen Artilleriefeuer beinahe schutzlos ausgeliefert. Die französische Artillerie schoss zwar weiterhin zurück, doch wurde damit nur wenig bis gar nichts bewirkt.
Der Kommandeur der Artillerie in der Festung betrachtete die Sache sogar als so hoffnungslos, dass er den Freitod wählte.
Auch konnte durch die nunmalige Unbenutzbarkeit der Landebahnen kein Nachschub mehr ins Lager kommen, da keine Landverbindung bestand. Nun forderte der Festungskommandant Luftunterstützung; kurz darauf griff die französische Luftwaffe bereits die vietnamesischen Bergstellungen mit Bomben und mit Napalm an, allerdings wieder ohne einschneidenden Erfolg und noch dazu unter schweren Verlusten, die ihnen durch die neben den Geschützstellungen stehenden Flakgeschütze beigebracht wurden.
Trotz dieses unbestreitbaren ersten Erfolgs der vietnamesischen Armee, verfügten die Franzosen immer noch über den Großteil ihrer Truppen, die im stark ausgebauten Zentrum der Festung stationiert waren.
Am 14. und am 16. März setzte man sogar noch zwei zusätzliche Bataillone Fallschirmjäger ab, um die Garnison zu verstärken. Die französische Luftwaffe griff unterdessen massiv die Nachschublinien der Vietnamesen an, konnte die Versorgung der Truppen an der Front jedoch nicht entscheidend stören.
Ab dem 28. März nahm das Artilleriefeuer dermaßen zu, dass es keinem einzigen französischen Flugzeug mehr möglich war, noch irgendwo im Lager zu landen. Daher versuchte man, die Versorgungsgüter mit Fallschirmen abzuwerfen - allerdings landete das Meiste davon in den Händen der Việt Minh.

Operation Vulture

Operation Vulture (Aasgeier)



Da sich die Lage nach dem de-facto Ausfall der Flugplätze im März drastisch zugespitzt hatte, erkannte die französische Regierung, dass Navarres Plan gescheitert und Indochina alleine nicht mehr zu halten war. Daher sandte man einige Regierungsvertreter in die USA, um dort Hilfe zu erbitten. Diese wurde nach Gesprächen mit Außenminister Dulles und Präsident Eisenhower gewährt. Es wurde sogar angeboten, die Việt Minh, die sich hinter der Front befanden, mit Atombomben anzugreifen und so auch die Unterstützung der Bevölkerung verhindert werden (andere Quellen berichten allerdings, dass die Franzosen darum angefragt hätten). Dieser Plan erhielt den Namen Operation Vulture. Allerdings wollte man den Abwurf nur dann durchführen, wenn auch andere Länder, wie zum Beispiel Großbritannien, damit einverstanden werden.
Diese sprachen sich jedoch dagegen aus, sodass der Plan wieder verworfen wurde.

 

2. Angriff

Die zweite Angriffswelle



Nach der ersten Angriffswelle trat erst einmal eine zweiwöchige Kampfpause ein, die beide Parteien intensiv nutzten: Die Franzosen warfen noch weitere Fallschirmjäger ab, während die Việt Minh ebenfalls mehr Truppen heranzogen (ein Flakregiment und fünf Artillerieabteilungen). So standen General Võ zum Zeitpunkt des Angriffs ca. 50.000 Mann zur Verfügung. Das Ziel der zweiten Angriffswelle war diesmal das Zentrum der Festungsanlage. So begann die 312. Infanteriedivision am 30. März den Angriff auf die nördliche Stellung Dominique. Der Kampf um diese stellte sich als einer der erbittertsten während der ganzen Operation heraus; er dauerte bis Ende April an. Zum gleichen Zeitpunkt begannen die 316. im Osten, die 304. im Süden und die 308. Infanteriedivision im Westen den Angriff auf die übrige Festungsanlage. Die zweite Angriffswelle zeichnete sich vor allem durch erbitterte und chaotische Stellungskämpfe aus, bei denen nie ganz feststand, wer der Angreifer und wer der Verteidiger war, da die Rollen ständig wechselten. Außerdem griff die französische Luftwaffe die Vietnamesen mit Napalm an, was deren Vormarsch zwar verlangsamte, jedoch das Durchbrechen dieser zwischen den Außenposten nicht verhindern konnte. So wurden Mitte April die Stellungen Huguette im Westen und der Hauptflugplatz eingenommen, außerdem konnten Võ's Truppen den Außenposten Isabelle von den übrigen französischen Truppen abschneiden. Währenddessen konzentrierte sich die franz. Luftwaffe nun auf die umliegenden Artilleriestellungen, doch konnte sie diesen keine entscheidenden Verluste zufügen. Auch der Versuch, die eingeschlossenen Einheiten mit Hilfe von 1.500 Hmong-Rekruten zu entsetzen, scheiterte. Damit war das Schicksal der Festung besiegelt.

Das Ende

Der Fall von Điện Biên Phủ



Ende April wurde dem Festungskommandanten Colonel de Castries endgültig klar, dass er auf verlorenem Posten stand. Seine Soldaten waren erschöpft, und hatten jegliche Moral verloren, einige begingen Suizid, andere desertierten. Schließlich gingen die Vietnamesen am 2. Mai 1954 zum finalen Angriff über. Die Kämpfe zogen sich allerdings noch bis zum 7. Mai hin, bis de Castries endlich kapitulierte, und die Flagge der Việt Minh auf dem Bunker des ehemaligen franz. HQ's als Zeichen des Sieges wehte. Einen Tag später kapitulierte dann auch die Besatzung des südlichen Stützpunktes, Isabelle.

 

Eine Bilanz

Bilanz



Auf Seiten der Franzosen kämpften Rund 20.000 Soldaten in der Festung, während die Vietnamesen ca. 50.000 Soldaten einsetzten. Allerdings muss man bedenken, dass die französischen Truppen zu großen Teilen aus Eliteeinheiten bestanden, unter anderem Fremdenlegionäre und Fallschirmjäger, diese sich zudem noch in einer gut ausgebauten Stellung befanden und technologisch weit überlegen waren. Insofern kann man die Schlacht um die Festung von Điện Biên Phủ als eine der größten Niederlagen Frankreichs überhaupt betrachten. Gleichzeitig beendete sie auch die französischen Interventionen in Indochina. Vor allem aber basierte die Niederlage auf der Unterschätzung des Gegners durch die kommandierenden Offiziere.
Die Verluste betragen auf französischer Seite (während der Schlacht) ca. 8.200 Mann, bei den Vietnamesen ca. 20.000. Jedoch kehrten von 10.300 gefangen genommenen französischen Soldaten nur ca. 3.920 zurück - der Rest verstarb während der harten Arbeit in Gefangenschaft. Interessant ist auch noch zu bemerken, dass eine ganze Menge Männer desertierte - vermutlich ca. 1.600.

Quellen

Wikipedia Deutsch - Schlacht von Điện Biên Phủ (Letzter Aufruf 22.01.2011)
Detlev-Mahnert.de - Frankreichs Stalingrad (Letzter Aufruf 22.01.2011)
uni-protokolle.de - Schlacht von Dien Bien Phu (Letzter Aufruf 22.01.2011)



Autor: talesofvalor