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Portrait

Gerhard Johann David von Scharnhorst

Gerhard Johann David von Scharnhorst

Gerhard von Scharnhorst, erstellt etwa 1810

 

"Wir haben angefangen, die Kunst des Krieges höher, als die militärischen Tugenden zu schätzen. Dies war der Untergang der Völker in allen Zeiten. Tapferkeit, Aufopferung, Standhaftigkeit sind die Grundpfeiler der Unabhängigkeit eines Volkes. Wenn für diese unser Herz nicht mehr schlägt, so sind wir schon verloren, auch selbst in dem Laufe der großen Siege." Gerhard David von Scharnhorst April 1806

 

12.11.1755   Geburt in Bordenau
1773   Aufnahme in die Militärschule des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe auf dem Wilhelmstein
1782   Lehroffizier an der Artillerieschule in Hannover
1785   Heirat mit Clara Christiane Johanne Schmalz
1793   Teilnahme am Feldzug in den österreichischen Niederlanden (1. Koalitionskrieg gegen Frankreich)
1801   Übertritt in preußische Dienste (Lehrstabsoffizier an der Akademie für junge Offiziere Berlin) /
Direktor der "Militärischen Gesellschaft"
1803   Tod seiner Frau Clara
1804   Generalquartiermeister im Generalstab
1806   Vorsitz in der Militär-Reorganisationskommission
1808   Chef des neuen Allgemeinen Kriegsdepartements / Verordnungen zur Heeresreform
1810   1. Entwurf zur Ausführung der "Konskription in den preußischen Staaten"
1813   "Verordnungen über die Aufhebung der bisherigen Exemption von der Kantonspflichtigkeit für die Dauer des Krieges" (Allgemeine Wehrpflicht)
28.06.1813   Tod in Prag durch die Folgen seiner Verwundung in der Schlacht bei Großgörschen / Beisetzung zunächst in Prag, später Überführung nach Berlin

 

Frühe Jahre

Am 12. November 1755 wurde Gerhard Johann David Scharnhorst auf dem Gut Bordenau im Kurfürstentum Hannover geboren. Der Vater Ernst Wilhelm Scharnhorst war ehemaliger Quartiermeister des 8. hannöverschen Kavallerieregiments und entstammte einer alten Bordenauer Kleinbauernfamilie. Seine Ehefrau Wilhelmine, geb. Tegtmeyer, ebenfalls aus der Landwirtschaft bzw. einer Gutsbesitzer Familie entstammend, gehörte derselben Gesellschaftschicht ab.
Scharnhorst selbst wuchs in eher ärmlichen Verhältnissen auf dem Land auf. Schulbildung war nur durch den Dorfpfarrer und einige altgediente Soldaten möglich. So konnte ein junger Scharnhorst nur durch seine angeborene Intelligenz, Aufgeschlossenheit und seiner Eigenschaft als Autodidakt entwickeln. Seine spätere Karriere wurde durch seine geringe Bildung nicht beschädigt, da gerade seine Taten für sich sprechen, doch die preußischen Gardeoffiziere, aus erheblich wohlhabenden und auch gebildeten Schichten, äußerten sich meist nur geringschätzig über seine Herkunft.

 

„Lernt ein junger Mensch, der zum Militär bestimmt ist, nicht seinen Verstand recht brauchen, richtig und fertig zu urteilen, die Mathematik und Theorie der Kriegswissenschaften, so hilft ihm alle Erfahrung nichts. Man muss jungen Leuten, die zu Offizieren bestimmt, früh Gelegenheit geben, über ihr Metier nachzudenken, die Einsichten und Erfahrungen anderer zu nützen; dazu müssen sie aber erst richtige Grundbegriffe haben. Ohne diese finden sie auch kein Interesse an der Lektüre und werden nach und nach untätig und inaktiv. Durch die Art des Unterrichts unseres Instituts wird die Emulation (der Wetteifer) erregt, die Zöglinge bekommen durch das Verhältnis, in dem sie sind, Interesse an Dingen, die sonst keines für sie gehabt hätten. Sie urteilen unter sich, disputieren, fragen, lesen nach und lernen so nach und nach jede Sache gründlich zu untersuchen, statt sie im Privatunterricht nur nachzusprechen“

 

Scharnhorst-Lehrer

(Scharnhorst als Lehrer an der Artillerieschule Northeim)

 

Seine Karriere war dennoch makellos und ein glücklicher Zufall, im Alter von 17 Jahren, ließen ihn mit dem Grafen von Schaumburg-Lippe zusammentreffen. In dessen Praktische Artillerie- und Genie-Schule auf dem Wilhelmstein im Steinhuder Meer wurden Soldaten der Artillerie und des Pionierwesens ausgebildet. Als Musterschüler und auch der Danke der persönlichen Patronage von Grafen von Schaumburg-Lippe, wurde ihm neben dem militärisches Wissen über Ballistik und Taktik, auch allgemeine Fächer wie Physik, Medizin, Chemie, Geschichte und Fremdsprachen beigebracht. Sein Talent und seine autodikate Natur ließen den fleißigen Schüler Scharnhorst aufblühen. Die Ehrung einer goldenen Medaille der Kriegsschule, machten aus ihm einen Musterschüler mit optimalen Voraussetzung für die militärische Laufbahn. Seinem Gönner war er bis zu seinem Tode durch Dankbarkeit verpflichtet und seine Schriften ließen ihn unsterblich werden.

 

"Die Gewalt der Leidenschaften läßt sich ohne Hilfe der Gesetze nicht beschränken."

 

Offizierslaufbahn

Im Jahre 1778 zum Fähnrich befördert und dem Kavallerieregiment des Generals von Estorff zugeteilt, begann seine Laufbahn. Scharnhorst fand auch hier durch ein Fügung des Schicksals in dieses Regiment, denn der General wurde auf ihn Aufmerksam und nach der Auflösung der auf dem Wilhelmstein, war die beste Möglichkeit seine Karriere weiterzuführen. Sein Dienst in der Kadettenschule und Estorff Ansichten zur Offiziersausbildung, prägten den jungen Scharnhorst. So trat im Jahre 1782 ein junger Leutnant der Artillerie seine Aufstieg an.
Nebenbei, im Jahre1785, heiratete Scharnhorst Klara Christiana Johanna Schmalz, die Tochter eines Beamten der kurfürstlichen Kanzlei in Hannover. Die Ehe brachte insgesamt 5 Kinder hervor. Seine Karriere ging weiter vorwärts und bereits 1792 erhielt er die Beförderung zum Stabskapitän.

 

Militärischer Werdegang

1733   Militärschule auf dem Wilhelmsstein (Hannover)
1778   Fähnrich im hannoverschen Dragonerregiment von Estorff
1783   Fähnrich der Artillerie
1784   Leutnant
1792   Stabshauptmann(-kapitän)
1794   Major
1801   Oberstleutnant der preußischen Artillerie
1802   Oberst
1807   Generalmajor
1813   Generalleutnant

 

Seinen ersten Kriegseinsatz hatte Scharnhorst in den Jahren 1793 – 1795, er führte eine reitende Batterie in die Feldzüge des 1. Koalitionskrieges nach Flandern und Holland. Er zeichnete sich am 8. September 1793 erstmals aus, sammelte viele Erfahrungen im Kampf gegen die Franzosen und führte als Titularhauptmann eine vorbildliches Kommando. Er ergriff die Initiative und übernahm das Kommando über panikartig flüchtende Truppen, ermöglichte durch kaltblütigen Beschuss eines gegnerischen Défilés und sorgte für einen geordneten Rückzug der alliierten Truppen. Diese Qualitäten im Angesicht des Feindes machten ihn geeignet für ein erstes Frontkommando. So wurde ihm die gesamte Artillerie einschließlich der Festungsgeschütze, beim weiteren Rückzug über die belgische Stadt Menin, unterstellt. Dieser Einsatz und Verantwortung, beflügelten seine Karriere. Er wurde zum Major und 2. Aide-Generalquartiermeister ernannt.

 

"Die Not vereinigt die Gemüter und macht die Menschen tätig und erfinderisch."

 

Während dieses Einsatzes reifte der junge Offiziere, seine taktische Einstellung und seine Autorität als einzigartiger Taktiker heran. Neben der Taktik wurde die Moral für ihn wichtigste Grundlage eines Sieges, denn die Idee, die Bereitschaft zur Pflichterfüllung, trotz mangelnder Ausbildung oder Disziplin, und ein Zusammengehörigkeitsgefühle, würden die damaligen professionellen Heere der Monarchien reformieren oder vernichten. Er legte dies, Jahre später in Die Ursachen des Glücks der Franzosen im Revolutionskrieg (1803) nieder. Dort würde er unter anderem die Beschränkung des Offizierskorps auf den Adel kritisieren und fordern, dass Offiziere nach dem Leistungsprinzip und nicht nach Dienstalter und Abstammung befördert werden müssten.

 

Scharnhorst

(Scharnhorst hier abgebildet mit dem Hohen Orden vom schwarzen Adler und weiteren preußischen Orden)

 

So haben wir es zur Jahrhundertwende mit einem Scharnhorst zu tun, der sich im Kriege und als Lehrer an Militärakademien bewährt und einen Namen gemacht hatte. Seine Talente waren gefragt und da viele Staaten solche Offiziere brauchten, wurde ich von vielen Seiten umworben. Im Jahre 1801 kehrte er Preußen den Rücken, einem Land, das für Scharnhorst keine ideale Grundlage zur Umsetzung seiner Reformen war und er nahm das Angebot des preußischen Königs wahr. Neben der doppelten Bezahlung, der Beförderung am 12. Juni 1801 zum Oberstleutnant, fand er nun ein Land, das bereit war seine Reformen umzusetzen. Er trat seinen Dienst im 3. Artillerieregiment in Berlin an.

 

"Was mit unseren Wünschen und Leidenschaften übereinstimmt, dem messen wir, wir mögen noch so klug sein, immer mehr Wahrscheinlichkeit bei, als es hat."

 

Neben seiner Befähigung als Kommandeur, war es seine Ideen und Gedanken, die ihn für eine Bestallung zum Inspekteur des Militärschulwesens im September desselben Jahres empfahl. Dazu erhob der König im Jahre 1802 ihn in den Adelsstand. Als Direktor der „Akademie für Offiziere“, beeinflusste er das junge preußische Offizierskorps nachhaltig mit seinen Ideen. Zu seinen Schülern zählte unter anderem Carl von Clausewitz. Zu seinen Befürwortern gehört ein Gneisenau und der General Ernst von Rüchel, welche im halfen seine Reformversuche gegen die etablierten Generalität und ihre veralteten Ansichten zu verteidigen. Auch aus diesem Grund stiftete Scharnhorst 1801auch die Militärische Gesellschaft in Berlin, ein Diskussionsforum für preußische Offiziere aller Waffengattungen. Er förderte somit die Ideen des modernen Kriegswesen und konnte das Forum immer wieder dazu verwenden, seine Ideen zu verteidigen. Das Jahr 1803 wird überschattet vom Tode seiner Ehefrau, während der Gesellschaft mittlerweile schon über 120 Offiziere angehörten. Seine Reformen fanden dennoch ein vorzeitiges Ende, weil das Jahr 1805 und die zunehmende Bedrohung Preußens durch die Franzosen führte dazu, dass die Gesellschaft am 24. April 1805 ihre letzte Sitzung hatte.

 

Oberst Scharnhorst, 1804 befördert, diente nun im Generalsstab und nutzte seinen Ruf für eindringliche Reformbemühungen. Selbst bei Friedrich Wilhelm III. sprach er vor und pochte auf eine dringende Neuorganisation der preußischen Armee nach französischem Muster. Seine Versuche fanden einen jähen Tiefpunkt im Jahre 1806, die vernichtende Niederlage der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt. Scharnhorst selbst, an der linken Seite verwundet, nahm an Blüchers Rückzug nach Lübeck teil und fiel kurzeitig in französische Gefangenschaft (kam bei Gefangenenaustausch wieder frei). Der von Napoleon 1807 diktierte Frieden in Tilsit, erschütterte den preußischen Staat und gaben den Ausschlag zu radikalen Reformen. Friedrich Wilhelm III. und die Generäle mussten nun einsehen, dass ihr Weg nicht der Weg in die Zukunft war. So kamen Scharnhorst Ansichten vom Regen in die sprichwörtliche Traufe. Man sah in seinen Ansichten die Möglichkeit eines Neuanfangs.

 

"Wenn Schmit (sein Diener) bei mir im Wagen schläft, so habe ich die traurige Freiheit, mich ganz dem Ausbruch des Schmerzes zu überlassen. Mich trifft es doppelt, da ich all die Fehler, die Dummheit, die Feigheit kenne, die uns in die jetzige Lage gebracht haben. Der einzige Trost, der innere, ist, daß ich Vorschläge von Anfang an getan habe, wie man unserm Unglück zuvorkommen konnte, die Einrichtung einer Nationalmiliz, der allgemeinen Bewaffnung des Landes im Vorigen Sommer, die Verstärkung der Regimenter, eine engere politische Verbindung. Ebenso habe ich in den Operationen immer den richtigen Gesichtspunkt gezeigt; in der Schlacht selbst habe ich den Teil, bei dem ich war, zum Siege geführt; kurz, ich habe für meine Person tausend mal mehr getan als ich zu tun brauchte."
Gerhard David von Scharnhorst
22. Juli 1806

 

Scharnhorst-Stein-Hardenberg

(Scharnhorst ganz links neben den Reformern von Stein und Hardenberg)

 

Neben den Reformern von Stein und Hardenberg, die den preußischen Staat von Grunde auf reformierten, wurde Scharnhorst, erst kurz zuvor zum Generalmajor befördert, in den Kreis der Reformbewegung um den König aufgenommen. Seine Verdienste und Tapferkeit in der Schlacht wurden mit dem Pour le merite ausgezeichnet und Scharnhorst fand sich in seiner Aufgabe als Reformer zugleich als Chef des Kriegsdepartements (Kriegsministerium) wieder. Gleichzeitig wurde er zum Chef des Generalstabes und zum Vorsitzenden der Militär-Reorganisationskommission berufen, was ihn in die Lage versetzte, in Zusammenarbeit mit Gneisenau, Grolman, Boyen und Clausewitz, die notwendigen Umstrukturierungen an der preußischen Armee vorzunehmen. Aus diesen Reformen und heute so bekannten Namen, wurde eine der umfassendsten Heeresreformen jener Zeit, die den Grundstein für die moderne deutsche Armee legten. Zwar war das preußische Heer durch den Frieden von Tilsit auf 42.000 Mann beschränkt, war dies für Scharnhorst dennoch kein Hindernis.
Scharnhorst führte eine Art Rotationsprinzip ein, indem er Rekruten nach einer nur wenige Wochen dauernden Grundausbildung in ihre Heimatorte zurücksandte, wo sie als Mitglieder einer Nationalmiliz, der späteren preußischen Landwehr, an geheimen sonntäglichen Übungen teilnahmen. Er unterlief so die französischen Auflagen und das so entstehende Reserveheer wurde die Grundlage eines weitgreifenden Planes. Zum Einen führte er somit quasi die allgemeine Wehrpflicht ein und verbesserte mit seinen neuen Bestimmungen die Lage der Soldaten. Er schaffte das somit das Werbesystems ein und mit dem Verlust der Junkerstellen, war auch die Prügelstrafe abgeschafft. Die Offiziersstellen waren nun nicht länger dem Adel vorbehalten, sondern sollten nach persönlicher Leistung vergeben werden. Scharnhorst stellte dazu fest:  

 

"Einen Anspruch auf Offiziersstellen sollen von nun an in Friedenszeiten nur Kenntnis und Bildung gewähren, in Kriegszeiten ausgezeichnete Tapferkeit und Überblick. Aus der ganzen Nation können daher alle Individuen, die diese Eigenschaften besitzen, auf die höchsten Ehrenstellen im Militär Anspruch machen. Aller bisher statt gehabter Vorzug des Standes hört beim Militär ganz auf, und jeder ohne Rücksicht auf seine Herkunft hat gleiche Pflichten und gleiche Rechte."

 

Scharnhorst verfolgte dabei zwei Ziele, zum Einen das preußische Heer zu reformieren bzw. in eine neue Zeit zu führen und gleichzeitig ein militärisches Vorgehen gegen die französische Fremdherrschaft in den deutschen Landen vorzubereiten. Frankreich blieb dies natürlich nicht gänzlich verborgen und es erhöhte daraufhin den Druck auf den preußischen König. Dem König blieb kein Ausweg und er musste Scharnhorst im Juni 1810 vom Amt des preußischen Kriegsministers entheben bzw. er zurücktreten. Dennoch verblieb er als Chef des Generalstabes dem preußischen Heer erhalten und baute in diese Position das Ingenieurskorps der Armee auf. Ein weitere Gesichtspunkt seiner Reformen, der schon bald nützlich werden sollte.

 

Napoleon

1812 startete Napoléon seinen großen Feldzug gegen Russland und Preußen sollte laut Friedensvertrag Frankreich unterstützen. Scharnhorst zog sich daraufhin in den Ruhestand nach Schlesien zurück und beschränkte seine Tätigkeit auf die Aufsicht über das militärische Bildungswesen, die Festungen und die Waffenherstellung. Auch schrieb er in dieser Zeit das Exerzierreglement der Infanterie. Die desaströser Niederlage Napoleons bei Moskau war das Signal für Scharnhorst und wurde aus dem Ruhestand zurück an den königlichen Hof gerufen. Im festen Glauben an die Moral und die Chance des Augenblicks, bewog er den König zur Stiftung des Eisernen Kreuzes, welches allen Preußen, die in den Befreiungskrieg sich verdient gemacht haben, verliehen werden sollte. Beim Ausbruch der Kämpfe gegen Frankreich wurde er der schlesischen Armee unter dem preußischen Oberbefehlshaber Blücher als Chef dessen Generalstabes zugeteilt. Dabei zeigte er so viel Enthusiasmus und Elan, dass er den russischen General Wittgenstein tief beeindruckte. Dieser bat Blücher, Scharnhorst temporär als Chef seines Stabes einsetzen zu dürfen. Blücher stimmte zu. Am 2. Mai 1813 kam es zu einem ersten Kräftemessen zwischen der neuen preußischen Armee, verbündeten russischen Streitkräften und den Franzosen bei Großgörschen. Mag Napoléon hier den Sieg davongetragen haben, so war Preußen und seine Armee doch durchaus gleichwertig im Kampfe gewesen. Gegner geworden war. Eine entscheidende Niederlage konnten die Franzosen den Verbündeten nicht beibringen. Aus taktischen Erwägungen konnte Wittgenstein sich mit dem russischen Zaren Alexander I. gegenüber dem preußischen König durchsetzen und einen taktischen Rückzug befehlen lassen. Scharnhorst, der während der Schlacht eine Schussverletzung am Knie erlitt, ließ sogar von einem Sieg reden, da die Preußen durchwegs nach dem Eingreifen Blüchers, ihre Stellungen behauptet hatten. Die Reformen Scharnhorst waren Grundlage dieses Ergebnisses.
 

 

„Preußen befindet sich außerhalb des Prinzips, welches es begründet hat und welches es existenzberechtigt machte. Es unterhält mit bedeutenden Kosten einen großen militärischen Apparat, aber es lässt ihn durch den Rost der Zeit zerstören. Sein Prestige, noch durch frische Erinnerungen und prächtige Manöver aufrechterhalten, wird der Probe eines aufgezwungenen Krieges nicht widerstehen. An dem Tage, an dem es alle schamvollen Ausflüchte einer ängstlichen Politik, die den Krieg vermeiden will, vergeblich ausprobiert hat, wird es zu gleicher Zeit um seine Ehre und Existenz kämpfen“

 

Scharnhorst Ideal des preußischen Soldaten

Der Soldat:   darf nicht nur Spezialist sein,
muss lernen, in Zusammenhängen zu denken,
muss in die Gesellschaft integriert werden,
braucht einen überzeugende politische und moralische Idee
     
Das Heer:   eine vernünftig strukturierte Führungsorganisation,
die Überwindung ständeorientierter Hierarchien,
die Professionalisierung des Offizierkorps, nicht zuletzt auch
die Herausbildung und Vermittlung einer neuen, tragfähigen, gemeinsamen Identität.

 

 

Berlin-Scharnhorst-memorial

(Statue von Scharnhorst Straße Unter den Linden, Berlin)

 

"Eine Idee ist nie ganz neu, irgend eine Verwandtschaft vorher gefaßter Ansichten erzeugte sie."

 

Scharnhorst erhielt nach der Schlacht vom König das Eiserne Kreuz verliehen. Noch nicht ganz genesen, nahm er teil am Rückzug nach Dresden und reiste von dort nach Prag, um mit den Generälen Schwarzenberg und Radetzky einen Anschluss Österreichs an die Allianz zu verhandeln. Dort erlag er am 28. Juni 1813 der Verwundung, die er sich bei Großgörschen zugezogen hatte. Kurz vor seinem Tode erhielt er noch die Beförderung zum Generalleutnant. Seine Reformen wurden derweilen von seinen Mitstreitern Clausewitz und anderen fortgeführt. Sie brachten den Erfolg und den Sieg bei Leipzig, ebenso machten Sie aus Preußen eine Militärmacht, die Sie 1871 voll zur Geltung bringen konnte und welche bis 1945 die deutsche Armee prägte. Noch heute wird auf den deutschen Heeresschulen das Ideal einer Armee nach Scharnhorst und dessen Grundlagen vermittelt. Auch international sind seine Lehren bis heute Bestandteil des Studiums der Militärgeschichte und Grundlage für die Offiziersausbildung.

 

„Was der General Scharnhorst in seiner Laufbahn Ruhmwürdiges geleistet hat, besteht theils in dem Einflusse, den er als Schriftsteller auf die deutsche Kriegskunst ausgeübt, theils in der neuen Gestaltung des preußischen Heeres und Kriegsstaates nach der Katastrophe von 1806, welche von ihm ausging, endlich in dem Einfluß seiner politischen Ansicht als Staatsmann, in der für Preußen und Deutschland verhängnißvollsten Zeit”.
Carl von Clausewitz, Schüler von Scharnhorst

 

 (Als Namensgeber des Ordens, stand der Heeresreformer und Begründer des Volksheeres Gerhard von Scharnhorst, Pate. So ist der Verleihungsgrund umso nachvollziehbarer, die Stärkung der Verteidigungskraft der DDR)

 

Namensgeber

Seine sterblichen Überreste wurden auf dem Invalidenfriedhof in Berlin zur ewigen Ruhe gebettet. Der dankbare König errichtete ihm ein Denkmal Unter den Linden. Sein Ansehen gilt bis heute ungebrochen. Ihm wurden alle Ehrungen für Militärpersonen zuteil, darunter die Benennung eines Schiffen, der Große Kreuzer SMS Scharnhorst und das Schlachtschiff Scharnhorst, nach ihm. Sein Namen findet sich in Straßen, Gebäuden und wichtigen Einrichtungen wieder, so die ehemalige Zeche Scharnhorst, das Scharnhorstgymnasium in Hildesheim, die Stadtteile Alt-Scharnhorst und Scharnhorst-Ost sowie der Stadtbezirk Scharnhorst in Dortmund. Ebenso wurde ein Ehrenzeichen, der Scharnhorst-Orden der DDR, nach ihm benannt. Außerdem gab die DDR 1980, zum 225. Geburtstag Scharnhorsts, eine 10-Mark Gedenkmünze heraus und auch einen Scharnhorst Orden. Besonders die deutsche Armee hat ihr Vorbild bis heute nicht vergessen, so erinnert der Preis für die Jahrgangsbesten der Offizieranwärterjahrgänge des Deutschen Heeres, der seinen Namen erhielt, bis heute an ihn. Ebenso das Scharnhorsthaus an der Panzertruppenschule in Munster sowie der Scharnhorstsaal und das Audimax der Offizierschule des Heeres in Dresden. Außerdem gibt es in Deutschland und an vielen Kaseren des Landes Gedenkstätten für ihn, so an der Auebrücke der berühmte Gedenkstein. Die Gründung der Bundeswehr wurde 1955 bewusst auf den 12. November gelegt, den 200. Geburtstag von Scharnhorsts. Aus Anlass seines 250. Geburtstages fand am 12. November 2005 an seinem Geburtsort in Bordenau ein Feierliches Gelöbnis statt.

 

„Am 28. Juni starb zu Prag an den Folgen seiner in der Schlacht von Großgörschen erhaltenen Wunde der Königlich Preußische Generalleutnant von Scharnhorst. Er war einer der ausgezeichnetsten Männer unserer Zeit. Das rastlose, stetige, planvolle Wirken nach einem Ziel, die Klarheit und Festigkeit des Verstandes, die umfassende Größe der Ansichten, die Freiheit von Vorurteilen des Herkommens, die stolze Gleichgültigkeit gegen äußerliche Auszeichnungen, der Mut, in den unscheinbarsten Verhältnissen mit den schlichtesten Mitteln durch die bloße Stärke des Geistes den größten Zwecken nachzustreben, jugendlicher Unternehmungsgeist, die höchste Besonnenheit, Mut und Ausdauer in der Gefahr, endlich die umfassendste Kenntnis des Kriegswesens, machen ihn zu einem der merkwürdigsten Staatsmänner und Soldaten, auf die Deutschland je stolz sein durfte. Was er dem Staate gewesen ist und dem Volke und der ganzen deutschen Nation, mögen wenige oder viele anerkennen, aber es wäre unwürdig, wenn einer davon gleichgültig bliebe bei dem traurigen Todesfall.“

Nachruf von Gneisenau und Clausewitz 1813