1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 0.00 (0 Votes)

Das Thema

Panzerjägerwagen
Rollende Festung gegen feindliche Angriffe

 


Diese hier gezeigten "Panzerjägerwagen" wurden ab etwa 1944 beim Standardpanzerzug BP44 eingeführt und ersetzten an den beiden Zugenden den bis dahin gebräuchlichen Abstoßwagen.



Der deutsche Panzerjägerwagen (BP 44) ist ein rollendes Festungsgeschütz, dass auf Panzerzügen eingesetzt, die wertvolle Fracht sicher bis zur Front transportieren helfen soll. Dieser Bestandteil eines Panzerzuges, mit dem Kürzel BP für "Behelfspanzerung" gekennzeichnet, wurde mit dem Turm eines Panzers versehen, oftmals des Panzer IVs oder auch mit solchen von Beutepanzern!
 


 
Die aus rund 130 Soldaten bestehenden BP42 (PZ Nr. 61 - 72)
waren symmetrisch gegliedert.
In der Mitte befand sich die gepanzerte Lokomotive
mit je einem gepanzerten Tender an der Front und am Heck.
Die dann folgenden Halbzüge bestanden aus:
1
Geschützwagen
1
Infantriewagen bzw. Kommandowagen,
1
Artillerie- und Flakwagen (2cm Flakvierling),
1
Panzerträgerwagen (Panzer 38 (t)) sowie
1
Abstoßwagen

Historie

Historisches

 



Im Krieg bestimmt von jeher der Nachschub über Sieg oder Niederlage und die Schiene hat sich im 20igsten Jahrhundert als leistungsfähigster und effizienter Nachschubweg bewiesen. Die Kriege in Zeiten der Massenheere haben unter Beweis gestellt, dass man Unmengen an Material für große Offensiven braucht. Die Militärs nutzen die Eisenbahnen auch für eine schnelle Verlegung von Truppen und Material. Die Wichtigkeit und Bedeutung haben sich auch in der Taktik niedergeschlagen, die entweder auf Zerstörung feindlicher Eisenbahnknotenpunkte zielte oder im Gegenzug deren Ausbau und ausgiebige Nutzung. So wurden während des Krieges die Eisbahnnetze besonders gepflegt, ausgebaut, gewartet und geschützt, genauso wie die Waren, die darauf transportiert werden sollen. So kann man in der militärischen Nutzung von Eisenbahntechnologie zwischen zwei Bereichen gesprochen werden, die per Schiene transportierten militärischen Großgebiete (überschweren Eisenbahngeschütze – Bsp. Dora Kanone) und die gepanzerten Versorgungstransporte (Panzerzüge mit defensiven Waffensystemen). Von letzterem kamen bei der Wehrmacht ca. 60 reguläre und eine etwa gleiche Zahl an behelfsmäßigen Panzerzügen in einer Frontverwendung zum Einsatz.

Panzerjägerwagen

Panzerjägerwagen als Teil von Panzerzügen der Wehrmacht

 

 

Ein Panzerzug hatte in der Regel 12 gepanzerte Wagen ausgestattet, die massiv durch Panzerplatten geschützt, mit Geschützen armiert, Unterkünften ausgerüstet, Führungs- und Funkstellen ausgerüstet waren. Die gepanzerte Lokomotive war in der Mitte des Zuges platziert, um beim eventuellen Auffahren auf eine Mine größere Schäden zu vermeiden. (Panzerzuggliederung: Pz IV Wagen (Panzerjägerwagen), Artillerie Wagen, Kommando Wagen, Artillerie Wagen, Tender, Lok, Tender, Artillerie Wagen, Kommando Wagen, Artillerie und Flak Wagon, Pz IV Wagon (Panzerjägerwagen)) Der Zug selbst war eingepackt in Panzerung, Kessel und Führerkabine speziell geschützt, wobei die gesamte Konstruktion extreme hohe Zugkräfte erzeugen konnte. Zwischen den gepanzerten Modulen bzw. Wagen des Zuges, waren dann Wagons für den Personen-, Waffen- und Munitionstransports eingeordnet. Ebenfalls wurden Extrawagons mitgeführt, die Schienenmaterial und entsprechendes Gerät zur Behebung von Zerstörungen des Schienenweges geladen hatten. Die wichtigste Verteidigungswaffe dieser Züge, die das Rückgrat der Versorgung von Wehrmachtstruppen an der Front darstellten, waren die Geschütze. Die Panzerzüge wurden besonders in den Weiten der Ostfront eingesetzt und mussten, aufgrund der hohen Partisanendichte, wechselnden Frontverläufen und dem Bewegungskrieg geschuldet, schlagkräftig bewaffnet sein. Dazu wurden Türme von erbeuteten und/oder beschädigten Panzerkampfwagen verwendet, deren Fahrgestelle nicht mehr repariert werden oder die für eine andere Aufgabe umgebaut wurde, auf solche Wagonkonstruktionen gesetzt.

 

 

 

Diese Panzerjägerwagen fungierten als Abstoßwagen, sie hatten außen eine bessere Übersicht, konnten den Turm besser schwenken und bei Gefährdungen durch Minen, waren Sie ausreichend gepanzert bzw. konnten geopfert werden. Beim Panzerzug BP42 kam man mit normalen Abstoßwagen bzw. musste man mit Artilleriewagen auskommen, die gegen Panzer nur die weniger wirksamen Haubitzen zur Verfügung hatten. Mit den Panzerjägerwagen wurde den Panzerzügen eine auch gegen Panzern wirksame Waffe mitgegeben. Dazu kam noch der Panzerträgerwagen, der mit veralteter Panzer (Somua, Renault, Hotchkiss und Skoda) ebenso Beutepanzern beladen, welche über eine Rampe ausfahren konnten und selbständig an Kampfhandlungen teilnehmen konnten. Die Effektivität dieser neuen Anordnung bzw. Aufstellung von Panzerjägerwagen innerhalb der Panzerzüge, hat sich schnell bewiesen. Bis zur Sommeroffensive 1944 an der Ostfront, sind lediglich zwei Züge (Nr5, Nr29) als Totalverluste zu verzeichnet worden. Der Panzerzug 42 (BP42) wurde durch die offensichtlichen Schwächen oft beschädigt, auch weil im Kampf mit feindlichen Panzern, welche bei einem Durchbruch oft das Schienennetz im Hinterland angriffen, die Züge eine zu schwache Panzerverteidigung aufwiesen. Der BP44, mit den Panzerjägerwagen ausgerüstet, konnten sich nicht nur oft zur Wehr setzen, sondern auch durch Neuentwicklungen in der Panzerung und dem Tarnanstrich Angriffe entgehen wie widerstehen. Die Züge wurden auch deshalb immer weiterentwickelt, weil der Nachschub immer wichtiger wurde. Die Anzahl der Züge wurde nur deshalb nicht zum Ende des Krieges erhöht, weil die Produktion durch Materialmangel bei der Panzerung eingeschränkt war.

 



„Der Chef der II./FLAK-Rgt 4, Major Richter, verfiel auf eine ausgefallene Idee, um den lebenswichtigen Zugverkehr nach Rschew, auf der Strecke Wjasma-Rschew, im Januar 1942 zu sichern. Er ließ von seinen Männern in Rschew eine "fahrende Flakbatterie" bauen! Auf flachen Güterwagen wurden zwei 8,8cm Flak, vier MG und zwei 2cm Flak montiert, eine Lokomotive davor gespannt, das Ganze mit dem Kommandanten (Oberleutnant Langhammer) und 40 Mann besetzt und fertig war der "Panzerzug".
Der Zug rollte zwischen Rschew und Sytschewka hin und her. Zuerst, auf dringenden Wunsch des bevollmächtigten Transportoffiziers nach Süden, um Munitionszüge heranzuholen...“

 


 
Technische Details
Basis :
Flachwagen mit Panzeraufbau
Antrieb :
Flachwagen mit Panzeraufbau
Wagengewicht :
23.4 Tonnen (mit Panzerschürzen 24,5 bis 25 Tonnen)
Panzerschürzen :
Um den Turm und Unterbau angebracht (höhe 1,4 m)
 
Panzeraufbau
Länge :
Um den Turm und Unterbau angebracht (höhe 1,4 m)
Höhe :
50cm (abgeschrägte Wände)
Zusatz :
MG-Luken und Sehschlitze
 
Panzerturm
  P-IV-Turm (7,5 cam KwK L/48)
alternativ T 34 (üblich)



Der Panzerjägerwagen ist ein aus der Not geborenes Konzept einer Defensivwaffe, was auch schon bei Bunkeranlagen eingesetzt wurde. So wurden beschädigte Panzer, deren Türme noch einsatzfähig waren, zum „stationären Panzer jagen“ eingesetzt wurden. So war der Einsatz auf Panzerzüge, deren Weg zur Front nur allzu berechenbar war und dazu noch als leichte Ziele auszumachen war, also ein prima Ziel für einen beweglichen Gegner mit Feuerkraft, der über Haubitzen oder Flakbeschuss nur müde lächelt. So lief die Entwicklung der Panzerjägerwagen genauso schnell, wie die Erkenntnis kam, dass auch Provisorien einen hohen Nutzen haben. Die Konstruktion war simpel, auf einem Eisenbahnwagon fest aufgesetzt und mit stark gepanzerten Beutepanzern, bevorzugt T-34 oder gar eigene Pz III/IV, schlagfertigt gemacht. Die verbesserte Ausführung in schnittiger und funktionaler Form kam dann mit einem unterlegten Panzerkasten und oben aufgesetzten Turm daher. Die so kampfkräftig gemachten Flachwagen wurden nun vom Streckenschutz-oder anderen Panzerzügen mitgeführt.
 

 

 

Interessant dabei ist, dass die Grundkonstruktion der Panzerzüge aus den Beständen der alten österreich-ungarischen Armee entstammt. Später dann russisches und polnisches Beutematerial, da diese Armeen schon früh damit anfingen schwer gepanzerte und mit viel Feuerkraft ausgestattetes Material konstruierten. Die Technologie blieb dabei durchaus auf der Strecke, aber die Einfachheit und Robustheit waren ausschlaggebend für einen Einsatz in den Weiten Russlands. So fiel auch der Unterbau für die Panzertürme auf den Flachwagen ziemlich einfach aus, an den Ecken abgeschrägt ohne Sicht oder MG Luken. Der Grundaufbau blieb auch später gleich, doch kamen nun oftmals ein abgeschrägter Oberbau und Sicht wie MG Luken dazu, diese sogar hinter wegklappbaren Schürzen verborgen. Der elektrische Eigenantrieb dieser Fahrzeugaufsätze ist dabei reine Spekulation. Die späte Indienststellung der Panzerjägerwagen machte solche Entwicklungen nicht mehr möglich. Der schwenkbare Turm waren bereits Belastung genug. Geplant waren natürlich, wie so oft in der deutschen Rüstungsindustrie, einen eigenständigen Panzerjägerwagen, als Vorhut eines Panzerzuges, der das Vorfeld für den Panzerzug absichern sollte. Dieser Panzerjäger(trieb)wagen 51, mit allen seinen geplanten Vorteilen, wären laut den Ingenieuren Panzerzug gegen feindliche Angriffe besser zurechtgekommen, doch kam er nie zum Einsatz. Eine reine Spekulation und auch so nur mit großen Einschränkungen umsetzbar, wobei die Verluste durch Minen katastrophal gewesen wären. Für die Überlebensfähigkeit des Panzerzuges war eine effiziente Aufteilung der Zugteile notwendig, die die Panzerjägerwagen als direkten Schutz miteinbezogen.
In Milovice ( nahe Prag ) befand sich eine Panzerzugersatzabteilung, und in Mähren kam es im April 1945 noch zum Einsatz von Panzerzügen gegen die vorrückende Rote Armee. Hier kamen auch die letzten Panzerjägerwagen zum Einsatz, mit der neusten Modifizierung, die auch ein Geschossabweiser am Turm beinhaltete.