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Das Thema

Der Deutsche Stahlhelm
Vom I. und II. Weltkrieg bis zu seinem heutigen Einfluss

Entstehung

 Entstehung



Im 19. Jahrhundert war die Pickelhaube die bestimmende Kopfbedeckung für die kaiserliche und davor preußische Armee. Sie war in der Paradeausführung vor allem reich verziert. Es gab aber durchaus auch Ausnahmen, so hatte die Kavallerie und die Jäger eine andere Kopfbedeckung. Die Pickelhaube in ihrer Grundform war eine lederne mit Metallverstärkung versehene Kopfbedeckung in Form eines Helms, die durch die markante Spitze an der Oberseite ihren Namen erhielt. Eine Kopfbedeckung, die zum Vorbild für andere europäische Staaten wurde und auch in den USA angenommen wurde (verändert versteht sich).
Im 1. Weltkrieg waren die deutschen Truppen zuerst auch noch mit der Pickelhaube unterwegs, d.h. mit einer stoffüberzogenen (grau) unverzierten Variante. Doch zeigten sich in Grabenkämpfen und vor allem unter Artilleriebeschuss die Nachteile dieses Ausrüstungsstückes. So waren es vor allem die Kopfverletzungen, die zuerst die Franzosen einer stählernen Kopfbedeckung einführten (1915) und dann auch im deutschen Heer eine neue Kopfbedeckung, erstmals vor Verdun (Januar 1916), eingeführt wurde.
Als Vorreiter ging der Leutnant Gaede in die Geschichte ein, der, nachdem sich die deutsche Armee bei der Entwicklung eines effektiven Kopfschutzes zögerlich verhielt, einen provisorische Helme für seine Einheit einführte. Die in den Vogesen stationierte Einheit entwickelte einen Helm, der aus einer mit Stoff gefütterten Lederkappe bestand, wurde Eine 6 mm dicke Stahlplatte, auf der Vorderseite der Kappe, sollte neben Stirn, auch Augen und Nase schützte. Der "Gaede"-Helm wog 2 Kilogramm und war knapp ein Jahr lang gebräuchlich.

Im Ersten Weltkrieg, 1915, wurde beim XVIII. Armeekorps eine Untersuchung durchgeführt, die erbrachte, dass 83 % der Kopfverletzungen von Splittern herrührten, die zumeist winzig klein waren. Nur 17 % wurden durch Infanteriegeschosse verursacht.
 

 



Nach ähnlichen Erkenntnissen auf französischer Seite, musste ein neues Modell eines Helmes her. Die kriegstechnische Entwicklung hatte nun den Soldaten direkt eingeholt und somit das militärische Symbol der Pickelhaube überrollt. Nicht mehr Säbelhiebe oder Stiche gegen den Kopf des Soldaten, sondern gegen die Auswirkungen eines mechanisierten Krieges musste nun der Kopf geschützt werden. Die Lederhaube oder auch die Mütze war im Kampfeinsatz dagegen absolut nicht gewappnet.
Bereits im Februar des Jahres 1916 wurde die Einführung eines "Stahlschutzhelmes" beschlossen. Initiator des Namens war der damalige Chef des Generalstabes des Feldheeres General von Falkenhayn, der oftmals auch als Erfinder angeführt wurde. Die Erfinder waren eine Gruppe von 3 Mann:
 

- Prof. Dr. Friedrich Schwerd (Techn. Hochschule Hannover und Hauptmann der Landwehr)
- Professor Dr. August Bier (Chirurg und Marinegeneralarzt )
- beratende Arzt des XVIII. Armeekorps

 

Dabei mussten technische und anatomische Probleme gelöst werden, so dass man sich schließlich auf einen einteiligen aus vergütetem Chromnickelstahl, einem Augen- und einem Nackenschutz ausgestatten Helm einigte. Interessant ist, dass die endgültige Form durch die Gattin des Professors Schwerd ausgesucht bzw. angefertigt wurde.
Die ersten Versuche auf dem Artillerieschießplatz in Kummersdorf verliefen gut und der mit einer Metallstärke von 1 mm versehene Helm tat einen ausgezeichneten ersten Einsatz. Selbst Schrappnellkugeln aus nächster Entfernung konnten den Helm nicht durchschlagen.

 


(Der M16)

 

Ende Januar 1916 lieferte dann das Eisenhüttenwerk Thale/Harz die ersten 30.000 Helme. General von Falkenhayn ließ die Stahlhelme ab Februar an die Fronteinheiten verteilen. Zu Beginn der Schlacht um Verdun waren manche der dort kämpfenden deutschen Einheiten bereits mit den neuen Helmen ausgerüstet.

Bei der k.u.k. Armee kam es 1916 zur Einführung von Stahlhelmen. Erste österreichische Helmmuster von der Berndorfer Metallwarenfabrik waren jedoch nicht zufriedenstellend. In Verwendung kam schließlich der Stahlhelm „nach deutschem Muster“, der von 1916 bis 1918 mit deutschen Maschinen von österreichischen Firmen erzeugt wurde.

Die Form, das Metall und die Verarbeitung waren eine echte Innovation dieser Zeit und bis zum Ende des 1. Weltkrieges wurden 7,5 Millionen Stück Stahlhelme produziert und an die Truppe ausgeliefert.

 

 


Fertigung

Ausstattung und Fertigung

 

Das deutsche Modell war anders als der französische und britische Stahlhelm tief in den Nacken heruntergezogen und an den Schläfen gestuft, damit auch Stirn, Augen und Halsschlagader geschützt wurden. Die offizielle Bezeichnung des Helmes war Modell 1916 (M1916) In der Folgezeit wurden einige kleine Veränderungen vorgenommen, aber der Helm blieb bei verbesserter Legierung und Reduktion des Gewichts, auch im etwas flacheren Modell 35 für die Wehrmacht maßgeblich.

 


(Die an den Helmseiten hervorstehenden Bolzen dienten zum Einhängen des Stirnschildes für Beobachter zum Schutz gegen Scharfschützen. Diese Bolzen sind innen hohl, um eine Belüftung unter dem Helm zu schaffen.)

 

Der Stahlhelm wurde in 6 Arbeitsschritten aus einer 1,1 mm dicken Stahlplatte gefertigt. Eine Besonderheit sollten dabei die Ausstattung für die MG Schützen darstellen (5 % alles Stahlhelme), die mit einer zusätzlichen 1 cm dicken Platte an der Stirn (Stirnpanzer) ausgestatten werden sollten. Diese Neuerung stellte sich wegen der ungünstigen Gewichtsverlagerung zu einer Behinderung der Soldaten im Feld und so wurde diese Stirnplatte oftmals Zweckentfremdet und zur Verstärkung der Grabenwände benutzt.

 

 

 

Die Verbündeten Österreich-Ungarn und Bulgarien übernahmen nach kurzer Zeit den M1916 und auch die Piloten der deutschen Jagdflugzeuge gingen 1917 dazu über, anstatt der ledernen Fliegerkappe den M1916 zu tragen.

Die tiefe und markante Krempe des M1916 war oftmals Grund für Hörbeeinträchtigungen des Soldaten und sollte beim M1918 (Sondermodell) eigentlich ersetzt. Beim M1918 wurde an der Ohrenpartie ein Stück ausgeschnitten und somit den Soldaten das Hören erleichtert, doch erreichten die geringen Stückzahlen zum Ende des Krieges nur wenige Soldaten. Auch die türkische Exportversion mit einem "Sonnenschutz" in Form eines nach vorn gezogenen Schirms, konnte sich nicht durchsetzen. Grund war hier die Behinderung des Schirms bei den Panzerbesatzungen, die nicht mehr bzw. nur schwer durch die Sehschlitze damit sehen konnte.
Schon damals sah man die Möglichkeit eines Tarnanstrichs für die Helme gegeben (Befehl Oberste Heeresleitung vom Juli 1918 - "Buntfarbenanstrich"):

 


(Lt. Order II Nr. 91 366, die von General Ludendorff am 7.7.1918 unterzeichnet wurde, bekam dieser Helm eine Tarn-Bemalung in verschiedenen Farben, die durch fingerbreite schwarze Striche getrennt waren.)

 

Zwar noch etwas primitiv, entwickelte sich diese Anstrich in den 30er Jahren weiter und trug zum Schutz des Kopfes wesentlich bei. Ebenso die Ausführungen: "Adrian" (nach dem französischen General - im Dezember 1914 eingeführt) und "Brodie" (nach dem britischen Ingenieur John Brodie, auch MK I Helm genannt - im Sommer 1915 entwickelt), die durch diverse Modifikationen die Trage- und Schutzfunktion verbesserte.
Exportiert wurde der Helm vor allem in die Türkei und er bekam in der Nachkriegszeit bzw. der Weimarer Republik eine symbolische Bedeutung für die Freikorps, die in ihm eine Verkörperung von Kampfeswillen und alten (vor allem konservativen) Tugenden sahen:

 


(Zeichen des Bund der Frontsoldaten - gegründet Dezember 1918 als Sammelpunkt für konservative und republikfeindliche Elemente.)

 


 
Herstellerliste WK1-Stahlhelme (Kürzel)
Gebrüder Bing A.G., Nürnberg = G.B.N.
F.C. Bellinger, Fulda = B.F.
Gebrüder Gnüchtel A.G., Lauter i/Sa. = G.
Vereinigte Deutsche Nickelwerke, Schwerte i/Westf. = Ni.
R. Lindenberg A.G., Remscheid-Hasten = „Glockensymbol“ L.
Herm. Weissenburger & Co., Stuttgart-Cannstatt = W.
C. Thiel & Söhne, Lübeck = T.J.
Eisenhüttenwerk Thale A.G., Thale a/Harz = E.T.
Eisenhütte Silesia, Paruschowitz O/Schlesien = Si.
Siemens & Halske A.G., Siemenstadt bei Berlin = verschlungenes Symbol S und H
Körting & Mathissen, Stuttgart = kleines Dreieck + K
Berndorf, Österreich = Bär-Symbol bzw. „B“ auf Helmglockendach


(War in den Helmen zu finden.)

Einsatz

Weiterer Einsatz (Zweiter Weltkrieg)

 

Der Stahlhelm war ein Uniformstück an den man den deutschen Soldaten nicht nur sofort erkannte, sondern auch die Qualität deutscher Ausrüstungen zu bewerten wusste. Der Versailler Vertrag und seine Restriktionen, sorgten dafür, dass die meisten Stahlhelme aus dem Ersten Weltkrieg zerstört wurden und nur wenige noch heute zu finden sind. Der M 17 wurde später nachgebaut und fand bei Armee wie Polizei wieder Verwendung.
Das Modell von 1935 (M35) war leichter als das Gegenstück aus dem ersten Weltkrieg und aus einen Stück gepresst. Er sah dem M17 sehr ähnlich, war aber Funktioneller gestaltet und in vielen Aspekten aktualisiert worden. Die Helme wurden in fünf Größen hergestellt und wogen 0,82 bis 1,2 kg. Dazu ein leichter Helm aus Plastik für Offiziere und für die Paradeuniform hergestellt. Alle Helme hatten zwei Belüftungslöcher und waren Innen und Außen grau lackiert. Der M35 wurde während des Krieges mehrmals geändert und angepasst - jede Änderung ergab einen neuen Typ (siehe oben). Im Frieden und in den ersten Kriegsjahren waren 2 Plaketten an dem Helm angebracht, die eine Seite zeigte ein Schild mit den Nationalfarben und eine Plakette mit dem Reichsadler. Beide wurden ab 1943 eingespart. Natürlich spielte auch die Tarnung wieder ein Rolle und so wurden verschiedene Formen von Stoffbezüge hergestellt : Vom Tarnnetz über verschiedene Muster (Sand, Olivgrün und gepfleckt) bis zum Kalkanstrich im Winter.


M-35

Ging als Neuauflage des WK I Musterstahlhelms in Produktion und war vor allem in den frühen Dreißigern im Einsatz. Markant ist das stromlinienförmige Aussehen und die kleineren Ausmaße wie beim WK I Modell. Ausgeliefert wurde er erst 1936, weil er sehr beliebt im Ausland war und von dort vielfach bestellt wurde - mit Vorrang vor der Reichswehr! Bei der Exportvariante findet sich keine Herstellercode bzw. Produktionskennziffer im Helm, auch passte kein "deutsches" Innenfutter in den Helm.
Schnell erkannt wird der Helm durch sein nach innen gerollten Rand, den Lüftungslöchern an beiden Seiten und die jeweils an jeder Seite hohleingesetzte Niete. Auch hat der Helm eine nach hinten ausgehende ovale Form, der bei seinen Nachfolgern weniger ausgeprägt ist.

M-40

Dieser Stahlhelm hat die gleichen gerollten Ränder entlang der niedrigen Kanten wie sein Vorgänger. Dabei ist einer Verwechslung natürlich vorprogrammiert. Die Lüftungslöcher sind nun nicht mehr genietet (Senkung der Produktionskosten) und durch die Stanzung hat er eine etwas abweichende Form.

 

 

 

M-42

Diese Version wurde am meisten gebaut und ist am Verbreitesten gewesen (ist der heute noch am meisten gefundene Helm auch ehemaligen Schlachtfeldern - "Fundhelm"). Er wurde von 1942-45 produziert und hat anders als seine Vorgänger keinen gerollten Rand mehr. Nur so konnten die Produktionskosten niedrig gehalten werden und trotzdem eine steigende und schnelle Herstellung gewährleistet werden. Meistens hatte dieser Helm keine Abzeichen - ein Reichsadler ist nur selten auf ihm zu finden - ein Resultat der schnellen Produktion.

 

 



M-38 (Fallschirmjägerhelm)

Bei der Variante vom Modell 35 wurde der Augenschirm fast ganz weggelassen und der Nackenschirm, der am Rand umgebörtelt war, auf 1,8 cm Breite gekürzt. Der Nackenriemen wurde unter dem Kinn am Kinnriemen befestigt. Der Kinnriemen wurde auf Schläfenhöhe mit Karabinerhaken an Ösen, die an der Inneneinrichtung 31 befestigt waren befestigt. Der Nackenriemen wurde hinten am Helm ebenfalls mit Karabinerhaken an der Inneneinrichtung befestigt.

M-34 (Polizeihelm)

Quasi die verkleinerte Form des M17 mit Belüftungslöchern und niedrigen Nackenschirm. Ein Zwischenstück aus M-38 und M17. Das Wappen bestand aus einem grünen/silbernem Polizeiadler, mit schwarzem Hakenkreuz, mit einem grünen/silbernen Kranz auf schwarzem Untergrund.

Trageweise

Trageweise

 

 



Der Stahlhelm war so zu tragen, dass zwischen Kopf und Helm "ein Finger breit" Platz war, für eventuelle Einbeulungen des Helms durch Splitter. Der Rand des Augenschirms schnitt die Augenbrauen ab, der Stahlhelm M 18 war dabei leicht nach hinten geneigt, der etwas kleinere Stahlhelm M 35 wurde jedoch waagerecht getragen. Der Kinnriemen, aus schwarzem Leder, wurde normalerweise unter dem Kinn getragen, durfte aber auch auf dem Augenschirm getragen werden.

Gegenwart

Nachkriegszeit bis Heute

 

Nach dem Krieg verwendete die, zur Vermeidung von Reminiszenzen, den Amerikanischen Topfförmigen Stahlhelm, kehrte aber 1987 näherungsweise zur alten Form zurück, die auch bei den US-Streitkräften eingeführt wurde, bei denen dieser Stahlhelm den Spitznamen "Fritz" erhielt.

Der M1-Helm und mit seiner Topfform prägte noch langer die US-Armee und viele andere Länder der Welt. Erst seit den Konflikten in Vietnam und im ersten Golfkrieg, wurde die Form der Deutschen Stahlhelme als wohl effektivste und schützendste Lösung angesehen und in die neue Generation von Helmen eingepasst. Ende der 70er Jahre hatte dann aber der Stahl endgültig seinen Dienst getan und wurde durch den aus Kevlar bestehenden PASGT-Helm (US) und den GS Mk 6 aus Aramidfasern (GB) abgelöst. Der Stahlhelm war zwar weiterhin eine billige Alternative für mehreren Mitgliedsstaaten der NATO und des Warschauer Pakts bis in die 90er Jahre hinein, aber nicht mehr die beste Lösung. (Vor allem in Staaten der Fall, in denen die Wehrpflicht galt und wo deshalb eine größere Anzahl an Soldaten mit Helmen ausgestattet werden musste)

In den Armeen diverser Entwicklungsländer werden nach wie vor Stahlhelme verwendet.

 


(Der Bundeswehrhelm heute)


Quellen

James Lucas, Handbuch der Wehrmacht 1939-45, 2001.

http://de.wikipedia.org/wiki/Stahlhelm (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.erft.de/schulen/abtei-gym/remarque/helm.htm (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.balsi.de/Weltkrieg/Waffen/Au ... hlhelm.htm (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.history-revisited.de/detail/ ... -weltkrieg (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.zweiter-weltkrieg-lexikon.de ... ?f=8&t=648 (Letzter Zugriff 27.04.2010)
http://www.infobitte.de/free/lex/wpdeLe ... hlhelm.htm (Letzter Zugriff 27.04.2010)



Autor: Viper / Freiherr von Woye