Feindfahrtberichte Mittelmeer/ Gibraltardurchbruch U-103, IX-B, KptLt. Rollmann

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1 Monat 2 Tage her #1 von Wolfpack
Mittelmeer oder Atlantik? Feindfahrtberichte aus dem Mittelmeer mit Gibraltardurchbruch. U-103, IX-B, Kapitänleutnant Rollmann.

Hier soll mal alles über das Mittelmeer reinkommen.
Speziell Feindfahrten und Erfahrungen aller Mittelmeerspezialisten zu diesem Thema.
Insbesondere Strategien zum Gibraltardurchbruch. Aber auch Erfahrungen mit Gebieten, welche nicht so oft "besucht" werden.

Anmerkung:
Ich möchte mal versuchen, die Geschehnisse in einer zeitgenössischen Form zu schildern.
Kaleu Rollman ist ein glühender Verehrer des neuen Deutschlands. Er ist, wie Viele der Überzeugung, daß es nun endlich Deutschland sein müsse, welches sich einen gehörigen Kuchen von der Welt abschneiden sollte.
Er ist politisch eher neutral, aber sieht im 3. Reich die einzig richtige Zukunft für Deutschland.
Es ist ein Experiment. Nicht mehr.
Da ich aber niemanden damit verärgern möcht, bitte ich um unumwundene Mitteilung, falls es "zu Bunt" werden sollte.

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Kaleu Wolfpack
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1 Monat 2 Tage her #2 von Wolfpack
Es ist jetzt August 1940 und meine Heimatbasis ist Lorient. Ich fahre ein IX-B.
Nachdem ich eigentlich in die Nähe der Azoren befohlen wurde und auf dem Weg dahin schon 5 Torpedos losgeworden bin (nur 1 Versenkung, bei 3 Blindgängern),
habe ich mir selbst den immaginären Befehl gegeben den Anmarsch aufzugeben, in Vigo den Versorger anzulaufen und nach einem Tag Verweildauer einen Durchbruch ins Mittelmeer zu wagen.
Ich "soll" dann La Spezia anlaufen und auf dem Weg dahin alles versenken, was mir vor die Rohre kommt.

Eine heiße Sache. Kurz vor der eigentlichen Meerenge lauern schon 5 Zerstörer und 3 PT-Boote. Und das auf engstem Raum.
Scheint so, als ob die Engländer von unserem Plan Wind bekommen haben. Jedenfalls versuche ich den Durchbruch bei Tag.
Die Zeit drängt. Vorgeflutet und ziemlich dicht an der afrikanischen Küste entlang versuche ich soviel und so schnell es geht voranzukommen.
Bis jetzt noch keine Flieger. Allerdings sind mir die Zerstörer schon gehörig nahe auf die Pelle gerückt.
Ich habe daraufhin Seerohrtiefe befohlen. Ich habe nämlich den Verdacht, daß deren ASDIC nicht so gut funktioniert, wenn man kurz unter der Oberfläche bleibt.
Es scheint zu stimmen. Obwohl gleich drei Zerstörer sehr nahe kamen und einer etwa 500 Meter achteraus 6 Wasserbomben warf, haben die die Verfolgung aufgegeben und sich verzogen.
Glück gehabt.

Nach vorsichtigem Rundhorchen und Schauen konnte ich jetzt keine nahen Fahrzeuge mehr feststellen.
Ich lasse wieder Auftauchen und versuche, weiter vorgeflutet und mit äußerster Kraft, den Flaschenhals zu erreichen.
Ich gehe davon aus, daß hinter dem Flaschenhals ebenfalls starke Sicherungskräfte lauern.
Daher habe ich beschlossen zunächst keine Fahrzeuge anzugreifen, jedoch beim erfolgreichen Durchfahren und mit dem Mittelmeer vorm Bug, aggressiver zu werden.
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1 Monat 2 Tage her #3 von Wolfpack
Ein IX-B im Mittelmeer? Wer hat sich nur soetwas ausgedacht?
Die "da oben" werden sich schon ihre Gedanken gemacht haben. Seis drum. Befehlt ist Befehl.
Am Ende sollen wir eine Art Überraschung für die Briten sein. Die rechnen bestimmt nicht mit soviel Torpedos in einem Boot.
Vielleicht sollen sie dazu gebracht werden anzunehmen, daß Deutschland viel mehr Boote hier hat als angenommen? Wer weiß?

Wir schreiben den 19. August 1940.
Wir stehen mit dem Boot kurz vor dem Flaschenhals, vorgeflutet und mit AK Voraus, ca. 3000 Meter gleichbleibendem Abstand zur afrikanischen Küste,
mit Kurs Richtung Mttelmeer. Ich habe vor, bei der geringsten Annäherung von Feindkräften abzutauchen und sehen wie die sich verhalten.
Batterien schonen ist das Gebot der Stunde. Diesel haben wir genug.

14:16 Uhr.
Strahlend blauer Himmel. Kein Wölkchen. Kaum Seegang. Ein Wahnsinn, es jetzt zu versuchen. Ich vertraue aber auf die schmale Silhouette des Boots.
Wir werden den Gegner eher sehen, als er uns. Ich habe die Brücke voll besetzt und äußerste Aufmerksamkeit befohlen.
War aber eigentlich nicht nötig. Die Besatzung weiß, um was es geht.

14:18 Uhr:
AALLLAAAARRM !!, röhrt es von oben herunter. Die Wachen fallen mehr ins Boot, als das sie hinunterklettern.
Der erfolgreiche Melder schreit mir zu. "PT-Boote aus 270° direkt auf uns zu." Ich Befehle sofort Seerohrtiefe. Haben die uns entdeckt?
Hoffentlich nicht. Obwohl vorgeflutet, dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis das Boot auf Seerohrtiefe ist. Bottsmann Schmittbauer meldet mindestends 2 Schnellboote, die auf uns zu halten.
Jedoch noch in sehr großer Entfernung. Er glaubt nicht, daß sie uns gesehen haben. Mal abwarten.
Ein kurzer Blick zum Horcher genügt, und sofort kommt die Meldung: "Mindestens 3 Schnellboote aus 275°, näherkommend."
Ich fahre das Seerohr aus, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ganz vorsichtig, nur ganz knapp die Wasserlinie schneidend. Wollen die Kerls ja nicht anlocken.
Da... tatsächlich. 3 Boote. Aber es sieht mir eher nach einer routinemäßigen Patroullienfahrt aus. Die Kerls steuern nun etwas mehr nach achtern.
Ich bleibe bei AK auf E-Motoren, um möglichst schnell mehr Abstand zu denen zu bekommen.
Seerohr einfahren. Jetzt kommt es auf unseren Horcher an. Er, seine Ohren im Speziellen und seine Erahrung machen ihn nun zum wichtigsten Mann im Boot.

14:25 Uhr:
Die PT's scheinen sich hinter uns zu tummeln. Sie scheinen dort zu kreisen, wärend wir weiter mit voller Batteriekraft auf Kurs bleiben und uns, langsam aber sicher, von der Stelle absetzen.
Gott sei Dank, können die nichts hören. Hoffentlich.
"Zerstörergeräusche aus 290°", tönt es von Oberbootsmann Berger, unserem Horcher. Guter Mann. "Kommen schnell näher".
Das wird mir jetzt zu bunt. DIE könnten uns sehr wohl ausmachen. Schnell Seerohr vorsichtig ausfahren.
Da! Ganze 3 Zerstörer mit Kurs auf die Kirmes hiner uns. Seerohr rein. "Auf 140 Meter gehen, kleine Fahrt voraus, Schleichfahrt. Keinen Mucks." Weiter auf Kurs.
Mal sehen.

14:40 Uhr:
Oberbootsmann Berger meldet, daß nunmehr 4 PT's und 3 Zerstörer ca. 1 Km achteraus Kreise ziehen.
Jedenfalls würde es sich so anhören. Ich vermute daher, daß die eine unklare Sichtung hatten und nun mal nachschauen wollen.
Erstaunlich, wieviel die Tommies dafür abstellen. Die müssen ja jede Menge Bewacher haben, um so einen Aufstand zu proben.
"Werfen Wasserbomben". Aha, die wissen gar nichts. Trotzdem kein Grund, jetzt übermütig zu werden.
Weiter Kleine Fahrt und weg von hier, so schnell es eben geht.

14:50 Uhr:
"Frachter in 280°, näherkommend."
Au fein, das wäre jetzt was. Vor den Augen der gesammten Royal Navy zum Abschuss zu kommen.
Ich verwerfe den Gedanken. Schließlich hat der erfolgreiche Durchbruch absolute Priorität.
Danach bleibt sicher noch genug Gelegenheit für Heldentaten.
Also weiter auf Kurs.

15:00 Uhr:
Berger meint, daß die Versammlung hinter uns sich langsam auflöst. Die Zerstörer und PT-Boote laufen langsam nach Norden ab. Gut so.
Weiter unverändert auf Kurs bleiben. Wenn unser Navigator richtig gerechnet hat, dann kommt jetzt die Landzunge vor Ceuta uns vor den Bug.
Wenn wir Räder hätten, dann könnten wir bei gleichbleibendem Kurs einfach den Strand hinauf und bis nach Ceuta rollen. Blöder Gedanke.
(An dieser Stelle sei noch vermerkt, daß es nicht ratsam ist, beim Durchbruch mit der Zeitbeschleunigung zu arbeiten. Es dauert zwar, aber dafür gibt es keine unlösbaren Überraschungen. Höchstens 8 bis 16x ist kurzfristig möglich, wenn absolut keine Feindkräfte in der Nähe sind.)

15:09 Uhr:
Der Fracher scheint von einem vorausfahrenden Zerstörer begleitet zu werden. Die Entscheidung hier nicht zum Helden zu werden war Goldrichtig.
Da keine näheren Horchkontakte gemeldet werden, lasse ich auf Seerohrtiefe gehen. Schleichfahrt aufheben und Mittlere Fahrt voraus. Kurs 070 um nicht auf Grund zu laufen.
Schön der Küstenline folgen. Hoffenlich haben die hier keine Minen gelegt. Man weiß ja nie...

16:00 Uhr:
Folgen weiter der Küstenline mit ca. 2000 Meter Abstand. Batterien auf 3500 Ampere runter.
Nachdem ich bei Seerohrtiefe mal kurz neugierig wurde, konnte ich einen M39 Frachter ausmachen, welcher von einem Tribal voraus gesichert wurde.
Glück gehabt, der Pott.
Unter anderen Umständen wäre er jetzt sicher nicht mehr an der Oberfläche.

16:34 Uhr:
An der engsten Stelle patroulliert wieder ein Zerstörer. Scheinbar immer von Nord nach Süd und umgekehrt.
Die Wassertiefe liegt auf unserem Kurs bei ziemlich gleichbelibend 400 bis 500 Metern. Also ab in den Keller.
140 Meter und Langsame Schleichfahrt voraus. Ich mache es so, daß ich hinter ihm durchschleiche, wenn er wieder nach Norden läuft.
Horcher Berger ist jetzt wieder mal mein wichtigster Mann.

17:15 Uhr:
Oben wird es jetzt sicher langsam dunkler. Bis zum Affenfelsen sind es noch ein paar Kilometer.
Wird wohl nichts mit Affenfelsen-Besichtigen. Den werden wir bei Dunkelheit passieren.
Aber selbst bei Tageslicht und aufgetaucht wird man ihn nur ganz schwach im Norden ausmachen können.
Schließlich sind wir ja knapp unter der Küstenline von Afrika. Habe zwischenzeitlich Kurs 090 befohlen, als wir den nördlichsten Punkt der Halbinsel vor Ceuta passieren.

18:15 Uhr:
Vor uns wieder Kriegschiffverkehr. Vermute letzte Sperrkette vor dem Mittelmeer. 4 PT's und 2 Zerstörer. Patroullienkurse.
Bleibe auf Kurs. Alles unverändert. Betterien auf 3000 Ampere. Merkwürdig still geworden, im Boot.
Die Jungens waren schon äußerst lautlos. Aber nun könnte man meinen, man wäre ganz alleine hier unten.
Das Ganze wirkt irgendwie unwirklich und Geisterhaft auf mich. Egal. Zusammenreißen.
Bloß niemend merken lassen, wie man sich wirklich fühlt. Noch haben wir es nicht überstanden.
Ich lasse ein leichtes Lächeln auf meinen Lippen. Das stärkt die Moral.

19:00 Uhr:
Einer der Bewacher, ein Zerstörer, hat uns achteraus passiert. Hat wohl nichts bemerkt. Gott sei Dank.
Oben müsste man jetzt an Steuerbord die Lichter von Ceutas Hafen sehen. Batterie auf 2700 Ampere. Halt durch, oh du Stromaggregat.
Da schießt mir der Gedanke durch den Kopf, ob es nicht auch einen Gott für Batterien und Strom geben sollte.
Man sollte ja auch in Sachen Religion auf der Höhe der Zeit bleiben. Komische Vorstellung.
Ein bärtiger Opa, mit einer Batterie unter dem Arm und vor Spannung gekräuselten Haaren auf dem Kopf.
Hallo. Konzentriert bleiben. Es macht sich wohl etwas Müdigkeit bemerkbar. Wenn das mir so geht, dann der Besatzung auch.
Ich lasse Berger ablösen. Nicht das jetzt noch ein Fehler passiert. Noch sind wir nicht durch.
Maat Holzbauer ist unser bester 2. Horcher. Aus Bayern, der Kerl.
Er hatte mal allen ernstes behauptet, daß eine zünftige Krachlederne die beste Kleidung für U-Bootfahrer wäre. Ideen hat der Mann... Aber ein Pfundskerl.
Den brachte bis jetzt nichts aus der Ruhe. Immer ein Späßchen auf Lager. Von seinen Flüchen will ich erst gar nicht anfangen.
Gut für die Besatzung, so ein Unikum.

19:50 Uhr:
Noch 2500 Ampere. Wir sind jetzt ziemlich genau auf der Höhe von Ceuta. Über und vor uns nur Geräusche von Schnellbooten. Keine Zerstörer mehr... Noch nicht.
Haben wohl Feierabend. Man kann auch die Gräusche von Frachtern aus dem naheliegenden Hafen hören. Ob da auch Engländer dabei sind? Egal. Nichts für uns.
Immer weiter im Text. Bis jetzt läuft es gut, nur die niedrige Amperezahl macht mir Sorgen. Hoffentlich reicht es bis wir offenes Wasser erreichen.

21:09 Uhr:
Noch 2200 Ampere. Es wird eng. Den Flaschenhals haben wir jetzt wohl bald hinter uns, oder? Navigator?
"Jawoll, Herr Kaleun. Hinter uns"
Jetzt bloß nicht erleichtert wirken. Entspannt ja, aber nicht erleichtert. "Zerstörer bei 334°, schnell näher kommend", meldet Holzbauer. Das
könnte der Letzte der Sperrkette sein. Ob er uns entdeckt? Ich beschließe es wie beim letzten zu machen.
Versuchen hinter ihm durchzuschlüpfen. Hoffentlich klappts.

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1 Monat 2 Tage her #4 von Wolfpack
21:50 Uhr:
"Zerstörer läuft auf uns zu, aus 250°", tönt es flüsternd aus Richtung Horchraum.
Na, jetzt wird es nochmal spannend. "Wirft Wasserbomben, achteraus". Kurz darauf knallt es tatsächlich recht vernehmlich.
Aber es scheint, als ob auch Dieser an der falschen Stelle steht. Aber irgendetwas muss doch seine Aufmerksamkeit erregt haben.
Seltsam. Kein Ping, gar nichts. "Neuer Anlauf", raunt Holzbauer. Buuum.
Wieder achteraus. Uns solls recht sein. Wir bleiben auf Kurs.

22:10 Uhr:
Ich lasse mit Langsamer Schleichfahrt voraus unser Boot noch tiefer auf 155 Meter sacken. Sicher ist sicher.
Da. Sporadischer ASDIC-Kontakt. Verdammt, auch das noch. So kurz vor dem entgültigen Durchbruch.
"Schraubengeräusche aus 280, 290 und 300°", meldet Holzbauer. "Zerstörer, allesamt". "Laufen backbord vorbei". Na sowas?
Jetzt machen die anscheinend wieder ein Teekränzchen. Hoffentlich bleibts dabei. "Werfen Wasserbomben".
Das sind jetzt 4 Zerstörer die da geschätzte 800 Meter hinter uns Böller loslassen. Unsere Batterien sind bei 2000 Ampere.
Wenn das mal gut geht...

22:18 Uhr:
Bei dem Krach konnte ich ab und zu mal "Zwischengas" geben. Immer mal wieder auf Langsame Fahrt.
Die scheinen immer noch den falschen Platz zu beharken. Ich spiele mit dem Gedanken, auf Seerohrtiefe zu gehen und mit den Heckrohren mal mitzumischen.
Dann hätten die ihr Feuerwerk. Nichts da. Der Durchbruch muss gelingen. Ich lasse daher wieder auf 140 Meter gehen und bleibe auf Kurs.

22:35 Uhr:
Die Zerstörer gehen scheinbar wieder auf Patroullienkurs. Seltsam, daß die nicht weiter suchen?
Weiter auf Kleiner Schleichfahrt auf Kurs. Nur jetzt kein unnötiges Risiko.

20. August 1940, 0:00 Uhr:
Noch 1600 Ampere in den Batterien. Nächster Horchkontakt mit Kriegsschiff bei 200°.
Große Entfernung. Sonst keine Kontakte. Ceuta müsste nun ca. 25 Km hinter uns liegen.
Ich lasse auf Seerohrtiefe gehen, Halbe Fahrt voraus. Schleichfahrt wird aufgehoben.

00:15 Uhr:
Schöner Vollmond. Die See ist ruhig. Zerstörergeräusche bei 270°, sich alle entfernend und bei großer Distanz.
Ich lasse bis auf 7 Meter gehen um vorgeflutet mit AK-Dieselantrieb weiter auf Kurs 90° dem offenen Mittelmeer entgegenzustreben.
Endlich können die Batterien aufladen. Die Brücke wird voll besetzt.

01:10 Uhr:
Spruch an die Manschaft. Glückwünsche zum erfolgreichen Durchbruch.
Ich lasse ganz auftauchen und einen Kurs mittig zwischen Afrika und der Costa Del Sol absetzen. Mittelmeer, wir kommen.
Weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit. Ab jetzt werden ALLE Ziele angegriffen. Nicht mehr nötig noch weiter Zurückhaltung zu üben.
Bei Sonnenaufgang schärfe ich den leuten nochmal ein, sich auch auf anfliegende Luftfahrzeuge zu konzentrieren.
Am Ende haben die Engländer noch einen Flugzeugträger in der Nähe.
Wir gehen auf Große Fahrt voraus und folgen dem berechneten Kurs, schön mittig in der Badewanne.
Zumindest mal bis Höhe Algier.

04:00 Uhr:
Die Batterien sind voll. Gehen auf Halbe fahrt voraus. Jetzt ist wieder Diesel sparen modern. So langsam wird es hell.

06:00 Uhr:
Wetter gleichbeleibend schön. Keine Wolken, kein Wind. Hoffentlich auch keine Flieger.

07:00 Uhr:
Ich lasse eine Platte auflegen. "Mein Schlesierland".
Ein schönes Lied. Man kann dabei fast den Duft von frisch gemähten Wiesen riechen.
Die Besatzung darf abwechselnd mal auf die Brücke. Mal Mittelmeerluft schnuppern.
Außerdem gibt es ein extra-gutes Frühstück für jeden. Neuer Kurs: 085°.

09:00 Uhr:
Ist schon ganz schön warm geworden. Mal sehen wenns Mittag wird...

12:01 uhr:
Funkspruch. Standortmeldung von U-51, Kapitänleutnant Knorr gefordert.

12:43 Uhr:
Kleiner Frachter gesichtet. Auf 343°. Kurs 270, Entfernung 7800, Langsame Fahrt.
Jetzt schnell dessen genauen Kurs auf die Karte übertragen. Alles klar. Neuer Kurs 350.
Das sollte uns genau 90° querab vor ihn bringen. Bei der guten Sicht gehe ich auf Seerohrtiefe und bringe uns ca. 800 Meter querab von seinem kurs vor ihm in Position.
Maschinen Stop. Seerohr ausfahren. Nicht zu weit. Da ist er ja. Bei 70° von Steuerbord aufkommend.
Neuseeländer. Seerohr rein. Torpedo in Rohr eins und zwei auf Aufschlagzünder bei 3 Meter Tiefgang und schnellem Lauf einstellen.
Ich werde "aus der Hüfte" schießen. Lage für Torpedoschuss: Direkt geradeaus.
Er stampft näher. Nochmal das Seerohr raus. Geschwindigkeit immer noch ca. 6 Knoten.
Der Vorhaltewinkel sollte demnach bei der Laufgeschwindigkeit des Torpedos ca 7,8° betragen. Also Periskop auf 7,8° rechts von der Null einstellen.
Die Entfernung wird ziemlich genau bei 800 Metern liegen. Also Laufstrecke auf 700 Meter eingestellt. Er soll ja nicht zu früh scharf werden.
Das wird ein Blattschuss. Jetzt zieht der Bug des Dampfers durch den Faden, der bei 7,8° rechts vom 0-Punkt liegt.
Wärend der Prozedur natürlich die Schusslösungsinstrumente schön im Sichtfeld belassen, damit sich da nichts verändert.
Beim Durchqueren der Dampferbrücke am Fadenkreuz: "Rohr eins---Los". Seerohr ein.
Nach kurzer Zeit eine infernalische Detonation. Treffer. "Jawoll Jungs, wir haben ihn. Wir haben Ihn", tönt es durch das Boot.
Lautes Hurra ist die Antwort. Die Jungs verlieren auf einen Schlag die ganze Anspannung der letzten Stunden.
Ich lasse Auftauchen. Bug und Heck ragen noch in die Höhe. Nicht lange und er ist weggesackt. Ich lasse nach Überlebenden ausschau halten.
Nichts zu sehen. Die armen Kerle. Egal, uns hätte es bei Gibraltar auch erwischen können. Pech gehabt. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl.
Das Wort unseres Führers kommt mir ins Gedächtnis. "Ihr müsst hart gegen euch selbst sein, aber noch härter gegen den Feind. Nur so kann die Zukunft Deutschlands geschaffen werden".
Ich lasse noch an Ort und Stelle ein Torpedo der äußeren Reserve nach innen Laden und das nun leere Torpedorohr bestücken.

13:40 Uhr:
Gehen zurück auf gesteckten Kurs, Mittlere Fahrt voraus.

17:00 Uhr:
Bis jetzt keine Kontakte. Weder über, noch unter Wasser. Seltsam Ruhig. Auch keine Funksprüche.
Die See wurde zwischenzeitlich etwas rauer. Windstärke 8. Na, lassen wir uns mal überraschen, was noch auf uns zukommt.

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20. August 1940
18:04 Uhr

So gut wie keine Wolke am Himmel, aber eine steife Priese lässt das Boot doch recht heftig schaukeln.
Wir sind nun im PQ CH76, kurz vor der Höhe von Oran. Der Funker meldet, daß U-51 soeben nochmals um Standortmeldung gebeten wurde. Hoffentlich ist nichts passiert.
Ich stehe auf der Brücke und spüre die Gischt im Gesicht. Seltsam, wie kalt das Wasser ist, im Gegensatz zu dem sehr warmen Wind, der die See hochgehen lässt.
Man bekommt direkt eine Vorstellung von der Hitze der Sahara, welche sicher für diese Priese verantwortlich ist.
Die Mannschaft ist nun entspannter und der zig-fach exerzierte Routineablauf hat uns im Griff.

Ich ermahne meine Offiziere, die Mannschaft immer wieder darauf hinzuweisen, daß sie jederzeit auf äußersten Einsatz eingestellt sein sollte.
Eigentlich unnötig. Die Jungs, so jung wie sie teilweise noch sind, kennen ihren Job.
Erstaunlich, wie erwachsen sie bei ihren Verrichtungen wirken, obwohl viele Gesichter eher an Lausbuben erinnern.
Eine tolle Jugend. Wer soll uns da eigentlich den Schneid abkaufen können.
Mit dem Haufen Torpedos im Leib unseres IXB werden wir den Tommies gehörig einheizen. Soviel ist sicher.

19:05 Uhr
Wir bekommen einen Kontakt gemeldet. Vermutlich gegnerischer Frachter, langsam und mit Kurs 235.
Ich lasse einen Abfangkurs berechnen. Bei Großer Fahrt können wir ein Zusammentreffen um ca. 21:15 Uhr erwarten.
Es wird langsam dunkel und wir müssen fast kehrt machen, um den Kerl abzufangen. Es hilft nichts.
Ihn ziehen zu lassen, könnte mit Recht als Feigheit vor dem Feind ausgelegt werden.
Zumal wir ja Gibraltar schon längst hinter uns gelassen haben. Also, ran an den Feind.


Nun peitschen wir fast genau gegen den Wind. Vereinzelte hohe Wellen kommen über. Die Mannschaft weiß nun bescheid und wir sind wohl alle vom Jagdfieber gepackt.
Wird der Gegner den Kurs beibehalten? Wird es ein legitimes Ziel sein? Wie groß wird der Pott sein? Immer wieder die selben Fragen. Egal, wir werden ja sehen...

21:05 Uhr
FAAAHRZEUG- Die Wache auf der Brücke hat was entdeckt. Ich klettere sofort hinauf. Es ist Vollmond und keine Wolken am Himmel.
Die Sterne sind wie ein magisch glitzerndes schwarzes Tuch über uns gebreitet. Man kann recht weit sehen.
"Da, Herr Kaleun, bei 310, ca. 5 Kilometer". Tatsächlich, man kann den Frachter recht deutlich erkennen. Nur die Flagge ist nicht auszumachen.
Wir müssen näher ran. Da Dieser den Kurs und die Geschwindigkeit nicht änderte, bleiben wir auch auf unserem Abfangkurs, der uns in Kürze nahe genug ran bringen wird.

21:15 Uhr
Ja, jetzt ist der Bruder auf 307° ganz gut zu erkennen. Englische Handelsflagge. Volltreffer. Ein kleiner Frachter, aber schwer beladen.
Viele Kisten stapeln sich sogar auf Deck. Das ist was für uns. Ich lasse einen parallelen Kurs anschlagen um mit unveränderter Geschwindigkeit vorsetzen zu können.
Ich plane dann seinen Kurs rechtwinklig zu schneiden und mit unseren Heckrohren zu feuern. Schlißelich haben iwr sage uns schreibe 6 Aale achtern und ich möchte die Bugtorpedos schonen.
Die können wir bei schwierigeren Situationen bestimmt noch gut gebrauchen.

22:22 Uhr:
Wir stehen nun querab vom errechneten Gegnerkurs ca. 6 Km vor ihm in Lauerstellung. Machinen sind gestoppt.
Nun müssen wir seine genaue Geschwindigleit festlegen und sehen, daß er zwischen 600 und 1000 Metern hinter uns vorbeiläuft.
Ich lasse die Werte alle 10 Minuten ständig durchgeben. Zeitgleich erfassen wir die Daten aus dem Schiffserkennungshandbuch.
Es ist ein kleiner Frachter mit 78 Metern Länge und 6,8 Meter Tiefgang. Geschwindigkeit: 6 Knoten.


Das reicht. Da die See recht hoch geht und der Eimer gegen den Wind läuft, vermute ich eine leicht reduzierte Gegnerfahrt von vielleicht 5,5 Knoten.
Somit benötige ich eine Vorhalte von etwa 7,1°. Ich lasse unser Boot etwas Fahrt machen und auf Seerohrtiefe gehen, damit wir so 800 Meter querab von seinem Kusr zu liegen kommen.
"Maschinen Stop". Eigentlich hätte es auch ein Überwasserschuss werden können, aber bei der recht guten Sicht will ich nicht das Risiko vorzeitig entdeckt zu werden eingehen.
Ich will die da drüben völlig überraschen. Am besten so, daß sie keinen Funkspruch mehr absetzen können.

"Torpedogeschwindigeit: Schnell, Aufschlagzündung, Lauftiefe: 4 Meter, Scharf bei 300. -- "Eingestellt", tönt es zurück. "Rohr sechs bewässern" -- "Rohr sechs klar", kommt die Meldung.
Wie immer, feuere ich genau achteraus. Die Hüftschußmethode. Mein Favorit bei der Bekämpfung von Einzelfahrern.
Da wir ca. 90° zum Gegnerkurs stehen und seine Geschwindigkeit kennen, ist somit die Frage nach dem Lagewinkel und der genauen Entfernung überflüssig.
Ich lasse, nun da der Gegner von rechts kommend fast schon hinter uns durchläuft, den Faden im Periskop auf 7,1° rechts von der Null verharren.
Da! Er kommt geichmäßig von rechts auf. Sein Bug schneidet die Wellen wie ein Messer die Butter. Ich warte bis sein mitschiffs sitzender Schornstein den Faden im Persikop schneidet.
"Rohr 6 -- LOS" Mit einem seltsamen Gurgeln verlässt der Aal unser Boot....

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Rrrummms -- Mit einer ohrenbetäubenden Explosion schlägt unser Torpedo drüben ein. "Jawoll Jungs, wir haben ihn", quittiert unser 2WO laut den Einschlag.
Die Mannschaft schreit: "Hurraaaah", um ihrer Anspannung Luft zu machen.
Ich erkenne durch das Periskop eine riesige Fontäne von Wasser und Trümmerteilen am Heck des Gegners, welche durch eine Feuersäule beleuchtet fast an ein grandioses Feuerwerk erinnert.
Während unser Torpedo im Wasser war, verging die Zeit so zäh wie Teer, obwohl der Weg zum Ziel eigentlich sehr kurz war.
Die Spannung während dieser Zeit ist fast nicht auszuhalten. Habe ich genug Vorhalte gewählt? Oder zu wenig? Wird es ein Blindgänger?
All das geht einem durch den Kopf. Schließlich ist das Ziel ja ziemlich klein. Schnell läuft so ein Biest mal davor, oder kurz dahinter vorbei.
Ein kurzer Blick in die Gesichter der Manschaft verrät mir, daß sie genau das Selbe bewegt. Der Treffer lässt all diese Überlegungen mit einem Schlag verschwinden. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Drüben sagt mir der Ort des Einschlags, daß meine Vorhalte etwas zu gering war. Hätten wohl doch besser 7,5° sein sollen. Egal, Treffer ist Treffer.

Es sind nun mehrere Brände an Bord des Frachters ausgebrochen und beleuchten die Szenerie. Kleine Schatten rennen auf und ab.
Es scheint. als ob 1 oder 2 Schlauchboote zu Wasser gelassen werden. Noch sinkt unser Kandiat nicht. Aber Fahrt macht er auch keine mehr.
Die Manschaft will also das Schiff verlassen. Dumm nur, daß die nun garantiert Zeit zum Funken hatten.
Ich wollte eigentlich nicht, daß die Tommies so früh von der Anwesenheit unseres Bootes hier erfahren. Na, egal. Nicht mehr zu ändern

Da der da drüben nicht sinken will, beschließe ich ihn mit der 10,5er zu beharken. "Halbe Fahrt voraus. Auftauchen.
Neuer Kurs: Zwo-Sieben-Null", schnarre ich zum 1WO hinüber. Die entsprechenden Befehle gehen von ihm an die Besatzung.
"Nach dem Auftauchen alle Maschinen stoppen und sofort Deckgeschütz klarmachen zum Gefecht.", schiebe ich hinterher.
Nachdem der Turm die Wasseroberfläche durchstoßen hat, klettert zuerst die Geschützmannschaft hinauf, danach die maximale Brückenwache und danach ich selbst.
Oben angekommen, bietet sich uns ein immer wieder faszinierendes Bild.
Trotz der Tragödie, welche die Seemänner des Frachters durchmachen, kann man sich nicht dieses befriedigenden Eindrucks erwehren.
"Ja, wir haben ihn", flüstere ich wie zu mir selbst. Mein 1WO bittet mich um Entschuldigung, was ich aber mit einer kurzen Handbewegung abtue.
Krieg ist schließlich Krieg. Basta.

Die nun folgenden Handlungen überlasse ich meinen Offizieren und Mannschaften. Keine 5 Minuten nach dem Auftauchen ist das Geschütz feuerbereit.
Auf ein Nicken von mir beginnt der Beschuss des Frachters. "Auf Brücke zielen", orgelt der 1Wo zu der Geschützmannschaft.
-- PENG --
und schon rauscht die erste Granate zum Feind. Fast Zeitgleich schlägt sie in der Brücke ein. Mit etwas Glück hat es auch den Funkraum mit erwischt.
"Auf Wasserline zielen", ändert der 1WO die Vorgaben.
--PENG--, RRRUMMS-- haut es drüben ein. Noch zwei Schuß und der Rumpf des Frachters hat gut sichtbare Löcher, so groß wie Panoramafenster.
Bei jeder Auf- und Abbewegung des Kahns, dringen abertausende Liter Wasser ins Innere. Ich möchte nicht an der Stelle der "Sailors" da drüben sein.
Scheußliches Gefühl.

Der 1Wo hat das Feuer einstellen lassen. Es ist nun erkennbar, daß der Handelsfahrer beginnt über Heck abzusaufen.
Es geht recht rasch und das ehemals recht neue und schöne Schiff verabschiedet sich auf Nimmerwiedersehen, mit spitz zum Himmel gereckten Bug, für immer auf den Grund des Mittelmeers.
Kurz darauf meldet eine der Wachen: "Schlauchboote gesichtet". Es hat also überlebende gegeben.
Gott sei Dank. Bei aller Feindschaft freut man sich aber doch, daß es einige Kameraden der See geschafft haben, aus dieser Hölle auf Erden zu entkommen.
Ich lasse eilig ein paar Fresspakete zusammenstellen und eine Signalpistole mit 10 Schuss.
Wir nähern uns den Schiffbrüchigen mit kleinster Fahrt und stoppen auf deren Höhe.
Die Fressalien und die Pistole wandern in das Schlauchboot, was von dessen Besatzung mit einem verkniffenen "Thank you", quittiert wird.
Mit Begeistrung von deren Seite können wir ja nun wirklich nicht rechnen.
Mir fällt ein noch scheinbar sehr junger Bursche auf, welcher mit traurigem Gesicht zu uns nach oben schaut.
Sein zaghaftes Winken und Nicken signalisiert mir, wie dankbar er doch ob unseres christlischen Verhaltens ist.



Mithin eine kleine Befriedigung für mich. Bringen wir doch den unwiederruflichen Tod für Söhne, Brüder und Enkel über viele Menschen.
Doch zur Bestie wollen wir nicht verkommen.
Es ist Krieg und Deutschland wird sich und der Welt beweisen, daß wahre Moral und heldenhaftes Handeln der Garant für eine strahlende Zukunft der Menschen sein wird.
Nun sind wir an der Reihe. Europa wird unter der Führung Deutschlands ungekannte Größe erreichen. Endlich.

Trotzdem ich felsenfest davon überzeugt bin, kann ich mich eines fröstelnden Gefühls bei dem Gedanken nicht erwehren.
Was ist, wenn Amerika am Ende noch eingreift? Was ist, wenn unser Führer ernsthaft erkrankt?
Was ist, wenn..., Ach was, es wird schon schief gehen.
England wird bald ohne Nachschub um Frieden bitten müssen.
Frankreich ist am Boden zerstört und Russland ist unser Verbündeter.
Spanien steht uns ideologisch nahe und Italien ist unser Mitstreiter.
Wer soll uns jetzt noch aufhalten? Die Amis haben sowieso kein Interesse am Krieg.
Sie werden hinerher prächtige Geschäfte mit uns machen.
So siehts aus. Also Augen zu und durch.
Lange kann es ja nicht mehr dauern.

Praktische Erfordernisse reißen mich aus meine Gedanken. Ich lasse wieder auf ursprünglichen Kurs gehen.
Halbe Fahrt voraus. Schnell entschwindet die Szenerie aus unserem Blickfeld. Sicher wird ein anderes Schiff die Leute bald gerettet haben.
Die Arbeiten und Verrichtungen an Bord verlangen meine Aufmerksamkeit. Damit schiebe ich jeden Gedanken an die Unglücklichen beiseite.
Der Seegang ist grenzwertig, aber ich lasse eines der Torpedos der äußeren Reserve nach innen verladen.
Rohr 6 wird bald klar gemeldet und die Routine hat uns schnell wieder im Griff.
Nun streben wir mit Kurs 65 weiter in Richtung Osten den Gewässern südlich Frankreichs zu.

Ich ziehe mich in meine Koje zurück und lasse mir einen Kaffee bringen.
Schlafen kann ich jetzt nicht, aber ein wenig Ruhen wird mir gut tun. Auf die Besatzung ist Verlass. Soviel ist sicher.
Ein aufmunterndes Lächeln meines Funkers gibt mir ein seltsam vertrautes, heimisches Gefühl.
Ja, auf meine Jungens ist Verlass.

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Kaleu Wolfpack
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4 Wochen 1 Stunde her - 3 Wochen 4 Tage her #7 von Wolfpack
21. August 1940
0:15 Uhr

Irgendetwas lässt mich wach werden. Bin wohl doch eingenickt, trotz Kaffee.
Ich schäle mich aus den "Federn", winke dem Funker mit einer kurzen Handbewegung zu und schlüpfe durch das Schott in die Zentrale.
Noch etwas benommen erkundige ich mich nach dem Brennstoff. "Bei gleichbleibender Fahrt noch für 7000 Kilometer, Herr Kaleun", raunt mir der LI mit zufriedenem Gesichtsausdruck zu.
Leutnant Schrallke aus Gelsenkirchen. Ein feiner Kerl. Die Mannschaft macht sich natürlich zu gerne über seinen Namen lustig. "Schrallke aus Schalke", hört man oft.
Aber alle haben ein riesen Respekt vor ihm. Ein Schrauber, wie er im Buch steht. Trotzdem überlässt er den Maschinenraum weitestgehend seinen Maschinisten.
"Führen heißt auch delegieren", kommentiert er immer, wenn er darauf angesprochen wird.
Will schon was heißen, wenn man, mit Schraubenschlüssel und Fühllehre bewaffnet, eigentlich am liebsten selbst am Werkeln ist. Er spare sich für wirklich knifflige Aufgaben auf, meint er dazu.
Bei einigen Bier im Hafen bezeichnete Holzbauer ihn mal als den einzigen jungfräuliche LI der Marine. Worauf ich Holzbauer zur Ordnung rief.
Auch im Privaten bleibt ein Offizier ein Offizier und ein Maat ein Maat.

Das Boot schaukelt immer noch ganz deftig hin und her. Da wir aufgetaucht sind, vermute ich das sich am Wetter nicht allzuviel verändert hat.
Ich entere die Brück und werde bestätigt. Vollmond und Sternenklar bei einer steifen Priese aus Richtung WSW.
Somit laufen wir fast genau vor dem Wind. Für Segler sicher ein Genuss. Für uns etwas weniger Brennstoffverbrauch, mehr auch eigentlich nicht.
Ich weise meinen 1WO an, mich sofort zu wecken, wenn etwas außergewöhnliches passiert und haue mich nochmal aufs Ohr. So gegen 4 Uhr soll er mich wecken.

3:47 Uhr
Der 1WO weckt mich mit den Worten: "Herr Kaleun, Herr Kaleun, wir kommen jetzt auf Höhe von Oran".
Befehlsgemäß bringt mich der 1ste. wieder zurück in die Realität. "Keine Vorkommnisse", raunt er.
Ich danke und begebe mich direkt auf die Brücke. Ich nehme seine Erleichterung wahr, da er nun auch ein wenig schlafen kann.
Es ist etwas kühl hier oben und mich fröstelt. Den Morgenkaffee nehme ich aus der Flasche. Tut gut.
Langsam ahnt man den neuen Tag aufziehen. Die für mich schönste Stunde des Tages.
Es ist nicht mehr Nacht und auch noch nicht Tag. Irgendwie ein Moment aus einer anderen, besseren Welt.

4:24 Uhr
Die Sonne beginnt sich über den Horizont zu schieben. Wir laufen fast genau darauf zu.
Eine herrliche Aussicht. Nur das man jetzt kaum sieht, was einem von vorne entgegenkommt bringt mir den Ernst unseres "Ausflugs" zurück ins Bewusstsein.



5:28 Uhr
Ich lasse auf Seerohrtiefe gehen und Rundhorchen. Kein Mucks weit und breit. Vielleicht wegen unseres vorherigen Erfolgs?
Ich überlasse der Wache die Brück und kehre zurück in die Zentrale. Alles wie beim Übungsfahren. Tadellos.
Ich lasse wieder auftauchen und unsere "Reise" wie gewohnt fortsetzen.

8:10 Uhr
Meldung über Funk. Gegnerischer Frachter gesichtet. Kurs WSW, langsam. Ich tippe, er nimmt Kurs auf Melilla.
Ist in unserer Reichweite, wenn auch bereits nördlich ein gutes Stück hinter uns. Ich lasse erneut einen Abfangkurs berechnen.
Der Befehlt geht raus."Neuer Kurs zwo-sieben-null, Große Fahrt voraus". In etwas einer Stunde sollten wir Sichtkontakt haben können.

9:22 Uhr
Auf etwa 40° hat eine der Wachen ein Schemen ausgemacht. Der Blick durchs Fernglas bei maximaler Vergrößerung lässt einen dickeren Pott vermuten.
Entfernung nur schwer zu schätzen. Jedenfalls ist er ganau da, wo er laut Berechnung sein sollte. Sehr gut.
Da fährt also einer scheinbar völlig ahnungslos dahin. Um so besser. Ich bespreche mich mit dem Navigator und lassse auf Halbe Fahrt gehen.
Den eigenen Kurs noch etwas korrigieren. So können wir Sprit sparen und kommen in eine perfekte Position zum Angriff.



9:35 Uhr
Ein WarMelody-Typ. Jetzt bei 39°, ca. 9000 Meter. Liegt scheinbar schwer im Wasser, jedenfalls was man von hier aus sehen kann.

10:01
Lasse Parallelkurs gehen. Entfernung ca. 8300 Meter. Wir haben die Sonne im Rücken. Trotzdem besser nicht näher ran.
Keine Entdeckung riskieren. Ich lasse auf Große Fahrt gehen um schnell vorsetzen zu können.
Es wird Mittag und wer weiß, ob wir nicht noch Gesellschaft bekommen.

10:49 Uhr
Kurs nunmehr 90° zum Gegnerkurs, Richtung NNO. Stehen etwa 1 Km querab zum errechneten Feindkurs.
Letztmalige Überprüfung des genauen Kursverlaufs des Gegners und ab auf Seerohrtiefe.
Die See ist recht kernig. Ich muss auf 12 Meter gehen, sonst lugt der Turm ab und zu aus dem Wasser.
Das Boot steht nun still und zusammen mit dem Horcher verfolge ich den Weg des Ziels. Scheint alles in Ordnung. Er kommt immer näher. Gut so.



11:01 Uhr
Ein weiterer Blick durchs Periskop lässt mich einen erstaunten Gesichtsausdruck machen.
Wir hatten soeben einen unidentifizierbares Geräusch in Form eines Rumpelns gehört. Genau aus Richtung des Ziels.
Nun sehe ich eine Rauchsäule über dem Heck des Frachters. Nanu? Haben die da drüben vor ein Grillfest zu veranstalten?
Ich überprüfe nochmals die Geschwindigkeit des Gegners. 5,5 Knoten. Eher 5. Hat ihn jemand angegriffen? Ein anderes Boot?
Mein Horcher zuckt die Schultern. Keine anderen Geräusche von Fahrzeugen im Umkreis.
Luftangriff? Durch wen und wie? Ich finde keine Antwort, weise aber Holzbauer an aufmerksam weiter rund zu horchen.
Am Ende ist dem ein Stück Ladung Explodiert?



Ich messe nochmal. 5 Knoten, gleichbleibend. Also gut. Scheinbar hält den da drüben irgendetwas davon ab, etwas schneller zu fahren.
Wir hatten eigentlich 6 Knoten errechnet. Seltsam. Ich lasse die Torpedos in Rohr 1 und 2 vorbereiten.
Beide auf 4 Meter Tiefe, Aufschlag und schnell. Rohr 1 werde ich bei einer Vorhalte von 7,8° für 6KN Gegnerfahrt einstellen lassen.
Rohr 2 bei 6,5° für 5KN. Es könnte ja sein, daß der Andere plötzlich wieder schneller wird.
"Rohr eins und zwo, bewässern, Mündungsklappen öffnen."
Wieder läuft der Gegner quälend langsam durch die Zieloptik. Eben geht sein vorderer Mast durch den Faden.
"Rohr 1 -- LOS". Ich korrigiere den faden nun auf 6,5° rechts. Als sein Schornstein durchgeht:
"Rohr 2 -- LOS". Gespannt sitzen wir in der Zentrale und harren den Einschlägen.
Die Spannung dieses Moments ist jedesmal unbeschreiblich.

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3 Wochen 6 Tage her - 3 Wochen 4 Tage her #8 von Wolfpack
21. August 1940
11:08 Uhr

RRRUUMS - Ein infernalisches Explosionsgeräusch lässt uns zusammenfahren.
Die Gesichter beginnen sich zu entspannen. Folgeexplosionen sind zu vernehmen.
RRRUUMS - der zweite Torpedo hat auch eingeschlagen. Ich überlasse das Periskop meinem 1WO.
Der schiebt sich seine Mütze um 180° gedreht ins Genick und klebt seine rechtes Auge ans Okular.
Das linke Auge zugekniffen mit halb offenem, schiefen Mund hängt er da. Ich muss unwillkürlich lächeln.
Sieht irgendwie belustigend aus. Ich beobachte aus den Augenwinkeln, daß noch mehr der Anwesenden ein leichtes Grinsen auf den Lippen haben.
So, so. Bestimmt mache ich das gleiche Gesicht, wenn ich am Spargel hänge und die Jungens feixen dann genauso.
Na, seis drum. Hauptsache erfolgreich und der Respekt geht nicht vor die Hunde. Nun überlässt der 1WO mir die Optik.



Es gab wohl einen Treffer ziemlich in der Mitte des Frachters und einen Weiteren in Richtung Heck.



Rumpelnde Explosionen und gewaltige Brände dort. Ich überschlage, daß der erste Einschlag mittig saß.
Also war die Vorhalte von 7,8° ziemlich genau. Bei 8,0° hätte der Einschlag genau beim vorderen Mast sitzen müssen.
Dort nämlich, weil der Schuss beim Durchlauf des Masts gelöst wurde. Also fuhr der Kahn geringfügig schneller als 6KN, vermutlich so 6,5KN.
Damit erklärt sich auch der relativ hinten erfolgte Einschlag vom 2. Torpedo. Die etwas zu geringe Vorhalte von 6,5° für 5KN ließ den Aal fast fehllaufen.
Einerlei, Treffer ist treffer. Aber beim nächsten Mal etwas genauer die Gegnerfahrt bestimmen.



Schnell klappt der Gegner in der Mitte zusammen. Es hat ihn regelrecht zerissen. Ganz sicher hatte er hochexplosive Fracht geladen.
Vielleicht Muni, die nun nicht mehr gegen Deutschland zum Einsatz kommen kann. Sehr gut.
Ich lasse Auftauchen, da auch vom Horcher keine weiteren Geräusche festzustellen sind.
Wir suchen die Untergangsstelle ab, aber außer Trümmern können wir keine Überlebenden sehen. Es hat sie wohl alle erwischt.
Die anfängliche Freude auf den Gesichtern der Besatzung über die Versenkung wandelt sich in ernste Minen.
Hart sein ja, aber es auch können ist was ganz anderes. Wir bringen den Tod, genauso wie der Gegner ihn uns bringt.
Also weitermachen und nicht sentimental werden. Es ist unsere Aufgabe, ob es uns nun gefällt oder nicht.

11:19 Uhr
Wir setzen unseren Marsch nach La Spezia fort. Wir befinden uns nun auf der Höhe von Oran, in der unteren rechten Ecke von CH73. Ich lasse Meldung an den BDU machen.

12:02 Uhr
U-51 wird erneut gerufen. Immer noch Standortmeldung ausstehend. Ich kann mir nicht helfen...

14:41 Uhr
Kaleun Matz von U-59 meldet die Versenkung von 2339 BRT. Gut gemacht.

15:10 Uhr
Einzelfahrer gemeldet. Kurs WSW. Diesmal etwa auf unserer Höhe, aber dafür etwas weiter entfernt.
Entscheidung: Abfangkurs berechnen. Wir sollten ihn in ca. 2 Std. angreifen können.

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3 Wochen 4 Tage her - 3 Wochen 4 Tage her #9 von Wolfpack
21. August 1940
17:11 Uhr

Erster Sichtkontakt. Könnte auch ein WarMelody-Typ sein. Gehe auf AK um ihn vor Sonnenuntergang zu erwischen.

17:21 Uhr
Es ist ein Aufklärungsfrachter mit australischer Flagge. Der könnte bewaffnet sein. Also vorsicht.
Ich beschließe ihn mit den Heckrohren anzugreifen, routinemäßiges Vorsetzen und Position einnehmen.
FAAHRZEUG -- Die Wache hat einen weiteren Frachter etwas nördlicher mit Gegenkurs zum Ziel gesichtet.
Hier ist ja ein Verkehr wie in Friedenszeiten. Ich beschließe den ursprünglichen Angriff fortzuführen und werde mich um den Anderen danach kümmern,
da er ja sowieso in unsere eigentliche Richtung marschiert.



Also weiter im Text. Das Vorsetzen hat nach altbewärtem Muster bestens geklappt. Wir erledigen ihn mit einem Schuss aus Rohr 6.
Er verschwindet sang und klanglos auf dem Grund des Meeres. Ein paar haben den Untergang überlebt. Ich denke, da hier soviel Verkehr zu herrschen scheint, wird man sie bald herausgefischt haben.
Also nichts wie hinter dem anderen Kameraden her.

18:29
Es ist schon dunkel geworden und wir setzen unserem Opfer nach. Das Wetter hat sich seit Gestern kein bischen verändert. Daher werden wir ihn sicher gut ausmachen können.

19:58
Da ist er. Ein WarMelody. Englische Flagge. Sehr schön.

22:41
Wir melden an den BDU die Versenkungen. Der Aufklärungsfrachter und der WarMelody von eben gerade.
Wir haben ihn mit Rohr 1 zum Halten gebracht. Sind dann aufgetaucht und haben der Besatzung Gelegenheit zum Verlassen des Schiffs gegeben.
Sie passten scheinbar alle, bis auf einige, in ein großes Rettungsboot. Der Rest hält sich mit Schwimmreifen und ähnlichem über Wasser.
Man wird sie sicher bald ins Rettungsboot gezogen haben. Wir warten, bis die Jungs sich etwas von ihrem Schiff abgesetzt haben und erledigen den Rest mit der 10,5er.
Danach setzen wir mit halber Fahrt voraus unseren ursprünglichen Weg fort.

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22. August 1940
2:20 Uhr

Unsere Aktivitäten dürften beim Gegner nicht unbemerkt geblieben sein. Ich rechne daher früher oder später mit dem Auftauchen von Kriegsschifffen und/oder Flugzeugen.
Einzig, ich glaube nicht, daß die Briten hier Träger in Reichweite liegen haben. Eher im östlichen Mittelmeer. Man hat sie da ganz schön in die Zange genommen.
Wir bewegen uns nun ziemlich ganau auf halben Weg zwischen Algier und Mallorca, Kurs ONO.
Ich überlge mir, angesichts der noch recht großen Menge an Diesel, einen Weg um die Südspitze Sardiniens einzuschlagen.
Ich bin mir recht sicher, daß wir so bestimmt noch einges vor die Rohre bekommen.
Sollte sich jedoch abzeichnen, daß wir bereits vorher so beschäftigt werden, daß Brennstoff und Torpedos ausgehen,
dann werde ich nördlich von Korsika nach La Spezia marschieren. Man wird sehen.

2:45 Uhr
Frachter auf 353, meldet die Brückenwache.
Seltsamerweise kann man schon jetzt recht gut sehen, obwohl es nach der Uhrzeit eigentlich noch rabenschwarze Nacht sein sollte.
Egal. Der Bursche ist schon recht nahe. Achtung, bloß nicht sehen lassen. Gott sei Dank haben wir den Vollmond fast genau hinter uns.
Somit sehen wir ihn, er aber nicht uns. Trotzdem, sicher ist sicher. Schnell noch den genauen Gegnerkurs bestimmt und schnell auf Seerohrtiefe.
AK voraus und Kurs N. Da der Gegner auf fast genauem Gegenkurs läuft, brauchen wir nach dem Einschwenken kaum noch eine Annährung zu seinem Weg. Perfekt.
Ich lasse auf 13 Meter gehen, da der Seegang noch immer ein zeitweises freilegen des Turms bewirken kann.
Ein Blick durchs Seerohr: Ein Kleiner Frachter. Bläuliche Flagge. Wieder ein Neuseeländer? Gegnerfahrt?
Ui, der ist etwas schneller. So um die 7KN. Wieder läuft das unerbittliche Prozedere ab. Die Flagge ist nun klar erkennbar.
Ein Neuseeländer, wie vermutet. Rohr 3 bekommt die Ehre. Tiefe auf 3 Meter, schnell und Aufschlagzündung. Vorhalte: 9,5°.
"ROHR 3 -- LOS"
Ein scharfer Knall signalisiert uns den Treffer. Durch das Periskop kann ich sehen, daß der Bursche im vorderen Drittel getroffen wurde.
Er macht noch immer Fahrt. Keine Waffen an Bord also auftauchen und den Rest mit der Kanone erledigen.
Gesagt, getan. Nach 5 Treffern der 10,5er zerreißt es den Kahn mit riesigen Explosionen. Der hat mit Sicherheit keine Schokolade geladen.
Voll mit Munition, der Pott. Sehr gut. Wieder weniger Material für die Briten. Die anschließende Suche nach Überlebenden bleibt erfolglos.
Keine zu finden. Schrecklich.
Aber bei der Ladung ist es ja auch ein ziemliches Himmelfahrtskommando für die Matrosen der Handelsmarine.

3:12 Uhr
Das Wetter grenzt an ein Wunder. Seit zwei Tagen unverändert. Mir solls recht sein.
So können wir ein recht großes Seegebiet einsehen. Es wird nun schnell hell und wir setzen unseren Weg fort.

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22. August 1940
4:25 Uhr

Ich hatte mich etwas hingelegt und bin mit meinen Gedanken nicht so recht bei der Sache.
Warum La Spezia mit einem 9er Boot? Klar, es gibt so einige Fürs, aber überwiegen nicht die Wieders?
Wir brauchen länger, um auf Tauchstation zu gehen. Das kann in einem so engen Gebiet wie dem Mittelmeer schnell zum Verhängnis werden.
Außerdem müssen sicher küstennahe Angriffe gefahren werden. Auch hier ist das wesentlich größere 9er schneller aufspürbar.
Es kommen also sicher harte Zeiten auf uns zu, denn ich glaube, daß wir nicht so schnell wieder in den Atlantik kommen.
Vielleicht sollen wir auch im Verband mit kleineren Booten diesen auch als Waffenträger dienen.
Das halte ich zwar persönlich für Blödsinn, aber man kann ja nie wissen.

Weit aus wahrscheinlicher könnte sein, daß unsere Führung den Italienern ein bischen zeigen möchte, daß Deutschland ein starker Partner ist
und mit einem beeindruckenden Boot Bewunderung heischen möchte.
Ich beschließe in Bezug auf Disziplin und Korrektheit in Italien Eindruck zu schinden. Kann ja nicht schaden.
Italien hat zwar eine beeindruckende Marine, aber in Sachen U-Boote und vor allem U-Boottechnik sind wir zweifellos weit voraus.

Monoton laufen die Stunden dahin. Immer wieder die üblichen Geräusche und Vorgänge.
Hier und da unterbrochen von Gelächter einiger Besatzungsmitglieder und den Flüchen von denen, die sich gerade bei irgendeiner Routinereparatur einen Blauen Fingernagel geholt haben.
Ich muss unwillkürlich lächeln. Wenn es nicht so tödlich ernst wäre, müste man eigentlich denken, Teil einer Kommödie zu sein.
Ja, wenn es nicht so ernst wäre. Noch immer haben wir Aale an Bord und die werden nicht nur ein schönes Feuerwerk abgeben. Sie werden den Tod bringen.
Vom Funker tönt halblaut der "Westerwald" herüber. Die Marschmusik hält die Besatzung in Motivation.
Die wissen ganz genau, daß für einige ein paar Auszeichnungen in La Spezia fällig werden.

9:15 Uhr
Ich erhalte die Meldung, daß ein Torpedo offensichtlich nicht einsatzfähig ist. Ich kann es nicht glauben und schaue mir die Sache persönlich an.
Torpedomaat Rösch zeigt mir die Bescherung. Die Lager des Schraubenantriebs sind anscheinend nicht richtig passgenau und gefettet und machen Laufgeräusche.
"Wenn der unterwegs ist, dann könnte er fressen und damit langsamer werden, Herr Kaleun. Auch könnte er ganz den Vortrieb verlieren", erklärt mir Rösch etwas, was ich selbst schon weiß.
"Es müssen alle verbliebenen Torpedos auf Fehler überprüft werden", entgegne ich mit hartem Ton.
"Wir müssen so schnell und so zuverlässig wie es geht wissen, wieviele einsatzbereite Aale wir zur Verfügung haben.
Fangen sie sofort mit den Dampftorpedos an. Zuerst einen der Vorderen, dann einen der Hinteren und so weiter.
Sobald einer klar ist, ab ins Rohr mit ihm und sofort Klarmeldung, verstanden?
Wenn sie je einen Dampf-Torpedo klar haben, dann machen sie mit den E-Torpedos weiter. Danach wieder Dampf, und so weiter."
"Jawoll, Herr Kaleun", erwiedert Obermaat Rösch mit fester Stimme.
Ich bemerke aber in seiner Stimme seine Enttäuschung über die offenbar mangelhafte Qualität der Torpedos und die zusätzliche und eigentlich unnötige Arbeit für Ihn und seine Jungens.
Ich bin mir aber sicher, daß er alles schnell und professionell ausführen wird. Sind halt gute Jungens.

10:03 Uhr
Meldung über feindlichen Frachter.
Auf 265°, offenbar keine 10 Km von unserer Position mit Kurs West.
Ich habe noch keine Klarmeldung von Rösch. Ich beauftrage meinen 1WO sich über den Fortgang der Arbeiten zu erkundigen.
Im selben Moment kommt Rösch durch das Schott und meldet, daß Rohr 3 und 4 klar sind.
Allerdings wäre Rohr 4 mit einem E-Torpedo geladen. Rohr 5 und 6 seien ebenfalls klar und mit je einem Dampf- und einem E-Torpedo geladen.
Bis jetzt wurden noch zwei weitere Torpedos mit dem selben Problem gefunden. Es seien diejenigen, welche als Außenreserve mitgeführt wurden.
Könnte ein Hinweis sein. Allerdings wurden schon zwei dieser Reserve verschossen und funktionierten einwandfrei. Warscheinlich Glück gehabt.

"Sehr gut, Rösch, weitermachen", entgegne ich. Mit einem vielsagenden Blick zum 1WO wenden wir uns beide wieder unseren Aufgaben zu.
Schnell ist der Abfangkurs berechnet und wir dampfen mit Halber Fahrt auf den Abfangpunkt zu.
Zusammentreffen in ca. 1,5 Std. Ich entschließe mich für keinen direkten Abfangkurs, sondern sattdessen lasse ich einen Parallelkurs anschlagen um eine vorzeitige Entdeckung zu vermeiden.
Darauf vertrauend, daß der Gegner seinen Kurs nicht ändern wird. Danach dann so vorsetzen, daß wir in Heckschussposition kommen. Ich will es diesmal mit einem E-Torpedo machen.
Bis dahin sollten die verbliebenen Hecktorpedos klar gemeldet werden. Natürlich bis auf die untauglichen.
Naja, zwei hab ich ja schon mal klar. Ist doch was.

11:11
Entscheide AK Voraus.
Rösch hat nun alle Hecktorpedos klar gemeldet. Nur einer war dort ebenfalls mit fehlerhaften Lagern gefunden worden.
Im Bug waren es 4. Ganze 4 Stück. Sauerei.
"Notieren sie die Seriennummern, auch die der Einsatzbereiten und geben sie mir den Zettel mit ihrer Unterschrift, sobald sie fertig sind", weise ich Rösch an.
Ich werde darüber unbedingt Meldung machen müssen. Am besten per Funk. Die Sache duldet keinen Aufschub.
Es könnten ja noch andere Boote davon betroffen sein. Außerdem möchte ich in La Spezia einwandfreie und überprüfte Aale aufnehmen.
Wäre es möglich, daß die Versorger ungeprüfte und untaugliche Aale vorhalten?
Ach was, diese Gedanken soll sich ein Anderer machen. Wir haben hier eine Aufgabe und die lautet bestimmt nicht sich um die Qualität unserer Munition verdient zu machen.
Ich werde den Funkspruch direkt nach unserem Angriff absetzen lassen.

11:20 Uhr
Schwenken nun auf Kurs 0. Gegner auf nunmehr 45°, geschätzte Entfernung: Ca. 8 bis 10 Km.
Kann knapp werden. Wir jagen nun mit 18Kn auf unseren Lauerpunkt zu. Wenn der da drüben wüsste...

11:39 Uhr
Wir haben uns offensichtlich verrechnet. Wir laufen zu früh in seinen Sichtbereich. Gemütliches Werteerfassen is nich. Verdammt.
"Seerohrtiefe", befehle ich, "Auf 13 Meter gehn". Der Bursche scheint nicht genau West zu laufen. Eher Kurs 285.
Ich lasse unseren Kurs auf 10° korrigieren. Scheint ein Erzfrachter zu sein. Wunderbar.
Entschließe mich für Rohr 4 mit E-Torpedo. Es ist ein Engländer und er ist mit 6Kn unterwegs.


Vorhalte: 11,5°. Die E-Biester laufen eben nur mit 30Kn.
Da kommt der Zossen.


"Rohr 4 -- Los"


Jetzt heißt es Sekunden zählen. Man könnte meinen, daß selbst unser Boot die Luft anhält.
Hoffentlich ist der Torpedo in Ordnung. Die Sekunden vergehen noch zäher, da wir ja einen langsameren Aal eingesetzt haben.


Volltreffer. Genau auf den Punkt. Der Einschlag geschah genau am anvisierten Punkt.
Somit stimmte die gemessene Geschwindigkeit und der Vorhaltewinkel ganz genau überein.
"Tadellose Arbeit", lobe ich meinen 1WO, dem ich das Prozedere gänzlich überlassen hatte.
"Jawoll, Herr Kaleun", entgegnet er mit einem stolzen Gesichtsausdruck. Man kann richtig sehen, wie er um mindestens 2 Zentimeter gewachsen ist.
Die Umstehenden nicken anerkennend mit den Köpfen, wärend der Rest der Besatzung wieder mal johlt, als ob Schalke Meister geworden wäre.


(Fast wie mit der Bohrmaschine gelocht.)


(Die enorme Rauchentwicklung ist immer wieder ein Augenschmaus)



Wir sind aufgetaucht, um gegebenenfalls die 10,5er einzusetzen. Schließlich wird es ja jetzt recht knapp mit den Torpedos.
Also jetzt erst recht, Fangschüsse nur wenn es gar nicht anders geht. Drüben rennen sie wie Ameisen hin und her, mit denm vergeblichen Versuchen den Feuern beizukommen.
Jetzt verlassen einige das Schiff. Eine rote Leuchtrakete geht gen Himmel.
Der Frachter kränkt nach backbord und Bug und macht keine Fahrt mehr. Er wird sich sicher nicht lange halten.

12:20 Uhr
Nun dreht er über Steuerbord und Bug weg nach unten. Kurz vor seinem Verschwinden dreht er den Kiel fast ganz gen Himmel...und weg ist er.



An der Untergangsstelle sehen wir ein Schlauchboot, einige Rettungsringe mit Matrosen und offensichtlich tote Seeleute im Wasser treiben.



Ich erwische mich dabei, wie ich meine Backenzähne aufeinander Reiben lasse.
Mein 1WO bemerkt es wohl und schaut mich mit einem verständnisvollen, aber etwas bedauernden Blick an.
Schließlich hat er ja den Schuß gelöst. "Das ist unsere Aufgabe", entgegne ich knapp, "gewöhnen Sie sich dran.
Je eher, je besser. Es gibt hier keinen Platz für Gefühlsduselei." Er hat wohl auch meine gemischten Gefühle bemerkt, daher muss ich ihm klarmachen, daß er hier keine Wahl hatte.
"Entweder die, oder wir. Was ist ihnen lieber", schnarre ich knapp. "Jawoll, Herr Kaleun", entgegnet er, wohl mehr pflichtbewusst, als wirklich überzeugt.
"Schauen Sie, Sie erfüllen hier Ihre verdammte Pflicht. Wenn Sie es nicht machen, dann machen es andere. Sie haben keine Wahl.
Denken sie auch daran, daß jeder Frachter weniger auch weniger Verluste an deutschen Soldaten bedeutet. Ja sogar weniger tote Gegner.
Sie wissen, daß sie für die unvermeidlichen Opfer keine Verantwortung tragen. Wohl aber für die Vermeidbaren. Verstehen Sie das?"
"Jawoll, Herr Kaleun, Sie haben natürlich recht Herr Kaleun. Verzeihen Sie bitte, wird nicht mehr vorkommen", strafft sich mein 1WO und scheint sich tatsächlich etwas gefangen zu haben.
Das Schlimme ist nur, daß ich selbst ja auch davon überzeugt sein muss. Ob ich es nun bin, oder nicht, spielt keine Rolle.
Ich muss dafür sorgen, daß der junge Mann später als Kommandeur eines eigenen Bootes keine gefährlichen Gedanken hegen wird, die Ihn und seine Besatzung gefährden könnten.

Wir nähern uns auf meinen Befehl langsam dem Rettungsboot und den Schiffbrüchigen.
Erneut lassen wir etwas Proviant und Verbandszeug da. Jawohl, hart sein ja, aber nicht unmenschlich. Alles hat Grenzen.
Auch und gerade im Krieg muss sich auch christliche Nächstenliebe und Samaritertum bewahren. So es eben möglich ist.
Schließlich ist es die einzige Möglichkeit für uns Soldaten sich die eigene Seele so rein wie möglich zu bewahren und nicht gänzilch zum Tier zu werden.
So es eben möglich ist., ja, so es eben möglich ist.

"Lassen Sie wieder auf Kurs gehen, Halbe Fahrt Voraus und machen Sie mir dann Meldung, sobald Sie sich vom einwandfreien Zustand aller Sationen überzeugt haben.
Lassen Sie insbesondere einen Funkspruch über die Torpedoangelegenheit rausgehen", verabschiede ich mich von der Brücke, ohne eine Bestätigung abzuwarten.
Ich sehe noch schnell mal im Heckraum vorbei, wo die Freiwachen gerade ein zünftiges "Achzehn, Zwanzig, zwo, null, vier.., Passe" zurufen.
Als sie mich bemerken wollen Sie Haltung annehmen, aber ich winke nur ab. "Weitermachen, Männer".
Keiner der Jungens hat bis jetzt mit eigenen Augen unsere letzten Versenkungen und die Folgen gesehen. Ist auch besser so, resumiere ich.
Es reicht mir schon, wenn die Offiziere ab und zu eine "Aufmunterung" brauchen. Wenn ich jetzt noch Teile der Besatzung "betreuen" müsste... nicht auszudenken.

Ich kehre zurück in meine Koje und auf dem Weg dahin berichtet mir der Funker, daß U-51 wohl noch immer nicht auf die Aufforderung zur Standortmeldung reagiert hat.
Jedenfalls kam schon wieder die Frage danach über den Äther. Ich bedanke mich kurz und haue mich auf meine Pritsche.

Etwa 10 Minuten später macht mir mein 1WO befehlsgemäß Meldung.
"Alle Stationen klar. Befohlener Kurs und Geschwindigkeit liegen an. Meldung über Torpedo-Probleme und Versenkung ist raus, Herr Kaleun".
Ich bedanke mich und zwinkere ihm zu: " Gut gemacht, 1WO, gut gemacht. Na dann weiter Richtung Italien."
"Herr Kaleun?" -- "Was gibt es noch?" -- "Danke, Herr Kaleun", antwortet er mit nun festerer Stimme und scheinbar überzeugt.
Ich weiß natürlich, daß er damit die kleine "Belehrung" von vorhin meinte. "Ist schon in Ordnung", entgegne ich, "aber jetzt weiter im Text.
So ein Boot fährt sich nicht von alleine". "Zu Befehl", fährt nicht von alleine", antwortet er und dreht sich mit zufriedenem Gesicht in Richtung Zentrale, in die er dann auch sogleich verschwindet.

Wieder bin ich mit meine Gedanken alleine und alsbald eingeschlummert.


16:04
"Meldung, Herr Kaleun", weckt mich der Funker. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, daß ich wohl ziemlich lange fest geschlafen habe.
Er reicht mir die Funkmeldung, welche uns einen feindlichen Frachter ca. 25 Km entfernt mit Kurs NNW ankündigt.
Wenn das so weitergeht, dann können wir uns tatsächlich noch vor Eintreffen in La Spezia auf hoher See versorgen lassen.
Was für ein Verkehr. Entweder wissen die Briten noch nicht das wir da sind, oder sie ignorieren uns erfolgreich.
Kann auch sein, daß man da schon so verzweifelt ist, und einfach alles losschickt, ohne Rücksicht auf Verluste. Seis drum.
Mir kanns Wurst sein. Ziel ist Ziel. Ich lasse auf Kurs 285 gehen. Große Fahrt voraus.
In spätesten 2 Stunden möchte ich auch diesen Burschen bei den Fischen sehen.

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Kaleu Wolfpack
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3 Wochen 2 Tage her #10 von Wolfpack
22. August 1940
17:35 Uhr

Auf 95° Rauchfahne am Horizont. Ich klopfe unserem Navigator auf die Schulter.
"Gut gemacht, ausgezeichnete Arbeit" Obersteuermann Palter ist noch sehr jung. Gerade einmal 23 Jahre alt.
Aber er ist sehr gut im Navigieren und Rechnen. Bis jetzt hat er uns noch immer ziemlich genau die Position und den Kurs errechnet.
Ein tolles Gefühl, wenn man bei so jungen Leuten soviel Wissen und Talent entdeckt.
So jemand wächst einem schnell an Herz und man möchte möglichst viel von seinem eigenen Wissen an ihn weitergeben.
Wenn der Krieg mal vorbei ist, dann wird er ein heiß umschwärmter Kanditat für die Handelsschifffahrt sein.

18:05
Also, auf gehts. Wir können nun den Gegnerkurs in etwa berechnen.
Ich lasse das Boot auf Kurs 350 gehen, Halbe Fahrt bis Position Heckschuss.
Es ist schon recht dunkel geworden.

18:23 Uhr
Rauchfahne jetzt bei 80°. Wenn kein Vollmond wäre, dann wäre es fast unmöglich den Gegner auszumachen.
Ich lasse stoppen, da der da drüben ziemlich genau auf dem von uns angenommenen Kurs auf uns zu hält.
Um den Kurs ganz genau bestimmen zu können, muss er aber noch etwas näher herankommen.
Ich plane nach wie vor einen erneuten Heckschuss. Gespannte Gesichter um mich herum.
Das Jagdfieber hat uns wieder gepackt.

18:36 Uhr
Frachter nun klar bei 75°, ca. 10Km querab.
Bei der Lage würde er glatt vor uns vorbeilaufen. Alles ist nur schwer erkennbar.
Ich gehe auf AK um mit den Heckrohren seine Steuerbordseite zu verschönern.

18:59 Uhr
Sind auf Position. Geschätzte 800m querab vom Gegnerkurs.
Der ist noch ca. 3Km entfernt. Ich tippe auf Trampdampfer.
Seine Fahrt haben wir auf 6Kn errechnet. Somit wird er bald vor die Rohre laufen.
Befehle Seehrohrtiefe.

19:09 Uhr
Erste Messung Gegnerfahrt: 6Kn. Es ist ein Tramp. Dachte ich es mir doch.
Ein Australier, so wie es aussieht. "Rohr 6 klar für Unterwasserschuss, Tiefe 4 und schnell", befehle ich.
Der Befehl wird umgehend bestätigt.

19:11 Uhr
Zweite Messung Gegnerfahrt: 6Kn. Vorhalte für E-Torpedo: 11,5°.
Wir hatten inzwischen den in Rohr 6 befindlichen Dampftorpedo durch einen Elektrischen ersetzt.
Ich will die Dampftorpedos für kniffligere Situationen bereithalten. Situationen, in denen ich einen Schnellläufer brauchen werde.

19:19 Uhr
Dritte und letzte Messung: 6Kn Gegnerfahrt. Alles klar.

19:27 Uhr
"Rohr 5 bewässern und Mündungsklappe öffnen."
"Rohr 5, fertig zum Unterwasserschuss" -- "Rohr 5, klar", tönt es zurück.
"Rohr 5 --- LOS".
Es klappt alles wie am Schnürchen. Man kann den Abschuss des Torpedos genau hören.
Ein fast geisterhaftes Geräusch, denn man weiß was da jetzt auf den Kerl da drüben zukommt.
Da es schon dunkel ist, bleibe ich mit dem Peri über Wasser. Quälende 70 Sekunden vergehen, als ein scharfer Knall uns unwillkürlich zusammenzucken lässt.
Bevor wir uns gegenseitig beglückwünschen und das übliche Schalke 04 Gejohle aufkommt, zerreißt eine infernalische Explosion uns fast die Trommelfelle.
Und das im getauchten Boot. Es ist schlagartig still im Boot und ich klemme mich blitzartig ans Okular.
Da wo noch kurz vorher ein schönes Schiff die Wellen pflügte, kann man nur noch eine gewaltige, sich immer noch ausdehnende feurige Wolke erblicken.
Mein Gott, was der wohl geladen hatte? Da drüben hat wohl keiner überlebt. Es hat diesen Frachter regelrecht in tausend Stücke gerissen.

"Na, meine Herren?", drehe ich mich zur Besatzung der Zentrale,
" Und wieder hat es U-103 dem Gegner so richtig gezeigt, was?" Jetzt bricht auch der langersehnte Jubel aus.
Bloß gut, daß die Jungs nichts von der Hölle da drüben gesehen haben.
Ich lasse wieder auf Kurs gehen und auftauchen. Wir haben jetzt noch 4, hoffentlich brauchbare, Aale an Bord.
Je einen Dampf- und E-Torpedo im Heck und zwei Dampftorpedos im Bug. Der Rest scheint unbrachbar zu sein.
Ich beschließe kein Risiko einzugehen. Die bleiben im Boot bis wir in La Spezia einlaufen.
Wir befinden uns nun ziemlich zentral im PQ59. Es ist noch ein langer Weg bis Italien.

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Kaleu Wolfpack
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3 Wochen 1 Tag her #11 von Wolfpack
21:55 Uhr
Es ist erstaunlich, wie stabil und unverändert die Wetterlage ist. Mir solls recht sein.
Da keine Flieger bis jetzt aufgetaucht sind, haben wir ein leichtes Leben.
Damit die Mannschaft nicht auf dumme Gedanken kommt, habe ich befohlen das Unterste zu Oberst zu kehren.
Alle Stationen sollen auch die kleinste Unzulänglichkeit beseitigen. An Rohr 3 wurde die Dichtung des Verschlusses gewechselt. Sicherheitshalber.
LI Schrallke hat sich höchstpersönlich darum gekümmert. Wahrscheinlich mehr aus Langeweile.
Bei meinem Rundgang hörte ich ihn, wie er den Torpedo- und Wartungsmännern eine regelrechte Vorlesung über Dichtungen im Speziellen,
aber auch Stopfbuchsen von Ventilen und Schiebern im Allgemeinen hielt. Ich nickt ihm nur kurz zu, um ihm mein Einverständnis zu signalisieren.
Die Jungens hörten ihm zu, als ob ein Prophet zu ihnen spricht. Das ist schon gut so. Von Schrallke können sie eine Menge lernen.
Und man weiß ja nie, ob es mal zu einer Situation kommt, in der genau dieses Wissen im Kopf eines jungen Seemanns den Unterschied zwischen Absaufen, oder Überleben bedeuten kann.
"Weitermachen", rufe ich am Schott stehend den Männern im vorderen Torpedoraum zu.
Immer wieder führt mich mein Weg auf die Brücke. Es ist sternenklar und man kann, bedingt durch den Vollmond, recht gut sehen.
Ich schärfe den Wachen ein, nicht nachzulassen. Das kann man nicht oft genug tun.
Gerade in der Nacht ermüdet man sehr schnell durch das eintönige Starren durch das Glas und die Dunkelheit um einen herum.
"Denkt dran Männer, es kann jederzeit ein Kriegsschiff auftauchen. Und da ist es wohl besser, wen wir es zuerst sehen", doziere ich.
4 Torpedos haben wir noch. Ich habe beschlossen, südlich um Sardinen herum zu fahren.
Der nördliche Kurs, an Korsikas Norden vorbei, wird uns bestimmt keinen Frachter vor die Rohre bringen.
Und da der Sprit bei etwa 65% steht, haben wir eigentlich genug Reichweite um den längeren Weg zu wählen.

23. Augst 1940
01:11 Uhr
Vor ein paar Minuten hat die Brückenwache gewechselt. Keine Vorkommnisse. Ich entere wieder auf und berausche mich am Sternenzelt.
Ist es nicht geradezu ehrfurchtgebietend? Fast alles ist deutlich zu sehen. Vor uns der Orion, an Backbord über uns die beiden Wagen.
Im Laufe der Nacht konnte man gut beobachten wie beide sich um den Polarstern drehen.
Da ist also der Angelpunkt für uns Erdenbewohner. Schon seit undenkbaren Zeiten konnte der Mensch
anhand dieses unveränderlich genau im Norden stehenden Sterns seine Richtung und seinen Wanderweg bestimmen.
Man bekommt fast drängend das Gefühl, daß alles einem festen Plan folgt. Ewig und groß.
Nur wir Menschen glaúben hier eine wichtige Rolle spielen zu können.
Wie anmaßend.

2:57 Uhr
Wir laufen nun mit Kurs genau 90. Die Arbeiten an Bord nähern sich dem Ende. Ich beschließe es damit gut sein zu lassen.

5:24 Uhr
Seit 3:00 Uhr habe ich zu jeder vollen Stunde Seerohrtiefe und Rundhorchen befohlen. Nichts. Gar nichts.
Alls ob wir alleine auf der Welt wären. Eine Welt aus Wasser, Wind und den Sternen über uns.
Ich glaube es ist geanu das, was einen Seemann immer wieder hinaustreibt.
Das Gefühl, mit dem Universum eins zu werden. Teil davon zu sein und sich dem bewusst sein zu können.

8:50 Uhr
Ich werde von Rumpeln und Stimmen unsanft aus meinem Schlummer gerissen.
Nach dem Frühstück um 6:00 Uhr hatte ich mich hingelegt und bin wohl ein wenig eingenickt.
Der 1WO hat mich in Ruhe gelassen.
Berger von gegenüber hat mich bemerkt und meint nur: "Alles in Ordnung, Herr Kaleun. Feldwebel Scharllke meinte nur, daß er mehr Werkzeug im hinteren Torpedoraum stauen sollte.
Dann ist ihm der Werkzeugkasten fast auf den Fuß gefallen", beruhigt er mich.
"Na, na, so in Ordung ist das auch wieder nicht", entgegne ich etwas schroffer als ich wollte.
"Wir setzten hier noch Rost an, wenn das so weiter geht." Kein Kontakt seit Stunden.
Und das in einem Seegebiet, welches eigentlich deutlichen Verkehr aufweisen sollte. Seltsam.
Sind die Tommies am Ende doch vorsichtiger geworden? Wegen uns? Vielleicht.

Die nächsten Stunden gehören einzig und allein den Routineaufgaben im Boot. Auch Privates kommt nicht zu kurz.
Schon fast wie ein Wochenendausflug. Ich lasse die Männer in Ruhe.
Sie haben schon oft bewiesen, daß sie sofort auf dem Posten sind, wenn es darauf ankommt.
Also kann ein wenig Entspannung nicht schaden.

14:16 Uhr
Es gab was Gutes. Um 13:00 Uhr hat uns der Smut ein Schmankerl serviert. Es gab Schweinebraten mit Salzkartoffeln und Rotkohl.
Eine feine Soße dazu und zum Nachtisch Apfelkompot. Die Mannschaft war begeistert.
Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie man die Zutaten in dieser eher feuchten Umgebung so Lange relativ frisch halten kann.
"Ohne einen guten Smut an Bord würde man glatt überlaufen, was?", gebe ich forsch an die Runde in der Messe.
"Jawoll, ein Hoch auf unseren Smut", meint der 1WO.
Alles natürlich in einer Lautstärke, bei der wir sicher sein können, daß Smut Weinecker es genau hören kann.
Smut Weinecker ist Profi. Seine Familie betreibt in Bayern schon in der 4. Generation eine gutgehende Gastwirtschaft.
Nur das Beste aus der Region kommt da auf den Tisch, hat er mir mal verraten.
Er beklagt dadurch natürlich oft den meist leidigen Zustand der Lebensmittel an Bord, wenn die Reise ein paar Tage länger dauert.
Ansonsten aber ist er immer eifrig bei der Sache. Ein wahrer Künstler. Ich bin froh, ihn an Bord zu haben.

Wir liegen nun im PQ93, ziemlich mittig.
Ich denke mir, da Tunis in unserer Hand ist und Versorger unserer Mitstreiter bestimmt, von Norden kommend, dort anlegen, daß die Briten da gerne stören.
Also könnte es noch turbulent werden. "Neuer Kurs 85", ordne ich an. "Neuer Kurs 8-5 liegt an, Herr Kaleun", schallt es zurück.

14:51 Uhr
"Frachter auf 70°", schreit es von der Brücke. Ich entere auf. "Frachter auf 70, Herr Kaleun, Entfernung ca. 5 Km."
Ich schaue in die angegeben Richtung. Tatsächlich. Ich vermute Kurs so um 275 bis 280. Für einen direkten Abfangkurs schon zu nah.
"Klar bei Wendemanöver. Neuer Kurs: zwo-acht-null. AK voraus".
Ich will nicht von ihm gesehen werden und muss daher schnell etwas Entfernung zwischen uns bringen.
Also laufe ich wieder Parallelkurs vor ihm her, mache etwas Distanz gut und will ihn dann wie gehabt packen.
Ich rutsche in die Zentrale hinunter und sehe schon auf den ersten Blick, daß die Mannschaft von jetzt auf gleich professionell ihren Aufgaben nachgeht.
Schon hat uns unser Handwerk wieder im Griff

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3 Wochen 1 Stunde her #12 von Wolfpack
23. August 1940
15:21 Uhr

Nun sollten wir genügend Abstand haben. "Neuer Kurs: eins-acht-fünf". Nun bewegen wir uns in Richtung Süden und sollten den Gegnerkurs schneiden.
Ich will den letzten E-Torpedo loswerden. Unser Boot schert nach Backbord und dadurch kommt zu der Auf- und Abbewegung noch eine seitlich-pendelende Bewegung hinzu.
Wir laufen weiterhin mit AK auf unseren berechneten Lauerpunkt zu.

15:40 Uhr
Am Horizont, etwa auf 280° kann man nun deutlich die Rauchfahne sehen. Eine Flagge ist noch nicht auszumachen. Zu weit weg.
Es scheint aber ein kleiner Frachter zu sein. Von Enttäuschung keine Spur.
"Oft haben gerade die Kleinen die wichtigsten Ladungen an Bord", gebe ich in die Runde auf der Brücke.
"Kein Grund, hier irgendwie nachlässig zu werden, Männer", schiebe ich mit Absicht hinterher.
"Jawoll; Herr Kaleun", kommt es zurück. Wenn die Berechnungen stimmen, ist der recht schnell unterwegs.
Seine Flagge verschwindet im Rauch seines Schornsteins. Nationalität immer noch unklar. Aber er kommt schnell näher.
Kleiner Frachter. Alles klar. Tiefgang etwa 6,8Meter, Länge ca. 78 Meter. "AK voraus, Seerohrtiefe". Ich will noch weiter vor, um mit dem Heckrohren schießen zu können.
So, jetzt sind wir etwa in Position. Das Persikop raus und sehen, wer da kommt und wie schnell er wirklich ist.
Aha, ein Neuseeländer.



Mir ist es immer wieder schleierhaft, wie viele von den Neuseeland-Jungens hier rummachen.
Scheint so, als ob den Engländern die eigenen Frachter ausgehen.
"Rohr 5 fertigmachen, Tiefe 4, Aufschlag", befehle ich. "Rohr 5, E-Torpedo, steht," kommt die Bestätigung.
Jetzt nochmal Geschwindigkeit messen. 8 Knoten, errechne ich. Also Vorhalte auf 15°.


(Hier kann man es gut sehen. 19 Sekunden durchlauf gemessen und auf 78 Meter Schiffslänge eingestellt. Bei der Markierung lassen sich dann 8 Knoten ablesen.)


(Vorhalte auf 15°. Wenn der Frachter durch den Faden läuft, so etwa vor der Brücke, dann wird geschossen)

15:57 Uhr
"Rohr 5 bewässern, Mündungsklappen öffnen, Achtung bei Rohr 5." "Rohr 5 bereit". " Rohr 5 --- LOS"


(Jetzt wird "abgedrückt")

Wieder der Blick auf dei Uhr. Als der Zeiger bei 54 Sekunden ankommt: Torpedoeinschlag.
Auch diesmal habe ich den Spargel draußen gelassen. Mannometer, Was für Explosionen.



Drüben besteht alles nur noch aus Rauch, Feuer, Trümmerteilen und aufgewühlter See.



"Auftauchen". Das Seerohr fährt ein. Mal sehen, ob jemand überlebt hat.
Außer Trümmern nichts zu entdecken. Ich möchte wirklich mal wissen, was die hier so durch die Gegend schippern.
Das ist ja schon unheimlich.
Na, egal. Weiter im Text. Alter Kurs und weiter gehts.

18:03
Der Mond geht auf.



20:14
Ist zügig dunkel geworden. Wieder sind wir ganz alleine und nur die See wiegt uns hin und her.....



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2 Wochen 6 Tage her - 2 Wochen 6 Tage her #13 von Wolfpack
23. August 1940
20:30 Uhr

Die Stunden gehen dahin. Das monotone Einerlei hat uns im Griff.
Mannschaften und Offiziere gehen ihren Aufgaben nach. Die Freiwachen schlafen oder schreiben Briefe an ihre Lieben zu Hause.
Auch meine Gedanken schweifen in die Heimat. An Abende in Frankfurt-Sachsenhausen bei einem kühlen Apfelwein und in gemütlicher Gesellschaft von Freunden.
Lange Wanderungen in den Taunuswäldern und das Einkehren zur Rast in irgendeinem kleinen Gasthaus in einem weltvergessenen Dorf,
weit ab von städtischer Betriebsamkeit. Ach ja, das Leben könnte so einfach sein.

Ich muss mich zwingen wieder in die Realität einzutauchen. Ich rufe den 1Wo in die Messe.
Messe ist gut. Ein paar Quadratmeter mit Tisch und Sitzbank. Jede Ecke ist ausgenutzt. Gerade mal Platz für zwei kleine Bilder.
Ein Stich von Frankfurt am Main und unser oberster Häuptling. Das ist Pflicht.
Wir wollen ja nicht vergessen, daß unser famoser BdU Dönitz nur das Beste für uns U-Bootfahrer herausholt.
Ein wirklich tatkräftiger und ideenreicher Mann. Nicht zu vergleichen mit dem preußischen Uhrgestein, welches neuen Ideen eher skeptisch gegenüber steht.

"Nun", beginne ich, "wir haben noch drei Torpedos.
Ich schlage daher vor, diese nur für wirklich lohnende Ziele einzusetzen.
Wir dürften, nachdem wir die Südspitze von Sardinien passiert haben, mit englischen Kreigschiffen rechnen können.
Da diese den Nachschub der Italiener in Nordafrika gefährden könnten, sollten wir gerüstet sein, um diese etwas zu dezimieren.
Was meine Sie?" Mein 1WO schaut mich mit einem etwas schiefen Gesicht an. "Eine schwierige Frage, Herr Kaleun", antwortet er.
"Wird Sie das nicht in Schwierigkeiten mit den Befehlen bringen, nach denen wir soviel Frachtraum wie möglich zu versenken haben?", wagt er einen Vorstoß.
Ich ermuntere meinen 1WO, ruhig eigenen Sichtweisen zu entwickeln und sie mir, natürlich unter vier Augen, darzulegen.
Ich halte es für eine gute Idee, ihm somit mehr und mehr Einsicht in die Denkweise eines Kommandierenden zu geben.
Schließlich wird er sicher bald ein eigenes Kommando bekommen.

"Das stimmt, aber unsere wichtigster Befehl war der Durchbruch und das Ankommen in La Spezia.
Natürlich sollen wir auf dem Weg dahin möglichst viel Schaden verursachen.
Ich meine eben, daß wir den Engländern mehr Schaden zufügen, wenn wir den Nachschub nach Nordafrika sicherer machen können,
indem wir deren Störfahrzeuge in Gefahr bringen", erkläre ich.
"So könnte man es auch sehen", meint mein 1Wo.
"Aber was machen wir, wenn uns noch ein paar große Frachter bis dahin vor die Rohre laufen?"
Darauf ich: "Ich halte folgendes Vorgehen für praktikabel und werde es auch so ins Kriegstagebuch übernehmen:
Wir folgen angekündigten Kontakten in der Nähe und klären auf. Handelt es sich um größere Fahrzeuge, dann greifen wir an.
Bei Kleineren brechen wir ab, gehen wieder auf unseren alten Kurs und kümmern uns nicht darum.
Es sei denn wir bekommen einen direkten Befehl zum Angriff, was aber eher unwahrscheinlich ist."
"Hört sich gut an, Herr Kaleun. Ich denke auch, daß das die praktikabelste Lösung ist", meint mein 1WO.

Wir machen es also so. Mit einem Schlag auf die Schulter verabschiede ich ihn zu seinem Dienst und bleibe noch eine Weile in der Messe.
Hoffentlich sehen das die Herren "da oben" auch so.

24. August 1940
02:05 Uhr
Wir kommen jetzt ins PQ CJ75.
In den vergangenen Stunden habe ich alle eineinhalb Stunden Tauchen und Rundhorchen lassen. Keine Kontakte. Nichts.
Wenn die bei den Briten einigermaßen auf dem Damm sind, dann kann denen nicht entgangen sein,
daß hier ein deutsches U-Boot schön einen ihrer Frachter nach dem Anderen aus dem Verkehr zieht.
Und das auch noch wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Das kann sehr gefährlich werden.
Lange kann ich das bestimmt nicht mehr so machen, ohne ins Visier von ein paar Zerstörern zu kommen.
Eigentlich hätte das schon viel früher passieren müssen. Seltsam. Auch keine Flugzeuge. Nichts.
Ich beschließe, weiterhin die Mannschaft daraufhin zu sensibilisieren, nach Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen verstärkt Ausschau zu halten.

02:20 Uhr
Kontakt gemeldet. Ein Seeaufklärer der Italiener hat einen Frachter mit Kurs WNW gesichtet.
Langsame Fahrt in etwa 25 KM Entfernung, haben wir errechnet. "Achtung, klar bei Wendemanöver", geht der Befehl raus.
"Neuer Kurs: 285". Am Kartentisch hat unser Obersteuermann Palter den Abfangkurs berechnet.
Ich habe ihm dabei über die Schulter geschaut und in fasziniert dabei beobachtet, wie geschickt er sein Handwerkszeug anwendet.
(Er benutzt natürlich das "Bordeigene Besteck" von LSH3, was sonst :helmi_51: )

Er hat die gemeldete Position des Gegeners markiert und eine Strecke zweichen unserer und seiner Position eingezeichnet.
Dann zeichnete er eine Gerade durch die Position des Gegners entlang seines vermuteten Kurses.
Nun sticht er mit dem Zirkel auf einen Punkt auf der Geraden vor dem Gegner, so das er einen Kreis ziehen kann, welcher die Strecke zwischen uns und dem Gegner schneidet.
Nun kommt der Winkelmesser zum Einsatz. Er sticht in den Mittelpunkt des Kreises und zieht auf den Punkt des Kreises, der die Strecke zwischen uns und dem Gegner schneidet.
Von da zieht er weiter zum Gegner. Jetzt erhält er einen Winkelgrad. Nun sticht er in die Position des Gegners und zieht den Winkelmesser zur Position unseres Bootes,
wo er erneut einsticht. Jetzt nimmt er den vorher ermittelten Winkel und zieht den Schenkel in diesem selben Winkel in Richtung Gegnerkurs.
Das ist unsere Abfangkurs. Schnell dessen Richtung gemessen und raus mit der Meldung:
"Abfangkurs: drei-eins-sieben". "Neuer Kurs: 317".

Mit halber Kraft laufen wir 12KN und der Gegner mit vermuteten 6KN. damit sind wir doppelt so schnell.
Obersteuermann Palter zeichnet, ausgehend von der letzten Position des Gegners, alle 11,1Km eine Markierung auf den gemeldeten und eingezeichneten Gegnerkurs.
Auf unseren eigenen Kurs alle 22,2KM.
Wenn alle Vorgaben sich nicht ändern und der Frachter weder Geschwindigkeit noch Kurs ändert, dann sollten wir ihn in ca. 2 Stunden in Sichtweite haben.
Und das ohne in brennstofffressende AK-Voraus Hysterie zu verfallen.

4:20 Uhr
Noch keine Sichtung von der Brückenwache. Nur nicht nervös werden. Es kann ja sein, daß die Meldung des Aufklärers in Bezug auf den Zeitpunkt etwas ungenau war.
Somit ist es durchaus möglich, daß der Frachter schon etwas weiter voraus ist, als angenommen.
Ich gebe uns noch eine halbe Stunde bei unveränderter Fahrt und Kurs.

4:43 Uhr
"Faaahrzeug", schallt es von der Brücke. Ich entere auf.
Aus den Augenwinkeln kann ich sehen, wie ein Lächeln über die Gesichter der Besatzung in der Zentrale huscht.
Oben angekommen wird mir gemeldet:
" Rauchfahne, Herr Kaleun. Auf 92°" Das muss er sein.
"Neuer Kurs: 270", befehle ich. Ich will, wie gehabt, parallel zu ihm vorsetzen und außer Sichtweite in meine Angriffspositon laufen.
"AK Voraus"
Nach einer weitern halben Stunden gehen wir auf Kurs Null und streben dem Punkt zu, der uns etwa 2KM querab vom Kurs des Gegners, eine ideale Angriffsposition bietet.
Ich meinte vorhin so etwa 4 bis 5 Masten ausgemacht zu haben. Es kann also kein kleiner Pott sein.



5:41 Uhr
"Alle Maschinen Stop", befehle ich. Nun heißt es warten und mit den Ferngläseren den Horizont absuchen.



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2 Wochen 5 Tage her - 2 Wochen 5 Tage her #14 von Wolfpack
24. August 1940
6:03 Uhr

Da kommt er. Auf 80°. Etwa 10KM entfernt schälen sich die Konturen eines Frachters aus dem Morgendunst am Horizont.
Er scheint sehr langsam unterwegs zu sein. Aus dieser Entfernung kann er uns unmöglich sehen.
Somit haben wir genug Zeit in Ruhe seinen genauen Kurs und Geschwindigkeit zu bestimmen.

6:41 Uhr
Gegner jetzt bei 75°, ermittelte Entfernung 9800 Meter. Seine Silhouette ist die eines Kohlefrachters.
Also ein Schüttguttransport. Es könnte Kohle, oder ein anderer kriegswichtiger Rohstoff sein. Ein lohnendes Ziel also.
Insgeheim atme ich auf. Wenn's ein kleiner Frachter gewesen wäre, dann hätte ich nicht nur der Mannschaft gegenüber ein kleines Erklärungsproblem, wenn ich den Angriff hätte abbrechen lassen.
Noch weiß ich aber nicht, unter welcher Flagge der da drüben fährt.



Also ein Kohlefrachter. Sehr gut. Das Erkennungshandbuch verrät mir mehr über den Burschen da drüben.
Nach einigem Blättern bin ich mir recht sicher, daß es sich um die ""Suez Merchant" handelt. Müsste ein Australier sein.
Mal sehen. Haltung und Gesten der Brückenwache verraten mir deren Anspannung.
Wieder hat uns das Fieber gepackt. Ein schöner Brocken, für Wahr.

6:46 Uhr
"Neue Peilung: sieben-vier, Entfernung 8900", schnarrt die Stimme des 1WO.
Er hat also in 5 Minuten etwa 900 Meter zurückgelegt. Das sind...ziemlich genau 6 Knoten Fahrt.

6:51 Uhr
Er kommt nun so nahe, daß eine Entdeckung möglich werden könnte.
"Ziel jetzt auf sieben-zwo, Enfernung 8000", meldet der 1WO mit ruhiger Stimme von der Brücke herunter.
Ich stehe gerade am Kartentisch und schaue unserem Navigator wieder über die Schulter. Die Spannung wächst.
Uns alle bewegen die selben Gedanken. Hoffentlich ist es ein Feindschiff. Hoffentlich hat er viel geladen.
Ein kurzer Blick in die Runde bestätigt mir meine Gedanken. Alle hier unten sind aufs äußerste gespannt.
Noch ist alles Ruhig im Boot, bis auf die leisen Geräusche, die unsere Arbeiten, Bewegungen und Kommandos nunmal erzeugen.
Als unser Obersteuermann einen langen Strich auf den Kartenschoner malt, schaue ich genauer hin.
"Und?", frage ich. " Er wird ziemlich genau 3 Kilometer vor uns vorbei laufen, Herr Kaleun", entgegnet Palter.
Darauf habe ich gewartet. Für eine gute Position müssen wir noch 2 Kilometer weiter Richtung 0° vorrücken.

"Achtung, klar bei Tauchmanöver", gebe ich aus. "Beide E-Maschinen AK-Voraus".
Wir rücken ein wenig zur Seite, da die Brückenwache einfährt. Einer nach dem anderen rutscht die Leiter herunter.
Der 1WO ist der letzte und verriegelt den Ausstieg. "Nach letzter Peilung Kurs und Geschwindigkeit unverändert, Herr Kaleun", meldet er mir.
Mittlerweile sind die E-Maschinen mit einem Summen angelaufen und das Boot wird, beding durch die aufnehmende Fahrt, etwas ruhiger.
Alle sind jetzt auf dem Posten. "Seerohrtiefe, auf 13 Meter gehn", gebe ich zum LI der hinter den Rudergängern steht.
Der gibt den Befehl in Daten umgewandelt an die Rudergänger weiter, welche vor ihm an ihren Steuermaschinen sitzen.
Routiniert werden alle Handgriffe ausgeführt.

7:03 Uhr
"Alle Maschinen Stop. Seerohr ausfahren. Nur knapp über Wasserlinie", befehle ich.
Ich will vermeiden das, bedingt durch die Restfahrt, unser Spargel eine schön sichtbare Spur auf die Wellen legt.
Der 1WO klemmt sich hinter die Optik. "Ziel auf 89°, Entfernung.....6000", meldet er.
Er fährt das Periskop wieder ein. In etwa 15 Minuten wird erneut gepeilt, zur Ermittlung der exakten Gegnerfahrt.
Zeit genug, um sich um die Aale zu kümmern. Ich überlasse dem 1WO das Folgende.

Wir haben die Daten: Länge des Ziels: 167 Meter, Tiefgang: 9 Meter. "Rohr 1 klar für Unterwasserschuss.
Tiefe: 6. Schnell und Aufschlagzünder. Scharf nach 300 Meter", gibt der 1WO vor.
Kurz danach kommt die Bestätigung: "Rohr 1 - Klar für Unterwasserschuss."
Aha, denke ich mir, der traut den Magnetzündern auch nicht.
Zuerst dachte ich an einen Schuss direkt Mittschiffs unter den Kiel, um ihm das Rückgrat zu brechen.
Aber wenn der Magnetzünder ausfällt, dann ist's Essig damit.
Weiter überlegte ich mir, daß der Kahn da drüben ja konstruktionsbedingt gewaltige Schotten in Form von Trennwänden hat, um die Ladung gegen verrutschen zu sichern.
Schließlich transportiern die ja Schüttgut und die Laderäume haben dicke Wände. Also würde auch eine Aufschlagzündung Mittschiffs unter Umständen nicht viel bringen.
Ich beschließe erst mal nicht einzugreifen, um zu sehen wie der 1WO weiter vorgeht.
Die "Suez Merchant" hat ihre Maschinen achtern unter der ebenfalls achtern gelegenen Brücke. Der Rest von dort bis zum Vorschiff sind gewaltige Laderäume.
Also ist der beste Punkt für den Einschlag direkt unter der Brücke. Ein relativ kleiner Wirkungspunkt für so ein mächtiges Schiff von immerhin knapp 170 Metern.
Es wird also nötig sein die Gegnerfahrt so genau wie irgend möglich zu bestimmen, damit der genau dieser Punkt getroffen wird. Mal sehen.

7:22
Spargel raus zur ersten Fahrtpeilung: 5,5KN

7:25
Zweite Peilung: 5,5KN "Ein Australier, Herr Kaleun", meldet der 1WO. Sehr gut. Ein legitimes Ziel.



"Wo soll er hin?", frage ich den 1WO leise. "Genau unter die Brücke, Herr Kaleun", gibt der genau so leise zurück.
Dachte ich es mir doch. Der kann sein Handwerk schon ganz gut.
Ich lege ihm nur kurz die Hand auf die Schulter. "Weitermachen, 1WO". Er macht genaus so wie ich es auch gemacht hätte. Sehr gut.

7:28 Uhr
Dritte Peilung: 5,5KN. "Mündungsklappen öffnen. Rohr 1 fertig zum Unterwaserschuss", befiehlt der 1WO. "Rohr 1 - Klar", tönt es zurück.



Eine weitere Peilung ergibt eine Gegnerfahrt von 5,8KN.
Damit wäre der Vorhaltewinkel also 7,5° und nicht 7°, wie bei 5,5Kn Fahrt. Gut gemacht. Bis jetzt.
Trotz des "schiefen" Gesichts des 1WO am Okular, feixt niemand in der Zentrale.
Alle warten auf den einen Befehl, der dann die Spannung ihrem Höhepunkt zutreiben wird.
Ich stelle mir vor, was der 1WO jetzt durch das Seerohr sehen kann. Langsam wandert der Gegner, und der ist ellenlang, in die Optik ein.



Jetzt nicht die Nerven verlieren. Warten, bis die Brücke ins Fadenkreuz rückt. Waaarten, waaarten, waaarten....



"Rohr 1 -- LOOS", gibt der 1WO vor.
"Rohr 1 -- Läuft", kommt es zurück.
Sofort wird die Stoppuhr gedrückt. Mit gurgelndem Geräusch macht sich der Aal auf seinen letzten Weg, um England ein weiteres Mal um ettliche BRT zu erleichtern.





Fast hält man den Atem an, vor Spannung. Es ist mucksmäuschenstill im Boot.
Die Besatzung, auch der anderen Abteilungen, folgt dem Geschehen mit äußerster Spannung.
Nur der Horcher legt die Kopfhöhrer beiseite. Schließlich will er ja seine Trommelfelle unversehrt behalten. Und gebraucht werden die noch allemal.





RRRUMMMMS,
der Einschlag des Torpedos befreit uns von der Anspannung, die wir eben jetzt erst so richtig bewusst wahrnehmen, nachdem sie von uns abfällt.
Jaaaa, wir haben ihn, fallen sich alle in die Arme. Der 1WO schlägt sich vor Begeisterung auf die Schenkel, ohne den Blick vom Okular zu nehmen.
Lediglich ein unbeschreiblich schräges Grinsen, bedingt durch das zugekiffenen Auge, auf seinem Gesicht gibt eindeutige Auskunft über seinen Gemütszustand.
Ich haue ihm auf die Schulter. "Gut gemacht, 1WO, gut gemacht", komme ich nicht umhin, ihn zu loben.
In das Gejubel mischen sich die Geräusche von Folgeexplosionen. Ich lasse den 1WO weiter am Periskop.
Nur zu gut kenne ich die Szenen, welche er nun selbst sehen kann.
Schon mischt sich das Stöhnen und Schreien von sich verbiegendem Metall in unser Jubelgeschrei und die Explosionsgeräusche.
Es ist als ob ein Titan den Frachter mit seiner Faust zusammenquetscht.
Die harte Arbeit von guten Schiffsbauern und Handwerkern geht ein für allemal zu den Fischen.
Eigentlich eine Schande.



"Ich erkenne Matrosen, die ein Rettungsboot und ein Schlauchboot aussetzen.
Sie springen ins Wasser. Andere klettern über Bord. Der Kahn säuft recht schnell über achtern ab", meldet der 1WO.





"Auftauchen", gebe ich den Befehl. "Mal sehen, was wir ausrichten können."
Der 1WO fährt das Seerohr ein und entert als erster auf um das Ausstiegsluk zur Brücke zu öffnen.
Danach folge ich und noch drei weitere Wachen. Oben angekommen, sehen wir, daß der Frachter recht schnell über Heck sinkt.
Verzweifelte Matrosen schwimmen um ihr Leben und versuchen das ausgesetzte Rettungsboot, oder eines der Schlauchboote zu erreichen.



Wir warten in Ruhe ab, was passiert. Solange der Frachter nicht gänzlich gesunken ist, können wir nur zuschauen.
Mit einem langen Stöhnen und austretenden Fontänen aus Wasser und komprimierter Luft sackt er nun über Heck weg.
Noch kann man kurz seinen Bug sehen und schon gleitet dieser ebenfalls in die Tiefe.
Zurück bleiben ein Rettungsboot, ein Schlauchboot, einige schwimmende Handelsmatrosen und auch einge leblose Körper an der Wasseroberfläche.



Ich beschließe den Leuten da drüben zu helfen.
"Zwei Maschinenpistolen auf Brücke", befehle ich. "Aber außer Sicht behalten".
Man weiß ja nie, ob ein paar übereifrige Seeleute da drüben nicht meinen, mal auf ein deutsches U-Boot schießen zu müssen.
Einen Grund zum Besetzen unseres Deckgeschützes sehe ich aber nicht.
"Signalpistole, Verbandspäckchen und Seenotrationen auf Brücke", befehle ich weiter.
"Kleine Fahrt auf die Diesel, Backbord Zehn", gebe ich durch. Ich will genau zwischen dem Rettungsboot und dem Schlauchboot zum stehen kommen.
"Ruder Mittschiffs", befehle ich, nachdem der Kurs anliegt.



Einige grimmige Gesichter schauen uns an, als wir nahe heran sind.
Die meisten jedoch sitzen apathisch in den Boten, oder helfen Verwundeten.
Ringsum treiben Leichen im Wasser und ein Paar halten sich mit Fässern, Rettungsringen und Holzbalken über Wasser.
Einige schauen sehr ängstlich aus. Die meinen wohl, wir würden sie jetzt erschießen.
Ich lasse stoppen, damit wir genau zwischen den Booten zum stehen kommen.
Waffen kann ich aber keine entdecken. Trotzdem, man weiß ja nie. Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste.



"What is the name of your ship", ruft der 1WO in typischem Schulenglisch hinüber.
"Suez Merchant, Sir", kommt es zurück von einem uniformierten Offizier der Handelsmarine. Ich nehme an, es ist der Erste Offizier.
Einen Kapitän kann ich nicht ausmachen. Also hatte das Schiffserkennunghandbuch recht.
Die Suez Merchant. Gebaut in England, unter australischer Flagge auf der Route Indien - Suez Kanal - Gibraltar - England. Volltreffer.
"We shall send a message by radio with your position. We hope you will be rescued soon.
We can give you some food and some first-aid kits. We are sorry, but we cannot do more for you", ruft der 1Wo ihnen zu.
"You did a bloody good job, yet", tönt es zurück.
"A little more and you nearly killed us all with your good deeds, didn't you?", bellt der Uniformierte zurück.
"However, thank you for your help."
"Good luck and we hope they will find you soon." Mit diesen Worten verteilen wir die "Gaben" unter die Boote.
Ich zähle 18 Mann im Rettungsboot, 7 im Schlauchboot und 3 Überlebende im Wasser, die nun Richtung Rettungsboot schwimmen.



8:00 Uhr
Wir lassen die Diesel an und bewegen uns langsam von den Booten weg.
Als wir ein gutes Stück weg sind, lasse ich auf Halbe Fahrt Voraus gehen, aber immer noch Kurs 0.
Erst außer Sichtweite will ich unseren ursprünglichen Kurs wieder einschlagen. Die Überlebenden sollen nicht unseren wahren Kurs wissen. Sicher ist sicher.
Sie bleiben nun alleine in der Weite der See auf sich gestellt. Hoffentlich, so wünsche ich es ihnen, hält das Wetter wie bisher.
Ich lasse Meldung an den BdU machen und danach unverschlüsselt die nötigen Informationen in Bezug auf die Überlebenden über den Äther gehn.
Wir befinden uns nun am oberen Rand, mittig im PQ CJ74 und gehen jetzt auf den alten Kurs.
Jetzt allerdings auf Kurs 93, da wir ziemlich nach Norden abgekommen sind und unserem Navigationspunkt hinter der Südspitze von Sardinen entgenlaufen wollen.
"Gute Arbeit, 1WO", lobe ich meinen Ersten. "Ich wusste gar nicht, daß Sie so gut Englisch können."
"Danke, Herr Kaleun", antwortet er. "Ich hatte einen guten Lehrer und der Lehrer für die U-Boot-Fahrerei ist auch nicht von schlechten Eltern", zwinkert er mir mit einem breiten Lächeln zu.
Der ist jetzt sicher stolz wie Oskar. Na, soll er. Er hat ja auch tadellos gearbeitet.
Ich beschließe ihn immer wieder auch knifflige Aufgaben lösen zu lassen. Am Ende wird er mich noch überflügen. Na, wir werden ja sehen.

Mich beschleicht immer noch die unbestimmte Ahnung, daß die Engländer an der Südspitze von Sardinien für uns eine Überraschung planen könnten.
Schließlich brauchen die ja nur ein Lineal, um auf unseren Kurs schließen zu können.
Sogar die ungefähre Ankunftszeit könnten die berechnen. Sollte ich nicht doch nördlich von Korsika nach La Spezia laufen?
Oder ich gebe mehr Geschwindigkeit und bin früher da als die erwarten könnten? Brennstoff ist ja noch genug da.
So werden wir es machen. Schließlich haben wir noch zwei Aale und es ist nicht sicher, ob die Engländer überhaupt auf uns warten, oder überhaupt dort Kriegsschiffe haben.
Aber die Möglichkeit noch ein oder zwei Frachter zu erwischen ist schon gegeben. Also weiter im Text.
"Große Fahrt Voraus", gebe ich den Befehl. Irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl.
Aber wir sind ein Kriegschiff der Deutschen Kriegsmarine und wir werden verdammt noch mal genau so handeln.

__________________
Mit kameradschaftlichem Gruß
Kaleu Wolfpack
U-103, LSH3 V5

"Das muss das Boot abkönnen."
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2 Wochen 4 Tage her - 2 Wochen 4 Tage her #15 von Wolfpack
24. August 1940
10:00 Uhr

Nachdem wir eine Zeitlang direkt nach Norden liefen, streben wir nunmehr mit 17KN auf unseren Navigationspunkt hinter der Südspitze Sardiniens zu.
Nur die Sonne begleitet uns unaufhörlich und die Wachgänger tragen sich dick Salben im Gesicht auf.
Trotzdem hat der Eine oder Andere schon einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase. Kein Wunder.
Bei der intensiven Sonneneinstrahlung und der Reflektion durch das Wasser könnte man fast Gehirnerweichung bekommen.

13:47 Uhr
"Herr Kaleun, wir haben noch 50% Brennstoff", meldet der LI.
"Na, da könnten wir ja direkt kehrt machen und zurück nach Frankreich laufen, was?", entgegne ich und ernte einen etwas verstörten Blick.
"Herr Kaleun?", entgegnet der LI.
"Lassen Sie mal", erkläre ich. "War nicht ernst gemeint. Aber eine tolle Tante, unser Boot, was?
Endlich mal so richtig Reichweite haben, ist doch was Feines, meinen Sie nicht?"
Seine Miene erhellt sich und er gibt zurück: "Das will ich meinen, Herr Kaleun. Ein Prachtstück, unser Boot."
Ja es stimmt. Im Vergleich zu den VIIern sind die IXer eben mit deutlich besserer Reichweite und sehr viel mehr Torpedos ausgestattet.
Der Handlungsspielraum vergrößert sich dadurch ungemein. Die etwas längere Zeit zum Abtauchen ist aber, gelinde gesagt, sehr gewöhnungsbedürftig.

15:56 Uhr
Die Stunden verstreichen wiedermal zäh wie Leder. Die monotonen Geräusche wirken einschläfernd. Das ist gefährlich.
Die Besatzung wird durch die Maate und Offiziere beschäftigt gehalten. Das beugt dem Schläfrigwerden vor.
Trotzdem ist irgendwann alles Routine und die Handgriffe laufen automatisch ab.

17:40 Uhr
Wir sind nun kurz vor unserem angepeilten Punkt.
Zusammen mit dem Navigator habe ich mir ein Seegebiet in der relativ engen Stelle zwischen Tunesien und Sizilien auserkoren.
Da wollen wir nochmal versuchen unsere beiden letzten Aale erfolgreich unterzubringen.
"Neuer Kurs: Eins-Null-Fünf", befehle ich. Gewohnheitsmäßig kommt der Befehl an die Rudergänger:
"Klar bei Rudermanöver. Neuer Kurs: Eins-Null-Fünf." Etwas später: "Eins-Null-Fünf liegt an", tönt es zurück.
Da wir bis jetzt keinerlei Kriegsschiffe oder Flugzeuge gesehen haben, rechne ich mich Frachtern auf ihrem Weg von Malta nach Gibraltar.

19:21 Uhr
Ich lasse wieder auf Halbe Fahrt gehen. Auch auf dem neuen Kurs gibt es nichts zu sehen, geschweige denn zu versenken.
Etwas belustigt nehme ich die immer stacheliger werdenden Igel in den Gesichtern der Männer wahr.
So manch blonder bekommt einen dunklen, und so manch dunkler bekommt einen blonden Bart.
Als ob die Bärte ein Eigenleben hätten. Fast muss ich laut auflachen, wenn dann einer der Igel zu sprechen beginnt.
Bei vielen ist es reiner Aberglaube den Bart bis zum Ende der Feindfahrt sprießen zu lassen. Bei anderen reine Faulheit.
Rasieren können sie sich ja, aber es gibt keinen direkten derartigen Befehl. Somit belasse ich es immer bei einer generellen Belehrung auf die eigene Hygiene zu achten.
Bei manchen funktioniert es sogar. Die meisten allerdings sind besonders stolz auf ihren Gesichtspelz und die Suppenfilter unter der Nase.
Es sind eben noch viele der Männder blutjunge Matrosen, die natürlich sehr stolz auf ihre Seemannsattribute sind. Können und sollen sie ja auch.

20:01 Uhr
"Funkspruch, Herr Kaleun", meldet der Funkraum. "Und?", gebe ich knapp zurück.
"U-48 unter Kkpt. Rösing hat 5 Schiffe mit insgesamt 29.169 BRT versenkt", ruft er aus, "Er setzt seine Feindfahrt fort".
"Donnerwetter, wenn das so weitergeht, dann müssen die Engländer ihren Nachschub bald mit der Post schicken", rufe ich laut, so das viele Besatzungsmitglieder es höhren können.
Schallendes Gelächter kommt zurück.

20:10 Uhr
Gegner gemeldet. Etwa 50Km nördlich von uns. Kurs NW. Ich lasse auf Abfangkurs gehen. Neuer Kurs: 328.
Beide Maschinen AK jagen wir auf den Abfangpunkt zu. In ca. 2Std. sollten wir den Gegner in Sichtweite haben.

21:16 Uhr
Der Navigator, mein 1WO und ich haben uns mit der Möglichkeit einer Kursänderung des Gegners beschäftigt.
Er wird wohl kaum auf dem Kurs bleiben und Sardinien anlaufen. Also muss er früher oder später nach Westen abdrehen.
Trotzdem wird er uns nicht enkommen, da wir ihm den Weg von seiner Backbordseite her abschneiden.
Die Brücke ist voll besetzt und alle, außer den Freiwachen natürlich, sind auf ihren Posten.

24. August 1940
21:54 Uhr

Mit sechs Mann auf der Brücke sollten wir das Ziel recht schnell entdecken können.
Wohlgemerkt, falls der nicht den Kurs plötzlich und in eine unerwartete Richtung geändert haben sollte.
Halt, was ist das? Durch mein Glas meine ich einen Schatten zu erkennen. Da es immer noch sternenklar ist, kann man recht gut sehen.
Sogar ich, mit meinen in die Jahre gekommen Augen.
"Schauen Sie mal, 1WO, können Sie da etwas auf etwa 325° ausmachen?", raune ich meinem 1. Offizier zu.
Leutnant Rogemann, mein 1WO. 25 Jahre jung und unverheiratet. Ein wirklich korrekter und vorbildlicher Offizier.
Seine Eltern sind sicher mit Recht sehr stolz auf ihn. Nun steht er neben mir und wir schauen beide mit unseren Gläsern in die angegebene Richtung.
"Eindeutig, Herr Kaleun. Das muss er sein. Er scheint seinen Kurs auf W geändert zu haben. Hatten wir ja auch so erwartet", sagt er zu mir.
Fast wären wir achtern hinter dem Ziel vorbei gelaufen. Fast.
Also umgehen wir ihn von hinten und setzen einen Parallelkurs etwa 6Km an seiner Steuerbordseite, auf dem wir ihn dann ausdampfen wollen, um danach in Schussposition zu kommen.
Es ist ein größerer Farchter. Soviel kann man im Mondlicht erkennen. Nach nochmaliger Peilung haben wir seinen Kurs mit 255 bestimmt. Ich lasse folgen und vorsetzen.

22:56 Uhr
Gehen jetzt auf 165° querab, um ihn abzufangen.
Im Vorbeidampfen konnten wir ihn ganz gut ausmachen. Ein Standartfrachter mit mächtiger Ladung. Also habe ich den Angriff nicht abgebrochen.
Soetwas lassen wir uns nicht entgehen. Selbst auf seinem Deck scheint jeder Winkel ausgenutzt worden zu sein. Alles voller Stückgut.
Er liegt sehr tief im Wasser. Den nehmen wir uns vor, auch wenn es bedeutet, daß wir dann nur noch einen Torpedo übrigbehalten werden.
"Einsteigen", befehle ich laut. Geschmeidig steigen die Wachen einer nach dem Anderen ins Boot. Oder besser fallen fast hinein.
Mit einem letzten Blick auf unser Ziel steigen nun Rogemann und ich ebenfalls ein.
Unten angekommen befehle ich Seerohrtiefe. Nach kurzer Zeit sind wir "unten" und ich lasse stoppen.
Spargel raus.



23:05 Uhr
Nun ist er nahe genug ran, um seine Flagge identifizieren zu können. Ein Australier.
Bei der Menge an Australiern hier im Mittelmeer könnte man meinen, unser Navigator hätte uns ans andere Ende der Welt navigiert.
Egal jetzt. Gegnerfahrt: knapp 7KN. Also Vorhalte 8,8°.

23:14 Uhr
Nun läuft er schön ins Schussfeld.
"Rohr 1: LOS", gebe ich den erlösenden Befehl.
Die Sekundenzeiger der Uhren der Offiziere ticken unerbittlich auf den einen Moment zu, und.... darüber hinaus.
Nichts. "Verdammt, verdammt", gebe ich in die Runde. Was ist da los?
"Bestimmt ein Blindgänger, Herr Kaleun", erklärt der 1. mit ruhiger Stimme.
"Verdammt, ja", gebe ich gereizt zurück. "War er denn auch scharf gestellt? Auf richtige Entfernung?", frage ich laut und verärgert in Richtung Torpedoraum.
Schulterzucken und betretene Gesichter kommen zurück.
"War alles genau wie befohlen eingestellt, Herr Kaleun", gibt der herbeigeeilte Torpedomaat Rösch halb im Schott hängend zurück.
"So eine verdammte Schweinerei", tobe ich. "Jetzt müssen wir die ganze Prozedur nochmal machen", brülle ich weiter.
"Bloß wegen einem offensichtlich schlampig gebauten, oder gewarteten Torpedo".
Ich lasse uns mit AK auf den E-Maschinen hinter unserem Ziel vorbeilaufen um das ganze Spiel auf dessen Backbordseite zu wiederholen.
Parallel, ausdampfen, vorsetzen, Schussposition einnehmen.
Beim Ausdampfen kann ich beobachten, daß der Gegner scheinbar nichts von uns und unserem Torpedo bemerkt hat.
Er läuft unverändert auf seinem Kurs. Na wenigstens etwas.

25. August 1940
0:54 Uhr
So, jetzt unser letzter Aal. Wird er funktionieren? Tiefe 4 Meter, Schnell, 300 Meter scharf und Aufschlagzünder. Jetzt gilt es.

1:14 Uhr
Rohr sechs entlässt seine Füllung mit zischendem und gurgelndem Geräusch. Die Spannung ist noch ärger als beim letzten Mal.
Alles blickt auf die Sekundenzeiger oder zählt leise mit.
Tick, tick, tick.... RRRUMMMS.
Torpedotreffer. Na also. Geht doch.
Ein Blick durch das Okular beschert mir einmal mehr die Sicht auf ein Inferno bilblischen Ausmaßes, begleitet von schnell aufeinanderfolgender kleineren und größeren Explosionen, welche das Schiff in seine Bestandteile zerlegen.



Kein Wunder, der war bestimmt auch voller Munition und Kriegsgerät.
Ich lasse auftauchen und die Untergangstelle absuchen. Nichts zu sehen, außer brennender Öllachen und treibender Trümmer.
Der Pott war schnell gesunken und es gab wohl keiner, der überlebt haben könnte.
Ich lasse über die Versenkung Meldung machen und brauche jetzt erstmal einen Kaffee.
Bei allem Erfolg, lässt mich das Ausmaß und der Verlust von so vielen Menschenleben innerlich erschaudern.
Aber was hilft es......

1:41 Uhr
Neuer Kurs: Null-Drei-Fünf. Seit der Versenkung des schwer beladenen Australiers sind wir nun auf direktem Kurs nach La Spezia.
Der Kaffee tat mir gut und die Gedanken der Mannschaft sind nun ganz beim wohlverdienten Urlaub.
Ich lasse sie aber ermahnen, weiter aufmerksam zu sein.
"Nachlässigkeiten auf See sind der Tod", ermahne ich die Besatzung über die Bordanlage.
Doch der Freude der Männer tut das keinen Abbruch. Wir sind verschossen und streben nun dem nicht mehr so fernen Italien zu. Endlich!
Große Fahrt voraus und ein Lied auf den Lippen.

Kehr ich einst zur Heimat wie.. ieder, tönt das Grammophon und alle singen mit.
Früh am Morgen wenn die Sonn' aufgeht.
Schau ich dann ins Tal hernie..ieder.
Wo vor einer Tür ein Mädchen steht.
Da seuftzt sie still, ja still und flüstert leise:
"Mein Schlesierland, Mein Heimatland"
So von Natur, Natur in alter Weise.
Wir sehn uns wie..ieder, mein Schle..sier..land,
Wir sehn uns wie..ieder, am Oderstrand!"
...

Liebes Mädchen lass das Wei..einen.
Lie..iebes Mädchen, lass das Weinen sein.
Wenn die Rosen wieder Blü..ühen,
jaaa, dann kehr ich wieder bei dir ein.
Da seuftzt sie still, ja still und flüstert leise:
"Mein Schlesierland, Mein Heimatland"
So von Natur, Natur in alter Weise.
Wir sehn uns wie..ieder, mein Schle..sier..land,
wir sehn uns wie..ieder, am Oderstrand!"


Italien, wir kommen....

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"Das muss das Boot abkönnen."
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