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Das Thema

Antonow A-40
"Der fliegende Panzer"

 

 

Einleitung

Einleitung

 

Die Antonow A-40, auch „Kryl'ya Tanka"(Tank-Flügel) genannt, ging mit der unscheinbaren Abkürzung KT in die Militärgeschichte ein. Solche Projekte gab es viele während des Zweiten Weltkriegs, doch keines war derart dem Kriegsverlauf und taktischen Devise geschuldet, wie dieser Entwurf aus den Händen des berühmten Ingenieurs Antonow. Der sowjetische Flugzeug-Konstrukteur, mit vollem Namen Oleg Konstantinowitsch Antonow und geboren in Kiew, führte die Adaption der Panzerwaffe für andere Bereiche der Streitkräfte konsequent fort. Er inspirierte dabei die anderen Kriegsnationen des Zweiten Weltkriegs, welche ähnliche Projekte auf den Weg brachten.

 


 
Kenngröße
Daten
Konstrukteur(e): Oleg Antonow
Spannweite: 12,90 m
Länge: 11,50 m
Flügelfläche: 68 m²

 

Oleg Antonow, Sohn eines Bauingenieurs geboren, entwarf bereits als Schüler Flugzeuge, geprägt von seinen Erfahrungen im Segelflug. Im Jahre 1924 konstruierte er den Segler OKA-1 „Golub“ (Taube), der am ersten sowjetischen Segelflugwettbewerb in Koktebel auf der Krim teilnahm. So erwarb er seine ersten Meriten in diesem Bereich der Fliegerei bzw. Flugzeugskonstruktion. Der Segelflug war für ihn die Grundessenz der Fliegerei, der Baustein aller Flugzeugmodelle, auf die einfachsten aerodynamischen Gesetze angepasst. So war zu seinen Lebzeiten immer von der Einfachheit, Effizienz und Eleganz dieser Flugzeugtypen begeistert.

 

 

Entstehung

Entstehung



Im Jahr 1932 forderte das sowjetische Oberkommando neue Konzepte bei den Waffentechniken, Taktiken und Technologien, auch weil man aus dem Ersten Weltkrieg seine Lehren gezogen hat. Man erkannte den Panzer und das Flugzeug als zukünftige Instrument erfolgreicher Kriegsführung und man sah eine ideale Unterstützung der Armee durch die Kombination beider Elemente. Ein Panzer, der durch die Luft ans Ziel kommt und dort direkt bzw. durch seine gepanzerten Eigenschaften für die Front geschaffen, den gewünschten Erfolg erzielen wird. Das Konzept der Fallschirmjäger war zu dieser bereits bekannt und solche gepanzerten Fahrzeuge sollten sie vor Ort unterstützen. Das ursprüngliche Konzept war die Überführung bzw. der Lufttransport des 32 Tonnen Panzer mit Typenbezeichnung T-34. Dieser sollte in einem Segelflugzeug, abgeschleppt von Antonow 20 Schlepper ans Ziel gebracht werden.
Das Jahr 1939, der Beginn des Krieges und die Entwicklungsreife einiger militärischer Projekte, ließ den „fliegenden Panzer“ Wirklichkeit werden. Die sowjetischen Luftlandetruppen sollten fortan einen leichten Kampfpanzer an die Seite gestellt bekommen und der T-60 sollte der Panzer der Wahl für die Ausführung des Projektes werden. Für die ersten Erprobungen und Entwicklungen fand man keinen geringeren als den Konstrukteur Antonow. Dieser sollte die Idee und das Konzept in einen flugfähigen Transporter verwandeln. Natürlich konnte sich Antonow für ein Segelflugzeug begeistern und machte sich sofort an konkrete Designvorschläge. Um Partisanenverbände im Zweiten Weltkrieg mit stärkerer Bewaffnung auszustatten und auch Fallschirmjägereinheiten eine gewisse Panzerung zu geben, hatte Oleg Antonow die Idee, einen leichten Panzer mit Flügeln und allen Instrumenten auszustatten. Man setze beim Krieg gegen den Feind auf die Weiten des Landes und eine dementsprechende Einsatzdoktrin. Der Feind stören, zurückziehen und die Versorgungswege lang werden lassen. Dabei war es natürlich immens wichtig flexible und schlagkräftig zu sein, wobei die Kesselschlachten mit schnelle Flügelvorstößen bei der Planung mit einberechnet wurde. Der Prototyp dieses System der gepanzerten Luftlandeunterstützung wurde im Jahre 1941 gestartet und erhielt Bezeichnung A-40 KT - "Kryl'ya Tanka"

(geflügelte Tank).
 

 



Gleichzeitig forschten und entwarfen auch die Deutschen ähnliche Fluggeräte. Bei Ihnen wurde das Konzept eines Lastenseglers favorisiert. So die Messerschmitt Me 321 und Junkers Ju 322. Diese großen Segler liefen unter dem Namen Gigant und sollten in der Lage sein, kleine Kampffahrzeuge und sogar leichte Panzer zusammen mit vielen Truppen aufzunehmen und ans Ziel zu schleppen. Den Sowjets, durch einen Nichtangriffspakt in der günstigen Lage auch auf die deutschen Entwicklungen Zugriff zu haben, bzw. sogar Flugzeuge geliefert zu bekommen, konterten mit eigenen Projekten. Der „fliegende Panzer“ war nur ein Entwurf und neben großen bzw. übergroßen Bombern, die vollständig gepanzert sein sollten, wurden auch noch andere Transportmöglichkeiten direkt zur Front in Erwägung gezogen. So sollten in diesen sowjetischen Fluggeräten Kampffahrzeuge in den Bombenschacht des Flugzeugs eingebettet sein bzw. von dort abgeworfen werden. Der Panzer, in einen Segler integriert, erschien in seiner Konzeption als schnell umsetzbares und effektives Modell für alternative Transfort bzw. Supportunternehmungen. So sahen das auch die Alliierten auf der anderen Seite des Atlantiks und auf den britischen Inseln. Die “Baynes Bat” auf britischer Seite, welche als Segelentwurf an einem Tank konstruiert wurden. Bei den Amerikanern, von General Aircraft Hamilcar entworfen, ein ebenso ausgerichteter Militärtransporter speziell für den Transport von leichten Panzern.

Technik

Technik

 

Als endgültiger Panzer für die Segel-Panzer Kombination, wurde der 5,8 Tonnen schwere T-60 gewählt. Dazu kam ein zwei Tonnen schweres Flugwerk, an dem der Panzer angebracht wurde. Der T-60 war ein sowjetischer leichter Panzer, dessen Designer Nikolai Alexandrowitsch Astrow zu den führenden Spezialisten in der Entwicklung leichter Panzer zählte. Die Rote Armee nahm den Panzer im September 1941 an und die Betriebe der sowjetischen Militärindustrie produzierten ihn bis Februar 1943 in Serie. Wobei durch Antonov favorisiert und eingebaut wurden. Sein Gewicht war das überzeugendste Argument, was zwar zu Lasten der Bewaffnung und Feuerkraft des T-60 ging, aber ihn für den schnelle Einsatz bei den Luftlandetruppen umso wertvoller gemacht hätte. Sie hätten einen leichten und wendigen Panzer an ihrer Seite wissen wollen.

 


 
Aufbau: Schmaler Doppelrumpf als verbindendes Element von Panzer,
Tragflügel und Leitwerk.
Tragwerk: Verspannter Doppeldecker
in Gemischtbauweise
Leitwerk: großes Höhenleitwerk,
doppeltes Seitenleitwerk
Fahrwerk: Raupenketten des Panzers

 

Das Entwicklungsteam von Antonov entwickelte zu Anfang eine Reihe von Doppeldecker Flügel für den Panzer, wobei man immer von einem Einzelgerät ausging. Um den T-60 noch leichter und geeigneter für eine solche Transporttechnik zu machen, wurden die sekundäre Bewaffnung fast vollständig entfernt, ebenso der Munitions- und Treibstoffvorrat auf ein Minimum reduziert. Die Scheinwerfer wurden abmontiert und in die Wanne des Panzers spezielle Halterungen für die Flügelkonstruktion angebracht. Die Doppeldecker Flügel waren aus Sperrholz bzw. Stoff, wobei die gesamte Unterkonstruktion und auch die Heckauslegern, mit zwei senkrechten Flächen und einem hoch angebrachten einzigen horizontalen Fläche, für die nötige Stabilität sorgen sollen. Die Kontrolle der Konstruktion soll vom Panzer aus gesteuert werden, wobei sie nur aus einem einzigen Hebel für die aerodynamische Bedienung bestand. Alle Oberflächen für die Steuerung wurden aus der Position des Fahrers gesteuert. Die Oberflächen, die Konstruktionen und die mechanische Halterung sollten unmittelbar nach der Landung über Bord abgeworfen werden.

 

 

Testflug

Testflüge



Nach dem Entwurf, dem Bau und der Erprobungsphase, folgten die Testflüge. Beim einzigen Testflug kamen die Schwächen der Konstruktion voll zum Tragen, denn das Gewicht und der enorme Luftwiderstand der großen Oberflächen, verursachten beim schleppenden Flugzeug Petlyakov Pe-8 (Tupolew TB-3) eine Überhitzung Flugzeug-Motoren. Die TB-3 Bomber waren selbst bei Vollbelastung nicht der Aerodynamik der gesamten Konstruktion gewachsen. Der Schlepper bekam den fliegenden Panzer schlichtweg nicht hoch und so musste das Flugzeug den „flügellahmen“ T-60 nur abkoppeln. So gab es eine Bruchlandung des A-40 beim ersten Flug und beendet diesen mit einer sanften Landung auf holprigem Feld. Die Flugkonstruktion wurde nach der Landung wie geplant abgeworfen und der Tank fuhr zurück zur Basis. Der Pilot Sergej Anokin erstattete Bericht und der Test wurde als erfolgreich mit glatter Landung beurteilt. Der Mann, der "flog" hatte einen schnellen Kurs in Panzerfahren genommen. Die ganze Operation erforderte neben Flugkünste vor allem sorgfältiges Timing. Kurz vor der Landung musste der Fahrer/Pilot den Motor des Panzers starten und bei der Landung mit den Raupen in den Boden greifen, so dass der "geflügelte Tank"eine "sanfte Landung" hinlegen konnte. Der Test Pilot bezweifelte nach dem missglückten Flug, dass es während des Fluges je Kontrolle über die Konstruktion gehabt hat. Weitere Testflüge zeigten ähnliche Ergebnisse, denn der Luftwiderstand des Panzers war jedes Mal so erheblich, dass die Triebwerke überhitzten. Westliche Quellen behaupten, dass der A-40 KT den Boden nie verlassen hat. Die Sowjets behaupten bis heute, dass mindestens ein erfolgreicher Flug im Jahr 1942 stattgefunden hat. Die gesamte Testfluggeschichte scheint leicht zweifelhaft: Je nach Quelle gab es genau einen Testflug, eine Testflugserie oder gar nur einen Testflugversuch, bei dem man den A-40 nicht vom Boden bekam.
Das Konzept wurde nicht sofort fallen gelassen, da einige hohe Offiziere das Potential des Konzepts nicht aufgeben wollten. Auch Antonov hielt am fliegenden Panzer fest. Im weiteren Verlauf der Erprobung wurde allerdings klar, dass zu die wenig verfügbaren schwere Schleppen für den Panzer gibt. Ohne Leistung und sprichwörtlicher „Anhängerkupplung“ war es kaum möglich das Projekt weiterzuverfolgen, dazu kam das Ausbildungsproblem der Piloten/Panzerfahrer. Die Ketten des Panzers bei der Landung erwiesen sich auch als unzureichend geeignet, so wurden eher konventionellen Frontline-Rollen favorisiert. Durch die veränderte Kriegslage wurden die Arbeiten im September 1942 aufgegeben.

Entwicklung

Parallele Entwicklung

 

Für die Amerikaner und auch Briten war es die ständige Angst im Rüstungswettbewerb zurückzufallen. Dabei wollte man nicht nur Anschluss an die Achsenmächte halten, sondern auch den Sowjets nicht den technologischen Vorsprung zugestehen. Diese Situation spitze sich vor allem bei der Panzertechnik enorm zu, wurde doch jeder neue Panzer genau unter die Lupe genommen und stellte eine potentielle Wunderwaffe auf den neuen Schlachtfeldern des Krieges dar. Die moderne Kriegsführung brachte enorme Fortschritte mit sich und die Idee ein Flugzeug mit einem gepanzerten Fahrzeug zu kombinieren, versetze die Strategen in Angst und Schrecken.
So wurde von der US Army ein ähnliches Projekt wie die Antonov 40 angesetzt und den fähigen Händen von J. Walter Christie übergeben. Im Ergebnis sollte ein Panzerwagen stehen, der sich so schnell wie ein Flugzeug, unabhängig vom Gelände, sich bewegen kann. Anstelle von Bombenangriffen, sollten die Panzer landen und sehr viel effektiver bzw. zielsicherer als Bomben den Feind zerstören. Man plante eine ganze Staffel bzw. Verband von diesen fliegenden Panzern aufzustellen. Mit diesen Schwärmen über den Schlachtfeldern Europas, würde man die Infanterie alter Schule quasi abschaffen. Die Technik war dabei dem Antonov Projekt sehr ähnlich und stelle den Panzer mit Flügeln als Ausgangspunkt fest.

 

“The flying tank is a machine to end war. Knowledge of its existence and possession will be a greater guarantee of peace than all the treaties that human ingenuity can concoct. A flock of flying tanks set loose on an enemy and any war is brought to an abrupt finish.”
J. Walter Christie

 

 

 

Die Entwürfe überraschen deshalb nicht und waren bei den Zielen des Projekts nachvollziehbar. Diese fliegenden Festungen sollten mit einer 75 Millimeter Kanone bestehen, zusätzlichen Maschinengewehren ausgestattet und in leichter Bauweise gestaltet sein. Als Besatzung sah man für den leichten Panzer zwei Personen vor. Am Ende sollte ein vier Tonnen schwerer Panzer, 1000 PS Motor und Propellerzusatz vom Himmel stürzen und die mobile Kriegsführung auf Seiten der Alliierten zu einem neuen Höhepunkt bringen. Der Antrieb durch 8 Räder am Boden und durch Propeller in der Luft sollte kombiniert bzw. leicht handhabbar sein. Die Räder sollten über eine Lauffläche die Fortbewegung auch auf unwegsamem Gelände garantieren. Das System stammt vom Rüstungsbauer Caterpillar und sollte 70 Meilen pro Stunde auf unwegsamem Land und 100 Meilen pro Stunde auf einer glatten Oberfläche machen. So sollte er auch auf dem Boden ein schnelles Vehikel und gefährlicher Feind sein. Das Starten und Landen sollte dabei durch das Vehikel selber erfolgen, die Flugkonstruktionen abnehmbar und wiederverwendbar sein.

 

 

 

“The other hazardous stumbling-block, the landing of the flying tank, has also been overcome. My machine can alight on very limited space. The pilot can observe his air speed by means of his instrument board. When he switches from being a pilot to being a chauffeur he will know his land speed, both on the caterpillar tracks and on wheels, whichever he may choose to bring into use.
If he wants to liberate the tank from the wings, he has only to press a lever and that operation is completed in a jiffy. Then if he wants to, he can proceed along a highway on the rubber-tired wheels at a rate of 100 miles an hour.”

J. Walter Christie



Der Pilot/Kommandant/Panzerfahrer musste den Motorsegler nur landen und dann sofort losfahren. Bei der Entwicklung hatte Christie bereits weitere Stufen des Projektes im Sinn. Verschiedenen Panzertypen, passende Flugkonstruktionen und Einsatzszenarien für das gesamte Spektrum zu sichern. Wobei das „fliegender Panzerprinzip“ auch nach dem Krieg weiter eingesetzt werden sollte.