1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 3.25 (4 Votes)

Das Thema

Flaktürme

Hochbunker des Deutschen Reichs


"Wahre Wunder der Abwehr"
Reichspropagandaminister Joseph Goebbels




Die Nomenklatur der Begrifflichkeiten ist äußerst verworren und kompliziert. Der Begriff Flakturm umfaßt immer ein Flakturmpaar,
den (G) Gefechtsturm und den (L) Leitturm. Selbst renommierten Historikern sind immer wieder Verwechslungen und Irrtümer unterlaufen. Zur ihrer Entschuldigung sei aber gesagt, dass auch die federführenden Instanzen des Dritten Reiches sich nicht auf eine einheitliche Begrifflichkeit einigen konnten.
Der G-Turm wurde als Geschütz oder Gefechtsturm bezeichnet, als Batterieturm und Großer Flakturm. Der L-Turm hingegen als Kommandoturm, Horchbunker und kleiner Flakturm. Die Flaktürme hatten militärische wie zivile Aufgaben, einmal sollten sie die Flugabwehr koordinieren und zum Teil selbst durchführen, zum anderen wurden 10000'en von zivilen Luftschutzsuchenden bombensichere Luftschutzräume zur Verfügung gestellt. Dabei gab es insgesamt 3 Flakturm-Generationen, die erste Generation bildeten die 3 Flaktürme in Berlin und der Flakturm IV in Hamburg-Heiligengeistfeld. Die zweite Generation bestand aus 2 Flaktürmen, in Hamburg-Wilhelmsburg und im Arenbergpark in Wien.
Die dritte und letzte Generation waren die Flaktürme Stiftskaserne und Augarten, beide in Wien, die von den ursprünglichen Baudaten erheblich abwichen und bereits die Einsatz und Kampfverfahrung der übrigen Flaktürme architektonisch umgesetzt aufgenommen hatten. Wobei Hitler selbst, nach dem ersten Luftangriff der RAF (Royal Air Force) mit 29 Bombern auf die Reichshauptstadt in der Nacht zum 26.08.1940, den Bau von Flaktürmen befohlen hatte. Bei der Aufgabe der Baugestaltung sah sich der Führer auch als Architekt und Künstler herausgefordert, so dass er eigenhändig Skizzen für die zukünftigen Flaktürme anfertigte, die allerdings eher Ähnlichkeit mit dem Nachkriegsdenkmal in Tobruk als den Flaktürmen in Berlin hatten.
 

 

Zahlreiche Untersuchungen mussten vorab durchgeführt werden. Wie würde zum Beispiel der Baugrund mit seinen vielen Formationsschichten auf 100.000 t Gewicht reagieren? Die obligatorischen Bohrungen vor dem Bau eines Großbunkers würden in diesem Falle nicht ausreichen. Allein um diese Frage zu beantworten wurden erhebliche Anstrengungen unternommen und zum Beispiel riesige Massiv-Betonbauten, sogenannte Großbelastungskörper, zur Bodenerprobung aufgestellt. Ursprünglich waren für Berlin 6 Flak-Gefechtstürme vorgesehen, es wurden aber nur 3 realisiert. Zuerst entstand der Flakturm "Zoo", der wohl berühmteste Bunker im 2.Weltkrieg überhaupt, es folgten die anderen beiden Betonfestungen Humboldthain und Friedrichshain.
Alle Berliner Flaktürme waren in ihren grundlegenden Baudaten baugleich. Sie wurden immer zu Paaren aufgestellt, das heißt, zu jedem Gefechtsturm gehörte jeweils ein Leitturm. Auf dem Gefechtsturm war die Flak postiert, auf dem Leitturm die Funkmessgeräte, deren Schusswerte und Daten über ein Kabeltunnel zum Gefechtsturm übermittelt wurden. Im Jahre 1941 wurden in Hamburg 2 Flakturm-Paare im Rahmen des "Sonderprogramm's Berlin" in Angriff genommen, dessen erstes Bauwerk der Flakturm IV auf dem Heiligengeistfeld war, mit einigen Abweichungen baugleich mit den 3 Flaktürmen in Berlin. Ein drittes Flakturm-Paar im Hamburger Osten wurde nicht gebaut.
Hitler orderte im September 1942 die Errichtung von Flaktürmen in Wien an. Pläne von 1942, in Bremen ebenfalls Flaktürme zu errichten, wurden nicht realisiert. Die insgesamt 8 Gefechtstürme mit ihren Leittürmen bildeten hinsichtlich der Energie und Wasserversorgung autonome Einheiten. Sie bargen Krankenhäuser und Kunstschätze, Forschungslaboratorien, Rüstungswerkstätten, Luftschutzräume für die Zivilbevölkerung und Befehlsstände der Wehrmacht. Die Baukonstruktion hat sich im Kriege bewährt, fast alle Gefechtstürme haben Bombentreffer erhalten ohne weiter Schaden zu nehmen. Der militärische Nutzen entsprach allerdings nicht den in die Flaktürme gesetzte Erwartungen. Die Aufgabe der Flaktürme bestand neben der Koordinierung der Luftabwehr nicht in erster Linie, Feindflugzeuge abzuschießen, sondern diese am Überflug über gewisse Bereiche der Stadt zu hindern, sei es das Regierungsviertel von Berlin im Dreieck der dort gebauten 3 Gefechtstürme oder die von Hitler als wertvoll eingestufte Kulturmetropole Wien.
Nach dem Kriege versuchten die sichtlich beeindruckten Alliierten die Flaktürme zu sprengen, mit mäßigem Erfolg. Die Berliner Bunker wurden durch kleinere Teilsprengungen, Abtragungen und Erdaufschüttungen, sogenannte Bunkerberge, unsichtbar gemacht. Lediglich ein Teil des Gefechtsturmes Hunboldthain ist heute zu besichtigen. In Hamburg stehen nur noch die beiden Gefechtstürme, während in Wien wegen der Bebauungssituation noch alle 3 Flakturm-Paare vorhanden sind.

 


Konstrukteur der Flaktürme, Architekt Prof. Friedrich Tamms.

Berlin/Zoo

Berlin

Planung und Durchführung




Am 09.09.1940 kam der Befehl zum Bau der Flaktürme in Berlin. In dem betreffenden Schriftstück der Adjutantur der Wehrmacht beim Führer waren 6 Flaktürme vorgesehen. Im Tiergarten 3 und jeweils einer im Humboldthain, Friedrichshain und in Hasenheide, im Bezirk Tempelhof. Bewaffnet sollten die Türme mit jeweils 4 x 10,5 cm Schiffsflak in Zwillingslafette, sowie mehrere 3,7 cm und 2 cm Flak werden. Innerhalb der Türme waren für die Bedienungsmannschaften der Flakgeschütze bombensichere Unterkünfte vorgesehen.
Albert Speer sollte die architektonische Leitung der Bauten übernehmen, aber schon diese Pläne riefen Probleme hervor. Auf einer Sitzung am 20.09.1940, an der General Steudemann (Inspekteur der Flakartillerie), General Hauboldt, Fregattenkapitän Sorge und 12 weitere Offiziere, sowie Dipl. Ing. Körting Dr. Hentzen vom GBI teilnahmen, äußerte sich General Hauboldt bezüglich der Flakartillerie dahingehend, dass die 10,5 cm Schiffsflak nicht greifbar sei, eine 12,8 cm Marine-Flak komme erst in 1,5 Jahren zum Einsatz, man müsse erst einmal mit der vorhandenen 10,5 cm Flak auskommen. Bei dieser Besprechung wurden auch die technischen Daten festgelegt, die sich allerdings in der Bauausführung stark verändern sollten. Ein Flakturm sollte aus 4 miteinander verbundenen Türmen bestehen, in deren Mitte in einer Radiusentfernung von 35 m ein Kommandogerät aufgestellt werden sollte. Der Grundriss wurde mit 60 x 60 m angegeben, die Höhe mit 25 m, damit die Türme die Bäume des Tiergartens überragen. In einer Entfernung von 400 - 500 m, unter Umständen auch in nur 300 m Entfernung vom Gefechtsturm, sollte ein Kommandoturm gebaut werden, der einen Grundriss von 30 x 30 m bzw. 40 x 40 m haben sollte. Die Besatzung des L-Turm's sollte 100 Mann und 6 Offiziere betragen, die des G-Turm's 160 Mann und 6 Offiziere. Eingebaut werden sollten bombensichere Munitionsräume mit Paternosteraufzügen, eine Küche, Speise-, Vorrats und Geschäftsräume usw.! General Rüdel wurde beauftragt, bei Hitler vorzusprechen und auch die Möglichkeit von der Errichtung von Batterietürmen vorzutragen, das heißt, auf Grund der technischen Notwendigkeit von den Gefechtstürmen getrennte Kommandotürme zu bauen, gleich 2 oder 3 G-Türme hinzu zu stellen. Nachdem die Standorte der Flaktürme nach militärischen Prämissen besprochen worden waren, wurden auch städtebauliche Punkte diskutiert.
 

"Die Flaktürme sollen möglichst in Beziehung zu Gebäude oder Straßenachsen gebracht werden, um ihnen eine monumentale Bindung zu geben."
Zitat Hentzen

 

 

 

Für die architektonische Gestaltung wurde am 01.10.1940 vom Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Dr. Fritz Todt der Architekt Friedrich Tamms, Mitarbeiter des GBI (Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt) und des Generalinspekteurs bestimmt.
Die Inspektion der Flakartillerie (Abt. Befestigung) teilte am 23.09.1940 die Ergebnisse einer Besprechung der mit dem Projekt befassten Dienststellen mit. Die Wahl schwerer Flak bereitete einige Sorgen, denn doppelläufige 10,5 cm Schiffs-Flak könne die Marine erst in 1,5 Jahren zur Verfügung stellen. Die Schiffsflak waren 3-achsige Geschütze, ausgestattet mit einer Wackelachse (Kantrichtwerk) zum Ausgleich von Schiffsbewegungen und daher erheblich komplizierter als übliche ortsfeste Flak an Land. Für die ortsfeste Verwendung von Flak hatte die Marine eine 12,8 cm Flak entwickelt, die aber ebenfalls erst in 1,5 Jahren zur Verfügung stehen würde. Es wurde vorgeschlagen, die Sockel auf den Flaktürmen für die 12,8 cm Flak auszulegen und zuerst provisorisch mit dem Kaliber 10,5 cm zu bestücken. Vorgeschlagen wurde ferner, neben dem Einbau von 2 und 3,7 cm Flakgeschützen auch 5 cm Flak zu verwenden.
Bei dieser Besprechung wurde auch klar, dass für jede Turmflakbatterie 2 Türme errichtet werden mussten. Das Haupt-Kommandogerät und die neue Radartechnik mussten in einem Abstand von 300 - 500 m von den schweren Geschützen entfernt sein, dass hatte auch die Marine bestätigt. Es mussten also ein G-Turm (Gefechtsturm, Batterieturm) mit den 4 schweren Geschützen und einer Befehlsstelle (B II), sowie leichte Flak gebaut werden sowie ein Kommandoturm mit Befehlsstelle (B I), ausgerüstet mit Hauptkommandogerät, elektronischem Messgerät, Horchgerät, eventuell Scheinwerfer usw.! Auf dem L-Turm sollte auch leichte Flak postiert werden, der Einsatz des Kommandogerätes 40 auf dem G-Turm solle aber auf die Zeit begrenzt sein, wo die Befehlsstelle (B I) nicht arbeitet.
Die Maße der Gefechtstürme wurden von den schweren Flakwaffen bestimmt. Sie mussten von der Befehlsstelle (B II) mindestens 35 m entfernt sein und der Abstand zwischen den Flakgeschützen 50 - 70 m betragen. Jede schwere Flak würde eine Plattform von 10 x 10 m benötigen. Die leichten Flakwaffen sollten tiefer angeordnet werden, um den Wirkungsbereich der schweren Einheiten nicht zu beeinträchtigen, allerdings waren die Bedienungsmannschaften dem Mündungsknall der geplanten 12,8 cm Flakgeschütze ausgesetzt. Eine andere Möglichkeit bestand, die leichte Flak und das Kommandogerät auf einer erhöhten Position in der Mitte des Flakturm's aufzustellen, was aber bedeuten würde, dass bei Gefechtshandlungen mit niederer Rohrerhöhung jeweils ein Geschütz ausfallen würde. Um die Standsicherheit der Türme zu gewährleisten, mussten sie nach unten hin um 20 x 20 m verbreitert werden. Man rechnete mit einem Geschützgewicht von etwa 30 t und die Rückstoßkraft von 25 t. Unter der Plattform sollten Bereitschafts-, Wohn und Diensträume eingerichtet werden, Räume für Munition und Gerät, sowie die dazugehörigen Aufzüge und Maschinenräume.

 

 

 

Der L-Turm (Leitturm - Kommandoturm) sollte eine Plattform von 10 - 15 m im Durchmesser erhalten. Die leichte Flak und Scheinwerfer sollten etwas tiefer gelegen eingebaut werden. Im L-Turm waren neben Wohn-, Bereitschafts- und Geräteräume der Batteriegefechtstand und Räume für die Nachrichtenvermittlung vorgesehen.
Beide Türme sollten nicht in der Nähe von Gebäuden errichtet werden, um in Bezug auf die Geschütztürme Schießschäden und in Bezug auf die Kommandotürme, die Echowirkung zu vermeiden. Trotzdem waren die Planungen Städteplanerisch wesentlich komplizierter. Sollte der Führerbefehl befolgt werden, im Tiergarten 3 Flaktürme aufzustellen, würden noch die 3 L-Türme hinzukommen.

 

" Es wird für den Generalbauinspektor eine schwer zu lösende Aufgabe sein, diese 6 Türme mit den bestehenden und geplanten sonstigen Bauten und Denkmälern im Tiergarten in harmonischen Einklang zu bringen."
Die Inspektion der Flakartillerie notierte am 23.09.1940

 

Einfacher wäre die Integration dieser Bauwerke im Tiergarten, wenn man sich auf 2 Paare beschränken würde. Bezüglich des Tiergartens beschränkte man sich auf einen G-Turm mit einem L-Turm. Architekt Tamms machte sich aber Sorgen um die Tiere im Zoologischen Garten, die wegen des lauten Mündungsknalls so leiden würden, dass sie voraussichtlich nach und nach eingehen würden. Da der Zoo sowieso verlegt werden sollte, konnte das Problem der Tiere als gelöst betrachtet werden. Ein Vorschlag Tamms, den geplanten Standort des Flakturms zu verlegen, wurde abgelehnt.
Am 25.10.1940 legte Tamms bei einer Besprechung Speer einen Lageplan im Maßstab 1:2000, 9 Grundrisse und ein Modell 1:200 vor. Speer erklärte sich im Wesentlichen mit den Ausführungen einverstanden. Am 06.03.1941 legte Tamms Speer Detailzeichnungen und 2 Modelle im Maßstab 1:50 vor. Speer erklärte sich mit der architektonischen Gestaltung einverstanden. Schwierigkeiten gab es aber mit der Steinverblendung über dem Granitsockel. Gewünscht wurde eine Verblendung mit französischem Kalkstein oder deutschen Sandstein. Später überbrachte Speer einen Wunsch Hitlers an Tamms, an allen Eingängen zum Flakturm Zoo große Tafeln mit den Namen deutscher Fliegerhelden anzubringen.
Die Flaktürme wurden als kriegswichtige Bauten der höchsten Dringlichkeitskategorie eingestuft. Der Flakturm I mit den Bauteilen A (Geschützturm) und B (Leitturm) hatten ihren Standort am Zoo und trugen die Kennnummer OX Berlin 1. Die Baukosten wurden am 06.03.1941 mit 5,5 Millionen Reichsmark veranschlagt, wobei es sich hier um eine Abschlagssumme des im Bau befindlichen "Zoo-Bunkers" zu handeln scheint. Der Flakturm II Friedrichshain wurde mit den Bauteilen D (Geschützturm) und E (Leitturm) auf 24 Millionen Reichsmark veranschlagt. Er trug die Kennnummer OX Berlin 3.
Einschließlich der dazugehörigen Folgeeinrichtungen, wie Versorgungsanlagen, Zuwegungen oder Nebelanlagen, wurden sie als Bauvorhaben der Dringlichkeitsstufe O anerkannt. In Tremmen / Havelland, etwa 40 km westlich von Berlin, wurde 1941 für 500.000 Reichsmark ein Nachrichtenturm (Bauvorhaben C) mit der Kennziffer OX Berlin 2 gebaut. Dort wurde das erste deutsche Panoramagerät installiert, dass dem Gefechtsstand der 1. Flakdivision über eine direkte Kabelverbindung die Meßdaten, Reichweite 300 km, bezüglich anfliegender Feindverbände laufend vermittelte.
Im Jahre 1941 gab es den Plan, das Reichstagsgebäude als Flakturm umzubauen. Das aus schlesischem Granit errichtete Gebäude hatte ebenfalls 4 Ecktürme, die sich scheinbar für den Ausbau von Flakstellungen zu eignen schienen. Am 01.07.1941 sollte der Umbau beginnen, Aufsatzturm auf der Kuppel und Skulpturen sollten abmontiert werden!

 

Der Flakturm Zoo (G-Turm)

 

Im Oktober 1940 begann der Bau des berühmtesten Flakturms, dem sogenannten "Zoo-Bunker". Der Inspekteur der Flakwaffe, Generalleutnant Steudermann hatte dazu am 09.09.1940 den Befehl übermittelt. Die Reichsbahn sagte für die tägliche Baustoffzuführung 2 Züge mit 1.600 t Baumaterial zu, auf dem Wasserwege wurden täglich 500 t angeliefert. Nachdem der G-Turm betonfertig war, wurden von der Deutschen Reichsbahn mit schweren Zugmaschinen und Tiefladern die 71 t schweren gepanzerten Munitionsaufzüge herangebracht. Der Flakturm hatte zwar über seinem Haupteingang auf der unteren Plattform einen ständigen Kran, der aber dieses Gewicht nicht heben konnte, da er nur für 10 t ausgelegt war. So wurde ein Krangerüst gebaut, die Panzerkuppeln auf die Geschützplattform gehoben und über die Munitionsaufzugschächte gesetzt.
Die Grundfläche des G-Turm's betrugen 70,5 x 70,5 m. Die kubisch bewehrten Außenwände waren 2,50 m dick, die sich nach oben hin auf 2 m verjüngten. Später erhielt der Flakturm einen grün-grauen Anstrich. Der Flakturm hatte 1 Keller-, ein Erd- und 5 Obergeschosse. Die Stockwerke waren durch Wendeltreppen in den jeweiligen Turmecken miteinander verbunden. Ferner gab es ein Treppenhaus im Zentrum des Flakbunkers sowie einige Nebentreppen. Hinzu kamen 2 Lastenaufzüge, die aber nur militärisch genutzt werden durften oder zur Beförderung von Verletzten in das Lazarett verwendet wurden. Manchmal wurden die Aufzüge auch als Arrestzelle für Luftwaffenhelfer genutzt.

 

Die Befehlsstellen auf dem G-Turm Zoo. Im Hintergrund eine 10,5 cm Flak. Auf dem L-Turm der "Würzburg-Riese", rechts die Siegessäule.



Ausgelegt war der Flakbunker für 8000 zivile Luftschutzsuchende, es wurde aber berichtet, dass bei Angriffen bis zu 30.000 Menschen dort Schutz fanden. Für die Zivilbevölkerung standen 3, 4 m x 6 m große Eingangstüren zur Verfügung, die sich aber bei dem Menschenandrang als zu klein erwiesen. Später wurde eine Holztreppe auf gemauerten Säulen über dem Westeingang errichtet, über die man direkt Zutritt in das 1. Stockwerk erhielt. Bei den Berlinern galt der Zoo-Bunker als der sicherste Sarg der Welt.
Im 2. Obergeschoss waren in vollklimatisierten Räumen Kunstschätze aus 14 Berliner Museen gelagert, so der Goldschatz des Priamos, die Münzsammlung von Kaiser Wilhelm und die Büste der Nofretete. Albert Speer hatte dem Direktor der Preußischen Museen Otto Kümmel am 10. Juni 1941 betreffende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Im August 1941 wurde der Pergamonfries in den Flakturm überführt. Ein Jahr lang brachten LKW's wertvollste Kunstschätze in die Betonburg, wo sie auf 1500 qm gelagert wurden. Da die Sicherheit des Lagerortes gegen Kriegsende abnahm, beschlossen die Museumsfachleute die Evakuierung des Kulturguts in Bergwerkstollen und begannen am 22. März 1945 mit der Räumung.
Im 3. Obergeschoss wurde ein Lazarett mit 95 Betten und 2 Operationssälen eingerichtet. 8 Ärzte, 20 Schwestern sowie 30 Hilfskräfte versahen hier ihren Dienst. Prominente Persönlichkeiten der damalige Zeit wurden dort behandelt. So wurde Hana Reitsch, die Ende 1943 bei einem Luftangriff verletzt worden war, der beim Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 schwer verletzte Generaloberst Schmundt oder der im Februar 1945 an der Oder abgeschossene Schlachtflieger Hans-Ulrich Rudel, der im Lazarett im G-Turm von Goebbels und Göring besucht. Im 4. Obergeschoss war das gesamte Flak-Personal untergebracht. Im April 1941 war das Flakturm-Paar Zoo einsatzbereit.

General Kressmann hatte als Kommandeur der 1. Flakdivision seinen Gefechtsstand im L-Turm, nach seinem Tod, ab Dezember 1944, General Sydow. Obwohl die Baumaßnahmen geheim waren, ließ sich jedoch nicht alles verbergen. Als z.B. auf dem L-Turm der Würzburg-Riese aufgestellt worden war, wurden von Angehörigen der amerikanischen Botschaft heimlich Fotoaufnahmen gemacht.
Der G-Turm verfügte über einen eigenen Tiefbrunnen und war von der städtischen Wasserversorgung unabhängig. Autonom war der Flakturm auch hinsichtlich der Elektrizitätsversorgung. Es wurde auch eine Großküche und eine Bäckerei eingerichtet. Militärs behaupteten später, die Flakfestung Zoo hätte sich noch ein Jahr nach der Kapitulation halten können, gleichgültig, was im übrigen Berlin passiert wäre. Zuerst sollen auf dem G-Turm 8,8 cm Flak postiert gewesen sein, auf den Terrassen 2 cm Vierling und 3,7 cm Flak. Zeitweise kamen auch 10,5 cm Flak 39 auf dem G-Turm zum Einsatz. Ab August / September 1942 kamen die von Hanomag gefertigten 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafette, von denen Hitler sagte, sie sei die schönste Waffe, die je konstruiert wurde. Die Vierlingsflak wichen Drillings-Flakgeschütze, die eigentlich für Vorpostenboote der Kriegsmarine bestimmt waren. Batteriechef der 1. Flakabteilung 123 (T) auf dem G-Turm war Oberleutnant Maschewski.
 


Der Gefechtsturm Zoo aus der Vogelperspektive.



Die 12,8 cm Flak 40 galt als eine der wirkungsvollsten Flakgeschütze im 2. Weltkrieg, reichte aber 1944 / 1945 zu Beginn des Raketenzeitalters, das mittlerweile auch bei der Flak-Waffe begonnen hatte, nicht mehr aus. Die Schusshöhe betrug 14.800 m, die maximale Schussweite 20.950 m. Die Feuergeschwindigkeit betrug 20 - 24 Schuss/Minute für die Zwillingsversion 10 - 12 Schuss pro Rohr. Der Schwenkbereich war 360°, die Erhöhung betrug -3 bis +88°. Das Gewicht in Feuerstellung betrug 27 t.
Von der Zwillingsversion wurden bis 1945 insgesamt 34 gebaut und fast ausschließlich als Turmflak verwendet, nur im Raum "Buna" sollten 12,8 cm Flak in Zwillingslafetten 1944 / 1945 in Erdstellungen montiert werden, wozu es aber nicht mehr kam. Die 12,8 cm Zwilling hatte an der rechten Seite die Seitenrichtmaschine und an der linken Seite die Höhenrichtmaschine (Stufenlose Pittler-Thoma-Getriebe mit E-Motor Antrieb). Geladen wurde elektronisch. Die Turmgeschütze sollen von Seismographen kontrolliert worden sein. Geführt wurde die Flak vom Kommandogerät 40. Bei guter Sicht wurde nach optischen Werten, bei schlechten Wetterverhältnissen nach Radar-Werten geschossen.
Es konnten auch Schussdaten der L-Türme Friedrichshain und Humboldthain im Bedarfsfalle herangezogen werden. Manchmal griff die Turmflak sogar bei Luftkämpfen ein, wobei einmal aus Versehen eine Me-109 abgeschossen wurde, deren Pilot aber unbeschadet auf der Ost-West-Achse notlanden konnte.

Bei Salventakt wurde nach einem bestimmten Verfahren geschossen, so dass 16 Granaten in einem Raum von 240 m explodierten, den sogenannten Fenstern. Die schwere Turmflak in Berlin bewirkte u. a., dass die Alliierten die Reichshauptstadt in bedeutend größere Höhe angreifen mussten als zuvor. Bedient wurde die Flak zuerst von Luftwaffensoldaten der Flakartillerie, ab 1943 kamen Luftwaffenhelfer hinzu sowie ukrainische Hilfswillige und eine Abteilung russischer Kriegsgefangener. Die Besatzung beider Türme war etwa 500 Mann stark, davon 200 im L-Turm. Der G-Turm erhielt 1943 mindestens einen schweren Bombentreffer, der Tote und Verwundete unter den Geschützbedienungen hervorrief. Verluste wurden auch durch Brandbombentreffer verursacht.
 

 

Bei den Endkämpfen um Berlin 1945 zog der Befehlsstand der 16. PGD (Panzergrenadier-Division) unter Oberst von und zu Gilsa in den L-Turm. Ab 21.04.1945 lag das gesamte Gebiet um den Zoo-Bunker unter schweren sowjetischen Haubitzenfeuer. Die in Marzahn stationierte schwere sowjetische Batterie wurde von den 12,8cm Flakgeschützen der Turmflak in der Distanz von 12 Kilometer unter Feuer genommen. Im Flakturm wurden 500 sowjetische Abschüsse gezählt, die Turmflak selbst verschoss 400 Granaten nach Marzahn. Im Laufe der weiteren Kämpfe soll die Turmflak auch sowjetische Panzer abgeschossen haben.

Am 25.04.1945 erreichten 64 Angehörige der 18. Sanitätskompanie unter Oberststabsarzt Werner Starfinger den G-Turm. Zur Entlastung des Luftwaffenlazaretts richtete der Divisionsarzt ein weiteres Lazarett ein. Verstorbene und Gefallene wurden in Einzel-und Massengräber rund um den Bunker von Ärzten und Pflegern begraben. Währenddessen wurden die Flaktürme Zoo von sowjetischen Schlachtfliegern laufend angegriffen und beschossen.

 

"Der Vorstoß unserer Truppen ins Herz Berlins wurde durch eine Reihe anderer Umstände erschwert. Wir trafen auch auf fünfstöckige Bunker, die 36 Meter hoch waren und deren Mauern 1-3 Meter dick waren. Für die Feldartillerie waren diese Bunker unverletzlich. Auf ihrem Dach war in der Regel Flakartillerie aufgestellt, die nicht nur unsere Luftwaffe, sondern auch Panzer und begleitende Infanterie angriff."


Marschall Schukow über die Bollwerke des Widerstandes in Berlin



Bei diesen Gefechten wurde von der Turmflak versehentlich der Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche getroffen und Ende März 1945 zog die Zentrale für die fernmündlichen Meldungen des Panzerwarndienstes ein. In den Apriltagen 1945 lief die einzige Funkverbindung über den G-Turm aus der eingeschossenen Stadt. Da die Außenverbindung des Führerbunkers ausgefallen war, wurde mit Hilfe einer an einem Fesselballon befestigten Antenne die Meldungen über den G-Turm Zoo übermittelt. Über diese Verbindung ließ Hitler die Frage übermitteln: "Wo bleibt Wenck?"
Am 25.04.1945 besuchte der Verteidigungskommandant von Berlin, General Weidling den Kommandeur der 1. Flakdivision Sydow, der kurz darauf von sowjetischen Bombern angegriffen wurde. Der hohe Turm schwankte unter den Explosionen der in der Nähe detonierenden Bomben. Im Zoobunker waren noch etwa 2000 Soldaten und unzählige Zivilisten. Der Luftwaffenarzt Dr. Walter Hagedorn schätzt ihre Zahl auf 30.000 Tote und amputierte Gliedmaßen konnten nicht mehr aus dem Bunker gebracht werden, da er unter Dauerfeuer lag. Im G-Turm waren über 500 Leichen und 1.500 Verwundete. Kurz bevor die Besatzung des Zoo-Bunkers kapitulierte, lief eine Selbstmordwelle durch den Stahlbetonkoloss. Der G-Turm wurde am 02.05.1945 um 00:30 Uhr den Sowjets übergeben, der L-Turm um 05:00 Uhr von Oberst Wöhlermann.

 

Der Flakturm Zoo (L-Turm)

 


Vierlingsflak auf dem Gefechtsturm Zoo. Rechts im Bild der Leitturm mit dem Würzburg-Riesen.

 

Im April 1941 war neben dem G-Turm auch der L-Turm Zoo fertiggestellt worden. Auf der Messgeräte-Plattform wurde ein FuSE 65 "Würzburg-Riese" und ein FuMG 39T "Würzburg" installiert. Der "Würzburg-Riese" hatte eine Reichweite von etwa 80 km und eine Entfernungsmessgenauigkeit von 15-20 Metern. Geschützt wurden die Radaranlagen von leichten Flakgeschützen der Turmflakabteilung 123 von Oberstleutnant Karl Hoffmann auf der unteren Plattform.

 

" ... Achtung, Achtung, hier spricht der Befehlsstand der 1. Flakdivision ... feindliche Bomberverbände befinden sich im Anflug im Raum Hannover Braunschweig ... Wir kommen wieder."
Im L-Turm war der Leitstand der 1. Flakdivision untergebracht. Von dort kamen auch die Durchsagen über den Drahtfunk

 

Ferner war auch ab Herbst 1944 die Luftwaffennachrichtenabteilung 121 unter Oberstleutnant Frikke eingesetzt. Auf den L-Turm gab es einen Beobachtungsstand für etwa 12 Personen. Dort beobachteten Parteifunktionäre oder ranghohe Vertreter der Regierung wie Albert Speer fasziniert das Schauspiel der Luftkämpfe über Berlin. Im April 1945 zog der Artilleriekommandeur für den Verteidigungsbereich Berlin, Oberstleutnant Platho, in den L-Turm, der am 25.04.1945 von Oberst Wöhlermann abgelöst wurde.

 

Der Flakturm Zoo - Nach 1945

 

"Die Angriffe auf Berlin boten vom Flakturm aus ein unvergessliches Bild."
Albert Sperr

 


Die Nordseite des G-Turms Zoo im Berliner Tiergarten, nahe des Bahnhofs Zoo.

 

Dr. Hagedorn blieb im G-Turm Zoo bis September 1945, dann zogen Abteilungen des Robert-Koch-Krankenhauses Moabit in den Flakturm. In der 1.Etage befand sich die Typhusabteilung, in der 2.Etage die Chirurgie, in der 3.Etage die Ruhrabteilung. Prof. Dr. Siebert bekämpfte in der 4.Etage Typhus und Ruhr. Der Zoo-Bunker nahm 330 Kranke auf, geplant war aber eine Behandlungskapazität von 500. Zu diesem Zeitpunkt, März 1946, waren die Flakgeschütze noch vorhanden. Im Winter diente der Flakturm auch als Obdachlosenasyl. Gleichwohl befahlen die Briten die Räumung des G-Turms bis zum 15.04.1947.

 


Dieser einst Ehrfurcht einflößende Betonriese liegt gesprengt darnieder. Wenige Jahre später sollte vom Gefechtsturm nichts mehr zu sehen sein.



Am 28.06.1947 wurde der L-Turm gesprengt. Der G-Turm sollte ebenfalls gesprengt werden. Die ersten beiden Versuche, am 30.08.1947 und 27.09.1947, waren vergeblich gewesen. Dann wurden mit Sauerstoff-Lanzen 435 Sprenglöcher in die Betonwand gebohrt. Nach viermonatiger Vorbereitung wurde dann am 30.07.1948, um 12:24 Uhr die Sprengung mit 35 t Dynamit durchgeführt, diesmal mit Erfolg.
In Mitleidenschaft wurden die Zoo-Gebäude gezogen, die Tiere waren zwar zweimal evakuiert worden, doch nach der Rückkehr waren viele Gehege und Tierhäuser schwer beschädigt. Mit der Beseitigung des G-Turms wurde Sprengmeister Hans-Jürgen Marquardt beauftragt, der später auch den L-Turm auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg abreißen sollte. 1950-1951 wurde der entstandene Trümmerberg begrünt, allerdings ohne großen Erfolg. Am 18.04.1955 beschloss der Senat, den Bunkerberg für den geplanten U-Bahn-Bau der Linie G (heute 9) abzutragen. Das Geröll, ca. 412.000 cbm Trümmerschutt, wurde zermahlen und für den Straßenbau verwendet. Der Erlös glich die Abrisskosten in Höhe 4.000.000 DM aus. Erst 1969 wurden die Reste der Fundamentplatte entfernt. Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen L-Turms die Vogelschutzinsel im Tiergarten, im Bereich des G-Turms die Flusspferdanlage des Zoologischen Gartens.

Berlin-Friedrichshain

Der Flakturm Friedrichshain

 

 

Am 20.01.1941 fand eine Besprechung bezüglich der Bestimmung des Standortes des Flakturms II Friedrichshain statt. Die Abteilung Rüstungsausbau des Reichsministers für Bewaffnung udn Munition legte Pläne vor. Der L-Turm war in der Mitte des Parks, etwa 350 m vom G-Turm entfernt geplant. Der G-Turm sollte unmittelbar hinter dem Märchenbrunnen im spitzen Winkel des Parks zwischen Friedensstraße und Straße am Friedrichshain liegen. Doch auf Grund eines geplanten großen HJ-Heimes wurden die Standorte neu festgelegt. Der G-Turm sollte etwa 400 m von der Westfront des Krankenhauses Horst Wessel liegen, der L-Turm unmittelbar nördlich des Krankenhauses zwischen diesem und der Ecke Werneuchenerstraße in rund 350 m Abstand vom G-Turm.
Ab April 1941 entstand im Friedrichshain ein 39 m hoher G-Turm mit einem etwa gleich hohen L-Turm. Auch in diesem Flakturm wurden später Kunstschätze Berliner Museen gelagert. Am 03. und 26.02.1945 erhielt der Flakturm Bombentreffer. Bei dem Treffer am 03.02.1945 überlebten nur 3 Angehörige des Geschützes "Cäsar". Die Luftschutzsuchenden im Flakturm bemerkten den Treffer lediglich daran, dass auf einmal Soldaten im Treppenhaus auftauchten und Unruhe entstand.
Im L-Turm Friedrichshain hatte der Kommandant der Turmflakabteilung 123, zuletzt Oberstleutnant Karl Hoffmann, seinen Gefechtsstand. Seit Herbst 1944 waren im L-Turm auch Kunstgüter untergebracht. Dort befanden sich die 1636 kostbaren Gemälde des Kaiser-Wilhelm-Museums. In den Morgenstunden des 02.05.1945 kam es zu einem Ausbruchversuch, Oberstleutnant Hoffmann beteiligte sich mit seiner Turmbesatzung daran, den sowjetischen Ring zu durchstoßen. Am 02.05.1945 wurde der L-Turm von sowjetischen Truppen besetzt. Die Museumswächter hatten nach Lichtausfall wegen eines Bombentreffers auf dem Kabeltunnel den Leitstand verlassen. Als aber am 06.05.1945 ein Kontrollgang des Museumsangestellten Kiau durchgeführt wurde, stellte er fest, dass das 1. Stockwerk des L-Turms ausgebrannt war. Am 18.05.1945 fand man auch das Restdepot im 2. und 3. Stockwerk ausgebrannt vor. Angeblich waren 411 alte Meister verbrannt, aber später tauchten Bilder aus diesem Bestand bei Kunstauktionen wieder auf.

 

Der G-Turm ist mit der 10,5 cm Flak 39 (Einzelwaffe) ausgerüstet, ursprünglich waren doppelläufige 10,5 cm Flak vorgesehen. Im linken Bereich der unteren Plattform ist noch Schallholz erkennbar und vor den Fensteröffnungen sind noch keine Stahlblenden angebracht worden. Gut zu sehen sind aber die weißen Aussparungen für die Scharniere der in Rahmen sitzenden 6 cm starken, 2,10 m hohen und 1,07 m breiten Panzertüren. Von der Innenseite waren die Fensteröffnungen durch Stahlgeländer geschützt.

 

Der Gefechtsturm Friedrichshain spaltete sich nach der Sprengung in zwei Hälften. Anschließend bedeckte man ihn bis zur Oberkante mit Trümmerschutt.

 



Ohne weitere Kampfhandlungen übergab der zurückgebliebene Arzt des Lazaretts am Vormittag des 02.05.1945 beide Türme der Roten Armee. Die Sowjets sprengten am 29.04.1946 das erste Mal den G-Turm, am 02.05.1946 den G-Turm mit genügend Sprengstoff, er brach in der Mitte durch. Von 1947 bis 1950 wurden von Notstandsarbeitern, unterstützt von einer Feldbahn, Schutt und Trümmer an den G-Turm angeschüttet. Heute ist der "Große Bunkerberg" 79 m hoch, lediglich die Brüstung des Stand A und ein Teil der Westwand sind noch zu sehen.

Berlin-Wedding

Der Flakturm Humboldthain

 


Links: Der G-Turm Humboldthain, erkennbar durch die abgeschrägten Ecken an der unteren Plattform.
Rechts: Modellansicht der Südseite des G-Turms Humboldthain mit Kran. Nur an dieser Seite waren keine Treppen von der unteren zur oberen Plattform angebracht.

 

Am 09.06.1941 besichtigte Architekt Tamms den Standort des Flakturms Humboldthain, unter anderen in Begleitung von Fritz Todt. Der L-Turm sollte an der Gustav-Meyer-Allee in einem kleinen Rosengarten entstehen, um den es, so Hentzen in einem Brief an Speer, nicht sonderlich schade sei.

 

Der Flakturm Humboldthain (G-Turm)

 

Der G-Turm lag nordwestlich vom L-Turm, man müsse nur zwei, drei Bäume fällen, die Sicht sei gut zwischen beiden Bauwerken. Als Grundstückspreise im Humboldthain wurden 14 RM pro qm angegeben. Das Grundstück wurde von der Wehrmacht im Dezember 1943 übernommen, als der Flakturm schon stand. Das Grundstück war 16.400 qm groß und sollte bis 3 Monate nach Kriegsende in Anspruch genommen werden. Der Flakturm wurde für etwa 90.000.000 RM von Oktober 1941 bis April 1942 gebaut. Hinsichtlich der eigentlichen Rohbauzeit gibt es unterschiedliche Angaben. Einige Aussagen sprechen von einer Bauzeit von 11 Monaten, andere führen 7 Monate an.
Die Sohle des fünfgeschossigen Baues war 2 m, nach anderen Angaben 2,50 m dick. Die Außenwände sollen 2 m, an einigen Stellen nur 1 m betragen haben. Der Beton wurde durch Spiralbewehrung armiert. Die Bauausführung lag bei der Organisation Todt (OT) unter Führung eines Herrn Zielke. Mindestens 800 Arbeitskräfte wurden für den Bau herangezogen. Französische Kriegsgefangene, Holländer, Italiener, Belgier und Jugoslawen, sie waren in einem Barackenbunker zwischen dem G-Turm und L-Turm untergebracht. Nachdem der G-Turm fertiggestellt worden war, wurden 10,5 cm Flakgeschütze auf die obere Plattform transportiert und installiert. Polizei und Luftwaffe hatten zuvor das Gebiet weiträumig abgesperrt, nach anderen Aussagen habe es lediglich einen ganz normalen Bauzaun gegeben. In der Nacht zum 17.01.1943 stand die Turm-Flak zum ersten Mal im Kampfeinsatz.
Die erste Waffenausstattung des Turmes von Januar-August 1943 bestand aus vier schweren 10,5 cm Flak, die von 12,8 cm Flak in Zwillingslafette ausgetauscht wurden. Auf der Galerie standen an den Eckpunkten 3,7 cm Flak, an den Seiten zusätzliche zwei 2 cm Vierlinge. Diese wurden 1944 von 3,7 cm Flak 43 ersetzt, bei denen wegen Funktionsstörungen zahlreiche Rohrkrepierer auftraten. 1945 wurden diese 3,7 cm Flak 43 abgebaut und durch Fla-Maschinenwaffen ersetzt. Die Turmflak auf dem Humboldthain-Bunker soll bis zum Ende des Krieges 32 Abschüsse erzielt haben. Bei einem Luftangriff wurden im Durchschnitt von der dort postierten 12,8 cm Flak 400 Granaten verschossen. Zuerst waren über den Geschützständen Tarnnetze angebracht worden, die aber wegen der häufigen Luftalarme bald wieder entfernt wurden. Der G-Turm selbst hatte außer den Ecktürmen nie einen Tarnanstrich erhalten.

 


Südseite des G-Turms Humboldthain. Die Bäume vor dem Flakturm sollten noch gefällt werden. Die 12,8 cm Flak in Zwillingslafette sind bereits postiert.

 

Bis 1944 waren um den G-Turm Humboldthain Scheinwerferbatterien auf hölzernen Türmen postiert. Zuerst waren es 4 leichte Scheinwerfer mit 60 cm Durchmesser (AEG, Wiesenstraße, Groterjahn und Danzigerstraße). Sie bewährten sich aber nicht, da ihre Reichweite nur etwa 2.400 m betrug, die Angriffe aber oft in 11.000 m Höhe geflogen wurden. 1944 wurden sie abgebaut.
Im Erdgeschoß gab es drei Eingänge (Nord-, Süd-und Ostseite), einer konnte sogar Lkws und Krankenwagen aufnehmen. Im 2. Stockwerk war das Lazarett sowie die Entbindungsstation von Frau Dienst untergebracht, wo während der Luftangriffe zahlreiche Babys geboren wurden. Im 3. Stockwerk war Museumsgut untergebracht. Im G-Turm waren zwei Lastenaufzüge mit einer Tragfähigkeit von 24 Personen. Für die Energieversorgung des L-und G-Turms waren ein Dieselmotor sowie zwei Notstromaggregate eingesetzt. Hinsichtlich der Belüftung weiß Herr Rose, seinerzeit Ausbildungsleiter an der 12,8 cm Flak in Berlin, ein interessantes Detail zu berichten.

 

"Die Bunker haben sich selbst belüftet, und zwar sind die Luftschlitze mit den dazugehörenden Kanälen so raffiniert gebaut worden, dass die Haupteinstrahlung von der Sonne die Luft auf der einen Seite erwärmte und diese in Wechselwirkung mit der kalten Luft auf der anderen Seite für eine ständige vorgewärmte Luftzirkulation im Bunker sorgte!



Im G-Turm war auch ein Gasraum eingerichtet worden, in dem Gasmasken überprüft wurden. Die Geschützbedienungen rekrutierten sich aus LH (Letzte Hoffnung) Luftwaffen-Helfern, die ersten 18 kamen am 15.02.1943 von der Kirschnerschule in Moabit. Am 07.06.1944 waren auch Luftwaffenhelfer aus dem Vogtland auf dem Turm, die bei zwei Tieffliegerangriffen Verluste hatten. Einheitsmäßig gehörten die Flakgeschütze zur Turmflakabteilung 123 mit Gefechtsstand im L-Turm Friedrichshain. Chef der schweren Batterie hieß Meyer. Die 1. Batterie, Schubert später Düppert, wurde von 31 Schülern des Französischen Gymnasiums NWS bemannt. Die 5. Batterie, die später mit der 6. Batterie zur 3. Batterie zusammengelegt wurden, bestand aus 49 Luftwaffenhelfern der Jahrgänge 1926/1927 aus der Friedrichwerdschen Schule. Der Schulunterricht im Flakturm ging übrigens bis zum 15.04.1945 weiter. Zu den Flak-Mannschaften gehörten auch 30 Ukrainer, die blaugelbe Armbinden trugen. Ferner waren im G-Turm russische Kriegsgefangene tätig, die auf ihren Uniformen die Buchstaben SU trugen. Sie wurden in den Werkstätten, in der Schreibstube sowie in der Kleider und Wäschekammer eingesetzt.
Im Juni 1944 kam es zu einem dramatischen Einsatz der leichten Turmflak, die zwei amerikanische Fernjäger unter Feuer nahmen, die sich hinter eine Fw-190 gesetzt hatten. Beide Jäger konnten abgeschossen werden, allerdings wurde auch ein nahe stehender Schornstein von den Luftwaffenhelfern zerschossen. Der G-Turm soll insgesamt 3 Bombentreffer erhalten haben, die aber keine weiteren Beschädigungen verursachten, noch nicht einmal Risse wurden beobachtet. Am 18.03.1945 erhielt der G-Turm 2 schwere Bombentreffer, zwei Geschütze fielen daraufhin aus. Von Brandbomben wurde der G-Turm häufiger getroffen, die aber mit Schaufeln einfach über die Brüstung geworfen wurden.
Für die Berliner Bevölkerung waren die Flaktürme Orte des sicheren Schutzes vor den Bomben der Alliierten. In dem Flakturm Humboldthain sollen sich 40.000 Menschen aufgehalten haben, die durch einen unterirdischen Verbindungsgang zum Bahnhof Gesundbrunnen gelangen konnten. Es gibt allerdings Aussagen, die die Existenz dieses Ganges in Frage stellen.
Der Bunker galt damals als unzerstörbar. Im Endkampf um Berlin setzten sich zahlreiche Soldaten in den Flakbunker ab. Dort hatte der Kommandeur des betreffenden Verteidigungssektors G, ein Oberst Schäfer, seinen Gefechtsstand. Die nachrückenden Kampftruppen des 12. sowjetischen Gardekorps blieben vor dem Flakturm liegen. Die Turmflak nahm die feindlichen Verbände unter Feuer, Stoßtrupps unternahmen aus dem Humboldthain heraus Ausfälle nach draußen. Die sowjetische Artillerie nahm systematisch den Flakturm unter Feuer, viele Luftwaffenhelfer fielen oder wurden verwundet. Gezielt wurde besonders auf die 6 cm starken Stahlblenden. Nach einer Weile wurden einige Panzertüren abgeschossen und die Granaten trafen in das Innere des Flakturms. Russische Scharfschützen nahmen aus benachbarten Häusern den Kampf gegen die Geschützbedienungen auf dem Turm auf. T-34 Panzer formierten sich zum Dauerbeschuß. Zivilisten brachten zwei russische Langrohrgeschütze in Stellung, die den Beton knacken sollten. Ohne Erfolg.
Bereits am 23.04.1945 war die Sprengung der 12,8 cm Flakgschütze vorbereitet worden, aber erst am 03.05.1945 wurden die Übergabeverhandlungen durchgeführt. Um 12:00 Uhr ergab sich die Beatzung des Flakturms Humboldthain.

 

Der Flakturm Humboldthain (L-Turm)

 

Der L-Turm hatte wie die übrigen Leittürme der 1. Generation die Grundfläche von 50 x 23 m. Im L-Turm fanden auch zivile Luftschutzsuchende Aufnahme.

 


L-Turm Humboldthain. Auf der obersten Plattform, links der "Würzburg-Riese", in der Mitte das FuMG "Mannheim" und rechts der E-Messer auf 10 m Basis R 43.

 

Die Übertragung der von den FuMG "Würzburg-Riese" Daten wurden per Telefon direkt dem G-Turm gemeldet. Die Schusswerte erreichten über das Fernleitungskabel zum Folgezeigeranzeigensystem 37. Die Informationsübermittlung lief durch einen 1,5 m x 1,5 m großen Kabelkanal, durch den auch Versorgungsleitungen führten.
Im L-Turm hielten sich auch Techniker der Firmen Telefunken und Görtz auf, die zur Verbesserung der Effizienz der Leitstelle abgestellt worden waren. Auf der oberen Plattform waren folgende FuMG installiert. Der 8 to schwere Würzburg-Riese mit einem 7,5 m Spiegel, das FuMG 64 "Ansbachgerät", für die Entstörung des Würzburg-Riesen die "Würzlaus" (eingesetzt ab August 1943 gegen die von den Briten abgeworfenen Staniolstreifen "Windows") sowie das Kommandogerät 40, das von 14 Flakhelfern bedient wurde. Der Würzburg-Riese konnte kurz vor Beginn eines Luftangriffs mittels einer Hebebühne in einen etwa 12 m tiefen Schacht versenkt werden, damit keine Beschädigungen auftraten. Die funkmesstechnischen Daten lieferte dann das Würzburg-Gerät. Weiterhin soll noch ein FuMG vom Typ "Mannheim" auf dem L-Turm installiert worden sein. Hinzu kam das Kommandogerät 40 mit einem E-Messgerät mit einer 10 m Basis. Bei guten Wetterbedingungen betrug die Sichtweite bis 35 km. Herr N. war dort in der "Umwertung" eingesetzt:

 

"Das war ein Eckraum mit zwei Fensteröffnungen. Da wurde mitgeführt, wenn wir ein bestimmtes Ziel aufgefaßt hatten und bekämpften. Auf einem kreisrunden Tisch wurde auf einem Blatt Papier mit einer technischen Einrichtung der Weg des zu bekämpfenden Flugzeuges eingetragen."

 

E-und Fernmeldespezialisten analysierten im 1. OG des L-Turms auch alliiertes Navigationsgerät. Aus abgeschossenen Feindflugzeugen wurden Apparaturen in den L-Turm gebracht, unter anderen Teile des legendären "Rotterdam-Geräts", die von Mitarbeiter der Firma Telefunken zusammengesetzt und weiterentwickelt wurden. Das Gerät wurde auch unter Kampfbedingungen auf dem L-Turm eingesetzt.

 

Der Flakturm Humboldthain - Nach 1945

 


Der Geschützturm Humboldthain nach der Sprengung am 13.03.1948. Während die Südfront völlig zusammengebrochen ist, ist von dem Explosionsdruck von 25 t Sprengstoff nur ein Teil der Wand der Nordfront nach außen gedrückt worden. Der obere Teil ist noch heute erhalten.

 

Nach der Kapitulation am 03.05.1945, 12:00 Uhr, als alle Männer des Flakturms zwischen 16 und 60 Jahre in Gefangenschaft gegangen waren, quartierten sich sowjetische Truppen in den Flakturm ein. Am 25.10.1947 wurde die erste Sprengung am Flakturm Humboldthain von der französischen Besatzung durchgeführt. Am 13.12.1947 sprengten sie den L-Turm mit 16 to Dynamit. Am 28.02.1948 wurde abermals versucht, den G-Turm zu sprengen, ein Teil der Außenwand wurde zerstört, der Flakturm stand aber weiterhin. Am 13.03.1948 wurde eine dritte Sprengung durchgeführt, diesmal mit 25 t Sprengstoff.

 


Die Südseite ist völlig eingestürzt. Auf der oberen Plattform ist gut die Befehlsstelle B II zu erkennen.



Der nördliche Teil des Flakturms mit beiden Ecktürmen bleibt erhalten, während der südliche Teil zusammenbrach. Nun wurde mit Schutt die Ruine überdeckt, 1950 waren 1.300 Notstandsarbeiter auf der "Baustelle Trümmerberg" eingesetzt, die auch Bepflanzungen vornahmen. Im gleichen Jahr nutzte der Deutsche Alpenverein die Nordseite des Flakturms als Übungs-Matterhorn. 1956 wurde erwogen, die über dem Schuttberg ragende Galerie abzureißen und die hohen Türme mit den Trümmern zu verfüllen. Noch 1986 wurde geplant, die Ruine abzureißen, es wurde aber beschlossen, auf dem verbliebenen Bereich des Flakturmes, der aus dem mittlerweile überwachsenen Schuttberg hervorragt, eine Gedenkstätte und Aussichtsplattform für 3.000.000 DM zu errichten. Die Arbeiten wurden am 28.10.1990 beendet.

 

Die Ruine des G-Turms Humboldthain ist heute zu besichtigen. Berliner Unterwelten e.V. bieten zahlreiche Führung.

Hamburg

Hamburg

 

In Hamburg entstanden zwei Flakturm-Paare von ursprünglich drei geplanten Einheiten. Auf dem Heiligengeistfeld und in Wilhelmsburg. Die Gefechtstürme waren in der Ausführung nicht identisch. Ein Flakturm-Paar im Hamburger Charme, der wie in Wien oder Berlin ein "Falkturm-Dreieck" geschaffen hätte, wurde nicht realisiert. Die Bauausführung hatte die Abteilung Rüstungsbau des Reichsministers für Bewaffnung und Munition. Architekten waren laut Pläne vom 18.04.1942 Vogdt und Hilliger.
Friedrich Tamms teilte dem GBI (Generalbauinspektor) am 07.02.1942 mit, dass Hitler den Bau eines vierten Flakturmes in Hamburg angeordnet habe, mit den Bauarbeiten würde in Kürze begonnen werden, die Vorbereitungen seinen eingeleitet worden. Der Flakturm IV sollte nach den von Tamms für die Berliner Flaktürme ausgearbeiteten Pläne entstehen. Nach den Bauplänen waren folgende Einrichtungen in den verschiedenen Geschossebenen vorgesehen. Im Erdgeschoss waren im Turm 4 die Heizungsanlage, im Turm 1 die Klima (Frischluft) Anlage, im Turm 2 das Wasserwerk und im Turm 3 die Abluftanlage vorgesehen. Im 1. OG war im Turm 1 eine Gasschutzanlage geplant, in den Türmen 2 und 3 waren im 1. und 2. OG als Lagerstätten für Kunstschätze vorgesehen. Im 2. OG des Turmes 4 befand sich das Krankenrevier. Im 3. OG waren die Küchenanlagen und der Speisesaal geplant sowie FluKo (Flugwachkommando) und WaKo (Warnkommando) untergebracht. Im 4. OG befanden sich dann die Unterkünfte der Flakmannschaften.

 

Der Flakturm Heiligengeistfeld

 


2 cm Vierlingsflak auf dem L-Turm Heiligengeistfeld in Hamburg.

 

Der Leitturm

 

Gefechts-und Leitturm wurden Ende April-Oktober 1942 gebaut. Nach anderen Quellen soll der Leitturm von etwa 1.000 Arbeitern in 350 Tagen errichtet worden sein. Der 5 stöckige L-Turm hatte die Ausmaße von 23 x 50 m und die Höhe wie sein größerer Bruder. Auf seiner oberen Plattform war das FuMG "Würzburg-Riese". 30.000 cbm Beton (ca. 76.000 t) waren dafür verbaut worden. Als Zuschlagsstoff wurde dänischer Kies verwandt. Kurz vor Kriegsende zog die Gestapo in den Leitturm, in der Feldstraße, mit Häftlingen ein. 1949 hatte der NWDR (Nordwestdeutsche Rundfunk) zwei Stockwerke des Leitturms bezogen. Der technische Direktor Werner Nestler konnte zahlreiche Spezialisten gewinnen und die Arbeit aufnehmen. Das Studio wurde ein 20 qm großer Raum in der höheren Etage. Am 12.07.1950 konnte aus dem Flakturm das erste TV-Testbild gesendet werden.
Im Jahre 1973 wurde der L-Turm an die Bundespost vom Bund für 1.300.000 DM verkauft, die den Bunker abreißen und ein neues Gebäude errichten ließ. 1973-1975 wurde der L-Turm an der Budapester Straße von Sprengmeister Hans Jürgen Marquardt mit Kleinstsprengungen (260 Sprengstoffpaketen a 20 kg) abgerissen. Marquardt hatte bereits in Berlin Erfahrungen gesammelt, als er dort den Flakturm "Zoo-Bunker" abgerissen hatte. Die Arbeiten in Hamburg waren schwierig, hatte der Beton nach 30 Jahren die höchste Festigkeit erreicht. Massive Sprengungen waren auch deshalb nicht möglich, weil sie sonst die unter dem Flakturm verlaufende Hauptstraße zerstört hätten. Ein 22 t schwerer Meißelbagger wurde auf das Dach gestellt. Zudem wurde ein 3 x 3 m großer Schacht gebrochen. Insgesamt wurden für die Abrissarbeiten 330 Tage benötigt. Heute steht an Stelle des L-Turms ein Telefonfernamt der Telekom.

 


Der mit Sperrballons geschützte G-Turm Heiligengeistfeld. Es sind bereits 12,8 cm Flak 40 in Zwillingslafette postiert worden, teilweise stehen noch Holzgerüste und Baracken. Die hellen Stellen markieren die zukünftigen Fenster sowie Scharniere für die Stahlblenden.

 

Der Gefechtsturm

 

Der G-Turm, offizielle Bezeichnung "Flakturm IV" Hamburg, hatte eine Grundfläche 70,5 m x 70,5 m und war etwa 39 m hoch. Er stand auf einer 2,60 m starken Plattengründung. Die Wände waren 2,50 m dick, die Abschlussdecke 3,50 m. 18.000 Menschen konnte der Flakturm bombensicheren Luftschutz gewähren, andere Angaben geben sogar 50-60.000 Luftschutzsuchende an. Er hatte 5 Obergeschosse und 2 Haupt-sowie 4 Nebeneingänge. Im 4. OG waren die Luftwaffenhelferinnen untergebracht sowie das Warnkommando (WaKo) und Flugwachkommando (FluKo). Darunter hatten das Hafenkrankenhaus und die Reichspost Räume bezogen. Zwischen Turm 1 und 4 befand sich die Küchenanlage. Im 5. OG waren die Luftwaffenhelfer und die Bedienungsmannschaften der Flakgeschütze Anton und Berta, Cäsar und Dora (1./414) zwischen Turm 1 und 2 untergebracht.

 


Der G-Turm und der L-Turm, vorn zusehen, einige Jahre nach dem Krieg.



Als Bewaffnung besaß der Flakturm vier 12,8 cm Flak in Zwillingslafette sowie fünfzehn 3,7 cm Flak auf der unteren Plattform. Sie gehörten zum Verband der 3. Flakdivision. Bei den Gomorrha-Angriffen verschoss die 12,8 cm Flak insgesamt 9.192 Schuss, 1944 über 3.000 Granaten. Zwischen dem 13.10.1942 und 31.03.1945 soll die 1./414 (T) an 50 Abschüssen beteiligt gewesen sein. Versuche des Direktors des Staatsarchivs, wertvolle Archivalien im Gefechtsturm unterzubringen scheiterten, obwohl ihm dafür für den 25.07.1943 ein Raum zugesagt worden war. Dieser Raum konnte nicht vom Staatsarchiv genutzt werden, da er von Obdachlosen belegt war. Die Räumlichkeiten für Kunstschätze waren allerdings in den Plänen bereits vorgesehen. Im 2. OG waren die Türme 2 und 3 dafür ausgewählt worden.

 

Vom Flakturm zum Medienbunker. Der Gefechtsturm auf dem Heiligengeistfeld.

 

 

Am 05.05.1945 übernahmen die Briten die Verwaltung des Flakturmes Heiligengeistfeld. Das Abwicklungsamt Wehrmacht beantragte am 13.03.1946 die Freigabe des Flakbunkers für die zivile Nutzung. Am 01.04.1946 übernahm der Oberfinanzpräsident die Verwaltung des Bunkers. Ab dem 20.08.1946 durfte der Flakturm für Wohnungen mit Fenstern versehen werden. Am 28.12.1948 wurden der Besatzungsmacht detaillierte Pläne für die Entfestigung des Flakturmes und den Ausbau der Wohnungen vorgelegt, die keinen Widerspruch erfahren.
1956 wurde das Hochhaus II zum Kreativbunker, als der später weltweit bekannte Modefotograf F.C.Gundlach dort seine Studio-und Arbeitsräume bezog. 1975 waren im G-Turm 15 Firmen registriert, insbesondere aus der Foto-und Werbebranche. 1986 nutzten schon 25 Firmen 13.000 qm im Flakturm.

 

Der Flakturm Wilhelmsburg/Arensbergpark

 


Die neue Flakturmgeneration mit den halbgeschützten, trichtermäßigen Betonüberdeckungen auf runden Türmen. Die Treppen zur oberen Plattform sind im Gegensatz zu den ersten vier Flaktürmen nicht außen freistehend, sondern unter Beton laufend konstruiert worden.

 

"Um Punkt 11 schoß als erstes Zeichen der Sprengung eine feurige, qualmvermengte Lohe mit ungeheurem Druck aus der östlichen Seitenluke des Bunkers. Gleich darauf erfolgt die Detonation, unheimlich ,dumpf und dunkel … Mit einem Schlag wurde der Riesen-Betonklotz von 65.000 Kubikmeter lebendig ..."
Die Hamburger Freie Presse schrieb am 18.10.1947

 

 

 


Als nach der Sprengung der Rauch verzogen war und der G-Turm Wilhelmsburg scheinbar fast unversehrt sichtbar wurde, sollen Zuschauer „Made in Germany! Made in Germany!“ skandiert haben. Die Briten wollten jedoch den Innenraum zerstören, was ihnen gelungen ist.

 


Sprengung des L-Turms am 10.10.1947.

 

"Mit dem Glockenschlag 11:00 Uhr erschütterte eine gewaltige Detonation den Stadtteil Wilhelmsburg. Eine dunkle Rauchwolke verhüllte für Minuten den Bunker. Der früher 44 m hohe und 38 m lange Koloß hatte seine Form gewaltig verändert. Die 3,50 m dicken Außenmauern haben den Druck der Explosion von 8.500 kg nicht standgehalten. Sie haben jedoch die Wirkung der Sprengung so beschränkt, dass selbst an den nahe liegenden Wohngebäuden keine nennenswerten Schäden eingetreten sind. Aus dem Bunker ist ein Trümmerhaufen geworden, der dem Aufräumungsamt großen Kummer bereiten und die Hamburger Trümemrmasse recht erheblich vermehrt haben dürfte."
Ein Augenzeugenbericht

 


Der alte Gefechtsturm Hamburg-Wilhelmsburg (Turm VI) wird zum "Energiebunker" umgebaut.

Bremen

Bremen - Neustadt



In Bremen trafen sich am 28.10.1942 im Dienstzimmer im "Haus des Reiches" des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen, Senator Dr. Fischer der Leiter des LS-Bauamtes Baurat Assmann, der Kommandeur der 8. Flakdivision, Generalleutnant Wagner sowie der Bauingenieur vom Luftwaffenbauamt Bockmann zu einer Besichtigungsfahrt. Nach den schweren Luftangriffen auf Bremen sollte in der Freien Hansestadt ein Flakturm in den Grünanlagen zwischen der Neustadt-Contrescarpe, Leibnizstraße und Eichhofenstraße entstehen. Man schätzte das Bauwerk als nicht so groß ein, als dass es städtebaulicher Sonderplanungen notwendig machen würde.
Das Reichsministerium Speer, GB-Bau Referat Luftschutz und die OT hatten zugestimmt. Allerdings sollte der LS-Bunker-Bau in Bremen von diesem Vorhaben nicht beeinträchtigt werden, Arbeiter und Baustoffe sollten die durchführenden Instanzen selbst beschaffen. Es wurde beschlossen, Tiefbohrungen niederzubringen, um den wechselhaften Untergrund in diesem Gebiet der Stadt zu ergründen. Für den Anfang November 1942 sollte dann eine Inspektionsreise nach Hamburg unternommen werden, wo bereits zwei Flakturm-Paare existierten. Doch in Bremen blieb es bei der Planung, Flaktürme entstanden dort nicht.

Wien

Wien

Planung und Durchführung





Hitler selbst hatte im September 1942 den Bau von zwei Flakturm-Paaren in Wien angeordnet, da nach seiner Meinung eines der wichtigsten städtischen Zentren, das von Wien, geschützt werden sollte. Sie sollten noch nach 4.000 Jahren zukünftige Generation an den Kampf des Dritten Reiches erinnern. Nach Ansicht der Luftwaffe sollten sie auf der Schmelz, im Prater und in Floridsdorf entstehen, doch Hitler legte selbst die Standorte fest. Flakturm VIII war im Arenbergpark, baugleich mit dem Flakturm Wilhelmsburg/Arenbergpark, Flakturm V in der Stiftskaserne. Flakturm VII sollte nach Wunsch des Führers bei der Roßauer Kaserne errichtet werden, entstand aber im Augarten. So wurden insgesamt drei G-Türme mit den dazugehörigen L-Türmen gebaut.
Die Planung der Wiener Flaktürme wurde ebenfalls vom dem in Schwerin 1904 geborenen Professor Dipl. Ing. Friedrich Tamms erstellt, einem Städteplaner, der mit Reichsautobahnen und Brückenkonstruktionen auf sich aufmerksam machen konnte. Der Bau der Flaktürme wurde vom Ministerium für Rüstung in Berlin, Abteilung Rüstungsbau geleitet. Die ersten Pläne der Wiener Flaktürme verbrannten in Berlin nach einem Luftangriff. Dipl.Ing. Ruschitzka musste in Wien innerhalb von 2 Tagen neue Pläne anfertigen. Die Flaktürme wurden dabei in einem Dreieck postiert, so dass sich die Schussweiten der schweren Flak, die Prof. Tamms auf 20-22 km bezifferte, überlappten. Die Standorte selbst wurden von der Stadt Wien und vom LGK (Luftgaukommando) bestimmt. Die Standorte waren so gewählt, dass, so Tamms, die Innenstadt gegen Luftangriffe und auch gegen Tiefflieger, verteidigt werden konnte. Für Testreihen wurden in Unterlüß Erprobungsstände gebaut.
Alle L-Türme waren wie im Altreich rechteckig, allerdings in einer schmaleren Ausführung, dagegen waren die G-Türme Stiftskaserne und Augarten mit 16 Ecken fast rund. An jedem Turm waren bis zu 500 Fremdarbeiter eingesetzt, besonders Jugoslawen und Griechen, aber auch italienische Militärinternierte sowie einige wenige österreichische Fachleute. Hinzu kamen Baueinheiten des RAD (Reichsarbeitsdienst) und der Wehrmacht, aber auch jüdische Zwangsarbeiter. Das Baumaterial wurde mit angelegten Feldbahnen, teilweise sogar mit Straßenbahnen von der Donau und vom Aspangbahnhof zu den Baustellen gebracht. Gebaut wurden die Wiener Flaktürme auf durchweg mindestens 2 m dicken Betonplatten. Verwendet wurde eine sehr harte Betonsorte, die mit einer Spiralbewehrung verstärkt wurde. Die Außenwände maßen 2 m, die Abschlussdecken bis zu 3,5 m. Auf die Türme selbst kamen Kräne, zum Teil auf Schienen, die auf dem Dach verlegt worden waren, womit sie ihre Flexibilität erhielten und alle vier 12,8 cm Zwillingsgeschütze auswechseln konnten. Die Bauzeit dauerte ein 1/2 Jahr, als letzter Turm war der G-Turm Stiftskaserne Frühsommer 1944 einsatzbereit. Die Geschützbettung war denen des Flakturms Wilhelmsburg ähnlich. Die Bedienung der 12,8 cm Flak war durch den Umstand, dass die Geschütze in den Türmen von Stahlkuppeln geschützt waren, vor Splittern und leichten Bombentreffern auf dem Turm einigermaßen sicher.
 

 

 

Im oberen Drittel der G-Türme wurden untere Plattformen für leichte Fla-Waffen angebracht, die aber anscheinend dort nie installiert wurden. Jeder Bunker hatte einen Brunnen und ein eigenes Kraftwerk. Genutzt wurden sie als Lagerstätten für wertvolles Kulturgut, sie beherbergten militärische Dienststellen, 15.000 Luftschutzsuchende fanden dort jeweils Platz. In allen G-Türmen wurden Lazarette eingerichtet, manche mit über 800 Betten. Rüstungsbetriebe wurden ebenfalls in den Flaktürmen untergebracht, so Bereiche der Flugmotorenproduktion, elektrische Röhren-und Munitionsfertigung. Auf allen drei L-Türme wurden "Würzburg-Riesen" sowie ein kleines "Würzburg-Gerät" oder ein FuMG vom Typ "Mannheim" installiert. Ferner gab es jeweils ein Kommandogerät 40 auf 6 m-Basis. Auch die Flaktürme in Wien wurden in städteplanerische Überlegungen des Architekten Tamms einbezogen. So liegt der Flakturm Stiftskaserne genau in der Achse der Wiener Burg und die Türme Augarten passten sich in den ältesten Barockgarten Wiens ein. Da man wusste, dass nach dem Endsieg eine Entfernung der Betonmassen unmöglich sein würde, sollten die Flaktürme im Stil der mittelalterlichen Staufferburgen in Deutschland und Italien mit Rohziegeln und französischem Marmor verkleidet werden, der in den Brücken bei Lyon, Paris und Orleans bereit lag. Der Transport fand auf Grund der alliierten Landung in der Normandie nicht mehr statt.

Die Flakbunker in Wien sollten sich bewährt haben. Im 7. Wiener Bezirk, wo der Flakturm Stiftskaserne stand, habe es die geringsten Bombenschäden in Wien gegeben, gezählt wurden nur 107 Luftkriegstote. Gleichwohl räumte Architekt Tamms nach dem Krieg ein, dass die "Schießdome", nicht die erwarteten militärischen Hoffnungen erfüllten, die man ursprünglich in sie gesetzt hatte.

 

"Ohne die militärische Zweckmäßigkeit dieser Bauten völlig verneinen zu wollen, wurden sie von Anfang an und vor allem als Stimmungsarchitektur konziperit."
Meint Jan Tabor

 

Wie in Berlin griffen die Wiener Flaktürme auch bei den Endkämpfen der österreichischen Hauptstadt ein und beschossen russische Truppengruppierungen nahe den Einfallstraßen im Süden, Südosten und Westen der Stadt. Dort waren die Einheiten der 4. und 9.Garde-Armee sowie der 6.Garde-Panzerarmee versammelt. Die 2.Batterie auf dem G-Turm Stiftskaserne schoss bis Laxenburg, Hennersdorf, Perchtoldsdorf, Rodaun und Mauer Sperrfeuer. Durch den Luftdruck gingen die Fensterscheiben in der gesamten Umgebung zu Bruch und in der Kaserne lockerten sich die Fensterstöcke. Die 1.Batterie auf dem Flakturm Arenberg schoss am 04.04.1945 Sperrfeuer auf Erdziele im Süden Wiens. Die Luftwaffenhelfer dieser Batterie sowie die weiblichen Flakhelferinnen waren bereits entlassen worden. Vier Tage und vier Nächte wurde ununterbrochen geschossen.

 

"Sie ist ein Monument aller und für alle Zeiten. Infolgedessen ist sie im üblichen Sinne ohne Gebrauchswert. Sie ist nutzlos wie eine reine Plastik. Aber sie ist Träger einer Idee, eines elementaren gefühls für Kraft, Beständigkeit und Lebenswillen."
Der Konstrukteur verglich sie mit den ägyptischen Pyramiden.

 

Im Gegensatz zu Berlin, wo alle Flaktürme bis auf den Rest des G-Turms Humboldthain zerstört worden sind, sind in Wien alle Türme erhalten geblieben. Bereits 1946 dachte Prof. Dr. Karl Krupsky daran, die Betonbauten zu verschönern. 1951 überlegte sich Prof. Erwin Böck, die Türme, wie ursprünglich beabsichtigt, zu ummanteln und 1953 kam die Idee auf, aus den Flaktürmen Großgaragen zu bauen. Keines dieser Bauprojekte wurde bis heute ausgeführt. 1990 wurden die Flaktürme, Besitz der Republik Österreich, der Stadt Wien geschenkt.

 

Arenbergpark

 

Der Blick vom L-Turm zum Geschützturm Arenbergpark.

 

Im Arenbergpark entstand der G-und L-Turm im Sommer 1943 mit der 1.Batterie der Turmflakabteilung 184. Der Falkturm hatte einen quadratischen Grundriss von 57 m x 57 m und war baugleich mit dem G-Turm in Wilhelmsburg/Hamburg. Bestückt war der G-Turm mit vier 10,5 cm Flak, ab Januar 1944 mit vier 12,8 cm Flak, dann mit vier Flak des gleichen Kalibers in Zwillingslafetten.
Nachdem bei den Endkämpfen 1945 die letzte Granate verschossen war, wurden Geschütze und technische Einrichtungen im 8.Stockwerk gesprengt. Die Besatzung des Flakturms verließ am 08.04.1945 den Bunker. Munitionsmangel hatte es nicht gegeben, noch nach der Kapitulation lagerten große Bestände an Flakgranaten in den Bunkern.

 

Heute wird der G-Turm vom Museum für angewandte Kunst und als Lagerraum (Kunst-Depot) genutzt, der L-Turm steht leer.

 

Stiftskaserne

 

Auf dem Gelände der Stiftskaserne entstand von Mai bis September 1943 der G-Turm, auf dem die 2.Batterie der Turmflakabteilung 184 stationiert wurde.
Der L-Turm lag etwa 500 m entfernt im Esterhazypark. Der Flakturm hier war mit einer Höhe von 45 m über alles der niedrigste in Wien. Er war mit 16 Ecken fast rund und maß 43 m im Durchmesser. Bestückt war der G-Turm mit vier 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafetten. Die Geschütze wurden durch Stahlkuppeln vor Seitenbeschuss geschützt.

 



Nach 1945 von den amerikanischen Besatzungssoldaten genutzt, später als Atombunker reaktiviert, vermutlich einer von zwei Regierungsbunkern. Der G-Turm wurde heute vom Bundesheer genutzt, ein Zutritt ist aus Geheimhaltungsgründen nicht möglich.



Der L-Turm im Esterhazypark hatte ein Keller, ein Erd-und 12 Obergeschosse. Angeblich soll der Leitturm einen Bombentreffer auf der obersten Plattform erhalten haben. Ob auf der unteren Plattform leichte Flak stationiert war, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Auch zu diesem Punkt gibt es gegenteilige Aussagen.
 

Seit 1958 wird der L-Turm vom "Haus des Meeres" als Meeresmuseum genutzt.

 

Augarten

 

Im Augarten entstand der G-und L-Turm mit der 3.Batterie der Turmflakabteilung 184. Er war mit 50,6 m (nach anderen Angaben 54 m) der höchste der Wiener Flaktürme. Er war mit 16 Ecken fast rund und maß 43 m im Durchmesser. Die Außenwände waren 2,50 m stark. Etwa 10 m unter dem Plateau führt eine Plattform rundum in 5 m Breite mit weit ausgreifenden Erkern, sogenannte Schwalbennester. Bestückt war der G-Turm mit vier 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafetten.
Im G-Turm wurden Radioröhren produziert und der Bürgermeister und sein Stab fanden in dem Flakturm Unterkunft und Diensträume. Im Bereich zwischen dem G-und L-Turm waren in den Parkanlagen Baracken gebaut worden, so für die Flakhelfer und "Blitzmädchen". Bei den letzten Gefechten im April 1945 erhielt der L-Turm mindestens 3 Artillerietreffer der Sowjets, alle im oberen Drittel des Turmes, von denen einer die Außenwand durchschlug.

 

Der Gefechtsturm im Augarten.



Die Österreichische Zeitung meldete am 22.11.1946, das einen Tag zuvor Kinder im Flakturm Krieg gespielt hätten, eine Zündschnur angesteckt und zwei Waggonladungen Flakmunition zur Explosion gebracht hätten. Das Resultat war ein Riss an der Nordwand. Niemand sei verletzt oder getötet worden, die Kinder blieben bis heute unerkannt. Nach anderen Angaben hätten seit dem Zeitpunkt der Explosion einige Kinder im betreffenden Bezirk gefehlt und seien nicht mehr aufgetaucht.
Die Russen versuchten, den G-Turm zu sprengen, die Spuren sind noch heute deutlich sichtbar. Die Türme im Augarten wurden nach dem Kriege zugemauert.


 

Ende



Früher Bollwerke gegen eine neue Form des Bombardements gegen ganze Städte, heute Denkmäler dieser Epoche des Massenkrieges, Massensterbens und der Versuch, sich gegen das Unvermeidliche zu stemmen. Der Bau dieser Giganten aus Beton und Stahl waren die logische Konsequenz der Wehrmachtsführung aus der verlorenen Lufthoheit über Deutschland. Man versuchte die großen und wichtigen Städte zu schützen, ebenso der Bevölkerung einen Halt und moralische Stütze in einer Zeit des ständigen Luftalarmzustands zu geben. Dabei wurden Sie zu Fluchtpunkten für die Bevölkerung, für die Versehrten des Krieges und zu umkämpften Mittelpunkten der Festungsschlachten im untergehenden Deutschen Reich.



Heute ist man davon abgekommen Sie zu sprengen, viele haben es versucht, doch schienen diese Bollwerke sich nicht zu Staub der Geschichte machen zu lassen. Sie blieben störrisch und heute ist die Gefahr zu groß in urbaner Umgebung diese Kolosse zu sprengen. Darum werden die großen Betonblöcke heute auf andere Weise genutzt. Gerade in einer Zeit der Suche nach dem Besonderen in Verbindung mit dem Nützlichen, haben sich die Falktürme von einer neuen Seite gezeigt. So sind die enorm dicken Wände der Türme eine optimale Isolation. Im Winter kann die Wärme nur sehr langsam entweichen, wobei im Winter die Kühle sich lange in den Türmen hält. Der einzige Nachteil dabei sind die kleinen Fenster und das Änderungen in der Baustruktur nur schwer bzw. unmöglich durchzuführen sind. Eine Tür, ein Fenster oder gar ein Kabelschacht lassen sich aufgrund der Massivität bzw. des vielen Stahls wie Anteil an Zement nicht verwirklichen. So kann es schon mal zu einem wahren Kraftakt werden, ein Bild aufzuhängen bzw. den dazu benötigten Nagel in die Wand zu schlagen. Dennoch überwiegt das Besondere, die Einzigartigkeit und eine neue Form urbaner Wohnkultur. Auch historisch hat man die Gebäude, die sonst nirgends auf der Welt entstanden und zu finden sind zu einer neuen Bedeutsamkeit gekommen. Man nutzt die Gebäude als Museen an historischer Stelle bzw. stellt die Denkmäler des Krieges als Sehenswürdigkeit vor.
 

 

 

In Stadt Wien hat man das Monster aus Beton sogar gerade wegen seiner Sicherheit und der Festungsarchitektur wiederentdeckt. Hinter den meterdicken Stahlbetonmauern soll das sicherste Datencenter Österreichs entstehen, also ein Bunker für sensible Daten von Banken bzw. Firmen, die einen sicheren Platz für geheime Forschungsdaten suchen. Einige Stimmen sprechen dagegen, diese Denkmäler des Krieges wieder einem neuen zivilen Zweck zuzuführen. Ein Datencenter kommt nur deshalb in Frage, weil es keine großen Umbauarbeiten geben müsse, die dem Denkmalschutz widersprächen. Bei den Wohnungen ist es etwas anderes, wobei Umbauarbeiten allein wegen des Aufwandes wegfallen.

 

Ein Denkmal in Beton, das seinen militärischen Nutzen nie erfüllen konnte, aber vielen Menschen in den letzten Tagen des Krieges Schutz bot!

Quellen

DMP Empfehlung



Webseite

berliner-unterwelten.de
luftschutz-bunker.de




Quellen

Valentin E. Wille, Die Flaktürme in Wien, Berlin und Hamburg: Geschichte, Bedeutung und Neunutzung, Verlag: Vdm Verlag Dr. Müller (Mai 2008)
Henning Angerer, Flakbunker: Betonierte Geschichte, Verlag: Ergebnisse-Verlag (November 2000)

http://flakturm.net/vision
http://berliner-unterwelten.de/geschich ... .63.0.html
http://www.unter-hamburg.de/Flakturm-Wi ... 446.0.html



Autor: Thor