Feindfahrtberichte Mittelmeer/ Gibraltardurchbruch U-103, IX-B, KptLt. Rollmann

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1 Jahr 8 Monate her #31 von Wolfpack
4. September 1940
7:30 Uhr

Fast zwei Stunden sind schon seit unserer unangenehmen Begegnung mit der Blenheim vergangen.
Seit einiger Zeit hat Berger auch noch den Kontakt zu unserem Ziel verloren.
Wir haben den Kurs etwas geändert, laufen aber immer noch in Richtung Port Said.
Ein verdammt großer Hafen mit viel Platz um jede Menge Tonnage in seinem sicher gut geschützten Innenbereich aufzunehmen.
Zudem kommt noch der Ausgang des Suez Kanals direkt daneben.



Ich mache mir so meine Gedanken.
Selbst wenn wir bis in unmittelbare Nähe der Molen und Kais kommen sollten, so haben wir trotzdem leider nur noch vier Aale an Bord.
Wenig genug, um sich bei einer Entdeckung erfolgreich zur Wehr setzen zu können. Falls das überhaupt möglich ist.
In Alexandria hatten wir Glück. Zweifellos.
Die Bewacher waren unaufmerksam und unerfahren.
Das muss in Port Said nicht zwangsläufig genauso sein.
Wir wurden schon eindeutig entdeckt und da drüben ist man jetzt gewarnt.
Das kommt noch erschwerend hinzu.
Also eventuell jede Menge Gelegenheit die Fische von unten zu betrachten. Und zwar von ganz unten.

Immerhin, wir haben ja ein nicht zu unterschätzendes Kriegsschiff erfolgreich angegriffen.
Mithin also unseren Befehlen eigentlich Genüge getan, nach denen Kriegsschiffe Priorität haben.
Ich glaube kaum, daß ich Schwierigkeiten bekomme,
wenn ich mit meinen verbleibenden Torpedos jetzt nur noch soviel Handelstonnage wie nur möglich versenke und die Finger von den Kriegsschiffen lasse.
Auch meine ich, daß die Besatzung für dieses mal genug geleistet hat.

Ich beschließe noch etwas näher an Port Said heranzurücken um auf Handelsschiffe oder eventuell auch auf einen Zerstörer zu warten.
Sollen die doch kommen. Und die werden kommen. Ganz sicher.
Das Hafengebiet sollen die ausspäen, die dafür vorgesehen sind.
Wir jedenfalls werden es diesmal nicht machen können.
Was aber auch nicht heißt, daß man nicht später, bei einer anderen Feindfahrt, wieder hier vorbeikommen kann.

Ich teile meine Gedanken mit Rogemann. Er sieht es ganuso.
„Ist schon recht so, Herr Kaleun, denke ich. Schließlich können wir ja beim besten Willen den Krieg nicht alleine gewinnen“, bestätigt er meine Auffassung.
„Dann also machen wir es so“, stelle ich fest.
„Geben Sie an die Besatzung durch, daß wir hier auf Beute warten werden.
Man soll die restlichen Aale nochmal überprüfen und auch alle Geräte und Maschinen.
Wir bleiben bis auf Weiteres getaucht. Gehen aber auf Seerohrtiefe um schnell aktiv werden zu können.
Berger und Holzbauer sollen bei Peilung unbedingt auch den gesammten Horchbereich überwachen.
Es könnte durchaus sein, daß eventuelle Frachter einen oder auch mehrere Begleiter haben.
Ich will auf alles vorberitet sein.“
„Jawoll Herr Kaleun“, bestätigt Rogemann und steigt danach in die Zentrale.

Ich beschließe, noch ein wenig den Maschinisten auf den Wecker zu fallen und verschwinde im Maschinenraum,
wo mich Feldwebel Wiegand mit einem breiten Lächeln empfängt.
„Na, Wiegand? Alles in Ordnung?“, stelle ich mehr fest, als das ich frage.
„Alle Diesel voll einsatzbereit. Laufen wie geschmiert, Herr Kaleun.
Machen Sie sich keine Sorgen“, gibt er mir die gewünschte Information.

8:21 Uhr
„Peilung auf 12°, Frachter, große Entfernung, kommt langsam näher“, meldet Holzbauer aufgeregt.
Er hatte kurz vorher von Berger übernommen.
Ich lasse das Seerohr ausfahren, kann aber noch nichts entdecken.
Die See hat sich merklich beruhigt. Kaum noch Dünung.
Die nächste halbe Stunde fahre ich den Spargel noch viermal aus und erst beim fünften mal, um 8:55 Uhr sehe ich ihn.
Ein großer Kerl, der da kommt.
„Holzbauer. Wie sieht die Umgebung aus?“, frage ich am Okular hängend.
„Nichts, Herr Kaleun. Keine weiteren Kontakte. Nichts weiter zu hören“, gibt er zurück.

Also gut, den schnappen wir uns. „Hart Steuerbord auf 240°, Klar bei Zweierfächer, Rohr 1 und 2 klar für Unterwasserschuss bei 4 Meter Lauftiefe.
Schnell und Aufschlagzünder“, bringe ich die Jungens in Wallung.
Ein feiner M-31 läuft da uns direkt vor die Rohre.
Göttlich. Er ist scheinbar ganz alleine auf weiter Flur.



Die Routinen laufen ab wie am Schnürchen und gipfeln im unvermeidlichen „Rohr eins und zwo, Looos“.
Da ist es wieder. Das unvergleichliche Geräusch der das Boot verlassenden Torpedos, die Tod und Verderben zum Gegner tragen.
„Zeit für Rohr eins..... drüber.
Rohr zwei“....KRABAAAM – „Treffer“.
Das übliche Hallo der Besatzung löst bei uns allen die Spannung.
Wir haben ihn genau vor der Brücke getroffen.





Nach einigen sehr langen Minuten hat der Gegner fast völlig an Fahrt verloren.
Große dunkle Qualmwolken streben weit himmelwärts.
Nur sinken will der Bursche nicht.
Ein Torpedo muss ein Versager gewesen sein. Ich glaube kaum, daß wir ihn vor dem Gegner vorbeigeschossen haben.

Ich lasse das Boot um den Angeschossenen herum auf dessen Backbordseite in Fangschussposition gehen.
Diesmal mit den Heckrohren. Da stecken nämlich unsere letzten beiden Schmuckstücke.
Wir bleiben jedoch weiter getaucht. Sicher ist sicher.

„Rohr 5 und 6, klar bei Unterwasser- Fächerschuss, Lauftiefe 4, Schnell und Aufschlag“.
Rogemann hat übernommen und zielt auf den Maschinenraum und auf den Bereich kurz vor der Brücke.
Nach erfolgtem Einschlag, bei dem der für die Brücke gedachte Aal ebenfalls nicht krepierte, beginnt der Dicke zu sinken. Na endlich.





Er sackt schnell über Heck weg.
Ich konnte zuvor noch einige Besatzungsmitglieder Rettungsboote und Schlauchboote wegfieren, bzw. ins Wasser werfen sehen.
Und tatsächlich haben recht viele der Besatzung die Versenkung wohl überlebt.







Ich werde diesmal nicht auftauchen und auch nichts zur Unterstützung der Schiffbrüchigen unternehmen.
Zu nahe sind wir an Port Said und zu gefährlich, da wir doch jederzeit und unerwartet von Flugzeugen angegriffen werden könnten.
Zeit für einen Notruf hatten die allemal und daher wird Rettung nicht lange auf sich warten lassen.
Also sind wir eigentlich die Gefährdeten und Gejagten.

Alle Aale sind raus. Verschossen.
„Neuer Kurs: Drei-Vier-Null, halbe Fahrt, neue Tiefe: vierzig Meter“, gebe ich Befehl zum Verlassen des Seegebiets.
Ich beschließe noch eine ganze Weile unten zu bleiben, um bestimmt auftauchenden Fliegern kein leichtes Ziel zu bieten.

Um 10.15 Uhr peilt Holzbauer ein schnelles Schraubengeräuch aus etwa der Richtung des versenkten Dampfers.
Sicher der befürchtete Zerstörer, der nicht allzuweit vielleicht auf der Lauer lag.

Wir gehen nun auf Kurs Drei-Null-Null.
Ich gebe Befehl, in etwa einer Stunde nach Rundumsicherung aufzutauchen, die Batterien zu laden und mit Halber Fahrt auf Heimatkurs zu gehen.
Bis zum Mittagessen werde ich mich aufs Ohr hauen.

Ich höre noch den Jubel der Männer, als Lt. Kopp die entsprechenden Anweisungen weitergibt und für die Besatzung nun klar wird, daß es nach Hause geht.
Mit diesem Eindruck schlafe ich ein.
__________________
Mit kameradschaftlichem Gruß
Kaleu Wolfpack
U-103, LSH3 V5

"Das muss das Boot abkönnen."
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