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Einleitung

Kyros der Jüngere

(423 v. Chr. - 401 v. Chr.)

Kyros, genannt der Jüngere (um ihn von Kyros II. unterscheiden zu können – nur in griechischen Quellen), (griechisch Κῦρος, persisch ‏کوروش‎, altpersisch Kūruš, babylonisch Kuraš, elamisch Kuraš, lateinisch Cyrus, aramäisch Kureš, hebräisch כורש Koreš), der Sohn des Großkönigs Dareios II. und der Parysatis, war ein Prinz des altpersischen Achämenidenreiches.

Lebenslauf

Sein Leben

Sein Vater war der persische Großkönig Dareios II. Kyros muss kurz nach der Thronbesteigung seines Vaters auf die Welt gekommen sein, da antike Quellen (die allerdings leider unvollständig und bruchstückhaft sind) berichten, dass er bereits ein „Purpurgeborer“, d.h. ein Sohn, der erst nach der Machtübernahme des Vaters auf die Welt gekommen ist, war. Bereits während des Peloponnesischen Krieges diente der (noch sehr) junge Kyros als Karanos (eine Art Oberbefehlshaber) in Kleinasien. Er unterstützte dabei die Spartaner, was maßgeblich zu deren Sieg beitrug.

talesofvalor (nur als kleine Anmerkung) hat geschrieben:(Im Grunde genommen ein Konflikt zwischen Athen [Ἀθῆναι] und Sparta [Σπάρτη], da diese die zwei Konfliktparteien, den Attischen Seebund [Athen] und den Peloponnesischen Bund [Sparta], anführten. Somit nahmen aber insgesamt nahezu alle griechischen Stadtstaaten am Krieg teil. Der Peloponnesische Krieg endete mit der Niederlage Athens und seiner Verbündeten [eben dem Attischen Seebund] und führte zu dem von Sparta dominierten Griechenland der Folgezeit. Der Konflikt dauerte [mit Unterbrechungen] von 431 v.Chr. bis 404 v.Chr., also 27 Jahre. Auch interessant anzumerken ist, dass der athenische Geschichtsschreiber Xenophon [Ξενοφῶν], auf den ich später noch zu sprechen kommen werde, lebenslang, und so auch in diesem Konflikt. Er bewunderte die Härte, Ausdauer und Unnachgiebigkeit der Spartaner, so verfasste er auch eine Biographie über den spartanischen König Agesilaos, dessen Freund er war und an dessen Seite er kämpfte. Wegen dieser "Fraternisierung" mit dem Feind, wurde er für lange Zeit aus Athen verbannt. Trotzdem Xenophon ein Schriftsteller und Gelehrter war [so war er auch ein Anhänger des Sokrates, für den er sogar eine Apologie schrieb {Apologie = Verteidigungsrede; der Originaltitel dieser Apologie ist Απολογία Σωκράτους προς τους Δίκαστας, Apologia Sokratūs pros tūs Dikastas}, nahm er dennoch am Kriegszug des Kyros teil [allerdings in jungen Jahren]. Doch dazu später mehr.)

Als im Winter von 405 v. Chr. auf 404 v.Chr. der Großkönig Dareios II. verstorben war, bestieg des Kyros älterer Bruder Arsakes als Artaxerxes II. den Thron, nachdem sich seine Mutter kurz vor dem Tod seines Vaters vergeblich bei diesem dafür eingesetzt hatte, Kyros als seinen Nachfolger zu bestimmen. Da dies Kyros aber überhaupt nicht recht war, versuchte er, seinen Bruder ermorden zu lassen. Dieser Versuch schlug allerdings fehl, da er von Tissaphernes verraten worden war (dieser sollte ihn noch öfter hintergehen [er nahm dann auch bei der Entscheidungsschlacht an der Seite des Großkönigs teil] - schließlich wurde er nach einer Niederlage von dem Spartanerkönig Agesilaos II. hingerichtet). Dennoch begnadigte Artaxerxes ihn (jedoch vermutlich nur auf Bitten von Parysatis), ja, er setzte ihn sogar wieder als Befehlshaber in Kleinasien ein. Kyros jedoch schmiedete weiterhin Pläne, um doch noch an die Macht zu kommen. So warb er mithilfe einiger seiner griechischen Freunde (Klearchos, Proxenos von Theben, Xenias von Parrhasia [der unter seinem Befehl stand]) ein mehrere tausend Mann starkes (griechisches) Söldnerheer an (laut Xenophon waren es ziemlich genau 10.000), mit denen er im Jahr 401 v. Chr. gegen seinen Bruder Artaxerxes II. zog. Es zogen auch einige Perser mit Kyros (Von Xenophon in seiner Anabasis durchwegs als "Barbaren" bezeichnet - dies mag einem recht befremdlich erscheinen, nicht jedoch, wenn man bedenkt, dass zu jener Zeit, als dieses Werk verfasst wurde, "Barbar(os)" lediglich "ein nicht Griechisch Sprechender" bedeutete. Er versteht es hier also nur bedingt abwertend, aber einfach deshalb, weil die Griechen Griechenland generell als Kulturzentrum betrachteten).

Schließlich kam es im Herbst 401 v.Chr. bei Kynaxa zur Schlacht zwischen Kyros und Dareios, nachdem Kyros mit seinem Heer zuvor bereits wochenlang durch ödes, unfruchtbares Gebiet gezogen war. Obwohl die Übermacht des Dareios dermaßen groß war, dass der Mittelpunkt seiner Linie, in dem er sich befand, sich bereits außerhalb der Schlachtlinie des Kyros (also außerhalb seiner linken Flanke) befand. Doch obwohl der Großkönig sowohl Streitwägen mit an den Seiten befestigten Schwertern (um die Linien der Griechen zu brechen) und seine gewaltige Übermacht einsetzte, konnte sich die griechische Schlachtlinie halten und dem Gegner trotzen. Die Schlacht wogte hin und her, doch schließlich konnten Kyros Söldner die Truppen des Artaxerxes zurückdrängen und besiegen. Allerdings wollte Kyros seinen Bruder in der Schlacht töten, und griff ihn deshalb mit seiner Leibwache an. Bei diesem Angriff wurden sowohl er als auch seine Kavalleristen getötet. So verwandelte sich der taktische Sieg in eine strategische Niederlage, da das griechische Heer nun führerlos war (die einheimischen Soldaten waren bereits geflüchtet).

Rückzug

Der Rückzug der Söldner nach Griechenland

So versuchten die Strategen (Strategos [στρατηγός, pl. στρατηγοί] = Feldherr (Griechisch); entspricht einem heutigen General), ihre Truppen wieder zurück nach Griechenland zu führen. Allerdings wurden sie in einen Hinterhalt gelockt, und von den Persern niedergemetzelt. So war das Heer nun komplett führerlos. Zu diesem Zeitpunkt tritt erstmals der Athener Xenophon (weiter oben bereits beschrieben) auf die Bildfläche; er organisiert die Wahl neuer Strategen und führt die Söldner von Kynaxa in Babylonien bis ans Schwarze Meer. Dort übergibt er sie dem spartanischen Expeditionskorps. Berühmt wurde vor allem der Ruf Θάλαττα, θάλαττα (Thálatta! Thálatta! – „das Meer, das Meer!“), den die Männer ausstießen, als die die Schwarzmeerküste erblickten. Jahre später schrieb Xenophon die Erlebnisse während dieses Zuges nieder; die erste deutsche Übersetzung jener „Anabasis (des Kyros)“ erschien im Jahre 1510 – auch heute ist das Buch noch zu kaufen.

Charakter

Über den Charakter

Xenophon beschreibt Kyros als grundehrlichen Mann, der seine Verträge einhielt; auch als freiheitsliebend. So empfand er laut ihm auch nur Abscheu für Verrat und Intrigen, für alles also, was nicht ehrlich und direkt war. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass Xenophon von Kyros zunächst als Kriegsberichterstatter angeheuert worden war; so lag es eigentlich auch nicht in seinem Interesse, irgendeine führende Rolle zu übernehmen, was er später jedoch tun musste. Auch daher ergriff Xenophon deutlich Partei für Kyros, was man aber auch deutlich erkennen kann (in der Anabasis, da sie das einzige Werk ist, in dem Kyros vorkommt). Xenophon schien zusätzlich aber noch eine gewisse Bewunderung für den jungen Perserprinzen zu empfinden; er schätzte sowohl seine kultivierte Lebensart und Denkweise, als auch eben seine Ehrlichkeit und Geradlinigkeit, die er so überdeutlich heraushebt. Jedoch überspielt er in seiner Euphorie geschickt die Eigenschaften des Kyros, die in sein Heldenbild nicht hineinpassen. So konnte dieser durchaus aus recht intrigant, hinterlistig und berechnend sein (siehe dazu den Versuch, seinen Bruder zu ermorden - dazu schrieb Xenophon, dass ihm dies lediglich angehängt worden sei), wie wir aus anderen antiken Quellen wissen. Xenophon beschreibt ihn jedoch als braven Mann, der mit der (seiner Meinung nach) inkompetenten Regierungsweise seines älteren Bruders nicht einverstanden ist, und nur das Beste für sein Volk will. Insgesamt war Kyros vielleicht zu ehrgeizig und zu skrupellos – es ist also meiner Meinung nach fraglich, ob er einen guten Herrscher abgegeben hätte. Fakt ist jedoch, dass sein Bruder in Punkto ägyptische Freiheitsbewegung (Zu dieser Zeit war eine starke Bewegung in Ägypten vorhanden, wieder unabhängig zu werden – schlussendlich ging Ägypten dann auch verloren; Kyros nützte die Situation aus, und stieß vor, als sich gerade viele der Truppen seines Bruders am anderen Ende des Reiches befanden.) viel zu lasch durchgriff. Daher bleibt es fraglich, wer von der Beiden der bessere Herrscher gewesen wäre. Insgesamt schien er jedoch sowohl bei der Bevölkerung als auch beim Adel recht beliebt gewesen zu sein, was man an seiner langen Regierungszeit (45 Jahre – die längste Regierungszeit seiner Dynastie) und daran, dass er eines natürlichen Todes starb, sehen kann. Er war auch der letzte „große“ König der Achämenidendynastie (diese wurde gestürzt, als sein Nach-Nachfolger, Dareios III., von Alexander dem Großen besiegt wurde). So bleibt es jedem selbst überlassen, wie Artaxerxes II. zu bewerten ist.

Quellen

Anabasis (des Kyros), Xenophon, Reclams Universal-Bibliothek, ISBN 978-3-15-001184-3

Wikipedia Englisch - Cyrus the Younger (Kyros der Jüngere) (Letzter Zugriff 13.02.2011)
Wikipedia Englisch – Strategos (Letzter Zugriff 13.02.2011)
Wikipedia Deutsch – Anabasis (Xenophon) (Letzter Zugriff 13.02.2011)

Autor: talesofvalor