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Das Thema

Helmuth von Moltke

(Helmuth Karl Bernhard von Moltke)

Helmuth Karl Bernhard von Moltke 

 

Kühler Schlachtenlenker und Symbol preußischer Tugenden

Preußischer Generalfeldmarschall

 

Wappen des Grafen von Moltke 

Wappen des Adelsgeschlechts der von Moltkes

 

"Unsere Sache steht gut. Wir werden die Schlacht gewinnen."

General von Moltke zu Bismarck kurz vor der Schlacht von Königgrätz (03. Juli 1866)

Frühe Jahre

 

Erste Jahre

 

Sieht man auf sein Wirken und Schaffen für die preußische Krone, wundert es doch sehr, dass von Moltke nicht von Geburt an Preuße war. Er ist am 20. Oktober 1800 in Dänemark geboren (Holstein) und so eigentlich der dänischen Krone verpflichtet. Sein Vater Friedrich (Phillip Viktor) von Moltke brachte es in der dänischen Armee bis zum Generalleutnant und da war es nur natürlich für den Sohn auch eine militärische Erziehung bzw. Laufbahn zu bestimmen. Kurios war, dass der junge Mann in seiner Ausbildung vor allem in Kriegsführung und Strategie Probleme hatte. Ob der junge Mann damals in die strenge Ausbildung einer Kadettenanstalt gedrängt wurde oder der Tradition freiwillig folgte ist unklar. Moltke beschreibt seine Zeit in der dänischen Militärausbildung als freudlos, streng und veraltet.

 

Erste Stationen

  • Abschluss der Militärakademie und Erhalt des Offizierspatent (1818)
  • Oldenburgische Infanterieregiment zu Rendsburg (1818-1820)
  • Leutnant
  • 8. Infanterieregiment - Leibgarderegiment (1822-1823)
    Leutnant (mit bestandenen preußischen Offiziersexamen)
  • Allgemeine Kriegsschule Berlin (1823-1826)
  • Großer Generalsstab (ab 1832)
  • Beförderung zum Hauptmann (1835)

 

Der Entschluss nach Preußen zu gehen kam bei einem Berlin Besuch im Jahre 1821. Dabei war es auch nicht ungewöhnlich, dass so ein Übertritt in die Dienste eines fremden Staates vollzogen wurde. So wurde der noch junge von Moltke Wahlpreuße und stand damit in der Tradition anderer großer Militärs wie Gneisenau, Blücher und Scharnhorst.
Der damalige Prinz Wilhelm von Preußen war von dem spindeldürren Leutnant aus dem dänischen Königreich so gar nicht angetan. Als "keine gute Akquisition" (Erwerbung) wurde er auf dem Kasernenhof in Frankfurt/Oder beurteilt und so gar nicht passend für das Leibinfanterieregiment seiner Majestät. Sein Leben in der neuen Heimatstadt Berlin ist eher als karg zu beschreiben, zu niedrig waren die preußischen Gehälter für untere Dienstgrade. Doch versah er seinen Dienst auf eine Art, die ihn später auszeichnete und den Ruf preußischer Generäle prägen sollte.

 

“Er sah damals ganz so aus wie später und war ungefähr derselbe. Nie habe ich einen Mann getroffen, der zeitlebens sich so wenig verändert hat wie Moltke.“
"Auf allen Gebieten der gleiche und gleichmäßig, klare, mächtige, aber still dahin gleitende Strom."
(Aussagen eine ehemaligen Studiengenossen an der Kriegsschule)

 

So konnte er auch später in großen Generalsstab seine Fähigkeiten der Beherrschung jeder Lage und Situation anbringen. Seine bisher größten Abenteuer erlebte der junge preußische Offizier in Ägypten, dort wurde er kurzerhand zum Militärberater (1836) ernannt, obwohl nur auf Bildungsreise, sollte er dem Sultan der Türkei, Hilfestellung bei einer Revolte seines Staathalters am Nil, geben. Die Situation der türkischen Armee, die absolut desorganisiert war, schockierte ihn. Seine Empfehlung wurde oft in den Wind geschlagen. So war nicht der Sieg sondern die Niederlage Moltkes ständiger Begleiter an seiner ersten Front.

 

“Disziplin ist die ganze Seele der Armee, wo sie fehlt, wird die Armee zu einer gefahrlosen Institution."
(Moltkes Urteil über die türkische Armee)

 

Diese Einsicht formte Moltkes Charakter wesentlich. Seine ersten Erfahrungen im Gefecht hätten nicht prägender sein können. Von nun an war die taktische und moralische Orientierung von Moltkes klar. Im Dezember 1839 kehrte er wieder nach Berlin zurück und begann seine Karriereweg unter der preußischen Krone.

 

“Ich war wieder in Deutschland, und ich kann sagen, dass mir das eine wahre Freude machte. Man wird ein besserer Mensch und traut auch anderen wieder."

Offizierslaufbahn

 

Karriere eines preußischen Offiziers

 

Karriereweg

  • Adjutant des Prinzen Heinrich von Preußen (1845)
    Major (1842)
  • Generalstabsoffizier im Stab des VIII. Armeekorps in Koblenz (1846)
  • Abteilungsleiter im großen Generalsstab (1848)
  • Chef des Generalstabes des VI. Armeekorps in Magdeburg (1849)
    Beförderung zum Oberstleutnant (1850)
    Beförderung zum Oberst (1851)
  • Adjutant des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen (ab 1855)
    Beförderung zum Generalmajor (1856)
  • Chef des Generalsstab der preußische Armee (1857)
    Generalmajor
    General (1866)

 

Bismarck Roon und Moltke

Bismarck, Roon und Moltke

 

Er arbeitete auf seine Pension hin, kümmerte sich um seine Frau, Kinder und die vielen Nichten und Neffen des Hauses von Moltke. Vor allem aber frönte er den Bildungsreisen, die er so oft es ging unternahm. In jeder freien Minute stillte er seinen Bildungshunger durch Werke des Altertums und der Antike. Er dient beflissentlich als Korpskommandeur und wurde dafür oft gelobt. Sein Vorankommen als Offizier wurde aber durch die Adjutanten Posten bei den Kronprinzen gesichert. Sie kannten von Moltke als vorbildlichen Offizier, Mann mit besonderer Befähigung und vorzüglichen Charakter. So stand Molke nun an der Seite des zukünftigen Kaisers des deutschen Reiches und war an dieser Werdung maßgeblich beteiligt. Dabei blieb das preußische Heer auch nicht stehen. Die Pickelhaube wurde eingeführt, erste Pionier Bataillone ausgehoben und die überalterte Landwehr schied aus der Heeresstruktur vollkommen aus. Dazu kamen das Zündnadelgewehr, Hinterladergeschütze aus gezogenem Stahl, neue Taktiken der Infanterieführung, die blecherne Erkennungsmarke und vor allem neue Trainingsmethoden, die auf Fitness und Einsatztauglichkeit ausgelegt waren.

Moltke erkannt als erste Offizier den inneren Zusammenhang zwischen Kriegsführung und technischer Entwicklung. Sobald der Generalsstabschef geworden war, widmete er sich mit Feuereifer dem Eisenbahnwesen. Er zog nicht nur Technik, sondern auch die Wissenschaften zur Kriegsführung heran. Erkenntnisse von Geographie und Topographie, Statistik und Volkswirtschaftslehre flossen in seine strategischen Entwürfe ein. Dabei entstand der ehrgeizige Plan „getrennte Heeresabteilungen nach einheitlichen Willen gemeinsamen Zielen zu leiten.“ Dabei entstand eine ganz neue, übergreifende Doktrin und macht von Moltke zu modernsten General seiner Zeit. Dabei zählte er zu den gebildetsten Militärs der Geschichte. Fremdsprachen, Veröffentlichungen und übergreifende Studien waren der Zündstoff für seine Genialität.

 

Der General

 

General und Schlachtenlenker

 

So kam es, dass sich Moltke über alle gängigen und gültigen Militärtheorien hinwegsetze. Er ließ ohne Flanken- und Rückenschutz marschieren und konnte so enorme Strecken zurücklegen. Die Anfänge eines Bewegungskrieges waren damit geboren. Schon 1861 hatte Moltke die wesentlichen Funktionen des Generalstabschefs mit der Forderung umrissen, dass er als einzig Verantwortlicher die Operationen führen solle. Seine Begründung ging in die Geschichte ein und stand seitdem für den preußischen Armeegeist.

 

“Man umgebe den Feldherrn mit einer Anzahl von unabhängigen Männern - je mehr, je vornehmer, je gescheiter, um so schlimmer -, erhöre bald den Rat des einen, bald des anderen; er führe eine an sich zweckmäßige Maßregel bis zu einem gewissen Punkt, eine noch zweckmäßigere in einer anderen Richtung aus, erkenne dann die durchaus berechtigten Einwürfe eines dritten an und die Abhilfevorschläge eines vierten, so ist 100 gegen 1 zu wetten, dass er mit vielleicht lauter wohl motivierten Maßregeln seinen Feldzug verlieren wird."
(Rede Moltkes zu anderen Generalen des Generalsstabes)

 

Er plädierte für die Initiative, die flexible Führung einer Armee der Moderne. Revolutionär in seinen Ansätzen und 1866 auch vom König durchgesetzt. damit wurde der Kriegsminister quasi aus der Befehlshierarchie entfernt. Operationen konnten nun schneller, effektiver und von oben geleitet durchgeführt werden. Eine Entwicklung die schnell Früchte tragen sollte. So sollte sich auch Moltkes berühmtestes Zitat in dieser Entwicklung widerspiegeln:

 

“Kein Plan überlebt die erste Feindberührung."

 

Nur die Flexibilität eines Generals kann den Sieg bringen. Ist er starr und in ungelenke Befehlshierarchien eingeengt, kann er nicht reagieren, kann er nicht kämpfen und so kann er auch nicht siegen. Entscheidungen sind der Sieg und nicht die Diskussion über den Weg dorthin. Aus dem durch die Reformen geschaffenen Generalstab wurde zu einem Zentrum des militärischen und auch politischen Einflusses. Dieser gestiegene Einfluss kam in der nach der Reichsgründung erst üblichen Bezeichnung „Großer Generalstab“ erst wirklich zum Ausdruck. So war der Operationsentwurf für den Deutsch-Dänischen Krieg größtenteils sein Werk und seine glänzende strategische Begabung entfaltete sich im Deutschen Krieg vom Sommer 1866. Als frischgebackener General leitete er die Schlacht von Königgrätz und den Vormarsch der Preußen gegen Wien und Olmütz. Als Auszeichnungen für seine Verdienste wurde ihm vom König der Schwarze Adlerorden und von der Nation eine Dotation verliehen. Doch ruhte er sich nicht auf den Lorbeeren eines Feldherrn aus, sondern ging sofort an die Arbeit, seine Armee weiter zu verbessern. Organisation und Taktik der preußischen Armee und Veränderungen bei der Kavallerie und Artillerie waren die Folge.

Für den entschiedenen Kampf gegen Frankreich arbeitete er einen genauen Mobilmachungs- und Feldzugsplan aus. So ließ er die Heeresmassen mit der Eisenbahn transportieren und marschierte für den Feind unerwartet am Rhein mit drei Armeen auf. Die Leitung der Kriegsoperationen übernahm er selbst und imponierte mit seinen Erfolgen vor allem den Monarchen.

 

"Getrennt marschieren, vereint schlagen!"

war Moltkes Maxime und die Siege der deutschen Armeen haben diese bewährt.

 

Feldmarschall

 

Preußischer Feldmarschall

 

 Generalfeldmarschall v. Moltke

Generalfeldmarschall v. Moltke

 

Nach seinen Siegen 1870/71 in den Einigungskriegen wurde der General von Huldigungen und Glückwünschen überrannt. Er wurde dann zum Grafen ernannt und zum Generalfeldmarschall befördert. Seine Bescheidenheit wurde auch bei der Kaiserkrönung in Versaille deutlich. Dort hatte er sich extra die schlichteste Uniform heraussuchen lassen um ja nicht "mehr zu sein als scheinen". 1871 zog Moltke in das neue Generalsstabsgebäude am Berliner Königsplatz ein. Dort prüfte er jede nur mögliche Kriegslage und stellte sich gedanklich auf jedwede Eventualität ein. Dabei setzte seine Ausbildung erstklassig qualifizierter militärischer Fachleute neue Maßstäbe. So organisierten sich die Armeen von Frankreich, Russland und Japan nach dem preußischen Muster - SEINEM Muster.

 

“Jetzt bin ich ganz oben herausgewachsen, vom Glück empor getragen. Wie mancher viel besserer Mann ist untergegangen."

“Der ewige Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein schöner, und der Krieg ein Glied in Gottes Weltordnung."

"Aber glücklicher Verhältnisse können erst eintreten, wenn alle Völker zu der Erkenntnis gelangen, dass jeder Krieg, auch der siegreiche, ein nationales Unglück ist."
"Die Opfer, die der Krieg fordert, sind entsetzlich."

 

Solche Worte finden sich in vielen Schriften Moltkes und beweisen, dass er weder Kriegstreiber noch blutrünstiger Militarist war.

Zum Schluss

 

Schlusswort

 

Mit 80 Jahren ersuchte der greiser Feldmarschall um seinen Abschied beim Kaiser.

 

"Ihre Verdienste um die Armee sind viel zu groß, um jemals, solange Sie leben, an Ihr Scheiden denken zu können. Ihr Rat und ihre Unterstützung sind mir viel zu wertvoll, um mich in das Entbehren derselben finden zu können, solange uns Gottes Willen beisammen hält."
(Antwort des Kaisers Friedrich Wilhelm - Sein Stellvertreter General Alfred von Waldersee war faktisch Leiter des Stabes.)

 

Sein politisches Amt als Reichstagsabgeordneter nahm er genauso ernst wie seinen militärischen Beruf. Er erwies sich als gebildeter Soldat, mit Ehrgefühl und politischer Verantwortung. Bis zuletzt warnte er vor dem Kriege (auch dem kommenden Ersten Weltkrieg) und maß zum Frieden an und nicht zum Kriege, auf ein Deutsches Reich, dass "nicht die Lunte in das Pulverfass schleudert".

 

Am 24. April 1891 starb Helmuth von Moltke. Er entschlief unbemerkt auf einem Lehnstuhl im Nebenzimmer während sein Freund Friedrich August Dreßler ein Klavierkonzert von Mozart auf dem Flügel intonierte.

 

Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Helmuth_Ka ... von_Moltke (Letzter Aufruf 08.11.2009)
http://www.deutsche-schutzgebiete.de/mo ... muth_1.htm (Letzter Aufruf 08.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Moltke_(Adelsgeschlecht) (Letzter Aufruf 08.11.2009)
http://www.w-minkenberg.de/Geschichte/von_moltke.htm (Letzter Aufruf 08.11.2009)
http://www.eslam.de/begriffe/m/moltke.htm (Letzter Aufruf 08.11.2009)

Buch: von Flocken, Jan, Kriegerleben. Helmuth von Moltke, Kai Homilius Verlag/ Berlin 2007.
Buch: Lemm, Heinz Georg, Helmuth von Moltke, in: Grosse Soldaten der europäischen Geschichte, von Groote, Wolfgang (Hrsg.), Athenäum Verlag/Frankfurt a. Main 1961.



Autor: Freiherr von Woye