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Portrait

Alexander Wassiljewitsch Koltschak

Der Weiße Admiral

Kolchak07[1] 

 

* 16. November 1874 in Sankt Petersburg
† 7. Februar 1920 (hingerichtet) in Irkutsk


Lebensweg bis 1910

 

Alexander Wassiljewitsch Koltschak (Russisch: Алекса́ндр Васи́льевич Колча́к) wurde im Winter 1874 als Sohn einen pensionierten Generalmajors der Marineartillerie in St. Petersburg geboren. Durch seinen Vater der an der Belagerung Sewastopols (1854-55) aktiv teilnahm, wurde seine Zukunft schon früh Richtung Marine gelenkt. Mit 20 Jahren beendete er seine Ausbildung im Marine Kadetten Corps in St. Petersburg und trat in das 7. Marine Bataillon ein. Bereits wenig später wurde das Bataillon in den Fernen Osten nach Wladiwostok verlegt, dort war er bis ins Jahr 1899 stationiert. Danach wurde er zurück nach Westrussland verlegt und war in Kronstadt stationiert.

1. Polarexpedition 1900-1903

Als der deutschbaltische Geologe und Polarforscher Eduard von Toll 1900 zu einer Expedition in die Arktis aufbrach begleitete ihn Koltschak als Hydrologe (Gewässerkundiger) auf dem Schiff Zarya (Заря, übersetzt Abenddämmerung). Das Ziel der Expedition war es die Existenz des Sannikow-Landes zu beweisen (eine Inselgruppe die aber nicht existiert). Nach 2 Jahren im Eis verschwand der Expeditionsleiter von Toll mit zwei weiteren Personen, eine von Koltschak geleitete Rettungsaktion blieb erfolglos, es konnten lediglich die Tagebücher und die wissenschaftlichen Aufzeichnungen von Tolls gefunden werden, er selbst und seine Begleiter blieben im ewigen Eis verschollen. Daraufhin machte sich Koltschak und der Rest der Gruppe Ende 1902 auf den Rückweg nach Russland.
Eine auf der Expedition kartografierte und entdeckte Insel in der Karasee wurde nach Koltschak benannt und trägt diesen Namen auch seit 2005 wieder. Die Koltschak-Insel (Остров Колчака) ist ca. 20km Land und 6km breit.

 

 Für seine in der Arktis geleistete Arbeit wurde ihm die Konstantin Medaille verliehen und er wurde zum Mitglied der Russischen Geographische Gesellschaft ernannt.

 

Russisch-Japanischer Krieg 1904-1905

Nach dem Ausbruch des Russisch-Japanischen Krieges eilte Koltschak, der eigentlich zu dieser Zeit heiraten wollte, nach Port Arthur. Davor telegrafierte er noch seiner Verlobten und deren Vater damit diese ihn in Sibirien für die Hochzeit treffen konnten. Kurz nach der Hochzeit begab er sich an Bord des Kreuzers Askold (Аскольд) und nahm mit auf ihr an der Seeschlacht vor Port Arthur teil. Die in Deutschland (Germaniawerft) gebaute Askold konnte ihre vergleichsweise hohe Geschwindigkeit ausnutzen und leistete heftigsten Widerstand gegen die Flotte der Japaner. Wurde jedoch im Laufe des Gefechts beschädigt. Danach Kommandierte Koltschak den Zerstörer Serdityi mit dem er hauptsächlich nachts Minen legte, eine dieser Minen führe schließlich zur Versenkung des Japanischen Kreuzers Takasago, hier führ verlieh man Koltschak den Orden "Der Heiligen Anna 4. Klasse".
Als schließlich die Blockade Port Arthurs immer enger wurde und die Schiffe nicht mehr auslaufen konnten, ernannte man ihn zum Kommandeur einer Küstenbatterie. In den letzten Tagen des Kampfes um Port Arthur wurde Koltschak leicht verwundet und schließlich von den Japanern gefangen genommen. Als Kriegsgefangener verbrachte er 4 Monate in Nagasaki, bevor man ihn aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wieder entließ.

 

Bei der Rückkehr nach Russland verlieh man ihm das "Schwert des Heiligen Georg für Tapferkeit".

 

Wiederaufbau der Russischen Flotte

Nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg 1905 wurde Koltschak befördert und war danach maßgeblich mit dem Aufbau der neuen Russischen Flotte beteiligt. Die alte russische Flotte war fast vollständig im Krieg mit Japan zerstört worden. Als Teil den St. Petersburger Generalstabes half er neue Trainingsprogramme und einen neuen Verteidigungsplan für den Golf von Finnland zu entwerfen.

 

2. Polarexpedition 1908–1910

Neben seiner Tätigkeit im Generalsstab half er bei der Konstruktion zwei spezieller Eisbrecher, Taimyr und Vaigach. Mit beiden Schiffen lief er dann im Frühling von Wladiwostok aus auf mit Kurs auf das Bering Meer und danach weiter bis zum Kap Deschnjow. Das auf dieser Reise von ihm gesammelte Material wurde später von ihm in der Russischen Akademie der Wissenschaften bearbeitet und veröffentlicht. Seine Arbeit galt als wichtigstes Werk auf diesem Gebiet. Teile seiner Forschungsarbeit wurden später (1929) auch von der Amerikanischen Geografischen Gesellschaft gedruckt.

{tab=Weltkrieg/Revolution/Bürgerkrieg

}Nach Ausbruch des Krieges befahl Admiral von Essen (Deutschbalte) Koltschak ohne direkten Befehl des Marineministers oder Nikolaus II. den Golf von Finnland zu verminen, um einer eventuellen deutschen Attacke zuvor zu kommen. Im Herbst 1914 führe er dann den von ihm selbst ausgearbeiteten Plan zur Blockade der deutschen Seehäfen aus. Mit Zerstörern und Kreuzern verminte er strategisch wichtige Punkte in der gesamten Ostsee. Die verlegten Minen führten zur Zerstörung zweier deutscher Kreuzer (Friedrich Carl und Bremen), 8 Zerstörer und 11 Transporter. Zwei weitere Kreuzer wurden beschädigt. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Operation wurde er Kommandeur der Minenlegerflotte im Golf von Riga.

 

Für diese Verdienste wurde er am 9. Oktober 1915 mit dem "Orden des Heiligen Georg 4. Klasse" ausgezeichnet.

 

Schwesterschiff SMS Prinz Adalbert

 SMS Friedrich Carl

 

Bis Sommer 1916 bereitete er eine Operation vor dessen Ziel die Eroberung Konstantinopels (das heutige Istanbul) sein sollte. Hintergrund war die Sicherung des freien Zuganges zum Schwarzen Meer. Am 28. Juni 1916 wurde er dann, auf persönlichen Befehl Nikolaus II. zum Vizeadmiral befördert und zum Kommandeur der Schwarzmeerflotte ernannt. In der Zeit seines Kommandos in Sewastopol kam es zu dem, bis heute ungeklärten, Verlust des Schlachtschiffes "Imperatriza Marija" im Oktober 1916. Koltschak bemühte sich hauptsächlich mit der Schwarzmeerflotte den Zugang zum Schwarzen Meer zu blockieren, was ihm auch erfolgreich gelang.

 

Russische Revolution

Nach dem Ausbruch der Revolution wurde Koltschak nach Petrograd beordert und traf sich dort mit der Provisorische Regierung der Russischen Republik. Nach mehreren Gesprächen stellte man fest das man momentan mit Koltschak nicht überein kommen konnte und befahl ihm nach Amerika zu gehen. Die Briten und Amerikaner waren an Koltschaks Wissen über die Bosporusregion interessiert, und stellten ihm einen Posten in Aussicht. So reiste er über Großbritannien auf dem Seeweg bis nach Amerika. Seine Reise nach Amerika sollte sich allerdings nach seiner Ankunft als umsonst herausstellen, da die Amerikaner nun kein Interesse mehr an den Informationen hatten. Aufgrund der neuen politischen Ziele Amerikas sah Koltschak keinen Sinn mehr noch länger in Amerika zu bleiben und kehrte schließlich über Japan zurück nach Russland.

 

Russischer Bürgerkrieg

Bei Ausbruch der Oktoberrevolution 1917 befand sich Koltschak noch in Japan und reiste dann weiter über die Mandschurei und Wladiwostok bis nach Omsk (Sibirien). Die Alliierten, allen voran die Briten, waren der Meinung das Koltschak sie in ihrem Kampf gegen das Deutsche Kaiserreich mehr unterstützen konnten als die Bolschewiken unter Führung Lenins. Koltschak akzeptierte die Vorschläge der Britischen Regierung und trat danach seine Reise nach Omsk an. Dort angekommen wurde er aufgrund seiner Popularität und seiner guten Beziehungen zu Großbritannien als Minister des Kabinetts vorgeschlagen und akzeptierte diese Wahl auch.

 

Oberster Regent Russlands

Im November machte er sich zu einer Inspektion auf und verließ Omsk, während dieser Abwesenheit wurde das Kabinett von den Kosaken gefangen genommen. Die verblieben Mitglieder des Parlaments stimmten danach dafür das Koltschak die Führung der Regierung übernehmen sollte. Man deklarierte ihn zum Obersten Regenten Russlands und verlieh ihm alle Vollmachten. Gleichzeitig beförderte Koltschak sich selbst zum Admiral (er war seit Ende des 1. Weltkrieges Vizeadmiral). Anerkannt wurden Koltschak und seine Regierung allerdings nur von den Staaten der Entente (Frankreich, Großbritannien und Italien) und von dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen.

 

Krieg gegen die Bolschewiken

Koltschak formierte eine über 100 000 Mann starke Armee, zu deren Stärksten Einheiten die "Tschechoslowakische Legion" und die 5. Polnische Schützen Division zählte. Durch Koltschaks gute Beziehungen zu Großbritannien konnte ein Teil seiner Truppen mit britischer Munition und Ausrüstung versorgt werden. Die Japaner auf deren Unterstützung er auch gehofft hatte verwehren ihm diese jedoch. Auch die USA die zu diesem Zeitpunkt 7 000 Soldaten in Sibirien stationiert hatten (zum Schutz der Transsibirischen Eisenbahn) griffen in den Konflikt nicht ein. Der Kommandeur der amerikanischen Soldaten in Sibirien sah in Koltschak einen Monarchisten und Autokraten. Und somit keine Gemeinsamkeit mit den Prinzipien der USA, der damalige US-Präsident Wilson teilte diese Ansicht und verwehrte ihm ebenfalls jegliche Unterstützung.

Koltschaks Plan war es Archangel, Ufa, Kasan und Samara zu erobern. Unterstützt wurde dieses Vorhaben durch Anti-kommunistische Aufstände in Kasan und Samara. Anfang 1919 konnte Ufa genommen werden und die demotivierte Rote Armee zog sich vorerst zurück. Koltschak und seine Armee kontrollierten nun ein Gelände von weit über 300 000km² (zum Vergleich Deutschland hat in etwa 357 000km²) mit rund 7 Millionen Einwohnern.
Nach Streitereien verwarfen sich Koltschak und die Polnischen und Tschechoslowakischen Truppen, worauf diese in ihre Heimat zurückkehren. Die sich in der Zwischenzeit neu formatierte Rote Armee hingegen, erstarke und ging nun zum Gegenangriff über. Koltschaks Weiße Armee, die seit Ende des 1. Weltkrieges immer weniger vom Ausland unterstützt wurde, verlor schnell an Boden und musste sich schließlich Richtung Irkutsk zurückziehen.

Tod und Gegenwart

 

Tod

Obwohl man Koltschak eine sichere Durchquerung durch Irkutsk zur Britischen Militärbasis garantiert hatte wurde er an die Behörden Irkutsks übergeben, welches sich bereits ein paar Tage später den Bolschewikischen ergeben musste. In den folgenden Tagen bildeten die Bolschewiken ein Komitee das über Koltschak und seinen ebenfalls gefangenen Ministerpräsidenten entscheiden sollten. Am 6. Februar schließlich verkündeten sie das Todesurteil für beide Gefangenen. Welches einen Tag später vollstreckt wurde. Der Oberste Regend Russlands und Oberbefehlshaber der Weiße Armee Alexander Wassiljewitsch Koltschak wurde darauf zusammen mit seinem Ministerpräsidenten von einem Exikutionskommando erschossen. Ihre Leichen wurden anschließend in einem Loch im gefrorenen Angara Fluss versenkt.

 

Als die Weiße Armee vom Tod Koltschaks hörte beschloss sie Irkutsk doch nicht anzugreifen und zog sich weiter zurück.

 

Koltschak im modernen Russland

In den letzten Jahren wurde immer wieder versucht Koltschak vor Gericht zu rehabilitieren was aber immer nur teilweise gelang. Allerdings wurden zwischenzeitlich Monumente in St. Petersburg und Irkutsk für ihn errichtet, wenn auch gegen den Widerstand einiger linker Veteranen. Sein Bild in der Gesellschaft hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten von einem Feind des Regimes zu einer schlichten Persönlichkeit des vor-sowjetischen Russlands geändert.

 

Sein Leben und Schicksal wurde der breiten russischen Bevölkerung 2008 durch den Spielfilm "Der Admiral" (Адмиралъ) bekannt.

 

Statue von Koltschak in Irkutsk

Urheber Aineias