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Das Thema

Heeresversuchsanstalten der Wehrmacht

 


(Heeresversuchstelle Kummersdorf - Versuchsstelle Gottow)

 

Hillersleben und Kummersdorf



Es gibt zwei bekannte Heeresversuchsanstalten bzw. -stellen der Wehrmacht im Deutschen Reich, die eine in Hillersleben und die andere in Kummersdorf. Mit beiden Orten bzw. deren Anlage wird bis heute die Deutsche Hochtechnologie vor und während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht. Die Erprobungen und Entwicklungen im Bereich der militärisch anwendbare Technologie auf den Testgeländen bei beiden Standorten, sind bis heute nicht nur weltbekannt, sondern auch mit einigen Rätseln bzw. Mythen umgeben. Welche Waffen kamen wirklich dort erstmalig zwecks Erprobung zum Einsatz? Einige der Behauptungen über Kummersdorf und Hillersleben sind durch Wissenschaft belegt worden, bei anderen Sachen sind die Quellen höchstens wage.

Hillersleben

Vorstellung Hillersleben

 

Hillersleben (unweit von Magdeburg) hat eine eher bescheidene Geschichte vorzuweisen und ist wohl gerade wegen seiner Unbedeutendheit und Abgelegenheit schon früh für Text und unbeobachtete Erprobungen ins Blickfeld der Militärs gerückt. In der Umgebung von Hillersleben existiert der Truppenübungsplatz Altmark, welche die Colbitz-Letzlinger Heide als ideales Gelände für Erprobungen jeder Art zu verwenden wusste. Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurde in Hillersleben eine Heeresversuchsanstalt der Reichswehr bzw. später Wehrmacht aufgebaut. Im Jahre 1934/35 entstand so der zweitgrößte Versuchsplatz auf deutschem Territorium. Dort sollten fortan Erprobung von Artilleriewaffen (Bsp. Dora Geschütz) und andere Waffentechnologien stattfinden. Die Bauzeit der Heeres-Versuchsstelle betrug in etwa zwei Jahre und in der Folgezeit wurde die gesamte Anlage in neun Hauptversuchsstellen aufgeteilt.

 


(Prüfstand für einen Henschelturm)

 

Zum Zwecke einer sicheren und vor allem Sichtgeschützen Erprobung, wurde eine 30 km lange und 750m breite Schneise in den Wald geschlagen. Am westlichen Rand dieser Schneise wurde eine zweispurige Betonstraße auf der gesamten Länge des Platzes angelegt und somit die Abschnitte für die Testbereiche bestimmt. Die verschiedenen Versuchsplätze erhielten Bunkeranlagen. Weitere 281 Hektar Fläche wurden für drei weiter entfernte Versuchsplätze, westlich und östlich der Betonstraße, für die Versuchsstelle eingenommen. Das gesamte Gebiet nahm dabei eine fast ovale Form an und hatte an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 15 km. Diese Form hat der Platz bis heute behalten und somit die Naturlandschaft nachhaltig beeinflusst. Wirtschaftlich gesehen war es für die Region ein Vorteil, wenn auch nur kurz und mit weitgreifenden Einschnitten für die Nutzung der Wälder.
Bis auf einen Evakuierungstransport (April 1945), der bis in ein Wäldchen bei Hillersleben gelangte und dabei fluchtartig verlassen von den SS Wachleuten verlassen wurde, ist Hillersleben nicht mit Zwangsarbeitern bzw. diesem unrühmlichen Kapitel der Wehrmacht in Verbindung zu bringen. Die Anlagen wurden nach dem Krieg bis 1994 durch die Rote Armee weiter genutzt. Außerdem hat sich der Standort aufgrund seiner Lage und Bedeutung der vorangegangen Jahrzehnte als militärischer Stützpunkt behaupten können (Standort der 47. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland). So wird das Gebiet um Hillersleben bis heute von der Bundeswehr für Militärische Übungen genutzt und aufgrund seiner Abgelegenheit vor allem bei Tests unter Ausschluss jedweder Öffentlichkeit nur zu gerne in Beschlag genommen.

 


(Krupp Räumer S - Mienenräumer)

Kummersdorf

Vorstellung Kummersdorf



Der Ort Kummersdorf-Gut ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Am Mellensee in einem ehemaligen Gutsbezirk bei Luckenwalde in Brandenburg. Bekannt geworden ist der Ort durch die bis 1945 ansässige Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht. Das Gebiet um Kummersdorf quasi Sperrgebiet, weil wie im Fall Hillersleben, das Entwicklungs- und Erprobungszentrum für neue Waffensysteme unter Ausschluss neugieriger Augen ihrer Arbeit nachging. Heute befindet sich dort das Technische Museum Kummersdorf, eine Informationsstelle und Ausstellungsort rund um die Versuchsanstalt und ihrer Geschichte. Bis heute prägen der Nachlass von Reichswehr, Wehrmacht und Roter Armee die Landschaft.
Bei der Gründung spielten einmal die abgelegene Lage und die für Brandenburg so typische Landschaft einer Rolle. Nur 30 Kilometer vor der südlichen Berliner Stadtgrenze, konnte so ein Versuchsareal mit einer enormen Ausdehnung entstehen. Dieser Ausgangslage und die Abgeschiedenheit ließen einen Entwicklungsstandort entstehen, der von der Artillerie bis zur Raketen und Atomwaffenforschung alles erforschte bzw. testete. Dabei kann Kummersdorf auf eine 70ig jährige Geschichte (1875 bis 1945) zurückblicken, die bis heute die historische Forschung im Bereich deutscher Militärtechnologie beflügelt.
Die allerhöchste Geheimhaltung und die militärische Spitzentechnologie hat zwischen Zossen und Luckenwalde , eine nur den wenigsten Zivilsten bekannte Großanlage entstehen lassen. Bis zum Schluss wurden von den Forschern eine 3500 ha große, inmitten märkischer Wälder, Versuchsstelle genutzt. Von der Artillerie über Feldeisenbahnen, Kommunikationstechnik, Panzer, Kraftfahrzeuge bis hin zu Festungsbauten ist dort alles getestet worden. Wobei bereits im Ersten Weltkrieg eingesetztes Gerät in Kummersdort ihre Feuertaufe erhielt. Diese hier erstmals zum Einsatz kommende Militärtechnik beeinflusste den Krieg maßgeblich, die immer größerer werdende Feuerkraft und neuartige Technologie sollte hier ihren Ursprung haben. Die »Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie« fand hier ihren Sitz und ab 1935 wuchs die Bedeutung steil an, über 1000 Wissenschaftler und Techniker haben hier ihrer Arbeitsstelle gehabt. Ob Zwangsarbeitern und/oder Kriegsgefangene in die Arbeit eingebunden waren, gilt es noch zu untersuchen.
Bedeutung für die Nachwelt erlangte der Standort durch solch prominente Forscher wie Wernher von Braun und sein Raketenprogramm. Die Vorarbeit in Kummersdorf wurde dann von anderen Forschungsinstituten aufgenommen und weitergeführt. Auch die Forschung zur Atomspaltung und Anwendung wurde in Gottow (1942), eine Außenstelle der Anstalt, eingeleitet.
Wie auch in Hillersleben, wurde dieser Ort nach dem Zweiten Weltkrieg weiter genutzt, auch weil sich der Standort bewährt hat und für die Alliierten eine wichtige wissenschaftliche Ressource darstellte. Von 1945 bis 1994 als sowjetischer Militärflugplatz wie Ausbildungsstätte genutzt, war Kummersdorf für die Westgruppe der Sowjetarmee ein wichtiger Stützpunkt in der DDR geworden.

 

Schießplatz und Artillerieforschung

 


(Projektile für die 15 cm Geschütze)



In Hillersleben stand die Erprobung von Feldartillerie und entsprechender Munition (Waffenprüfungsinspektion 4) im Vordergrund. Mit der Weiterentwicklung der Waffensystem und der Priorität beim Projektilen, auf enorme Distanzen abgefeuert zu werden und auch zu treffen, wurde Waffenprüfabteilung 11 hinzugezogen. Diese Abteilung der Wehrmacht war mit der Entwicklung der mit Feststoff- und Flüssig-Treibstoff gespeisten Raketen (V1, V2) verantwortlich. Wahrscheinlich sind Erkenntnisse und Forschungsgrundlagen aus Kummersdorf in Hillersleben hier zur Anwendung gekommen. Der Schießplatz in Hillersleben war durch seine Ausmaße und Erfahrungen für solche Erprobung prädestiniert. Schon zu Zeiten des Kaiserreiches und der Reichswehr wurde das Rohrsystems und die enorme Munition des Eisenbahngeschützes "Dora" und "Gustav" getestet. Diese bis heute größte Kanone verschoss 7 Tonnen schwere Granaten und die Rohren waren Spezialanfertigen mit enormen Aufwand. Auch Infanteriewaffen (panzerbrechenden Typen), Minen und pioniergerechter Sprengstoffen wurden hier erprobt. Im Mittelpunkt standen aber vor allem die neuartigen Waffensysteme und Projektilen, darunter die bis heute legendäre "Hochdruck-Pumpen-Waffe", die "Luftdruck-Waffe", die "240-mm-Kanone" und die "strahlgetriebenen Tromsdorff-Projektile". Die Forschung im Bereich der elektromagnetischen Projektile und Abschussplattformen waren ihrer Zeit voraus und sind heute Grundlage der "Railgun", welche seit Jahren von den US Streitkräften getestet und erprobt werden.
 


(Entwurf für einen Landkreuzer, entstanden aus den Geschützen Dora und Karl Gerät)



Die gesamte Schießbahn umfasste 33 Unterständen, aus welchen die Ziele zu beobachten waren. Dabei konnten Projektile bis zum Kaliber 14,5 cm verfolgt werden. Bei den vier 35 Meter hohe Gittermasten auf dem Gelände, handelte es sich um moderne Messeinrichtungen, welche die Geschwindigkeit der Geschosse beim Verlassen der Geschützrohre (sprich die V 0) festhielten. Man scheute keine Mühen und Kosten, so errichtet man eine Großbunkeranlage mit allen technischen Einrichtungen zur Versorgung, mehrere Etagen, einem 16 Meter tiefen Einschnitt am Eingang und mit einer Schmalspurbahn befahrbar. Es sollten dabei die Einrichtungen und Anlagen am Westwall getestet bzw. die Erprobung panzerbrechender Waffen im Speziellen erprobt werden. Zu den wohl größten Projekte, die auf den Versuchsplätzen realisiert wurden bzw. wohl weltweit einziartig waren in ihren schieren Ausmaßen, waren das Eisenbahngeschütz Dora, die Vergeltungswaffe 3, auch Tausendfüßer genannt und das Eisenbahngeschütz Karl, sowie die Bunkeranlage des Westwalles (Typ A sollte die V 3 beherbergen).

 

Legende:

1 - Stabsgebäude
2 - Artilleriewerkstätten
3 - Muna
4 - Treidelbahn (Versuchsstrecke für u.a. Geschützlafetten / "Treidel" weil die Lafetten von einer E-Lokomotiven gezogen wurden)
5 - Hauptfeuerlinie
6 - Anschlussgleisdreieck
7 - Siedlung

 




Nach dem Krieg und dem Abzug der Amerikaner wurde der Schießplatz Hillersleben durch die sowjetischen Streitkräfte übernommen und weiter ausgebaut. In den Jahren 1946 bis 1948 sprengten die Russen die Bunkeranlagen und verwerteten den Eisenschrott, Gleisanlagen und sonstige Konstruktionen als Reparationsleistungen. Dazu kamen Kasernenanlagen für die Rote Armee, welche als Standort immer wichtiger wurden. Der Kalte Krieg besah in seinen Planung auch den konventionellen Krieg auf dem Schlachfeld Deutschland vor und zu diesem Zwecke sollten innerhalb von 48 Stunden die Kampfkraft auf dem Gelände auf 500.000 Mann erhöht und Hillerleben zur Angriffsbasis Richtung Westen werden. Im Falle eines atomaren Krieges, waren auf dem Übungsplatz auch mobile Abschussrampen für Atombomben stationiert. Aus diesem Grunde wurde wichtige Waldbestand einfach abgeholzt und Platz gemacht für weitere Anlagen.
Noch heute sind solche Testgelände - zwecks geeigneter Landschaft, Gelände und Ausbau - in Europa Mangelware. Gerade deshalb nutzt die Bundeswehr das Gelände bis heute intensiv und die neusten Projektile des Leopard Panzer, werden hier getestet. Die Bundeswehr hat 1994 das Gelände übernommen und zu ihrem Gefechtsübungszentrum in Deutschland ausgebaut. Noch heute befinden sich die Altlasten der einstigen Wehrmacht und der Roten Armee auf diesem Gelände.

V-3

Die Vergeltungswaffe 3 auf dem Prüfstand (V 3)

 


(Die sogenannte "Pariskanone", welche als festinstallierte Geschütze an den Kanalküsten das englische Festland unter Beschuss nehmen sollten)

 

Der Ruf, den sich Hillersleben bis heute bewahrt, besteht in der Erprobung ganz besonderer Waffen. So waren die Eisenbahngeschütze Gustav und Dora nur Vorläufer einer im Zweiten Weltkrieg hier entwickelten Kanone. Waren die Vorläufe dem Konstruktionsprinzip nach Kanonen, so sollten ihre Nachfolger noch größer, noch größer Distanzen überwinden und die Projektile waren Vernichtungsorkane entfesseln. Zu diesem Zweck wurden aus dem Heereswaffenamt zwei Spezialisten nach Hillersleben bestellt (Chef der ballistischen Abteilung und Munition Oberst Ing. Gesit und den Oberbaurat Henning Teltz) um eine neuartige, möglicherweise Kriegsentscheidende Waffe zu konstruieren. Diese Kanone sollte unbeweglich - ein mobile Transport war schon bei den Eisenbahngeschützen kaum machbar - und auf einer speziellen Metallkonstruktion mit einem konstanten Winkel angebracht werden. Diese ersten Anforderungen deuten auf ein enormes Rohre hin, dessen Segmente ähnlich wie Wasserrohre miteinander verbunden werden sollten. Der Schießplatz Hillersleben sollte dabei erste Erprobungen möglich machen, welche nur mit eine speziellen Anlage bewältigt werden konnte. Ein abgefeuertes Geschoss aus dieser Kanone, sollte eine Anfangsgeschwindigkeit von 1500 m/s erreichen, d.h. bis zu 160 km Reichweite. Bei der geplanten Installation an der Kanalküste, wurde das Ziel London anvisiert. So wurde Hillersleben Geburtsort der "Hochdruckpumpe" (HDP), umgangssprachlich auch einfach Tausendfüßler, wegen ihrer für eine Kanone doch untypischen Form, genannt.

 


(Versuchsanordung für eine Hochdruckpumpe, eine erste Form von elektromagnetischen Distanzkanone)

 

Diese deutsche Kanonenkonstruktion in Hillersleben, sollte nur der Vorläufer einer neuen Waffengeneration - von der Propaganda auch als Wunderwaffe bezeichnet - sein. Schon die V 1 sowie die V 2 dienten dem Zweck weite Ziele zu erreichen. In diesem Fall sollte einmal die große psychologische Wirkung als Waffe genutzt werden, aber auch die Forschung auf verschiedensten Bereich - elektromagnetische Feuerplattformen - in der Theorie wie Praxis vorangebracht werden. So wurde seit Anfang 1943 erste Versuche mit einer miniaturisierten Version vom "Tausendfüßler" (Kaliber 2 cm) durchgeführt, dabei bestand das Kanonenrohr aus Segmenten mit der Länge von 50 cm, wobei jedes Segment mit 2 Seitenladungskammern versehen war. Zur Erleichterung der ballistischen Messungen lag die 2 cm- Kanone waagerecht. Es wurden spezielle Geschosse mit der Länge von ca. 35 cm verschossen. Die bei der Schussabgabe erreichten Druckwerte im Kanonenrohr überschritten meistens 2000 at, sogar bei 3000 at wiesen die Rohrelemente keine Anzeichen von erhöhtem Verschleiß auf. man erreichte die gesteckten Ziele und Anfangsgeschwindigkeit von über 1500 m/s durften gefeiert werden. Eine einsatzbereite Kanone vom Kaliber 15 cm sollte nun umgesetzt werden, wobei in Hillersleben eine verkürzte Version vom Tausendfüßler (8 Segmenten) für erste Probeschüsse gebaut wurden. Die Röchling- Werke führten eine Bestellung für 20.000 Geschosse für V-3 aus und das vor den ersten erfolgreichen Test mit dem weitaus größeren Kaliber.

 


(Die Entwürfe für eine unterirdische Hochdruckpumpe, die durch Bunker geschützt auf die britischen Inseln feuern sollte. Die Bunkerstollen und erste Anlagen für das Geschütz sind bis heute zu besichtigen.)



Die Probleme resultieren aus der Länge des Rohres wie aus der Größe des Kalibers, welche die Dichtheit der Ladungskammer stark in Anspruch nahmen: heiße Pulvergase kamen vor das Geschoß, was zu einem vorzeitigen Zünden der Seitentreibladungen führte. Durch ein synchronisiertes elektrisches Zünden der Seitenladungen sollte der Effekt vermieden werden und es sollen auch anderen Antriebskräfte in Betracht gezogen worden sein. Bei 10 Segmenten erreichten die abgefeuerten Geschosse nur noch die Anfangsgeschwindigkeit von 800 m/s, was die Distanzweite wesentlich reduzierte. Die Treibladung Pulver war kein effektives Mittel und die Forschung im Bereich elektromagnetische Waffen war noch in den Kinderschuhen, obwohl genau auf diese Bereiche ausgelegt.

Forschung

Forschungsstandort der Hochtechnologie und einzigartiger Entwürfe

 

Kummersdorf bietet wie Hillersleben zum Einen die Abgelegenheit und zum Anderen die ausladenden Landschaften, die man braucht im Technologie ohne Gefahr und unerwünschter Blicke zu testen. Die Wahl fiel auf den ca. 800 ha großen und überwiegend im Staatsbesitz befindlichen Kummersdorfer Forst, wobei man im Jahr 1873 bereits mit den Planungen begann. Die Eisenbahnstrecke von Berlin-Schöneberg nach Kummersdorf beschleunigte den Ausbau und ließen den Schießplatz am Standort Kummersdorf, mit einer Größe von ca. 3000 ha, zu den im Deutschen Reich wichtigsten militärischen Erprobungseinrichtung werden. Die Reichswehr, die Wehrmacht und nach Kriegsende auch die Roten Armee profitierten von dem zentral gelegenen Übungsplatz.

 


(Alkett VsKfz 617)

 

Dennoch machte nicht der Schießplatz den Standort aus, sondern seine Forschung, allen voran die Physikalisch - Chemische Versuchsstelle Gottow. Im Jahr 1926 als "Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie" entstanden und 1929 zur offiziellen Reichswehrdienststelle erhoben, wurde nach 1933 intensiv in die militärische Forschung am Standort intensiviert. Deue Forschungseinrichtungen entstanden, wobei die Versuchsstelle Gottow (1937/38 errichtet), für 1000 Beschäftigte ausgelegt, der wichtigste Aktivposten war. Kummersdorf sollte so zum zentralen Angelpunkt für wissenschaftliche Einrichtungen bzw. Forschungen auf militärischen Gebiet werden. Diese umfangreicheren Wehrforschungsaufgaben sollten hier organisiert und gebündelt werden. Darunter fielen die Bereiche Optik, Bildwandler, Ultrarot, Ultraschall, Elektronik, Werkstoffkunde, Messtechnik und auch an Raketentreibstoffen geforscht. Von 1943 bis Anfang 1945 liefen am Standort 120 überwiegend geheime und mit Dringlichkeitsstufen versehene Forschungsaufträge, wobei der Standort seit Mitte 1943 Ausweichstelle der Berliner Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes wurde. Die Angriffe auf Berlin konnten die Sicherheit der Anlagen nicht mehr sicherstellen. Erst als die amerikanischen Truppen in Richtung Magdeburg vorstießen, wurden die Einrichtungen zurückverlegt.
Für die Alliierten war Kummersdorf in die näheren Betrachtung gerückt, weil das Referat Ballistik und Munition hier schon früh an Raketentest beteiligt war. Schon die Reichswehr ließ hier die Brauchbarkeit großkaliberiger Raketen erproben und die streng geheimen Versuche mit Raketenbrennöfen durch die Wehrmacht, ließ die Spionage der Briten und Amerikaner aufhorchen. Der Raketenflugplatz Berlin - Reinickendorf wurde bei den Erprobungen mit einbezogen und die neuentwickelten Raketen mit Flüssigkeitstriebwerk hier und auch in Hillersleben getestet. Ein gewisser Wernher von Braun konnte mit seiner Drei - Liter Flüssigkeitsrakete (Mirak III) hier die ersten erfolgreichen Tests absolvieren:

 


(Geschütz Dora)

 

"Was wir auf dem einsamen Platz fanden, erregte unseren Neid und unsere Bewunderung zugleich. Wir fanden einen vollendeten Prüfstand für die Brennkammern von Flüssigkeitsraketen vor, mit Betonmauern umgeben und mit einem Schiebedach versehen. Wir staunten über den Beobachtungsraum und zeigten uns beeindruckt von dem Messraum, in dem sich ein Wirrwarr von allen möglichen Prüfleitungen, Registrierapparaten, Messgeräten u.s.w. befanden. Auf der Schießbahn, wo unsere Rakete erprobt werden sollte, standen neuartige Kino - Theodoliten zur Verfügung, die den gesamten Flug der Rakete auf den Film bannen und zugleich ihren Flugweg vermessen konnten. Wenn wir da an unseren Laden in Reinickendorf dachten, hätten wir eigentlich Minderwertigkeitskomplexe haben müssen."
(von Braun, 1962 in seinen Aufzeichnungen)



Beeindruckt von den Einrichtungen und Möglichkeiten in Kummersdorf, entschloss sich Wernher von Braun, mit dem Heereswaffenamt zusammenzuarbeiten. Dabei war die Erprobung des Flüssigkeitsraketentriebwerk auf den Prüfständen in Kummersdorf mehreren Projekten gewidmet. War es von Brauns Traum einmal zu den Sternen zu fliegen, so hatte er in Kummersdorf doch die Aufgabe Jagdflugzeuge mit einem Flüssigkeitstriebwerk und neuartige Distanzwaffen zu entwickeln, für die Sichtkontakt nicht mehr im geringsten Voraussetzung ist. Seit seinem Beginn in Kummersdorf am 1. Oktober 1932 bis zur ersten kompletten Rakete (Aggregat 1 - A1) 1934, wuchsen die Innovationen auf dem Gebiet der Antriebstechnik in denselben Maße die die Versuchsstelle selber. Hier wurde vor dem Ersten Weltkrieg der 42-cm-Mörser "Dicke Berta" erprobt, hier unterzog das Heereswaffenamt das erste moderne Panzerabwehrgeschütz, die 3,7-cm-Pak L/45 harten Tests, hier begannen die Experimente mit den ersten Pulver- und Flüssigkeitsraketen. Dabei waren die Resultate wie der "Nebelwerfer" und die "Vergeltungswaffe 2" mehr als nur Neuerungen im deutschen Heer, sie waren vielmehr Meilensteine auf dem Weg zu einer modernen Kriegsführung. Schon unter den Einschränkungen des Versailler Vertrages fuhren hier die ersten deutschen Panzerkampfwagen, getarnt als Landwirtschaftsschlepper. Die Panzerkampfwagen III und IV, den "Panther"- und "Tiger"-Kampfwagen wurden hier zum ersten Mal getestet. Dazu kommen Projekte wie "Goliath", Raupenschlepper Ost, Volkswagen, Heeresfeldbahnen, Haubitzen und Kanonen, Feldwagen- und Feldküchen, Minen und Munition.
 


(Abschusslafette für Karl Gerät in Hillersleben 1939)

 


 
Heeresversuchstelle Kummersdorf
 
Versuchsstelle Gottow (1930)
 
bteilung Forschung des Heereswaffenamtes (HWA)
 
5 Unterabteilungen
 
Referate
Referat I a Atomphysik
Referat I b Sprengphysik und Hohlladungen usw.



Jedwede Art von neuer Waffenentwicklungen kam in irgendeinem Versuchsstadium einmal nach Kummersdorf: Raketentriebwerke, Granatwerfer, Gewehre, Neuigkeiten Gebiet der Elektronik, Schall (Akustik) und verschiedene Chemikalien. So auch der N-Stoff (Wolfram Eschenbach), eine aggressive, anorganische Fluorverbindung, welche selbst schwer entflammbare Stoffe in Brand setzen konnte. Oder die "Uranmaschine (Kurt Diebners), der erste Entwurf eines Nuklearreaktor. Die Nuklearforschung und die Raketenforschung nahmen die Hauptstellung in Gottow ein. Die Gebäudeblöcke der Versuchsanlage waren auf dem neusten Stand der Technik (5 Gebäudegruppen mit jeweils 8 Versuchshallen) und die Laboratorien wie ihrer Forscherteams arbeiteten auf dem höchsten Niveau weltweit. Die beiden Hauptgebäudeblöcke waren untereinander durch 3 unterirdische Medienstollen miteinander verbunden. Der südliche Block war komplett unterkellert. Die ganze Anlage lief autark, hatte spezielle Anlagen für Versuchsreaktoren und einen splittergeschützter Feldbahnhof
Nach dem Ende des Kriege wurde die gesamte Anlage für die Siegermächte zu einem Schatztruhe, wo sie sich an den Forschungsunterlagen - soweit noch erhalten - bedienten, die Anlagen ausgeschlachteten und die Laboreinrichtungen als Reparationszahlung in die Sowjetunion geschafft wurden. Heute sind die ehemaligen Teile der Versuchsstelle nur noch zu erahnen. Nach Abzug der sowjetischen Truppen verwahrloste das Gelände zunächst, blieb aber Sperrgebiet aufgrund der Tatsache, dass hier Experimente mit radioaktiven Substanzen durchgeführt wurden.

Testgelände

Testgelände für die letzten Panzergeneration der Wehrmacht

 

 



Die neuesten Entwicklungen im Bereich Panzerfahrzeuge in Kummersdorf bei Berlin wurden noch im März 1945 von hohen Offizieren begutachtet. Sie wurden als Wunderwaffen bezeichnet, wie so vieles in den letzten Tagen des Dritten Reiches, doch die Prototypen in Kummersdorf wurden diesen Ruf anders als ihrer Namensvetter durchaus gerecht. Neben der Vorstellung der Panzer der E Reihe, sollte es auch ein Versuchsschießen mit neu entwickelter Munition geben. Man hatte extra Panzerbesatzungen dazu kommen lassen. Es ist soweit belegt, dass sich zu dieser Zeit Nachweislich die beiden einzigen fertigen Mäuse zu dieser Zeit in Kummersdorf befanden. Ein letzter Test war in Kummersdorf vorgesehen, dann sollte es schnellstmöglich nach Zossen gehen, wo die neuen Panzer die Schlacht gegen die Russen gewinnen sollten. Die Panzer blieben aber mit Motorschaden liegen und mussten gesprengt werden. Die Russen erbeuteten dann später die Überresten der beiden E-100, während andere Panzer der E-Serie von alliierten Truppen selber gesprengt wurden. Vom Flakpanzer Kugelblitz wurden noch 5 Fahrzeuge fertig gestellt, davon kamen einige noch an der Westfront und im Kampf um Berlin zum Einsatz. Die Grille II brachte es leider nur noch bis zum Prototypen, wurde aber in Kummersdorf noch getestet. Vom E-25 und dem Coelian gab es wahrscheinlich keine fertigen Fahrzeuge mehr, ihre Türmer und Geschütze waren dennoch auch in Kummersdorf zu Tests eingelagert gewesen. Beim Panther II gibt es nur sehr widersprüchliche Hinweise auf einsatzbereite Fahrzeuge.
Ein anderes Gefährt hat nur in frühen Entwicklungsstadien in die Kummersdorfer Prüfstände durchlaufen. Der Maus Panzer entspricht so gar nicht seinem Namen und die ersten Entwürfe belifen sich auf ein 188t Kettengerät, dass mit enormen Feuerpotenzial ausgerüstet werden sollte. Die Pläne liefen auf eine ganze Einsatzstaffel der neuen Panzergeneration hinaus. So sollten die Maus Panzer mit 2 Züge E100 Panzer (je 12 pro Zug), flankiert von 2 Zügen E100 ausgerüstet mit 8,8 Doppelflak. Dazu sollten 17 Panther mit Wirbelwindtürmen, 20 SWS mit Bodenluftraketen von einem Ring 30 E100 (Kaisertiger 15cm Kanonen)umgeben, auf das Schlachtfeld rollen. Als Flankensicherung kamen nochmal 8 Tiger S mit 10,5 cm Kanonen dazu. Alle diese Panzerentwürfe, denn oftmals kam man über die ersten Versuche nicht hinaus, nahmen in Kummersdrof ihren Anfang. Leider war es so, dass die letzten Kriegsmonate, nur noch Technik in Kummersdorf zum Einsatz kam, das aus Spar und Ersatzmaterialien minderster Qualität bestand. Dabei war schon der Transport eine neuentwicklung für sich, denn um die Maus Panzer vor Ort zu bringen, hatte man in Kummersdorf mit zweigleisiges Bahnanlagen experimentiert, auf denen 2 Züge ein gewaltige Anhängerkonstruktion bewegen sollten.
 


(Landkreuzer "Ratte" im Einsatz)



Dies war auch bitternötig, denn ohne diese Überlegungen wären die letzten Entwürfe des Heeresamtes nicht umsetzbar gewesen. Schon im Juni 1942 hatte Hitler einen Panzer in Auftrag gegeben, der von der Firma Krupp projektiert wurden. Dieses 1000 Tonnen schwere Panzerfahrzeug hatte den Namen Ratte und sprengte alle vorangegangen Überlegungen. Erste Versuchsanordnungen wurden noch in Kummersdorf gemacht, wobei man schon an den grundlegendsten Parameter scheiterte. vorgelegt. Das 35 Meter lange Fahrgestell sollte einen Drehturm der Kriegsmarine mit zwei 28 cm S.K. C/28-Kanonen als Hauptbewaffnung tragen, damit wäre eine Gesamtlänge von 36 Metern erreicht worden. Man wollte die jeweils 48,4 Tonnen schweren und 14,81 Meter langen Rohre mit 1,26 Meter lange Panzersprenggranate von 330 kg Gewicht, welche 8,1 kg Sprengstoff trugen, füttern. Bei anderen Granaten war ein Anteil von 17,1 kg Sprengstoff in einer 315 kg schweren Sprenggranate im Gespräch. Die Schussweite von 42,5 km war als Distanz angesetzt und nur in Kummersdorf hätte man solche Geschützanlagen testen können, bzw. die Konstruktionen dann nach Hillersleben weitergereicht.

Man brauchte solche Anlagen wie Kummersdorf oder Hillersleben, weil die Wehrmacht und ihrer Entwicklung schon immer neue Wege gingen. Auch heute sind solche Versuchsanlagen wichtiger denn je, vor allem neue Waffentechnologien müssen einen langen Prozess von Testverfahren durchlaufen!
 


(Modellreihe der E - Panzer)