Feindfahrtberichte Mittelmeer/ Gibraltardurchbruch U-103, IX-B, KptLt. Rollmann

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1 Jahr 6 Monate her #16 von Wolfpack
25. August 1940
2:11 Uhr

Nach dem dritten oder vierten Marschlied erscheint der 2WO in der Zentrale und meldet einen Funkspruch vom BDU.
Auf meine Frage über den Inhalt zuckt dieser nur mit den Schultern und meinte bedauernd, es wäre ein Kommandantenspruch.
Ich schaue ihn erstmal ungläubig an und folge ihm dann in den Funkraum.
Dort angekommen schaut der Funker etwas betröppelt drein und reicht mir das Papier mit der Nachricht, zusammen mit der Enigma-Verschlüsselungsmaschine.
Wortlos nehme ich beides an mich und gehe in die Messe. Mal sehen was da so wichtig ist.
Scheint ein längerer Text zu sein. Ich beginne umgehend mit der Entschlüsselung des Klartextes.
Nach etwa 20 Minuten mühsamen Tippens liegt mir die Meldung nun vor.
Ich brauche noch eine Weile, um mir über den Inhalt so richtig klar zu werden.

An U-103, Kptl. Rollmann.
- Nehmen Sie unverzüglich Kurs auf Tunis.
- Weitere Befehle folgen vor Ort.
- Jegliche Feindberührung unbedingt vermeiden.
- Absolutes Stillschweigen gegenüber der Besatzung.
- 1. Offizier ausgenommen.
- Gez. Befehlstand der Unterseeboote.

Donnerwetter, was ist denn nun los? Wollen wir jetzt Krieg gegen Afrika führen?
Ach was. Ist ja nicht weit, also mal sehen was los ist. Einzig, wie bringe ich das jetzt der Besatzung bei?
Die haben sich ja schon auf einen, weiß Gott, verdienten Urlaub eingestellt.
Seis drum. Befehl ist Befehl. Ich bitte Leutnant Rogemann, meinen 1WO, zu mir und kläre ihn über den Funkspruch auf.
Der schaut darauf hin recht ratlos aus. "Wird ein bischen entäuschend für die Besatzung, Herr Kaleun", meint er.
"Egal, wir müssen nach Tunis, ob wir wollen oder nicht", gebe ich zurück.
"Lassen Sie nach meiner Ansprache an die Besatzung sofort den Kurs absetzen und mit Voller Fahrt Tunis anlaufen.
Ich will die Geschichte so schnell wie möglich hinter mich bringen, Sie Verstehen?", mache ich ihm klar.
"Jawohl, Herr Kaleun", verabschiedet er sich in Richtung Navigatorpult. Ich folge ihm in die Zentrale zum Bordsprechgerät.
"Alle mal herhöhren", beginne ich: "Wir haben soeben neuen Befehl erhalten.
Italien muss noch warten. Wir machen einen kurzen Abstecher nach Süden.
Ich kann ihre eventuelle Entäuschung verstehen, aber nicht gutheißen.
Befehl ist Befehl. Ich erwarte weiterhin absolute Hingabe und Einsatzbereitschaft.
Ende"
Daraufhin gehe ich in meine „Kajüte“ und lasse mir einen Kaffee bringen. Nur undeutlich nehme ich die Befehle zur Kursänderung durch den 1WO war.
Wieder bin ich mit meinen Gedanken allein. In gewisser Weise beneide ich meine Offiziere und Unteroffiziere.
Die können wenigsten unter sich ein wenig über unerklärliche Ereignisse beratschlagen.
Einem Kommandanten jedoch steht das nicht zu. Der muss alleine durch alles durch und alles so gut es geht berücksichtigen.
Nicht in allen Fällen kann ihm der 1WO beratend zur Seite stehen.
Nach und nach schlummere ich ein, wärend der Bordbetrieb seinen gewohnten Gang geht.

7:44 Uhr
Wir laufen jetzt seit 5 1/2 Std. mit voller Kraft. Ich habe mich gerade aus der Koje geschält und mich in die Zentrale begeben.
Nach Entgegennahme der Klarmeldungen der Stationen, entere ich auf die Brücke um mal Luft zu schnappen.
Kühle Luft und etwas Gischt macht mich schlagartig wach. "Guten Morgen, Herr Kaleun", begrüßt mich der 2WO.
"Morgen", gebe ich knapp zurück. Drüben ist schon Tunis zu erkennen und ich lasse die Kriegsflagge setzen.
Schließlich laufen wir in einen verbündeten Hafen ein und ich habe keine Lust von einem übereifrigen Italiener unter Beschuss genommen zu werden.





Im Morgendunst legen wir im Hafen von Tunis an.



Irgendwo in einer abgelegnen Ecke des Hafens. Keine Musikkapelle, keine Blumen, gar nichts.
Einzig ein paar Lamettaträger stehen auf der Pier und nehmen mich und meine Offiziere in Empfang.
"Willkommen in Tunis, Herr Kapitänleutnant Rollmann.
Herzlichen Glückwunsch zum famosen Durchbruch in Gibraltar", empfängt mich ein italienischer Offizier im Range eines Fregattenkapitäns in sehr gutem Deutsch.
Ich bedanke mich und als er meine fragende Mine bemerkt, erklärt er sofort: "Bitte, es handelt sich nur um einen kleinen Aufenthalt.
Die Besatzung und die Offiziere möchten bitte an Bord verbleiben und Sie, Herr Kapitänleutnant, möchte ich bitten, mir zu folgen", komplimentiert er mich zu einem bereitstehenden Wagen.
Mit einem Blick auf meine Offiziere und entsprechenden Anweisungen leiste ich der Einladung folge.

Nach einer sehr kurzen Fahrt machen wir noch innerhalb des Hafengeländes halt vor einem zweistöckigen Gebäude.
Wir gehen zügig hinein und ich bemerke zwei Wachen, welche bei unserem hineingehen salutieren.
Im zweiten Stock angekommen, treten wir nach kurzem Anklopfen und einem lauten "Herein" von drinnen in einen spärlich eingerichteten Raum,
hinter dessen Schreibtisch sich ein deutscher Offizier hervorbemüht und schnurstracks mit ausgestreckter Hand auf mich zugeht.
"Sie müssen Kapitänleutnat Rollmann sein, nicht war", begrüßt er mich mit einer Frage, die eher einer Feststellung gleichkommt.
Er schüttelt mir fest die Hand und noch ehe ich etwas entgegnen kann, fügt er hinzu:
"Tolle Sache, das mit dem Durchbruch. Meinen Glückwunsch. Ich bin Fregattenkapitän Laschke.
Herzlich willkommen in Tunis", beendet er die Vorstellung.
Auf meinen fragenden Blick hin beginnt er mit der Erklärung für unsere "Umleitung".
"Herr Kapitänleutnant, wir haben Sie für eine delikate Mission ausgesucht.
Wir, damit meine ich den BdU und die verbündeten italienischen Streitkräfte.
Ihr Boot wird soeben aufgetankt und Sie sollen noch heute Abend wieder in See stechen."

Ich will zu einer Antwort ansetzen, aber Fregattenkapitän Laschke wehrt ab. "Lassen Sie mal. Alles halb so wild.
Sie waren zufällig in der Nähe und wir brauchen ein unauffälliges, aber sicheres Transportmittel", steigert er noch meine Verwunderung.
"Sie sollen einen Passagier so schnell es eben geht nach Neapel bringen, sonst nichts.
Daher bekommen Sie auch bei uns keine Torpedos und keine Verpflegung.
Sie sollen, sobald die Nacht einbricht, sofort und mit voller Kraft nach Neapel aufbrechen und dort unseren Passagier sicher und wohlbehalten absetzen.
Es versteht sich von selbst, daß jegliche Feindberührung unterwegs zu unterbleiben hat.
Ihr Passagier ist ein wertvoller Mitarbeiter in Sachen Feindaufklärung. Bitte lassen Sie ihre Besatzung weitestgehend über die Identität unseres Freundes im Unklaren.
Geheimhaltung, etc, etc, Sie verstehen?, beendet er seine Erklärungen.

Ich komme gerade noch zu einem "Zu Befehl, Herr Fregattenkapitän", bevor er eilig auf eine andere Tür zu einem Nebenraum zustrebt und diese öffnet.
Mit einer Handbewegung bedeutet er mir zu folgen und im Nebenraum angekommen werde ich einem nett erscheinenden, hochaufgewachsenen Schwarzen, in tadelloser Kleidung vorgestellt.
"Darf ich vorstellen? Herr Amanuel Haile Nasser. Ihr Passagier", eröffnet mir Fregattenkapitän Laschke.
"Herr Nasser, das ist Kapitän Rollmann, Ihr Gastgeber für die Überfahrt".
Wir schütteln uns die Hände und ich bemerke, daß der Afrikaner bestimmt fast zwei Köpfe größer ist als ich.
"Herr Nasser hat wichtige Informationen aus Ägypten für unsere italienischen Freunde gesammelt", erklärt Fregattenkapitän Laschke.
Da sein Vater Ägypter und die Mutter aus Eritrea stammt, konnte er sich lange Zeit ungehindert in Agypten aufhalten und die britischen Bemühungen auskundschaften.
Also ein wichtiger Mann, wie Sie sicher zugeben werden. Aber im Grunde braucht Sie das ja nicht zu interessieren.
Liefern Sie den Mann ab und basta. Haben Sie verstanden, Kapitänleutnant?", fragt der Fregattenkapitän in typischem Befehlston der preußischen Offizierstradition.
"Zu Befehl, Herr Fregattenkapitän", höre ich mich selbst den Befehl bestätigen.

Nach ein paar Plaudereien um das Eis zu brechen, werde ich wieder verabschiedet und zurück zum Boot gebracht.
Um 20:00 Uhr soll Herr Nasser beim Boot eintreffen.
Auch das noch. Ein Spion an Bord. Und wir dürfen Taxi spielen. Na, wenigstens wird es eine kurze Taxifahrt sein.
Den fragenden Blicken meiner Offiziere und Maate gehe ich zunächst aus dem Weg. Ich weise an, meine Kabine zu räumen und für einen Gast herzurichten.
Danach kläre ich meinen 1WO und 2WO auf.
"Donnerwetter, Herr Kaleun, ein echter Spion? So mit Hut und Regenmantel?", meint mein 2WO.
Fast muss ich laut loslachen. Eine Phantasie haben die Jungens.
Ich erkläre, daß es sich um einen Schwarzafrikaner handelt und er für uns sehr wichtig ist.
Außerdem sei er sehr nett und spricht sogar etwas deutsch.

20:00 Uhr
Unser Gast ist pünktlich erschienen und etwas unbeholfen in unsere Boot eingestiegen.
Er hatte nur einen kleinen Rucksack dabei und trägt die Arbeitskleidung eines deutschen U-Boot-Fahrers.
Tolle Tarnung, bis auf die Hautfarbe. Naja. Ich habe ihm meine „Kajüte“ gezeigt und ihm bedeutet, wärend der Überfahrt hier zu bleiben.
Egal was geschieht.
Über die Gesichter der Mannschaft werde ich wohl noch in Jahren lachen müssen.
Gut möglich, daß der Eine oder Andere noch nie einen schwarzen Menschen gesehen hat.
Ich sags ja, Reisen bildet.

Im Übrigen will ich jetzt auch schleunigst verschwinden.
Wir wurden betankt und ansonsten scheinbar recht gut vom restlichen Hafengebiet abgeschirmt, ohne das es irgendwie aufällig gewesen wäre.
Jedenfalls haben sich kaum irgendwelche Arbeiter oder Fahrzeuge dem Boot genähert.
Besser so. Es könnte ja sein, daß sich unter den Hafenarbeitern ein paar britische Spione befinden.

20:50 Uhr
Wir laufen still und leise im Schutz der einsetzenden Dunkelheit aus.
Nach etwa einer Stunde ist von Tunis nur noch eine helle Kuppel und die Lichter der Stadt und des Hafens am Horizont zu erkennen.
Wir laufen mit Voller Kraft und schnurstracks in Richtung Neapel. Um 1:33 Uhr wird uns von der Brückenwache ein Fahrzeug aus ca. 85° gemeldet.
Egal, der sieht uns nicht und wir bleiben auf Kurs, ganz nach Befehl.

Unser Gast schläft und das nötigt mir Respekt ab. Normalerweise beschäftigen sich Landratten mit ihrem Mageninhalt, wenn sie mal zur See fahren.
Ich muss an meine erste Fahrt denken. Mit dem Kopf in einem Eimer, daß man meinen könnte, ich wollte den Boden des Eimers mit der Zunge aufwischen.
Dann hat man mir noch gesagt, daß ich aufpassen solle, wenn nichts mehr kommt und der "Braune Ring" hochkommen würde.
Nach meiner Frage, was denn der "Braune Ring" sei, bekam ich zur Antwort, daß es sich um den Anus handeln würde.
Schmunzelnd blicke ich weiter durchs Glas und beschließe die Nacht so lange wie möglich auf der Brücke zu verbringen.
Soll besser der 1WO in der Nähe unseres Passagiers bleiben. Die beiden können sich auf Englisch ganz gut unterhalten.
Mir ist da nicht so danach.

26. August 1940
6:38 Uhr

"Flugzeug auf 180°", große Entfernung", meldet die Brückenwache. Ich entere sofort auf und blicke in die angegebene Richtung.
Normalerweise hätte ich sofort Tauchen befohlen, aber ich sehe auf den ersten Blick, daß der da oben uns scheinbar nicht bemerkt hat.
Andernfalls hätte er sofort angegriffen und wir hätten ihn nur noch beim Anflug sehen können.
Vielleicht ist es auch ein Italiener.



Ich setze unsere Fahrt unverändert fort, denn das Flugzeug kommt schnell außer Sichtweite.
Mein 1WO erzählt mir, daß er ein schönes Gespräch mit unserem Gast hatte.
Lauter private Dinge. Kein einziges Wort über seine Aufgaben oder Informationen.
Verstand sich ja eigentlich von selbst.

14:01 Uhr
Die ganze Überfahrt hatten wir eine einzige Flaute und eitel Sonnenschein.
Soeben fahren wir in den Golf von Neapel ein und das lasse ich auch die gesamte Besatzung wissen. "Capri auf Steuerbord querab, Männer", gebe ich durch.
Ein vielstimmiges "Hurrah" kommt zurück.



15:01 Uhr
Endlich. Die Silhouette von Neapel kommt in Sicht.



Weit im Hintergrund kann man schon den Vesuv erkennen.
Die Freude über den bevorstehenden Landgang inklusive Urlaub und Auszeichnungen für Einige, steht jedem ins Gesicht geschrieben.
Mir auch. Wir werden neue Torpedos, Proviant und vielleicht auch neue Ausrüstung bekommen.
Aber zuvor erstmal ausspannen.
Nur das ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, was unsere neue Aufgabe im Mittelmeer sein wird, lässt mich meine Freude etwas verhalten empfinden.
Aber seis drum. Wir werden es sicher bald erfahren. Bis dahin soll die Mannschaft mal ruhig so richtig auf den Putz hauen.

15:26 Uhr
Wir haben festgemacht. Ohne großen Bahnhof und die üblichen Rituale.
Außer dem Einlaufbier. Das haben wir genossen. Unter uns, versteht sich, und direkt am Pier.
Unser Gast wurde direkt erwartet und abgeholt. Er hat sich sehr freundlich verabschiedet und während der Überfahrt keinerlei Anzeichen von Seekrankheit gezeigt.
Nicht schlecht, Herr Specht.
Schon kommt ein weiterer Wagen angefahren und man befiehlt mir, mich um Punkt 18:00 Uhr bei der Kommandantur zu melden.
Also bleibt wenig Zeit für Quartiernehmen und Hoffähig machen.
Unser Boot wurde von deutschen Technikern und Ingenieuren in Empfang genommen und nur der LI bleibt noch eine Zeitlang an Bord.
Der Rest strebt nun Richtung Quartiere, um vom Wasserlebewesen wieder zum Landlebewesen zu werden.
Wohl bekomms.

__________________
Mit kameradschaftlichem Gruß
Kaleu Wolfpack
U-103, LSH3 V5

"Das muss das Boot abkönnen."
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1 Jahr 6 Monate her #17 von Wolfpack
26. August 1940
16: 30 Uhr

Man hat mir ein Quartier in einem Hotel in der Innenstadt von Neapel zugewiesen. Recht laut, aber sehr schönes Zimmer.
Meine Sachen wurden schon ca. 20 Minuten nach meiner Ankunft im Hotel auf mein Zimmer gebracht. I
ch nahm ein Bad und bin im Begriff mich in meine Ausgehuniform zu kleiden. Die ganze Zeit muss ich an die doch seltsamen Umstände denken.
Zuerst nach La Spezia befohlen. Dann nach Tunis umgeleitet und nach Beförderung eines Passagiers unter höchster Geheimhaltung nach Neapel und nun ein eiliges Treffen in der Kommandantur.
Ob das etwas mit unserem Gast zu tun hat? Man wird sehen.

Um Punkt 19:30 Uhr holt mich eine Ordonanz mit einem Kübelwagen ab.
Nach etwa 20 Minuten sind wir bei der Kommandantur angekommen.
Äußerlich ein völlig nichtssagendes Gebäude.
Lediglich neben der Tür prangt ein Schild mit der Aufschrift: "Deutscher Marine Attachée".

Im dritten Stock angekommen, bedeutet man mir vor der Tür des Attachées Platz zu nehmen.
Man würde mich sofort aufrufen. Keine 10 Minuten später wird die Tür nach außen recht forsch geöffnet.
Heraus spaziert ein Mann im Anzug, mittleren Alters, groß gewachsen und mit blonden Haaren.
Seine Augen sind durchdringend blau und sein Gesicht wirkt angenehm symphatisch.
"Sie sind Kapitänleutnant Rollmann?", spricht mich der Herr direkt und forsch an.
"Mein Name ist Pohlmann, Marineattachée der Deutschen Kriegsmarine in Neapel.
Na, kommen Sie, kommen Sie, Der Herr Vizeadmiral wartet schon ungeduldig", winkt er mich zur Tür und gibt mir dabei einen festen Händedruck.
Ich komme gar nicht zu einer Erwiederung und stehe unvermittelt einem Viezeadmiral gegenüber, den ich noch nie zuvor gesehen habe.
Donnerwetter, ein Vizeadmiral in Italien, In Neapel. Was ist denn hier nur los?

Kaum eingetreten baue ich mein Männchen und bedeute mit einer bekannten Armbewegung, welche Höhe Heilkräuter erreichen können und rufe den entsprechenden Gruß dazu aus.
Der Herr Vizeadmiral tut es mir daraufhin gleich.
"Kapitänleutnant Rollmann wie befohlen, Herr Vizeadmiral",
mache ich meine Vorstellung gegenüber einem Mann von vielleicht 50 Jahren, uniformiert und mit Stirnglatze, der hinter einem recht großen Schreibtisch fast zu verschwinden droht.
Dieser schaut mich durchdringend an und bedeutet mir wortlos vor ihm am Schreibtisch Platz zu nehmen.
Ich komme der Aufforderung mit gemischten Gefühlen und etwas ungelenk nach.

Nach einiger Zeit und blättern in einer Akte wendet er sich unvermittelt mir zu und beginnt:
"Ich darf ihnen erstmal sehr herzlich zu Ihrem Durchbruch gratulieren, Herr Kapitänleutnant", spricht er mit einer schnarrenden Stimme, die eher zu einem Oberlehrer passen würde.
"Selbst an oberster Stelle beim BdU wurde Ihr Erfolg mit Achtung zur Kenntnis genommen."
"Vielen Dank, Herr Vizeadmiral", erwidere ich.
Ich wachse ein wenig und schlagartig wandelt sich meine leichte Unsicherheit in ein gelassenes Gefühl.
"Sie haben, wie ich lese, Probleme mit den Torpedos gehabt?", stellt er weiterhin fest.
"Sie waren der Meinug, daß dies auf schlampige Wartung und/oder mangelhafte Lagerung und/oder Fertigung zurückzuführen wäre?", doziert er scharf.
Donnerwetter, wie schnell das weitergeleitet wurde und wer da alles so schnell informiert wurde, denke ich bei mir.
"Na, lassen wir das", fähr er fort. " Der Grund warum wir uns hier treffen ist ein gänzlich anderer.
Sie sind das einzige Boot vom Typ IX hier im Mittelmeer. Ich werde Sie nun über Dinge in Kenntnis setzen, über die Sie selbstredend absolutes Stillschweigen zu halten haben.
Ihren 1. Offizier können Sie selbstverständlich über das Nötige einweihen, haben Sie verstanden?"
„Jawohl, Herr Vizeadmiral“, höre ich mich sagen.

Nachfolgend werde ich detailliert über die Lage im Mittelmeerraum in Kenntnis gesetzt.
Es scheint so, als ob die Italiener in Kürze irgendetwas in Afrika im Schilde führen. Näheres wurde mir aber nicht genannt.
Nur soviel, daß unserem Boot eine wichtige Aufgabe zukommt.
Wir sollen sobald als möglich ins östliche Mittelmeer laufen und dort zwischen Alexandria und Palästina vorzugsweise britische Kriegsschiffe angreifen.
Frachter sollen, aber nur bei direktem Antreffen, ebenfalls angegriffen werden. Entgegen der bisherigen Doktrien, haben aber Kriegschiffe als Ziel die absolute Priorität.

Es steht zu vermuten, dass Italien nach Ägypten und dem Suez-Kanal greifen will.
Es sei möglich, daß die Briten darüber informiert sind. Daher wird Deutschland vorsorglich vor Ort sein, um gegebenenfalls nicht alles den Italienern zu überlassen.

Man schätzt die italienischen Fähigkeiten nicht besonders hoch ein.
Es kann also sein, daß deutsche Beteiligung beim Dezimieren britischer Streitkräfte von Nöten sein könnte.
Ein U-Booteinsatz ist weniger auffällig, weil man nicht zweifelsfrei die Nationalität des Bootes bestimmen kann.
Daher kann Deutschland offiziell nicht mit einer Afrika-Aktion in Verbindung gebracht werden, wenn es nicht von Vorteil sein sollte.
Ich soll daher unter KEINEN Umständen irgendwelche Versorgungs-, oder Rettungsaktionen durchführen.
Hart sein im Interesse der Aufgabe ist das Gebot der Stunde.

Man sagt mir, daß meine Offiziere und Mannschaften morgen früh ihre verdienten Auszeichnungen erhalten und unser Boot innert 1 bis zwei Tagen einsatzbereit gestellt wird.
Es würde Tag und Nacht mit Hochdruck daran gearbeitet. Der ersehnte und verdiente Urlaub kann unter dem Zwang der Umstände nicht gewährt werden.
Die Mannschaft wird bereits dahingehend informiert. Es bleibt aber mir überlassen, der Besatzung einen brauchbaren Grund unter Respektierung der Geheimhaltung zu präsentieren.
Nach einer steifen Verabschiedung begeb ich mich direkt ins Offizierskasino um meine Offiziere zu treffen.

Diese sitzen mit etwas missmutigen Gesichtern an der Bar und begrüßen mich kleinlaut.
"Na, meine Herren", beginne ich, "keine so schöne Aussicht. Aber trösten Sie sich. Immerhin gibts Extrasold und einige Auszeichnungen.
Ist doch was. Denken Sie daran, daß wir eine Elite sind. Als Solche haben wir auch eine gewisse Haltung und Disziplin zu bewahren", vesuche ich die Stimmung aufzubessern.
Nach ein paar deftigen Flüchen und ein paar Grappas scheint sich die Stimmung zu lockern.
Hoffentlich nimmt der Rest der Besatzung es ähnlich hin. Ich brauche unbedingt ausgeruhte und motivierte Männer für diese Aufgabe.

Am nächsten Morgen erfolgt die Vergabe der Auszeichnungen im Dock beim Boot.
Der Herr Viezeadmiral macht es persönlich und mit einer flammenden Rede.
Gestandene Männer, Helden Deutschlands, der Stolz der Familie und des ganzen Reiches, Botschafter deutschen Willens und deutscher Überlegenheit, etc, etc, pp.
Die ganze Leier.
Ich kann mir nicht helfen, irgendwie wirkt die Rede. Der Mann hat Talent und Charisma.
Auslaufen soll Morgen, am 28. August sein. Das Boot sei bis dahin voll bestückt und auf Vordermann.

Der Herr Vizeadmiral nimmt sich lange Zeit und wechselt mit jedem der Jungs einige Worte.
Er tut das auf eine Art, die mir Respekt abzwingt. Ich hätte ihm nie und nimmer zugetraut, daß er so leutseelig und symphatisch den Ton der Männer trifft.
Alle sind danach regelrecht um 10 Zentimeter gewachsen. Wirklich famos, wie er das macht.
Mit Hochrufen wird er verabschiedet und wir Offiziere kümmern uns wieder um unsere jeweiligen Aufgaben.
Die Mannschaft bekommt bis zum nächsten Tag um 15 Uhr frei und ich ermahne alle nochmals, in einsatzfähigem und absolut einsatzbereitem Zustand zum Dienst zu erscheinen.

28. August 1940
23:32 Uhr
Leinen los. Kleine Fahrt Voraus. Wir laufen aus.
Alexandria, wir kommen. Wir wollen durch die Straße von Messina, südlich an Kreta vorbei, in Richtung östliches Mittelmeer laufen.
Nach einiger Zeit hat uns die Bordroutine wieder im Griff.
Die Männer berichten sich gegenseitig von ihren kurzen "Abenteuern" in Neapel und manche Geschichten sind bestimmt reine Erfindung, der jeweiligen Phantasie des Erzählers entsprechend.
Der Weg bis Messina dauert schon etwas und ich lasse sofort die Lager der Torpedoantriebe überprüfen.
Man sollte eben immer aus Erfahrung lernen.

29. August 1940
0:44 Uhr
Wir passieren Capri, diesmal an der anderen Seite.

1:40 Uhr
Bestimmt ein gutes Omen für unsere Fahrt in den Orient. Gleich zwei Halbmonde. Einer am Himmel, der Andere im Wasser.



Die Nacht vergeht ereignislos.
Ich mache mir Gedanken über das Erlebte und Gehöhrte.
Wenn das alles so stimmt, dann tritt für die Engländer eine unangenehme Situation ein.
Wenn die den Kanal verlieren, dann sind sie praktisch erledigt.
Die Luftwaffe bombardiert England sturmreif und es wir kaum noch Nachschub eintreffen.
Ohne den Suez Kanal sind sie endgültig erledigt. Ich kann mich einer freudigen Erregung nicht erwehren.
Endlich wird die arrogante Anmaßung der Briten ein Ende haben. Von wegen "Rule Britannia".
Nun wird auch das Empire den Weg aller Imperien gehen, welche nur von Erpressung und Auspressung leben.
Deutschland wird einen ganz neuen Weg für Europa gehen. Wir erleben den Beginn einer neuen Zeit.
Aber bis dahin werden sich die Tommies wie die Teufel wehren. Ich muss also mit zähen Gefechten rechnen.
Na wenn schon. Bis jetzt hat sich die Royal Navy nicht gerade mit außergewöhnlichem Ruhm durch bemerkenswerten Taten bekleckert und wir werden das Unsrige dazu tun, daß es so bleibt.

7:10 Uhr
Funkmeldung: Oblt. z.S. S. Topp hat drei Frachter und einen Tanker versenkt. Zusammen ca. 15.000 BRT.
Jawoll, Erich. Zeig‘s ihnen.

13:23
Vor uns kommt die Enge von Messina in Sicht. Wir bereiten uns auf die Durchquerung vor.



14:02
Mitten in der Straße von Messina erreicht uns die Nachricht, daß Kptl. Fritz Frauenheim das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz erhalten hat.
Meinen Glückwunsch.

Um 14:20 Uhr haben wir die engste Stelle der Straße ohne besondere Vorkommnisse passiert.
Die Leute auf den Fährschiffen haben uns kräftig zugewunken. Wir haben natürlich zurückgewunken.

Um 15:10 Uhr sind wir nun durch und streben mit Halber Fahrt dem Ausgang ins offene Mittelmeer zu.

Um 17:54 Uhr haben wir die Stiefelspitze hinter uns gelassen. Neuer Kurs: 156.
Nach weiteren 3 Stunden gehen wir auf Kurs 114 um genau zwischen Tobruk und Kreta ins östliche Mittelmeer zu fahren.

19:02 Uhr
Kptl. Frauenheim hat mit U-101 zwei Schiffe aus dem Konvoi OA204 versenkt.
Ein Teufelskerl.

30. August 1940
6:47 Uhr
Es ist herrliches Wetter. Spiegelglatte See. Sonnenschein und Badewetter.
Aber dazu haben wir keine Zeit. Man erwartet italienische Aktionen gegen Monatsende, spätestens jedoch in der ersten Woche im September.
Bis dahin will ich unbedingt vor Ort sein. Ich habe gegen Morgen für 2 Std. 30 Meter befohlen.
Ich möchte nicht, daß die Besatzung vergisst, daß wir auf einem U-Boot fahren.
Alles soweit zufriedenstellend.
Aber ich will noch schneller auf Tiefe kommen können. Daher beschließe ich diese Übungen zu intensivieren, bis wir in unserem Zielgebiet angekommen sind.





Um 11:02 Uhr meldet U-37 unter Kptl. Oehm die Versenkung der Sloop Penzancel und weiterer 6 Schiffe mit insgesamt 23.384 BRT.
Mein lieber Schieber. Alle Achtung.

Diese Meldungen haben ihre Wirkung. Die Besatzung und ich können es kaum noch erwarten endlich auch zum Zug zu kommen.
Vielleicht einen Flugzeugträger?
Es ist nun etwas nebelig geworden und auch eine leichte Bewölkung ist aufgezogen.
Ein Wetterwechsel? Wir werden sehen.

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Mit kameradschaftlichem Gruß
Kaleu Wolfpack
U-103, LSH3 V5

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30. August 1940
11:10 Uhr

Es geht nun stramm auf das Mittagessen zu.
Es soll wieder was Feines geben. Man darf gespannt sein.
Und tatsächlich gibt es Gänsekeulen mit allem Drum und Dran.
Eine Aufmerksamkeit für die Helden, kommentierte Smut Weinecker.
"Echte italienische Gänsekeulen. I muas die hold jezat mochn, sons datens schlecht wern, Herr Kaleun", erklärt er mit seinem kernigen bayrischen Dialekt.
Uns kanns nur recht sein. In der Messe hört man beim Mahl kaum Gespräche.
Es schmeckt einfach zu phantastisch.
Ich muss mich immer wieder wundern, wie man in so einem kleinen Kabuff wie der bordeigenen Kochniesche (und mehr als einen Niesche ist es wirklich nicht) solche Leckereien hinbekommt.

Mir sind natürlich die fragenden Blicke der Unteroffiziere und der Offiziere nicht entgangen.
Keiner von denen weiß bis jetzt den wahren Grund für die Urlaubssperre und die überstürzte neuerliche Feindfahrt.
"Tja, meine Herren", beginne ich umständlich, "der Krieg verlangt eben ab und zu Ausnahmen, was?"
Zustimmendes Gemurmel kommt zurück.
"Na, lassen Sie mal meine Herren.
Da wo wir hinfahren, werden wir schönes Wetter haben und reihenweise verschlafene und in alten Pötten herumgondelnde Royal Navy Angehörige baden schicken.
Nur auf die Flugzeuge müssen wir besonders achten. Aber auch die sind schon recht veraltet, wie man hört".
Der Versuch der Verharmlosung scheint einigermaßen zu funktionieren. Jedenfalls hat jeder ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht.

Nach dem Essen bedeute ich meinem Ersten noch ein wenig zu bleiben.
Ich erkläre ihm halblaut die Hintergründe, ohne jedoch die politischen Umstände zu schildern.
Nun ist sein Gesicht nicht mehr so zuversichtlich.
"Wenn das so alles passiert, dann bekommen wir aber einiges zu tun", meint er dann.
"Ich schlage vor, daß wir das Alarmtauchzeit noch verbessern", nimmt er meine Gedanken vorweg. Guter Mann.
"Achten Sie mir auch besonders darauf, daß die Freiwachen genügend Schlaf bekommen.
Wir müssen immer mit äußerst ausgeruhten Männern auf Gefechtsstationen gehen können", gebe ich ihm mit.

14:01 Uhr
Oblt. z. See S. Schnee hatte einen Torpedoversager beim Angriff auf einen Tanker, gibt der Funker durch.
Konnte aber ein anderes Schiff mit 1.401 BRT versenken.
Na, Kleinvieh macht auch Mist. Aber diese immer wieder auftretenden Torpedoversager sind ein Kreuz.

Um 18:00 Uhr kommt die Meldung, daß die französische Vichy-Regierung den Japanern das Besetzen und Benutzen von Häfen, Flugplätzen und Eisenbahnen in Nord-Indochina gestattet hat.
Der ganze Tag ging ansonsten mit Alarmübungen drauf.
Torpedomaat Rösch meldet, daß alle Aale soweit in Ordnung wären. Es konnten keine Schäden an den Lagern festgestellt werden.
So weit, so gut. Wenn wir uns mit Kriegsschiffen einlassen, dann brauchen wir auch verlässliche Muni. Sonst könnte es brenzlig werden.

Die Nacht und der folgende Morgen sind von Routine und Routineübungen bestimmt.
Wache wechselt auf Wache.
Die Freiwachen machen so gut es eben geht ein Nickerchen oder spielen Skat oder Schafskopf oder erzählen sich Geschichten, die sie bestimmt schon zum X-ten Mal gehört haben.
U-Boot Romantik eben.

Um 12:00 Uhr haben wir Tobruk passiert. Hier sollen wir bei Problemen Hilfe finden können.
Weiter östlich ist keine Versorgung vorgesehen. Wir nehmen direkten Kurs auf Alexandria.

20:10 Uhr
Frachter gemeldet. Alles springt auf seinen Posten.
Navigator Palter rechnet schon und bestimmt dessen Position auf etwa 10 Km südlich von uns. Kurs West.
Der ist für uns.
Kriegschiffe hin oder her. Tonnage ist Tonnage.
Außerdem braucht die Besatzung mal wieder Bewegung unter echten Bedingungen.
Daher befehle ich den Kurswechsel und lasse einen Abfangkurs einschlagen.
"So Männer", gebe ich durch, "jetzt sind wir wieder dran.
Eine halbe Flasche Bier für den, der mir den Zossen zuerst meldet".
Die Jagd hat uns wieder in ihrem Bann.

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1 Jahr 6 Monate her #19 von Wolfpack
30. August 1940
20:30 Uhr

Es ist schon recht dunkel geworden.
Man kann zwar noch recht weit sehen, aber durch die leichte Bewölkung lassen sich nun Rauchfahnen nur sehr schwer ausmachen.
Wir laufen mit Halber Fahrt auf unserem Abfangkurs und sollten den Gegner bald entdecken.
Ich überlasse die Brücke den Wachen und beschließe einen kleinen Rundgang zu machen.
Irgendwie merkt man doch, daß das dauernde auf den Horizont starren ziemlich müde macht.
Jedenfalls glaube ich zu bemerken, daß meine Augen immer schneller und in immer kürzeren Abständen überanstrengt sind.

Im Dieselraum angekommen meldet mir Maschinist Feldwebel Wiegand einen Schaden an einem Flansch der Kühlwasserleitung.
"Die Dichtung ist hinüber, Herr Kaleun", berichtet er mir. Auf meinen besorgten Blick hin beruhigt er mich mit den Worten:
"Das haben wir in null komma nichts repariert. Es tritt nur ein wenig Kühlwasser aus. Es hat Zeit bis nach dem Angriff, Herr Kaleun".

"FAAHRZEUG", empfängt mich der gellende Ruf einer Brückenwache, als ich gerade durch das Schott zur Zentrale steige.
"Frachter bei 270°", meldet die Wache weiter. Da ist er also.
Die Meldungen über Kurs und geschätzter Geschwindigkeit zugrundelegend, berechnet Obersteuermann Palter unseren Abfang und Angriffspunkt.

Wir laufen entsprechend parallel zum Gegner darauf zu.
Um punkt 21:00 Uhr heißt es einmal mehr:
"ROHR 1, LOOOS".
Durch das Seerohr konnte ich einen Großen Frachter ausmachen.
Was mich aber überraschte war, daß der Bursche bewaffnet ist.
An Bug und Heck jeweils ein 10cm Geschütz. Auf Deck und Aufbauten mehrere MG's verteilt.
Obwohl jetzt doch kaum noch Sicht, entschloss ich mich gegen einen Überwasserangriff.
Man muss ja nicht leichtsinnig werden.

"RRRUMMS", Treffer.
Aber sinken will der Kerl nicht. Es hat ihn am Bug erwischt und er verliert zusehens an Fahrt.
Die Besatzung läuft hektisch an Bord herum und versucht Rettungsboote und Schlauchboote klar zu machen.
Die Geschütze und MG's sind nun nicht mehr besetzt.
Fangschuss?
Ich überlege kurz. Nein. Wir machen es mit der 10,5er.
Es ist dunkel genug und ich glaube kaum, daß da drüben einer an das Beschießen eines U-Bootes denkt.
Die sind alle mit dem eigenen Überleben beschäftigt.

"Auftauchen", befehle ich.
Gurgelnd stößt unser Turm durch die Wasseroberfläche.
"Auf Gefechtsstationen, Decksgeschütz besetzen", geht der Befehl raus.
Von der Brücke aus beobachte ich das Geschehen.
"Auf Wasserline zielen, möglichst nicht auf die Seeleute", ermahne ich die Geschützbedienung.

Nach einer kurzen Serie von Einschlägen beginnt der Frachter über Bug zu sinken.
Scheinbar haben uns doch einige der Seeleute entdeckt. Sie wollen zu uns rüberrudern und schwimmen.
Ich befehle Kleine Fahrt Zurück.
"Tackata-tackata-tackat-tackata", rumpelt der Diesel.
Nach und nach kommen die Schiffsbrüchigen außer Sicht.
Ich drehe ihnen nicht unsere Seite zu, damit sie unsere Silhouette nicht ausmachen können.
Wir haben ja Befehl, auf keinen Fall unsere Nationalität preiszugeben.
Also auch keine Samariteraktionen. Die müssen nun mal selbst sehen, wie sie klar kommen.
Nicht sehr christlich, aber notwendig.

Wieder ertappe ich mich dabei, wie ich meine Backenzähne aufeinander reibe.
Mir gefällt sowas nicht. Aber ich habe keine Wahl.
"Befehl ist Befehl", erinnere ich mit der Schulter zuckend meinen 1WO an unsere Aufgabe.
Ein bischen sage ich es aber auch zu mir selbst.

"Wenn wir außer Sicht sind, dann lassen Sie wieder auf Kurs gehen", verziehe ich mich von der Brücke und gehe direkt in die Messe.
In der Zentrale ist man bester Laune.
Wieder ein Erfolg für U-103.
Dem Funker schärfe ich nochmals ein, keine Meldungen abzusetzen. Wir stellen uns einfach stumm.
Funksignale kann man anpeilen und wir sind ja, wie gesagt, nicht hier.

23:53 Uhr
Wir sind zwischenzeitlich mit nur einem Diesel gefahren.
Nun ist der Flansch wieder klar und wir laufen wieder mit beiden Dieseln und Halber Fahrt weiter auf Alexandria zu.

31. August 1940
2:01 Uhr
U-32 unter Oblt. z. See S. Jenisch hat den Kreuzer Fiji beschädigt.
Dieser war Teil eines Kampfverbands, bestehend aus dem Kreuzer Devonshire, dem Schlachtschiff Barham und vier Zerstörern, welche aus der Firth of Clyde ausliefen.
Die Fiji musste wieder zurück nach Clyde.
Gut gemacht, Jenisch.

4:21 Uhr
Meldung über feindlichen Frachter. Kurs West, langsam und ca. 20Km NNW unserer Position.
Wir gehen ran.
Da es langsam hell wird, beschließe ich mit Voller Fahrt zu laufen.
Wir sind schon in einer Gegend, in der wir mit verstärkter Lufttätigkeit der Briten rechnen müssen.
Daher möchte ich den Kerl im Sack haben, bevor es richtig hell wird.

__________________
Mit kameradschaftlichem Gruß
Kaleu Wolfpack
U-103, LSH3 V5

"Das muss das Boot abkönnen."
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1 Jahr 6 Monate her #20 von Wolfpack
31. August 1940
4:58 Uhr

Ich habe die ganze Zeit auf der Brücke verbracht.
Seltsam, aber man kann einfach die Erregung der Jagd nicht unterdrücken.
Es ist schon wie eine Sucht. Nein, eher wie ein Instinkt.
Ein Urinstinkt, der von einem Besitz ergreift. Wie ein Raubtier, welches die Schweißspur der Beute gewittert hat.
Unerbittlich, selbst die Gefahr für sich selbst wird hintenan gestellt.
Plötzlich greift eine Routine nach dem eigenen Dasein, welche höchtste Befriedigung verschafft.
Nur die Gedanken an die notwendigen Vorbereitungen, das im Geiste abspulen von denkbaren Szenerien und Abläufen und ähnliches beherrscht das eigene Dasein.
Alles reduziert sich auf das Eine: Der tödliche Schlag. Das Reißen der Beute.
Das Hochgefühl, wenn die Beute zur Strecke gebracht wurde und man seine von der Natur vorgegebene Rolle erfolgreich gespielt hat.
Es gibt einem ein Gefühl der Sicherheit.
Einer universellen Sicherheit, welche den Unterschied zwischen Leben und Tod auf zwei Seiten der gleichen Medaille reduziert.
Am Ende also den Schrecken von Leid und Tod auf etwas Vertrautes reduziert.
Eigenartige Gedanken bemächtigen sich einem.

Da, im Morgennebel scheint etwas aufzutauchen. Mein 1WO und der Zweite haben es zeitgleich mit mir entdeckt.
Quälend langsam schälen sich Umrisse aus dem Nebel am Horizont.
"Ein Prachtstück, Herr Kaleun", meint der Zweite. In der Tat. Es sieht aus wie ein größerer Pott.



5:07 Uhr
"Flugzeuge auf 180°. Sehr große Entfernung", reißt mich die Meldung der Wache aus meinen Überlegungen.
Ich schaue sofort nach Achtern in Richtung der angegebenen Sichtung.
Ganz weit am Horizont, leicht überhöht. Zwei kleine schwarze Punkte ziehen in Richtung Osten hinter uns vorbei.
"Scharf beobachten", weise ich den Gefreiten an. "Melden Sie sofort, wenn die Maschinen die Richtung wechseln, oder wenn Sie sie aus den Augen verlieren."
"Zu Befehl, Herr Kaleun", bestätigt der Mann.

Ich vermute, daß sie uns nicht sehen können, da der Morgennebel unsere ohnehin schon kleine Silhouette bestimmt mit dem Meer verschmelzen lässt.
Ich lasse den gewohnten Parallelkurs anlegen und werde den Frachter, wie gehabt, ausdampfen und dann stellen.
Die Flagge war noch nicht auszumachen, aber das kommt noch.

6:01 Uhr
Wir laufen seit fast einer Stunde parallel, etwa 6 bis 7Km querab, voraus.
Nun lasse ich auf Kurs 0 gehen, AK Voraus und nach Erreichen der Position für den Angriff auf Seerohrtiefe.
Ich will ihn von seiner Backbordseite mit den Bugrohren angehen.
"Alle Maschinen STOP", gebe ich aus.
Nach einiger Zeit treiben wir nur noch mit ca. 1KN dahin.

Seerohr raus.
"Das wird aber ein böses Frühstück für den Tommie, was Männer", gebe ich in die Runde.
Schulterklopfen und zustimmendes Raunen signalisiert mir, daß es meinen Männern nicht anders geht als mir.
Hoffentlich ist es auch ein Tommie.



6:26 Uhr
Ziel nun auf 65°. Noch keine Flagge erkennbar.
Eine erste Messung der Gegnerfahrt ergibt 6KN. Er dampft fleißig auf uns zu.
Ich schaue nochmal und meine, eine englische Flagge zu erkennen.



6:37 Uhr
Ein Engländer. Eindeutig.
Jetzt gilt es. Ein schöner fetter M39 Frachter.
117 Meter lang und mit 9,3 Meter Tiefgang. Da geht jede Menge Ladung rein.

"Rohr 1, fertig für Unterwasserschuss.
Aufschlagzünder, Lauftiefe 4 Meter. Schnellläufer", geht der Befehl an die Torpedomannschaft.
"Eingestellt", kommt es zurück.
"ROHR 1 --- LOOOS".

Wieder tickt die Uhr.
Der Zeiger läuft auf die errechnete Zahl auf der Uhr zu und.... Jetzt, jetzt, jetzt.... Na? ...und darüber hinaus. Verd...
----RRRRUUUUUMS, mit einem Schlag atmen wir alle auf.
Torpedotreffer. Hurrahh, Hurrah, wir haben ihn", jubeln die Männer und wir tanzen wie die Kinder in der Zentrale.
Schnell ein Blick durchs Seerohr. Öha, fast vorbei. Junge, Junge.
Wir haben ihn gerade noch am Heck erwischt.



Er verliert an Fahrt. Aber von Sinken keine Spur.
Von Bewaffnung kann ich nichts erkennen. Einen Moment denke ich an die 10,5er, verwerfe diesen Gedanken aber.

Mir gehen die gesichteten Flugzeuge nicht aus dem Sinn.
Was ist, wenn die uns doch gesehen haben, aber nicht mehr genügend Sprit hatten?
Die hätten ihre Kollegen rufen können, welche vielleicht schon auf dem Weg zu uns sind.
Nein. Ich beschließe einen Unterwasserfangschuss.
Also lasse ich unser Boot wenden um den Heckrohren die Ehre zu geben.
Mann Gottes, die alten 2er Boote hatten vorne weniger Aale, als wir hinten.
Donnerwetter.
Rohr Sechs darf nun zeigen was es kann.
Kurz vor der Brücke schlägt der Aal ein.



Langsam aber sicher sinkt der Große nun über Heck in die ewige See.
Vorausgegangen sind ein paar Explosionen, welche sich wie die Explosion von großkalibrigen Projektilen anhörten.
Scharf und knallend. Wieder ein Muni-Transport?





Durch das Seerohr kann man die gespenstische Szenerie gut verfolgen.
Wieder verzweifelte Matrosen, welche versuchen ihr Leben zu retten.
Nun ist der Frachter verschwunden, aber im Wasser, in Schlauchbooten und Rettungsbooten haben doch recht viele überlebt.
Ich klappe die Griffe ans Seerohr und lasse es einfahren.
"Beide E-Maschinen Halbe Fahrt, Hart Backbord. Wir gehen wieder auf alten Kurs.
Lassen sie uns noch eine Stunde im Keller und danach schauen Sie, ob die Luft rein ist.
Achten Sie besonders auf Flugzeuge. Erst dann Auftauchen und mit Halber Fahrt weiter auf Kurs", instruiere ich meinen 1WO.
"Sie finden mich bis auf Weiteres in meinem Quartier".
"Jawoll, Herr Kaleun"

11:01 Uhr
Diese Flugzeuge gehen mir nicht aus dem Kopf.
Kommen die von Landbasen? Von Trägern? Ich muss ab jetzt noch vorsichtiger sein.

Gerade kommt die Meldung, daß Kptl. Matz von U-59 einen Torpedoversager hatte.
Er konnte zwar 2 Frachter mit zusammen 7.451 BRT versenken, aber ein weiterer kam davon, weil der blöde Aal nicht detonierte.

Um 11:35 Uhr läuft uns ein War-Melody fast von selbst vor die Rohre.
Der 1WO macht kurzen Prozess mit ihm.
Ich war nicht mal in der Zentrale.
Im Nachhinein muss ich schon sagen, daß das ein wenig leichtsinnig von mir war.
Wenn der Angriff fehl gegangen wäre, dann würde man mir die Hölle heiß machen.
Na, hat ja geklappt.
Stolz wie Nachbars Lumpi kommt Rogemann in die Messe.
Ich schaue ihn mit leichtem Grinsen an.
"Na, Rogemann? Wie war‘s?"
"Phantastisch, Herr Kaleun. Der Kerl kam mir genau vor die Rohre. Ein prachvoller War-Melody.
Ich habe ihn genau getroffen. Und...BUUUMMM... hat es ihn erwischt", erzählt er mir Bildhaft wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal ein Feuerwerk beschreibt.
"Sehr gut, Rogemann, sehr gut", lobe ich ihn. Je mehr wir abschießen, je schneller ist der Krieg zu Ende.
Sie machen ihre Sache gut, Rogemann. Nicht lange und Sie werden Ihr eigenes Boot bekommen.
Nutzen Sie jede Gelegenheit hier an Bord, um Erfahrungen zu sammeln.
Sie werden Ihnen später von großem Nutzen sein", doziere ich.
"Das mache ich, Herr Kaleun und vielen Dank", freut sich der Junge immer noch begeistert von seinem Erfolg.

Nach dem Mittagessen um 12:30Uhr gehe ich auf die Brücke.
"Na Männer, wie stehts", gebe ich leutseelig in die Runde.
"Alles ruhig, Herr Kaleun", kommt es zurück.
"Aufpassen, Männer, aufpassen", ermahne ich die Leute.

12:50 Uhr
FLUGZEUGE IM ANFLUG, AUF 80 GRAD,
ALAAARM", brüllt eine der Wachen.
Als ob ich‘s im Urin hatte. Wir schauen in die angegebene Richtung.
Da sind sie. Verdammt, verdammt.
"DREI MAL WAHNSINNIGE VORAUUUUS, LOS, LOS, LOS, ALLES RAUS AUS DEN MASCHINEN", schreie ich nach unten.
Der 1WO fährt fort: "ALLES AUF GEFECHTSSTATIONEN, DIE FLAKGESCHÜTZE BESETZEN, NACH KLARMELDUNG FUER FREI AUF ANFLIEGENDE FLUGZEUGE, BEEILUNG MÄNNER, BEEILUNG".

Man kann richtig spüren, wie unser Boot einen Satz nach vorne macht, als wir auf Wahnsinnige gehen.
Für Tauchen ist es zu spät gewesen. Die hätten uns garantiert erwischt. Jetzt kommt es auf die Flakschützen an.
Da kommen sie. Zwei Swordfisch Doppeldecker, fast genau von Steuerbord fliegen sie uns direkt an.
Jetzt wird es brenzlig. Wir ducken uns so gut es geht hinter die Schürze.
BAM, BAM, BAM, BAM... hämmert die Flak los.
PACK, PACK, PACK PACK..., fällt die Kleine mit ein.
Da..., den Ersten hat es an den Tragflächen erwischt.
Er montiert ab und rollt über seine linke Tragfläche und explodiert.

Schon haben unsere Schützen die Zweite im Visier.
Wieder rattern die beiden Kanonen los. Mir hämmert das Herz in der Halsschlagader und der Mund ist wie ausgetrocknet, bemerke ich.
Da..., BUUUUM, hat es den Zweiten erwischt. Er rollt über die Linke Fläche und stürzt in unsere Richtung.
Das kann knapp werden. Hoffentlich erwischt er uns nicht noch.
Nein, er schlägt gut 100 Meter entfernt auf die Wasseroberfläche.
Sechs tapfere Männer haben den Heldentod gefunden.
Für Mitleid ist wenig Platz. Es hätte uns genauso erwischen können.
Besser die als wir.







Ein Hoch auf unsere Schützen.
"Tadellose Arbeit", lobe ich die Männer.
Ich lasse unsere Geschwindigkeit auf Halbe Fahrt zurück nehmen und den Kurs auf 90° ändern.
Wo zwei sind und nicht zurückkommen, könnten andere folgen.
Besser, wenn wir aus dieser Ecke verschwinden.
Die Flakbesatzung lasse ich in Bereitschaft.

Um 13:20 Uhr haben wir gestoppt. Die See liegt noch ruhig und ich will die Zeit nutzen.
Trotz der erhöhten Fliegergefahr habe ich beschlossen, die äußere Reserve jetzt ins Boot zu holen.
Es ist nicht mehr weit bis Alexandria und dann werden wir bestimmt keine Zeit zum Umladen haben.
Alle Geschütze sind besetzt und die Männer geben alles, um schnell fertig zu werden.

Um 16:00 Uhr können wir unsere Reise fortsetzen.
Alles wie gehabt nur eben wieder auf Kurs Süd-Südwest.

U-47, U-65 und U-124 erhalten den Befehl auf das Geleit SC2 zu operieren.
Dieses besteht aus sage und schreibe 53 Schiffen aller Größen.
Am 6.9.1940 soll der Aufnahmepunkt erreicht sein. Weiteres erfolgt über K-Sprüche.
Mein lieber Freund, das wird aber ein Schlachtfest. Fast könnte man neidisch werden.

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Kaleu Wolfpack
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1 Jahr 6 Monate her #21 von Wolfpack
31. August 1940
17:00 Uhr

Bis zum Abendessen wollte ich mich eigentlich ein bischen in meine Koje zurückziehen.
Die Seeluft hier oben auf der Brücke hat mich hungrig und schläfrig zugleich gemacht.
Ich sollte mir ein paar Gedanken über meine Strategie machen. Wann?, Wohin?, Warum?, usw.

Natürlich muss mir wieder irgendetwas einen Strich durch die Rechnung machen.
Urplötzlich geht unsere Fahrt zurück. Rogemann und ich schauen uns ratlos an. Nanu?
"LI, was ist mit der Fahrt?", frage ich nach unten. "Ach verdammt", denke ich laut und rutsche in die Zentrale.
"Nun LI, was ist los?", frage ich. "Keine Ahnung Herr Kaleun, ich...", weiter kam er nicht.
Mit hochrotem Kopf kommt der Maschinist Wiegand in die Zentrale. Als er mich erblickt, erstattet er mir direkt Meldung:
"Melde Herrn Kaleun, Steuerbord-Diesel außer Funktion".
"Das habe ich auch bemerkt, Wiegand, und weiter?", gebe ich ungeduldig zurück.
Schrallke und ich schauen uns an, als Wiegand umständlich fortfährt:
"Ich habe natürlich noch keinen Überblick, Herr Kaleun, aber es sieht leider ganz so aus, als ob ein Pleul gebrochen ist".
"Ein Pleul?", frage ich ungläubig. "Das gibt es doch wohl nicht, Wiegand, wie kann denn ein Pleul brechen? Sind Sie sicher?", frage ich etwas lauter und ungehalten nach.
"Herr Kaleun, ich kann natürlich erst nach einer genaueren Inspektion des Schadens etwas genaueres sagen, aber ich fürchte es ist so", bestätigt Wiegand.

Der LI, der zwischenzeitlich dazugekommene 1 WO Rogemann, Wiegand und ich gehen zusammen zu den Dieseln.
Ich habe stoppen lassen, damit man sich auch verständigen kann.
Selbst bei Halber Fahrt macht der in Funktion verbliebene Diesel sonst einen Heidenkrach.
Dort angekommen hängen schon zwei Gefreite mit den Köpfen sozusagen im Salat.
Als man uns bemerkt, meldet einer dem Maschinenmaat Wiegand, daß in der Tat ein Pleul am zweiten Zylinder gebrochen ist.
"Es hat vielleicht den Kolben auch mit erwischt, Herr Feldwebel", erklärt er.
"Was heißt das Schrallke?", frage ich schroff und ungehalten den LI.
"Können wir das reparieren, Schrallke?", frage ich fordernd.
"Ja..., doch, Herr Kaleun, wenn die Zylinderlaufflächen nichts abbekommen haben, dann können wir mit Bordmitteln reparieren.
Aber es wird schon etwas dauern. Wir müssen..."
"Wie lange werden Sie brauchen, Schrallke", unterbreche ich ihn.
Schließlich ist er der Ingenieur und ich will hier keinen Kursus in Motorentechnik absolvieren.
"Herr Kaleun, das kann ich nicht genau sagen, aber wir müssen mit etwaaa...sagen wir 5 bis 8 Stunden rechnen.
Je nachdem, ob der Zylinder was abbekommen hat, oder nicht. Wenn der Riefen hat, dann...", lässt er den Rest unausgesprochen.

Ich kann es mir vorstellen. Dann ist Rückmarsch angesagt. Verdammt.
"Fangen sie gleich an, meine Herren. Und machen Sie Druck dahinter, aber keine Schlampereien, verstanden?", kürze ich die Besprechung ab.
Mit einem fast beleidigten Gesichtsausdruck setzt Schrallke zu einer Erwiderung an, die ich mit einer Handbewegung im Keim ersticke.
"Schon gut Schrallke, ich weiß ja, dass Sie alle ihr Bestes geben und Schlamperei hier nicht vorkommt. So war es ja nicht gemeint.
Ich verlasse mich auf Sie alle meine Herren", erkläre ich mich laut und deutlich.
"Ich lasse Tauchen. Dann liegt das Boot ruhig und wir werden von den Fliegern nicht aufgeklärt.
"Zu Befehl, Herr Kaleun", bestätigen mir die Herren, nun schon etwas weniger beleidigt.

Das hat uns noch gefehlt. So ein Mist. Pleulschaden. Lächerlich.
Wann hat man schon mal davon gehört.
Ein Gutes hat es. Solange die Jungens beschäftigt sind, habe ich etwas Zeit, mir über unser weiteres Vorgehen klar zu werden.
Mit diesen Gedanken gebe ich die entsprechenden Befehle und verziehe mich wieder, mit einer nochmaligen Ermahnung zur Wachsamkeit, in meine Koje.
Der Appetit ist mir nun gründlich vergangen.
Als Leutnant Rogemann kurz danach an meinem Kabuff vorbeikommt, instruiere ich ihn auf 60 Meter zu gehen und dann zu stoppen.
Wer weiß wie lange die Reparatur dauert.
Jedenfalls möchte ich keinen unnötigen Strom für die E-Maschinen verbrauchen.

In meiner Koje finde ich auch keine Ruhe zum Nachdenken.
Außerdem kommt es schlecht an, wenn der Kommandant scheinbar duselt, während fieberhaft am Beseitigen eines Maschinenschadens gearbeitet wird.
Also gehe ich in die Messe und setzte mich in "meine" Ecke.
Ich lasse mir vom Smut ein paar belegte Brote, nebst Kaffee machen und von Obersteuermann Palter die Karte von Alexandria geben.
Beim Essen konnte ich schon immer am besten Nachdenken.

Also wie war das?
Bei dem Treffen in Neapel haben wir natürlich auch ausgiebig über die Lage in Afrika und deren Bedeutung im Zusammenhang mit der Gesamtlage gesprochen.
Nach den Berichten "unseres Gastes" haben die Engländer in Afrika fast nur Einheiten aus Australien, Neuseeland und Indien stationiert.
Daher wohl auch der große Anteil australischer und neuseeländischer Frachter hier in der Gegend.
Desweiteren soll es ja angeblich zu einem Angriff Italiens auf Ägypten kommen.
Das wiederum würde bedeuten, daß von Libyen kommend, die Italiener schnell an Alexandria herankommen werden.
Somit müssten die Engländer weiter zurück nach Suez verlegen.
Wie ich die kenne, nicht ohne heftige Rückzugsgefechte.
Also wird der Engländer auch Vorbereitungen für einen schnellen Abtransport von Einheiten über See vorsehen.
Ein zweites Dünkirchen möchten die sicher nicht erleben.

Um einen eventuellen Rückzug zu schützen, bedarf es massiven Schutzes durch Seestreitkräfte. Schlachtschiffe, Träger, und so weiter.
Es würde mich also nicht wundern, wenn da bei Alexandria, außer Truppentransportern, zurzeit auch ein paar Dickschiffe liegen.
Da meine Befehle eindeutig und primär den Angriff auf Kriegsschiffe vorsehen, sollte ich das also abklären.
Über die Anwesenheit von großen Kriegschiffen konnte (oder wollte) der Eritreer keine Angaben machen.
Alles Makulatur, denke ich mir, wenn wir wegen Maschinenschaden jetzt wieder zurücklaufen müssten. So eine Sch.....!

Mittlerweile hat mir Smut Weinecker zwei schöne Stullen mit Presskopf gemacht.
Sehr würzig. Dazu ein Kaffee, der allerdings seinem Namen nicht verdient. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles.
Ich schaue mir die Karte von Alexandria an. Ganz schön ausgedehnte Hafenanlagen. Mein lieber Schieber.
Die werden das alles zu schützen wissen.
Ich bin eigentlich kein Freund von Aktionen ala Prien. Der hat nur Glück gehabt.
In meinen Augen hat er unnötig das Leben seiner Besatzung aufs Spiel gesetzt.
Zugegeben, die Royal Oak hat es erwischt, aber das hätte auch völlig anders ausgehen können.

Hier bei uns liegt der Fall aber anders.
Wir SOLLEN gezielt gegen Kriegsschiffe vorgehen.
Also muss ich dahin, wo ich sie vermute. Wenn es sein muss, bis hinein in die Häfen.

Ich lasse Rogemann holen und setze ihm meine Gedanken mit gedämpfter Stimme auseinander.
Er schaut mich zunehmend ungläubiger an und nachdem ich geendet habe beginnt er er ebenfalls leise:
"Herr Kaleun, sie haben wirklich vor in Alexandria einzudringen? Das wird ein heißes Stück Arbeit.
Wenn alles wie geplant klappt, dann hagelt es aber Belobigungen. Aber ist das nicht alles zu riskant?"
Ich nehme verwundert zur Kenntnis, daß Rogemann keineswegs annimmt, ich hätte den Verstand verloren.
Ganz im Gegenteil. Er scheint geradezu Feuer und Flamme zu sein.
Sein Gesichtsausdruck zeugte also nicht von Unglauben, sondern von Begeisterung.
Ich überlege nun, wer von uns beiden der Verrückte ist.

"Wir werden es so machen", beginne ich.
"Wir schleichen uns nach Einbruch der Dunkelheit so nahe es eben geht getaucht heran.
Dann stoppen wir und beobachten die ganze Nacht die bestimmt vorhandenen Sicherungsfahrzeuge.
Wir werden genau registrieren und protokollieren, wie die einzelnen Zerstörer, usw. kreuzen.
Ich will genau deren Fahrt, Fahrtwechsel, Patrouillenrouten und Wachwechsel wissen. Praktisch alles.
Wenn bei den Heinis da auch nur einer Schnupfen hat und sich die Nase putzt, dann will ich wissen, wann er das tat und wo und in welche Tasche er sein Taschentuch gesteckt hat.
Haben Sie das verstanden, Rogemann?", versichere ich mich.
"Vollkommen, Herr Kaleun. Sie wollen gewisse wiederkehrende Muster erkennen und entsprechend reagieren", erfasst Rogemann die Aufgabe mit Bravour.
"Genau, Rogemann. Sauber erkannt", freue ich mich ob seiner hervorragenden Auffassungsgabe.
"Was natürlich am wichtigsten ist, sollten keine lohnenden Ziele, und damit meine ich ausschließlich große Kriegsschiffe, im Hafengebiet liegen, dann ziehen wir uns wieder zurück.
Es kann auch sein, daß diese weiter draußen warten und wir sie unter Umständen erst gar nicht bemerken.
Aber wir werden ja sehen. Wie sieht es eigentlich mit den Aalen aus", lenke ich kurz auf ein anderes Thema.

"Wir haben im Heck je einen T1 und T2 in den Rohren.
Dann noch je einen in Reserve. Vorne haben wir insgesamt 8 T1 und zwei T2, von denen einer in Rohr 3 steckt.
Ich dachte mir, daß es nicht schaden kann, wenn wir für einen eventuellen Zerstörerangriff einen E-Torpedo schussbereit haben", berichtet Rogemann.

Ich nicke ihm langsam und bestätigend zu und reibe mir mein Kinn.
Genau so hätte ich es auch gemacht.
Es scheint mir wirklich langsam an der Zeit, daß der Mann sein eigenes Kommando erhält.
Noch ein oder zwei Feindfahrten und dann ist er soweit für den abschließenden Lehrgang.
Eins steht fest. Ich werde ihn sicher schmerzlich vermissen.
Er ist nicht nur gut. Er ist außerdem noch sozusagen auf meiner Wellenlänge.
Das ist nicht bei allen Booten so.

Ich reiße mich wieder aus meinen Betrachtungen über Leutnant Rogemann und wende mich wieder unserer Aufgabe zu.
"Also, so machen wir‘s. Vorausgesetzt, Schrallke bekommt unsere Diesel klar.
Bedenken Sie, daß die Mannschaft dann absolute Disziplin braucht, während wir auf der Lauer liegen.
Ich schlage vor die Freiwachen zwangsweise zum Schlafen zu verdonnern und das auch zu kontrollieren.
Nicht das die am Ende in den Kojen Witze erzählen und dabei laut lachen, oder ähnliches", instruiere ich den 1 WO.
"Geht klar, Herr Kaleun", bestätigt er.
"Holen Sie Obersteuermann Palter und instruieren Sie ihn hier in der Messe mit dem Notwendigen.
Muss ja nicht jetzt schon jeder alles mitkriegen.
Er soll sich schon mal Gedanken machen, wie wir am besten auf Alexandria zulaufen und sich mit den Gegebenheiten anfreunden".
Damit gehe ich mit einem Blick auf die Uhr und der Anweisung dem LI zu sagen, daß er mir sofort Meldung machen soll sobald er mehr über den Pleulschaden weiß,
in Richtung Koje um jetzt doch eine Mütze Schlaf zu nehmen.
Es ist jetzt Punkt 18:00 Uhr.

Je mehr ich darüber nachdenke, je klarer sehe ich die Sache.
Es wird in jedem Fall nicht einfach, wenn auch nicht unmöglich.
Auf dem Weg zur Koje reicht mir der Funker eine Meldung.
Oblt. z. See, S. Topp, hat 3 Schiffe mit insgesamt 24.088 BRT versenkt.
Ein weiteres wurde torpediert.

Ich haue mich aufs Kissen und bin kurz darauf eingeschlafen.

Laute Stimmen wecken mich und mit einem Blick auf die Uhr stelle ich fest, daß ich ganze 2 Stunden geschlafen habe.
Eine Ewigkeit.
Ich schlage den Vorhang zurück und sehe Schrallke, wie er eben mit ölverschmierten Händen durch das Schott kommt.
"Nun", frage ich ihn auffordernd.
"Noch mal Glück gehabt, Herr Kaleun. Der Zylinder ist völlig in Ordnung. Jedenfalls kann man keine Riefen feststellen.
Allerdings ist das Pleul hinüber. Genau oberhalb des Lagers zur Kurbelwelle abgerissen. Der Kolben ist scheinbar nicht beschädigt.
Ich werde ihn aber trotzdem austauchen.
Es ist jetzt 20:00 Uhr. ich denke, so um 2 Uhr können wir die Diesel wieder anlassen", berichtet Schrallke stolz.
"Gut Schrallke, sehr gut. Weitermachen", lobe ich ihn lächelnd und erleichtert.
Er lächelt zurück und mit einem freudigen "Jawoll, Herr Kaleun" verschwindet er wieder in der Zentrale mit marschrichtung Maschinenraum.

Ich bestelle mir einen Kaffee und gehe in die Messe.
Zuvor habe ich Rogemann und Palter auch in die Messe bestellt.

"Und?", beginne ich zu Palter gerichtet.
Ja, Herr Kaleun. Im Prinzip kein Problem. Wir laufen am besten direkt drauf zu.
Dann würde ich etwa 50 Kilometer vor dem Hafengebiet tauchen und bis auf 10 Kilometer heranpirschen.
Am besten noch bei Tageslicht. Dann sollten wir eventuelle Bewacher gut erkennen und einen guten Überblíck über die Situation im Hafen haben.

Was mir aber Sorgen macht, ist die geringe Wassertiefe.
Wenn wir auf Seerohrtiefe sind, dann bleiben uns nur ca. 5 Meter unterm Kiel.
Auch haben wir keine Informationen über Minensperren.
Einmal in unmittelbarer Nähe zum Hafen angekommen, spielen wir "Toter Mann" und haben die ganze Nacht Zeit, die Routinen der Bewacher auszuspähen.
Entsprechend können wir dann unser weiteres Vorgehen planen", beendet Obersteuermann Palter seine Ausführungen.
"Was meinen Sie, Herr Kaleun?", fragt Leutnant Rogemann.

"Da haben sie beide sich ja schon einen schönen Schlachtplan zurechtgelegt", freue ich mich über die Begeisterung der beiden.
"Aber was ist mit den Fliegern? Sind wir nicht zu Nahe, wenn wir beispielsweise kurz vor dem Tauchen erspäht werden?
Dann werden uns die Zerstörer aber gehörig aufs Dach steigen, meinen sie nicht, meine Herrn", kritisiere ich den Plan.
"Nein, ihre Vorgehensweise halte ich für gut.
Lediglich müssen wir schon vorher auf Tiefe gehen und sobald wir mit den Reparaturen fertig sind, mit Höchstgeschwindigkeit auf Alexandria zulaufen.
Minen sind vermutlich kein Thema.
Der Hafen wurde erst kürzlich ausspioniert und man hat keine Hinweise auf Minensperren gefunden.
Jedenfalls müssen wir schon früher in den Keller. So bei mindestens 80 Kilometern vor dem Hafen. Wenn nicht noch früher.
Bereiten Sie alles soweit vor. Das ist vorläufig alles, Herr Obersteuermann", entlasse ich den Navigator.

Zu Rogemann gewandt, fahre ich fort:
"Wenn der LI fertig ist und er den Steurborddiesel wieder klar meldet, dann lassen Sie auftauchen und mit Großer Fahrt unseren direkten Kurs fortsetzen.
Dann werden Sie, der LI, Obersteuermann Palter und die besten Rudergänger sowie die besten Waffen- und Maschinenmannschaften in einen langen Schlaf verfallen.
Wenn es drauf ankommt, und das wird nicht mehr lange dauern, dann will ich die besten Männer ausgeruht auf ihren Posten wissen.
Das wird kein Spaziergang", beende ich die Besprechung.
"Zu Befehl, Herr Kaleun", verabschiedet sich der 1 WO.

Es ist nun kurz vor 21:00 Uhr.
Ich gehorche mir selbst und lege mich wieder aufs Ohr.
Immer wieder spiele ich im Gedanken unser Abenteuer durch.
Solange, bis der Schlaf mich übermannt und ich mich mit gemischten Gefühlen aus der Realität verabschiede.

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1 Jahr 6 Monate her #22 von Wolfpack
01. September 1940
03:00 Uhr

Wie gewünscht, weckt mich mein 2WO nach ganzen sechs Stunden festem Schlaf.
Total erschlagen reibe ich mir die Augen und stelle verwundert fest, daß mein rechter Arm eingeschlafen ist.
Außerdem fühle ich die rechte Seite meines Allerwertesten nicht. Auch eingeschlafen.
Ich muss wohl die letzte halbe Stunde in einer unmöglichen Position geschlafen haben.
Komischerweise passiert das letztzeitlich immer öfter.
Ich habe einen mords Hunger. Aber es gibt erst um sechs Uhr Frühstück und ich will den Smut nicht um seinen verdienten Schlaf bringen.
Also stiefel ich unaufgeräumt höchstselbst in Richtung Kombüse und finde in der Nähe aufgehängt einen Schwung geräucherter Dauerwürste.
Ich schneide mir eine ab und beiße herzhaft hinein.
Mmmh...schmeckt. Ich sags ja, in der größten Not, schmeckt die Wurst auch ohne Brot, denke ich mir schelmisch.

Kauend komme ich zurück in die Zentrale und lasse mich vom 2WO ins Bild setzen.
"Alle wie befohlen in den Kojen, Herr Kaleun. Der LI ist so vor etwa 2 Stunden verschwunden.
Er meldete, daß alle Maschinen wieder klar sind.
Der 1WO hat daraufhin Auftauchen befohlen und an mich übergeben.
Die Diesel liefen sofort an und danach ist auch er in seine Koje marschiert.
Sonst keine Vorkommnisse, Herr Kaleun", beendet er die Lagemeldung.
"Gut, 2WO, gut", nicke ich mit vollem Mund.
Nach einem kurzen Blick auf den Kartentisch schlucke ich runter und entere auf die Brücke.
Die Nacht ist schwarz und eine kühle Briese treibt mir die letzte Schläfrigkeit aus den Knochen.
Aaah... das tut gut. Das Meer ist fast vollkommen flach, aber es scheint bewölkt zu sein.
Jedenfalls kann man kaum Sterne sehen. "Guten Morgen meine Herren", begrüße ich die Männer.
Der Gruß kommt zurück, aber keiner nimmt seine Augen vom Fernglas.
So ist es auch richtig. Auf Wache wird nicht wegen Förmlichkeiten der Dienst vernachlässigt.
Ich stecke mir den Rest der Wurst in den Mund und kaue vor mich hin.
Ich bemerke das leichte Feixen der Männer. So nach dem Motto: "Guck mal der Alte".

Nach etwa einer halben Stunde Seeluft steige ich wieder ins Boot und beginne mit einem Rundgang.
Alles tadellos.
Aus dem Torpedoraum dringt durchdringendes Schnarchen.
Ich schaue nur kurz rein und decke einen der jüngeren Gefreiten zu.
Er hatte sich regelrecht freigestrampelt. Die reinsten Säuglinge.
Danach gehe ich direkt in den Dieselraum und erkundige mich interessiert nach dem Sorgenkind.
"Brummt wie neu", bekomme ich zu hören.
Na, wenigstens etwas. Zurück in der Zentrale widme ich mich den Karten und stelle verschiedene Berechnungen an.
So gehen die Stunden zwischen Kontrollieren, Rechnen und den Männern auf die Nerven gehen dahin.
Nach einem ausgedehnten Frühstück, zusammen mit dem 2WO, beschließe ich bis zum Erwachen des 1WO und des LI auf der Brück zu bleiben.

Punkt 7:00 Uhr, es ist schon recht hell, als die Beiden sich wieder zum Dienst melden.
Ich gehe in die Zentrale. "Na, Wiegand. Haben Sie ja sauber hinbekommen.
Ohne Sie wäre es mit unserer nächsten Unternehmung wohl Essig gew...."
"ALLAAAARM", brüllt die Wache von oben.
"Flugzeug im Anflug", mit diesen gebrüllten Worten kommen die Jungs schon einer nach dem anderen in die Zentrale gefallen.
Der Befehl zum Alarmtauchen muss nicht erst gegeben werden. Das läuft automatisch ab.
Der LI steht wieder hinter seine Männern und überwacht alles.
Von den achteren Abteilungen stürmen, die Männer in den Bug.
Ein geschepper und gestampfe ist das jedesmal. Man hat immer Angst, daß sich einer den Schädel am Schott anhaut.
Das Boot geht schnell runter, so schnell es eben mit einem IXer geht.
Von oben kommt das gefürchtete Geräuch von Flugzeugmotoren, das alles andere im Boot zu überdecken scheint.
"Eine Blenheim aus 20°, ganz tief. Wir haben sie erst im letzten Moment sehen können, Herr Kaleun", kommt die Meldung.
Schon rattern Bordwaffen, aber das metallische, tackernde Geräusch von Kugeln die auf Metall treffen bleibt aus.
Unwillkürlich ziehen wir alle die Köpfe ein. Ein Reflex.
Der erwartete Einschlag von Bomben bleibt ebenfalls aus.
Mittlerweile ist der Flieger über uns weg und wir sind dabei von der Wasseroberfläche gänzlich zu verschwinden.
Hoffentlich sind wir bald auf ausreichend Tiefe, denke ich mir. Der kommt bestimmt zurück und dann wird er uns beharken.
Kritisch schaue ich auf die Tätigkeiten der Männer in der Zentrale. Das Boot steht mittlerweile so schräg, daß sich jeder irgendwo festhalten muss.
"30 Meter gehen durch", kommt die erlösende Meldung vom LI.
Bei 40 Metern schüttelt uns ein gewaltiger Schlag einer Explosion heftig durch, gefolgt von einer Weiteren.
Schadensmeldungen bleiben aus. Der hat scheinbar nicht gut gezielt.
Weitere Ereignisse bleiben aus.
Scheinbar hat der da oben wieder kehrt gemacht und fliegt nach Hause, oder will in einiger Entfernung kreisen.

"Herr Kaleun", beginnt der Fähnrich der die Brückenwache hatte,
"Eine Bristol Blenheim aus 20° im Tiefflug. Es war noch zu diesig um sie früher ausmachen zu können.
Sie hat uns trotz voller Aufmerksamkeit überrascht", beendet er seine Ausführungen.
"So", versetze ich streng. "Sie wurden also überrascht, was?,“ stelle ich mehr fest, als ich frage.
Zu allen Anwesenden in der Zentral gewandt erkläre ich:
"Überrascht zu werden ist des U-Bootfahrers Tod, meine Herren".
Mir ist völlig klar, daß die da oben nicht gepennt haben.
Wahrscheinlich war der Pilot und dessen Besatzung genau so überrascht wie wir.
Der hat bestimmt nicht mit dem plötzlichen Entdecken eines U-Boots gerechnet, als er vermutlich als Übung tief über die See dahinbrauste.
Daher auch das offenbar fehlgegangene MG-Feuer.
Als er dann wendete um uns richtig anzugehen, waren wir schon so gut wie abgetaucht.
Trotzdem hatten wir bestimmt wahnsinniges Glück.
"Danke Fähnrich", entlasse ich den Jungen Mann wieder zu seinem Dienst.
Mittlerweile sind wir auf 60 Meter und setzen unsere Fahrt getaucht fort.

Ich beschließe die Mannschaft um Punkt 10:00 Uhr über die Bordsprechanlage über unser Vorhaben zu informieren.
Teil der "Ansprache" wird auch die unbedingt erforderliche Aufmerksamkeit der jeweiligen Wachen sein.
Wenn die Blenheim eine Kamera an Bord hatte, dann wissen die Briten in Kürze, daß ein deutsches U-Boot auf direktem Kurs nach Alexandria ist.
Und selbst ohne Kamera werden die ihre Meldung machen. Ich beschließe daher, bis zum Einbruch der Nacht getaucht zu bleiben.
Danach laufen wir mit Volldampf aufgetaucht weiter. Jetzt aufzugeben macht auch keinen Sinn. Dann könnten wir genausogut wieder nach Neapel zurücklaufen.

01. September 1940
22:00 Uhr
Wir sind aufgetaucht und laufen nun mit voller Kraft.
Meine kleine Ansprache von heute Morgen hat Eindruck auf die Besatzung gemacht.
Wie auch nicht. Schließlich haben wir schon ein Husarenstück vor.
Ich denke, von nun an sind die Jungens alle auf dem Posten.
Wenn jetzt noch was passiert, dann wird es sicher nicht an den Männern liegen.
Bis 01:00 Uhr üben wir noch zweimal Alarmtauchen und genaue Tiefe halten. Sicher ist sicher.
Wir schaffen das IXer in 30 Sekunden auf 35 Meter. Das muss nunmal reichen.
Normalerweise ist das schon ein sehr, sehr guter Wert.
Aber 25 Sekunden, wie bei den IIVern ist reine Illusion.

02. September 1940
01:30 Uhr
Funkmeldung über Frachter, Kurs NNW, in etwa 50KM.
Ich beschließe die Meldung überhört zu haben.
Um den soll sich jetzt ein anderer kümmern.
So kurz vor Erreichen der gestellten Aufgabe, werde ich keinen Umweg mehr machen.
Der Rest der Nacht vergeht ohne weitere Vorkommnisse.

6:00 Uhr
Beim Frühstück veranlasse ich, daß bei eventuellen weiteren Flugzeugangriffen die Flak zum Einsatz zu bringen ist.
Aber nur, wenn es ein oder zwei sind. Sind es mehr, dann ab in den Keller.
Daher soll die erste Flakmannschaft immer in Sekundenbereitschaft bleiben.
Wir können bei einer eventuellen erneuten Sichtung unseres Bootes sonst davon ausgehen, daß der Hafen von Alexandria für uns nicht mehr angreifbar sein wird.
Die einzige Alternative ist der Abschuss der Aufklärer.
Als hätte ich es geahnt, sollte mein Befehl sich sehr bald als salomonisch herausstellen.

Um 10:38 Uhr passiert uns eine Swordfisch an Steuerbord.
Sie dreht bei und greift uns von schräg oben im Sturzflug an. Unsere beiden Flak hämmern los.....!!!
An der Backbordtragfläche getroffen, schmiert die Swordfisch über ihre Steuerbordseite ab.





Mit einer höllischen Explosion zerschellt sie auf der Wasseroberfläche.



Zum Teufel, war das knapp. Hut ab vor dem Piloten.
Der ist direkt in unser Abwehrfeuer geflogen. Mit offenen Augen und ohne zu zögern.
Sind schon schneidige Jungens, die englischen Piloten. Zweifellos.
Hoffentlich hat er vorher keine Meldung abgesetzt. Die Ungewissheit macht einem zu schaffen.
Mich wundert nach wie vor, daß noch keine Kriegsschiffe aufgetaucht sind.
Sind die sich nicht sicher, ob wir tatsächlich hier draußen sind?
Haben die nicht genug Zerstörer, um auf ein einzelnes U-Boot Jagd zu machen?
Fühlen die sich so sicher, daß sie einem U-Bootangriff beruhigt entgegensehen können?
Ich zermartere mir mein Gehirn und komme doch zu keiner Gewissheit.
Daher beschließe ich, es einfach darauf ankommen zu lassen. Ich habe ja doch keine Wahl mehr.
Wenn ich jetzt abbreche, dann finde ich keine plausible Erklärung, die mir das Kriegsgericht ersparen würde.
Wenn alles klar geht, dann werden wir heute Abend bei Anbruch der Dunkelheit in Sichweite von Alexandria sein...

__________________
Mit kameradschaftlichem Gruß
Kaleu Wolfpack
U-103, LSH3 V5

"Das muss das Boot abkönnen."
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1 Jahr 6 Monate her #23 von Wolfpack
2. September 1940
12:00 Uhr

Die Spannung wächst.
Ernste Gesichter meiner Offiziere sehen mich an.
Keiner sagt auch nur ein Wort. Wir sitzen in der Messe und man könnte eine Stecknadel fallen hören.
Da--jetzt ist es passiert.
Der Smut und sein Gehilfe erscheinen in der Messe und tischen uns Frankischen Sauerbraten mit Knödeln und Rotkohl auf.
Schlagartig kommen alle in Bewegung. Anerkennende Kommentare lassen unserem Weinecker ein stolzes Lächeln über das Gesicht gleiten.
Als er mich anblickt, zwinkere ich ihm aufmunternd und anerkennend zu.
Weinecker ist ein Segen fürs Boot. Was er so zurechtmacht ist wirklich einzigartig.
Wohlgemerkt, unter diesen Umständen, welche ja eine wirklich gute Küche nicht gerade begünstigen.
Trotzdem schafft er es immer wieder, zumindest am Anfang der Feindfahrten, eigentlich kaum haltbare Zutaten für seine Kreationen zu verwenden.
Die Mannschaft und auch ich wissen das mehr als zu schätzen.
Es ist nun mal unglaublich wichtig, daß die Verpflegung stimmt.
Sie hat einen unmittelbaren Einfluss auf Moral und Gesundheit der Besatzung.

Die Gespräche beim Essen sind heute eher belanglos.
Das übliche: "Wussten Sie schon....?" Antwort: "Nein, ach das ist ja interessant!"
Oder:"Also ich mache immer...?" Antwort: "Na, bei Ihnen wundert mich das auch nicht!"
Ansonsten widmet sich jeder diesem fränkischen Wunder. Und das mit Recht.

Beim Nachtisch komme ich auf die Lage zu sprechen.
"Nun meine Herren? Sind alle Stationen für unser Vorhaben auf Vordermann? Wie sehen es die Männer?", beginne ich das Thema.
Der LI beginnt: "Alles klar, Herr Kaleun. Meine Männer sind bestens vorbereitet und auch motiviert.
Ein paar Junge sind noch etwas unsicher, aber die Alten haben das im Griff."
"Ich kann das nur bestätigen, Herr Kaleun", setzt der 1WO hinzu.
Natürlich wird unser Unterfangen, sagen wir mal, als nicht gerade Alltäglich eingestuft.
Aber die Grundhaltung ist eher so, daß man es den Teetrinkern mal so richtig zeigen will", erläutert er.
"Na, dann ist ja alles soweit klar", stelle ich fest.

"Wir gehen noch heute ran, meine Herren. Ich erwarte erste Sichtungen von Sicherungskräften um etwa zwanzig Uhr, also wenn es beginnt dunkel zu werden.
Bei der ersten Sichtung gehen wir in den Keller und schleichen uns langsam ins Hafengebiet.
Danach stoppen wir und studieren die Feindbewegungen ganz genau.
Je nach Lage und Gegebenheiten, werden wir gegen Morgen zuschlagen und uns danach, die Verwirrung des Gegners ausnutzend, wieder fein säuberlich herausschleichen.
Lassen Sie alles was irgendwie Krach machen könnte entsprechend sichern.
Also, es kann los gehen", hebe ich das Mittagessen und die Besprechung auf.
Die Männer verabschieden sich zu ihrem Dienst.

Schön einfach hörten sich meine Ausführungen an. Praktisch ein Spaziergang.
Das es alles Andere als ein Spaziergang wird, weiß ich nur zu gut. Der LI und der 1WO wohl auch.
Aber sie zeigen es mit keiner noch so kleinen Regung oder lassen irgendeinen diesbezüglichen Kommentar vom Stapel.
Sie wissen genau bescheid.

15:01 Uhr
Funkspruch.
Das OKW gibt bekannt: Im Monat August 1940 wurden insgesammt 92 Schiffe mit 397.229 BRT versenkt.
Allein die U-Bootwaffe hat davon 56 Schiffe mit 267.618 BRT versenkt.
Eine schier unglaubliche Zahl. Wer soll uns eigentlich noch aufhalten?

15:35 Uhr
Meldung über Funk: Die USA haben den Briten 50 Zerstörer überlassen.
Nachdenklich gehe ich mit der Meldung aufs Örtchen.
So, so, das neutrale und so gar nicht kriegswillige Amerika überlässt also ganze 50 Kriegsschiffe den Briten.
Wenn die einmal damit anfangen, dann werden die auch weitermachen, denke ich mir. Na, hoffentlich nicht.

20:43 Uhr
Die Brückewache hat mich nun seit etwa einer Stunde ertragen müssen.
Es beginnt dunkel zu werden und wir haben noch keine Sichtung.
Haben am Ende die Flugzeuge doch keine Meldung gemacht?
Oder haben deren Vorgsetzte den Berichten keinen Glauben geschenkt? Oder, oder, oder...Ich rufe mich innerlich zur Ordnung.
"Herr Kaleun?", fragt einer der Männer.
"Mmmh", raune ich zurück.
"Herr Kaleun, ich bin mir nicht sicher aber.....", beginnt er zögernd.
"Nu was denn", gebe ich ungehalten und gedehnt zurück.
"Herr Kaleun, da ist was. Da auf etwa 260°, kurz über der Kim", berichtet er unsicher.
Ich stelle mich neben ihn und schaue in die angegebene Richtung.
Tatsächlich, da wandert ein Punkt am Horizont entlang. Er scheint uns backbords überholen zu wollen.
Ein Flieger, ganz eindeutig. Ob es ein Verbündeter ist, oder ein Engländer kann man unmöglich ausmachen.
Mit einem Blick auf die Uhr, lasse ich die Männer einsteigen.
Selbst bei dieser Entfernung kann der da drüben innerhalb von zwei Minuten über uns sein.
Er wäre es schon, hätte er uns entdeckt.
Ich steige als letzter ein und wir gehen auf Tiefe.
Das es schon dunkel wird, gehen wir auf nur 13 Meter. Ab jetzt tauchen wir erst wieder auf, wenn alles vorbei ist.

21:25 Uhr
"Zerstörergeräusch bei 12°, große Entfernung", kommt die Meldung vom Horcher.
Aha, es geht los, denke ich bei mir. "Wandert nach Backbord", präzisiert Oberbootsmann Berger seine Meldung.
"Folgen und laufend berichten. Horchen Sie auch nach weiteren Fahrzeugen", weise ich ihn an.
Wenn mich nicht alles täuscht, dann ist das der Erste der Sicherungen.
Wir bleiben weiter auf Kurs und nähern uns mit Schleichfahrt immer weiter dem Hafengebiet.
Es werden noch weitere zwei Zerstörer ausgemacht, die kurz vor dem Hafen patrouillieren.
Auch fahren 4 Schnellboote ständig hin und her.
Um 22.00 Uhr sind wir bis auf etwa drei Kilometer an den Hafen herangekommen.
Es ist zu dunkel, um was zu erkennen. Selbst die Hafenlichter lassen keine Umrisse ausmachen.
Die Wasseroberfläche ist glatt wie ein Bettlaken. Es ist damit kein Problem, das Seerohr nur ganz leicht über derselben zu halten.
Selbst wenn die da oben nur ein paar Meter an uns vorbeifahren würden, könnten sie es vermutlich nicht sehen.
Der 1WO und ich werden uns alle halbe Stunde am Seerohr ablösen.
Der jeweils andere wird die Beobachtungen protokollieren.
In engem Kontakt mit Berger fangen wir an, alle Bewegungen zu registrieren.
Nach einer halben Stunde haben wir schon erste Ergebnisse, die wir am Kartentisch mit Obersteuermann Palter besprechen.

"Also", beginne ich. "Wir haben es mit drei Zerstörern zu tun.
Nennen wir sie, von rechts nach links mit Sicht auf den Hafen, A, B und C.
A ist Anton, B ist Berta, C ist Caesar.
Desweiteren sind da noch vier Schnellboote unterwegs.
Aber die werden uns wahrscheinlich nicht mal bemerken, selbst wenn die genau über uns fahren würden.
Anton fährt scheinbar ständige Achten auf der rechten Seite des Hafens.
Berta fährt hinter uns parallel zum Hafen hin und her.
Ceasar macht das gleiche wie Anton, nur eben auf der linken Seite.
Die scheinen nicht sehr aufmerksam zu sein.
Wenn die sich auch noch genau an die Dienstvorschrift der Royal Navy halten, dann werden die Wachen um sechs Uhr morgens wechseln.
Damit werden die im Dienst befindlichen Männer zwischen vier und sechs Uhr vermutlich richtig müde sein.
Um etwa 4:30 Uhr müssten wir genügend Licht haben, um eventuelle Ziele im Hafen zu erkennen.
Dann sehen wir ja, ob es lohnende Ziele sind. Bis dahin verfolgen wir laufend die Zerstörer.
Wir haben hier nur 5 Meter Wasser unter dem Kiel.
Daher stellen wir die Torpedos sämtlich auf 2 Meter Lauftiefe, lassen die Rohre bewässert und die Mündungsklappen geöffnet.
Wenn einer der Zerstörer uns entdeckt, dann müssen wir ihn wohl oder übel abschießen.
Dazu haben wir keine Alternative", beende ich meine Anweisungen.
"Jawoll, Herr Kaleun", kommt es zweistimmig zurück.

3. September 1940
3:30 Uhr

Es wird schon hell. Eher als ich dachte.
Die ganze Nacht über gingen wir nach meiner Taktik vor.
Die Zerstörer fahren tatsächlich immer die selben Routen. Nur mit ab und zu wechselnden Geschwindigkeiten.
Gut für uns.
Rogemann ist gerade am Okular und ich notiere am Kartentisch seine Beobachtungen.
Heeerr Kaleun", beginnt er langestreckt. "Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, da ist ein ziemlicher Brocken.
Schauen Sie bitte selbst mal", überlässt er mir die Optik.
Ich denke mal, die Besatzungsmitglieder, welche uns während der Nacht am Seerohr gesehen haben, werden für die nächsten Wochen jede Menge "Schiefgesichter" nachzumachen haben.
Allein die von Rogemann waren unnachahmlich. Von meinen will ich erst gar nicht reden.
Vorsichtig steche ich den Spargel durch die Oberfläche.
Auf 300° kann ich ein paar hohe Masten ausmachen. Darunter ein massiger Schiffskörper.
Der Klotz liegt an einer Kaimauer, etwa 4 Kilometer von unserer Position am linken Ende des Hafens.
Das ist kein Frachter. Das muss ein Kriegsschiff sein. Und was für eins.



Meine Gedanken beginnen sich zu überschlagen.
Ruhig bleiben, ruuuhig. Ich schwenke weiter nach 270°und weiter nach 200°.
Da patroulliert Ceasar. Etwa 5 Kilometer vor dem Klotz.
Ich fahre den Spargel wieder ein gehe zum Kartentsich und schaue mir Caesars Patroullienkurs auf der Karte an.
Aha, der kommt immer bis auf etwa 500 Meter an den Hafen heran, um dann wieder in Richtung Meer seine Achten zu fahren.

"Schauen Sie mal", rufe ich Rogemann. Was wir da entdeckt haben, scheint mir ein schönes Schlachtschiff zu sein.
Wenn wir uns jetzt und sobald Caesar wieder Richtung Meer läuft schnell in eine gute Position bringen, bevor der wieder zurückkommt, dann können wir unsere Aale wunderbar auf den Brocken loslassen", schlage ich vor.
"Genau, Herr Kaleun, wir sollten genau im Zentrum des zweiten Kreises der Acht Position beziehen.
Wenn Caesar wieder antanzt, dann wird er schön um uns herumfahren.
Er hat die ganze Nacht exakt die gleiche Acht gefahren.
Kein Grund also, warum er das nun ändern sollte", bestätigt Rogemann meine Einschätzung.
Rogemann, Palter und ich schauen uns wortlos, aber vielsagend an.
Wir sind uns einig. So wirds gemacht.

Als Caesar wieder auf dem Weg Richtung offenes Meer ist beginne ich mit unserer Prozedur.
"Beide E-Maschinen kleine Fahrt, Ruder hart backbord auf 260° gehen.
Schleichfahrt und kein Mucks im Boot", befehle ich leise.
Es geht los. Mal sehen, wer da so leutseelig an der Kaimauer lehnt.

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Kaleu Wolfpack
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1 Jahr 5 Monate her - 1 Jahr 5 Monate her #24 von Wolfpack
3. September
04:30 Uhr

Wir sind auf Position.
Liegen genau auf der vorbestimmten Lauer.
Alexandria ist eine ziemlich große Stadt. Der Hafen ist, enstprechend seiner Bedeutung, riesig.



Und wie es sich für ein islamisches Land gehört, gibt es da auch schöne Moscheen.



Mit meinem schiefen Gesicht hänge ich am Seerohr und versuche unseren Kameraden da drüben zu identifizieren.
Es ist mittlerweile schon recht hell geworden und man kann alles recht gut erkennen.
Der Brocken liegt etwa 2 Kilometer direkt vor uns an der Kaimauer.
Keine Regung an Bord.
Die Maschinen laufen nicht. Der Schornstein raucht nicht.
Da drüben liegt eine Legende. Den Pott haben wir schon in der Kadettenschule kennengelernt.
Es ist eindeutig die HMS WARSPITE.
Ein noch aus dem Großen Krieg stammendes Schlachtschiff. Natürlich mehrmals umgebaut.
Fast wäre sie damals im Skagerrak versenkt worden.
Unsere haben sie so getroffen, daß sie wegen Ruderschadens nur noch im Kreis lief.
Da aber der Rest ihres Geschwaders ablief, haben unsere eben dieses verfolgt und angegriffen.
Dadurch wurde versäumt der Warspite den Rest zu geben.
Nach diversen Umbauten liegt sie nun hier vor uns.

Unter Anderem wurden vor allem massive Wulste gegen Torpedobeschuss angebracht, rekapituliere ich aus dem Gedächtnis.
Schlecht für uns.
Die Verstärkungen beginnen aber erst bei etwa 3 Metern über Kiel.
Das ist gut für uns.
"Klar bei Rohr 1 bis 4", beginne ich.
"Rohr 1 bis 4 ist klar", kommt die Bestätigung.
Caesar kommt von achtern auf, aber noch recht weit weg.
Ich zögere noch.
Wenn wir jetzt schießen, dann wird uns Caesar garantiert sofort entdecken.
Bei dem Lagewinkel wird ein Heckschuss auf ihn eher unmöglich sein.
Da kommt mir eine Idee.
Sein Routinekurs müsste ihn doch genau vor die Bugrohre bringen.
Was wäre, wenn ich Caesar zuerst versenke und danach in aller Ruhe das Schlachtschiff?

Es hört sich verrückt an, aber genau so präsentiert sich mir die Situation.
"Rohr 1 bis 4 bewässern und Mündungsklappen öffnen.", befehle ich.
"1 bis 4 ist bewässert, Mündungsklappen sind offen", kommt die Bestätigung.
"Rohr 3 auf 2 Meter einstellen, Aufschlagzünder."
Den verdammten Magnetzündern traue ich nicht über den Weg. - "Steht!"
Rohr 3 ist ein T2 und für unseren Zweck genau richtig.

Wenn der jedoch Fehl geht, dann rauscht er genau in die Kaimauer, oder trifft die Warspite.
In jedem Fall jedoch wird er auf uns aufmerksam machen, wenn wir nicht den Zerstörer treffen.
Caesar läuft jetzt von Steuerbord kommend genau vor unsere Rohre.
"Achtung bei Rohr 3.
Rohr 3 --- LLOOOS", eröffne ich die Schlacht.

"Rohr 3 läuft", wird bestätigt.
Ich habe etwas mehr vorgehalten, da ich glaubte gesehen zu haben, wie sich die Bugwelle des Zerstörers verändert hat.
Daher nahm ich an, daß er Fahrt aufgenommen hat. Hoffentlich habe ich richtig beobachtet.
Die Sekunden vergehen so langsam, daß es schon fast körperlich schmerzt.
RRRRUMMMS--schlägt es drüben ein.





"JAWOLL", entfährt es mir lauter als gewollt und die Spannung löst sich schlagartig in ein unbeschreiblich befriedigendes Gefühl.
Der aufkommende Jubel im Boot wird sofort und energisch vom 1WO und dem LI unisono im Keim erstickt.
Noch sind wir nicht am Ziel. Noch nicht.

"Rohr 3 schnellstens nachladen.
Rohre 1, 2 und 4 schnell und auf 7 Meter einstellen, Aufschlagzündung", befehle ich.
"Rohre 1, 2 und 4 sind klar", kommt es zurück.
"E-Maschinen auf Kleinste Fahrt, 2 Strich Backbord.", korrigiere ich unseren Kurs, um uns ganau auf die Warspite auszurichten.
"Ruder Null..... Maschinen Stop" -- "Rohr 1 und 2, klar bei Fächerschuss"
-- "Klar" --
"Rohr 1 und 2....LLOOOS".
Kurz nacheinander gehen die Aale auf Reisen.
Mit singendem und gurgelndem Geräusch haben sie die Rohre verlassen.
"1WO, schnell ans andere Rohr. Beobachten Sie die anderen Sicherungsfahrzeuge.", schicke ich Rogemann in den Turm, wärend ich weiter auf die Warspite starre.
Wieder vergehen endlose Sekunden.
Ich hatte den Fächer so einstellen lassen, daß die Einschläge genau Mittschiffs und unter den vorderen Türmen sitzen werden.

RRUUUMS -- kommt die Erlösung. Ein Treffer Mittschiffs.



Etwas steuerbords kann man die noch die Mastspitzen des versenkten Zerstörers sehen.

Der zweite Torpedo ist nicht hochgegangen.
Verdammter Mist. "Wie weit ist Rohr 3?", rufe ich ungeduldig.
"Jeden Moment, Herr Kaleun", kommt es zurück.
Nach weiteren endlos erscheindenden Momenten kommt die ersehnte Meldung: "Rohr 3 und 4 sind klar, Herr Kaleun".
-- "Rohr 3 und 4 auf 7 Meter, schnell und mit Aufschlag, klar für Fächer", gebe ich vor und danach noch die Werte für den Fächerschuss.
Diesmal will ich die Einschläge jeweils mittig unterhalb der vorderen und hinteren Türme.
Das müsste die Warspite endgültig außer Dienst stellen.

"Rohr 3 und 4 klar bei Fächerschuss" -- "Rohr 3 und 4....LLLOOOS", gebe ich das Kommando.
"3 und 4 läuft", kommt die Bestätigung.
"1WO?", erkundige ich mich nach den anderen Sicherungsfahrzeugen.
"Berta läuft mit Volldampf in unsere Richtung", Herr Kaleun", kommt es aufgeregt von oben.
"Könnte in etwa 5 Minuten hier sein. Anton scheint weiter zu patrouillieren", gibt er durch.
Ich drehe den Spargel in die angegebene Richtung.
Berta kommt von Steuerbord auf und wird bei unverändertem Kurs etwa 500 Meter hinter uns vorbeilaufen.
Das könnte die einzige Gelegenheit für uns sein.
Scheinbar sind da drüben ein paar unerfahrene am Werk. Vermuten uns am falschen Platz.
"Rohr 5 klar zum Unterwasserschuss. Tiefe 2, Aufschlag"
-- "Rohr 5 klar" --
In Rohr 5 steckt der andere T2. Perfekt.
Zügig kommt Berta auf. Ich gebe die Lagepeilung durch und warte auf den richtigen Moment.

RRRUMS --- RRRRUMMS, kurz hintereinander zerreißen 2 Explosionen die Stille im Boot.
Im Hinterkopf jubele ich, ob der zwei Treffer auf die Warspite. Nur schade, daß ich sie nicht beobachten konnte.

Einen Heckschuss später zerfetzt unser T2 aus Rohr 5 den Rumpf von Berta genau hinter der Brücke. Innerhalb von 6 Minuten ist Berta versunken.





"1WO?"
-- "Anton läuft jetzt auch auf uns zu....Nein, er läuft eher in Richtung Warspite.
Vermutlich will er sich davorlegen, um weitere Treffer zu verhindern."
-- "Sind Sie sicher?"
-- Jawohl, Herr Kaleun. Er läuft definitiv in Richtung vor das Schlachtschiff", beruhigt mich Rogemann.

Erst jetzt bemerke ich meine feuchten Hände und mir ist wahnsinnig heiß.
Der Schweiß hat mir die Mütze fast auf den Kopf geklebt.

Ich drehe das Seerohr in Richtung Warspite und beobachte wie sie recht zügig auf ihre Steuerbordseite rollt.
Die geht auf Grund. Kein Zweifel.
Versinken wird sie nicht, aber sie wird bestimmt nicht mehr einsatztauglich gemacht werden können.
Das zählt.









"E-Maschinen auf kleine Fahrt, hart Backbord auf Kurs 035 gehen.
Den Zerstörer im Auge behalten, 1WO. Immer nur ganz kurz den Spargel zeigen", gebe ich Befehl den Hafen zu verlassen.
Wir sind noch lange nicht aus dem Schneider. Wenn die noch mehr Zerstörer hier haben, dann könnten wir in richtige Schwierigkeiten kommen.

5:30 Uhr
Wir sind nun schon ein ganzes Stück weggekommen.
Bis jetzt ist kein Zerstörer hinter uns her.
Wir laufen jetzt mit 5 Knoten.
Vor 2 Minuten ist ein Flugzeug in unsere Richtung geflogen.
Rogemann hat es früh genug ausgemacht, den Spargel eingezogen und ich habe auf 30 Meter gehen lassen.
Damit sind wir auch aus der Luft kaum mehr sichtbar.
Ich will noch solange getaucht bleiben, wie wir noch Luft zum Atmen und Strom für die E-Motoren haben.
Allzulange wird das nicht mehr sein. Wir laufen weiter stur auf Kurs 035 und ich habe vor es so zu belassen.

6:30 Uhr
Endlich weiter unten. 60 Meter.
Endlich wieder jede Menge Tiefe unterm Kiel.
Alle Abteilungen haben Klarmeldungen abgegeben.
Nicht ein Gesicht, welches nicht von einem Ohr zum anderen gegrinst hätte.
Das waren mal gut und gerne 35 Tonns Kriegsschiff, die wir da aus dem Verkehr gezogen haben.
Das ist ein Grund zum Feiern. Aber noch sind wir nicht weit genug weg.
Gegen Mittag sehen wir weiter. In der Zwischenzeit laufen wir alle durchs Boot wie Kinder, die knapp vor der Weihnachtsbescherung stehen.
Ich stelle mir schon die Aufklärerfotos vor, von denen bestimmt eins in der Heimat in die Zeitung kommen wird.
Bis dahin aber, ist es noch eine Weile hin.
Noch sind wir ja inkognito.




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3. September 1940
7:30 Uhr

Die gesamte Besatzung hat ein gutes Frühstück bekommen. Sie hatten es verdient.
Auch ich ruhe nun mit etwas überfülltem Magen in meiner Koje. Nur die nötigsten Stationen sind besetzt.
Viele Jungens finden trotzdem keine Ruhe.
Jeder erzählt dem Anderen zum x-ten Mal, was er gerade gemacht hat, als der Angriff auf die Warspite im Gange war.
Manche Szenen werden sogar mimisch nachgespielt.
Wie unbändig doch die Jugend ob ihrer Naivität ist. Aber gut, es ist ihr Vorrecht.
Gerade diese Naivität befähigt zu großen und risikobeladenen Taten.

Meine Gedanken kehren zurück zum Geschehenen.
"Nur" ein Schlachtschiff im Hafen von Alexandria. Keine Truppentransporter, keine Nachschubtransporter.
Sehr seltsam.
Sind die Engländer schon genug ausgerüstet? Wissen die schon von Italiens Absichten und haben sich schon längst vorbereitet?
Oder waren wir einfach zu früh und hätten später kommen sollen?
Auch beschäftigt mich die Frage, ob wir als deutsches U-Boot wahrgenommen wurden.
Ich bin mir jedoch zu meiner eigenen Ernüchterung schon im Klaren, daß dieser Erfolg vorläufig nicht an die große Glöcke gehängt wird.
Italien wird sich auch nicht mit den fremden Federn schmücken wollen und die Versenkung der eigenen Marine zuschreiben.
Na, und wir Deutschen sind ja offiziell noch gar nicht hier.
Ich beschließe, diese Enttäuschung der Besatzung vorzuenthalten.
Schließlich werden sie ja früher oder später bestimmt dafür auch öffentlich ihre Auszeichnung erhalten.
Wahrscheinlich jedoch später.

Die Luft im Boot wird nun doch nach und nach unerträglich.
Der CO²-Gehalt kommt langsam in gefährliche Werte.
Es hilft aber nichts. Wir können noch nicht auftauchen und durchlüften.
Wir sind immer noch zu nahe an der Küste und das Risiko, es wieder mit diesmal noch mehr verärgerten Fliegern zu tun zu bekommen, ist sehr hoch.
Ich beschließe bei Mittlerer Fahrt noch weiter auf die offene See zuzulaufen und in etwa einer Stunde aufzutauchen.
Viel länger können wir ohnehin nicht getaucht bleiben.
Das Nachladen der Torpedos habe ich verschieben lassen. Nach dem Durchlüften ist immer noch genug Zeit dazu.

9:00 Uhr
Eine Stunde verbrachte ich eingeduselt in meiner Koje.
Wie verabredet weckt mich der 1WO damit wir mit dem Auftauchen beginnen.
Ich wollte nämlich unbedingt dabei sein. Die Kommandos überlassse ich ihm.
Ich schaue mir nur alles ganau vom Kartentisch aus an.
Mal sehen, ob die Männer wieder ganz auf ihre Arbeit konzentriert sind.
Nachdem auf Seerohrtiefe, so gut das eben geht, der Luftraum für frei befunden wurde, kommt der Befehl zum Auftauchen.
Seltsam gluckernd und rauschend schneiden wir durch die Wasseroberfläche.
Der 1WO öffnet den ersehnten Durchstieg in die Welt da draußen.
Schlagartig nimmt man den Geruch von Salzwasser und die würzige Luft war.
Nach kurzer Zeit und nachdem dem 1WO noch 2 Brückenwachen nachgestiegen sind, kommt Entwarnung.
Die weiteren Wachen werden auf die Brücke befohlen und auch weitere Luken werden geöffnet.
Mein Blick streift die CO² Messuhr, deren Zeiger sehr schnell auf den Normalwert fällt.
Endlich! Frische Luft!

Ich angle mir meine Jacke und entere die Brücke.
Es ist zwar schon recht warm draußen, aber nach der langen Zeit in der stickigen und feuchten Atmosphäre und dem x-maligen Vollschwitzen meiner Klamotten,
kann man sich, selbst bei einer relativ warmen Prise, eine schöne Erkältung holen.
"Na, Rogemann?", beginne ich. "Da haben wir ja was angestellt, was?", sage ich ernst.
"Nun, Herr Kaleun, wir sind ja auch ein paar ganz schlimme Jungens", erwidert er ganauso ernst, obwohl wir beide den feine Humor dahinter genau verstanden haben.
Mit einem Lächeln begegnen sich unsere Blicke und wir nehmen im Gesicht des jeweils anderen die tiefe Erleichterung und die Freude über den Erfolg wahr.

Wir nehmen beide auf dem Bänkchen im Wintergarten platz und beobachten still das Treiben der Mannschaft auf Deck.
Die Geschütze sind feuerbereit gemacht worden und diverse Wartungshandgriffe und Kontrollen gehen den Männern scheinbar mühelos von der Hand.
Ich strecke mich mit einem langen "Aaaach ja" und lehne mich entspannt an das Metall in meinem Rücken, die Beine dabei ausgestreckt.
"Schön die Augen aufhalten, meine Herren", rufe ich die Brückenwachen zur Ordnung.

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Kaleu Wolfpack
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1 Jahr 5 Monate her #26 von Wolfpack
3. September 1940
11:09 Uhr

Seit einer Stunde sind wir wieder mit 9kn auf dem Marsch.
Diesmal Richtung Port Said.
Wir haben noch 4 Aale an Bord und ich will nicht mit intakten Torpedos zurückkommen.
Die Wartungsarbeiten außenbords wurden alle perfekt erledigt. Zumindest nach der Klarmeldung des LI.
Auch im Boot sei alles in bestem Zustand.
Die Stimmung an Bord ist denkbar gut. Die Jungens haben aber auch tolles geleistet.
So einen Schlachtpott versenkt man nicht alle Tage.
Nach kurzer Absprache mit Leutnant Rogemann habe ich mich entschieden in Richtung Port Said zu laufen, um noch den einen oder anderen Engländer zu ärgern.
Außerdem lässt mir die Tatsache keine Ruhe, daß in Alexandria so gut wie keine anderen Schiffe lagen.
Eventuell haben sich die Engländer doch weiter zurückgezogen als vermutet und sehen ihren Schwerpunkt in Port Said.
Das gilt es herauszufinden.

In diesem Zusammenhang muss ich unsere Führung loben.
Lassen sie doch uns U-Boot Fahrern recht große Entscheidungsfreiheit.
Das motiviert enorm, da man dadurch auch eigene Einschätzungen und Ideen umsetzen kann.
Natürlich solange keine gegenteiligen Befehle dem entgegenstehen.

Der Wind hat stark zugenommen und bläst nun aus 80° mit Stärke 8.
Wir laufen genau Westkurs.
Die salzige See gischtet uns ins Gesicht, jedesmal wenn der Bug nach dem Unterschneiden wieder aus den Wellen auftaucht.
Ansonsten ist es nur leicht diesig und die Temperatur recht angenehm.
Unser Diesel hämmert sein Stakkato, wie er es immer macht.
Alles ist in bestem Zustand.
Wenn man nicht wüsste das Krieg wäre, dann käme einem die Situation wie eine Art Wochenendausflug auf See vor.
Na, in einer Stunde gibt es Essen.

11:25 Uhr
Funkspruch.
U-57 von Oblt. z.S. S. Topp wurde von der SS Ronal gerammt. Er muss sein Boot aufgeben.
Verdammt und zugenäht. Wie kann denn das passieren?

12:38 Uhr
Soeben hat uns Weinecker den Nachtisch gereicht.
Reisbrei mit Kirschen.
Ein Gedicht, obwohl mit Milchpulver hergestellt.
Ich habe selten eine so lebhafte Runde beim Essen hier im Boot gehabt.
Alle reden durcheinander, als ob wir auf einem Geburtstag wären.

AALLLAAAARM- gellt es von der Brücke.
Im Nu ist der Tisch weggeklappt und meine Schüssel mit dem Rest an Reisbrei landet auf dem Boden.
Die Kirschendosen sind irgendwo aufgeschlagen. Ich habs nicht gesehen.
Wir drängen uns an die Wand und lassen die Besatzung an uns vorbei in Richtung Bug rennen, die Schälchen mit Reisbrei in der Hand.
Trotz der Aufregung, die einem in so einem Moment immer anfällt, müssen wir alle grinsen.
Was für ein Bild.
Vier Offiziere stehen mit Reisschälchen in Reih und Glied.
Der Der Kapitän nur mit dem Löffel, wie einen Marschallsstab und die Besatzung rennt stolpernd und fluchend in halb gebückter Haltung an uns vorbei, die nun leere Schüssel von einigen als Fußball unfreiwillig entfremdend.
Es fehlt nicht viel und ich müsste laut loslachen.

Die Meldung besagte, daß auf 0° in sehr großer Entfernung eine ganze Staffel Zweimotoriger in Richtung Süden flog.
Ein weiterer Hinweis auf eine stärkere Konzentration von Feindkräften in Port Said?
Man wird sehen. Jedenfalls beschließe ich, bis 17:00 Uhr getaucht und auf 70 Meter zu marschieren.
Zu gegenwärtig ist mir noch die Sache beim Anmarsch auf Alexandria.
Wenn die uns ausmachen und einen Zerstörer heranführen, dann ist es gut möglich, daß wir den bei dem diesigen Wetter zu spät sehen.
Hier unten können wir ihn wenigstens früh genug hören.
Unsichtbar bleiben ist nun mal die beste Lebensversicherung für U-Bootfahrer.

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1 Jahr 5 Monate her #27 von Wolfpack
3. September 1940
um etwa 16:00 Uhr

"Rogemann, ihr Tauchretter, Mensch. Schneller, bald hat uns das Wasser erreicht."
Verzweifelt versuche ich das Turmlug zu öffnen. Das verdammte Rad bewegt sich keinen Millimeter.
Ich drehe den Kopf nach unten und schaue in das verzerrte Gesicht meines Ersten.
Irgendetwas stört mich.
Ja, stimmt, er hat einen dicken Oberlippenbart. Wie ist der denn so schnell gewachsen?
Egal. Das verdammte Turmlug geht nicht auf und das Wasser steigt unaufhörlich.
"Herr Kaleun, Ihr Tauchretter hängt über ihrem Rücken. Den müssen Sie anziehen. Schnell", brüllt mich Rogemann an.
Ich versuche auf meinen Rücken zu langen, aber meine Hand schafft es einfach nicht über meine Schulter.
Irgendetwas blockiert meine Hand. Verdammt. Ich drehe und wende mich, aber...

"Alles in Ordnung, Herr Kaleun? Herr Kaleun?"
Irgendjemand schüttelt mich an der Schulter. Lass doch los, Mensch.
"Herr Kaleun? Aufwachen, Herr Kaleun. Herr Kaleun."
Langsam schält sich ein anderes Bild vor meinen Augen durch einen Nebelschleier.
Ich sehe plötzlich eine Holztäfelung vor mir und ich scheine zu liegen und nicht zu stehen.

"Was ist denn..., verdammt"
Ich drehe mich im Liegen um und sehe vor mir Rogemann, aber diesmal ohne Schnautzer.
Er schaut mich besorgt an und hat seine Hand immer noch auf meiner Schulter.
"Sie haben geträumt, Herr Kaleun. Ist alles in Ordnung?", fragt er mit nun nicht mehr ganz so besorgter Stimme.
Ich schüttele seine Hand etwas mehr unwirsch ab als gewollt und entgegne: "Jadoch, ja. Alles in Ordnung. Ich muss geträumt haben.
Sowas bescheuertes.
Was gibt es?", versuche ich das Thema auf etwas anderes zu lenken.
Es passt mir gar nicht, daß ein Untergebener den Alptraum seines Vorgesetzten mitbekommen muss.
Scheußliche Situation.

"Oberbootsmann Berger hat was in seinen Ohren.
Es scheint ein Frachter zu sein, der noch ein ganzes Stück weg ist.
Ich bin nun unschlüssig, ob wir rangehen, oder weiter auf Kurs bleiben sollen.
Ich wollte das nicht selbst entscheiden, da Sie ja Kriegsschiffe als wichtiger gesetzt haben", überspielt mein 1WO die Situation geschickt.
"Ich komme sofort", versetze ich. Noch etwas benommen stecke ich meine Füße in die Stiefel und lange nach meiner Jacke.
Mit ganz bewusst aufgesetztem gleichgültigem Gesichtsausdruck gehe ich in die Zentrale, wo mich schon Berger und Rogemann erwarten.

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1 Jahr 4 Monate her #28 von Wolfpack
3. September 1940
16:10 Uhr

Es ist immer schlimm, wenn die Mannschaft Schwächen oder allzu menschliche Regungen bei ihrem Kommandanten bemerkt.
Als Vorgesetzter muss man zu jedem Zeitpunkt Sicherheit, Wissen und Souveränität ausstrahlen.
Tut man das nicht, dann kann es im entscheidenden Moment zu Nachlässigkeiten oder Unsicherheiten bei der Mannschaft führen, welche schnell zur Kathastrophe führen können.
Also muss ich, obwohl ich gar nicht weiß wer von der Mannschaft etwas mitbekommen hat, Gleichgültigkeit und feste Entschlossenheit ausstrahlen.
Das ist die erste Pflicht eines Kommandanten.

Beim Entern der Zentrale gehe ich mit gleichgültiger und ernster Miene schnurstracks auf den Kartentisch und Obersteuermann Palter zu.
Mit einer Kopfbewegung bedeute ich Rogemann und Berger mit dazuzustoßen.
Aus den Augenwinkeln den Rest der Mannschaft der Zentrale abschätzend, kann ich keine ungewöhnliche Regung oder Blicke feststellen.

"Also Männer, was liegt an?", beginne ich.
"Herr Kaleun", berichtet Rogemann, "Berger hat, wie ich schon meldete, etwas, sagen wir mal, ungewöhnliche Schraubengeräuche entdeckt.
Erzählen Sie mal, Berger", gibt Rogemann den Ball weiter.
"Herr Kaleun, auf 20° konnte ich eindeutig, wenn auch in sehr großer Entfernung, die Schraube eines Frachters orten.
Kurz dahinter, wenigstens kam es mir so vor, meinte ich noch die Schrauben eines Begleiters zu hören.
Das Seltsame war, daß dieses Geräusch aber immer wieder verschwand, um dann etwas vor dem Frachtergeräusch wieder aufzutauchen.
Das ging so 2-3 Mal. Dann war nur noch der Frachter zu hören.
Ich tippe auf ein Frachtschiff mit Zerstörerbegleitung, die abwechselnd vor und hinter dem Frachter läuft.
Der Generalkurs müsste etwa in Richtung auf Port Said liegen.", sprach er und drehte sich dabei Richtung Kartentisch, um mit einem Stift einen immaginären Kurs von der vermuteten Stelle der Ortung bis Port Said anzudeuten.

Wir anderen drehen uns nun ebenfalls zum Tisch und betrachten die Seekarte mit dem betreffenden Seegebiet.
"Und das konnten Sie alles nur durch Ihr Horchgerät zusammentüfteln? Was meinen Sie, Rogemann?", möchte ich die Einschätzung meines 1WO hören.
"Nun, Herr Kaleun, Berger hat schon jede Menge Erfahrung und ich wüsste keinen Grund, seine Beurteilung in Frage zu stellen.", bestätigt Rogemann auch meine insgeheime Einschätzung des Berichts.
Ich kenne Berger nun schon ganz gut. Er ist auf seinem Posten wirklich gut und vor allem sehr professionell.

"Herr Kaleun", setzt Rogemann hinzu, "da wir ja primär Kriegsschiffe angreifen sollen, aber hier kein eindeutiger Fall vorlag, wollte ich nicht ohne Sie entscheiden."
"Das war richtig so. Was würden Sie nun unternehmen wollen?", frage ich lauernd.
"Ich würde vorsichtig versuchen mich den beiden Fahrzeugen zu nähern und dann ungesehen, quasi in deren Kielwasser und genügend Sicherheitsabstand, hinter ihnen herlaufen.
Wenn die wirklich nach Port Said unterwegs sind, dann könnten die uns prima durch eventuell vorhandene Minensperren lotsen", erklärt Rogemann.

Phantastisch, denke ich nur. Rogemann ist wirklich der Richtige für ein eigenes Kommando.
Er hat Phanasie und Unternehmungsgeist. Ich selbst hätte das Gleiche vorgeschlagen.
"Also gut", entscheide ich mit fester Stimme, "lassen Sie auf Seerohrtiefe gehen, rundsichern und dann auftauchen."
Mit auf die Eintragungen auf der Karte deutendem Finger füge ich hinzu:
"Danach gehen wir sofort auf Abfangkurs mit, sagen wir mal, Halber Fahrt, damit wir die Batterien noch laden können, bevor wir Sichtung haben.
Zeit dafür haben wir ja genug. Die Kameraden sind offensichtlich noch weit genug vom Hafen entfernt. Sonst noch etwas?", beende ich quasi die Besprechung.

"Boot ist klar, Herr Kaleun", meldet der 1WO erwartungsgemäß.
Damit geht Berger zurück in seine "Horchkammer" und ich und Palter bleiben am Tisch.
Rogemann leitet die Auftauchroutinen ein.

"Oberbootsmann Berger?", rufe ich durch das geöffnete Schott hinüber, "sehr gut gemacht, Berger.
Wollen wir hoffen, daß Sie auch richtig gehorcht haben, was?"
"Jawoll Herr Kaleun", kommt es mit ruhiger Stimme zurück.

Feiner Kerl, der Berger, denke ich.
Trotz seiner Jugend immer ruhig, nervenstark und überhaupt nicht geltungsbedürftig.
Auch bei der Mannschaft ist er sehr beliebt.

Mal sehen, ob uns das Glück weiterhin hold bleibt.

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1 Jahr 4 Monate her #29 von Wolfpack
3. September 1940
17:45 Uhr

Seit einiger Zeit sind wir mit Halber Fahrt unterwegs zum Abfangpunkt.
Wenn alles richtig berechnet war, sollten wir mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen mit einer Sichtung rechnen können.
Zwischenzeitlich konnte ich nochmal mit Leutnant Rogemann über den Vorfall in meiner Koje reden.
Er meinte aber, daß keiner von der Mannschaft etwas mitbekommen hat und ich mir keine Sorgen machen sollte.
Mit einem Schlag auf seine Schulter drückte ich meinen Dank für seine Unterstützung aus,
welche er mit einem lakonsichen "Keine Sache, Herr Kaleun" quittierte.

Schräg hinter uns sinkt die Sonne schon langsam Richtung Kim.
Wir laufen mit Kurs 120° und wollen ein Zusammentreffen so legen, daß wir uns in einem Gebiet mit tieferem Wasser vor Port Said eine gewisse Sicherheit verschaffen können, falls wir entdeckt werden sollten.
Soweit alles klar. Der Wind hat zwar etwas nachgelassen und weht nun mit etwa Stärke 6 aus 80°, aber dadurch bekommen wir ihn fast genau von Backbord und das bringt das Boot unangenehm zum Rollen um die Längsachse.
Etwas seltasmes Wetter um diese Jahreszeit.
Das ist sehr unangenehm für die Brückenwache, aber nicht zu ändern.
Ich beschließe die Jungens jede Stunde ablösen zu lassen.

18:43 Uhr
Die Batterien sind voll. Gut so.
Ich befehle meinem 2.WO, Leutnant Kopp, die Brückenwachen nun nacheinander abzulösen.
"Richten Sie es so ein, daß wir jede Stunde neue und ausgeruhte Leute hier oben haben", instruiere ich ihn.
"Jawoll Herr Kaleun", bestätigt er mir. Leutnant Kopp hat als 2.WO einen anspruchsvollen Posten.
Legendär sind seine Ideen, wie man neue Leute in die Besatzung integriert.
Er hat eine Art die jungen Kerle, falls nötig, in den Senkel zu stellen, daß es schon auf anderen Booten die Runde machte.
So hörte ich zumindest.
Jedenfalls haben alle einen mords Respekt vor ihm und das mit Recht.
Er geht immer nach der Methode Hart aber Gerecht vor.
Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.
Bis jetzt hat er mir jedesmal das Boot und die Mannschaft professionell und sehr umsichtig übergeben.
Nacheinander steigen die Jungens ein und eine neue Schicht übernimmt deren Wache.

Die Nacht vergeht ereignislos.
Ab und an entere ich zur Brücke auf und lasse die Wachen mit ein paar Weisheiten ihre eigenen Gedanken unterbrechen.
Zwischendurch gönnte ich mir auch mal 2 bis 3 Stunden Schlaf.
Bald werden wir wieder auf das Höchste gefordert sein.
Am Morgen erwarten wir Sichtung.
Hoffentlich.

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1 Jahr 4 Monate her #30 von Wolfpack
4. September 1940
3:18 Uhr

Es wird hell.
Seit 20 Minuten stehe ich auf der Brücke und genieße einmal mehr die frische Luft hier oben.
Die See ist nach wie vor etwas unruhig, aber nicht zu anstrengend.
Daher ziehe ich den Platz auf der Brücke dem stockigen und muffigen Gemisch von Gerüchen im Boot selbst vor.
Lt. Kopp steht neben mir und hat den vorderen Backbordsektor mit dem Glas im Blick.
Es kostete mich eine Weile, bis ich mich an seine Eigenheit bei jedem Gewichtswechsel von einem Fuß auf den anderen mit einem leisen Räuspern zu begleiten, gewöhnt hatte.
Von Zeit zu Zeit spuckt er, unter Beachtung von Seegang und Wind, immer wieder über das Schanzkleid in die See.

Eine entsprechende Bemerkung von unserem Maat Holzbauer quitiert er mit der Bemerkung:
„Wissen Sie Holzbauer, wenn Ihnen mal so richtig schlecht ist und sie die Fische füttern müssen, dann passen Sie auf, daß der braune Ring nicht mit hochkommt.“
Auf den verdutzten Blick von Holzbauer fährt er fort:
„Das ist dann nämlich Ihr Arschloch“

Da Holzbauer selbst kein Kind von Traurigkeit ist aber den höheren Rang von Kopp respektieren muss, reagiert er darauf mit einem „Pfffh“ und klemmte sich wieder hinter sein Glas.
Einen schelmischen Seitenblick von Kopp beantwortete ich mit einem etwas ernsteren Gesichtsausdruck, aber innerlich bin ich fast vor Lachen geplatzt.
Leutnant Kopp hat in der Tat fast auf alles eine Antwort und auf jede Situation eine entwaffnende Reaktion parat.
Einmalig.

Ein Blick auf die Uhr gibt mir die Zeit mit 3:30 Uhr an.
„Klar bei Rudermanöver“, gebe ich nach unten durch, „neuer Kurs: Eins-fünf-null.“
Umgehend kommt die Bestätigung von unten.
Wir nehmen nun Kurs auf die tiefere Stelle vor dem Hafen von Port Said.
Dort soll ja auch das Zusammentreffen mit den erhorchten Fahrzeugen stattfinden.
Hoffentlich klappt dass auch.

Um 5:00 Uhr gebe ich Befehl zum Tauchen.
Schon wird die Back von der gischtigen See überspühlt.
Mit einem letzten Blick auf dieses unbeschreibliche Bild steige ich als letzter ein und verriegle das Turmluk.
Kaum bin ich in der Zentrale, vernehme ich schon das obligatorische „15 Meter gehen durch“ und die Zentralenbesatzung spielt ihr eingeübtes Lied.
„Auf 40 Meter gehen und Maschinen Stop. Rundhorchen“, befehle ich.
Schnell werden wir unsere nassen Sachen los und schon stehe ich neben Berger um sofort aus erster Hand über Kontakte informiert zu werden.

„Schraubengeräusche auf 290°“, Herr Kaleun. Frachter, und langsam“, meldet Berger.
„Und? Zerstörer?“, frage ich ungeduldig.
„Nichts zu entdecken, Herr Kaleun“, kommt es zurück.
„Vielleicht von uns aus gesehen hinter dem Frachter?“, frage ich nach.
„Ich glaube kaum Herr Kaleun, aber Genaueres kann ich nicht sagen“, gibt mir Berger fast entschuldigend zurück.

Verdammte Ungewissheit. Ist das jetzt unser Rendevouz, oder nicht.
Ich beschließe aufzutauchen und auf Sicht ranzugehen.
Dumm ist nur, daß wir von der tiefen Sonne angeleuchtet werden.
Aber auf die Entfernung wird es sicher gut gehen.
Aber vorher müssen wir noch eine Weile still liegen, um den ungefähren Kurs des Anderen bestimmen zu können.
Fährt der nun Richtung Hafen, oder Richtung Meer?

Nach einiger Zeit meldet Berger, daß der Kerl ungefähr Kurs Süd läuft und immer noch kein zweites Schraubengeräusch zu peilen ist.
Also seis drum.
„Halbe Fahrt und Auftauchen. Ruder Mittschiffs“, befehle ich.
Leutnant Kopp fährt mit dem „Brückenwache zieht auf“, fort.
Kaum ist das Turmluk über Wasser, schon öffnet es Lt. Kopp und steigt auch als Erster auf die Brücke.
Ich klettere der restlichen Wache hinterher und schon stieren wir alle in Richtung des zu entdeckenden Ziels.

5:34 Uhr
Da ist er. Auf 305°. Ein Großer Frachter. Noch ziemlich weit weg.
Läuft scheinbar genau nach Port Said und uns ziemlich genau vor die Rohre.
Von einem Zerstörer, oder einem anderen Begleitfahrzeug ist noch nichts zu sehen.
Schon geht es los.
„Beide Maschinen Große Fahrt. Neuer Kurs: Zwo-Drei-Null“, korrigiere ich.
Ich will gleich anlaufen und es überwasser probieren lassen.
Lt. Rogemann kommt, wie befohlen, auf die Brücke und das UZO wird ihm hinterhergereicht.
Ab jetzt fährt er das Boot.
Ich beschränke mich auf die Rolle des Zuschauers und beobachte den Himmel und die Kimm vor und hinter dem Pott da drüben.
Der Rest der Wache späht in die zugewiesenen Sektoren.
Mit Großer Fahrt stechen wir auf den Gegner zu.
Rogemann korrigiert ständig Lagenwinkel und Zielgeschwindigkeit.
Wie ein alter Hase, denke ich so bei mir. Naja, das ist er ja eigentlich auch.

Was ist das? Ein Aufblitzen?
Da... etwa eine Handbreit hinter dem Ziel, vielleicht einen Finger breit über der Kimm.
„Leutnant Kopp, Rogemann, Holzbauer.
Vermutete Luftpeilung bei 340°, eine Handbreit hinter dem Ziel.
Große Entfernung. Sehen Sie was?“, gebe ich durch.
Rogemann lässt das UZO UZO sein und alle schaun wir angestrengt in die Richtung der vermuteten Sichtung.
„FLUGZEUG“, brüllt Holzbauer als erster.
Er hat verdammt gute Augen. Ich kann nichts erkennen.
„AALLAAAARM“, brüllt Kopp als nächstes und schon beginnt das Alarmtauchen mit den üblichen Routinen.

Kurz bevor ich an der Reihe bin, kann ich mit einem letzten Blick einen schwarzen Punkt erkennen, der offenbar immer größer wird, also direkt auf uns zu hält.
Hoffentlich kommen wir schnell genug auf Tiefe, sind meine Gedanken. Und bestimmt nicht nur meine.

Obwohl das Turmluk schon geschlossen ist und wir mit Sicherheit verteufelt schnell unterschneiden, kommt es mir wie eine verdammte Ewigkeit vor.
TA-TA-TA-TA-TA-TA- hören wir das Bord-MG des Fliegers.
Die Augen der Mannschaft in der Zentrale sind geweitet. Meine sicher auch.
TA-TA-TA-TA-TA-TA- kommt die nächste Salve sehr hörbar hinterher, begleite mit dem unverwechselbaren Aufheulen der Motoren eines abfangenden Flugzeugs.
Verdammt, verdammt. Wir müssen runter.
„15 gehen durch“, kommt es.
Erst 15? Mein Gott, wieso dauert das nur so lange?
Nerven behalten. Ist ja nicht das erste Mal.

BRAAAAAM – Das Boot wird heftig durchgeschüttelt.
Die Lampen flattern und wir müssen uns gut festhalten.
Zum Teufel, das war knapp.
Eine Bombe, nicht weit von uns in die See gegangen. Wirklich nicht sehr weit.
Gott verdammich.

„Schnell auf Tiefe gehen, 80 Meter, schnell“, gebe ich halblaut und mit gezwungen ruhiger Stimme an den LI.



Na, der ist jetzt erstmal an uns vorbei und muss neu anfliegen.
Bis dahin sollten wir weg vom Fenster sein.
„30 gehen durch“, kommt die nächste Meldung. Schon besser. Aber noch nicht genug.
Auf meinen auffordernden Blick hin meldet Holzbauer:
„Eine Blenheim, Herr Kaleun. Fast aus der Sonne. Konnte gerade noch die Kanzel und zwei Motoren ausmachen.“
„Sehr gut Holzbauer. Gute Arbeit“, lobe ich ihn.

„40 gehen durch“, beruhigt mich Schrallke schon mehr und ist nun selbst auch schon viel ruhiger.
So eine vermalledeite Sache.
Jetzt weiß ganz Port Said und die vermutlich vorhandenen Kriegsschiffe, daß hier ein U-Boot herumkreutzt.
Viel Zeit wird uns jetzt nicht mehr bleiben und getaucht werde ich den Frachter wohl oder übel ziehen lassen müssen.

„50 gehen durch", und nach einer Weile: "Boot ist auf 80 Meter und durchgependelt.
Boot ist auf befohlener Tiefe, Herr Kaleun“
„Wieder auf Kurs Eins-Fünf-Null“, befehle und beschließe ich so schnell nicht klein beizugeben.

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