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Das Thema

Infrarot
Meilenstein der Kriegstechnik

 

Eine wohl unbekanntere "Waffenerweiterung" im 2 Weltkrieg waren die Infrarot Geräte der Wehrmacht, welche als neue Wunderwaffe im Kampf gegen die Alliierten genutzt werden sollte, um somit noch die scheinbar unausweichliche Niederlage zu vereiteln.



Diese Infrarot Geräte waren keineswegs sinnloser Schrott. Die Wehrmacht erzielte mit diesen Geräten in den letzten Kriegsmonaten beeindruckende Ergebnisse, dazu später mehr. Hintergrund der Entwicklung derartiger Waffensystemen war die Übermacht der Alliierten in der Luft, was sich ab 1943 besonders deutlich zeigte. Man mußte einen Weg finden, den Gegner anzugreifen, ohne dabei von den allgegenwärtigen alliierten Bombern angegriffen zu werden. So kam die Idee auf, Panzerkräfte sowie Infanteriekräfte auch in der Nacht operieren zu lassen.... aber wie sollte das gehen?

Technik

Technische Erläuterung und Funktion des Infrarotscheinwerfers

 

Das Prinzip des Infrarotgerätes war denkbar einfach. Der Infrarotscheinwerfer strahlte ein Infrarotlicht aus, welches vom Ziel reflektiert wurde. Diese Strahlen wurden dann in einem Infrarotsensor aufgefangen und über einen Verstärker zu einer sogenannte "Braunschen Röhre" geleitet,welche die aufgefangenen Strahlen dann in ein sichtbares Bild umwandelte. Die "Braunsche Röhre" findet übrigens in Monitoren und Fernsehern noch Verwendung. Diese Geräte werden aber zusehends von neueren Flachbildschirmen abgelöst.

 

Entwicklung

Entwicklung der Infrarotgeräte



Die Entwicklung solcher Infrarotgeräte begann bereits im Jahre 1936 (!) bei der AEG. Leider hatte sich die Firma auf diesem Gebiet aber nicht weiter entwickelt.
Im Jahr 1942 wurde dann erstmals auf den Panzerkampfwagen des Typs 3 und 4 sogenannte "Weißlichtscheinwerfer" eingesetzt. Erste Versuche mit Infrarotgeräten wurden an der Panzertruppenschule I in Fallingbostel durchgeführt. Das Versuchsmodell war ein Marder II, der mit einem 30cm Infrarotscheinwerfer ausgerüstet wurde.

1943 forderte dann der Generalinspekteur, Generaloberst Heinz Guderian, die Entwicklung eines voll einsatzfähigen "Nachtpanzers", der sowohl robust und schlagkräftig, als auch sehr manövrierfähig
war. Hierfür wurde der Panzer "Panther" vorgesehen. Auf dem Turm des Panzers wurde außerhalb der Kommandokuppel ein 360° schwenkbarer 30cm Infrarotscheinwerfer mit einer Bild-Wandleranlage („Biwa") montiert. Die neue Technologie hatte noch einige Nachteile. So hatte der Kommandant der als einziger das Nachtsichtgerät zur Verfügung. Er mußte daher die Richtschützen und seinen Fahrer einweisen, da diese praktisch blind waren. Der weitaus größere Nachteil war jedoch die geringe Reichweite des Gerätes (600m). Er verlor dabei seinen sonst wichtigen Reichweitenvorteil ( z.B: Angriff auf einen T-34 Frontal auf 800m und Seitlich sogar auf 2800m).
Aber auch dafür versuchte man eine Lösung zu finden. So kam es zur Entwicklung eines Beobachtungsfahrzeuges "Uhu", dessen Aufgabe es war, feindliche Ziele mit einem 60-cm-Flakscheinwerfer mit Kohlebogenlampe und Infrarotfilter aufzuspüren und diese dann an die Panzer weiter zu geben. Die Reichweite dieses Scheinwerfers betrug 1500m, wodurch die Reichweite des Panthers auf 700m erhöht werden konnte (Anmerkung: von 600m auf 700m erhöht, ist das richtig? Klingt nicht sonderlich beeindruckend...).
 

Einsatz

Einsatz von Infrarotwaffen



Die IR Panzergruppen bestanden meistens aus fünf Panthern, einem Beobachtungsfahrzeug "Uhu" sowie einem Schützenpanzerwagen für die begleitenden Panzergrenadiere. Dieser Schützenpanzer verfügte über zwei IR Geräte, eines für den Fahrer sowie ein separates Gerät für den Schützen am MG-42.
Derartige Panzerkompanien gab es erst ab 1944 unter der Bezeichnung "Sperber". Anfang 1945 sollten 5 dieser Kompanien eingesetzt werden. Auch wenn diese Taktik sich im Kampf bewährte, fehlte es vor allem an Treibstoff, um größere Nachtaktionen durchzuführen.
Die ersten "Nachtpanther" kahmen 1944 zur Truppe und sollten an der Ardennenoffensive teilnehmen. Zwar waren zur Zeit der Ardennenoffensive einige "Nachtpanther" vor Ort, doch eingesetzt wurden diese nicht. (Auf der Pak40 sowie auf Jagtpanthern wurden ebenfalls IR Geräte eingesetzt, jedoch gibt es dazu scheinbar keine weiteren Informationen, sodass es bei einer Erwähnung bleibt)

 

Einsatz an der Ostfront

 

Im Frühjahr 1944 wurden eine Gruppe von Nachtfahrzeugen wie oben beschrieben nach Ungarn verlegt, dort sollten sie an einer Offensive zur Befreiung von Budapest teilnehmen (Unternehmen Frühlingserwachen). Laut Berichten sollen diese äußerst erfolgreich operiert haben (Anmerkung: ein paar Details wären interessant, so könnte man den Wert dieser Einheiten besser einschätzen)

 

Nachtpanzer

Weitere Erfolge der Nachtpanzer

 

Im April 1945 vereinten sich zwei Sperber-Gruppen mit der neu aufgestellten Panzerdivision Clausewitz, welche zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch auf dem Papier bestand. Diese Einheit sollte sich von dem Gebiet Wolfsburg-Fallersleben zum Harz durchkämpfen. Am 21 April war es dann soweit. Eine Gruppe der Panzer (10) rollte über die Weser-Elbe-Kanal-Brücke, jedoch hatten die Amerikaner einige Paks in Stellung gebracht. Die Überraschung begann, als die Alliierten Leuchtkörper abfeuerten und das Feuer eröffneten. Kurz darauf waren die ersten beiden Panther getroffen. Daraufhin gingen die Anderen in Stellung. Mit der IR Ausrüstung konnten die PAKS schnell ausfindig gemacht und vernichtet werden. Als die Amerikaner mit Erschrecken bemerkten, dass sie scheinbar unterlegen waren, begannen sie sich zurück zu ziehen. Jetzt kamen die IR Geräte richtig zu Geltung. Es wurde ein Beobachtungsfahrzeug in Stellung gebracht und das Feuer begann. Wahrscheinlich wurden dabei noch einige LKWs und sonstige Unterstützungsfahrzeuge vernichtet (Anmerkung: gibt es dazu Details? Sonst lieber nicht spekulieren).

Im Raum Uelzen hatte die Division Clausewitz in einem Feuergefecht einen ganzen Zug der erst neu an die Front gekommenen britischen "Comet Panzer" vernichten können.

 

Prototyp einen Gewehrs der Wehrmacht mit Infarot

 

Der Nachtpanther in Berlin



Noch im März 1945 wurde eine Gruppe von Nachtpanthern (10 Stück) sowie ein Beobachtungsfahrzeug in Berlin unter den Namen Panzerdivision Müncheberg aufgestellt. Diese Einheit nahm am Endkampf um Berlin teil. Wie dieser Kampf verlief und was mit der Division geschah, ist nicht bekannt.
Berichten zu Folge wurde kurz vor Ende des Krieges eine neue Nachtpanther Version eingesetzt. Der Fahrer erhielt einen 30-cm-Suchscheinwerfer und einen Bildwandler am linken Winkelspiegel, der Richtschütze erhielt ebenfalls ein solches Gerät. Somit war die Besatzung nicht mehr "Blind". Ob und wo diese letzte Version des Nachtpanthers eingesetzt wurde ist nicht bekannt.

Infanterie

Einsatz der IR-Geräte in der Infanterie



Infrarotgeräte wurden nicht nur bei Panzerfahrzeugen eingesetzt, es gab auch ein Infrarot-Ziehlfernrohr. Für dieses Zielfernrohr wurde das STG-44 verwendet. Der Aufsatz hatte die Bezeichnung ZF 1229 und wurde auch "Vampir" genannt. Die Firma Leitz lieferte 310 Stück dieses Fernrohrs.

Zum Schluss

Fazit



Obwohl diese Infrarot Geräte recht erfolgreich eingesetzt wurden, hatten sie noch erhebliche Mängel. So war z. B. die Bildqualität alles andere als berauschend, was bei der Freund/Feind Erkennung Probleme bereiten konnte. Des Weiteren war das Gerät äußerst empfindlich, was bei Einsätzen in Regen oder Schnee zu Ausfällen führte. Zudem konnte die Besatzung bei Vollmond geblendet werden.

Quellen

Lexikon der Wehrmacht: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Waf ... ewehre.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
Nexusboard: http://www.nexusboard.net/sitemap/6365/ ... t-t233658/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)
panther 1944: http://www.panther1944.de/Panther/IR.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)

"Krieg in der Heimat. Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe"
ISBN: 3980178900



Autor: Magnum