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Das Thema

Amon Leopold Göth, SS-Hauptsturmführer
Lagerkommandant in Plaszów

(geboren am 11. Dezember 1908 in Wien; † 13. September 1946 in Krakau)

Kindheit/Jugend

Kindheit und Jugend

Schlechtes Wetter begleitet die Geburt von Amon Leopold in Wien Gumpendorf am 11. Dezember 1908. Die Mutter Bertha Göth und der Vater Amon Franz mussten lange auf die Geburt ihres Sohnes warten. In der Morizgasse, im Haus Nr. 5 war es dann endlich soweit. Unter Mithilfe der Hebamme Maria Altmann erblickte Amon Junior das Licht der Welt.

Bereits eine Woche später empfängt der Junge das heilige Sakrament der Taufe und führt eine Tradition der Familie Göth fort – den altägyptischen Vornamen Amon (bzw. Amun).

Seine aus einfachen Verhältnissen abstammenden Eltern (Vater Amon Franz hat gleich 8 Geschwister), haben sich immerhin erfolgreich als „Buch und Kunsthändler“ versucht und konnten so dem Sprössling eine angenehme Kindheit ermöglichen, in der es ihm an nichts fehlen sollte.
Von Anfang an war er der Liebling seiner Tante Käthe, die sich aufopferungsvoll um ihren Neffen, den sie liebevoll „Mony“ nannte kümmerte, da sie selbst kinderlos blieb.
Mutter Bertha ist diejenige, die die Geschäfte am Laufen hält, sein Vater Amon Franz spielt eher den gebildeten, perfekt englisch-sprechenden Gentleman, der in der Welt umherreist.
Kurz gesagt, die Frau im Hause Göth verdient das Geld, der Mann gibt’s wieder aus.

Aufgrund der gut laufenden Geschäfte, lebt die Familie in guten bürgerlichen Verhältnissen.
Der Erste Weltkrieg ist für den gerade eben erst eingeschulten Amon Leopold ein Ereignis, das sich in weiter Ferne abspielt, und so nimmt der 7-jährige davon kaum Notiz.

Am 29. Mai 1919 wird Mony im großen Stephansdom mitten in Wien gefirmt. Zu dieser Zeit ist die österreichische Monarchie bereits zusammengebrochen und die neue Republik Österreich ausgerufen worden, für die sich der Junge jedoch schon in diesen frühen Tagen nicht begeistern kann.
Schon hier ist dem 11-jährigen Schulkind klar, das dieses kleine Österreich den Kampf ums Überleben nicht gewinnen kann, ja gar nicht gewinnen soll – der Anschluss an das große brüderliche Deutschland kann das einzige, reale Ziel nur sein.
 


Amon Göth im zarten Knabenalter



Mony bereitet seinen Eltern in seiner Schulzeit vielerlei Sorgen. Weder ist er gewillt, sich für das gutbürgerliche Leben zu begeistern, noch hat er sonderlich große Lust in die Schule zu gehen, um dort etwas zu lernen. Die Noten sind dementsprechend und daher entscheiden sich die Göths dafür, ihren Sohn in eine Klosterschule ins Waldviertel (eine ländliche Gegend nördlich von Wien – Richtung tschechische Grenze) zu schicken.
Die großen Hoffnungen, die seine Eltern in das Konvikt Waidhofen a.d. Thaya (eine Oberrealschule) gesteckt haben, werden jedoch nicht erfüllt. Ihr Sohn hat seinen eigenen Willen und bereits in der 10. Klasse ist für ihn der Punkt erreicht an dem er die „lästige Quälerei namens Schule“ – wie er selbst behauptet – beendet.
2 Jahre vor der Matura (Abitur) tritt er aus der Schule aus und entschließt sich, zur großen Freude seiner Eltern, in deren Verlag mitzuarbeiten. Er soll den Beruf eines Verlagsbuchhändlers erlernen und damit später einmal den elterlichen Betrieb übernehmen und fortführen.


Parteimitglied

Erste Kontakte zu Nationalsozialisten

Doch bevor er noch aus dem ruhigen Waldviertel nach Wien zurückkehren kann, folgt er einem Freund zu einer Veranstaltung der lokalen, neuen „Hakenkreuzler“. Schon nach dieser ersten Veranstaltung hat Mony seinen Platz gefunden. 1925 tritt er der „Vereinigung der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterjugend Deutsch-Österreichs“ bei. Schnell kann er hier Fuß fassen und ist bereit, tatkräftig gegen die sich ausbreitende „Judenseuche“ zu kämpfen. Er übernimmt frühzeitig diese und andere Parolen und ist sofort bereit auch Gewalt gegen selbst definierte „Feinde“ des deutschen Volkstums einzusetzen. Er fühlt sich berufen, „sein Volk und den deutschen Arbeitsmenschen aus der Knechtschaft zu befreien“. Bis zu seinem Tod wird er diesen Grundsätzen, denen er zu seiner frühen Jugend folgen lernte, treu bleiben.

Trotz allen Eifers, mit dem er bei den jungen „Hakenkreuzlern“ von Anfang an dabei ist, tritt er 1927, im Alter von 19 Jahren der 5. Kompanie des „Steirischen Heimatschutz Verbandes Wien“ bei. Zu diesem Zeitpunkt waren die österreichischen Nationalsozialisten nur eine unbedeutende Vereinigung, die bei Wahlen gerade mal 30.000 Stimmen bekamen. Vermutlich war er vorübergehend der Meinung beim Heimatschutz-Verband besser aufgehoben zu sein.

1929 war Amon Göth wieder vermehrt bei den österr. Nazis zu finden, ohne ihnen jedoch beizutreten.
Als 1930 die NSDAP zu der zweitstärksten Partei in Deutschland wird, ist dies für den Heimatschutz in Österreich das Signal, die Seiten zu wechseln und in Scharen den österr. Nazis beizutreten.
Am 13. Mai 1931 tritt Amon Göth schließlich doch als Mitglied Nr. 510.764 der NSDAP-Ortsgruppe Margareten bei. Sofort wird er politischer Leiter der SA in seiner Ortsgruppe und gilt als ehrgeiziger SA-Mann, der noch eine große Karriere vor sich haben sollte.

Der Beginn der SS Karriere

Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland am 30. Januar 1933 ist Amon Göth bereits kein SA-Mann mehr, sondern schließt sich nun der SS, dem Sturm „Libardi“ an und erhält die Ausweisnummer 43.673.
Sofort wird er als SS-Scharführer Adjutant des Stabsführers im Stab der 52. SS-Standarte eingeteilt und ist nebenbei noch Motorstaffelführer. Von Anfang an wird er als „vorbildlicher SS-Kamerad“ bezeichnet und ihm werden „große Verdienste um die Partei“ bescheinigt.

Nach Sprengstoffanschlägen in Krems, die Angehörigen der österr. SS angelastet werden, muss Amon Göth nach Deutschland flüchten, um den Fängen der Justiz zu entgehen. Zu diesem Zeitpunkt war Amon Göth bereits Führer der Motorstaffel der SS Niederösterreich.

Er wird später 1939 sogar Antrag auf den Blutorden stellen, aufgrund seiner frühen „Aktivitäten“ in der österr. SS, jedoch wird ihm dieser Orden nach längerem bürokratischen Hin und Her nicht verliehen.

Er flüchtet nach München und freundet sich dort mit einem Doggenzüchter namens Josef Stehberger an. Er hält sich mit Schmuggel bzw. mit dem Verkauf geschmuggelter Waren über Wasser.

Im Oktober 1933 wird er schlußendlich doch noch von der österreichischen Polizei verhaftet, darf jedoch Weihnachten wieder in Freiheit, im Kreise seiner Familie feiern.
Um dem Treiben ihres Sohnes Einhalt zu gebieten, bekommt Amon von seinen Eltern eine junge Dame vorgestellt, mit dem Vorschlag nun endlich sesshaft zu werden und zu heiraten.
Zu aller Überraschung stimmt Amon zu und schon am 7. Januar 1934 heiratet Amon Göth die 4 Jahre ältere Olga Janauschek, eine Bankbeamtin aus Wien.
 


Göth im bürgerlichen Dress, ohne SS Uniform

 

Lange hält diese Ehe jedoch nicht, denn schon im Frühjahr 1936 kriselt es, da es Amon Göth wieder zu seinen alten SS Kameraden zieht. Doch bevor er sich wieder ganz dem damaligen Treiben der österreichischen SS widmen kann, stirbt am 5. März 1936 seine Mutter Bertha Göth an Brustkrebs.
Dieser schwere Schlag für Amon und seinen Vater, bewegt ihn dazu, seine Karriere bei der SS vorerst sein zu lassen und den elterlichen Betrieb in die Hand zu nehmen. Er möchte allen zeigen, das er den Betrieb erfolgreich weiterführen kann, und scheut auch nicht davor zurück, die Bücher seines Verlages persönlich unter das Volk zu bringen und verkauft diese in den Wiener Kaffeehäusern.

Eine Anekdote aus dieser Zeit: Amon lernt bei seinen Verkaufstouren durch die Kaffeehäuser eine attraktive, junge, rothaarige Dame kennen. Er unterhält sich längere Zeit bestens mit ihr, bis ihn ein Freund diskret darauf hinweist, das diese Frau Jüdin sei – Amon Göth dreht sich um und verlässt wortlos das Lokal – er lässt die Frau einfach sitzen ohne ein Wort zu sagen, denn mit Juden darf er nicht verkehren.

Am 15. Juli 1936 soll endgültig die Scheidung von Olga Göth ausgesprochen werden. Olga wird damals von einem zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Juristen namens Arthur Seyß-Inquart vertreten. (Mit Urteil des Erzbischöflichen Diözesangerichtes wird am 12. Dezember 1940 sogar die kirchliche Ehe zwischen Amon und Olga für ungültig erklärt. Als Grund gab Amon an, das er zum Zeitpunkt der Eheschließung noch nicht für diesen Schritt bereit gewesen sei und deshalb die Ehe auch kirchlich geschieden werden sollte.)

Im Sommer 1937 zieht Amon Göth nach München zu Josef Stehberger und startet nun den 2. Anlauf zu seiner SS-Karriere. Vorübergehend drohte ihm jedoch der Ausschluss, da er scheinbar ernste Meinungsverschiedenheiten mit seinem damaligen Vorgesetzten hatte – als dieser jedoch selbst die SS verließ, konnte Amon Göth seinen Dienst weiter versehen.

Nach dem Anschluss Österreichs kehrt Amon Göth zurück nach Wien und heiratet abermals. Diesmal ist Frau Anna Geiger die Glückliche. Eine sportliche junge Frau, die voll auf Monys Wellenlänge ist – sie fährt gerne Motorrad und besucht regelmäßig Motorradrennen, wo sich die Beiden auch kennengelernt haben.
„Anny und Mony“ geben ein Traumpaar ab, ganz im Sinne der SS, deshalb tritt Amon auch 1939 aus der Kirche aus und bezeichnet sich von nun an als „gottgläubig“.

 


Hochzeitsfoto von Anny und Amon Göth



Auch im Verlag der Göths läuft es gut. Der Betrieb erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 1,5 Millionen Reichsmark und kann derartige Umsätze bis 1944 halten.
Amon Göth entschließt sich nun zu einer Beteiligung an der Hermes Druck- und Verlagsanstalt, sein aggressives Vorgehen dabei handelt ihm jedoch Probleme ein. Sein Betrieb wird einer Prüfung unterzogen.
Der Betrieb der Göths macht sogar in der Zeitschrift der SS dem „Schwarzen Korps“ negative Schlagzeilen, da Außendienstmitarbeiter des Verlages zu aggressiv beim Verkauf der Bücher vorgehen.

Im Juli 1939 kommt Peter, der Sohn des jungen Paares zur Welt. Das Glück währt jedoch nicht lange, schon am 9. Februar 1940, als das Ehepaar für einige Stunden das Haus verlassen, finden sie bei ihrer Rückkehr ihren Sohn tot zu Hause auf. Er ist an den Folgen einer Diphterie-Infektion verstorben.


Karriere II (SS)

2. Start der Karriere bei der SS

Am 9. März 1940 verlässt Göth Wien und damit seine Familie und rückt in das Sonderkommando des Reichsführer-SS in Kattowitz ein. Er bekleidet dort die Position eines Verwaltungsführers der Einsatzführung Ost Oberschlesien.

Im Januar 1941 wird er zum Oberscharführer befördert.

Am 30. März 1941 kommt Ingeborg Göth zur Welt. Amon Göth hatte sich einen Sohn gewünscht, doch als er seine Tochter zum ersten Mal sieht, ist er sofort hin-und-weg von ihr und verliebt sich unsterblich in seine Tochter.

Das Dienstzeugnis Amon Göths, ausgestellt am 14. Juli 1941 von SS-Sturmbannführer Otto Winter ist tadellos. Er beschreibt Göth als „charakterlich und weltanschaulich gefestigt, frei von jeder konfessionellen Bindung“.
Sogar Ernst Kaltenbrunner, damals noch Führer des SS Oberabschnittes Donau, selbst bezeichnet Göth als „aufrechten Nationalsozialisten, opferfreudigen und einsatzbereiten SS-Mann, der zum SS-Führer geeignet ist“.

Am 9. November 1941 wird Amon Göth zum SS-Untersturmführer befördert, da sein „rassisches Gesamtbild“ stimme, er „fälisch-ostisch“ gepaart mit „mutiger, bestimmter Haltung“ und „umfassenden Wissen“ ausgestattet sei und bei ihm keine Mängel und Schwächen zu erkennen seien.

Göth gilt schon hier als hervorragender Organisator.

Nicht zuletzt deshalb wird Amon Göth im Frühjahr 1942 zum Stab Odilo Globocniks nach Lublin versetzt.

Seine erste Aufgabe ist der Ausbau des Lagers Budzyn. Göth soll es für 2.000 Zwangsarbeiter vorbereiten, die ab Oktober 1942 dort für die Flugzeugwerke Heinkel Tragflächen für Flugzeuge herstellen sollen.

Wieder macht sich Göth bei der SS einen Namen, indem er im Ghetto von Konskowola gnadenlos Zwangsarbeiter selektiert und die Alten und Schwachen sofort am Marktplatz erschießen lässt. Auch die Kranken (zu diesem Zeitpunkt herrscht im Ghetto eine Ruhrepidemie) werden auf Göths Befehl hin sofort exekutiert.

Im Rahmen der „Aktion Reinhard“ lernt Amon Göth seinen Landsmann Adolf Eichmann kennen. Ihm hat er später zu verdanken, das er nicht schon frühzeitig aufgrund seiner Bestechlichkeit aus der SS ausgeschlossen wird. Denn schon zu dieser Zeit lernt Göth, das es im ehemaligen Polen jede Menge jüdische Vermögenswerte gibt, die nur darauf warten, das sie sich jemand aneignet.

Die SS plant bereits seit November 1941 die Ermordung von 2,5 Millionen jüdischen Polen.
Zuvor scheiterten diese Pläne an einem unübersichtlichen Hickhack durch unklare Zuständigkeiten und Kompetenzen zwischen Hans Frank und Heinrich Himmler.

Am 13. August 1942 wird Göth zum „Fachführer der Waffen-SS“ beim Höheren SS- und Polizeiführer Ost ernannt, wird jedoch vorerst nicht befördert.

Göth hat sich aufgrund seiner Skrupellosigkeit und seines Einsatzes für eine neue Aufgabe hervorgetan – er übernimmt im Herbst 1942 das Kriegsgefangenenlager von Ponaitowa. Ursprünglich (seit September 1941) waren hier 24.000 russische Kriegsgefangene interniert.
Bis zum Frühjahr ´42 hat man jedoch ganze 22.000 Insassen sterben lassen, da die sanitären Anlagen praktisch nicht vorhanden waren und man eine Typhusepidemie im Lager medizinisch nicht bekämpfen konnte, oder wollte. Zu Beginn des Jahres 1942 starben in diesem Lager bis zu 1.000 Menschen pro Tag!
Göth plant sofort, die Zwangsarbeiter im Lager Ponaitowa so rasch wie möglich auf 9-10.000 Arbeiter aufzustocken. Geplant hierfür sind Juden aus der Slowakei bzw. aus Göths Heimat Wien. Sie sollen für die nahe gelegenen Textilfabriken von Walter Toebbens schuften und dort Wehrmachtsuniformen herstellen.

Später (Anfang November 1943) wird dieses Lager im Rahmen der „Aktion Erntefest“ vollständig liquidiert. Zuerst müssen die Insassen angebliche Splittergräben gegen Luftangriffe graben, um später in 50er Gruppen an die Grubenränder geführt und erschossen zu werden. Insgesamt müssen am 4. November 1943 ca. 14.000 Menschen sterben. Eine einzelne Baracke, in der sich bewaffnete jüdische Widerstandskämpfer verbarrikadiert haben und das Feuer auf die SS-Wachmannschaften eröffnen wird von selbigen in Brand gesetzt. Die Aufständischen verbrennen bei lebendigem Leibe.
150-200 Menschen aus diesem Lager werden am Leben gelassen, um die Kleidung der Exekutierten zu sortieren bzw. die Leichen zu verbrennen. Als sie sich geschlossen weigern, erleiden sie dasselbe Schicksal wie ihre Leidensgenossen und werden hingerichtet. bewaffnet

Noch am 28. Oktober 1942 ist Göth zurück in Krakau um die Räumung des dortigen Ghettos zu leiten.
Auf die Szenen, die sich bei der Räumung des Krakauer Ghettos abspielen, muss man an dieser Stelle nicht im Detail eingehen. Der Film „Schindlers Liste“ behandelt dieses Thema nur allzu anschaulich.

Das Zwangsarbeitslager Podgórze war ursprünglich als Auffanglager für die Juden aus dem Krakauer Ghetto geplant, allerdings hat sich die höhere SS-Führung für den Neubau eines Lagers in Plaszów entschieden.

Das Lager Plaszów wird errichtet

Amon Göth soll den Bau des Lagers leiten und später selbst Kommandant werden.
Gefördert wird er von einem alten Kameraden, des Führers im SS-Abschnitt XIV, SS-Oberführer Julian Scherner. Scherner muss Göth nicht lange überreden, diesen Posten anzunehmen, da Göth immer schon sein eigener Herr sein wollte – mit der Kommandantur seines eigenen Lagers, wäre dieser Traum erfüllt!
Bereits am 10. Oktober 1942 beginnt Göth mit den Vorbereitungen bzw. mit dem Bau des Lagers.
Auch hier entsprechen die Szenen aus Schindlers Liste der Wahrheit.
Mehrere jüdische Friedhöfe wurden zerstört und die Grabsteine zum Bau der Zufahrtsstraße des neuen Lagers verwendet. Die Toten wurden ausgegraben und einfach achtlos auf dem Gelände liegen gelassen.
Der Anblick der vielen menschlichen Knochen, die in der Sonne vor sich hinbleichten muss gespenstisch gewesen sein.

Die ersten Worte Amon Göths bei seinem Antritt in Plaszów vor allen versammelten Häftlingen: „Ich bin Euer Gott“, gefolgt von: „Im Distrikt Lublin habe ich 60.000 Juden erledigt, jetzt ist die Reihe an Euch!“
 


Ansprache Göths an die Wachmannschaften in Plaszów



Grundsätzlich sollten im Lager Plaszów große Werkstätten erstehen. Die Firmen Optima und Unternehmen von Julius Madritsch sollten Ihre Produktionsstätten ins Lager verlegen, um direkt von den Zwangsarbeitern profitieren zu können. Für die nötige Motivation und Produktivität würde Göth schon sorgen.
Kontraproduktiv erscheinen dann erste Entscheidungen des Kommandanten für die arbeitenden Häftlinge lediglich 2.200-2.500 Kalorien an Verpflegung täglich zu Verfügung zu stellen. (schwer arbeitende Menschen benötigen mindestens um die Hälfte mehr!)

Auch die erste grausige Überraschung hat Göth schnell für die Gefangenen parat. 2 Mädchen flüchten aus dem Lager zurück nach Krakau ins Ghetto. Göth statuiert ein Exempel und erschießt daraufhin vor allen zum Appell angetretenen Häftlingen 2 jüdische Kapos. Die beiden müssen sich niederknien, um die Schüsse des Kommandanten aus nächster Nähe zu erhalten. Göth nimmt nach der Exekution seinen Hut ab, füllt diesen mit dem Blut der Erschossenen und setzt ihn wahllos einem anderen Häftling auf mit den Worten: „Jetzt führst Du das Kommando!“
Göth lässt die beiden Mädchen im ehem. Ghetto suchen. Tatsächlich werden sie gefunden und in das Lager nach Plaszów zurückgebracht. Noch am selben Abend werden die Mädchen vor den komplett angetretenen Häftlingen gehängt. Als jedoch bei einer der Strick reißt, wird das Mädchen auf Befehl Göths noch einmal gehängt, diesmal feuert der Kommandant jedoch zusätzlich noch aus seiner privaten Pistole Schüsse auf den baumelnden Körper ab. Begleitet wird die Szene von einem Schlager, der über die Lautsprecher des Lagers dröhnt: „Komm zurück!“ von Rudi Schuricke.

Das Attentat

Es ist Januar 1943 als jüdische Widerstandskämpfer um Józef Liebermann, einem Zahnarzt aus dem Nebenlager Julag I, ein Attentat auf Amon Göth planen, um ein Zeichen des Widerstands zu setzen.
Liebermann, der sich frei in Julag I bewegen kann, da er auch der Zahnarzt des Kommandanten und Gegenspieler Göths, Oberscharführer Franz-Josef Müller war, verkehrte oft im Haus von Marysia Pazda. Ihr Haus lag einige Hundert Meter außerhalb von Julag I und wurde bevorzugt von SS-Leuten zum Mittagessen aufgesucht. Auch OD-Männer und Polen besuchten Marysia Pazda regelmäßig zu Mittag.
Liebermann, der als jüdischer Zahnarzt in Julag I natürlich keinen Lohn bekam, nahm für seine Behandlungen auch gern Zuwendungen in Form von Alkohol, Zigaretten oder Essen entgegen. Manchmal bekam er auch Geld und andere Wertgegenstände für seine Dienste. Diese Wertsachen und auch eine Waffe nebst Munition wurde heimlich im Haus Pazda aufbewahrt.
Marysia Pazda wusste aufgrund der vielen Besucher aus den Reihen der SS-Wachmannschaften, wann Göth das Lager Plaszów verlassen wird und oft sogar auch noch, wohin er fährt. Informationen, die für die Widerstandskämpfer um Liebermann von großem Wert waren.

Schnell war ein perfekter Ort für das Attentat ausgemacht – eine Eisenbahnbrücke an der Grenze zu Podgórze, unter der die Hauptstraße von Plaszów ins Zentrum von Krakau führte. Es war bekannt, das Göth oft eine Ausfahrt mit seiner offenen Kalesche, bespannt mit 2 Pferden auf dieser Strecke unternahm. Ideal für ein Attentat auf Göth war die langsame Geschwindigkeit der Kalesche, in die man leicht an dieser Stelle Handgranaten werfen konnte, die Göth mit Sicherheit töten würden.
Die nötigen drei Handgranaten wurden im Untergrund gefertigt und bei Liebermann versteckt.
Fünf Personen waren für die Aktion auserkoren. Liebermann selbst, sein Cousin Erwin und ein weiterer Insasse des Lagers namens Dunek Bernstein sowie zwei Mädchen aus dem Krakauer Untergrund, Mania und Gusta. Beide Mädchen lebten in Krakau mit gefälschten Arierausweisen.
Liebermanns Praxis grenzte mit einer Außenwand an Bahngleise – durch eine Tür, die immer versperrt ist, konnte man hier das Lager verlassen. Liebermann hatte schon vor längerer Zeit den Schlüssel für diese Tür organisiert und konnte so heimlich das Lager verlassen, wann er wollte.

Von einem Informanten schließlich bekamen die Attentäter Tag und Uhrzeit genannt, wann Göth an der vereinbarten Stelle vorbeikommen sollte.
Zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags sollte Göth die Brücke passieren. Liebermann und Bernstein warteten mit Pistolen bewaffnet an den jeweiligen Enden der Brücke, die beiden Mädchen mit Körben, wo die Handgranaten unter Lebensmitteln versteckt waren, auf der Brücke.
Wie vereinbart hatten an besagtem Tag alle ihre Positionen eingenommen. Die Mädchen warteten auf der Brücke und beobachteten den Verkehr darunter, Liebermann und Bernstein standen an den Enden der Brücke bereit, um notfalls die Flucht der Mädchen mit ihren Schusswaffen decken zu können.
Als Göth´s Kalesche endlich aus der Ferne sichtbar wurde, stieg bei allen die Spannung. Gespannt beobachtete Liebermann das langsam näherkommende Fahrzeug. Plötzlich konnte er erkennen, das Göth nicht in der Kutsche war. Links und rechts der Straße kam auch schon der Kommandant mit SS-Männern angelaufen.
Liebermann gab sofort das Zeichen zur Flucht, doch es war bereits zu spät, sie wurden verraten. Ein russischer Wachmann, der vorgab sich an den Deutschen rächen zu wollen hatte den Attentatsplan verraten, da er (was Liebermann nicht wusste) in der Gunst von Amon Göth stand und von ihm bereits auf die Gruppe um Liebermann angesetzt war.
Göth, der seine beiden Doggen mitgenommen hatte, ließ sie auch schon auf die Attentäter los.
Die Männer versuchten jeder für sich zu flüchten. Józef Liebermann gelang die Flucht über ein Fabriksgelände, es war schon dunkel als er wieder ins Lager Julag I zurückkehrte.
Erwin Liebermann und Dunek Bernstein hatten weniger Glück, sie wurden von der SS gestellt und ins Lager zurückgebracht.
Göth fuhr im Lager Julag I vor und ließ auch sofort Józef Liebermann verhaften und mit ins Hauptlager nach Plaszów nehmen. Dort angekommen wurde er sofort in die Folterbarracke geführt.
Man brachte ihn sofort in einen Raum, indem 2 Männer gefesselt und an den Füßen aufgehängt von der Decke hangen. Ihre Gesichter waren schwer entstellt und kaum noch zu erkennen. Liebermann merkte schnell, es sind Erwin und Dunek die hier schwer misshandelt wurden.
Keine Zeit blieb jedoch, sich um die Beiden zu kümmern, denn schon folgte Göth in den Raum und begann Józef wüst mit den Fäusten ins Gesicht zu schlagen. Göth zog einen Revolver und fuchtelte damit vor Józefs Gesicht herum und stieß wütende Morddrohungen aus. Liebermann leugnete alles und beteuerte den gesamten Tag in der Praxis Patienten behandelt zu haben und schwört, von nichts eine Ahnung gehabt zu haben.
Göth ließ von ihm ab, befahl ihn weiter zu foltern und verließ den Raum.
Liebermann hatte Glück, ein lettischer Wachmann namens Janetz, ein ihm wohlgesonnener Patient Liebermanns, erkannte sofort den Ernst der Lage. Er sorgte dafür, dass die Folterungen vorübergehend eingestellt wurden, und eilte zu Göth.
Tatsächlich erreichte Janetz, das Józef Liebermann zurück ins Lager Julag I durfte, indem er persönlich für die Unschuld des Zahnarztes bei Göth garantierte.
Der alte Gegenspieler Göths, Oberscharführer Müller wusste, dass Liebermann Kontakte zum Untergrund pflegte, unternahm jedoch nichts dagegen.
Nach dem gescheiterten Attentat versuchte Müller ihn zwar auszuhorchen, welche Aktionen noch geplant seien, aber Liebermann schwieg.
Schließlich intervenierte Müller sogar bei Göth, auch die anderen beiden Attentäter nicht zu töten und wieder nach Julag I bringen zu lassen.
Göth war einverstanden, Erwin und Dunek nicht zu töten, ließ sie jedoch im OD-Gefängnis. Am Tage wurden sie zu Schwerstarbeit gezwungen und über Nacht wieder ins Gefängnis gebracht.
Tatsächlich überlebten beide den Krieg bzw. das Lager Plaszów und wurden in Tschenstochau von der Roten Armee befreit.
Ihr Überleben haben sie Józef Liebermann und vor allem Mania Chilowicz (der Frau des OD-Chefs) zu verdanken, die gute Kontakte zur SS hatte und persönlich für Erwin Liebermann und Dunek Bernstein eintrat. Sie konnte die Beiden noch kurz vor der Erschießung retten, sie knieten bereits entkleidet am berüchtigten Schwanzhügel.

Das Ende des Krakauer Ghettos

Gut eine Woche später sollte das Krakauer Ghetto endgültig „liquidiert“ werden. Diese Aktion startet am 13. März 1943 und wird unter der Leitung von Göth zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten durchgeführt. Göth selbst durchschreitet die Straßen und Gassen des Ghettos mit seinen beiden Hunden und beaufsichtigt selbst, mit welcher Effizienz seine Befehle ausgeführt werden.

Ein Zeitzeuge, Franz-Josef Müller beobachtet aus dem benachbarten Lager Julag I, wie der nicht enden wollenden Zug, bestehend aus den Juden des Krakauer Ghettos zu Fuß in das Lager Plaszów geht. Am Ende der Marschkolonne fahren 3 Pferdefuhrwerke, die mit Toten beladen sind. Sie ziehen eine endlose Blutspur zum Lager, die noch tagelang zu sehen sein wird. Ganz am Ende der Kolonne fährt Göth selbst in seinem Wagen mit offenem Verdeck.

Mietek Pemper, der Sekretär von Göth im Lager Plaszów wird später erzählen, das Göth ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Vorwarnung tötete. Nach der Räumung des Krakauer Ghettos sitzt Pemper zwecks Diktat bei Göth im Büro, als der Kommandant plötzlich aufsteht, ein Gewehr von der Wand nimmt, das Fenster öffnet und zu schießen beginnt. Nach einigen Schüssen, begleitet von Geschrei schließt er das Fenster wieder, setzt sich wieder hin und fragt Pemper, wo er stehen geblieben war – so als wäre nichts gewesen, als wäre er nur kurz durch irgendetwas Unwichtiges unterbrochen worden, dass er soeben Menschenleben ausgelöscht hatte, machte ihm nicht weiteres Kopfzerbrechen.


Alltag im Lager

Der "Lageralltag"

Über die erste Begegnung von Göth mit Oskar Schindler Anfang 1943 ist nichts bekannt, jedoch müssen sich die Beiden schnell gut verstanden haben. Es gab gewisse Gemeinsamkeiten, denn beide waren sehr kontaktfreudig und konnten Menschen leicht manipulieren. Sie waren zielstrebig und verloren ihre Ziele nie aus den Augen.
Schindler ist auch einer der Wenigen, die Göth bei seinem Spitznamen Mony nennen dürfen. Finanzielle Zuwendungen und ständig wechselnde Frauenbegleitungen machen Schindler zu einem gern gesehenen Gast bei Göth´s allabendlichen Partys in seiner Villa.

Oskar Schindler ist es auch zu verdanken, das Göth im Frühjahr 1943 seine große Liebe Ruth Irene Kalder kennenlernt.
Sie kam eines Abends als Begleitung von Schindler in das Rote Haus, die Villa von Göth direkt am Lager Plaszów.
 


Ruth Irene Kalder, Göths geliebte



Ruth Irene Kalder wurde 1918 in Gleiwitz geboren. Ihr Vater war begeisterter Nationalsozialist und Parteimitglied und Inhaber einer Fahrschule. Sie besuchte in Essen die Schauspielschule und machte später ihr Diplom als Kosmetikerin.
Im Krakau arbeitete sie zu dieser Zeit als Sekretärin in einer Dienststelle der Wehrmacht. Ihr Ruf eilte ihr voraus, dass sie Abenteuern mit Uniformträgern nicht abgeneigt sei.
Von diesem Tag an jedoch, als sie mit Schindler im Roten Haus bei Göth erschien, hatte sie nur mehr Augen für ihren „Mony“.
Schnell werden die Beiden ein Paar und es entwickelt sich ein geregelter Tagesablauf.
Ein Ausritt morgens noch vor dem Frühstück, im Anschluss braucht Ruth mindestens 1 Stunde für Körperpflege und Schminken, danach gibt sie die Dienstanweisungen an das Personal für den Tag heraus, während Göth sich dem Dienst im Lager widmet.
Mittags ein opulentes Mahl in trauter Zweisamkeit. Göth pflegte Unmengen von Fleisch zu verzehren, dazu reichlich Gemüse und Obst. Ein Nachtisch mit Kuchen und Torten durfte nicht fehlen. Göth leistete sich den Luxus, einen eigenen Zuckerbäcker zu beschäftigen.
Am Nachmittag verrichtete Göth wieder seinen Dienst im Lager während Ruth ihre Zeit oft mit Tennis oder beim Baden mit anderen Offiziersfrauen verbrachte.
Am Spätnachmittag wurde schon wieder an die Party am Abend gedacht und evtl. noch neue Kleider in Krakau gekauft. Bei dieser Gelegenheit konnten sich die Damen in Krakau ganz der Schönheitspflege widmen. Massagen und Gesichtsmasken standen hier oft an der Tagesordnung.
Beim Abendamüsement wurde von Göth und seiner „Majola“ wie er sie nannte, großen Wert auf Live-Musik gelegt. Am liebsten hörten sie Jazz-Musik der Rosner Brüder – Gefangene aus dem Lager, die zu diesem Zweck in feinste Anzüge gekleidet waren um nicht in den gestreiften Lager-Lumpen auftreten zu müssen. Man wollte die Gäste nicht mit derartig unschönen Dingen irritieren, man sollte sich amüsieren, ohne groß nachzudenken.

Später wird Ruth Irene Kalder die Zeit in Plaszów als die beste Zeit, ihres Lebens bezeichnen. Bei einem Interview mit einem israelischen Journalisten wird sie resümieren: „Göth war ein Traum von Mann! Es war eine schöne Zeit. War waren gern miteinander. Mein Göth war König, ich war Königin. Wer würde sich das nicht gefallen lassen?“

Nur ganz Wenigen gelang die Flucht aus dem gut gesicherten Lager Plaszów. Wenn doch mal jemand die Flucht gelang, dann wurde stets an der gesamten Baracke ein Exempel statuiert. Die Insassen der betroffenen Baracke mussten zum Appell antreten. Im Anschluss wurde jedem 10. ins Genick geschossen.
Wurden die Flüchtigen zudem auch noch gefasst und ins Lager zurückgebracht mussten sie mit einer möglichst grausamen und möglichst öffentlichen Hinrichtung rechnen.

Der Kommandant, Untersturmführer Amon Göth war auch bei seinen eigenen Wachmannschaften nicht beliebt, da er für jedes kleinste Vergehen oder Missgeschick Disziplinarstrafen verhängt. Es geht sogar so weit, das Göth von Teilen der Mannschaften regelrecht gehasst wird und sich gegen Ende des Krieges einige Feinde unter ihnen macht.

Natürlich sehen die Repressalien für „Missgeschicke“ seiner engsten „Angestellten“ (allesamt Juden aus dem Lager) etwas anders aus. Helene Hirsch z.B. bemerkt immer wieder den zufriedenen Gesichtsausdruck Göths, nachdem er sie misshandelt hatte.
Zu seiner Geliebten Ruth Kalder soll er später gesagt haben: „Selbst wenn sie einmal etwas richtig macht, selbst wenn sie ganz nett ist, bleibt sie doch eine Jüdin und ich habe sie zu verabscheuen!“
 


Göths Villa, das sog. Rote Haus am Rande des Lagers Plaszów 1943

 


Göths Villa heute, als wäre für dieses Haus die Zeit stehen geblieben

 

Göth hält sich einen privaten Fuhrpark im Lager, bestehend aus einem BMW-Sportwagen Cabriolet, einem 8-Zylinder Ford und eine 6-Zylinder BMW Limousine. Seine Autos werden von 2 jüdischen Zwangsarbeitern in Schuss gehalten.

Als Göth eines Tages von einer Spritztour zurückkehrt und vor der Garage hält, kommt eine Frau mit einem Putzlappen und beginnt die Windschutzscheibe des Fahrzeugs zu reinigen. Göth meint nur zu seinem Chauffeur: „Was will diese Hure bei meinem Auto? Iwan, leg sie um!“
Der Chauffeur steigt aus, nimmt die Frau am Arm und erschießt sie noch an Ort und Stelle durch die Schläfe.

Mit der Zeit erkennen die Häftlinge so etwas wie ein Ritual, das von Göth beim Töten verfolgt wird. Lässt sich Göth mit seinem weißen Schal und seiner Schirmmütze blicken, so steht eine Tötungsaktion bevor.
Grundsätzlich lässt sich Göth, wenn er jemanden im Lager tötet, dessen Akte bringen, um auch die Verwandten des ermordeten zu exekutieren. Seine Begründung: „Ich möchte keine unzufriedenen Gefangenen in meinem Lager haben!“

Am 15. März 1943 werden die letzten Juden aus Krakau in das Lager gebracht. 300 Menschen werden, gerade im Lager angekommen direkt auf den Schwanzhügel geführt. Eine Erhebung am hinteren Ende des Lagers – uneinsichtig für die restlichen Häftlinge. Der bevorzugte Platz, an dem die Mörder Göths bestehend aus dessen SS-Wachmannschaften und auch ukrainischen Freiwilligen ihr grausiges Werk verrichteten.
Nicht selten kam es vor, das sich einige nicht zurückhalten konnten und sich auf die nackten Frauenleichen warfen und diese schändeten.

Das Ghetto war geräumt, die Suche nach den letzten Juden, die sich noch verstecken konnten, lief jedoch noch wochenlang und endete immer am Schwanzhügel in Plaszów.

Göth und sein Freund und Gönner Julian Scherner, planen im März 1943 das Lager Szebnie in Zukunft als gemischtes Lager von Polen und Juden zu führen. Kommandant soll Göth werden, er habe sich in Plaszów als vorbildlicher Lagerführer hervorgetan, so Scherner. Zu diesem Zwecke reisen die Beiden nach Szebnie. Das Lager ist seit 11. März 1943 in Betrieb – zuvor von Oktober 1941 bis Frühjahr 1942 war es das Todescamp für Tausende sowjetische Kriegsgefangene. An die 7.000 Russen hatte man hier elend zugrunde gehen lassen.
Scherner plant in Szebnie ein riesiges Zentrum an Sklavenarbeiter aufzubauen, um große Betriebe des Reiches hier ansiedeln zu lassen. Die erforderlichen Genehmigungen für seine Pläne hätte Scherner bereits so gut wie in der Tasche. Göth sieht in diesem Projekt eine weitere Möglichkeit in der Karriereleiter zu steigen, und sich nebenbei mit Hilfe der Großindustriellen zu bereichern.
Die Pläne der beiden Freunde scheitern jedoch im Spätherbst 1943. Die Anzahl der verfügbaren Zwangsarbeiter erreicht nie die gewünschten Zahlen und so müssen sie ihre Pläne mit Szebnie aufgeben.

Um auf die gemeinsame Dienstreise von Göth und Scherner zurückzukommen, verbinden beide derartige Gelegenheiten oft mit einem Besuch im Schloss Szebnie zum Beispiel. Die Orgien, die sich in diesem Schloss abgespielt haben sollen, sind legendär. Die damalige Lagerführung ließ es sich nicht nehmen, rauschende Feste für die Beiden hochrangigen Besucher zu veranstalten. Zu diesem Zweck wurden die schönsten jüdischen Frauen aus dem Lager in den Festsaal geführt. Sie wurden gezwungen sich auszuziehen und zur allgemeinen Belustigung unter Peitschenhieben rund um die Festtafel getrieben.
Der damalige Kommandant von Szebnie, SS-Untersturmführer Anton Scheidt, ein treuer Gefolgsmann von Göth hatte sogar die Idee, die hübscheste Jüdin aus dem Lager herbeizuschaffen und sie unter den Augen der „Festgäste“ zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Diese Idee konnte jedoch noch von seinem Rivalen SS-Oberscharführer Anton Pospiech verhindert werden. Selbiger meldete auch diverse Gegebenheiten bei den Festen, die im Schloss Szebnie gefeiert wurden, an seine Vorgesetzten und Dienststellen in Krakau. Mitunter wird Göth und Scherner auch dieses Material später vorgeworfen und zum Verhängnis werden.

Am 28. März 1943 ordnete Amon Göth zum ersten Mal eine „Revision“ der Lagerbarracken an. 24 Stunden lang, durfte niemand im Lager seine Baracke verlassen. Alle Ausgänge wurden von Ukrainern bewacht.
Die meisten Baracken wurden von den SS-Mannschaften nach Wertgegenständen bzw. Geld durchsucht.
Göth lies es sich jedoch nicht nehmen, sich manche Baracken höchstpersönlich vorzunehmen.
Der Ablauf war immer der Gleiche. Göth betrat die Baracke, legte seine Schirmmütze auf den Tisch und verlangte, das jeder im Raum 2 Minuten Zeit hätte seine Wertsachen in die Mütze zu legen. Und wehe dem Barackenkapo, wenn die Mütze nicht voll werden würde. Göth drehte sich um und sah aus dem Fenster, wartete mit schussbereitem Revolver in der Hand, bis die Zeit verstrichen war. Nicht selten kam es vor, das Göth trotz allen Drohungen noch Wertsachen fand, was die Betroffenen immer mit ihrem Leben zu bezahlen hatten.
Binnen kürzester Zeit waren mehrere Koffer voll mit Wertgegenständen und Geld zusammengetragen. Göth pflegte diese Beute teilweise nach Wien zu seiner Familie zu schicken.
Laut Vorschrift jedoch hätte er alles der Krakauer Erfassungsstelle für jüdisches Vermögen (geleitet von SS-Obersturmführer Belk) übergeben müssen, die das Eigentum aller Juden katalogisierten und dem Reich zuführten.

Am 14. Mai 1943 kann ein Zwangsarbeiter eines Arbeitskommandos, das außerhalb des Lagers beschäftigt ist, fliehen. Seine Flucht wird erst beim Eintreffen im Lager bemerkt.
Göth ist außer sich und lässt 12.000 Häftlinge am Appellplatz antreten. Das betroffene Arbeitskommando muss vortreten und wird von ihm wüst beschimpft. Er droht damit alle erschießen zu lassen, wenn niemand etwas zum Verschwinden des Häftlings sagen kann. 8 Juden treten vor und opfern sich für die restlichen Mitglieder des Arbeitskommandos.
Die 8 haben an der Latrine anzutreten und werden von Franz Grün mit einer Maschinenpistole per Genickschuss getötet. Im Anschluss werden sie von einem Bagger verscharrt.
Damit jedoch noch nicht genug, am darauffolgenden Morgen ließ Göth noch einmal alle Arbeitskommandos am Appellplatz antreten. Darunter auch das Säuberungskommando, dessen Aufgabe es war das Lager sauber zu halten und alle Spuren von Tötungen und Zerstörungen zu beseitigen. Da der Kapo des Säuberungskommandos Göth keine zufriedenstellende Antwort geben konnte, warum er mit seiner Arbeit noch nicht fertig war, begann Göth ihn mit dem Griff seines Revolvers zu schlagen. Als dieser zusammenbrach, tötete ihn Göth durch einen Schuss ins Genick.
Als Göth die Reihen abschritt, blaffte er einen weiteren Zwangsarbeiter an, warum er denn so böse schauen würde – ob ihn nicht gefallen würde, was er hier mit ansehen musste. Noch bevor der Mann etwas sagen konnte, schlug ihn der Kommandant bewusstlos um ihn im Anschluss zu erschießen. Wenige Meter weiter stellte er einem weiteren Gefangenen die Frage: „Na? Gefällt es Dir auch nicht?“ Auf diese Frage gab es keine Antwort, und so musste auch er sterben. Danach verließ Göth den Appellplatz und ließ die Arbeitskommandos abtreten.

Eines Abends im Mai 1943 ist der Betriebsleiter von Julius Madritsch bei Göth zum Essen eingeladen. Als die Suppe serviert wird, verbrennt sich Göth mit dem ersten Löffel beinahe die Lippen. Er ruft sofort nach dem jüdischen Koch, als der nicht sofort erscheint, springt er auf und läuft Richtung Küche. Als ihm der Koch auf dem Weg entgegenkommt, packt er diesen am Arm, zerrt ihn vor die Villa hinaus und schießt ihn sofort in den Kopf.

Am 24. Mai 1943 spricht das SS- und Polizeigericht Krakau VI Amon Göth von der Anklage wegen Zollhinterziehung frei.
Göth kann aufatmen, denn im Falle einer Verurteilung hätte seine Karriere in der SS schnell ihr Ende gefunden.
Vorangegangen war eine Anklage wegen Schädigung des Reiches durch Hinterziehung der Zollabgabe in der Höhe von RM 11.090,55 durch das Hauptzollamt Wien-Mitte.
Göth soll unter dem Titel „Wehrmachtsgut“ im Jahre 1942 ganze 696 Flaschen ausländische Spirituosen, 12 Kg Parfümeriewaren, 1 Buffet, 2 kleine Sessel, sowie 18.000 Zigaretten an seine Frau und Familie nach Wien geschickt haben.
Sofort wurde die GESTAPO eingeschaltet und die Kreisleitung informiert.
Göth wurde letzten Endes freigesprochen, jedoch konnte er sich nie den Schmuggelgerüchten erwehren, die sich von da an um seine Person rankten.

 


Göth bei einem seiner täglichen Ausritte



Mitte Juli 1943 ist eine Arbeitergruppe damit beschäftigt, die Grabbauten des jüdischen Friedhofs abzureißen und damit die Zufahrtsstraße zum Lager Plaszów zu pflastern.
Eine Jüdin kocht in der Nähe der Arbeiter Futter für die Schweine. Sie bemerkt nicht, das Göth mit weißem Hemd und Halbschuhen bekleidet mit seinem Hund des Weges kommt. Sie isst heimlich einen Erdapfel, was Göth bemerkt. Sofort zieht er seine Pistole und schießt der Frau kommentarlos in den Kopf.
2 Arbeiter, die in der Nähe stehen, sollen die Frau, die den Kopfschuss offensichtlich überlebt hat, in einen der kochenden Kessel werfen. Die Beiden führen angewidert den Befehl des Kommandanten aus. Als die Frau beinah ohnmächtig vor Schmerzen, händeringend in dem Kessel um sich schlägt, da das kochende Wasser über den Kesselrand schwappt, befiehlt Göth noch den Deckel zu schließen. Einer der Beiden Arbeiter erträgt den Anblick nicht und versucht davon zu laufen – er wird sofort von Göth erschossen.
Die restlichen Arbeiter, die am Friedhof beschäftigt waren, senkten ihre Köpfe um Göth nicht weiter herauszufordern. Die Frau musste, weil sie eine Kartoffel gegessen hatte, die an die Schweine hätte verfüttert werden sollen, nach einem Kopfschuss qualvoll in einem Kessel voll kochendem Wasser sterben.

Am 19. Juli 1943 kehrt eine „Arbeitsgruppe“ die außerhalb des Lagers beschäftigt ist abends zurück. Unter Tags haben die Mitglieder dieser Gruppe um teures Geld zusätzliche Lebensmittel für die Lagerinsassen besorgt und diese in ihren Rucksäcken versteckt. An diesem Tag jedoch haben sie kein Glück. Am Tor des Lagers werden sie von 30 Ukrainischen Wachen gestoppt. Zugwachtmeister Glaser wittert hier ein Vergehen der Arbeitsgruppe und lässt sofort alle Rucksäcke auf den Boden entleeren, während er den Kommandanten Göth holt.
Als Göth am Tor eintrifft und die ausgebreiteten Lebensmittel am Boden entdeckt, hält er keine langen Reden, sondern nimmt einer Wache den Karabiner ab und schießt in die Menge. 2 Zwangsarbeiter fallen sofort tot um. Die 30 Ukrainer beginnen sofort damit, die Gefangenen mit Peitschen zu bearbeiten. Die Peitschen haben an ihren Enden Metallstücke angeknüpft, die sofort die Haut zerfetzen, wenn man damit getroffen wird. Göth brüllt nun die Gruppe an, dass sie das Versteck ihrer Wertsachen preisgeben sollen, wenn sie weiterleben wollen.
Göth lässt vorerst die Auspeitschungen einstellen, als sich ein junger, 16jähriger Jude meldet und Göth eine Ortsangabe diktiert. Daraufhin meint Göth nur lapidar, das es schade um jede weitere Kugel sei und das Arbeitskommando ins Lager zurückmarschieren soll. Die Bestrafung ist jedoch noch nicht zu Ende. Alle erhalten noch 100 Peitschenhiebe auf das Gesäß, wobei sie währenddessen selbst laut mitzählen müssen. Sollten sie sich verzählen, wird mit der Bestrafung neu begonnen.
Einige der Gefangenen überleben diese Bestrafung nicht.

Ende Juli 1943 steht Göths erste Bewährungsprobe an. Der höhere SS- und Polizeiführer Ost General Friedrich-Wilhelm Krüger kündigt eine Inspektion des Lager Plaszów an.
Göth lässt darauf hin alle Lagerinsassen Tag und Nacht durcharbeiten um das gesamte Lager in einwandfreien, sauberen Zustand präsentieren zu können.
Bei der Inspektion bekommt General Krüger mit seinem Gefolge ein menschenleeres Lager zu sehen, da die Gefangenen ihre Baracken nicht verlassen dürfen. Krüger zeigt sich beeindruckt und lobt Göth, was er aus Nichts geschaffen hat.
Krüger stellt daher am 23. Juli 1943 in Absprache mit Generalleutnant Maximilian von Herff vom Personalhauptamt, Antrag auf Beförderung Göths zum SS-Hauptsturmführer. Göths Freund und Förderer Julian Scherner befürwortet natürlich dessen Beförderung, wobei Göth hier den Rang eines SS-Obersturmführers gleich überspringt und 2 Ränge steigt.
Göth zeigt sich bei seinem Freund natürlich entsprechend erkenntlich und lässt Scherner gleich 2 Häuser durch Zwangsarbeiter aus Plaszów errichten. Ein Haus an der westlichen Peripherie Krakaus in Cichy Kacik und eines im wunderschönen Skigebiet Zakopane.

Am 3. August 1943 besucht Julian Scherner das Lager Plaszów und hat die Ehre 2 Todesurteile verlesen zu dürfen. Ein 16jähriger Junge und ein Ingenieur der „Neue Kühler- und Flugzeugteilefabrik Kurt Hodermann - „NKF“.
Die volle Belegschaft des Lagers ist bei diesem grausamen Schauspiel angetreten, niemand soll sich dem entziehen können.
Der Junge wird beschuldigt, Unruhe unter die ukrainischen Wachmannschaften gebracht zu haben, da er ein bekanntes russisches Volkslied angestimmt hatte. Der Ingenieur hatte eine Liste fehlerhaft erstellt.
Bei der Exekution durch den Strang, der Junge soll als Erster hingerichtet werden, passiert jedoch eine Panne, der Strick, an dem er aufgehängt werden soll reißt. Der Junge fleht daher nochmals um Gnade, wird jedoch auf schroffen Befehl Göths hin nochmals gehängt. Während des Todeskampfs des Jungen schneidet sich der Ingenieur die Pulsadern auf und sackt blutüberströmt zusammen. Trotz allem soll auch er auf Befehl Göths trotzdem noch gehängt werden.
Als beide bereits am Galgen hängen und immer noch leben, wird Göth ungeduldig. Er flucht über den unfähigen Henker, zieht seine Pistole und schießt beiden in den Kopf und beendet damit deren qualvollen Todeskampf.

Spät abends am 18. August 1943 kommt es zur größten Fluchtaktion in der Geschichte des Lagers. 16 ukrainische Wachleute fliehen gemeinsam mit zahlreichen jüdischen Insassen. Sie benutzen dabei zwei LKWs der Kommandantur nebst Waffen und Munition.
Da man die Flucht zu spät bemerkt um sie verhindern zu können und auch die ersten Suchaktionen keinen Erfolg bringen, lässt Göth wahllos 200 Lagerinsassen erschießen. Ungewöhnlich dabei ist, dass die Exekutionen nicht am Schwanzhügel stattfinden, um an Ort und Stelle verscharrt zu werden, sondern die Leichen in 3 LKWs aus dem Lager gebracht werden. Wo die Leichen hingebracht wurden, ist nicht bekannt.

Am 1. September 1943 beschließt Julian Scherner gemeinsam mit Amon Göth, das Ghetto in Tarnów „liquidieren“ zu lassen.
Die Bewohner des Ghettos sind hauptsächlich Arbeiter der Madritsch-Werke. Deshalb lädt Göth den Unternehmer Madritsch und seinen Betriebsleiter Raimund Titsch zu einem Abendessen ins Rote Haus ein.
Pünktlich um 20 Uhr treffen die Beiden in Plaszów ein, geplagt von bösen Vorahnungen. Göth fackelt nicht lange und platzt sofort damit heraus, das er vor hätte das Ghetto Tarnów noch in dieser Nacht zu räumen. Madritsch und Titsch sollten in dieser Zeit seine Gäste sein und die Villa nicht verlassen. Scherner und einige andere SS-Offiziere bleiben ebenfalls im Roten Haus, um dafür zu sorgen, das Madritsch und Titsch die Aktion nicht stören können. Göth bricht mit seinen SS-Schergen auch kurz darauf in Richtung Tarnów auf.
Um 3 Uhr Früh wird das Ghetto von SS und SD umstellt. Die Bewohner sammeln sich am größten Platz im Ghetto, den Magdeburger Platz.
Gegen 7 Uhr morgens trifft Göth im Ghetto ein. Als einige Mutige an ihn herantreten und fragen, was denn los sei, antwortet er nur ruhig, dass das Ghetto nun geräumt werde. Die Insassen sollten Kleidung und vor allem Wertsachen mit ins Lager nehmen, da es dort von Vorteil wäre.
Er lässt alle Menschen auf dem Platz antreten und je nach Betrieb in dem sie arbeiten aufstellen. Göth schreitet mit gezogener Pistole über den Platz, während er die entsprechenden Befehle brüllt. Wer sich zu langsam bewegt wird von ihm sofort an Ort und Stelle erschossen.
2.000 Arbeiter werden ausgewählt und sofort zum Bahnhof gebracht, sie sollen nach Plaszów gebracht werden. Der Rest bleibt vorerst am Magdeburger Platz stehen. Sie sollen später ebenfalls in Züge verladen werden – diese Transporte allerdings haben das Ziel Auschwitz.
Nun beginnen die SS-Leute nach Kleinkindern zu suchen und werden fündig. 50 Personen werden gefunden, die ihre Babys in Säcken zwischen Wäsche oder in Rucksäcken versteckt hielten. Sie werden von Göth zu einer engen Gasse geführt. Göth befielt ihnen, in diese Gasse zu gehen und erschießt sie dabei von hinten mit seiner automatischen Waffe. Eine Familie nach der anderen wird in diese Gasse geführt und von Göth erschossen. Göth kommt bei dieser Aktion ins Schwitzen und muss eine Pause machen. Diese wird von GESTAPO-Beamten genutzt, um denen den Gnadenschuss zu geben, die zwischen den Leichen liegen und sich noch bewegen.
Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen von Göth bei der „Säuberungsaktion“ im Ghetto Tarnów getötet wurden, gesichert sind jedoch diese 50 Morde in der berüchtigten engen Gasse.
Insgesamt werden an diesem Tag 2.000 Juden nach Plazów gebracht, sie kommen in ein Nebenlager mit eigenen Vergünstigungen als Arbeiter der Madritsch-Werke. Weitere 6.000 Menschen haben weniger Glück und werden direkt nach Auschwitz gebracht und der dortigen „Sonderbehandlung“ zugeführt.
Madritsch schafft es, sein eigenes Nebenlager für Göth als neutrale Zone zu definieren, in der keine Tötungen stattfinden dürfen. Auch bekommen die Arbeiter zusätzliche Lebensmittelrationen genehmigt. Unbekannt ist jedoch, was Göth als Gegenleistung für diese Zugeständnisse erhalten hat.

Göth wurde weiters in den Ghettos Bochina, Rzeszów und Przemysl als „Organisator“ der Räumung eingesetzt.
 


Göth auf dem Balkon seiner Villa in Plaszów

 

Am 17. September 1943 flieht aus dem Barackenbaukommando ein Arbeiter. Da er nicht sofort wieder gefunden wird, beschließt Göth die gesamte Gruppe von 35 Mann exekutieren zu lassen.
Da sich die Gruppe jedoch beim Bau vieler Baracken verdient gemacht hatte und es an sich gute Arbeiter waren, überlegt er es sich noch einmal und meint nur lapidar: „Warum sollte ich meine besten Arbeiter töten, wenn es genug alte Säcke hier im Lager gibt?“
Am nächsten Morgen beim Appell wurden 60 ältere Männer selektiert, um sofort am Schwanzhügel erschossen zu werden. Für Göth war damit die Sache erledigt.

Göth versucht immer wieder zu beweisen, dass er als Wiener immer zu scherzen aufgelegt ist. In Erwartung, dass alle seine Untergebenen lachen, brüllt er einigen Gefangenen zu, die gerade schwerste Steine für Barrackenfundamente schleppen, dass dies seine, Amon Göths neue „Einsteintheorie“ sei.

Göth ist der Meinung, dass er schneller im Rang aufsteigen wird, wenn er mehr Juden eigenhändig tötet als alle Anderen.
Göth wird nachgesagt, dass er ca. 500 Menschen eigenhändig getötet hat – wobei hier keine genauen Zahlen ermittelt werden konnten.
Gegen Ende 1943 führt Göth öfter seine private Waffe mit Schalldämpfer mit sich. Das Morden passiert nun fallweise im Stillen, ohne das es alle Lagerinsassen sofort mitbekommen.

Immer öfter kommt es nun vor, das Göth sich im Dunkeln durchs Lager bewegt, immer auf der Suche nach Juden, die nachts die Latrine aufsuchen wollen.
Eines Nachts erwischt Göth einen Jungen, der sich nach der Ausgangssperre zu seiner Baracke stehlen will. „Was machst Du hier Du verseuchter Jid“ blafft ihn Göth an.
Wie versteinert bleibt der Junge stehen, er weis, dass sein Leben nun verwirkt ist. Göth zieht seine Waffe, schießt jedoch nicht gleich, sondern genießt noch einen Moment die Macht, die er ausübt.
Als er abdrücken will versagt jedoch seine Waffe, Göth beginnt, an seiner Pistole zu hantieren. Dies ist der Moment, indem der Junge die Flucht ergreifen kann. Göth verzichtet darauf ihn zu verfolgen, und da er ihn auch nicht erkannt hat, entgeht dieser Gefangene dem Tod auf wundersame Weise.
Erst Jahrzehnte später wird er von dieser wohl einmaligen Begegnung mit dem „Schlächter von Plaszów“ berichten.

Weniger Glück hatte ein Häftling, der den Wirtschafts Hof zusammenfegte. Göth kam gerade von einer Spritztour mit seinem BMW als dieser den herannahenden Kommandanten nicht sofort sieht und daher nicht innehält und die Kappe vom Kopf nimmt. Göth sieht schon von Weitem, dass der Häftling ihn noch nicht erkannt hat und zieht während der Fahrt seine Pistole, schaltet einen Gang runter und schießt aus dem fahrenden Auto auf den Zwangsarbeiter, der auch sofort schwer verletzt zusammenbricht.
Göth denkt jedoch, dass er ihn verfehlt hat, und befiehlt einen OD-Mann den Häftling auszupeitschen.
Als er jedoch aus dem Auto aussteigt und auf den Häftling zugeht, bemerkt er, dass dieser stark blutet, und schießt ihm in den Kopf.

Generell sind die Häftlinge ihres Lebens nicht mehr sicher sobald Göth in der Nähe ist. Ein ausreichender Grund zu schießen ist für ihn bereits, wenn ein Gefangener nicht richtig Meldung erstattet, oder beim Appell nicht richtig in der Reihe steht, oder wenn jemand ihm in dem Moment zu jung oder zu alt ist.
Für seine Gefangenen gibt es keine Möglichkeit dem Tod zu entgehen, da Göth praktisch aus Willkür tötet, ohne oft einen bestimmten Grund für sein Handeln zu haben. Er verhält sich so, wie er bei der „Begrüßung“ der Gefangenen im Lager bekannt gab – er spielt Gott.

 


Göth vor seiner Villa

 

Den Juden ist auch verboten zu lachen. Als Göth auf seinem weißen Schimmel durchs Lager reitet und ein 18-jähriges Mädel bei der Arbeit lachen sieht, zögert er keinen Moment und schießt sofort, ohne ein Wort und ohne vom Pferd abzusteigen. Als ihre Freundin eine rettende Bewegung in ihre Richtung machen will, wird sie von 2 Wachmännern ausgepeitscht. Als sie schwer verletzt zu Boden stürzt, wird sie noch mit Füßen getreten. Später stellt sich heraus, das sie an den Nieren verletzt wurde. Trotz allem lässt sie sich nichts anmerken und ist am nächsten Tag wieder in ihrer Arbeitskolonne.

Im Oktober 1943 schließlich scheint Amon Göth die Macht über Leben und Tod im Lager zu Kopf zu steigen. Er sieht sich als Auserwählten, der die Macht über die Lebensfäden von Tausenden Menschen haben sollte.

 


Ruth Kalder mit einer von Göths Doggen



Bezeichnend dafür ist eine Gegebenheit nahe Göths Villa. Häftlinge sind dort mit dem Schleppen von Ziegelsteinen beschäftigt als Göth plötzlich einen seiner Hunde auf einen Gefangenen hetzt. Schutzlos der Attacke des Hundes ausgeliefert, hat der Mann keine Chance. Er wird von dem riesen Hund praktisch zerfetzt. Als Göth einige Minuten später seinen Hund zurückruft, lebt das Opfer unerwarteterweise jedoch noch. Göth lässt nun die Häftlinge an dem halb Toten vorbeimarschieren unter den Worten: „Ihr betet zu Eurem Gott, doch er kann Euch nicht helfen. Aber ich, Göth, kann Euch alle in einer Stunde umlegen.“

Göth war ein begeisterter Spieler, vor allem liebte er es, Schach zu spielen. Sein bevorzugter Gegner war sein Landsmann Raimund Titsch, der Betriebsleiter der Madritsch Werke. Raimund Titsch war sehr auf das Wohlergehen seiner jüdischen Zwangsarbeiter bedacht, was Madritsch selbst billigte.
Göth lud Titsch meist zu sich in die Kommandantur ein um in seinem Büro eine Partie zu spielen. Titsch zweifelsohne der bessere Schachspieler, gewann die Partie nach wenigen Zügen. Göth der nicht verlieren konnte, sprang auf, warf den Schachtisch um und rannte, seine beiden Pistolen in den Händen zur Tür hinaus ins Lager, bereit jeden Juden zu erschießen, der ihm begegnete.
Diese Erfahrung war Titsch Warnung genug. Von diesem Tage an ließ er stets Göth gewinnen, bedachte dabei jedoch, die Partien so zu gestalten, dass Göth dieses Spiel nicht durschauen konnte, und der Meinung war, dass er wirklich gewonnen hätte.
Da die regelmäßigen Schachpartien für die Insassen des Lagers eine Art Erholung darstellten, pflegte Titsch sie so gut es ging in die Länge zu ziehen. Bis zu 3-4 Stunden dauerten die Partien der Beiden und zumindest für diese Zeit gab es keine Toten im Lager.
Raimund Titsch ist es auch, dem wir zu verdanken haben, das es gestochen scharfe Fotos vom Lageralltag gibt. Auch hat er heimlich Göth mit nacktem Oberkörper abgelichtet. In den 60er Jahren wird er die Fotos einem ehem. Lagerinsassen, einem gewissen Poldek Pfefferberg verkaufen, der sie dem United States Holocaust Museum stiften wird. Raimund Titsch wird posthum in den Kreis der „Gerechten Österreichs“ aufgenommen.

Am 4. Oktober 1943 gelingt einer Jüdin die Flucht aus dem Lager Plaszów. Ihr Mann besticht einen ukrainischen Wachmann, der die Frau in der Nacht aus dem Lager laufen lässt. Draußen wird sie von Freunden abgeholt und in Krakau versteckt. Sie wird den Krieg dort überleben, ihre Flucht jedoch kommt einigen Gefangenen teuer zu stehen. Sofort ordnet Göth die Erschießung von 100 Männern an, lässt sie jedoch nicht sofort exekutieren.
Der Mann der Flüchtigen wird von der GESTAPO zwar gefoltert, herauszubringen ist jedoch nichts aus ihm.
Die Lagerinsassen denken schon, das Göth die Sache auf sich beruhen lässt, da niemand für die Flucht der jungen Frau sterben muss, doch sie sollten sich irren.
Am 8. Oktober 1943 dem Tag des jüdischen Festes Jom Kippur, dem Tag der Versöhnung, lässt Göth 50 Kranke und Schwache Männer selektieren und sofort auf den Schwanzhügel führen. Sie müssen sich dort entkleiden und werden vom SS-Mann Willi Stäubl erschossen.

Am 22. Oktober 1943 trifft ein Schreiben vom SS Wirtschaftsverwaltungshauptamt, vom SS-General Oswald Pohl ein. Der Inhalt dieses Schreibens ist eine Benachrichtigung, dass das Lager Plaszów weiter bestehen bleibt und nicht wie andere Lager vorzeitig geschlossen und die Insassen liquidiert werden. Göth verfällt daraufhin in Hochstimmung, er darf weiter Gott spielen in seinem eigenen Reich.
Vorangegangen war – und das wusste Göth nicht, ein Gespräch zwischen Göths jüdischem Sekretär Mietek Pemper und Oskar Schindler. Aufgrund der Kriegslage sollten alle Lager im Raume Warschau/Lublin geschlossen werden, ausgenommen derer, die Rüstungsbetriebe beherbergen. Mietek Pemper, der die schlechten Nachrichten der Ostfront aufgrund der Zeitungen, die er Göth zum Lesen vorlegte, genau kannte, empfahl Oskar Schindler seine Produktion teilweise auf Rüstungsgüter umzustellen und somit den 20.000 Insassen von Plaszów das Schicksal in Auschwitz zu ersparen. Schindler war sofort damit einverstanden und wandelte seine Produktion teilweise um, und stellte von nun an Granathülsen neben seinen Pfannen und Töpfen her. Da die Emalia nun als Rüstungsbetrieb galt, blieb das Lager Plaszów weiter bestehen und wurde vorerst nicht geräumt.

Immer wieder kommt es vor, das Göth Oskar Schindlers eigenes Außenlager besucht. Stets kündigt er seine Besuche in der Emalia an, sodass Schindler entsprechende Vorbereitungen treffen kann. Sollte bei der Besichtigung durch Göth auch nur ein Blatt Papier am Boden liegen, so muss ein Arbeiter es mit seinem Mund aufheben. Alle Juden müssen knien, wenn Göth die Fabrikshalle betritt und es kommt immer wieder vor, dass ein kniender Arbeiter einen Peitschenhieb vom Kommandanten auf den Rücken bekommt, wenn dieser vorbei schreitet.
Göth wird stets von Oskar Schindler begleitet, während er die Emalia inspiziert, sodass es hier zu keinen Willkürakten kommen kann.
Als Göth einen alten Mann sieht, der eine Schubkarre langsam über den Platz zieht, fragt er, warum der Mann so traurig sei. Einer seiner Begleiter erzählt ihm, das der Mann vor kurzem bei einer „Säuberungsaktion“ Frau und Kind verloren hatte. Göth wendet sich zu einem seiner Begleiter um und sagt flapsig: „Franz, leg ihn um, dann kann er seine Familie wiedersehen“ Unter schallendem Gelächter geht die Gruppe weiter. Ohne Oskar Schindlers Anwesenheit wäre der Mann vermutlich wirklich erschossen worden.

Anfang November 1943 wird das Lager Plaszów von der Fläche her erweitert. Die Stacheldrahtzäune werden versetzt, neue Wachtürme gebaut, von den Alten die Scheinwerfer abgenommen und an den Neuen montiert. Ein jüdischer Elektriker ist gerade mit einem jungen Helfer dabei an einem alten Wachturm den Scheinwerfer abzumontieren, dabei sehen sie, dass 50 Männer und Frauen auf den Schwanzhügel geführt werden. Begleitet werden sie von 3 SS-Männern, gefolgt von Göth selbst der mit einem Gewehr bewaffnet ist.
Der Wachturm, an dem die Beiden arbeiten, ist knapp 10 Meter von der Grube entfernt, wo sich die Männer und Frauen entkleiden müssen. Sie müssen ihre Kleidung am Grubenrand ablegen und zitternd vor Kälte in die Grube steigen.
Nun hat Göth eine grausige Idee. Er möchte seine SS-Männer an diesem Tage etwas unterhalten und brüllt daher zu den Männern und Frauen in die Grube, dass jeder überleben werde, der sich sofort eine „Liebesstunde“ macht. Da die Opfer nicht sofort verstehen was der Kommandant von ihnen will, werden seine SS-Männer deutlicher und fordern alle zum Geschlechtsverkehr auf.
In Aussicht auf ein Überleben fallen die Todgeweihten übereinander her.
Einige Minuten lang wird dieses Schauspiel von den Henkern belustigt verfolgt – zu viel Vergnügen will man den Juden jedoch nicht gönnen. Göth und die Anderen beginnen in die Menge zu schießen und beenden die Szenerie.
Die beiden Elektriker auf dem Wachturm schweigen, der jüngere der Beiden fällt bei dem grausigen Anblick in Ohnmacht.
Wären sie bemerkt worden, hätten sie selbst sterben müssen. Göth duldet keine Zeugen.

Am 27. und 28. November 1943 ist Göth dienstlich in seiner Heimat, in Wien. Der Grund dafür sind neue Vorwürfe gegen Göth, die in einem anonymen Schreiben an die „Kanzlei des Führers“ gerichtet wurden. Göth versucht zu erreichen, dass die Bearbeitung der Vorwürfe an die NSDAP Krakau übergeben wird, mit dem Hintergedanken, dass er Vor-Ort auf die Untersuchungen Einfluss nehmen könnte. Vorerst kann er die Vorwürfe gegen ihn noch entkräften.

Anfang Dezember, als der Geburtstag von Göth naht, hat Wilek Chilowicz der OD-Chef eine Idee. Er beauftragt Göths jüdischen Schuhmacher, im Lager namens Zygmunt Norenberg Raulederschuhe mit Korksohlen für den Kommandanten anzufertigen.
Norenberg weis jedoch, das Göth nicht leicht zufriedenzustellen ist, und hat daher Angst vor Repressalien.
Norenberg übergibt die fertigen Schuhe persönlich und Göth macht sich damit auch sofort auf zu einem Spaziergang.
Als Göth zurückkommt, hat er bereits die Reitpeitsche in der Hand und blafft Norenberg an, warum sich die Schuhe seinen Füßen nicht anpassen würden. Als Norenberg Göth versucht verständlich zu machen, dass das Material noch neu sei und eine Zeit lang brauchen würde sich anzupassen, beginnt dieser auch schon auf ihn einzuschlagen. Er stößt Norenberg weg und beginnt ihn mit der Peitsche auf den Rücken zu schlagen.
Wie erwartet fällt plötzlich ein Schuss. Norenberg dreht sich um, wundert sich, warum er noch lebt und bemerkt, das Göth in die Luft geschossen hat. Norenberg lebt noch, weil Göth ihn noch brauchen kann, um bei anderen SS-Offizieren anzugeben.
Sein Schuster darf nämlich immer wieder das Lager verlassen um nach Krakau zu fahren und dort Maß zu nehmen bei anderen SS-Führern und GESTAPO Beamten. Zygmunt Norenberg fertigt unter anderem Schuhe für den SS-General Krüger auf Göths Empfehlung hin.

Gegen Ende 1943 kündigt sich hoher Besuch im Lager an. Fieberhaft laufen die Vorbereitungen in Göths Villa. Die schönsten Jüdinnen werden aus dem Lager geholt und in Dienstboten-Kleidung gesteckt. So auch eine junge Jüdin namens Giza.
Als der hohe Gast abends im Roten Haus eintrifft, ist Giza gerade damit beschäftigt kleine Häppchen im Empfang abzustellen, als sich die Frauen der Gesellschaft in einer Reihe aufstellen und nacheinander von dem Mann in der SS-Uniform galant begrüßt werden. Giza reagiert schnell, legt ihre Schürze ab und stellt sich ans Ende der Reihe. Göth und die anderen Offiziere können nicht schnell genug reagieren und so tritt der Unbekannte auch vor Giza, küsst ihre Hand und stellt sich als Adolf Eichmann vor. Göth hat nicht vor, Eichmann zu brüskieren und schweigt. Das Fest beginnt und niemand scheint sich mehr an diesen Affront zu erinnern.
Als Giza ihren Dienst in der Villa zu später Stunde beendet hatte und mit Essensresten zurück in die Baracke kommt, erzählt sie belustigt, die erlebte Geschichte des ihr unbekannten hohen Nazis Eichmann. Alle Frauen lachen während sie die Reste des Festessens verschlingen und legen sich im Anschluss schlafen.
Doch noch in derselben Nacht stürzen zwei SS-Wachmänner in die Baracke und holen Giza ab. Wenig später hört man einen einzigen Schuss.
Giza musste ihre Provokation mit dem Tode bezahlen.

Kurz vor dem Jahreswechsel besucht Oskar Schindler mit angeblichen Vertretern der Rüstungsindustrie das Lager Plaszów. Göth, der sofort eine weitere Einnahmequelle wittert, stimmt zu, dass Schindler mit den Beiden Industriellen das Lager besichtigen darf. Was Göth nicht weis ist, dass es sich bei Schindlers Begleiter keineswegs um Industrielle handelt sondern um Dr. Sedlacek von der Verbindungsstelle des American Jewish Joint Distribution Committee und um einen Mitarbeiter aus dem Büro von Franz von Korabs, des Leiters des polnischen Büros von Abwehrchef Wilhelm Canaris.
Während der Besichtigung richtet es Itzhak Stern so ein, dass die Gäste nicht nur die Werkstätten sehen, sondern auch in die Nähe der Massengräber kommen. Als er sich bückt, um sich die Schuhe zu binden, schießen die Besucher heimlich Fotos.
Es gelingt später, diese Fotos bis nach Palästina zu schmuggeln. Nathan Stern, der jüngere Bruder Itzhak Sterns verfasst mit Hilfe dieser Fotos einen Bericht der als Stern-Report über die Lage in Plaszów in die Geschichte eingehen wird.

Ab dem 10. Januar 1944 erhält Plaszów offiziell den Titel Konzentrationslager. Aus diesem Grund treffen 600 SS-Aufseher und Aufseherinnen ein und ersetzen dadurch die ukrainischen OD Männer, die von dem Tage an das Lager nicht mehr betreten dürfen.
Der OD wird nun für andere Aufgaben eingesetzt.

Im Frühjahr 1944 ist das ehemalige Ghetto Podgórze von den Männern des OD „gesäubert“ worden und Göth als restlos „judenfrei“ gemeldet worden. Der letzte Auftrag von Göth an, den OD war, noch die Mauer abzureißen, die um das ehemalige Ghetto gezogen war um die Gegend wieder als normale Wohngegend an die Verwaltung übergeben zu können.
Zum Abschluss ließ Göth die kompletten Angehörigen des OD und deren Familien verhaften. Sie wurden in LKWs verladen und an der Chujowa Górka erschossen. Die GESTAPO und auch Göth bewiesen ein weiteres Mal, das sie keine Zeugen duldeten, obwohl der SD Chef Symche Spira bis zuletzt glaubte, das er durch seine Zusammenarbeit mit den Besatzern eine Chance hätte den Krieg zu überleben.

Die Änderung des Status von Plaszów bringt auch Einschränkungen für Göths Willkürherrschaft mit sich. Die Vollstreckung von Todesurteilen sind nur noch nach Antrag erlaubt, Änderungen an Arbeitseinsätzen müssen ebenfalls an das Amt D II des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamts gemeldet werden.
Zumindest offiziell ist es nun nicht mehr möglich Gefangene einfach zu ermorden, da jede Tötung eine Schwächung der Arbeitsleistung des Lagers bedeuten würde.

Am 12. Februar 1944 wird Julian Scherner, Göths Förderer aus Krakau abberufen. Die Gründe dafür sind nicht im Detail bekannt, allerdings wird vermutet, dass die Orgien im Schloss Szebnie Himmler zu Ohren gekommen seien und er deshalb verfügte, das Scherner seinen Posten in Krakau räumen musste.
Scherner wird später zur SS-Sondereinheit „Dirlewanger“ versetzt und wird noch vor Kriegsende tot in einem Waldstück aufgefunden.

Am 28. Februar ist Göth neuerlich in Wien um zu weiteren anonymen Anschuldigungen gegen ihn Stellung zu nehmen. Göth spricht diesmal mit dem Kreisleiter Hans Arnold und kann ein weiteres Mal seine Unschuld glaubhaft versichern.
Der Gaupersonalamtsleiter Volkmer allerdings beantragt die Überprüfung Göths auf „Parteiwürdigkeit“.

Anfang März 1944 ist Göth zu einem Empfang bei Oskar Schindler eingeladen. Neben Göth erscheinen auch einige SS-Größen in Schindlers luxuriöser Wohnung in der Straszewskiegostraße 7/2 in der Nähe des Wawels.
Schindler und seine Frau spielen die perfekten Gastgeber, Amon Göth jedoch lässt sich wie immer bei derartigen Gelegenheiten hemmungslos volllaufen.
Als der Abend schon weit fortgeschritten ist und doch noch ein Gast, ein Major in Wehrmachtsuniform zu später Stunde erscheint, wacht Göth plötzlich aus seiner Lethargie auf und stürzt wankend auf den Major zu. Verächtlich blafft er diesen an: „Wer bist Du lächerlicher Zwerg?“ und ohne ihn zu Wort kommen zu lassen, bricht eine richtige Hasstirade aus Göth heraus, in der er die ach so saubere und edel kämpfende Wehrmacht beschimpft. Er beschwert sich wortreich darüber, das er in der SS, für die Saubermänner der Wehrmacht die Drecksarbeit zu erledigen hat.

Scheinbar ahnt Göth bereits, das der bereits verlorene Krieg und seine Taten in Plaszów keine rosige Zukunft für ihn bereithält.

Seit dem 4. März ist die Rote Armee wieder zur Offensive übergegangen und die Front rückt unweigerlich immer näher. Selbst den größten Optimisten wird nun klar, dass sich die Gewaltherrschaft im besetzten Polen nicht mehr lange halten lässt.
Entsprechende Befehle werden nun herausgegeben, die Spuren der Massentötungen zu beseitigen.

Am Ostersonntag, 10. April 1944 wird Lemberg und Drohobycz von russischen Bombern angegriffen. Das nahe gelegene Lager Boryslaw wird geräumt und 1.022 Juden werden nach Plaszów transportiert.
Göth selbst reitet auf seinem weißen Schimmel persönlich zum Bahnhof um die Neuankömmlinge in Empfang zu nehmen. Die meisten bleiben jedoch nicht lange und werden in Lager weiter im Westen transportiert.
Insgesamt lebten 13.000 Juden in Boryslaw – nur 400 von ihnen werden den Krieg überleben.

Im März 1944 marschiert die Wehrmacht in Ungarn ein. Damit verbunden ist die Deportation von 200.000 ungarischen Juden.
Mitte April geht daher eine Anfrage vom SS-Obersturmführer Maurer vom Amt D II an alle KZ-Lagerkommandanten, wie viele ungarische Juden jeweils aufgenommen werden könnten.
Göth will imponieren und nennt dem Amt D II, das er 8.000 Zwangsarbeiter aufnehmen könnte, wenn er die Erlaubnis bekommen würde, die Schlaf-Pritschen doppelt belegen zu dürfen. Da das Amt D II ablehnt, aufgrund der großen Seuchengefahr, die der Sommer in Verbindung mit einer Doppelbelegung mit sich bringen würde, erneuert Göth sein Angebot. Er schreibt dem Amt D II nun, das er 6.000 Juden aufnehmen könnte, wenn er die Erlaubnis bekommen würde, die nicht arbeitsfähigen nach Auschwitz der „Sonderbehandlung“ zuführen dürfte.
Maurer beantwortet diesen Antrag Göths sofort positiv und benachrichtigte nebenbei gleich Auschwitz, das ein Sondertransport aus Plaszów mit 6.000 Juden zur „Sonderbehandlung“ eintreffen würde.

Am Sonntag den 7. Mai 1944 ist es dann soweit. Göth lässt das komplette Lager unter dem Motto „Entsprechende Arbeit für jeden“ zum Gesundheitsappell antreten.
Obwohl es an diesem Maisonntag noch empfindlich kalt ist, müssen alle komplett nackt antreten.
Frauen müssen im Anschluss nackt über einen Hindernisparcours laufen. Eigens dafür wurden auf dem Appellplatz große Löcher gegraben, über die die Frauen springen mussten. Alle Namen derer, die in eines der Löcher fielen, stolperten oder stürzten, wurden sofort auf eine Liste gesetzt.
Eine Woche später, am 14. Mai 1944 wird beim Morgenappell der komplette Platz von den Lagerwachen umstellt. Als Göth erscheint, werden all jene Namen verlesen, die wie gewohnt zur Arbeit gehen „dürfen“ der Rest muss stehen bleiben, sie werden später in die Züge nach Auschwitz verladen.
Allein an diesem Tag werden 1.400 Häftlinge nach Auschwitz geschickt, darunter auch 286 Kinder.
Der Tag ist jedoch noch nicht vorbei. Am Abend müssen nochmals alle Lagerinsassen am Appellplatz antreten. Doch diesmal wartet kein Zug, diesmal sollen auch die SS-Schergen auf ihre Kosten kommen. Das komplette Krankenrevier muss heraustreten. Viele Kranke können nur auf der Bahre herausgetragen werden.
Sofort werden alle Richtung Schwanzhügel zum Erschießen geschickt. Bereits auf den Weg hinauf hört man Schüsse, die Henker können es nicht erwarten.
Göth, der mit den anderen SS-Leuten mit auf den Hügel geht, bekommt nicht mit, dass in der Zwischenzeit, alle am Appellplatz angetretenen Gefangenen zu beten beginnen, für die Seelen der Kranken, denen nun nicht mehr helfen ist.

Beinahe täglich werden nun Menschengruppen auf dem Schwanzhügel erschossen. Immer wieder kommt auch die GESTAPO ins Lager und bringt Gefangene mit, die mit Draht gefesselt sind, und erschießt diese an der Chujowa Gorka.

Mitte Juni 1944 erfordert die Lage an allen Fronten, dass alle KZ-Führer im Osten Alarm- und Verteidigungspläne auszuarbeiten haben. Göth macht es sich leicht und lässt sich aus 2 anderen Lagern die entsprechenden Ausarbeitungen schicken und lässt sie von seinem jüdischen Sekretär Mietek Pemper anpassen.

Göth bekommt nun auch gesundheitliche Probleme. Seine exzessive Lebensweise beginnt, sich nun in Form einer Diabetes und Erschöpfungszuständen zu rächen. Weiters bekommt er von seinem Arzt Morphium verschrieben, wonach er immer öfter verlangt.
 


Göth mit einer Frau eines SS-Offiziers vor seiner Villa in Plaszów

 

Ende Juni 1944 wurden alle Arbeitslager östlich von Krakau geräumt. Die Heinkel Flugzeugwerke müssen umsiedeln. Mit dem Plan einer Werkshalle in einem Salzbergwerk 20km von Plaszów entfernt, bekommt Göth eine neue Aufgabe. Seine Zwangsarbeiter sollen die nötigen Vorbereitungen treffen.

Am 24. Juli 1944 muss auch das Lager Rzeszów aufgelöst werden, da dort bereits das Geschützfeuer der näher rückenden Front zu hören ist. Göth befiehlt die sofortige Evakuierung des Lagers und leitet die Insassen nach kurzem Stop in Plaszów nach Mauthausen in Österreich weiter.
Der Stellvertreter des Kommandanten von Rzeszów, ein Jude namens Nacek Reben wird jedoch in Plaszów festgehalten. Trotz seiner Bitten, mit den anderen nach Mauthausen fahren zu dürfen, behält ihn Göth in Plaszów.
Reben muss die Bestrafung zweier Häftlinge mit ansehen, die bei einem Fluchtversuch erwischt wurden.

 


Göth in Uniform auf seinem Schimmel

 

Göth und sein Lieblingshenker Hujar ritten beide auf Pferden über den Appellplatz, jeweils einen Häftling hinter sich herschleifend. Göths Hunde stürzten sich immer wieder auf die Beiden Häftlinge, um ihnen einzelne Fetzen Fleisch aus den Körpern zu reißen.
Nach einigen Runden um den Appellplatz waren die Henker des Schauspiels müde und erschossen die immer noch lebenden Gefangenen.

 


Eine von Göths beiden Doggen



Als neuerlich ein Transport nach Auschwitz ansteht, meldet sich ein selektierter Jude namens Steif bei Göth. Steif war angeblich einst mit Göths Vater befreundet und bietet ihm nun Diamanten mit einem Vorkriegswert von einer viertel Million Dollar gegen sein Leben an. Göth wird sofort hellhörig und erfährt, dass die Diamanten in einem Versteck sind, von dem niemand sonst weis.
Steif wird sofort von den Listen genommen und darf im Lager bleiben. Einige Zeit vergeht, ohne das Göth ihn auf die Diamanten anspricht.
Eines Tages jedoch taucht Göth überraschend in der Baracke von Steif auf und lässt sich von ihm das Versteck mit den Edelsteinen zeigen.
Sichtlich zufrieden kehren die Beiden ins Lager zurück und Steif erhält sofort eine Sonderration in Form von sechs Laib Brot und eine doppelte Portion Suppe.
Am Abend desselben Tages erscheint Göth nochmals bei Steif in der Baracke, diesmal jedoch gibt es kein Essen, sondern nur noch die Kugel aus Göths Pistole.
Göth konnte keine Mitwisser gebrauchen.

Selbst Göth wird Anfang August 1944 bewusst, dass die Front bald auch Plaszów erreichen würde und seine Tage als Lagerkommandant gezählt seien.
Nun galt es, die zusammengerafften Besitztümer in seine Heimat in Sicherheit zu bringen. Zu diesem Zweck wird ein Sonderzug organisiert, der ungesicherten Quellen zufolge zehn Güterwaggons voll mir Göths habe, Plaszów in Richtung Berlin und im Anschluss von dort aus in Richtung Brünnlitz verlassen haben soll.
Der Verdacht liegt nahe, dass Oskar Schindler bei dieser Aktion nicht unbeteiligt gewesen sein dürfte, denn auch die Werke der Emalia wurden zu dieser Zeit nach Brünnlitz verlegt.
Jedenfalls bleibt dieser Transport nicht unbemerkt, denn nun nahmen sich die Zollbehörden dieses Falles an.
Des Weiteren kommen weitere Anzeigen von SS-Männern bei dem berüchtigten SS-Juristen Dr. Georg Konrad Morgen ein. Jener SS-Jurist war für die Untersuchungen von Unregelmäßigkeiten in den Konzentrationslagern verantwortlich.
Er eröffnet sofort ein Disziplinarverfahren gegen Göth und ermittelt, erstmal auf die Fährte gekommen weiter gegen Göth.

Unter dem Namen „Kommando 1005“ lässt Göth nun alle Massengräber ausheben und die Leichen verbrennen. Ein Mitglied des Kommandos 1005 ist der 1908 geborene Simon Wiesenthal. Er wird Zeuge wie selbst noch aus halb verwesten Leichen Goldzähne herausgebrochen und zu Ringen verarbeitet wurden. Teilweise wurde das Gold auch gegen Schnaps getauscht, den die Angehörigen dieses Kommandos reichlich brauchten.
Teilweise musste das Kommando 1005 14 Stunden lang Leichen exhumieren und im Anschluss noch am Appellplatz Sport treiben.

Neue Gefangene, die jetzt noch in das Lager gebracht wurden, hatten keine Chance. Sie wurden sofort exekutiert.

Ende August 1944 wird ein Güterwaggon mit hinterzogenen Wertsachen Göth´s in Opawa von der SS abgefangen beschlagnahmt. SS Untersuchungsrichter Dr. Konrad Morgen nimmt sofort Untersuchungen auf. Göth´s Tage als Kommandant in Plaszów sind gezählt, ein Ausschluss aus der SS bzw. weitere Strafmaßnahmen scheinen nur mehr eine Frage der Zeit zu sein.


Karriereende

Göth´s plötzliches Ende als Lagerkommandant

Am 13. September 1944 ist es so weit, vor Göth´s Villa hält ein schwarzer Mercedes aus dem 2 in Ledermäntel gekleidete Männer entsteigen. Nachdem ihnen die Tür geöffnet wurde, verlangen sie bestimmt SS-HSTUF Göth zu sprechen.
Wortlos reichen die Beiden dem Kommandanten einen Bescheid, woraufhin Göth Mantel und Hut nimmt und sofort mit ihnen in den Wagen steigt.
Der Verhaftung ging Schriftverkehr zwischen HSSPF Ost Wilhelm Koppe und dem persönlichen Stabs Himmler voraus, scheinbar hält nun auch Berlin nicht mehr an Göth fest.
Der Haftbefehl wurde letztendlich vom SS- und Polizeigericht VI in Krakau aufgrund des Verdachts auf Aneignung von Wertgegenständen und Geld jüdischer Häftlinge mit dem Ziel persönlicher Bereicherung und wegen unvorschriftsmäßiger Behandlung von Häftlingen im KZ Plaszów ausgestellt.
Göth trägt bei seiner Verhaftung 80.000 RM bei sich, was darauf deuten ließ, das Göth bereits die Flucht aus Plaszów plante bzw. in Kürze untergetaucht wäre.
Da Göth angab, dass das Geld von Oskar Schindler stammte, wird auch dieser Mitte Oktober 1944 von der GESTAPO verhaftet, jedoch nach 8 von Verhören geprägten Tagen, wird er wieder freigelassen.
Göth und Scherner wurden vor ein SS-Ehren-Gericht gestellt und verurteilt.
Scherner wurde zum Hauptsturmführer degradiert und zur Brigade Dirlewanger versetzt, Göth jedoch vorerst auf Kaution entlassen, wobei die Ermittlungen gegen ihn immer noch liefen.

SS-Obersturmführer Arnold Büscher übernimmt für Göth die Lagerleitung in Plaszów. Für die Häftlinge im Lager versprach dies jedoch kaum eine Besserung.

Im November 1944 durchsucht eine Kommission der GESTAPO eine Lagerhalle, in der Göth ganze 60 Kisten gestapelt hatte. Begleitet von Majola, Göth´s geliebter, werden einige Kisten geöffnet. Majola gibt an, dass alle Kisten ihr gehören würden, als jedoch Pelze, Geld, Schmuck, Wein, Schokolade, Zigaretten, Cognac und andere Luxusgegenstände zum Vorschein kamen und auf allen Kisten „A.G.“ stand, wurde das komplette Gut beschlagnahmt und die Lagerhalle versiegelt.
Göth´s Frau Anna hat inzwischen von seinem Verhältnis zu Ruth Irene Kalder erfahren und an einem Wiener Gericht die Scheidung beantragt.

Im Januar 1945 flüchtet Ruth Kalder mit ihrer Mutter ebenfalls nach Wien während Göth immer noch in Dachau von der SS festgehalten wird. Ruth Kalder versucht in Wien Druck auf Göth´s Noch-Ehefrau Anna auszuüben, um nach dessen Freilassung, mit der sie beide fest rechnen, selbst heiraten zu können. Ruth Kalder gibt sogar den Ehebruch freiwillig bei einem Anwalt zu Protokoll um die Scheidung zu beschleunigen.

Schindler und Göth sehen sich Ende Januar 1945 zum letzten Mal in Brünnlitz in der neuen Fabrik. Die „Schindler-Juden“ erstarren, als sie Göth mit ihrem Direktor durch die Fabrik gehen sehen. Auch sie sehen Göth an diesem Tag zum letzten Mal, allerdings hat er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr diese dämonische Ausstrahlung wie zuvor noch als Lagerkommandant. Göth hatte sich verändert, er war wieder zu einem Privatmann geworden, ohne die schwarze Uniform, ohne den Totenkopf auf der Kappe.

Im Februar 1945 kehrt Göth zurück nach Wien, um die Scheidung über die Bühne zu bringen. In Wien angekommen erkrankt er jedoch und muss ins Reservelazarett in der Sternwartestraße 74. Scheinbar macht sich ein Magengeschwür bemerkbar.
Wenige Tage später am 17. Februar wird Göth jedoch von der SS-Feldpolizei verhaftet und in das Polizeigefängnis Rossauerlände gebracht.
Am 20. Februar besucht ihn dort sein Vater – es ist das letzte Mal das er seinen Sohn sieht, denn schon am 21. Februar wird Göth nach München-Stadelheim verlegt.
Der Grund der neuerlichen Verhaftung sind angebliche Devisenvergehen, die vom Hauptamt SS Gericht Traunstein vorgebracht wurden.
Göth verbrachte 5 Wochen in München-Stadlheim, bis er am 27. April 1945 von der SS-Feldpolizei zum Flak-Ersatz-Regiment 3 nach München-Freimann überstellt wurde.
Göth hat nun in den letzten Tagen des 3. Reichs doch noch Gelegenheit für Führer und Vaterland seinen Dienst an der Waffe zu versehen.
Göth jedoch hat keine Lust in letzter Minute noch den Heldentod zu sterben und lässt sich ins Lazarett Bad Tölz einweisen, wo er auch am 4. Mai 1945 durch Beamte der CIC (Counter Intelligence Corps) festgenommen wurde.

 


Das Ende

Kriegsgefangenschaft
 


Göth bei seiner Verhaftung in Bad Tölz



Göth gibt sich als „Farmer“ aus und kann tatsächlich erste Verdachtsmomente zerstreuen, noch haben die Alliierten keine Ahnung, wer ihnen hier ins Netz gegangen ist.

Im August 1945 erkrankt Göth an Fleckfieber, da er keine Kleidung zum Wechseln bei sich trägt. Er übersteht die Krankheit jedoch ohne Probleme aufgrund der guten medizinischen Versorgung des amerikanischen Lazaretts.

Am 31. August 1945 wird der Verlag der Familie Göth unter öffentliche Verwaltung gestellt. Walter Bassist wird als Verwalter eingesetzt. Die Hermes AG wird ebenfalls unter öffentliche Verwaltung durch Dr. Rudolf Granichstaetten-Czerva gestellt.
Im März 1946 werden jedoch beide wieder abberufen und durch einen Druckereifachmann namens Julius Riedl ersetzt.

Am 7. November 1945 bringt Ruth Kalder Göth´s Tochter Monika zur Welt.

Die Scheidung der Ehe von Anna und Amon Göth wird am 19. Dezember 1945 vom Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen beschlossen.

Im September 1947 sieht sich Göth mit einer Klage seiner Ex-Frau konfrontiert, die auf 30% des Vermögens beharrt, die ihr bei der Scheidung zugesprochen wurden. Es sollte schließlich bis zum 2. März 1948 dauern, bis ihre gemeinsamen Kinder Ingeborg und Werner Göth die Leitung der Verlage übernehmen. Auch sie jedoch können den Familienbetrieb nicht retten, denn am 12. September 1960 schließlich wird der Verlag Göth aus dem wiener Handelsregister gelöscht.

Göth befürchtet in der Zwischenzeit, dass seine wahre Identität früher oder später bekannt werden würde, je länger er in Kriegsgefangenschaft verbringen würde.
Er entschließt sich zu einem riskanten Schritt. Er gibt seine Tätigkeit im Rahmen der SS im Generalgouvernement im Raume Plaszów zu, stellt diese jedoch möglichst harmlos dar. Weiters stellt der Häftling 4.596 Antrag auf Haftprüfung und verweist darauf, niemals Dienst in irgendeiner Form in Dachau geleistet zu haben.
Er gibt an, lediglich mit SS-Männern aus Dachau gemeinsam verhaftet worden zu sein, in Dachau selbst jedoch nie tätig gewesen zu sein. Er räumt ein, dass er im Stabe von General Krüger in Teschen bzw. Kattowitz seinen Dienst versah.

Göth wird am 20. Februar 1946 vom Investigation Officer Captain Hugo A. Romano verhört und kann so erstmal persönlich seine Geschichte erzählen – eine Lügengeschichte, in der er versucht seinen Dienst in Plaszów so harmlos wie möglich darzustellen.
Da er seinen Posten als Lagerkommandant von Plaszów schließlich nicht leugnen kann, gibt er an, dass er den Häftlingen stets Sonderrationen an Lebensmitteln zukommen ließ und es keine unberechtigten Exekutionen oder Folterungen der Häftlinge gab.

Göth erreicht mit seinem Vorstoß jedoch genau das Gegenteil, was er erwartet hätte, denn jetzt erst werden die Amerikaner richtig neugierig und setzen Göth auf eine Liste von in Dachau angeklagten SS-Angehörigen, mit der Bitte um Hinweise aus der Bevölkerung.
Die Amerikaner sind überrascht, dass sich binnen kurzer Zeit bereits 20 Zeugen meldeten, die schreckliche Angaben zur Person der Lagerkommandanten von Palszów zu Protokoll gaben.

Den gesamten April und Mai 1946 dauern die Gespräche mit den Zeugen an. Ende April 1946 steht für die amerikanischen Behörden fest, dass sie Göth an Polen ausgeliefert werden muss – als Auslieferungstag wird der 28. Juni festgesetzt.
Zusammen mit Rudolf Höß, den Kommandanten aus Auschwitz wird Göth wie geplant an die polnischen Behörden übergeben.
Als der Transport mit den Beiden in Krakau ankam, konnten sie die Sicherheitskräfte nur knapp vor der Lynchjustiz einer aufgebrachten Menschenmenge schützen.

Göth wird der Prozess gemacht
 


Göth auf dem Weg zum Gerichtssaal



Von großem öffentlichem Interesse begleitet, begann am 27. August 1946 der Prozess gegen Amon Leopold Göth.
Die meisten im Saale anwesenden Zuschauer waren Juden, viele von ihnen haben Göth im Lager Plaszów erlebt und wollen miterleben wie nun Göth selbst gerichtet wird.
Göth´s Kommentar, als er einige ehemalige jüdische Häftlinge aus Plaszów im Gerichtssaal wiedererkennt: „Man hat uns doch gesagt, dass kein Schwanz von denen überleben wird!“
Das Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Alfred Eimer ist bemüht gerade Göth´s Menschenwürde zu wahren, eine Menschenwürde, die Göth sie selbst mit Füßen getreten habe und ein faires Verfahren zu gewährleisten, das seine eigenen Häftlinge nie bekommen hatten. Man wollte demonstrieren, dass man selbst bei solch grausamen Verbrechern die Menschenrechte bewahrt.

Göth´s Anklage wurde in 5 Punkte gefasst:

Punkt 1: Der Angeklagte wird beschuldigt, im Zwangsarbeitslager von Plaszów den Tod von 8.000 Menschen verursacht zu haben und auch selbst immer wieder eigenhändig getötet zu haben.

Punkt 2: Der Angeklagte soll den Tod von 2.000 Menschen bei der „Liquidierung“ des Krakauer Ghettos verschuldet haben.

Punkt 3: Bei der „Liquidierung“ des Ghettos Tarnów soll der Angeklagte die Deportation von 8.000 Menschen angeordnet und eine unbestimmte Anzahl davon ermordet haben.

Punkt 4: Bei der schrittweisen Auflösung des Lager Szebnie zwischen September 1943 und Februar 1944 soll Göth den Befehl zur Ermordung zahlreicher Insassen bzw. zur Deportation in andere Lager gegeben haben.

Punkt 5: Göth soll sich an den inhaftierten Juden bereichert bzw. sich deren Wertsachen unrechtmäßig angeeignet haben.

Die Anklagepunkte beruhen auf Zeugenaussagen, die bereits gegenüber den amerikanischen Behörden getätigt wurden.
Göth soll daher nicht nur Werkzeug der polnischen SS gewesen sein, sondern offensichtlich selbst „Vergnügen“ beim eigenhändigen Morden gehabt haben.

Die zwei Verteidiger, die Göth von der polnischen Justiz zugewiesen wurden, beantragen gleich am ersten Sitzungstag die Befreiung von ihrer Aufgabe, da sie sich als Polen nicht imstande fühlen Göth zu vertreten.

Göth´s Taktik ist simpel, er leugnet einfach alles. Er bestreitet, dass jemals grundlose Tötungen stattgefunden haben bzw. dass es keinerlei Folterungen der Häftlinge gegeben habe. Weiters bestreitet er, dass seine Hunde jemals einen Häftling angefallen hätten und dass es dem Gericht keinesfalls möglich wäre, hierfür Zeugen vorbringen zu können.
Bezüglich der unrechtmäßigen Bereicherungen verweist Göth auf die erfolglosen Ermittlungen der SS Behörden.

Was Göth jedoch nicht ahnte, war, dass einige Zeugen überlebt haben, die eigentlich hätten erschossen werden sollen und es so zahlreiche Aussagen über Tötungen und Folterungen vor Gericht gibt.
Göth nimmt diese Aussagen teilnahmslos zur Kenntnis, ohne diese auch mit nur einem Wort zu kommentieren.
Später gelingt es Göth zwar, einige Zeugenaussagen wirkungsvoll zu entkräften, bzw. manche Zeugen als nicht glaubwürdig darzustellen, da sich viele nicht erinnern konnten, wann genau die Taten stattfanden, letztendlich war die Beweislage jedoch erdrückend.

Göth´s letzte Versuche seinen Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen scheitern, als er versucht die Zuständigkeit des polnischen Gerichts anzuzweifeln. Die Richter sind fest entschlossen Göth als „Repräsentanten“ des Hitler-Regimes an den Galgen zu bringen.
 


Göth vor dem Gerichtsgebäude in Krakau

 

Am 3. September 1946 wurden die Schlussplädoyers gehalten.
Der Staatsanwalt Mieczyslaw Siewierski betonte noch einmal die Bedeutung des Prozesses und die Wirkung des Urteils. „Die einzige angemessene Strafe für die Verbrechen Göths sei die Todesstrafe.“
Mit Göth solle ein Mensch die Welt verlassen, der sich durch sein Verhalten selbst von der Liste derer Personen gestrichen hat, die würdig sind, in ihr zu leben. Der Angeklagte, so Siewierski, hatte wohl seine Berechtigung im NS-System, als dieses jedoch zusammenfiel, muss auch er als physische Person von dieser Welt verschwinden.

Die Verteidiger weisen nur nochmals auf einige Ungereimtheiten in Zeugenaussagen hin und erbeten ein gerechtes Urteil.

Als Göth ein letztes Mal das Wort erteilt wurde, beklagte er sich, das man ihm zu wenig Zeit gegeben hätte sich auf das Verfahren vorzubereiten bzw. das seine Entlastungszeugen nicht erscheinen konnten, da sie selbst in Haft sitzen würden.
Oskar Schindler übrigens wurde von Göth ebenfalls als Entlastungszeuge angegeben, dieser jedoch meidete Krakau und dachte erst gar nicht daran beim Prozess gegen Göth zu erscheinen.
Noch einmal versuchte Göth diverse Aussagen von Zeugen zu widerlegen bzw. versuchte alle seine Taten auf den Krieg zu schieben. Als Zivilperson hätte er nie daran gedacht, einen Menschen zu töten.
Göth bedankte sich in seinen Schlussworten bei seinen beiden Verteidigern und auch für die korrekte Behandlung durch die Beamten im Gefängnis.
Auf die Frage des Vorsitzenden, welches Urteil Göth selbst verlangen würde, antwortete er nur: „Das Urteil stelle ich dem obersten Volksgericht anheim.“

Am 5. September 1946 um 4 Uhr Nachmittags erfolgte die Urteilsverkündung.
In dem auf den letzten Platz gefüllten Gerichtssaal verlas Dr. Eimer:
Der österreichische Staatsbürger Amon Leopold Göth, geboren am 11. Dezember 1908 in Wien, geschieden, von Beruf Privatbeamter, römisch-katholisch, wird in allen 5 Anklagepunkten für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Alle öffentlichen Rechte sowie alle bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm für immer aberkannt; sein gesamter Besitz konfisziert. Die Kosten des Verfahrens gehen zu Lasten des Staates.

Danach wurde nochmals im Detail auf seine Verbrechen eingegangen…

Zuletzt bemerkt der Vorsitzende noch: „Die Eliminierung eines Menschen vom Typ des Angeklagten aus dem gesellschaftlichen Leben muss daher vollständig und zur Gänze erfolgen, denn das erwartet sich die Menschheit nach den grauenvollen Jahren des Krieges.“
Göth wird noch dahin gehend belehrt, das er das Recht habe ein letztes Gnadengesuch beim Präsidenten des Nationalen Volksrates einzureichen.
Göth schrieb tatsächlich dieses Gnadengesuch, bekam jedoch keine Antwort.

Das Ende naht

 


Göth auf der Anklagebank



Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde Göth am 13. September 1946 hingerichtet, da man Tumulte vermeiden wollte.
Um 18 Uhr wurde Göth, die Hände am Rücken gefesselt im Montelupich-Gefängnis auf ein Podest zum Galgen geführt.
Ihm wurde nun noch mitgeteilt, das sein Gnadengesuch nicht positiv beantwortet wurde und daher das Urteil vollstreckt werden würde.
Göths Körpergröße wurde scheinbar unterschätzt und so musste der Galgen zwei Mal verkürzt werden. Er selbst nahm diese Panne ohne Gefühlsregung zur Kenntnis.
Als der Strick endlich die richtige Länge hatte und der Henker gerade den Hebel drücken wollte, stieß Göth noch seine letzten beiden Worte heraus: „Heil Hitler!“

Die Leiche wurde verbrannt und die Asche von Amon Göth wurde in die Weichsel gestreut.

Bis heute konnte nicht festgestellt werden, was mit den unzähligen Koffern gefüllt mit Geld und Juwelen passiert ist, die Göth bereits im Laufe des Jahres 1942 und 1943 nach Wien zu seiner Familie geschickt hatte, denn beschlagnahmt wurden nur teilweise die Sendungen aus dem Jahre 1944.
 


Gedenkstein auf dem Gelände des
ehem. Zwangsarbeitslagers von Plaszów


Das Thema

Rudolf Franz Ferdinand Höß
(SS-Obersturmbannführer)



(* 25. November 1900 in Baden-Baden; † 16. April 1947 in Auschwitz)




Am 25. November 1900 wird Rudolf Höß als Sohn eines Kaufmanns in Baden-Baden geboren. Er wird von seinen Eltern streng katholisch erzogen und so ist der Wunsch seines Vaters, daß Rudolf später einmal Priester werden sollte, auch nicht verwunderlich. Familie Höß lebt zu dieser Zeit außerhalb von Baden-Baden im Grünen. Rings um ihr Haus gab es lediglich einige Bauern-Gehöfte, wodurch Rudolf keine Kinder als Spielkameraden hatte. Da er nur von Erwachsenen umgeben war, musste er meist alle spielen und ging so mit Vorliebe auf Entdeckungsreise in den nahe gelegenen Wald bzw. zu einem Wasser-Reservoir. Er verbrachte gerne viel Zeit in der Natur. Dadurch entwickelte er sich jedoch auch zu einem Einzelgänger, der immer Schwierigkeiten mit großen Menschenmengen haben würde.

Jugend/Millitärdienst

Jugendzeit

Als er im Alter von 6 Jahren im Wald einigen Zigeunern begegnete, war er froh, als ein benachbarter Bauer zufällig des Weges kam. Im weit verbreiteten Glauben der Landbevölkerung wurde den Zigeunern nachgesagt, dass sie Kinder rauben und der junge Rudolf Höss erwartete auch nichts anderes.
Gezwungen, so viel Zeit mit sich selbst zu verbringen, entwickelte er eine große Tierliebe und fühlte sich besonders zu Pferden hingezogen. Auf seinen jugendlichen Streifzügen kam er des öfteren durch die Stallungen der Nachbarn, um die großen Tiere zu streicheln und, sofern Putzzeug vorhanden war, zu striegeln. Oft genügte es ihm jedoch auch, einfach in ihrer Nähe zu spielen oder zwischen deren Beinen herumzuturnen. Der Gefahr, der er sich dabei aussetze, war er sich nicht bewusst.
Er hatte vielleicht Angst vor Menschen, nicht jedoch vor Tieren.

Kurz vor Rudolfs 7. Geburtstag, zog die kleine Familie in die Nähe von Mannheim. Wieder wohnten sie Außerhalb der Stadt im Grünen. Zu dieser Zeit entdeckte Rudolf Höß seine Liebe zum Element Wasser. Er hatte immerzu den Drang zu Baden und alles mögliche zu Waschen. Seine Begeisterung für Wasser sollte ihn sein ganzes Leben lang begleiten. Zu seinem 7. Geburtstag bekam er ein pechschwarzes Pony namens „Hans“ geschenkt. Von diesem Tage an war das Tier sein bester Freund. Wenn seine Eltern mal nicht zu Hause waren, nahm er es sogar mit auf sein Zimmer. Er liebte sein Pony abgöttisch.

Sein Vater Franz Xaver Höß, erzog seinen Sohn streng katholisch und wie damals üblich in einem militärischen Stil. Kleinste Unachtsamkeiten wurden von ihm sofort bestraft. Immer wieder wurde Rudolf eingebläut, dass schon die die winzigsten Fehler fatale Auswirkungen haben können. Dabei legte der Vater wert auf ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein, zwang seinen Sohn dazu, die Erfüllung von Pflichten über alles Andere zu stellen. In der Schule erbrachte Rudolf die Leistungen, die von ihm verlangt wurden und war ansonsten ein unauffälliger Schüler. Sein Weg war, wenn es nach der Meinung seines Vaters ging, bereits vorgezeichnet. Zu dieser Zeit fügte sich Rudolf der väterlichen Doktrin und hatte vor, so schnell wie nur irgend möglich Missionar zu werden und sich ins tiefste, dunkelste Afrika versetzen zu lassen.

Rudolf bekam in seiner Kindheit kein einziges ärgerliches Wort, keinen Streit zwischen seinen Eltern mit, ebensowenig jedoch sah er Zärtlichkeiten zwischen beiden. Er selbst lehnte ebenfalls jede Art von Zuneigungsbeweisen kategorisch ab, wollte weder umarmt noch geküsst werden, stark zum Leidwesen seiner Mutter und seiner beiden jüngeren Schwestern. Zu diesen konnte er nie ein inniges, geschwisterliches Verhältnis entwickeln, auch wenn Beide nichts unversucht ließen, um Rudolf näher zu kommen. Sein einziger Vertrauter war und blieb sein Pony Hans.

Rudolf Höß´ christlicher Glauben wurde zum ersten Mal schwer erschüttert, als er in der Schule einen anderen Jungen die Treppe runtergestoßen hatte. Sein Schulkamerad brach sich dabei ein Bein und Rudolf wurde vom Direktor bestraft. Als guter Christ beichtete er seine Tat, erzählte jedoch seinen Eltern nichts davon. Rudolfs Beichtvater, ein guter Freund seines Vaters, war am selben Tag bei seinen Eltern zum Abendessen eingeladen. Am Morgen danach wurde Rudolf von seinem Vater zur Rede gestellt und für sein Vergehen nachträglich bestraft, auch weil er seinen Eltern diesen Vorfall nicht gleich erzählt hatte.

Von da an war Rudolf tief in seinem Glauben erschüttert, sah sich von dem Beichtvater verraten. Seine Eltern konnten es nur von ihm erfahren haben, denn das Telefon in ihrem Haus war defekt, Rudolfs Klassenkameraden wohnten weit weg und seine Eltern waren nicht in der Stadt und auch nicht in der Nähe der Schule gewesen. Von nun an ging Rudolf Höß nie wieder zur Beichte, selbst in die Kirche wollte er von nun an nicht mehr gehen, denn er hatte das Vertrauen in den Priesterstand komplett verloren. Auch wollte er auf keinen Fall mehr Priester oder Missionar mehr werden.

Als im Jahr 1915 Franz Xaver Höß ohne vorherige, schwere Krankheit plötzlich verstarb, konnte der Sohn keinerlei Trauer über den Verlust des gestrengen Vaters empfinden. Es schien vielmehr für ihn eine Erleichterung gewesen zu sein. (Hier bereits machte sich die Gefühlskälte von Höß bemerkbar, die er auch später als Kommandant von Auschwitz immer wieder an den Tag legen sollte. Alle Aussagen ehem. Gefangener oder Wegbegleiter von Höß werden später übereinstimmend aussagen, wie kalt und emotionslos der Kommandant Prügelstrafen, Erschießungen, Vergasungen oder Selektion an den Rampen beobachtete. Anm.d.V.)
Das Leben von Rudolf Höß nahm von diesem Moment an jedoch eine andere Richtung. Die Kirche hatte von nun an keinen Einfluss mehr auf ihn, dafür wurde der Platz durch eine grenzenlose Bewunderung für alles Militärische eingenommen.

Beginn einer militärischen Laufbahn

1916 befindet sich der I. Weltkrieg auf seinem Höhepunkt und Rudolf Höß beobachtet fast täglich Soldatenzüge, die in den Krieg zogen und sieht Verwundeten-Transporte zurückkehren. Um seinen Beitrag zu leisten meldet er sich als Helfer zum Roten Kreuz. Trotz der unzähligen schwer Verletzten und Toten, die er in dieser Zeit als Rot-Kreuz-Helfer sehen musste, verspürte er bald den Drang, selbst Soldat zu werden. Gegen den Willen seiner Mutter, die mit allen Mitteln eine frewillige Meldung ihres einzigen Sohnes zu verhindern trachtete, trat Rudolf Höß dem Badischen Dragoner Regiment 21 bei, indem schon sein Vater und Großvater diente. Mit Hilfe eines Rittmeisters kommt er auch nach kurzer Grundausbildung in die Türkei an die Front.

In seinem ersten Einsatz an der Front machte er gleich eine einschneidende Erfahrung. Gemeinsam mit türkischen Divisionen war seine Einheit eines überraschenden Angriffs der Briten bzw. Inder ausgesetzt. Die Türken ergriffen sofort bei Erkennen des Angriffs die Flucht und so stand das deutsche Regiment in Unterzahl den Feinden gegenüber und wurde überrannt. Nie sollte Höß seinen ersten Schuss den er abgab vergessen. Er traf dabei einen Inder tödlich, der gerade zu einer Attacke ansetzte. Kurz vor ihm blieb der tödlich Getroffene liegen. Höß war zwar erst entsetzt, von da an jedoch überkam ihn eine seltsame Ruhe. An der Seite seines bekannten Rittmeisters gab er nun einen Schuss nach dem anderen ab. Der Angriff konnte doch noch zurückgeworfen werden. Auch die geflüchteten Türken wurden wieder nach vorne getrieben und so konnte am Ende des Tages sogar noch ein Geländegewinn verzeichnet werden.

Höß hatte zu dem Rittmeister (seinen Namen konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen Anm.d.V.) ein inniges Verhältnis, inniger als zu seinem eingenen Vater. Ihre Einheit wurde 1917 nach Palästina verlegt und marschierte nach Jerusalem. Höß bekam das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse, den Eisernen Halbmond und die Badische Verdienstmedaille verliehen. Er wurde zweimal verwundet und mit seinen 17 Jahren war er der jüngste Unteroffizier des Heeres.
Seine Mutter, die sich so dagegen gesträubt hatte, dass ihr Sohn Soldat wird, wird er nicht hingegen mehr sehen. Sie stirbt im gleichen Jahr.

In einem Lazarett in Wilhelma hatte Höß sein erstes Liebeserlebnis mit einer Krankenschwester. Höß benötigte intensive Betreuung, da er nicht nur einen Knie-Durchschuss erhalten hatte sondern nebenbei auch noch unter schweren Malaria-Anfällen litt, die von starken Fieberanfällen begleitet wurden. Die Berührungen der Krankenschwester waren immer wieder zärtlicher als sie sein mussten, öfter mal auch länger als notwendig und so entwickelte sich eine Zuneigung, die in Höß´s ersten sexuellen Erlebnis endete.
In seinem weiteren Leben würde er niemals ein Bordell besuchen oder sich auf eine Liebschaft mit einer Frau einlassen, für die er keine Gefühle hegte. Höß war nur zu Zärtlichkeiten fähig, wenn er auch tiefe Zuneigung zu der betreffenden Frau empfand.


Parteimitglied

Zwischenkriegszeit

Als der Krieg zu Ende ging, dachte der 18jährige Höß nicht daran, sich internieren zu lassen und plante auf eigene Faust in die Heimat zurückzukehren. Sein gesamter Zug schloss sich dem jungen Höß an und so zogen sie gemeinsam auf einer abenteuerlichen Reise zurück Richtung Heimat. Über Anatolien, das Schwarze Meer in einem heruntergekommenen Boot überquerend setzte die Gruppe nach Varna über und ritt quer durch Bulgarien, das feindlich gesinnte Rumänien, Ungarn und Österreich zurück nach Deutschland. Höß' Zug war die einzige Einheit, die komplett aus Palästina zurückkehrte.

Daheim angekommen erfuhr er vom Tode seiner Mutter. Seine Geschwister waren in eine Klosterschule gesteckt worden, sein Zuhause war nicht mehr. Da seine Familie ihn zu dem Gang in ein Priesterseminar nötigen wollte, verzichtete Höß zugunsten seiner Schwestern auf seinen Erbteil und verließ seine Heimat wieder. Er meldete sich beim preussischen Freiwilligenkorps „Roßbach“ und fand dort sofort wieder die Kameradschaft, in der er sich wohl und geborgen fühlte, das ihm das Gefühl der Heimat vermittelte.

Höß kämpfte mit dem Freikorps Roßbach im Baltikum. Das Korps war dort in besonders verbissene, grausam geführte Kämpfe verwickelt. Obwohl Höß in seinem Leben noch viele grausame Dinge sehen sollte, erinnerte er sich stets an diese Zeit von 1919 bis 1921 zurück, in der er, seinen eigenen Angaben zu Folge, zeitweise nur noch betete.
Nach der Auflösung seiner Truppe schlug sich Höß mit wenig Erfolg als Tagelöhner durch und war zutiefst verzweifelt. Er trat aus der Kirche aus und überlegte nach eigener Aussage sogar, Suizid zu begehen.
Als sich 1922 die ehemaligen Kämpfer des Freikorps Roßbach in München trafen, luden sie dazu auch Adolf Hitler ein, der eine Rede hielt. Diese muss Höß schwer begeistert haben, denn er trat daraufhin der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei und erhielt die Mitgliedsnummer 3240.

Zuchthaus

Ein Jahr später wurde Höß gemeinsam mit seinem Jugendfreund Martin Bormann in den Fememord an deren ehemaligen Volksschullehrers Walter Kadow verwickelt. Dieser soll den Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter an die französischen Besatzungsbehörden verraten haben, die ihn wegen Widerstands gegen die Besetzung des Ruhrgebiets zum Tode verurteilten. Höß wurde von einem Mitwisser der Tat als Rädelsführer an die sozialistische Zeitung „Vorwärts“ gegen Zahlung von Schmiergeld verraten und am 15. März 1924 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Höß zeigte keinerlei Reue und wird bis zu seinem Ableben der Meinung sein, dass Kadow ein Verräter war und somit den Tod verdient hätte. Er und seine Männer hätten damals die deutsche Gerichtsbarkeit vertreten und das Urteil selbst gesprochen und auch sofort ausgeführt.

Durch die Verurteilung sollte Höß jedoch nie den Blutorden oder das goldene Parteiabzeichen der NSDAP erhalten, was ihm zeitlebens als Makel anhaftete.
Im Gefängnis studiert Höß die Verhaltensweisen von Gefangenen und Wärtern und versucht psychologische Profile zu erstellen um die betreffenden Personen einzustufen.
In seinen autobiografischen Aufzeichnungen, die Höß in seiner Gefangenschaft 1945-1947 niederschreibt, geht er näher auf diese Zeit ein bzw. erläutert seine damaligen Theorien im Detail.

Nach 2 Jahren im Zuchthaus bekam Höß eine Haftpsychose und verweigerte sein Essen. Er konnte nicht mehr schlafen, an Arbeit war nicht mehr zu denken. Höß kam ins Krankenrevier und wurde mit Beruhigungsmitteln ruhig gestellt. Nach 2 Tagen fing er sich wieder und bat auf eigenen Wunsch wieder in seine Zelle zurückkehren zu dürfen. Er verlangte von sich aus nach Einzelhaft, da er mit anderen Gefangenen so wenig wie möglich Kontakt wollte. Hier machte sich wohl sein Hang zum Einzelgänger wieder bemerkbar, der wie in der Jugend die Abgeschiedenheit mit sich selbst suchte. Höß beschäftigte sich nun mit der Erlernung von Sprachen und beruflicher Weiterbildung. Er fand endlich die Zeit, einmal Bücher zu lesen und zur Ruhe zu kommen. Er rechnete nicht mit einer vorzeitigen Haftentlassung und versuchte daher sich so gut wie möglich auf ein Leben nach dem Zuchthaus vorzubereiten.

Praktisch über Nacht, bedingt durch das Amnestiegesetz vom 14. Juli 1928, gelangte Höß plötzlich und unerwartet wieder in Freiheit. In der ersten Zeit kam er bei einer befreundeten Familie in Berlin unter und brauchte einige Tage, um außerhalb der Gefängnismauern wieder klar zu kommen. Nach 10 Tagen verließ Höß Berlin, um eine Stelle als landwirtschaftlicher Beamter anzutreten. Seine Freunde und Verwandten versuchten ihn mit aller Kraft von seinen alten Parteifreunden der NSDAP fernzuhalten, schlugen ihm vor, auszuwandern. Höß lehnte es jedoch ab, ins Ausland zu gehen, wollte aber auch nicht zurück zu seinen alten Nazi-Freunden. Vor allem sein späterer Förderer Martin Bormann hätte ihn gerne in der ersten Reihe der Parteigarde gesehen.

Dabei identifizierte Höß sich durchaus mit den Zielen und Idealen der Nazis, lehnte jedoch deren Massenveranstaltungen und die Hetzreden die dort zu hören waren ab. Irgendwie konnte er nach seinen eigenen Aussagen den Ton der Reden nicht leiden. Trotz allem hatte er nicht vor, die Partei zu verlassen, legte jedoch auch keinen Wert auf eine Funktion innerhalb derselben. Höß ging sogar so weit, daß er alle Verbindungen zu seinen Freunden und Verwandten kappte, seinen erst kürzlich angetretenen Beruf als landwirtschaftlicher Beamter kündigte und dem Bund der Artamanen beitrat.

Ein neues Leben beginnt

Dieser 1923 in München gegründeten „Bund Artam e. V.“ war eine Idee des äußerst rechten Flügel der Jugendbewegung und träumte von der Rückkehr zur Scholle, verehrte die "Blut und Boden"-Ideologie, sah in den weiten Landgebieten des Ostens die ursprüngliche Heimat der Germanen, die es galt zurück zu erobern. Nicht Rhein und Ruhr stand im Blickfeld der Artamanen, sondern die Weichsel und die Memel. Dort traf Höß auch auf den späteren Reichsbauernführer Richard Walther Darré sowie auf den Mann, der maßgeblichen Einfluss auf sein Leben nehmen würde:Heinrich Himmler.
Auch lernte er dort seine spätere Frau Hedwig Hensel kennen. Es war praktisch Liebe auf den ersten Blick und schon im Jahre 1929 heirateten die Beiden.
Aus ihrer Ehe sollten 5 Kinder hervorgehen.

Start einer steilen Laufbahn bei der SS

Es war Heinrich Himmler selbst, der Rudolf Höß das Angebot unterbreitete, der SS beizutreten.
Am 20. September 1933 wird er als „Anwärter“ in die SS aufgenommen.
Am 1. April 1934 wurde er als SS-Mann angenommen und nur wenige Tage später, am 20. April zum SS-Sturmmann befördert.
Himmler wollte Höß in der Wachmannschaft des KL Dachau einsetzen. Höß selbst hatte zu dieser Zeit keine Ahnung, was ein Konzentrationslager eigentlich war, er trat seinen eigenen Angaben zufolge seinen Dienst in der „SS-Totenkopf-Standarte Oberbayern“ an, ohne zu wissen was wirklich auf ihn zukam. Er war der Meinung, ganz normaler Soldat zu werden, obwohl er schon vor Dienstantritt wusste, daß er zu Theodor Eickes KZ-Wachtruppen versetzt werden würde.

So begann Höß' seine neu gestartete Soldaten-Karriere im Konzentrationslager Dachau. Bereits zuvor wurde er noch zum SS-Unterscharführer befördert. Wie vom Reichsführer-SS Himmler versprochen, sollte er schnell befördert werden. Nicht zuletzt diese Zusage und die Aussicht auf den damit verbundenen höheren Sold hatten Höß die Entscheidung erleichtert, der SS beizutreten. Jahre später in einem polnischen Gefängnis wird er diesen Schritt in seinen Memoiren bitter bereuen.

Kurz nach seinem Dienstantritt in Dachau wird Höß von seinen Vorgesetzten belehrt, wie er mit „Staatsfeinden“ umzugehen hat und daß er den Waffengebrauch gegen diese „Volksschädlinge“ nicht zu scheuen habe. Am Anfang versah er seinen Dienst als Block- und Rapportführer. Schon von Anfang an musste er mit ansehen, wie wegen kleinster Vergehen, brutalste Prügelstrafen verhängt und durchgefürt wurden.
Dabei wollte Eicke, dass bei Prügelstrafen immer mindestens ein Zug der Wachmannschaften angetreten sein musste um alles mit anzusehen.
Bei Höß' erstem Fall wurden zwei Gefangene der Prügelstrafe unterzogen, die dabei erwischt wurden, wie sie sich heimlich Zigarretten besorgen wollten. Der frisch gebackene SS-Mann Höß konnte die Schreierei nur schwer ertragen, konnte bzw. durfte seinen Blick jedoch nicht abwenden, weil er zufällig in der ersten Reihe stand. In seinen späteren Erinnerungen würde diese Bestrafung der Häftlinge einen tieferen Eindruck hinterlassen, als die erste Exekution, die er selbst durchzuführen hatte.

Dabei lehnte Höß nach eigenen Angaben jede Art von Sadismus ab, konnte sich niemals am Leid der Gefangenen ergötzen. SS-Männer, die solche Taten genossen und sich dabei zu übertreffen suchten, wurden von Höß verachtet. Nichts desto trotz würde er selbst jedoch jeden Befehl gewissenhaft und pflichtgetreu ausführen. Als er später Kommandant in Auschwitz geworden war, würde Höß nach Möglichkeit es vermeiden, solche Bestrafungen persönlich mit ansehen zu müssen. Befehlen und durchführen lassen würde er sie trotzdem, seine Unterschrift unter Vollstreckungsbefehle ohne zu Zögern setzen.
Ganz der pflichtbewusste Beamte der er war. Für ihn kam zuerst die Pflicht, der Befehl. Menschliches Leid rangierte immer an letzter Stelle, so wie er es bei Eicke gelernt hatte, niemals durfte ein SS-Mann Schwäche zeigen.

Himmler und vor allem jedoch Theodor Eicke gaben den KL-Wachmannschaften das Gefühl, für ihr Volk zu kämpfen. Sie vermittelten ihnen, daß sie die einzigen Soldaten seien, die auch in Friedenszeiten mit der Waffe am Feind stehen würden, am Feind hinter dem Draht. Eicke bläute ihnen immer und immer wieder ein, dass Mitleid mit den "Staatsfeinden" und "Volksschädlingen" fehl am Platze sei, dass er in seiner Truppe nur die härtesten SS-Männer brauchen könne. Jemand der Mitleid oder gar Erbarmen mit den Gefangenen zeige gehörte nach Eickes Meinung selbst hinter Gitter.

Als Blockführer war Höß für 270 Häftlinge verantwortlich. Nach kurzer Zeit kannte er alle und konnte sie auch einschätzen. 1934 war es noch möglich nach einiger Zeit im KL auch wieder entlassen zu werden. Die meisten seiner 270 Häftlinge wurden auch tatsächlich nach mindestens 6 Monaten Zwangsarbeit im KL wieder freigelassen. Solche die in den Augen der SS jedoch "unverbesserlich" waren, wurden weiter in "Schutzhaft" gehalten. Ihre Entlassung war auf unbestimmte Zeit verschoben und meist sollte es für diesen Personenkreis auch keine Freiheit mehr geben.

1936 erlebten die KL einen neuerlichen starken Häftlingszuwachs, da ganz Deutschland von Landstreichern und Bettlern „gesäubert“ wurde. Man wollte damals zur Olympiade den ausländischen Besuchern ein sauberes Deutschland präsentieren. Als "Asoziale" gekennzeichnet wurden diese armen Menschen als sogenannte "Volksschädlinge" in die Lager der SS verbracht. Zu dieser Zeit interessierte sich Höß eigenen Aussagen zufolge noch für die Gefangenen und scheute auch persönliche Gespräche mit ihnen nicht. Er erfuhr, dass alle Willkür der SS oder der 'Kapos', der höherrangigen Mithäftlinge, alle Misshandlungen den Gefangenen weit weniger zusetzte als die Ungewissheit, wie lange die Gefangenschaft noch andauern würde.

Dabei machte die Zwangsarbeit, die sie zu verrichten hatten, das Leben im Lager erträglich, ohne Arbeit eingesperrt und den drakonischen Strafen ausgesetzt wäre es für sie unerträglich geworden. Bald bildete sich bei Höß die Meinung, dass das einzige wirksame Erziehungsmittel für Häftlinge die Zwangsarbeit war, der Entzug derselben eine harte Strafe. Theodor Eicke, der als Kommandant des Konzentrationslagers Dachau die Devise "Arbeit macht frei" anbringen ließ, wurde dabei für Höß zum Vorbild. Als Kommandant von Auschwitz würde er den selben Spruch über den Eingang des Stammlagers anbringen lassen.
 


links ist der Schriftzug von Eicke am Eingang zum KL Sachsenhausen zu sehen, rechts der Schriftzug den Höß am Tor zu Auschwitz anbringen ließ



Dabei war sich Höß der Nöte seiner Häftlinge durchaus bewusst. Er konnte sich der Eindrücke auch nicht verschließen, wenn er "Tatorte" besichtigen musste, an denen ein Häftling Selbstmord verübt hatte. Aber er fühlte sich als SS-Mann seinem Eid und seinen Pflichten verbunden, sah mit steinerner Miene zu, wenn Häftlinge bei den Prügelstrafen, die er selbst angeordnet hatte, schrien oder um Gnade bettelten.
Auch im Seziersaal der Sanitätsbaracke musste er Tote begutachten, die "in den Draht gegangen" waren. Äußerlich ließ er sich nichts anmerken jedoch soll es ihn, laut eigenen Angaben, innerlich sehr aufgewühlt haben. Aber wie er sich als Junge schon nicht gegen seinen Vater auflehnen konnte, so folgte er auch jetzt ohne zu Zögern den Anweisungen, die Eicke ihm erteilte. Gewissenlos, kalt, nach außen ohne jegliches Mitgefühl - ganz der SS-Mann, wie man es von ihm erwartete.

Dabei will Höß sich tatsächlich mit dem Gedanken getragen haben, aus der SS wieder auszuscheiden. Er erinnerte sich an seinen eigenen Gefängnisaufenthalt, wusste sehr wohl, was es hieß, eingesperrt zu sein, welche psychischen Belastungen selbst ein Gefangener ausgesetzt war, der nicht noch zusätzlich körperlich misshandelt wurde. Jedoch brachte er den Mut nicht auf, zu Eicke zu gehen und ihn um Entlassung aus der Wachmannschaft zu bitten. Höß wollte nicht als "verweichlicht" gelten, wollte nicht wieder ein Versager sein wie zu der Zeit, als er das Freikorps verlassen hatte. Das ihm anerzogene Pflichtbewusstsein, sein Eid und sein Stolz verhinderten seinen Rücktritt und so führte er seine Tätigkeit gewissenhaft fort, versah seinen Dienst mit dem größtmöglichen Eifer. Dazu kam, dass Höß der festen Überzeugung war, dass die SS eine notwendige Einrichtung des Staates sei, um das Volk vor schädlichen Staatsfeinden zu schützen.


Die KZ's

Höß´ Zeit in Sachsenhausen

Mittlerweile war Höß auch durch den gezeigten Eifer und die Sorgfältigkeit, mit der er alle Anweisungen ausführte, wie versprochen, zügig befördert worden. Im Zuge seiner Beförderung zum SS-Hauptsturmführer wird er am 1. August 1938 als Schutzhaftlagerführer und Adjudant des Lagerkommandanten nach Sachsenhausen versetzt. In Sachsenhausen lernte er die Inspektion der Konzentrationslager und als Adjutant auch Eicke selbst näher kennen, da dieser das Lager unter seine persönliche Aufsicht gestellt hatte. Zu dieser Zeit kam Höß der nationalsozialistischen Ideologie und auch anderen Nazigrößen persönlich näher. Alte Kameraden aus seiner Freikorpszeit hatten nun Posten in Hitlers persönlichem Führungsstab, in der Reichsjugendführung und im Stab Rosenberg.

Höß' Glauben an die Bewegung und an den Führer Adolf Hitler festigte sich weiter, nicht zuletzt auch durch dessen „außenpolitische Erfolge“. Dieses bedingungslose Eintreten für die Ziele des Nationalsozialismus machte es ihm auch möglich, seine Tätigkeit weiter auszuüben und seinen Dienst gewissenhaft zu leisten. Er wollte pflichtbewusst seinen Beitrag in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft leisten, auch wenn es eine für ihn unangenehme Tätigkeit war, die er zu bewältigen hatte. Sämtliche Bedenken und Gewissensbisse mussten für Höß zurückstehen, wenn es darum ging, Deutschland wieder zu einer angesehenen Position in der Welt zu verhelfen. Dass jedoch gerade seine Arbeit Deutschland für immer mit einem Makel versehen würde, konnte und wollte er zu diesem Zeitpunkt nicht wahrhaben.

Seinen ersten „Dienst für Führer, Volk und Vaterland“ durfte Höß dann auch noch in der ersten Nacht seiner neuen Position als Adjudant des Lagerkommandanten und damit als Führer des Kommandanturstabes ausüben. Laut Befehl des Reichsführers-SS sollten in Zukunft alle Exekutionen im Reich in den nächst gelegenen KLs durchgeführt werden.
Für Höß bedeutete dies, daß er gleich an seinem ersten Tag in Sachsenhausen um 22 Uhr eine Exekution durchzuführen hatte, da diese in seinen Zuständigkeitsbereich als Schutzhaftlagerführer fielen. Sämtliche Exekutionen in Sachsenhausen mussten von ihm durchgeführt und beaufsichtigt werden.

Schnell ließ er noch einen Pfahl in einer Sandgrube eingraben, als auch schon die Wagen der GESTAPO im KL einfuhren. Höß führte den zum Tode Verurteilten zum Pfahl und gab anschließend das Kommando zum Feuern. Er hatte dann noch die Aufgabe den Fangschuss abzugeben, was er auch kühl durchführte. Nach Abschluss der Exekution wurde noch der Lagerarzt gerufen, um den Tod auch sicher feststellen zu lassen, denn es musste ja alles seine Richtigkeit haben. Angespornt wurde Höß noch durch die Tatsache, dass Eicke selbst und einige andere Führer aus der Ersatz-Formation bei dieser ersten Exekution in einem KL persönlich anwesend waren. Da alles so schnell gehen musste und sich für Höß an diesem Tag die Ereignisse überschlugen, konnte er erst am Abend realisieren, was eigentlich geschehen war. Die brutale Realität hatte ihn eingeholt und ihm wurde bewusst, dass er zum ersten Mal in seinem Leben selbst den Befehl gegeben hatte, einen anderen Menschen zu töten.

Von diesem Tag an, waren Exekutionen in den KLs an der Tagesordnung. Täglich musste Höß Erschießungskommandos zusammen stellen, Schießbefehle erteilen und selbst die Fangschüsse abgeben. Mit der Zeit entwickelte er eine Routine bei dieser Aufgabe und konnte sie durchführen, ohne daß sie ihn psychisch sonderlich belastet hätte. Er hatte das Glück, daß er niemanden kannte, den er zum Pfahl führen musste. Bis er eines Tages plötzlich einen Mann vor sich hatte, der ihm persönlich bekannt war, mit dem er viel zu tun gehabt hatte. Es war ein STAPO-Beamter und SS-Führer, der auch des Öfteren mal mit ihm im Kasino zusammen gesessen hatte. Am Vortag noch saßen sie beide bei einem Bier und unterhielten sich über die Exekutionen und schon am nächsten Tag, sollte der Beamte selbst erschossen werden. Höß führte diesen Befehl kalt durch, es kostete ihm jedoch Überwindung den Fangschuss an die Schläfe zu setzen, aber auch das tat er, um sich nichts anmerken zu lassen, in offensichtlich ruhiger Gelassenheit. Der Mensch, der am Tag zuvor noch sein Kamerad gewesen war, ging still und gefasst in den Tod.

Höß war nach dieser Tat jedoch innerlich aufgewühlt und so ging er noch mit dem damaligen Kommandanten Hermann Baranowski, der ebenfalls Zeuge der Hinrichtung gewesen war, still durch das Lager. Später erfuhr er, dass der Beamte den Auftrag gehabt hatte, einen kommunistischen Funktionär zu verhaften und ins Lager zu bringen. Da er den Kommunisten gut kannte, erlaubte er ihm, nochmals in seine Wohnung zu gehen um sich umzuziehen und danach sich von seiner Frau zu verabschieden. Während der Beamte sich mit der Ehefrau im Wohnzimmer unterhielt, flüchtete der Beschuldigte durch einen anderen Raum. Die Flucht wurde zu spät erkannt und so schlug die Verhaftung fehl. Sofort wurde der Beamte, Mitte 30 und Vater von 3 Kindern, von der GESTAPA verhaftet und vom Reichsführer SS persönlich zum Tode verurteilt. Selbst Reinhard Heydrichs Führsprachen nutzten nichts, um das Todesurteil noch abzuwenden, Heinrich Himmler wollte ein Exempel statuieren und ließ sich davon nicht mehr abbringen.

Eicke predigte weiter auf seine SS-Führer ein, daß sie noch härter werden sollten. Wie Himmler war er der Meinung, dass ein SS-Mann sogar seine nächsten Verwandten töten können muss, ja wenn es ihm befohlen wird sogar die eigene Mutter. Höß hörte schweigend zu und auch wenn ihn später Gewissensbisse plagen würde, zu diesem Zeitpunkt gab es für ihn nur den Dienst, den er glaubte für sein Volk tun zu müssen. Jedoch waren viele ältere SS-Führer mit teilweise sehr niedrigen Dienstnummern der Meinung, dass die Henkersarbeit der Totenkopfverbände den schwarzen Rock der Schutzstaffel besudle.
Als Eicke von solchen Aussagen erfuhr und diese Himmler mitteilte, wurden die Betroffenen zur Rede gestellt und meist in ihrer gesamten Laufbahn nicht mehr befördert oder ausgezeichnet. Für Theodor Eicke war die Vernichtung der Staatsfeinde im Inneren genauso die Pflicht eines Soldaten, wie die Vernichtung der Feinde draußen an der Front und könne daher genauso wenig verwerflich sein. Sein Reichsführer SS stand mit dieser Ansicht voll hinter ihm.

Die Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 verschaffte dem KL Sachsenhausen eine wahre Flut an Neuzugängen. Alleine in dieser Nacht bzw. den folgenden Tagen, wurde das Lager mit den von den Nationalsozialisten so geächteten Juden überfüllt. Auslöser war die Ermordung des Legationssekretärs an der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath, durch den erst siebzehnjährigen Herschel Grynszpan. Laut Aussage der Nationalsozialisten ein vom deutschen "Volkszorn" spontan durchgeführter Racheakt, in Wahrheit jedoch eine sorgfältig geplante Aktion des NS-Regimes, wie man sehr gut in den Tagebüchern des ehemaligen Propagandaministers Josef Goebbels nachlesen kann.
Es wurden vor allem gut situierte Personen verhaftet und nach Sachsenhausen verfrachtet. Bis dahin war Höß nicht bekannt, dass Kapos oder Wachmannschaften bestochen wurden – ab der Reichskristallnacht änderte sich die Situation. Viele Wachleute konnten der Versuchung nicht widerstehen und es kam vor, dass Gefangene begannen, sich Vergünstigungen bzw. teilweise sogar Fluchthilfen zu erkaufen.

Höß selbst gibt dabei an, keinerlei Hass Juden gegenüber verspürt zu haben und stets korrekt beziehungsweise nach Vorschrift mit ihnen umgegangen zu sein. Aufgrund der Tatsache, dass er dem stark rassistisch eingestellten Artamanenbund angehört hatte und auch die nationalsozialistische Weltanschauung mit ihrem ausgeprägten Antisemitismus bedingungslos unterstützte, muss man diese Aussage in Zweifel ziehen.
(Da Theodor Eicke selbst die brutalen Vorschriften erlassen hatte, mit denen Gefangene in den Konzentrationslagern behandelt wurden, wiegt Höß' weitere Ausführung in dieser Hinsicht wohl nicht viel und mag dahingestellt bleiben. Anm.d.V.)

Aufgrund des großen Zustroms an Gefangenen, mussten auch die Wachmannschaften verstärkt werden. Höß war nicht damit einverstanden, daß ihm vom Reichsführer SS Frauen als Wachen für die weiblichen Häftlinge zugeteilt wurden. Meist waren es bereits vorbestrafte Frauen, die Höß aufgrund ihrer Brutalität, Gemeinheit und Verworfenheit verabscheute. Vielmals drangen auch Berichte über diverse Sex-Affairen der weiblichen Kapos zu Höß durch, was seine Abscheu nur noch steigerte. Höß versuchte mit vermehrter persönlicher Anwesenheit die „Geschäfte“ der „Dirnen“ wie er sie stets nannte zu unterbinden. Dabei zeigt sich dass Höß wohl auch von einer gewissen Frauenfeindlichkeit besessen war. Er begegnete ihnen zwar höflich, Achtung brachte er ihnen jedoch nur entgegen, wenn er sich ihrer moralischen Integrität sicher war.

Durch das Anwachsen der Häftlingszahlen wurde die Situation zusehends unübersichtlicher für ihn und er konnte die allgemeine Korruption in seinem Zuständigkeitsbereich nicht verhindern. Dabei gab es auch von Seiten Himmler strenge Anweisungen, sollten SS-Angehörige diesen Verlockungen erliegen.
Es mag sinnweisend für die SS sein, dass sich trotz Strafandrohung viele bereicherten. Gemessen an den Vorfällen gab es nur wenige dann jedoch durchaus drastische Bestrafungen.
Auch später in Auschwitz als Kommandant würde ihm die Eindämmung der Korruption nicht gelingen, was auf eine gewisse Führungsschwäche des peniblen Beamten hindeutet.

In Sachsenhausen hatte Höß auch erstmals Kontakt zu Bibelforschern oder "Zeugen Jehovas", wie sie sich selbst nannten. Er war tief beeindruckt, mit welcher Inbrunst diese Menschen den Glauben an ihren Gott lebten. Als eines Tages 2 Bibelforscher exekutiert werden mussten, gerieten diese Beiden förmlich in Ekstase, als ihnen die Todesurteile mitgeteilt wurden. Ihre Glaubensgenossen freuten sich mit ihnen, da sie nun endlich die Möglichkeit hatten zu Jehova zu gelangen und forderten selbst auch erschossen zu werden.
Als Höß, ungläubig des Erlebten, sie zur Exekution führte, konnten es diese gar nicht erwarten, sie begannen beinahe zu laufen um den Ort ihrer Hinrichtung schneller zu erreichen. Sie wollten auch nicht gefesselt werden, denn bei der Exekution wollten sie ihre Hände gen Himmel strecken können, um den Tod zu empfangen und als Märtyrer zu Gott zu gelangen.

Höß war von diesem Verhalten, von diesem unerschütterlichen, fanatischen Glauben schwer beeindruckt und befasste sich einige Zeit mit den Bibelforschern. Er führte einige Gespräche mit ihnen, um sie besser verstehen zu können. Die Zwangsarbeit wurde von ihnen verlässlich erledigt, sie mussten dabei nicht einmal beaufsichtigt werden, denn sie dachten gar nicht daran zu flüchten, sie wollten dieses Leid für ihren Glauben ertragen.
1938/39 war es an sich noch verhältnismäßig leicht für einen Zeugen Jehovas aus dem KL entlassen zu werden, denn eine Unterschrift unter einen Revers, indem sich der Betreffende von seiner Lehre lossagte, war die Fahrkarte in die Freiheit. Alle die einen derartigen Revers unterschrieben hatten, wurden sofort entlassen.
Nur wenige jedoch zogen diese Möglichkeit in Betracht, der Großteil der Bibelforscher blieben bei ihrem Glauben und ertrugen die Zwangsarbeit und das KL mit Fassung, ja gar mit Stolz. Trotz der insgeheimen Achtung, die Höß für diese Gefangenen empfand, behandelte er sie wie alle anderen auch, immer der kühle, beherrschte SS-Mann.

Höß machte hingegen keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Verbrecher, die wegen Sexualdelikten verurteilt und nach Sachsenhausen gebracht wurden. Meist lautete der Befehl, unabhängig wie hoch die Strafe des Gerichts ausfiel, auf sofortige Exekution. Der Reichsführer SS kannte hier keine Gnade und Höß führte die Exekutionen aus Überzeugung durch. Er konnte nicht fassen, daß diese „Subjekte“ um Gnade flehten und am Pfahl angebunden werden mussten, da sie sich meist mit aller Kraft gegen die drohende Erschießung wehrten. Nicht zuletzt aufgrund dieser Gegenwehr sanken diese Verbrecher nur noch mehr in seinem Ansehen.
Für ihn waren diese Menschen Abschaum, der vertilgt werden musste. Höß musste das Volk seiner Meinung nach vor diesen Schädlingen bewahren.

Hier macht sich auch die streng katholische Erziehung des SS-Mannes Rudolf Höß bemerkbar. Er begann gegen eine, wie er es nannte, Seuche im Lager anzukämpfen: die männliche Homosexualität. Obwohl der Anteil der homosexuellen Häftlinge zu vernachlässigen gewesen wäre, sah Höß wie sich diese „Krankheit“ (lt. Höß) ausbreitete und versuchte sie mit allen Mitteln zu bekämpfen. Da alle möglichen Bestrafungen dieses Problem nicht mal im Ansatz beseitigen konnten, wurden alle Homosexuellen in einen gesonderten Teil des Lagers verlegt und mussten abgeschieden von allen Anderen ihre Zwangsarbeit verrichten. Mit zynischer Freude konnte Höß Erfolge verzeichnen, wonach Homosexuelle durch besonders schwere Zwangsarbeit und gesonderte Bewachung weder die Kraft, noch die Gelegenheit hatten, zu ihren „widernatürlichen Verkehr“ zu kommen.
Und so gibt Höß noch mehr Rätsel auf: auf der einen Seite will er Mitleid für Häftlinge gefühlt haben, auf der anderen Seite war er unerbittlich gegen alle, die seinen Moralvorstellungen nicht entsprachen.

Im Oktober 1939 wurde Eicke mit der Aufstellung der SS-Totenkopf-Division beauftragt. Aus diesem Grund wurde das KL Dachau vorübergehend aufgelassen und alle Häftlinge nach Flossenbürg gebracht. Nun nahm auch der Plan nach neuen Lagern im besetzten Polen Gestalt an. Gedacht waren diese in erster Linie als Zwischenstationen für Zwangsarbeiter, die im Reichsgebiet eingesetzt werden sollten. Einer dieser Pläne umfasste auch ein Lager in Auschwitz zu bauen. Da Eicke selbst das Kommando über die Totenkopf-Division übernahm wurde sein Nachfolger als Inspekteur der KLs SS-Oberführer Glücks. Glücks war ein erklärter Gegner von Höß, neidete ihm dessen Verbindungen zu Bormann und Himmler, und somit wurde Höß mit dem Bau des neuen KLs in Auschwitz beauftragt. Der Lagerkommandant von Sachsenhausen, Loritz konnte den „arbeitswütigen“ Höß ebenso wenig leiden und war froh, ihn auf diese Art und Weise los zu werden.

Auschwitz wird geboren

Am 17. u 18. April 1940 besichtigt Höß mit einer Kommission das Gelände in Auschwitz um fest zu stellen, ob es für den Bau eines KLs geeignet wäre. Die vom Reichsführer SS einberufene Kommission kommt zu dem Schluss, dass Auschwitz geeignet ist – und am 4. Mai 1940 wurde Höß daher mit dem Bau des Konzentrationslagers beauftragt. Dabei stand der Start in Auschwitz unter keinen guten Stern, dem frisch gebackenen Kommandanten wurde von Anfang an klar gemacht, daß er nicht mit sonderlich viel Hilfe zu rechnen habe. Auschwitz war notwendig, da war sich die Führung einig, aber niemand wollte allzuviel in das Lager investieren. Das KL sollte mit so wenig Aufwand wie möglich errichtet werden.
 


Höß auf einer seiner Dienstfahrten

 

Höß versuchte die mangelnde Unterstützung mit persönlichen Einsatz auszugleichen. Stets war er schon im Dienst, bevor noch der erste SS-Mann aufgestanden war und war auch meist der Letzte, der Abends seinen Rock auszog. Höß hatte von Anfang an vor, daß die Arbeitsleistung der Häftlinge in Auschwitz über der der anderen KLs liegen sollte. Er plante, seine Häftlinge besser zu behandeln und dadurch mehr Einsatz bei ihnen zu erreichen. Zugleich war ihm jedoch auch bewusst, dass ein rigoroses Vorgehen gegen die Polen bei seinen Vorgesetzten erwünscht war. Schon bald stellte er fest, dass bei der Auswahl seines Wachpersonals besonders Wert auf brutales Auftreten gelegt worden war. Er merkte, daß es ihm nicht gelingen würde, aus den Gefangenen das herauszuholen, was er sich vorgenommen hatte – den Grund dafür sah er in den SS-Männern, die ihm zugeteilt wurden. Allesamt unter Eicke ausgebildet war der aus anderen KLs gewohnt brutale „Umgangston“ den Internierten gegenüber an der Tagesordnung.

Wiederholt versuchte er den Wachmannschaften seine Ideen, seine Vorhaben näher zu bringen, Eickes Doktrin jedoch war zu sehr in den Köpfen und so konnte er nicht erreichen, daß den Gefangenen ein schonenderer Umgang zuteil wurde. Hier zeigte sich die mangelnde Führungsqualitäten, die bei dem ehemaligen Unteroffizier des I. Weltkrieges augenscheinlich zu Tage treten. Da die von Höß geforderte Arbeitsleistung bei weitem nicht erreicht werden konnten, wurde ihm bald klar, dass diese von der obersten Führung weder verlangt noch gewünscht wurde. Sein erster Schutzhaftlagerführer, SS-Hauptsturmführer Karl Fritzsch, galt als besonders brutal und beschränkt. Was Höß besonders sauer aufstieß, war das teilweise viehische Verhalten, dass seine Untergebenen den Gefangen gegenüber zeigten. Diese Brutalität war in seinen Augen unnötig und erschwerte nur seine Arbeit bei der Verwaltung des Lagers. Abgestellt hat er sie hingegen jedoch nicht. Obwohl sich Höß um eine Versetzung der bei ihm besonders unbeliebten Führer Fritzsch und Meier einsetzte, gelang es ihm nicht vor Januar 1942, Fritzsch versetzen zu lassen. Meier ließ er sogar wegen mehrer Vergehen vor ein SS-Gericht stellen. Der Ersatz, den er für beide bekam, würde sich jedoch nicht sonderlich unterscheiden.

Höß übernahm alles mögliche an Arbeit die anfiel, nur um die Unfähigkeit seiner Untergebenen auszugleichen. Er versuchte sich um alles zu kümmern und erfüllte ein teils umenschliches Arbeitspensum. Er kümmerte sich um die Schutzhaftlagerführung, verhandelte mit den Wirtschaftsverwaltungsämtern, kümmerte sich um die Versorgung der Mannschaften, zog Arbeitseinsätze für Häftlinge außerhalb des Lagers an Land. Er organisierte Treibstoff für den Fuhrpark, organisierte Bettgestelle und Strohsäcke in Zakopane und im Sudetenland, während man sich in Berlin immernoch um die Zuständigkeit für den Aufbau des Lagers stritt. Höß sah sich als einen Mann der Taten und ging streng nach dem Vorsatz: „Was man selbst nicht macht, ist nicht gemacht“. Dass er bei der ganzen zusätzlich übernommenen Arbeit die Disziplin der ihm unterstellten Wachmannschaften vernachlässigte, sah er nicht.

Ende 1940 musste Höß zum ersten Mal persönlich Meldung beim Reichsführer SS machen. Er hatte über den Aufbau und die stetige Erweiterung des Lagers zu berichten.
Höß nutzte die Gelegenheit auf Mißstände aufmerksam zu machen, diese wurden von Himmler jedoch geflissentlich überhört. Stattdessen bekam Höß nur den Auftrag das Lager auszubauen und zu erweitern. Im März 1941 besuchte Himmler zum ersten Mal Auschwitz und nahm die Arbeit von Höß in Augenschein. Grund waren Verhandlungen mit der I.G. Farben, die in der Nähe von Auschwitz ein BUNA-Werk errichten wollten. Sämtliche Einsprüche von Seiten der ortsansässigen NSDAP-Führer wischte Himmler zur Seite und verlangte von Höß, die Kapazität des Lagers von 10.000 auf 30.000 Gefangene zu erweitern. Himmler verließ zufrieden das Lager und schwelgte in Plänen, die er mit Auschwitz noch hatte. Auschwitz sollte noch viel weiter ausgebaut werden, es sollte gar zum größten KL erweitert werden. Höß war für Himmler genau der richtige Mann an der Spitze der Lagerführung, er habe aus Nichts etwas geschaffen – Himmler hielt daher schon weitere Aufgaben für ihn bereit.

Höß' Gegner Glücks warf ihm allerdings vor, daß es in Auschwitz keine Kameradschaft unter den SS-Männern geben würde. Auch ließe die Disziplin bei der Wachmannschaft zu wünschen übrig. Bei Höß stellten sich hingegen aufgrund der selbst auferlegten Mehrarbeit langsam Ermüdungserscheinungen ein und er begann, wie viele seiner Wachmänner auch, zu Trinken. Er versuchte seine Nöte, seine Sorgen wegen seiner übermenschlichen Aufgabe in Alkohol zu ertränken, sehr zum Leidwesen seiner Familie, bei der die Arbeitsbelastung des Familienoberhauptes ebenfalls ihre Spuren zeigte.

 


Höß in der Bildmitte bei einem Ausflug der KZ Wachmannschaften von Auschwitz an der Sola-Hütte nahe Auschwitz

 


v.l.n.r. SS-Sturmbannführer Richard BAER, Josef Mengele und Rudolf Höß



Immer öfter kamen nun Telegramme vom RSHA mit Listen von Häftlingen, die sofort hinzurichten seien. Zu dieser Zeit war der Großteil der Häftlinge noch durchwegs polnisch, unter ihnen befanden sich nur wenige Juden. Diese wurden zu dem Zeitpunkt nach wie vor in den Ghettos des Generalgouvernement zusammengepfercht. Die zum Tode verurteilten wurden vornehmlich an der 'Schwarzen Wand' zwischen Block 10 und 11 exekutiert. Erst viel später sollte man bei Exekutionen dazu übergehen, diese entweder mit einem Kleinkalibergewehr und einem Genickschuss durchzuführen oder aber den Gefangen zu hängen. Wie immer, Höß fragte nicht lange nach, sondern versuchte die ihm auferlegten Befehle exakt und schnellstmöglich auszuführen. Aus persönlichem Interesse beobachtete er stets, wie die Häftlinge ihre Todesurteile aufnahmen und wie sie in den Tod gingen. Immer wieder sah er sich an die Bibelforscher von Sachsenhausen erinnert, die fanatisch, teils hoch erfreut ihren Hinrichtungen entgegen gesehen hatten.

Das Konzentrationslager Auschwitz hatte sich mittlerweile einen fürchterlichen Ruf erworben. Man muss hier nur anführen, dass von den ersten 23.000 in das Lager eingelieferten Häftlingen bis Ende 1941 nicht einmal mehr die Hälfte lebte. Laut Höß eigenen Aussagen sträubten sich jedoch manche Gefangene, in ein anderes KL überstellt zu werden. In seinen Erinnerungen schreibt er, dass er mit Gesuchen von Gefangenen überschüttet worden wäre, die Auschwitz nicht verlassen wollten. Dabei gehörte es zur Struktur der Konzentrationslager, Zwietracht unter den Gefangen zu säen, in dem manchen Gruppen Vorteile gewährt oder wieder entzogen wurden. Zweck war es zu verhindern, dass sich Häftlinge zusammenschlossen oder gar organisierten. Aufgrund der immer wieder aufkeimenden Machtkämpfe zwischen privilegierten Gruppen von Gefangenen war es möglich mit einer Hand voll Wachmannschaften tausende Häftlinge unter Kontrolle zu halten.

Trotzdem mangelte es an allen Ecken und Enden an Personal. Der rasende Anstieg der Inhaftierten konnte von der bestehenden Mannschaft kaum mehr sinnvoll bewacht bzw. unter Kontrolle gehalten werden. Besonders problematisch waren die Arbeitskommandos, die außerhalb des Lagers eingesetzt wurden. Es gab einfach zu wenige SS Männer um diese Arbeitseinsätze ordnungsgemäß überwachen zu können. Auschwitz hatte daher im Vergleich zu anderen Lagern, unverhältnismäßig hohe Fluchraten zu verzeichnen. Um diese zu unterbinden setzte man auf das Prinzip der Abschreckung. Jedesmal nach einer geglückten Flucht ging der Kommandant des Lagers mit seinem Schutzhaftlagerführer Fritzsch durch die Baracke des Geflohenen und suchte Häftlinge zur Bestrafung aus. Diese wurden im Block 11 in eine Zelle gesperrt, bis sie verhungert waren. Aufgegriffene Flüchtlinge wurden äußerst grausam exekutiert.

Immer wieder forderte Höß bei Himmler persönlich bessere Führungskräfte für Auschwitz – in aller Deutlichkeit machte er dem Reichsführer SS klar, daß er mit dem Personal, dass ihm zur Verfügung stand, nicht arbeiten könne. Er versuchte Himmler zu vermitteln, daß ihm in Auschwitz nur Abschaum zugeteilt wurde und er mit derartigen Dilletanten nichts anfangen könne. Himmler quittierte diesen Vorstoß von Höß lediglich lapidar mit: „Sie werden sich noch wundern, mit welch unmöglichen Führergestalten Sie noch fertig werden müssen! Ich brauche jeden frontverwendungsfähigen Führer, Unterführer und SS-Mann an der Front.“

Der Reichsführer SS war daher nur noch offen für Möglichkeiten, wie man Wachpersonal einsparen konnte – sei es durch technische Hilfsmittel, oder durch die von Himmler persönlich eingeführten Hundestaffeln. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Hunde nicht dafür geeignet waren, herkömmliche Postenketten zu ersetzen, da sie sich von Häftlingen beeinflussen ließen. Die Hunde konnten trotz aller Dressur nicht zwischen einem uniformierten SS-Mann und einem Gefangenen unterscheiden. Trotz allem wurde die Hundestaffel auf Befehl von Himmler stets erweitert und verstärkt – Höß hielt davon jedoch wenig, ja er verabscheute sogar die Hundeführer, da er der Meinung war, daß sich nur die schlechtesten SS-Männer zur Hundestaffel meldeten, weil der Dienst leichter war als bei den restlichen Totenkopfverbänden. Himmler versprach allen, die eine Idee hatten, wie man Personal bei der KL-Bewachung sparen konnte, die sofortige Beförderung.
In Höß Augen war dieser vermehrte Einsatz von Drahthindernissen, elektrischen Zäunen oder gar Minenfeldern jedoch alles andere als praktikabel.


Endlösung

Der Befehl der die Welt veränderte

In der zweiten Hälfte des Jahres 1941 wird Höß von Himmler nach Berlin gerufen. In einer geheimen Unterredung eröffnet ihm Himmler, dass die Endlösung der Judenfrage von Hitler beschlossene Sache sei. Höß sollte die Ehrenvolle Aufgabe haben, diesen Führerbefehl auszuführen. Er solle das Konzentrationslager Auschwitz erweitern und ein gigantisches Nebenlager errichten, dass 100.000 Menschen aufnehmen könne. Diese Außenstelle sollte er in eine Vernichtungsstätte umwandeln, da die Lager weiter im Osten die zu erwartenden Häftlingszahlen alleine nicht hätten bewältigen können. Er sollte dafür sorgen, dass alle Judentransporte aus dem Reich und den besetzten Gebieten in Auschwitz aufgenommen werden können. Diese sollten dann, so die Sprache der Mörder, einer 'Sonderbehandlung' unterzogen werden. Er bekam den Auftrag, einen Weg zu finden, so viele Menschen wie möglich vernichten zu können. Nebenbei sollte das Ganze noch so geheim wie möglich durchführbar sein. So wenig Menschen wie möglich sollten von den Vorgängen im Lager etwas mitbekommen. Genaueres sollte Höß von Sturmbannführer Eichmann erfahren.

Höß versuchte gemeinsam mit Adolf Eichmann den besten Weg zu finden, wie man die vielen tausenden Juden vernichten könnte. Eichmann, der die Transporte organisieren musste und dadurch schon eine Ahnung von den zu erwartenden Menschenmengen hatte, konnte Erschießungen ausschließen. Die psychischen Belastungen der Erschießungskommandos wären zu hoch gewesen, da auch Frauen und Kinder erwartet wurden. In Auschwitz hatten seit Beginn des Russlandfeldzuges die Erschiessungen in einem erschreckenden Ausmaß zugenommen. Gefangene Rotarmisten, die unter den 'Kommissarerlass' fielen, wurden auf Anweisung von Heydrich in den Konzentrationslagern hingerichtet. Schon bald zeigte sich, dass die daraus entstehenden Belastungen auf Seiten der Täter zu groß waren.

Als Alternative entschied man sich schließlich in ersten Versuchen Gas zu verwenden. Bereits bei dem Euthanasie-Programm waren Kohlenmonoxid-Gasflaschen und vorgetäuschte Duschräume zum Einsatz gekommen, allerdings war die Kapazität viel zu gering, um die zu erwartenden Zahlen der 'Endlösung' wirklich effektiv durchführen zu können. Trotzdem sandte Höß im Herbst 570 vorwiegend politische Gefangene zu Testversuchen ins Reichsgebiet. Doch auch die „Tests“ mit Abgasen von Motoren (Panzer bzw. LKWs) verliefen nicht zufriedenstellend. Motoren gaben ihre Abgase nur unregelmäßig ab – somit konnte nicht mit Sicherheit im vorhinein bestimmt werden, wie lange die Tötung dauern würde. Oft waren nach 30min. immernoch lebende im LKW, in manchen Fällen konnten sie sogar die Seitenwände durchbrechen und mussten auf der Flucht letztlich dann doch erschossen werden.

Auschwitz sollte die größte Menschenvernichtungsanlage der Menschheit werden und Höß hegte keinerlei Zweifel, dass der Befehl eventuell falsch und unmoralisch sein konnte. Er erhielt die entsprechenden Befehle persönlich vom Reichsführer SS und hatte sie auszuführen. Himmlers Rechtfertigungen für die beschlossene Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa reichten völlig aus, um in Höß alle Zweifel zu beseitigen. Mit aller Kraft tat Höß seinen Dienst, erfüllte seine Aufträge um in seinen Augen den Dienst am Volke zu verrichten, wie ihn in anderer Form auch die Soldaten an der Front zu erledigen hatten. Dabei war „Führer befiehl, wir folgen!“ keineswegs nur eine hohle Phrase für ihn, sondern sein persönlicher Vorsatz, der seinen Einsatz im KL Auschwitz erst möglich machte.

Der Kodex der SS sprach Höß zusätzlich von jeglichen moralischen Bedenken frei, ging es doch bei Opfern um sogenannte 'Untermenschen', wurden diese als nicht 'lebenswürdig' erachtet. Er selbst sah sich nur als kleines Rädchen in einer riesigen Maschinerie, der über Befehle nicht nachzudenken hatte oder sie gar hinterfragen durfte. Er hatte als treuer Nationalsozialist lediglich seine Aufgabe zu erfüllen – er hatte nicht die Weitsicht und den Überblick, denn Himmler oder gar der Führer selbst haben mussten. Höß sprach zu dieser Zeit immer wieder über das leuchtende Vorbild der Japaner, die ohne Furcht auch ihr Leben opferten, um dem Ganzen zu dienen – auch die SS sollte diesem Beispiel folgen. Außenstehende, so war sich Höß sicher, konnten die Ansichten bzw. den Geist, der in der SS herrschte, weder verstehen noch begreifen.

Während Höß Ende August 1941 mit Eichmann zukünftige Vernichtungsmethoden von Auschwitz erörtete, wurde in seiner Abwesenheit das erste Mal Zyklon B eingesetzt. Bei diesem Versuch wurden mehrere hundert Häftlinge, zum größten Teil russische Kriegsgefangene, getötet. Zyklon B, ursprünglich vom Hersteller zur Bekämpfung von Ungeziefer gedacht, war in Auschwitz, wie auch in anderen Lagern, reichlich vorhanden und wurde vornehmlich bei der Entlausung der Häftlingsbekleidung eingesetzt. Dabei galt es, strenge Sicherheitsauflagen einzuhalten. Die Herstellerfirma Tesch & Stabenow (Testa) schrieb vor, dass nur ausgebildetes Personal das Mittel einsetzen durften, obwohl die Handhabung im großen und ganzen recht unproblematisch war. Ob bei den ersten Versuchen allerdings ein ziviler Angestellter der Firma Testa anwesen war, mag nach den vorliegenden Gerichtsakten als eher unwahrscheinlich gelten.
 


eine Dose Zyklon B, der Hersteller ist auf dem Etikett gut zu erkennen

 

Nach der Rückkehr aus Berlin meldete der Schutzhaftlagerführer Fritzsch seinem Kommandanten das Ergebnis der von ihm veranlassten Versuche. Höß setzte sofort einen weiteren Versuch an, dem er persönlich mit Gasmaske beiwohnte. Restlos überzeugt meldete er nach Berlin, die Lösung des Problems gefunden zu haben. Aufgrund der schnellen und vollständigen Tötung aller Gefangenen in einer provisorischen Gaskammer wurde beschlossen, für die Endlösung der Judenfrage auf Zyklon B zu setzen. Auf Höß selbst wirkte diese Form der Tötung „beruhigend“, da seiner Meinung nach auf diese Weise eine große Menge von Häftlingen in kürzester Zeit getötet werden konnte. Es beruhigte ihn außerdem ungemein, dass denn SS-Männern die blutigen Erschießungen erspart werden würden.

Ein weiteres Problem für die SS stellte jedoch schon bald die Entsorgung der Leichen dar. Die Verbrennung der 600 russischen Kriegsgefangenen und 250 polnischen Häftlingen, die bei den Zyklon B-Versuchen umkamen, im Krematorium des Stammlagers zog sich über Tage hin und war unmöglich geheim zu halten. Nach Einrichtung der ersten provisorischen Gaskammer, dem roten Haus, ging man über, die Leichen in große Gruben zu verscharren. Bald zeigte sich jedoch, dass die einsetztende Verwesung von Tausenden von Kadavern in der Sommerhitze einen unerträglichen Gestank hervorrief. Man experimentierte mit Sprengstoff, was allerdings auch keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachte. Dann ging man dazu über, die Leichen auf großen Rosten über offenen Gruben zu verbrennen. Schon bald wurde jedoch der Plan von mehreren großen Krematorien entworfen, die die anstehenden Zahlen bewältigen sollten.

Anfang Oktober 1941 wurden ca. 10.000 russische Kriegsgefangene nach Auschwitz verlegt. Sie sollten das Außenlager Birkenau aufbauen. Zu Höß Entsetzen waren allesamt unterernährt und in einem miserablen Zustand. Er fühlte sich deswegen veranlasst, Zusatzrationen an Verpflegung zu veranlassen, um sie überhaupt für die schwere Arbeit einsetzen zu können. Dabei war die Unterbringung und die sanitären Verhältnisse unbeschreiblich schlecht, die strengen Zeitvorgaben aus Berlin verlangten von den Gefangenen nahezu Übermenschliches, selbst wenn sie ihm Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen wären. Auch die zusätzlich ausgegebene Verpflegung konnte hier keine Abhilfe schaffen und schon bald litten die ausgezehrten Russen an Krankheiten und starben reihenweise dahin. Der Winter 1941/42 setze den Russen schwer zu. Die Kälte waren sie gewohnt, doch die ständige Nässe, das nicht-mehr-trocken werden war für sie kaum zu verkraften. Ihre Anzahl schrumpfte von Tag zu Tag.

Höß teilte sie zum Entladen der Güterwaggons ein, die mit Rüben und Kartoffeln gefüllt in Auschwitz ankamen. Die Häftlinge verschlangen alles, was sie dabei in die Finger bekamen. Als eines Tages hundert von Ihnen zu Fuß den Weg zwischen Auschwitz und Birkenau zurücklegten, kamen sie an einem Kartoffelacker vorbei. Die Lebensmittel im Auge rannten sie gierig auf das Feld zu. Dort angekommen prügelten sich die russischen Häftlinge um jede Kartoffel. Die Wachmannschaften wussten sich nicht mehr zu helfen und ließen die Russen gewähren. Höß kam zufällig des Wegs und konnte die Ordnung mit Mühe wieder herstellen. Er musste noch mit ansehen, wie sich die Häftlinge gegenseitig buchstäblich wegen einer Hand voll Kartoffeln umbrachten.

Auch im Lager selbst fand Höß einen Russen erschlagen vor – den Körper mit einem stumpfen Gegenstand aufgerissen und die Leber herausgerissen. Diese Fälle von Kannibalismus waren auf Grund der miserablen Versorgungslage keine Seltenheit in Auschwitz. Es kam immer wieder vor, dass tote Gefangene von Mithäftlingen teilweise gegessen wurden beziehungsweise Menschen aus Hunger getötet wurden. Von den 10.000 Russen, die Birkenau ursprünglich bauen sollten, waren im Sommer 1942 nur noch wenige Hundert am Leben. Höß war der festen Meinung, dass dieser letzte Rest nur auf Kosten der anderen Russen hatte überleben können. Sie wurden ab Sommer 1942 nur noch als „fliegende Arbeitskommandos“ eingesetzt und leisteten in seinen Augen durchaus gute Arbeit. Als ihnen jedoch verkündet wurde, dass sie in den neu fertiggestellten Bereich des Lagers verlegt werden sollten, verübten sie einen Massenausbruch. Dabei wurden fast alle erschossen. Der Rest, der wieder eingefangen wurde gab an, dass sie Angst hatten vergast zu werden. Selbst den Russen war nicht entgangen, daß in Auschwitz-Birkenau die Vernichtung von großen Menschenmassen durchgeführt wurde.

Die "Endlösung" beginnt...

Im Frühjahr 1942 kamen die ersten Transporte aus der Slowakei, die komplett vernichtet werden mussten. Sie wurden zu dem Gehöft mit der ersten Gaskammer geführt, während einige Blockführer mit ihnen plauderten um so wenig Angst wie möglich bei den Ankömmlingen zu erzeugen. Bis zuletzt wurden sie über ihr bevorstehendes Schicksal im Dunkeln gelassen. Bei diesen ersten Transporten stellte sich heraus, dass trotz allen Ablenkungsmanövern immer wieder Häftlinge dabei waren, die ihr Schicksal ahnten – sie wurden in Zukunft schon zuvor aus selektiert und gesondert mit einem Kleinkalibergewehr erschossen, um eine Massenpanik zu vermeiden.

Um die Menschenmassen in die Gaskammern zu führen, wurden Sonderkommandos zusammengestellt, bestehend wiederum aus den Gefangenen des Stammlagers. Sie sorgten für einen ruhigen Ablauf, vermieden Hektik und Geschrei und versuchten die Gefangenen so schonend wie möglich in die Gaskammern zu führen und dafür zu sorgen, dass sich diese freiwillig entkleideten. Verstieß ein Angehöriger des Sonderkommandos gegen diese Befehle, wurde er umgehend mit in die Gaskammer geschickt.

Dabei war die Arbeit der Sonderkommandos nur eine Lebensberechtigung auf Zeit. Die Sonderkommandos sollten immer wieder selbst getötet werden, um Zeugen der Massenvernichtung zu vermeiden. Man war sich aller Unmenschlichkeit bewusst, dass die dauernde seelische Überlastung der zu dieser Arbeit eingeteilten Häftlinge ein Risiko darstellte. Höß selbst äußerte sich zu den Sonderkommandos in seinen Erinnerungen:

"...Bei den nächsten Transporten wurde von vornherein nach den unruhigen Geistern gefandet und diese nicht aus den Augen gelassen. Machte sich Unruhe bemerkbar, so wurden die Unruheverbreiter unauffällig hinter das Haus geführt und dort mit dem Kleinkalibergewehr getötet, das war von den anderen nicht zu vernehmen. Auch das vorhandensein des Sonderkommandos und dessen beruhigendes Verhalten besänftigte die Unruhigen, die Ahnenden. Weiterhin wirkte beruhigend, daß einige vom Sonderkommando mit in die Räume hineingingen und bis zum letzten Moment darinblieben, ebenso blieb bis zuletzt ein SS-Mann unter der Türe stehen. Wichtig war vor allen Dingen, daß bei dem ganzen Vorgang des Ankommens und Entkleidens möglichst größte Ruhe herrschte. Nur kein Geschrei, kein Gehetze. Wenn sich einige nicht ausziehen wollten, mussten schon Ausgezogene helfen oder die vom Sonderkommando. Mit gutem Zureden wurden auch Widerspenstige besänftigt und ausgezogen. Die Häftlinge des Sonderkommandos sorgten auch dafür, daß der Vorgang des Entkleidens schnell vor sich ging, damit den Opfern nicht lange Zeit zu Überlegungen blieb. Überhaupt war die eifrige Mithilfe der Sonderkommandos bei dem Entkleiden und dem Hineinführen in die Gaskammern doch eigenartig. Nie habe ich erlebt, habe auch nie davon gehört, daß sie den zu Vergasenden auch nur das geringste von dem ihnen Bevorstehenden sagten. Im Gegenteil, sie versuchten alles, um sie zu täuschen, vor allem die Ahnenden zu beruhigen. Wenn sie den SS-Männern nicht glaubten, aber den eigenen Rassegenossen (schon aus Gründen der Verständigung und auch der Beruhigung wurden die Sonderkommandos immer aus den Juden zusammengesetzt, die aus den Ländern stammten, aus denen die Aktionen gerade anliefen) glaubten sie zuversichtlich. Sie ließen sich von dem Leben im Lager erzählen und fragten zumeist nach dem Verbleib Bekannter oder Familienangehöriger aus früheren Transporten. Was die vom Sonderkommando denen alles vorlogen, mit welcher Überzeugungskraft, mit welchen Gebärden sie das Gesagte unterstrichen, war interessant. Viele Frauen versteckten ihre Säuglinge in den Kleiderhaufen. Die vom Sonderkommando passten da ganz besonders auf und redeten der Frau so lange zu, bis sie das Kind mitnahm. Die Frauen glaubten, daß die Desinfektion den Kindern nicht gut täte, daher das Verstecken..."

Bereits während der ersten Transporte, die Anfangs nicht stärker als 1000 Häftlinge waren, wurde vom RFSS die Idee geboren, den getöteten die Goldzähne herauszureißen und dem Reich in Form von Barren zuzuführen. Frauenhaare wurden an eine Firma in Bayern für Rüstungszwecke geliefert. Wertsachen, Edelsteine, Gold, Geldscheine,… all das verursachte im Lager erhebliche Schwierigkeiten und wurde von eigenen Sonderkommandos verwaltet und ins Reich überstellt. Auch wenn höchste Strafen bis zur Todesstrafe für Diebstahl von jüdischen Wertsachen angedroht wurden bereicherten sich viele SS-Männer an den beschlagnahmten Gütern.

Im Sommer 1942 machten sich die Massengräber der ersten Transporte unangenehm bemerkbar. Bestialischer Verwesungsgestank und Schwärme von Fliegen machten eine geordnete Weiterführung der Vergasungsaktionen undenkbar. Noch bevor die Krematorien gebaut wurden, mussten alle Massengräber wieder ausgehoben werden und gemeinsam mit den eben erst durch Gas getöteten Gefangenen in offenen Gruben verbrannt werden. Tag und Nacht brannte es in den Gruben, denn in den Massengräbern lagen bereits 107.000 Menschen, die in Auschwitz zu Tode gekommen waren.

Laut Befehl von Himmler, mussten alle Transporte die durch die Dienststelle Eichmann „organisiert“ wurden, ausnahmslos der „Sonderbehandlung“ zugeführt werden. Das RSHA hatte ein großes Interesse daran, so viele Juden wie nur möglich zu töten. Himmler wollte unbedingt eines Tages seinem Führer ein „judenfreies Reich“ melden können – dieses Ziel wurde mit größter Anstrengung verfolgt – Höß hatte seinen Teil dazu beizutragen – und er war ein gewissenhafter Helfer! Nach Erledigung eines Transportes hatte Höß die genauen Zahlen an Eichmann zu melden und danach jede schriftliche Aufzeichnung in Auschwitz zu vernichten. Im Lager selbst sollten keinerlei Beweise für die vorgenommene 'Endlösung' verbleiben.

Höß war dabei keineswegs ein gefühlskalter Täter - laut seinen eigenen Aussagen kam es bei den Vergasungen immer wieder zu erschütternden Erlebnissen, die ihm persönlich schwer zu schaffen machten. Von seinem eingeschlagenen Weg abbringen konnten sie ihn jedoch nicht.

Die Massenverbrennungen im Freien waren zusehends keine Lösung, da oftmals durch Schlechtwetter nicht genügend Leichen verbrannt werden konnten. Höß war klar, daß er eine andere Möglichkeit finden musste, die Leichen los zu werden – und zwar so, daß später einmal nicht mehr nachzuvollziehen sein sollte, wieviele Menschen wirklich in Auschwitz den Tod fanden. Mitte 1942 wurden sogar Versuche durchgeführt, die Leichen durch Sprengungen zu vernichten. Dieser Plan wurde allerdings schnell wieder verworfen, da eine restlose Beseitigung nicht zu erreichen war. Bald wurden gigantische Kadaververbrennungsanlagen geplant, die nach außen hin die Bezeichnung Krematorien erhielten.

Da es aufgrund der nicht genügend hohen Verbrennungskapazität immer wieder zu Stockungen bei der 'Abarbeitung' der Transporte kam, musste der Bau schnellstmöglich eingeleitet werden. Das Transportnetz der Deutschen Reichsbahn durfte durch die Endlösung nicht belastet werden, musste doch gleichzeitig kriegswichtiges Material an die Front transportiert werden. Darum wurde mit dem Bau der beiden ersten Krematorien im Winter 1942/43 begonnen, denen bald zwei weitere folgten. Krematorium II und III (Krematorium I befand sich weiterhin im Stammlager und wurde zur Endlösung nicht benutzt) wiesen eine Kapazität von je 1.440 Leichen je Tag auf, die Krematorien IV und V je 768 Leichen. Die vollständige Kapazität wurde jedoch aufgrund der ungenügenden Ausbildung der Sonderkommandos selten erreicht, und so mussten auch weiterhin bei großen Transporten zusätzlich offene Verbrennungsgruben eingesetzt werden.

Im Juli 1942 besuchte der Reichsführer SS ein weiteres Mal Auschwitz und war von der Arbeit des Kommandanten schwer beeindruckt. Wortwörtlich äußerte sich Himmler gegenüber Höß:

Ich habe mir nun Auschwitz gründlich angeschaut. Ich habe alles gesehen, habe alle Mißstände und Schwierigkeiten genügend gesehen, und von Euch gehört. Ändern kann ich daran auch nichts. Sehen Sie zu, wie Sie damit zu Rande kommen. Wir sind jetzt mitten im Krieg und müssen auch kriegsmäßig denken lernen.
Die von mir angeordneten sicherheitspolizeilichen Aktionen dürfen auf keinen Fall abgestoppt werden, am allerwenigsten durch den von mir vorgeführten Mangel an Unterkunft usw. Eichmanns Programm geht weiter und wird von Monat zu Monat gesteigert. Sehen Sie zu, daß Sie mit dem Ausbau von Birkenau vorwärtskommen.
Die Zigeuner sind der Vernichtung zuzuführen.
Ebenso rücksichtslos vernichten Sie die arbeitsunfähigen Juden.
In nächster Zeit werden die Arbeitslager bei den Rüstungsindustrien die ersten größeren Kontingente von arbeitsfähigen Juden aufnehmen, dann bekommen Sie auch wieder Luft.
Auch in Auschwitz soll die Rüstung im Lager ausgebaut werden, bereiten Sie sich dazu vor.
Kammler wird Sie baulicherseits weitestgehend unterstützen.
Die landwirtschaftlichen Versuche werden intensiv weiter vorwärtsgetrieben. Ich brauche die Ergebnisse notwendigst.
Ihre Arbeit und Leistung habe ich gesehen, ich bin zufrieden und danke Ihnen, ich befördere Sie zum Obersturmbannführer!

 


Himmler besichtigt das Stammlager Auschwitz
und ist begeistert von Höß´ "Leistungen"

 

Zusätzlich besichtigt der Reichsführer SS das sogenannte Zigeunerlager. Im Zuge dieser Inspektion wurden auf seine Anweisung hin die Nahrungsrationen für die Kinder gestrichen. Alle Kinder sollten ab sofort unauffällig der Sonderbehandlung zugeführt werden. Bis 1944 kannte niemand außer Höß und dessen Lagerärzte diesen Mordbefehl an den internierten Kindern. Er hatte jedoch Probleme, diesen Befehl auszuführen, sein Pflichtbewusstsein jedoch war stärker. Die Essensrationen für Kinder wurden wie befohlen eingestellt und die gefangenen Kinder schrittweise ermordet. Hier spielten sich im Zigeunerlager immer wieder tumultartige Szenen ab, da die Sinti und Roma verzweifelt bemüht waren, ihre Kinder am Leben zu erhalten. Die Lebensbedingungen im Lager verschlechterten sich zusehends, Seuchen und Krankheiten krassierten. Von den ca. 20.750 Zigeunern, die in Birkenau registriert waren, haben ungefähr 4.000 die unmenschlichen Haftbedingungen überlebt, als im Sommer 1944 der Befehl zur Räumung des Lagers kam. Mit ihren schwachen Kräften setzten sich die überlebenden Sinti und Roma zu Wehr und mussten von der SS mit Waffengewalt zu den Gaskammern gezwungen werden.

Höß hatte zusätzlich die Aufgabe, die zahlreichen Rüstungsbetriebe am Standort des Konzentrationslagers Auschwitz mit genügend Zwangsarbeitern zu versorgen. Auch hier ging er rücksichtslos vor und zeigte kein Anzeichen von Schwäche. Da er nicht an der Front dienen konnte, musste er wenigstens da, wo er stand, alles tun, um den 'Endsieg' zu gewährleisten. Unerschütterlich in diesem Glauben wollte Höß bis zur Selbstaufgabe alles einsetzen, kannte keine Skrupel, wähnte, dass alles was er leistete zum Wohle des Deutschen Volkes geschah.

Dabei beobachtete Höß immer wieder die ankommenden Judentransporte von der Rampe bis zu den Gaskammern. Immer wieder kämpfte er laut eigenen Angaben mit dem Erlebten. Und doch hinderte es ihn nicht daran, in die laufende Selektion einzugreifen, wenn seiner Meinung nach zu wenige in das Gas geschickt wurden. Auschwitz musste funktionieren, musste seine Zahlen erreichen. Auch kam es immer wieder zu Tumulten, wenn die Ankömmlinge ahnten, was mit ihnen gesehen sollte. Höß baute dazu ein kompliziertes System der Tarnung auf. Um die Menschen solange wie möglich in falscher Sicherheit zu wiegen wurden die Gaskammern als Duschen gekennzeichnet, hatten die Häftlinge des Sonderkommandos die Todgeweihten zu beruhigen.

 


Selektion an der "Todesrampe" in Auschwitz



Höß legte dabei Wert darauf, dass alles so ruhig, schnell und geräuschlos wie möglich ablief. Sollte unter den Ankömmlingen Personen sein, die ahnten was auf sie zukam und andere aufwiegeln konnten, ließ er sie auf die Seite schaffen und mit Hilfe eines Kleinkalibergewehrs erschießen. Die Sonderkommandos hatten die zur Tode selektierten freundlich zu begrüßen und für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Dabei kam es nicht selten vor, dass ein Häftling im eintreffenden Transport Verwandte oder Bekannte sah. Sollte er sich jedoch dazu hinreißen lassen, irgendetwas von dem was wirklich geschah anzudeuten, wurde er sofort hingerichtet. Die Tötungsmaschinerie durfte nicht aufgehalten werden, musste wie ein Uhrwerk reibungslos funktionieren.

Eines Tages drehte sich trotz allem eine Mutter von 4 Kindern, nachdem sie ihre Kinder in die Gaskammer begleitet hatte, nochmals um und sagte leise zu Höß, der an der Türe stand: „Wie bringt ihr das bloß fertig? Habt ihr denn kein Herz im Leibe?“ Ein alter Mann zischelte Höß beim Vorbeigehen zu: „Diesen Massenmord an den Juden wird Deutschland schwer büßen müssen!“ Höß vernahm diese letzten Botschaften von Juden die in den Tod gingen äußerlich ohne jede Gefühlsregung, jedoch machte er sich später immer wieder Gedanken.

Er überlegte jedoch nicht, ob es richtig war, so viele Menschen zu töten, sondern dachte stetig über Verbesserungen nach, wie er noch mehr Leistung herausholen könnte. Höß war Perfektionist, wollte die größtmögliche Auslastung der Krematorien aufrecht erhalten. Er wollte aus eigenem Antrieb immer beeindruckendere Zahlen nach Berlin melden. Postwendend kamen hingegen immer höhere Anforderungen von Eichmann retour. Dabei hatte der Kommandant von Auschwitz immer wieder dafür zu sorgen, dass die ohnehin schon überlasteten Bahnverbindungen nicht noch durch wartende Züge weiter blockiert wurden. Die Transporte mussten so schnell wie möglich „abgearbeitet“ werden, die Juden so effizient wie nur irgend möglich der Sonderbehandlung zugeführt werden.

Höß gibt in seinen Erinnerungen, dass er diese Aufgabe nicht ohne weiteres erfüllen konnte. Er hatte mit dem Erlebten genauso zu kämpfen wie viele andere SS-Männer der Wachmannschaften, oder die Gefangenen die zu den Sonderkommandos eingeteilt waren. Sein ihm anerzogenes Pflichtbewusstsein gegenüber dem deutschen Volk und dessen Führer Adolf Hitler jedoch ließ ihn jeden Befehl so gut und gewissenhaft ausführen, wie er nur vermochte. Jegliches Leid, das den in seinen Augen minderwertigen Juden, Polen oder Russen widerfuhr, hatte da hintanzustehen.

Höß sah wohl, dass viele 'Rädchen' in seiner Todesfabrik unter den psychischen Belastungen zu leiden begannen, doch je öfter er dies bemerkte, desto härter wurde er. Härter zu sich selbst und härter zu seinen Männern. Schließlich hatte die SS diese vom Führer zugewiesene Aufgabe zu erfüllen, ein Kommandant durfte hier am allerwenigsten Zweifel zeigen und musste mit „gutem Beispiel“ vorangehen. Dabei musste Höß, der ja selbst Brutalität und überzogene Gewalt verabscheute, sich immer wieder dazu zwingen, alles mit anzusehen, gerade er als Kommandant durfte sich nicht abwenden, wenn Kinder spielend vorbei geführt wurden oder wenn sich Menschen gegenseitig trösteten und weinend die als Duschräume gekennzeichneten Gaskammern betraten. Die flehenden Blicke der Mütter nahm er sehr wohl wahr und doch konnte ihn nichts von der Erfüllung dessen abhalten, was er als seine Pflicht sah.

Höß war klar, dass niemand diese „Arbeit“ auf Dauer verrichten konnte, ohne seelischen Schaden dabei zu nehmen. Er selbst fühlte sich seit Beginn der Judenvernichtung laut eigener Aussage nicht mehr 'glücklich'. Immer wieder kamen ihn seine eigene Frau und seine Kinder vor Augen, wenn er vor brennenden Leichenbergen stand oder zusah, wie tausende Menschen in den Tod geschickt wurden. Er war sich bewusst, dass Unrecht geschah. Dagegen aufbegehren konnte er nicht. Dabei wurde Höß immer bedrückter, je mehr sich abzeichnete, daß der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte. Verbissen setzte er seine letzten Kräfte ein, um die ihm gestellte Aufgabe dennoch zu erledigen. Ganz als ob er damit das drohende Unheil abwenden könne.

Trotz der Vernichtung tausender Juden, wuchs die Zahl der Häftlinge in Auschwitz stetig an. Im Herbst 1943 befanden sich 140.000 Gefangene in den Lagern, die den Gesamtkomplex bildeten. Auschwitz hatte die Grenzen seiner Kapazität erreicht. Trotz aller "Erfolge", die das Lager im Vernichtungsprogramm des Dritten Reiches aufzuweisen hatte, kamen jetzt jedoch auch immer mehr die Schattenseiten des Ganzen heraus. Im Sommer 1943 kam es zu Vorwürfen der Korruption gegen mehrere Soldaten der Wachmannschaft, die zu rigorosen Untersuchungen führten. Dabei kam heraus, dass auch Höß nicht von allen Zweifeln frei war. Die Disziplin unter den SS-Männern war katastrophal, Alkoholexzesse an der Tagesordnung. Höß sprach selbst dem Alkohol verstärkt zu, soll sich Vorteile verschafft haben. Als auch noch das Gerücht über ein Verhältnis aufkam, war Höß als Kommandant von Auschwitz nicht länger tragbar.


Amtschef D I

Amtschef D I in Berlin

Oswald Pohl plante daher die Teilung des Lagers und stellte Höß daher vor die Wahl, Kommandant in Sachsenhausen zu werden, oder an den Schreibtisch zu wechseln als Amtschef D I. (Politische Abteilung der Inspektion der Konzentrationslager im Wirtschaftsverwaltungs Hauptamt WVHA der SS). Höß entschied sich im Dezember 1943, nach 24 stündiger Bedenkzeit für die Stelle als Amtschef D I und so wurde Auschwitz nach Höß´s Abgang auf 3 Lager aufgeteilt.

Höß stürzte sich mit aller Energie in seine neue Aufgabe. Sein ehemaliger Intimfeind Glücks ließ ihm freie Hand weil Pohl es so wollte. Höß wollte die Position des Amtchefs D I völlig neu definieren und den Lagerkommandanten die Unterstützung zu Teil werden lassen, die er selbst in seiner Funktion als KL-Kommandant nie erfuhr. Von nun an war Höß viel unterwegs, er bereiste so viele Lager wie möglich persönlich um sich ein Gesamtbild der KZs machen zu können. Die persönlichen Erfahrungen bei den Besichtigungen inkl. die Übersicht über den Schriftverkehr der Lager mit dem WVHA, verschafften Höß einen einmaligen Überblick über alle Konzentrationslager. Er wusste von nun an wie kein Anderer, wo es Probleme gab, wo Schwachstellen waren, welches Lager gut geführt wurde und auch wo besonders viele Tötungen stattfanden.

Zu Beginn 1944 stieg der Druck des Reichsführers, so viele arbeitsfähige Juden wie möglich den Rüstungsbetrieben zuzuführen. Zehntausende wurden für Schwerstarbeit abgestellt und überlebten diese oft nur wenige Tage. Die Verpflegungssituation der Zwangsarbeiter war oftmals katastrophal und so nutzten die Qualen der Gefangenen niemanden, sie hatten keine Chance. In Wirklichkeit töteten diese Befehle beinahe ebenso viele Menschen wie die Vernichtungsmaschinerie im Auschwitz.

Höß begann nun erste Fehler am System zu erkennen. Seiner Meinung nach war die Verhaftung der Regimegegner zu Beginn des Krieges ein Fehler. Laut Höß konnten die Gegner so nicht verringert werden, sondern mehrten sich nur noch, was dazu führte, dass es an allen Ecken und Enden an Arbeitskräften oder Soldaten mangelte. Nun konnte Höß sich auch persönlich davon überzeugen, was aus seinen schriftlichen Anträgen und Anfragen zu Besserung der Zustände in Auschwitz geschehen ist – sie waren allesamt einfach zu den Akten gelegt worden. Der Reichsführer SS hatte keinerlei Interesse, die Bedingungen der Gefangenen in Auschwitz zu verbessern – die Polen und vor allem die polnischen Juden waren ihm völlig egal. Ganz im Gegenteil, die Zustände konnten gar nicht schlecht genug sein, so würde sich die Judenfrage ganz von selbst lösen, so der RFSS. Höß begriff, dass das RSHA (Reichs-Sicherheits-Hauptamt) mit aller Macht ein stetiges Steigen der Todesziffern forcierte, niemand sollte die Lager überleben, alle Juden mussten sterben, egal wie.

Die Treibende Kraft im RSHA war Eichmann und sein Vertreter SS-Sturmbannführer Hans Günther, hier hatte Höß keine Chance auch nur irgendeine kleine Verbesserung der Zustände in den KZs zu erreichen. Höß, der Anfangs in den Lagern ein Mittel gesehen hatte, politische Gegner umzuerziehen und in die Welt des Nationalsozialismus einzugliedern, erkannte, dass von Anfang an andere Ziele verfolgt worden waren, nämlich das gnadenlose Ausmerzen all dessen, was die NS-Weltanschauung als minderwertig deklarierte. Dabei scheute man sich nicht, das Letzte aus den geschundenen Insassen herauszuholen, sie bis zum letzten Atemzug als Sklaven auszubeuten.

Höß hatte nun auch die Aufgabe als Vorgesetzter der Lagerkommandanten, diese zu ernennen oder auszutauschen, sollten sie nicht geeignet sein. Höß kümmerte sich als erstes um das Lager Bergen-Belsen. Der dortige Kommandant, Sturmbannführer Haas wurde zum Einen wegen Frauengeschichten, zum Anderen wegen Vernachlässigung seiner Pflichten im Lager von Höß abberufen. An sich war der Zustand des Lagers noch einer der Besten, da Bergen-Belsen „privilegierten Juden“ vorbehalten war. So befanden sich zu verschiedenen Zeiten annähernd 14.700 "Austauschjuden" im Lager, die der Reichsführer SS bei Verhandlungen mit den Alliierten einzusetzen gedachte. Der Stand von 15.000 Häftlingen wurde nie überschritten und so konnte man vergleichsweise noch gut überleben. Erst als Ende 1944 die Lager im Osten evakuiert werden mussten, stieg die Zahl der Häftlinge sprunghaft auf mehr als 50.000 an und so wurde Bergen-Belsen letztlich doch noch zu einem grauenhaften Elendslager mit einer Sterberate von 250-300 Menschen pro Tag (!)

Aufgrund der vermehrten Bombardements in der 2. Hälfte des Jahres 1944, stieg die Todesrate unter den Zwangsarbeitern weiter an, da die Alliierten nun dazu übergingn deutsche Rüstungsbetriebe in Schutt und Asche zu legen. Dabei verwischte die Not oftmals Grenzen zwischen Tätern und Opfern. So konnte Höß bei einem der Luftangriffe sogar beobachten, wie sich Häftlinge um verletzte SS-Männer kümmerten und gemeinsam mit diesen während des Bombardements in Erdlöchern ausharrten. Bei seinen Reisen überlebte Höß selbst unzählige Bombardements und Tieffliegerangriffe in Hamburg, Dresden, Berlin und Wien.

Viele Rüstungsbetriebe wurden von Höß aufgrund der dort tätigen Zwangsarbeiter besucht. Höß erlangte dadurch ein Wenig Einblick in die deutsche Kriegsrüstung. Was er dort sah, was er erzählt bekam, erweckte ihn ihm erste Zweifel. Er hörte von Fehlplanungen, die nicht mehr umkehrbar waren, von zu wenig Ausstoß aus den Fabriken, von Betrieben, die nicht mehr volle Kapazitäten zur Verfügung hatten. Er hörte von Erfindungen, von modernsten Waffen, die jedoch aufgrund der geringen Zahl oder mangelnder Rohstoffe keine Verbesserung an der Front erreichten. Höß verlor den Glauben an die Vergeltungswaffen, er verlor letztlich den Glauben daran, daß der Krieg noch gewonnen werden konnte. Dabei geriet er in einen inneren Zwiespalt, da sein streng nationalsozialistischer Glaube ihm gebot, weiter an den Endsieg zu glauben. Verzweifelt klammerte er sich an die Versprechungen der Propaganda, den Äußerungen Hitlers und Goebbels.

Dann hatte der Reichsführer SS eine besondere Aufgabe für ihn. Da sich Höß trotz allem bei der Durchführung der 'Endlösung' in Auschwitz ausgezeichnet hatte, wurde er von Himmler an seine alte Wirkungsstätte zurück beordert. Als Standortkommandant von Auschwitz überwachte Höß vom März bis Juli 1944 den makaberen Höhepunkt der Todesfabrik – die Deportation und Vernichtung der 400.000 ungarischen Juden. Wieder zeichnete er sich aus, in dem er aus der 'Fabrik' Auschwitz das Letzte herausholte, nahm planmäßig die Transporte entgegen und sorgte dafür, dass die eintreffenden Menschen der 'Sonderbehandlung' zugeführt wurden. Die Sonderkommandos arbeiteten in 3 Schichten, die Krematorien glühten Tag und Nacht. Trotzdem musste Höß zusätzliche offene Verbrennungsgruben einsetzen, um die ungeheure Anzahl der Leichen zu entsorgen.

Als sich das Kriegsende immer mehr abzeichnete, befahl der Reichsführer SS, sämtliche Konzentrations- und Vernichtungslager in Frontnähe zu räumen und die Insassen in den gefürchteten "Todesmärschen" zurück auf das Reichsgebiet zu bringen. Kein Häftling eines Lagers sollte den anrückenden alliierten Truppen lebend in die Hände fallen. Wiederum verließ sich Himmler dabei auf das Organisationstalent des Rudolf Höß und befahl ihm, diese Räumungen zu koordinieren. Schockiert nahm Höß die schlechten Zustände auf den teilweise kilometerlangen Märschen der ausgemergelten Gefangenen zur Kenntnis. Laut seiner eigenen Aussage versuchte er, die Bedingungen der Häftlinge während dieser Verlegungen zu verbessern, doch fehlten dazu einfach die Mittel und so wurden die langen Kolonnen von Toten und Sterbenden in den Straßengräben begleitet. Tausende starben an den körperlichen Anstrengungen aufgrund völliger Entkräftung und mangelnder Versorgung.

Die begleitenden Wachmannschaften nahmen keinerlei Rücksicht auf die Gefangenen und trieben sie immer weiter. Diejenigen, die zusammenbrachen und noch lebten wurden an Ort und Stelle erschossen. Wenn sie dann ein anderes Lager erreichten, herrschte dort qualvolle Enge und Überfüllung, die zu grauenhaften Zuständen und unglaublichen Opferzahlen führten. Cholera, Typhus und anderes Krankheiten grassierten unter den Häftlingen. Dabei war es nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses Lager vor den heranrückenden Truppen der Roten Armee geräumt werden musste. Höß bekam teilweise die russischen Panzerspitzen bei seinen Fahrten zu sehen und geriet selbst in Gefahr, noch in den letzten Kriegsmonaten getötet zu werden. In seinen Erinnerungen wird er sich später gerade diesen Umstand herbeiwünschen.

Eines Tages, Höß war eben auf dem Weg von einem geräumten Lager in Frontnähe zurück nach Auschwitz, als er tote Juden an der Straße liegen sah. Sie waren scheinbar vor kurzem erst erschossen worden, da die Leichen noch bluteten. In der Nähe konnte er Pistolenschüsse hören, also folgte er dem Krach. Nahe der Straße sah er einen Feldwebel der Luftwaffe, wie er gerade einen Häftling erschossen hatte, der an einen Baum angelehnt stand. Höß stürzte zu dem Soldaten hin und blaffte ihn an, warum er denn hier einfach auf Häftlinge schießen würde und wer ihm das befohlen hatte. Der Feldwebel erwiderte nur kurz, daß er (Höß) ihm gar nichts zu sagen hätte, worauf Höß seine Pistole zog und den Soldaten einfach über Haufen schoss.

Manchmal konnte das Rote Kreuz eingreifen um den Häftlingen auf ihren Todesmärschen wenigstens ein geringes Maß an Hilfe zukommen zu lassen. Die SS-Männer, die diese Verlegungen begleiteten, hatten selbst nur das Nötigste dabei, kümmerten sich in erster Linie um sich selbst. Für die Gefangenen wurde nichts organisiert, sie blieben sich selbst überlassen. Die Todeszahlen auf den Märschen erreichte schwindelnde Höhen. Höß, der diesen Märschen immer wieder folgte, sah das unsägliche Leid der geschundenen Gestalten, die mit letzter Kraft vorwärts wankten.. Mehrmals protestierte er gegen diese Räumungen und trat dafür ein, daß die Gefangenen in den Lagern, die in Frontnähe gerieten, einfach sich selbst überlassen werden sollten – dies wurde vom Reichsführer SS jedes Mal sofort kategorisch abgelehnt. Es sollte keine lebenden Zeugen geben, keiner der 'Feinde' und 'Gegner' des Regimes sollte dessen Untergang überleben.

 


Sein Ende

Untergang und Flucht

Kurz vor Ende des Krieges bereitete Höß seine Flucht vor. Damit war er nicht alleine, auch der Reichsführer SS hatte nicht vor, wie sein Führer in Berlin unter zu gehen. Himmler überlies seine Getreuen ihrem Schicksal und flüchtete selbst – jedoch nicht ohne in bester Laune einen letzten Befehl seinen SS-Führern mit auf den Weg zu geben: „Taucht unter in der Wehrmacht!“ Diese letzte Meldung, diese letzte Befehlsausgabe erzeugte in Höß tiefe Bitterkeit und sollte ihn in den wenigen Jahren, die ihm noch verblieben, nicht mehr aus dem Kopf gehen. Er hatte erwartet, dass nochmals ein Durchhalte-Befehl kommen würde, ein letztes Aufbäumen, ein letzter Kampf. In seinem Kopf hallten noch die Worte der Propaganda nach, die immer wieder beschworene Treue der Nibelungen, die kämpfend untergingen. Doch statt dessen hörte er aus dem Mund seines Reichsführers SS diesen feigen Fluchtbefehl. An diesem Tag verlor er letztendlich seinen Glauben an das Regime und die Ideologie, der er jahrelang gefolgt war.

So tauchte Höß nach Kriegsende unter dem Namen Franz Lang als Bootsmann in der Marine-Schule in Mürwik unter. Da auch hier kaum mehr Dienst versehen wurde, hatte er viel Zeit über die letzten Jahre nachzudenken. Er fiel auch nicht auf, da er sich durch seine Erfahrung am Ende des 1. Weltkrieges bei der Marine auskannte. Kurze Zeit darauf wurde er mit den restlichen Angehörigen der Marine-Schule von den Briten im Bereitstellungsraum zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Schlei inhaftiert. Da seine Familie nun ganz in der Nähe wohnte, bekam er immer wieder mal Besuch seines ältesten Sohnes.

Höß´ Identität als Franz Lang wurde nicht in Frage gestellt und so wurde er schon nach kurzer Zeit aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Bei der Inhaftierung hatte er den Beruf eines Landwirts angegeben und konnte nun auf einem Bauernhof nahe Flensburg als Knecht arbeiten. Er war sich dabei bewusst, dass der Name Rudolf Höß früher oder später bei den Alliierten bekannt werden musste und die einzige Chance für ihn darin bestand, unterzutauchen.
Die Arbeit eines Landwirts war immer schon sein Traum gewesen und so verbrachte Höß, wie er selbst in seinen Aufzeichnungen angibt, eine schöne und unbeschwerte Zeit.

Wie er richtig vermutete, war er zu einem der meist gesuchten Männer geworden. Überall suchte man nach dem Manne, der als Kommandant von Auschwitz traurige Berühmtheit erlangt hatte. Sein Name wurde gleichgesetzt mit dem Massenmord an Millionen. Die britische Militärpolizei stieß auf die Familie von Höß und verhaftete dessen Frau und Sohn, hoffte von ihnen den Aufenthaltsort von Rudolf Höß zu erfahren. Doch sagte seine Frau bei den unzähligen Vernehmungen immer wieder aus, dass ihr Mann in den letzten Kriegstagen gefallen sei. Nach fünf Tagen griffen die Briten zu einer List und drohten Hedwig Höß, dass sie ihren Sohn den Russen ausliefern würden. Im Glauben ihren Sohn zu retten brach die Ehefrau zusammen und gestand, wo ihr Mann sich aufhielt.

Verhaftung

Am 11. März 1946 um 23 Uhr stürmte die britische Polizei den Bauernhof und nahm den ehemaligen Kommandanten von Auschwitz fest. Dieser behauptete jedoch nach wie vor, dass sein Name Franz Lang sei. Viele der Soldaten waren Zeuge der Befreiung des Lagers Bergen-Belsen geworden und kannten kein Mitleid. Stundenlang wurde Höß köperlich schwer misshandelt, bis er seine Identität zugab. Seit Anfang 1945 hatte er immer eine Giftphiole bei sich getragen. Wenige Tage vor seiner Verhaftung war diese jedoch zerbrochen. Es gab für ihn keinen Fluchtweg mehr, die Soldaten verbrachten ihn zu weiteren Vernehmungen in eine Kaserne bei Heide.
 


Höß nach seiner Verhaftung



Die Bewacher von Rudolf Höß hatten keinerlei Mitleid mit ihm. Er gab an, während der Verhöre mehrfach physisch und psychisch misshandelt worden zu sein. Man setzte ihn angeblich unter Alkohol und setzte auch Schlafentzug ein. Die Protokolle, die dabei entstanden, waren ein Zeugnis des Schreckens, konnten von den Verhöroffizieren kaum geglaubt werden. Höß, ein gebrochener Mann, unterschrieb sie jedoch anstandslos. Allerdings würde er sie auch später in seinen selbst niedergeschriebenen Erinnerungen nicht widerrufen sondern nur berichtigen. Er wird angeben, dass die in den Protokollen genannten Zahlen zu hoch gewesen waren und korrigierte sie nach unten.

Dann wurde Rudolf Höß zu seinem eigenen Erstaunen als Entlastungszeuge nach Nürnberg gerufen, um für Ernst Kaltenbrunner auszusagen. Er wunderte sich selbst, wie gerade er, der doch alle Schrecken selbst gesehen hatte, Kaltenbrunner entlasten hätte können. Höß stand zu den in den Protokollen niedergelegten Tatsachen, beschrieb jedoch in seiner Aussage auch, dass er bei der Vernehmung misshandelt worden wäre. Laut seiner Aussage wären die Offiziere allesamt Juden gewesen und hätten ihn mit großem Hass verfolgt.

Kriegsverbrecherprozess in Krakau - der letzte Akt

Am 30. Juli 1946 wurde er schließlich mit 7 anderen Gefangenen, darunter Amon Göth, nach Krakau verlegt. Ihm sollte in Polen der Prozess gemacht werden. Während er auf seinen Prozess wartete, begann er seine schriftlichen Aufzeichnungen niederzulegen die er mit "Kommandant in Auschwitz" betitelte.

In seinen Erinnerung befindet sich kein Wort der Reue, über die von ihm begangenen Taten. Er gab auch zu diesem Zeitpunkt weiterhin an, immer noch ein Nationalsozialist zu sein und diese Idee, diese Ideologie 25 Jahre lang verfolgt, ja gelebt zu haben. Er konnte seinen festen Glauben an diese Idee nicht innerhalb weniger Tage abstellen. Er hielt zwar mittlerweile die Führer des Reiches für Verbrecher, sah jedoch die dahinter stehende Idee des Nationalsozialismus immer noch als gut und richtig an. Für ihn waren Konzentrationslager nach wie vor eine wichtige und richtige Institution, für ihn waren sie notwendig zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“, um den Staat und das Volk von schädlichen, asozialen Feinden zu schützen. Diese Staatsfeinde müssten lokalisiert und in Lagern "umerzogen" werden.

Obwohl er die Endlösung der Judenfrage als direkten, persönlichen Befehl von Himmler erhalten hatte, hätte Höß nach Möglichkeit nicht alle Gefangenen des Lagers getötet. Allerdings hätte er auch nicht das Recht gehabt, die erhaltenen Befehle zu hinterfragen oder gar zu missachten. Er hielt sich und die ausführenden Ämter wie das RSHA nur für Organe, die den Willen des Reichsführers SS oder Hitlers auszuführen, zu befolgen hatten. Laut Höß konnten sie keine Schuld an den Massenmorden tragen, da sie alle auf höheren Befehl handelten. Trotzdem übernahm Höß für alle Vorgänge in und um Auschwitz die volle Verantwortung. Laut seinen Worten war der Kommandant des Lagers für alles verantwortlich, auch wenn es sich um Dinge handelte, die er nicht selbst befohlen hatte oder die ihm nicht gemeldet wurden.

Das einzige was er wirklich bedauerte war, dass er nicht genügend Zeit mit seiner Familie verbracht hatte. In seinen Zeilen findet er kein Wort des Bedauerns für die Opfer. Nur über sich selbst schrieb er:

„Wie beneide ich meine Kameraden, die einen ehrlichen Soldatentod sterben durften. Ich war unbewusst ein Rad in der großen Vernichtungsmaschine des Dritten Reiches geworden. Die Maschine ist zerschlagen, der Motor untergegangen und ich muss mit. Die Welt verlangt es.“
 


Höß während des Prozesses

 

Während des Prozesses, wie auch davor bei den vielen Verhören und Befragungen, war Höß dabei stets hilfsbereit und bemüht gewesen, alle Angaben so genau wie möglich zu verfassen. Er machte auch kein Geheimnis aus den Opferzahlen. Ebenfalls beschrieb er genauestens, wie die Tötungsmaschinerie in Auschwitz lief, wer sie befohlen hatte und wer die Transporte organisierte. Bis zuletzt war er der harte SS-Führer, der keinerlei Gefühlsregung zeigte.

Am 2. April 1947 wurde Rudolf Höß vom Obersten Polnischen Volksgericht in Warschau zum Tode verurteilt.

Vor seinem früheren Wohnhaus auf dem Lagergelände in Auschwitz, indem er mit seiner Familie während seiner Zeit als Kommandant lebte, wurde Höß am 16. April 1947 gehängt.

 


linkes Bild: Höß unmittelbar vor seiner Hinrichtung; rechtes Bild: Höß am Galgen - bis zuletzt kühl und gefühlslos...


 

Das Thema

Josef Mengele

 

 

 

Ein gebildeter Mensch, Doktor der Philosophie und Doktor der Medizin.
Ein KZ-Arzt und Sadist.
Geigenspieler und Verseschmied.
Ein Zyniker und Menschenfeind.
Der "schöne Satan", der "Teufel von Auschwitz".

(Eine Auswahl von Beschreibungen der Überlebenden von Auschwitz über ihren Peiniger Josef Mengele)



(Geb. 16. März 1911 (Günzburg) - Gest. 7. Februar 1979 (Bertioga, Brasilien)

 

Der Todesengel von Auschwitz



Ein Mann, der des vieltausendfachen Mordes angeklagt war, auf dessen Kopf 1 Million Deutsche Mark ausgesetzt waren (die höchste von Deutschland jemals ausgesetzte Belohnung) und der durch seine geistigen Fähigkeiten wie rassistischen Überzeugungen zu einem der gewissenlosesten Verbrecher der Menschheit wurde. Die Anlage gegen ihn war so simpel wie erschreckend:
"... aus Freude am Töten und aus Überheblichkeit gegenüber Juden, Polen, Zigeunern und anderen, von ihm als minderwertig angesehenen Bevölkerungsgruppen, teils auf sadistische und bestialische Art und Weise aus rassistischen Gründen Deportierte und Häftlinge des Konzentrationslager getötet zu haben." (Aus dem Haftbefehl gegen Josef Mengele - 22. Strafkammer des Landesgerichtes Frankfurt/Main).
Er entzog sich seiner gerechten Strafe durch die Flucht ins Ausland (Brasilien) und seines natürlichen Todes im Februar 1979. Sein Name steht heute für das Schrecken der Menschheit und die Gräueltaten im Namen der Medizin, des nationalsozialistischen Regimes und des Rassenwahns. Dabei ist sein Lebenslauf ach so typisch für die damalige Zeit: Gruppenführer des deutschnationalen Jugendbundes und Medizinstudent. Auch sein Anschluss zur NSDAP und SS, aus politischen oder karriereförderlichen Gründen, müssen nicht unbedingt logischerweise zum Beruf des Wachmannes oder in seinem Fall zum "Todesdoktor" in einem KZ führen. Was war also los im Leben des Josef Mengele, was geschah bis zu seiner Versetzung als Lagerarzt ins Vernichtungslager Auschwitz (30.05.1943)? Warum deutet in seinem Leben vor Auschwitz nichts auf seine Werdung zum Monster, zum Teufel in Menschengestalt hin?
 

 

Jugend

Kindheit und Jugend

 

Seine autobiographischen Aufzeichnungen sind von schwülstig-pathetischen Selbststilisierungen geprägt und hat er die Erzählungen seiner Eltern zu seiner Geburt etwas verschönert:
"Der immer noch heftig anbrausende Wind jagte die wie ein dichter Schleier fallenden Schneeflocken in tollen aufbäumenden Wirbeln durcheinander ..."
Eine gewisse Art von Selbstinszenierung in Anlehnung an alter Erzähltraditionen, die eines Helden würdig sind, sollten seine Geburt und dessen Umstände ausstaffieren. Dabei nennt er aber den Namen seiner Heimatstadt nicht. Ist hier der Charakter und die Persönlichkeit des Todesengels schon zu erahnen? Verschwimmen die Erinnerungen an ein Leben vor Auschwitz wie ein Schleier für ihn, der nur ein pathetisches und verklärtes Bild seiner frühen Jahre hindurch lässt?
Josef Mengele ist am 16. März 1911 in Günzburg als ältester von drei Söhnen zur Welt gekommen. Sein Vater war der Fabrikbesitzer Karl Mengele (Landmaschinen) und dessen Frau, keine bedeutenden Persönlichkeiten und doch mangelte es dem Jungen in seiner Kindheit an nichts. Ein braves Kind wenn man den Quellen Glauben schenken kann und vor allem selbstbewusst. Sein ältester Sohn allerdings will nicht in das Geschäft seiner Vaters einsteigen und es übernehmen, seine Gedanken folgen einer eigenen Karriereplanung. So trat er als junger Mann durchaus positiv aus und verstand sich als geselliger Mensch, der in Szenelokalen gern verkehrte. Er scherte sich wenig um die Politik und genoss das Leben. So ist es auch nicht verwunderlich warum es ihn nach dem Abitur in die Großstadt zog und er alsbald in München mit dem Medizinstudium begann. Die Genetik und Anthropologie hatte es ihm dabei besonders angetan. Er träumt schon früh vom Ruhm als Arzt und in München findet er hier ein aufstrebende Wissenschaft vor. Die Rassenlehre als Ideologie war ihm zwar fremd, aber im wissenschaftlichen Gewand durchaus akzeptabel. Dabei trug gerade die Anthropologie dieses Dogma der Rassenunterschiede mit und stütze somit - wissentlich durch die Partei gelenkt - diese "nun endlich verstandene" Wissenschaft.

 

Erste Promotion (Dr. phil.) 1935
"Rassenmorphologische Untersuchungen des vorderen Unterkieferabschnittes bei vier rassischen Gruppen"
summa cum laude



Für Hilter galt der Ausspruch - "Nicht der Staat bestimmt uns, sondern die Rasse bestimmt den Staat und wird durch Sie geschaffen!" Für die Familie Mengele ist der Hitler Idol und Förderer zugleich, fördert Hitler doch die Bauern und die Agrarwirtschaft. So existieren Fotos mit Hitler und Karl Mengele, der sich von einer Bindung an die nationalsozialistischer Regierung viel persönlichen Gewinne und Reichtum verspricht. Die Rassenideologische Linie ist da wohl zweitrangig, doch für den jungen Josef Mengele das Sprungbrett schlechthin. In der "Parteiarmee" war er nur kurz, den nach der geschlossene Überführung des Stahlhelms, dem er angehörte, zu SA, trat er im Oktober 1934 aus.
Er handelt in diesen frühen Jahren seines Lebens immer selbstbewusst aber auch egoistisch, ist er doch von einem betuchten Leben geprägt und einem Elitebewusstsein unterworfen. Dazu kam sein Streben nach Erfolg, der Fleiß und die Tugenden einer werten Gesellschaft jener Tage. Er hatte ehrgeizige Ziele für seinen Lebensweg: "Eines Tages wird man meinen Namen kennen..."
 

Zweite Promotion (Dr. med.) 1938
"Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte"
summa cum laude



Er geht dafür in die Lehre bei einem der führenden Genetiker Deutschlands (Theodor Mollison - Direktor des anthropologischen Institutes in München)und vertrat somit, wenn auch vorerst Indirekt, den Wahn Hitlers nach einer Superrasse. Schon als Assistentsarzt fungiert er in der Funktion des Gutachters für Rassenangelegenheiten und führte Befragungen, Blutest und Untersuchungen durch - Eine erste Selektion vorerst ohne Endlösung!
So marschierten auch die Ärzte im Gleichschritt und "gingen mit der Zeit". Sie sollen die Rasse erhalten, Rein halten und medizinisch "lenken". Josef Mengele ist einer von Ihnen ...

Interessant ist, dass seine persönlichen Aufzeichnungen im Jahre 1932 enden und setzen erst wieder im Frühjahr 1945 ein. Warum spart er diese Kapitel so vehement aus seinen Aufzeichnungen aus? Vollzog sich 1932 eine Wendung im Leben und Charakter dieses Mannes? Ist es das aufgehen in der Wissenschaft und seine Tätigkeiten, die ihn vom Schreiben anhalten oder hat sich der junge Josef Mengele und sein Leben von der Eigenbetrachtung weg zu einer höheren Aufgabe hingwendet?
Kein Wort über zwölf Jahre NS- Herrschaft und der eigenen Verstrickung in deren Machenschaften. Keine Erwähnung der rassenkundlichen Studium an den Universitäten München und später Frankfurt. Seinen Aufzeichnungen ist weder der Eintritt in die NSDAP im Mai 1937 zu entnehmen, noch so private Momente wie das Kennenlernen seiner Frau, die Hochzeit, die Geburt seines Sohnes oder seine Militärzeit. Nicht eine Zeile zum Zweiten Weltkrieg oder den Jahren in Auschwitz.
Zwölf Jahre seines Lebens überging Josef Mengele in seinen autobiographischen Niederschriften, ohne dafür Gründe zu nennen. Mit dem Ende des Studium versiegen die niedergeschriebenen Gedanken des aufgeweckten und selbstbewussten jungen Mannes und es versiegt wohl auch seine frühere Persönlichkeit

Aufstieg

Sein Aufstieg zur Elite des Reiches



Der entscheidende Schritt in Mengeles Karriere war die Berufung am 1. Januar 1937 nach Frankfurt. Nicht nur, dass dem jungen Arzt die ewigen Stunden der Visite und der Station wohl langweilig wurden, sondern auch die Verlockung der Wissenschaft ließ ihn nie los. Auf Empfehlung seines ehemaligen Mentors Prof. Mollisons wurde er zum Forschungsassistenten am namhaften Reichsinstitiut für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität Frankfurts. Er wurde Teil des Mitarbeiterstabes des führenden Genetikers Prof. Otmar Freiherr von Verschuers, der sich vornehmlich der Zwillingsforschung widmete. Dessen Bewunderung für Hitler war wohlbekannt und er verhehlte dies auch niemanden. Mengele wurde schnell sein Lieblingsschüler und sehr wahrscheinlich beeinflusste Verschuer seine spätere Versetzung nach Auschwitz. Auch die späteren Finanzierungen für Mengeles Arbeiten kamen vom späteren Direktor der Kaiser-Wilhelm Instituts in Berlin und Mengele sendete dafür viele "exemplarischer Zeugnisse seiner Forschung" nach Berlin.

Im letzten Abschnitt werden ... die biologischen Gefahren aufgezeigt, die dem deutschen Volke drohen ... Bei der Darstellung der Rassen wäre eine schärfere Herausarbeitung der Vorzüge und nachteiligen Eigenschaften aller europäischen Rassen zu wünschen. Ferner vermisst man eine hinreichende Darstellung der Beziehungen der in Deutschland hauptsächlich vertretenen Rassen zu den kulturschöpferischen Leistungen des deutschen Volkes. Auch wäre es zweckmäßiger gewesen, die Gesetzte zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes mehr inhaltlich als verfahrensrechtlich zu erläutern.
(Eine Bemerkung Mengeles über ein Buch mit dem Titel: "Grundzüge der Erbkunde und Rassenpflege")

Mengele war nun im Epizentrum des Rassenideologischen Kreises im NS- Reich eingetaucht, da kam sein Eintritt in die NSDAP im Mai 1937 nicht überraschend (Nr. 5574974).
Von nun an war seine Karriere ganz der Ideologie verschrieben. Der Gedanke, dass sich das Erbgut einer Rasse durch geeignete Auslese "verbessern" lasse, wurde nun Stück für Stück Lebensinhalt des aufstrebenden Arztes. Die Wissenschaft wurde seine Religion und Hitlers Worte seine Predigten. Vor allem Verschuer nahm sich des intelligenten jungen Mannes an:
 


(Mengele ganz rechts im Bild)

 

"Er zeigte ein lebhaftes Interesse an medizinischer Forschung und Chirurgie. Er war auch intelligent und gebildet. Ich entsinne mich, dass er Musikliebhaber war, er hörte gern Bach, Verdi und natürlich Strauß und Wagner."
(Als Mengele nach Auschwitz kam, hatte er unterdessen auch seine Liebe für Puccini entdeckt, wie Überlebende - die ihn flüchtig ein paar Takte pfeifen hörten, während er die Selektionen für die Gaskammer vornahm - sich voller Bitterkeit erinnern.)

 

Mengele war erst 27 Jahre alt, aber schon in den wichtigsten Kreis eine reichsweiten Rassenforschungselite vorgedrungen. Es war deshalb unausbleiblich, dass er sich um den Eintritt in eine Organisation bewerben sollte, die als Hüterin der Rassenreinheit der Nation betrachtet wurde: Die SS - die Schutzstaffel. Der schwarze Orden verbreitete nicht nur den völkischen Elitewahn, sondern garantierte auch eine Karriere im NS - Staat. Die SS war eine Gesellschaft für sich und musste bei seiner Heirat sogar zustimmen. Trotzdem war dieser Karriereweg der SS nichts ungewöhnliches, so "musste" auch von Braun die schwarze Kluft anziehen um sich in der Wissenschaft eines NS - Regimes auf Dauer halten zu können. Für Dr. Mengele war das aber nicht der letzte Beitritt, so war der NS - Ärztebund ebenso Pflicht für ihn um seinen Platz in der Gesellschaft zu bekommen.
Er bestand alle Test und wurde in die NS - Elite aufgenommen, nur die Blutgruppe ließ er sich nicht eintätowieren, so wie es für SS- Mitglieder Brauch war, seine Eitelkeit hielt ihn davon ab. Die Zugehörigkeit zu dieser Gesellschaftsschicht, die Wohlstand und Einfluss versprach, war verlockend. So ließ er die Arztpraxis hinter sich, ging von Frankfurt an das Dritte-Reich-Institut und später an das Kaiser-Wilhelm-Institut, beides führende Einrichtungen auf dem Gebiet der Genetik. Sein Aufstieg bzw. vordringen ging sogar noch tiefer, denn im Juli 1938 trat der der Elite innerhalb der SS bei - der Waffen SS. Dort durchlief er in der unmittelbaren Vorkriegsphase die Grundausbildung (Tiroler Gebirgsregion von Snafeldon) und ging wieder zurück nach Frankfurt. Sein Wehrdienst begann im Juni 1940.

 

Der Doktor im Krieg

 

 



Fünf Wochen nach seiner Hochzeit brach der Krieg aus. Nach den Aussagen von Mengeles Sohn Rolf freute sich der Vater darüber: "Er konnte es gar nicht erwarten, eingezogen zu werden."
Für Mengele bedeutete Krieg, wie es später schrieb, den "letzten Verzweifelungskampf der deutsche Nation um ihre gefährdete Existenz."
Doch musste er wegen eines Nierenleidens bis zum Sommer 1940 auf die erste Abkommandierung als Sanitätsoffizier einer regulären Wehrmachtseinheit in Kassel warten. Im August bekam er als Untersturmführer zur Waffen SS, die als Hitlers fantastischste und ideologisch außerordentlich geprägte Kampftruppe galt. So war er nun im Krieg und sammelt auch Fronterfahrungen. Wenige Tage nach seiner Versetzung in die Ukraine wurde ihm das EK II verliehen und seine Kriegsbegeisterung stieg von Tag zu Tag " jetzt wo sie dem Erzfeind in die Augen sehen konnten".
Als SS- Truppenarzt war er bewandert in der Methode der Triage und bestimmender Faktor über Leben und Tod. Der spätere Hauptsturmführer Mengele war dabei nicht an den Einsatzkommandos beteiligt der SS direkt beteiligt und doch tat er seine "Pflicht" als Mann der SS - als Arzt in Uniform. Im Januar wurde er in das Sanitätskorps der Division "Wiking" innerhalb der Waffe - SS aufgenommen. In der Schlacht von Rostow und Bataisk (5 Tage) zeichnete er sich durch besondere Tapferkeit und Aufopferung aus (er rettete 2 Soldaten unter Feindbeschuss aus einem brennenden Panzer) - ihm wurde das EK I verliehen. Ihm wurde im weiteren Verlauf noch das Verwundetenabzeichen in schwarz und die Medaille für deutsche Volkspflege verliehen.
Gegen Ende des Jahres 1942 wurde Mengele an das Rasse- und Siedlungshauptamt zurückversetzt, dessen Sitz jetzt in Berlin war. Dieser Umstand lässt die Historiker und Geschichtswissenschaft davon ausgehen, dass Mengele schon früh über die Endlösung Bescheid wusste. Auch weil er in hohe Position in der SS und dem Polizeiarztamt tätig war, welche in den Vernichtungslagern eine Aufsichtsfunktion ausübten. Im Zusammenhang mit der Person Verschuer und dessen Einfluss, welcher auch Mengele wieder nach Berlin holte, muss auch die Versetzung nach Auschwitz von Mengele angestrebt worden sein. Er wusste welches Menschenmaterial dort "zur freien Verfügung" stand und sah die wissenschaftlichen Potenziale für sich und seine Arbeit.
 

Mitarbeiter im Rasse- und Siedlungshauptamt

* Karl Gebhardt : Oberster Kliniker beim Reichsarzt SS, Leibarzt Himmlers
* Joachim Mrugowsky: Oberster Hygieniker beim Reichsarzt SS
* Helmut Poppendick: Chef des persönlichen Büros im Stabe des Reichsarztes SS.
* SS-Hauptsturmführer Dr. Ferdinand Berning, Adjutant des Reichsarztes SS

 

Verschuer förderte seinen ehemaligen Schützling und wollte auch seine wissenschaftliche Leitlinien bestens vertreten wissen. Nach neusten Erkenntnissen der Forschung war es Verschuer, der ihm die Stelle in Auschwitz vermittelt hat und ihn auch dazu überredet.
Im Mai 1943 kam dann sein Einsatz. Ende des Monats traf er in einem riesigen, von Stacheldraht umzäunten Sumpfgelände in einer Niederung in Südpolen, eine Stunde von Krakau entfernt ein - Auschwitz.

 

Spiegel TV - Der Todesengel von Auschwitz

 

Facetten eines Mörders

Ehrgeiz

"Josef war ein sehr ehrgeiziger junger Mann, der unter starkem Erfolgszwang stand."
Julius Diesbach, Mitschüler und Studienkollege Mengeles

Akribie

"Er war ein Pedant. Und er hatte einen Archivierungstick."
Anton M., Studienkollege Mengeles

Geltungsdrang

"Er wollte nicht nur erfolgreich sein, sondern sich von der Masse abheben. Es war seine Leidenschaft, berühmt zu werden."
Julius Diesbach, Mitschüler und Studienkollege Mengeles

Kalkül

"Er wollte das erforschen, was am modernsten war: Erbbiologie, Rassenkunde."
Hermann Langbein, Häftlingsschreiber beim Standortarzt von Auschwitz

Gefühlskälte

"Ich würde ihn [...] nicht für einen Sadisten halten, denn das Wesen eines Sadisten ist ja, daß er an dem Schmerz seines Opfers Freude hat. Bei Mengele hatte man das Gefühl, daß er gar nicht merkt diesen Schmerz, der fällt ihm gar nicht auf. Sondern die Häftlinge waren für ihn Meerschweinchen, Ratten, mit deren Seelenleben und Leiden man sich überhaupt nicht beschäftigt."
Dr. Ella Lingens, Häftlingsärztin in Auschwitz

Fanatismus

"Als diese Transporte einsetzten, war es mir möglich, Mengele in Birkenau auf der Rampe stehen zu sehen, und ich konnte ihn rufen hören: 'Zwillinge raus!' Er schien mir wie von Sinnen zu sein, wenn er auf der Rampe herumlief und Zwillinge suchte."
Fürstin Martina Puzyna, Anthropologin und Häftlingsärztin in Auschwitz

Skrupellosigkeit

"Er war ein hochintelligenter und gebildeter, kalter Zyniker, der sich des Unrechts des gesamten Geschehens in Auschwitz voll bewußt war."
Dr. Ella Lingens, Häftlingsärztin in Auschwitz

Auschwitz

Auschwitz - das Vernichtungslager

 

(Lagermanschaft von Auschwitz beim geselligen Zusammensein)

 

"Wenn es dem internationalen Judentum inner- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergbnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!"
(Adolf Hitler in einer Reichstagsrede zum sechsten Jahrestag der "Machtübernahme"
30. Januar 1939)

"Wenn wir die Pest ausrotten vollbringen wir eine Tat für die Menschheit, von der sich unsere Männer draußen noch gar keine Vorstellung machen ...."
(Adolf Hitler in einem seiner vielen Monologe 1941 - aufgezeichnet von seinem Sekretär)

"Zahllose Erkrankungen haben ihre Ursache in einem Bazillus: dem Juden [...] Wir werden gesund, wenn wir den Juden eliminieren!"
(Adolf Hitlers Aussage vier Monate später in einer Unterhaltung)



Was Hitler und die Nazi-Ideologen wollten, wurde nicht versteckt erdacht, nicht insgeheim angezettelt und dann, aufs strengste abgeschirmt, tatsächlich ausgeführt. Es geschah öffentlich, legitimiert von der Wissenschaft, gebilligt von fast allen gesellschaftlichen Autoritäten.
Einer dieser Männer der Wissenschaft war Josef Mengele, der sich am 14. Februar in Berlin beim SS-Ersatzbataillon "Ost" meldete und auf seinen Einsatz an der Ostfront wartete. Tatsächlich wurde er aber, nach seiner Beförderung zum Hauptsturmführer der SS, am 24. Mai 1943 vom Führungshauptamt der SS zur Amtsgruppe D III versetzt. Er übergab seine Dienstgeschäfte und setzte sich in Marsch zum K.L. Auschwitz bei Kattowitz und sollte sich dort beim Lagerkommandanten melden.
Kam ihm das Angebot nach Auschwitz gerade recht um nicht zurück an die Ostfront zu müssen oder ging er auf Drängen seines Förderers Verschuer, als zuverlässiger Lieferant für "lebendfrisches Forschungsmaterial" ins Vernichtungslager? Die Forschung hat nach gründlicher Akteneinsicht das Drängen Verschuer ausgemacht und doch muss ein Aspekt beachtet werden. Die Person Benno Adolph, Hauptsturmführer und Lagerarzt und Auschwitz/Birkenau. Er wurde krank und lauf Plan war Mengele sein Ersatzmann. Also keine Freiwilligenmeldung und Versetzung nach Plan oder geschickt eingefädeltes Spiel aus Berlin? Im Versetzungsbefehl steht "ohne Bezug" und ""keine Anlagen, also keine Freiwilligenmeldung. Es ist Rätselhaft und doch der Anfang vom Ende vieler Leben. So versah der Arzt Mengele von Dezember 1944 bis zu seiner Flucht aus dem Lage am 17. Januar 1945 seinen Dienst als Lager- und Truppenarzt mit zusätzlichen Aufgaben. Er unterstand dabei direkt dem leitenden KZ-Arzt von Auschwitz/Birkenau Eduard Wirth.
Als Mengele im Mai 1943 eintraf, war Auschwitz mit fast 140.000 Häftlingen überfüllt; es streckte sich kilometerweit in alle Richtungen aus. Das gewaltige von Stacheldraht umzäunte und von SS-Wachhundpatrouillen kontrollierte Lage umfasste fünf Krematorien und Gaskammern. An klaren Tagen konnte man die Flammen und den schwarzen Qualm aus den Krematoriumsschonrsteinen, die aus dem flachen Sumpflandhorizont um Auschwitz ragten, fast fünfzig Kilometer weit sehen. Nach Höß betrug die Höchstzahl der innerhalb von vierundzwanzig Stunden vergasten Juden Neuntausend.
Als Mengele in die alptraumartige Welt von Auschwitz trat, setzte er sich sofort von den anderen SS-Ärzten ab. Er hatte als einziger Lagerarzt an der Ostfront gedient und das EK I erhalten. Dr. Hans Münch, der als SS-Arzt in einem Nebenlager von Auschwitz in einem bakteriologischen Labor Dienst tat und ein enger Freund Mengeles wurde, erinnert sich, dass Mengele auf seine Orden außerordentlich stolz war und sie deutlich sichtbar an der Uniform trug. Mengele kam oft auf seiner Kampferfahrungen zu sprechen und umgab sich im Lager wegen seines Fronteinsatzes, der im krassen Gegensatz zu den Schreibtischkarrieren der anderen Lagerärzte stand, bald mit einer besonderen Aura. Dabei verband er seinen Status als Fronterfahrender mit fanatischer Pflichterfüllung. Während die anderen Auschwitz-Ärzte nur so viel taten, wie von ihnen verlangt wurde, war Mengele immer auf der Suche nach neuen Projekten und zusätzlicher Verantwortung. Er blühte auf, nahm sich der Arbeit nicht nur an, sondern steigerte sich förmlich hinein - einige Überlebende halten ihn heute noch für den Chefarzt des Lagers. Die Beförderung zum Oberarzt für das Frauenlager in Birkenau kam also nicht überraschend.
Er ging Probleme sehr entschlussfreudig an und bewies seine Tatkraft bei einer der vielen Typhusepidemien in Auschwitz:
 

 

 

"Laut Haftbefehl schickte Mengele am 25. Mai 1943 507 Zigeuner und 528 Zigeunerinnen mit Verdacht auf Typhus in die Gaskammer, Gleichzeitig heißt es, dass er am 25. oder 26. Mai Zigeuner deutscher Herkunft verschonte und dafür etwa 600 andere vergasen ließ "
(Haftbefehl nach Anlagepunkt 78 gegen Mengele)[/

 

Sein "Rassenbewusstsein" wurde von vielen SS-Leuten im Lager bewundert, genauso wie die konsequente Art gegen Krankheiten vorzugehen. Seine zynischen Züge in Bezug auf menschliches Leben bildeten sich schon in den ersten Monaten besonders heraus. Bei Mangel von Lebensmitteln ließ er einfach so viele Menschen in die Gaskammer, bis die Kalorien wieder für alle (restlichen) Frauen in seinem KZ-Bereich ausreichten. Teilweise wurden so 4000 Frauen pro Tag auf Anordnung Mengeles vergast. Den Ruf als gnadenloser Zyniker erwarb sich Mengele aber vor allem bei der Selektion und schockte sogar die SS-Kollegen mit seiner Vorgehensweise. Er war vor allen anderen der "Hauptlieferant" für die Gaskammer und die Krematoriumsöfen:

 

"Wer durch das Eingangstor des KZ ging, war ein Todeskandidat. Hatte das Schicksal ihn in die linke Kolonne gelenkt, wurde er durch die Gaskammer innerhalb einer Stunde zu einer Leiche. Als weniger glücklich galt, wen ein widriges Geschick für die rechte Kolone ausgewählt hatte. Der war zwar immer noch ein Todeskandidat, aber mit dem Unterschied: dass er drei Monate lang oder solange er es ertragen konnte, all die Schrecken erfahren musste, die das KZ für ihn bereithielt, bis er völlig erschöpft zusammenbrach"
(Aussage von Dr. Miklos Nyiszli - Arzt in Auschwitz)

"Einige, wie Werner Rhöde, der seine Arbeit hasst, und Hans König, den die Aufgabe zutiefst anwiderte, mussten sich betrinken, ehe sie an der Rampe erschienen. Nur zwei Ärzte nahmen die Selektionen ohne jegliche Aufputschmittel vor: Dr. Josef Mengele und Dr. Fritz Klein - Dr. Mengele gab sich besonders kalt und zynisch."
(Dr. Ella Lingens - Ärztin in Auschwitz)

 


(Mengele in der Mitte)

 

Viele tausend Häftlinge, die mit hunderten Zügen heran geschafft wurden, sahen zuallererst den Selektierer am Bahnhof vor dem Eingangstoren von Auschwitz. Viele sahen diesen Dr. Mengele, wie er da stand und viele fanden ihn sehr gepflegt und gut aussehend. Das behaupten auch einige Frauen, die er oftmals nackt an sich vorbeiziehen ließ und "sie besser zu begutachten und eine Selektion zu vollziehen".

 

 

 

"Tag für Tag war er auf Posten und beobachtete, wie sich die bedauernswerte Menge von Männern, Frauen und Kindern, die sich nach der unmenschlichen Reise in Viehwaggons am Rande der völligen Erschöpfung befanden, vorbeikämpfte. Mit seinem Rohrstöckchen wies er auf jeden einzelnen und dirigierte ihn mit einem einzigen Wort: rechts oder links ... Er fand an seiner grässlichen Aufgabe offensichtlich Gefallen."

Steckte dieser Mengele schon von Anfang an in diesem aufstrebenden Arzt? Fing er an Gefallen an seiner Aufgabe, seiner gottähnlichen Position und seiner Befugnis über das Leben und den Tod zu entscheiden? Es gibt viele psychologische Untersuchungen in der Beziehung von Wärter und Gefangenen, in diesem Fall aber muss der Faktor Wissenschaft noch dazu genommen werden. Denn hier selektierte ein Mensch aufgrund von anatomischen und gesundheitlichen Aspekten andere Menschen wie Vieh. Wir haben es hier mit einem abgestumpften Menschen zu tun, der die Grausamkeit als Beruf kalkuliert und "sein Patienten" als Objekte unter seinem Willen und dem der Wissenschaft beurteilt.

 

Anklageschrift gegen Josef Mengele



Der Angeschuldigte Josef Mengele ist dringend verdächtig, als SS - Lagerarzt an sogenannten Lagerselektionen und Selektionen im Häftlingskrankenblock aktiv und entscheidend teilgenommen zu haben, wobei er solche Häftlinge, die im Lager durch Hunger, Entbehrungen, Ausbeutung der Arbeitskraft, Krankheiten, Seuchen, Misshandlungen oder aus anderen Gründen arbeitsunfähig geworden waren und deren alsbaldige Wiederherstellung nicht abzusehen war, aber auch solche, die ansteckende oder lediglich ekelerregende Krankheiten - etwa einen Hautausschlag - hatten, teils zur Tötung durch Injektionen oder Erschießung, teils durch qualvollen Erstickungstod durch Blausäuredämpfe in den Gaskammern aussuchte, um dadurch im Lager Platz für arbeitsfähige Häftlinge, die er oder andere SS- Ärzte in der vorbeizeichneten Art und Weise selektiert hatte, in einer Vielzahl von Fällen teils unter dem Vorwand und Anschein einer Heilbehandlung eigenständig durch Injektionen von Phenol, Benzin, Evipan, Chloroform, Luft oder anderem in den Blutkreislauf, vorzugsweise in die Herzkammer, getötet haben oder die Tötung durch SS- Sanitätsdienstgrade befohlen und überwacht haben, teils soll er auch in Fällen von Lager- und Krankenblock-Selektionen die Aufsicht geführt haben, wenn SS-Dienstgrade bei den Grabkammern das granulierte Blausäurepräparat Zyklon B durch die Einfüllstutzen in die Räume, in denen dichtgedrängt die zu Tode bestimmten Menschen standen, einwarfen, oder er soll das Präparat selbst eingeworfen haben.



Er hatte dabei diesen gewissen Charme, der an guten Tagen aufblitzte und war freundlich zu den ankommenden Menschen. Er sagte Ihnen, sie sollen ihre Sachen hier lassen und gab im freundlichen Ton wieder, dass sie sich doch der netten Frau hier und dem netten Mann dort anschließen sollten. So fragte er oft, ob es denjenigen gut ging, ob sie etwas brauchten. Am nettesten, wenn nicht gar zuvorkommend, war er Eltern mit Zwillingen gegenüber. Er hoffierte sie förmlich aus den Wagons heraus und sagte ihnen ins Gesicht, dass sie ihre Kinder am Abend aus der Kindergrippe abholen könnten - "solche Eltern gingen meist nur 5-6 Stunden später in Rauch auf". Für Mengele entwickelte sich seine Zeit in Auschwitz als ein Aufenthalt in einem riesigen Menschenlabor, in dem er als Wissenschaftler seiner Forschung nachgehen könne. Er oft an der Rampe, auch außerhalb seiner dort eingeteilten Dienste und holte sich seine Zwillinge. Neuste Schätzung ergeben, dass er wohl für den Tod von über 100 000 Menschen - durch Selektion - verantwortlich ist.

Es gibt viele Theorien zum Zweck seiner Arbeit in Auschwitz. Er wollte, soviel ist sicher, das Geheimnis der Erzeugung von Mehrfachgeburten mit genetisch manipulierten arischen Merkmalen ergründen. Die Zwillingsforschung rückte dabei in den Mittelpunkt seiner Arbeit und Aufmerksamkeit. Er führte zuweilen seltsame sexuelle Experimente durch, dabei war Geburtenkontrolle genauso ein Aspekt wie die Anregung der Fruchtbarkeit. Juden sollten sterilisiert oder besser unter Kontrolle gehalten werden, um ihre Population zu kontrollieren und Sie weiterhin als Arbeitssklaven einzusetzen. Das Beispiel Ägypten wurde dabei von Himmler aufgegriffen. Dabei wurde ganz den Weisung Himmlers nach gehandelt:

"Ich sah ihn als überzeugten Nationalsozialisten an, der nie in Frage stellte, wie die Endlösung im Lager durchgesetzt wurde. Er war ein Opportunist. Zu der Zeit hatte die Ideologie einen großen Einfluss. Himmler war einer der großen Nazimystiker, und es ist denkbar, dass pseudowissenschaftliche Forschung betrieben wurde, um Himmler zu gefallen. Gewiss bestand Mengeles vorrangiges Ziel darin, nach dem Krieg Professor an einer Universität zu werden."

Dr. Hans Münch, Hygiene-Institut der Waffen-SS in Rajsko



Dabei war ihm seine Karriere wohl jedes Menschenleben wichtiger. Der Ehrgeiz nach wissenschaftlichen Ruhm machte vor den Häftlingen nicht halt. Die Mittel dafür kamen auch direkt aus Berlin, von seinem Mentor Verschuer, der ein pathologisches Labor. Er hatte es unter anderem auf die Augen der vergasten Patienten abgesehen, die er sorgfältig nummerierte und zwecks ihre Pigmentierung und Eigenschaft untersuchte. Seine Untersuchungsobjekte wurden wie Schmetterlinge aufgesteckt und als Objekt nach Berlin geschickt. Nach dem Kriege viel auf, dass wohl alle Menschen, zu denen die Augen einmal gehört haben, zur gleichen Zeit gestorben sein müssen ergo wohl in einem KZ umgebracht wurden - selektiert und nach Augenfarbe sortiert.
Mengeles Experimente mit dem Zwillingen im Block 14 des Lager F in Birkenau, auch als "Zoo" bekannt, umfassten nach Messungen der Schädel und Knochen bald auch Versuche mit den "Probanden". Grausame chirurgische Eingriffe und schmerzhafte Tests folgten den Messungen, oft ohne Anästhesie. Es gab unnötige Amputationen, Lumbalpunktionen, Typhusinjektionen und absichtlich infizierte Wunden, um zu vergleichen wie jeder Zwilling reagiert. Viele starben in dieses Testreihen:

"Eines Tages brachte Mengele Schokolade und besondere Kleidung. Am nächsten Tag kamen SS-Männer und nahmen zwei Kinder mit. Die beiden, Tito und Nino, gehörten zu meinen Lieblingskindern. Einer von ihnen war bucklig. Zwei oder drei Tage später brachte sie ein SS-Mann in einem fürchterlichen Zustand zurück. Man hatte an ihnen herum geschnitten. Der Bucklige war Rücke an Rücken und auch an den Handgelenken an das andere Kind genäht worden. Ein schrecklicher Gangrängeruch lag in der Luft. Die schnitte waren unsauber und die Kinder weinten jede Nacht."

"Jeder Frau erhielt eine Bluttransfusion von einem anderen Zwillingspaar, so dass Mengele die Reaktion verfolgen konnte. Wir beide bekamen jeder 350 cm3 Blut von einem männlichen Zwillingspaar. Die Reaktion war starker Kopfschmerz und Fieber."

Mengele hatte hunderte von Zwillingspaaren in der Jahren für seine Untersuchungen, ließ sie sterben und leiden. Nach dem Tod sezierte er sie, auf das sie ihm die Lösung für die Reproduktion einer Rasse liefern sollten. Er tötete auch um zu Sezieren - nur um ihr toten Leiber zu haben. Er selbst, so ist nach Aussage seine Assistenten Dr. Nyiszli beschrieben, tötete oft selbst durch ein Spritze angefüllt mit Chloroform ins Herz.
Der Haftbefehl der deutschen Regierung, zur Festnahme Mengeles ausgestellt, umfasste 40 Seiten und war in neun separate Punkte unterteilt, die mit 153 von Mengele zu Sektionsversuchen getöteten Kindern zusammen hingen. Dabei ging der Doktor während seines Aufenthalts in Auschwitz immer brachiales, rücksichtloser und von Wahnsinn getrieben vor. Er pickte sich "interessante Objekte" aus dem Zug der frisch eingetroffenen Kinder heraus und charakterisierte sie nur an Äußerlichkeiten. Den Menschen sah er da schon lange nicht mehr, nur seine Forschung und Gefangene, die im dafür gerade recht kamen.
Mit seiner Pseudowissenschaft überzeugte er auch die Offiziere des Lagers, hielt Ihnen Vorträge und stellte Skelette von Kinderleichen, die er oftmals selbst zu diesem Zweck töten ließ, als medizinische Phänomene vor. Viele dieser Kinderskelette gingen nach Berlin zum Institut des Prof. Verschuer.
Mag er auf seine Kollegen im allgemeinen freundlich gewirkt haben, so fällt doch allen seine Besessenheit auf. Später folgert man aus den Zeugenaussagen, dass sich der Wahnsinn Auschwitz, der Ehrgeiz von Mengele und die Aussicht auf akademische Ehren zu einer Charakteränderung zusammenfügten. Sein Opportunismus gegenüber der nationalsozialistischen Medizin brachte einen neuen Mann hervor - den Doktor des Todes von Auschwitz.

"Nicht, dass sein Gesicht einen schreckenerregenden Eindruck machte. Sein Gesicht konnte sehr angenehm aussehen, Aber die Stimmung in den Baracken, bevor er kam, und die ganze Vorbereitung durch die Aufseher erzeugten diese Atmosphäre des Schreckens und Entsetzens: Mengele kommt. So musste jeder strammstehen. Er bemerkte zum Beispiel, dass ein Zwilling in einem der Betten tot dalag. Dann brüllte er wild: *Was ist hier los? Wie konnte dieser Zwilling sterben?* Aber heute begreife ich natürlich: EIN EXPERIMENT WAR FUTSCH"

Der manische Mengele mit seiner Idee von einer Superrasse, ging in seiner Rolle als Nazi und Rassist förmlich auf. Wie geschaffen schien dieses Ordnung für ihn zu sein, bei der ganz oben stand und die Massen in die von ihm vorgeschriebenen Bahnen bringen konnte. Dabei waren die Zwillingsexperimente nur ein Zweig seiner Forschung. So setzte er eine Gruppe von polnischen Häftlingen (Nonnen wohlgemerkt) "zu Forschungszwecken extremer Röntgenstrahlung aus, wovon sie schwere Verbrennungen erlitten". Versuche mit Knochenmarktransplantationen, Amputationen und Bluttransfusionen wurden an einer extra für ihn bereitgestellten Reserve an Gefangenen regelmäßig durchgeführt, mit teilweise verheerenden Auswirkungen für die Menschen. Dazu kamen Kastrationen und Sterilisationen als Vorbereitung für eine zukünftige Populationskontrolle. Er erzwang Geburten "indem er sich auf den Bauch von Schwangeren gestellt hat bis die Wehen einsetzen und das Kind frühzeitig geboren werden konnte" - er brauchte die Frauen ja weiterhin. Die Babys wurden gleich bei lebendigem Leibe seziert und untersucht, danach dann oftmals eingetütet, konserviert und auf die Reise nach Berlin geschickt.
Zum Ende seiner Zeit in Auschwitz nahm Mengele sadistische und Menschen verachtende Züge an, die von vielen Überlebenden heute nur unter Tränen und Schock erzählt werden können:

"Jeden Tag starben Menschen bei der Arbeit vor Entkräftung. Mengele stand stumm da, den Kopf auf die Hand gestützt und den Blick nach unten gerichtet - er lauschte. Er stand wie angewurzelt und nahm diesen Marsch der Toten direkt neben ihm überhaupt nicht wahr. Hier die Leichen, da Mengele, einfach von der Musik ergriffen. Ich erinnere mich, dass das auch im Krankenrevier geschah. Das Orchester, ein sehr gutes Orchester, ungarischer Juden, tauchte plötzlich auf, um zu spielen, und um uns herum waren überall schrecklich kranke Menschen, rein Skelette. Mengele nahm von Ihnen nicht einmal Notiz."
 


(Mengele und seine Frau)



Die Macht, die der Mensch Mengele im Lager Auschwitz hatte, stieg im zu Kopf, wanderte in seine Seele und ließ die Menschen um ihm herum leiden. Dabei entwickelte sich ein "narzisstische Komponente des Sadismus" bei ihm. Der Mensch, so Mengele, sterbe hier sowieso, dann ginge es ihm also besser dann (nach seinem Tode). Das Schicksal der Menschen dort war im Klar und so füllen die von Mengele begangenen Grausamkeiten wahre Aktenschränke und je länger er in Auschitz ist, um so öfter nehmen die Wutausbrüche zu die ihm "zu unaussprechlichen Gräueltaten an Menschen befähigten". Er soll Babys den Müttern entrissen und auf Leichenberge geworfen haben, grundlos Menschen aus der Gaskammer geholt, untersucht und dann wieder rein geschickt haben, die Familie desjenigen wurde in dieser Zeit auch gesucht und mit ihm hineingeschickt und vergast. Die Dienstpistole des Doktors wurde oftmals zu einem willkürlichen medizinischen Tötungswerkzeug, dass er nur zu gern benutzt haben soll. Besonders grausam ist der Bericht des Russen namens Anmali Silowitsch Petko:

"Nach einer Weile traf eine große Gruppe (von SS-Offizieren) auf Motorädern ein, unter ihnen Mengele. Sie fuhren auf den Hof und stiegen ab. Sowie sie angekommen waren, bildeten sie einen Kreis um die Flammen; das Feuer brannte horizontal. Wir sahen zu, um zu erfahren, was nun geschehen würde. Eine Weile später trafen Lastwagen ein, Kipper; mit Kindern drauf. Etwa zehn solcher Lastwagen. Als sie auf dem Hof waren, gab der Offizier einen Befehl, die Lastwagen fuhren rückwärts an das Feuer heran, und dann wurden die Kinder direkt ins Feuer, in die Grube abgeworfen. Die Kinder begannen zu schreien; einigen gelang es, aus der brennenden Grube zu kriechen; ein Offizier ging herum mit Stöcken und stieß sie zurück, denen es gelang, herauszukommen. Höß und Mengele waren dabei und erteilten Befehle."

Die Aktion hatte - nach Höß - den Grund, dass Kinder in den Gaskammern wohl schwer zu vergiften seien und deshalb auch diese Lösung in Betracht kam, sich ihrer zu entledigen.
Zu den Vorwürfen gegen Mengele sei gesagt, dass viele Gefangene diese Erzählungen bezeugen können und andere wieder sich nicht vorstellen können, das der "nette" Doktor selbst diese Taten begangen hatte bzw. dieses überhaupt bewerkstelligen könne. Die Manifestation des gewalttätigen Charakters Mengeles lässt sich dennoch nicht nur an Aussagen der Gefangenen, sondern auch von seinen Mitarbeitern belegen, die immer wieder davon berichteten. Vor allem seiner Raserei nachdem ein Experiment misslungen, das "Objekt zu früh gestorben" oder er Kollegen dabei erwischt, wie sie sich unerlaubt ein paar Kartoffeln kochten im Krankenrevier. Seine nicht existenten Schuldgefühle nach Auschwitz unterstreichen die Art und den Charakter des Todesdoktor: "Es gibt keine Richter, nur Rächer", soll er gesagt haben und er sollte Recht behalten in seinem Fall. Der unbegreifliche Dualismus von Zuneigung und Grausamkeit wurde sehr treffend von dem Psychologen Robert Jay Lifton aus New York analysiert:
 


(Zweiter von Links)

 

"Mit dem Auschwitzer Ich trat Mengeles Potential des Bösen hervor, wenngleich Elemente des vorherigen Ich, zu dem Zuneigung gegenüber Kindern gehörte, fortbestanden. In diesem Prozess verhielt sich jeder Ich-Teil als funktionierendes Ganzes: das Auschwitzer Ich befähigte ihn. In dieser mörderischen Umgebung zu wirken und seine menschlichen Ressourcen mit bemerkenswerter Effizienz zu nutzen, während das vorherige Ich in die Lage versetzte, ein Gefühl von Anstand zu bewahren. Seine starke Hingabe an die Naziideologie diente als Brücke, als notwendige Verbindung zwischen Beiden!"



Die Menschen um Mengele herum lernten ihn zu fürchten, Gefangene weil sie jederzeit als unwichtig eingestuft und somit zum Tode von ihm verurteilt wurden und seine Kollegen, weil diese charismatische Doktor immer unzurechnungsfähiger wurde.
Seine Vorgesetzten waren begeistert von ihm, empfahlen ihn zu einer Beförderung und bescheinigten ihm "absolute Festigkeit und Eignung für die Tätigkeit". Seine Frau bemerkte den steigenden Einfluss von Mengele bei seinen Vorgesetzten und den immer mehr anwachsenden Ruf um den Doktor bei der Nennung seines Namens. So wurde Frau Mengele kein Wunsch abgeschlagen. Mengeles Bestrebungen gingen seit 1944 immer wieder in Richtung Berlin an die Adresse des Reichsführers SS Himmler, um seine Förderung bewarb er sich und strebte den vorgelebten Rassenwahn nach. Umso mehr aber der Krieg sich zu Ungunsten der Nazis wendete, so schlechter wurde die Laune des Doktors. Immer größer wurde die Angst, dass die Nazis den Krieg verlieren. Seine Frau interpretierte es als Unzufriedenheit mit seiner Arbeit, doch für Mengele wären die Tage in Freiheit gezählt, seine Karriere beendet und seine Forschung sehr wahrscheinlich für immer wertlos, diese Angst quälte ihn nun mehr als der Misserfolg!

Am Abend des 17. Januar 1945 verließ Mengele Auschwitz und nahm an Aufzeichnungen alles mit was er konnte. Einer der letzten Insassen, die Mengele sahen, war der zwölfjährige Marc Berkowitz, den Mengele zu seinem persönlichen Botenjungen auserkoren hatte:

"Sein Gesicht war gerötet, seine Augen blickten müde, als sei er traurig. Er legte seine Hand auf meinen Kopf und sagte Adieu. Du warst ein braver Junge.

Und dann war er fort ..."
 

 

Flucht

Haft und Flucht

 

Am 17. Januar 1945 verlässt Dr. Mengele Auschwitz und flieht vor der Roten Armee in Richtung Westen. Das war die einzige Richtung, in die er konnte. Sein Weg führte über das KZ Groß-Rosen (23 / 24. Januar 1945) von wo aus er nach Berlin weiter reiste. Dort angekommen, wird er aber sofort vom leitenden Arzt der KZ’s nach Groß-Rosen zurückgeschickt. Der Befehl war eindeutig, doch Groß-Rosen wurde aufgelöst und Mengele begab sich weiter in das Nebenlager Reichenau. Das Ende von Reichenau war aber schon besiegelt und die Rote Armee rückte immer näher. Ende April 1945 ist die Zeit Mengeles in KZ Lagern endgültig vorbei, er muss weiter fliehen und das schnell bzw. ohne Aufmerksamkeit auf sich zu sehen. So findet er 150 km westlich ein einem Feldlazarett Unterschlupf und tauscht seine SS- mit einer Wehrmachtsuniform aus. Am 2. Mai 1945 beginnt mit dem Ablegen der schwarzen Kluft der SS seine Flucht vor der Justiz allierter Richter und Soldaten.

 

 

 

Im Juni 1945 kam es zur Gefangennahme und Internierung der gesamtem Einheit des Feldlazaretts durch die US-Armee. Durch die falsche Uniform wurde er nicht als SS-Mann erkannt und konnte unter dem falschen Namen Fritz Hollmann sich der Justiz bzw. dem Hass der Amerikaner auf die SS entziehen. Er wurde sogar Anfang August entlassen und ging danach unbehelligt seiner Wege. Im Somer 1945 versteckte er dich in den Wäldern um Günzburg. Im Herbst verdingte er sich als Knecht auf dem Bauernhof „Lechnerhof“ in Mangolding (in Oberbayern).
Vom 1. August 1948 bis Anfang 1949 verliert sich seine Spur. Fakt ist, Mengele verlässt den Lechnerhof und setzt seine Flucht weiter fort. Der nächste Ort, an dem seine Spur wieder entdeckt wird, ist Genua. Hier kommt Mengele, der jetzt Helmut Gregor heißt, am 15. April 1949 an. Die gefälschten italienischen Papiere verhelfen ihm zum Sprung über den Teich. Er muss aus Europa weg, soviel war ihn schon nach Auschwitz klar. Das Schiff „North King ist sein Weg raus aus dem besiegten und zerstörten Europa. Am 25. Mai 1949 geht seine Flucht weiter nach Argentinien. Ein Land, das viele ehemalige Soldaten des NS-Reichs beherbergt bzw. gezielt anwirbt, genauso wie flüchtige Kriegsverbrecher. Man spricht von 20 000 Deutsche, die in Südamerika Zuflucht suchten und in Deutschland auf der Fahndungsliste standen.

 

 

 

Am 20. Juni 1949 began für Josef Mengele ein neues Leben, er erreicht Buenos Aires und lässt sich dort nieder. Ein Auslieferungsabkommen gibt es nicht und seine finanzielle Situation ist durch seine Familie in Günzburg gesichert. Die deutsche Justiz zeigt noch wenig Interesse bei der Verfolgung von NS-Verbrechern und so ist die Sonne Argentiniens der einzige Beobachter Mengeles.
Am 3. August 1958 kommt es dann doch zu einer Strafanzeige gegen Josef Mengele, eingereicht von dem Journalisten Ernst Schnabel. Ein erster Haftbefehl wird ausgestellt und Mengele fühlt sich nun nicht mehr sicher genug. Er flieht nach Paraguay, erhält die Staatsbürgerschaft unter dem Namen José Mengele und sieht sich nun auf der Flucht vor der Justiz. Eine Flucht, die 1960-75 nach Brasilien führt und den alternen Doktor in die Isolierung treibt. Sein Haus in Sao Paulo ist leer und Mengele sein einziger Bewohner. Gerade deshalb und weil nur wenig über die Zeit zu erfahren ist, entstand der Mythos Mengele, vor allem was seinen Tod betrifft.

 


(Hier liegt Mengele bgraben)

 

Josef Mengele erlitt am 7. Februar 1979 im brasilianischen Badeort Bertioga beim Schwimmen einen Schlaganfall und ertrank. Er wurde angeblich unter dem Namen Wolfgang Gerhard in Sao Paulo beerdigt. Ist es wirklich so geschehen? Seine Leiche wurde am 5. Juni 1985 erstmals entdeckt und exhumiert. Die Identität wurde bestätigt, doch viele Leute und auch ausländische Institutionen verweigern eine Bestätigung hatten immer noch starke Zweifel.

 

Erst 1991 konnte Josef Mengele zweifelsfrei durch eine DNA-Analyse Identifiziert werden

 

2004 wurden in Brasilien Briefe und Tagebuchnotizen Mengeles veröffentlicht. Der Zufallsfund wirft Licht auf einige der letzten Gedanken und Lebensumstände des SS-Arztes. In den Schriftstücken wird deutlich, dass Mengele keine seiner Taten bereute und bis zu seinem Tod ein überzeugter Nationalsozialist blieb, der seine Schuld leugnete. Er verteidigte die „Andersartigkeit der Rassen“.

 


(Eine Überlebende aus den Testguppen Mengeles in Auschwitz)

 

Quellen

Gerald L. Posner / John Ware, Mengele - Die Jagd auf den Todesengel, Aufbau Verlag 1993.
Ulrich Völklein, Josef Mengele - Der Arzt von Auschwitz, Steidl Verkag 1999.
Lucette Matalon Lagnado / Sheila Cohn Dekel, Die Zwillinge des Dr. Mengele - Der Arzt von Auschwitz und seine Opfer, Rowohlt Verlag 1994.
Sven Keller, Günzburg und der Fall Josef Mengele - Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher, Oldenbourg 2003.

http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Mengele (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.mengele.dk/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ ... index.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://en.wikipedia.org/wiki/Josef_Mengele (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.auschwitz.dk/mengele/id17.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.gesch.med.uni-erlangen.de/ge ... ext_03.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.conservapedia.com/Josef_Mengele (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.bild.de/BILD/news/vermischte ... hmann.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.kawvalley.k12.ks.us/schools/ ... iments.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.dailymail.co.uk/news/article ... LTERS.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.bild.de/BILD/news/2010/02/08 ... raten.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.schoah.org/kz/auschwitz.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ ... index.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.auschwitz.dk/mengele/id17.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.welt.de/themen/Josef+Mengele/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)



Autor: Freiherr von Woye

Das Thema

Das Nanking-Massaker

 

 

Vorwort

Vorwort



Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, in dem Japan auf den Seiten der Entente gekämpft hatte, konnten die damaligen deutschen Territorien Kiautschou, die Marianen, Karolinen, Marshall-Inseln und Palau übernommen werden. In der damals als Taishō-Ära bekannten Zeit, durchlebte Japan eine ähnliche Entwicklung wie seinerzeit Deutschland in der Weimarer Republik, und ebenso scheiterten erste aufkeimende demokratische Bewegungen. Konservative Kreise und das Militär gewannen mehr und mehr an Bedeutung und führten Japan, unter dem Deckmantel der allmächtigen Führung des Tennō Hirohito, „dem vom Himmel gesandten Herrscher“, in das Zeitalter des Shōwa. Einem totalitären Staat, zu welchem auch Deutschland im sogenannten „3.Reich“ werden sollte. Die absoluten Herrschaft des Tennō jedoch, beruhte nicht auf der, zunächst erwählten und später erzwungenen Diktatur wie der Deutschlands, sondern war tief verwurzelt in der Tradition und der (vererbten) und tief verehrten Göttlichkeit des Kaisers, seinem gottgegebenen und nicht anzuzweifelnden Rechtes. Eine Tatsache, die viele für den Westen als unverständlich und nicht rational erscheinenden Taten der Japaner, sowie des einzelnen in der Gesellschaft rückwirkend, eher verständlich werden lassen. Mehr noch als Fanatismus und Propaganda waren es diese tiefe Überzeugung in der Gesellschaft, welche noch aus mittelalterlichen Strukturen heraus bestanden.
Es bestand die Überzeugung, dass das die Interessen des Einzelnen zum Wohle des ganzen Volkes unterzuordnen war. Der Satz „Stärke durch Einheit“ traf in der damaligen Zeit auf kein Volk so sehr zu wie auf das Japanische. All dieses konnte von der machthabenden Generalität unter Zustimmung des Kaisers ausgenutzt werden, um Ihre Position zu stärken. Eine blinde und fanatische Aufopferungsbereitschaft, wie die der späteren „Kamikaze“ Flieger, wären nach heutigem Maßstab eher mit radikal-religiösen Selbstmordattentätern, als mit denen verblendeter/verzweifelter Deutscher Soldaten oder Hitlerjungen zum Ende des Krieges zu vergleichen. Das japanische Volk glaubte somit fest an sein gottgegebenes Recht der „Superiorität“, die Vormachtstellung in Asien innezuhaben und „minderwertige Rassen“, wie Chinesen oder Koreaner zu beherrschen. Dieses und die gleichzeitig totalitäre Kontrolle der Bevölkerung, ließ keinerlei Opposition zu.
Bedingt durch die japanische Mentalität, Fehler als Schande anzusehen (selbst heute noch in vielen Situationen zu erkennen) wurden alle während dieser Zeit verübten Taten eher totgeschwiegen als zugegeben. Entschuldigungen stehen im direkten Kontrast zur Japanischen Tradition, da hierdurch „das Gesicht verloren“ wird. Dieses mag ein Grund dafür sein, dass die Japanische Kriegsgeschichte, anders als die des 3. Reiches in Deutschland, bis heute nur mangelhaft aufgearbeitet wurde und eher Schweigen und Ignoranz als offene Diskussion bestehen. Viele Begebenheiten werden bis zum heutigen Tage in Japan abgestritten. Einem der während der 30er Jahre unbestreitbar geschehenen Gräuel soll dieser Bericht gewidmet sein - dem Massaker von Nanking.
 

 

Showa Ära

Die Shōwa-Ära

 

Japan, innerlich erstarkt in nationaler Einheit, vereint unter dem Banner der „aufgehenden Sonne“, einem schon selbst symbolträchtigen Bild, strebte zu Beginn der 30er Jahre eine koloniale Ausweitung, wie sie es noch nie in der Geschichte des Landes gegeben hatte, an. Die Besetzung neuer Gebiete und Kolonien sollten endgültig die Vormachtstellung sichern und Japan unumkehrbar in das 20. Jahrhundert führen, sowie ausreichende Ressourcen für das Aufstrebende und wachsende Land sichern. China, selbst in den letzten Jahren durch zahllose Unruhen, Bürgerkrieg und die Herrschaft verschiedener Kriegsherren völlig zerschlagen und uneins, bot sich für Japan als ideales Ziel seiner Expansion an. Die Mandschurei wurde nahezu in einem Handstreich von japanischen Truppen 1932 besetzt und zum Königreich Mandschuko, unter der „Herrschaft“ des ehemaligen Chinesischen Kaisers Pu Yi, ernannt.

 


(Skulptur im Nanking Massaker Museum)

 

Es begann im Jahr 1931...
Am 18. September wurde eine Eisenbahnbrücke in der Nähe der Südmandschurischen Stadt Mugden bei einer Explosion schwer beschädigt. Das Japanische Gouvernement machte umgehend vermeintliche Rebellen dafür verantwortlich und besetzte noch in derselben Nacht. Der sogenannte „Mugden Zwischenfall“ wurde zum Auslöser der Besetzung der Mandschurei. Alle Appelle Chinas an den Völkerbund und dessen Aufforderung an Japan, sich auf Grund der Verstöße gegen den Briand-Kellog Pakt, die Satzung des Völkerbundes, sowie das Neun Mächte Abkommen aus der Mandschurei zurückzuziehen, verhallten ergebnislos. Am 18. Februar 1932 wurde die Mandschurei zum Sattelitenstaat Japans. Erst ein Jahr später, nach dem verhängnisvollen Bombardement von Shanghai und dessen anschließende Besetzung, in dem nahezu 20.000 Menschen getötet wurden sowie der Eroberung zahlreicher andere Chinesischer Provinzen, trat Japan, nach erneuten Protesten des Völkerbundes, einfach aus der Staatengemeinschaft aus. Sowohl im Falle Japans, als auch Deutschlands sollte sich die Hilflosigkeit des Völkerbundes, des direkten Vorgängers der „Vereinten Nationen“

 

In den folgenden Jahren sollte China, das Land und die Leute unter der gnadenlosen Herrschaft zu leiden haben



Ein Schusswechsel zwischen chinesischen und japanischen Soldaten, auf der Marco Polo Brücke am 7. Juli 1937, löste den von japanischen Nationalisten schon länger vorbereiteten Krieg gegen das zerrissene China aus. Der chinesische Bürgerkrieg zwischen Tschiang Kai-Schecks Kuomintang-Regierung (den konservativen Kräften) und den Kommunisten unter Mao-Tse Tung, ging in einen gemeinsamen Abwehrkampf gegen Japan über. Der Beginn des Japanisch-Chinesischen Krieges.

Vormarsch

Der Weg nach Nanking

 

 

 

Noch vor Sonnenaufgang des 5. November 1937 landete die 6. Division (Kumamato), die 18. Division (Kurume) und die 114. Division (Utsunomiya), unter starkem Gegenfeuer an einem Flussarm des Hangzhou Flusses in der Nähe von Jinshanwei. Es handelte sich um eine Geheimoperation unter dem Schutz von mehr als 100 Schiffen der kaiserlichen Marine und es sollte der Beginn der bis dahin größten geplanten Operation der Japaner und dem Niedergang der Hauptstadt Nanking nach mehr als dreißig Tagen werden. Weitere 5 Divisionen der Japaner änderten Ihr Ziel nach verstärktem Wiederstand der Kuomintang ebenfalls auf Nanking. Die nun mehr als 100.000 Mann starke 10. Armee der "Schanghai Expeditionsarmee", unter General Matsui, waren bereit zum Sturm auf die Stadt.

Die Japanische Zeitung Asahi Shimbun titelte damals:

 

"Offizielle Bekanntmachung des Kriegsministeriums: Teile der Arme konnten mit der Unterstützung der Seestreitkräfte eine komplizierte Landung unter schwerem feindlichen Feuer nördlich der Hangzhou bay durchführen. Die Landung war ein großer Erfolg."

 

Direkt nach der Landung wurden Zahlreiche Ballons gestartet, welche mit Propaganda Blättern verkündeten "Eine Million Japanische Soldaten nördlich von Hangzhou gelandet!" Sie sollten die Moral der Nationalistischen Truppen untergraben. Auch wenn es sich bei den gelandeten Truppen um weit weniger als eine Million gehandelt hatte verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Die Truppen der Kuomintang flohen nach Norden..

Die Memoiren eines Japanischen Soldaten aus dieser Zeit, Hino Ashihei, sollten noch später als Zeugnis vieler Kriegsgegner zitiert werden obwohl dieser es seinerzeit nicht mit der direkten Absicht geschrieben hatte. Folgend ein Zitat aus Hinos Schriften über die Eroberung eines Bunkers.

 

"Die Chinesischen Soldaten strömten aus dem Bunker, eigentlich sahen alle genauso wie Japaner aus. Es schien, als wären Sie von einer Handgranate erwischt worden und so kamen sie alle nacheinander hervor, der eine nach Luft ringend, der andere mit verkohltem Gesicht. dem einen war das Kinn weggesprengt worden, dem anderen hing die linke Backe in Fetzten vom Gesicht. Sie krümmten sich, hielten die Hände zusammen mit einem nach Gnade winselnden Gesichtsausdruck.....Wir dachten, dass niemand mehr drin war, doch dann hörte ich ein wimmern und Stöhnen aus der Dunkelheit. Ich konnte weitere Soldaten auf dem Boden im Dreck liegend entdecken. Ich fuhr mit meiner Hand zur Pistole. Doch es war kein stöhnen, sie alle weinten jämmerlich. ich bückte mich herunter und berührte einen der Soldaten. "Lai, Lai" sagte ich "komm, Komm" Sie standen schließlich auf. Es kamen junge Gesichter zum Vorschein, es waren noch Kinder. Sie lehnten sich an mich und sagten etwas. ich konnte sie natürlich nicht verstehen. Einer von Ihnen nahm ein Notizbuch aus seiner Jacke und zeigte mir ein Foto.. Es war das Foto seiner Mutter. ich konnte erahnen was sie sagten und es schien als wären sie Brüder. Sie flehten mich an sie nicht zu töten, und ich ließ sie vor mir aus dem Bunker gehen und stimmte zu sie nicht zu töten..Ein unbeschreiblicher Gesichtsausdruck des Glücks kam über die Gesichter der Jungen..Ein Soldat nahm sie in Empfang und führte sie in das Lager. Als ich später in das Lager zurückkahm und nach den Gefangenen fragte sagte Yoshida: "Wir haben sie alle getötet!". ..36 Mann lagen mit Elektrokabeln gefesselt in einem schlammigen Graben, erschossen..Als ich gerade weggehen wollte sah ich, wie einige der Körper sich noch bewegten. Ein junger Soldat lag da auf all den Leichen und schaute mich stumm an. Sein Gesichtsausdruck, so klar und direkt erschreckte mich. Er zeigte mit seiner Hand auf seinen Brustkorb und wollte mir sagen, dass ich Ihn töten solle... ich zögerte nicht und drückte den Abzug. Truppführer Yamazaki kam zu mir angerannt und schrie mich an "warum ich im Angesicht des Feindes einen Schuss verschwendet hätte?" ich wollte Ihn fragen "warum er so etwas schreckliche getan hätte" aber ich konnte nicht. Ich ging schweren Herzens"

 

Die Hauptstreitmacht der Japaner rückte weiter nach Norden vor, alles vernichtend, was Ihnen in den Weg kam. Verbrannte Hütten, Menschen getötet wie Vieh. Das Oberkommando gab die "drei Regeln" aus "Verbrennen, Töten, Plündern!". Ganze Dörfer wurden vernichtet, überall die Kadaver von Mensch und Vieh. Alleine auf dem Weg fielen hunderte von Chinesinnen und sogar Kinder der Vergewaltigung durch Soldaten zum Opfer. So wurden die, die nicht rechtzeitig fliehen konnten mit den Bajonetten aufgespießt oder bei lebendigem Leibe in Ihren Hütten verbrannt.
Innerhalb von 3 Tagen waren 80% der Siedlung Jinshanwei vernichtet. Es wurden 1,015 Tote gezählt.

Nur eine weitere Siedlung von vielen, die den Japanern zum Opfer fiel war Shanyang. Es wurde berichtet, dass von den 351 Toten 137 älter als 60 Jahre alt, 21 Kinder und die restlichen im mittleren Alter waren. 2048 Menschen wurden zur Zwangsarbeit rekrutiert, von 72 von Ihnen wurde nie mehr etwas gehört. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Bevölkerung von Shanyang ca. 15.000 Menschen. 957 Wassermühlen wurden zerstört, ca. 18 Hektar erntereife Reisfelder sowie ca. 35 Kubik Tonnen Reis wurden verbrannt. desweiteren wurden unbestimmte Mengen an Baumwolle sowie 2,335 Klafter Brennholz vernichtet.

 

 

 

In einem kleinen Dorf namens Yangjia wurden 123 der 130 Häuser niedergebrannt und 49 Menschen getötet. Insgesamt wurden 12 ganze Familien ausgelöscht. Pei Yinbao lebte in Yangjia. Ihr Sohn Qi Zugen wurde mit einem Bajonett aufgespießt und Ihr drei Jahre alter Enkelsohn wurde mit einem Messer in zwei Hälften gespalten. Danach schnitten japanische Soldaten Ihr bei lebendigem Leibe die Brüste ab und erstachen sie. Die Tochter Ihres Sohnes, die die Geschichte berichtete, entkam den Tod nur knapp indem Sie sich unter dem Fußboden versteckte.

Im Dorf Jianguo wurde Li Quanbo erschossen, als sie mit Ihrer sieben Monate alten Tochter das Haus verließ. Sie fiel auf einen Reissack und das Baby wurde , immer noch an der Brust der toten Mutter saugend, gefunden. Zhu Jiahe (das Baby) überlebte und starb im Alter von 69 Jahren im Jahr 2006 in Shanghai. Sie hat bis zu Ihrem Tod den Japanern nie verziehen.

Drei Männer aus Xiangyang, Zhue Jiahe, Shen Yougen und Cheng Amei versteckten sich in einem Reisfeld, wurden aber gefunden und in das Haus von Hu Asai verschleppt. Die japanischen Soldaten rissen ihnen die Kleider vom Leib, hackten ihnen Arme und Beine ab und hingen die Gliedmaßen am Giebel auf, danach brannten Sie das ganze Haus nieder.

 

Die Reihe der Gräueltaten auf dem Weg nach Nanking könnte noch unendlich weitergeführt werden....

Das Massaker

Das Massaker von Nanking

 

 

 

Als die 10. Armee Nanking erreicht hatte, folgte ein Bombardement Tag und Nacht. Am 12. Dezember 1937 befahl die völlig hilflose und unterlegene Chinesische Garnison den Rückzug.
Die in Panik geratenen chinesischen Soldaten versuchten krampfhaft sich ihrer Uniformen zu entledigen um in Zivilkleidung fliehen zu können. Es wurde berichtet, dass sogar chinesische Zivilisten überfallen wurden, nur um an die Kleidung zu kommen. Während der Flucht über den Fluss Jangtsekiang wurden zahlreiche Menschen versehentlich von eigenen Truppen erschossen oder ertranken im reißenden Strom.

 

Am 13. Dezember besetzten die Japaner Nanking

 

 

 

In einer sechs Wochen andauernden Orgie der Gewalt wurden nach unterschiedlichen Schätzungen und Berichten zwischen 100.000 und 300.000 Menschen in Nanking ermordet, eine Stadt förmlich ausgelöscht. Völkermord wurde in bis dahin unbekanntem Maße verübt. Schätzungen gehen von mehr als 20.000 Vergewaltigungen aus, die genaue Zahl dürfte allerdings viel höher liegen. Zahlreiche Berichte der Überlebenden und Tagebuchaufzeichnungen der Japanischen Soldaten beweisen diese unumstößliche Tatsache...
Einer Tat, die auch selbst heute in Japan eher verschwiegen als ausgesprochen wird. In ganz Asien herrscht seitdem eine zurückhaltende bis feindliche Haltung gegenüber Japanern
... bis heute.

Während der Besatzung und des Massakers von Nanking, gelang es dem Deutschen John Rabe, welcher für die Firma Siemens in Nanking seinerzeit tätig war, durch die Errichtung einer Schutzzone von mehrenden Quadratkilometern sowie auf seinem eigenen Grundstück mehr als 200.000 Chinesen das Leben zu retten. Nach Rabes Rückkehr 1938 nach Deutschland konfrontierte er die Deutsche Führung mit den Gräueltaten und erhoffte, dass diese auf die Japaner Einfluss nehmen könnten. Seine Hoffnungen verliefen im Sand und er wurde sogar kurzzeitig von der Gestapo verhaftet. Zum Schweigen verurteilt wurde er schließlich entlassen. Seine Erinnerungen sind heute in den veröffentlichten persönlichen Tagebüchern, als schockierendes Dokument der Zeitgeschichte nachzulesen.

 

3 Jahre nach dem Massaker verbündete Deutschland sich mit Japan und bildete mit Italien am 27. September 1940 "die Achse"

Quellen

The Nanjing massacre: a Japanese journalist confronts Japan's national shame – ISBN0-7656-0334-9
Eyewittness to massacre - ISBN07656-0684-4


http://www.nanking-massacre.com/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)
http://www.uni-hamburg.de/Japanologie/n ... rez_07.pdf (Letzter Zugriff 14.09.2010)



Autor: Gastronaut

Das Thema

Hiroshima

 

Friedensdenkmal in Hiroshima

Von original photo: Dean S. Pemberton (derivative work: Torsodog) - Original: HiroshimaPeaceMemorialPanorama.jpg – Eigenes Werk (Dean S. Pemberton), GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5985044
(Panorama des Friedensparks mit dem Friedensdenkmal in Hiroshima)

 

Schattenmann

There's a shadow of a man at Hiroshima

 

Vorwort

Zum Beginn und als Vorwort, die offiziellen Pressemitteilungen von damals

 

Sonntag, 5. August 1945 Guam

Das Hauptquartier der USAAF gibt bekannt:

Superfortresses B-29 warfen mehr als 3 Millionen Flugblätter mit den Kapitulationsbedingungen des in Potsdam veröffentlichen Ultimatums über Japan ab.
Es wurde zwar nicht bekannt gegeben, über welchen Gebieten diese Abwürfe erfolgten, aber aus ihrer Zahl kann geschlossen werden, dass die Einwohner von mindestens 50 japanischen Städten die Proklamation lesen konnten, die zum Sturz der Kriegstreiber und zur Kapitulation auffordert.

 

Hiroshima vor dem Atombombenangriff und danach

Von John feather - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5
(Modelle von Hiroshima vor dem Atombombenangriff und danach, ausgestellt im Hiroshima Peace Memorial Museum)

 

Montag, 6. August 1945 Washington

Präsident Truman gibt bekannt :

US-Bomber haben heute über dem japanischen Stützpunkt von Hiroshima eine ganz neue Art von Bomben abgeworfen, sogenannte Atomic Bombs.
Wir haben für die Herstellung dieser Bomben 2 Milliarden Dollar ausgegeben, aber damit eines der schwierigsten wissenschaftlichen Vorhaben gelöst.
Präsident Truman teilte ferner mit, dass die Deutschen ebenfalls an einem Verfahren gearbeitet hätten, um solche Bomben herzustellen,
ihre Versuche seien jedoch gescheitert.
Truman stellte fest, die Verwendung der neuen Sprengstoffe stellte die Antwort der Alliierten auf die japanische Zurückweisung des Potsdamer Ultimatums dar.

 

Dienstag, 7. August 1945 Tokio

Das Kaiserliche Hauptquartier gibt bekannt :

Der Feind hat bei seinen Luftangriffen auf die Stadt und die Präfektur von Hiroshima gestern offensichtlich eine neue Art von Bomben verwendet.
In Hiroshima wurde nur eine geringe Zahl neuartiger Bomben abgeworfen, die jedoch erheblichen Schaden anrichteten.
Die Untersuchungen über ihre Auswirkung sind voll im Gange.

 

Mittwoch, 8. August 1945 Guam

Der Kommandeur der Strategischen US-Luftstreitkräfte im Pazifik
General Spaatz, gibt auf einer Pressekonferenz bekannt:

Nach ersten Augenzeugenberichten über den Abwurf einer Atombombe auf Hiroshima werden alle Mitteilungen über technische Einzelheiten der Bombardierung abgelehnt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auf den Marianen weitere Superfestungen mit Atombomben für Angriffe bereitstehen.
Die japanische Bevölkerung werde jedoch erst mit Flugblättern vor der drohenden Gefahr der Vernichtung gewarnt. Die Mannschaft der B-29 Superfortress, die eine Atombombe auf Hiroshima abwarf , steht bis heute noch unter dem Eindruck des Erlebten. Sie erzählt, wie eine riesige pilzförmige Rauchwolke zwölf Kilometer hoch zum Himmel emporschoss und die ganze Stadt Hiroshima einhüllte. Aus der anfänglichen Euphorie wurde schnell Ernüchterung und später mussten Besatzungsmitglieder von Psychiatern behandelt werden.

Dazu der Flugzeugführer, Colonel P.W. Tibbets :
Wir flogen bei guter Sicht unser Ziel ,die Stadt Hiroshima ,an.
Um 9.15 Uhr wurde unsere Bombe ausgelöst.
Nur Captain Parsons, der Bombenschütze Major Ferebee und ich wussten, was wir abgeworfen hatten. Den anderen Besatzungsmitgliedern war lediglich bekannt, dass wir eine neue Waffe anwenden wollten.
Wir wussten, dass wir uns sofort nach dem Abwurf der Luftdruckwirkung entziehen mussten, und machten eine scharfe Wendung. Was wir dann sahen, ist schwer zu beschreiben.
Unter uns schoss mit ungeheurer Schnelligkeit eine riesige Rauchwolke empor. Wo noch wenige Minuten vorher deutlich eine Stadt mit Straßen , Häusern , Piers, und Parkanlagen vor uns lag, war nichts mehr zu sehen. Alles ging so schnell vor sich, dass wir die einzelnen Phasen der Explosion nicht beobachten konnten.
Wir spürten nur die Hitze des Blitzes und die rasch aufeinander folgenden Luftdrückstöße, die uns wie in unmittelbarer Nähe der Flugzeuges krepierende Flakgeschosse vorkamen.

Captain Parsons :
Der grelle Blitz war das erste Zeichen, dass die Bombe gezündet hatte.
Ich sah dann einen Riesenpilz wirbelnden Staubes, in dem Trümmer bis zu 6 Kilometer hoch empor geschleudert wurden.

Auf die Frage warum gerade Hiroshima für den ersten Angriff gewählt wurde, erwiderte der General :
Weil es eine wichtige Industriestadt ist, das ist alles.

Spaatz wiederholte dann die eingeleitete neue Flugblattkampagne, die die japanische Bevölkerung vor den Angriffen mit der neuen Waffe warnen soll.

 

Mittwoch, 8. August 1945

Radio Tokio meldet :

Mit der allmählichen Wiederherstellung der Ordnung nach der verheerenden Zerstörung, die die Stadt Hiroshima durch die Anwendung der feindlichen Bombe neuen Typs am Montagmorgen traf, beschäftigt, sind die Behörden noch nicht in der Lage, eine endgültige Übersicht über das Ausmaß der unter der Zivilbevölkerung entstandenen Verluste zu erlangen.
Sanitätstrupps, die von den benachbarten Distrikten herangezogen wurden, waren nicht imstande, die Toten von den Verwundeten zu unterscheiden, geschweige denn sie zu identifizieren.
Die Wirkung der Bombe war so fürchterlich, dass praktisch alle Lebewesen, Menschen und Tiere, durch die schreckliche Hitze und den durch die Explosion erzeugten Druck buchstäblich zu Tode versengt wurden. All die vielen Toten und Verwundeten waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Angesichts der vernichteten Häuser und Bauwerke, darunter auch die medizinischen Einrichtungen für Katastrophenfälle, haben die Behörden alle Hände voll zu tun, um jede unter den Umständen verfügbare Hilfe zu leisten.
Die Bombe zerstörte im weiteren Umkreis alles. Wer sich im Freien befand, wurde zu Tode verbrannt, während die Leute die in den Häusern durch den unbeschreiblichen Druck und die Hitze getötet wurden. Die von den Vereinigten Staaten im Krieg gegen Japan angewandten Methoden haben an entsetzlicher Grausamkeit die von Dschingis Khan übertroffen.

 

>>>Soweit die damaligen Pressemitteilungen beider Seiten.<<<

 

Die Bombe

Die Bombe von den Voraussetzungen zum Bau bis zum Einsatzbefehl von Präsident Truman

Am 2. September 1938 bat der Mathematiker und Physiker Max Born ,der aus einer Deutsch-jüdischen Familie stammte ,in einem Brief an seinen Kollegen Albert Einstein der ebenfalls emigriert war, Einstein sollte den amerikanischen Präsidenten F.D. Roosevelt davon überzeugen , dass die USA ebenfalls die Atombombe entwickeln sollten um damit ein Drohpotenzial gegen das Nationalsozialistische Deutschland und das Faschistische Italien herzustellen.
Es dauerte aber noch fast ein Jahr bis Albert Einstein und der ebenfalls emigrierte Leo Szilard einen Brief an Roosevelt sendeten ( 2. August 1939) und ihm darin auf die deutsche Atomforschung aufmerksam zu machen und auf deren mögliche Bedrohung.
Beide befürworteten das die USA ebenfalls mit der Atomforschung beginnen sollten.
Den Brief hatte Roosevelt am 11. September 1939 erhalten und er entschied sich das die Advisory Committee on Uranium gegründet wurde ,nun sollte die US Atomforschung mit Hochdruck ausgebaut werden und am 9. Oktober 1941 verfügte der Präsident der Vereinigten Staaten den Bau einer Atombombe.
Am 7. Dezember 1941 hatte die Trägerflotte Japans den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii angegriffen, und am 8. Dezember erklärten die USA dem Kaiserreich Japan den Krieg.
Im August des Jahres 1942 wurde das Manhattan-Projekt gegründet. Die US-Regierung richtete 37 Einrichtungen in 19 Bundesstaaten ein, unter strengster Geheimhaltung, und in Zusammenarbeit mit Atomforschungseinrichtungen in England (ab 1943). Chef des Manhattan-Projektes war Robert Oppenheimer, die Kosten des Projektes sollten am Ende zwei Milliarden US-Dollar betragen.
 

Julius Robert Oppenheimer 

(Robert Oppenheimer das Bild zeigt ihn ca.1944, er wird als der "Vater der Atombombe" bezeichnet.)

 

Im Oktober 1942 richtete Robert Oppenheimer unter den Tarnnamen " Site Y " ,den Hauptsitz des Manhattan-Projektes in der Nähe von Los Alamos (New Mexico) ein. Am 2. Dezember gelang dem Physiker Enrico Fermi zusammen mit Leo Szilard die erste Kettenreaktion.
In den ersten Monaten der Jahres 1945 war die Fertigstellung der später genannten "Trinity" Bombe fast beendet und es wurde an zwei weiteren Bomben gearbeitet.
Nach dem Tode F.D. Roossevelt am 12.April 1945 ( er verstarb in Warm Springs,Georgia an den folgen eines Gehirnschlages ) übernahm Harry S. Truman am 16.April das Amt des Präsidenten ,aber es sollte noch bis zum 25.April 1945 dauern bist er von Henry L. Stimson ( Kriegsminister ), James F. Byrnes ( Außenminister ) und dem Leiter General Leslie R. Groves vom Bau der Atombombe erfahren sollte ( "Projekt S1" ).
Das Interim Committee trat am 31.Mai 1945 zusammen um Truman den Einsatz der Bombe zu empfehlen und das zugehörige Scientific Panel beschäftigte sich mit dem Thema welches Ziel am besten für den Einsatz der Atombombe geeignet wäre.

Die Kapitulation des deutschen Reiches am 8.Mai 1945 beendete sämtliche Erwägungen eines Einsatzes der Atombombe gegen deutsche Großstädte. Nun sollte das Interim Committee neue Vorschläge für die weitere Verwendung der Atombombe erarbeiten ,am 10. und 11. Mai kam das dazugehörige Target Committee zu dem Entschluss ,dass die Atombomben gegen noch unzerstörte japanische Industriestädte eingesetzt werden sollten, die auch eine Kriegsindustrie von militärstrategischer Bedeutung besaßen.
Die Städte Kyoto, Hiroshima, Yokohama und Kokura waren als erste Ziele geplant und in Erwägung gezogen worden, der Plan den Kaiserpalast Tokio auch als Ziel zu benutzen wurde aber dann fallengelassen.
Am 1.Juni hatte das Komitee ebenfalls empfohlen ,dass die Bomben ohne Vorwarnung auf diese Ziele abgeworfen werden sollten ohne Rücksicht auf die dort lebende Zivilbevölkerung. Als einziger äußerte der Untersekretär im Kriegsministerium Ralph Bard seine Bedenken gegen die Pläne des Abwurfes.
Der am 11. Juni 1945 erstellte "Franck-Report" befürwortete eine öffentliche Demonstration der Atombombe ,bevor diese dann eingesetzt werden sollte ,in diesem Report kam aber auch die Warnung vor einem möglichen Wettrüsten vor, und am 16. Juni 1945 wurde im wissenschaftlichen Beirat über den Franck Report diskutiert bevor er an Truman weitergeleitet wurde (19. Juli 1945) ,ob dieser Report jemals von Truman gelesen wurde ,ist nicht geklärt.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich ebenfalls im Juni, der geflüchtete deutsche Physiker und KPD Mitglied Emil Julius Klaus Fuchs übergab einen sowjetischen Kurier mit dem Decknamen "Raymond" die technischen Zeichnungen der Atombombe und das Datum des Trinity Testes, er wurde erst 1949 vom FBI als Sowjetischer Spion enttarnt und zu einer Haftstrafe von 14 Jahren verurteilt ,von denen er aber nur neun Jahre "absitzen" musste.
Er verließ die USA und siedelte in die DDR über.

 

in a wonderland at Hiroshima

Der "Trinity" Test

 

Trinity-Test

(mit der erfolgreichen Zündung der "Trinity" Bombe begann das Atombombenzeitalter)

 

Wieso der Deckname Trinity (Dreifaltigkeit) als Tarnbezeichnung gewählt wurde, ist bis heute nicht genau geklärt. Der technische Leiter des Manhattan-Projektes las gerne Sanskrit und zitierte nach dem erfolgreichen Atomtest aus dem Bhagavad-Gita, er könnte damit auf die Hindu Dreifaltigkeit angespielt haben.
"Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Erhalter), and Shiva (der Zerstörer)"
Eine zweite Möglichkeit für die Namensgebung der Tarnbezeichnung "Trinity " wäre, dass es sich um den Namen einer "verfluchten" und deshalb von den Ureinwohnern der USA verlassenen Türkis-Mine gehandelt haben könnte.
Die dritte Möglichkeit beruht auf einem Gedicht von John Donne, auf dieses könnte sich Oppenheimer ebenfalls bezogen haben. Eine meiner Quellen legt sich auf die dritte Möglichkeit fest, dort soll sich Oppenheimer auf das 14. Sonett von John Donne festgelegt haben dort steht geschrieben :

 

„Zerschlage mein Herz, dreifaltiger Gott“.

 

Der 16. Juli 1945 war das Datum an dem auf dem Alamogordo-Testgelände. Die Wüste, in der zum ersten Mal eine Atombombe gezündet wurde, trug zufälliger Weise den Namen "Jornada del Muerto" (Reise des Todes) trug. Der Test wurde als notwendig erachtet da es zuvor noch keine vergleichbaren Bomben gab.
Die ersten Teilnehmer der Versuches trafen bereits im Hauptlager um 2 Uhr morgens ein das gut 16 Km vom Explosionsort entfernt war. Es war vorgesehen das die Testbombe ( Codename Gadget ) ,die auf einem 30 m hohen Stahlturm befestigt war, in der White Sands Missile Range im US-Bundesstaat New Mexico um 4 Uhr gezündet werden sollte. Das schlechte Wetter sorgte aber für eine Verzögerung und so wurde Atombombentest um 05:29:45 Uhr durchgeführt.
Alle Erwartungen der Anwesenden wurden übertroffen ,die Sprengkraft der Bombe entsprach etwa 20.000 Tonnen TNT ,der Blitz soll noch 300 km entfernt zu sehen gewesen sein. Die Druckwelle der Explosion war noch 160 Km entfernt zu spüren gewesen. Der Atompilz stieg auf eine Höhe von 12 Kilometern und die Hitze der Explosion schmolz den Sand in der Nähe des Turmes zu einer grünen glasigen Kruste den man den Namen "Trinitit" gab, und der Explosionskrater war 3m tief und hatte eine Breite von 330 Metern.

 

Der Stellvertreter von General Groves soll die Atomexplosion so beschrieben haben:

"Das ganze Land war erhellt von einem versengenden Licht, dessen Stärke viele Male größer war als das der Mittagssonne... dreißig Sekunden später kam zuerst die Explosion, der Luftdruck prallte hart gegen die Leute und Dinge, und dann folgte fast unmittelbar ein lautes anhaltendes schauerliches Donnern, wie eine Warnung vor dem Jüngsten Tag, das uns spüren ließ, dass wir winzige Wesen in blasphemischer Weise wagten, an die Kräfte zu rühren, die bis dahin dem Allmächtigen vorbehalten waren. Worte reichen nicht aus, um denen, die nicht dabei waren, den Eindruck wiederzugeben, den wir körperlich, geistig und seelisch erfuhren. Man muss Zeuge gewesen sein, um es sich vorzustellen."

 

General Growes sagte lediglich zu General Farrell :

"Der Krieg ist aus. Eine oder zwei von diesen Dingern, und Japan ist erledigt."

 

Ein weiteres Zitat von Kenneth Bainbridge, der das Projekt "Trinity" leitete.

"Jetzt gehen wir alle als Dreckschweine in die Geschichte ein"

 

Detonitatioskraters des "Trinity-Testes"

(Ansicht des Detonitatioskraters des "Trinity-Testes")

 

Ein paar Minuten nach dem Test verließ die USS Indianapolis San Francisco in Richtung Tinian ,an Bord befand sich auch der "Little Boy" und der "Fat Man" beide Bomben sollten dort für einen Einsatz vorbereitet werden. Noch am selben Tag erfuhr Präsident Truman in Berlin von dem erfolgreichen Atombombentest, auch Winston Churchill bekam die Nachricht übermittelt.
General Dwight D. Eisenhower ( Nachfolger von Truman als Präsident der Vereinigten Staaten ) sagte später das der Einsatz der beiden Atombomben schon festgestanden hatte obwohl er Truman davon abgeraten haben soll ,weil Japan bereits die Kapitulationsbereitschaft signalisiert hatte. Die Vereinigten Staaten hätten es damit nicht mehr nötig die Bomben noch einzusetzen.

 

Truman soll in sein Tagebuch geschrieben haben :

„Ich glaube, dass die Japsen klein beigeben werden, ehe Russland eingreift.“

 

Nach der Explosion behauptete das Militär ,dass ein Munitionslager explodiert sei und so erfuhr die Öffentlichkeit nichts von dem Atomtest. Die Wissenschaftler informierten ihre Kollegen obwohl es ihnen verboten worden war.
Viele der Wissenschaftler wollten damals das die Wirkung der Bombe öffentlich bekannt gemacht werden sollte um Japan noch die Möglichkeit noch zu geben zu kapitulieren. Sie wollten auch eine internationale Kontrolle der neuartigen Waffe, doch diese in einer Petition gemachten Vorschläge wurden als Geheim eingestuft und das Dokument durfte nur unter Bewachung ,was aber nie geschah, weitergeleitet werden und so verblieb die Petition die insgesamt 67 Wissenschaftler unterschrieben hatten im Tresor.
Der hohe Turm, auf dem die Bombe befestigt war sorgte dafür, dass sich der radioaktive Fallout auch durch die Eigenschaften des Geländes in der Umgebung verteilte. Die Farmer die in der Nähe lebten und arbeiteten sahen noch vier bis fünf Tage nach dem Test den Fallout der das Aussehen von Mehl hatte. Viele der Bewohner dort benutzten das Regenwasser auch als Trinkwasser und durch die Geheimhaltung wurde auch keiner informiert wie er sich Schützen konnte oder wurde aus der Umgebung der Testzone evakuiert.
Die Messdaten der Geräte, die damals noch sehr ungenau waren ergaben eine Belastung von 1,4 µC/kg/s über das Ausmaß der Verstrahlung durch das 4800 Gramm ungespaltenes Plutonium ganz zu schweigen. Bis in die heutige Zeit steht noch immer nicht fest, wie hoch für die Bevölkerung dort die Dosis der Luft-, Wasser- und Nahrungsmittelkontamination war.

 

Die Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis zum 2. August 1945

 

Winston Churchill,Harry S. Truman und Josef Stalin 

(v.l.n.r. "Die großen drei, Winston Churchill,Harry S. Truman und Josef Stalin")

 

Die "Großen Drei" ( Truman,Stalin und Churchill später Atllee ) trafen sich zur Potsdamer Konferenz am 17. Juli 1945 auf dem Schloss Cecilienhof ,um nicht nur über die Zukunft Europas zu entscheiden, sondern man besprach auch wie der Krieg gegen Japan fortgesetzt werden sollte. Die Regierung Japans hatte sich schon am 13.Juli 1945 an die Regierung der Sowjetunion gewandt, mit der Bitte das diese sich als Vermittler für Friedenverhandlungen zur Verfügung stellen sollte.
Stalin hatte aber eigene Pläne für Asien und verzögerte die Vermittlung von Friedensverhandlungen aus diesem Grunde.
Der japanische Botschafter in der Schweiz Shunichi Kase und sein Militärattaché General Seigo Okamoto hatten im Namen des Kaiserlichen Generalstabs, Allan Dulles einen sofortigen Waffenstillstand angeboten ,die einzige Bedingung war das der Kaiser (Tenno) weiter im Amt bleibt.
Die amerikanische Delegation erhielt am 20. Juli das japanische Waffenstillstandsangebot in Potsdam, aber inzwischen war General Okamoto in Bern durch Harakiri gestorben.
Am Abend des 24. juli 1945 informierte Truman Stalin darüber ,dass die USA eine neue Waffe mit einer ungewöhnlichen Zerstörungskraft besaßen, Stalin hatte daraufhin geantwortet, dass man diese Gebrauchen sollte. Stalin sagte danach zu seinem Aussenminister Molotow: "Die wollen im Kurs steigen". Dieser ( Stalin ) habe nach den Tagebucheintrag von Truman, die Nachricht vollkommen unbewegt aufgenommen.
Es wäre durchaus möglich das Stalin bereits informiert war ,denn er hatte mit Klaus Fuchs einen Spion im amerikanischen Atombombenprogramm und er hatte seinen Geheimdienstchef Lawrenti Beria, die Weisung gegeben den 1943 begonnen Bau der Sowjetischen Atombombe zu beschleunigen.

Der 24. Juli 1945 war das Datum an den Truman dem auf Tinian stationierten Oberbefehlshaber der U.S. Strategic Air Forces in the Pacific General Carl A. Spaatz den Befehl zum Einsatz der Atombombe gab. Spaatz sollte bis zum 3. August alle Vorbereitungen abgeschlossen haben ,er hatte die Handlungsfreiheit was das Ziel betraf, Kyōto die historische und kulturelle Hauptstadt wurde aber als mögliches Ziel , auf Anraten von Kriegsminister Stimson von der Liste gestrichen .

 

Der Befehl hatte folgenden Inhalt :

 

An General Carl Spaatz
Oberkommandierenden der amerikanischen strategischen Luftwaffe
24. Juli 1945

1. Die Sondergruppe 509 der 20. Luftflotte wird ihre erste Spezialbombe, sowie das Wetter nach dem 3. August 1945 Bombardierung bei guter Sicht gestattet, auf eines der nachstehenden Ziele abwerfen: Hiroshima, Kokura, Nagasaki oder Niigata. Zusätzliche Maschinen zur Begleitung des Bombenflugzeuges sind zu stellen, um Offizieren und Wissenschaftlern des Kriegsministeriums die Beobachtung der Bombenexplosion und ihrer Wirkung zu ermöglichen. Die Beobachtermaschinen werden sich einige Meilen vom Explosionsherd entfernt halten.
2. Sowie weitere Bomben zur Verfügung stehen, sind sie auf die obengenannten Ziele abzuwerfen. Für weitere Bombardierungen sind Instruktionen abzuwarten.
3. Alle Verlautbarungen über den Einsatz dieses Kampfmittels in Japan sind dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Kriegsministerium vorbehalten. Ohne vorherige Genehmigung dürfen die Frontbefehlshaber kein Kommunique herausgeben. Alle Presseberichte sind dem Kriegsministerium zur Vorzensur einzureichen.
4. Der obige Befehl ergeht an Sie auf Anweisung und mit Zustimmung des Kriegsministers und des Generalstabschefs der amerikanischen Streitkräfte. Sie werden ersucht, ein Exemplar dieses Befehls persönlich MacArthur und Admiral Nimitz zur Kenntnisnahme auszuhändigen.

Im Auftrag

Thos. T. Handy

 

Am 26.Juli 1945 gab zwei Ereignisse zum einen Winston Churchill wurde abgewählt und Clement Attlee nahm an den Verhandlungen als neuer Premierminister teil. Präsident Truman gab im Namen der Vereinigten Staaten, der Republik China unter Chiang Kai-shek und des Vereinigten Königreichs die Forderung bekannt, das Japan sofort bedingungslos kapitulieren sollte.
Eine Absprache mit der UdSSR ( Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ) gab es dabei nicht, Molotow wollte die Erklärung noch verzögern bis seine Regierung den Nichtangriffspakt mit Japan gekündigt hatte. Die USA wollten nicht mehr das die Sowjetunion noch in den Kriegsschauplatz Asien eingreift.

 

Die Erklärung hatte folgenden Inhalt :

 

„Die volle Anwendung unserer militärischen Macht, gepaart mit unserer Entschlossenheit, bedeutet die unausweichliche und vollständige Vernichtung der japanischen Streitkräfte und ebenso unausweichlich die Verwüstung des japanischen Heimatlandes.“

Man werde Japan vollständig besetzen, seine Führung absetzen und ausmerzen, die Demokratie einführen, Kriegsverbrecher bestrafen, Japans Gebiet auf die vier Hauptinseln begrenzen und Reparationen fordern. Dazu werde man die japanische Industrie erhalten und ihr später wieder Teilnahme am Welthandel erlauben: „Die Alternative für Japan ist sofortige und völlige Zerstörung.“



Diese Forderung konnten die Japaner nur ablehnen weil man damit nicht kapitulieren konnte ohne das "Gesicht" zu verlieren, denn die Forderung betraf auch den japanischen Kaiser ( er hatte für die Japaner eine "gottähnliche" Stellung ), ohne die Bereitschaft zu signalisieren, dass dieser weiter im Amt bleiben durfte war Japan nicht gewillt auf diese Forderung einzugehen.
Die USA hatten ohnehin nicht damit gerechnet das Japan die Forderung zur Kapitulation annehmen würde, daher erfolgte auch der Einsatzbefehl für den Atombombenangriff auch schon vorher. Es wurden in den Monaten zuvor schon Flugblätter über 35 japanischen Städte abgeworfen, darunter auch Hiroshima und Nagasaki, diese enthielten zwar die Warnung das man mit Luftangriffen rechnen müsste, aber von einer Atombombe und deren Wirkung fehlte jedes Wort. Man befürchtete das die japanische Regierung daraufhin Kriegsgefangene als menschliche Schutzschilde in die gewarnten Städte verlegen würde.
Inzwischen war der Kommandeur der Strategischen US-Luftstreitkräfte im Pazifik General Spaatz zu der Auffassung gekommen ,dass Hiroshima das am besten geeignete Ziel sei. In der Nähe von Hiroshima befand sich kein Kriegsgefangenenlager und tatsächlich waren dort nur einige amerikanische Kriegsgefangene .
Die ca. 255.000 Einwohner zählende Großstadt war bisher von Luftangriffen verschont geblieben, dort lebten auch ein paar Deutsche und koreanische sowie chinesische Zwangsarbeiter, und auch die 2. Armee unter Feldmarschall Hata Shunroku hatte dort ihr Hauptquartier und war für die Verteidigung Südjapans zuständig. Daraus ergab sich das Hiroshima als Truppensammelpunkt und zur Lagerung kriegswichtiger Güter diente.
Der Großteil der Gebäude Hiroshimas bestanden, bis auf wenige Betonbauten im Zentrum ,aus Holz. Die US-Militärs gingen von einem Feuersturm aus ,der ebenfalls auch die Industrieanlagen in den Außenbezirken zerstören sollte.

 

28.Juli 1945 Japans Antwort

 

Admiral Baron Kantaro Suzuki

(Admiral Baron Kantaro Suzuki)

Auf einer Pressekonferenz verkündete japanische Premier Admiral Baron Kantaro Suzuki Japans Antwort auf die in der Potsdamer Erklärung geforderten Kapitulationsbedingungen:
 

„Die Regierung findet nichts von bedeutsamem Wert an der gemeinsamen Erklärung, und sieht daher keine andere Möglichkeit, als sie vollständig zu ignorieren ( mokasutsu ) und sich entschlossen für die erfolgreiche Beendigung des Krieges einzusetzen.“

 

Mit der Erwähnung des Wortes "mokasutsu" brachte Suzuki so seine "schweigende Verachtung" zum Ausdruck. Dies geschah zur Wahrung des Gesichtes in einer Pressekonferenz und darum schwächte Togo auch diese Bemerkung nicht ab.
Japan wollte verhandeln und nicht kapitulieren, das Ultimatum von Potsdam hielt man in Tokio für ein Drohritual zur Demoralisierung der Japaner. Man hoffte noch, dass die Sowjetunion als Vermittler bei den Westalliierten auftreten wird.

Am 31. Juli 1945 war der "Little Boy" zusammengefügt und damit einsatzbereit. Der Befehl Trumans zum Abwurf der Bombe traf am 2. August 1945 in Tinian ein, dass schlechte Wetter sorgte dafür, das sder Einsatz der Bombe sich um einige Tage verzögerte.
Obwohl Japan sich Militärstrategisch in einer aussichtslosen Lage befand : Japans Kriegsflotte war fast vollständig vernichtet, die Sowjetunion hatte inzwischen den Neutralitätsvertrags gekündigt, die Amerikaner waren auf der Insel Okinawa eingefallen und von den eroberten Inseln starteten die amerikanischen Bomber ihre Luftangriffe auf die japanische Industriezentren. Trotzdem gab Truman am 6. August 1945 den Befehl für den Einsatz der Atombombe. Die Japanische Bevölkerung ,wurde vor dem Angriff nicht vorgewarnt.

 

Das Ziel

And the world remembers his face - remembers the place was here...

Fly metal bird to Hiroshima...and away your load

 

Die "Enola Gay" startet zum Angriff

 "Enola Gay", es handelt sich dabei um ein Flugzeug vom Typ Boeing B-29

( Abbildung der "Enola Gay", es handelt sich dabei um ein Flugzeug vom Typ Boeing B-29 "Superfortress" )

 

Die Wettermeldungen für Japan sagten einen klaren wolkenlosen Himmel voraus. An Bord der Enola Gay waren es, statt der üblichen 8 Besatzungsmitglieder diesmal 12.
Am Morgen des 6. August 1945 um 2.45 Uhr startete die Enola Gay ( Benannt nach Col. Tibbets Mutter ) in Richtung Japan ,das Ziel des Angriffes war zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt, die drei vorher gestarteten B-29 Bomber sollten über den Städten Hiroshima, Kokura und Nagasaki vor Ort die Wetterlage erkunden um dann per Funk ihre Wettermeldung an die Enola Gay weiterleiten.
Die The Great Artist und die Necessary Evil ( diesen Namen erhielt das Flugzeug erst später ) begleiteten die Enola Gay bei ihrem Einsatz mit Messgeräten und Kameras an Bord.
Der Start war für die Besatzung nicht ungefährlich gewesen, die Enola Gay hatte ein Übergewicht von gut 7 Tonnen, und man befürchtete auch das die Bombe vorzeitig explodieren könnte.

 

Die Besatzung der Enola Gay

Col. Paul W. Tibbets
pilot und CO, 509th Group
Capt. Robert A. Lewis
co-pilot
Capt. Theodore J."Dutch" Van Kirk
navigator
Maj. Thomas W. Ferebee
bombardier
Lt. Morris R. Jeppson
bomb electronics officer
Sgt. Joseph S. Stiborik
radar operator
Pfc. Richard H. Nelson
radio operator
S/Sgt. George R. Caron
tail gunner
S/Sgt. Wyatt E. Duzenbury
flight engineer
Sgt. Robert H. Shumard
assistant engineer
Lt. Jacob Beser
radar countermeasure officer
Navy Capt. William "Deak" Parsons
Manhattan Project Scientist

 

Speak the magic word to Hiroshima

Die Entscheidung ..es wird Hiroshima

 

Als erstes nach dem Start von Tinian flog die Enola Gay in Richtung Iwo Jima und änderte den Kurs dort um ihren Flug in Richtung Japan fortzusetzen. Um 7.09 wurde in Hiroshima der Luftalarm ausgelöst die Straight Flush erreichte die Stadt um die Wetterlage zu erkunden, und um 7.25 Uhr sendete sie der "Enola Gay" die codierte Meldung :

"Wolkendecke weniger als 3/10 in allen Höhen. Rate: Primärziel bombardieren".

 

Nachdem Tibbets die Meldung entschlüsselt hatte sagte er zu seinem Navigator ,van Kirk : >>>Es wird Hiroshima.<<<
Die Japaner hatten zwar auf ihrem Radar die Straight Flush entdeckt ,aber weil es nur ein einziges Flugzeug war wurde der Luftalarm um 7.31 Uhr wieder aufgehoben und die Japanischen Jagdflugzeuge blieben am Boden da man nur davon ausging das dieses Flugzeug als Aufklärer eingesetzt wurde.
Es trafen auch bei der Enola Gay noch die Wettermeldungen aus Nagsaki und Kokura ein ,doch das änderte nichts mehr daran das Tibbets mit dem Anflug auf Hiroshima begann.
Um 8.13 wurde die Enola Gay und ihre Begleitflugzeuge, von einem Beobachter der Chukogu-Regional-Armee gesichtet und ,dieser meldete dies auch sofort nach Hiroshima aber ein weiterer Luftalarm konnte nur noch vorbereitet werden, zur selben Zeit befahl General Carl A. Spaatz, dem Oberbefehlshaber der US-Luftwaffe im Pazifik, die Bombe über Hiroshima abzuwerfen.
Es war 8.15 Uhr als der "Little Boy" an dem drei Fallschirme befestigt waren ,aus einer Höhe von 9.450 Metern abgeworfen wurde, und ein paar Sekunden später meldete Radio Hiroshima noch einmal den erneuten Beginn eines Luftalarms.
Es dauerte 45 Sekunden bis die Bombe ihre Sprenghöhe von ca. 576 m erreichte, das anvisierte Ziel war die T-Brücke über dem Fluss Ota.

 

Der Angriff

let the sky explode

 

8.16 Uhr der Moment an dem die Uhren stehen blieben

 

Es war um 8.16 Uhr als der "Little Boy" mit einen hellen Lichtblitz, nicht wie geplant über der T-Brücke über dem Fluss Ota, sondern über der Shima-Klinik ( es war ein Krankenhaus mit der Geografischen Lage 132°27‘29‘‘ Ost, 34°23‘29‘‘ Nord ) in einer Höhe von ca. 580 m und mit einer Sprengkraft von ca 12.500-13.500 t TNT explodierte.
Die Hitze im Feuerball hatte durch die atomare Kettenreaktion eine Temperatur von mehreren Millionen Grad Celsius, die Hitzewirkung erreichte eine Temperatur von etwa 3000 bis 6000 °C (meine Quellen unterscheiden sich hier). Zum Vergleich der Siedepunkt für Eisen liegt bei 3070 °C.
Das Shima Krankenhaus und alle Menschen die sich in ihm befanden verdampften in Sekundenbruchteilen. Obwohl die Hitzeentwicklung nur einen kurzen Zeitraum aufwies, reichte es aus um auf den Häuserdächern die Ziegel schmelzen zu lassen, das Glas und das Eisen schmolzen ebenfalls, der Asphalt auf den Straßen brannte.
Die Menschen die sich in der unmittelbaren Nähe befanden wurden in einigen Fällen als "Schatten" in die Mauern ,die noch stehengeblieben waren, und in die Gehwege eingebrannt weil ihre Körper für einen Moment die Hitzestrahlung und den Lichtblitz abschirmten, in einem Umkreis von 500 m war die Überlebensrate minimal, viele erlagen im Laufe des Tages ihren Verletzungen. Im Umkreis von 4 Km vom Explosionszentrum erlitten die Menschen dort noch schwerste Brandverletzungen dritten Grades am gesamten Körper, ,selbst im Umkreis von 10 Km entzündetet sich sämtliche Bäume und auch die Häuser die ebenfalls traditionell aus Holz gefertigt wurden.
Die Druckwelle die darauf folgte raste mit einer Geschwindigkeit von 800 Km/h Sternenförmig vom Explosionsort ausgehend und entfaltete ebenfalls eine zerstörerische Kraft über Hiroshima, fast alle Häuser im Umkreis von 2 Km wurden von der Druckwelle zerstört und die Menschen die durch die Hitze nicht getötet wurden starben durch ihre Wirkung der Druckwelle oder wurden durch die von der Druckwelle mitgerissenen Trümmerteile getötet und noch 15 Km vom Explosionsort entfernt zerbarsten die Fensterscheiben.
Die Sogwirkung des entstandenen Vakuums trieb die Druckwelle wieder zum Explosionsort zurück, die Druckwelle selbst, war noch in einer Entfernung von 40 Km wahrzunehmen.
Nach der Druckwelle verursachten die Feuer eine Windgeschwindigkeit von 250 km/h, und die Bodentemperaturen betrugen immer noch 1000 °C. In der Zwischenzeit war der typische Atompilz auf eine Höhe von ca.13.000 m aufgestiegen, und er enthielt die Radioaktiven Teile, die bald auf Hiroshima niederregnen sollten.
Der "schwarze" Regen war eine schmierige ölige Masse ,der dadurch entstand, dass bei der Abkühlung des Feuerballs die radioaktiven Teilchen sich mit dem kondensierten Wasser verbanden. Diese Masse klebte regelrecht auf dem Körper und der Kleidung. Viele Einwohner Hiroshimas tranken ,ohne es zu Wissen den radioaktiv verseuchten Regen und so wurden auch die Menschen der Radioaktivität ausgesetzt die weiter vom Explosionsort entfernt gewesen waren und eine weitere Folge war weil auch die Luft, der Boden und die Nahrungsmittel radioaktiv verstrahlt waren, dass noch Wochen danach weitere Menschen starben. Selbst Tibbets soll geäußert haben, dass er nach der Explosion den Geschmack von Blei im Mund gespürt habe.

 

Folgen des Angriffes

And the world remembers his name- remembers the flame was here...Hiroshima

 

Hiroshima nach dem Angriff

 

Höhe der Explosion

Von Micha L. Rieser, Attribution
( Weitere Bilder aus dem Hiroshima Peace Memorial Museum )

 

Die Folgen des Angriffes waren verheerend, bis zum Ende des Tages starben bei vorsichtigen Schätzungen ca. 45.000 Menschen andere Quellen beziffern die Zahl der Toten zwischen 70.000 bis 92.000! Die Zahl der Verletzen ist mit 37.000 bemessen gewesen und weil viele vor Durst das verseuchte Wasser des Flusses tranken bzw. weil die Menschen auch der Strahlung in der Luft ausgesetzt waren, erkrankten die Überlebendenden an der Strahlenkrankheit. Bei einigen schon nach wenigen Stunden, bei anderen erst nach Tagen zeigten sich die Symptome der Strahlenkrankheit diese waren :
Schwindel, Erbrechen, Krämpfe, Durchfall, Fieber, Schock, blutender Schleimhautzerfall in Rachen, Kehlkopf und Darm, Haarausfall, Schluckbeschwerden, punktförmige Hautblutungen, Bewusstlosigkeit - bis hin zum Hirntod, zu tödlichen Magen-Darm-Störungen oder zu tödlichen Knochenmarkschädigungen.
Ein Arzt der sich während des Angriffes am Standrand von Hiroshima befand und nach dem Angriff in die Stadt hineinfuhr um dort zu helfen schilderte folgendes :

 

Er näherte sich dem Stadtzentrum, als eine "seltsame Gestalt in kleinen Schritten auf mich zu stolperte. Sie erinnerte an die Form eines Mannes, doch sie war völlig nackt, blutig und mit Schmutz bedeckt. Der Körper war stark geschwollen. Lappen hingen an ihrer bloßen Brust und Hüfte. Die Hände waren vor die Brust gehalten, mit den Handflächen nach unten. Wasser tropfte von den Lappen. Tatsächlich waren das, was ich für Lappen hielt, war menschliche Haut und das Wasser war menschliches Blut. Ich schaute auf die Straße vor mir. In Stofffetzen, verbrannt und blutüberströmt standen mir zahllose Überlebende im Weg. Sie waren dicht gedrängt, einige krochen auf ihren Knien oder auf allen Vieren, einige standen mit Mühe oder lehnten an der Schulter eines anderen."

 

Ein weiterer Arzt mit dem Namen Tabuchi berichtete :

wie Hunderte verletzter Menschen "die ganze Nacht hindurch an unserem Haus vorbeigingen, aber an diesem Morgen ( 7. August ) hörte es auf. Ich fand sie auf beiden Seiten der Straße in solchen Massen liegen, dass es unmöglich war, hindurchzugehen, ohne auf sie zu treten".

 

Ein weiterer Arzt namens Hanoka sah :

"Löschteiche, bis zum Rande mit Toten gefüllt, die aussahen, als wären sie bei lebendigem Leibe gekocht worden".

 

Ein Überlebender schilderte:

wie "Hunderte von jenen, die noch lebten, ...ausdruckslos umher zogen. Einige waren halbtot und wanden sich in ihrem Elend. ... Sie waren nichts weiter als lebende Leichen."

 

Die Schilderung eines weiteren Überlebenden :

"Das weite Ufer an dem Fluss Choju-En mit einer großen Anzahl von verbrannten Menschen gefüllt war. Sie besetzten das Ufer so weit, wie das Auge sehen konnte. Der größte Teil lag im Wasser und wurde von den Wellen langsam fortgetrieben", da sie ertrunken oder am Flussufer gestorben waren.

 

Man sah in Hiroshima viele Menschen die vom Schmerz geplagt ziellos umherirrten, viele sind durch die Verbrennungen blind geworden, oder wurden taub durch die Explosion.

mit nach vorne gestreckten Armen, "herabhängenden Unterarmen und Händen , um zu vermeiden, dass sich das rohe Fleisch schmerzvoll aneinander reibt" , und einige "wankten wie Schlafwandler".

 

Bis zum Jahr 1946 betrug die Gesamtzahl der Toten 166.000 Menschen.

Die folgende Tabelle geht von der vorsichtigen Schätzung aus.

Die Bilanz des Angriffes

Tote am Angriffstag 45.000
Tote nach dem Angriffstag 19.000
Tote innerhalb von 4 Monaten 64.000
Verletzte am Angriffstag 91.000
Anzahl der Opfer binnen 4 Monaten     136.000

 

Die nächste Tabelle gibt eine Überblick über die Sterberate je nach Entfernung vom Explosionsort.

Sterberate nach Entfernung vom Explosionsort in Kilometern

 
<0,5
0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-5,0
Todesrate am 1. Tag
90 %
59 %
20 %
11 %
<4 %
Todesrate insgesamt
98 %
90 %
46 %
23 %
<4 %

 

Nach dem Angriff waren sämtliche Verbindungen von-und nach Hiroshima abgebrochen und so wusste niemand in Tokio was dort passiert war, die umliegenden Militärstützpunkte meldeten erst Stunden später eine gewaltige Explosion. Am Anfang ging man dort davon aus ,dass ein Munitionslager explodiert sei ,Offiziere die sich in Hiroshima umsehen wollten wurden durch Luftangriffe auf Tokio daran gehindert.
Hiroshima bestand aus ca.76.000 Gebäuden von denen 70.000 zerstört waren, insgesamt waren 170.000 Einwohner Hiroshimas obdachlos geworden. In einem Umkreis von mehreren Kilometern vom Explosionsort wurde alles zerstört, Gebäude die nach der Explosion noch stehen geblieben waren wurden von dem Feuer das darauf folgte vernichtet, weil wie schon erwähnt die Häuser aus Holz gebaut waren und viele Menschen starben in ihren Häusern.
Wo sich noch am 5. August eine Großstadt befand, war nach dem Angriff nichts mehr davon zu sehen, die Stadt ist bis auf die Trümmer verschwunden.

 

Und noch ein Augenzeugenbericht ,diesmal von Dr.Hachiya :

Hiroshima war keine Stadt mehr, sondern eine verbrannte Prärie. Nach Osten und nach Westen war alles dem Erdboden gleich. Die entfernten Berge schienen näher, als ich es je erlebt hatte. Die Hügel von Ushita und die Wälder von Nigitsu zeichneten sich in dem Dunst und Rauch wie Nase und Augen eines Gesichts ab.
Wie klein doch Hiroshima war, als seine Häuser nicht mehr waren."

 

Die folgende Tabelle zeigt die Zerstörungen die durch die Atombombe entstanden sind :

 

zerstörete Gebäude

ungefähre Anzahl
der Gebäude vor dem Angriff   
völlig zerstört
verbrannt (in %)   
>halb zerstört
halb verbrannt (in %)   
verbrannt
leicht beschädigt(in %)   

Gesamt (in %)
ca. 76.000
62,9
5,0
24,0
91,9

 

Präsident Truman befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Kreuzer USS Augusta als er die Nachricht des Angriffes erhielt. Es war der 7. August 1945 0.15 Uhr als Truman von der USS Augusta die Welt erstmals vom Einsatz der Atombombe informierte:

 

Die Kraft, aus der die Sonne ihre Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten.“
Er forderte die Japaner nochmals zur Kapitulation auf und drohte:
„Wenn sie unsere Bedingungen nicht akzeptieren, dann mögen sie einen Regen der Zerstörung aus der Luft erwarten, wie er noch nie auf der Erde gesehen worden ist.“

 

Die US Regierung erwartete jetzt eine schnelle Kapitulation Japans und ließ am 8. August 1945 weitere Flugblatter über 47 japanischen Städten abwerfen.
In diesen Flugblättern wurde die Wirkung der Atombombe mit denen von 2.000 Bombenladungen mit "normaler Sprengwirkung" verglichen.

 

Wer dies bezweifle, solle sich bei Japans Regierung nach dem Schicksal Hiroshimas erkundigen.

 

In diesem Flugblatt wurde das japanische Volk aufgerufen das sofortige Ende des Krieges zu fordern, sollte diese Aufforderung keine Wirkung haben oder ausbleiben werden weitere Atombomben oder andere Waffen eingesetzt. Eine Vorwarnung oder die Nennung des zweiten Ziels gab es in dem Flugblatt nicht.

In Tokio brauchte man einige Tage um das Ausmaß der Zerstörung Hiroshimas zu begreifen, und selbst als man dies wusste war man nicht bereit sich auf eine sofortige bedingungslose Kapitulation zu einigen. In Japan hoffte man immer noch auf die Sowjetunion die durch ihre Vermittlung bessere Bedingungen erwirkt. Daraus wurde aber nichts mehr die UdSSR erklärte Japan am 8. August 1945 den Krieg und marschierte in die Mandschurei ein ,die Kurilen wurden ebenfalls angegriffen und die Kriegserklärung, die der japanische Botschafter in Moskau nach Tokio melden sollte, kam dort nie an.
Durch die Hinauszögerung der Kapitulation war klar das ein zweiter Angriff unvermeidbar war und wie wir heute wissen war das Ziel Nagasaki.

 

Little Boy

Eine Kurzbeschreibung des " Little Boy"

 

Der "Little Boy" war 3m lang und hatte einen Durchmesser von 70 cm, dass Gewicht des kleinen Jungen betrug 3 Tonnen und er enthielt Uran 235. Der Kernsprengstoff ( Uran 235 ) der Hiroshima Bombe bestand aus einer Urankugel mit einem Ausschnitt und dem dazu passenden Kegel.
Mit herkömmlichen Sprengstoff wurde der Urankegel in die Urankugel hineingeschossen dabei entstand die sogenannte „überkritische Masse“, die kritische Masse für Uran-235 liegt bei 50 kg dies bedeutet die Urankugel hatte einen Durchmesser von 17 cm.
In dem Moment wo die kritische Masse überschritten wird steigt die Neutronenstrahlung so schnell an, dass die frei fliegenden Neutronen immer mehr Uranatome spalten und eine Kettenreaktion auslösen. Die freigewordene Energie entsprach etwa der Wirkung von 13000 Tonnen (13kt) TNT, dabei entstanden Temperaturen von bis zu 10 Millionen Grad Celsius.

 

Zum Schluss

"And the world remembers his name- remembers the flame was here...Hiroshima..."

Das letzte Kapitel

Bis in die Heutige Zeit ist die Zahl der Langzeitopfer nicht abzuschätzen, und es werden immer noch Kinder mit Missbildungen geboren. Die Folgen der Strahlung sind dafür verantwortlich ,dass damalige Einwohner Hiroshimas an Krebserkrankungen sterben. Einer Studie zufolge waren 9% der Krebserkrankungen, die von 1950 bis 1990 bei Überlebenden auftraten, eine Folge des Abwurfs. Die Überlebenden der Atombomben bezeichnet man in Japan als Hibakusha.

Jedes Jahr, am 6. August wird in Hiroshima offiziell an den Atombombenabwurf erinnert und der Name der Stadt erscheint dann auch in den Nachrichten und die damaligen Ereignisse rücken wieder in unser Gedächtnis um später wieder vergessen zu werden. Hiroshima ist auch ein untrennbarer Begriff geworden, wenn über die Sprengkraft auch moderner Atombomben berichtet wird, die Hiroshima Bombe wurde sozusagen eine Maßeinheit damit man sich die Sprengkraft anderer oder neuer Atombomben in etwa vorstellen kann.

 

Quellen

Bücher

Heine Buch Nr. 6013
im Wilhelm Heine Verlag ,München
Janusz Piekalkiewicz Luftkrieg 1939 -1945 Seite 833 bis 837 und Seite 894 ISBN 3-453-01502-9

H. Günther Dahms
Der Zweite Weltkrieg in Text und Bild
Herbig Verlagsbuchhandlung München -Berlin
ISBN 3-7766-1597-4
Seite 416 bis 422

 

Internet

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http://atomwaffenfrei.wordpress.com/201 ... riffsdatum 03.01.2011)
http://www.bpb.de/themen/3IU3NN,0,0,Hir ... ronik.html (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://www.seilnacht.com/Lexikon/bombe.html (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://www.awesomestories.com/assets/mushroom-cloud (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://www.aktivepolitik.de/hiroshima.htm (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://info.kopp-verlag.de/hintergruend ... chten.html (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://www.wsws.org/de/2005/aug2005/hir1-a19.shtml (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://histoforum.digischool.nl/atomicbomb/task.html (Zugriffsdatum 03.01.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Born (Zugriffsdatum 04.01.2011)
http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0220021848 (Zugriffsdatum 04.01.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Potsdamer_Konferenz (Zugriffsdatum 04.01.2011)
http://p4.focus.de/img/gen/8/1/12811156 ... _700xA.jpg (Zugriffsdatum 04.01.2011)
http://www.atomwaffena-z.info/atomwaffe ... index.html (Zugriffsdatum 05.01.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Trinity-Test (Zugriffsdatum 05.01.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill (Zugriffsdatum 06.01.2011)
http://www.jason-webb.com/cool-japanese ... useum.html (Zugriffsdatum 07.01.2011)
http://www.tabibito.de/japan/kyoto.html (Zugriffsdatum 08.01.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Suzuki_Kantar%C5%8D (Zugriffsdatum 20.01.2011)
http://www.swoyersart.com/william_phillips/enolagay.htm (Zugriffsdatum 25.01.2011)
http://jjaingefamily.blogspot.com/2010/ ... eyond.html (Zugriffsdatum 28.01.2011)
http://www.wishfulthinking.de/HTML/lyrics.htm#Hiroshima (Zugriffsdatum 28.01.2011)
http://www.world-crisis.com/analysis_co ... _15_0_C33/ (Zugriffsdatum 01.03.2011)
http://theopinionmill.wordpress.com/cat ... ed/page/2/ (Zugriffsdatum 08.03.2011)


Autor: Hasso von Manteuffel