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Einleitung

Kürzester Krieg der Geschichte
In 38 Minuten begonnen, gekämpft und beendet!

 

Am 27. August 1896 um 9 Uhr Morgens begann der Krieg zwischen dem britischen Empire und dem Sultanat Sansibar. Es begann mit dem Granatfeuer der Briten aus fünf Kriegsschiffen auf die Stellungen des Sultans. Schon 38 Minuten später kapitulierten die Truppen des Sultans. Bis 9.38 Uhr britischer Zeit waren 300-500 Soldaten auf der Seite des Sultanats gefallen, was ausreichte, um sich der Aussichtslosigkeit der Lage bewusst zu werden. Die Briten gingen 70 toten Seemännern als Verluste aus diesem kürzesten Krieg der Militärgeschichte hervor. Wobei dieser Krieg auch im Guinness Buch der Rekorde nachzulesen ist.


 

 
(Links: Flagge des Sultanats Sansibar / Rechts: Flagge des britischen Empires (britischen Konsulate))

Vorgeschichte

Vorgeschichte



Vor der Ostküste Afrikas lag das Sultanat Sansibar (1600 Quadratkilometer), welches vor allem als wichtigste Handelsmetropolen bzw. Umschlagplatz im Indischen Ozean in Erscheinung trat. Auch deshalb war dieser kleine Flecken Erde so wichtig für das britische Empire, das sich schon immer auf seine Seewege bzw. Seemacht und die daraus resultierende Stellung im weltweiten Handel verlassen hat. So reagierten die Briten als Sultan Hâmid ibn Thuwainî ibn Saʿîd, ein wichtiger Partner der britischen Kolonialverwaltung, am 25. August starb und sein Neffe und Nachfolger Khalid bin Barghash nicht in die Fußstapfen seines Onkels treten wollte. Dabei spielte Deutschland eine entscheidende Rolle, denn ohne Hilfe hätte dieser Staatsstreich gegen die britische Kolonialregierung nicht erfolgreich sein können. Die Deutschen, welche seit 1884 Stützpunkte in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania und Uganda) besaßen, wollten den Briten ihre Kolonialherrschaft im und um den schwarzen Kontinent streitig machen. Dafür wurden nur zu gern "Schutzverträge" mit den Häuptlingen und Anführern der Stämme geschlossen, was aber nichts anderes als die Überschreibung von Land an die neuen Herrscher bedeutete. So sollte es auch in diesem Fall geschehen, wobei sich die Deutschen als Schutzmacht und Handelspartner in einen neuen Sansibar anboten. Doch dafür hätte zuerst das alte Regime abgestreift werden müssen und dies sollte nicht ohne Konfrontationen geschehen. Die Briten wollten natürlich weiter den Handelsknotenpunkt vor der Ostküste Afrikas in ihrer Hand wissen und hatten mit Hammûd ibn Muhammad ibn Saʿîd, einen weiteren Cousin des verstorbenen Machthabers, einen geeigneten und vor allem folgsamen Kandidaten ausgewählt gehabt. Statt der Abdankung des den Deutschen freundlichen gesonnenen Hâmid, stellte der sich gegen die Briten und ihrer Regierung bzw. mobilisierte in zwei Tagen ein rund 2800 Mann starkes Heer. Diese veraltete Armee sollte nun einem Ansturm der entrüsteten Weltmacht standhalten und zwar mit alten Handfeuerwaffen, drei Dutzend Vorderladerkanonen und einer Festung.
 

 


Dabei war Sansibar nur ein Zankapfel in einem Zeitalter, dass so treffend mit Imperialismus betitelt wurde. Denn schon zuvor, im Jahre 1890, hatten das Deutsche Kaiserreich und dass britische Empire vertraglich vereinbart, dass die Deutschen im Gegenzug für Helgoland in ihre Hoheit, das britische Empire auf Sansibar anerkennen sollten. Ein einfacher Kontrakt, der aber von den Deutschen umgangen werden sollte. Schon bei der Machtübernahme des Onkels auf seinen Neffen schwante den Kolonialherren nichts Gutes und sie ließen vorsorglich ein Geschwader aus Panzerschiffen vor der Küste Sansibar Patrouille fahren.

Die Briten

Eingreifen der Briten

 


Zerstörter Palast des Sultans von Sansibar


Die Briten und ihre Seemacht lassen sich natürlich nicht von einem kleinen Sultanat auf der Nase herumtanzen und schon gar nicht, wenn dieses noch durch eine andere europäische Großmacht unterstützt wird. Es musste ein Zeichen gesetzt werden und die Aufgabe Konteradmiral Sir Harry Rowson übertragen. Dieser bereitete sofort mit fünf Kriegsschiffen eine Niederschlagung dieses Staatsstreiches vor und sollte durch eine erfolgreiche Landung die Situation wieder zum Wohl des Empire entscheiden. Ein verstreichendes Ultimatum und ein uneinsichtiger Khalid, der mit der Einschaltung des US-amerikanischen Gesandten das Blatt noch einmal zu wenden versuchte, ließen dem britischen Kommandeur keine Wahl. Das Sultanat bzw. die Festung Sansibars wurden Punkt 9.00 Uhr aus den Geschützen der Kriegsschiffe beschossen. Die Granaten schlugen zielgenau ein und die angelandeten britischen Marinesoldaten konnten den Sultanspalast schnell besetzen. Khalids Flucht ins deutsche Konsulat markierte das Ende des nur 38 Minuten währenden Konfliktes. Die ehemalige Sultan und Anführer des Staatsstreiches verblieb bis 1916 im Exil in der deutschen Küstenzone auf dem ostafrikanischen Festland. Admiral Rowson setzte als britischen Strohmann Hamed Ben Mohammed auf den Sultansthron von Sansibar. 1902 folgte ihm sein Sohn Ali Ben Hamed, ein Oxford-Absolvent. Sansibar blieb noch bis 1963 britische Kolonie.
 


Für seinen Sieg über Sansibar wurde er Kommandeur des Order of the Bath und erstes Mitglied des Ordens der Brilliant Star of Zanzibar.

Quellen

Militär&Geschichte, Thema: Kampf über Deutschland, Heft Nr. 63, S. 46, Pabel-Moewig Verlag GmbH.
Jan von Flocken, 111 Geschichten zur Geschichte: Von Nofretete bis Evita Peron, Homilius; Auflage: 1., Aufl. (April 2009).

http://de.wikipedia.org/wiki/Britisch-S ... cher_Krieg
http://www.welt.de/kultur/history/artic ... eiten.html
http://wissen.de.msn.com/bilder.aspx?cp ... 556&page=5




Autor: Freiherr von Woye