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Wir sind eine unabhängige und vorwiegend deutschsprachige Internetseite für Modding in Games. Seit 2005 hat sich das Projekt Designmodproject dem Modden bzw. dem Erstellen von Mods verschrieben (Mod; Abk. für engl. modification oder deutsch Modifikation). Dabei stand immer die historische Erweiterung von Spielinhalten des strategie- und militärhistorischen Genres der PC-Spiele im Vordergrund.

Aus dem DMP Hobbyforum hat sich eine innovative Community entwickelt, welche ergänzende Inhalte zu den Spielen und dessen Hintergründe einbringt. So existieren heute neben einem vielfältigen Downloadbereich, einer aktiven Forengemeinde und der Informationsplattform zu verschiedenen Spielen, auch eine Anlaufstelle für interessierte Modder, Spieler und Spieleentwickler.

Seit 2015 arbeitet das Design Mod Project mit Entwicklerstudios zusammen und dient als Sprachrohr für die Community an die Hersteller von PC Spielen. Wir stehen für den aktuellen Trend zurück zu den Wurzeln von Spielen zu gehen und wollen diesen Weg mit den Spielern zusammen bestreiten. Wir bieten eine Plattform für Modding und vor allem für das Teilen von Spielerlebnissen.

 

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War Ace Campaign  Patch 5.2

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Dieser Patch korrigiert diverse Fehler aus Version 5.0 oder 5.01 und korrigiert die Dateistruktur vieler Einheiten, welche möglicherweise unregelmäßige CTDs beim Spielen oder Laden verursachen.
DAW - Der andere Weg 19-01

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Folgende Änderungen bzw. Zusätze zur bisherigen Version (DAW 18-02) sind enthalten: Darstellung von Meeresfeldern Die Meerestiles haben (auch für die ersten 3 Kampagnen) ein neues Grafikmuste
Amulet Mod Version 3.0

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Der Amulet Mod 3.0 ist für das PC-Spiel Panzer Corps Wehrmacht. Es ist der zur Zeit tiefgreifendste und umfangreichste Mod für deutsche Einheiten. Hier kurz die Merkmale: 77 neue Einheiten; 50
Modern Conflicts 1.1

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Endlich ist Version 1.1 live. Der erste Teil der russischen Kampagne ist verfügbar, außerdem sind viele Balance-, grafische und andere Verbesserungen implementiert worden. Da hat Akkula wieder gan
Total Realism Project

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TRP 1.04 ist eine Zusammenfassung der vielen kleineren Ideen, die wir zu unserer Mod hatten. Wir veröffentlichen sie nun auf Basis der neuen HoI 2 Darkest Hour-Version 1.05.
DAW - Der andere Weg 18-02

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Folgende Änderungen bzw. Zusätze zur bisherigen Version (DAW 17-09) sind enthalten: Darstellung vereister Seen Die Landschaftstiles für Seen in der Winterdarstellung wurde (auch für die beid
Battlefield: Europe 1.9

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Changes in v1.9
Pazifik Korps Teil 4 Part 3

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Im 3. Teil der US-Kampagne "Nach den schwarzen Tränen der Arizona", geht es als erstes um die Befreiung der Philippinen. Hierbei werden Sie von einem lokalen Helden tatkräftig unterstützt. Die aus
War Ace Campaign 5.0

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Eine erhoffte Fortzetzung des War Ace Campaign Großmod für das Spiel Silent Hunter 3 wurde von HanSolo nach mehr als 2 Jahren intensiver Entwicklungszeit vollendet.
DAW - Der andere Weg 17-09

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Folgende Änderungen bzw. Zusätze zur Version DAW 17-04 sind enthalten: Englische Texte DAW Kompendium + Credits, Install-Datei, sowie alle Briefingsdateien und Texte innerhalb der Kampagnen sin
Panzer War in Europe Mod

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Ein Mod des Users IronCross für das Spiel Panzer War in Europe. Es wurden vorhandene Grafiken berichtigt und einige Grafiken hinzugefügt. Es wurde noch weitere Änderungen vorgenommen. Die detaill
Italienische Kampagne 2 V1.91 Part 1

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Kampagne, kritische Fehler in Griechenland-1 Szenario berichtigt    

Das Thema

 

Wehrmacht und Widerstand

 

“Aufstand des Gewissens“

 

(Zwei Generationen im Widerstand)

War der „Wehrmachtsaufstand“ mit seinem Höhepunkt des 20. Juli 1944 ein Selbstbetrug und eher in der heutigen Sicht ein besserer Start der „jungen“ BRD mit seiner Vergangenheit? Man kann darüber streiten und so soll es auch sein, doch soll dieser Bericht weniger Diskussion sein und mehr einen Einstieg bzw. Überblick zum Thema geben.

 
“Warum sind die hohen Wehrmachtführer nicht aufgestanden und haben gesagt - Wir machen diese Schweinerei nicht mit? Wenn sie es alle gemacht hätten und rechtzeitig!
Gegen den Oberbefehlshaber darf ja nur die erste Garnitur aufstehen.“

(Abhörprotokoll von Aussagen deutscher Generale in britischer Gefangenschaft)


Die Verschwörer

Die Verschwörer

Ihre Zahl war klein und auch in der Bevölkerung wurde eher auf dumpf-positivistischen Staatsgehorsam gesetzt und nicht auf Widerstand. Die wenigen Ausnahmen stechen deshalb vor allem heraus, sollen gewürdigt werden und das Deutschland von 1933-45 in einem anderen Licht darstellen.
Die Wehrmacht soll das nicht ausschließen und ist dennoch eins der wohl interessantesten Themen, waren doch die Offiziere und Generale am dichtesten beim „Führer“, gewährleisteten eine funktionierende Militärmaschinerie und waren das einzige „Machtgegengewicht“ zum politischen Apparat. Die (Waffen-) SS soll dabei mal außer Acht gelassen werden.

So lag letztendlich die einzig wirkliche Chance zur Beseitigung des Regimes bei der bewaffneten Macht, und das konnte bei den bestehenden Verhältnissen nur das Heer sein. Bei der Marine wirkten die Ereignisse vom Oktober und November 1918 (Meuterei der Hochseeflotte, Matrosenaufstand) tabuisierend nach, während sich in der Luftwaffe als jüngstem Mitglied eine starke Affinität bzw. Bindung zum Nationalsozialismus entwickelt hatte.
Nur waren es genau die militärischen Mächte des Landes, die sich als besonders national und patriotisch fühlten. Die Treue war ein wichtiger Bestandteil des Soldatenlebens und -gefühls jener Tage. Auch stand dazwischen, dass das alte Regime nur durch ein neues ersetzt werden konnte, nur so konnten die Kampfhandlungen sofort und umfangreich beendet werden.
Also spielten die Angehörigen der Wehrmacht, in hohen, wichtigen und administrativen Positionen, eine entscheidende Rolle. Die Nähe zu A. Hitler ist da eher gegenläufig zu sehen. Je näher man dem Führer war, um so mehr fühlte man sich ihm verbunden, unterworfen und seinem Eid verpflichtet. So zählten vor allem das Ideal, die Idee und der Wille zur Veränderung als Grundintentionen für einen „guten“ Verschwörer in den Reihen des Militärs.

Erste Ansätze bzw. Staatsstreichpläne erfolgten im Herbst 1938 und 1939, wurden aber mit der Euphorie der Blitzkriege, großen Siegen und im Angesicht der eigenen Übermacht in den Hintergrund gedrängt. Änderungen in der Einstellung bzw. im Bezug mit einem Attentat auf Hitler gab es erst ab 1942. Die Pläne für den Russlandfeldzug, der Zweifrontenkrieg und (wahrscheinlich) berichtete Vorfälle über Kriegsverbrechen, änderten die Ziele der (ersten) Verschwörer.
Konkrete Staatsstreichpläne gab es dann nachweislich ab 1943 und gipfelten schließlich vor dem 20. Juli 1944 mit der „Clique“ um Stauffenberg.
Die Pläne basierten vor allem auf den von Hindenburg unterschriebenen Notverordnungen (4. Februar 1933) betreffend „legalem“ Vorgehen gegenüber innenpolitischen Feinden. Eigentlich auf Drängen der Nationalsozialisten eingeleitet, sollten diese Verordnungen nun gegen sie eingesetzt werden. Dabei haben die Nationalsozialisten schon erfolgreich gegen eine zunehmende Macht der Reichswehr (später Wehrmacht) interveniert (Morde an Kurt von Schleicher, Ferdinand von Bredow), die Pläne für ein Wideraufleben des „Staat(es) im Staate“ geplant haben.


Offizierskorps

Das Offizierskorps

Viele Offiziere standen, zumindest in Teilbereichen, den Zielen bzw. Ideologie des Nationalsozialismus und Phänomen Hitlers durchaus positiv gegenüber.
Für das Offizierskorps im Besonderen stellte sich außerdem damals die Legitimitätsfrage, die mit dem Ende der Monarchie entstanden war und nun eine neue Antwort erforderte und rasch auch zu Auseinandersetzungen innerhalb des Offizierskorps über die staatliche Neuordnung führte. Man plädierte damals für den „traditionellen Doppelanspruch des Offizierskorps (von Seekt), d.h. sowohl militärisch-professionell als auch zugleich politisch-soziale Führungselite zu sein. Der 1918 zu „Unrecht“ (Dolchstoßlegende) verlorene Weltkrieg wurde als „Bewährungsprobe“ gesehen. Von nun an sollte man nicht nur technisch und strategisch eine moderne Armee aufbauen, sondern auch „den Anspruch auf Staatsführung/-teilhabe“ verwirklichen.
Hitler kam diesen Ansprüchen durchaus nah, so wollte er die SA ja auch in die Reichswehr/Wehrmacht integrieren. Dass dies abgelehnt wurde, war in der Gründung eines „nationalsozialistischen Volksheeres“ begründet. Die preußisch-deutsche Militär-Elite sollte erhalten und ausgebaut werden. Ein Führungskader entstand, mag er auch teilweise politisch geprägt sein, so waren doch Gemeinschaft und Offizierskader die „optimale“ Basis für eine Verschwörung bzw. übergreifende Pläne. Man kannte sich, kannte Väter und Söhne, kannte Abstammung und Einstellung, wusste um Qualitäten und Einfluss der gesamten militärischen Führungsschicht. Hitlers „Kader-Krieger“ konnten nie richtig Fuß fassen in dieser von Traditionen durchsetzten Domäne der preußischen Eliten. Vor allem im Heer gab es „politikunabhängige“ Strukturen.


(General Ludwig Beck)

So blieb die „Nacht der langen Messer“ mit ihren Morden an Schleicher und anderen Generalen nicht ohne Folgen. Man verlangte Untersuchungen und Rechtfertigung. Die Generale Fritsch und Beck wurden nach ihren Einsprüchen und Kritik sofort kaltgestellt. Doch konnte Hitler seinen dadurch vermittelten Eindruck auf die Offizierselite nie ganz ablegen.
Zwar „freuten“ sich v. Manstein, v. Rundstedt und v. Witzleben, dass da SA-Führer von SS-Führern umgebracht wurden. Sie wähnten schon die „innere Zerfleischung“ des politischen Kaders, doch mussten sie schon bald erkennen, dass auch sie unter „Beschuss“ geraten konnten. Kritik und Einsprüche waren bei Hitler nicht erwünscht. Wer gegen ihn war, wurde auf die „Reservebank“ gesetzt. So wuchs auch die Angst im Offizierskorps, öffentlich Kritik zu üben, sich gegen Hitler zu wenden. Von nun an wurden die Diskussionen vom „Führerhauptquartier“ in die Villen Dahlems verlegt. Die „konspirativen Kreise“ waren nun Ort der Kritik und „Opposition“.

„Der Fahneneid besteht, solange der Führer lebt!“
(Auch die Widerständler fühlten sich bis zum Schluss an den Eid gebunden. Doch konnte man ihn auf Hitler und seine Taten/Verbrechen noch als legitim bewerten?)


Widerstand

Widerstand

Von 1933 (3.858 Offizieren) bis 1939 (89.075 Offizieren) stieg die Anzahl des Korps auf das dreiundzwanzigfache. Deshalb stieg aber nicht die Anzahl der Regimekritiker, die eigene Karriere sollte nicht durch „unnötige Kritik“ verbaut werden. Der Opportunist hatte nun die Oberhand.
Widerstand kam erst auf, als zunehmendes Misstrauen gegen die (hochtrabenden und unrealistischen) Ziele Hitlers vermehrt auftrat. Auch gegen die Wehrmachtsspitze, die den bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem „Führer“ forderte. Die Skandale um den Kriegsminister Blomberg (Heirat einer Prostituierten - danach Entlassung von Blomberg) förderte die oppositionellen Gedanken. Dabei war nicht die Ursache der Entlassung der ausschlaggebende Grund sondern die Folgen:

    • - Hitler übernimmt Oberbefehl über die Wehrmacht (Heeresführung unterliegt dabei der Wehrmachtsführung)

 

    • - Weichen für den Eroberungskrieg gestellt (Vorbereitungen)

 

- Entlassung Fritschs markiert den Beginn einer Militäropposition (in Teilen später der Widerstand)

Es wurde von einem „Streik der Generale“, kollektive Befehlsverweigerung oder Staatsstreich (vor allem nach Einmarsch ins Sudetenland standen die Zeichen auf Krieg) gesprochen, doch von offenem Widerspruch war noch keine Rede. Dieser erfolgte nur selten bei Hitler und setzte die Marschallstäbe auf den Schulterstücken voraus.
Die Führer der Opposition waren vor allem Beck und Halder (Nachfolger Becks im Generalsstab). Sie hatten die Position, die Macht, den Einfluss und den richtigen Rang. Ihre Denkschriften und Versuche fielen aber oft auf unfruchtbaren Boden. Der Krieg sollte kommen!


Pläne

Pläne

 

10.9.1939
Anschlagspläne bei einem geplanten Truppenbesuch Hitlers an der Siegfriedlinie.....Attentäter: General Kurt von Hammerstein-Equord

Die Schwäche der Staatsstreichpläne lag darin, dass sie alle zukünftigen Handlungen von Hitlers Reaktion abhängig machten, statt sich grundsätzlich für den Staatstreich zu entscheiden. (Der 20. Juli scheiterte vor allem an der Unentschlossenheit und späten Reaktion der beteiligten Offiziere. Die konnten sich erst dann zu Maßnahmen durchringen,als zu viel kostbare Zeit verstrichen war.)


(Feldmarschall Erwin von Witzleben)

 
Treibende Kräfte in der Anfangszeit
 
Von Leeb
 
Rundstedt
 
 
von Witzleben
 
Höppner
 
 
Stülpnagel
 
Halder
 
 
Beck
 
(auch) Bock
 
Brockdorf --ohne Bild--
(Alles Generale des Heeres (Es gab damals -1939- noch ein Oberkommando des Heeres), die ihre Autorität zu (mehr oder weniger) effektiven Plänen nutzten)

 

28.6.1940
Anschlagsplan in Paris bei Truppenbesuch Hitlers.....Attentäter: Fritz Dietloff , Eugen Gerstenmaier , Erich von Witzleben

Die Ziele kamen mit den Erfolgen Hitlers ins Schwanken. Man bewunderte seine Leistungen - „erster Soldat des Reiches“ - und nahm Abstand. Die Pläne für Unternehmen „Barbarossa“ und die Vorstellungen Hitlers ließen den „großen Feldherrn“ und sein Ansehen dann schwinden. Man sprach ihm nach 1942/43 immer mehr die Kompetenz ab und statt Beifall folgte oft nur Stirnrunzeln seinen Befehlen.

 

21.5.1941
Erneuter Anschlagsplan in Paris bei Truppenbesuch Hitlers....Attentäter: Erich von Witzleben

(Generalmajor Henning von Tresckow)

Ein Henning von Tresckow (Stab Heeresgruppe Mitte) baute ab 1942 die stärkste Oppositionsgruppe auf. Immer mehr „Mitkämpfer“ scharrten sich um ihn, auch ein gewisser Klaus Graf von Stauffenberg. Pläne wurden geschmiedet, Verbindungen geknüpft und der Rückhalt der Heeres-Generale gesucht.

(Weitere Ausführungen dann in den jeweiligen Beiträgen zu den Aktionen)

 

13.3.1943
Anschlagsversuch an der Ostfront in Walki (RUS) : Plan Lanz .... Attentäter: Hubert Lanz , Hans Speidel , Hyazinth Graf von Strachwitz

 

3.3.1943
Anschlagsversuch an der Ostfront in Smolensk (RUS) : Plan König .... Attentäter: Friedrich König , Freiherr von Boeselager


Zum Schluss

Schlusswort



Es gilt die These der „ Zwei Generationen im Widerstand“. Sie erklärt vor allem das Scheitern des Widerstandes, seine unüberwindlichen Barrieren und somit auch „Unfähigkeit“ des Offizierskorps, diesen Adolf Hitler und seinen Führungs-Kader in die Schranken zu weisen bzw. zu töten/entmachten.

 

13.3.1943
Anschlagsversuch an der Ostfront in Smolensk (RUS) : Plan Tresckow ..... Attentäter: Henning von Tresckow , Fabian von Schlabrendorff , Rudolph Christoph Freiherr von Gersdorff

 

21.3.1943
Anschlagsplan in Berlin : geplantes Selbstmordattentat bei einer Vorführung erbeuteter Waffen.....Attentäter: Rudolph Christoph Freiherr von Gersdorff

 

16.12.1943
Anschlagsplan bei einer Vorführung der Winteruniformen.....Attentäter: Axel Freiherr von dem Bussche-Streithorst

Mit wenigen Ausnahmen taten sich die beteiligten älteren Offiziere - und damit meist Generale - schwerer als jüngere Offiziere der Dienstgrade vom Leutnant bis zum Oberst. So ist es gewiss kein Zufall, dass außer Stauffenberg auch die potentiellen Attentäter wie Busse, Kleist, Breitenbuch oder diejenigen, die ein gemeinsames Attentat bei der Heeresgruppe Mitte erwogen, allesamt der jüngeren Generation entstammten. Keiner von ihnen hat seine entscheidende Prägung vor dem Ersten Weltkrieg erfahren. Die älteren Generale waren zu sehr vom Eid und den Treueschwüren auf den Kaiser geprägt.


 
Eine Sonderstellung nahmen ein
 
Beck
 
Oster
 
 
Höppner
 
Fellgiebel
 
 
Stülpnagel
 
Tresckow
 
(Sie sahen ein Attentat und Staatsstreich unmittelbar miteinander verknüpft)

 

11.2.1944
Anschlagsplan in der Wolfsschanze an der Stelle des schwer verwundeten Bussche.....Attentäter: Ewald von Kleist

 

11.3.1944
Anschlagsplan am Obersalzberg durch Erschießen.....Attentäter: Eberhard von Breitenbuch

 

20.7.1944
Attentat vom 20. Juli in der Wolfsschanze.....Attentäter: Claus Schenk Graf von Stauffenberg u.a.
 

 

(Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg)

 

„Das Furchtbarste ist, zu wissen, dass es nicht gelingen kann und dass man es dennoch für unser Land und unsere Kinder tun muss.“
(Berthold Graf von Stauffenberg, Marineoberstabsrichter - Bruder von Claus Graf von Stauffenberg)

(Gedenkstein für die Offiziere des 20. Juli 1944)


Quellen

Buch: Poeppel, Hans / Prinz von Preußen, W.K. / von Hase, K.G. (Hrsg.), Die Soldaten der Wehrmacht, Herbig/München 1998.

http://www.sueddeutsche.de/politik/983/400766/text/ (Letzter Aufruf 01.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht (Letzter Aufruf 01.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Widerstand ... ozialismus (Letzter Aufruf 01.11.2009)

Autor: Freiherr von Woye



Das Thema

Dr. Julius Leber
 


Zur Person

Julius Leber wurde in Biesheim (Elsaß-Lothringen) am 16. November 1891 als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter Katharina Schubetzer heiratete den Maurer Jean Leber und er nahm auch das Kind Julius an. 1902 kam Leber durch Fürsprache des Ortsgeistlichen auf die Höhere Bürgerschule im badischen Breisach, wo er 1908 mit der Mittleren Reife abschloss. Danach machte er in einer Tapetenfabrik in Breisach, eine kaufmännische Ausbildung. Ab 1910 besuchte er die Unterprima der Oberrealschule in Freiburg und finanzierte es mit Nachhilfeunterricht, mit dem schreiben von Artikeln für eine Zeitung. Der SPD trat Leber schon früh als Schüler bei.

Nach dem Abitur 1912 studierte er Geschichte und Nationalökonomie in Straßburg. Er trat im Wintersemester 1912/13 dem katholischen Studentenverein Rheno-Frankonia (später Rheinpfalz Köln im KV) bei, wo er aber wegen eines Verstoßes im Sommersemester ausgeschlossen wurde.
Zum Beginn des Ersten Weltkrieg 1914 meldete sich Leber freiwillig zum Kriegsdienst.

Im Krieg wurde er zweimal verwundet und als Frontoffizier mehrfach ausgezeichnet. Er wurde bis zum Leutnant befördert und blieb auch nach dem Kriegsende in der Reichswehr, diente bei den Grenzschutztruppen im Osten. Im März 1920 war Leber als Reichswehroffizier auf der Seite der Republik mit seiner Einheit bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt. Aus Protest nahm er seinen Abschied von der Reichswehr und nahm sein Studium wieder auf. Er promovierte an der Universität Freiburg zum Dr. rer. pol.

1921 siedelte Leber nach Lübeck über, wo er beim sozialdemokratischen "Lübecker Volksboten" Chefredakteur wurde. Noch im gleichen Jahr wurde er in die Lübecker Bürgerschaft gewählt. Dort war er bis 1933 Mitglied. Im Mai 1924 wurde Julius Leber in den deutschen Reichstag gewählt und avancierte in der Lübecker und der Norddeutschen Arbeiterbewegung zur Führungspersönlichkeit. Zum anderen war er auch der Förderer von einem gewissen Herbert Frahm (Willy Brandt), der einige Artikel für den „Lübecker Volksboten“ geschrieben hatte. 1927 heiratete Julius Leber die Tochter des Direktors eines Gymnasium im Lübeck, Annedore Rosenthal. Leber nahm auch als aktives Mitglied des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (Sozialdemokratische Kampftruppe) an Angriffen auf Nationalsozialisten, Kommunisten und andere Linke teil.

Am Abend des 31. Januar 1933 wurde ein Fackelzug zu ehren der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler der NSDAP, SA, SS und dem Stahlhelm veranstaltet, wobei es zu schweren Zusammenstößen zwischen der beschützenden Polizei und den Mitgliedern des Reichsbanners, anderen kommunistischen sowie weiteren linken Gruppen kam. Am darauf folgenden Morgen kam es zu einer Straßenschlacht zwischen Reichsbannermitgliedern und einer SA-Gruppe. Bei dieser Auseinandersetzung wurde Leber angegriffen und von seinem Bodyguard Willi Rath verteidigt, der dabei den SA-Marinesturmmann Rudolf Brügmann erstach. Trotz seiner Immunität als Mitglied des Reichstages wurde Leber verhaftet, was zu großen Arbeiterdemonstration führte. Als geistiger Urheber wurde Julius Leber zu 18 Monaten Haft verurteilt, während Willi Rath nur zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt wurde. Nach der Haft wurde Leber in das KZ Esterwegen und das KZ Sachsenhausen gebracht. Dort wurde er von 1935 bis 1937 festgehalten. Nach seiner Entlassung aus dem KZ, arbeitete er zum Schein als Kohlenhändler in Berlin. In dieser Zeit wurde er von Gustav Dahrendorf, Ernst von Harnack und Ludwig Schwamp unterstützt.

 

Julius Leber versuchte 1940 Kontakt zur Wirtschaftsführung herzustellen, was ihm auch gelang und dabei auch Claus Graf Schenk zu Staufenberg kennenlernte. Später hatte er auch Kontakt mit dem Kreisauer Kreis, zu dem auch unter anderem Carl Friedrich Goerdeler und Helmuth James Graf von Moltke angehörte. Leber sollte laut des Putschplans nach gelingen des Attentats auf Hitler, als Innenminister eingesetzt werden. Er wurde aber von der Gestapo schon am 5. Juli 1944, also kurz vor dem gescheiterten Attentatsversuch am 20.Juli 1944, verhaftet. Der Grund für seine Verhaftung war ein Treffen, mit drei hochrangigen Vertretern der Saefkow-Jakob-Bästlein-Organisation, die von einem Spitzel verraten wurde. Es fand ein Schauprozess vor dem Volksgerichtshof am 20. Oktober 1944 gegen Leber statt. Leber wurde zum Tode durch den Strang verurteilt, das Urteil wurde am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee vollstreckt.

 

Nach Julius Leber wurden viele Straßen und auch einige Schulen benannt. In Berlin trägt auch eine Kaserne der Bundeswehr seinen Namen.



Das Thema

 

Edelweißpiraten

Ihre Geschichte, ihre Rezeption

 


Inhalt

  • 1. Hinführung
  • 2. Hauptteil
    • 2.1 Allgemeines
      • 2.1.1 Zur Quellenproblematik
      • 2.1.2 Zum Widerstandsbegriff
      • 2.1.3 Zum Namen: Edelweißpiraten
    • 2.2 Die Edelweißpiraten
      • 2.2.1 Entstehung
      • 2.2.2 Kluft, Lieder und Fahrten - Was die Edelweißpiraten beliebt machte
      • 2.2.3 Organisation
      • 2.2.4 HJ, Verbote und andere widrige Umstände
      • 2.2.5 Edelweißpiraten in nationalsozialistischen Organisationen und der Wehrmacht
      • 2.2.6 Verfolgung und Bestrafung
      • 2.2.7 Die Edelweißpiraten nach dem Krieg oder die „88er“
    • 2.3 Die Kölner Kontroverse
      • 2.3.1 Begriffserklärung
      • 2.3.2 Die Ehrenfelder Gruppe
      • 2.3.3 Die Ehrenfelder Gruppe – Edelweißpiraten?
      • 2.3.4 Aktivitäten der Ehrenfelder Gruppe
      • 2.3.5 Das Ende von Ehrenfeld
  • 3. Schlusswort
    • 3.1 Entschädigungsverfahren
    • 3.2 Bewertung Edelweißpiraten
    • 3.3 Bewertung Ehrenfelder Gruppe
    • 3.4 Fazit
  • 4. Anhang
  • 5. Literaturverzeichnis

 

 


Begriff

 

1. Hinführung

Wer oder was sind eigentlich die Edelweißpiraten? Eine Frage, die sich den meisten stellt, wenn sie anfangen, sich mit dem Phänomen dieser Gruppe Jugendlicher auseinanderzusetzen, im Voraus bekannt sind sie den wenigsten.

Ich selbst hörte zum ersten Mal in einem Referat im Zusammenhang mit dem Jugendwiderstand im Nationalsozialismus etwas über die Edelweißpiraten. Im Gegensatz zum Widerstand der Geschwister Scholl war diesen Jugendlichen jedoch nur geringe Aufmerksamkeit in der Geschichtsforschung beschieden; wenn es doch einmal Berichte gab, wirkten diese teilweise auch noch widersprüchlich.

Die Differenzen in der Beurteilung der Edelweißpiraten sind enorm, es reicht vom Beispiel des Jugendwiderstands im Nationalsozialismus bis hin zum Ablehnungsgrund für eine Bewerbung, wie ein Bericht im Blog: „Gedanken des Hollarius“ zeigt. Dort heißt es, die Gründe, warum die Betroffene zum Vorstellungsgespräch gar nicht erst erscheinen müsse, seien »erstens ihre Vergangenheit als Pflegekind, und zweitens ihr Interesse eben für die Edelweißpiraten.«[1] (Es handelte sich um eine kirchliche Pflegeeinrichtung). Ähnliche Differenzen gibt es auch in der Geschichtsschreibung.
Will man die Bekanntheit der Edelweißpiraten „messen“, kann man den Begriff beispielweise in eine Internetsuchmaschine wie Google eingeben und erhält dabei etwa 41.000 Ergebnisse. Das klingt erst einmal nach einer ordentlichen Menge, vergleicht man es mit „Geschwister Scholl“, erscheint es gegenüber deren etwa 777.000 Ergebnissen jedoch eher sehr gering. Wenn man nun den Edelweißpiratenfilm aus dem Jahre 2004, der leider mehr durch Bela B. als Hauptdarsteller als durch seinen Inhalt Aufmerksamkeit erregte, herausnimmt und die Suchanfrage mit „-Bela B.“ erweitert, schrumpft die Zahl sogar auf „nur noch“ 29.000 zusammen. Das ist wahrscheinlich hauptsächlich auf die kaum vorhandene Behandlung der Edelweißpiraten in der Fachliteratur, dem Geschichtsunterricht und der historischen Diskussion zurückzuführen. Das mag zunächst etwas verwundern, da im Nachkriegsdeutschland doch jeder Bericht über Widerstand, der zeigte, dass es keine kollektive Anpassung an den Nationalsozialismus, sondern auch das sogenannte „andere“ Deutschland gab, Balsam für die gepeinigte Seele der Deutschen war. Doch fehlte den Edelweißpiraten die Klientel.
In der Bundesrepublik wurde vor allem der bürgerliche und militärische Widerstand beachtet, wie die erwähnten Geschwister Scholl oder als Beispiel des militärischen Widerstands Claus Schenk Graf von Stauffenberg, während kommunistische Widerstandsorganisationen vernachlässigt wurden. Damit drückt die Widerstandsforschung der Bundesrepublik die Bemühung aus, die Bundesrepublik durch den Widerstand zu legitimieren, indem man zeigt, dass das demokratische Deutschland nicht aus ehemaligen Nationalsozialisten bestand, sondern den Nachfolger einer demokratischen Tradition darstellt, die in der Weimarer Republik begann und durch den Widerstand in Zeiten des Nationalsozialismus bewahrt wurde. Aus denselben Gründen fand in der DDR vor allem der kommunistische Widerstand Beachtung, wie der der KPD oder des Kommunistischen Jugendverbandes.

 

Keiner dieser Gruppen oder Personen soll hier ihr Anspruch auf Beachtung und Anerkennung ihrer Taten auch nur im Ansatz streitig gemacht werden. Es geht lediglich um die Frage, warum die Edelweißpiraten bis in die neunziger Jahre warten mussten, um Beachtung zu finden.

Noch wichtiger mag die Frage der Bewertung der Edelweißpiraten sein, die bis heute im Allgemeinen von Widerstandskämpfern bis hin zur verbrecherischen Organisation reicht.


Allgemein

 

2. Hauptteil

2.1 Allgemeines

2.1.1 Zur Quellenproblematik

Am Anfang dieser Facharbeit möchte ich die Problematik der Quellenlage erörtern, die zwangsläufig Probleme bei der Beurteilung historischer Dokumente bereitet. Rein nominell betrachtet, ist die Quellenlage ziemlich gut, schließlich haben Organisationen wie die Gestapo oder Polizeiämter mit deutscher Gründlichkeit ihre Akten geschrieben. Einige wurden beim Einmarsch der Alliierten vernichtet, doch viele sind erhalten geblieben.
Jedoch ist hier eine kritische Betrachtung angebracht. Formulierungen und Betrachtungsweisen waren hier wesentlich von der Ideologie des Nationalsozialismus durchdrungen. So kann es leicht passieren, dass auf Grund des Totalitätsanspruchs zum Beispiel Nonkonformismus bereits als politischer Widerstand gewertet wird, auf Grund des Hasses auf den Kommunismus vielleicht sogar als kommunistischer Widerstand. Außerdem eröffnet der Tatbestand des politischen Widerstands den Gestapobeamten weiterreichende Handlungs- und Bestrafungsmöglichkeiten. Auch der Historiker Bernd-A. Rusinek berichtet, dass »vielfach das Treiben der Jugendlichen zur formellen und politischen Seite hin übertrieben und verzerrt wurde – ein für politische Verfolgungsbürokratien typischer Vorgang.«[2]
Ein weiteres Problem sind die Befragungsmethoden der Gestapo; es ist hinlänglich bekannt, dass in solchen Verhören Foltermethoden von mittelalterlicher Grausamkeit ebenso wenig eine Ausnahme darstellten wie psychologische Folter. So erwähnt zum Beispiel der Historiker Detlev Peukert, man habe sie »mit mittelalterlichen Methoden zum Sprechen bringen wollen, Anlegen von Daumenschrauben, Schlagen mit Gummiknüppel.«[3] Deswegen stellt sich die Frage, ob jedes Geständnis in den Gestapo-Akten ein echtes Geständnis oder nur die Flucht vor den Schmerzen darstellt. Auch die Formulierungen der Befragten lassen teilweise Zweifel aufkommen, ob sie wirklich vom Gefangenen selbst so formuliert wurden oder von einem Gestapobeamten vorgegeben und mit einem erzwungenen Ja bestätigt wurden. »So erscheint es zweifelhaft, dass beispielweise Bartholomäus Schink im Gegensatz zu sonst kurzen Angaben plötzlich einen über 1 ½ Seiten führenden Monolog gehalten haben soll, zumal dies nachträglich nicht als „sein Stil“ bezeichnet wird«[4]. Ebenso zweifelhaft oder auch als bewusst falsch ausgesagt scheinen Selbstverleumdungen wie »Ich muss hierzu bekennen, dass außer meiner Abenteuerlust der verderbliche Einfluss des „Hans“[5] viel dazu beigetragen hat, dass ich trotz meiner Jugend zu einem gefährlichen Verbrecher geworden bin.«[6]
Ein weiteres Problem der Gestapoakten ist die Verwendung der Begriffe „Bündische Jugend“ und „Edelweißpiraten“. Besonders Ersterer wurde von der Gestapo besonders in den ersten Jahren des Regimes geradezu inflationär benutzt, da es der passendste Straftatbestand war, nach dem man die Edelweißpiraten verurteilen konnte. So konnte der Streifendienst (s.u.) Edelweißpiraten »der Gestapo vorführen, die sie wegen des Verdachts illegaler „bündischer Betätigung“ in der Regel verwarnte.«[7]. Der Begriff „Bündische Jugend“ trifft für die Edelweißpiraten auch nicht voll zu, sondern stiftete eher Verwirrung, da auch Angehörige andere Jugendgruppen (Leipziger Meuten, Swingjugend usw.) öfter als „Bündische“ bezeichnet wurden. Später wurde dann der Begriff „Edelweißpirat“ inflationär gebraucht, so war Gestapo-Akten zu Folge manchmal schon Edelweißpirat, wer »ohne Grund HJ-Angehörige überfällt und körperlich misshandelt«[8] oder auch »jeder jugendliche Eckensteher, der in den Jahren zuvor als Navajo, Kittelbachpirat oder „bündischer“ bezeichnet worden wäre, wurde jetzt zum Edelweißpiraten erklärt«[9], ohne jegliche Beachtung der Gründe für dieses Verhalten.

Erst seit kurzem gibt es als weitere Quelle für Nachforschungen Biografien der direkt Beteiligten, also ehemaligen Edelweißpiraten. Jahrelang haben sie geschwiegen, teilweise wahrscheinlich verschreckt durch die Ergebnisse der Schadensersatzprozesse (s.u.), doch in den letzten Jahren erschienen immer mehr Biografien verschiedener Edelweißpiraten. Das Problem dieser Quellengruppe liegt in der Subjektivität der Schilderungen. Davon abgesehen ist es fraglich, ob die Erinnerungen und Erlebnisse Einzelner repräsentativ für eine Gruppierung stehen können, die mehrere tausend Individuen umfasste und in sich grundverschieden war.


2.1.2 Zum Widerstandsbegriff

Der Begriff „Widerstand“ ist heutzutage ein sehr weitumfassender Begriff geworden. Dies zeigt sich schon an der Unzahl von gebräuchlichen Synonymen (zumindest im Bezug auf Politik) wie oppositionelles Verhalten, Protest, Nonkonformismus usw.. Damit muss zuerst die Frage gestellt werden, was denn nun Widerstand bedeutet, bevor man sich der Frage zuwendet, ob die Edelweißpiraten Widerstandskämpfer waren. Folgende Grafik hat Karl Filser von der Universität Augsburg in seinem Aufsatz „Dissens, Resistenz, politischer Protest…“ aus gesammelten Widerstandsbegriffen aus diversen Publikationen und Lexika erstellt.


 
 
Identitätsbewahrung
Sozialer Protest
Wehrdienstverweigerung
Dissens
Resistenz
Weltanschauliche Dissidenz
Aktiver Widerstand
Widersetzlichkeit
Sozialer Ungehorsam
Desertion
Prinzipielle Gegnerschaft
Ziviver Mut
[10]

Es bestand auch bei weitem nicht immer Einigkeit, wie verschiedene Fälle zu bewerten sind. So wurde der Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 von vielen als Beweis des „anderen“ Deutschlands angesehen, in der angelsächsischen Geschichtsforschung sah man die Attentäter dagegen als Militaristen, die mit Hitler lediglich ein Opfer für einen Verhandlungsfrieden darbringen wollten. Auch die Bevölkerung war zwiegespalten; so verurteilten nach einer Meinungsumfrage noch 1951 30% den Versuch als Verrat, während gerade mal 40% ihn positiv bewerteten.[11]
Erst in den 1960er und 1970er Jahren trat der Widerstand der ganz normalen Bürger in den Fokus der Widerstandsforschung. In den 1990ern wurde die Widerstandsforschung noch einmal ausgedehnt, hier fand auch die Jugendopposition, in deren Zusammenhang die Edelweißpiraten behandelt werden, zunehmend Beachtung.
Die verschiedenen Abstufungen und Bezeichnungen sind je nach Betrachtungsweise des jeweiligen Autors verschieden gewählt. So stellt zum Beispiel Detlev Peukert in seinem Buch „Edelweißpiraten“ den Widerstand als Entwicklungsmodell [12] von Nonkonformismus und Politischer Opposition dar, der über eine oder mehrere oppositionelle Handlungen zu den verschiedenen Formen des Widerstands führt.
Oft wird eine Unterscheidung zwischen passivem und aktivem Widerstand gewählt. Zum passiven Widerstand zählen die Resistenz gegenüber der nationalsozialistischen Propaganda und der Nonkonformismus. Zum aktiven Widerstand zählt meist offene Ablehnung des Regimes und natürlich die Mitarbeit an einem Attentat oder Sturz.

2.1.3 Zum Namen: Edelweißpiraten

Der Begriff klingt zunächst einmal etwas ungewöhnlich. Das alpine „Edelweiß“ und die maritimen „Piraten“ als krassen Gegensatz in einem Wort zusammenzufassen, erscheint zunächst nicht nur unpassend, sondern auch etwas befremdlich. Will man die Etymologie des Wortes „Edelweißpirat“ genauer betrachten, muss man zwangsläufig die Eigenschaften der jeweiligen Dinge analysieren.
Das Edelweiß ist bekanntlich eine kleine, aber durchaus widerstandsfähige und hartnäckige Pflanze. Bernd-A. Rusinek bietet in seiner Dissertation weitere Aspekte, die für den Begriff „Edelweiß“ sprechen. Zum einem sei es seit den 1920ern ein populäres Zeichen des Alpintourismus, weshalb auch die Embleme leicht zu bekommen seien.[13] Außerdem könne es als beabsichtigt satirische Note gemeint sein, da das Edelweiß einmal als Lieblingsblume des Führers bezeichnet wurde[14]. Ein Beleg hierfür ist auch, dass das Edelweiß »1933 vom populären Tenor Harry Steier als „des Führers Lieblingsblume“ besungen«[15] wurde. (Das Lied wurde jedoch später von der Reichsmusikstelle in Nürnberg verboten.[16])
Bei dem Begriff „Piraten“ darf man freilich nicht die heutigen Vorfälle vor der somalischen Küste betrachten, sondern muss sich fragen, wie Jugendliche zwischen 1939 und 1945 wohl Piraten gesehen haben. Laut Thomas Häusler[17] hatten die Piraten zwischen dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts den Höhepunkt ihres „Schaffens“ erreicht. Der Pirat William Fly »prägt bis heute das Bild von den Seeräubern: ehr- und rechtlose wilde Gesellen ohne Skrupel.«[18] Jedoch revidiert Thomas Häusler dieses Bild im weiteren Verlauf des Artikels und zitiert zum Beispiel einen Kapitän aus dem Jahre 1728: »(...), sie waren unter sich äußerst gerecht.«[19] Des Weiteren wird berichtet, dass Piraten »ihren Kapitän demokratisch wählten und jederzeit absetzen konnten, wenn er sich als autokratisch erwies«[20] und das in einer Zeit, in der auf dem Festland der Absolutismus herrschte. Somit könnten die Piraten als Symbol für Freiheitskämpfer gegen die Unterdrückung angesehen werden.

Was folgt daraus nun für unseren oben genannten Begriff „Edelweißpirat“? Die Edelweißpiraten waren zwar durchaus zahlreich, verglichen mit dem Unterdrückungsapparat der Nationalsozialisten jedoch in schier unendlich erscheinender Unterzahl, außerdem waren die meisten von ihnen Jugendliche und damit allein auf Grund ihres Alters kaum in der Lage, der Erwachsenenwelt gegenüber politisch wirksamen und spürbaren Widerstand zu leisten. Die verschiedenen Gruppen gab es bis zum Ende des II. Weltkriegs, keine noch so harte Repressionsmaßnahme konnte ihnen endgültig den Garaus machen. Klein und widerstandskräftig, unser Edelweiß. Außerdem waren sie Piraten, denn sie wollten Freiheit statt der gnadenlosen Unterdrückung von oben und wählten deswegen ein Leben, das in den Augen der Machthaber verbrecherisch war. Und so kommen wir zu der Verschmelzung zweier eigentlich nicht so richtig zusammenpassender Begriffe - Der Edelweißpirat.
Es ist jedoch fraglich, von wem der Name überhaupt erfunden worden ist. Da die Edelweißpiraten keine feste Organisation, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Gruppen waren, gibt es natürlich keine Gründungsurkunden oder Ähnliches. Viele Gruppen nannten sich Edelweißpiraten, laut Kurt Schilde ist es »zu vermuten, dass er eine Schöpfung der Verfolgungsbehörden ist«[21]. Sie beruft sich hierbei auf ein Dokument des Jugendführers des Deutschen Reiches: Wegen der Angewohnheit der Gruppen, ein Edelweißemblem zu tragen, »wurde diesen der Name „Edelweißpiraten“ bzw. „Edelweißclub“ (...) gegeben.«[22] Der Begriff Pirat wurde wahrscheinlich aus den bekannten Kittelbachpiraten entlehnt. Verbreitet wurde der Name dann durch Verfolgung, Gerüchte u.Ä.
Erzählungen über die Lieder und Fahrten der verbotenen bündischen Jugend hatten, egal ob von den Eltern oder von Hitlerjugend (HJ) - Führern, immer einen gewissen Werbeeffekt für die Edelweißpiraten. Auch Berichte und Warnungen über die Edelweißpiraten taten ihr Übriges. Übertreibungen, die eigentlich Angst erzeugen sollten, konnten leicht in romantische Ehrfurcht münden. Wenn von Verwahrlosung gesprochen wurde, träumten die Jugendlichen von Freiheiten, sprach man von der Gefährlichkeit der Gruppen, träumten die Jugendlichen davon, auch so stark zu sein.

Verschiedene Maßnahmen des Nationalsozialismus trugen ebenso zur Verbreitung des Namens, aber auch des Stils und der Art der Organisation bei. So kamen die Edelweißpiraten durch Maßnahmen wie dem Reichsarbeitsdienst, Einzug für die Wehrmacht, Wehrertüchtigungslager, Evakuierungen oder Kinderlandverschickungen[23] in verschiedene Teile des Reiches und verbreiteten ihren Namen und ihre „Kultur“.


Entstehung

2.2 Die Edelweißpiraten

2.2.1 Entstehung

Eine Entstehung der Edelweißpiraten ist nur schwer zu bestimmen; es waren kleine Gruppen, die sich spontan bildeten, eine wirkliche Gründung oder dergleichen gab es nicht. In den Gestapoakten wurden sie auf Grund ihrer Kluft und ihres Liedguts oft als Fortführung der sogenannten „Bündischen Jugend“ bezeichnet, ein Sammelbegriff für die diversen Jugendbewegungen in der Weimarer Zeit, die sich teilweise großer Beliebtheit erfreuten. So erzählt der Altkanzler Helmut Schmidt, dass es 1932 »unter den Jungen unserer Schulklasse Mode geworden« war, »in die bündische Jugend einzutreten, und Anfang 1933 war wohl die Hälfte der Jungen Mitglied in einem der Jugendbünde. Dabei empfanden wir übrigens keinen großen Unterschied zwischen der damaligen SAJ[24] …, den Republikanischen Pfadfindern, der Deutschen Freischar, der Freischar der Jungen Nation, dem Nerother Wandervogel und so weiter.«[25] Diese hatten besonders nach der Ruhrbesetzung durch Frankreich großen Zulauf aus der Arbeiterjugend.

Entstanden sind die Edelweißpiraten größtenteils aus verschiedenen Wandergruppen und den Kittelbachpiraten. Die Kittelbachpiraten (Meist mit K.P. abgekürzt) waren als Gruppe keiner politischen Richtung zuzuordnen, es gab Prügeleien mit der SA gegen Kommunisten, aber teilweise prügelten sie sich auch mit der SA selbst. So schrieb nach einer Razzia bei den Kittelbachpiraten in Wolfsberg bei Hüls die Rheinische Landeszeitung am 15.10.1936: »Wie erinnerlich, haben die Kittelbachpiraten vor der Machtübernahme Seite an Seite mit unserer SA gegen die Kommune gekämpft. Nach der Machtübernahme wurde durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 28.2.1933 der Bund der Kittelbachpiraten aufgelöst. Die guten Elemente schlossen sich dann auch sofort der HJ an. Das Grobzeug verharrte aber in Ablehnung gegen die Staatsjugend.«[26] Als jedoch mit der Ernennung der HJ zur Staatsjugend die »Auflösung oder Einschmelzung der bündischen, konfessionellen und politisch-gegnerisch eingestellten Jugendverbände«[27] begonnen wurde, wurden diese Gruppen zerschlagen. Aus den Mitgliedern dieser Gruppen, die sich nicht der HJ anschließen wollten, entstanden die ersten Edelweißpiraten, die sich damals, wie bereits erwähnt, noch nicht so nannten. Die ersten Edelweißpiraten hatten folglich viele verschiedene Namen, wie Kanalpiraten, Fahrtenstenze, Ruhrpiraten und viele andere.

 

2.2.2 Kluft, Lieder und Fahrten - Was die Edelweißpiraten beliebt machte

Obwohl die Edelweißpiraten keine Fortführung der Bündischen Jugend sind, finden sich doch in ihren Verhaltensweisen und Traditionen viele Verbindungen zur bündischen „Kultur“.

Die sogenannte Fahrtenkleidung (Kluft) der Edelweißpiraten zeigte die deutlichsten Parallelen auf; als Hemden wurden meiste bunte Fahrten-, aber auch Schotten- und Schihemden getragen, außerdem eine kurze (Leder-)Hose, manchmal auch noch die alten HJ-Hosen. Dazu trug man meist weiße Socken mit Stiefeln oder auch Bundschuhen; dazu oft Halstücher und das namensstiftende Edelweißemblem, häufig am Revers getragen, durfte natürlich nicht fehlen. Wenn es kälter war, trug man oft weiße Pullover, Kletterwesten oder Windjacken. Die typische Kleidung der Mädchen bestand meist aus weißen Blusen, blauen Röcken und weißen Söckchen. Die »Edelweißpiratinnen trugen ihr Haar ungebunden und schmückten sich mit ihren Abzeichen. Damit durchbrachen sie die im Nationalsozialismus starr vorgeschriebene Geschlechterrolle, die für BDM-Angehörige Schmucklosigkeit und den „deutschen“ Zopf vorschrieb.«[28] Musik war ein wichtiger Integrationsfaktor, es wurde so oft gesungen, wie es ging. Teilweise zogen die Edelweißpiraten singend durch die Straßen oder gingen singend auf Wanderfahrt, meist begleitet mit einer Klampfe[29]. Gesungen wurde vieles - normale Lieder oder Schlager, eigens umgedichtete Versionen oder auch komplett selbst erfundene Lieder, oft auch systemkritische Texte wie:

 

An Rhein und Ruhr marschieren wir,
für unsere Freiheit kämpfen wir,
den Streifendienst, schlagt ihn entzwei,
Edelweiß marschiert, Achtung die Straße frei[30]

Noch vor der Musik bildeten jedoch die gemeinschaftlichen Wanderfahrten den wahrscheinlich wichtigsten Aspekt. Die Ziele variierten je nach Herkunft der jeweiligen Edelweiß-piratengruppe. Die Kölner Edelweißpiraten fuhren gern ins „Ammerländchen“ bei Rösrath, die Düsseldorfer zum „Blauen See“ bei Ratingen und die Duisburger und Essener machten ihre Ausflüge am liebsten zum sogenannten Entenfang, ein kleiner See, der noch heute ein beliebtes Ziel von Wandergruppen ist. Diese Unternehmungen wurden in kleiner Gruppe geplant, ohne Beiträge und Listen, es wurde einfach zusammen „ins Grüne“ gefahren. Auf den Fahrtenzielen wurde dann gebadet, gezeltet oder einfach nur gemeinsam gesungen. Unklar ist, ob es auf diesen Fahrten zu sexuellen Ausschweifungen gekommen ist. So erwähnt die Gestapo, die glaubte, die weiblichen Mitglieder hätten in der Gruppe lediglich eine Funktion als Sexualobjekt, in einem Bericht: »Zwischen den beiden Geschlechtern herrschte ein Umgangston und eine Umgangsform, die jeglichen Anstands entbehrte. Vielfach lagerten und badeten die Jugendlichen beiderlei Geschlechts vollständig nackt zusammen«[31]. Allerdings führten die Beziehungen teilweise sogar »in der Clique in spätere Ehen«[32] und ein Kölner Jugendrichter formulierte in einem Bericht, dem wahrscheinlich mehr Objektivität beigemessen werden kann: »Es sind weder (...) noch geschlechtliche Ausschweifungen (Swingbewegung) festgestellt worden, wenn auch bei den Treffs und Fahrten gelegentlich Knutschereien vorkommen mögen«[33] Jedoch ist es durchaus anzunehmen, dass für viele Jungs und Mädchen die Möglichkeit, auch mit dem jeweils anderen Geschlecht freizeitliche Tätigkeiten zu unternehmen, einen starken Anreiz bot, waren doch die Geschlechter in den nationalsozialistischen Organisationen durch HJ und BDM strikt voneinander getrennt.

2.2.3 Organisation

Eine Organisation, die diesem Begriff gerecht wird, gab es bei den Edelweißpiraten eigentlich nicht. Die verschiedenen Cliquen waren in der Regel eher spontane Zusammenschlüsse und normalerweise lokal beschränkt; so hatten zum Beispiel große Städte im Ruhrgebiet oft mehrere Edelweißpiratengruppen, die sich stadtteilweise zusammenschlossen. In den einzelnen Gruppen gab es im Normalfall weder Listen der Mitglieder, noch mussten Mitgliedsbeiträge bezahlt werden, nur zu Fahrten wurden manchmal temporäre Reisekassen gebildet. Dieser „Missstand“ rettete jedoch wahrscheinlich einigen Edelweiß-piraten das Leben, schließlich gab es logischerweise auch gegen sie Razzien und Ähnliches der Gestapo. Hätte diese dabei eine Mitgliederliste gefunden, hätte sie sofort alle Beteiligten aufspüren und verhaften können. So trug diese „Unordentlichkeit“ dazu bei, der Gestapo das Leben schwer zu machen.


(Mühlheimer Edelweißpiraten 1943)

Ein weiterer Aspekt, der den nationalsozialistischen Behörden die Verfolgung erschwerte, waren die Rufnamen in der Gruppe. Oft kannten sich die Einzelnen nicht einmal beim richtigen Namen und riefen sich nur mit den in vielen Cliquen ähnlichen Spitznamen, wie Jonny, Texas-Jack, Alaska-Bill, Whisky-Bill, Kanera, Hatte, Fatz, Bobby, Jumbo, Sonny Boy oder Schwarze Hand.[34] Auch einen Dachverband, der alle Edelweißpiratencliquen zusammenhielt und organisierte, gab es nicht, dazu fehlte überregional der Kontakt und regional der Konsens. Teilweise war das Revierverhalten der Gruppen so stark, dass es zu Schlägereien zwischen zwei Edelweißpiratengruppen verschiedener Stadtteile kam. Sie waren sich jedoch ihrer Gemeinsamkeiten bewusst und konnten sich durchaus gegen gemeinsame Feinde wie die HJ zusammenschließen. Trotzdem gab es von Seiten der nationalsozialistischen Organisationen immer wieder Befürchtungen, ein solcher Dachverband könnte existieren bzw. entstehen. So notiert die Gestapostelle Düsseldorf im Dezember 1937: »Wenn diese auch in den wenigsten Fällen als organisatorisch fest zusammenhängend betrachtet werden können, so besteht doch die Möglichkeit, dass sie sich enger zusammenschließen und so ein Instrument bilden, dass in der Hand einiger staatsfeindlicher Elemente eine Gefährdung der Jugend und damit auch des Staates bedeuten würde.«[35]; eine Befürchtung, die mit der Zeit nicht abnahm; so heißt es in einem Lagebericht der Gestapo-Leitstelle Düsseldorf 1943: »Als die Zusammenrottungen der Piratenjugend größeres Ausmaß annahmen und die Gefahr bestand, dass diese Jugendgruppen politischen Gegnern Anlass geben könnten, sie als willkommene Basis für ihre Zersetzungsarbeit auszunutzen, wurde von der Staatspolizeileitstelle Düsseldorf eine systematische vertrauliche Überwachung herbeigeführt«[36]. Diese Angst wurde noch zusätzlich von Edelweißpiraten geschürt, die sich damit brüsteten, angeblich Geld für Überfälle auf die HJ zu bekommen. Die Befürchtungen der Gestapo waren nicht einmal abwegig. Die KPD hatte wahrscheinlich durchaus Interesse an den Edelweißpiraten, jedoch passte deren Ablehnung der HJ gegenüber nicht in den Plan der KPD, die HJ kommunistisch zu unterwandern und so dem Nationalsozialismus den Nachwuchs zu entreißen.
Oft variierten die verschiedenen Gruppen auch in ihrer Mitgliederstruktur, vor allem durch den Reichsarbeitsdienst, Einberufung in die Wehrmacht[37], Verhaftungen oder Todesfälle in Folge von Bomberangriffen oder Folter. Im Falle der Einberufung wurden unter Edelweißpiraten oft sogar kleine Abschiedsfeiern gehalten.
Im Bezug auf das Alter waren die Edelweißpiraten eine eher homogene Gruppierung, sie rekrutierten sich beinahe vollständig aus Jugendlichen, vor allem nach 1941, als immer jüngere Männer an die Front eingezogen wurden und sich somit das Durchschnittsalter der Edelweißpiraten merklich senkte. Besonders stark waren die Jahrgänge 1925-1927 vertreten, die 1941 also erst 16 Jahre alt waren und damit vorerst noch zu jung für den Kampfeinsatz waren (»62% der Vernommenen in den Jahren 1942 bis 1945 gehörten diesen Jahrgängen 1925, 1926 und 1927 an«[38]).

 

2.2.4 HJ, Verbote und andere widrige Umstände

Die Hitlerjugend und deren weibliche Unterorganisation, der Bund deutscher Mädel (BdM), hatten als nationalsozialistische Jugendorganisation die Aufgabe, die Jugend auf die „richtige“, also die nationalsozialistische Bahn zu bringen. Dazu wurden die Kinder bereits im Kindesalter im Jungvolk gesammelt, kamen von dort aus direkt in die Hitlerjugend, um dann später direkt zum Reichsarbeitsdienst, der Wehrmacht, der SS oder anderen nationalsozialistischen Organisationen „weitergereicht“ zu werden, ganz wie Hitler es in seiner Rede über die faschistische Erziehung der Jugend forderte: »(…) vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei, in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps, Anm. des Autors) und so weiter (…) dann kommen sie in den Arbeitsdienst (…) übernimmt dann die Wehrmacht (…) und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben!«[39]. Die Wichtigkeit der Jugend basierte auch auf ideologischen Gründen, schließlich bezeichnet sich der Nationalsozialismus selbst als „Junges Deutschland“. Der Eintritt in die HJ war Pflicht[40], somit ist es nicht verwunderlich, dass der Großteil der Edelweißpiraten aus der HJ kam, da »bis 1939 bald 90 Prozent aller Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren in der Hitlerjugend«[41], wenn auch nicht zwingend ideologisch, zumindest auf dem Papier Mitglied war. Die fehlenden zehn Prozent sind wahrscheinlich vor allem durch Ausschlüsse zu erklären, da die Mitgliedschaft in der HJ oft schon für geringe Vergehen entzogen wurde.
Als Nachwuchsorganisation eines totalitären Regimes hatte die HJ ebenfalls den totalitären Anspruch, die gesamte Jugend zu kontrollieren. Insofern konnte jegliches Verhalten, das gegen die HJ gerichtet war, nur als systemfeindlich angesehen werden, schließlich war die HJ existentieller Teil dieses Systems. Folglich gingen die Unterdrückungsorganisationen des Nationalsozialismus hart gegen das Treiben der Edelweißpiraten vor, die den Anspruch hatten, ihre Freizeit außerhalb der HJ zu gestalten. Anfangs brachten die meisten Jugendlichen der HJ wahrscheinlich noch Sympathien entgegen - eine Jugendorganisation mit paramilitärischem Charakter war für viele Jungs mit Sicherheit anziehend; zu diesem Zeitpunkt glaubten sie allerdings noch an die Möglichkeit einer freien Entwicklung neben der HJ. Als diese Hoffnung mit dem Hitlerjugendgesetz am
1. Dezember 1936 zunichte gemacht wurde, regte sich der erste Widerstand.


(Kölner Edelweißpiraten)

Zuerst übernahm die HJ noch einige der verschiedenen bündischen Sitten und band Führer bündischer Jugendorganisationen ein, denn ohne diese „Bündischen Elemente“ (später eine Bezeichnung für verfolge Edelweißpiraten) wäre der Aufstieg der HJ wahrscheinlich nur schwer möglich gewesen. Nachdem die HJ Staatsjugend war, änderte sich dies rasch und es wurde versucht, die „bündischen Triebe“ auszuschalten. So gab es ab 1936 vermehrt polemische Artikel wider die sogenannte „bündischer Zersetzung“ und der Fokus der Ermittlungen wurde immer mehr auf die Verfolgung dieser „bündischen“ Gruppen gerichtet, wie zum Beispiel durch den Erlass Himmlers zur „Bekämpfung jugendlicher Cliquen“[42]. HJ-Führer, die ehemalige Bündische waren, wurden aus den leitenden Stellen entfernt, meist mittels Denunziation wegen Homosexualität.
Die Gründe für den Austritt aus der HJ und dem Eintritt in das gefährliche, geheime und illegale Gruppenleben der Edelweißpiraten waren vielfältig. Anfangs konnte die HJ viele Jugendliche begeistern, vor allem durch Fahrten und Wanderungen, aber auch durch das Ausnutzen jugendlicher Sehnsüchte wie der Unabhängigkeit von den Eltern, dem paramilitärischen Charakter oder dem Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit. Einige Jugendliche verließen die HJ, da sie sich nicht mit dem Prinzip der unbedingten Disziplin und des unbedingten Gehorsams anfreunden konnten, doch auch ganz unideologische Gründe waren dabei, wie zum Beispiel Enttäuschung, weil man einen begehrten Posten nicht erhalten hatte. Doch auch hier waren die Ansichten der verschiedenen Gruppen unterschiedlich, so hieß es in einem Treueeid einer kölnischen Edelweißpiratengruppe: »Ich schwöre, dass ich den Edelweißpiraten Treue und Gehorsam leiste. Weiter, dass ich mich voll und ganz für sie einsetze, wenn nötig sogar mit meinem Leben.«[43] In diesem Falle scheint die Disziplin kein Punkt des Anstoßes gewesen zu sein.
Besonders groß war der Zulauf nach Kriegsbeginn und noch einmal verstärkt nach 1941, da der Krieg der HJ einigen Schaden zufügte. So wurden deren Möglichkeiten sehr begrenzt, da fähige und ältere Jugendführer in den Krieg zogen und jüngere, unerfahrenere und oft auch unfähige Jugendführer an deren Stelle traten. So waren die »Proletarischen Führertypen der „Kampfzeit“ (...) nicht mehr in der Jugendarbeit aktiv«[44] und es wurden zum Beispiel Oberschüler Lehrlingen vorangesetzt und man sollte als Älterer einem eventuell wesentlich Jüngeren gehorchen. Hinzu kam, dass »den HJ-Angehörigen (…) das „auf-Fahrt-gehen“ mit Rücksicht auf die Anspannung der Verkehrsverhältnisse verboten«[45] wurde, während die Edelweißpiraten weiter ihre Ausflüge machten. Jugendherbergen wurden teilweise der Wehrmacht als Kasernen zur Verfügung gestellt.
Dieser Gefahr wurde der HJ-Streifendienst entgegengestellt, dessen Aufgabe es war, die innere Disziplin der HJ und anderer Jugendlicher zu überwachen. Vor allem mit diesem kollidierten die Edelweißpiraten oft, da er als Kontrollorgan der HJ natürlicher Gegenspieler der Edelweißpiraten war. Jedoch lag bereits hier ein Problem vor. Schließlich war der Streifendienst meist gleichaltrig den Edelweißpiraten gegenübergestellt, beanspruchte jedoch unbedingten Gehorsam. Dies wollten sich viele nicht bieten lassen und vertiefte die gegenseitige Abneigung nur noch. Eine Aufgabe des Streifendienstes war das Unterbinden von Fahrten der Edelweißpiraten, da der HJ durchaus bewusst war, dass diese Fahrten einen Hauptanziehungspunkt der Edelweißpiraten für die Jugendlichen darstellten. Eigentlich mussten die Gruppen sogenannte Fahrtenerlaubnisscheine besitzen, um auf Fahrt gehen zu dürfen, diese wurde von der Polizei oder eben dem Streifendienst kontrolliert. Wurden die Edelweißpiraten bei einer illegalen Fahrt erwischt, gab es oft Schlägereien mit dem Streifendienst, bei denen Letzterer oft wegen der zahlenmäßigen Unterlegenheit den Kürzeren zog, was wiederum den Ruf der Edelweißpiraten nur verstärkte. So hieß es in einem Kommentar der HJ zu zwei Denunziationsschreiben der Babcock-Werke vom 11. Juni 1941: »Dann noch zu Ihrer Kenntnisnahme, dass ich in letzter Zeit häufig Besuche von Müttern bekomme, die ihre Jungen nicht mehr in den Abendstunden zum Hitler-Jugend-Dienst schicken wollen. Sie begründen das damit, dass es jetzt wiederholt vorgekommen sei, dass Hitler-Jugend und sogar Hitler-Jugend-Führer in Uniform von den genannten KP. Leuten (Kittelbachpiraten Anm. des Autors) überfallen worden sind.«[46] Die HJ hatte jedoch viele Vorteile: So übergab sie Festgenommene der Gestapo oder der SA und unterhielt teilweise sogar eigene Prügelkeller. Der Streifendienst scheint hier jedoch ab und zu seine Kompetenzen überschätzt zu haben. So zitiert Alfons Kenkmann den Chef der Sicherheitspolizei, dass »sie auf keinen Fall damit rechnen können, in irgendeiner Weise Polizei zu spielen.«[47]

Ein weiteres Problem waren die vielseitigen Verbote im Dritten Reich, wie das bereits erwähnte Fahrtenverbot. So wurden auch Liederbücher mit bündischen Liedern verboten. Nicht-HJ-Mitglieder durften sich nicht in Jugendherbergen aufhalten, das Besuchen von Tanzveranstaltungen oder Lokalen wurde Jugendlichen verboten, das Kino war für Besucher unter 18 tabu, ebenso das Varieté für Jugendliche unter 21; auch der Genuss von Alkohol und Tabak war untersagt. Berücksichtigt man außerdem den sehr dehnbaren Straftatbestand des „Herumtreibens in Dunkelheit“ wurde praktisch fast das gesamte Freizeitverhalten der Jugendlichen zum Verbrechen deklariert. Folglich verwundert es nicht, dass in dieser Zeit die Fälschungsdelikte bei Dokumenten, die das Alter angeben, anstiegen, da die Jugendlichen ihr Alter „nach oben korrigieren“ wollten.

2.2.5 Edelweißpiraten in nationalsozialistischen Organisationen und der Wehrmacht

 

Doch nicht einmal in der Ablehnung der HJ gegenüber waren sich die Edelweißpiraten untereinander einig. So gab es durchaus auch Anhänger der Edelweißpiraten, die nicht aus der HJ ausgetreten sind, sondern sich ganz im Gegenteil noch aktiv daran beteiligten. Ein Edelweißpirat berichtete: »Augenblicklich hat K. mit der HJ viel zu tun, da er Schulungsleiter von Dortmund ist und später in den Bann rücken will. Er will zusehen, dass du auch einen anständigen Führerposten bekommst. Ich bin schon Fähnleinführer beim Jungvolk geworden.«[48] Die Edelweißpiraten vertraten auch nicht eine allgemeine pazifistische Grundeinstellung; so war »Kritik junger Edelweißpiraten an den nationalsozialistischen Kriegszielen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bis weit in das Jahr 1943 (...) die Ausnahme.«[49] Außerdem meldeten sich nicht wenige von ihnen freiwillig zur Wehrmacht oder auch zur Waffen-SS. In der Wehrmacht war vor allem die Kriegsmarine ein begehrtes Ziel. Dies mag mit romantischen Vorstellungen von Abenteuern oder auch dem Traum vom Entdecken fremder Länder zusammenhängen, vielleicht auch mit der Tatsache, dass viele Edelweißpiraten aus dem Arbeitermilieu und damit oft aus technischen Berufen stammten und damit eine Begeisterung für die riesigen Kriegsschiffe aufbringen konnten. Überraschend ist es trotzdem, da die deutsche Marine oft schwere Verluste, zum Beispiel gegen das auf See überlegene Großbritannien, erlitt oder wie bei der Invasion Norwegens im Zuge der Operation „Weserübung“.
Die Technikbegeisterung dürfte auch ein Grund für Meldungen zur Waffen-SS sein, die als modern und gut ausgerüstet propagiert wurde und einige motorisierte Verbände unterhielt. Auch der „elitäre“ Charakter der Waffen-SS mag große Anziehung auf Jugendliche gehabt haben und griff das »unter den Arbeiterjugendlichen wie den Edelweißpiraten weit verbreitete „Machismo“-Gehabe auf.«[50]
Ein wichtiger Punkt war natürlich auch die Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs, der für die Arbeiterjugendlichen durch das Erringen der Offizierswürde möglich geworden war, da die Wehrmacht »seit 1942 weitgehend auf die Primarreife oder das Abitur als Voraussetzung für den Eintritt in die Offizierslaufbahn verzichtete.«[51] Dabei gab es anfangs keine Auffälligkeiten betreffend Gehorsam und Ähnlichem, erst »in der „turbulenten Endphase“ des NS-Regimes 1944/45 desertierte eine ganze Reihe von ihnen.«[52]


Verfolgung

2.2.6 Verfolgung und Bestrafung

Natürlich wurden die Edelweißpiraten wie alle oppositionellen Gruppierungen des Dritten Reiches verfolgt, sowohl durch den bereits erwähnten Streifendienst der HJ als auch durch die Verfolgungsorgane des Dritten Reiches, wie der Gestapo oder auch einfach der normalen Polizei.

»Überwachung und Bekämpfung der Cliquen sind kriegswichtig«[53] konstatiert Heinrich Himmler in seinen Erlassen zur „Bekämpfung jugendlicher Cliquen“, folglich wird der Verfolgung dieser „Cliquen“ hohe Priorität eingeräumt und harte Strafen werden zur Abschreckung vollstreckt, so muss »gegen Anführer und aktive Teilnehmer (...) u.U. mit aller Schärfe eingeschritten werden, insbesondere gegen Erwachsene und Ausländer sowie in Fällen, in denen zum Zwecke der Abschreckung ein warnendes Beispiel gegeben werden muss. Ihre sofortige Entfernung aus der Öffentlichkeit wird in der Regel erforderlich sein.«[54]

 

Dies schließt bereits die volle Bandbreite der den nationalsozialistische Organisationen zur Verfügung stehenden Bestrafungsmöglichkeiten ein, von der Kündigung über Folter und Haft bis hin zur Hinrichtung. Letzteres kam im Falle der Edelweißpiraten jedoch selten vor. Im besten Falle genügte der Polizei eine »unter Beteiligung der Eltern ausgesprochene Ermahnung«[55], wenn der betreffende Jugendliche strafrechtlich noch nicht erfasst war. Zusätzlich gab es spezielle Erziehungslager für Jugendliche, in denen man versuchte die auffällig gewordenen innerhalb drei Monate durch straffe Erziehung wieder auf den Pfad des Nationalsozialismus zu bringen. »In Fällen schwerster Gefährdung oder Verwahrlosung kann die Einweisung des Jugendlichen in ein Jugendschutzlager nach den geltenden Bestimmungen beantragt werden.«[56] Als letztes Mittel gab es dann sogar sogenannte Jugend-KZs, wie das KZ in Moringen.
Das Jugend-KZ in Moringen bot 1000 Insassen Platz und war wie alle KZs ummauert, umzäunt und bewacht. Bei 800 Inhaftierten betrug das Lagerpersonal 150 Personen, davon 80-90 als Wachen und 12 Erzieher. Doch im Gegensatz zu normalen KZs straften die Wachmannschaften Fehlverhalten der Insassen nicht, sondern meldeten es den Erziehern. Sinn war es, »die Insassen nach kriminalbiologischen Gesichtspunkten zu sichten, die noch Gemeinschaftsfähigen so zu fördern, dass sie ihren Platz in der Volksgemeinschaft ausfüllen können und die Unerziehbaren bis zu ihrer endgültigen anderweitigen Unterbringung zur Ausnutzung ihrer Arbeitskraft zu verwahren.«[57] Arno Klönne zieht in seinem Werk „Jugend im dritten Reich“ ein passendes Fazit: »Das Jugend-KZ als konsequentes Mittel der Hitlerjugendsozialisation – das war am Ende aus dem Anspruch auf die Volksgemeinschaft geworden.«[58]

 

Teilweise wurden die Jugendlichen später in normale KZs überführt, nur 6-8% galten als „erziehungsfähig“ und wurden dem Reichsarbeitsdienst oder der Wehrmacht übergeben.

2.2.7 Die Edelweißpiraten nach dem Krieg oder die „88er“

Die Edelweißpiraten der Nachkriegszeit werden in der Geschichtsschreibung öfter als die „88er“ bezeichnet, eine sehr befremdende Bezeichnung, schließlich steht „88“ für „Heil Hitler“[59] und erscheint wenig passend für eine Gruppierung, die im Deutschland des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Die „88“ wird heute häufig in der Neonazi-Szene auf Kleidung oder Ähnlichem getragen.
Anfangs organisierten sich viele Edelweißpiraten in der FDJ[60], da sie es auf Grund ihrer gemischt geschlechtlichen und eher losen Organisation den Edelweißpiraten am ehesten ermöglichte, ihren Stil auszuleben. Als jedoch mit wachsendem Einfluss der KPD die politische Seite immer mehr in den Vordergrund rückte, kehrten die meisten Edelweißpiraten der FDJ wieder den Rücken.

Die Mobilität nach dem Krieg ermöglichte zwar eine Verbreitung der Bräuche der Edelweißpiraten, doch konnten sich viele nicht in die neuen Gegebenheiten einfügen. »Die Auflehnung, die sie gegenüber den Nazis beseelte, wandelte sich beinahe über Nacht in Trotz gegen die Besatzungsbehörden.«[61], statt mit der HJ gab es nun Prügeleien mit den Besatzungstruppen oder Auseinandersetzungen mit Ausländern, vor allem jüdischen oder polnischen Displaced Persons[62]. Oft gab es auch stark nationalistische Tendenzen. »Man verstand sich als eine Art deutsche Bürgerwehr.«[63] Auch die Texte ihrer Lieder passten sich an: »wenn die Fahrtenmesser blitzen, und die Polenschweine flitzen, und die Edelweißpiraten greifen ein. Eins kanns nur geben, Tod oder Leben, wir wollen freie Deutsche sein«, » Dort liegt das Lager der Edelweißpiraten, Deutsche Jugend kommt in uns’re Reih’n«[64]
Die Militärgerichte der Besatzungszonen gingen hart gegen die Edelweißpiraten vor, besonders da die Besatzungsmächte die Edelweißpiraten wegen ihrer feindlichen Haltung der Alliierten gegenüber als Nazis sahen und folglich befürchteten, es könnte sich um Werwölfe[65] handeln. Teilweise kam es sogar zur Todesurteilen, begründet mit Waffenbesitz oder »Aktivität bei den Edelweißpiraten – eine Organisation, die nach Meinung des Militärgerichts den Frieden in Europa bedrohte!«[66] Besonders viele Werwolf-Urteile gab es in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die Edelweißpiraten gaben auch Anlass zu der Vermutung, nationalsozialistisch eingestellt zu sein. So »provozierten sie Angehörige der FDJ mit dem Singen des „Horst-Wessel-Liedes“«[67], dazu die bereits erwähnte Gewaltanwendung gegen Displaced Persons und nicht zuletzt wurde »die „88“ (...) letztendlich zum neuen Abzeichen und Sinnbild der Edelweißpiraten …, als Ersatz für die Edelweißblume.«[68]
Wie eine Ironie des Schicksals mutet die Suche nach den nie existierenden Hintermännern an. Während die Gestapo nach kommunistischen Fädenzieher suchte, vermuteten die Alliierten ausgerechnet faschistische. Die Bundesrepublik hingegen suchte nach 1949 wieder nach kommunistischen Hintermännern, während in der DDR weiterhin faschistische oder kapitalistische gesucht wurden. In beiden Teilen Deutschlands war man der Überzeugung, die Edelweißpiraten wären von der jeweils anderen Seite gesteuert.

In den Entschädigungsverfahren nach dem Bundesentschädigungsgesetz wurden die Edelweißpiraten nicht erwähnt, mit der Ausnahme der Ehrenfelder Gruppe (s.u.).

 


Kölner Kontroverse

2.3 Die Kölner Kontroverse

2.3.1 Begriffserklärung

Die Kölner Kontroverse dreht sich um die sogenannte „Ehrenfelder Gruppe“ (vom Stadtteil Köln-Ehrenfeld) und ihre Bewertung. Uneinig sind sich die Historiker einerseits, ob die Ehrenfelder Gruppe als Teil der Edelweißpiraten zu bezeichnen ist und andererseits, ob - unabhängig von Ersterem - diese Gruppe zum Widerstand zählt oder einfach nur einen Zusammenschluss mehrerer Krimineller darstellt.

2.3.2 Die Ehrenfelder Gruppe

Die Ehrenfelder Gruppe wird oft auch Steinbrück Gruppe genannt, da sich die Mitglieder der Gruppe um Hans Steinbrück scharten. Dieser war alles andere als ein Antifaschist, im Gegenteil: Er hat den Nationalsozialismus stets bejaht[69] und hatte in der Volksjugend eine führende Tätigkeit inne. 1942 bewarb er sich sogar bei der Gestapo[70] und machte kurz darauf den folgenschweren Fehler, sich bei der Wohnungssuche als Gestapobeamter auszugeben, obwohl er das Ergebnis seiner Bewerbung noch nicht kannte. Er kam wegen Amtsanmaßung ins Gefängnis und später ins KZ Buchenwald, wo er einem Bombenräumkommando unterstellt wurde unter dessen Befehl er etwa 900 Blindgänger entschärfte[71] - was ihm den Spitznamen „Bombenhans“ einbrachte.
Nach seiner Flucht kam er bei Cäcilie S. unter, mit der er ein Liebesverhältnis hatte; ihr Mann war an der Front. Zuerst lebte er nur von ihrer Unterstützung, später arbeitete er schwarz. Er versuchte, an gefälschte Papiere zu kommen und wollte wahrscheinlich einfach nur den Krieg überleben. Die Ehrenfelder Gruppe wuchs langsam aus Deserteuren und KZ-Flüchtlingen sowie einigen Jugendlichen der Nachbarschaft und beging bewaffnete Einbrüche. Die Gruppe war Fluktuationen unterworfen, einige dauerhafte Mitglieder waren: Hans Steinbrück, Peter Hüppeler, Roland Cornelius Lorenz, Josef Moll, Johann Müller, Bartholomäus Schink, Franz Rheinberger, Wilhelm Kratz, Gustav Bermel, Adolf Schütz, Heinrich Kratina und Günther Schwarz.

2.3.3 Die Ehrenfelder Gruppe – Edelweißpiraten?

Laut Mathias von Hellfelds Buch „Edelweißpiraten in Köln“ bildeten den »festen Kern der Ehrenfelder Gruppe (...) die Edelweißpiraten um Hans Steinbrück«[72]. Er behauptet, dass Johann Müller, Gustav Bermel, Franz Rheinberger, Bartholomäus Schink, Günther Schwarz und Adolf Schütz Edelweißpiraten gewesen seien, nennt jedoch nur für Gustav Bermel eine Quelle, ein Interview mit Gustl Butt. Laut Bernd-A. Rusinek waren lediglich Schink und Rheinberger Edelweißpiraten gewesen und dies nur vorübergehend. Schink selbst sagte in einer Vernehmung: »Mir gefiel das Treiben nach einiger Zeit nicht mehr, und ich habe mich aus diesem Kreis zurückgezogen, wobei ich auch ‚Bubbes‘[73] dazu bewegte, nicht mehr dort- hin zu gehen.«[74]. Dies kann natürlich zum Selbstschutz gewesen sein, doch wurde er nicht wegen der Edelweißpiraten vernommen, sondern wegen der Ehrenfelder Gruppe.
Tatsache ist, dass die Ehrenfelder Gruppe nicht als typische Edelweißpiratengruppe an sich gesehen werden kann. Es waren großteils wie erwähnt Deserteure und KZ-Flüchtlinge, die auf Raubzug gingen und damit wenig gemeinsam hatten mit den Jugendlichen aus dem Arbeitermilieu, aus denen sich die Edelweißpiraten meist rekrutierten.
Doch am Ende waren die Edelweißpiraten – ungeachtet ihrer nominellen Stärke in der Gruppe – nur Jugendliche und es klingt unglaubwürdig den Edelweißpiraten einen übermäßigen Einfluss auf die Handlungen der Steinbrück-Gruppe zuzugestehen. Schließlich waren die meisten Mitglieder wesentlich älter als die Edelweißpiraten und auf Grund ihrer Vergangenheit auch erfahrener. Es ist eher zu vermuten, dass die Jugendlichen von Hans Steinbrück fasziniert waren, von seinem Ruf als „Bombenhans“ und vielleicht auch von der Möglichkeit Waffen zu benutzen. Bei Steinbrück ist anzunehmen, dass er vorhatte sich bei einer eventuellen Zwangsevakuierung wegen des Vormarsches der Alliierten, bei der er als Flüchtling zwingend entdeckt worden wäre, gegen die Gestapo zur Wehr zu setzen. Folglich kann die Steinbrück-Gruppe nicht als Radikalisierung des Widerstandes der Edelweißpiraten angesehen, sondern muss getrennt betrachtet werden, da kaum Ähnlichkeiten zu normalen Edelweißpiratengruppen bestehen.

2.3.4 Aktivitäten der Ehrenfelder Gruppe

Eine Haupttätigkeit waren verschiedene Raubzüge, die in ihren schlimmsten Fällen die Versorgungslage der Bevölkerung beeinträchtigen, was eventuell auch als Widerstandshandlung betrachtet werden kann. So stahlen sie in einem Lagerhaus Butter, die sie für 123.000 Reichsmark auf dem Schwarzmarkt verkauften[75], Butter war zu dieser Zeit ein höchst wertvolles Gut, so konnte man in Köln zehn Pfund Butter für zehn Zentner Kartoffeln eintauschen.[76]
Mit dem Geld wurden vor allem Waffen gekauft, anfangs »zur Selbstverteidigung oder in Notwehr, das war reiner Selbsterhaltungstrieb, es war ja nicht so, dass da geplant umgelegt wurde. Aber wenn du gestellt wurdest von denen, dann ging nichts anderes, als sich freizuschießen oder selbst draufgehen.«[77] berichtet Wolfang Schwarz in einem Interview. Doch die Waffenkäufe gingen weit darüber hinaus. So brachte »alleine Hans Steinbrück (...) für Waffenkäufe 12.000 RM auf.«[78] So entstand auch die einzige nennenswerte Verbindung zu den Edelweißpiraten namentlich zu Jean Jülich und Ferdinand S. Letzterer berichtet von diesem Treffen: »nach kurzer Zeit fragte mich Rheinberger, ob ich ihm Waffen besorgen könne.«[79] Alles, was er besorgen konnte, war jedoch ein Sprengapparat. Jean Jülich zog sich später zurück, als ihm das Ausmaß der Ehrenfelder Gruppe bewusst geworden war. So bestand Steinbrücks Interesse an den Edelweißpiraten nur so weit, wie sie Waffen besorgen konnten. Doch nahm er seine Ware von allen, teilweise wurden auch von SS-Leuten oder Wehrmachtsangehörigen Waffen gegen Zigaretten o.a. eingetauscht.

Eine Widerstandsaktion stellt das Verstecken zweier Jüdinnen dar, eine Tat Steinbrücks, die jedoch von ihm allein und selbstständig erfolgte und damit nicht zum Handeln der Ehrenfelder Gruppe zählt.

Ein Rätsel ist eine Tat Rheinberges und Schinks. Angeblich haben sie am 20.4.1944 einen Zug mit einem Hemmschuh entgleisen lassen, als Geschenk zum Führergeburtstag. Bernd-A. Rusinek berichtet jedoch, dass Schink Rheinberger erst im Juni 1944 kennengelernt haben soll[80], außerdem gäbe es keine Berichte über einen entgleisten Zug zu dieser Zeit. Zudem stellt er die Glaubwürdigkeit dieser Tat in Frage, da Rheinberger vom Reichsarbeitsdienst zurückgestellt wurde, weil er zu schwach sei, aber trotzdem einen Hemmschuh getragen haben soll. Da ein Hemmschuh dieser Zeit jedoch nur etwa 8kg wog, müsste es zu zweit durchaus möglich gewesen sein.

Eine Widerstandsaktion wäre die sogenannte Flugblätterphase, in der Fleischauer, ein aus dem KZ entflohener Kommunist, vorschlug Flugblätter zu drucken und zu verteilen. Jedoch wurde der Plan, weil Steinbrück dagegen war, nur soweit verfolgt, als dass Papier für den Druck geholt wurde. Der Kontakt mit dem kommunistischen Widerstand fand jedoch ab August 1944 wegen Steinbrücks »waghalsigen Verhaltens«[81] sein Ende.

Bezeichnend ist der Versuch der Gruppe, ein Schwein zu stehlen, wobei Steinbrück und ein anderer versucht hatten, eine Frau zu erschießen, weil sie um Hilfe schrie, als sie die Diebe sah. Also waren sie durchaus auch zu Gewalt gegen hilflose Zivilisten fähig und nicht nur gegen die Gestapo, was darauf schließen lässt, dass der Überlebenstrieb der primäre Antrieb war.

Besonders Steinbrück zeigte durchaus aufbrausendes und gewalttätiges Verhalten. So sei er am 2.10.1944 angeblich »so wütend geworden, dass er auf einen anwesenden Passanten in Stiefeln schoss«[82]. Ein anderes Mitglied der Steinbrück-Gruppe berichtete, dass Steinbrück »Eifersuchtsszenen wegen der Cilli S. hatte (und) mit der Pistole nach der S. schoss.«[83]
Am wichtigsten sind jedoch zwei Pläne, zum einen das Sprengen des sogenannten El-De-Hauses, dem Gestapo-Sitz in Köln und zum anderen das Verhindern von Sprengungen kriegswichtiger Brücken durch die deutsche Wehrmacht. So zitiert von Hellfeld ein Mitglied der Gruppe: »dass … (wir) uns zum Ziel gesetzt hatten, alles zu tun, um den Krieg möglichst schnell zu Ungunsten Deutschlands zu beenden. Aus diesem Grunde hatten wir beschlossen, kriegswichtige Betriebe, Bahnanlagen zu sprengen, um den Nachschub an der Front zu stören.«[84] Dies wäre natürlich eine Handlung des Widerstands gewesen, doch auch hier erkennt man wieder die Intention, den Krieg zu überleben, in diesem Fall indem man ihn schnell beendet. Beide Pläne wurden jedoch nie in die Tat umgesetzt.

2.3.5 Das Ende von Ehrenfeld

Am 29.9.1944 fand eine Heeresstreife bei Cäcilie S. ein Waffenlager, mit Gegenständen wie MPs, Munition, Granaten, ein Sprengsatz, Gasmasken, also einer geradezu militärischen Ausrüstung. Cäcilie S. wurde weiter nicht belangt, aber natürlich observiert, um auf die Täter zu warten. »Es folgen jedoch weitere Razzien und Verhaftungen. Bis Mitte Oktober werden insgesamt 63 Personen festgenommen, die von der Gestapo dem engeren und weiteren Umfeld der Steinbrück-Gruppe zugeordnet werden«[85], von diesen werden am 10.11.1944 um 8 Uhr dreizehn erhängt, darunter »die fünf Jugendlichen Barthel Schink, Franz Rheinberger, Gustav Bermel, Adolf Schütz und Günther Schwarz.«[86]


Zum Schluss

 

3. Schlusswort

3.1 Entschädigungsverfahren

Weder ein Edelweißpirat noch ein Mitglied der Ehrenfelder Gruppe bekam im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes eine Entschädigung zugesprochen. Ausnahmen sind Wolfgang Schwarz, der wegen seiner jüdischen Abstammung berücksichtigt wurde und Peter Hüppeler: »Die Anerkennung wird aufrechterhalten. Begründung: Der Ehemann der Antragstellerin war als aktiver Antifaschist in den sogenannte „Ehrenfelder Fall“ verwickelt. Er (...) wurde am 10.11.1944 mit 12 weiteren Kölner Antifaschisten in Köln-Ehrenfeld öffentlich erhängt«[87] Diese Antwort auf den Antrag für Schadensersatz ist ohne Bewertung des Inhalts sehr fragwürdig, da Bartholomäus Schinks Familie, der am selben Tag als Mitglied derselben Gruppe erhängt wurde, keine Entschädigung erhielt, weil er »mit ziemlicher Sicherheit als Mitglied einer Verbrecherbande erkannt und verhaftet wurde«[88] Ebenso heißt es in einem Schreiben an Bundespräsident Carstens, »nach den Feststellungen der Entschädigungsbehörden handelte es sich jedoch bei der Gruppe, der Schink angehört hatte, um eine kriminelle Bande.«[89]

Michael Jovy, Jean Jülich und Karoline B. wurden zwar auch nicht als Edelweißpiraten von der Bundesentschädigungshörde berücksichtigt, dafür aber von Yad Vashem, der bedeutendsten jüdischen Gedenkstätte, als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.


3.2 Bewertung Edelweißpiraten

Waren die Edelweißpiraten Widerstandskämpfer? Für eine Antwort ist eine weitaus präzisere Fragestellung notwendig. Die Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer zu bezeichnen, ist in etwa so, als würde man zum Beispiel sagen, die katholische Jugend waren Widerstandskämpfer, ohne die zahlreichen und teilweise tiefgreifenden Unterschiede zu beachten.
Kurt Schilde zieht das Fazit: »von einer Widerstandsbewegung kann aber nicht gesprochen werden.«[90] Doch besteht das Problem wahrscheinlich darin, dass man allgemein schlecht von einer Bewegung sprechen kann, ob des Widerstands oder nicht, denn dazu ist die Diskrepanz viel zu groß. Es gab die bereits erwähnten Freiwilligen für die Waffen SS, ebenso aber auch Einzelerscheinungen wie der »propagandistische(n) Aktion von fünf Fahrtenstenzen, die nachts die Parole „Hitler verrecke“ an Häuserwände malten und Flugblätter verteilten.«[91] oder einiger Edelweißpiraten, die verantwortlich »waren (...) für die Verteilung von Flugblättern umstürzlerischen Inhalts, für das Anmalen antifaschistischer Parolen. Rufe wie „Nieder mit Hitler“, „Macht Schluss mit dem Krieg!“ wurden hier laut.«[92]
Zu erwähnen ist auf jeden Fall auch die sogenannte „Arbeitsbummelei“, ein Straftatbestand im Dritten Reich für langsames Arbeiten oder unentschuldigtes Fehlen. Diese „Bummelei“ erstreckte sich bei manchen auf über 100 Stunden in einem halben Jahr und verursachte damit ernsthafte Schäden in den Betrieben und behinderte folglich auch die Kriegsindustrie. Jedoch ist es schwer zu sagen, inwieweit diese Behinderung als Widerstandsaktion gegen das Reich gedacht war. Ein Bericht eines Werkleiters gibt einen guten Einblick, wie hoch die Schäden teilweise waren: »Allein diese 1400 Stunden der 15 Jugendlichen ergeben theoretisch errechnet einen Produktionsausfall von ca. 400.000 kg Zinkblech, doch dürfte sich diese Zahl verdoppeln, da die Walzkolonnen eine geschlossene Einheit bilden.«[93]
Was einem Großteil der Edelweißpiraten zugesprochen werden kann, ist der Tatbestand des sogenannten Nonkonformismus, indem sie sich gegen die Disziplinierung der HJ und damit indirekt gegen das Dritte Reich stellten und sich weigerten, sich in dieses System einzufügen. Die Edelweißpiraten wehrten sich nur gegen die totale Bestimmung über ihr Leben, sie bekämpften nicht das System an sich. Wie zum Beispiel Schink: »Barthel wollte das gar nicht, man hat ihn da ein bisschen reingezogen. (...) hätte man ihm seine Gitarre gelassen, er hätte sie heute noch. Er hätte niemals eine Pistole in die Hand genommen.«[94] Die Edelweißpiraten sahen sich nicht als Gegner des Regimes, doch das System erkannte sie sofort als solche an und begann die Verfolgung. Damit wurde ihnen der Widerstand aufgedrängt, insofern kann man sie gemäß der heutigen Widerstandsdefinition als Widerstandskämpfer bezeichnen. Jedoch tut sich hier das Problem der Verallgemeinerung auf, da man sie Widerstandskämpfern gleichstellt, die ihr Leben riskiert haben, um aus eigener Überzeugung die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus zu beenden.

Das größte Problem bei der Bewertung stellt der Widerspruch im Verhalten der Edelweißpiraten zurzeit des Nationalsozialismus und der Zeit nach dem Krieg dar. Hinsichtlich dieser Tatsachen sind die Edelweißpiraten eventuell am besten als anarchistische Gruppierung zu bezeichnen, die sich einfach gegen jegliche Art der Obrigkeit stellt, unabhängig von deren Form. Doch auch hier ist natürlich die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Gruppen zu beachten.

3.3 Bewertung Ehrenfelder Gruppe

Die Ehrenfelder Gruppe zu bewerten fällt noch schwerer als bei den Edelweißpiraten. Wie im vorherigen Kapitel ausgeführt, ist die Ehrenfelder Gruppe nicht als Edelweißgruppe zu bezeichnen, trotzdem stellt sich auch für diese Gruppe die Frage: Widerstandskämpfer oder nicht? Selbst die Gestapo schien nicht von einer politischen Intention überzeugt zu sein. So wurden die Ermittlungen betreffend der Steinbrück-Gruppe zugunsten der »politisch wichtigeren Ermittlungssache«[95] des „National Komitee Freies Deutschland“ zurückgestellt.
Nennt man sie nicht Widerstandskämpfer, so muss man sich dem Bericht der Entschädigungsbehörden anschließen und sie als Verbrecher bezeichnen, denn ihre Verbrechen sind belegt. Die Frage, die sich jedoch stellt, ist, inwieweit Verbrechen gegen ein verbrecherisches Regime ein Verbrechen darstellen. Trotzdem ist in vielen Fällen davon auszugehen, dass mehr der Bevölkerung geschadet wurde, als dem Nationalsozialismus, schließlich setzten größere Raubzüge, die im Zuge des Krieges sowieso knappe Versorgung noch weiter unter Druck.

Auch hier ist das Problem: Was ist Widerstand? Die Ehrenfelder Gruppe wollte den Krieg zu Ungunsten Deutschlands beenden, was auf jeden Fall einen Widerstandsakt darstellt. Doch muss man sich fragen, ob eine Gruppe als Widerstandsgruppe bezeichnet werden darf, deren Anführer selbst Nationalsozialist war, der gerne für die Gestapo gearbeitet hätte, also in keiner Weise den Nationalsozialismus oder das System abgelehnt, es im Gegenteil sogar befürwortet hat, für das er eventuell sogar gearbeitet hätte, hätte er nicht diesen einen Fehler der Amtsanmaßung gemacht.

3.4 Fazit

So lässt sich endgültig nur feststellen, dass es weder bei den Edelweißpiraten noch bei der Ehrenfelder Gruppe eine eindeutige Antwort gibt.

Bei den Edelweißpiraten widersprechen besonders die Fälle von Freiwilligenmeldungen zur SS oder Wehrmacht und die Nachkriegsgeschichte dem Anspruch, eine Widerstandsgruppe zu sein. Bei der Ehrenfelder Gruppe sind es die Verbrechen und eine sehr unklare Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus. In Sachen Edelweißpiraten muss diese Frage für jede Gruppe anhand ihres jeweiligen Handelns einzeln gestellt werden, was auf Grund fehlender Aufzeichnungen nur in den seltensten Fällen möglich ist.
Sowohl bei den Edelweißpiraten als auch bei der „Ehrenfelder Gruppe“ hängt die Antwort ganz von der eigenen Definition des Begriffs „Widerstand“ ab, dem es trotz seiner weitreichenden Bedeutung heutzutage an Eindeutigkeit fehlt.


Anhang

 

4. Anhang

Grafiken

 

G1 – Göbel, Walter: „Abiturwissen: Das Dritte Reich“ S. 67

 

 

 
Gesetz: Hitlerjugend, 1936

Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936


Von der Jugend hängt die Zukunft des Deutschen Volkes ab. Die gesamte deutsche Jugend muß deshalb auf ihre künftigen Pflichten vorbereitet werden.

Die Reichsregierung hat daher das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§1. Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes ist in der Hitlerjugend zusammengefaßt.

§2. Die gesamte deutsche Jugend ist außer in Elternhaus und Schule in der Hitlerjugend körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen.

§3. Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der Hitlerjugend wird dem Reichsjugendführer der NSDAP übertragen. Er ist damit "Jugendführer des Deutschen Reichs". Er hat die Stellung einer Obersten Reichsbehörde mit dem Sitz in Berlin und ist dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt.

§4. Die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschriften erläßt der Führer und Reichskanzler.

Berlin, den 1. Dezember 1936

Der Führer und Reichskanzler: Adolf Hitler

Der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei: Dr. Lammers

Quelle: Reichsgesetzblatt 1936 I S. 993.

 

Gedanken des Hollarius - Wo sind wir eigentlich?

Die Ehrenfelder Steinbrück-Gruppe fliegt auf

Ferdinand S.

Hinrichtungen in Köln-Ehrenfeld

An Rhein und Ruhr marschieren wir

An Rhein und Ruhr marschieren wir,
für unsere Freiheit kämpfen wir,
den Streifendienst, schlagt ihn entzwei,
Edelweiß marschiert, Achtung die Straße frei

Meister gib uns die Papiere,
Meister gib uns unser Geld,
denn die Frauen sind uns lieber,
als die Schufterei auf dieser Welt.

Unser Edelweißpiratenlager
liegt in Österreich auf einem Berg
uns sollte es nur einer wagen,
zu uns zu kommen auf den Berg.

Wir werden sie herunterschlagen
ob Gestapo oder Streifendienst,
denn unsere Edelweißpiraten
kennen keine feige List.

Hohe Tannen weisen Dir die Sterne,
von der Isar springend zu Flut
liegt das Lager der Edelweißpiraten,
und Du Eisbär, Du hütest es gut.

Hör Eisbär, was wir Dir jetzt sagen,
unsere Heimat ist nicht mehr frei,
schwingt die Keule ja wie in alten Zeiten,
schlagt HJ., SA. den Schädel entzwei.

Quellen

 

5. Literaturverzeichnis


Primärquellen

  • „An Rhein und Ruhr marschieren wir“ Lied der Edelweißpiraten
  • Az.14-I/6b – 80959: Entschädigungsakte P. Hüppeler vom 20.6.1950 in: Edelweißpiraten in Köln von Mathias von Hellfeld
  • Azl. 17.I/6b – ZK.: 91497: Entschädigungsakte B. Schink vom 16.April 1962 in: Edelweißpiraten in Köln von Mathias von Hellfeld
  • BA R 22/1177, B. 426-432: Bericht eines Kölner Jugendrichters vom 7.11.1943 in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • BA, R 22/1177, Bl 514ff., 546 ff: „Bekämpfung jugendlicher Cliquen“.
    Erlasse des Reichsführers SS und Chef der deutschen Polizei vom 25. Oktober 1944, des Jugendführers des deutschen Reiches vom 10. Dezember 1944 und des Reichsjustizministers vom 26. Oktober 1944 in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • BA, R 22/1191, Bl. 583-586: Das Jugend-KZ in Moringen in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • Bericht des Essener Landesgerichtspräsidenten an das Reichsjustizministerium vom 31. Juli 1944 in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • Bundesarchiv Koblenz BA, Reichsjustizministerium (R 22), Bd. 1177, Bl. 452-459 : Lagebericht der Gestapo-Leitstelle Düsseldorf, undatiert (1943) in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • Filser Karl: „Dissens, Resistenz, politischer Protest” aus International Society for History Didactics S.96-106)
  • HStA-Dü-G 9213 Bl 15 ff: Die HJ Oberhausen übersendet der Gestapo zwei Denunziationsschreiben der Babcock-Werke (11.Juni 1941) in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • HStA-Dü-G 9213, Bl. 33 ff.: Produktionsausfall durch Feierschichten beim Oberhausener Zinkwerk Altenberg A.G., Schreiben vom 10 u. 12. Juli 1941 in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • HStA-Dü-G 10740 Ein Bericht der Gestapo Düsseldorf vom 10 Dezember 1937 in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • HStA-Dü-G 37026, Bl. 26f : Vernehmung eines Lehrlings auf der Augst-Thyssen-Hütte, Duisburg-Hamborn, 10.Juli 1944 in: Edelweißpiraten von Detlev Peukert
  • HStA-D: Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv Düsseldorf in: Gesellschaft in der Katastrophe von Bernd-A Rusinek
  • Innenministerium Nordrhein-Westfalen, Abt. II, 101 h, Akten über Edelweißpiraten im Zusammenhang der Kölner Kontroverse. Entwurf eines Schreibens an das Bundespräsidialamt vom 30.10.1978. Az. II B 5/ZK 81497 in: Gesellschaft in der Katastrophe von Bernd-A Rusinek
  • Rede Adolf Hitlers in Reichenberg über die faschistische Erziehung der deutschen Jugend am 2. Dezember 1938 in: Dokumente zur deutschen Geschichte 1936-1939, herausgegeben von Wolfgang Ruge und Wolfgang Schumann, Röderberg-Verlag, 1977
  • Reichsgesetzblatt 1936 I S. 993 Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 (Anhang)
  • Vernehmung Bartholomäus Schink, 28.10.1944 „Terror-Akten“ Bl.486 in: Gesellschaft in der Katastrophe von Bernd-A Rusinek
  • Vernehmung Ferdinand St., 30.10.1944 „Terror-Akten“ Bl. 500R in Bernd-A Rusinek: Gesellschaft in der Katastrophe
  • Vernehmungsprotokoll Hans Steinbrück, Sonderkommando Brauweiler, Az. – IV 2 a – 3085/44 in Mathias von Hellfeld: Edelweißpiraten in Köln

Sekundärquellen

  • Göbel, Walter: „Abiturwissen: Das Dritte Reich“, Klettverlag, 5. Auflage 1991, 978-3129296363
  • Häusler, Thomas: „Die gerechten Rüpel“ aus: „Die Zeit“ vom 09.10.2008
  • Hellfeld, Mathias von: „Edelweißpiraten in Köln“, Pahl-Rügenstein, 2. durchgesehene und erweiterte Auflage 1983, 978-3760907871
  • Kenkmann, Alfons I: „Wilde Jugend“, Klartextverlag, 1. Auflage 1995, 978-3898610865
  • Kenkmann, Alfons II: „Najavos, Kittelbach- und Edelweißpiraten“ in: „Piraten, Swings und Junge Garde“ von Wilfried Breyvogel (Hrsg.), Dietzverlag, 1991 S139-158, 978-3801230395
  • Kenkmann, Alfons III: „Edelweißpiraten zwischen Stalingrad und Währungsreform“ in „Jugend vor einer Welt in Trümmern“ von Franz-Werner Kersting (Hrsg.), Juventa, 1. Auflage 1998, 978-3779911289
  • Klönne, Arno I : „Jugend im Dritten Reich“, Piper, 1999, 978-3894382612
  • Klönne, Arno II : „Zur Traditionspflege nicht geeignet“ in: „Piraten, Swings und Junge Garde“ von Wilfried Breyvogel (Hrsg.), Dietzverlag, 1991 S. 295-310, 978-3801230395
  • Peukert, Detlev Julio K.: „Die Edelweißpiraten“, Bund-Verlag, 3., erweiterte Auflage 1988, 978-3766331069
  • Rusinek, Bernd-A I: „Gesellschaft in der Katastrophe“, Klartextverlag, 1. Auflage 1989, 978-3884741344
  • Rusinek, Bernd-A II: „Jugendwiderstand und Kriminalität II“ in: „Der 20. Juli“ von Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), Elefanten Press, 1998, 978-3100860033
  • Rusinek, Bernd-A III: „Desintegration und gesteigerter Zwang“ in: „Piraten, Swings und Junge Garde“ von Wilfried Breyvogel (Hrsg.), Dietzverlag, 1991 S. 271-294, 978-3801230395
  • Schilde, Kurt: Jugendopposition 1933-1945, Lukas, 1. Auflage 2007, 978-3867320092
  • Weidinger, Birgit: „Disziplin ist keine Tugend“ in SZ vom 22.11.2008


    Onlinequellen

    http://www.goldenerreiter.org/unser-sta ... raten.html (Letzter Aufruf 26.01.2011)
    http://www.museenkoeln.de/ausstellungen ... t.asp?G=42 (Letzter Aufruf 26.01.2011)
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13896 (Letzter Aufruf 26.01.2011)
    http://de.academic.ru/pictures/dewiki/6 ... ed3109.jpg (Letzter Aufruf 26.01.2011)
    http://www.stamm-edelweisspiraten.de/im ... lweiss.jpg (Letzter Aufruf 26.01.2011)
    http://www.imhoff-stiftung.de/projektar ... hai_1.html (Letzter Aufruf 26.01.2011)
    http://www.rollybrings.de/verjesse/sng08-00.htm (Letzter Aufruf 26.01.2011)

 

[1] Die Gedanken des Hollarius Z.10-12 (Anhang)
[2] Bernd-A. Rusinek II “Jugendwiderstand und Kriminalität“ S. 373 Z. 27-29
[3] HStA-Dü-G 37026, Bl. 26f zitiert nach Detlev Peukert: Edelweißpiraten S. 122 Z.33-35
[4] Mathias von Hellfeld “Edelweißpiraten in Köln” S.49 Z.3-7
[5] Hans Steinbrück, siehe Kapitel „Ehrenfelder Gruppe“
[6] Hellfeld S. 49 Z. 13-15
[7] Bernd-A. Rusinek II S. 371 Z. 23-25
[8] HStA-D; RW 58 – 64.727 nach Bernd-A Rusinek I „Eine Gesellschaft in der Katastrophe“ S.79 Z. 17-18
[9] Alfons Kenkmann I „Wilde Jugend“ S. 264 Z. 13-14
[10] Karl Filser : „Dissens, Resistenz, politischer Protest“ S. 97 (Anhang)
[11] Ebenda
[12] Detlev Peukert S. 37
[13] Bernd-A. Rusinek I S. 80
[14] Ebenda Z.12-13
[15] Birgit Weidinger „Disziplin ist keine Tugend“ in: Süddeutsche vom 22.11.2008 Z. 25 (Anhang)
[16] Hans-Jürgen Koch: Wunschkonzert im NS-Rundfunk S.362
[17] Autor des Zeitartikels “Die gerechten Rüpel”
[18] Thomas Häusler: Die gerechten Rüpel Z.28-29 in: Die Zeit vom 09.10.2008
[19] Ebenda Z.42-43
[20] Ebenda Z.44-45
[21] Kurt Schilde: “Jugendopposition 1933-1945” S.142 Z.22-23
[22] Ebenda S.142 Z.29
[23] Zur Erholung bzw. später zur Evakuierung vor Flugangriffen
[24] Sozialistische Arbeiter-Jugend
[25] Alfons Kenkmann I „Wilde Jugend“ S.59 Z.3-8
[26] Aus der Rheinischen Landeszeitung vom 15. Februar 1936, HstA-Dü-G-61468 zitiert nach Detlev Peukert S. 31 Z.5-10
[27] Arno Klönne I : „Jugend im Dritten Reich“ S. 245 Z. 8-10
[28] Alfons Kenkmann I S. 279 Z. 10-12
[29] Umgangssprachlich: Gitarre
[30] Volksliederarchiv: “An Rhein und Ruhr marschieren wir” (Anhang)
[31] HStA-Dü-G 10740 zitiert nach Detlev Peukert: S. 35 Z.11-14
[32] Alfons Kenkmann II „Najavos, Kittelbach- und Edelweißpiraten“ in „Piraten, Swings und Junge Garde“ S. 143 Z. 2
[33] BA R 22/1177, B. 426-432 zitiert nach Detlev Peukert: S. 42 Z. 30-34
[34] Siehe zum Beispiel Detlev Peukert S.32 oder S.49
[35] HStA-Dü-G 10740 zitiert nach Detlev Peukert S.29 Z.1-6
[36] Bundesarchiv Koblenz BA, Reichsjustizministerium (R 22), Bd. 1177, Bl. 452-459 zitiert nach Detlev Peukert S. 35 Z. 26-33
[37] Da die meisten EWP Jugendliche kurz vorm Erwachsenenalter waren
[38] Alfons Kenkmann III „Edelweißpiraten zwischen Stalingrad und Währungsreform“S.116 Z.14-16
[39] Rede Adolf Hitlers in Reichenberg über die faschistische Erziehung der deutschen Jugend, siehe auch Grafik G1 (Anhang)
[40] Siehe Gesetz an die Hitlerjugend §1 (Anhang)
[41] Bernd-A Rusinek II S. 371 Z. 3-5
[42] BA, R 22/1177, Bl 514ff., 546 ff in Peukert: Edelweißpiraten
[43] NWHStAD, Rep.112/18705, Bl. 312 zitiert nach Alfons Kenkmann: Wilde Jugend S. 257 Z. 7-8
[44] Kurt Schilde S. 138 Z. 12-13
[45] Bundesarchiv Koblenz BA, Reichsjustizministerium (R22), Bd. 1177 Bl. 452-459 zitiert nach Detlev Peukert S. 33 Z. 26-28
[46] HstA-Dü-G 9213 Bl 15 ff zitiert nach Detlev Peukert S. 85 Z. 20 – S. 86 Z. 5
[47] Alfons Kenkmann S. 147 Z. 13-14
[48] HStA-D, RW 58 – 16.974 Hülle 205 zitiert nach Bernd-A. Rusinek I S.77 Z. 19-21
[49] Alfons Kenkmann I S. 256 Z. 4-5
[50] Alfons Kenkmann III S. 121 Z.11-12
[51] Alfons Kenkmann I S. 256 Z. 23 – S.257 Z. 1
[52] Ebenda S. 257 Z. 7-8
[53] BA, R 22/1177, Bl 514ff., 546 ff. zitiert nach Detlev Peukert S. 127 Z. 11
[54] Peukert S. 128 Z.23-27
[55] Ebenda S. 131 Z. 10-12
[56] Ebenda S. 132 Z. 5-7
[57] BA, R 22/1191, Bl. 583-586 zitiert nach Detlev Peukert S. 139 Z.17-22
[58] Arno Klönne I S. 262 Z. 32-34
[59] Da „H“ der 8. Buchstabe im Alphabet steht 88 für HH = Heil Hitler
[60] Freie Deutsche Jugend, seit 1951 in der Bundesrepublik wegen Verfassungsfeindlichkeit verboten
[61] Alfons Kenkmann I S. 271 Z.29 – S.272 Z.1
[62] Bezeichnung für Menschen, die wegen Krieg oder Verfolgung außerhalb ihres Heimatlandes leben und nicht zurückkehren können.
[63] Alfons Kenkmann III S.125 Z.6-7
[64] Alfons Kenkmann I S.300 Z. 9-12
[65] Ein von Heinrich Himmler in den letzten Monaten des Krieges ins Leben gerufener Freischärlerverband, der für Kriegsverbrechen wie die Penzberger Mordnacht verantwortlich ist
[66] Alfons Kenkmann III S. 126 Z. 17-18
[67] Alfons Kenkmann I S. 276 Z. 13 - 14
[68] Ebenda S.278 Z.22 – S.279 Z. 1
[69] Bernd-A. Rusinek I S.123 Z. 26
[70] Ebenda S. 124 Z. 33-34
[71] Ebenda S. 125 Z. 25
[72] Mathias von Hellfeld S. 14 Z. 28
[73] Spitzname für Rheinberger
[74] Vernehmung Bartholomäus Schink, zitiert nach Bernd-A. Rusinek I S.182 Z. 1-3
[75] Ebenda S. 152 Z. 11
[76] Ebenda S. 150 Z. 9
[77] Werner Gerhard: „Aufmachen! Gestapo!“ S.43 zitiert nach von Hellfeld S.55 Z. 15-19
[78] Von Hellfeld S. 52 Z. 4-5
[79] Vernehmung Ferdinand St. zitiert nach Bernd-A. Rusinek I S.231 Z. 24-25
[80] Ebenda S. 184 Z 10-11
[81] Die Ehrenfelder Steinbrück-Gruppe fliegt auf
[82] Ferdinand S.
[83] Die Ehrenfelder Steinbrück-Gruppe fliegt auf
[84] Vernehmungsprotokoll Hans Steinbrück S. 30f zitiert nach Mathias von Hellfeld S.57 Z.39 – S.58 Z. 2
[85] Die Ehrenfelder Steinbrück-Gruppe fliegt auf
[86] Hinrichtungen in Köln-Ehrenfeld Z. 2
[87] Az.14-I/6b – 80959 zitiert nach von Hellfeld S. 90 Z. 27-32
[88] Azl. 17.I/6b – ZK.: 91497 zitiert nach von Hellfeld S.90 Z. 20-21
[89] Innenministerium Nordhein-Westfalen zitiert nach Bernd-A. Rusinek I S. 17 Z. 8-9
[90] Kurt Schilde S. 148 Z. 27-28
[91] Kurt Schilde S.144 Z. 31-32
[92] Arno Klönne I S. 269 Z. 29-32
[93] HStA-Dü-G 9213, Bl. 33 ff. zitiert nach Detlev Peukert S. 92 Z. 3-6
[94] Nach Interview mit Karoline Bauten, zitiert nach Mathias von Hellfeld S. 25 Z. 22-27
[95] Hinrichtungen in Köln Ehrenfeld

 

 

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Autor: Marvin



Das Thema

Henning (Hermann Robert Karl) von Tresckow
und
der militärische Widerstand

 

"Henning von Tresckow war ein Offizier, in dessen Leben Traditionen eine prägende Rolle spielten, ohne dass diese sein handeln allein bestimmt hätten.
Er war sich der großen Vergangenheit der königlich-preußischen Armee bewusst!"

(Karl Otmar von Aretin (Historiker) über Tresckow)


Weg zum Widerstand

Der Weg zum Widerstand

Wir sprechen hier von einem Offizier, der den letzten Abglanz der preußisch-königlichen Armee noch miterlebt hat. Ein Mann der die Reichswehr, mit ihrer Isolation als Staat im Staate, als Quittung für eine kurzsichtige Politik sah und sie im nationalen Sinn als würdelos empfunden hatte. Der "frühe" Tresckow war begeistert von der Machtergreifung und seine Teilnahme an der Parade des "Tag von Potsdam" war für ihn große Ehre und glücklichster Moment zugleich.
Der 30. Juni 1934 rüttelte den jungen Offizier auf und ließ ihn wach werden für die wirklichen Umstände. Es war die "lange Nacht der Messer", die Revanche für den geplanten SA-Putsch, die ihn zweifeln ließ. Die Ermordung der Generale Schleicher und Bredow bzw. die Wahrheit über den Zweck ihrer Ermordung erschütterte ihn genauso, wie die stille Hinnahme dieser Fakten durch die Armee.

„Sie, Tresckow, werden einmal entweder Chef des Generalstabes werden oder als Revolutionär auf dem Schafott enden.“
(1918, Graf Eulenburg, Kommandeur Erstes Garde-Regiment zu Fuß)

Eine Ungeheuerlichkeit, die in der Geschichte seines Gleichen sucht. So muss sich der Offizier gefühlt haben, als ihn die Folgen dieser Ereignisse einholten. Nicht nur, dass der Reichswehrminister diesem Vorgang anscheinend keine Beachtung schenkte, sondern den folgenden "zweiten Staatsstreich" Hitlers mit vollzog. Am 2. August 1934, nach dem Tode Hindenburgs, wurde die Reichswehr auf Hitler persönlich vereidigt. Der unbedingte Gehorsam eines einzelnen Führers gegenüber, dem bis 1945 – 19.000.000 Soldaten nachsprachen, stammte dazu noch von einem Soldaten, den späteren Generalfeldmarschall von Reichenau.
Hitler unterwarf das Gesetz, mit dem Tode Hindenburgs, die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers vereidigt wurde, war die Truppe siebzehn Tage auf einen Mann vereidigt, der staatsrechtlich noch nicht als Staatsoberhaupt amtierte. Die Absicherung einer Macht, die wenn sie nicht kommen sollte, durch eine Armee geschützt wurde, die auf Hitler und auf Gott ihren Eid schwor. Ein Pakt mit dem Teufel, der für eine schlagkräftige Armee und einen raschen Aufbau eingegangen wurde. Die Einführung der allgemeinen Wehrplicht 1935 beschwichtigte Offiziere und die Führungsebene, sodass selbst die moralischen Bedenken beiseite gelassen wurden.
Die Kritik von Blomberg und Fritsch an dieser Entwicklung waren die Einzigen dieser Art auf höchster Ebene. Und doch wurde sie von Hitler vergolten. Die Blomberg-Fritsch-Affäre 1938, in der Blomberg wegen einer Ehegeschichte und Fritsch wegen homosexueller Anschuldigungen entlassen wurden, belasten und erschütterten Tresckow in einem Maße, dass er bewog den Abschied von der Armee zu nehmen.

„Wir werden unsere Untätigkeit vor dem Richterstuhl Gottes nie vertreten können. Wir haben nicht die Entschuldigung, Unteroffizier gewesen zu sein. Der Offizier steht – Fahneneid hin, Fahneneid her – über dem Befehl.“
(Tresckow 1942)

Die Empörung trug er dem Befehlshaber des Wehrkreises III Berlin, Erwin von Witzleben, vor. Dieser redete ihm sein Vorgehen aus, erkannte aber einen Gesinnungsgenossen in dem jungen und aufstrebenden Offizier. Für Witzleben war klar, die Armee brauchte Offiziere, die nicht dem neuen Denken verfallen sind. Tresckow gehörte damit zum Kreis des deutschen Widerstandes und sollte an den ersten Aktionen gegen Hitler, nach Kriegsausbruch 1938 beteiligt sein. Doch kam es zu keinem Krieg, sondern zu einem Beschwichtigen der Alliierten in München. Die Widerständler und vor allem Tresckow verfielen in eine tiefe Depression. Böse Vorahnungen, die sich mit der "Reichskristallnacht" (8. - 9. November) und Judenpogromen weiter bestätigen, verfolgten die Offiziere.
Als der Krieg gegen Frankreich im Herbst 1939 bereits erfolgen sollte - "Den Anlass zum Kriege werde ich schaffen, es ist gleichgültig, ob er geglaubt wird oder nicht. Nach dem Sieg wird der Sieger nicht mehr gefragt ..." (Hitler zu kommandierenden Generalen der Wehrmacht 24. August 1939), ist ein Putsch - durch Halder - geplant. Doch kein Befehl von Hitler - kein Putsch.


Krieg

 

 

Widerstand im Krieg
„Hitler ist ein tanzender Derwisch. Man muss ihn totschießen.“
(Tresckow 1938)

Mögen die Erfolge gegen Polen und Frankreich viele Kritiker in den Reihen der Offiziere verstummen gelassen haben, Tresckow blieb sich seiner gewonnenen Überzeugung treu. Auch wenn er bei der Ausarbeitung des Sichelschnittplanes mitgewirkt hatte, der Sieg über Frankreich hatte ihn in seinem Urteil nicht blind gemacht. Einer Gruppe schwedischer Offiziere, die im August 1940 das Hauptquartier des Feldmarschalls von Rundstedtbesuchte, bekannte er mit seltener Offenheit, er wäre ein Gegner des Nationalsozialismus. Der Kreis der Widerständler wurde kleiner, doch zum Jahreswechsel 1940/41 bildete sich in der Heeresgruppe B (später Heeresgruppe Mitte), die an allen Attentatsversuchen an Hitler beteiligt war, die von Wehrmachtsangehörigen unternommen wurden.


(Führungsabteilung der Heeresgruppe Mitte (1943) - Tresckow vierter von rechts / Oberst von Kleist dritter von links / Oberst Schulze-Büttger vierter von links / Oberleutnant von Schlabrendroff ganz rechts stehend)

Tresckow selbst sammelte Offiziere um sich, die er nicht nach militärischen Fähigkeiten aussuchte, sondern von denen er wusste, dass sie Gegner des Nazi-Regimes bzw. des "Dritten Reiches" waren.


 
Gruppe um Tresckow
 
 
Fabian von Schlabrendorff
 
Rudolf von Gersdorff
 
die Grafen von Lehndorff
kein
Bild
vorhanden
Hans Hardenberg
 
Bernd von Kleist
kein
Bild
vorhanden

und andere Gesinnungsgenossen wie bsp. Phillip von Boeselager (Hat den 20. Juli und die Zeit danach überlebt).[/color][/list]

Die Befehle vom Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch waren dahin gehend formuliert, dass Gräueltaten vorprogrammiert waren. Ein Krieg gegen die "jüdisch-marxistisch-slawische Gefahr", geführt ohne die Beachtung der Gesetze des Völkerrechts und der Bestimmungen über die Kriegsgefangenen. Rücksichtlos ist der geeignetste Begriff und doch kann er die Auswirkungen der Befehle nur unzureichend erklären. Ein Krieg, der nicht gegen eine feindliche Armee geführt werden sollte, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung, gegen Juden und die kommunistische Partei. Schon in den ersten Wochen des Angriffs und in den folgenden Monaten häuften sich die Erfolgsmeldungen der "Einsatzgruppen" auf Tresckows Schreibtisch. Es eröffneten sich Einblicke in ein perfides Mordsystem, das von höchster Stelle geleitet und Angeordnet wurde. Eine Kriegsführung, die jede Soldatenehre Schande bereiten sollte. Doch konnte ein einzelner Soldat dagegen nichts ausrichten. Dieses Mordsystem betraf nicht nur die Heeresgruppe Mitte, sie ging weit darüber hinaus und so war Tresckow entschlossen, das Regime zu stürzen und diesem Verbrechen ein Ende zu setzen. Das Motiv für dieses Ziel waren die Judenmorde und nicht nur die militärische Lage. Man kann durch Berichte und Verhalten von Tresckows belegen, dass er bereits in erfolgreichen, siegreichen und von Euphorie geprägten Tagen des Heeres Persönlichkeiten für einen Umsturz zu rekrutieren versuchte!

„Befehle sind Gesetze für Dumme“
(Tresckow 1942)

Henning von Tresckow war die treibende Kraft und der Knotenpunkt im militärischen Widerstand. Durch Schlabrendorff wurden Kontakte zur Gruppe Beck/Goerdeler geknüpft, zum Chef des Allgemeinen Heeresamtes Olbricht und dem Chef des Amtes Ausland/Abwehr Oster. Auch wurden verstärkt die Verbindungen nach Paris und die dort bestehende Widerstandsgruppe unter Generalfeldmarschall von Witzleben ausgebaut. Man fand nur niemanden der nahe genug an Hitler herankäme und das entscheidende Attentat zu verüben. Sie Sabotage der Kriegsführung oder die Lancierung von Protesten wurde von vornherein ausgeschlossen. Als Ziel stand die Ermordung Hitlers und der Sturz des Regimes, ein erzwungener Rücktritt von seiner Position des Krieges und seiner Führung hätten nichts geändert. Die Gruppe wäre auf diese Weise nur enttarnt gewesen und aufgelöst worden, soviel war sicher.

 

 

Situation des Widerstandes 1942:

- Die Verbindung zum Ersatzheer in der Heimat war hergestellt. Der Putsch sollte durch Olbricht durch das Codewort: Walküre ausgelöst werden.

- An der Ostfront gab es nur die Widerstandgruppe der Heeresgruppe Mitte. Trotz der Gräueltaten im Hinterland hatte sich keine andere Gruppe gebildet.

- Aktionen aber sinnlos, d.h. solange die Wehrmacht von Sieg zu Sieg stürmte.

"Wir sind fertig. Die Initialzündung kann in Gang gesetzt werden."
(Schlabrenndorff zu Olbrecht - Ende 1942)


Stalingrad

Stalingrad als Anstoss
„Die Welt muss von dem größten Verbrecher aller Zeiten befreit werden.“
(Tresckow zu Gersdorff kurz vor dem geplanten Selbstmordattentat auf Hitler - 1943)

Stalingrad im Januar 1943 war die Wende. Die Niederlage war unübersehbar. Auch für die überzeugten Offiziere war nun eine Wende eingetreten, denn die Alliierten beschlossen in Casablanca (24. Jan. 1943), dass eine bedingungslose Kapitulation den Krieg nur würde beenden können. Kein Verständigungsfrieden, keine Lösung bzw. Ausweg für die Militärs und vor allem keine Zukunft für die deutsche Armee in einem Nachkriegsdeutschland. Die Gruppe Tresckow musste nun handeln, jetzt oder nie, denn die Zeit bis zur endgültigen Niederlage war knapp und mit jedem Tag/Monat/Jahr gab es weniger zu retten. Die meisten deutschen Soldaten starben erst nach Stalingrad. Erst die erbarmungslosen Kesselschlachten und der „Haltebefehl“ Hitlers, forderte die größten Verluste. Jeder Tag, den Hitler noch erleben durfte musste mit dem Blut von deutschen Soldaten bezahlt werden. Dies war die Meinung und der Glaube, an dem Tresckow festhielt.

 

Aktionen der Gruppe Tresckow:

- 13. März 1943: Eine ins Flugzeug geschmuggelte Bombe funktionierte nicht.
- 21. März 1943: Selbstmordattentat von Gersdorff scheitert, weil Hitler zu früh den Raum verlässt.

Die Entdeckung, so waren alle Beteiligten der Meinung, war nur eine Frage der Zeit. Doch dies war zum Glück nicht der Fall und die Vorbereitungen für einen Putsch konnten weiter gehen. Dazu kam, dass Tresckow in die Führerreserve berufen wurde (Ende Juli 1943) und dort mit einem gewissen Oberst Graf von Staufenberg zusammentraf. Umstände, die schließlich zum Attentat vom 20. Juli führten.
Im Sommer 1943 zeichnete sich mit dem Zusammenbruch Italiens eine schwere Krise ab. Vor allem weil die Alliierten bei der Kapitulation Italiens an ihren Zielen und Vorstellungen zur Beendigung des Krieges weiter festhielten. Schlechte Aussichten für eine Kompromisslösung der neuen Regierung, die durch die Verschwörer etabliert werden sollte. Außerdem verließ die Offiziere des Heeres und der gesamten Wehrmacht, gerade wegen dieses Festhaltens, der Mut an einer Verschwörung. Zu groß war die Angst vor den Roten. In dieser Situation gefangen richtete der militärische Widerstand seine Ziele auch an zivile Gruppen wie den Kreisauer Kreis, mit dem dann auch schnell Verbindungen aufgenommen wurden.
Am 1. Oktober 1943 wurde Tresckow Kommandeur des 442. Grenadierregiments und am 9. November Chef des Stabes der 2. Armee. Es gelang ihm, einen Teil seiner Freunde, darunter Schlabendorff, zu dem neuen Kommando mitzunehmen. In der schlechten Situation, in der sich die Ostfront befand, ist es ein Verdienst Tresckows, dass ein zweites Stalingrad verhindert werden konnte. Sein Vorgesetzter Generaloberst Weiß war aber anders als Kluge nicht für den Widerstand zugänglich.

 

 

(Tresckow mit seinen Söhnen)

Tresckow litt unter den misslungenen Anschlagsversuchen. Er spürte, dass der günstige Zeitpunkt verpasst war. Niemand wusste, wann sich wieder eine Gelegenheit bieten würde. Noch immer war Goerdeler ein Motor des Widerstandes. Mit einer ausholenden Denkschrift vom 26. März 1943 hoffte er die Generale zu eindeutiger Opposition und schnelle Aktivität zu bekehren. Er wiederholte dabei die bekannten Fakten der militärischen Niederlage. Doch sollten die "Engelszungen" sich als "völlig zwecklos" erweisen. In dieser Zeit musste Tresckow um seine Stellung kämpfen. Er war keineswegs die Führungsposition, sondern fand sich oft in einer untergeordneten Stellung vor. Doch er kämpfte, nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten. Er traute sich etwas, ging auf die Leute zu und schlug drastische und sofortige Maßnahmen vor. Die "Verschwörung" muss gerettet werden.
Keine Einsicht sollte man von Hitler erwarten und sollten es die Feldmarschälle nicht tun, dann würden sich andere finden! Der Ehrenkodex vieler hoher Offiziere nutzte doch nichts, wenn damit der falsche Mann, am falschen Ort und zur falschen Zeit geschützt würde. So sollte man nicht mehr "die Worte an die Wand reden", sondern endlich Einsicht finden und Aktionen planen. Die Werbeaktion Tresckows, an junge Offiziere gerichtet, darf als Signal des Aufbegehrens verstanden werden. Eine Aktion die Früchte trug und Leute der Tat mit ins Boot holte.

„Alle Generale sind Feiglinge“ und „So schlapp wie ein Feldmarschall“
(Tresckow nach vergeblichem Versuch, unter der Generalität weitere Anhänger eines Staatsstreiches zu finden - ca. 1943)

Tresckow versuchte in der Folgezeit von der Ostfront weg zu kommen, und ins Führerhauptquartier versetzt zu werden. Helfen sollten ihm dabei seine Freunde, die Generale Schmunde (Adjudant Hitlers) und Stieff. Generalmajor Stieff war ein "Wissender" und hasste Hitler, dessen kriminellen Charakter und seine Art Deutschland in den Untergang zu führen. Er war Chef der Operationsleitung im Generalsstab des Heeres und hatte somit Zugang zu Hitler, so also ein wichtiger Verbündeter für Tresckows Pläne. Er lehnte es aber ab, nach einer Befragung durch Staufenberg, das Attentat auf Hitler zu begehen. Dies änderte sich auch nicht mit Zuspitzung der militärischen Lage.

 

Aktionen der Gruppe Tresckow:

- Jan./Feb. 1944: Zwei Attentatsversuche des Hautmannes Axel von Bussche und des Leutnants Ewald von Kleist scheitern. Hitler kam nicht zum vereinbarten Ort.


20. Juli

20. Juli 1944

 

Juni 1944, Hptm Stahlberg, Adjutant des Generalfeldmarschalls von Manstein:

Ich fragte Henning von Tresckow, ob der denn eine Chance sehe, dass der Staatsstreich gelingen werde.

„Mit größter Wahrscheinlichkeit wird alles schiefgehen“. (Tresckow)

„Und trotzdem?“ (Hptm. Sahlberg)

„Ja, trotzdem“. (Tresckow)

Im Weitergehen sprach er vor sich hin, als wäre er alleine. Man müsse sich vorstellen, wie man in späteren Generationen die Weltgeschichte über uns Deutsche urteilen würde, wenn es in Deutschland nicht einmal eine Handvoll Männer gegeben hätte, die diesem Verbrecher in den Arm gefallen seien. Noch wüssten bis jetzt nur wenige Deutsche, welche unsagbaren Verbrechen von den Nazis verübt würden. Nur in den obersten Kommandobehörden sei das bisher bekannt. Eines Tages aber würden es alle erfahren. Und dann würden sie mit Recht über die herfallen, die davon gewusst haben und nichts getan haben, um es zu verhindern.

„Deshalb muss Hitler umgebracht werden, coûte que coûte.“ (Tresckow)

Dann fragte Henning von Tresckow: „Wo steht Manstein, wenn Hitler tot ist?“ (Tresckow)

Ich sagte, ich sei sicher, er werde dort stehen, wo die Legalität sei.

„Für einen Feldmarschall ist das zu wenig.“ (Tresckow)

Bereits im Sommer 1943 ergab sich für Tresckow die Notwendigkeit, den Walkürebefehl zu überarbeiten. Der "Walküre" Befehl war ein Bündel von Befehlen, der festlegte, welche Maßnahmen bei Unruhen im Inneren zu ergreifen seien. Hierbei war entweder an einen Aufstand der zahlreichen Fremdarbeiter in Deutschland oder an einen Aufstand der SS gedacht worden. Damit eröffnete sich eine Schlüsselstellung für die Widerständler, den solch ein Befehl, richtig umgesetzt und eingesetzt, konnte auch nicht Eingeweihte im Sinne der Verschwörer aktiv werden lassen. Als dann am 1. Juli 1944 Stauffenberg zum Chef des Stabes des Ersatzheeres berufen wurde und somit Zugang zu Hitler bekommen hatte, standen für Tresckow alle Figuren des Putsches an Ort und Stelle.

 

Aktionen der Gruppe Tresckow:

- 11. Juli 1944: Stauffenberg reist mit einer Sprengladungen auf den Berghof bei Berchtesgaden. Da Himmler nicht anwesend ist, zündet er die Bombe nicht.
- 15. Juli 1944: Der gleiche Vorgang - dasselbe Ergebnis.

(Bei beiden Ereignissen wurde von Olbricht in Berlin Walküre ausgelöst. Ein drittes Mal war nur schwer glaubhaft und erklärt, das nach zweimalige Rücknahme des Befehls, der Befehl am 20. Juli erst so spät ausgelöst wurde)

Die Ereignisse des 20. Juli sollen hier nicht in aller Ausführlichkeit erwähnt werden. Als Henning von Tresckow die Nachricht vom gescheiterten Staatsstreich erhält, setzt er seinem Leben am 21. Juli 1944 an der Hauptkampflinie bei Ostrow ein Ende.

Ehrentafel der Opfer des Widerstandes vom 20. Juli


Zum Schluss

Schlussbemerkung
 

Die nach dem 20. Juli einsetzenden Gerichtsverfahren offenbarten das Ausmaß der "Verschwörung" unter der Leitung von Tresckows und Hitler bekam seine "blutige Rache". Es ist bekannt, dass Hitler sich die Filme von den Hinrichtungen am Wippgalgen mehrfach vorspielen ließ. Die Angehörigen des militärischen Widerstandes, einschließlich Kinder und Frauen, kamen in Sippenhaft.

„Jetzt wird die ganze Welt über uns herfallen und uns beschimpfen. Aber ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass wir recht gehandelt haben. Ich halte Hitler nicht nur für den Erzfeind Deutschlands, sondern auch für den Erzfeind der Welt.
Wenn ich in wenigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen das vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unsertwillen nicht vernichten wird.
Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessoshemd angezogen.
Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“

(Tresckow am 21. Juli 1944 - vor seinem Selbstmord)

Es gab in letzten Jahren viel Kritik am Charakter und Tun des Henning von Tresckwos. So soll er in der Heeresgruppe Mitte zu den Initiatoren des Partisanenkampfes und Massenverbrechen gegen Juden und Zivilbevölkerung gehört haben. Ein Vorbehalt, der aus der Vermengung von Aktionen der SS und den Kampfeinsätzen gegen bedrohte Nachschublinien entstanden ist. Man hat hier die Pläne der Heeresgruppe Mitte für die Sicherung des Nachschubs und für den Schutz der eigenen Truppen mit den Terrormaßnahmen der Einsatzgruppen vermengt und daraus eine Initiative dieser Offiziere zu Massenverbrechen konstruiert., indem man ihnen unterstellt, dass ihr Kampf gegen die Partisanen ausschließlich verbrecherischen Charakter besaß und systematischen den Vernichtungsplänen folgte. Also eine unhaltbare Behauptung, die zu entkräften ohne Problem gelingt und Henning von Tresckow von solchen Initiativen frei spricht.

Der militärische Widerstand und die Bemühungen Tresckows scheiterten letztendlich daran, dass keiner der deutschen Feldmarschälle des Zweiten Weltkrieges bereit war, sich an die Spitze der Verschwörer zu setzen.

"Wenn das Attentat misslingt, hat die Geschichte für die Beteiligten keinen Sinn mehr. Es gibt dann keine Möglichkeit, weiterzuleben. Das Attentat muss geschehen, das sind wir dem Land, der Geschichte, dem Recht und dem Gesetz schuldig."
(Fritz Dietloff Graf von der Schulenburg zu einem Bekannten - 18. Juli 1944)

Es ging nur noch darum, der Welt zu beweisen, dass es in Deutschland einen zu allem entschlossenen Widerstand gegen das verbrecherische Regime des 3. Reiches gab.

Die Verschwörer des 20. Juli 1944 und mit ihnen tausende der Besten des deutsche Volkes gaben damals ihr Leben hin. Männer wie Henning von Tresckow offenbarten sich schon früh die Abgründe dieses Systems, dieses Krieges und seiner Ideologie. Das Attentat vom 20. Juli war ein Zeichen der Tat und nicht mehr des Erfolges - einen Erfolg hätten die Umsturzversuche 1938/39 bringen können.

Am 20. Juli 1961 hießen die Truppenunterkünfte in Oldenburg-Bümmerstede: Henning von Tresckow Kaserne.


Quellen

Sigrid Grabner und Hendrik Röder (Hrsg.), Hennung von Tresckow. Ich der ich war, Lukas Verlag 2003.
Bodo Schreurig, Henning von Tresckow. Eine Biographie, Stalling Verlag 1973.
Joachim Fest, Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli, Berlin 1994

http://valkyrie-plot.com/1943.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 03,00.html
http://www.phoenix.de/content/phoenix/d ... 2009-10-24
http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=13
http://www.moston.de/phil/writings/wide ... and18.php3
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/He ... sckow.html
http://www.sueddeutsche.de/thema/Henning_Von_Tresckow

Autor: Freiherr von Woye



Das Thema

Arbeiterwiderstand 1933 - 1945

 


Vorwort

 

Vorwort

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland dem Widerstand der Arbeiterorganisationen und den dazu gehörenden Personen gegen das NS- Regime kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Erst in den letzten Jahrzehnten änderte sich das Bild vom Widerstand in Deutschland und damit der Dreiklang von Graf Staufenberg, Kardinal Galen, Dietrich Bonhoeffer und den Geschwistern Scholl, also von Militär, Kirche, und bürgerlicher Jugend. Die Bedeutung und Leistungen dieser Gruppen sollten in keiner Weise unterschätzt werden, aber das gilt auch für den Arbeiterwiderstand. Dieser hat ähnlich viel zum Widerstand gegen das NS-Regime beigetragen und somit einen erwähnenswerten Platz in der Geschichte verdient. Die Erinnerungsschwäche ist auch damit nicht zu begründen, dass das Attentat am 20. Juli 1944 ein spektakuläreres Ereignis war, als graue Zellenarbeit und Aufklärung in Arbeiterorganisationen.
Hauptgrund hierfür war der Kalte Krieg, der beide deutschen Staaten ideologisch voneinander trennte. Die Deutsche Demokratische Republik beanspruchte den „proletarischen Widerstand“ für sich und in ihren Augen gab es nur Widerstand unter der Führung KPD. Sozialdemokratischer Widerstand wurde von der DDR totgeschwiegen und nirgendwo erwähnt oder geehrt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde diese Einstellung stillschweigend akzeptiert, zugleich blendete man den Arbeiterwiderstand aus dem geschichtlichen Selbstverständnis aus. Hinzu kommt das in der Adenauer Ära der militärische-, kirchliche- und konservative Widerstand besonders hervorgehoben wurde und der gesamte Arbeiterwiderstand in die Nähe des Kommunismus gestellt wurde. Das ging so weit das z.B. Sozialdemokraten die im Untergrund oder im Exil gekämpft hatten, vergessen und übergangen wurden bis hin zu öffentlichen Attacken gegen sozialdemokratische Emigranten. Erst Ende der sechziger Jahre, mit dem Aufkommen der Studentenbewegungen, änderte sich etwas an der verkrusteten Einstellung zum Widerstand in der Bundesrepublik. Im heutigen und wiedervereinten Deutschland ist es auch an der Zeit alte Vorurteile zu überwinden und den gesamten Widerstand ins rechte Licht zu rücken.


1933

Am 27.Februar 1933 fast einem Monat nach der Machtübernahme Hitlers brannte es im Berliner Reichstag. Der Brand im Reichstag hatte sich zwar nicht so weit ausgebreitet und konnte nach 3 Stunden gelöscht werden viel schlimmer waren aber die Auswirkungen auf die Demokratie. Marinus van der Lubbe der Mitglied einer Splittergruppe der niederländischen Kommunistischen Partei war wurde noch im Reichstag festgenommen. Er erklärte beim Verhör das er den Brand allein gelegt hatte um die Deutsche Arbeiterschaft zum Widerstand gegen das NS-Regime aufzurufen. Die Nationalsozialisten nutzten den Brand um es in der Öffentlichkeit als tat der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) hinzustellen. Noch in der Nacht lies Hermann Göring das Gerücht verbreiten das ein kommunistischer Aufstand kurz vor dem Ausbruch stehen würde.

 

Am 28. Februar 1933 wurde die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat von Reichpräsident Paul von Hindenburg, auf Empfehlung des Kabinetts, erlassen. Durch die Notverordnung wurden die Grundrechte der Bürger außer Kraft gesetzt. Die politische Linke reagierte mit einer Gegenpropaganda und stellte ebenfalls unbewiesene Behauptungen auf. Sie argumentierten mit der Anschuldigung, dass die Nationalsozialisten den Reichstagsbrand selbst gelegt hätten, um die Notstandsverordnung durchsetzten zu können. Durch die Verordnung wurde die KPD verboten und im Anschluss in den ersten Märzwochen 11.000 Kommunisten verhaftet. Bereits im Juni wurden 17 von 28 Bezirksleitern der KPD in Schutzhaft genommen. Des Weiteren war ein Drittel der kommunistischen Abgeordneten des Reichstages nicht mehr auf freiem Fuß. Die SPD versuchte nach dem Verbot der KPD, weiterhin mit legaler Oppositionspolitik sich dem NS-Regime entgegenzustellen. Am 5. März 1933, bei den Reichstagsneuwahlen, erzielte die NSDAP 43,9% (288 Sitze), die SPD 18,3% (120 Sitze), die KPD 12,3% (81 Sitze) (trotz des Verbots), das Zentrum 11,3 (73 Sitze), Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (Koalition aus DNVP/Stahlhelm/Landbund) 8% (52 Sitze) und andere kleinerer Parteien 6,2% (33 Sitze). Vor der ersten Sitzung wurden die Sitze der KPD annulliert, damit hatte die NSDAP die Mehrheit im Reichstag und dennoch reichte es immer noch nicht für ihr großes Ziel, alle Parteien im Deutschen Reich zu verbieten. Am 23. März 1933 kam das neu gewählte Parlament des Reichstags zusammen. In dieser Sitzung forderten die Nationalsozialisten das Ermächtigungsgesetz (Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich) zu ratifizieren. Um das Gesetz durch zu bekommen, brauchte die NSDAP eine Zweidrittelmehrheit. Die NSDAP setzte alle anderen Parteien unter Druck, mit Drohungen und Zugeständnissen, versuchte man das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Mit Erfolg, bei der Abstimmung stimmten alle Parteien für das Ermächtigungsgesetz. Außer 94 Abgeordnete der SPD, 26 waren bereits verhaftet oder befanden sich auf der Flucht. Damit entmachtete sich der Reichstag selbst und legte die ganze Macht des Parlaments in die Hände der NSDAP und Adolf Hitlers. Es war das Ende der Weimarer Republik und die Geburt des Dritten Reiches. Am 10. Mai 1933 wurde das Parteivermögen der SPD beschlagnahmt und am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten.

 


 
Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat
(Reichstagsbrandverordnung)
 
vom 28. Februar 1933
 
geändert
durch das
Gesetz vom 24. April 1934 (RGBl. I. S. 341, 347),
Gesetz vom 28. Juni 1935 (RGBl. I. S. 839),

Gesetz Nr. 55 des Alliierten Kontrollrats für Deutschland vom 20. Juni 1947 (ABl. S. 284).

Gemäß Artikel 123 Abs. 1 in Verbindung mit den Art. 1 bis 19 und Art. 30

des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 (BGBl. S. 1) aufgehoben.

 
Aufgrund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte
folgendes verordnet:
 
§ 1.
Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reichs werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Es sind daher Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechts der freien Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegrafen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig.
 
§ 2.
Werden in einem Lande die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen nicht getroffen, so kann die Reichsregierung insoweit die Befugnisse der obersten Landesbehörde vorübergehend wahrnehmen.
 
§ 3.
Die Behörden der Länder und Gemeinden (Gemeindeverbände) haben den aufgrund des § 2 erlassenen Anordnungen der Reichsregierung im Rahmen ihrer Zuständigkeit
Folge zu leisten.
 
§ 4.
(1) Wer den von den obersten Landesbehörden oder den ihnen nachgeordneten Behörden zur Durchführung dieser Verordnung erlassenen Anordnungen oder den von der Reichsregierung gemäß § 2 erlassenen Anordnungen zuwiderhandelt oder wer zu solcher Zuwiderhandlung auffordert oder anreizt, wird, soweit nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer schwereren Strafe bedroht ist, mit Gefängnis nicht unter einem Monat oder mit Geldstrafe von 150 bis zu 15.000 Reichsmark bestraft.

(2) Wer durch Zuwiderhandlung nach Abs. 1 eine gemeine Gefahr für Menschenleben herbeiführt, wird mit Zuchthaus, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten und, wenn die Zuwiderhandlung den Tod eines Menschen verursacht, mit dem Tode, bei mildernden Umständen mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Daneben kann auf Vermögenseinziehung erkannt werden.

(3) Wer zu einer gemeingefährlichen Zuwiderhandlung (Abs. 2) auffordert oder anreizt, wird mit Zuchthaus, bei mildernden Umständen mit Gefängnis
nicht unter drei Monaten bestraft.

 
§ 5.
(1) Mit dem Tode sind die Verbrechen zu bestrafen, die das Strafgesetzbuch in den §§ 81 (Hochverrat), 229 (Giftbeibringung), 307 (Brandstiftung), 311 (Explosion), 312 (Überschwemmung), 315 Abs. 2 (Beschädigung von Eisenbahnanlagen), 324 (gemeingefährliche Vergiftung) mit lebenslangem Zuchthaus bedroht.

(2) Mit dem Tode oder, soweit nicht bisher eine schwerere Strafe angedroht ist, mit lebenslangem Zuchthaus oder mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren wird bestraft:

1. Wer es unternimmt, den Reichspräsidenten oder ein Mitglied oder einen Kommissar der Reichsregierung oder einer Landesregierung zu töten oder wer zu einer solchen Tötung auffordert, sich erbietet, ein solches Erbieten annimmt oder eine solche Tötung mit einem anderen verabredet;

2. wer in den Fällen des § 115 Abs. 2 des Strafgesetzbuchs (schwerer Aufruhr) oder des § 125 Abs. 2 des Strafgesetzbuchs (schwerer Landfriedensbruch) die Tat mit Waffen oder in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken mit einem Bewaffneten begeht;

3. wer eine Freiheitsberaubung (§ 239 des Strafgesetzbuchs) in der Absicht begeht, sich des der Freiheit Beraubten als Geisel im politischen Kampfe zu bedienen.


Quellen:Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat
http://www.documentarchiv.de/ns/rtbrand.html (07.11.2009)
http://www.verfassungen.de/de/de33-45/reichstagsbrand33.htm (07.11.2009)
http://www.internat-recht.uni-kiel.de/veranstaltungen/lehrveranstaltungen/archiv/ss09/giegerich/verfgnz/materialien/VerfGNZReichstagsbrandVO.pdf (07.11.2009)
http://www.digam.net/expo/ns-revolution-1933/reichsgesetzblatt/33-00/bilder04.htm (07.11.2009)


Rote Hilfe

 

Rote Hilfe

 

Die Rote Hilfe entstand mach einem Beschluss einer KPD Konferenz im April 1921, als Folge der politischen Repression nach den Märzkämpfen in Mitteldeutschland. Auf dem IV. Weltkongress der Komintern in Moskau, am 5. bis 12. November 1922, wurde die Schaffung eines „proletarischen Roten Kreuzes“ beschlossen. Am 1. Oktober 1924 wurde die „Rote Hilfe Deutschland“ (RHD) gegründet, die der KPD sehr nah stand. Der 1. Vorsitzende der RHD wurde Wilhelm Piek, dieser wurde später Präsident der DDR. Bevor er dieses hohe politische Amt bekleidete, wurde er Leiter der „Juristischen Zentralstelle der Landtags- und Reichstagsfraktion der KPD“. Clara Zetkin übernahm 1925 die RHD-Leitung. Die Hauptaufgabe des RHD war die Unterstützung inhaftierter Mitglieder des Rotfrontkämpferbundes, der SAP, KAP, Gewerkschaftern sowie von Parteilosen. Die RHD stellte Anwälte für die Betroffenen und unterstütze deren Familien, die ohne Unterstützung des eigentlichen Ernährers ihr Dasein fristeten.

 

Die Unterstützung für die RHD kam aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. An erster Stelle der Spendenliste standen Arbeitern und Funktionäre, danach dürfen sich ca. 300 Rechtsanwälte, mit unterschiedlicher Gesinnung, einreihen. Eine weitere wichtige Einnahmequelle und somit auch Spender des RHD, waren berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Heinrich und Thomas Mann. Sie warben auch aktiv für den RHD und konnten natürlich durch ihre große Aufmerksamkeit viele Menschen erreichen. Nach der Reichstagsbrandverordnung von 1933 wurde das RHD verboten und ihre Anwälte, wie Hans Litten, Felix Halle und Alfred Apfel, noch in der gleichen Nacht verhaftet. Nach 1933 gingen die Mitglieder des RHD in den Untergrund und schleißten antifaschistische Zeitungen, Flugblätter und Broschüren weiter. Des Weiteren versuchten sie sich in NS-Organisationen, wie die Volkswohlfahrt einzuschleusen, um Gelder für Familien der inhaftierten politischen Gegner des NS-Regimes abzuzweigen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) konnte 1935/36 die RHD zerschlagen, aber einige Mitglieder konnten fliehen und setzten ihre Arbeit im Ausland fort.


Quellen:Rote Hilfe (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Hilfe_Deutschlands (07.11.2009)
http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/gewalt/frontkaempfer/index.html (07.11.2009)
http://www.raeterepublik.de/Werbetext_Rote_Hilfe_Deutschlands.htm (07.11.2009)

 


Klettergruppe

 

Vereinigte Kletterabteilung

Die Vereinigte Kletterabteilung oder auch Rote Bergsteiger, gründete sich bereits in den Zwanziger Jahren als Vereinigung Linker Bergsteiger. Die Mitglieder VKA waren Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten und Naturfreunde und die meisten waren in der Sächsischen Schweiz und im Erzgebirge aktiv. Zwei Dinge waren für die VKA unerlässlich, zum einen war dies die sportliche Herausforderung die schwierigen Gipfel zu erklimmen und die damit verbundene Bergkameradschaft zu pflegen, aber auch der politische Widerstand gegen das NS-Regime und alles Reaktionäre.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kamen den Mitgliedern ihre guten Geländekenntnisse zu gute. Da einige Organisationen und Mitglieder der KPD und SPD ins Exil in die Tschechoslowakei geflohen waren und nun von dort Aufrufe und Zeitungen druckten. Die VKA schleuste Verfolgte über die Grenze und schmuggelten illegale Zeitungen und Aufrufe ins Dritte Reich. Da sie sich in der Gegend gut auskannten, wurden selten Mitglieder der Gruppe verhaftet und in Konzentrationslager gebracht oder ermordet. Die DDR ehrte die VKA in der Höhle am Satanskopf, wo sie eine versteckte Druckmaschine hatten, mit einer Kupfertafel die aber Heute verschwunden ist.

Quellen:Vereinigte Kletterabteilung (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Kletterabteilung (07.11.2009)
http://www.floerken.de/texte/heidenau.htm (07.11.2009)
http://www.naturfreunde-berlin.de/media/downloads/NF-Berlin-Geschichte-Dissertation-Schlussbetrachtung.pdf (07.11.2009)

 

 

Transportkolonne Otto

Der kommunistische Journalist Willi Bohn gründete 1933 die Widerstandsgruppe Transportkolonne Otto. Die Gruppe druckte Zeitungen und Flugblätter in der Schweiz und schmuggelte sie über den Bodensee und Rhein nach Süddeutschland. Der Transport nach Süddeutschland war zum Teil recht abenteuerlich und gefährlich. Zum Beispiel wurden Zeitungen in wasserdichten Säcken gepackt und mit Paddelbooten über den Rhein gebracht. Die Gruppe war eine verschworene Gemeinschaft, in der nur wenige Mitglieder alle anderen persönlich kannten. Ihre Mitglieder waren nicht nur Kommunisten sondern bestanden auch aus Grenzbewohnern aller Schichten. Bereits im Oktober 1933 geriet die Gruppe ins Visier der Gestapo, was die spätere Folge hatte, dass Willi Bohn verhaftet wurde. Dennoch konnte die Gruppe ihre Schmuggeltätigkeit während des ganzen Krieges aufrecht erhalten.

Quellen:Transportkolonne Otto
http://de.wikipedia.org/wiki/Transportkolonne_Otto (07.11.2009)
http://www.mahnung-gegen-rechts.de/pages/staedte/Heilbronn/pages/HeilbronnHoffnungstraeger.htm (07.11.2009)
http://library.fes.de/jportal/servlets/MCRFileNodeServlet/jportal_derivate_00023863/afs-1970-500.pdf (07.11.2009)


Georg Elser

 

Georg Elser

 

Georg Elser wurde am 04. Januar 1903 in Hermaringen/Württemberg (Kreis Heidenheim ) geboren. Er war der älteste Sohn des Landwirts und Holzhändlers Ludwig Elser und hatte fünf Geschwister. Nach einer siebenjährigen Schulzeit machte er 1917 eine Eisendreherlehre, die er aber 1919 aus gesundheitlichen Problemen aufgeben musste. Stattdessen machte er eine Schreinerlehre in der Gewerbeschule Heidenheim, in der er 1922 die Gesellenprüfung ablegte. Von 1923 bis 1925 arbeitete er bei der Firma Riederer in Aalen. Aufgrund der großen Inflation Mitte der Zwanziger Jahre wurde er aber entlassen. Die Arbeitslosigkeit war in allen gesellschaftlichen Bereichen sehr hoch und so fand aus Elser keine neue Arbeitsstelle. Er wanderte daraufhin durch die Lande, was sich auch auf das Ausland ausdehnte und versuchte sich durchzuschlagen mit Gelegenheitsjobs. Eine zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit konnte er trotz allen Bemühungen nicht verhindern. 1932 kehrte er in das elterliche Anwesen in Königsbrunn zurück und richtete sich dort eine kleine Schreinerwerkstatt ein. Er erhielt eine Aufgabe für einen Schreiner etwas anzufertigen, diese Arbeit brachte ihm einen Job bei seinem Auftraggeber als Geselle ein. Für diese Arbeit zog es ihn wieder nach Heidenheim.

1936 bekam er eine Stellung bei der Firma Waldenmaier, Armaturenfabrik, in Heidenheim in der er ab 1938 in der Sonderabteilung Rüstung arbeitete. In der Zwischenzeit bereiteten ihm die innen- sowie außenpolitischen Machenschaften der Nationalsozialisten immer mehr Kopfzerbrechen. Er beschloss, dass er etwas unternehmen musste und gab 1939 seine Arbeitsstelle auf, um sich mit all seiner Kraft auf das Attentat konzentrieren zu können.
Georg Elser hatte eigentlich keine politische Ausrichtung. Er war zwar 1929 den kommunistischen Roten Frontkämpferbund beigetreten, engagierte sich aber nicht aktiv. Er wählte bis 1933 die KPD, weil er sie für die beste Vertretung der Arbeiterinteressen hielt. Vielmehr war er ein Gegner der Nationalsozialisten und hatte miterlebt, wie die Beschränkungen für Arbeiter im Laufe der Jahre immer stärker wurden. Er hatte auch an seinen Arbeitsplatz miterleben müssen, wie auf Rüstungsproduktion umgestellt wurde. Aber das entscheidende Erlebnis war die Sudetenkrise bei der Georg Elser zum Schluss kam, das es mit diesem Regime unweigerlich zum Krieg kommen würde. In ihm wuchs immer stärker der Wille die führenden Mitglieder dieser Regierung zu beseitigen, um einem Kriegsausbruch verhindern zu können, der sich für ihn ganz klar am Horizont schon abzeichnete.

Nach dem Polenüberfall verstärkte sich diese Einstellung und er begann, Pläne auszuarbeiten. Er entschied sich dafür bei der alljährlichen Gedenkveranstaltungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) den Hitler Putsch zu verüben. Er zog nach München und baute unter größter Geheimhaltung die Bombe (Höllenmaschine) mit Teilen, die er bei seinen Arbeitsplätzen geklaut hatte. Die Zündung der Bombe sollte durch ein normales Uhrwerk ausgelöst werden. Den Bürgerbräukeller, dort wo Adolf Hitler seine Rede halten würden späte er aus und schlich sich 30 bis 40 Nächte hinein. In den Nächten höhlte er eine Säule aus die direkt unter dem Rednerpult war und morgens versteckte er den Hohlraum durch eine Holzverschalung. Am letzten Morgen, den 7. November platzierte er die Bombe und stellte den Mechanismus der Uhr auf den Abend des 8. November und verließ München. Hitler sprach erheblich kürzer als bei früheren Feiern, weil er unmittelbar danach wieder nach Berlin zurückkehren musste. Dadurch verließ er viel zu früh das Gebäude. Er verabschiedete sich gegen 21.07 Uhr, 13 Minuten später ging die Bombe hoch und tötet 8 Menschen und verletzte weitere 60. Adolf Hitler, dem dieses Attentat galt erfuhr erst im Nachhinein von diesem Ereignis und sollte dies, wie viel andere auch, als Fügung ansehen und verkaufen.

 

Georg Elser wollte zur Zeit des Anschlag über Konstanz in die Schweiz fliehen, wurde aber von zwei Zollbeamten festgenommen, weil er keine Ausreisegenehmigung hatte und der Inhalt seiner Tasche den Beamten merkwürdig erschien. Er wurde von der Gestapo nach München gebracht und verhört sowie gefoltert. Dort gestand er den Anschlag auf Hitler begangen zu haben und am 19. und 23. November 1939 wurde er nach Berlin gebracht, um abermals und sehr ausführlich verhört zu werden. Weil Hitler glaubte, der Anschlag sei vom britischen Geheimdienst geplant und er einen Schauprozess gegen Elser nach dem „Endsieg“ veranstalten wollte, lies er ihn am Leben.
Er wurde in das KZ Sachsenhausen gebracht und saß dort 4 Jahre als Sonderhäftling in Isolationshaft, immer streng bewacht von zwei SS-Männern. Zwischen 1944 bis Anfang 1945 wurde er in das KZ Dachau gebracht und saß auch da schwer bewacht in Einzelhaft. 1945 sah auch das NS-Regime ein, das der Krieg verloren sei und so wurde am Ende noch mit allen abgerechnet die sich dem Regime entgegen gestellt hatten. Unter ihnen auch Georg Elser. Am 9. April 1945 wurde Georg Elser auf Führerbefehl im KZ Dachau erschossen. Das untergehende Regime riss ihn mit in den Abgrund.

 

 

Der Bürgerbräukeller nach dem Attentatsversuch von Georg Elser


Ouellen:Georg Elser
http://www.georg-elser.de/dok/index.html (07.11.2009)
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ElserJohannGeorg/index.html (07.11.2009)
http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/ (07.11.2009)
http://www.eglofs.rv.schule-bw.de/m14.htm (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Elser (07.11.2009)


Widerstandgruppen

 

Die Rote Kapelle

 

Die Rote Kapelle war ein Sammelbegriff die die Gestapo mehreren kommunistischen Widerstandsgruppen in Westeuropa gab, deren Funksprüche sie abhörte. In Deutschland entstand eine solche Gruppe in einem Freundeskreis, die sich bereits seit 1933 traf und Kritik an dem Nationalsozialismus äußerten. Aber erst 1939 wurden die ersten Strukturen gebildet und Kontakte geknüpft. Die Gruppe war eher lose miteinander verbunden und hatte 150 Mitglieder, die teils gemeinsam, teils unabhängig voneinander agierten. Einige Mitglieder hatten hohe Stellungen in der Wehrmacht und in den Ministerien, nutzen diese auch aus um wichtige Informationen zu sammeln. Die Zusammensetzung der Gruppe war sehr bunt und sie hatte Mitglieder in allen Gesellschaftsschichten. Sie waren sich aber auch sehr wohl bewusst, dass sie nur eine kleine Minderheit darstellten. Die Gruppe verfasste mehrere illegale Schriften, verteilte Flugblätter, vervielfältigte und verbreitete die regimekritischen Predigten des Bischofs von Galen. Mitglieder der Gruppe hatten auch Kontakt mit anderen Widerstandsgruppen wie dem Kreisauer Kreis und dem kommunistischen Widerstand in Hamburg. Die Hauptziele waren, die sofortige Beendigung des Krieges und Verständigung mit der Sowjetunion, damit Deutschland nach dem Krieg ein unabhängiger Staat bleiben könnte. 1940 stand die Gruppe mit einem Mitarbeiter der Sowjetbotschaft in Kontakt, dem sie Informationen übergaben, die sie aus Wehrmachtskreisen und den Ministerien gesammelt hatten. Die Sowjets rüsteten sie mit zwei Funkgeräten aus, aber mit diesen Geräten konnten sie Monatelang keinen Kontakt mit Moskau herstellen. Das änderte sich erst, als ein Agent des nachrichtendienstlichen Netz Informationen nach Moskau bringen konnte. Die Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) hörte alle verschlüsselten Funksprüche nach Westeuropa ab und knackte den Code. Am 26. April 1941 wurde in einem Funkspruch der Name eines der Mitglieder der deutschen Gruppe genannt. Daraufhin begann die Gestapo zu ermitteln und nahm zwischen August 1942 und März 1943 ungefähr 130 Mitglieder fest. 57 Mitglieder darunter 19 Frauen wurden vom Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht wegen Spionage und Landesverrat hingerichtet.

 

Quellen:Die Rote Kapelle
http://www.gdw-berlin.de/b17/start-d.php (07.11.2009)
http://www.gegen-diktatur.de/beispiel.php?beisp_id=444&tafel_id=9&thema= (07.11.2009)
http://www.exil-club.de/html/30_projekte/32_projekte_02/portraets/weisenborn/DieRoteKapelle.doc (07.11.2009)

 

Sopade

Nach dem Verbot der SPD im 3. Reich gingen einige Mitglieder nach Prag, um von dort aus dem NS-Regime Widerstand leisten zu können. Dort gründeten sie die Sopade (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und bauten ein Auslandszentrum auf.
Die Sopade druckte den sogenannten Deutschland-Bericht, der über ein geheimes Berichterstattungssystem über die Situation im nationalsozialistischen Deutschland berichtete.
Von April/Mai 1934 bis Dezember 1936 wurden die Berichte unter dem Titel Deutschland-Bericht der Sopade verbreitet und ab dem Januar 1937 bis April 1940 unter dem Titel „Deutschlandberichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (Sopade).
Andere innerparteiliche Oppositionsgruppen wie „Neu Beginnen“ oder „Revolutionäre Sozialisten“ setzen 1934 die Sopade unter Druck endlich etwas aktiv gegen das NS-Regime zu unternehmen. So unter Druck, verfasste die Sopade das Prager Manifest in dem sie zum revolutionären Umsturz des Hitler-Regimes aufrief, der aber schon zu spät war, da die Nationalsozialisten die Arbeiterschicht durch Verhaftungen, Repressalien und durch Einschüchterungen schwer zugesetzt hatten. Nach der Annektierung der Tschechoslowakei durch das 3. Reich flohen die Mitglieder der Sopade nach Paris und setzten dort ihre Arbeit fort. 1940 musste sie auch aus Frankreich fliehen, weil die Deutsche Wehrmacht ins Land einmarschierte. Sie bauten in London einen Stützpunkt auf und operierten von dort aus weiter.

Quellen:Sopade
http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/stichwort/deutschlandberichte.htm (07.11.2009)
http://www.spd.de/de/partei/geschichte/chronologie/1933_1945/exil-parteivorstand/index.html (07.11.2009)
http://www.bwbs.de/bwbs_biografie/SOPADE_G1146.html (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sopade (07.11.2009)

 

Die Gruppe "Neu Beginnen"

Walter Loewenheim gründete 1929 die Gruppe Neu Beginnen, in der Sozialdemokraten und Kommunisten, Mitglieder waren. Die Gruppe hielt die SPD und KPD für zu bürgerlich und lehnte sich an Lenis Schriften „Was tun“ an. Die Gruppe war vor allem in Süddeutschland beheimatet, hatte aber auch Zellen in Mannheim und Berlin. Insgesamt war die Gruppe sehr klein und hatte wenig Einfluss landesweit, was ihr aber nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu gute kam. Von Anfang an wurde auf Geheimdienst ähnliche Taktiken gesetzt. Jedes Mitglied hatte einen Tarnnamen, auf Werbung neuer Mitglieder wurde verzichtet und ein verstecktes Kuriersystem wurde betrieben. Sie bauten auch ein Auslandsbüro in Prag auf, unterstützen die Forderung der Revolutionären Sozialisten Deutschlands nach einem Aufruf zum aktiven Umsturz des Regimes, den die Sopade dann auch ausrief. 1935 kommt es innerhalb der Gruppe zur Spaltung, weil einige Mitglieder, wegen der Stabilisierung des nationalsozialistischen Regimes, es für sinnlos hielten, im Land zu verweilen und gingen somit ins Exil. Die Mitglieder die im Land blieben, arbeiteten weiter am Widerstand mit Gruppen in Süddeutschland und Österreich zusammen und wurden erst 1942 von der Gestapo zerschlagen. Die Exilmitglieder bauten im Ausland Büros auf, unter anderem in Paris (bis 1940), London und den USA.

Quelle:Die Gruppe "Neu Beginnen
http://widerstandsausstellung.m-o-p.de/ausstellung/neu_beginnen.htm (07.11.2009)
http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=254 (07.11.2009)
http://www.diehedwig.org/ecf70748-27a6-4386-935b-19c728cea51d.html?t=1257535125582 (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Neu_Beginnen (07.11.2009)

 

 

Revolutionären Sozialisten Deutschlands

Die Mitglieder der Gruppe Revolutionäre Sozialisten Deutschlands (RFD) waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Tschechoslowakei geflohen. Sie war in der SPD eine der einflussreichsten Oppositionsgruppen und eng verflochten mit der Sopade, in der einige Mitglieder im Vorstand saßen. Sie hatten vor allem große Anhängerschaften in Sachsen und Thüringen. Sie gaben als eine der ersten Gruppen den offenen Widerstand auf und bauten ein eigenes Kuriernetz auf. Das RFD und die Gruppe Neu Beginnen setzen die Sopade unter Druck endlich etwas aktiv gegen das Hitler-Regime zu unternehmen. Widerwillig rief die Sopade im Herbst 1934 zum Umsturz gegen das NS-Regime auf. Die Gruppe wurde durch die Besetzung der Rest-Tschechei 1939 zerschlagen und einige Mitglieder flohen mit der Sopade.

http://library.fes.de/fulltext/sozmit/einl-04.htm (07.11.2009)
http://www.gdw-berlin.de/pdf/B13.pdf (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Revolution%C3%A4re_Sozialisten_Deutschlands (07.11.2009)

 

 

Roter Stoßtrupp

Eine der ersten Widerstandsgruppen war der Rote Stoßtrupp, der sich aus sozialdemokratisch-linkssozialistisch orientierten Studenten, Jungarbeiter und Arbeitslosen zusammensetze. Sie druckten eine Zeitung mit dem Namen ihrer Gruppe, die in das ganze Land geschmuggelt wurde. Des Weiteren verschafften sie politisch Verfolgten Unterschlupf und fälschten Papiere, um sie aus dem Land zu schaffen. Aber ihr Hauptziel war es dem Ausland zu zeigen, dass es in Deutschland nicht nur Nazis gab. Sie versuchten auch die ganze Linke zusammenzubringen im Kampf gegen Hitler und hatten viele Kontakte mit anderen Organisationen. Die Gestapo kam Ende November 1933 der Gruppe auf die Spur und zerschlug sie. Es wurden 240 Mitglieder verhaftet. 180 wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt und einige wurden in Konzentrationslager gebracht. Einige Zellen der Gruppe blieben unentdeckt und konnte den ganzen Krieg überstehen, weil sie auf öffentlichen Widerstand verzichteten.

Quellen:Roter Stoßtrupp
http://www.ta7.de/txt/politik/poli0017.htm (07.11.2009)
http://projects.brg-schoren.ac.at/nationalsozialismus/widerstand.html (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Sto%C3%9Ftrupp (07.11.2009)
http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/ausstellung/historische/widerstand-kampf.htm (07.11.2009)

 

 

Internationaler Sozialistischer Kampfbund

Die Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK) wurde vom Philosophen Lenard Nelson und seiner Mitarbeiterin Minna Specht gegründet und von Albert Einstein unterstützt. Die Organisation war strikt für eine Trennung von Staat und Kirche und deren Einflüssen. Sie verurteilten auch undemokratische Parteien im Sozialismus und wollten einen starken Tierschutz. Sie kauften 1926 den Verlag „Öffentliche Leben“, druckten Mitteilungsblätter und verlegten die Werke von Lenard Nelson. In der Spätphase der Weimarer Republik druckte die ISK die Tageszeitung „Der Funke“ die den Wahlerfolgen der NSDAP etwas entgegen setzen sollte. Eine der spektakulärsten Aktionen der ISK war der Aufruf vor den Reichstagwahlen 1932 die ganze Linke zu einer Partei zu vereinen. Diese Idee wurde auch von sehr vielen Prominenten unterstützt. Nach der Reichstagsbrandverordnung 1933 wurde die Organisation verboten, aber die Mitglieder arbeiteten im Untergrund weiter. Sie vernichteten alle Unterlagen ihrer Partei, damit sie die Gestapo nicht gegen die Mitglieder verwenden konnte und organisierten sich straffer. Sie schleusten politisch Verfolgte außer Land, führten technische Sabotagen durch und verteilten Flugblätter. Die Bekannteste Aktion, war die Sabotage der Einweihung eines Reichsautobahnstückes in der an jeder Brücke, die die Autobahn überführte, Parolen gegen die NSDAP aufgemalt wurden. Die ISK konnte bis 1945 aktiv bleiben und löste sich erst nach dem Krieg auf.

Quellen:Internationaler Sozialistischer Kampfbund
http://www.shoa.de/drittes-reich/widerstand-resistenz-und-dissens/433-widerstand-des-internationalen-sozialistischen-kampfbundes-isk.html
http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/bestand_andere/ijb.htm (07.11.2009)
http://pdf.zeit.de/1965/46/Sekte-oder-politische-Kraft.pdf (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Sozialistischer_Kampfbund (07.11.2009)

 

 

Antinazistische Deutsche Volksfront

Die Antinazistische Deutsche Volksfront (ADV) wurde 1937 von den Arbeitern Robert Huber und Karl Zimmet gegründet. Die Gruppe setze sich aus ehemaligen Mitglieder der linksgerichteten Christlichen-Sozialen-Reichspartei (CSRP ) und der KPD zusammen. Sie waren im Raum München aktiv. Sie druckten und verteilten Flugblätter gegen Franco im Spanischen Bürgerkrieg und gegen die Aufrüstung Deutschlands zum Krieg. Als 1941 der Krieg gegen die Sowjetunion begann, verstärkte die ADV ihre Aktivitäten und druckte von 1941 bis 1943 zwölf Ausgaben von Flugschriften und zwei Ausgaben der Zeitung „Der Wecker“, sie forderte die Beendigung des Krieges. Mitte 1943 kooperierte die ADV mit der Kriegsgefangenenorganisation Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen (BZK russisch BSW) und versorgte sie mit Kleidung, Nahrung, Informationen und Papieren. Der BZK wurde auch mit Waffen versorgt, die für einen Aufstand benutzt werden sollten, zu dem es aber nicht mehr kam, weil die Organisation durch Spitzel von der Gestapo zerschlagen wurde. Mit dem Ende der BZK kam die Gestapo auch der ADV auf die Spur und verhaftete einen Großteil der Gruppe. Vom Volksgerichtshof wurden 6 Mitglieder zum Tode verurteilt und hingerichtet, nur Karl Zimmet konnte überleben, weil er eine Geisteskrankheit vortäuschte und das letzten Kriegsjahr in einer Anstalt verbrachte.

Quellen:Antinazistische Deutsche Volksfront
http://www.widerstand.musin.de/index3-14.html (07.11.2009)
http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=447 (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Antinazistische_Deutsche_Volksfront (07.11.2009)


Widerstand

 

Edelweißpiraten

 

Die Edelweißpiraten waren rebellische Gruppen oder Jugendbanden, die sich dem Zwang der Hitlerjugend (HJ) zu entziehen versuchten und im Laufe der Jahre in einigen Regionen offenen Widerstand betrieben. Ihre Wurzeln hatten sie bei der Bündischen Jugend, in der linksgerichteten Naturfreunde und im kommunistischen Rotfrontkämpferbund die alle Verboten waren. Es gab aber auch wilde oder freie Gruppen, die ohne diese Organisationen entstanden sind. Die meisten von ihnen kamen aus der Arbeiterschicht und waren hauptsächlich in Großstätten des Ruhrgebiets aktiv. In den Gruppen waren die Mitglieder meist 14-17 Jahre alt und es gab auch keine Geschlechtertrennung wie bei den NS-Organisationen. Eines ihrer Erkennungszeichen war eine Edelweißanstecknadel an der Jacke oder ein Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag. Sie trugen auffällige Kleidung, um sich vom HJ Einheitsbrei abzuheben. Der Widerstand bestand am Anfang darin, trotz Fahrtenverbots, trotzdem zu fahren und schwänzens des HJ-Dienstes. Als nächstes schlug man sich mir der HJ, malten Wandparolen und verteilten illegale Zeitungen und Flugblätter weiter.

 

 

Bartholomäus (Barthel) Schink, * 25. November 1927 wurde am 10.11.1944 mit sechs Edelweißpiraten
und sieben befreundete Erwachsene ohne Gerichtsverfahren öffentlich erhängt.

Besonderer Widerstand kam erst im letzten Kriegsjahr vor, wo alles im Niedergang begriffen war. In dieser Zeit war vor allem die „Ehrenfelder Gruppe“ die aus geflohenen Häftlingen, Zwangsarbeiter, Juden, Russen, Deserteure und Jugendliche bestand und Widerstand leistete. Der Anführer dieser Gruppe war der aus dem KZ-Außenlager Köln-Messe geflohenen Häftling Hans Steinbrück (genannt Bombenhans), der die meisten Aktionen geplant hatte. Die Gruppe legte ein Waffenlager an, versteckte Juden und Deserteure bei sich, machten Flugblattaktionen und verübte Diebeszüge. Ihr Plan war es das Gestapogebäude in die Luft zu sprengen und jeden Nazi zu töten, der ihnen begegnete. Steinbrück und seine Gruppe erbeuteten im einen Lagerhaus 26 Zentner Butter, da sie nicht lagern konnten, verkauften sie es auf dem Schwarzmarkt. Das brachte natürlich sehr viel Aufmerksamkeit und einige Mitglieder verließen die Gruppe. Bei einer Personenkontrolle bekam eine Heeresstreife einen Tipp, wo ein Deserteur zu finden sei und durchsuchte den Keller der Gruppe. Dabei wurde das Waffenlager entdeckt. Die Kriminalpolizei durchsuchte die Kellerräume am nächsten Tag und nahm zwei Jüdinnen sowie die Kellerbewohnerin fest. Am Tag fuhren die Mitglieder der Gruppe herum und schossen auf alles, was eine Uniform trug. Sie töteten einen SA-Angehörigen und ein HJ-Streifenführer. Am darauf folgenden Tag wiederholte sich das Ganze noch einmal mit dem Unterschied, das die Gruppe versuchte Sprengstoff zu klauen, was von der Polizei vereitelt wurde. Am 4. Oktober 1944 verhaftete die Gestapo Steinbrück und einige Mitglieder seiner Gruppe. Bis Mitte Oktober wurden 63 Personen festgenommen darunter ganze Familien. 13 Mitglieder wurden am 10. November 1944 in der Hüttenstraße in Ehrenfeld ohne Gerichtsverfahren von der Gestapo erhängt.

Quellen:Edelweißpiraten
http://www.aussichten-online.de/edelweisspiraten.html (07.11.2009)
http://musik-us-koelle.foren-city.de/topic,205,-edelweisspiraten.html (07.11.2009)
http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/epis/index.html (07.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Edelwei%C3%9Fpiraten#Aktionen_des_Widerstandes (07.11.2009)

 

Wilhelm Leuschner

 

Im Jahre 1913 trat Wilhelm Leuschner in die SPD ein und wurde ein engagiertes Gewerkschaftsmitglied. Er musste 1916 als Soldat an die Ostfront im Ersten Weltkrieg. Nach seiner Rückkehr 1919 wurde er Stadtverordneter und Vorsitzender der Darmstädter Gewerkschaften und konnte 1924 als SPD-Abgeordneter in den Landtag des Volksstaates Hessen gewählt werden. 1928 wurde er zum Innenminister des Volksstaates Hessen berufen. Unter anderem trat er mit Plänen zum Autobahnbau hervor. Besonders auffällig wurde er jedoch als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Leuschner wurde zu einem der meistgehassten Gegner der Nationalsozialisten, nachdem er die Veröffentlichung der Boxheimer Dokumente veranlasst hatte. In den Boxheimer Dokumenten war die beabsichtigte Errichtung eines Terrorregimes der Nazis deutlich zu erkennen, sie ließen erkennen, dass der vermeintlich legale und demokratische Kurs der Nationalsozialisten eine bloße Fassade war.

 

Die Verfolgung

 

Anfang 1933 wurde Leuschner in den Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) gewählt. Im April 1933 wurde Leuschner, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zum Rücktritt gezwungen, er gab sein Amt als hessischer Innenminister auf. Da er als Gewerkschaftsführer immer wieder die von Robert Ley gewünschte Kooperation mit den Nationalsozialisten ablehnte, kam es im kurz nach Ostern desselben Jahres dazu, dass er inhaftiert wurde. Es hieß, dass er offiziell in „Schutzhaft“ genommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnten alle Gewerkschaften offiziell zerschlagen werden. Juni 1933 wurde er zum zweiten Mal festgenommen, misshandelt und mehrere Monate lang in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern gefangen gehalten, darunter im berüchtigten Emslandlager Börgermoor, in dem sein Mitgefangener Wolfgang Langhoff das bekannte Moorsoldatenlied schuf.

 

Der Widerstand

Das letztendliche Ziel, die Beugung seiner Persönlichkeit, erreichten die Nationalsozialisten jedoch nie. Kurz darauf, nachdem Wilhelm Leuschner im Sommer 1934 aus dem Konzentrationslager freikam, organisierte er sofort den Neuaufbau eines Widerstandsnetzwerks. Er folgte 1936 Ernst Schneppenhorst in der Leitung einer kleinen Fabrik zur Herstellung von Bierschank Utensilien. Dieser Ort wurde sehr schnell zur Schaltzentrale der illegalen Reichsleitung der inzwischen verbotenen deutschen Gewerkschaften. Hermann Maaß wurde in dieser Zeit zu einem seiner engsten Mitarbeiter. Wilhelm Leuschner kämpfte sehr aktiv in gewerkschaftsnahen Gruppen des Widerstandes und hatte Kontakte zum sogenannten Kreisauer Kreis. Daraufhin trat er nach dem Jahr 1939 ebenfalls zur Widerstandsgruppe von Carl Friedrich Goerdeler bei. Leuschner hätte voraussichtlich nach einem erfolgreichen Putsch gegen Hitler im Schattenkabinett Beck/Goerdeler Vizekanzler werden sollen. Das Attentat vom 20. Juli 1944 und der Umsturzversuch misslangen jedoch. Wilhelm Leuschner stellte sich am 16. August 1944, nachdem die Nationalsozialisten seine Frau als Geisel genommen hatten freiwillig dem Regime. Er wurde darauf vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des berüchtigten Richters Roland Freisler direkt zum Tode verurteilt. Wilhelm Leuschner wurde am 29. September 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee von den Nationalsozialisten erhängt.

 

 

Er wurde 54 Jahre alt.


Nach Leuschner ist seit 1964 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, benannt. Zahlreiche Straßen in Deutschen Großstätten tragen seinen Namen.

Quellen:Wilhelm Leuschner
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/LeuschnerWilhelm/index.html (25.11.2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Leuschner (25.11.2009)
http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/gedenktafeln/leuschner.html (25.11.2009)
http://geschichte.verdi.de/jahrestage_gedenktage/20._juli_1944_leuschner_und_der_gewerkschaftliche_widerstand/wilhelm_leuschner_-_ein_leben_fuer_die_soziale_demokratie_von_wolfgang_hasibether (25.11.2009)

 

Der Artikel über Wilhelm Leuschner hat aus persönlichen Gründen Gastronaut geschrieben vielen Dank nochmal.
 
Wer Interesse am Widerstand hat kann sich diesen Heft kostenlos bestellen den Link habe ich dran gehängt
http://www.bpb.de/publikationen/1X57WC,0,0,Opposition_und_Widerstand_der_Arbeiterbewegung.html (07.11.2009)


Quellen

Autor: Partisan