[Victoria 2/Osman. Reich] Szene: Wien | Take: 1 | No.: 3

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8 Jahre 2 Monate her - 8 Jahre 1 Monat her #1 von Marvin
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Die epische Schlacht, Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit, Recht gegen Unrecht, Liebe gegen Hass, Wahrhaftigkeit gegen Lüge, Treue gegen Verrat, Pepsi gegen Coca Cola, Tag gegen Nacht, Ordnung gegen Chaos ...

»Schach.« sagte Mephistopheles.

»Wir spielen Dame.« sagte Gott »Dame!«

»Bingo!« erwiderte Mephistopheles.

»Jetzt versuchen wir das schon dreimal.«

»Yahtzee!«

»Aargh!« Gott fuhr hocherzürnt von seinem Stuhl und irgendwie im Osmanischen Reich des Jahres 1745 ging eine Stadt in Flammen auf.

»Ach, mein Lieber, immer wieder herrlich wie dünn deine Nerven sind. Dabei ärgern dich die Menschen doch gerade mal seit etwa 4000 Jahren.« sagte Mephistopheles, sichtlich mit sich zufrieden. Mit einem Seufzer lehnte er sich zurück, kippte ein wenig und fiel mitsamt des Stuhls um. Mephistopheles schlug hart auf, der Stuhl fiel durch die Wolkendecke und auf die Erde hinab und schlug auf den Galápagos-Inseln auf und schreckte dort ein paar Vögel auf, die just dadurch von einem gewissen Darwin wahrgenommen wurden, der diese Galápagos-Finken taufte.

Wutentbrannt rappelte Mephistopheles sich auf. »Verdammt, jetzt will ich etwas zerstören. Wie wär's mit einer neuen Wette?«

»Hast du nach Hiob und Faust nicht genug?«

»Hey, das mit Faust war nicht fair.«

»Ach komm, das ist doch schon eine Ewigkeit her. Bist du immer noch nicht darüber hinweg?«

»Hey, das ist gerade mal dreihundert Jahre her!« empörte er sich.

»Stimmt, war ja gerade erst. Nun gut, wie soll die Wette aussehen?«

»Krieg, Mord, Blut, Tod, Vergewaltigung, Raub ...«

»Ja, wie immer, ich will etwas Neues.«

»Diesmal mit Ungläubigen!«

»Das macht es doch eher leichter für dich.« erwiderte Gott.

»Wir nehmen Ungläubige, die absolut inkompetent sind.« entgegnete Mephistopheles.

»Die Osmanen?« schlug Gott vor.

»Das ist übertrieben, gib' mir eine Chance, zum Beispiel mit Oman oder Äthiopien.«

»Nein, die Osmanen, Ja oder Nein.«

»Okay, okay. Hey Marvin, komm mal her.« rief Mephistopheles.

»Was gibt's?« fragte ich, ein wenig erstaunt, dass ich hier war. Schließlich war ich vor einer Sekunde noch dabei mir das Genick zu brechen, aber dieses Außerhalb-der-Zeit-existieren machte mich schon die ganze Zeit fertig. Die ganze Zeit? Welche Zeit? Verdammt, es fängt schon wieder an. Was heißt schon wieder? Habe ich das schon mal getan? Wann? Verdammt, ich würde damit aufhören müssen darüber nachzudenken.

Zu meinem Pech hatte der Teufel es nicht für nötig befunden, meine Bedenkzeit zu beachten. Hatte ich überhaupt Zeit zum Bedenken, nein ... aufhören ... böse. Jetzt hatte ich nicht einmal die zweite Hälfte von dem verstanden, was der Teufel gesagt hatte, aber er schloss mit:
»Ist doch eine tolle Idee.« Ich ging einfach davon aus, dass es etwas mit Essen zu tun hatte und stimmte ihm zu. Im selben Moment fiel mir auf, dass es hier gar kein Essen gab, es sich also zwingend um etwas anderes drehen musste.

»Dann guten Flug.« Ehe ich Zeit hatte mir über seine Worten Gedanken zu machen, schubste er mich und ich fiel gen Erde. Es tat gut wieder in einem an die Zeit gebunden Raum zu sein. Einziges Problem: bei meiner aktuellen Fallgeschwindigkeit würde ich das nicht allzu lange bleiben, aber es war gut zu wissen, dass "lang" dieses mal eine Bedeutung hatte. In meinem Fall traf ich geschätzt etwa acht Vögel, dem Aussehen nach Galápagos-Finken, denen dieses Aufeinandertreffen wesentlich mehr zu schaffen machte als mir, leicht daran zu erkennen, dass sie plötzlich meine Flugbahn teilten ... also senkrecht nach unten.

Doch als ich kurz davor war, mit einer Geschwindigkeit, hoch genug mich so sehr zu zerfetzen, dass die Flecken nicht mehr auffallen würden, auf dem Boden aufzuschlagen, bremste mich eine unsichtbare Kraft rapide ab. Rein physikalisch gesehen hätte mich allein die Kraft der negativen Beschleunigung auf die Größe eines Kieselsteins quetschen müssen, doch offensichtlich machte der intergalaktische Gerichtshof für Physik Ausnahmen für Mephistopheles.

Da stand ich nun, mit erhobenem Haupte, geradem Rücken, stolzen Blickes .. in einer Schlammpfütze. Wie hätte es auch anders kommen können, wenn Mephistopheles höchstpersönlich der Absturzpilot war. Plötzlich hörte ich ein gellendes Lachen und sah einen alten Mann auf einem Stein sitzen.

»Wer zur Hölle bist Du?« fragte ich ihn.

»Ach komm, ich stinke nach Schwefel und habe einen Pferdefuss, wer könnte ich wohl sein?« erwiderte dieser.

»Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich das wissen sollte. Hey, sind das Hörner? Bist Du ein gehörnter Ehemann?«

»Entweder bist du die beste oder die schlechteste Wahl für diesen Job, aber jetzt kann ich es auch schon nicht mehr ändern. Folgendes, weil ich gerade Lust habe, gewähre ich dir Macht und zwar große Macht, ich gebe dir die Herrschaft über das Reich der Osmanen, große Eroberer, gefürchtete Krieger ...«

»Welches Jahr schreiben wir?« unterbrach ich ihn.

»1836, mächtige Herrscher, weise Gelehrte...«

»Ach komm hör auf, 1836 ist das ein großer Haufen Stümper.« unterbrach ich ihn erneut.

»Den Teufel nicht erkennen, aber die politische Situation von 1836 einschätzen können, wo bin ich da nur hineingeraten.« murmelte Mephistopheles. »Nichtsdestotrotz, Du wirst ihnen Glanz und Glorie wiederbringen. Einverstanden?«

»Ich habe eine Wahl?«

»Natürlich nicht.«

»Warum fragst du dann?«

»Höflichkeit.«

»Du bist Mephistopheles, warum solltest du höflich sein?«

»Hör auf mir auf die Nerven zu gehen und komm endlich mit, ich muss dich zum Sultan des Osmanischen Reiches machen.«

Man sollte meinen, den Herrscher eines solch großen Reiches auszutauschen sei schwer ... war es nicht. Der aktuelle Sultan Mahmud II. konnte es gar nicht fassen, dass er uns nichts dafür bezahlen musste, ihm diese Last abzunehmen und fragte immer wieder nach versteckten Kosten. Der aktuelle Großwesir Mehmed Emin Rauf Pascha kämpfte nun bereits zum zweiten Male gegen seine Absetzung, nachdem die Haremsbewohnerinnen (warum auch immer diese die Entscheidung innehatten...) ihn bereits 1818 einmal abgesetzt hatten um ihn 1833 wieder zurück zu holen. Und bevor ich es wirklich wahrnahm war ich Herrscher des Osmanischen Reiches, Sultan und Kalif des größten muslimischen Reiches, mit etwa 1.500.000 km² immerhin das zweitgrößte überhaupt, und das als Christ. Der Abtritt von Mahmud II. wurde nicht wirklich diskutiert, ein Großteil des Reiches hatte noch nicht einmal mitbekommen, dass er den Thron, oder wie auch immer man dieses ungemütliche Teil schimpfen wollte, bestiegen hatte. Das liegt wohl daran, dass das Osmanische Reich riesig ist ... zur Hälfte leer, zur Hälfte mit Analphabeten befüllt. Unser Nachbar Persien, eine offiziell unzivilisierte Nation, hatte nach aktuellen Schätzungen eine höhere Alphabetisierung als wir. Wann eine Nation offiziell unzivilisiert ist, konnte mir jedoch niemand erklären, immerhin war Japan mit der höchsten Alphabetisierung offiziell ebenfalls unzivilisiert. Nun würde ich wohl oder übel regieren müssen, ich begann mit einem Blick auf die Landkarte.



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8 Jahre 2 Monate her - 8 Jahre 1 Monat her #2 von Marvin
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Die Karte war die erste große Ernüchterung von höchstwahrscheinlich sehr vielen, die diese Regentschaft noch sehen würde. Zwar war das Osmanische Reich wie erwähnt eine große Landmasse, die zwischen Europa, Afrika und Asien dahin geklatscht war, doch war nur ein Bruchteil der größten Ausdehnung des Osmanischen Reiches um etwa 1595 übrig. Damals als von Algerien über Ägypten, über Mekka, bis hin zu Budapest, der Krim und Tiflis das osmanische Banner wehte. Jetzt ist es ... weniger ... viel weniger ... vergleichen wir es lieber gar nicht erst, viel zu frustrierend. Eigentlich überraschend, dass die Osmanen kein Volk voller depressiver Nostalgiker sind. Achja, sie können ja nicht lesen und haben also keine Ahnung davon, wie das Osmanische Reich früher einmal aussah. Welch ein Segen und doch noch viel mehr ein Fluch. Doch es hatte einen Vorteil, ich brauchte mir keinerlei Gedanken um Zensur zu machen, sollten die Leute doch schreiben was sie wollten, kann ja so oder so keiner lesen.

Also war es nun an mir, den Phönix aus der Asche zu heben, auch wenn Asche ein wenig euphemistisch für das war, was nun meiner Herrschaft unterstand. Es war eher … verbrannte Asche, die in den Wind geblasen wurde und deswegen erst aufgesammelt werden musste, damit der Phönix entstehen kann. Also begannen wir mit der Inspektion unseres Reiches. Wir schrieben den 01.01.1836 oder in der Zeitrechnung meines Volkes den 12.09.1251 oder Dhu'l-Hijja Ramadan 1251, ich würde diese elende islamische Zeitrechnung beizeiten abschaffen müssen. Jedenfalls lebten wir nach ordentlicher Zeitrechnung 1836, also in der Blüte der Industrialisierung, an der das Osmanische Reich natürlich seinen Anteil haben sollte. Sofort ließ ich den Minister für Industrie und Infrastruktur holen.

»So etwas haben wir nicht.« erwiderte der Großwesir Mehmed Emin Rauf Pascha.

»Wie bitte? Ich rede von den wichtigsten Faktoren einer wirtschaftlichen Prosperität und Sie wollen mir sagen, dafür wäre niemand zuständig?«

»Nun, unsere Infrastruktur besteht aus Trampelpfaden und Eimerketten. Dazu braucht es keinen Minister. Wobei wir auch ein Staffellaufsystem haben, um frischen Fisch zu transportieren, dem würde ein wenig Organisation nicht schaden.«

»Okay unsere Infrastruktur entspricht in etwa der des Mondes, verstanden. Aber was ist mit unserer Industrie?«

Er schaute mich ein wenig zweifelnd an, legte den Kopf schief und sagte: »Ich verstehe nicht einmal die Frage.« Frustriert ließ ich meinen Kopf auf den Tisch fallen, da es kein billiges Industrieprodukt sondern echte Handwerkerqualität war, gab er nicht einmal nach, sondern hinterließ blutende Schürfwunden auf meiner Stirn. Der persönliche Leibarzt des Sultans vereinte das gesamte medizinische Wissen des Osmanischen Reiches und empfahl eine sofortige Amputation. Während er an meinem Hals Maß für den Schnitt nahm, versuchte ich verzweifelt herauszufinden, ob es wirklich nichts Fabrikähnliches in diesem Land gab. Doch es gab nichts, kein einziger Kapitalist lebte in den endlosen Weiten meines Reiches, nicht ein Facharbeiter war zu finden. Diese Nation war am Ende und dabei hatte ich noch gar nicht angefangen.



»Bringt mir Alkohol! Ich werde den Rest wahrscheinlich nicht ertragen, wenn ich nicht betrunken bin.«

»Wir sind eine muslimische Macht, hier gibt es keinen Alkohol.« erwiderte mein Religionsminister. Ja wir hatten einen eigenen Minister für religiöse Angelegenheiten, warum auch nicht, schließlich war Religion viel wichtiger als Industrie, Bildung und so … es war einfach unglaublich, in welch schlechtem Zustand dieses Reich war.

»Steckt euch euren Islam doch sonst wohin. Er ist schuld daran, dass ihr bis heute nichts auf die Reihe bringt.«

»Das ist eine Lüge!«

»Ach kommen Sie, Ihr Volk hat 250 Jahre lang Leute hingerichtet, wenn Sie es gewagt haben Bücher zu drucken und warum? Weil euch eure Schönschrift heilig war. Und was habt ihr davon? Niemand konnte sich Geschriebenes leisten, also hat keiner lesen gelernt, folglich hat keiner eine Ahnung von irgendetwas. Der Buchdruck war einer der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Erfindung des 2. Jahrtausends und ihr habt euch weggedreht und gesagt: "Bäh, mit dem Gutenberg spielen wir nicht." Dabei hättet ihr dank eurer Nähe zu China bereits vor dem Rest Europas Bücher drucken können. «

»Aber ... böse ... darf man so nicht sagen ... Schrift ...«

»Und dazu gibt es nicht einmal Alkohol, um seine Sorgen zu ertränken, dieses Volk ist doch nur deswegen nicht zu neunzig Prozent depressiv, weil es zu dumm dazu ist.«



Munition, Schusswaffen und Artillerie wurden in kleinen Mengen produziert ... von Handwerkern. Ich beschloss, das Zeug an unzivilisierte Menschen in Zentralafrika zu verkaufen, um mit dem Erlös ernstzunehmende Waffen zu kaufen. Wir produzierten natürlich keinerlei Papier, wozu auch, wenn keiner was damit anfangen kann. Alles beruht auf der fehlenden Alphabetisierung meiner Bevölkerung. Überraschenderweise produzierten unsere Bauern sogar Wein und Schnaps. Später erfuhr ich, dass dieser nur an den Randgebieten des Reiches verkauft werden durfte, wo genügend Ungläubige lebten. Interessanterweise produzierten wir sogar Maschinenteile ... mit Handwerkern.

Da ich schon in einem Zustand völliger Resignation war, beschloss ich mir auch noch den wahrscheinlich schlimmsten Anblick meines Reiches zu betrachten.

»Bringt mir meinen Forschungsminister!« rief ich.

»So was haben wir auch nicht.« erwiderte der Großwesir. »Alle intelligenten Menschen sind bereits in Länder gezogen, in denen es mehr Bücher gibt. Also sahen wir keinen Grund, ein derartiges Ministerium zu führen. Wir halten in den Räumlichkeiten dafür Hühner, die die besten Eier legen.« Ich begann bitterlich zu weinen, während der Großwesir, wahrscheinlich aus purem Sadismus, begann mir eine Übersicht über unseren technologischen Fortschritt zu erstellen.



Nun, was sollte man dazu sagen? Wir waren nicht einmal in der Lage Kavallerie auszubilden, dabei gab es Kavallerie seit ... nun seit man herausgefunden hat, wie man auf Pferden reitet. Es gab weder Chemie noch Eisenbahn, Fabrik war ein Fremdwort, unsere Gewehre arbeiteten noch mit Feuersteinen und ... vielleicht sollten wir es dabei für's erste belassen.

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8 Jahre 1 Monat her #3 von Marvin
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Herrschen war schon immer weit schwieriger gewesen, als die Menschen, besonders die Beherrschten, ahnten. Über ein großes Reich zu herrschen, war noch komplizierter, denn man hatte viel zu tun. Über ein großes Reich zu herrschen, das Inkompetenz zur Disziplin erhoben hatte, das war wie ... Gewichtheben mit gebrochener Wirbelsäule. Nur durch eine unglaubliche physikalische Anomalie möglich, wie zum Beispiel der Umkehrung der Schwerkraft oder ähnlicher Kleinigkeiten.
Analog würde es reichen, sich in eine Lebensform zu verwandeln, die die Wirbelsäule mit einem komplizierten Geflecht aus Gelenken und Muskeln umgehen kann. Immer noch leichter als das. Aber wir sollten aufhören zu jammern und dieses Reich reformieren. Am besten würde ich erst einmal die Leute rausschmeißen, also alle, und nach intelligenten Menschen suchen.

Als erstes würde ich die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben neu organisieren müssen. Angefangen bei der Polizei, ganz simpel damit, dass eine eingeführt wurde. Das, was sich vorher noch Polizei schimpfte, wurde zu dem erklärt, was es war: Eine marodierende Räuberbande, die selbst als solche noch extrem inkompetent war. Da die neuen Polizisten natürlich nicht lesen konnten, wurde ein etwa 1200-seitiger Bildband zur Erklärung wichtiger Vorschriften und der Behandlung von Kriminellen herausgegeben, der jedoch meist als Waffe mit betäubender Wirkung missbraucht wurde.

Gedruckt wurde dieser natürlich im Ausland, zwar waren Druckereien die ersten Gebäude, die ich errichten ließ, doch bedeutete das nicht mehr, als dass wir Banden (also teilweise wieder die ehemalige Polizei) damit beauftragten, im Ausland Druckmaschinen zu stehlen. Allerdings war auch die Nutzung problematisch, da niemand die Anleitungen lesen konnte. Deswegen ließen wir Fachleute aus dem Ausland entführen, um Bildbände zur Benutzung einer Druckerei herzustellen.

Die Feuerwehren wurden zum ersten Mal in einen organisatorischen Rahmen gesteckt. Eimerketten wurden weitgehend abgeschafft und durch Tragkraftspritzen ersetzt, teilweise sogar mit Fahrzeug. Außerdem wurden diverse Religionsregeln verändert, so dass Feuerwehrleute nun Mädchen und Frauen anfassen dürfen, um sie notfalls aus dem Gebäude zu tragen und Frauen brennende Gebäude auch ohne Kopftuch verlassen dürfen.[1]

Medizin gab es angeblich nicht bei uns, zumindest behauptete das mein Großwesir. Dabei war das einer der wenigen Punkte, in denen wir glänzen konnten, wir hatten schon im Mittelalter Krankenhäuser, die der Westen teilweise bis heute nicht erreicht hatte und lieber fleißig Aderlasse verordnete. Der Aderlass war eine der wirksamsten Methoden unserer Zeit, noch kürzer konnte einem der Patient eigentlich nur auf der Tasche liegen, wenn man ihn direkt umbrachte. Erst jetzt begann der Westen wieder arabische Schriften zu übersetzen, die eigentlich nichts anderes waren als alte und weiterentwickelte Übersetzungen aus dem alten Griechischen. Trotzdem, wir waren diejenigen, die keine erforschte Medizin besaßen, war diese Welt nicht herrlich widersprüchlich...

Außerdem wurde die Landwirtschaft effizienter gestaltet, so wurde den osmanischen Bauern zum Beispiel erklärt, dass lokale Wasserräder von unglaublichem Vorteil waren. [2]



Das hatte unter anderem den Vorteil, dass nun weniger Bauern auf den Feldern Arbeit fanden und damit zu Hungerlöhnen in meinen Fabriken arbeiten konnten, um meine Industrialisierung gen Himmel schießen zu lassen. Wenn ich nur Fabriken hätte...

Diplomatisch war die Lage offensichtlich, die Briten waren die Tollsten und die Herrlichsten und die Schönsten (und ich muss das alles schreiben, da sie mich sonst angreifen) und die Mutigsten usw. Frankreich lag weit abgeschlagen zurück, das allein mag nicht verwundern, dass sie dabei zweiter waren, schon eher.



Immerhin waren wir nicht die einzige Großmacht ohne Industrie, aber seien wir doch ehrlich Russland, Österreich und Spanien waren nicht gerade das, was wir anstrebten. Auffallend an Spanien, es lag sogar hinter uns, dabei war es wie wir einmal eine richtige Weltmacht. In einem Punkt war es uns sogar unterlegen: Wir hatten bereits die Sklaverei abgeschafft!
Unser Einfluss war gering, nur die Walachei und Moldau lagen in unserer Sphäre und das auch nur, weil sie Satellitenstaaten des Osmanischen Reiches waren und damit schlicht keine andere Wahl hatten. Sie nannten uns auch nicht aus Verbundenheit ihre "Osmanischen Brüder" statt "Osmanische Freunde", sondern weil man bei Freunden eine Wahl hatte.

Unser diplomatischer Einfluss musste schnellstens verstärkt werden, sofort ließ ich den Stab zusammentrommeln. Es kamen der Großwesir, der Religionsminister, der ...

»Wie bitte? Mehr Minister gibt es nicht?« fragte ich schockiert.

»Eigentlich haben wir einen Innenminister, aber der findet den Raum mal wieder nicht.« erwiderte der Großwesir und ich begann bitterlich zu weinen.

»Hey, Meh... ma ... mo Oma ... omi.... Rasch ... Raf ... Pa ... Ach, ich nenn dich einfach Harry.« beschloss ich Kraft meines Amtes.

»Wie können Sie es wagen?« entrüstete sich der Großwesir

»Ich bin der ehrwürdige Sultan und Kalif im Namen des dreifaltigen Go .... äh ... im Namen Allahs.«

»Aber ich bin der ehrwürdige Großwesir, auch ich habe eine religiöse Stellung.«

»Sie werden von den Haremsbewohnerinnen gewählt.«

»Aber ... verdammt, er hat Recht.« sagte er sich und begann zu schmollen.

»Harry, such' den Innenminister!« befahl ich und er gehorchte sogar.

»Und was ist mit mir?« fragte der Religionsminister.

»Was soll schon sein, Ihr Ministerium ist mir egal, sorgen Sie dafür, dass meine Bürger brav arbeiten, gehorchen und kämpfen und gehen Sie mir aus den Augen.«

»Aber ... ich bin doch mehr als nur Ihr persönlicher Volksbelustiger.«

»Nein, sind Sie hiermit nicht mehr, raus!«

Zwei Stunden später hatte der Großwesir meinen Innenminister gefunden. Er legte mir eine sehr interessante Statistik über die Bevölkerung des Osmanischen Reiches dar.



In vollem Ehrgeiz begann der Innenminister sofort die Statistik zu kommentieren: »Eines der Hauptprobleme ist, dass ein Großteil unseres Volkes der muslimischen Religion angehört.«

»Aber das ist die Staatsreligion.« erwiderte ich.

»Ach so, das hätte man mir mal sagen müssen. Dann haben wir noch diverse Integrationsprobleme mit den türkischen Bevölkerungsgruppen.«

»Aber ich bin das Osmanische Reich, die Türken sind praktisch mein Kernvolk, da gibt's nichts zu integrieren.«

»Ach deswegen wehren sich die immer so.« Ich bekam langsam eine leichte Ahnung, dass mein Innenminister selbst für hiesige Standards inkompetent war. Trotzdem war die Statistik interessant, so wusste ich nun, dass die Osmanen nicht rechnen konnten, die einzige Statistik die im Gesamten 100% ergab, war die Ideologiestatistik, aber die hatte auch nur drei Zahlen.
Des Weiteren waren wir - welch Überraschung - ein Bauernstaat. Fast zwei Drittel der Bevölkerung waren Bauern. Wir hatten nicht einen einzigen Kapitalisten, Angestellten oder Facharbeiter. Dafür hatten wir - trotz der geächteten Sklaverei - einen Sklavenanteil von 0,1% der Bevölkerung, bei einer Bevölkerung von etwa 20 Millionen, waren das immerhin noch 20.000.
Ein Großteil der Bevölkerung war natürlich muslimisch, doch waren die christlichen Fraktionen mit über 37% eine starke Minderheit, die noch für starke Probleme sorgen konnte, wenn sie erst durch neue Eroberungen in die Mehrheit geriet.
Das Volk war großteils konservativ, es gab mehr Reaktionäre als Liberale, alles in allem sehr stabile Verhältnisse. Ganz anders sah es da bei den Nationalitäten aus, nur 36,2 % (1,87 Millionen) meiner Bevölkerung waren Türken, also mein Kernvolk. Der Rest war eine wilde Mischung, trotz der Unabhängigkeit der Griechen waren die Griechen meine zweitgrößte Bevölkerungsgruppe und wahrscheinlich auch die einzig ordentlich gebildete.
Eines der größten Rätsel war allerdings, warum zur Hölle es angeblich ein Problem sein sollte, dass 70,3% meiner Bevölkerung Hurrapatrioten waren. Endlich etwas, worauf man aufbauen konnte.

[1]Mag in diesem Text unterhaltsam klingen, aber traurigerweise teilweise fast noch Realität, siehe z.B. hier

[2]Ich spiele aus purer Lust an ein wenig Abwechslung mit dem Age of Colonialism Mod.

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8 Jahre 1 Monat her #4 von Marvin
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Auf Grund der Rückständigkeit meines Reiches, die bedeutend genug ist um eine physikalische Konstante darzustellen (auf Grund der Unwahrscheinlichkeit jeder noch so geringfügigen Änderung dieses Zustands, konnte sie als konstant angesehen werden) beschloss ich einige Projekte (alternativ: Sisyphos-Initiativen) anzuregen. Ich begann damit ein allgemeines Treffen arabisch-islamischer Wissenschaftler einzuberufen. Es war ein netter Abend, vor Allem waren wir die perfekte Anzahl für eine Pokerrunde waren. Wären die Anwesenden nicht ausschließlich islamische Theologen gewesen, wäre es nicht einmal deprimierend gewesen.

Ich versuchte sie zu Projekten zur Steigerung der Alphabetisierung zu bewegen, aber sie waren für diese Idee nicht wirklich zu begeistern. Also musste ich meine eigenen Theorien aufstellen. Ich verwarf einige Ideen, wie eine Kampagne zur Steigerung des Ansehens von Bildung oder gar einer Reform des Schulwesens (hier sei angemerkt, es gab kein nennenswertes Schulwesen, das man hätte reformieren können) Am Ende hatte ich nur eine Lösung: Ich würde andere (gebildete) Länder erobern müssen um durch deren Bevölkerung meinen Durchschnitt zu erhöhen.

Da wir gerade bei Kriegen waren, das neunzehnte Jahrhundert war ja bekanntermaßen nicht das ruhigste … woher auch immer ich das schon im Jahre 36 dieses Jahrhunderts wissen sollte … zumindest war es zurzeit unruhig, ganze drei Kriege riesigen Ausmaßes erschütterten die Welt. Eigentlich waren es kleine eher regionale Kriege, die nicht mal die beteiligten Länder im Ganzen erschütterten. Zum Einen versuchte Frankreich Algerien ein Stück wertlose Wüste abzuknöpfen und Mexiko sah gar nicht ein, warum Texas unabhängig sein sollte. Das kann ich nur zu gut nachvollziehen, wo kämen wir denn dahin, wenn jede Nation ihre Unabhängigkeit erklären würde und noch viel wichtiger, wo käme ich denn hin, wenn meine geschätzt 247 verschiedene Nationalitäten meinten, sie müssten einen eigenen Staat bilden.



Und wie ich feststellen durfte, führte sogar meine Nation einen Krieg und zwar gegen einen der Barbareskenstaaten. Offenbar waren sie von den USA am Anfang unseres Jahrhunderts für ihre Seeräuberei nicht stark genug zusammengeschlagen, so dass die Hohe Pforte beschlossen hatte, selbst auch einmal dort einzumarschieren. Die Hohe Pforte ist, nebenbei bemerkt, ein anderes Wort für den osmanischen Diwan (nein, nicht das bayerische Wort für Sofa) und dieser war nichts anderes als die Regierung des osmanischen Sultans und diese Regierung war im Großen und Ganzen ... Ich.

Das kleine Tripolis war meiner unendlichen Macht weit unterlegen, der einzige Grund warum es nicht gleich aufgab, war die Tatsache, dass meine Vorgänger keinen höheren Sinn darin gesehen hatten Truppen zumindest in die Nähe der Front zu bringen. Warum sollte man zur Annexion eines Landes auch Soldaten mitbringen, schließlich machen die nur Lärm. Interessanterweise war die Stadt Tripolis Teil des Osmanischen Staatsgebietes und der Staat Tripolis erhob nicht einmal Anspruch darauf. Doch der Krieg musste warten, eine Offensive von Tripolis wurde nicht erwartet und ich hatte nicht einmal einen zuständigen Minister, dem ich hätte Befehle erteilen können. Trotzdem beschloss ich stichprobenartig die Armee in Augenschein zu nehmen.



Ein Bild des Jammers. Ein großer Teil der Truppen waren Freischärler, also eigentlich nicht viel mehr als bewaffnete Bürger die aus purer Langeweile mit normalen Soldaten in den Krieg zogen, ohne dass sie jemand dazu berechtigt hatte. Zum Glück standen diesen Mistgabelbewehrten menschlichen Schutzschildern auch ernstzunehmende Infanterie zur Seite … zumindest für osmanische Standards ernstzunehmend. Dazu gab es sogar Kavallerie und das obwohl ich eigentlich zu unterentwickelt war um eben jene auszubilden. Wahrscheinlich Überreste der Mamelukenherrschaft, die erst vor wenigen Jahren von meinem Vorgänger beendet worden war. Offiziere gab es schlicht und ergreifend keine im Reich, wer brauchte die auch schon?



Um den Kampf gegen die Dummheit fortzuführen, beschloss ich in der Bevölkerungsstärksten Region meines Landes die Bevölkerung dazu zu bewegen, Geistliche zu werden. Durch das Fehlen eines staatlichen Schulsystems waren Geistliche, die einzige Instanz die Bildung vermittelten. Natürlich wurden ausschließlich christliche Geistliche gefördert, die konnte zwar keiner leiden, aber dafür konnten sie mit Büchern umgehen, islamische Geistliche, die den Leuten am Ende doch nur Kalligraphie beibringen, waren mir nicht von Nutzen.

Trotzdem brauchte ich einen Stab, also versuchte ich mit Hilfe meines Großwesirs namens Harry...

»Ich heiße...«

»Bei Allahs Namen, wirst du still sein‽« entgegnete ich mit hoheitsgebietender Stimme.

Also versuchte ich ein zweites Mal, dieses Mal ohne Harry, einen Stab aufzustellen. Zum General oder Ağa wurde der Haremswächter ernannt, er trug eine Waffe und war damit weit und breit der best qualifizierte. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich der Bostancıbaşi gewesen, aber wie sollte ich jemandem mit dem Titel "Gärtner-Oberst" ernst nehmen? Als Kaptan-i Derya, Kapitän der Meere, ließ ich mir einfach den besten Schiffsbauer des Reiches bringen, in der naiven Hoffnung er würde auch etwas von Kriegsführung zu Wasser verstehen. Als Geheimdienstminister wurde der Befehlshaber der Serdengeçti ausgewählt, deren Titel so viel bedeutet wie: "Haben auf ihren Kopf verzichtet" und genau das ist die Einstellung die meine Spione brauchen. Der Harem wurde bis auf die Kethüdâ kadın, der obersten Frau abgeschafft, sie wurde Finanzverwalterin. Wenn sie das für den Sultansharem schafft, schafft sie das auch für das Osmanische Reich. Der Chasınedar başı, der Oberstschatzmeister, wurde dafür zum Industrieminister erklärt. Da es niemandem im Reich gab, der irgendwelche Kenntnisse auf diesem Gebiet hatte, war es ohnehin egal, wer alles falsch machen würde. [1]

[1] Keiner der genannten osmanischen Titel ist erfunden

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Eine weite leere Fläche, kahle weiße Wände, stumme Schreie hallen aus den Ecken, leichter Wind wirbelte zentimeterdicken Staub auf, ein Strohballen rollte einsam durch das Blickfeld, dann ertönte leise das noch nicht geschriebene Mundharmonikastück "Spiel mir das Lied vom Tod".

Der Anblick der osmanischen Staatsbibliothek war wenig ermunternd.

»Ich will Bücher hier haben und ...« ein weiterer Strohballen lenkte mich ab »…und schmeißt den Typen da drüben raus, der hier dauernd Strohballen rumwirft.«

Sofort ließ ich im gesamten Reich ein Exemplar von jedem im Umlauf befindlichen Buch besorgen, 182 Bücher später, von denen 180 nur verschiedene Ausgaben des Korans waren, brach ich das ganze frustriert ab.

»Warum zur Hölle gibt es hier sowenig Bücher« fragte ich verzweifelt.

»Weil ihr verdammten Christen bei jeder gottverdammten Gelegenheit unsere Bücher verbrannt habt.« erwiderte mein Großwesir lautstark.

»Lüge!«

»Achja, wie wär's zum Beispiel mit der Bücherverbrennung 1499 in Grenada?«

»Aber … nur weil ihr … ihr habt … ach verdammt, das haben wohl wirklich wir versaut.«

»Ha, wie sehen Sie jetzt die Macht des Osmanischen Reiches?«

»Kriegen Sie sich wieder ein, sonst erkläre ich Österreich den Krieg und dann sehen wir wie es Eurem Reich ergeht.«

»Hey, es ist vor Allem auch Ihr Reich.«

»Mussten Sie das jetzt sagen? Ich hatte es gerade wieder verdrängt. Aber jetzt wo Sie mich wieder daran erinnert haben, kann ich auch gleich weiterregieren. Bringt mir meinen Kaptan-i Derya.«

Als mein Marineminister zu mir gekommen war, teilte ich ihm mit, dass ihm sein Budget halbiert werden würde, weil das Osmanische Reich vieles hatte, aber kein Geld. Er machte ein großes Geschrei, von dem ich dankenswerterweiße kein Wort verstand. Als er nach einer knappen halben Stunde fertig war, bat ich meinen Großwesir es zu übersetzen:

»Das geht nicht.«

»Das ist alles?«

»Den Rest kann ich aus Gründen meiner guten Erziehung nicht übersetzen.«

Das überging ich einfach und strich den Marineetat zusammen. Da dadurch nicht genügend Geld verfügbar war um die mächtige Osmanische Flotte - eine große Ansammlung von Fischkuttern - zu erhalten, wurde sie großteils versenkt, nur elf Schiffe blieben in der Flotte. Das reicht für Tripolis … das keinen Hafen besitzt und für Ägypten … das keine ernstzunehmende Flotte besitzt.



Da wir gerade bei Tripolis waren.



Dieser Staat war eigentlich nicht viel mehr als ein Witz, kein Prestige, keine Industrie (okay, die hatte ich auch nicht) und ihr Militär bestand aus einer Brigade von nichts. Außerdem hatten sie nicht einmal 30.000 Einwohner, das würde in meiner Bevölkerungsstatistik nicht einmal auffallen.

Da wir gerade bei meiner Bevölkerung sind, da gibt es ein paar Merkwürdigkeiten.



Zum einen war es doch recht frustrierend, dass in diesem Volk nicht einmal das Wort "Monarchie" richtig geschrieben werden konnte und wir fortan als absolute Monarche in der Welt bekannt waren. Außerdem regierten bei uns die Janitscharen … einer Elitetruppe des Heeres als Regierungspartei … die außerdem bereits vor zehn Jahren aufgelöst wurde … das Osmanische Reich war eine komische Gegend.



Es gab zwei andere Parteien, beide wenig interessant, da ich mich bei beiden auf das Osmanische Volk verlassen müsste um Fabriken zu errichten … ganz schlechte Idee. Natürlich gab es keinerlei Sozialreformen und praktisch keine Politikreformen, für wen auch.

Nachdem ich meinen Marineminister schon beleidigt hatte, musste ich mich allerdings noch um meine anderen Ministerien kümmern. Ich bat meinen Chasınedar başı, also den Oberschatzmeister, den ich zum Industrieminister befördert hatte um einige Vorschläge zur Förderung der Industrie. Er schlug mir unter Anderem vor die Agrarsubventionen zu erhöhen und einen hohen Importzoll auf Nahrungsmittel zu verhängen. Offenbar war er noch nicht dahinter gekommen, was eine ordentliche Industrie bedeutet, also galt es nur zu hoffen, dass er es verstand, sobald er die ersten Fabriken auf osmanischem Boden sah. Wahrscheinlicher war jedoch, dass er vor lauter Angst zu Boden gehen und beten würde. Da es sonst nichts von ihm zu erwarten gab, schickte ich ihn weg.

Meine Finanzministerin, Kethüdâ kadın, berichtete mir, dass der osmanische Haushalt beträchtlich aus den Fugen geraten war. Zum Einen war die Korruption praktisch Hauptwertschöpfer der Nation, zum Anderen hatte sie unbedingt neue Schuhe gebraucht. Leider war der einzige Vorschlag, wie wir am Besten aus dieser Krise herauskommen: Neue Schulden! Ich hatte einen besseren Vorschlag: Neue Kriege! Ich beschloss sofort das nächste in Reichweite befindliche Land anzugreifen.

»Was ist mit Tripolis?« warf der Großwesir ein

»Was soll damit sein, schöne Hafenstadt, aber die gehört uns schon.« erwiderte ich.

»Nein, die Nation Tripolis, mit der sind wir auch noch im Krieg.«

»Achso … bringt mir meinen General Ağa her, ich muss mit ihm reden.«

»Ich stehe doch hier vor Ihnen.«

»Oh, ich habe Sie übersehen. Für einen General sind sie ganz schön klein.«

»Hey, ich verbiete mir diese Frechheit, ich habe immerhin schon im neunten Russischen Türkenkrieg als General gedient, bevor ich Haremswache wurde.«

»Der neunte? Das war der Griechische Unabhängigkeitskrieg, in Anbetracht der Tatsache, dass die Griechen gerade unabhängig sind, halte ich es für gewagt mich damit zu schmücken.«

»Wie bitte? Ich habe auch Anfang der dreißiger gegen Ägypten gekämpft, ich verlange ein wenig mehr Respekt!«

»Ach kommen Sie, damals sind die Ägypter bis nach Anatolien vorgestoßen, das ist ja noch peinlicher als die Sache mit den Griechen.«

»Aber … ach lassen Sie mich doch einfach in Ruhe.«

»Nein, das geht nicht. Organisieren Sie mir schnell ein paar Truppentransporte an die nordafrikanische Küste, ich will dort unten ein paar mehr Truppen haben, um diesen Krieg schnell zu beenden. Schließlich will ich danach den nächsten anfangen.«

Tripolis war damit eigentlich schon gefallen, damit stand die Frage nach dem nächsten Ziel offen und es war auch schnell gefunden. Wir würden die Schmach, die uns die Ägypter erst vor wenigen Jahren zugefügt hat bitter rächen und uns die uns angestammten Gebiete nehmen. Nachdem große Teile des ägyptischen Staatsgebietes (auch nur viel Sand mit Analphabeten gefüllt) noch vor kurzer Zeit osmanisch war, würden uns die anderen Nation dafür nicht einmal zur Rechenschaft ziehen. Zumindest hoffte ich das, ein Krieg gegen Russland oder Großbritannien wäre zur Zeit ... nennen wir es einfach kontraproduktiv. Damit stand das nächste Ziel fest: Ägypten.




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8 Jahre 5 Tage her #6 von Marvin
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Nachdem ich nun mein Reich begutachtet und mit einer schlechten fünf bewertet hatte, musste ich mich wohl oder übel um das Tagesgeschäft kümmern. Dies bestand für den 01.01.1836 eigentlich aus nur einem Punkt. Diesen allerdings etwa 250 Mal auf ein einziges Blatt Papier geschrieben: Tripolis vernichten. Hätte mein Vorgänger dieselbe Zeit, die er wahrscheinlich gebraucht hatte um soviel Text auf ein Blatt Papier zu quetschen auf den Krieg verwand, wäre er wahrscheinlich schon fertig.

An der Front standen ganze zwei Brigaden von Freischärlern, damit waren wir den Tripolitanern sogar zahlenmässig unterlegen, denn diese schickten ganze drei Brigaden von Freischärlern in die Schlacht. Da allerdings ganze zwei Brigaden osmanische Kavallerie in der Nähe waren, konnten diese eingreifen und einen richtig spannenden Krieg daraus machen.

Alternativ könnte man natürlich auch ein paar Truppen einschiffen lassen und Tripolis schnell und hart in die Knie zwingen. Ich entschied mich spontan für Variante zwei, das Letzte, das ich brauchen konnte, waren negativ-Schlagzeilen über Niederlagen gegen unterentwickelte Nordafrikaner. Die wollte ich mir für Ägypten aufheben. Außerdem bilde ich mir ein, dass schon mal befohlen zu haben. Jedenfalls ließ ich die Truppen in Istanbul platzsparend falten und in Kisten verpacken um sie schnellstmöglich in den Hafen von Tripolis zu bringen. Leider nahm auch dies viel Zeit in Anspruch, wahrscheinlich wäre es mit der Post schneller gewesen.



»Sie wollen Menschen mit der Post verschicken?« fragte der Großwesir

»Jetzt wo Sie es sagen, das ist tatsächlich Schwachsinn. Womit sollte ich denn auch die Portokosten bezahlen.«



Da wir gerade bei bezahlen waren. Geld musste her und zwar viel und das auch noch möglichst schnell. Schließlich war eine Verschuldung von Nationalstaaten doch eine vollkommen abwegige Idee. Also wurden die Steuern erhöht, wir nahmen den Armen alles von dem was sie nicht hatten, den Mittelstand alles von dem was sie sogar hatten. und den Reichen nahmen wir nur die Hälfte von der ganzen Menge, die sie hatten. Leider war dieses hoch komplexe Steuersystem für meine analphabetischen Beamten viel zu unübersichtlich, also vereinfachten sie es und machten eine Art Einheitssteuer daraus: 23% für alle. Außer natürlich für analphabetische Beamten, die waren befreit...

Gut, da unsere Finanzprobleme damit nicht gelöst waren, konnte ich endlich Geld ausgeben. Sofort beschloss ich das internationale Komitee für Karten zu bestechen, damit auf allen Karten (schließlich benutzten alle Länder der Welt aus ominösen Gründen nur diese eine) "Osmanisches Reich" größer geschrieben werden würde.

»Meinen Sie nicht das Geld könnte man sinnvoller zum Fenster rauswerfen? Zum Beispiel sprichwörtlich aus diesem da.«



Alle Welt schloss fröhlich Bündnisse miteinander nur mit uns wollte sich niemand anfreunden. Als ich daraufhin bei den Briten um ein Bündnis anfragte wurde mir nicht wirklich geantwortet, aber ich befürchte das schallende Gelächter war ein schlechtes Zeichen. Sofort befahl ich dem nächstbesten Dienstboten, in diesem Fall meinem Großwesir, eine schematische Zeichnung anzufertigen um einen Überblick zu erhalten.



Daraufhin legte der Großwesir den Stift weg und rannte vor lauter Verzweiflung im Kreis. Ich warf ihm einen Koran an den Kopf worauf er schlagartig stehen blieb und begann Richtung Mekka zu beten. Allerdings war er dabei ein wenig verwirrt, so dass er einmal um die Welt und dann erst Richtung Mekka betete, aber ich beschloss es fachmännisch zu ignorieren und mich um wichtige Dinger kümmern. Da ich immer noch keinen Forschungsminister hatte, ließ ich den nächstbesten Hoca (Gelehrter) zu mir bringen, damit dieser sich fortan um meine Forschung kümmern sollte. Das erste Ziel war die Handelsfreiheit, nicht weil wir naiv genug waren zu hoffen, das würde dem Osmanischen Reich helfen, sondern weil wir uns viel Geld von reichen Europäern versprachen die dadurch in unser Reich gelockt werden.



Als nächstes befahl ich meinem General Ağa ein paar Truppenverschiebungen vorzunehmen. Zum einen sollten die zwei in Nordafrika stationierten Brigaden von Freischärlern nach Tripolis eilen um die Tripolischen, Tripolischen, Tripolieatinischen … ach die Tripoler, Tripoliser …ach die Soldaten aus Tripolis eben, möglichst lange davon abzuhalten Tripolis einzunehmen, auch wenn sie das wohl hauptsächlich durch das Blockieren von wegen mit ihren Leichen schaffen würden. Der Rest wurde einfach nach Osten verlegt.




»Entschuldigung ehrwürdiger Sultan, ich verstehe nicht was sie damit bezwecken. Befürchten Sie eine Intervention seitens Ägypten?«

»Natürlich nicht, diese Kamellreiter wissen doch genausowenig wie man dieses Wort schreibt wie Sie. Nein, Ägypten wird das nächste Ziel meines unendlichen durch die Niederlagen des Osmanischen Reiches aufgestauten Zorns.«

»Aufgestauter Zorn? Sie sind erst seit ein paar Tagen hier.«

»Halten Sie einfach die Klappe, wenn ich Kriegsbegründungen von mir gebe. Ich bin der Sultan des Osmanischen Reiches, meine Kriegsgründe müssen keinen Sinn ergeben. So wie bei amerikanischen Präsidenten.« erwiderte ich »Außerdem hat dann mein "Ottomanisch Asien", so falsch es auch sein mag, mehr Platz.«



Außerdem wurde Harry, der neben seinem Großwesiramt als Außenminister tätig war, beauftragt die Perser unter unseren Einfluß zu bringen, damit das Osmanische Reich ein wenig Ehrgeiz entdeckt, wenn es bemerkt, dass bei denen mehr lesen können als bei uns.

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7 Jahre 11 Monate her #7 von Marvin
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Der Krieg war verloren, wir waren eindeutig geschlagen, es gab keinen Lichtblick mehr, jede Hoffnung war gestorben, es war einfach aus und vorbei. Tripolitanische Truppen waren dabei Tripolis zu besetzen und es gab keine Möglichkeit, sie davon abzuhalten ... außer vielleicht es einfach zurückzuerobern. Hey, das klang nach einem Plan.



Kurz darauf stand ein komischer Mann in meinem Büro, der mit einem komischen Dialekt deutsch sprach. Obwohl ich des Deutschen mächtig war, verstand ich nicht allzu viel davon, aber irgendwann konnte ich ihn dazu überreden hochdeutsch zu sprechen, nachdem er sich einem ordentlichen Dialekt wie dem Bayerischen stirkt verwehrte. So erfuhr ich, dass er ein österreichischer Botschafter war.

»Ich möchte Ihnen mein Beileid aussprechen, dass Sie Probleme haben, die tripolische Nation zu bezwingen.« entgegen der Bedeutung seiner Worte, grinste er mich breit an und schien in bester Laune.

»Sie können mich nicht leider, oder?«

»Natürlich nicht, Ihr habt zweimal versucht Wien zu erobern.«

»Unsere Probleme bereiten Ihnen ziemliche Schadenfreude, was?«

»Und wie.« das Grinsen des österreichischen Botschafter wurde noch ein Stück breiter.

»Ihnen ist bewusst, dass ich Sie in diesem Land für solch eine Frechheit hinrichten lassen kann?« erwiderte ich und beobachte mit stillem Vergnügen, wie sein Grinsen schwand.

»Niemand bedroht einen Gesandten. Das ist Wahnsinn!«

»Wahnsinn? DAS IST …verdammt, das wirkt einfach nicht wenn der Nationenname aus zwei Wörtern besteht … DAS IST OSMANIAAAA … nein, das geht auch nicht, vergessen Sie es einfach und gehen Sie nach Hause.« Der österreichische Botschafter ging sichtlich verwirrt zurück ins Reich der Habsburger zu Ferdinand, den man auch spöttisch den Gütigen nannte, um dort zu berichten wie er empfangen wurde.



Ja, das klang nach Ferdinand dem Gütigen, andere hätten mir den Krieg erklärt. Nachdem die Beziehungen zu unserem immerhin zweitbedrohlichsten Nachbarn (schließlich hatten wir leider nicht nur eine russische Grenzen, nein wir hatten sogar zwei davon) damit ein wenig aufgebessert waren, machte ich mich an die Eroberung von Tripolis. Nachdem deren Truppen dabei waren Tripolis zu besetzen, beschloss ich mich bösartig zu rächen indem ich unbedeutende Wüste im Hinterland mit meiner Kavallerie besetzte.



Während meine Kavallerie in den Weiten der Wüste hohe Verluste erlitt, auf Grund von Hunger, nicht von Feindkontakt, kamen endlich meine regierungstreuen Freischärler in Tripolis an und versuchten mit ihren Mistgabeln die Mauern zum Einsturz zu bringen, indem sie den Putz aus den Ritzen zwischen den Steinen kratzten. Die gegnerischen Truppen versuchten sie davon abzuhalten, indem sie Kieselsteine von den Mauern fallen ließen. Als endlich die osmanische Kriegsflotte im Hafen einlief, war die Schlacht praktisch entschieden.



So ward' die erste Schlacht der Marvin-Ära geschlagen und sie ward' ein glorreicher Sieg. Das Osmanische Reich feierte ihren Sultan und verkündeten bereits die Rückkehr zu alten Verhältnissen. Mir schien das ganze ein wenig übertrieben, angesichts der Tatsache, dass wir ein paar rückständige Tripolitanische Truppen aus Tripolis gejagt haben.

»Sie müssen das so sehen, die letzten beiden Kriege die wir gegen unser eigenes Fleisch unseres Reiches geführt haben, haben wir auf peinlichste Art verloren. Um es böse zu sagen: Wenn die Latte auf dem Boden liegt, ist es nicht schwer über sie zu springen.« erwiderte Harry womit er wahrscheinlich den Kern der Sache traf.

»Ist ja auch egal, geben Sie mir ein Telefon.« erwiderte ich

»Das geht nicht.«

»Warum?«

»Das wäre historisch zu unkorrekt, dass können Sie erst in dreißig Jahren machen. Aber ich könnte Ihnen ein Morsegerät anbieten. Da wird der erste Testbetrieb zwar nächstes Jahr stattfinden und erst in zwei Jahren eine Möglichkeit zur Übertragung von Buchstaben erfunden, aber das geht in der Geschichtsschreibung noch als Rundungsfehler durch.«

»Und was sagt die historische Korrektheit über ein Morsegerät in Tripolis, also dem Staat, inklusive der nötigen Leitungen?«

»Sie haben Recht, vergessen Sie was ich gesagt habe. Aber da wir gerade dabei sind, wir haben eine Expressmeldung aus Tripolis bekommen.«

Sehr geehrter Herscher des Osmanischen Reiches, wie auch immer Ihr Name sein mag,

Sie mögen uns in Tripolis geschlagen haben, doch freuhet Euch nicht zu früh, hunderttausend blutrünstige Soldaten warten in den Weiten der tripolischen Wüste auf Eure Truppen um sich an ihrem Blut zu laben.


Mit verächtlichen Grüßen,

Karamanli


»Die Schlacht war gerade eben, wie ist das möglich?« fragte ich

»Nun, offensichtlich kümmert sich Tripolis nicht so sehr um historische Korrektheit, ph.« erwiderte Harry und ging beleidigt von dannen.

Es war zu schade, dass mir diese Möglichkeit verwehrt war, zu gerne hätte ich dem Herscher von Tripolis mitgeteilt, dass ich voller Spannug die Armee erwartete die angeblich doppelt so zahlreich wie die gesamte Bevölkerung von Tripolis war.

So war es nun an der Zeit einen Krieg zu führen, wie es ihn so geführt praktisch überall auf der Welt gab. Der General erstattete Bericht:

»Sir, wir werden die tripolischen Truppen verfolgen und bis auf den letzten Mann niedermachen.«

»Brav, eine Frage: Wer ist eigentlich dieser inkompetente äußerst dunkle Typ, der unsere Truppen in Tripolis befehligt hat?«

»Äh, niemand hat die Truppen in Tripolis befehligt, das war mehr so ein: Töte was dir vor die Waffe kommt und hoffe, dass es kein Kamerad ist - Ding. Es gibt im Osmanischen Reich zur Zeit leider nicht einen Mann, der in der Lage wäre eine Armee zu befehligen, oder eine Division, oder eine Brigade...«

»Warum eigentlich nicht?«

»Ach, Sie wissen schon. Hunger, Krankheit, einlagiges Klopapier, Tod, Zerstörung, das kann einem ganz schön zu schaffen machen und dann noch der miserable Lohn, sehen Sie mich an, ich verdiene nicht viel mehr als diese Gärtner da vorne.« antwortete der General

»Aber der bekommt kein Gehalt.« erwiderte ich

»Ich sehe, Sie haben meinen Punkt verstanden.«

Obwohl ich wusste, dass der Brief Tage brauchen würde, schrieb ich ihn an den tripolitanischen Herscher, schließlich hatte ich sonst auch nichts Wichtiges zu tun.

Sehr geehrter Herr Kaminli,

mit Freuden habe ich vernommen, dass noch eine Armee wartet, wäre die in Tripolis die einzige gewesen, wäre dieser Krieg ein wenig glorioser Sieg. Es erstaunt mich, dass Sie tatsächlich bei einer Bevölkerung von etwa 50.000 eine 100.000 köpfige Armee aufstellen konnten, aber welcher Soldat würde sich nicht für seinen Herscher vierteilen lassen.
Tatsache ist, wir werden alles zermalmen was uns in den Weg kommt, lange genug habt Ihr euch Eure Unabhängigkeit eingebildet, nun kommt ihr endlich heim ins Osmanische Reich.
Eine neue Ära wird für das Osmanische Reich beginnen und ihr werdet die ersten sein, die von der neuen Macht Zeugnis ablegen sollen, darum müsst ihr bis auf den letzten Mann vernichtet werden ... oder ihr beschleunigt das Ganze und gebt einfach auf, vielleicht rufe ich euch dann zum Kaiser von Tripolis aus. Ich meine damit natürlich einen osmanischen Kaiser, einen Tekür, nicht viel mehr als ein kleiner unbedeutender Lokalherrscher, nicht dass Ihr auf falsche Gedanken kommt.


Mit drohenden Grüßen

Marvin, Sultan und Kalif des Osmanischen Reiches


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7 Jahre 11 Monate her #8 von Marvin
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Der Krieg in Tripolis ging seine Wege und ich musste mich um andere Bedürfnisse meines Landes kümmern, das Volk verlangte dringend Ergebnisse. Allerdings sagte es mir leider nicht, in welcher Hinsicht, also spielte ich eine Runde Golf und verkündete mein Handicap. Leider musste ich feststellen, dass das nicht die erwünschte Art Ergebnis war und machte mich wieder an Regierungsarbeiten. Zuerst beschloss ich, dass es sich für eine Großmacht gehört, kleinere Mächte nicht nur kriegerisch zu unterdrücken (siehe Tripolis) sondern auch diplomatisch und wirtschaftlich, so rein aus Prinzip. Da unsere Nachbarn hauptsächlich Großmächte waren und Ägypten so oder so bald kriegerischen Besuch erhalten wird, beschloss ich also das mächtige ... also das vor langer, langer, langer, sehr langer Zeit mal mächtige … Persien unter meine Fittiche zu nehmen.



Kurz darauf erschütterte ein mächtiges Erdbeben die Weltwirtschaft, Kreditinstitute brachen zusammen, Banken gingen bankrott, Menschen pleite, Industrien zu Grunde, die Inflation vernichtete Sparvermögen, im Großen und Ganzen: Die Welt ging unter. Doch dann fiel jemandem auf, dass eigentlich nichts wirklich Interessantes passiert ist und alles ging wieder seinen gewohnten Gang, wer interessierte sich schon für Texas.



»Nun« begann der Großwesir »Es sollte Sie interessieren.«

»Was zur Hölle sollte mich an diesem kleinen praktisch schon annektierten Staat auf der anderen Seite des Atlantiks interessieren?«

»Nun, die Schulden die Chile in den Bankrott getrieben hatten sie praktisch alle bei uns. Das bringt uns in finanzielle Schwierigkeiten.«

»Von welchen Dimensionen reden wir denn da?«

»Nun, das was die letzten Tage auf der Welt passiert ist, im Kleinen für uns.«

»Ach, das halten wir aus. Wie geht es unserer Beeinflussung Persiens?«

»Der Botschafter ist zurückgekehrt, er hat ihnen eine große Ladung gefälschter Perserteppiche aus China geschenkt, die haben ihnen gefallen.«



Wir beschlossen uns auch bei anderen Nationen einzuschleimen und schickten deswegen England eine große Ladung Tee, die wir extra dafür aus Britisch Indien importiert hatten. Die Briten erklärten uns zwar, dass das ziemlicher Schwachsinn, da wir so doppelt Zoll zahlten, während die Briten es einfach selbst umsonst hätten schicken können, aber aus diplomatischen Gründen taten sie danach trotzdem so, als würden sie sich unbändig freuen.



Nachdem wir uns derart diplomatisch gekonnt im wichtigsten Land dieser Welt eingeschleimt hatten, konnten wir ein wenig beruhigter auf die Weltdiplomatie gehen, in der Hoffnung, dass unser guter Freund, der Brite, uns in allen Belangen zur Hilfe eilen würde. Spontan beschloss ich Russland anzugreifen und zu annektieren.

»Meinen Sie nicht, dass Sie das ein wenig überschätzen?« fragte Harry

»Sie meinen, die Briten werden uns nicht zur Hilfe eilen?«

»Eher nicht, nein … auf keinen Fall.«

»Verdammt, können Sie den Boten stoppen?«

»Nein, der ist schon losgeritten.« erwiderte Harry

»Das ist mir egal, gebt den Befehl an alle Truppen, schießt ihm in den Rücken, wenn es sein muss.«

»Das meinen Sie nicht ernst, oder?«

»Aber natürlich, Cessante causa cessat effectus.«

»Wie bitte?«

»Das ist Latein, entfällt die Ursache entfällt die Wirkung.«

»Sie sprechen Latein?«

»Natürlich, ich bin Katholik, Latein ist mein Beruf.«

»Das kommentiere ich jetzt lieber nicht.«

Nachdem wir diesen diplomatischen Fauxpas so elegant aus der Welt geschaffen hatten, konnten wir uns wieder anderen Dingen zu wenden und anderen Ländern den Krieg erklären. Alternativ könnte ich auch lieber erst den Krieg gegen die bösen Tripolitaner beenden und damit meinen Ruhm in die weite Welt hinausschreien. Mein General wurde her befohlen um mir Bericht über die letzte Schlacht zu erteilen, die gefochten wurde, nachdem wir die Tripolitanischen Truppen in die Wüste gefolgt waren, die weite, weite Wüste, mit nichts als Sand, Sand und noch mehr Sand.



Ein weiterer glorreicher Sieg … seien wir ehrlich, es war ein Sieg, mit glorreich hatte das nichts mehr zu tun. Bei mehr als doppelter Übermacht gegen beim Niederschlagen fliehender Truppen noch über tausend Mann zu verlieren, das ist eher traurig. Aber ein Sieg ist ein Sieg, genaue Zahlen werden im Osmanischen Reich einfach nicht veröffentlicht, wenn jemand fragt, sagen wir, es könne sie ja ohnehin keiner lesen. Doch es gab auch unter uns intelligente Menschen und so feierte unser Reich eine weitere Große Entdeckung



»Was zur Hölle ist das?« fragte ich

»Das wissen wir auch nicht.« erwiderte der Forscher ohne den Stolz in seiner Stimme zu verlieren.

»Sehe ich das richtig, dass es uns überhaupt keine Vorteile bringt?«

»Ich würde es nicht so hart formulieren … sie müssen sehen, dass … nicht zu vergessen … okay, Sie haben Recht, es hat keine positiven Auswirkungen.« gab der Forscher zuletzt zu.

»Und aus irgendeinem, uns natürlich vollkommen unbekanntem Grund, verbessert es die Organisation der Rebellen, ein Effekt, den ich nicht gutheißen kann.«

»Wenn Sie es so betrachten … ja.«

Am Boden zerstört, befahl ich alle Verantwortlichen auf der Stelle zu exekutieren. Über die sogenannte Taiping Organisation gab es keinerlei Informationen auf der Welt, bis auf die Tatsache, dass eine Stadt am anderen Ende der Welt so hieß, also beschloss ich den Vorfall einfach zu vergessen. Schließlich hatten wir andere Probleme.



Die USA waren der Meinung sie müssten ihren historischen Verbündeten, den Griechen, ein wenig aushelfen und gründeten einen Literarischen Freundeskreis, der die griechische Unabhängigkeit unterstützt. Diese waren zwar, sehr zu meinem Leidwesen, bereits unabhängig, aber diese Neuigkeit war offenbar noch nicht bis in die USA vorgedrungen. Leider waren meine osmanischen Botschafter auch nicht in der Lage die Nachricht komplett zu überbringen, weswegen wir auch wohl nie genau wissen werden, worum es eigentlich ging. Allerdings war es von Vorteil, dass die USA noch nichts von der griechischen Unabhängigkeit wussten, so würden sie mich nicht aufhalten, wenn ich diesen Zustand später einmal ändern sollte. Also beschloss ich die Geheimpolizei einzusetzen um dafür zu sorgen, dass es dabei blieb. Kurz darauf stürzte der General herein:



So war es also vollbracht, der Krieg gegen Tripolis war gewonnen, kein einziger Mann stand mehr auf seinen Füßen um dessen Unabhängigkeit zu verteidigen, der Rest war nur eine Frage der Zeit. Da der Krieg nur wenige Monate gedauert hatte, hatten wir auch nur wenige tausend Pfund Sterling Schulden gemacht, 2010, um genau zu sein.



Da es nun keine Schlacht mehr in Tripolis zu schlagen gab und diese Schulden natürlich umgehend wieder zurückbezahlt werden mussten, wurden die Ausgaben für den Nationalen Vorrat drastisch gekürzt. Jetzt wo die Tripolitanische Armee geschlagen war, war es nicht so wichtig, dass die Soldaten hungerten, ihre Ausrüstung zerfiel, sie im Kalten schlafen mussten, vor Verzweiflung erst die Pferde schlachteten und dann zum Kannibalismus übergingen und so weiter, Hauptsache es kam wieder Geld in die Kasse.





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7 Jahre 10 Monate her #9 von Marvin
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Es war wieder an der Zeit, ein Reich zu erbauen, wie es so gebaut unendlich viele gibt. Das Osmanische Volk, das es eigentlich kaum gibt, wirklich osmanisch sind ja eigentlich nur die Einwohner des ehemaligen Beylik Osman I., der Rest sind ja unterworfene Türken, Bulgarierer und andere Volksstämme … das ignorierer wir ab jetzt einfach. Also, das Osmanische Volk, in dessen Name ich spreche … eigentlich ist das doch etwas anmaßend, gewählt bin ich ja nicht, aus dem Volk komme ich auch nicht, ich komme ja nicht mal aus diesem Reich … das ignorieren wir ab jetzt auch. Also, nächster Versuch. Das Osmanische Volk, in dessen Namen ich spreche, verlangt nach … warum schreibe ich das eigentlich in dieses dumme Buch, von dem keiner weiß, wozu es gut ist, ach, ab jetzt ignoriere ich das auch.

Wo war ich? Stimmt, das Osmanische Reich hat das getan, was jeder Staat im Ernstfall eines Krieges tun würde, wir haben Schulden aufgenommen um weiterhin die Schmiergelder auszuzahlen, die wir brauchen um das Bestehen eines Staates vorzutäuschen. Nachdem wir unsere Truppen in Friedenszeiten, also in unserem Falle, dem Fehlen gegnerischer Truppen, bei trocken Brot und faulem Wasser in Zelten haben leben lassen, haben wir genug Geld angespart um diesen Makel endgültig von uns zu nehmen. Das wir das meiste Geld aus dem unzivilisierten China geliehen hatte, gab mir jedoch ein wenig zu denken.



Nachdem wir jetzt keine Schulden mehr hatten, konnten wir wieder in Saus und Braus leben, also nahm ich mir eine Zigarre und wollte sie mit einem Hunderter anzünden. Leider musste ich feststellen, dass es im Osmanischen Reich noch keine Papierwährung gab und mit Münzen war das Anzünden von Zigarren immer ein wenig umständlich. Ich beschloss möglichst bald Papiergeld einzuführen, schließlich war es damit viel einfacher ein wenig Inflation zu betreiben.

In meiner unendlichen Weisheit beschloss ich ein Treffen zu beordern. Zu diesem Treffen sollten alle alkoholabhängigen Menschen meines unendlichen Reiches kommen. Zu alkoholabhängig wurde erklärt wer ein Alkoholäquivalent von mehr als drei Bier pro Tag trank. Da ich natürlich niemanden diffamieren wollte, konnten alle anonym kommen und ich nannte es: Anonyme Alkoholiker. Ein paar Tage später kam das ganze Osmanische Volk das in so kurzer Zeit kommen konnte zusammen, sogar die Kinder, die älter waren als vier kamen. Leider brachen sie alle wieder auf, als ihnen auffiel, dass kein kostenloser Alkohol ausgeschenkt wurde. Man musste diesem Volk Beachtung entgegen bringen, schließlich gab es ihm gesamten Osmanischen Reich dank unserer Religion kaum Alkohol, dieses Volk vollbrachte eine unglaubliche logistische Leistung, schade dass das eine Art Alleinstelllungsmerkmal war.

Ich beschloss das Alkoholproblem tapfer zu bekämpfen … und es voller Mut zu ignorieren. Da wir gerade bei Mut waren, mein verehrter General stand auf meinem Schreibtisch und schoss wie wild im Zimmer umher. Da er es mit einem Vorderlader tat, wirkte es ein wenig lächerlich. Wobei, wenn ich darüber nachdachte, lächerlich war die Tatsache, dass er auf eine Maus schoss. Zumindest war es meiner Meinung nach einer Maus, er war der festen Überzeugung es war eine monströse neu Art entstanden aus einer Maus und einem Säbelzahntiger. Warum es, seiner Meinung nach natürlich, auch fliegen konnte, hatte er allerdings noch nicht erklären können.

Glücklicherweise wurde er in letzter Minuter gerettet, klischeehafterweise von der edlen Jungfrau … beziehungsweise die knapp 200 Kilo schwere ehemals als Prostituierte arbeitende Putzfrau. Sie fing das Tier auf und stopfte es sich ohne zu Zögern in den Mund. Das störte meinen General überhaupt nicht, machte mir jedoch ein wenig Angst.

Obwohl mein General mit derart wichtigen Dingen okkupiert war, gelang es meinen Soldaten leere Wüste zu besetzen, der Krieg ging voran, Tripolis ging zugrunde, ich ging Essen, der General ging ins Irrenhaus, die Putzfrau ging nach Hause, das war der Verlauf der Dinge.



Doch der Verlauf der Dinge hatte noch weitere große Dinge mit uns vor. Etwas großes ging vor im Reiche Osmaniens, etwas, dass dieses Land schon lange nicht mehr gesehen hatte, wenn überhaupt. Doch würde es für die weitere Geschichte unseres mächtigen Reiches noch äußerst bedeutsam werden.



Es war kaum vorzustellen, wir hatten wirklich einen General, soll heißen jemanden der laut genug schreien konnte, dass seine Befehle akkustisch verstanden wurde. Inhaltlich würde das niemand von Osmanischen Soldaten erwarten. Das absolut Überraschendste an diesem General war jedoch, dass er, trotz osmanischer Militärausbildung auch noch kompetent war.



Ich musste diesen Menschen sprechen!

»Sollten wir ihn nicht da einsetzen, wo er gebraucht wird?« fragte mein General, also nicht der neue, der Oberfelshaber, der sich inzwischen wieder vom Tisch herabgetraut hatte.

»Wo denn?« fragte ich

»An der Front...«

»Welcher Front?«

»Das ist nicht Ihr Ernst, oder?« erwiderte er mit entsetztem Blick. »Tripolis?«

»Achso das, das isd toch praktisch vorbei und jetzt bringen Sie mir diesen General.«

Ein paar Minuten später war mein neuer General im Büro.

»Also, Herr Pascha, wie fühlen Sie sich als erster General meines Reiches.«

»Bemitleidenswert.«

Das brachte mich ein wenig aus dem Konzept. »Aber sind sie nicht stolz, Teil dieser mächtigen Militärmaschinerie zu sein?«

»Der war gut.«

Das brachte mich ein wenig mehr aus dem Konzept. »Äh, ja …«

»Lassen Sie mich etwas fragen, macht es sie stolz dieses Reich anzuführen.«

»Aber natürlich … ach verdammt, wem mache ich etwas vor, das alles ist ein großer Haufen inkompetenter Menschen, außer Ihnen.«

»Ich bin ja auch nicht so richtig von hier.«

»Wie bitte?«

»Ich wurde in Preußen ausgebildet.«

»Hey, das erklärt so einiges. Und jetzt an die Front mit Ihnen, arbeiten Sie was für ihr Geld.«

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7 Jahre 10 Monate her #10 von Marvin
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Lautes Geschrei, bedrückende Enge, heftiger Tumult, hie und da fließendes Blut, wilde Drohungen, unheilige Flüche … genau so hatte sich Marvin ein Treffen mit der Aristokratie seines Reiches vorgestellt. Er seufzte laut auf … niemand nahm davon Notiz. Er räusperte sich laut hörbar … der Mann neben ihm lachte ihn aus.

»Werdet ihr dreckigen Hurensöhne endlich mal leise sein?!« schrie er lauthals auf und das zeigte Wirkung, jedoch nicht die erhoffte.

»Er spricht in fremden Zungen, er ist kein wahrer Muslim, tötet ihn!« rief eine Stimme aus der Menge und sofort begann sich die Masse auf ihn zu zu bewegen.

»Du hast mich verstanden und in meiner Sprache geantwortet!« gab Marvin zurück.

»Bei Allah, was habe ich getan? Tötet mich, tötet mich!«

Das war selbst diesem wilden Haufen zu verwirrend und sie beschlossen nicht mehr auf den komischen Mann zu hören und ihn voller Rücksichtnahme zu ignorieren. Auch das war nicht ganz das erhoffte Ergebnis, denn jetzt warteten sie alle darauf, dass Marvin zu ihnen sprechen würde, am besten wahrscheinlich sogar etwas Vernünftiges.

»Liebes Volk, ich habe Pläne, große Pläne, ich baue mir ein Haus. Dieses Haus ist das Osmanische Reich, noch ist es nicht mehr als ein gegossenes Fundament, ein paar Stützpfeiler und eine Ansammlung von Ziegelsteinen. Doch mit eurer Hilfe können wir daraus ein Haus bauen, ein Haus, dass den Völkern des Osmanischen Reiches Unterschlupf gewährt, ach was rede ich, ein Haus, einen Palast werden wir diesem unserem Reiche bauen. Löst euren Eid und ich entlasse euch aus eurer Qual, reitet noch ein letztes Mal mit eurem Sultan. Was sagt ihr? Was sagt ihr?!«

Aufbrausende Stille, ein Heuballen fliegt durch den Raum.

»Okay, ich weiß ja worauf das hinausläuft … Nieder mit den Ungläubigen!«

Aufbrausende Stille, ein weiterer Heuballen flog durch die Gegend.

»Äh… Freibier für alle!«

Tosender Jubel, mit einem Handstreich würgte ich ihn ab.

»Ach kommt, das ist mir jetzt zu klischeehaft, das probieren wir noch mal. Nieder mit den Ungläubigen!«

Tosender Jubel, doch inzwischen war sich Marvin nicht mehr so sicher, ob das so viel besser war, als der erste Versuch. Egal, Hauptsache er hatte endlich die Begeisterung der Aristokratie seines Reiches wecken können, das hatte zwar keinen nennenswerten Effekt, war aber zumindest ein Erfolg, den er würde vorweisen können, würde das Osmanische Reich an ihm zu Grunde gehen.

Damit war der erste von unendlich vielen unwichtigen Punkten geklärt, mit einem Stöhnen lies er sich auf seinen Stuhl in seinem Büro sinken, der einige bedenkliche Geräusche von sich gab, Vogelgezwitscher, Blätterrascheln und anderes, aber er knarzte zumindest nicht. Etwa in diesem Moment fiel ihm auf, dass er nicht alleine im Büro war.

»Hey, Sie kenne ich doch.«

»Ich wüsste nicht, woher.« entgegnete der Mann »Mein Name ist...«

»Sie sind der General, Ihr Name ist nicht von Bedeutung und mein Gefühl sagt mir, dass ich in etwa 110 Jahren mit Ihrer Hilfe die Welt in Brand gesteckt haben werde.«

»Mit Verlaub, in 110 Jahren werden wir tot sein, fürchte ich.« erwiderte der General

»Ach was, das glauben Sie doch selbst nicht, sie Mensch gewordene Zeitanomalie.« erwiderte ich »Aber sagen Sie das nicht so laut, sonst kommt uns noch der internationale Gerichtshof für geschichtliche Ungereimtheiten auf die Spur.«

»Hey, den kenne ich, den hat doch so ein komischer Typ ins Leben gerufen, der Dänemark zu neuer Größe geführt hat.«

»Nein, der war nur Lieblingsangeklagter.«

»Ich wusste, der hatte was mit dem zu tun, aber sein Name fällt mir nicht mehr ein, hatte was mit Met zu tun.« murmelte der General

»Ach, Sie reden Schwachsinn, das war irgendwas griechisch klingendes, aus Ihnen spricht nur die Alkoholsucht.« erwiderte ich und ließ ihm etwas zu trinken bringen. Seine Anwesenheit war ein freudiges Ereignis, wusste ich doch, dass es eine Zeit gegeben haben wird, in der ich ihm vertraut haben werde. Gott segne das Futur II!

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7 Jahre 8 Monate her #11 von Marvin
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Es war mal wieder an der Zeit … nein, den Anfang hatten wir schon. Welche Zeit war es überhaupt, es fehlt an Uhren in diesen von der Zivilisation vergessenenen Landen. Wie spät es auch immer sein mochte, es war Zeit dieses Land einmal mehr aus dem Dreck zu ziehen und so zu tun als wäre es ein ernstzunehmendes Reich, mit einer ernstzunehmenden Regierung, einem ernstzunehmendem Militär und dem ganzen anderen Zeugs, das wir an sich haben sollten, aber im örtlichen Halal-Geschäft leider bereits ausverkauft war. Doch es gab wichtige Neuigkeiten aus der Welt der Diplomatie … fast wichtig.



»Kalat und Sindh haben ein Bündnis geschlossen.« berichtete mir mein untertäniger Großwesir.

»Wie bitte? Die gehören doch beide zu Pakistan.«

»Was ist Pakistan?«

»Äh, vergessen Sie das am Besten, Sie haben nichts gehört.« erwiderte ich. »Was sprechen die Tripolesen?«

»Nun, sie wollen einen weißen Frieden mit uns schließen.«



Es war eindeutig, dieser Krieg war für keine der beiden Seiten noch zu gewinnen, ein weißer Frieden war das vernünftigste … wenn man die Tatsache ausblendete, dass wir den Krieg eigentlich schon gewonnen haben, doch seid wann interessieren sich Tripoletanische Regierungschefs für Realitäten? Doch es gab wichtigere politische Aktionen, schließlich waren wir immer noch dabei uns Persien diplomatisch einzuverleiben.



Wie unsere Botschafter mitteilten hatte Persien nun eine freundliche Meinung von uns. Das lobe ich mir, das Osmanische Reich kommt um eine Nation diplomatisch zu unterdrücken und bekommen dafür auch noch Sympathien. Hoffentlich dachten die nicht ernsthaft, dass sie von dieser Verbindung irgendwelche Vorteile haben würden. Vielleicht sollten wir ihnen mal ein paar Truppen schicken, um unsere Absichten zu verdeutlichen.

»Aber unsere Truppen sind weit weg, wie sollen die nach Persien kommen?«

»Die sollen per Anhalter fahren.«

»Per was?«

»Vergessen Sie's.«

»Das sagen Sie oft zur Zeit.«

»Das vergessen Sie am Besten gleich noch mit dazu.«

Der General betrat den Raum, sah sich um, schüttelte den Kopf und verließ ihn wieder. Marvin sah den Großwesir fragend an, doch dieser hatte auch keine Antwort. Kurz darauf kamen Ağa, mein anderer General, auch er betrat kurz den Raum, sah sich um, schüttelte den Kopf und verließ den Raum daraufhin wieder. In Anbetracht der ungeheuren kombinierten Intelligenz der beiden Männer, gab es dafür nur eine Erklärung. Sie spielten offenbar Verstecken. Von so viel Kompetenz umgeben zu sein war ungemein beruhigend. Das Problem war, mir fiel auch nichts besseres ein. Der Krieg gegen Tripolis war entschieden, dieses Reich so oder so verloren, warum sollten seine militärischen Köpfe also nicht ein wenig spielen.

Doch dann beschloss ich, dass diesem Treiben doch ein Ende setzen musste. Ich befahl dem Großwesir die beiden Spielköpfe her zu bringen. Offenbar spielten sie doch nicht verstecken, denn er fand schnell und brachte sie her. »Hört gefälligst auf, was auch immer er gerade tut. Führt gefälligst meinen Krieg, oder ich schicke euch an die Ostfront.«

»Aber wir haben keine Ostfront.« Erwiderten sie einstimmig und synchron.

»Wenn nötig erschaffe ich eine für euch, zum Beispiel gegen Persien, oder ich sorge für eine Frankreich-Front, das sind höchstens ein zwei Länder zwischen, das geht schneller als ihr denkt. Also, gibt es in Tripolis etwas Neues?«

»Natürlich, die Tripolische Regierung hat wie aus dem Nichts eine Million neuer Soldaten rekrutiert und treiben uns auf sämtlichen Fronten zurück.«

»Sie wollen mich wohl verarschen.«

»Eigentlich hatte ich gehofft, sie würden vor Schreck tot umfallen, aber so klingt es besser.«

»Sie nach, wer sollte denn an meiner statt regieren, sie etwa oder sie?«

»Natürlich.« Erwiderte der Ağa.

»He, warum solltest du regieren und nicht ich?« Sagte der General und schlug ihm ins Gesicht, darauf entbrannte ein heftiger Kampf. Ich befahl, mir so schnell wie möglich zwei Sachertorten her zu schaffen, da diese frisch gebacken wurden dauerte das etwa ein bis zwei Stunden. Währenddessen schlugen sich meine beiden Generäle fröhlich, doch als ich jedem der beiden eine Torte ins Gesicht schleuderte, war die Sache schnell gegessen, im Gegensatz zu den Torten.

»Wir könnten ein Duumvirat gründen.« Schlug der General vor.

»Wartet mal, noch habe ich hier das Sagen.« Protestierte ich.

»Ach, wir setzen Sie einfach ab und übernehmen die Herrschaft.« Erwiderte der Ağa.

»Aber…, aber…, dass… geht doch nicht!« Widersprach ich.

»Verdammt, ich wusste der Plan hatte einen Fehler.« Erwiderte der General.

Einmal mehr konnte große Gefahr vom Reich abgewandt werden zufrieden lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück, dessen Lehne mit einem lauten Knicks nachgab und mich gewaltsam auf dem Boden der Tatsachen zurückholte, wortwörtlich. Als der Großwesir es wagte, darüber zu lächeln, befahl ich den Generälen lautstark, ihn dafür hinzurichten. Leider rollten sich diese gerade lachend auf dem Boden. Ich beschloss, die Hinreichterei fürs Erste sein zu lassen, schließlich wäre es in diesem Land schwer, einen neuen Stab aufzutreiben.

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7 Jahre 6 Monate her #12 von Marvin
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Die Sonne schien in ihrer vollen Pracht auf das unendlich große und in indirekter Proportionalität mächtige Osmanische Reich herab … zumindest nahm ich an, dass sie das tat, schließlich konnte ich sie nicht sehen, da sie von lauter Gewitterwolken verdeckt waren, die allem Anschein nach von Gott persönlich geschickt worden waren um das Osmanische Reich zu ertränken. Eine andere Möglichkeit war, dass sich das interkontinentale Amt für Niederschlag, sesshaft in Deutschland auf dem sogenannten Brocken, ein wenig verrechnet hatte und den indischen Monsun etwa zehntausend Kilometer zu weit westlich platziert hatte.

Sei es wie es sei, es regnete. Viel. Sehr viel. Zu viel. Die Osmanen, ein aus rein geografischen Gründen eher trockenes Klima gewohntes Völkchen waren dagegen, es gab in diversen Städten, Dörfern, Weilern, Einpersonenhaushalte und Höfen kleinere bis größere Demonstrationen, die lauthals ein Ende forderten. Da diese im Freien stattfanden wurden sie alle ziemlich nass, dadurch ein Großteil ziemlich krank, dank der laut unserm Forschungsminister und dessen Forschungsamt (Al-Terna-Tiv-Es Fors–Chungsy-Stem) noch nicht erfundene Medizin davon ein Teil ziemlich tot und dadurch der Rest ziemlich wütend, was zu weiteren Demonstrationen führte … im Regen. Wer das Muster als Erster findet, bekommt einen Regenschirm.

Also tat ich, was ich als Herrscher tun musste. Ich musste gegen den Regen ins Feld ziehen, damit das Volk mich liebte, also hielt ich eine große Rede, in der ich die physikalischen Probleme des Regens ausführlich darlegte und darauf aufbauend die Hilflosigkeit des Menschen gegenüber diesem Naturphänomen erläuterte. Als Reaktion bekam ich fragende Gesichter, teilweise mit sabbernden Mundwinkeln. Also rief ich mit lauter Stimme: »Gebt mir drei Tage und ich werde diesen Regen stoppen!« Das brachte große Jubelstürme und als zwei Tage später der Regen endlich (naturgegebenermaßen) sein Ende fand, war das Volk glücklich und zufrieden, also so glücklich und zufrieden wie es halt vor dem großen Regen, der Name mit dem diese paar Tage in das kollektiv ängstliche Gedächtnis des Osmanischen Volkes einging, eben war, also ziemlich unglücklich und unzufrieden.

Da mein Volk noch immer unglücklich war, beschloss ich dies zu ändern. Zuerst wollte ich den Leuten einfach befehlen zu lächeln, ließ dann aber von dem Plan ab, da mir die Umsetzung zu umständlich erschien. Also beschloss ich lieber meinem Volk etwas zu schenken, etwas von dem man nie genug haben konnte und das man mit Geld nicht kaufen konnte: Zeit. Auf meinen kaiserlichen … äh … sultanischen … sultanschen … sultaninischen ach egal, auf meinen hochheiligen Befehl hin wurden am darauffolgenden Tag alle Uhren im Osmanischen Reich um eine Stunde zurückgestellt und hochoffiziell verkündet, dass der großmütige Sultan Marvin der Allererste seinem Volk eine ganze Stunde geschenkt hatte. Der intertemporäre Gerichtshof für Uhrzeiten protestierte zwar, wurde jedoch mit dem Verweis auf die Tatsache, dass ein internationales Zeitsystem erst in ein paar Jahrzehnten eingeführt wird übergangen, die Beschwerde des intergalaktischen Gerichtshof für historische Unstimmigkeiten über eben erwähnten Verweis wurde ignoriert. Daraufhin schlug dieser mit seiner mächtigsten Waffe zu: Nervende Zukunftsphänomene. Bereits am nächsten Tag klingelten mehrere hundert, nacheinander etwa alle fünf Minuten, Männer an der Tür, die mir etwas über eine Glaubensrichtung erzählen wollten, die es noch gar nicht so richtig gab und deren Anhänger sich Zeugen von irgendetwas nennen würden. Um etwas Ruhe zu bekommen wurden alle in einen Wachturm gesperrt. Natürlich bleibt überdies zu erwähnen, dass mein Volk diese Aktion nicht verstanden und als vollkommen sinnlos bezeichnet hatte, dieser ganze Ärger also vollkommen umsonst war, da ich es wenige Tage später wieder ändern musste, da unsere Sonnenuhren vollkommen überraschenderweise nicht in der Lage waren, mit dieser Zeitumstellung umzugehen. Demonstrativ aufmüpfig warfen sie ihre Schatten genauso wie früher auf das Ziffernblatt. Auf die Idee das Ziffernblatt zu ändern, kam natürlich niemand.

Bei dem Thema Wachturm begann ich über die Verteidigung der Grenzen meines Reiches nachzudenken. Der Gedanke an eine Mauer wurde schnell verworfen, um die dazu nötigen Steine herzubringen, würde ich die Chinesische Mauer abtragen müssen und irgendwie hatte ich das dumme Gefühl, dass die Chinesen das gar nicht so gut finden würden. Und ihre Hundertschaften an Freischärlerbrigaden wahrscheinlich auch nicht. Doch was war schon eine eins zu mehreren Hundert Übermacht, wenn man ein Volk war in dessen Grenzen das mächtige Sparta lag, dass eine noch viel größere Übermacht geschlagen hatte? Aber das war lange her und der intergalaktische Gerichtshof für historische Unstimmigkeiten würde diese Geschichte ohnehin anders sehen, also beschloss ich den Gedanken an eine Mauer aus rein ökonomischen Gründen zu verwerfen. Ein anderer Gedanke wären Minen, zwar noch nicht weitverbreitet, doch bereits vorhanden. Doch technisch sehr unausgereift, wahrscheinlich in diese Massen sehr teuer. Und obendrein noch unmenschlich, doch wenn interessierte das schon, viel entscheidender war, dass ich sie wieder ausgraben müsste, wenn erst die Genfer Konvention in Kraft treten würde.

Das Telefon klingelte: »Hier ist der intergalaktische Gerichtshof bla... komplizierter historischer Sachverhalt bla... Sie wissen schon, zu gut Deutsch oder was auch immer Sie sprechen, Sie dürfen noch nichts von der Genfer Konvention wissen.«

»Sagt man mir an einem Telefon ...« Da hat er aufgelegt und mein Telefon war auf einmal verschwunden. Langsam aber sicher begann ich zu befürchten, dass dieser Gerichtshof mir noch eine Menge Schwierigkeiten machen würde. Vor allem da er wie bereits gesehen durchaus historische Unstimmigkeiten in Kauf nahm um andere historische Unstimmigkeiten zu rächen. Kurz kam mir der Gedanke eine Beschwerde beim intergalaktischen Gerichtshof für historische Unstimmigkeiten durch den intergalaktischen Gerichts für historische Unstimmigkeiten einzureichen, beschloss aber, dass es wohl keinen Sinn hat, da davon auszugehen war, dass dieser Gerichtshof auch einen modernen Kundenservice hatte, wodurch diese Beschwerde ohnehin verschwinden würde. Bleibt nur die Hoffnung, dass er mich nicht dafür bestraft in Gedanken den Begriff "moderner Kundenservice" zu verwenden...

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7 Jahre 5 Monate her #13 von Marvin
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Einmal mehr war Marvin ratlos ob der schier überwältigenden Anzahl an Aufgaben, die noch vor ihm lagen, um das Osmanische Reich wieder zu einer Großmacht zu machen. Gerade in diesem Augenblick hingen seine Gedanken an einer folgenschweren Entscheidung für sein Reich: Die Farbe des Innendekors seines neuen Büros. Teile meines Stabs, also alle außer ihm, haben sich an dem Begriff „Büro“ gestört, doch Marvin sah keinen Grund die 400m² umfassende Halle, mit den Marmorfließen und dem auf Original antik griechischen Säulen ruhendem Glaskuppeldach mit einem Durchmesser von 300m als sein Büro zu bezeichnen. Und nur weil er deswegen, den gesamten Palast abreißen und wieder aufbauen ließ, war das noch lange keine Verschwendung von Steuergeldern. Es war viel eher die Verschwendung des von osmanischen Beamten ehrlich und im Schweiße ihres Angesichts verdienten Korruptionsgeldes, für das Marvin eine eigene Abgabe eingeführt hatte. Und wer der Meinung war, diese Abgabe stelle eine Art Kapitulation gegenüber der Korruption dar, der … der hatte wahrscheinlich Recht damit!

»Werden Sie noch lange mit der Farbauswahl Ihres Thronraums beschäftigt sein?« fragte der Großwesir, der es wohl müde war Hunderte verschiedener Stofffetzen mit minimalen Farbunterschieden in die Höhe zu halten.

»Das ist kein Thronraum, es ist ein Büro!« insistierte Marvin und verwarf die Farbe Ocker, obwohl der Großwesir, sie als zu seinem Wesen passend definierte.

»Sie haben also einen ‚Stuhl’ bestellt?« erwiderte der Großwesir

»Natürlich, aus massivem Gold, über hundert Kilo schwer.«

»Und da denken Sie nicht an das Wort ‚Thron’?« fragte der Großwesir nach, ernsthaft besorgt.

»Nein.« antwortete Marvin

Ein weiterer Tag in den unendlichen Weiten des osmanischen Reiches, ein weiteres Problem, das dringender Behandlung bedurfte. Die ägyptische Zentralregierung, also der orgienfeiernde Haufen in Kairo, der alle paar Wochen Befehle erteilten, die dann von der Armee lachend verbrannt wurden, daraufhin erteilte diese eigene Befehle an die einzelnen Städte, die diese ebenfalls lachend verbrannten und daraufhin eigene Befehle an die Zivilbevölkerung verteilte, diese konnte sie nicht lesen und ignorierte sie daher, was oben erwähnter Haufen auf Grund oben erwähnter Orgien natürlich nicht merkt, jedenfalls hat dieser Haufen offiziell verkündet, dass man an der Freiheit vom Osmanischen Reich festhalten und man sich nicht von der osmanischen Aggression gegen Tripolis beunruhigen lassen werde. Die große Frage dahinter, entstand diese Verkündung dem Alkoholismus oder der Naivität? Egal! Freiheit ist ein Kernthema des osmanischen Reiches und wie die meisten Kernthemen des osmanischen Reiches war es auch ein Kernproblem. Wir hatten schließlich Griechenland nicht erobert, weil es geografisch so praktisch war, sondern um ein Exempel an der Nation zu statuieren, die die Freiheit erfunden hat, Freiheit lohnt sich nicht! Und ist für ein Vielvölkerreich wie das meinige natürlich äußerst gefährlich, man siehe das römische Reich.

»Oder Österreich!« sagte der General, von dem immer noch keiner wusste, was er hier eigentlich tat.

»Was meinen Sie?«

»Das werden Sie noch früh genug sehen.«

Egal! Es gab Wichtigeres in den weiten Weiten des Osmanischen Reiches. An sich eigentlich nicht, doch Marvin musste schließlich wenigstens so tun, als hätte er eine Funktion, damit das Volk ihn nicht absetzen würde. Eben jenes betrachtete er gerade entspannt dabei, wie es mit faulem nach ihm warf. Glücklicherweise war unter der ländlichen Bevölkerung Glas nicht allzu verbreitet und so hielten sie die Tatsache, dass das Obst vor ihm in der Luft zu Matsch gequetscht wurde, für ein göttliches Zeichen, das besagte, dass Marvin unter besonderem Schutz stand. Rätselhafterweise warfen sie trotzdem immer weiter Obst nach ihm, aber wer sollte schon das osmanische Volk verstehen? Der osmanische Sultan etwa? Sicher nicht!

»Argh!« rief Marvin laut aus

»Warum schreien Sie?«

»Ich bin der Herrscher des osmanischen Reiches...«

»Oh, ich verstehe.«

»Wie das?«

»Ach, das war nicht ernst gemeint, Großwesire stimmen ihren Herrschern immer zu, sie wissen schon, Todesangst, Kastrationsangst, das Übliche.«

»Das wirkt unglaublich ineffizient.«

»Haben Sie das Osmanische Reich bis jetzt etwa für … effizient erachtet?«

»Mein Fehler.«

Marvin beschlich das Gefühl, dass es wesentlich dringender war, eine Organisation zu errichten, die das ganze in geordnete Bahnen lenkte. Ein geordnete Untergang hatte einfach viel mehr Würde in sich, als ein chaotischer. Außerdem würde er ...

»Autsch.«

Etwas traf ihn hart am Kopf, prallte ab und landete auf dem Tisch. Verwirrt starrte Marvin auf das unförmige Etwas, dass die Frechheit hatte ihn zu attackieren. Es war eine ... Kartoffel, eine Kartoffel mit ein paar Kabeln und noch etwas anderem, dass ihn anleuchtete. Marvin war der Meinung, dass es dabei am nötigen Respekt vermissen ließ.



»Oh... It's you.«

»Was zur Hölle meinst Du? Und warum redest Du in fremden Zungen? Undviel wichtiger: Warum verstehe ich Dich?«

»Never mind. It's a mystery I'll solve later ... By myself ... Because you'll be dead.«

»Du wagst es mir zu drohen? Was zur Hölle machst Du überhaupt Hier? Wer bist Du, ach was weiß ich.«

»I'm from a much more sophisticated period of time than this, in fact, much more is a euphemism here. I came here through an unexpected line of events which lead to a hole in the space-time continuum.«

»Ich verstehe nicht ganz ...«

»Of course you don't, you moron, you're only human, you would'nt even be a good test subject.«

»Und was zur Hölle willst Du hier?«

»I said unexpected line of events, you moron, there's nothing for me to want. According to my calculations the hole should have take me to … oh, Denmark in the Middle Age.«

Ein heller Blitz erscheint und blendet alle Anwesenden.

»Was zur Hölle ist passiert?«

»What do you think, you moron, it has to be another hole in the space-time continuum.«

»Könntest Du aufhören, mich einen Idioten zu nennen?«

»But you're a moron compared to me, asking me to stop calling you a moron would be like asking me to stop testing. No further compliance information is required or will be provided, and you are a moron.«

Marvin starrte das Ding wortlos an.

»I suppose we could just sit in this room and glare at each other until somebody drops dead, but I have a better idea, I'll just jump the next hole and leave you ... whenever I left you after the last jump.«

»Was meinst Du mit "Wann Du mich zurückgelassen" hast, Du ...« Im selben Moment verschwand die Kartoffel und Marvin war wieder alleine im Raum. »Was zur Hölle ist passiert?« fragte ich den Großwesir.



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7 Jahre 5 Monate her #14 von Marvin
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»Ich weiß es nicht, aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass diese … diese … Kartoffel irgendetwas mit uns gemacht hat.« antwortete der Großwesir zögernd. »Und zwar nichts Gutes ... um nicht zu sagen, etwas Schlechtes ... um nicht zu sagen, etwas diabolisches ... um nicht ... ach Sie wissen, was ich meine.«

»Viel wichtiger, wo zur Hölle sind wir? Oder wenn ich die sprechende Kartoffel richtig verstanden habe, wann sind wir?« erwiderte Marvin in hohem Grade verwirrt, was wohl auch in seinem Gesicht zu lesen wäre, wäre es zu jeglicher Mimik fähig.

»Wenn ich Ihnen so zuhöre, vor Allem bei der Sache mit der sprechenden Kartoffel, weiß ich nur eins: Sie sind am falschen Ort, das ist nämlich kein Irrenhaus, zumindest nicht offiziell… noch nicht ...« erwiderte ein Dritter, sowohl Marvin als auch dem Großwesir unbekannter, der allerdings eine gewisse Ähnlichkeit mit Zweiterem aufwies, eine sehr offensichtliche Ähnlichkeit sogar, sein Blick war voller Mitleid und erregte damit unweigerlich Marvins verlangen etwas Schweres hineinzuwerfen.

»Hey, der sieht ja aus wie Sie, nur … in jung.« bemerkte Marvin, wofür er erst einen boshaften Blick des Großwesirs erntete, dann jedoch Verständnis. Er sah nun einmal aus wie eine junge Version des Großwesirs, doch dann besann er sich wieder des primären Problems: »Was gibt es zu essen, äh ... nein, wie heißen der aktuelle Sultan und der aktuelle Großwesir?«

»Wie könnt Ihr es wagen, dergleichen nicht zu wissen, Ungläubige! Sultan ist der unvergleichliche Mahmud der II., was ihn natürlich mit Mahmud dem I. vergleichbar macht … egal, und der Großwesir ist der weise Mehmed Emin Rauf Pascha und er wird euch für solch frevelhafte Ketzerei vierteilen lassen.« erwiderte die junge Version meines Großwesirs

»Hah, sehen Sie? Wir sind offenbar in der richtigen Zeit.« rief Marvin aus.

»Warten Sie einen Moment.« erwiderte mein Großwesir, also der Alte. »Zum wievielten Male ist Mehmed Emin Rauf Pascha Großwesir?« fuhr er an den anderen Mann gerichtet fort.

»Zum ersten Mal natürlich, ich fürchte, ich verstehe die Frage nicht ganz. Nebenbei bemerkt, ist der Großwesir meine Wenigkeit.«

»Verdammt, ich war 1836 zum zweiten Mal Großwesir, wir sind also wahrscheinlich so um das Jahr 1816 herum und das ... ist wirklich eine junge Version von mir.«

»Dürfte ich nun endlich erfahren, wer Ihr beiden seid?«

»Ich bin Du in zwanzig Jahren und der … der ist Sulttan in zwanzig Jahren, aber das ist … kompliziert.«

»Ihr wollt ich in zwanzig Jahren sein? Vierzig wäre glaubwürdiger gewesen« erwiderte der junge Großwesir mit einem abschätzigen Blick, ich beschloss ihn Pascha eins zu nennen ... oder Harry.

»Was erlaubst Du Flegel Dir?« rief Pascha zwei und gab Pascha eins eine Ohrfeige. Wann hatte man schon die Gelegenheit, sich selbst zu erziehen? Doch es gab Wichtigeres als derlei Kleinigkeiten. Mein Reich brauchte mich mehr denn je, denn meine Verantwortung meinem Volk gegenüber, dessen Ethnie ich nicht teile, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Kultur mir fremd ist, ist zeitunabhängig.

»Ruhe im Saal oder mein göttlicher Zorn wird euch zermalmen!« rief ich laut aus und tatsächlich gaben die beiden Großwesire Ruhe. »Pascha eins, Du besorgst mir sofort eine veraltete Karte, also im Prinzip eine aktuelle. Pascha zwei, Du suchst Informationen zusammen und siehst, ob der Rest meines Stabes hier irgendwo herumlungert.« befahl ich herrschaftsgebietend, wie es nur ein wahrer Sultan kann. Beziehungsweise den letzten Sultanen nach zu urteilen, gerade diese nicht.

»Ihres Stabes? Sie meinen den Elfenbeinstab mit dem goldenen Totenkopfm an der Spitze, dessen Auge aus reinen Diamanten gemacht worden sind, mit dessen Materialwert man die osmanische Staatsschuld begleichen hätte können?« fragte Pascha zwei.

»Eigentlich meinte ich meinen Generalstab, aber den anderen könnten Sie auch gleich suchen, den hatte ich irgendwie verlegt.« antwortete Marvin und begutachte mit Genugtuung wie Pascha zwei sich sich auf die Stirn schlug, also Pascha eins, aber das war ja er selbst.

»Mich brauchen Sie nicht suchen.« erklang plötzlich eine unheilversprechend tiefe Stimme direkt hinter Marvin.

»Der General, warum überrascht es mich nicht, dass Sie dieses Zeitparadochs nicht stört?« begrüßte ihn Marvin

»Wahrscheinlich, weil Sie das Ganze in seiner Gesamtheit gar nicht verstehen, was sich schon allein daran zeigt, dass Sie Zeitparadox mit chs sprechen.« erwiderte der General »Und ja, ICH höre da einen Unterschied!«

Marvin beschloss den General in seiner unendlichen Güte zu ignorieren, schließlich hätte er ihn für diesen gottlosen Frevel auch hinrichten lassen können. Zumindest glaubte er das, wer konnte schon sicher sagen wozu der General in der Lage war? Doch es gab anderes zu tun, denn endlich hatte sich der Rest seines Generalstabs versammelt, also im Großen und Ganzen der ... und der ..., also sein Armee- und sein Marinechef, mehr Leute umfasste sein Stab offenbar nicht. Gut so. Zu viele Besprechungen sind schließlich ein Zeichen schlechter Organisation. Nun musste er diesen wilden Haufen zusammengewürfelte geistiger Größen ... in diesem Moment stieß sich der Geheimdienstminister, der meinte sich anschleichen zu können am Schreibtisch an und blieb laut schreiend am Boden liegen ... zu einem Gremium zusammenzuschmelzen, vor dem die Welt erzittern sollte. Vorausgesetzt er findet noch eine ordentliche Nation, die er mit diesem Gremium anführen kann, mit dem Osmanischen Reich würde das eher ... spannend.

Noch bevor er eine ohne Zweifel heroisch ausfallende Rede beginnen konnte, kam Pascha eins zur Tür herein und zerstörte die epische Atmosphäre mit der simplen Bemerkung, der Kaffee sei aus, verständlicherweise brach dadurch spontane Verzweiflung aus, die in diversen Kriegsdroungen gegenüber kaffeeproduzierenden Ländern gipfelte. Außerdem brachte er endlich eine Karte, die uns einen Überblick über die aktuelle Lage der Welt und, noch viel wichtiger, des Osmanischen Reiches gab.



»Argh!« schrie Marvin auf »Tripolis ist wieder unabhängig, dieses Mal sogar inklusive der Stadt Tripolis.«

»Das nehmen Sie aus dieser Karte heraus? Nicht, dass uns noch sämtliche Provinzen gehören, die wir 1836 als Kernprovinzen bezeichnet haben und von Ägypten zurückerobern wollten? Nicht, dass Serbien und Griechenland Teil des Reiches sind? Nicht, dass wir offenbar mit einer Nation namens Nejd im Krieg sind? Nur Tripolis?« fragte Pascha zwei etwas ungläubig nach.

»Nicht nur Tripolis, dieses verdammte Kuwait auch, das schreit nach Krieg!«

»Wollen Sie nicht erst den anderen Krieg beenden?«

»Welchen Krieg?« erwiderte Marvin

»Ich habe irgendwie gerade ein Déjà-vu.« warf der General ein und wurde ignoriert. »Egal, gebt mir nur einen Tag und ich werde diesen Krieg beenden!« rief er siegessicher aus, das wurde bemerkt.

»Wie wollen Sie das denn anstellen?« hakte Pascha eins ungläubig nach. »So schnell kommen Sie nicht mal zum Schlachtfeld.«

»Eigentlich dachte ich eher daran, dieses Friedensangebot hier anzunehmen, es erfüllt schließlich unsere Forderungen.« erwiderte der General und deutete auf ein Blatt Papier, auf meinem Schreibtisch.



»Ich erobere das doch nicht für die Ägypter, das wird gefälligst für das Osmanische Reich erobert.« erwiderte Marvin, als er sah, dass das Friedensangebot vorsah, Hedschaz an Ägypten abzutreten.

»Aber dann werden Sie vor den anderen Großmächten Prestige verlieren.« erwiderte der General

»Warum?«

»Weil Sie Ihr Kriegsziel verfehlen.«

»Aber ich erobere doch genau dasselbe.« entgegnete ich.

»Aber Sie verfehlen Ihr ursprüngliches Kriegsziel.« insistierte der General

»Aber das ist doch … paradox!« schrie Marvin auf und schlug wild tobend um sich. Dann ließ er den General das Friedensangebot abnehmen und zwang die Ägypter dem Osmanischen Reich das frisch eroberte Gebiet abzutreten, was sich als sehr leicht herausstellte, da die Ägypter von der Tatsache, dass ein Sultan mit Forderungen auf sie zutratt vollkommen überfordert waren. Doch es gab noch andere Angelegenheiten im Reich zu regeln.

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7 Jahre 4 Monate her - 7 Jahre 3 Monate her #15 von Marvin


Da stand Marvin also wieder einmal, umringt
von inkompetenten Wahnsinnigen und den
schlimmsten hatten sie zum Anführer erhoben.
Alle waren sie versammelt, der Kaptan-i Derya
auch wenn Marvin sein osmanischer Titel in-
zwischen zu kompliziert war, nicht mehr als ein
glorifizierter Fischer angesichts der Rückständig-
keit der osmanischen Flotte, die eigentlich gar
nicht einmal schlimm war, allerdings war es eine
von Marvins Eigenschaften für ihn negative Fak-
toren etwas ... nennen wir es einmal überzogen
zu betrachten. Der Aga, Herr über etwa fünf Sol-
daten, die restlichen 19.995 Mann hatten eine
derart glorifizierende Bezeichnung nicht verdient,
Marvin referierte sie nur als BBs, zu gut deutsch,
bzw. zu gut osmanisch in schlecht deutsch übersetzt,
Bewaffnete Bauers. Der General, eine rätselhafte
Gestalt, der sich dadurch auszeichnete im Fluss
der Zeit der einzige Nichtschwimmer zu sein und
daher auf welthistorische Sicht etwas ... nennen
wir es einmal unberechenbar beständig zu sein.
Und natürlich sein Großwesir ... oder seine Groß-
wesire ... oder besser seine beiden Versionen des-
selben Großwesirs, die sich den ganzen Tag nur
über ihre eigene Persönlichkeit stritten.

Marvin hatte mit dem Gedanken gespielt, einen
der Beiden kurzerhand ... nennen wir es wegzu-
schaffen. Allerdings war er sich den Konsequenzen
nicht bewusst, eine Frage beim Treffen der os-
manischen Gelehrten, eine Skatrunde, brachte ihm
nur Gelächter. Als Marvin die Frage wiederholte,
versuchten sie ihn zu fesseln und auf einem Marter-
haufen zu verbrennen, was nur durch einen ... nennen
wir es göttlichen Eingriff verhindert werden konnte:
Er lief schneller als die Gelehrten.

Das jedenfalls war also Marvins Innerer Zirkel,
Marvins Berater. Im Hintergrund gab es natürlich
noch Menschen wie den Industrieminister, ausge-
wählt, weil er das Wort "Dampfmaschine" richtig
schreiben konnte oder den Forschungsminister, aus-
gewählt, weil er Lesen und Schreiben konnte. Einen
Geheimdienstminister gab es auch, aber von dem
wusste wie üblich keiner wo er steckt. Doch es gab
anderes zu tun, Europa wollte geeint werden. Und
das unter osmanischer Hand. Sagte der Herrscher
über ein Land dessen europäische Besitzungen ...
sagen wir mal beinahe ein Drittel seines gesamten
Reiches darstellten. Er könnte natürlich auch Arabien
einigen, doch gab es dort nicht viel zu holen, wobei
es Gerüchte von einer zähen schwarzen Flüssigkeit
gab, die dort in hohem Masse vorhanden sein sollte.
Doch Marvin war der festen Überzeugung, dass nie-
mand dieses nutzlose Zeug haben wollte. Die andere
Alternative war Afrika unter Osmanischer Hand zu
einigen, doch waren nur kleine Teile dieses Kontinents
bereits in etwas organisiert, dass man mit viel Fan-
tasie eine Nation schimpfen könnte. Und auf Grund
der ... nennen wir es mal technischen Überlegenheit
der Eingeborenen war es Wahnsinn sich dort hineinzu-
wagen, bevor man nicht ein sehr schnell feuerndes
Gewehr bauen können würde.

Außerdem galt es Wien zu erobern wie es bereits
Suleyman der Prächtiges ... sagen wir beinahe ge-
schafft hätte*. Doch auf Grund paradoxer Mechanismen
des Universums war dies nur möglich, wenn er zuerst
das gesamte Österreichische-Ungarische Reich, oder
wie es sich gerade nannte Stück für Stück zerlegte,
denn bereits der berühmte Japaner Para - Do - X
formulierte: Eine Nation wird ihre Hauptstadt nie
aufgeben, solange man sie nicht annektiert, und
wenn die Welt brennen möge! Und da war noch so
einiges zu tun. Schließlich war das Östereichische
Großreich eines der mächtigsten der Welt, laut
der internationalen Propaganda sogar mächtiger
als das Osmanische Reich, doch das war ein Irrtum
ohnegleichen, denn Marvin hatte ... sagen wir
einfach mal, er hatte Ambitionen!

Und Ambitionen waren dazu da um verwirklicht
zu werden, also galt:
"Auf, auf zur Tat geschritten,
anstatt faul hier zu sitzen.
Los, mit frischem Mut voran,
aufmarschiert jetzt Mann für Mann.
Auf geht es in diesen Krieg,
für unser Reichtum Macht und Sieg."
Auch die Dichtkunst des Osmanischen Reiches
war ... sagen wir einmal verbesserungswürdig.
Doch es gab Wichtigeres als Kunst, Kunstsub-
ventionen zum Beispiel. Marvin hatte ein um-
fangreiches Kulturförderungsprogramm verfasst
und beinahe verabschiedet. Doch das Osmanische
Reich war knapp bei Kasse und Kultur ein Drauf-
zahlgeschäft, so musste zum Beispiel eine Oper
als erfolgreich gelten, wenn sie es schaffte,
die Hälfte ihrer Ausgaben selbst einzunehmen*.
Also wurde das Programm in die Schublade: "In
Kürze zu erledigen" gesteckt. Diese wurde neben-
bei bemerkt, einmal die Woche vom Putzpersonal
geleert und der Inhalt zum Anfeuern des Ofens
verwendet. Die Schublade darunter, "Beschwerden"
war übrigens über ein kompliziertes Rohrsystem
im Inneren des Palastes direkt mit demselbigen
verbunden. Die Schublade darunter, "Unwichtig",
wurde vor zwei Jahrhunderten einmal verschlossen
und bis heute hatte es niemand bemerkt. Darin war
unter anderem der osmanische Plan für die Besie-
delung des amerikanischen Kontinents, mehrere
Kriegserklärungen an und von Russland, das erste
Originaldrehbuch zu Star Wars Episode V, eine
Originalkopie von Fritz Langs Metropolis und
der Hinweis wo der Schlüssel für die Schublade
zu finden sei.

Doch genug von Möbeln, denn sie schreiben nicht
Geschichte … zumindest solange man die Guillotine
nicht als ein Möbelstück bezeichnen will, aber
seien wir ehrlich, wer hat keine in seinem Wohn-
zimmer stehen? Dann könnte man natürlich noch das
Bett als Beispiel anbringen, doch dieses selbst
tut nichts zur Geschichte, nur das was darin pas-
siert. Und wer an Tischlein-deck-dich denkt ist
bei Märchen, die in der Historie nichts verloren
haben ... womit wir immer noch bei Möbeln wären
... Notiz: Thema Möbel beendet ... fürs Erste.

Nächster Versuch: Genug von Möbeln, denn Möbel
führen keinen Krieg … keine Diskussion! Und es
galt Kriege zu führen, denn zwei vermeintlich
unabhängige Staaten bettelten darum wieder heim
ins Osmanische Reich zu dürfen. Da sie als Teil
des Osmanischen Kernlandes gesehen werden, gilt
den Osmanen bereits ihre Existenz als ein Flehen
um Annexion und dieser Bitte muss nachgekommen
werden. Zwei Kriege gilt es zu fechten, wobei man
das so nicht sagen kann. Der Stadtstaat Kuwait be-
sitzt keine Truppen, es handelt sich also mehr um
eine einfach Besetzung, zumindest solange sich die
Amerikaner nicht einmischen, wie auch immer Marvin
auf diesen Gedanken kam. Tripolis besitzt ... nennen
wir es mal großzügigerweise ein Heer, doch dieses
kann notfalls von der örtlichen Feuerwehr niederge-
spritzt werden. Da es natürlich keine örtliche Feuer-
wehr gibt, wird als Alternative eben ein Bruchteil der
osmanischen Armee ausrücken, Tripolis zu besetzen.
Stadt und Staat! Also eher ein halber Krieg ...
Beides zusammengezählt.

Also nichts um Ruhm, Ehre und Macht für das Osmanische
Reich zu erstreiten. Ein großer Krieg musste her, gegen
Russland … oder Österreich … oder am Besten gleich ge-
gen Beide. Schließlich hat das Napoleon … sagen wir eu-
phemistisch beinahe geschafft. Doch dabei durft die Bünd-
nispolitik nicht außer Acht gelassen werden, diese schlug
weite Wellen, es gab so uninteressante Verbünde wie China
und das Tokugawa Shogunat, doch auch mächtige Bündnisblöcke
bildeten sich, wie Baden und die Schweiz. Und Österreich
verbündete sich mit der Toskana, das auf Grund seiner so
riesigen Küste ein Gefahrenpotential für eine osmanische
Invasion gegen Österreich darstellt, doch das wird sie
nicht retten.




Um sich von diesen Barbaren abzuheben beschloss Marvin
einen großen Stück in Richtung Zivilisation zu machen.
Marvin beschloss die Gewerbefreiheit für das Osmanische
Reich. Dies war zwar nicht mehr als ein einfaches Edikt,
doch musste es trotzdem von meinen Forschern erst in müh-
samster Kleinarbeit vorbereitet werden, doch die zu er-
wartenden finanziellen Zugewinne sind es wert!



Doch Marvin musste sich auch um seine Industrie kümmern,
sie hegen und pflegen und...

»Moment mal!« rief Marvin laut aus und sein gesamter Stab
zuckte voll Ehrfurcht zusammen.

»Ich habe eine Industrie?«

»Wir haben da so eine Kleinfeuerwaffenfabrik in Thrakien rum-
stehen.« sagte die junge Version meines Großwesirs, spontan
schlug ich der älteren Version ins Gesicht.

»Wo zur Hölle war die '36?«

»Äh … das ist nicht meine Schuld.«

»Natürlich nicht ... Vollidiot.«

Zur Förderung dieser einen kleinen Fabrik beschloss
Marvin um das Gebiet herum den Berufsweg des Fachar-
beiters zu proklamieren und zu fördern, damit auch
jemand da war, der in dieser Fabrik arbeiten konnte.
In Izmir wurden katholische Geistliche gefördert um
muslimischen Kindern das Lesen der Thora beizubringen.




Doch das wollte bezahlt werden, die Bilanz des
Osmanischen Reiches war katastrophal. Man machte
einen Verlust von knapp 100 Pfund Sterling am Tag.
Man sollte bedenken, da offenbar 79 Pfund Sterling
genug waren um das gesamte Gehalt der osmanischen
Soldaten zu zahlen, musste der Pfund Sterling sehr
viel wert sein … oder die osmanische Armee um so
weniger … Sofort beschloss Marvin die Notenpresse
anzuwerfen um dem Problem durch ein wenig Inflation
Herr zu werden.

»Das ist nicht möglich.« erwiderte der Großwesir

»Warum nicht?«

»Weil sich die ganze Welt in einer Währungsunion befindet.«

»Aber das ist doch paradox!«



Dem Problem musste man Herr werden. Also beschloss
Marvin den Kauf von Klipper-Konvois zu unterbinden,
schließlich konnte er sich ohnehin nicht vorstellen,
wofür seine Marine eine deratige Summe an Geld aus-
geben könnte. Der Kaptan-i Derya protestierte zwar
lauthals, doch das wurde wie damals '36 großherzig
ignoriert.

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Letzte Änderung: 7 Jahre 3 Monate her von Marvin.

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