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Das Thema

Die schweren Infanterie-Panzer
der britischen Streitkräfte

 

 

 

Die Entstehungsgeschichte




Die Infantry-Tanks der britischen Armee waren Panzerfahrzeuge, die zur Klasse der mittleren Panzer zählen. Schon in der Zwischenkriegszeit, zu Beginn der 1930er Jahre, begann man für die britische Armee an dieser Panzerklasse zu entwickeln. Sie entstand parallel zu den Cruiser-Tanks. Die Infantry-Tanks sollten dabei als schwer gepanzerte Infanterieunterstützung genutzt werden, um mit ihrer Feuerkraft den Gegner einzudecken und so das Vorrücken der eigenen Infanterie zu erleichtern. Man hatte sich für diese Überlegungen an die Panzer, die im 1. Weltkrieg entwickelt wurden, als Vorbild gehalten. Auch dort nutzten die Briten Fahrzeuge als Infanterieunterstützung sowie als Einbruchspanzer. Um den taktischen Einsatz erfolgreich bestreiten zu können, war es bei den Infantry-Tanks wichtiger eine gute Panzerung zu besitzen als schnell zu sein. Somit ist hier auch die klare Unterscheidung in den beiden britischen Panzerentwicklungssträngen zu sehen. Die Cruiser-Tanks waren schnell aber leicht gepanzert, die Infantry-Tanks setzten auf Panzerschutz für die Besatzung und sahen die Geschwindigkeit als nebensächlich an. Ebenso wie die ersten Cruiser-Tanks entwickelte die Firma "Vickers-Armstrong" auch die ersten Infantry-Tanks. Anfang der 1930er Jahre begann man mit der Entwicklungsarbeit die
dann schließlich mit dem Matilda I, der ab 1937 in Serie produziert wurde, einen Abschluss fand.

MK I und II

Die Infanteriepanzer Mk I und II "Matilda"

 

 

 


 
technische Daten
Matilda II Mk. III
 
Gefechtsgewicht:
27 Tonnen
Besatzung:
4 Soldaten
Länge:
5610mm
Breite:
2590mm
Höhe:
2510mm
Motor:
zwei Leyland
6-Zylinder-Dieselmotoren
Leistung in Kw/PS:
140/190
Leistungsgewicht:
7PS/t
Geschwindigkeit:
24km/h (Straße),
13km/h (Gelände)
Bewaffnung:
1x 4cm Zweipfünder-Kanone,
1x 7,92mm koaxiales BESA-MG
Panzerung:
20-78mm

 

Beim "Matilda I" handelte es sich um den ersten Infantry-Tank der Briten. Da er als Unterstützung für die Infanterie gedacht war, und nicht gegen gegnerische Panzer eingesetzt werden sollte, hatte man als Hauptbewaffnung nur ein einzelnes MG im Turm eingebaut. Er besaß hingegen eine Panzerung, die in der Front sogar 60mm erreichte, damit war er fast allen Waffen, die die deutsche Armee hatte, gewachsen. Als mobiler Bunker eingesetzt, war er im Zusammenspiel mit der Infanterie eine gute Unterstützung. Da aber eine eigene Kanone fehlte, somit ein Panzerkampf nicht möglich war, und sich durch die Blitzkriegtaktik der Deutschen auch die allgemeine Gefechtstaktik änderte, war der Matilda I bald überholt. Die geringe Geschwindigkeit und die fehlende Hauptbewaffnung waren nicht mehr zeitgemäß. Im Frankreichfeldzug kam der Matilda I auf Seiten der Alliierten zum Einsatz, die Fahrzeuge die nicht in Gefechten zerstört wurden aber nicht wie üblich von der Wehrmacht übernommen sondern zur Rohstoffgewinnung verschrottet. In der Wehrmachtführung hielt man diese Panzer für völlig nutzlos. Insgesamt wurden 140 Panzer dieses Musters produziert.

 

 



Aus den Erfahrungen mit den Matilda I hatte man früh gelernt und daraus Konsequenzen gezogen. Schon Ende der 1930er Jahre entwickelte man einen Nachfolger, 1938 entstand der Prototyp und 1940 war dieser bereits serienreif bzw. kam in geringer Anzahl im Frankreichfeldzug zum Einsatz. Man hätte zu diesem Zeitpunkt schon viel mehr der neuen Matilda II im Einsatz haben wollen, aber da die Bauweise aus Gussstahl war und die Produktionsfirmen wenig Erfahrung mit der Panzerherstellung hatten, gab es immer wieder Verzögerungen. Man hatte beim "Matilda II" darauf geachtet, dass eine vernünftige Hauptbewaffnung vorhanden war. Hier kam, wie auch in den Cruiser-Tanks, die 4,7cm Zweipfünder-Kanone zum Einsatz. Damit waren die Infanteriepanzer nun endlich in der Lage auch gegen gengerische Panzer etwas anrichten zu können. Als Sekundarbewaffnung wurde, dass 7,92mm BESA-MG verwendet und man verstärkte die Panzerung. Mit der nun vorhandenen max. 90mm starke Panzerung brauchte der Matilda II keinen deutschen Panzer wirklich zu fürchten, einzig die 8,8cm-Flak war durchschlagskräftig genug um frontal wirksam zu sein. Aus diesem Grund waren die "Matilda II" auch sehr erfolgreiche Panzer auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz. Den italienischen Panzern waren sie überlegen und auch die Deutschen hatten nicht unbedingt gute Chancen gegen sie, daher erhielt sie am Anfang des Afrikafeldzuges auch den Spitznamen "Königin der Wüste". Dies änderte sich aber schließlich, verbesserte deutsche Panzermodelle und eine geänderte Taktik sorgten dafür, dass die Matilda II Panzer auf das Abstiegsgleis kamen. Ihre Bewaffnung reichte nicht mehr aus um die deutschen Panzerungen zu durchschlagen und die Geschwindigkeit war so gering, das sie oft ausmanövriert wurden und so leichter ausgeschaltet werden konnten. Vor allem die 8,8cm Flak und das Wüstengelände waren das größte Problem. Die Flak im Bodeneinsatz konnte die Matilda II Panzer auf 1800 ausschalten, wobei die Panzer auf mindestens 500m an die Flak heran kommen mussten um wirksam ihre Waffen einsetzen zu können. In der deckungsarmen Landschaft der Wüste war dies kaum möglich. So entwickelte man einen Nachfolger, der ab Ende 1941 nach und nach die Matilda II ersetzte. Insgesamt stellte man etwa 3000 Matilda II Panzer her, etwa ein Drittel davon wurde in die Sowjetunion geliefert, um sie im Kampf gegen das deutsche Reich zu unterstützen. Insgesamt baute man vier verschiedene Ausführungen, die aber kaum große Veränderungen hatten, lediglich war in den späteren Panzern die Motorleistung um 16PS auf insgesamt 190PS erhöht wurden. Der Versuch eine stärkere Bewaffnung einzubauen schlug fehl, aufgrund des zu geringen Durchmessers des Turmdrehkranzes scheiterte der Versuch eine 5,7cm Sechspfund-Kanone einzubauen. Es gab auch Umbauten des Matilda II, bei einem setzte man eine 7,8cm Haubitze in den Turm um eine mobile Artillerie zu schaffen und ein anderer Umbau war zum Beispiel ein Minenräumpanzer.

Valentine (MK III)

Der Infanteriepanzer Mk III "Valentine"

 


Valentine Mk III

 


 
technische Daten
Valentine Mk.I
 
Gefechtsgewicht:
16,3 Tonnen
Besatzung:
3 Soldaten
Länge:
5410mm
Breite:
2630mm
Höhe:
2270mm
Motor:
AEC 6-Zylinder
Benzinmotor
Leistung in Kw/PS:
100/135
Leistungsgewicht:
8,3 PS/t
Geschwindigkeit:
24km/h (Straße),
15km/h (Gelände)
Bewaffnung:
1x 4cm Zweipfünder-Kanone,
1x 7,92mm koaxiales BESA-MG
Panzerung:
8-65mm

 

Die Panzer der Valentin-Serie entstanden bei "Vickers-Armstrong" auf dem Reißbrett. Man verwendete dazu Baugruppen des "Cruiser Mark II (A10)" um die Produktion und Entwicklung zu vereinfachen. So entstand Anfang 1938 der Prototyp, der schließlich am 14. Februar 1938 dem britischen Kriegsministerium vorgestellt wurde. Man war von diesem Fahrzeug überzeugt, erteilte den Auftrag zur Serienproduktion und gab dem Projekt, auf Grund des Datums ( Valentinstag ), den Namen "Valentine". 1939 begann dann schließlich die Serienproduktion und 1940 erreichten die ersten Panzer die britischen Kampftruppen. Wie schon die Matilda-Panzer war auch der "Valentin" stark gepanzert und mit der 4cm-Zweipfünder-Kanone ausgestattet, ebenso hatte er die geringe Geschwindigkeit seines Vorgängers übernommen. Das größte Problem des Valentin war aber sein kleiner Turm. Einerseits bot er bei der Zweipfünderbewaffnung genügend Platz für die Besatzung hatte aber eine schwächere Bewaffnung, andererseits konnte man auch die stärkere 5,7cm und 7,5cm Kanonen einbauen was quälende Enge für die Besatzung bedeutete. Die meisten Besatzungen bevorzugten aber die Enge, also die schwerere Bewaffnung. So konnte man sich auch gegen stärkere Panzer behaupten und mit den 3 Mann, die für die Bedienung benötigt wurden, konnte man besser als Besatzung zusammen arbeiten.

 


Ein Valentine Mk XI

 

Auf Grund der Zuverlässigkeit und Robustheit der Panzer, wurde er zu einer wichtigen Stütze der britischen Panzertruppen. So wurden von den Valentine-Panzern insgesamt zirka 8275 Panzer in 11 Versionen hergestellt. 2690 Fahrzeuge gingen davon wieder an die Sowjetunion, im Sinne des Leih- und Pachtabkommens zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und Kanada. Die im Rahmen der Roten Armee eingesetzten Fahrzeuge konnten auch an der Ostfront sehr gute Dienste leisten. Allerdings wurde in einige von diesen Fahrzeugen 7,62cm Kanonen eingebaut um mehr Durchschlagskraft zu besitzen. Auch die Wehrmacht setzte erbeutete Panzer ein, diese kamen bis zu deren Zerstörung oder der Nichtreparierbarkeit wegen fehlender Ersatzteile zum Einsatz. Bei den 11 Varianten des Valentine gab es nur Unterschiede mit der Hauptwaffe und anderen kleinen Änderungen wie zum Beispiel am Turm: Valentine I - VII (Zweipfünder-Kanone), Valentine VIII - X (Sechspfünder-Kanone) und Valentine XI (7,5cm Kanone). Außerdem existierte noch eine Selbstfahrgeschütz "Bishop" mit einer 25-Pfund-Feldkanone und Panzer für andere Sonderaufgaben zum Beispiel im gesamten Bereich von mobilen Brücken (Valentine Bridgelayer), zur Kanalverteidigung (Valentine CDL), für Beobachtungszwecke (Valentine OP) und zur Minenräumung (Valentine Scorpion und Valentine AMRA).

 


Der Bishop

Churchill (MK IV)

Der Infanteriepanzer Mk IV "Churchill"

 


 
technische Daten
Churchill Mk. VII
 
Gefechtsgewicht:
40,6 Tonnen
Besatzung:
5 Soldaten
Länge:
7540mm
Breite:
3250mm
Höhe:
2490mm
Motor:
Bedford
12-Zylinder-Boxermotor
Leistung in Kw/PS:
258/350
Leistungsgewicht:
8,6 PS/t
Geschwindigkeit:
25km/h (Straße),
13km/h (Gelände)
Bewaffnung:
1x 7,5cm Kanone,
1x 7,92mm koaxiales BESA-MG,
1x 7,92mm BESA-MG in der Wanne,
1x 7,7mm Bren-Fla-MG
Panzerung:
19-152mm

 

Der Churchill war das Nachfolgemodell für den Matilda II der von der britischen Firma "Vauxhall" im Jahre 1940 entwickelt wurde. Um möglichst viel Zeit bei der Konstruktion zu sparen, griff man auf Pläne des A20 zurück. Dieses Projekt war entstanden als man noch glaubte der Krieg würde, ähnlich wie der 1. Weltkrieg, als Stellungskrieg verlaufen. So verfügte auch der Churchill-Panzer über eine Ketten, die um die Wanne herumliefen, um die Gräben der Stellungssysteme überfahren zu können. Im Juli 1941 entstand der erste Prototyp und kurz danach kam der Auftrag zur Serienproduktion. Wie nicht anders zu erwarten gab es natürlich viele Probleme, die daraus resultierten, dass die Entwicklung sowie die Erprobung unter Zeitdruck abgelaufen waren. Der Antrieb sorgte ständig für Probleme, die Lenkung war unausgereift und auch das Getriebe funktionierte nie ohne Störungen. Aber es gab auch sehr viel Positives am Churchill. So waren die Panzerung und das Laufwerk hervorragend konstruiert und so konnten auch schwere Beschädigungen oder schwieriges Gelände die Panzer nicht vom Vorwärtskommen abhalten. Ebenfalls war die breite und geräumige Wanne ein großer Vorteil. So konnten verschiedenste Sondermodelle auf Basis des Churchills entwickelt werden. Insgesamt produzierte man 5460 Panzer bis zum Ende des Krieges im Jahr 1945.

 


Churchill Mk VI

 

Die verschiedenen Varianten und Sondermodelle des Churchill-Panzers

 

  • Churchill I (303 Exemplare): Dies war die erste Version des Churchill, die Hauptbewaffnung war eine 2-Pfünder-Kanone und koaxialem MG sowie einer 3-Zoll-Haubitze mit stark eingeschränktem Schwenkbereich im Rumpf.
  • Churchill Mk II (1127 Exemplare): Bei dieser Version wurde die Haubitze im Rumpf durch ein weiteres Maschinengewehr ersetzt. Durch den eingeschränkten Schwenkbereich war der Einsatz nur bedingt erfolgreich.
  • Churchill Mk II CS: Bei dieser nur in sehr geringen Mengen gebauten Version wurden die Haubitze im Turm und die Kanone im Rumpf eingebaut.
  • Churchill Mk III (675 Exemplare): Durch die Verwendung eines nun geschweißtem Turmes und einer 6-Pfünder-Kanone als Bewaffnung kann man hier von einer ersten großen Veränderung des Fahrzeuges reden.
  • Churchill Mk IV (1622 Exemplare): Die mit Abstand am meisten gebaute Variante. Einziger größerer Unterschied zum Mk III war der Turm. Man hatte ihn leicht verändert um die Produktionskosten senken zu können.
  • Churchill Mk V (241 Exemplare): Ein Churchill mit einer 95-mm-Haubitze im Turm zur Infanterieunterstützung.
  • Churchill Mk VI (200 Exemplare): Diese Version erhielt eine 7,5cm Kanone als Hauptbewaffnung, außerdem kam es noch zu anderen kleineren Veränderungen und Verbesserungen.
  • Churchill Mk VII (zusammen mit Mk VIII 1600 Exemplare): Ab dieser Variante war die 7,5cm Kanone Standard auch wurde die Panzerung nun verstärkt. Die Besatzung war nun noch besser geschützt. Durch diese radikalen Veränderungen kann man hier von der zweiten großen Überarbeitung reden.
  • Churchill Mk VIII: Ein "Mk VII" der anstelle der 7,5cm Kanone mit einer 95-mm-Haubitze ausgestattet worden war.
  • Churchill Mk IX: Bei dieser Variante handelte es sich eigentlich um Mk III und MK IV denen man einfach den Turm des Mk VII eingesetzt hatte. Des Weiteren wurde die Panzerung verstärkt und man modifizierte die Aufhängung und das Getriebe.
  • Churchill Mk X: Umrüstung wie beim Mk IX nur das man den Mk VI als Ausgangspanzer nahm.
  • Churchill Mk XI: Eine Umrüstung des Mk V mit Mk-VIII-Turm und Zusatzpanzerung.
  • Churchill AVRE: Bei den Churchill AVRE (Armoured Vehicle Royal Engineers) wurde das Geschütz durch einen 290-mm-Petard-Mörser ersetzt. Außerdem konnten viele Zusatzgeräte wie Minenflegel, Faschinenroller und Minenleger angebracht werden. Nach dem Krieg wurden die Petards durch 165-mm-Geschütze ersetzt.


    Der Churchill AVRE mit dem gut zu erkennenden Petard-Mörserrohr
  •  
  • Churchill ARK: Ein turmloser Churchill, mit herunterklappbaren Rampen an beiden Seiten und Rampen auf der Hülle, der zum Improvisieren von Überfahrten und Brücken eingesetzt wurde.
  • Churchill Bridgelayer: Ein Brückenlegepanzer um schnell Geländeeinschnitte überbrücken zu können.


    Churchill Bridgelayer
  • Churchill Oke: Der Churchill II oder III ausgestattet mit Flammenwerfer.
  • Churchill Crocodile (etwa 800 Exemplare): Churchill VII, bei dem das Bug-MG durch einen Flammenwerfer ersetzt wurde, die Brennstoffe wurden in einem Anhänger mittransportiert.
  • Churchill NA75 (120 Exemplare): Bei diesem Churchill wurde die Front des Turms durch die Turmfront eines Shermans mit 75-mm-Geschütz ersetzt.
  • Churchill AVRE Bobbin: Bei diesem Churchill hatte man eine 3m breite Rolle mit Segeltuch auf den gepanzerten Aufbau montiert. So sollte verhindert werden das die schweren Panzer an Stränden im Sand einsinken und so als unbewegliche Ziele enden würden. Dieses System kommt heute, an die Moderne angepasst, noch in den Faltstraßensystemen zum Einsatz.


    Churchill AVRE_Bobbin


Quellen

"Waffentechnik im Zweiten Weltkrieg", Alexander Lüdeke, Parragon Verlag, ISBN:978-1-4054-8584-5

http://www.mobhome.de/vehicles/Nice%20t ... e_brit.htm
http://www.wwiivehicles.com/unitedkingd ... entine.asp



Autor: panzermeyer