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Einleitung

Der Reaktorunfall von Tschernobyl

 

 


Der 26. April 1986. Tschernobyl. Eine der größten nuklearen, vielleicht sogar eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit. Bis heute sind große Teile der Gegend absolut unbewohnbar. Grund: Die Radioaktive Strahlung. Hunderte vielleicht sogar tausende Menschen leiden bis heute an den Folgen der Radioaktiven Verseuchung. Aber nicht nur die Sowjetunion war betroffen, selbst Gemüse in Mitteleuropa ist bis heute stark belastet. Doch wie konnte es zu solch einer gigantischen Katastrophe kommen?

Standort

Lage des Atomkraftwerks



Das Atomkraftwerk Tschernobyl liegt in der ehemaligen Sowjetunion, der jetzigen Ukraine. Nahe dem ehemaligen Atomkraftwerk liegt die Stadt Prypjat, welche auf Grund der Angestellten im damaligen Kraftwerk gegründet wurde. Die Stadt diente als Unterkunft für die im AKW (Atomkraftwerk) Angestellten Personen und deren Familien. Vor dem Reaktorunfall hatte die Stadt eine Einwohneranzahl von 49.360 (ca. 15.504 Kinder). Die Stadt hatte eigentlich alles was die Bewohner zum Überleben brauchten. Einen Rummelplatz, ein Schwimmbad, für die Kinder sogar eine Bahn für Autoscooter. All dies ist bis heute verlassen. Ein entscheidender Faktor war aber nicht nur die Nähe zur Stadt Prypjat. Da das Kernkraftwerk Tschernobyl in der Region Kiew liegt, liegt die Stadt auch sehr nah an der weißrussischen Grenze. Heißt ein Großteil des Radioaktiven Niederschlags auch Fallout genannt, regnete nicht nur auf die Ukraine herunter, sondern auch über Weißrussland.

Das Kraftwerk

Das Kernkraftwerk Tschernobyl

 

 


Das Projekt Tschernobyl wurde im Jahre 1970 aufgenommen. Die Ersteinschaltung des AKWs folgte am 27. Mai 1978. Das Kernkraftwerk Tschernobyl war in 6 Blocks unterteilt. Nur 4 davon wurden bis zur Katastrophe fertiggestellt. Der Bau von Block 5 und 6 begann erst im Jahre 1981. Kurz vor der Katastrophe im Jahre 1986 hätte ein Probelauf an dem Reaktor des Blocks 5 stattfinden sollen, obwohl der 6te Block noch nicht fertiggestellt wurde. Der Probedurchlauf konnte schließlich durch den Unfall am AKW nie starten. Dennoch liefen die Bauarbeiten, trotz der radioaktiven Belastung an den Blocks 5 und 6 bis ins Jahr 1988 weiter! Das gesamte AKW nutzte Reaktoren des Typs RBMK-1000 (Reaktor Bolschoi Moschtschnosti Kanalny, im Deutschen: Hochleistungs-Reaktor mit Kanälen). Ein einzelner Reaktor dieser Klasse konnte bis zu 1000 Megawatt (MW) Leistung erzeugen. Diese Art von Reaktor gehörte zu der Gruppe der Siedewasserreaktoren. In der Kernspaltung spricht man von zwei Reaktorarten. Einmal den schon genannten Siedewasserreaktor (SWR) und einmal den Druckwasserreaktor (DWR). Im Gegensatz zum DWR, besitzt der SWR nur einen Kreislauf zum Erhitzen des Wassers, infolge der Energiegewinnung. Hierbei wird das Kühlmittel, Wasser, direkt in den Reaktor gepumpt. Das Wasser verdampft durch die Hitze der Brennstäbe und treibt die Turbinen an, dabei entsteht Energie. Problem bei diesem Verfahren: Der Dampf ist durch den Kontakt mit den Reaktor kontaminiert. Dies kann bei einem DWR nicht passieren. Bei diesem befindet sich das Kühlmittel in einem Sicherheitsbehälter und gelangt nicht mit dem Reaktor in Kontakt. Zwar sind die SWRs leistungsfähiger, dennoch sind sie aber auch unsicherer. Daher gibt es auch nur bei DRWs die riesigen Kühltürme, die man von AKWs kennt. Problem bei den SWRs der Sowjetunion war jedoch, dass diese sehr Störanfällig waren. Besonders an diesen Reaktoren in der Sowjetunion war jedoch, dass die einzelnen Reaktorblöcke mit Graphit verkleidet waren. Da das Kernkraftwerk Tschernobyl bis zum Super GAU 1986, vier leistungsfähige Reaktoren besaß, konnte es bis zu 4000 MW Leistung erzeugen. Doch nicht nur in Block 4, wo der Super GAU stattfand gab es Störfälle. Fangen wir mit Block 1 an. Dieser Block wurde 1977 fertiggestellt. Schon im Jahre 1982 gab es dort den ersten Unfall, als einige Brennelemente im Reaktor durch Überhitzung zerstört wurden. Schon damals drang eine gewaltige Strahlenmenge in die Stadt Prypjat. Im Jahre 1996 ging dieser Block schließlich vom Netz. Als Randinformation: Der Super GAU in Block 4 ereignete sich am 26. April 1986! Dagegen wurde der zweite Block zwei Jahre nach dem Ersten fertiggestellt. Hier wurde ein Leck im Abklingbecken entdeckt, was Jahrelang bestand. Nach der Katastrophe, fand 1991 eine Wasserstoffexplosion im Block 2 statt. Am 20. Oktober 1993 wurde der Block schließlich stillgelegt. Kommen wir zum dritten Block. Dieser wurde 1981 fertiggestellt. Er war mit am 4 Block angeschlossen. Somit bildeten die beiden einen Doppelblock. Erst im Jahre 2000 wurde dieser Block stillgelegt und das auch erst auf Druck der Europäischen Union! Nun ist der „Super GAU“, Block 4 an der Reihe. In diesem Block ereignete sich wohl der schwerwiegendste Störfall. Die Kernschmelze im Jahre 1986. Der Block wurde bei der Kernschmelze vollkommen zerstört. Zusätzlich geriet das Graphit im Reaktor in Brand und konnte erst Tage später gelöscht werden. Dazu später mehr. Die Region ist bis heute unbewohnbar. Zum Schutze vor dem Ausstoß von radioaktiven Partikeln wurde eine Art „Sarkophag“ aus Stahl und Beton um den Block 4 gebaut. Bis zur endgültigen Abschaltung des AKWs im Jahre 2000 arbeiteten noch knapp 9000 Leute in dem AKW. Selbst im Jahre 2006 arbeiteten noch knapp 3000 zur Überwachung in diesem Gebiet. Ein Großteil dieser Leute wohnt in der Stadt Slawutytsch, das Ersatzdorf für Prypjat. Trotz der hohen Strahlenbelastung ist die Arbeit recht attraktiv für die Menschen. Gute Bezahlung und Arbeiten im 2 Wochen Zyklus.

Der GAU

Ablauf und Ursache des Super GAUs

 

 

 

Eigentlich war es ein ganz normaler Arbeitstag für die Arbeiter im AKW Tschernobyl. Allerdings stand ein gewaltiger Test im Block 4 an. An diesem sollte getestet werden ob die bestehende Rotationsenergie der Turbinen, welche zur Energieerzeugung dienen, bei einem Ausfall des Reaktors ausreicht, die Zeit von knapp 60 Sekunden, also bis die Notstromaggregate anliefen, überbrücken könnte. Würden diese 60 Sekunden überbrückt, könnte trotz eines Ausfalls so lange Energie erzeugt werden, bis die Notstromaggregate schalteten. Schon im Jahre 1985 scheiterte solch ein Versuch im Block 3. Dort war der Spannungsregler einfach zu stark überfordert. Folge davon: Die Spannung lies zu schnell nach.

 

25. April 1986, 1:06 Uhr:
Die Reaktorleistung wird für den bevorstehenden Test am Reaktor von 3200 Megawatt 1000 MW reduziert.

25. April 1986, 13:05 Uhr:
Da die Stromanfrage aus Kiew steigt, wird die Leistung auf 1600 MW hochgeschraubt. Der Turbogenerator 7 wird abgeschaltet. Allerdings bildet sich bei der Abschaltung des Generators das Neutronengift Xenon-135.

25. April 1986, 14:00 Uhr:
Das Notkühlsystem wird abgeschaltet, da es für diesen extenziell war, dass bei einem auftretendem Notkühlsignal, kein Wasser in den Reaktor gepumpt werden sollte.

25. April 1986, 23:10 Uhr:
Der Reaktor wird auf 25% Leistung heruntergefahren.

26. April 1986, 0:00 Uhr:
Eine neue Wachmannschaft übernimmt das Geschehen.

26. April 1986, 0:28 Uhr:
Bei einer Reaktorleistung von knapp 500 MW wurde die Reaktorleistungsregelung umgeschaltet. Auf Grund eines Bedienfehlers bzw. technischen Defekts sank die Leistung auf knapp 30 MW. Die Konzentration an Xenon-135 nimmt weiter zu. Dies führt dazu, dass die Neutronen im Kern absorbiert werden. Diese werden jedoch für die benötigte Kettenreaktion im Reaktor gebraucht. Die Leistung sinkt.

26. April 1986 um 0:32 Uhr:
Weitere Steuerstäbe werden im Reaktor herausgefahren. Dadurch wird wieder eine Leistung von knapp 200 MW erzeugt. Jedoch war eine Weiterführung des Reaktorbetriebes auf diesem Leistungslevel, nicht mehr zulässig. Die Reaktorleistung hätte mindestens 640 MW betragen müssen. Der Betriebsmannschaft hätte klar sein müssen, dass der Reaktor abgeschaltet werden muss.

26. April 1986, 1:03 Uhr bis 1:07 Uhr:
Die Turbineneinlassventile werden geschlossen. Das Notkühlsystem läuft auf Grund der vorhergegangen Abschaltung nicht an. Um dies auszugleichen werden zwei Hauptkühlpumpen in Betrieb genommen. Durch die Kühlung ging die Dampferzeugung zurück, wie auch der Rest der Reaktorleistung. Es werden schließlich weitere Steuerstäbe herausgefahren.

26. April 1986, 1:19 Uhr bis 1:22 Uhr:
Der Reaktor wird mit Wasser versorgt, damit die Warnsignale im Kontrollzentrum verstummen.

26. April 1986, 1:23:04 Uhr:
Die Temperatur des Kühlmittels steigt weiter an. Es bilden sich Dampfblasen im Reaktor, welche den Neutronenfluss wieder ankurbelten. Man versuchte dies mit dem Einfahren von Steuerstäben zu verhindern, diese fuhren jedoch nur sehr langsam in den Reaktor ein. Durch den starken Neutronenfluss werden die Neutronengifte, welche sich im Kern ansammelten, schnell abgebaut. Dies führte zu einer weiteren Erhöhung des Neutronenflusses und somit auch der Leistung im Reaktor. Dadurch entstand nun auch wieder Dampf, welcher gleichzeitig die Leistung des Reaktors erhöhte.

26. April 1986, 1:23:40 Uhr:
Der Schichtleiter Aleksandr Akimow löst die Notabschaltung des Reaktors aus. Das heißt, dass alle Steuerstäbe wieder in den Reaktor eingeführt werden sollten. Jedoch waren die Spitzen der Steuerstäbe mit Graphit verkleidet. Dies war schließlich ein großer Nachteil, da durch das schnelle Einfahren der mit Graphit beschichteten Stäbe, sich die Leistung des Reaktors erhöhte. Somit konnten die so genannten prompten Neutronen (ein unmittelbar nach der Spaltung freigesetztes Neutron) im Kern alleine eine Kettenreaktion auslösen. Die Leistung überschritt in Sekunden das Hundertfache des Nennwertes. Wasser, Graphit, Steuerstäbe und Brennstäbe erhitzen sich unter den Bedingungen im Reaktor extrem stark. Es fanden danach erste Explosionen in den Brennstäben statt, wodurch die Druckröhren begannen zu bersten. Teile des Reaktors wurden durch den starken Druck unter anderem verformt, wodurch die Steuerstäbe niemals ihre Endposition erreichten. Die Brennstäbe reagierten schließlich mit dem Graphit, wodurch Wasserstoff und Kohlenmonoxid entstanden. Diese konnten auf Grund des stark beschädigten Reaktorkerns unkontrolliert entweichen und bildeten unter dem Reaktorgebäudedeckel mit dem dort enthaltenen Sauerstoff ein explosives Gemisch. Dieses entzündete sich innerhalb von wenigen Sekunden und führte zu einer gewaltigen Explosion. Der Deckel des Reaktorkerns wurde abgesprengt, wie auch das Dach des Reaktorblocks. Der Kern hatte nun Kontakt zur Erdatmosphäre und somit auch zum Sauerstoff. Das Graphit fing dadurch Feuer. Durch die Explosion und dem daher gehenden Brand wurden Mengen an radioaktivem Material in die Umwelt geschleudert. Der Brand tat sein übrigens indem er radioaktive Isotope wie Iod-131 und Cäsium-137 in die Atmosphäre schleuderte. Diese wurden als eine Art Wolke fast tausende Kilometer weit getragen. Andere Stoffe mit höheren Siedepunkten wurden als Staub im Umfeld des Reaktors freigesetzt.

 


Block 4 nach der Katastrophe

 

26. April 1986, 4:30 Uhr:
Nach Moskau wird übermittelt, dass der Reaktor intakt geblieben sei und nur gekühlt werden müsse. Eine halbe Stunde später beginnt die Werksfeuerwehr mit den ersten Löscharbeiten am Reaktor.

27. April 1986:
Die Blöcke 1 und 2 wurden erst jetzt abgeschaltet. Zudem begann man damit den Block 4 zuzuschütten. Zu den abgeworfenen Materialien zählen Blei, Bor, Dolomit, Sand und Lehm. Dabei sollte das Bor die Kettenreaktionen im Reaktor unterbinden und das Dolomit sollte den durch die Hitze entstandenen Graphitbrand löschen. Zudem sollte das Blei eine Schicht um den Reaktor bilden, der die gefährliche Gammastrahlung abfängt während der abgeworfene Sand, wie auch der Lehm die radioaktiven Stoffe filtern sollte. Außerdem sammelte sich Kühlwasser unterhalb des Reaktors, dieses wurde stark kontaminiert. Unter dem Reaktor herrschte eine Strahlung von bis zu 1000 Röntgen pro Stunde (=10 Gray pro Stunde). Zur gleichen Zeit begann die Evakuierung der Stadt Prypjat.

 


Ein Mi-26 "Halo" verprüht die Bindungsmittel über Block 4
 

28 April bis 6 Mai:
Im Kernkraftwerk Forsmark in Schweden wird an einigen Mitarbeitern eine erhöhte Radioaktivität festgestellt. Auch auf dem Gelände es AKWs wird erhöhte Strahlung gemessen. Sofort wird der Alarm ausgelöst. Es wurden schnellstmöglich Untersuchungen an eigenen Gerätschaften unternommen, nachdem man dort Fehler ausschließen konnte richteten sich alle Augen auf Tschernobyl. Erstmals wird im sowjetischen Fernsehen über den Vorfall berichtet. Westliche Nachrichtendienste, berichteten trotz niedrigem Kenntnisstand präziser als die Sowjets. Die Katastrophe wird jedoch drastisch heruntergespielt. Erst Ende den Monats wurden sowohl von den Sowjets als auch auf den westlichen Nachrichtenagenturen Bilder des AKWs gezeigt. In den letzten April und ersten Maitagen werden die ersten Satellitenbilder der Region aufgenommen. Erstmals wird der gesamte Schaden am Block 4 und am gesamten AKW sichtbar. Zudem begannen die Sowjets Stickstoff unter den Reaktor einzuspeisen. Dies sollte das Feuer ersticken. Jedoch wurde der Reaktor kurzzeitig noch heißer, wobei noch Radioaktive Partikel in die Umwelt gelangten. Erst am 6 Mai schafften es die Rettungseinheiten die Freisetzung von Radioaktiven Material aufzuhalten. Außerdem begann man ein auf Stickstoff basierendes Kühlsystem unter dem Reaktor zu installieren.

Reaktionen

Reaktion nach dem Super GAU



Wie bereits von mir berichtet gelangen die Informationen zum Unglück im AKW Tschernobyl nur sehr träge ans Licht. Beispielsweise war Moskau zu Ausbruch der Katastrophe nur von einem Feuer im AKW informiert. Erst später gelangten Einzelheiten ans Licht, welche natürlich von der Sowjetunion so gut wie es ging vertuscht wurden. Erst als selbst erhöhte Radioaktivität in Schweden gemessen wurde, erkannten selbst die Sowjetpolitiker das Ausmaß dieser Katastrophe. Trotzdem wurde die Zivilbevölkerung der Sowjetunion nicht in Kenntnis gesetzt. Selbst als Prypjat am 27. April geräumt und evakuiert worden war, erfuhren die Einwohner nicht weshalb (Erst am 14. Mai wandte sich Gorbatschow in einer Fernsehansprache an das Volk). Schließlich wurde bis zum 4. Mai eine 30 Km Sperrzone um das AKW errichtet und evakuiert. Doch all das stoppte natürlich nicht die Auswirkung der Radioaktiven Wolke, welche durch die Explosion entstand. Man konnte höchstens Versuchen weitere Kontaminationen aufzuhalten. Somit wurden die so genannten Liquidatoren, Soldaten und Einwohner aus der Sperrzone, damit beauftragt das Gebiet zu säubern. Diese mussten unter stark lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten. Richtige Schutzanzüge gegen ein solches Maß waren einfach nicht zu genüge vorhanden um alle Liquidatoren zu schützen. Viele der Liquidatoren erkrankten später an Krebs. Zudem wurde den Liquidatoren und Helfern ein Orden gestiftet.

 



Ein Großteil der Sperrzone wurde bis aufs kleinlichste gesäubert. Es wurde versucht mit einem Bindungsmittel auf Polymerbasis mit dem Namen „Burda“ (auf Deutsch „dünne Brühe“), den Radioaktiven Staub zu binden. Es wurden alle Tiere in der Sperrzone erlegt, die Dächer gesäubert, teilweise sogar einzelne Häuser abgerissen und knapp 300.000 m³ Erde umgegraben, vergraben und einbetoniert. Schließlich wurde ein Stahlsarkophag um den havarierten Block gebaut, welcher die radioaktive Strahlung aufhalten soll. Dieser wird bis heute jedoch immer wieder brüchig und bedarf dringend einer Restaurierung.

Die Folgen

Folgen der Katastrophe

 

 


Bis heute sind die Folgen und die Langzeitopfer dieser Katastrophe kaum abzuschätzen. Dennoch veröffentlichte das „Tschernobyl-Forum“, 2005 einen Bericht der die Auswirkungen wenigstens ansatzweise versucht zu erfassen. Allerdings ist dazu zu sagen, dass es zu dieser Untersuchung noch eine weitere gibt. Nämlich die „The Other Report on Chernobyl“ Untersuchung, welche von britischen Wissenschaftlern erstellt wurde und weit höhere Opferzahlen durch die Langzeitfolgen angibt. Wie die Untersuchungen herausgestellt haben wurde der größte Teil der radioaktiven Stoffe nicht durch die Explosion selber, sondern durch den dadurch folgenden Graphitbrand freigesetzt. Insgesamt wurden knapp 218.000 Quadratkilometer mit knapp 37.000 Becquerel (37 kBq) Cäsium 137 pro Quadratmeter belastet. Der Belastungsradius reicht teilweise sogar bis vor die Tore Kiews und Minsk‘. Somit kann man sich vorstellen was für eine gigantische Belastung allein mit Cäsium-137 erfolgte. Cäsium-137 reichert sich in Pflanzen und Fleisch an und kann somit auch sehr leicht vom Körper aufgenommen werden. Aber nicht nur die Sowjetunion war betroffen. Auch große Teile Europas wurden kontaminiert. Österreich war eines der Länder in Europa das am stärksten kontaminiert wurde. Teilweise wurden Höchstwerte von 200 kBq/m² von Cäsium-137 gemessen. Auch hier in Deutschland, größtenteils im Süden erfolgte eine Kontamination. Im Süden Deutschlands waren beispielsweise Boden und Pilze mit bis zu 74 kBq/m² Cs-137 kontaminiert. Selbst bis heute wird davon abgeraten selbstgepflückte Pilze aus dem Südosten Deutschlands zu verzehren. Laut einigen Instituten wie der WHO starben nach dem Unglück knapp 50 Menschen an der Strahlenkrankheit. Langzeitlich gesehen starben wiederum 9000 Menschen an, durch die Strahlung verursachten Krebserkrankungen. Experten auf dem Gebiet der Strahlenforschung sagen voraus, dass mit 16.000 Schilddrüsenkrebserkrankungen und 25.000 weiteren Krebserkrankungen zu rechnen ist. Vor allem sind Kinder von den Schilddrüsenerkrankungen betroffen. Dabei wird radioaktives Iod von der Schilddrüse aufgenommen und lagert sich dort an. Bei den oben genannten Todeszahlen sind auch die Liquidatoren eingerechnet, welche ihr eigenes Leben tapfer für das Wohl anderer opferten. Der Sarkophag welcher den havarierten Block umhüllt weißt übrigens wieder einige Lecks auf. Die Russen planen mit Hilfe der USA im Moment den Bau eines völlig neuen Sarkophags.
Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden mehrere Museen und Mahnmahle in den Städten Moskau, Saporischschja, Kiew, und Charkiw errichtet. Zudem ist Tschernobyl auch für den Tourismus geöffnet worden. Seitdem strömen trotz der Strahlung mehrere tausend Touristen pro Jahr in die Stadt Prypjat und zum AKW selber. Außerdem werden in unregelmäßigen Abständen Kongresse zum Thema Tschernobyl und Atomkraft gehalten. Die IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) hielt beispielsweise im Jahre 2011, am 25 Jahrestag der Katastrophe den Kongress mit dem Titel „Zeitbombe Atomenergie: 25 Jahre Tschernobyl – Atomausstieg jetzt!“ ab.

Widmung

 

Dieser Beitrag ist den Opfern der Katastrophe von Tschernobyl gewidmet.