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Das Thema

Ōmu Shinrikyō
(Die AuM-Sekte)


 


Asahara Shōkō, der Gründer der Ōmu Shinrikyō

 

Die Anfänge

Die Gründung und Entwicklung von „Ōmu Shinrikyō“


Im Jahr 1984 beginnt die Geschichte der „Ōmu Shinrikyō“ durch die Begründung als Yoga-Verein. Nach dem Erleuchtungserlebnis im Jahr 1987 wird der Yoga-Verein „Ōmu Shinsen no Kai“ in „Ōmu Shinrikyō“ (gleich bedeutend mit: „Höchster Wahrheit“ ) umbenannt. Auch beginnt ab diesem Zeitpunkt der allmähliche Wandel von einer einfachen Yoga-Vereinigung hin zu einer religiösen Gruppierung unter Führung von Asahara Shōkō. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden wird im August des gleichen Jahres ein Gebäudekomplex errichtet. Dort lebt die Gemeinschaft als abgeschottete Gemeinde. In der Ortschaft Kamikuishiki am Fuße des Berges Fuji errichtet die „Ōmu Shinrikyō“ eine von der Außenwelt abgetrennte Ortschaft mit Wohngebäuden für die Mitglieder aber auch Fabriken, Labors und Chemieunternehmen. Schnell wird dieses Gemeindezentrum auch Zentrum der „Ōmu Shinrikyō“ wenn gleich auch Außenstellen in Japan aber auch außerhalb davon gegründet werden. Mit dem Entstehen einer Zweigstelle in New York wagt die Vereinigung den Schritt nach Amerika und versucht dort ebenfalls Fuß zu fassen. Im Jahr 1989 wird die Sekte als eine ordentliche Glaubensgemeinschaft, durch die Präfektur in Tokio, anerkannt. Sie etablierte sich somit als kleinere Minderheitenreligion auf Grundlage des „Gesetzes über die Religionsgesellschaften“ aus dem Jahr 1951. Obwohl zu dieser Zeit schon erste Hinweise auf ungeklärte, kriminelle und dubiose Methoden der „Ōmu Shinrikyō“ vorliegen werden diese aber ignoriert. Im Folgejahr wurden die Radikalisierung sowie der Wille, Menschen durch Gewalt zu töten wenn sie nicht an die Ziele der Gemeinschaft glauben, weiter gesteigert. In den sekteneigenen Betrieben beginnt man mit der Produktion von Waffen und chemischen Stoffen um diese später gegen Gegner einsetzen zu können. Aber nicht nur die Radikalisierung wird immer weiter durchgeführt, auch die Ausdehnung der Sekte wird vorangetrieben. So hat die „Ōmu Shinrikyō“ im Jahr 1991 in Japan bereits über 7000 Mitglieder sowie in anderen Ländern Außenstellen wie zum Beispiel in den USA und Deutschland.
 


Fahndungsplakat



Auch in Japan wird weiter expandiert. So wird in der Gemeinde Kamikuishiki weiter ausgebaut, es entstehen Schule, Krankenhäuser und andere Gebäude für die Mitglieder der Gemeinde. Mit der Ausweitung der Macht in Japan war Asahara aber nicht mehr zufrieden. Es zog ihn nach Russland, dort wollte er neue Zentren eröffnen sowie Wissenschaftler für seine Fabriken und Labore anheuern. So reiste er 1992 mit einer Delegation der „Ōmu Shinrikyō“ nach Russland. Neben einem Treffen mit dem russischen Parlamentspräsidenten Ruslan Chasbulatow versuchte er mit so vielen Forschern wie möglich in Kontakt zu treten. Nach diesem Besuch konnte man neben der Anwerbung einiger Wissenschaftler auch auf eine neue Mitgliederschaft zurückblicken. Innerhalb kürzester Zeit hatte man es geschafft etwa 10000 neue russische Anhänger zu überzeugen und in die Gemeinschaft der „Ōmu Shinrikyō“ zu integrieren. Wohl durch den steigenden Einfluss und die „Erkenntnis“, dass der Weltuntergang nahe ist, und zwischen 1996 und 1998 stattfinden wird, beginnt man mit Hilfe der russischen Mitarbeiter mit dem Bau von Waffen. So werden ab 1993 in den Fabriken neben religiösen Utensilien auch AK-47 Sturmgewehre gebaut sowie das Nervengas Sarin und andere chemische Stoffe produziert. Mit diesem gefährlichen Nervengas beginnt der gewalttätige Pfad der „Ōmu Shinrikyō“ der seinen schrecklichen Höhepunkt im Anschlag auf die U-Bahn in Tokio finden wird. Nach diesem Anschlag versucht man zwar durch verschiedene Ablenkungsmanöver andere religiöse Konkurrenzsekten in den Verdacht zu bringen, diese Maßnahmen schlagen aber fehl. Schon kurze Zeit später gehen Justiz und Polizei massiv gegen die „Ōmu Shinrikyō“ vor, zahlreiche Mitglieder werden verhaftet und die Grundstücke nach Beweisen durchsucht.
 


Durch Sarin verletzte Menschen in der U-Bahn von Tokio



Am 16. Mai 1996 wird schließlich der Gründer, Asahara Shōkō, mit dem Vorwurf zur Anstiftung und Durchführung des Anschlages sowie weiterer Vergehen verhaftet. Um das Schlimmste für die „Ōmu Shinrikyō“ zu verhindern spricht man sich offen vom Gründer los, entschuldigt sich öffentlich und macht Tatsuko Muraoka zur neuen Führungspersönlichkeit. An den Gedanken und Lehren wird aber weiterhin festgehalten. Durch diese Maßnahmen wird wohl Schlimmeres verhindert, denn 1997 wird durch einen Sicherheitsausschuss beschlossen die Sekte nicht zu verbieten. Durch die Verhaftung von Asahara Shōkō und die Zerschlagung der Produktion der Waffen und Chemikalien sei keine Gefahr mehr von der „Ōmu Shinrikyō“ zu erkennen. Durch den extremen Verlust von Ansehen und Mitgliedern bewegt sich die Gemeinschaft größtenteils nur noch im Abseits der Gesellschaft und hat viel vom früheren Einfluss und Vermögen verloren. Um nicht mehr mit den Anschlägen und der daraus resultierenden schlechten Meinungen konfrontiert zu werden entschließen sich die Mitglieder im Jahr 2000 zu einer Umbenennung. Mit Hilfe des neuen Namens „Aleph“ soll ein Neuanfang durchgeführt werden. Auch wenn eine Umbenennung durchgeführt wurde und die Verantwortlichen des Anschlages in Haft sind bleibt eine flächendeckende und ständige Überwachung bestehen. Im Jahr 2004 werden erneut die Anwesen der „Aleph“ Ort einer Razzia. Außerdem verurteilt man den Gründer, Asahara Shōkō, zum Tode und die Gemeinschaft muss weiterhin mit sinkenden Mitgliederzahlen klar kommen. So sollen in diesem Jahr nur noch etwa 1650 Mitglieder in Japan und etwa 300 in Russland der „Aleph“ angehören. Bis heute ist die Gruppe „Aleph“ aktiv, konnte ab nie an die erfolgreichen Zeiten als „Ōmu Shinrikyō“ vor dem Giftgasangriff von Tokio anknüpfen.


Der Gründer

Die Gründerpersönlichkeit
 


Chizuo Matsumoto besser bekannt als Asahara Shōkō


 

Der Begründer der „Ōmu Shinrikyō“ ist der mit bürgerlichem Namen heißende Chizuo Matsumoto. Er wurde am 2. März 1955 auf Kyūshū geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in einem kleinen Dorf auf dieser Insel, zusammen mit seinen Eltern und seinen sechs Geschwistern. Der Vater verdiente sein Geld als Hersteller von Tatamimatten weswegen man annehmen kann, dass die Verhältnisse eher ärmlich waren. Schon als Kind hatte Matsumoto Chizuo mit vielen Problemen zu kämpfen die auch später noch sein Leben beeinflussten. So war er von Geburt an auf einem Auge blind und auf dem Anderen stark sehbehindert. Darum schickte man ihn auch auf eine spezielle Schule für Blinde und stark Sehbehinderte, dort war er aber sehr oft allein und fühlte sich zurück gewiesen. Bis ins Jahr 1977 besuchte er eine Schule und machte dort seinen Abschluss. Sein anschließender Wunsch, an der Universität von Tokio zu studieren, scheiterte aber an der Aufnahmeprüfung. Daraufhin änderte er seinen Berufswunsch, begann ein Studium der Akkupunktur sowie der traditionellen chinesischen Medizin. Anfang der 1980er Jahre begann ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Er trat einer spirituellen Gruppe mit dem Name „Agon Shu“ bei und gründete 1984 schließlich seinen eigenen Yoga-Verein. Dieser entstand mit 15 Mitgliedern unter dem Namen „Ōmu Shinsen no Kai“. Im Jahr 1987 besuchte er Indien. Nach eigenen Angaben erlangte er bei diesem Aufenthalt die Erleuchtung. Nach seiner Rückkehr nach Japan wollte er diese Erleuchtung an andere Menschen weitergeben. Aus diesem Grund benannte er seinen Yoga-Verein um und gab ihm den Namen „Ōmu Shinrikyō“. Auch seinen eigenen Namen wandelte er ab, von nun an wurde er Asahara Shōkō gerufen. Er blieb aber nicht nur religiös aktiv sondern versuchte auch politischen Einfluss zu bekommen. So nahm er als Kandidat von „Shinritō“, dem politischen Arm seiner religiösen Bewegung, an der japanischen Parlamentswahl im Jahr 1989 teil. Dieser Schritt entwickelte sich aber für Asahara in vielerlei Hinsicht zum Misserfolg. Einerseits konnte er politisch keine Erfolge erzielen, es entstanden durch den Wahlkampf und alles drum herum finanzielle Probleme und viele Mitglieder von „Ōmu Shinrikyō“ traten aus.

 


Anhänger vor einem Schrein

 

Mit zunehmender Zeit veränderten sich die Ansichten von Asahara und er wurde immer radikaler. So veränderte sich auch sein Weltbild, er sprach immer öfter vom nahenden Weltuntergang im Jahre 1997. Aber er radikalisierte sich nicht nur selber sondern brachte diese Einsichten auch in die „Ōmu Shinrikyō“ ein. So konnte er es erreichen, dass in seinem Namen am 20. März 1995 ein Anschlag auf die Tokioer U-Bahn, mit vielen Toten und Verletzten, verübt wurde. Asahara Shōkō und die beteiligten Mitglieder wurden daraufhin verhaftet und vor ein Gericht gestellt. Am 27. Februar 2004 erfolgte die Verurteilung zum Tode was von Ihm schweigend zur Kenntnis genommen wurde. Eine Berufung wurde eingelegt doch das Gericht bestätigte das Urteil. Auch der Versuch der Verteidiger Asahara Shōkō als Geisteskrank und damit Schuldunfähig darzustellen, und so das Todesurteil zu umgehen, scheiterte. Durch einen, vom Gericht beauftragten Sachverständigen, kam man zur Auffassung, das ein Verständnis für die Tat vorhanden sei und der Verurteile auf jeden Fall zurechnungsfähig sei. Zu diesem Ergebnis kam schließlich auch das Oberste Gericht von Tokio, am 15. September 2006 wurde der Einspruch gegen das Urteil in letzter Instanz zurückgewiesen. Der letzte Versuch, die Todesstrafe gegen Asahara aufzuheben, wurde am 10. November 2008 durch seine Familie gestartet. Sie versuchten eine Neuverhandlung anzustreben um so das Urteil abändern zu können. Dieser Antrag wurde im März des Jahres 2009 abgelehnt, somit sitzt Asahara Shōkō noch immer in Haft und wartet auf die Vollstreckung des Todesurteils.



Asahara Shōkō auf dem Weg ins Gericht

 


Lehren

Die wichtigsten Lehren



Wie auch etwa 180000 andere Religionsgemeinschaften war die „Ōmu Shinrikyō“ staatlich anerkannt. Nach einem Besuch in Indien kam die religiöse Erleuchtung des Gründers. Ebenfalls Ende der 1980iger Jahre erfährt Asahara Shōkō Anerkennung als religiösen Führer. Dies geschieht durch den Dalai Lama der ihm auch den Auftrag erteilt in Japan den Buddhismus wieder neu aufzubauen und weiter zu verbreiten. So entwickelte der Gründer, Asahara Shōkō, seine Lehren aus einem Gemisch von hinduistischen Lehren mit dem Einfluss von Idealen des Mahayana-Buddhismus. Auch erkannte er die Form des Guru-Yoga aus dem Vajrayana-Buddhismus nützlich für sich, nutzte aber eine stark verzerrte Form für seine Ausübung. Ebenso fand das sogenannte „Poa“, eine besondere Meditations-Praxis des tibetischen Buddhismus, in seinen Lehren Einzug. Diese ganzen verschiedenen Gemische von religiösen Handlungen benutzte er um eine besonders starke Guru-Yoga Form in der „Ōmu Shinrikyō“ zu etablieren. So schaffte er es einen absoluten Gehorsam zu Ihm als Guru zu entwickeln und darauf eine besondere Lehrer-Schüler-Beziehung aufzubauen. Wichtig dabei war das nur Asahara die völlige Reinheit und Macht besaß um die Lehre völlig zu verstehen und zu verinnerlichen. Aus diesem Grund wurde er auch von vielen Sektenmitgliedern als Wiederkunft Jesu Christi betrachtet und verehrt. Auch ist so die teilweise völlige Hingabe und die Akzeptanz seiner Botschaften zu erklären.
 


Fahndungsplakat



Die Lehren der „Ōmu Shinrikyō“ entwickeln sich mit der Zeit weiter und so entsteht eine Mischung aus verschiedensten Einflüssen. So ist die Verkündung des Weltuntergangs ein allgegenwärtiges Thema, genauso wie Weissagungen im Stile von Nostradamus gemischt mit Elementen des Buddhismus und des Christentums. Aber auch Fantasieelemente kommen zum Einsatz, so werden bestimmte Punkte aus dem „Foundation-Zyklus“, einer Romanreihe von Isaac Asimov, in die religiösen Lehren eingebaut. Aus diesem ganzen Sammelsurium verschiedenster Einflüsse und der Erkenntnis das der Hindugott Shiva der Mittelpunkt ist sowie die die wahre Erleuchtung nur im streng abgeschlossenen Bereich der „Ōmu Shinrikyō“ möglich ist, entwickelte Asahara Shōkō seine Lehren. In seinen Augen war die Welt außerhalb der Gemeinschaft verdorben und korrupt und musste bekämpft werden, dabei war auch die Ausübung von Gewalt erlaubt. Bei dieser Ansicht ist auch der Einfluss der kontroversen buddhistischen Vorstellung von „poa“ zu erkennen wobei in Asahara nach und nach die Gewaltfantasien immer weiter ansteigen. So kam er zur Ansicht, dass man Menschen im Sinne von „Poa“ töten müsse um sie so zu erlösen, sie so auf eine höhere Ebene der Spiritualität zu erheben und zu erleuchten. Asahara betrachtete sich dazu auserkoren die Menschheit vor dem Weltuntergang zu retten und sie ins "Goldene Zeitalter" zu führen. Diese Ansichten und der daraus resultierende Wahn führten schließlich zu dem Ereignis das die „Ōmu Shinrikyō“ weltweit bekannt werden lassen sollte.


Gewalttaten

Die gewalttätige Seite der Ōmu Shinrikyō


Biologische Kampfstoffe

Bereits im Jahr 1990 wird der erste größere Anschlag durch die „Ōmu Shinrikyō“ verübt. Dabei versucht man mit Hilfe von biologischen Kampfstoffen einen Anschlag auf das Tokioter Parlamentsviertel durchzuführen. Im April des Jahres startet man diesen Angriff, er ist aber ein Fehlschlag. Erst viele Jahre später, nämlich bei den Beweisaufnahmen für den Anschlag auf die U-Bahn in Tokio, erfahren die Ermittler, das die „Ōmu Shinrikyō“ für den Angriff im Jahr 1990 verantwortlich war. Auch Angriffe auf die Stadt Yokohama, den US-Militärstützpunkt in Yokosuka und auf den Flughafen in Narita werden mit den biologischen Stoffen durchgeführt, scheitern aber ebenfalls. Nach den Versuchen mit "Botulinumtoxin" versucht man nun mit "Anthrax" (Milzbranderreger) erfolgreichere Anschläge durchzuführen. Wohl durch Hilfe der abgeworbenen russischen Wissenschaftler und den Computerangriff auf die Datenbank der "Brookhaven National Laboratory" in New York kann man sich dieses vermehrte Wissen über biologische Kampfstoffe verschaffen. Dieser Cyberangriff wurde auch erst nach den Anschlägen auf die Tokioer U-Bahn bekannt. Der erste Angriff mit "Anthrax" findet im Juni 1993 in Tokio statt. Dabei verbreitet man die Sporen des Anthrax-Erregers mit dem Wind vom Dach eines Gebäudes. Im Juli 1993 fährt man in einem Lieferwagen durch die Hauptstadt von Japan, um so das Regierungsviertel zu konterminieren. Diese beiden Angriffe sowie ein Dritter, bei dem mit Hilfe von 3 Aktenkoffern ein biologischer Kampfstoff verbreitet werden soll, scheitern. Man kann somit sagen, dass die Bio-Anschläge der „Ōmu Shinrikyō“ glücklicherweise alle scheiterten und keine Verletzten und Toten zu beklagen waren.
 


ABC-Abwehrtrupp
 

Chemische Kampfstoffe

Mit der Entwicklung von chemischen Kampfstoffen kann die Sekte aber schließlich einen größeren und erfolgreicheren Angriff durchführen. Im Jahr 1994 laufen mehrere Verfahren vor einem japanischen Gericht gegen die „Ōmu Shinrikyō“. Die Gründe dafür sind unterschiedlichster Natur, haben aber zur Folge, dass ein erster Sarin-Anschlag durchgeführt wird. Dabei sterben ein Richter sowie 6 weitere Personen in der Stadt Matsumoto und weitere 500 Personen werden verletzt. Wie auch schon bei den früheren Anschlägen fällt kein Verdacht auf die AuM-Sekte. Nach diesem erfolgreichen Einsatz von chemischen Kampfmitteln plant man weitere Anschläge um so die „Unwissenden“ durch Gewalt zu erlösen und zu erleuchten. Auch das Repertoire der chemischen Kampfstoffe wird erweitert, so beginnt man neben der Herstellung von Sarin auch mit der Produktion von "Tabun", "Soman" und "VX". Hierbei liegt das Augenmerk besonders auf den Stoffen und, um schneller zu Forschungsergebnissen zu kommen startet die AuM-Sekte auch einen. Einer dieser Pläne wird schließlich im März 1995 durchgeführt.


 

 

Am frühen Morgen des 20. März 1995 beginnt der nächste große Anschlag der Ōmu-Shinrikyō. Dabei betraten fünf Mitglieder zur morgendlichen Hauptverkehrszeit verschiedene U-Bahnen und deponierten dort Tüten mit dem chemischen Kampfstoff "Sarin". Das Ziel war es diese Tüten während der Fahrt zu zerstechen und so das Nervengift freizusetzen. Das sollte so zeitlich abgestimmt passieren, dass diese fünf Pendlerzüge im Bahnhof Kasumigaseki zusammentreffenden und so die Wirkung noch weiter gestärkt werden könnte. Unmittelbar vor dem Aussteigen bohrten die Täter mit ihren Schirmen Löcher in die insgesamt 11 verteilten Beutel. Somit wurde das Sarin freigesetzt, die Täter konnten zunächst entkommen, da an den jeweiligen Aussteigestationen Fluchtautos bereitstanden. Durch das Gas das freigesetzt wurde und sich in den Zügen und Stationen verbreitete starben insgesamt 13 Menschen und etwa 5500 Menschen wurden verletzt. Die Bilder von Menschen mit blutigem Schaum vor dem Mund gingen damals um die Welt. Die Gründe für die verhältnismäßig geringe Anzahl von Todesopfern ist in vielen Dingen zu erklären. Zum einen handelte es sich beim hergestellten Sarin wohl um relativ schlechte Qualität was die Wirkung wohl stark abschwächte und zum anderen war die Methode der Verbreitung eher ungeeignet um noch mehr Schaden anrichten zu können. Auch reagierten die alarmierten Rettungskräfte sowie die herbeigerufenen Spezialisten für die Abwehr chemischer Kampfführung sehr schnell und effektiv. Damit konnte eine weitere Ausbreitung verhindert, und die Zahl der Verletzten und Getöteten relativ klein gehalten werden. Trotzdem war eine Barriere gefallen, Terroristen hatten erstmals ABC-Waffen für ihre Anschläge verwendet!

 


Verletzte nach dem Anschlag vom 20. März 1995
 

Atomare Stoffe

Auch im Bereich von radioaktiven und nuklearen Stoffen war die „Ōmu Shinrikyō“ aktiv. So besuchten einige Mitglieder in Australien eine Mine in der Uran gefördert wurde. Man versuchte diese zu kaufen, um so an Material für nukleare und radiologische Forschungen und eine vielleicht später mögliche Waffenproduktion zu kommen. Es blieb zwar nur beim Versuch des Kaufes, trotzdem ist nicht ganz klar inwieweit die Forschung in diesem Bereich vorangetrieben werden konnte.

 


Konventionelle Waffen

Aber nicht nur im Bereich der ABC-Waffen war die „Ōmu Shinrikyō“ aktiv. Wie schon im Vorfeld angesprochen betrieb die Sekte auch Waffenfabriken und stellte dort unter anderen AK-47 Sturmgewehren her. Durch diese und andere Maßnahmen kam es öfters zu Problemen mit dem Gesetz. Um schwerwiegende Folgen für die AuM-Sekte abzuwenden soll ihr Führer, Asahara Shōkō, auch sogenannte Todeslisten aufgestellt haben. Mit diesen wollte er unliebsame Politiker, Juristen und andere Kritiker loswerden. So wurde zum Beispiel im Jahr 1989 ein Anwalt samt seiner Familie in Yokohama ermordet. Er war als Anwalt für AuM-Gegner tätig und vertrat diese in verschiedenen Prozessen. Auch die Ermordung des Generaldirektors der Nationalen Polizei-Agentur, Takaji Kunimatsu, im März 1995 wurde durch die „Ōmu Shinrikyō“ geplant und durchgeführt.


Weltweit

Die weltweite Verbreitung

 

 


Als eine japanische religiöse Vereinigung war und ist sie immer noch auf den japanischen Inseln vertreten. Die Gemeinden außerhalb Japans sind nur in geringer Zahl aktiv. Zum Einen gibt es die Vertretung in New York die im Jahr 1987 gegründet wurde. In Amerika ist die „Ōmu Shinrikyō“ beziehungsweise die „Aleph“ eher unter dem Namen „Aum USA Company Ltd.“ bekannt. Mit dieser Bezeichnung ließ man sich kurz nach der Ankunft in New York als steuerbefreite religiöse Organisation registrieren, um so religiöse Gegenstände auf dem amerikanischen Markt verkaufen zu können und publizistische Schriften zu verbreiten. Die zweite große Auslandsvertretung ist in Russland entstanden. Zu Höchstzeiten hatte man Russland etwa 40.000 Mitglieder und sah diesen Bereich mit als größten Rekrutierungsstandort. Auch in Deutschland versuchte die „Ōmu Shinrikyō“ zu Beginn der 1990er Jahre Fuß zu fassen. So entstand eine Niederlassung in Bonn die unter dem Namen „Buddhismus- und Yoga-Center“ geführt wurde. Auch auf Sri Lanka entstanden kleinere Vertretungen. Auch wenn in anderen Ländern Vertretungen und Zweige geschaffen wurden ist das Hauptaugenmerk der „Ōmu Shinrikyō“ auf Japan und Russland beschränkt und hatte dort den größten Einfluss. Doch durch die Folgen des U-Bahnanschlages ist die Mitgliederzahl weltweit stark gesunken und wird wohl so schnell nicht wieder steigen. Ob je wieder die Anzahl früherer Zeiten erreicht werden kann ist fraglich.