1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.86 (7 Votes)

Das Thema

Die Atomforschung Deutschlands
Hitlers Wunderwaffen im Zweiten Weltkrieg

 

 

 

"Das Deutsche Reich stand kurz davor, den Wettlauf um die erste einsatzfähige Atomwaffe zu gewinnen"
(Aus dem Buch "Hitlers Bombe" des Berliner Historikers Rainer Karlsch)


 

 

Vorwort

Vorwort

 

Die Frage die sich als erste in diesem Bericht stellt ist: Gab es eine deutsche Atombombe?

 

Nicht nur der Berliner Historiker Rainer Karlsch, sieht in seiner Neubetrachtung die Gefahr einer deutschen Atombombe im zweiten Weltkrieg in einem ganz neuen Licht. Die Deutschen waren nahe dran und der amerikanische Historiker Mark Walker, ein international anerkannter Experte für die Nuklearwaffenentwicklung in der Zeit des Nationalsozialismus, erkannte der Arbeit dessen Bedeutung und Richtigkeit der Aussagen zu. Doch gibt es auch gegenteilige Meinungen, zum Beispiel von dem führenden Wissenschaftshistoriker Armin Herrmann, einem ausgewiesenen Experte für die Atomexperimente der Nazis und Einstein-Biograf. Die Abhörprotokollen der beteiligten Wissenschaftler weisen schlichtweg in eine andere Richtung und stehen somit im krassen Gegensatz zu den Funden eines Rainer Karlsch, der mit einem Original Patent und Schriftstücken aufwartet, die genau diese von den Wissenschaftlern verneinten erfolgreichen Tests belegen sollen. Er gibt allerdings zu, dass eine "schmutzigen Bombe" durchaus in den Händen deutscher Wissenschaftler sich befanden und auch erfolgreich getestet worden sind. Also doch eine deutsche Atombombe? Eher nicht, weil der Sprengstoff um der "Bombe" viel größer und somit eine reine nukleare Reaktion kaum möglich gewesen war - nach belegten Skizzen und Aussagen der damals Beteiligten. Er bezeichnet eine solche Bombe nicht als "Wunderwaffe", sondern eher als ein neue Art von Bombe an der Front, die punktuell hätte eingesetzt werden können, aber kein Vergleich mit den Nachkriegsentwicklungen während des Manhattan Projektes oder den jeweiligen Pendants darstellte.
Fakt ist, dass das Kapitel deutscher Wunderwaffen wieder um eine Perspektive reicher und vor allem das Thema Atombombe noch lange nicht vollständig geklärt ist. Auch aus diesem Grunde, soll hier die Thematik noch einmal aufbereitet, erklärt und in Zusammenhang gebracht werden.

 

Wieso ist es wichtig, ob es eine deutsche Atombombe gewesen ist?

 

Mehner: Es geht grundsätzlich um die historische Wahrheit. In den bisherigen Darstellungen haben die Amerikaner aufgezeigt, dass sie in Konkurrenz mit oder in Furcht vor einer deutschen Atombombe eine eigene Entwicklung - das „Manhattan Project“ - anlaufen ließen. Sie haben zwei verschiedene Waffensysteme gebaut, eine Plutonium- und eine Uranbombe, und als dann Deutschland erobert wurde, hat die ALSOS-Mission festgestellt, dass hier angeblich nichts gelaufen ist. Die deutschen Forscher sind sozusagen in die zweite Reihe geschoben worden. Nun frage ich mich aber, wieso man sich nach 1945 so sehr für deutsche Experten interessiert hat, wenn die doch angeblich so wenig gewusst haben. Wenn sich herausstellen sollte, dass das Dritte Reich die Atombombe besessen hat, tauchen natürlich eine ganze Reihe von Fragen auf. Warum, zum Beispiel, ist sie nicht eingesetzt worden?
 

(Ausschnitt aus einem Interview (03/02 11. Januar 2002) der Jungen Freiheit mit Thomas Mehner - Das Geheimnis der deutschen Atombombe, Im Kopp-Verlag (Rottenburg) 2001)

 

Otto Hahn

Otto Hahns Entdeckung

 

Es war kurz vor Weihnachten 1938, als Otto Hahn, mit seinem Assistenten Fritz Strassmann, am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie (KWI) versuchte durch Beschuss Urans mit Neutronen, Radium zu erzeugen. Aber er enthielt kein Radium, sondern er spaltete die Uranatome in zwei Teile und es glang ihm damit einen wissenschaftlichen Durchbruch. Hahn konnte dies kaum glauben und schrieb deshalb an seine ehemalige Mitarbeiterin Lise Meitner, die aus Deutschland fliehen musste, und bat in dem Brief um ihre Meinung. Sie diskutierte darüber mit ihrem Neffen Otto Frisch und dabei kamen sie auf das Tröpfchenmodell des Atomkerns. Dieses besagt, dass schwere Kerne sich ähnlich wie Flüssigkeitströpfchen verhalten, also sich wie ein mit Wasser gefüllter Luftballon dehnen und stauchen lassen. Nach Bohrs Theorie musste jeder dieser Tropfen eine Oberflächenspannung haben, damit der Atomkerne stabil blieb. Meitner und Frisch kamen nun auf die Idee, dass in einem besonders schweren Atomkern, wie der des Urans, aufgrund der zunehmenden Ladung die Oberflächenspannung herabgesetzt sein müsste. So reichte ein einzelnes Neutron aus um den Atomkern zu spalten. Sie kamen ebenfalls darauf, dass beide Bruchstücke des Atoms nun 1/5 eines Protons wiege. Der Rest hat sich schlicht und ergreifend in Energie verwandelt. Demnach erzeugte ein einziges Atom bei einer Spaltung ca. 200 Millionen Elektronenvolt (MeV) – ein sehr hoher Wert. Hahn und Strassmann veröffentlichten am 6.Januar 1939 ihre Ergebnisse.
Die Entdeckung der Kernspaltung und der daraus folgenden Energiefreisetzung, führte gleich zu der Annahme, dass man damit Bomben bauen konnte. Daraufhin übernahm das Heereswaffenamt (HWA) weitere Forschungen in dem Gebiet der Atombombe, desweiteren wurden Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Firmen, in der Forschung herangezogen.
Die Leitung der Forschungsabteilung des HWA hatte Ministerialdirigent Professor Erich Schumann, seit 1934, inne. Die Forschergruppe des HWA wurde Uranverein genannt und die Mitglieder entzogen sich dadurch den Fronteinsatz. Mitglieder des Uranvereins waren, Otto Hahn, Hans Geiger, Werner Heisenberg, Paul Harteck, Georg Stetter, Gerhard Hoffmann, Walther Bothe, Josef Mattauch und Siegfried Flügge. Die erste Sitzung des Uranvereins fand am 16.September 1939 statt und wurde von Walter Basche eröffnet.

 


Otto Hahn

 

Der Uranverein


Der Uranverein besaß keine feste Struktur. Das Leitinstitut war, seit Januar 1940 das KWI, vom Heereswaffenamt in Dienst gestellt, in Berlin. Als modernstes Institut in Deutschland, verfügte es über ein Kältelaboratorium, mehrere Röntgenanlagen und eine Hochspannungsanlage. Jedoch wurden nach der Gründung des Uranvereins eine Vielfalt der Arbeitsgebiete eingeschränkt, ohne das es zu einer ausschließlichen Konzentration auf die Kernphysik kam. Anders als später in den USA oder der Sowjetunion entstand in Deutschland nie ein geschlossener Atomforschungskomplex und so gab es mehrere Forschergruppen im ganzen Land. Im Juli 1940 begannen die Planungen für den Bau eines hölzernen Laborgebäude, auf dem Grundstück des KWI für Biologie, neben dem KWI für Physik. Der Deckname des Gebäude war „Virushaus“ und es wurde im Oktober desselben Jahres fertig gestellt. Hinter dem Gebäude wurde eine ca. 2 Metertiefe Grube ausgemauert, worin ein Reaktorgefäß aufgenommen und mit Wasser gefüllt werden konnte. Es ist zwar verwunderlich das die Reaktorversuche mitten in Berlin durchgeführt wurden, aber in den USA war dies nicht anders. Dort wurde auf einem Sportgelände in Chicago, der erste Versuchsreaktor gebaut. Für den Uranverein arbeitete auch das KWI für Chemie, unter der Leitung von Otto Hahn.

Atomkeller-Museum

Das Atomkeller-Museum in Haigerloch dokumentiert seit 1980 vor allem die letzte Phase der deutschen Atomforschung im Zweiten Weltkrieg, als die Versuchsanlagen aus dem bedrohten Berlin dorthin verlegt wurden. Eine Sonderausstellung, die derzeit im Deutschen Museum zu sehen ist, zeigt ausgewählte ehemalige Geheimdokumente, die sich seit 1998 in seinem Archiv befinden. Eine große Auswahl ist auch im Internet als Scans verfügbar.

Atomtheorie

Theorie für Reaktor und Bombe

 


 

Am 26.September 1939 fand das zweite Treffen des Uranvereins in Berlin statt. Heisenberg erhielt den Auftrag, die Theorie der „Uranmaschine“ zu entwerfen. Durch verfügbare Daten errechnete Heisenberg wie sich bestimmte Mengen Uranoxyd mit unterschiedlichen Moderatoren verhält. Laut Heisenberg war der sicherste Weg, eine Uranmaschine zu bauen, ihn mit U235 anzureichern. So höher man das Uran anreichert, so kleiner müsste die Maschine gebaut werden.
Heisenberg sagte dazu: „Sie, die Anreicherung von U235, ist ferner die einzige Methode, um Explosivstoffe herzustellen, die die Explosivkraft der bisher stärksten Explosivstoffe um mehrere Zehnerpotenzen übertreffen.“ Für die Energiegewinnung war aber auch das normale Uran geeignet, sofern man es mit anderen Substanzen verband, was die Neutronen verlangsamte, ohne sie zu absorbieren. Dafür wurde ein Moderator mit wenig Atomgewicht gebraucht, dabei schloss Heisenberg Wasser aus, aber nannte schweres Wasser oder reinen Kohlenstoff vor.
Das größte Problem war die Frage, wie eine Kettenreaktion durch langsame Neutronen stabilisiert werden könnte. Dafür fand Heisenberg Anfang Dezember 1939 die Antwort. Er unterrichtete Bagge, dass der Wirkungsquerschnitt abnehmen müsse, sobald die Temperatur im Reaktor steigt. Laut Heisenberg waren 800 °C nötig, damit der Reaktor sich selbst stabilisiert. Im Frühjahr 1940 übergab Heisenberg dem HWA eine aktualisierte Fassung, in dieser wurde aber nicht mehr von Bombenmaterial gesprochen. Die Forscher des Uranvereins wurde bewusst, dass das Ausgangsmaterial für einen Reaktorbau fehlte. Schweres Wasser gab es in nennenswerten Mengen nur in Norwegen. Uranverbindungen standen, nach dem Münchener-Abkommen, zur Verfügung, mussten aber erst zu hochreinem Material verarbeitet werden. Graphit war als Moderator doch nicht, wie zuerst angenommen, geeignet. Heisenberg schrieb dies in einen zweiten Bericht und nahm die weitere Entwicklungsrichtung vorweg. Nun sollte ein Schichtenreaktor aus Uranoxyd und schwerem Wasser gebaut werden.

 

 

Werner Heisenberg

 

Die Forschungsgruppe des Heeres in Gottow



Kurt Diebner baute schon einige Monate vor seiner Übernahme der Geschäftsführer des KWI für Physik im Januar, ein kernphysikalisches Referat in Gottow auf. Er und auch Schuhmann wollten sich ihren militärischen Vorgesetzten als Förderer der Atomphysik präsentieren, um eine eigene Forschungsstelle zu errichten. Die Forschungsstelle wurde am Rand des Artillerieschießplatzes Kummersdorf, nahe Gottow, angesiedelt. Dort war die Abteilung Wa F I (Physik) ansässig. Dieser unterstanden das Referat I a (Atomphysik), unter Kurt Diebner, und I b (Sprengphysik/Hohlladungen), unter Wajther Trinks mit jeweils 10 Mitarbeitern. Anders als der Uranverein, waren in Gottow keine erfahrenen Wissenschaftler, sondern junge und nationalsozialistische Wissenschaftler, die alle in der NSDAP oder einer ihrer Strukturen bzw. Zweigorganisatioen waren verankert. Dabei musste Diebner auch mit einem geringen Etat auskommen. Der erste Physiker an der Heeresversuchsanstalt war Friedrich Beckei, der seit Mai 1937 Mitglied der NSDAP und der SS war. Alle weiteren Mitarbeiter kamen direkt nach dem Kriegsausbruchs hinzu, auch Werner Czulius, der im Dezember 1938 bei Georg Stetter promoviert hatte. Dazu kam der Astronom Georg Hartwig. Der Physiker Walter Herrmann wurde im Oktober 1939 nach Gottow geholt und war der dritte Physiker im Team. Diebner versicherte sich neben den festangestellten, auch auf Unterstützung von externe Forscher. Dabei war Pose bis Ende 1942 der wichtigste Ideengeber der Forschungsgruppe. Ende 1940 bewirkte Diebner die Freistellung vom Truppendienst für Ernst Rexer, der im Oktober 1939 einberufen wurde. Die erste Handlung in Gottow war der Bau eines Neutronengenerators und darauf folgten die ersten Reaktorexperimente. Allerdings hatte die Forschungsgruppe nicht die Ressourcen oder das Geld um alle Arbeiten selbstständig zu führen. Vor allem aber fehlten theoretische Physiker, die die Versuchsergebnisse auswerten konnten. Dieses Problem löste Diebner mit seinem Einfluss als Geschäftsführer des KWI für Physik. Er stellte der Forschergruppe in Gottow einfach Wissenschaftler des KWI an die Seite.
Noch wichtiger waren aber die Expertisen, die von anderen über die Gottower Experimente verfasst wurden. Darunter waren auch Heisenberg und Weizsäcker, die mit der Auswertung der Gottow-Versuche beauftragt waren. Wobei Weizsäckers Assistent Karl-Heinz Höcker Größenteils damit beauftragt wurde. Dabei muss aber gesagt werden, dass die Gottowergruppe keineswegs autark arbeitete. Diebner hielt lieber die wichtigsten Informationen zurück. Ab 1943 stellte sich heraus, dass in Gottow eine Leistungsfähigere Gruppe war, als die Gruppe um Heisenberg.
 

 

Reaktorversuche

Reaktorversuche

 

 

Von Kriegsbeginn bis Ende 1940, verfasste der Uranverein 65 Berichte, wovon die meisten theoretische Arbeiten über die Konstruktion eines Uranreaktors dokumentierte. Dabei berechneten Carl Friedrich von Weizsäcker, Karl-Heinz Höcker und Paul O.Müller die entscheidenden Theorie der Konstruktion. Sie rieten zu einem im Frühjahr 1940, zu einem Schichtenreaktor aus Uranoxyd und schwerem Wasser zu bauen. Als Reflektor könnte gewöhnliches Wasser oder ein Mantel aus Graphit verwendet werden. Uranoxyd war knapp und so wandte sich das HWA Ende 1939 der Berliner Auergesellgeschaft zu und gab die Herstellung von einer Tonne sehr reinen Uranoxyds in Auftrag. Darauf wurde Uranoxyd nur noch „Präparat 38“ genannt. Paul Harteck schloss aus Heisenbergs Vermutung, dass hohe Temperaturen Kettenreaktionen abdämpften, d.h. den Umkehrschluss das niedrige Temperaturen diese begünstigten. Im April 1940 skizzierte er dem Forschungsdirektor des Ammoniakwerkes Merseburg (Leuna), Paul Herold, seine Idee eines Versuchsreaktors. Harteck wollte Uranoxyd in Trockeneis einbetten und in der Mitte eine Neutronenquelle platzieren. Herold bot an das Trockeneis kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Allerdings sollten die 180 Kilo Uranoxyd nicht reichen und die Messungen zeigten keine Neutronen Vermehrung auf. Wäre dieser Versuch geglückt, wäre dem Deutschen Reich bereits im Sommer 1940 ein Durchbruch gelungen. Allerdings verzichtete man auf Steuerungsvorrichtungen und so war es Hartecks Glück, dass der Versuch scheiterte.

Während man den theoretischen Teil beim ersten Reaktortest übersprang, wurde das Ausgangsmaterial in der Theorie bestimmt. Die Frage ob man Schweres Wasser oder doch Graphit verwenden sollte blieb lange offen. Man wusste zwar, dass schweres Wasser besser geeignet war, aber die geringe Produktion der Norsk Hydro machten eine Suche nach Alternativen erforderlich. 1941 konnten die Anlagen in Norwegen nicht mal eine Tonne schweres Wasser produzieren – so hätte der Uranverein Jahre bis zum nächsten Test warten müssen. Bothe und Jesen untersuchten in Heidelberg, in wie weit man Graphit als Moderator verwenden konnte. Bothe stand beim erst Versuch nur unreines Material zur Verfügung, aber er dachte das reineres Material zu besseren Ergebnissen führen würde. So reichte ihm bereits diese These, um einen Versuch zu starten. Darin Unterschied er sich drastisch von Heisenberg, der immer theoretische Klarheit wollte. Bothe forderte sofort eine Maschine aus Uran und Graphit zu bauen. Bothes Vorschlag zielte in den richtigen Weg, aber Heisenberg lehnte ab. Bothe, der als Bester Experimentalphysiker des Landes galt, und Heisenberg, der als König der Theorie genannt wurde, waren für den Posten des Direktors des KWI für Physik in Berlin im Gespräch. Graphit konnte für den Reaktorbau nicht verwendet werden, da die deutsche Industrie es nicht in höchster Reinheit herstellen konnte. Dazu kommt das Graphit für die Raketenforschung vorgesehen war – eine Forschung die Parallel lief und für die Atomforschung eine sehr wichtige Rolle spielen sollte.


(Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5)

 

Der Reichsforschungsrat übernimmt, aber Diebner ist besser

 

Am 1.Juli 1942 wurde der Vertrag zwischen dem HWA und der KWG aufgehoben, das KWI für Physik stand damit wieder unter der Kaiser-Wilhelm Gesellschaft. Der Vorsitz des KWI wurde aber schon einige Monate später besprochen. Dabei waren Schuhmann und Heisenberg die heißesten Kandidaten. Hahn, Laue und Harteck setzten sich beim Generalsekretär des KWG für Heisenberg ein. Nach vielen Manövern hinter den Kulissen fiel die Entscheidung auf Heisenberg. Nach dem Rückzug des HWA musste der Uranverein zum Reichsforschungsamt wechseln. Nun war eine zweite wichtige Personalentscheidung zu treffen, wo sich das KWG allerdings nicht durchsetzen konnte. Als Leiter wurde Abraham Esau eingesetzt. Esau setzte ein neues, strenges Arbeitsprogramm ein. Er wollte den Wirkungsgrad der Reaktorexperimente verbessern. Es gab zwar nicht viel zu verteilen, aber dafür konnte er auf bemerkenswerte Fortschritte bei den Reaktorversuchen setzen. In Leipzig und Gottow hat sich 1942 einiges getan. Im vierten Leipziger Versuch traten mehr Neutronen aus der Oberfläche des Meilers aus, als durch die Neutronenquelle emittiert wurden. Döpel berechnete die Neutronenvermehrung auf 13%. Dies war ein großer Durchbruch in der deutschen Kernwaffenforschung. Dann ereignete sich allerdings ein Unfall. Aus einer der Kugeln, die im Wasserbehälter eingetaucht waren, entwich Luft. Es war Wasserstoff der durch eine Chemische Reaktion durch Uranmetall und Wasser entstand. Kurz darauf flog der Versuchsreaktor in die Luft und warf den gesamten Durchbruch des Uranvereins zurück. Döpel konnte allerdings schnell genug hinausrennen.

Die Uranmetall Produktion Deutschlands erreichte 1942 ihren Höhepunkt und sank danach ab. Die USA und die Sowjetunion konnten nichts vergleichbares aufstellen. Diebner wollte so schnell wie möglich einen Reaktor bauen und zum Laufen bringen. Beim KWI setzte man metallisches Uranpulver ein und verbrauchte einen großen Bestand an Uranoxyd. Diebner allerdings setzte das was seine Kollegen ihm übrig ließen für seinen ersten Versuch in Gottow (GI) ein. Er besaß zwar kein schweres Wasser, setzte aber Paraffin ein. Man setzte Uranwürfel ein, die nicht nur zwei- sondern dreidimensional von der Bremssubstanz umgeben waren. Bamag-Meguin lieferte einen 2,5 Meter hohen und 2,3 Meter breiten Aluminiumkessel. Dieser musste Schicht für Schicht aufgefüllt werden. Eine Schicht Paraffin wurde um ein Gitter aus Holzwürfeln gegossen. Nach dem das Paraffin erstarrt war, wurden die Holzwürfel entfernt und die Formen mit Uranoxyd aufgefüllt. Der Kessel stand in einem vier mal vier Meter großen Betonquader der mit Wasser als Reflektormantel gefüllt war. GI ergab die höchste Neutronenausbeute aller Versuche mit Uranoxyd. Das GII wurde mit schwerem Wasser, was Heisenberg zur Verfügung stellen musste, durchgeführt. Dieses wurde im Kälteraum der Chemisch-Technischen Reichsanstalt (CTR) in Berlin bei einer Temperatur von zwölf bis vierzehn Grad minus durchgeführt. Es war zwar keine praktisch brauchbare Vorrichtung, aber man erzielte, im Frühjahr 1943, 150% mehr Neutronenvermehrung als der beste Leipziger Versuch.

 


Kurt Diebner

Kernwaffentests

Der Kernwaffentest auf Rügen

 

Bekanntlich hielt Hitler nichts von der Einsteinschen Physik, weil er sie, da vom „jüdischen Geist“ ersonnen, für irrelevant ansah. Außerdem wurden die meisten Atomforscher als Soldaten an die Front geschickt. Wie sollte unter solchen Bedingungen ein deutsches Atom-Projekt entstanden sein?

Mehner: Ja, das ist schon problematisch. Hitler hat in der Tat gesagt, daß er mit der „jüdischen Physik“ - er meinte damit Einstein - nichts zu tun haben wolle. Er hat auch Atomphysiker an die Front geschickt. Nach neuesten Erkenntnissen hat der Minister der Reichspost, Dr. Ohnesorge, schon früh erkannt, daß die Atomtechnologie auch seinem Ministerium weiterhelfen kann; er hat 1942 ein Papier verfaßt, in dem er darauf hinweist, daß die Amerikaner die Atomforschung vorantreiben, und daß es sich Deutschland nicht leisten könne, auf dem Gebiet zurückzustehen. Es ist auch bekannt, dass Ohnesorge bei Hitler gewesen ist, und der hat daraufhin gesagt, „jetzt will mir schon die Reichspost was von der Atombombe erzählen“. Nach diesem etwas unglücklichen Ausgang der Unterredung ist Ohnesorge zu Himmler gegangen, und dieser hat ihn mit offenen Armen empfangen. Nachdem, was wir heute wissen, ist die Grundlagenforschung der Atombombe von der SS und der Reichspost betrieben worden.

 

(Ausschnitt aus einem Interview (03/02 11. Januar 2002) der Jungen Freiheit mit Thomas Mehner - Das Geheimnis der deutschen Atombombe,Im Kopp-Verlag (Rottenburg) 2001)



Hitler war nie von der Physik begeistert, er verabscheute sie als Wissenschaft, die vor allem von Juden geprägt wurde. Nach der Kriegswende im Winter 1942 setzte er aber immer mehr auf die Atomphysik um den Endsieg noch zu erreichen. Der Begriff Wunderwaffe, im Bezug auf die Atombombe, wurde von Dr. Joseph Goebbels sehr oft in der Wochenschau propagandistisch, aber ohne es genau zu schildern, benutzt. Gerlach, der neue Chef des Uranvereins, förderte die thermonuklearen Reaktionen bei den Waffenämtern von Marine, Luftwaffe und Heer mit allen Mitteln, so auch bei den Reaktorexperimenten. So kam es dazu das weiterhin kein gebündeltes Team an den Nuklearen Hohlladungen arbeitete, sondern wieder Parallelarbeiten. Die Hohlladungen sollten den großen Durchbruch für die Atomforschung des III. Reiches sein, was sie auch wurde. Der Italienische Autor Luigi Romersa wurde von Mussolini nach Deutschland geschickt, da dieser Beweise für die von Hitler versprochene Wunderwaffe wollte. Romersa sollte bei einem Atombombentest auf Rügen teilnehmen und dem Duce Bericht erstatten. Am 6.Oktober 1944 wurde er zu Goebbels gebracht, der ihm von der Wunderwaffe erzählte und ins Schwärmen geriet. Goebbels sagte das die „Bombe“ in 6-8 Monaten einsatzbereit wäre – eine Schätzung die man als realistisch sehen kann. Einen Tag nach dem Treffen mit Goebbels war Romersa in Rastenburg. Ob Hitler etwas über den Test der Fusionsbombe wusste ist nicht klar. Jawohl Fusionsbombe - 8 Jahre vor dem ersten Test der Fusionsbombe der Amerikaner, auf dem Bikini Atoll testeten die deutschen Wissenschaftler Hitlers die erste Fusionsbombe. Allerdings ist diese Bombe in keinster Weise mit der der Amerikaner zu vergleichen – nicht einmal mit der Hiroshimabombe. Die Waffe baute zwar auf die Fusionsbombe und war auch eine, die Explosionskraft war aber mit der einer schmutzigen Bombe vergleichbar. Der Autor Rainer Karlsch widerspricht sich hier zwar in verschiedenen Ausführungen, aber legt mit seinen Ausführungen die Fortschrittlichkeit der deutschen Entwicklungen dar. Ob es eine Fusionsbombe war, wird von vielen Historikern stark verneint. Fakt ist, die theoretischen Voraussetzungen waren gegeben, aber die Umsetzung hätte nur schwer klappen können - stichhaltige Fakten gibt es nicht! Romersa wurde am 12.Oktober von Berlin nach Peenemünde gebracht. Das Gelände für den Test war die Halbinsel Bug, voller Vegetation und Häusern. Die Bombe stand auf Pfählen mitten im Testgebiet. Später wollte man die Bombe mit dem Flugzeug abwerfen, sobald diese so weit wäre. Romersa stand in einem Betonunterstand der mit einem Sichtfenster aus dicken Glas versehen war. Bei der Explosion der Bombe, gab es auf Rügen starke Erdbeben, sowie einen hellen Lichtblitz. Kurz darauf erschien vor ihm eine hohe Rauchwand. Romersa verstand zwar kein Deutsch und hatte auch keinen Dolmetscher, aber das Wort „Zerlegungsbombe“ merkte er sich gut. Nach 4 Stunden warten, konnten sie das Gelände betreten und sahn aufgespaltene Bäume und zerstörte Häuser vor sich – wenn von denen überhaupt was übrig blieb. Der Test wurde vom Marine Waffenamt, durchgeführt. Kurz darauf übernahm die SS das Atomforschungsprojekt. Hans Kammler, der Verantwortliche für die V2 Waffen, bekam nun auch das Kommando über die Kernwaffen. Er sollte beide Projekte, nach Empfehlung Werner von Brauns, kombinieren und auf die Forschung der V2A10 Rakete gesetzt haben.
 



 

Die Kernwaffentests in Thüringen



Während die Verlagerung von Stäben, Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen vorangingen, bereitete die SS den Truppenübungsplatz Ohrdruf für einen speziellen Waffentest vor. Am 2.November 1944 besuchten Himmler, Kammler und Oberst Gustav Streve den Truppenübungsplatz und die Baustelle SIII, so der Tarnname des Stollensystems im Jonastal. Die logistischen Vorbereitungen des Test machte die SS, wobei Kammler die Leitung hatte. Am 3.März 1945 trafen sich eine kleine Gruppe von SS-Offizieren und Zivilisten am nördlichen Rand des Geländes, darunter Kammler, Gerlach und Diebner. Gegen 21:20 erhellte ein greller, innen Rötlicher und außen gelblicher Lichtblitz, die Landschaft. Viele Einwohner klagten noch Tage später über Nasenbluten, Kopfschmerzen und Übelkeit. Mitten im Test waren KZ-Häftlinge aus Buchenwald, deren Körper verbrannt oder nur teilweise noch vorhanden waren. Männer der Schachtbaufirma Brüx in Ohrdruf mussten die Leichen aufeinander stapeln und verbrennen. Beim zweiten Test waren mehrere Häftlinge weiter vom Explosionsort entfernt und kamen halb verbrannt auf SS-Aufseher zu. Diese wurden danach ebenfalls verbrannt. Der zweite Test hatte weniger Sprengstoff und weniger Radioaktivessmaterial in sich und war eher eine schmutzige Bombe, während der erste Test den Fusionsbombentest in Rügen überbot, und kam dabei aber immer noch nicht an die Hiroshimabombe heran. Weitere Tests wurden nicht mehr gemacht und durch die schwache Deutsche Wirtschaft 1945, konnte der Bau von Atombomben nie beginnen. Hätte man die Front von März bis Juni 1945 halten können, hätte man wohl Atombomben einsetzen können und dabei noch durch die hohe Konzentration der Alliierten ( Westfront in den Ardennen und Holland, Ostfront in Polen) einen hohen Wirkungsgrad erreicht. Bisher ging man davon aus, dass Deutschland weit hinter den Amerikanern war, aber in Wirklichkeit war man ihnen in der Atomforschung ca. 2 Monate voraus und speziell bei der Fusionsbombe sogar um 8 Jahre.

 

 


(Skizzen und Entwürfe zur Atombombe - Herkunft nicht bestätigt)

 

 

Am 4. März 1945 soll auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf/Thüringen eine Atombombenexplosion stattgefunden haben. Warum kann man nicht die üblichen Folgen einer solchen Explosion feststellen, wie z. B. Radioaktivität, Missbildungen, Leukämie?

 

Mehner: Man muss sich von der Vorstellung lösen, der Test sei mit einer Waffe im Format von Hiroshima geschehen. Nach Zeugenaussagen war es nur eine kleine Waffe, angeblich eine 100 Gramm Ladung. Natürlich haben mich Physiker angesprochen und gesagt, dass das unmöglich sei. Allerdings gibt es eine wissenschaftliche Arbeit, die eindeutig bestätigt, dass die kleinste Ladung, die man zünden kann, eine 100 Gramm Plutoniumladung ist. Es ist auch logisch, dass, wenn man eine neue Waffe testet, mit kleinen Mengen begonnen wird. Die fertige Ladung für den Bombeneinsatz sollte acht Kilo wiegen. Außerdem haben wir Luftaufnahmen, die das Testgelände vor und nach dem Einsatz zeigen, und da sieht man eine geradezu abrasierte Fläche nach der Explosion. Ich habe sogar den Verdacht, dass der Boden abgetragen wurde. Es gibt Aussagen von im dortigen Umkreis lebenden Menschen, die berichten, dass sie von einem aus dem Ufer gelaufenen Experiment gehört haben; diese Leute hatten Kopfschmerzen, Nasenbluten und andere Symptome, die auf eine leichte Verstrahlung hindeuten, und man erzählte ihnen, es wäre eine Epidemie ausgebrochen. Die Betroffenen wurden, was ebenfalls ungewöhnlich war, von SS-Ärzten behandelt. Was die Radioaktivität anbelangt, so haben oberflächliche Untersuchungen nichts erbracht. Eine Information seitens des Strahlenschutzes hat ergeben, dass nach einer Kleinstexplosion wenig zurückbleibt, weil vor allem kurzlebige Nukleide entstehen. Außerdem hat durch den Unfall in Tschernobyl eine Überlagerung stattgefunden. Aber wir werten gerade Luftbilder aus, um weitere Anhaltspunkte zu finden. Erste Ergebnisse - so viel kann ich schon sagen - sind positiv.

 

 

(Ausschnitt aus einem Interview (03/02 11. Januar 2002) der Jungen Freiheit mit Thomas Mehner - Das Geheimnis der deutschen Atombombe,Im Kopp-Verlag (Rottenburg) 2001)

 


Ein Foto von Hans Kammler

Zum Schluss

Schlussbemerkung

 

Es ist Fakt, dass Deutschland, wie in vielen anderen Wissenschaftsbereichen, in der Kernkraftforschung Ende der 30er Jahre weltweit führend war. Es war deshalb nur logisch, dass das Heereswaffenamt (HWA) schnell das Potential erkannte und vom Antrieb bis zur reinen Zerstörungskraft, sich viele Anwendungsfelder vorstellen konnte. Belegt sind auch, dass neben dem Heer, auch Luftwaffe, die Reichspost und später auch die SS eigene Forschungsanstalten betrieb. Auch "zivile" Stellen um die Degussa, Siemens und AEG waren in die Forschung involviert.
Verwunderlich ist es nicht, dass nach dem Krieg alle beteiligten Wissenschaftler behauptetet wurde, lediglich Grundlagenforschung betrieben zu haben. Man konnte nicht wissen, ob ihr Wissen nicht gegen Sie verwendet bzw. wie tief man durch die Forschung mit den Verbrechen des NS Staates verwickelt werden könnte. Die russischen Archive haben erst vor wenigen Jahren ihre Schätze freigegeben und dort ist Rainer Karlsch auch in diesem Bezug fündig geworden. Wie man diese neuen Funde bewertet steht natürlich auf einem anderen Blatt. Man kann heute keine Kernwaffentest aus dem Jahre 1945 bei Ohrdruff mehr nachweisen und jede Quelle braucht immer auch eine zweite, die ihre Aussagen stützt. Ob die Russen wirklich Strahlung gemessen haben bzw. ihre Geräte einwandfrei funktionierten, hätten nur andere Forscher beweisen können, denn solche Test brauchen immer einen doppelten Boden. Auf dem Papier war Deutschland in vielen technischen Dingen und Waffenentwicklungen weit vorne, doch das Papier war oftmals nicht die Ressourcen wert, die man in den letzten Kriegsjahren noch dafür hätte verwenden können.


Die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt nimmt dazu folgendermaßen Stellung:


Ein wissenschaftlicher Gegenbeweis zum behaupteten Kernwaffentest am Ende des Zweiten Weltkriegs kann aber weder mit dieser noch irgendeiner anderen Stichproben-Analyse erbracht werden. Eine endgültige Bewertung der historischen Zusammenhänge ist damit weiterhin offen.


Die Fehler, Fehlschläge und Probleme sind bestens bekannt: Die Anreicherung von Uran wurde nur zaghaft und in sehr beschränkten Rahmen vorgenommen, die Schaffung von Kapazitäten zur Extraktion von schweren Wasser erfolgte schleppend und wurde im Kriegsverlauf durch den Bombenkrieg erschwert.
Man hatte weder die Anlagen, noch das Material, vor allem in der letzten Phase. Dabei ist die Machbarkeit einer solchen Bombe nie Thema gewesen, dies haben die Forscher um Heisenberg und Hahn schnell erkannt. Die Gerüchte, die über Bohr nach Amerika kamen, sprechen nur von Fehlschlägen und die Sowjets kamen erst nach Kriegsende an die Informationen.

 


(Bis zum Winter 1941/1942 waren die deutschen Forschungsgruppen den britisch-amerikanischen Gruppen ebenbürtig, danach aber fielen sie rapide zurück, da sich das alliierte Forschungsprojekt zu einem Big-Science Projekt wandelte, während das deutsche auf einer Laborebene verweilte.
Nach: Stefan Kugele, Florian Wittemann, Hannes Karger - Mathematik in der Kriegsforschung in Deutschland, Technische Universität München Sommersemester 2003)

 

Wir können heute sagen, dass es Test gegeben hat, ob diese erfolgreich waren aber nicht. Wir wissen, dass Konstruktionen existierten, aber ob diese Konstruktionen von Reaktoren und Bombengestelle wirklich Praxistauglich waren, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Vieles ist nach dem Krieg in Vergessenheit geraten, in Schubladen verschwunden und kann nun nicht mehr rekonstruiert werden. Bei Ohdruff explodierte eine Bombe, dabei starben nachweislich 2 SS-Angehörige und über 100 Zwangsarbeiter. Eine nukleare Reaktion kann nicht 100 Prozentig nachvollzogen werden, nur wenn man die russischen, britischen und US-Archive, d.h. alle vorhandenen Akten auf dieses Basis durchsuchen würden, und mehrere unabhängige stichhaltige Quellen aufspüren könnte, dann hätte man etwas Definitives. In jedem Mythos mag ein Stückchen Wahrheit stecken, aber wie viel Atombombe wirklich existierte, können keine Vermutungen darstellen, sondern die Geduld und das Vertrauen in findige Historiker!

 

Ist das Gerede um die „Geheimwaffen“ nicht ein Propagandatrick gewesen, um die Bevölkerung und die Verbündeten in einem immer aussichtsloseren Krieg bei Laune zu halten?

 

 

 

Mehner: Ich sehe das wirklich so, dass der Einsatz der Waffe kurze Zeit nach dem Zusammenbruch möglich gewesen wäre. Ob sich der Kriegsverlauf dadurch geändert hätte, weiß man natürlich nicht, aber es hätte mit Sicherheit noch mehr Tote gegeben. Selbst amerikanische Quellen geben zu, dass, wenn die Deutschen ein halbes Jahr mehr Zeit gehabt hätten, sie in der Lage gewesen wären, eine ganze Reihe von neuen Luftkampfwaffen einzusetzen. Sogar der Chef des US-Generalstabes, George Marshall, hat Ende 1945 in einem großen Zeitungsartikel den Leuten ganz deutlich gesagt, wie groß die Gefahr gewesen ist.

 

 

(Ausschnitt aus einem Interview (03/02 11. Januar 2002) der Jungen Freiheit mit Thomas Mehner - Das Geheimnis der deutschen Atombombe,Im Kopp-Verlag (Rottenburg) 2001)