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Das Thema

15-cm Schwere Feldhaubitze 18



 



Die 15-cm sFH 18 war das Standardgeschütz der Divisionsartillerie der Wehrmacht. Sie wurde 1935 eingeführt und basierte auf der Synthese zweier konkurrierender Entwürfe der späten 1920er-Jahre von Rheinmetall und Krupp, welche jeweils als Ersatz für die veraltete kurzrohrige 15-cm sFH 13 aus dem Ersten Weltkrieg dienen sollten.

 

Technische Daten

Militärische Bezeichnung: 15-cm sFH 18
Typ: schwere Feldhaubitze
Kaliber: 150 mm
Rohrlänge: 4400 mm (Kaliberlänge: L/29,5)
Marschgewicht: 6.304 kg
Gefechtsgewicht: 5.512 kg
Seitenrichtbereich 60°
Höhenrichtbereich: -3°/+45°
Höchstschussweite: 13.325 m
Mündungsgeschwindigkeit: 520 m/s
Geschossgewicht: 43,5 kg (SprGr), 24,63 kg (HL-Gr), 38,97 kg (NbGr)
Feuergeschwindigkeit: 4 Schuss/Minute
Entwickler: Krupp, Essen (Lafette); Rheinmetall, Düsseldorf (Rohr)
Hersteller: Spreewerke, Berlin; MAN, Augsburg; Dörries-Fullner, Bad Warmbrunn; Skoda-Werke, Dubnica
Stückzahl: ca. 7.950

 

Entwicklung

Entwicklung und Konstruktion

Obwohl die Waffenproduktion durch den Versailler Vertrag stark eingeschränkt war, begann man in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre mit der Konstruktion neuer Geschütze. Bei den schweren Feldhaubitzen entstand die 15-cm schwere Feldhaubitze 18. Ob man die Modellnummer 18 aus Tarnungsgründen wählte oder in Anlehnung an die "15-cm Versuchshaubitze 18 (Rh)", den Prototyp von Rheinmetall für das Geschütz, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Die sFH 18 wurde von den Unternehmen Rheinmetall in Düsseldorf und Krupp in Essen zwischen 1926 und 1930 getrennt voneinander entwickelt; da beide Modelle das Heereswaffenamt nicht vollständig überzeugten, beschloss man dort, die jeweils besten Elemente des einen mit denen des anderen zu vereinen, sodass die Waffe schließlich eine Krupp-Lafette und ein Rheinmetall-Rohr erhielt. Die sFH 18 war eine solide, aber konservative Konstruktion mit Spreizlafette und - wie bei der leichten Feldhaubitze 18 - vollgummibereiften Leichtmetallscheibenrädern und Eisenfelgen.
Wegen der fehlenden Achsfederung war die sFH 18 nicht für den schnellen Motorzug geeignet. Ihr Gewicht von über 5.500 kg war andererseits für den Pferdezug zu hoch.
Das Geschütz wurde am 23. Mai 1935 offiziell eingeführt. Der Herstellungspreis des Geschützes im Jahre 1938 betrug 44.000 RM.
Die Splitterwirkung der Sprenggranate betrug 15 Meter nach vorn, 40 bis 50 Meter nach den Seiten und 3 Meter nach hinten. Bei direkten Treffern konnten bis zu drei Meter Erddeckung durchschlagen werden.


Einsatz

Einsatz und Weiterentwicklung

Die sFH 18 fand in den schweren Abteilungen der Artillerieregimenter Verwendung und wurde dort zu je vier (später sechs) Geschützen je Batterie eingesetzt. Bei Kriegsbeginn 1939 befanden sich in den Infanterie-Divisionen in der IV. (schweren) Abteilung eines Artillerie-Regiments zwölf schwere Feldhaubitzen 18.
In den Panzerdivisionen befanden sich acht schwere Feldhaubitzen 18 zusammen mit vier 10-cm-Kanonen in der III. (schweren) Abteilung eines Panzerartillerieregiments.
 

 

sFH 18 im Einsatz an der Ostfront

 

Im Pferdezug wurde das Geschütz mit je sechs Pferden bespannt in zwei Lasten mit Lafetten- und Rohrwagen hinter je einer Protze gefahren. Vor dem Marsch wurde das Rohr vollständig aus der Wiege heraus und auf einen zweirädrigen Transportwagen gezogen. Die Lafette wurde mit den zusammengeklappten Holmen ebenfalls auf einen Transportwagen gehoben. Trotz dieser zwei Zuglasten war das Geschütz im späteren Verlauf des Ostfeldzuges bei den schlechten Wetter- und Wegeverhältnissen viel zu schwer, und es wurden oft Gespanne von bis zu zehn Pferden für ein Vorwärtskommen benötigt. Beim in Stellung gehen musste der Rohrwagen vor die abgeprotzte Lafette gezogen und nach dem Abprotzen des Rohrwagens das Geschützrohr übergezogen werden.
Im motorisierten Zug wurde die Feldhaubitze hinter einen mittleren Zugkraftwagen 8t (Sd.Kfz. 7) oder einen schweren Zugkraftwagen 12t (Sd.Kfz. 8) in einer Last gefahren.

 



sFH 18 hinter Mittlerem Zugkraftwagen 8t



Eine Höchstschussweite von nur reichlich 13 km war für ein Geschütz dieser Art zu gering, was sich in den Kämpfen an der weiträumigen Ostfront schmerzlich bemerkbar machte. Vergleichbare Geschütze der Roten Armee, wie die 15,2-cm-Haubitze "ML-20" oder die 12,2-cm-Kanone "A-19" hatten eine wesentlich höhere Schussweite. Ab 1942 versuchte man daher, ein leistungsfähigeres Nachfolgemodell zu entwerfen (z.B. sFH 43 und sFH 44), die jedoch nicht über das Modellstadium hinauskamen. Weitere Versuche galten der Erhöhung der Schussweite des bestehenden Geschützes. Dazu erhielt die sFH 18 eine Mündungsbremse (sFH 18M) sowie ein auswechselbares Futter des Ladungsraums, sodass eine größere Treibladung verwendet werden konnte, welche die Schussweite auf 15 km steigerte. Trotz der Mündungsbremse war das Rücklaufsystem jedoch auf Dauer nicht in der Lage, die erhöhten Rückstoßkräfte aufzunehmen, sodass es langfristig zu Schäden an der Lafette kam.
Zusätzlich wurde für die sFH 18 weltweit erstmalig Munition mit Raketenzusatzantrieb eingeführt (15 cm RGr 19, Gewicht 45,25 kg), die zwar die Schussweite auf 19 km steigerte, aber nicht besonders zielgenau war und zu hohem Rohrverschleiß führte.

Obwohl die Haubitze aufgrund dieser Mängel - zu geringe Schussweite und zu hohes Gewicht - den steigenden Anforderungen nicht mehr genügte, setzte sie die Wehrmacht mangels Alternative bis zum Kriegsende weiter ein. Bei Kriegsausbruch befanden sich 1.353 Stück bei der Truppe, bis Mai 1945 entstanden 5.403 weitere Haubitzen. Am 1. Januar 1945 waren noch etwa 3.000 Stück im Einsatz. Zum Einbau in die Selbstfahrlafette "Hummel" wurden ab 1943 zusätzlich über 1.200 leicht modifizierte sFH 18/1 produziert. Außerdem sollte das modifizierte Verschlussteil der sFH 18 als Bodenstück der geplanten "V3" Verwendung finden.
 

 Bild

15-cm Panzerhaubitze Hummel im Einsatz an der Ostfront; Verschluss der sFH 18, für die V3 vorgesehen

 

Nicht nur die deutschen Streitkräfte, auch Finnland (unter der Bezeichnung "150 H/40") und Italien ("Obice da 149/28") setzten diese Waffe ein; nach 1945 befanden sich Geschütze dieses Typs in den Arsenalen Albaniens, Bulgariens, Chinas, der Sowjetunion, Portugals, der Tschechoslowakei und einiger südamerikanischer Staaten und wurden, zum Teil modernisiert, noch lange verwendet.
Aktuell werden noch 47 modernisierte sFH 18 in den finnischen Streitkräften unter der Bezeichnung "152 H 88-40" eingesetzt, welche ein neues 152-mm-Rohr erhalten haben.

 


"152 H 88-40" der finnischen Streitkräfte (2005)



Quellen

Typenkompass: Deutsche Artillerie-Geschütze 1933-45, Alexander Lüdeke, Motorbuch Verlag, ISBN 978-3-613-03150-0

Wikipedia (12.08.2012)
Englische Wikipedia (13.08.2012)
Lexikon der Wehrmacht (12.08.2012)
Military Images (Bild; 13.08.2012)



Autor: Gross