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Das Thema

Midgard-Schlange

Beispiel früher Gigantomanie der Rüstungsindustrie in Hitlers Reich

 


Die Midgardschlange (Weltenschlange), in der germanischen Mythologie eine die Welt umspannende Seeschlange, als Waffenentwurf bzw. Vorgeschmack eines neuen Weltkrieges.
So hätte vielleicht das Abzeichen eines der 20 geplanten Schlangen, welche als Erstschlagwaffen konzipiert waren, aussehen können.

Einleitung

Das Projekt der "Midgard-Schlange" beinhaltet das größte für die deutsche Rüstung entworfene Fahrzeug bzw. das größte geplante Fahrzeug des Zweiten Weltkrieges überhaupt. Hierbei handelt es sich um einen Entwurf der schon im Jahr 1934 erstellt wurde.
 


Angelehnt war das Konzept an die Grabenbautechnik des Ersten Weltkrieges, welche auch für den modernen Tunnelbau heute Vorbild war.


Ursprung (Name)

 

Wie man am Namen erkennen kann, entlieh sich die Münchner Ingenieurgruppe Ritter, die Denker hinter den Entwürfen, den Namen einer aus der germanischen Mythologie entstammenden Schlange, um wohl besonderes Interesse für dieses Projekt zu wecken. Die Midgard-Schlange war laut der germanischen Mythologie ein Ungeheuer, das mit ihrem Schlangenähnlichen Körper die Erde umschlang. Thor, der germanische Donnergott, war ihr Erzfeind und konnte sie schließlich bei der Götterdämmerung töten. Die Götterdämmerung, in der Mythologie Ragnarök genannt, wird die Schlange mit dem Hammer Mjölnir erschlagen, doch die Schlange versprüht vor ihrem Tode ein Gift, dass Thor am Ende doch tötet. Eine Geschichte, die den neuen Reichskanzler und Führer der NSDAP, der ein großer Wagner Liebhaber ist und vor allem des Heldenepos bzw. des Heldentod in alle Facetten verehrt, wohl zu einem genaueren Hinschauen bewogen hätte.
 


Oberst a.D. Ritter von Füchtbauer, Ingenieur und Erfinder der Schlange

 

Die Ingenieure des Konzepts der Schlange, ließen sich von den Erfahrungen und vor allem den Schützengräben, die Ersten Weltkrieg ausgehoben wurden, inspirieren. Beim Projekt der "Midgard-Schlange" wurde ein Fahrzeug erdacht, das sich einerseits überirdisch fortbewegen, aber auch unterirdisch sowie bzw. dem Wasserspiegel zum Einsatz kommen sollte. Man dachte dabei an eine Tiefe von etwa 100m. Durch diese unterschiedlichen Orte der Fortbewegung, sollten mit Hilfe von großen Mengen von Sprengstoff, verschiedenste gegnerische Verteidigungswerke angegriffen und zerstört werden. So hatte man bei der Entwicklung und dem Entwurf die Maginotlinie als ein Ziel im Auge aber auch englische Häfen umso den gegnerischen Schiffsverkehr, und damit die Versorgung der Insel, zu beeinträchtigen. Es gab solche Planungen bereits im Ersten Weltkriegs und im Alpenkrieg wurde feindliche Stellung mit Vorliebe durch herangeführte Stollen und enormen Ladungen Dynamit zerstört.

 


(Entwurfsskizze zur Schlange, die als gepanzertes Ungetüm durch die Erde graben und auch wasserdicht gegen Häfen vorgehen sollte.)


Konstruktion

Der Aufbau der Konstruktion sollte eigentlich sehr einfach sein. Man plante 77 Zellen von 6m Länge, 6,8m Breite und 3,5m Höhe zusammenzusetzen und damit eine riesige, Schlangen ähnliche Konstruktion zu erschaffen. Im zusammengezogene Zustand wäre sie dann 399m lang gewesen und in der größtmöglichen Ausdehnung 524m. Um sich im Erdreich fortbewegen zu können, besaß der "Wurm" vorn einen Bohrkopf mit 4 Bohrern zu je 1,5m Durchmesser. Zusätzlich befanden sich dort 12 Walzen um den entstandenen Abraum abtransportieren zu können. Es sollten insgesamt 4 verschiedene Bohrkopfsätze mitgeführt werden, um so unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten gerecht zu werden. Um den Bohrkopf anzutreiben, waren 9 Motoren mit insgesamt 8800PS geplant.
Damit sich das Fahrzeug insgesamt bewegen konnte waren Laufketten vorgesehen. Für diese standen 14 Elektromotoren mit zusammen 19800PS bereit, welche das Ungetüm bewegen sollten. Mit dieser Motorisierung war eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h überirdisch und je nach Beschaffenheit bis zu 10 km/h unterirdisch angedacht. Um den Strom für die Elektromotoren zu produzieren, waren 4 Dieselmotoren mit 10000PS und dazugehörige Generatoren geplant. Um genügend Kraftstoff mitzuführen, sollten insgesamt 930 Kubikmeter Stauraum in die Konstruktion integriert werden. Man hatte auch damit errechnet, dass bei den schwierigsten Gegebenheiten bzw. ungünstigster Fahrtumstände, etwa 10 Kubikmeter pro Stunde verbraucht werden würden. Da auch die Unterwasserfahrt vorgesehen war, wurden 12 Ruderpaare sowie 12 Motoren für diese eingebaut sein. Insgesamt verfügten diese Motoren über eine Leistung von 3000PS.
 


(Mögliche Entwurf für das "Grabgerät" an der Front des Gefährts. Ursprünge solcher Technik wurden bereits im Ersten Weltkrieg ersonnen und kamen in kleineren Maßstäben beim Grabenbau an der Westfront zum Einsatz.)


Besatzung

Eine Bedienmannschaft durfte natürlich nicht fehlen, gerade die Automatisierung noch in den Kinderschuhen steckte und ein solches Gerät bedient, gewartet und versorgt werden musste. So gab es eine elektrische Küche, einen Schlafraum, insgesamt 3 Werkstätten, mehrere Periskope und 580 Flaschen mit Pressluft. Eine Sende- und Empfangsstation sollte Verbindung zur Außenwelt halten und mit Hilfe von 1000 Sprengladungen á 250kg sowie 100 Sprengladungen á 10kg, sollte das Zerstörungswerk vollbracht werden. Das 60.000t schwere Fahrzeug hätte nach diesen Vorgaben eine Besatzung von 30 Mann gebraucht, welche sich mit 12 Zwillings-MG verteidigen sollten. Wie auch bei den später folgenden Entwürfen zum Landkreuzer, sollte auch die Schlage in ein umfassendes Projekt Konzept eingebunden werden. So legte man mit den Ideen zur Midgardschlange weitere Ergänzungsprojekte bzw. -objekte dazu. In diesem Fall sollten aber nicht weitere Vehikel die Schlange unterstützen, denn der Umfang des Projektes sah so etwas nicht vor. Was man aber für die kühnen Ideen einer sich durch den Boden wühlende Schlange brauchte, waren Waffen, die auf der Schlange wie bei einer Waffenplattform untergebracht werden sollte. Unter dem Namen "Fafnir", einem Drachen der germanischen Mythologie, sollte so ein Untererdtorpedo entwickelt werden. Dieser sollte 6m lang werden und hätte die Entwickler allein schon vor riesige Forschungsaufgaben gestellt. Um den Anfang für das Eingraben in die Erde zu schaffen, sollten Geschosse benutzt werden. Diese sollten unter der Bezeichnung "Mjölnir", also Thors Hammer, geführt werden. Auch war ein Beobachtungstorpedo in Planung. "Alberich" sollte mit Mikrophonen und Rundblickfernrohren bestückt werden. Falls die Bedienmannschaft im Notfall einmal das Fahrzeug hätte verlassen müssen, wenn es unter der Erde war, sollte dies mit dem Gerät "Laurin" durchgeführt werden. Nicht nur das Gerät an sich, die Schlange mit ihren enormen Abmessungen, hätte also in die Erprobungsphase gebracht werden müssen, auch die unterschiedlichen und dieser Form noch nicht dagewesenen Waffensysteme, musste der Aufwendung von Ressourcen entwickelt werden.
 


(Mögliches Aussehen eines Segments der Schlange, welche in diesem Fall mit Maschinengewehren bestückt, sich gegen Angriffe zur Wehr setzen sollte.)


Das Entwicklungsteam

Das Entwicklerteam wollte insgesamt 20 Exemplare bauen, wobei jedes etwa 30 Millionen Reichsmark gekostet hätte. Auch wurden schon Angriffspläne vom Team entwickelt. So sollte in einem neuen Krieg, man schrieb ja gerade das Jahr 1934, mit den Waffen schnellstmöglich zum Erstschlag ausgeholt werden. Die Rache für das Versailler Diktat sollte also in Form einer Schlange losschlagen. Bereits 3 Stunden nach Kriegsausbruch, sollten die ersten 15 feindlichen Häfen zerstört werden und damit die Infrastruktur und Moral des Gegners, bevor man mit den Truppen einrückte, am Boden liegen. Es ähnelte mehr einer fiktiven Idee und reinem Wunschdenken, so etwas bewerkstelligen können und zu wollen. Ein Phantasiegebilde, das in die Realität nicht umsetzbar war und die Einzelheiten des Konzeptes offenbarten es den Militärs. So kann man an einem einfachen Beispiel erkennen, dass es nicht nur am Einsatzkonzept haperte, sondern zu allererst am Entwurf selbst. Nimmt man an, dass der Bohrer sich durch leichten Boden arbeiten sollte und man die 10km/h die geplant waren dazu nimmt, hätte der Bohrkopf mit seinen 23,75 Quadratmetern etwa 237500 Kubikmeter Abraum erzeugt. Man stelle sich einen Würfel von fast 62 Meter Kantenlänge vor. Die Prüfer der Minister : Diese Masse hätten nie und nimmer weggeräumt werden können und von diversen Hochschulen beauftragte Experten, wollten daraufhin von den Entwicklern Erklärungen haben, wie man dieses Problem beseitigen wollte.
 


(Die Antwort an den Oberst zwecks seines Projektvorschlags.)

 

" und es zweitens absolut gegen meine Absicht geht brauchbare technische Einzelheiten aus der Hand zu geben, ehe nicht das Problem der Stelle vorgelegt ist, die maßgebend bestimmen kann - und das ist einzig der Führer. Abgesehen davon weiß ich nicht, wohin das bei den Ausmaßen des Projektes führen sollte, wenn ich anfinge, Einzelheiten schriftlich darzulegen... "
(Aus einem Schreiben der Prüfer dieses Projektentwurfs)



Vom Entwicklungsteam kam weder ein Vorschlag noch ein ansatzweise Erklärung. Dies führte auch zur späteren Ablehnung des Projektes. So kann man einem Schreiben des Adjutanten des "Führers" entnehmen, dass er die Verantwortung dafür übernimmt, dass die Pläne erst dann Hitler vorgelegt werden, wenn das Entwicklerteam Lösungen für die Probleme geben kann. Da es nie zu Lösungsvorschlägen kam, wurde schließlich der Entwurf 1935 abgelehnt und die Akten an den Chef der Konstrukteure, Oberst a. D. Ritter von Füchtbauer, zurückgegeben.
Hätte das Projekt dennoch eine Chance gehabt, wenn man die Pläne dem Führer selbst vorgelegt hätte? Man vermutet wohl eher nicht, auch weil Hitler aus eigener Erfahrung hatte miterleben müssen, wie zermürbend ein erneuter Grabenkrieg für die Moral das deutschen Volkes wäre. Die Vorschläge für erste größere Rüstungsvorhaben kamen von den Generälen bzw. Offizieren des Ersten Weltkrieges, die den Panzer als neue Waffe sahen. Man wollte einen Bewegungskrieg und die strategische Grundlage dafür. Die Schlange passte dabei so gar nicht ins Konzept.
 


(Hatten die Briten ähnliche Projekte in der Planung? Es ist wahrscheinlich, dass auch ihre Ingenieure ähnliche Schlüsse aus dem Ersten Weltkrieg zogen und deshalb sich mit der Materie befasst haben werden. Auf dem Bild soll der Entwurf eines NLE "Nellie" zu sehen sein. Die Echtheit des Fotos ist zu bezweifeln, dennoch halten sich Gerüchte um ein ähnliches Projekt bei den Briten hartnäckig.)