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Das Thema

Die gute alte 8,8cm Flak "ACHT-ACHT"

 

Die 8,8-cm-FlaK, auch "Acht-Acht" oder "Acht-Achter" genannt, war eine vorwiegend im Zweiten Weltkrieg gebaute und eingesetzte deutsche Flugabwehrkanone, die auch häufig gegen Bodenziele zum Einsatz kam.

 

 


 


 
Technische Daten der FlaK
18, 36 und 37
 
Länge in Feuerstellung
7620 mm
Breite
2305 mm
Höhe
2418 mm
Rohrlänge
4930 mm (L/56)
Kaliber
88 mm
Masse in Feuerstellung
5000 kg
Masse in Transportstellung
7400 kg
(incl. Sd.Anh. 201 und Schutzschild)
Rohrerhöhung
-3° bis +85°
Schwenkbereich
360°
Mündungsgeschwindigkeit
820 m/s (Sprenggranate)
795 m/s (Panzergranate)
Geschossmasse
ca. 9,4 kg
Max. Schußweite
14 860 m
Maximale Schußhöhe
10 600 m
Prakt. Feuergeschwindigkeit
15 - 20 Schuß/min.



 

Einsatz

Geschichte und Einsatz der FLAK:

Die Entwicklung der Waffe geht bis auf den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zurück!

Über den Einschließungsring des belagerten Paris hinweg, schwebten lautlos während des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 immer wieder Freiballons aus der belagerten Stadt hoch und über die deutschen Truppen hinweg.
Sie ermöglichten den französischen Truppen eine Beobachtung des Gegners.

Auf Grund dieser Tatsache und der nicht vorhandenen Möglichkeit der deutschen Truppen, entsprechend auf diese Bedrohung zu reagieren, versahen die Krupp-Werke die soeben fertig entwickelte 3,7 cm Kanone mit einer Säulenlafette. Diese wiederum befand sich auf einer mit Pferden bespannten Wagenplattform, auf welcher die Säulenlafette montiert war.

Am 12.Nov.1870 wurde mit einer von zwei eingesetzten "BAK" (Ballon-Abwehr-Kanone) der erste Abschuss erzielt.

Durch den Gegner wurden insgesamt 66 Ballonstarts durchgeführt.

Damit wurde die "BAK" von 1870 der Vorgänger oder Urvater der im Zweiten Weltkrieg so berühmt gewordenen legendären, vom Feind gefürchteten und
vom Freund geliebten 8,8 cm Flak (Flak = Flugabwehrkanone)

Ab dem Jahr 1916 wurde von Krupp, einer der bedeutetsten deutschen Waffenschmieden, dann die erste 8,8 cm Kraftwagen-BAK ausgeliefert.

Diese Kanone sollte zur Basis für die Acht-Acht, der Wunderwaffe des Zweiten Weltkriegs werden. Über die BAK führte der Weg der Weiterentwicklung zur ersten FLAK.

Durch den Versailler Vertrag war Deutschland die Entwicklung und Produktion zahlreicher Waffenarten, darunter auch schwere Artillerie, verboten.

Dieses Verbot wurde jedoch vielfach umgangen, indem deutsche Wissenschaftler und Angehörige der Reichswehr ins Ausland gingen, unter anderem in die Sowjetunion.

Krupp sandte eine Gruppe von Ingenieuren nach Schweden zur Firma Bofors, die schon damals führend auf dem Gebiet der Flugabwehrwaffen war.

Hier entstand zunächst eine neue Kanone vom Kaliber 75 mm, welches jedoch später auf 88 mm vergrößert wurde.


Nordafrika, bei Bir Hacheim.- Feuerndes 8,8 cm Flakgeschütz. Im Hintergrund Generaloberst Rommels Schützenpanzer Sd.Kfz. 250 "Greif"; KBK Lw.7

Ab 1933 wurde dieses Modell als FlaK 18 in Essen in Serie produziert.
In der Regel bezeichnete bei deutschen Waffen die Zahl das Jahr der Konstruktion bzw. der Einführung bei der Truppe.
Aus Geheimhaltungsgründen erhielten aber alle Waffen, die zur Zeit der Rüstungsbeschränkung ab 1920 entwickelt wurden, die Modellbezeichnung "18".

Ihre Feuertaufe erlebte die Waffe im Spanischen Bürgerkrieg.

Dort wurde sie auch erstmals in der Rolle einer Panzerabwehrkanone getestet und es wurden zum ersten Mal die Vor- und Nachteile der 8,8-cm-Flak in der Rolle als Panzerabwehrwaffe sichtbar.

Eine verhängnisvolle und falsche Entscheidung hielt für einen längeren Zeitraum jedoch die Produktion des Typs 41 auf.

Da aus fertigungstechnischen Gründen für die Produktion des Typs 41 mehr Arbeitsstunden und Material benötigt wurde, als bei den Vorgängermodellen, wurde durch einen direkten Befehl Hitlers die Fertigung des Modells 41 bis ins Jahr 1943 gestoppt.

Eine Anordnung des Rüstungsministeriums aus dem Jahr 1943 sah vor, dass 75 % der 8,8 cm Flak ortsfest in Kampfständen oder Flaktürmen eingebaut werden sollten, um Rohstoffe und Material für die Kreuzlafetten und Fahrgestelle einzusparen.

Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass die eingesetzte Menge an Eisen und Beton für die Sockel um ein Vielfaches höher lag, als die benötigte Menge für Lafetten und Fahrgestelle.
Durch diese Entscheidung wurden große Teile der Flakverbände, im wahrsten Sinne des Wortes, "einbetoniert" und somit unbeweglich.

Die angreifenden Feindbomber passten ihre Anflugsrouten der Bedrohung an und umflogen diese Flak-Konzentrationen, um ihre Ziele mit Bomben zu belegen.

 

Flak 41

Die FLAK 41:

 


 
Technische Daten der FlaK 41
 
Länge in Feuerstellung
9658 mm
Breite
2400 mm
Höhe
2360 mm
Rohrlänge
6548 mm
Kaliber
88 mm
Masse in Feuerstellung
8000 kg
Masse in Transportstellung
11200 kg
(incl. Sd.Anh. 202 und Schutzschild)
Rohrerhöhung
-3° bis +90°
Schwenkbereich
360°
Mündungsgeschwindigkeit
1000 m/s (Sprenggranate)
980 m/s (Panzergranate)
Geschossmasse
ca. 9,4 kg
Max. Schußweite
19 800 m
Maximale Schußhöhe
14 700 m
Durchschlagsleistung
(Panzergranate 40):
auf 100 m 237 mm
auf 1000 m 192 mm
auf 2000 m 127 mm
Prakt. Feuergeschwindigkeit
20 - 25 Schuß/min.



Die Erfahrungen führten zur Einführung eines zweiteiligen Geschützrohres und einer robusteren Zugmaschine.
Im Zweiten Weltkrieg war sie an praktisch allen Fronten im Einsatz, wobei eine Batterie für gewöhnlich vier Geschütze umfasste.

Ihren legendären Ruf erwarb sie sich nicht so sehr in ihrer ursprünglichen Rolle als Flugabwehrkanone, sondern vor allem durch ihren Einsatz im Erdkampf, insbesondere bei der Panzerbekämpfung.

Zu Beginn des Russlandfeldzuges war die 8,8-cm-FlaK die einzige Waffe, die dem stark gepanzerten russischen T-34 gewachsen war, da die normalen Panzerabwehrkanonen (PaK 36) zu schwach waren.

Durch ihre Feuerkraft war sie bei den alliierten Soldaten gefürchtet.

Das Geschütz konnte Ziele aus 1800 m Entfernung zerstören.

Die Granate:


Nachteilig für ihre Verwendung an der Front war allerdings die hohe Silhouette sowie das relativ große Gewicht der Waffe.

Mitte 1944 waren fast 11.000 Exemplare der Typen 18, 36 und 37 bei der Wehrmacht im Einsatz, dazu ca. 140 Stück der FlaK 41.

Allein im Oktober 1944 wurden von diesen Geschützen mehr als 3,1 Millionen Granaten verschossen.

Wie wichtig die Waffe war, verdeutlicht auch die Tatsache, dass ein Drittel aller in diesem Jahr in Deutschland hergestellten Kanonenrohre für die Acht-Acht bestimmt war.

Erbeutete Exemplare wurden auch von der britischen Armee sowie der US Army eingesetzt, die sogar ein eigenes Handbuch in englischer Sprache drucken ließ, die Rote Armee (und Anhang wie Polnische Armee im Osten usw.) verwendeten ebenfalls erbeutete Kanonen.

Nach Ende des Krieges war die Waffe noch lange Jahre in Jugoslawien und Finnland im Dienst.

Die Leistungen der AchtAcht:

Trotz allem war die 8,8 cm Flak das wohl vielseitigste "Arbeitstier" an allen Fronten und das vom Gegner meist gefürchtete Geschütz des Zweiten Weltkriegs.
Zu Kriegsbeginn und auch davor zeichnete sich bereits ab, dass sich die Verwendungsmöglichkeiten dieser Geschütze nicht in der Flugabwehr erschöpften.

Dies belegt auch die Vernichtung alliierten Kriegsmaterials durch das 1. Flakkorps der Luftwaffe im Frankreichfeldzug.

So wurde vernichtet oder außer Gefecht gesetzt:

- 372 Flugzeuge in der Luft
- 252 Flugzeuge am Boden
- 40 Panzer
- 30 Bunker und
- 1 Kriegsschiff




Ebenso wurden zahlreiche Feldstellungen, Beobachtungsstände, Kampfstände für MG´s, Artillerie- und Flakstellungen sowie Kolonnen auf dem Marsch bekämpft, niedergehalten oder ausgeschaltet.

Desweiteren konnten zahlreiche Treffer auf 12 Kriegsschiffen, 8 Transportschiffen und einem Frachter erzielt werden.

Diese Zahlen sind jedoch nicht nur der Erfolg der 8,8 cm Flak, im Sprachgebrauch der Landser auch Achtacht genannt, sondern sie beinhalten auch die "Leistung" der 2 cm und 3,7 cm Flak.

Im Jahre 1943 vermeldete das Oberkommando der Luftwaffe, der die Verbände der Luftwaffen-Flak unterstanden, seit Kriegsbeginn als vernichtet:

- 6000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge aller Art und Typs
- 10.000 Flugzeuge
- 23 Schiffe mit 67.000 Bruttoregistertonnen an Handelsschiffsraum
- 50 Fluß- und Küstenfahrzeuge aller Arten
- 35 Kriegsschiffe darunter befanden sich auch 3 Zerstörer.


Grandiose Erfolge in Afrika:

Beachtenswert ist die Tatsache, dass die 8,8 cm Flak in einem geschickt angelegten Flak-Riegel eine militärische Katastrophe des Afrika-Korps und eine Niederlage verhindern konnte.

Zwischen Tobruk und der Stellung Gazala wurde Rommels Tross am 27. Mai 1942 von seinen Panzerverbänden abgeschnitten.

So eingekeilt und mit dem Engpass bei der Versorgung zeichnete sich der schlimmste Feind des Soldaten ab, das Chaos.
Zu all dem rollten Rommels Verbänden übermächtige britische Panzerverbände entgegen.
Auf dem Weg zu Rommels Gefechtstand fand sich Generalleutnant Walther Nehring in diesem Tollhaus wieder.

Inmitten dieses Chaos kam dem Generalleutnant die rettende Idee, als er an sich Teile einer 8,8 cm Flak-Batterie vorbeirollen sah.

Er stoppte die Geschütze ließ diese in einer Linie in Stellung gehen und Wirkungsbereitschaft herstellen.
Des weiteren erteilte er dem Kommandeur des Flak-Regiments 135, Oberst Alwin Wolz den Befehl, alle verfügbaren Geschütze heranzuschaffen und diese, mit den schon in Stellung gegangenen "Achtacht", eine Linie bilden zu lassen.
Die Geschütze verteilten sich auf eine Breite von ca. 3 km.
Kaum hatte das letzte Geschütz seine Wirkungsbereitschaft gemeldet, da ergossen sich auch schon die britischen "Grant-Panzer" über das Schlachtfeld.

Generalleutnant Walther Nehring tauchte im "fliegendem Wechsel" in den Stellungen der Geschütze auf und feuerte seine Männer unermüdlich an, die Ziele zu bekämpfen.
Das ist wohl das erste Mal in der Kriegsgeschichte, dass schwere Flakverbände in einem geschlossenen Einsatz einem Panzerangriff gegenüber standen.
Diese massive Mauer aus allen Rohren feuernder Flakkanonen, rettete das DAK und fügte den Briten fürchterliche Verluste zu.

Die Angriffe der Briten wurden allesamt abgeschlagen und das Gelände im Vorfeld der Achtacht war mit brennenden und rauchenden Panzerwracks übersäht.

Gefangene Briten, darunter auch gute Panzerleute konnten die Leistung dieser Kanone nicht fassen und wollten unbedingt die Waffe sehen, die solche Vernichtung anzurichten im Stande ist.
Als sie schließlich vor der Achtacht standen, war ihre Überraschung groß. Ihr Kommentar: "Für die gezeigte Wirkung recht unscheinbar"



Nochmal Afrika - diesmal Erfolge gegen Schiffe:

In der Nacht vom 13. auf den 14. September 1942 wurde mit Hilfe der Achtacht ein britischer Versuch, von See her Kommandotruppen an Land zu bringen, vereitelt.

Unterstützt wurde der Angriff durch Wellington-Bomber, von denen jedoch zahlreiche Maschinen abgeschossen wurden. Gemeldet wurde der Abschuss von ca. 23 Maschinen durch die Flakabteilung 114.

Ziel dieses Unternehmen war es, einen Brückenkopf in Tobruk zu bilden und damit die Versorgungsbasen des DAK zu bedrohen, um im weitern Verlauf die Versorgung von Rommels Truppen gänzlich zu unterbinden.

Im Zuge dieses Gefechtes wurde auch das Feuer auf die vor Tobruk kreuzenden britischen Kriegsschiffe eröffnet.

Auf eine Entfernung von 6000 Meter eröffnete die Batterie des Oberleutnant Vieweg das Feuer auf den Zerstörer "SIKH" und beschädigte ihn so schwer, dass ein ablaufen aus eigener Kraft nicht mehr möglich war.
Der Begleitzehrstörer "ZULU" versuchte in einem waghalsigen Manöver die "SIKH" in Schlepp zu nehmen.
Ein Glückstreffer, die wie so oft im Krieg über Sieg oder Niederlage entscheidet, zerschmetterte die Schlepptrosse zwischen den beiden Schiffen.
Für den Versuch der Rettung bezahlte die "ZULU" den gleichen Preis, wie ihr Schwesterschiff.
Die "Acht-Acht" und eine Batterie der Italiener schickten beide Schiffe auf den Grund des Meeres.
Die geschlagenen Kommandotruppen entkamen auf ihren Schiffen, die zum Teil schwerste Beschädigungen davontrugen und für geraume Zeit an den Kampfhandlungen nicht mehr teilnahmen.

Die Sonderausstattung der AchtAcht:

Was machte die "Acht-Acht" zu einem Geschütz, das nicht nur zu einem der besten des Zweiten Weltkrieges, sondern noch darüber hinaus bis in die 50er Jahre?

Zum einen sind da die gelungene Gesamtkonstruktion, sowie zum anderen die modernsten Sondergeräte zu nennen.

Diese Sondergeräte waren im einzelnen die Zünderstellmaschine, die Kommandoübertragungsgeräte, Entfernungsmesser, Ladeschale für das Laden des Geschützes bei großer Rohrerhöhung und die Möglichkeit der Feuerleitung durch Radar.

Ausschlaggebend war aber die hohe V0, mit der das Geschoss das Rohr verließ.
Diese hohe V0 ermöglichte eine sehr gestreckte Flugbahn, und die Verwendung von Patronen Munition eine hohe Feuergeschwindigkeit von 15 bis 20 Schuss pro Minute.

Die Mündungsgeschwindigkeit der Modelle 18, 36 und 37 lag bei ca. 820 m/s.

Durch die ständige Verbesserung und Weiterentwicklung der "Acht-Acht" wurden bei der Flak 41 eine V0 von 1020 m/s erzielt.

Bei der Flak 43 verließ das Geschoss mit 1200 m/s das 6,55 Meter lange Rohr.

Der Geschosskopf mit seinen 9 kg Gewicht war auf eine Hülse aus Messing oder Stahl gepresst, was abhängig von der Bauart des Rohres war.
Als Treibladung war 2,55 kg Nitropenta-Sprengstoff in der Hülse enthalten.
Nach Zündung der Treibladung wurde das Geschoss durch den entstehenden Gasdruck durch das Rohr "gejagt".
Die Züge und Felder im Rohr sorgten zusammen mit dem enorm hohen Gasdruck und dem Führungsband am Geschoss für den Drall.

Das Geschoss verließ das Rohr mit ca. 10.000 UPM und wurde dadurch auf seiner Flugbahn drallstabilisiert (gestreckte Flugbahn).

Die Acht-Acht als Panzerkanone:

Die 8,8 cm FlaK wurde aufgrund ihrer hohen Durchschlagskraft (in leicht modifizierter Form als 8,8 cm KwK 36 L/56) auch als Bewaffnung für den Panzerkampfwagen VI (Tiger I) ausgewählt, hier allerdings mit elektrischer Abfeuerung, während die ursprüngliche FlaK Schlagbolzenzündung besaß.
Diese Kanone war in der Lage, eine Panzerung von 167 mm Dicke auf eine Entfernung von 1.000 m im Winkel von 60 Grad zu durchschlagen.


Quellen

Für den Interessierten: Das "Handbuch für den Flakartilleristen" (412 kb) als PDF

Hier noch ein paar Videos: Lust zu spielen / unverwechselbar dieser Klang


wikipedia (Zugriff 12.07.09)
lexikon-der-wehrmacht (Zugriff 12.07.09)



Autor: Tiwaz