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Einleitung

Hannibal Barka

חניבעל

 

"Baal ist Gnädig" 

Hannibal in Italien

José Luiz Bernardes Ribeiro / CC BY-SA 4.0

um 568 - 631 Karthagischer Zeitrechnung
um 246 v. Chr. - 183 v. Chr.
um 507 - 570 a.u.c.

 

Hannibal Barkas, großer Feldherr und Anführer und der wohl bekannteste Karthager. Vielen ist seine Legendäre Überquerung der Alpen mit seinen Kriegselefanten bekannt. In die Geschichte gingen die vielen erfolgreiche Schlachten, gegen die eigentlich überlegenen Römer, unter seiner Führung ein. Und doch bedeutete seine einigste Niederlage, die er gegen Rom erlitt, den Untergang Karthagos, der in etwas mehr als 50 Jahren nach dem zweiten Punischen Krieg endgültig wurde.

Jugend

 

Jugend, der erste Punische Krieg und Begleiter in Iberien

 

Hannibal wurde im Jahre 246 v. Chr. geboren, dies entspricht dem Jahr 568 Karthagischer Zeitrechnung und dem Jahr 507 ab Gründung der Stadt Rom. Er hatte zwei jüngere Brüder, zum einen Hasdrubal und Mago sowie zwei Schwestern. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Karthago in seinem ersten Krieg gegen Rom. Hannibals Vater war Hamilkar Barkas, dem Kommandeur der Karthagischen Truppen auf Sizilien und dieses erfolgreich gegen Rom verteidigte. Aber Rom, das zäher und auch opferbereiter war, konnte sich schlussendlich durchsetzen. Über Staatsanleihen finanzierten sie eine neue Flotte, die vorherigem waren vernichtet worden oder im Sturm gesunken und schlug die Karthago bei den Ägadischen Inseln. Daraufhin wurde Hamilkar belagert und das kriegsmüde Karthago war nicht mehr in der Lage ihn ausreichend zu unterstützen und somit den Krieg fortzusetzen. In dem nun folgenden Friedensvertrag verlor die nordafrikanische Stadt Sizilien und kurz darauf auch Korsika wie auch Sardinien. Desweiteren durften sie keinen Handel mit römischen Bundesgenossen mehr betreiben und italienisches Hoheitsgebiet befahren. Dazu kam die Summe von 3.200 Talente, die innerhalb von 10 Jahren an Rom bezahlt werden musste, von denen 1.000 Talente sofort auszuzahlen waren. Hamilkar Barkas, der trotz allem recht erfolgreich war, zog sich daraufhin enttäuscht mit seinen drei Söhnen auf sein Landgut zurück. Dort erhielten Hannibal und seine Geschwister Unterricht von dem griechischen Lehrmeister und Philosophen Sosylos, der sie in Sprachen und Kultur unterrichtete. Dies bedeutet wohl auch, dass Hannibal neben Karthagisch auch Griechisch sprach. Im Hinblick auf sein späteres Leben ist sehr wahrscheinlich, dass er noch mehr Sprachen lernte und fließen sprach, was bei seinen bunt zusammengewürfelten Söldnerheeren auch dringend nötig war.
Doch bald benötigte die Mutterstadt wieder die Dienste seines Vaters. Das riesige Heer der Karthager bestand nämlich aus Söldnern, aber man konnte sie nicht entlohnen, schließlich gingen enorme Summen an Rom. Die Söldner fühlten sich vom Karthagischen Senat betrogen und konnten schon den von ihnen entsandten Hanno der Große schlagen. Dabei ist auch anzumerken, dass Hanno ein Feind des Barkidenclans Hamilkars war, den er vertrat, die reiche Oberschicht Karthargos, während die Barkiden einer erklärten Kriegerkaste stammten. Hamilkar würde seinen Feind auch seinen Söhnen vererben, und dieser sollte nicht unerheblich schuld daran sein, dass seine Söhne, "die Löwenbrut", schließlich alle sterben mussten, zwei im zweiten punischen Krieg und Hannibal der Selbstmord beging. Nun aber befand sich Hamilkar im Kampf gegen die Aufständischen und konnte sie trotz weit unterlegener Verbände blutig aufreiben. Auch auf Sardinien befanden sich karthagische Söldner im Aufstand und Karthago rüstete eine Flotte aus um Sardinien zu befrieden. Rom wertete dies als Bruch des Friedensvertrages, erklärte Karthago kurzerhand den Krieg und besetzte, wie oben beschrieben, Korsika und Sardinien. Die von den blutigen Gemetzeln im eigenen Land geschwächten Karthager mussten hilflos zusehen, wie sich die Römer die beiden verbliebenen Mittelmeerinseln einverleibte. Im Jahr 237 v. Chr. zogen Hamilkar und seine Löwenbrut nach Iberien, um es für Karthago in Besitz zu nehmen. Denn die Großstadt hatte diese Kolonie sehr nötig, denn durch den Verlust der Mittelmeerinseln und den gewaltigen Reparationen stand Karthago kurz vor der Verarmung. Bevor sie jedoch abreisten, besuchte Hamilkar mit seinem ältesten Sohn Hannibal den Tempel des Baal und ließ ihn ewigen Hass auf Rom schwören.


Beaumont-Hannibal-Chambéry

Der Schwur Hannibals zum ewigen Hass auf Rom

 

Hamilkar musste wohl einen starken Hass auf Rom gehabt haben, denn hatten doch die Römer sich aus seiner Sicht als imperialistische, vertragsbrüchige Landräuber erwiesen. Und diesen Hass vererbte er nun auf Hannibal, der als kleines Kind die Taten der Römer miterlebte, und der schwor, niemals ein Freund Roms zu werden. So verließen sie nun Karthago, Hannibal war zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt und würde seine Heimatstadt erst nach über dreißig Jahren wiedersehen. Nun in Iberien angekommen, erwies Hamilkar erneut seine Talente als Feldherr und unterwarf in nur wenigen Jahren die dort ansässigen Iberischen und Kelt-Iberischen Stämme. In einem Feldzug der mit Cäsars Gallienfeldzug verglichen werden kann. Die Gewinne aus den neuen Kolonien sendete der Barkide nach Karthargo, damit man die Reparationsleistungen zahlen konnte, weshalb auch Rom den Eroberungen des Barkiden eher wohlgesonnen war. So begleiteten Hannibal und seine Brüder ihren Vater auf seinen Feldzügen und mussten wohl auch miterleben wie Hamilkar in einem reißendem Fluss ertrank. Seine Nachfolge als Oberbefehlshaber in Iberien trat Hasdrubal der Schöne an. Dieser war ein Schwiegersohn Hamilkars und entstammte aus früheren karthagischen Besitzungen in Iberien. Hasdrubal eroberte Spanien bis zum Fluss Ebro und gründete die Stadt Karthago (Karthago/Qart-ḥadšat bedeutet im Karthagischen Neustadt) und war damit namensgleich mit der Nordafrikanischen Metropole, unter den Römern würde sie Carthago Nova heißen. Hannibal selbst zeichnete sich während der Eroberung Iberiens als Kommandant der Reiterei in mehreren schweren Kämpfen gegen die Stämme aus. In Rom allerdings war man nun aufgrund der karthagischen Expansion im ressourcenreichen Iberien doch misstrauisch geworden und man beschloss dem Eroberungsdrang der Karthager Einhalt zu gebieten. Eine entsandte Delegation brachte in Carthago Nova schlussendlich den Ebro-Vertrag zustande, in welchem die Karthager darauf verzichteten, den nordspanischen Fluss in feindlicher Absicht zu überqueren. Damit glaubte man in Rom die gallische Küstenregion und die Zinnkarawanen aus Gallien genügend geschützt zu haben. Hasdrubal, der weiterhin umsichtig regierte, wurde 221 v. Chr. von einem iberischen Sklaven ermordet. Warum genau er dies tat ist nicht überliefert.

Erste Erfahrungen

 

Kommando in Iberien und Beginn des zweiten Punischen Krieges

 

"Nie hat ein und der selbe Charakter diese beiden gegensätzlichen Eigenschaften, Gehorchen und Befehlen, besser in sich vereint."
lat.: "Nunquam ingenium idem ad res diversissimas, parendum atque imparandum, habilius fuit."

Titus Livius "ab urbe condita", Buch 21, 4

 

Für die Armee war daraufhin klar wer der Nachfolger von Hamilkar und Hasdrubal werden solle, nämlich Hannibal, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünfundzwanzig Jahre alt war. In Karthago aber war dies nicht so klar, die Opposition gegen den Barkiden wurde von Hanno dem Großen geführt. Man befürchtete, dass Hannibal eine absolute Herrschergewalt anstreben könnte. Die Barkidenpartei unter Bomilkar konnte sich allerdings durchsetzen und Hannibal wurde in seinem Amt als Stratege bestätigt. Hannibal läutete seine Zeit als Feldherr mit einem Feldzug gegen die Iberischen Stämme ein, in der er bei der Schlacht am Tajo auch schon einen ersten großen Sieg feiern konnte. Kurz darauf stieß er zu der Stadt Saguntum (heute Sagunt, Phön. Zakhanta), die ihm jedoch eine Unterwerfung verweigerten. So entschied sich Hannibal die Stadt zu belagern, was jedoch den Zorn Roms hervorrief, denn sie waren mittlerweile die Schutzherren dieser Stadt geworden. Im karthagischen Senat erhoben sich auch sogleich wieder Proteste gegen ihn, so berichtet der Römer Titus Livius dazu; "Hanno sprach vor dem Senat als einziger für den Vertrag und alle Zuhörer schwiegen. Bei den Göttern, den richtenden Zeugen der Verträge, beschwor er sie, keinen Krieg gegen Rom durch einen Krieg gegen Sagunt zu entfachen. Er habe sie ja ermahnt und früh genug gewarnt, sie sollten Hamilkars Spross nicht zum Heer entsenden." Die Forderung von römischen Gesandten, die Belagerung einzustellen, lehnte Hannibal damit ab, dass Sagunt südlich des Ebro lag und er somit keinen Vertragsbruch beging. Er fragte aber auch in Karthago an wie man nun weiter vorgehen solle, die Ratsherren ließen ihm dabei freie Hand. So setzte er die Belagerung fort. Nach Monaten schließlich fiel Saguntum im Jahre 219 v. Chr. und in Rom forderte man die Auslieferung Hannibals. Der Senat in Karthago lehnte aber ab und so begann im Jahre 218 v. Chr. der nächste Krieg zwischen den beiden Großmächten. Hannibal brach von Saguntum, mit einem ca. 100.000 Mann starken Heer, Richtung Italien auf. Nachdem der Ebro überschritten war, unterwarf er zunächst die dort ansässigen Katalonier. Daraufhin ließ er seinen Bruder Hasdrubal mit ca. 40.000 Mann in Iberien als Oberbefehlshaber zurück um dieses vor einer erwarteten römischen Strafexpedition zu schützen. Und auch nach Karthago wurden einige Verbände entsandt. Über die Pyrenäen zog Hannibal nach Gallien und wurde dort von einem Heer der Kelten erwartet. Aber es gelang ihm die Kelten davon zu überzeugen, dass er und sein Heer ihr Territorium in friedlicher Absicht durchqueren wollte um nach Italien zu gelangen. Währenddessen entließ Hannibal auch 7.000 Söldner, die sich als unzuverlässig erwiesen hatten.

 

So verfügte er nun über ein Heer mit ca. 40.000 Fußtruppen, die größtenteils Iberische Söldner und Balearische Schleuderer waren, dazu 4.000 Numidische und 6.000 Iberische Reiter wie auch 37 Kriegselefanten. Nun in Gallien sah Hannibal von einer Belagerung von Massilia (heute Marseille) ab und auch den Konsul Puplius Cornerlius Scipio, der mit seinen Legionen in Gallien lagerte, ließ er unbehelligt. Denn er wollte den Krieg unbedingt nach Italien bringen, wo er hoffte eine schnelle Entscheidung erzwingen zu können. So überquerte er auch die Rhone, was ein außerordentlich gefährliches Unternehmen war. Denn auf der anderen Flusseite wurde Hannibal von den keltischen Volskern erwartet. Diese waren ihm zwar an der Zahl unterlegen, hätten aber sicherlich keine Schwierigkeiten gehabt, die den Fluss überquerenden und dadurch kampfunfähigen karthagischen Truppen zu vernichten. Hannibal entsandte des Nachts Hanno, einen Sohn Bomilkars, mit einer Kavallerieeinheit. Hanno überschritt die Rhone ein Stück flussaufwärts und ritt dann gegen die Volsker. Die Kelten, völlig überrascht nun Karthagische Truppen in ihrem Rücken zu haben, ergriffen die Flucht. Bei Tagesanbruch gab er Hannibal Rauchzeichen und dieser setzte über den Fluss. Die Flussüberquerung zwang auch den Konsul Scipio seine verfolgung von Hannibal abzubrechen, die er in der Zwischenzeit unternommen hatte. Doch schon bald kam es zu einem Gefecht zwischen der Vorhut der römischen Kavallerie und der karthagischen. Danach ließ Scipio Hannibal in Richtung Alpen ziehen. Wohl zweifelte er daran, dass es ihm gelingen könnte mit einem solch großen Heer und den unbeweglichen Elefanten die Alpen zu überqueren. Er selbst kehrte per Schiff nach Norditalien zurück, um die Reste der karthagischen Truppen dort zu empfangen. Seinen Bruder Gnaeus Cornelius Scipio schickte er derweil nach Spanien.

 

Krieg in Italien

 

Der Krieg in Italien

 

Welche Route Hannibal genommen hat ist bis heute leider unklar, den die antiken Chronisten selbst geben unterschiedliche Informationen an. Bevor er jedoch seinen berühmten Alpenzug begann, traf er auf die Keltischen Vokoulier, die sich in Thronstreitigkeiten befanden. Hannibal griff ein und unterstützte den älteren Bruder und König der Vokoulier gegen dessen jüngeren, rebellischen Bruder. Dafür erhielt er Nahrung und Informationen über die Alpen. Doch welche Route er auch genommen hatte, er überquerte das Gebirge. Dies schaffte er mit einem gewaltigen Heer, mit Kavallerie und Kriegselefanten, ohne gesicherten Nachschub und dazu noch Anfang Winter, denn mittlerweile war es November geworden. Zugute kam ihm allein, dass er einen für die antiken Heere üblichen Tross verboten hatte. In den Alpen stieß Hannibal einmal mehr auf ein keltisches Heer, welches es auf die von Hannibals Heer mitgeführte Nahrung, Ausrüstung und Pferde abgesehen hatte: die Allobroger. Sie besetzten Bergpässe und ließen Steine, Speere und Pfeile auf das langgezogene Karthagische Heer niederprasseln. In der Nacht allerdings verließen sie ihre Stellungen auf den Pässen um in ihre Behausungen zurückzukehren. Hannibal gelang es in einer Nacht, die verlassenen Stellungen zu erobern und vertrieb die Allobroger. Ihr Dorf wurde eingenommen und das Heer gönnte sich dort eine zwei Tage dauernde Ruhepause. Aber es erwartete noch weiterhin Widerstand von Kelten. So schickten die hinterlistigen Trikorier und die mit ihnen verbündeten Stämme, eine Gesandtschaft zu Hannibal, die ihn, Freundschaft heuchelnd, in eine Falle lockte. In der Guilschlucht am Mont Dauphin hatten sie einen Hinterhalt gelegt und erwarteten ihn.

Erst nach tagelangen Gefechten konnte Hannibal den Angriff abwehren. Nach neun weiteren Tagen hatte Hannibal den Hochgebirgspass erreicht und man begann den Abstieg. Während den einsetzenden Schneefällen mussten Hannibals Truppen große Verluste hinnehmen. Die den Winter nicht gewohnten Afrikaner und Iberer stürzten in die Steilschluchten ab, wurden von Lawinen verschüttet oder brachen sich, wie ihre Reit- oder Lasttiere, die Knochen auf den rutschigen abschüssigen Steinen. Dazu kamen auch Felsblöcke, die den Karthagern die passierbaren Wege blockierten und die von ihnen "gesprengt" werden mussten. Nach Titus Livius geschah es so, dass aus Wein gewonnener Essig und Holz an solchen Gesteinsbrocken in Brand gesetzt wurden. Die erhitzten Gesteinsbrocken konnten zerstört werden und die Elefanten räumten die Trümmer aus dem Weg. Nach 15 endlosen Tagen erreichte Hannibal endlich Norditalien. Doch die legendäre Alpenüberquerung forderte fürchterliche Verluste, mehr als zwanzigtausend Mann waren an Hunger und Kälte gestorben, waren in Schluchten gefallen oder von den Kelten getötet worden. So kommandierte er bei seiner Ankunft ein Heer aus nur noch ca. 26.000 Mann, bestehend aus 12,000 afrikanischen Fußsoldaten, 6000 iberischen Infanteristen und 8000 Reitern, die erschöpft von dem mörderischen Marsch waren. Bei ihrer Ankunft mussten sie auch erst einmal, Augusta Taurinorum - das heutige Turin, die Hauptstadt des feindlichen keltischen Tauriskerstammes erobern. Danach musste Hannibal auch das erste Mal sein Feldherrengenie unter Beweis stellen. Denn am Tacinius traf er zum ersten Mal auf die Legionen Roms, die sich ausgeruht und auf ihn vorbereitet hatten. Sie standen unter dem Kommando des Consuls Cornelius Scipio, der Hannibal in Gallien nicht mehr erreicht hatte. Vor dem Kampf ließ Hannibal die gefangenen Kelten bei einer Art Gladiatorenkampf auf Leben und Tod um die Freiheit ringen. Diese Kämpfe waren symbolisch, denn ebenso wie bei den Kelten ging es für die Karthager nun bei jedem Treffen mit den Römern um Leben und Tod. Die vom Consul am Fluss aufgestellten Speerwerfer, wurden von der Iberischen Kavallerie unter Hannibals Führung überrannt. Als die Römer zurückwichen, schickte Hannibal seine Numidische Kavallerie unter Mahabal in den Rücken der römischen Verbände, wo deren Kavallerie aufgerieben wurde. Die sich zurückziehenden Roemer mussten schwerste Verluste hinnehmen, Cornelius Scipio wurde von einem Speer schwer verwundet und konnte nur durch den mutigen Einsatz seines gleichnamigen Sohnes gerettet werden. Zum ersten Mal hatte Hannibal sein taktisches Können gezeigt, was er später noch oft tun würde. Desweiteren wirkte die Schlacht auch auf die bis dahin mit den Römern verbündeten Kelten. So stellten sie sich als Volk auf Hannibals Seite und gaben ihm wertvolle Hilfstruppen zur Verfügung oder desertierten aus den römischen Verbänden zu ihm. Mittlerweile bekam man in Rom Angst vor dem jungen karthagischen Emporkömmling, der das Unmögliche gewagt und geschafft hatte, die Alpenüberquerung mit einer Armee und nun auch noch die Frechheit besaß, römische Legionen auf italischen Boden zu vernichten. So rief man aus Sizilien den zweiten Konsul Tiberius Sempronius Longus herbei. Dieser traf mit seinen Legionen an der Trebia im Dezember 218 v. Chr. ein und bestaunte die entwürdigten Reste von Scipios vormals stolzen Legionen. Trotz den Warnungen Scipios konnte es der zweite Consul, der ein Heißsporn war, nicht erwarten, die am anderen Ufer lagernden Karthager zur Schlacht zu stellen. Sempronius verfügte, wie auch Scipio, wohl über zwei Legionen bestehend aus ca. 4500 Römern mit noch einmal so vielen italischen oder keltischen Hilfstruppen. Desweiteren kamen noch die Kavallerie und die Reste von Scipios Armee hinzu, weswegen er wohl über ca. 40.000 Mann verfügt hatte. Zum Vergleich, Hannibal hatte mittlerweile ca. 38.000 Mann. Hannibal entsendete seine Numider, auf dass sie in der näheren Umgebung marodierten und sich mit Sempronius Vorhut auf kleinere Scharmützel einließen, sich aber sogleich zurückzogen, wenn sie auf Widerstand stießen. Der derartig gereizte Consul beachtete keine der Warnungen seines verwundet darniederliegenden Mitconsuls Scipio, sondern befahl den Angriff. Die Römer durchquerten an einem eisigen Wintermorgen im Dezember den Fluss und wurden dort auch schon von den ausgeruhten und aufgewärmten Karthager erwartet. In der Mitte hielten karthagische, libysche und iberische Infanteristen dem Druck der überlegenen Infanterieverbänden der Römer stand, währenddessen verjagte die ihrerseits überlegene karthagische Kavallerie die unterlegene römische und umfasste das römische Heer. Und nun kam auch ein weiterer genialer Schachzug Hannibals zu tragen. Sein jüngster Bruder Mago hatte sich laut seinem Befehl in den Uferböschungen mit einer ca. 1000 Mann starken Kavallerieeinheit und 1000 Mann Infanterie versteckt, und fiel den frierenden Römern nun in den Rücken. Die Römer versuchten panikartig durch den Fluss zu fliehen, wobei etliche von ihnen, verfolgt von der numidischen Kavallerie ums Leben kamen. Die Niederlage der Römer war vollkommen, ungefähr 10.000 der Römer waren gefallen, während die Karthager nur geringe Verluste zu beklagen hatten.

 

 

"Lasst uns jetzt die Römer von ihrer ständigen Sorge befreien, da ihnen das Warten auf den Tod eines alten Mannes lange vorkommt."
lat.: "Liberemus diuturna cura populum Romanum, quando mortem senis exspectare longum censent."

Letzte Worte, gemäß Titus Livius "ab urbe condita", Buch 39, 51

 

Die meisten Gallier Norditaliens, allen voran die Bojer, in deren Hauptstadt Bononix - dem heutigen Bologna Hannibal überwinterte, schlossen sich ihm an. Im Frühjahr des Jahres 217 v. Chr. verließ Hannibal die Stadt und zog in Richtung Süditalien. Währenddessen traten die im Vorjahr gewählten neuen Consuln Gnaeus Servilius Geminus und Gaius Flaminius Nepos ihr Amt an. Um Hannibal daran zu hindern in Italien einzufallen, ließen die beiden Consuln Verkehrswege und die Pässe des Apennin besetzen. So blieb Hannibal nichts anderes übrig und so zog er direkt über das mittelitalienische Gebirge. In übrigen waren zu diesem Zeitpunkt alle Elefanten, die den Alpenübergang überlebt hatten, bis auf einen gestorben. Ob sie an der feuchtkalten Witterung des norditalienischen Winters starben oder von den Römern am Tacinius oder an der Trebia getötet wurden, ist unbekannt. Nur Surus, "der Syrier", war übriggeblieben und trug Hannibal nun auf seinem Rücken den karthagischen Truppen voran. Nachdem er den Apennin hinter sich gelassen hatte, galt es nur mehr die Sümpfe des Arno Tals zu durchqueren, wobei eine größere Anzahl an Männern und Pferden verloren gingen. Auch Hannibal selbst blieb vom Sumpf nicht verschont, eine Augenentzündung, die der an Schlafmangel leidende Feldherr nicht behandeln ließ, machte ihn auf dem linken Auge blind. Schlussendlich hatte man aber die fruchtbaren Ebenen Etruriens erreicht und Hannibal ließ sie von seinen Truppen verwüsten. Der aufgebrachte Consul Flaminius verfolgte Hannibal sogleich.

 

Und hier blitzte Hannibals taktisches Genie erneut auf. In der Dämmerung des 20. Juni 217 v. Chr. ließ er es so einrichten das die Römer beobachteten wie er und seine Truppen an den Ufern des trasiminischen Sees lagerten. Doch in der Nach zog er sich allerdings größtenteils auf die umliegenden Hügel zurück. Im morgendlichen Frühnebel schließlich befahl Consul Flaminius den Angriff auf die Karthager, in der Erwartung, dass sie noch immer am Ufer lagern würden. Am Uferbecken angelangt musste er wohl aber mit Schrecken feststellen, dass sich dort nur kleine Verbände von keltischen Hilfstruppen lagen. Schon kurz darauf stürzten sich die Karthager im auflösenden Frühnebel von ihren Positionen auf die Römer, die sich fast schon freiwillig einkesseln ließen. Während die Balearischen Schleuderer ihnen große Verluste beibrachten, griffen die Iberischen Reiter die Nachhut des Flaminius an, um sie vom Rest der Legionen abzuschneiden. Drei Stunden dauerte die Schlacht, und angeblich waren die Armeen so sehr darin vertieft, dass sie ein zeitgleiches gewaltiges Erdbeben nicht registrierten. Consul Flaminius wurde nach tapferer Gegenwehr vom keltischen Insubrerhäuptling Ducarius getötet und die Römer wichen daraufhin in die einzig mögliche Richtung zurück, in den See. Aber auch hier ging die Schlacht weiter, denn die Numider erschlugen die nur noch mit den Köpfen aus dem Wasser ragenden Römer, sofern sie noch nicht ertrunken waren. 15.000 Römer starben und angeblich waren die Wasser des Flüsschens Macerone noch drei Tage von deren Blut rot gefärbt, sodass sogar noch heute eine naheliegende Ortschaft Sanguineto - Blutstätte heißt. Desweiteren wurden ca. 10.000 Feinde gefangen genommen, die römischen Soldaten behielt er nach Kriegsrecht, aber Italer und Kelten entließ er ungehindert, da er offen demonstrieren wollte, dass er nicht ihr Feind sei, sondern nur der Feind Roms. Dennoch scheuten die meisten Bündnispartner Roms einen offenen Seitenwechsel. Einen Tag später erreichte die Nachricht der Niederlage auch Rom, woraufhin in der Stadt Panik ausbrach. Doch die nächste Hiobsbotschaft ließ nicht lange auf sich warten, denn eine große Kavallerie Einheit, die vom zweiten Consul Servilius unter Gaius Centenius seinem Mitconsul Flavius geschickt worden war, wurde von Mahabals Numidern aufgerieben. Dabei starben ca. 4.000 Römer und dem Gaius Centenius wurde der Kopf abgeschlagen. Aber allen Niederlagen zu trotz gab Rom nicht auf. Zunächst wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt und dadurch ein Diktator eingesetzt, dieser war der knapp siebzig jährige Quintus Fabius Maximus. Desweiteren wurde alle Mittel eingesetzt um eine neue Armee auszuheben, so wurden Sklaven und Gefangene befreit und die Armee geschickt, mit der Aussicht nach einem Sieg die Freiheit zu erhalten. Auch wurde um dies alles zu finanzieren bzw. den Sold zu bezahlen, das Gewicht der Münzen, die ihren Nennwert behielt, halbiert.

Cannae

 

Cannae

 

Aber dieser enormen Leistung zu trotz, verfolgte der Diktator die vorsichtige und hinhaltende Taktik der "verbrannten Erde". Ortschaften, Bauernhöfe und Nahrungsmittel gingen in Flammen auf, um sie Hannibal zu entziehen. Die Bevölkerung begab sich in befestigte Stellungen. Währenddessen zog Hannibal plündernd durch Apulien, eine der reichsten und fruchtbarsten Gegenden des damaligen Italiens. Seine Numider marodierten im gesamten umliegenden Land, denn Hannibal wollte den vorsichtigen Diktator unbedingt zur Schlacht zwingen. Um dies zu erreichen, waren ihm alle Mittel recht, während er die Landbesitzungen der Römer in Apulien und der Campagna brandschatzte, verschonte er die des Fabius. Da dessen Politik ohnehin nicht populär war, zog er schließlich hinter Hannibal her. Dieser, der sich wohl auf den Winter vorbereitete, wurde von den gewaltigen römischen Truppenmassen eingekreist. Doch auch hier suchte Fabius nicht die Schlacht, sondern begnügte sich mit der Abrieglung des apulischen Gebirges, diese Strategie würde dazu führen, dass er später als "Zauderer" bezeichnet werden würde. Um die Legionäre von dem besetzten Pass wegzulocken, wandte Hannibal einen genialen Trick an, in der Nacht band er 2.000 Ochsen Fackeln an die Hörner, entzündete sie und jagte sie einen in der Nähe gelegenen Hang hinauf. Die Römer, in der Überzeugung, dass hier der Durchbruch der Karthager stattfand, rückten gegen den von den Ochsen besetzten Hügel vor. Hannibal aber zog unbehelligt durch den nun freigewordenen Pass. Der Senat begann an dem "Zauderer", den Hannibal derart genarrt hatte, zu zweifeln und bestellte den draufgängerischen Minucius Rufus zum Mit-Diktator. Hannibal eroberte daraufhin Gerunium, ließ die widerspenstigen Bewohner hinrichten und richtete dort sein Winterlager ein. Fabius, der fest an die Pagane Religio Romana glaubte und dafür nach Rom ging, um an Opferfeierlichkeiten für die Götter teilzunehmen, warnte den Rufus eindringlich vor einem Angriff auf Hannibal. Dieser allerdings wollte sich wohl nichts befehlen lassen und rückte auf Gerunium vor, wurde aber zurückgeschlagen.

Als Fabius zurückkehrte, wurde der Oberbefehl über die vier Legionen erneut geteilt. Mit seinen zwei Legionen wagte Rufus die Schlacht gegen Hannibal, wurde aber geschlagen. Die Reste seiner Truppen konnten nur dank dem rechtzeitigen Eingreifens des Fabius gerettet werden und Rufus dankte seinem älteren Mitdiktator im Namen ganz Roms. Im nächsten Jahr, 216 v. Chr., wurde Fabius nicht noch einmal als Diktator erwählt. Die zwar recht erfolgreiche Strategie stieß auf breitschichtige Ablehnung und durch Hannibals Verschonung seiner Landgüter hatte er mittlerweile einen zweifelhaften Ruhm. Für dieses Jahr wählte man wieder Consuln, und zwar Lucius Aemelius Paulus und Gaius Terentius Varro, die auch den Oberbefehl über das Heer übernahmen. Man ließ die Fabianische Hinhaltetaktik fallen und versuchte Hannibal zur Schlacht zu stellen. Derweil hatte Hannibal die Stadt Cannae, in Süditalien, in der Nähe der Adriaküste gelegen, erobert. Hier marschierte nun auch das gewaltige römische Heer auf, bestehend aus 8 Legionen mit 80.000 Mann Fußtruppen und 6.000 Reitern. Hannibal verfügte nur über 35.000 Infanteristen, aber 10.000 Kavalleristen. Nach einem Vorpostengefecht, welches die Numider die Römer hatten gewinnen lassen, befahl der übereifrige Varro entgegen dem Rat des Paulus den Großangriff, und so kam es an den Ufern des Aufidius zu der berühmten Vernichtungsschlacht. In der Mitte beider Aufstellungen standen sich die Fußtruppen gegenüber. Im Kern der römischen Aufstellung befanden sich die Elite-Legionäre, während im Kern der karthagische Armee die leichten keltischen und italischen Verbände standen. Ihre Elitetruppen standen an den Flanken, ihnen gegenüber standen die römischen Auxiliartruppen. Die Römer drängten mit aller Macht auf die Karthager zu und warfen sie zurück. Währenddessen schlug Mahabal die römische Kavallerie und rieb sie mit Hasdrubals, ein Namensvetter von Hannibals gleichnamigen Bruders, Reitereinheiten vom anderen Flügel beinahe komplett auf. Die Falle schnappte nun zu und die Einheiten Hannibals schlossen sich wie ein Halbmond um den kompakten Angriffsblock der Römer.

Die Reitereinheiten, die sich mittlerweile im Rücken der Römer befanden, schlossen sich zusammen und griffen die Römer hinterrücks an, um den Kessel zu schließen. Das folgende blutige Gemetzel war unbeschreiblich, der Sieg der Karthager vollkommen. Varro, dessen Auxiliartruppen von den Numidern verjagt worden waren, schlug sich ebenso wie diese in die Flucht. Der zurückgeblieben Paulus und die verbliebenen Truppen schlugen sich tapfer bis zum bitteren Ende. Bevor dieses Ende kam, mussten die Legionäre in der Mitte des Kessels hilflos der Vernichtung ihrer Kameraden am äußeren Umfeld im Kessel zusehen. Um die 70.000 Mann fielen am 2.8.216 v. Chr., unter ihnen Konsul Paulus, sein Vorgänger und Diktator Rufus, 19 Militärtribune und 80 Senatoren. Hannibals Verluste betrugen nur etwa 6.000 Mann. Eines der größten Blutbäder in der Weltgeschichte. Nach der Schlacht forderten Hannibals Unterfeldherren, allen voran Mahabal von Hannibal auf Rom zu marschieren, nach nur einer Woche würde man auf dem Kapitol frühstücken. Doch Hannibal lehnte ab, woraufhin ihm Mahabal entgegnet haben soll; "Zu siegen verstehst du, Hannibal, nicht aber den Sieg zu nutzen!" Dafür eroberte man Capua, wo man überwintern wollte. Außerdem konnte er seinen Bruder Mago nach Karthago schicken. In Rom war mittlerweile Panik ausgebrochen und nach Jahrhunderten wurden den Göttern wieder Menschenopfer dargebracht: ein griechisches und ein keltisches Paar wurden bei lebendigen Leibe begraben, um die zürnenden Götter zu besänftigen. Vorher waren vor allem die Karthager für ihre bekannte Opferung von Kindern an den Gott Baal als Barbaren geschmäht worden.

 

Hannibal ad portas
"Hannibal an den Toren!"

Cicero, Philippica 1, 5, 11 und De finibus 4, 9, 22

 

Mago, der nach Karthago geschickt worden war, um dort um dringend benötigte Unterstützung zu bitten, damit er tatsächlich Rom angreifen konnte. Zuvor konnte er dieses Unternehmen nicht wagen, da weder Heer noch Gerät ausreichend verfügbar waren um die Halbe-Millionen Stadt einzunehmen. Doch anstatt die in der Luft liegende Entscheidung in Italien zu suchen, schickte der Karthagische Senat lieber Truppen nach Spanien, zu Hasdrubal, dem mittleren Bruder Hamilkar Barkas "Löwenbrut". Mago hingegen wurde mit nur 4.000 Mann wieder zurückgeschickt. Mit diesen Truppen konnte Hannibal zwar den Krieg weiterführen, aber nicht gewinnen. Hasdrubal, der den Großteil der Truppen bekam und bis dato einen wechselhaften Krieg geführt hatte, schien dies auch gewusst zu haben. Sein erster Durchbruchsversuch nach Italien aber wurde von den Scipionen Brüdern verhindert, der eine davon war der, der von Hannibal am Tacinius geschlagen und verwundet wurde. In den folgenden Jahren blieb es Hannibal aber verwehrt noch einmal durchschlagende Erfolge zu feiern. Bei Nola gelang es sogar Marcellus mit seinen Verbänden durch Hannibals Linien durchzubrechen. Hannibal konnte Tarent für seine Sache gewinnen und so jede weitere römische Armee, die sich ihm stellte, schlagen.

211 v. Chr. wurde die mit ihm verbündete Stadt Capua von den Römern eingekreist, bei dem Versuch, die überlegenen römischen Verbände von Capua abzuziehen, indem er auf Rom zog scheiterte kläglich. Dabei fiel aber auch der in die Geschichte eingegangene Spruch "Hannibal ad portas" - Hannibal bei den Toren. Capua fiel letztendlich und die Stadtoberhäupter begingen, den Namen Hannibals verfluchend, Selbstmord. Jener Kleinkrieg sollte noch jahrelang weitergeführt werden. Inzwischen hatte Hasdrubal in Spanien erneut die Oberhand gewonnen. Er konnte die Heere der Gebrüder Scipio trennen und einzeln schlagen, wobei beide Scipionen ums Leben kamen, 211 v. Chr. In Rom herrschte nun allgemeine Ratlosigkeit und niemand wollte den Oberbefehl in Iberien übernehmen, bis sich ein junger Mann von 25 Jahren, der Sohn des Publius Cornelius Scipio, der denselben Namen trug, dazu bereiterklärte. Im nächsten Jahr übernahm er den Oberbefehl in Spanien und dies interessanterweise im selben Alter wie es einst Hannibal tat. Hannibal aber verlor mittlerweile die Initiative in Italien und verlor immer mehr Stützpunkte und musste sich zuletzt nur noch in Crotton einigeln. In Spanien konnte derweil Scipio das reiche Carthago-Nova im Handstreich nehmen. Hasdrubal, der zu der Zeit mit der Befriedung eines Kelt-Iberer Stammes beschäftigt war erkannte wohl in diesen Tagen, dass die Karthager nur unter Hannibal auf italienischem Boden siegen konnten. Er stieß mit einem großen Heer bis an den Ebro vor. Scipio stellte seinen Gegner bei Baecula, 209 v. Chr., und fügte ihm eine schwere Niederlage zu. Hasdrubal ließ sich aber nicht beirren, sondern folgte der Route, die sein Bruder vor beinahe 10 Jahren genommen hatte. Er zog mit dem Restheer über die Alpen gen Italien. Nachrichten, die er ungeschickt an seinen älteren Bruder sendete, wurden von den Römern abgefangen, so dass Hannibal nichts von der Ankunft seines Bruders ahnte, Hasdrubal dafür aber von den Römern erwartet wurde. Da er im Frühjahr losgezogen war, überquerte er die Alpen ohne die gewaltigen Verluste, die sein Bruder hatte hinnehmen müssen. In Italien angelangt schickte er erneut Boten zu seinem Bruder nach Süditalien, welche aber erneut abgefangen wurden. Im Jahr 207 v. Chr. stellten die Römer unter Livius Salinator und Claudius Nero Hasdrubal, der noch über ca. 50.000 Soldaten verfügte, am Metaurus. Hasdrubal unterlag in der Schlacht und man enthauptete ihn. Der Kopf des Hasdrubal wurde in das Lager Hannibals in Venusia geworfen. Was er bei dem Anblick empfunden hatte ist nicht überliefert, wohl auf jeden Fall Trauer, wahrscheinlich aber auch Wut auf den Karthagischen Senat, die ihm die Unterstützung verwehrten mit der er den Krieg wohl schon beendet haben könnte. Währenddessen hatte Karthago erneut ca. 70.000 Mann ausgerüstet, um die durch Scipio bedrohte Kolonie zu retten. Dieses Heer, geführt vom Numiderfürsten Massinissa und Hannibals Bruder Mago wurde aber ebenfalls vernichtend geschlagen. Im darauffolgenden Jahr eroberte Scipio ganz Spanien. Mago floh nach der Niederlage auf die Balearischen Inseln um dort neue Truppen auszuheben. Der Karthagische Senat schickte ihm auch angeheuerte Söldner. Daraufhin segelte Mago, ohne sich mit seinem Bruder abgestimmt zu haben, nun 205 v. Chr., nach Italien und konnte dort, nur mit Glück, Genua erobern. Vom karthagischen Senat erhielt Hannibal derweil den Befehl, auf Rom zu marschieren, was diesem wie blanker Hohn erschienen sein musste.

 

Untergang

 

Der Untergang

 

Bei Crotona siegte er erneut über ein römisches Heer, verlor aber gleichzeitig auch seine letzten Stützpunkte Clampetra, Consentra und Pandesia. Währenddessen landete Scipio in Afrika und verwüstete das Libysche Umland, sah aber von einer Belagerung Karthagos ab. Im Jahre 203 v. Chr. schlug er das eilig zusammengestellte Heer des numidischen Königs Syphax und dem Karthager Hasdrubal Gisko. Die Reste der Armee schlug Scipio erneut am Fluss Medjerda. Hasdrubal Gisko floh nach Karthago zurück, Syphax in seine Hauptstadt Cirtas. Er wurde eilends von den Römern unter Laelius und dem Numiderfürsten Massinissa, der zwischenzeitlich die Seiten gewechselt hat, verfolgt und nach der Eroberung Cirtas gefangengenommen. Derweil belagerte Scipio 203 v. Chr. Karthago und unterbreitete der Stadt einen Friedensvertrag. Inzwischen war die Nachricht eingetroffen, dass Mago von Cornelius geschlagen und tödlich verwundet worden war. Die Resttruppen unter dem im Sterben liegenden Mago trafen gerade in Karthago ein. Man zögerte nicht lange, sondern ging auf ein Friedensangebot Scipios ein, dass folgendermaßen aussah: Rückzug aus Italien, Anerkennung Massinissas als numidischer König, Abtretung Spaniens und aller Mittelmeerinseln, Auslieferung der Flotte bis auf 20 Schiffe, Reparationsleistungen von 5000 Talenten Silber. Der karthagische Senat berief schließlich auch Hannibal zurück, der mittlerweile 45 Jahre alt war und seine Heimatstadt seit seinem neunten Lebensjahr nicht mehr gesehen hatte. Bei seiner Rückkehr 202 v. Chr. erfuhr er vom Tode seines letzten Bruders. Mit der Rückkehr des genialen Feldherren, um den sich bereits jetzt Legenden rankten, begann der Karthagische Senat erneut mit Narreteien. Den Friedensvertrag ignorierend, sollte Hannibal den Kampf mit Rom erneut aufnehmen. Hasdrubal Gisko warnte den Senat vor dieser unklugen Entscheidung, da Hannibals zerfleddertes Veteranenheer kaum eine Chance gegen die römischen Legionen hatte, wurde aber von den Senatoren als Feigling beschimpft und von einer aufgebrachten Volksmenge gesteinigt. Eine römische Gesandtschaft wurde in Karthago enthauptet und der Krieg flammte mit aller Heftigkeit wieder auf. Scipio, der inzwischen nach Rom heimgekehrt war, kehrte nach Afrika zurück und zog mit seinen Truppen marodierend durch karthagisches Kernland. Hannibal war gezwungen ihn zu verfolgen und schließlich trafen die beiden Heere bei Zama, noch im selben Jahr, aufeinander. Angeblich traf sich Hannibal mit Scipio kurz vor der Schlacht, um ihm erneut Frieden anzubieten. Er erinnerte Scipio auch daran, dass er auf dem Zenit seines Ruhmes stand und dass er mit diesem Frieden unsterblich werden könnte. Mit einer Schlacht aber würde ihn der eigene Ruhm auffressen. Scipio lehnte das Friedensangebot ab und er sollte noch feststellen müssen, dass Hannibal recht behalten würde. Auf beiden Seiten standen ca. 50.000 Mann, doch waren die Heere nicht gleichwertig. Rom hatte seine kriegserfahrenen Legionäre und bekam durch Massinissa auch noch eine überlegene Kavallerie, die einst Hannibal so oft den Sieg verschaffte. Hannibal hingegen hatte neben unerfahrenen neuangeworbenen Söldnern seine kriegsmüden Veteranen als auch über ein 4.000 Mann starkes makedonisches Hilfsheer. Desweiteren konnte er das erste Mal seit 15 Jahren wieder auf Elefanten zurückgreifen, doch verpuffte deren Angriffswucht an den geschickt aufgestellten Truppen Scipios, der seine Legionäre Gassen bilden ließ, durch die die Tiere rannten und in denen sie von Leichtbewaffneten Truppen leicht getötet oder in Hannibals Reihen gejagt werden konnten.
Als die Heere in der Mitte aufeinandertrafen, flohen die neugeworbenen karthagischen Söldner vor den römischen Soldaten und wurden daraufhin von den in der zweiten Schlachtreihe stehenden Veteranen Hannibals angegriffen. Während seine Armee also derartig gegen sich selbst kämpfte, verjagte Masinissa Hannibals unterlegene Kavallerie und fiel den restlichen Karthagern, die bis dahin eine Pattsituation erfochten hatten, in den Rücken, womit die Niederlage besiegelt war. Hannibal floh nach der Schlacht nach Hadrumetum und riet zum Frieden, auf den sich der karthagische Senat nun zu verschärften Bedingungen einlassen musste: Verzicht auf Spanien und die Mittelmeerinseln, Anerkennung Massinissas, Übergabe der Flotte bis auf zehn Schiffe, Verbot der Führung von Kriegen außerhalb Afrikas, innerhalb Afrikas nur mit der Zustimmung Roms und die Zahlungen von 10.000 Silbertalenten an Rom. Der römische Bürger hatte nun vollends über den Karthagischen Händler gesiegt. Dass Scipio nicht auf einer Auslieferung Hannibals bestand, mag zeigen, wie hoch er seinen geschlagenen Gegner und Lehrmeister achtete.

Das Ende

 

Nach dem Krieg

 

Nach der Niederlage bei Zama und dem Friedensschluss zwischen Karthago und Rom setzte sich Hannibal politisch zur Ruhe. In den sechs Jahren wo er die Politik ruhen ließ, wurde er ein durchaus erfolgreicher Geschäftsmann. Aber nicht nur er wurde reich, sondern auch das kriegsgeschädigte Karthago selbst konsolidiert sich atemberaubend schnell. Nach diesen sechs Jahren wurde der Barkide aber wieder aktiv und wurde für das Jahr 196 v. Chr. zu einem der beiden Suffeten gewählt, was Prinzip mit dem römischen Consulat vergleichbar ist. Sein Mitregent wurde allerdings von der antiken Geschichtsschreibung neben dem immer noch beliebten Hannibal zur völligen Bedeutungslosigkeit degradiert, denn nicht einmal sein Name wird erwähnt. In dieser Position bewies er, dass er mehr war als ein talentierter General, sondern auch ein durchaus fähiger Staatsmann. So führte er viele Reformen zum Wohle Karthagos durch, dass er sowohl den Römern erneut suspekt wurde, wie auch der reichen Oberschicht, zu deren Lasten die Reformen größtenteils gingen. Hannibal bekämpfte das für eine Oligarchie der Reichen übliche Korruptionswesen, entlastete den Finanzhaushalt und reformierte die Verfassung. So wurden die Senatsmitglieder von da an nicht mehr auf Lebzeiten, sondern nur noch auf ein Jahr gewählt. Zwischen zwei Amtsperioden als Senator mussten mindestens zwei Jahre liegen. Der Ämterkauf wurde verboten. So bewies er auch, dass er jemand war, der die Bedürfnisse des einfachen Volkes höher bewertete, als die der Reichen. Hannibal war aber auch ein hervorragender Wirtschaftsfachmann und er begünstigte den rasanten Wiederaufstieg Karthagos zur antiken Mittelmeerhandelsmetropole Nummer eins. Er ließ das Umland kultivieren, Olivenhaine anlegen, Steuern konsequent eintreiben, Außenhandelszölle einführen, et cetera. Die weitgehend von ihm entmachtete ehemalige reiche Oberschicht, in Trauer um die Zeiten, in denen sie das sagen hatten, wandte sich nun an Rom, das selbst Misstrauen gegen den wiedererstarkenden Feind hatte um Verrat an dem zu begehen, der nur das Beste für Karthago im Auge hatte. Eine karthagische Delegation reiste nach Rom und beschuldigte Hannibal der Zusammenarbeit mit den Feinden Roms. In Rom hatte man offene Ohren für das dankbare Gerücht und nahm es als Vorwand, nun doch die Auslieferung des gehassten Erzfeindes zu fordern. Hannibal erfuhr von dem Vorgehen seiner eigenen Leute und floh in einer Nacht und Nebel Aktion vor den anreisenden römischen Verhaftungstrupps.

Karthago aber hatte den größten Staatsmann verloren, über den es wohl je verfügt hatte. Die seit jeher den Barkiden feindlich gesonnene Oberschicht, hatte Karthago die letzte Chance genommen, sich so gut wieder herzustellen, dass man die unweigerlich kommende dritte Auseinandersetzung mit den imperialistischen Römern hätte überleben können. Hannibal floh über die Karthagische Mutterstadt Tyros nach Antiochia zu Antiochius III. Er herrschte über ein gewaltiges Reich von Kleinasien, über Persien, bis an die Grenzen Ägyptens und Indiens. Früher oder später würde es ohnehin zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und Rom kommen. Antiochius nahm Hannibal freundlich auf, ging aber nicht auf dessen Angebote ein, ihn mit einer Armee nach Italien zu schicken. Durch Neid und Missgunst im Stabe Antiochos, wurde Hannibal zunächst nicht mehr als ein militärischer Berater eines wohl eher weniger fähigen Königs, der die große Gelegenheit, die sich ihm in Hannibals Person bot, verstreichen ließ. Antiochos griff schließlich Griechenland im Jahr 192 v. Chr. an und provozierte damit die Römer, die ihre neugewonnenen Kolonien verteidigten. Hannibal bekam nur den Befehl über die neugebaute Flotte und unterlag in seiner ersten Seeschlacht, den mit den Römern verbündeten Rhodesiern, obwohl er auf seinem Flügel gesiegt hatte. Gleichzeitig unterlag Antiochos Heerführer Thoas, der statt Hannibal den Oberbefehl innehatte, bei den Thermophylen den Römern. Das nun von Antiochos aufgestellte Großheer von über 80.000 Mann traf 189 v. Chr. bei Magnesia auf die etwa 40.000 Mann starken Römer unter Lucius Cornelius Scipio, der Bruder des Siegers von Zama, der inzwischen den Ehrennamen Africanus trug. Hannibal durfte wieder nur zusehen und soll bemerkt haben; "Ja, Antiochos, dieses Heer dürfte den Römern genügen, auch wenn sie noch so gierig sind!" Das Heer des Antiochus unterlag katastrophal und verlor mehr als 50.000 Mann. Antiochos musste Kleinasien räumen und die Vorherrschaft Roms anerkennen. Hannibal aber ließ er fliehen, damit er nicht in die Hände der Römer fiel. Hannibal machte sich auf zu König Artaxias von Armenien, der sich nach der Niederlage seines Lehnsherren Antiochos als Alleinherrscher ausrufen ließ. Er blieb nicht sehr lange hier, da er weiterhin von den Römern gesucht wurde, doch erbaute er auf Artaxias Wunsch die neue Hauptstadt Armeniens Artaxiata. Danach reiste Hannibal nach Kreta, von wo er auch schon bald wieder floh. Schließlich floh Hannibal zu König Prusias von Bithynien, der dem alten Römerfeind gerne Asyl gewährte. Da auch er von einem Großreich wie Antiochos träumte, erklärte er dem Nachbarstaate Pergamon unter König Eumenes II. den Krieg, der bei der Schlacht von Magnesia Verbündeter Roms gewesen war. Hannibal erhielt erneut nur den Befehl über die Flotte, die an Qualität und Anzahl derer von Pergamon weit unterlegen war. Dennoch blitzte noch einmal Hannibals militärisches Genie auf, diesmal als Admiral. Ein letztes Aufglühen seines sinkenden Sternes schenkte ihm den Sieg. Die Schiffe Pergamons näherten sich der Flotte Bithyniens, in Erwartung eines leichten Sieges. Plötzlich wurden Tonamphoren zu ihnen herüber geschleudert, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Viel größeren Schaden richteten aber die Giftschlangen und Skorpione an, die in den Amphoren drinnen waren. Dank dieser psychologischen Kriegsführung glückte der Sieg gegen die verschreckte Flotte von Eumenes II. An Land allerdings stellte sich Prusias den überlegenen Truppen Pergamons, wovon Hannibal abgeraten hatte, und wurde vernichtend geschlagen. Die Römer verfolgten Hannibal auch weiterhin, den scheinbar erschien er auf allen Schauplätzen auf denen gegen die Römer gekämpft wurde, immer hartnäckiger. Da ihn König Prusias nun nicht länger schützen konnte, rückten römische Truppen bis zu Hannibals Villa in Lybissa vor, die in der Nähe der bithynischen Hauptstadt Nikomedia lag. Derartig gestellt, beging Hannibal, im Jahre 183 v. Chr. Selbstmord.

Nach Überlieferung waren seine letzten Worte; "Es ist nun an der Zeit, die Angst der Römer zu beenden. Sie sind nicht in der Lage, länger auf den Tod eines alten Mannes zu warten, der ihnen so viele Sorgen bereitet hat." Zuletzt sollte man wohl noch erwähnen, dass der Mann, der ihn bei Zama besiegt hatte, Scipio Africanus, im selben Jahr wie Hannibal starb. Die römische Oberschicht hatte mit ihm genauso verfahren wie die Karthagos mit Hannibal. Aber Karthago um das sie so verbissen gekämpft hatten, sollte sie nicht lange überleben. Was bleibt ist die Geschichte um einen großen Mann

 

"Nie hat ein und der selbe Charakter diese beiden gegensätzlichen Eigenschaften, Gehorchen und Befehlen, besser in sich vereint."
lat.: "Nunquam ingenium idem ad res diversissimas, parendum atque imparandum, habilius fuit."

Titus Livius "ab urbe condita", Buch 21, 4