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Das Thema

Elektromagnetische Waffenforschung der Wehrmacht


Einleitung

Einleitung



Mit dem Aufkommen der Elektrizität und dem Bekanntwerden der elektromagnetischen Effekte wurden auch Ideen für Waffen mit elektromagnetischer Beschleunigung als Antrieb der Geschosse entwickelt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erste Patente angemeldet.
Diese frühen Waffen sahen die Verteilung mehrerer Ringmagnete um konventionelle Artillerierohre vor. Dabei sollten die Ringe nacheinander mit Strom versorgt werden und so das Geschoss konstant bis zur Mündung beschleunigen. Problematisch war dabei vor allem der relativ schwache Effekt des Elektromagnetismus. So waren sehr hohe Ströme notwendig, die stoßweise auf die Magnetspulen zu schicken waren. Diese Ströme herzustellen, zu steuern und zu kontrollieren überstiegen die Möglichkeiten der Zeit bei weitem, so dass zunächst nur theoretische Überlegungen möglich waren.
Heute sind diese Waffen unter der Railgun bekannt und heute eher ein Steckenpferd der amerikanischen Rüstungs- bzw. Waffenindustrie. Dennoch muss hier festgestellt werden, dass solche Entwürfe bereits im Zweiten Weltkrieg zur Debatte standen und die Rüstungsindustrie hinter der Wehrmacht sich mit dieser Thematik befasste!

Technik

Technik und Entwurf

 

Mitte der dreißiger Jahre wurden unter anderem in Deutschland weitere theoretische Überlegungen angestellt. Diese Führten im Mai 1939 zu einer Veröffentlichung, in der eine konventionelle mit einer elektromagnetischen Kanone gleichen Kalibers und gleicher Schussleistung verglichen wurden. Als Grundlage wurde ein Langstreckengeschütz im Kaliber 10 cm mit einer Kaliberlänge von 200 und damit einem Rohr von 20 m Länge sowie ein Geschoss von 20 kg Gewicht bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 1500 m/s zugrunde gelegt. Dabei wurde eine reine Beschleunigungszeit von 0,027 s mechanisch berechnet. Die elektromagnetische Beschleunigung erfolgte dabei durch eine kurze Spule von wenigen Windungen, die um das Rohr zu wickeln war.
Für die elektromagnetische Kanone wurde dabei durch das Fehlen der Weichmetall-Führungsringe am Geschoss ein Druck auf die Rohrwand von 1450 kg je Quadratzentimeter und bei der konventionellen Kanone von 1600 kg je Quadratzentimeter ermittelt. Somit wäre eine dünnerer Rohrwandung möglich.

 

Prinzip der elektromagnetischen Beschleunigung

 

Der elektromagnetische Antrieb kann zwei verschiedene physikalische Prinzipien benutzen:

 

1. Die Lorentzkraft
F=q(v x B),
welche auf eine Ladung q wirkt, die sich mit der Geschwindigkeit v in einem zeitlich konstanten Magnetfeld B bewegt. Auf diesem Prinzip beruht die „Schienen-Kanone“ (Railgun).

2. Die elektromagnetische Induktion, die aufgrund zeitlich schnell veränderlicher Magnetfelder zu großen Abstoßungskräften zwischen kurzzeitig von Spitzenströmen durchflossenen Leitern führt. Darauf basiert die Induktionsschleuder.


Auf der anderen Seite ergaben die Berechnungen, dass je Schuss eine Stromstärke von 600000 Ampere benötigt wurden, die eine Wärmeentwicklung von etwa 5 Megawatt je Schuss zur Folge hätte. Somit wäre eine zusätzliche Wärmeabfuhr durch Kaltluftbelüftung mit einem Durchfluss von 2,7 Kubikmetern je Sekunde nötig geworden.
Der nötige Querschnitt des Spulendrahtes wird mit 6000 Quadratmillimetern berechnet (zum Vergleich: im Haushalt werden 1,5 bis 25 Quadratmillimeter verwendet), für die Zuleitungen wäre sogar ein Querschnitt von 70000 Quadratmillimeter nötig gewesen. Dies entspräche Leitungsdurchmessern von 87,43 mm beziehungsweise 298,62 mm. Daraus ergibt sich wiederum, dass ein mobiler Aufbau des Geschützes mit getrennter Stromversorgung unmöglich gewesen wäre, da diese wegen der geringen Flexibilität der Leistungen sowie der an möglichen Verbindungsstellen auftretenden elektrischen Widerstände fest mit der Spule verbunden sein musste. Es wäre damit nur ein Eisenbahngeschütz in Frage gekommen.

Zusätzlich ergaben sich noch Probleme mit den elektrischen Feldern von Spule und Generator, die einen zerstörungsfreien Betrieb nur unter der Bedingung der Entkopplung der Felder sicher ermöglicht hätten. Diese Entkopplung wäre unter anderem nur mit Kondensatoren von 2,5 Farad Kapazität möglich gewesen, die es für den alltäglichen Gebrauch schlicht nicht gab.
Günstigstenfalls wären unter Berücksichtigung aller Probleme bis zu 2 Schuss je Minute für bis zu 10 Minuten möglich gewesen. Die danach trotz Kühlung auftretenden Temperaturen hätten ein Weiterschießen unmöglich gemacht, da die Spulen schlicht zerschmolzen wären. Insgesamt gesehen hätte der Aufwand für ein solches Geschütz jeden Nutzen bei weitem überwogen, so dass zu diesem Zeitpunkt ein elektromagnetisches Geschütz schlicht für nicht machbar erachtet wurde.
 

 

Die Firma Gesellschaft für Gerätebau GmbH, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits intensiv mit Grundlagenforschung und Bau von elektrischen Geräten für Einsätze im Hochspannungs- und Hochstrombereich beschäftigte, nahm diese und ähnliche Berichte der Zeit zum Anlass, sich ab Ende 1939 intensiv mit dem Problem zu befassen. Bis 1943 wurden verschiedene Verbesserungen entwickelt und in die Fertigung übernommen, so dass man sich Ende 1943 durchaus für fähig hielt, eine elektromagnetische Kanone für den Gefechtseinsatz zu entwickeln. Das Heereswaffenamt stand der Idee zunächst skeptisch gegenüber, erteilte aber doch den Auftrag, Grundlagenforschung für ein Ferngeschütz zu betreiben.
Im Oktober 1944 wurde das Projekt dann an an das OKL übergeben, da man dort dringend eine leistungsstarke mittlere Flak benötigte und man anscheinend der Meinung war, dass das Konzept der elektromagnetischen Waffe für den Einsatz als Flak weit genug entwickelt worden war. Vorgesehen war nun der versuchsweise Bau einer elektromagnetischen 4 cm Flak mit einer hohen Mündungsgeschwindigkeit. Mit der weiteren Entwicklung wurde nun die Siemens-Schuckert AG beauftragt, die bis Ende Oktober 1944 die Vorarbeiten der Gesellschaft für Gerätebau bündelte und zu einem Konzept zusammenfasste.

Vorgesehen waren ein Flakgeschütz, das aus einem 10 m langen Rohr ein 7,5 kg schweres Geschoss sowie ein Ferngeschütz, das ein 200 kg schweres Geschoss aus einem 50 m langen Rohr verschoss. Die Mündungsgeschwindigkeit sollte bei beiden Geschützen 2000 m/s betragen.
Zur Stromversorgung wurden eine Gleichstrommaschine, ein Wechselstrom-Stoßgenerator sowie die Verwendung von Kondensatoren erprobt.
Für das Ferngeschütz wurde für den Gleichstrommaschinensatz ein Einsatzgewicht von 2600 t, für den Wechselstromgeneratorsatz eins von 7600 t und für den Kondensatorsatz eins von 7940 t berechnet bei einer Leistung von 400 MW. Für das Flakgeschütz lag das berechnete Gewicht des Gleichstrommaschinensatzes bei immer noch 480 t. Somit war von vornherein klar, dass nur ein Einsatz aus einer festen Stellung mit verbunkerten Maschinensätzen möglich sein würde. Daher wurde von dem sehr großen und aus der Luft entsprechend verletzlichen Ferngeschütz bereits Ende Oktober 1944 wieder Abschied genommen. Auch für eine kurzfristige Einsatzbereitschaft des Konzepts als Flak gab es keine Möglichkeit. Daher wurde nur eine Grundlagenforschung in die Wege geleitet, die weiter bei der Gesellschaft für Gerätebau verblieb. Dort wurden insbesondere Geschossformen entwickelt.

Das Rohr der dort verwendeten elektromagnetischen Versuchsaufbauten war glatt mit je einer Führungsschiene rechts und links. Die Geschosse wurden entsprechend mit seitlichen Flügeln entworfen, die in die Führungsschienen eingelegt wurden. Die elektromagnetische Kraft wirkte stärker auf die Flügel, die entsprechend ausgebildet werden mussten. Zunächst kamen pfeilförmige Geschosse zum Einsatz, die vollständig aus Eisen gefertigt waren. Die Flügel dieser 11,5 bis 12 g schweren Geschosse wurden im Magnetfeld aber so stark beansprucht, dass sie teilweise zerbrachen und so keinen sauberen Flug mehr ermöglichten. So wurden sie durch Flügel aus Tombak (Messing mit 30 % Zink), Kupfer oder Bronze ersetzt. Diese verbesserten die Magnetfeldeigenschaften des gesamten Geschosses günstiger. Dabei erwies sich Kupfer als am idealsten bezüglich der erreichbaren Geschwindigkeit, es führte allerdings auch zu einer stärkeren elektrischen Aufladung des Geschosses.
Im zweiten Schritt wurde die Form der Flügel verändert. So wurde die Pfeilform zugunsten einer Flugzeugform mit unten am Geschoss angebrachten Flügeln geändert. So konnten bis Ende Januar 1945 noch Mündungsgeschwindigkeiten von 930 m/s bei 10 m Rohrlänge erreicht werden. Danach wurde die Forschung eingestellt, da im Endkampf keine unnützen Kapazitäten mehr gebunden sein durften.

Zum Schluss

Schlussbemerkung

 

Aus den vorliegenden Quellen ergibt sich somit, dass das Deutsche Reich bereits 1945/46 in der Lage gewesen wäre, eine elektromagnetische Kanone zu entwickeln und einzusetzen, wenn es der Kriegsverlauf zugelassen hätte. Dabei wäre die Wirksamkeit der schweren, nur ortsfest einsetzbaren Waffe allerdings eher mäßig gewesen und hätte wohl in keinem Verhältnis zum nötigen Aufwand gestanden.

 


(Versuchrampe für eine Railgun)

 

Quellen

Karl Pawlas, Waffen Revue Band 120 und 121, Journal-Verlag Schwend, 2001.

http://de.wikipedia.org/wiki/Railgun (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gau%C3%9Fgewehr (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://www.spiegel.de/video/video-26541.html (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://www.matthewmassey.com/ (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://www.wissenschaft-und-frieden.de/ ... kelID=0690 (Letzter Aufruf 30.05.2011)



Autor: tom!

Das Thema

Heeresversuchsanstalten der Wehrmacht

 


(Heeresversuchstelle Kummersdorf - Versuchsstelle Gottow)

 

Hillersleben und Kummersdorf



Es gibt zwei bekannte Heeresversuchsanstalten bzw. -stellen der Wehrmacht im Deutschen Reich, die eine in Hillersleben und die andere in Kummersdorf. Mit beiden Orten bzw. deren Anlage wird bis heute die Deutsche Hochtechnologie vor und während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht. Die Erprobungen und Entwicklungen im Bereich der militärisch anwendbare Technologie auf den Testgeländen bei beiden Standorten, sind bis heute nicht nur weltbekannt, sondern auch mit einigen Rätseln bzw. Mythen umgeben. Welche Waffen kamen wirklich dort erstmalig zwecks Erprobung zum Einsatz? Einige der Behauptungen über Kummersdorf und Hillersleben sind durch Wissenschaft belegt worden, bei anderen Sachen sind die Quellen höchstens wage.

Hillersleben

Vorstellung Hillersleben

 

Hillersleben (unweit von Magdeburg) hat eine eher bescheidene Geschichte vorzuweisen und ist wohl gerade wegen seiner Unbedeutendheit und Abgelegenheit schon früh für Text und unbeobachtete Erprobungen ins Blickfeld der Militärs gerückt. In der Umgebung von Hillersleben existiert der Truppenübungsplatz Altmark, welche die Colbitz-Letzlinger Heide als ideales Gelände für Erprobungen jeder Art zu verwenden wusste. Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurde in Hillersleben eine Heeresversuchsanstalt der Reichswehr bzw. später Wehrmacht aufgebaut. Im Jahre 1934/35 entstand so der zweitgrößte Versuchsplatz auf deutschem Territorium. Dort sollten fortan Erprobung von Artilleriewaffen (Bsp. Dora Geschütz) und andere Waffentechnologien stattfinden. Die Bauzeit der Heeres-Versuchsstelle betrug in etwa zwei Jahre und in der Folgezeit wurde die gesamte Anlage in neun Hauptversuchsstellen aufgeteilt.

 


(Prüfstand für einen Henschelturm)

 

Zum Zwecke einer sicheren und vor allem Sichtgeschützen Erprobung, wurde eine 30 km lange und 750m breite Schneise in den Wald geschlagen. Am westlichen Rand dieser Schneise wurde eine zweispurige Betonstraße auf der gesamten Länge des Platzes angelegt und somit die Abschnitte für die Testbereiche bestimmt. Die verschiedenen Versuchsplätze erhielten Bunkeranlagen. Weitere 281 Hektar Fläche wurden für drei weiter entfernte Versuchsplätze, westlich und östlich der Betonstraße, für die Versuchsstelle eingenommen. Das gesamte Gebiet nahm dabei eine fast ovale Form an und hatte an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 15 km. Diese Form hat der Platz bis heute behalten und somit die Naturlandschaft nachhaltig beeinflusst. Wirtschaftlich gesehen war es für die Region ein Vorteil, wenn auch nur kurz und mit weitgreifenden Einschnitten für die Nutzung der Wälder.
Bis auf einen Evakuierungstransport (April 1945), der bis in ein Wäldchen bei Hillersleben gelangte und dabei fluchtartig verlassen von den SS Wachleuten verlassen wurde, ist Hillersleben nicht mit Zwangsarbeitern bzw. diesem unrühmlichen Kapitel der Wehrmacht in Verbindung zu bringen. Die Anlagen wurden nach dem Krieg bis 1994 durch die Rote Armee weiter genutzt. Außerdem hat sich der Standort aufgrund seiner Lage und Bedeutung der vorangegangen Jahrzehnte als militärischer Stützpunkt behaupten können (Standort der 47. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland). So wird das Gebiet um Hillersleben bis heute von der Bundeswehr für Militärische Übungen genutzt und aufgrund seiner Abgelegenheit vor allem bei Tests unter Ausschluss jedweder Öffentlichkeit nur zu gerne in Beschlag genommen.

 


(Krupp Räumer S - Mienenräumer)

Kummersdorf

Vorstellung Kummersdorf



Der Ort Kummersdorf-Gut ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Am Mellensee in einem ehemaligen Gutsbezirk bei Luckenwalde in Brandenburg. Bekannt geworden ist der Ort durch die bis 1945 ansässige Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht. Das Gebiet um Kummersdorf quasi Sperrgebiet, weil wie im Fall Hillersleben, das Entwicklungs- und Erprobungszentrum für neue Waffensysteme unter Ausschluss neugieriger Augen ihrer Arbeit nachging. Heute befindet sich dort das Technische Museum Kummersdorf, eine Informationsstelle und Ausstellungsort rund um die Versuchsanstalt und ihrer Geschichte. Bis heute prägen der Nachlass von Reichswehr, Wehrmacht und Roter Armee die Landschaft.
Bei der Gründung spielten einmal die abgelegene Lage und die für Brandenburg so typische Landschaft einer Rolle. Nur 30 Kilometer vor der südlichen Berliner Stadtgrenze, konnte so ein Versuchsareal mit einer enormen Ausdehnung entstehen. Dieser Ausgangslage und die Abgeschiedenheit ließen einen Entwicklungsstandort entstehen, der von der Artillerie bis zur Raketen und Atomwaffenforschung alles erforschte bzw. testete. Dabei kann Kummersdorf auf eine 70ig jährige Geschichte (1875 bis 1945) zurückblicken, die bis heute die historische Forschung im Bereich deutscher Militärtechnologie beflügelt.
Die allerhöchste Geheimhaltung und die militärische Spitzentechnologie hat zwischen Zossen und Luckenwalde , eine nur den wenigsten Zivilsten bekannte Großanlage entstehen lassen. Bis zum Schluss wurden von den Forschern eine 3500 ha große, inmitten märkischer Wälder, Versuchsstelle genutzt. Von der Artillerie über Feldeisenbahnen, Kommunikationstechnik, Panzer, Kraftfahrzeuge bis hin zu Festungsbauten ist dort alles getestet worden. Wobei bereits im Ersten Weltkrieg eingesetztes Gerät in Kummersdort ihre Feuertaufe erhielt. Diese hier erstmals zum Einsatz kommende Militärtechnik beeinflusste den Krieg maßgeblich, die immer größerer werdende Feuerkraft und neuartige Technologie sollte hier ihren Ursprung haben. Die »Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie« fand hier ihren Sitz und ab 1935 wuchs die Bedeutung steil an, über 1000 Wissenschaftler und Techniker haben hier ihrer Arbeitsstelle gehabt. Ob Zwangsarbeitern und/oder Kriegsgefangene in die Arbeit eingebunden waren, gilt es noch zu untersuchen.
Bedeutung für die Nachwelt erlangte der Standort durch solch prominente Forscher wie Wernher von Braun und sein Raketenprogramm. Die Vorarbeit in Kummersdorf wurde dann von anderen Forschungsinstituten aufgenommen und weitergeführt. Auch die Forschung zur Atomspaltung und Anwendung wurde in Gottow (1942), eine Außenstelle der Anstalt, eingeleitet.
Wie auch in Hillersleben, wurde dieser Ort nach dem Zweiten Weltkrieg weiter genutzt, auch weil sich der Standort bewährt hat und für die Alliierten eine wichtige wissenschaftliche Ressource darstellte. Von 1945 bis 1994 als sowjetischer Militärflugplatz wie Ausbildungsstätte genutzt, war Kummersdorf für die Westgruppe der Sowjetarmee ein wichtiger Stützpunkt in der DDR geworden.

 

Schießplatz und Artillerieforschung

 


(Projektile für die 15 cm Geschütze)



In Hillersleben stand die Erprobung von Feldartillerie und entsprechender Munition (Waffenprüfungsinspektion 4) im Vordergrund. Mit der Weiterentwicklung der Waffensystem und der Priorität beim Projektilen, auf enorme Distanzen abgefeuert zu werden und auch zu treffen, wurde Waffenprüfabteilung 11 hinzugezogen. Diese Abteilung der Wehrmacht war mit der Entwicklung der mit Feststoff- und Flüssig-Treibstoff gespeisten Raketen (V1, V2) verantwortlich. Wahrscheinlich sind Erkenntnisse und Forschungsgrundlagen aus Kummersdorf in Hillersleben hier zur Anwendung gekommen. Der Schießplatz in Hillersleben war durch seine Ausmaße und Erfahrungen für solche Erprobung prädestiniert. Schon zu Zeiten des Kaiserreiches und der Reichswehr wurde das Rohrsystems und die enorme Munition des Eisenbahngeschützes "Dora" und "Gustav" getestet. Diese bis heute größte Kanone verschoss 7 Tonnen schwere Granaten und die Rohren waren Spezialanfertigen mit enormen Aufwand. Auch Infanteriewaffen (panzerbrechenden Typen), Minen und pioniergerechter Sprengstoffen wurden hier erprobt. Im Mittelpunkt standen aber vor allem die neuartigen Waffensysteme und Projektilen, darunter die bis heute legendäre "Hochdruck-Pumpen-Waffe", die "Luftdruck-Waffe", die "240-mm-Kanone" und die "strahlgetriebenen Tromsdorff-Projektile". Die Forschung im Bereich der elektromagnetischen Projektile und Abschussplattformen waren ihrer Zeit voraus und sind heute Grundlage der "Railgun", welche seit Jahren von den US Streitkräften getestet und erprobt werden.
 


(Entwurf für einen Landkreuzer, entstanden aus den Geschützen Dora und Karl Gerät)



Die gesamte Schießbahn umfasste 33 Unterständen, aus welchen die Ziele zu beobachten waren. Dabei konnten Projektile bis zum Kaliber 14,5 cm verfolgt werden. Bei den vier 35 Meter hohe Gittermasten auf dem Gelände, handelte es sich um moderne Messeinrichtungen, welche die Geschwindigkeit der Geschosse beim Verlassen der Geschützrohre (sprich die V 0) festhielten. Man scheute keine Mühen und Kosten, so errichtet man eine Großbunkeranlage mit allen technischen Einrichtungen zur Versorgung, mehrere Etagen, einem 16 Meter tiefen Einschnitt am Eingang und mit einer Schmalspurbahn befahrbar. Es sollten dabei die Einrichtungen und Anlagen am Westwall getestet bzw. die Erprobung panzerbrechender Waffen im Speziellen erprobt werden. Zu den wohl größten Projekte, die auf den Versuchsplätzen realisiert wurden bzw. wohl weltweit einziartig waren in ihren schieren Ausmaßen, waren das Eisenbahngeschütz Dora, die Vergeltungswaffe 3, auch Tausendfüßer genannt und das Eisenbahngeschütz Karl, sowie die Bunkeranlage des Westwalles (Typ A sollte die V 3 beherbergen).

 

Legende:

1 - Stabsgebäude
2 - Artilleriewerkstätten
3 - Muna
4 - Treidelbahn (Versuchsstrecke für u.a. Geschützlafetten / "Treidel" weil die Lafetten von einer E-Lokomotiven gezogen wurden)
5 - Hauptfeuerlinie
6 - Anschlussgleisdreieck
7 - Siedlung

 




Nach dem Krieg und dem Abzug der Amerikaner wurde der Schießplatz Hillersleben durch die sowjetischen Streitkräfte übernommen und weiter ausgebaut. In den Jahren 1946 bis 1948 sprengten die Russen die Bunkeranlagen und verwerteten den Eisenschrott, Gleisanlagen und sonstige Konstruktionen als Reparationsleistungen. Dazu kamen Kasernenanlagen für die Rote Armee, welche als Standort immer wichtiger wurden. Der Kalte Krieg besah in seinen Planung auch den konventionellen Krieg auf dem Schlachfeld Deutschland vor und zu diesem Zwecke sollten innerhalb von 48 Stunden die Kampfkraft auf dem Gelände auf 500.000 Mann erhöht und Hillerleben zur Angriffsbasis Richtung Westen werden. Im Falle eines atomaren Krieges, waren auf dem Übungsplatz auch mobile Abschussrampen für Atombomben stationiert. Aus diesem Grunde wurde wichtige Waldbestand einfach abgeholzt und Platz gemacht für weitere Anlagen.
Noch heute sind solche Testgelände - zwecks geeigneter Landschaft, Gelände und Ausbau - in Europa Mangelware. Gerade deshalb nutzt die Bundeswehr das Gelände bis heute intensiv und die neusten Projektile des Leopard Panzer, werden hier getestet. Die Bundeswehr hat 1994 das Gelände übernommen und zu ihrem Gefechtsübungszentrum in Deutschland ausgebaut. Noch heute befinden sich die Altlasten der einstigen Wehrmacht und der Roten Armee auf diesem Gelände.

V-3

Die Vergeltungswaffe 3 auf dem Prüfstand (V 3)

 


(Die sogenannte "Pariskanone", welche als festinstallierte Geschütze an den Kanalküsten das englische Festland unter Beschuss nehmen sollten)

 

Der Ruf, den sich Hillersleben bis heute bewahrt, besteht in der Erprobung ganz besonderer Waffen. So waren die Eisenbahngeschütze Gustav und Dora nur Vorläufer einer im Zweiten Weltkrieg hier entwickelten Kanone. Waren die Vorläufe dem Konstruktionsprinzip nach Kanonen, so sollten ihre Nachfolger noch größer, noch größer Distanzen überwinden und die Projektile waren Vernichtungsorkane entfesseln. Zu diesem Zweck wurden aus dem Heereswaffenamt zwei Spezialisten nach Hillersleben bestellt (Chef der ballistischen Abteilung und Munition Oberst Ing. Gesit und den Oberbaurat Henning Teltz) um eine neuartige, möglicherweise Kriegsentscheidende Waffe zu konstruieren. Diese Kanone sollte unbeweglich - ein mobile Transport war schon bei den Eisenbahngeschützen kaum machbar - und auf einer speziellen Metallkonstruktion mit einem konstanten Winkel angebracht werden. Diese ersten Anforderungen deuten auf ein enormes Rohre hin, dessen Segmente ähnlich wie Wasserrohre miteinander verbunden werden sollten. Der Schießplatz Hillersleben sollte dabei erste Erprobungen möglich machen, welche nur mit eine speziellen Anlage bewältigt werden konnte. Ein abgefeuertes Geschoss aus dieser Kanone, sollte eine Anfangsgeschwindigkeit von 1500 m/s erreichen, d.h. bis zu 160 km Reichweite. Bei der geplanten Installation an der Kanalküste, wurde das Ziel London anvisiert. So wurde Hillersleben Geburtsort der "Hochdruckpumpe" (HDP), umgangssprachlich auch einfach Tausendfüßler, wegen ihrer für eine Kanone doch untypischen Form, genannt.

 


(Versuchsanordung für eine Hochdruckpumpe, eine erste Form von elektromagnetischen Distanzkanone)

 

Diese deutsche Kanonenkonstruktion in Hillersleben, sollte nur der Vorläufer einer neuen Waffengeneration - von der Propaganda auch als Wunderwaffe bezeichnet - sein. Schon die V 1 sowie die V 2 dienten dem Zweck weite Ziele zu erreichen. In diesem Fall sollte einmal die große psychologische Wirkung als Waffe genutzt werden, aber auch die Forschung auf verschiedensten Bereich - elektromagnetische Feuerplattformen - in der Theorie wie Praxis vorangebracht werden. So wurde seit Anfang 1943 erste Versuche mit einer miniaturisierten Version vom "Tausendfüßler" (Kaliber 2 cm) durchgeführt, dabei bestand das Kanonenrohr aus Segmenten mit der Länge von 50 cm, wobei jedes Segment mit 2 Seitenladungskammern versehen war. Zur Erleichterung der ballistischen Messungen lag die 2 cm- Kanone waagerecht. Es wurden spezielle Geschosse mit der Länge von ca. 35 cm verschossen. Die bei der Schussabgabe erreichten Druckwerte im Kanonenrohr überschritten meistens 2000 at, sogar bei 3000 at wiesen die Rohrelemente keine Anzeichen von erhöhtem Verschleiß auf. man erreichte die gesteckten Ziele und Anfangsgeschwindigkeit von über 1500 m/s durften gefeiert werden. Eine einsatzbereite Kanone vom Kaliber 15 cm sollte nun umgesetzt werden, wobei in Hillersleben eine verkürzte Version vom Tausendfüßler (8 Segmenten) für erste Probeschüsse gebaut wurden. Die Röchling- Werke führten eine Bestellung für 20.000 Geschosse für V-3 aus und das vor den ersten erfolgreichen Test mit dem weitaus größeren Kaliber.

 


(Die Entwürfe für eine unterirdische Hochdruckpumpe, die durch Bunker geschützt auf die britischen Inseln feuern sollte. Die Bunkerstollen und erste Anlagen für das Geschütz sind bis heute zu besichtigen.)



Die Probleme resultieren aus der Länge des Rohres wie aus der Größe des Kalibers, welche die Dichtheit der Ladungskammer stark in Anspruch nahmen: heiße Pulvergase kamen vor das Geschoß, was zu einem vorzeitigen Zünden der Seitentreibladungen führte. Durch ein synchronisiertes elektrisches Zünden der Seitenladungen sollte der Effekt vermieden werden und es sollen auch anderen Antriebskräfte in Betracht gezogen worden sein. Bei 10 Segmenten erreichten die abgefeuerten Geschosse nur noch die Anfangsgeschwindigkeit von 800 m/s, was die Distanzweite wesentlich reduzierte. Die Treibladung Pulver war kein effektives Mittel und die Forschung im Bereich elektromagnetische Waffen war noch in den Kinderschuhen, obwohl genau auf diese Bereiche ausgelegt.

Forschung

Forschungsstandort der Hochtechnologie und einzigartiger Entwürfe

 

Kummersdorf bietet wie Hillersleben zum Einen die Abgelegenheit und zum Anderen die ausladenden Landschaften, die man braucht im Technologie ohne Gefahr und unerwünschter Blicke zu testen. Die Wahl fiel auf den ca. 800 ha großen und überwiegend im Staatsbesitz befindlichen Kummersdorfer Forst, wobei man im Jahr 1873 bereits mit den Planungen begann. Die Eisenbahnstrecke von Berlin-Schöneberg nach Kummersdorf beschleunigte den Ausbau und ließen den Schießplatz am Standort Kummersdorf, mit einer Größe von ca. 3000 ha, zu den im Deutschen Reich wichtigsten militärischen Erprobungseinrichtung werden. Die Reichswehr, die Wehrmacht und nach Kriegsende auch die Roten Armee profitierten von dem zentral gelegenen Übungsplatz.

 


(Alkett VsKfz 617)

 

Dennoch machte nicht der Schießplatz den Standort aus, sondern seine Forschung, allen voran die Physikalisch - Chemische Versuchsstelle Gottow. Im Jahr 1926 als "Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie" entstanden und 1929 zur offiziellen Reichswehrdienststelle erhoben, wurde nach 1933 intensiv in die militärische Forschung am Standort intensiviert. Deue Forschungseinrichtungen entstanden, wobei die Versuchsstelle Gottow (1937/38 errichtet), für 1000 Beschäftigte ausgelegt, der wichtigste Aktivposten war. Kummersdorf sollte so zum zentralen Angelpunkt für wissenschaftliche Einrichtungen bzw. Forschungen auf militärischen Gebiet werden. Diese umfangreicheren Wehrforschungsaufgaben sollten hier organisiert und gebündelt werden. Darunter fielen die Bereiche Optik, Bildwandler, Ultrarot, Ultraschall, Elektronik, Werkstoffkunde, Messtechnik und auch an Raketentreibstoffen geforscht. Von 1943 bis Anfang 1945 liefen am Standort 120 überwiegend geheime und mit Dringlichkeitsstufen versehene Forschungsaufträge, wobei der Standort seit Mitte 1943 Ausweichstelle der Berliner Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes wurde. Die Angriffe auf Berlin konnten die Sicherheit der Anlagen nicht mehr sicherstellen. Erst als die amerikanischen Truppen in Richtung Magdeburg vorstießen, wurden die Einrichtungen zurückverlegt.
Für die Alliierten war Kummersdorf in die näheren Betrachtung gerückt, weil das Referat Ballistik und Munition hier schon früh an Raketentest beteiligt war. Schon die Reichswehr ließ hier die Brauchbarkeit großkaliberiger Raketen erproben und die streng geheimen Versuche mit Raketenbrennöfen durch die Wehrmacht, ließ die Spionage der Briten und Amerikaner aufhorchen. Der Raketenflugplatz Berlin - Reinickendorf wurde bei den Erprobungen mit einbezogen und die neuentwickelten Raketen mit Flüssigkeitstriebwerk hier und auch in Hillersleben getestet. Ein gewisser Wernher von Braun konnte mit seiner Drei - Liter Flüssigkeitsrakete (Mirak III) hier die ersten erfolgreichen Tests absolvieren:

 


(Geschütz Dora)

 

"Was wir auf dem einsamen Platz fanden, erregte unseren Neid und unsere Bewunderung zugleich. Wir fanden einen vollendeten Prüfstand für die Brennkammern von Flüssigkeitsraketen vor, mit Betonmauern umgeben und mit einem Schiebedach versehen. Wir staunten über den Beobachtungsraum und zeigten uns beeindruckt von dem Messraum, in dem sich ein Wirrwarr von allen möglichen Prüfleitungen, Registrierapparaten, Messgeräten u.s.w. befanden. Auf der Schießbahn, wo unsere Rakete erprobt werden sollte, standen neuartige Kino - Theodoliten zur Verfügung, die den gesamten Flug der Rakete auf den Film bannen und zugleich ihren Flugweg vermessen konnten. Wenn wir da an unseren Laden in Reinickendorf dachten, hätten wir eigentlich Minderwertigkeitskomplexe haben müssen."
(von Braun, 1962 in seinen Aufzeichnungen)



Beeindruckt von den Einrichtungen und Möglichkeiten in Kummersdorf, entschloss sich Wernher von Braun, mit dem Heereswaffenamt zusammenzuarbeiten. Dabei war die Erprobung des Flüssigkeitsraketentriebwerk auf den Prüfständen in Kummersdorf mehreren Projekten gewidmet. War es von Brauns Traum einmal zu den Sternen zu fliegen, so hatte er in Kummersdorf doch die Aufgabe Jagdflugzeuge mit einem Flüssigkeitstriebwerk und neuartige Distanzwaffen zu entwickeln, für die Sichtkontakt nicht mehr im geringsten Voraussetzung ist. Seit seinem Beginn in Kummersdorf am 1. Oktober 1932 bis zur ersten kompletten Rakete (Aggregat 1 - A1) 1934, wuchsen die Innovationen auf dem Gebiet der Antriebstechnik in denselben Maße die die Versuchsstelle selber. Hier wurde vor dem Ersten Weltkrieg der 42-cm-Mörser "Dicke Berta" erprobt, hier unterzog das Heereswaffenamt das erste moderne Panzerabwehrgeschütz, die 3,7-cm-Pak L/45 harten Tests, hier begannen die Experimente mit den ersten Pulver- und Flüssigkeitsraketen. Dabei waren die Resultate wie der "Nebelwerfer" und die "Vergeltungswaffe 2" mehr als nur Neuerungen im deutschen Heer, sie waren vielmehr Meilensteine auf dem Weg zu einer modernen Kriegsführung. Schon unter den Einschränkungen des Versailler Vertrages fuhren hier die ersten deutschen Panzerkampfwagen, getarnt als Landwirtschaftsschlepper. Die Panzerkampfwagen III und IV, den "Panther"- und "Tiger"-Kampfwagen wurden hier zum ersten Mal getestet. Dazu kommen Projekte wie "Goliath", Raupenschlepper Ost, Volkswagen, Heeresfeldbahnen, Haubitzen und Kanonen, Feldwagen- und Feldküchen, Minen und Munition.
 


(Abschusslafette für Karl Gerät in Hillersleben 1939)

 


 
Heeresversuchstelle Kummersdorf
 
Versuchsstelle Gottow (1930)
 
bteilung Forschung des Heereswaffenamtes (HWA)
 
5 Unterabteilungen
 
Referate
Referat I a Atomphysik
Referat I b Sprengphysik und Hohlladungen usw.



Jedwede Art von neuer Waffenentwicklungen kam in irgendeinem Versuchsstadium einmal nach Kummersdorf: Raketentriebwerke, Granatwerfer, Gewehre, Neuigkeiten Gebiet der Elektronik, Schall (Akustik) und verschiedene Chemikalien. So auch der N-Stoff (Wolfram Eschenbach), eine aggressive, anorganische Fluorverbindung, welche selbst schwer entflammbare Stoffe in Brand setzen konnte. Oder die "Uranmaschine (Kurt Diebners), der erste Entwurf eines Nuklearreaktor. Die Nuklearforschung und die Raketenforschung nahmen die Hauptstellung in Gottow ein. Die Gebäudeblöcke der Versuchsanlage waren auf dem neusten Stand der Technik (5 Gebäudegruppen mit jeweils 8 Versuchshallen) und die Laboratorien wie ihrer Forscherteams arbeiteten auf dem höchsten Niveau weltweit. Die beiden Hauptgebäudeblöcke waren untereinander durch 3 unterirdische Medienstollen miteinander verbunden. Der südliche Block war komplett unterkellert. Die ganze Anlage lief autark, hatte spezielle Anlagen für Versuchsreaktoren und einen splittergeschützter Feldbahnhof
Nach dem Ende des Kriege wurde die gesamte Anlage für die Siegermächte zu einem Schatztruhe, wo sie sich an den Forschungsunterlagen - soweit noch erhalten - bedienten, die Anlagen ausgeschlachteten und die Laboreinrichtungen als Reparationszahlung in die Sowjetunion geschafft wurden. Heute sind die ehemaligen Teile der Versuchsstelle nur noch zu erahnen. Nach Abzug der sowjetischen Truppen verwahrloste das Gelände zunächst, blieb aber Sperrgebiet aufgrund der Tatsache, dass hier Experimente mit radioaktiven Substanzen durchgeführt wurden.

Testgelände

Testgelände für die letzten Panzergeneration der Wehrmacht

 

 



Die neuesten Entwicklungen im Bereich Panzerfahrzeuge in Kummersdorf bei Berlin wurden noch im März 1945 von hohen Offizieren begutachtet. Sie wurden als Wunderwaffen bezeichnet, wie so vieles in den letzten Tagen des Dritten Reiches, doch die Prototypen in Kummersdorf wurden diesen Ruf anders als ihrer Namensvetter durchaus gerecht. Neben der Vorstellung der Panzer der E Reihe, sollte es auch ein Versuchsschießen mit neu entwickelter Munition geben. Man hatte extra Panzerbesatzungen dazu kommen lassen. Es ist soweit belegt, dass sich zu dieser Zeit Nachweislich die beiden einzigen fertigen Mäuse zu dieser Zeit in Kummersdorf befanden. Ein letzter Test war in Kummersdorf vorgesehen, dann sollte es schnellstmöglich nach Zossen gehen, wo die neuen Panzer die Schlacht gegen die Russen gewinnen sollten. Die Panzer blieben aber mit Motorschaden liegen und mussten gesprengt werden. Die Russen erbeuteten dann später die Überresten der beiden E-100, während andere Panzer der E-Serie von alliierten Truppen selber gesprengt wurden. Vom Flakpanzer Kugelblitz wurden noch 5 Fahrzeuge fertig gestellt, davon kamen einige noch an der Westfront und im Kampf um Berlin zum Einsatz. Die Grille II brachte es leider nur noch bis zum Prototypen, wurde aber in Kummersdorf noch getestet. Vom E-25 und dem Coelian gab es wahrscheinlich keine fertigen Fahrzeuge mehr, ihre Türmer und Geschütze waren dennoch auch in Kummersdorf zu Tests eingelagert gewesen. Beim Panther II gibt es nur sehr widersprüchliche Hinweise auf einsatzbereite Fahrzeuge.
Ein anderes Gefährt hat nur in frühen Entwicklungsstadien in die Kummersdorfer Prüfstände durchlaufen. Der Maus Panzer entspricht so gar nicht seinem Namen und die ersten Entwürfe belifen sich auf ein 188t Kettengerät, dass mit enormen Feuerpotenzial ausgerüstet werden sollte. Die Pläne liefen auf eine ganze Einsatzstaffel der neuen Panzergeneration hinaus. So sollten die Maus Panzer mit 2 Züge E100 Panzer (je 12 pro Zug), flankiert von 2 Zügen E100 ausgerüstet mit 8,8 Doppelflak. Dazu sollten 17 Panther mit Wirbelwindtürmen, 20 SWS mit Bodenluftraketen von einem Ring 30 E100 (Kaisertiger 15cm Kanonen)umgeben, auf das Schlachtfeld rollen. Als Flankensicherung kamen nochmal 8 Tiger S mit 10,5 cm Kanonen dazu. Alle diese Panzerentwürfe, denn oftmals kam man über die ersten Versuche nicht hinaus, nahmen in Kummersdrof ihren Anfang. Leider war es so, dass die letzten Kriegsmonate, nur noch Technik in Kummersdorf zum Einsatz kam, das aus Spar und Ersatzmaterialien minderster Qualität bestand. Dabei war schon der Transport eine neuentwicklung für sich, denn um die Maus Panzer vor Ort zu bringen, hatte man in Kummersdorf mit zweigleisiges Bahnanlagen experimentiert, auf denen 2 Züge ein gewaltige Anhängerkonstruktion bewegen sollten.
 


(Landkreuzer "Ratte" im Einsatz)



Dies war auch bitternötig, denn ohne diese Überlegungen wären die letzten Entwürfe des Heeresamtes nicht umsetzbar gewesen. Schon im Juni 1942 hatte Hitler einen Panzer in Auftrag gegeben, der von der Firma Krupp projektiert wurden. Dieses 1000 Tonnen schwere Panzerfahrzeug hatte den Namen Ratte und sprengte alle vorangegangen Überlegungen. Erste Versuchsanordnungen wurden noch in Kummersdorf gemacht, wobei man schon an den grundlegendsten Parameter scheiterte. vorgelegt. Das 35 Meter lange Fahrgestell sollte einen Drehturm der Kriegsmarine mit zwei 28 cm S.K. C/28-Kanonen als Hauptbewaffnung tragen, damit wäre eine Gesamtlänge von 36 Metern erreicht worden. Man wollte die jeweils 48,4 Tonnen schweren und 14,81 Meter langen Rohre mit 1,26 Meter lange Panzersprenggranate von 330 kg Gewicht, welche 8,1 kg Sprengstoff trugen, füttern. Bei anderen Granaten war ein Anteil von 17,1 kg Sprengstoff in einer 315 kg schweren Sprenggranate im Gespräch. Die Schussweite von 42,5 km war als Distanz angesetzt und nur in Kummersdorf hätte man solche Geschützanlagen testen können, bzw. die Konstruktionen dann nach Hillersleben weitergereicht.

Man brauchte solche Anlagen wie Kummersdorf oder Hillersleben, weil die Wehrmacht und ihrer Entwicklung schon immer neue Wege gingen. Auch heute sind solche Versuchsanlagen wichtiger denn je, vor allem neue Waffentechnologien müssen einen langen Prozess von Testverfahren durchlaufen!
 


(Modellreihe der E - Panzer)


Das Thema

Flaktürme

Hochbunker des Deutschen Reichs


"Wahre Wunder der Abwehr"
Reichspropagandaminister Joseph Goebbels




Die Nomenklatur der Begrifflichkeiten ist äußerst verworren und kompliziert. Der Begriff Flakturm umfaßt immer ein Flakturmpaar,
den (G) Gefechtsturm und den (L) Leitturm. Selbst renommierten Historikern sind immer wieder Verwechslungen und Irrtümer unterlaufen. Zur ihrer Entschuldigung sei aber gesagt, dass auch die federführenden Instanzen des Dritten Reiches sich nicht auf eine einheitliche Begrifflichkeit einigen konnten.
Der G-Turm wurde als Geschütz oder Gefechtsturm bezeichnet, als Batterieturm und Großer Flakturm. Der L-Turm hingegen als Kommandoturm, Horchbunker und kleiner Flakturm. Die Flaktürme hatten militärische wie zivile Aufgaben, einmal sollten sie die Flugabwehr koordinieren und zum Teil selbst durchführen, zum anderen wurden 10000'en von zivilen Luftschutzsuchenden bombensichere Luftschutzräume zur Verfügung gestellt. Dabei gab es insgesamt 3 Flakturm-Generationen, die erste Generation bildeten die 3 Flaktürme in Berlin und der Flakturm IV in Hamburg-Heiligengeistfeld. Die zweite Generation bestand aus 2 Flaktürmen, in Hamburg-Wilhelmsburg und im Arenbergpark in Wien.
Die dritte und letzte Generation waren die Flaktürme Stiftskaserne und Augarten, beide in Wien, die von den ursprünglichen Baudaten erheblich abwichen und bereits die Einsatz und Kampfverfahrung der übrigen Flaktürme architektonisch umgesetzt aufgenommen hatten. Wobei Hitler selbst, nach dem ersten Luftangriff der RAF (Royal Air Force) mit 29 Bombern auf die Reichshauptstadt in der Nacht zum 26.08.1940, den Bau von Flaktürmen befohlen hatte. Bei der Aufgabe der Baugestaltung sah sich der Führer auch als Architekt und Künstler herausgefordert, so dass er eigenhändig Skizzen für die zukünftigen Flaktürme anfertigte, die allerdings eher Ähnlichkeit mit dem Nachkriegsdenkmal in Tobruk als den Flaktürmen in Berlin hatten.
 

 

Zahlreiche Untersuchungen mussten vorab durchgeführt werden. Wie würde zum Beispiel der Baugrund mit seinen vielen Formationsschichten auf 100.000 t Gewicht reagieren? Die obligatorischen Bohrungen vor dem Bau eines Großbunkers würden in diesem Falle nicht ausreichen. Allein um diese Frage zu beantworten wurden erhebliche Anstrengungen unternommen und zum Beispiel riesige Massiv-Betonbauten, sogenannte Großbelastungskörper, zur Bodenerprobung aufgestellt. Ursprünglich waren für Berlin 6 Flak-Gefechtstürme vorgesehen, es wurden aber nur 3 realisiert. Zuerst entstand der Flakturm "Zoo", der wohl berühmteste Bunker im 2.Weltkrieg überhaupt, es folgten die anderen beiden Betonfestungen Humboldthain und Friedrichshain.
Alle Berliner Flaktürme waren in ihren grundlegenden Baudaten baugleich. Sie wurden immer zu Paaren aufgestellt, das heißt, zu jedem Gefechtsturm gehörte jeweils ein Leitturm. Auf dem Gefechtsturm war die Flak postiert, auf dem Leitturm die Funkmessgeräte, deren Schusswerte und Daten über ein Kabeltunnel zum Gefechtsturm übermittelt wurden. Im Jahre 1941 wurden in Hamburg 2 Flakturm-Paare im Rahmen des "Sonderprogramm's Berlin" in Angriff genommen, dessen erstes Bauwerk der Flakturm IV auf dem Heiligengeistfeld war, mit einigen Abweichungen baugleich mit den 3 Flaktürmen in Berlin. Ein drittes Flakturm-Paar im Hamburger Osten wurde nicht gebaut.
Hitler orderte im September 1942 die Errichtung von Flaktürmen in Wien an. Pläne von 1942, in Bremen ebenfalls Flaktürme zu errichten, wurden nicht realisiert. Die insgesamt 8 Gefechtstürme mit ihren Leittürmen bildeten hinsichtlich der Energie und Wasserversorgung autonome Einheiten. Sie bargen Krankenhäuser und Kunstschätze, Forschungslaboratorien, Rüstungswerkstätten, Luftschutzräume für die Zivilbevölkerung und Befehlsstände der Wehrmacht. Die Baukonstruktion hat sich im Kriege bewährt, fast alle Gefechtstürme haben Bombentreffer erhalten ohne weiter Schaden zu nehmen. Der militärische Nutzen entsprach allerdings nicht den in die Flaktürme gesetzte Erwartungen. Die Aufgabe der Flaktürme bestand neben der Koordinierung der Luftabwehr nicht in erster Linie, Feindflugzeuge abzuschießen, sondern diese am Überflug über gewisse Bereiche der Stadt zu hindern, sei es das Regierungsviertel von Berlin im Dreieck der dort gebauten 3 Gefechtstürme oder die von Hitler als wertvoll eingestufte Kulturmetropole Wien.
Nach dem Kriege versuchten die sichtlich beeindruckten Alliierten die Flaktürme zu sprengen, mit mäßigem Erfolg. Die Berliner Bunker wurden durch kleinere Teilsprengungen, Abtragungen und Erdaufschüttungen, sogenannte Bunkerberge, unsichtbar gemacht. Lediglich ein Teil des Gefechtsturmes Hunboldthain ist heute zu besichtigen. In Hamburg stehen nur noch die beiden Gefechtstürme, während in Wien wegen der Bebauungssituation noch alle 3 Flakturm-Paare vorhanden sind.

 


Konstrukteur der Flaktürme, Architekt Prof. Friedrich Tamms.

Berlin/Zoo

Berlin

Planung und Durchführung




Am 09.09.1940 kam der Befehl zum Bau der Flaktürme in Berlin. In dem betreffenden Schriftstück der Adjutantur der Wehrmacht beim Führer waren 6 Flaktürme vorgesehen. Im Tiergarten 3 und jeweils einer im Humboldthain, Friedrichshain und in Hasenheide, im Bezirk Tempelhof. Bewaffnet sollten die Türme mit jeweils 4 x 10,5 cm Schiffsflak in Zwillingslafette, sowie mehrere 3,7 cm und 2 cm Flak werden. Innerhalb der Türme waren für die Bedienungsmannschaften der Flakgeschütze bombensichere Unterkünfte vorgesehen.
Albert Speer sollte die architektonische Leitung der Bauten übernehmen, aber schon diese Pläne riefen Probleme hervor. Auf einer Sitzung am 20.09.1940, an der General Steudemann (Inspekteur der Flakartillerie), General Hauboldt, Fregattenkapitän Sorge und 12 weitere Offiziere, sowie Dipl. Ing. Körting Dr. Hentzen vom GBI teilnahmen, äußerte sich General Hauboldt bezüglich der Flakartillerie dahingehend, dass die 10,5 cm Schiffsflak nicht greifbar sei, eine 12,8 cm Marine-Flak komme erst in 1,5 Jahren zum Einsatz, man müsse erst einmal mit der vorhandenen 10,5 cm Flak auskommen. Bei dieser Besprechung wurden auch die technischen Daten festgelegt, die sich allerdings in der Bauausführung stark verändern sollten. Ein Flakturm sollte aus 4 miteinander verbundenen Türmen bestehen, in deren Mitte in einer Radiusentfernung von 35 m ein Kommandogerät aufgestellt werden sollte. Der Grundriss wurde mit 60 x 60 m angegeben, die Höhe mit 25 m, damit die Türme die Bäume des Tiergartens überragen. In einer Entfernung von 400 - 500 m, unter Umständen auch in nur 300 m Entfernung vom Gefechtsturm, sollte ein Kommandoturm gebaut werden, der einen Grundriss von 30 x 30 m bzw. 40 x 40 m haben sollte. Die Besatzung des L-Turm's sollte 100 Mann und 6 Offiziere betragen, die des G-Turm's 160 Mann und 6 Offiziere. Eingebaut werden sollten bombensichere Munitionsräume mit Paternosteraufzügen, eine Küche, Speise-, Vorrats und Geschäftsräume usw.! General Rüdel wurde beauftragt, bei Hitler vorzusprechen und auch die Möglichkeit von der Errichtung von Batterietürmen vorzutragen, das heißt, auf Grund der technischen Notwendigkeit von den Gefechtstürmen getrennte Kommandotürme zu bauen, gleich 2 oder 3 G-Türme hinzu zu stellen. Nachdem die Standorte der Flaktürme nach militärischen Prämissen besprochen worden waren, wurden auch städtebauliche Punkte diskutiert.
 

"Die Flaktürme sollen möglichst in Beziehung zu Gebäude oder Straßenachsen gebracht werden, um ihnen eine monumentale Bindung zu geben."
Zitat Hentzen

 

 

 

Für die architektonische Gestaltung wurde am 01.10.1940 vom Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Dr. Fritz Todt der Architekt Friedrich Tamms, Mitarbeiter des GBI (Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt) und des Generalinspekteurs bestimmt.
Die Inspektion der Flakartillerie (Abt. Befestigung) teilte am 23.09.1940 die Ergebnisse einer Besprechung der mit dem Projekt befassten Dienststellen mit. Die Wahl schwerer Flak bereitete einige Sorgen, denn doppelläufige 10,5 cm Schiffs-Flak könne die Marine erst in 1,5 Jahren zur Verfügung stellen. Die Schiffsflak waren 3-achsige Geschütze, ausgestattet mit einer Wackelachse (Kantrichtwerk) zum Ausgleich von Schiffsbewegungen und daher erheblich komplizierter als übliche ortsfeste Flak an Land. Für die ortsfeste Verwendung von Flak hatte die Marine eine 12,8 cm Flak entwickelt, die aber ebenfalls erst in 1,5 Jahren zur Verfügung stehen würde. Es wurde vorgeschlagen, die Sockel auf den Flaktürmen für die 12,8 cm Flak auszulegen und zuerst provisorisch mit dem Kaliber 10,5 cm zu bestücken. Vorgeschlagen wurde ferner, neben dem Einbau von 2 und 3,7 cm Flakgeschützen auch 5 cm Flak zu verwenden.
Bei dieser Besprechung wurde auch klar, dass für jede Turmflakbatterie 2 Türme errichtet werden mussten. Das Haupt-Kommandogerät und die neue Radartechnik mussten in einem Abstand von 300 - 500 m von den schweren Geschützen entfernt sein, dass hatte auch die Marine bestätigt. Es mussten also ein G-Turm (Gefechtsturm, Batterieturm) mit den 4 schweren Geschützen und einer Befehlsstelle (B II), sowie leichte Flak gebaut werden sowie ein Kommandoturm mit Befehlsstelle (B I), ausgerüstet mit Hauptkommandogerät, elektronischem Messgerät, Horchgerät, eventuell Scheinwerfer usw.! Auf dem L-Turm sollte auch leichte Flak postiert werden, der Einsatz des Kommandogerätes 40 auf dem G-Turm solle aber auf die Zeit begrenzt sein, wo die Befehlsstelle (B I) nicht arbeitet.
Die Maße der Gefechtstürme wurden von den schweren Flakwaffen bestimmt. Sie mussten von der Befehlsstelle (B II) mindestens 35 m entfernt sein und der Abstand zwischen den Flakgeschützen 50 - 70 m betragen. Jede schwere Flak würde eine Plattform von 10 x 10 m benötigen. Die leichten Flakwaffen sollten tiefer angeordnet werden, um den Wirkungsbereich der schweren Einheiten nicht zu beeinträchtigen, allerdings waren die Bedienungsmannschaften dem Mündungsknall der geplanten 12,8 cm Flakgeschütze ausgesetzt. Eine andere Möglichkeit bestand, die leichte Flak und das Kommandogerät auf einer erhöhten Position in der Mitte des Flakturm's aufzustellen, was aber bedeuten würde, dass bei Gefechtshandlungen mit niederer Rohrerhöhung jeweils ein Geschütz ausfallen würde. Um die Standsicherheit der Türme zu gewährleisten, mussten sie nach unten hin um 20 x 20 m verbreitert werden. Man rechnete mit einem Geschützgewicht von etwa 30 t und die Rückstoßkraft von 25 t. Unter der Plattform sollten Bereitschafts-, Wohn und Diensträume eingerichtet werden, Räume für Munition und Gerät, sowie die dazugehörigen Aufzüge und Maschinenräume.

 

 

 

Der L-Turm (Leitturm - Kommandoturm) sollte eine Plattform von 10 - 15 m im Durchmesser erhalten. Die leichte Flak und Scheinwerfer sollten etwas tiefer gelegen eingebaut werden. Im L-Turm waren neben Wohn-, Bereitschafts- und Geräteräume der Batteriegefechtstand und Räume für die Nachrichtenvermittlung vorgesehen.
Beide Türme sollten nicht in der Nähe von Gebäuden errichtet werden, um in Bezug auf die Geschütztürme Schießschäden und in Bezug auf die Kommandotürme, die Echowirkung zu vermeiden. Trotzdem waren die Planungen Städteplanerisch wesentlich komplizierter. Sollte der Führerbefehl befolgt werden, im Tiergarten 3 Flaktürme aufzustellen, würden noch die 3 L-Türme hinzukommen.

 

" Es wird für den Generalbauinspektor eine schwer zu lösende Aufgabe sein, diese 6 Türme mit den bestehenden und geplanten sonstigen Bauten und Denkmälern im Tiergarten in harmonischen Einklang zu bringen."
Die Inspektion der Flakartillerie notierte am 23.09.1940

 

Einfacher wäre die Integration dieser Bauwerke im Tiergarten, wenn man sich auf 2 Paare beschränken würde. Bezüglich des Tiergartens beschränkte man sich auf einen G-Turm mit einem L-Turm. Architekt Tamms machte sich aber Sorgen um die Tiere im Zoologischen Garten, die wegen des lauten Mündungsknalls so leiden würden, dass sie voraussichtlich nach und nach eingehen würden. Da der Zoo sowieso verlegt werden sollte, konnte das Problem der Tiere als gelöst betrachtet werden. Ein Vorschlag Tamms, den geplanten Standort des Flakturms zu verlegen, wurde abgelehnt.
Am 25.10.1940 legte Tamms bei einer Besprechung Speer einen Lageplan im Maßstab 1:2000, 9 Grundrisse und ein Modell 1:200 vor. Speer erklärte sich im Wesentlichen mit den Ausführungen einverstanden. Am 06.03.1941 legte Tamms Speer Detailzeichnungen und 2 Modelle im Maßstab 1:50 vor. Speer erklärte sich mit der architektonischen Gestaltung einverstanden. Schwierigkeiten gab es aber mit der Steinverblendung über dem Granitsockel. Gewünscht wurde eine Verblendung mit französischem Kalkstein oder deutschen Sandstein. Später überbrachte Speer einen Wunsch Hitlers an Tamms, an allen Eingängen zum Flakturm Zoo große Tafeln mit den Namen deutscher Fliegerhelden anzubringen.
Die Flaktürme wurden als kriegswichtige Bauten der höchsten Dringlichkeitskategorie eingestuft. Der Flakturm I mit den Bauteilen A (Geschützturm) und B (Leitturm) hatten ihren Standort am Zoo und trugen die Kennnummer OX Berlin 1. Die Baukosten wurden am 06.03.1941 mit 5,5 Millionen Reichsmark veranschlagt, wobei es sich hier um eine Abschlagssumme des im Bau befindlichen "Zoo-Bunkers" zu handeln scheint. Der Flakturm II Friedrichshain wurde mit den Bauteilen D (Geschützturm) und E (Leitturm) auf 24 Millionen Reichsmark veranschlagt. Er trug die Kennnummer OX Berlin 3.
Einschließlich der dazugehörigen Folgeeinrichtungen, wie Versorgungsanlagen, Zuwegungen oder Nebelanlagen, wurden sie als Bauvorhaben der Dringlichkeitsstufe O anerkannt. In Tremmen / Havelland, etwa 40 km westlich von Berlin, wurde 1941 für 500.000 Reichsmark ein Nachrichtenturm (Bauvorhaben C) mit der Kennziffer OX Berlin 2 gebaut. Dort wurde das erste deutsche Panoramagerät installiert, dass dem Gefechtsstand der 1. Flakdivision über eine direkte Kabelverbindung die Meßdaten, Reichweite 300 km, bezüglich anfliegender Feindverbände laufend vermittelte.
Im Jahre 1941 gab es den Plan, das Reichstagsgebäude als Flakturm umzubauen. Das aus schlesischem Granit errichtete Gebäude hatte ebenfalls 4 Ecktürme, die sich scheinbar für den Ausbau von Flakstellungen zu eignen schienen. Am 01.07.1941 sollte der Umbau beginnen, Aufsatzturm auf der Kuppel und Skulpturen sollten abmontiert werden!

 

Der Flakturm Zoo (G-Turm)

 

Im Oktober 1940 begann der Bau des berühmtesten Flakturms, dem sogenannten "Zoo-Bunker". Der Inspekteur der Flakwaffe, Generalleutnant Steudermann hatte dazu am 09.09.1940 den Befehl übermittelt. Die Reichsbahn sagte für die tägliche Baustoffzuführung 2 Züge mit 1.600 t Baumaterial zu, auf dem Wasserwege wurden täglich 500 t angeliefert. Nachdem der G-Turm betonfertig war, wurden von der Deutschen Reichsbahn mit schweren Zugmaschinen und Tiefladern die 71 t schweren gepanzerten Munitionsaufzüge herangebracht. Der Flakturm hatte zwar über seinem Haupteingang auf der unteren Plattform einen ständigen Kran, der aber dieses Gewicht nicht heben konnte, da er nur für 10 t ausgelegt war. So wurde ein Krangerüst gebaut, die Panzerkuppeln auf die Geschützplattform gehoben und über die Munitionsaufzugschächte gesetzt.
Die Grundfläche des G-Turm's betrugen 70,5 x 70,5 m. Die kubisch bewehrten Außenwände waren 2,50 m dick, die sich nach oben hin auf 2 m verjüngten. Später erhielt der Flakturm einen grün-grauen Anstrich. Der Flakturm hatte 1 Keller-, ein Erd- und 5 Obergeschosse. Die Stockwerke waren durch Wendeltreppen in den jeweiligen Turmecken miteinander verbunden. Ferner gab es ein Treppenhaus im Zentrum des Flakbunkers sowie einige Nebentreppen. Hinzu kamen 2 Lastenaufzüge, die aber nur militärisch genutzt werden durften oder zur Beförderung von Verletzten in das Lazarett verwendet wurden. Manchmal wurden die Aufzüge auch als Arrestzelle für Luftwaffenhelfer genutzt.

 

Die Befehlsstellen auf dem G-Turm Zoo. Im Hintergrund eine 10,5 cm Flak. Auf dem L-Turm der "Würzburg-Riese", rechts die Siegessäule.



Ausgelegt war der Flakbunker für 8000 zivile Luftschutzsuchende, es wurde aber berichtet, dass bei Angriffen bis zu 30.000 Menschen dort Schutz fanden. Für die Zivilbevölkerung standen 3, 4 m x 6 m große Eingangstüren zur Verfügung, die sich aber bei dem Menschenandrang als zu klein erwiesen. Später wurde eine Holztreppe auf gemauerten Säulen über dem Westeingang errichtet, über die man direkt Zutritt in das 1. Stockwerk erhielt. Bei den Berlinern galt der Zoo-Bunker als der sicherste Sarg der Welt.
Im 2. Obergeschoss waren in vollklimatisierten Räumen Kunstschätze aus 14 Berliner Museen gelagert, so der Goldschatz des Priamos, die Münzsammlung von Kaiser Wilhelm und die Büste der Nofretete. Albert Speer hatte dem Direktor der Preußischen Museen Otto Kümmel am 10. Juni 1941 betreffende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Im August 1941 wurde der Pergamonfries in den Flakturm überführt. Ein Jahr lang brachten LKW's wertvollste Kunstschätze in die Betonburg, wo sie auf 1500 qm gelagert wurden. Da die Sicherheit des Lagerortes gegen Kriegsende abnahm, beschlossen die Museumsfachleute die Evakuierung des Kulturguts in Bergwerkstollen und begannen am 22. März 1945 mit der Räumung.
Im 3. Obergeschoss wurde ein Lazarett mit 95 Betten und 2 Operationssälen eingerichtet. 8 Ärzte, 20 Schwestern sowie 30 Hilfskräfte versahen hier ihren Dienst. Prominente Persönlichkeiten der damalige Zeit wurden dort behandelt. So wurde Hana Reitsch, die Ende 1943 bei einem Luftangriff verletzt worden war, der beim Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 schwer verletzte Generaloberst Schmundt oder der im Februar 1945 an der Oder abgeschossene Schlachtflieger Hans-Ulrich Rudel, der im Lazarett im G-Turm von Goebbels und Göring besucht. Im 4. Obergeschoss war das gesamte Flak-Personal untergebracht. Im April 1941 war das Flakturm-Paar Zoo einsatzbereit.

General Kressmann hatte als Kommandeur der 1. Flakdivision seinen Gefechtsstand im L-Turm, nach seinem Tod, ab Dezember 1944, General Sydow. Obwohl die Baumaßnahmen geheim waren, ließ sich jedoch nicht alles verbergen. Als z.B. auf dem L-Turm der Würzburg-Riese aufgestellt worden war, wurden von Angehörigen der amerikanischen Botschaft heimlich Fotoaufnahmen gemacht.
Der G-Turm verfügte über einen eigenen Tiefbrunnen und war von der städtischen Wasserversorgung unabhängig. Autonom war der Flakturm auch hinsichtlich der Elektrizitätsversorgung. Es wurde auch eine Großküche und eine Bäckerei eingerichtet. Militärs behaupteten später, die Flakfestung Zoo hätte sich noch ein Jahr nach der Kapitulation halten können, gleichgültig, was im übrigen Berlin passiert wäre. Zuerst sollen auf dem G-Turm 8,8 cm Flak postiert gewesen sein, auf den Terrassen 2 cm Vierling und 3,7 cm Flak. Zeitweise kamen auch 10,5 cm Flak 39 auf dem G-Turm zum Einsatz. Ab August / September 1942 kamen die von Hanomag gefertigten 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafette, von denen Hitler sagte, sie sei die schönste Waffe, die je konstruiert wurde. Die Vierlingsflak wichen Drillings-Flakgeschütze, die eigentlich für Vorpostenboote der Kriegsmarine bestimmt waren. Batteriechef der 1. Flakabteilung 123 (T) auf dem G-Turm war Oberleutnant Maschewski.
 


Der Gefechtsturm Zoo aus der Vogelperspektive.



Die 12,8 cm Flak 40 galt als eine der wirkungsvollsten Flakgeschütze im 2. Weltkrieg, reichte aber 1944 / 1945 zu Beginn des Raketenzeitalters, das mittlerweile auch bei der Flak-Waffe begonnen hatte, nicht mehr aus. Die Schusshöhe betrug 14.800 m, die maximale Schussweite 20.950 m. Die Feuergeschwindigkeit betrug 20 - 24 Schuss/Minute für die Zwillingsversion 10 - 12 Schuss pro Rohr. Der Schwenkbereich war 360°, die Erhöhung betrug -3 bis +88°. Das Gewicht in Feuerstellung betrug 27 t.
Von der Zwillingsversion wurden bis 1945 insgesamt 34 gebaut und fast ausschließlich als Turmflak verwendet, nur im Raum "Buna" sollten 12,8 cm Flak in Zwillingslafetten 1944 / 1945 in Erdstellungen montiert werden, wozu es aber nicht mehr kam. Die 12,8 cm Zwilling hatte an der rechten Seite die Seitenrichtmaschine und an der linken Seite die Höhenrichtmaschine (Stufenlose Pittler-Thoma-Getriebe mit E-Motor Antrieb). Geladen wurde elektronisch. Die Turmgeschütze sollen von Seismographen kontrolliert worden sein. Geführt wurde die Flak vom Kommandogerät 40. Bei guter Sicht wurde nach optischen Werten, bei schlechten Wetterverhältnissen nach Radar-Werten geschossen.
Es konnten auch Schussdaten der L-Türme Friedrichshain und Humboldthain im Bedarfsfalle herangezogen werden. Manchmal griff die Turmflak sogar bei Luftkämpfen ein, wobei einmal aus Versehen eine Me-109 abgeschossen wurde, deren Pilot aber unbeschadet auf der Ost-West-Achse notlanden konnte.

Bei Salventakt wurde nach einem bestimmten Verfahren geschossen, so dass 16 Granaten in einem Raum von 240 m explodierten, den sogenannten Fenstern. Die schwere Turmflak in Berlin bewirkte u. a., dass die Alliierten die Reichshauptstadt in bedeutend größere Höhe angreifen mussten als zuvor. Bedient wurde die Flak zuerst von Luftwaffensoldaten der Flakartillerie, ab 1943 kamen Luftwaffenhelfer hinzu sowie ukrainische Hilfswillige und eine Abteilung russischer Kriegsgefangener. Die Besatzung beider Türme war etwa 500 Mann stark, davon 200 im L-Turm. Der G-Turm erhielt 1943 mindestens einen schweren Bombentreffer, der Tote und Verwundete unter den Geschützbedienungen hervorrief. Verluste wurden auch durch Brandbombentreffer verursacht.
 

 

Bei den Endkämpfen um Berlin 1945 zog der Befehlsstand der 16. PGD (Panzergrenadier-Division) unter Oberst von und zu Gilsa in den L-Turm. Ab 21.04.1945 lag das gesamte Gebiet um den Zoo-Bunker unter schweren sowjetischen Haubitzenfeuer. Die in Marzahn stationierte schwere sowjetische Batterie wurde von den 12,8cm Flakgeschützen der Turmflak in der Distanz von 12 Kilometer unter Feuer genommen. Im Flakturm wurden 500 sowjetische Abschüsse gezählt, die Turmflak selbst verschoss 400 Granaten nach Marzahn. Im Laufe der weiteren Kämpfe soll die Turmflak auch sowjetische Panzer abgeschossen haben.

Am 25.04.1945 erreichten 64 Angehörige der 18. Sanitätskompanie unter Oberststabsarzt Werner Starfinger den G-Turm. Zur Entlastung des Luftwaffenlazaretts richtete der Divisionsarzt ein weiteres Lazarett ein. Verstorbene und Gefallene wurden in Einzel-und Massengräber rund um den Bunker von Ärzten und Pflegern begraben. Währenddessen wurden die Flaktürme Zoo von sowjetischen Schlachtfliegern laufend angegriffen und beschossen.

 

"Der Vorstoß unserer Truppen ins Herz Berlins wurde durch eine Reihe anderer Umstände erschwert. Wir trafen auch auf fünfstöckige Bunker, die 36 Meter hoch waren und deren Mauern 1-3 Meter dick waren. Für die Feldartillerie waren diese Bunker unverletzlich. Auf ihrem Dach war in der Regel Flakartillerie aufgestellt, die nicht nur unsere Luftwaffe, sondern auch Panzer und begleitende Infanterie angriff."


Marschall Schukow über die Bollwerke des Widerstandes in Berlin



Bei diesen Gefechten wurde von der Turmflak versehentlich der Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche getroffen und Ende März 1945 zog die Zentrale für die fernmündlichen Meldungen des Panzerwarndienstes ein. In den Apriltagen 1945 lief die einzige Funkverbindung über den G-Turm aus der eingeschossenen Stadt. Da die Außenverbindung des Führerbunkers ausgefallen war, wurde mit Hilfe einer an einem Fesselballon befestigten Antenne die Meldungen über den G-Turm Zoo übermittelt. Über diese Verbindung ließ Hitler die Frage übermitteln: "Wo bleibt Wenck?"
Am 25.04.1945 besuchte der Verteidigungskommandant von Berlin, General Weidling den Kommandeur der 1. Flakdivision Sydow, der kurz darauf von sowjetischen Bombern angegriffen wurde. Der hohe Turm schwankte unter den Explosionen der in der Nähe detonierenden Bomben. Im Zoobunker waren noch etwa 2000 Soldaten und unzählige Zivilisten. Der Luftwaffenarzt Dr. Walter Hagedorn schätzt ihre Zahl auf 30.000 Tote und amputierte Gliedmaßen konnten nicht mehr aus dem Bunker gebracht werden, da er unter Dauerfeuer lag. Im G-Turm waren über 500 Leichen und 1.500 Verwundete. Kurz bevor die Besatzung des Zoo-Bunkers kapitulierte, lief eine Selbstmordwelle durch den Stahlbetonkoloss. Der G-Turm wurde am 02.05.1945 um 00:30 Uhr den Sowjets übergeben, der L-Turm um 05:00 Uhr von Oberst Wöhlermann.

 

Der Flakturm Zoo (L-Turm)

 


Vierlingsflak auf dem Gefechtsturm Zoo. Rechts im Bild der Leitturm mit dem Würzburg-Riesen.

 

Im April 1941 war neben dem G-Turm auch der L-Turm Zoo fertiggestellt worden. Auf der Messgeräte-Plattform wurde ein FuSE 65 "Würzburg-Riese" und ein FuMG 39T "Würzburg" installiert. Der "Würzburg-Riese" hatte eine Reichweite von etwa 80 km und eine Entfernungsmessgenauigkeit von 15-20 Metern. Geschützt wurden die Radaranlagen von leichten Flakgeschützen der Turmflakabteilung 123 von Oberstleutnant Karl Hoffmann auf der unteren Plattform.

 

" ... Achtung, Achtung, hier spricht der Befehlsstand der 1. Flakdivision ... feindliche Bomberverbände befinden sich im Anflug im Raum Hannover Braunschweig ... Wir kommen wieder."
Im L-Turm war der Leitstand der 1. Flakdivision untergebracht. Von dort kamen auch die Durchsagen über den Drahtfunk

 

Ferner war auch ab Herbst 1944 die Luftwaffennachrichtenabteilung 121 unter Oberstleutnant Frikke eingesetzt. Auf den L-Turm gab es einen Beobachtungsstand für etwa 12 Personen. Dort beobachteten Parteifunktionäre oder ranghohe Vertreter der Regierung wie Albert Speer fasziniert das Schauspiel der Luftkämpfe über Berlin. Im April 1945 zog der Artilleriekommandeur für den Verteidigungsbereich Berlin, Oberstleutnant Platho, in den L-Turm, der am 25.04.1945 von Oberst Wöhlermann abgelöst wurde.

 

Der Flakturm Zoo - Nach 1945

 

"Die Angriffe auf Berlin boten vom Flakturm aus ein unvergessliches Bild."
Albert Sperr

 


Die Nordseite des G-Turms Zoo im Berliner Tiergarten, nahe des Bahnhofs Zoo.

 

Dr. Hagedorn blieb im G-Turm Zoo bis September 1945, dann zogen Abteilungen des Robert-Koch-Krankenhauses Moabit in den Flakturm. In der 1.Etage befand sich die Typhusabteilung, in der 2.Etage die Chirurgie, in der 3.Etage die Ruhrabteilung. Prof. Dr. Siebert bekämpfte in der 4.Etage Typhus und Ruhr. Der Zoo-Bunker nahm 330 Kranke auf, geplant war aber eine Behandlungskapazität von 500. Zu diesem Zeitpunkt, März 1946, waren die Flakgeschütze noch vorhanden. Im Winter diente der Flakturm auch als Obdachlosenasyl. Gleichwohl befahlen die Briten die Räumung des G-Turms bis zum 15.04.1947.

 


Dieser einst Ehrfurcht einflößende Betonriese liegt gesprengt darnieder. Wenige Jahre später sollte vom Gefechtsturm nichts mehr zu sehen sein.



Am 28.06.1947 wurde der L-Turm gesprengt. Der G-Turm sollte ebenfalls gesprengt werden. Die ersten beiden Versuche, am 30.08.1947 und 27.09.1947, waren vergeblich gewesen. Dann wurden mit Sauerstoff-Lanzen 435 Sprenglöcher in die Betonwand gebohrt. Nach viermonatiger Vorbereitung wurde dann am 30.07.1948, um 12:24 Uhr die Sprengung mit 35 t Dynamit durchgeführt, diesmal mit Erfolg.
In Mitleidenschaft wurden die Zoo-Gebäude gezogen, die Tiere waren zwar zweimal evakuiert worden, doch nach der Rückkehr waren viele Gehege und Tierhäuser schwer beschädigt. Mit der Beseitigung des G-Turms wurde Sprengmeister Hans-Jürgen Marquardt beauftragt, der später auch den L-Turm auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg abreißen sollte. 1950-1951 wurde der entstandene Trümmerberg begrünt, allerdings ohne großen Erfolg. Am 18.04.1955 beschloss der Senat, den Bunkerberg für den geplanten U-Bahn-Bau der Linie G (heute 9) abzutragen. Das Geröll, ca. 412.000 cbm Trümmerschutt, wurde zermahlen und für den Straßenbau verwendet. Der Erlös glich die Abrisskosten in Höhe 4.000.000 DM aus. Erst 1969 wurden die Reste der Fundamentplatte entfernt. Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen L-Turms die Vogelschutzinsel im Tiergarten, im Bereich des G-Turms die Flusspferdanlage des Zoologischen Gartens.

Berlin-Friedrichshain

Der Flakturm Friedrichshain

 

 

Am 20.01.1941 fand eine Besprechung bezüglich der Bestimmung des Standortes des Flakturms II Friedrichshain statt. Die Abteilung Rüstungsausbau des Reichsministers für Bewaffnung udn Munition legte Pläne vor. Der L-Turm war in der Mitte des Parks, etwa 350 m vom G-Turm entfernt geplant. Der G-Turm sollte unmittelbar hinter dem Märchenbrunnen im spitzen Winkel des Parks zwischen Friedensstraße und Straße am Friedrichshain liegen. Doch auf Grund eines geplanten großen HJ-Heimes wurden die Standorte neu festgelegt. Der G-Turm sollte etwa 400 m von der Westfront des Krankenhauses Horst Wessel liegen, der L-Turm unmittelbar nördlich des Krankenhauses zwischen diesem und der Ecke Werneuchenerstraße in rund 350 m Abstand vom G-Turm.
Ab April 1941 entstand im Friedrichshain ein 39 m hoher G-Turm mit einem etwa gleich hohen L-Turm. Auch in diesem Flakturm wurden später Kunstschätze Berliner Museen gelagert. Am 03. und 26.02.1945 erhielt der Flakturm Bombentreffer. Bei dem Treffer am 03.02.1945 überlebten nur 3 Angehörige des Geschützes "Cäsar". Die Luftschutzsuchenden im Flakturm bemerkten den Treffer lediglich daran, dass auf einmal Soldaten im Treppenhaus auftauchten und Unruhe entstand.
Im L-Turm Friedrichshain hatte der Kommandant der Turmflakabteilung 123, zuletzt Oberstleutnant Karl Hoffmann, seinen Gefechtsstand. Seit Herbst 1944 waren im L-Turm auch Kunstgüter untergebracht. Dort befanden sich die 1636 kostbaren Gemälde des Kaiser-Wilhelm-Museums. In den Morgenstunden des 02.05.1945 kam es zu einem Ausbruchversuch, Oberstleutnant Hoffmann beteiligte sich mit seiner Turmbesatzung daran, den sowjetischen Ring zu durchstoßen. Am 02.05.1945 wurde der L-Turm von sowjetischen Truppen besetzt. Die Museumswächter hatten nach Lichtausfall wegen eines Bombentreffers auf dem Kabeltunnel den Leitstand verlassen. Als aber am 06.05.1945 ein Kontrollgang des Museumsangestellten Kiau durchgeführt wurde, stellte er fest, dass das 1. Stockwerk des L-Turms ausgebrannt war. Am 18.05.1945 fand man auch das Restdepot im 2. und 3. Stockwerk ausgebrannt vor. Angeblich waren 411 alte Meister verbrannt, aber später tauchten Bilder aus diesem Bestand bei Kunstauktionen wieder auf.

 

Der G-Turm ist mit der 10,5 cm Flak 39 (Einzelwaffe) ausgerüstet, ursprünglich waren doppelläufige 10,5 cm Flak vorgesehen. Im linken Bereich der unteren Plattform ist noch Schallholz erkennbar und vor den Fensteröffnungen sind noch keine Stahlblenden angebracht worden. Gut zu sehen sind aber die weißen Aussparungen für die Scharniere der in Rahmen sitzenden 6 cm starken, 2,10 m hohen und 1,07 m breiten Panzertüren. Von der Innenseite waren die Fensteröffnungen durch Stahlgeländer geschützt.

 

Der Gefechtsturm Friedrichshain spaltete sich nach der Sprengung in zwei Hälften. Anschließend bedeckte man ihn bis zur Oberkante mit Trümmerschutt.

 



Ohne weitere Kampfhandlungen übergab der zurückgebliebene Arzt des Lazaretts am Vormittag des 02.05.1945 beide Türme der Roten Armee. Die Sowjets sprengten am 29.04.1946 das erste Mal den G-Turm, am 02.05.1946 den G-Turm mit genügend Sprengstoff, er brach in der Mitte durch. Von 1947 bis 1950 wurden von Notstandsarbeitern, unterstützt von einer Feldbahn, Schutt und Trümmer an den G-Turm angeschüttet. Heute ist der "Große Bunkerberg" 79 m hoch, lediglich die Brüstung des Stand A und ein Teil der Westwand sind noch zu sehen.

Berlin-Wedding

Der Flakturm Humboldthain

 


Links: Der G-Turm Humboldthain, erkennbar durch die abgeschrägten Ecken an der unteren Plattform.
Rechts: Modellansicht der Südseite des G-Turms Humboldthain mit Kran. Nur an dieser Seite waren keine Treppen von der unteren zur oberen Plattform angebracht.

 

Am 09.06.1941 besichtigte Architekt Tamms den Standort des Flakturms Humboldthain, unter anderen in Begleitung von Fritz Todt. Der L-Turm sollte an der Gustav-Meyer-Allee in einem kleinen Rosengarten entstehen, um den es, so Hentzen in einem Brief an Speer, nicht sonderlich schade sei.

 

Der Flakturm Humboldthain (G-Turm)

 

Der G-Turm lag nordwestlich vom L-Turm, man müsse nur zwei, drei Bäume fällen, die Sicht sei gut zwischen beiden Bauwerken. Als Grundstückspreise im Humboldthain wurden 14 RM pro qm angegeben. Das Grundstück wurde von der Wehrmacht im Dezember 1943 übernommen, als der Flakturm schon stand. Das Grundstück war 16.400 qm groß und sollte bis 3 Monate nach Kriegsende in Anspruch genommen werden. Der Flakturm wurde für etwa 90.000.000 RM von Oktober 1941 bis April 1942 gebaut. Hinsichtlich der eigentlichen Rohbauzeit gibt es unterschiedliche Angaben. Einige Aussagen sprechen von einer Bauzeit von 11 Monaten, andere führen 7 Monate an.
Die Sohle des fünfgeschossigen Baues war 2 m, nach anderen Angaben 2,50 m dick. Die Außenwände sollen 2 m, an einigen Stellen nur 1 m betragen haben. Der Beton wurde durch Spiralbewehrung armiert. Die Bauausführung lag bei der Organisation Todt (OT) unter Führung eines Herrn Zielke. Mindestens 800 Arbeitskräfte wurden für den Bau herangezogen. Französische Kriegsgefangene, Holländer, Italiener, Belgier und Jugoslawen, sie waren in einem Barackenbunker zwischen dem G-Turm und L-Turm untergebracht. Nachdem der G-Turm fertiggestellt worden war, wurden 10,5 cm Flakgeschütze auf die obere Plattform transportiert und installiert. Polizei und Luftwaffe hatten zuvor das Gebiet weiträumig abgesperrt, nach anderen Aussagen habe es lediglich einen ganz normalen Bauzaun gegeben. In der Nacht zum 17.01.1943 stand die Turm-Flak zum ersten Mal im Kampfeinsatz.
Die erste Waffenausstattung des Turmes von Januar-August 1943 bestand aus vier schweren 10,5 cm Flak, die von 12,8 cm Flak in Zwillingslafette ausgetauscht wurden. Auf der Galerie standen an den Eckpunkten 3,7 cm Flak, an den Seiten zusätzliche zwei 2 cm Vierlinge. Diese wurden 1944 von 3,7 cm Flak 43 ersetzt, bei denen wegen Funktionsstörungen zahlreiche Rohrkrepierer auftraten. 1945 wurden diese 3,7 cm Flak 43 abgebaut und durch Fla-Maschinenwaffen ersetzt. Die Turmflak auf dem Humboldthain-Bunker soll bis zum Ende des Krieges 32 Abschüsse erzielt haben. Bei einem Luftangriff wurden im Durchschnitt von der dort postierten 12,8 cm Flak 400 Granaten verschossen. Zuerst waren über den Geschützständen Tarnnetze angebracht worden, die aber wegen der häufigen Luftalarme bald wieder entfernt wurden. Der G-Turm selbst hatte außer den Ecktürmen nie einen Tarnanstrich erhalten.

 


Südseite des G-Turms Humboldthain. Die Bäume vor dem Flakturm sollten noch gefällt werden. Die 12,8 cm Flak in Zwillingslafette sind bereits postiert.

 

Bis 1944 waren um den G-Turm Humboldthain Scheinwerferbatterien auf hölzernen Türmen postiert. Zuerst waren es 4 leichte Scheinwerfer mit 60 cm Durchmesser (AEG, Wiesenstraße, Groterjahn und Danzigerstraße). Sie bewährten sich aber nicht, da ihre Reichweite nur etwa 2.400 m betrug, die Angriffe aber oft in 11.000 m Höhe geflogen wurden. 1944 wurden sie abgebaut.
Im Erdgeschoß gab es drei Eingänge (Nord-, Süd-und Ostseite), einer konnte sogar Lkws und Krankenwagen aufnehmen. Im 2. Stockwerk war das Lazarett sowie die Entbindungsstation von Frau Dienst untergebracht, wo während der Luftangriffe zahlreiche Babys geboren wurden. Im 3. Stockwerk war Museumsgut untergebracht. Im G-Turm waren zwei Lastenaufzüge mit einer Tragfähigkeit von 24 Personen. Für die Energieversorgung des L-und G-Turms waren ein Dieselmotor sowie zwei Notstromaggregate eingesetzt. Hinsichtlich der Belüftung weiß Herr Rose, seinerzeit Ausbildungsleiter an der 12,8 cm Flak in Berlin, ein interessantes Detail zu berichten.

 

"Die Bunker haben sich selbst belüftet, und zwar sind die Luftschlitze mit den dazugehörenden Kanälen so raffiniert gebaut worden, dass die Haupteinstrahlung von der Sonne die Luft auf der einen Seite erwärmte und diese in Wechselwirkung mit der kalten Luft auf der anderen Seite für eine ständige vorgewärmte Luftzirkulation im Bunker sorgte!



Im G-Turm war auch ein Gasraum eingerichtet worden, in dem Gasmasken überprüft wurden. Die Geschützbedienungen rekrutierten sich aus LH (Letzte Hoffnung) Luftwaffen-Helfern, die ersten 18 kamen am 15.02.1943 von der Kirschnerschule in Moabit. Am 07.06.1944 waren auch Luftwaffenhelfer aus dem Vogtland auf dem Turm, die bei zwei Tieffliegerangriffen Verluste hatten. Einheitsmäßig gehörten die Flakgeschütze zur Turmflakabteilung 123 mit Gefechtsstand im L-Turm Friedrichshain. Chef der schweren Batterie hieß Meyer. Die 1. Batterie, Schubert später Düppert, wurde von 31 Schülern des Französischen Gymnasiums NWS bemannt. Die 5. Batterie, die später mit der 6. Batterie zur 3. Batterie zusammengelegt wurden, bestand aus 49 Luftwaffenhelfern der Jahrgänge 1926/1927 aus der Friedrichwerdschen Schule. Der Schulunterricht im Flakturm ging übrigens bis zum 15.04.1945 weiter. Zu den Flak-Mannschaften gehörten auch 30 Ukrainer, die blaugelbe Armbinden trugen. Ferner waren im G-Turm russische Kriegsgefangene tätig, die auf ihren Uniformen die Buchstaben SU trugen. Sie wurden in den Werkstätten, in der Schreibstube sowie in der Kleider und Wäschekammer eingesetzt.
Im Juni 1944 kam es zu einem dramatischen Einsatz der leichten Turmflak, die zwei amerikanische Fernjäger unter Feuer nahmen, die sich hinter eine Fw-190 gesetzt hatten. Beide Jäger konnten abgeschossen werden, allerdings wurde auch ein nahe stehender Schornstein von den Luftwaffenhelfern zerschossen. Der G-Turm soll insgesamt 3 Bombentreffer erhalten haben, die aber keine weiteren Beschädigungen verursachten, noch nicht einmal Risse wurden beobachtet. Am 18.03.1945 erhielt der G-Turm 2 schwere Bombentreffer, zwei Geschütze fielen daraufhin aus. Von Brandbomben wurde der G-Turm häufiger getroffen, die aber mit Schaufeln einfach über die Brüstung geworfen wurden.
Für die Berliner Bevölkerung waren die Flaktürme Orte des sicheren Schutzes vor den Bomben der Alliierten. In dem Flakturm Humboldthain sollen sich 40.000 Menschen aufgehalten haben, die durch einen unterirdischen Verbindungsgang zum Bahnhof Gesundbrunnen gelangen konnten. Es gibt allerdings Aussagen, die die Existenz dieses Ganges in Frage stellen.
Der Bunker galt damals als unzerstörbar. Im Endkampf um Berlin setzten sich zahlreiche Soldaten in den Flakbunker ab. Dort hatte der Kommandeur des betreffenden Verteidigungssektors G, ein Oberst Schäfer, seinen Gefechtsstand. Die nachrückenden Kampftruppen des 12. sowjetischen Gardekorps blieben vor dem Flakturm liegen. Die Turmflak nahm die feindlichen Verbände unter Feuer, Stoßtrupps unternahmen aus dem Humboldthain heraus Ausfälle nach draußen. Die sowjetische Artillerie nahm systematisch den Flakturm unter Feuer, viele Luftwaffenhelfer fielen oder wurden verwundet. Gezielt wurde besonders auf die 6 cm starken Stahlblenden. Nach einer Weile wurden einige Panzertüren abgeschossen und die Granaten trafen in das Innere des Flakturms. Russische Scharfschützen nahmen aus benachbarten Häusern den Kampf gegen die Geschützbedienungen auf dem Turm auf. T-34 Panzer formierten sich zum Dauerbeschuß. Zivilisten brachten zwei russische Langrohrgeschütze in Stellung, die den Beton knacken sollten. Ohne Erfolg.
Bereits am 23.04.1945 war die Sprengung der 12,8 cm Flakgschütze vorbereitet worden, aber erst am 03.05.1945 wurden die Übergabeverhandlungen durchgeführt. Um 12:00 Uhr ergab sich die Beatzung des Flakturms Humboldthain.

 

Der Flakturm Humboldthain (L-Turm)

 

Der L-Turm hatte wie die übrigen Leittürme der 1. Generation die Grundfläche von 50 x 23 m. Im L-Turm fanden auch zivile Luftschutzsuchende Aufnahme.

 


L-Turm Humboldthain. Auf der obersten Plattform, links der "Würzburg-Riese", in der Mitte das FuMG "Mannheim" und rechts der E-Messer auf 10 m Basis R 43.

 

Die Übertragung der von den FuMG "Würzburg-Riese" Daten wurden per Telefon direkt dem G-Turm gemeldet. Die Schusswerte erreichten über das Fernleitungskabel zum Folgezeigeranzeigensystem 37. Die Informationsübermittlung lief durch einen 1,5 m x 1,5 m großen Kabelkanal, durch den auch Versorgungsleitungen führten.
Im L-Turm hielten sich auch Techniker der Firmen Telefunken und Görtz auf, die zur Verbesserung der Effizienz der Leitstelle abgestellt worden waren. Auf der oberen Plattform waren folgende FuMG installiert. Der 8 to schwere Würzburg-Riese mit einem 7,5 m Spiegel, das FuMG 64 "Ansbachgerät", für die Entstörung des Würzburg-Riesen die "Würzlaus" (eingesetzt ab August 1943 gegen die von den Briten abgeworfenen Staniolstreifen "Windows") sowie das Kommandogerät 40, das von 14 Flakhelfern bedient wurde. Der Würzburg-Riese konnte kurz vor Beginn eines Luftangriffs mittels einer Hebebühne in einen etwa 12 m tiefen Schacht versenkt werden, damit keine Beschädigungen auftraten. Die funkmesstechnischen Daten lieferte dann das Würzburg-Gerät. Weiterhin soll noch ein FuMG vom Typ "Mannheim" auf dem L-Turm installiert worden sein. Hinzu kam das Kommandogerät 40 mit einem E-Messgerät mit einer 10 m Basis. Bei guten Wetterbedingungen betrug die Sichtweite bis 35 km. Herr N. war dort in der "Umwertung" eingesetzt:

 

"Das war ein Eckraum mit zwei Fensteröffnungen. Da wurde mitgeführt, wenn wir ein bestimmtes Ziel aufgefaßt hatten und bekämpften. Auf einem kreisrunden Tisch wurde auf einem Blatt Papier mit einer technischen Einrichtung der Weg des zu bekämpfenden Flugzeuges eingetragen."

 

E-und Fernmeldespezialisten analysierten im 1. OG des L-Turms auch alliiertes Navigationsgerät. Aus abgeschossenen Feindflugzeugen wurden Apparaturen in den L-Turm gebracht, unter anderen Teile des legendären "Rotterdam-Geräts", die von Mitarbeiter der Firma Telefunken zusammengesetzt und weiterentwickelt wurden. Das Gerät wurde auch unter Kampfbedingungen auf dem L-Turm eingesetzt.

 

Der Flakturm Humboldthain - Nach 1945

 


Der Geschützturm Humboldthain nach der Sprengung am 13.03.1948. Während die Südfront völlig zusammengebrochen ist, ist von dem Explosionsdruck von 25 t Sprengstoff nur ein Teil der Wand der Nordfront nach außen gedrückt worden. Der obere Teil ist noch heute erhalten.

 

Nach der Kapitulation am 03.05.1945, 12:00 Uhr, als alle Männer des Flakturms zwischen 16 und 60 Jahre in Gefangenschaft gegangen waren, quartierten sich sowjetische Truppen in den Flakturm ein. Am 25.10.1947 wurde die erste Sprengung am Flakturm Humboldthain von der französischen Besatzung durchgeführt. Am 13.12.1947 sprengten sie den L-Turm mit 16 to Dynamit. Am 28.02.1948 wurde abermals versucht, den G-Turm zu sprengen, ein Teil der Außenwand wurde zerstört, der Flakturm stand aber weiterhin. Am 13.03.1948 wurde eine dritte Sprengung durchgeführt, diesmal mit 25 t Sprengstoff.

 


Die Südseite ist völlig eingestürzt. Auf der oberen Plattform ist gut die Befehlsstelle B II zu erkennen.



Der nördliche Teil des Flakturms mit beiden Ecktürmen bleibt erhalten, während der südliche Teil zusammenbrach. Nun wurde mit Schutt die Ruine überdeckt, 1950 waren 1.300 Notstandsarbeiter auf der "Baustelle Trümmerberg" eingesetzt, die auch Bepflanzungen vornahmen. Im gleichen Jahr nutzte der Deutsche Alpenverein die Nordseite des Flakturms als Übungs-Matterhorn. 1956 wurde erwogen, die über dem Schuttberg ragende Galerie abzureißen und die hohen Türme mit den Trümmern zu verfüllen. Noch 1986 wurde geplant, die Ruine abzureißen, es wurde aber beschlossen, auf dem verbliebenen Bereich des Flakturmes, der aus dem mittlerweile überwachsenen Schuttberg hervorragt, eine Gedenkstätte und Aussichtsplattform für 3.000.000 DM zu errichten. Die Arbeiten wurden am 28.10.1990 beendet.

 

Die Ruine des G-Turms Humboldthain ist heute zu besichtigen. Berliner Unterwelten e.V. bieten zahlreiche Führung.

Hamburg

Hamburg

 

In Hamburg entstanden zwei Flakturm-Paare von ursprünglich drei geplanten Einheiten. Auf dem Heiligengeistfeld und in Wilhelmsburg. Die Gefechtstürme waren in der Ausführung nicht identisch. Ein Flakturm-Paar im Hamburger Charme, der wie in Wien oder Berlin ein "Falkturm-Dreieck" geschaffen hätte, wurde nicht realisiert. Die Bauausführung hatte die Abteilung Rüstungsbau des Reichsministers für Bewaffnung und Munition. Architekten waren laut Pläne vom 18.04.1942 Vogdt und Hilliger.
Friedrich Tamms teilte dem GBI (Generalbauinspektor) am 07.02.1942 mit, dass Hitler den Bau eines vierten Flakturmes in Hamburg angeordnet habe, mit den Bauarbeiten würde in Kürze begonnen werden, die Vorbereitungen seinen eingeleitet worden. Der Flakturm IV sollte nach den von Tamms für die Berliner Flaktürme ausgearbeiteten Pläne entstehen. Nach den Bauplänen waren folgende Einrichtungen in den verschiedenen Geschossebenen vorgesehen. Im Erdgeschoss waren im Turm 4 die Heizungsanlage, im Turm 1 die Klima (Frischluft) Anlage, im Turm 2 das Wasserwerk und im Turm 3 die Abluftanlage vorgesehen. Im 1. OG war im Turm 1 eine Gasschutzanlage geplant, in den Türmen 2 und 3 waren im 1. und 2. OG als Lagerstätten für Kunstschätze vorgesehen. Im 2. OG des Turmes 4 befand sich das Krankenrevier. Im 3. OG waren die Küchenanlagen und der Speisesaal geplant sowie FluKo (Flugwachkommando) und WaKo (Warnkommando) untergebracht. Im 4. OG befanden sich dann die Unterkünfte der Flakmannschaften.

 

Der Flakturm Heiligengeistfeld

 


2 cm Vierlingsflak auf dem L-Turm Heiligengeistfeld in Hamburg.

 

Der Leitturm

 

Gefechts-und Leitturm wurden Ende April-Oktober 1942 gebaut. Nach anderen Quellen soll der Leitturm von etwa 1.000 Arbeitern in 350 Tagen errichtet worden sein. Der 5 stöckige L-Turm hatte die Ausmaße von 23 x 50 m und die Höhe wie sein größerer Bruder. Auf seiner oberen Plattform war das FuMG "Würzburg-Riese". 30.000 cbm Beton (ca. 76.000 t) waren dafür verbaut worden. Als Zuschlagsstoff wurde dänischer Kies verwandt. Kurz vor Kriegsende zog die Gestapo in den Leitturm, in der Feldstraße, mit Häftlingen ein. 1949 hatte der NWDR (Nordwestdeutsche Rundfunk) zwei Stockwerke des Leitturms bezogen. Der technische Direktor Werner Nestler konnte zahlreiche Spezialisten gewinnen und die Arbeit aufnehmen. Das Studio wurde ein 20 qm großer Raum in der höheren Etage. Am 12.07.1950 konnte aus dem Flakturm das erste TV-Testbild gesendet werden.
Im Jahre 1973 wurde der L-Turm an die Bundespost vom Bund für 1.300.000 DM verkauft, die den Bunker abreißen und ein neues Gebäude errichten ließ. 1973-1975 wurde der L-Turm an der Budapester Straße von Sprengmeister Hans Jürgen Marquardt mit Kleinstsprengungen (260 Sprengstoffpaketen a 20 kg) abgerissen. Marquardt hatte bereits in Berlin Erfahrungen gesammelt, als er dort den Flakturm "Zoo-Bunker" abgerissen hatte. Die Arbeiten in Hamburg waren schwierig, hatte der Beton nach 30 Jahren die höchste Festigkeit erreicht. Massive Sprengungen waren auch deshalb nicht möglich, weil sie sonst die unter dem Flakturm verlaufende Hauptstraße zerstört hätten. Ein 22 t schwerer Meißelbagger wurde auf das Dach gestellt. Zudem wurde ein 3 x 3 m großer Schacht gebrochen. Insgesamt wurden für die Abrissarbeiten 330 Tage benötigt. Heute steht an Stelle des L-Turms ein Telefonfernamt der Telekom.

 


Der mit Sperrballons geschützte G-Turm Heiligengeistfeld. Es sind bereits 12,8 cm Flak 40 in Zwillingslafette postiert worden, teilweise stehen noch Holzgerüste und Baracken. Die hellen Stellen markieren die zukünftigen Fenster sowie Scharniere für die Stahlblenden.

 

Der Gefechtsturm

 

Der G-Turm, offizielle Bezeichnung "Flakturm IV" Hamburg, hatte eine Grundfläche 70,5 m x 70,5 m und war etwa 39 m hoch. Er stand auf einer 2,60 m starken Plattengründung. Die Wände waren 2,50 m dick, die Abschlussdecke 3,50 m. 18.000 Menschen konnte der Flakturm bombensicheren Luftschutz gewähren, andere Angaben geben sogar 50-60.000 Luftschutzsuchende an. Er hatte 5 Obergeschosse und 2 Haupt-sowie 4 Nebeneingänge. Im 4. OG waren die Luftwaffenhelferinnen untergebracht sowie das Warnkommando (WaKo) und Flugwachkommando (FluKo). Darunter hatten das Hafenkrankenhaus und die Reichspost Räume bezogen. Zwischen Turm 1 und 4 befand sich die Küchenanlage. Im 5. OG waren die Luftwaffenhelfer und die Bedienungsmannschaften der Flakgeschütze Anton und Berta, Cäsar und Dora (1./414) zwischen Turm 1 und 2 untergebracht.

 


Der G-Turm und der L-Turm, vorn zusehen, einige Jahre nach dem Krieg.



Als Bewaffnung besaß der Flakturm vier 12,8 cm Flak in Zwillingslafette sowie fünfzehn 3,7 cm Flak auf der unteren Plattform. Sie gehörten zum Verband der 3. Flakdivision. Bei den Gomorrha-Angriffen verschoss die 12,8 cm Flak insgesamt 9.192 Schuss, 1944 über 3.000 Granaten. Zwischen dem 13.10.1942 und 31.03.1945 soll die 1./414 (T) an 50 Abschüssen beteiligt gewesen sein. Versuche des Direktors des Staatsarchivs, wertvolle Archivalien im Gefechtsturm unterzubringen scheiterten, obwohl ihm dafür für den 25.07.1943 ein Raum zugesagt worden war. Dieser Raum konnte nicht vom Staatsarchiv genutzt werden, da er von Obdachlosen belegt war. Die Räumlichkeiten für Kunstschätze waren allerdings in den Plänen bereits vorgesehen. Im 2. OG waren die Türme 2 und 3 dafür ausgewählt worden.

 

Vom Flakturm zum Medienbunker. Der Gefechtsturm auf dem Heiligengeistfeld.

 

 

Am 05.05.1945 übernahmen die Briten die Verwaltung des Flakturmes Heiligengeistfeld. Das Abwicklungsamt Wehrmacht beantragte am 13.03.1946 die Freigabe des Flakbunkers für die zivile Nutzung. Am 01.04.1946 übernahm der Oberfinanzpräsident die Verwaltung des Bunkers. Ab dem 20.08.1946 durfte der Flakturm für Wohnungen mit Fenstern versehen werden. Am 28.12.1948 wurden der Besatzungsmacht detaillierte Pläne für die Entfestigung des Flakturmes und den Ausbau der Wohnungen vorgelegt, die keinen Widerspruch erfahren.
1956 wurde das Hochhaus II zum Kreativbunker, als der später weltweit bekannte Modefotograf F.C.Gundlach dort seine Studio-und Arbeitsräume bezog. 1975 waren im G-Turm 15 Firmen registriert, insbesondere aus der Foto-und Werbebranche. 1986 nutzten schon 25 Firmen 13.000 qm im Flakturm.

 

Der Flakturm Wilhelmsburg/Arensbergpark

 


Die neue Flakturmgeneration mit den halbgeschützten, trichtermäßigen Betonüberdeckungen auf runden Türmen. Die Treppen zur oberen Plattform sind im Gegensatz zu den ersten vier Flaktürmen nicht außen freistehend, sondern unter Beton laufend konstruiert worden.

 

"Um Punkt 11 schoß als erstes Zeichen der Sprengung eine feurige, qualmvermengte Lohe mit ungeheurem Druck aus der östlichen Seitenluke des Bunkers. Gleich darauf erfolgt die Detonation, unheimlich ,dumpf und dunkel … Mit einem Schlag wurde der Riesen-Betonklotz von 65.000 Kubikmeter lebendig ..."
Die Hamburger Freie Presse schrieb am 18.10.1947

 

 

 


Als nach der Sprengung der Rauch verzogen war und der G-Turm Wilhelmsburg scheinbar fast unversehrt sichtbar wurde, sollen Zuschauer „Made in Germany! Made in Germany!“ skandiert haben. Die Briten wollten jedoch den Innenraum zerstören, was ihnen gelungen ist.

 


Sprengung des L-Turms am 10.10.1947.

 

"Mit dem Glockenschlag 11:00 Uhr erschütterte eine gewaltige Detonation den Stadtteil Wilhelmsburg. Eine dunkle Rauchwolke verhüllte für Minuten den Bunker. Der früher 44 m hohe und 38 m lange Koloß hatte seine Form gewaltig verändert. Die 3,50 m dicken Außenmauern haben den Druck der Explosion von 8.500 kg nicht standgehalten. Sie haben jedoch die Wirkung der Sprengung so beschränkt, dass selbst an den nahe liegenden Wohngebäuden keine nennenswerten Schäden eingetreten sind. Aus dem Bunker ist ein Trümmerhaufen geworden, der dem Aufräumungsamt großen Kummer bereiten und die Hamburger Trümemrmasse recht erheblich vermehrt haben dürfte."
Ein Augenzeugenbericht

 


Der alte Gefechtsturm Hamburg-Wilhelmsburg (Turm VI) wird zum "Energiebunker" umgebaut.

Bremen

Bremen - Neustadt



In Bremen trafen sich am 28.10.1942 im Dienstzimmer im "Haus des Reiches" des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen, Senator Dr. Fischer der Leiter des LS-Bauamtes Baurat Assmann, der Kommandeur der 8. Flakdivision, Generalleutnant Wagner sowie der Bauingenieur vom Luftwaffenbauamt Bockmann zu einer Besichtigungsfahrt. Nach den schweren Luftangriffen auf Bremen sollte in der Freien Hansestadt ein Flakturm in den Grünanlagen zwischen der Neustadt-Contrescarpe, Leibnizstraße und Eichhofenstraße entstehen. Man schätzte das Bauwerk als nicht so groß ein, als dass es städtebaulicher Sonderplanungen notwendig machen würde.
Das Reichsministerium Speer, GB-Bau Referat Luftschutz und die OT hatten zugestimmt. Allerdings sollte der LS-Bunker-Bau in Bremen von diesem Vorhaben nicht beeinträchtigt werden, Arbeiter und Baustoffe sollten die durchführenden Instanzen selbst beschaffen. Es wurde beschlossen, Tiefbohrungen niederzubringen, um den wechselhaften Untergrund in diesem Gebiet der Stadt zu ergründen. Für den Anfang November 1942 sollte dann eine Inspektionsreise nach Hamburg unternommen werden, wo bereits zwei Flakturm-Paare existierten. Doch in Bremen blieb es bei der Planung, Flaktürme entstanden dort nicht.

Wien

Wien

Planung und Durchführung





Hitler selbst hatte im September 1942 den Bau von zwei Flakturm-Paaren in Wien angeordnet, da nach seiner Meinung eines der wichtigsten städtischen Zentren, das von Wien, geschützt werden sollte. Sie sollten noch nach 4.000 Jahren zukünftige Generation an den Kampf des Dritten Reiches erinnern. Nach Ansicht der Luftwaffe sollten sie auf der Schmelz, im Prater und in Floridsdorf entstehen, doch Hitler legte selbst die Standorte fest. Flakturm VIII war im Arenbergpark, baugleich mit dem Flakturm Wilhelmsburg/Arenbergpark, Flakturm V in der Stiftskaserne. Flakturm VII sollte nach Wunsch des Führers bei der Roßauer Kaserne errichtet werden, entstand aber im Augarten. So wurden insgesamt drei G-Türme mit den dazugehörigen L-Türmen gebaut.
Die Planung der Wiener Flaktürme wurde ebenfalls vom dem in Schwerin 1904 geborenen Professor Dipl. Ing. Friedrich Tamms erstellt, einem Städteplaner, der mit Reichsautobahnen und Brückenkonstruktionen auf sich aufmerksam machen konnte. Der Bau der Flaktürme wurde vom Ministerium für Rüstung in Berlin, Abteilung Rüstungsbau geleitet. Die ersten Pläne der Wiener Flaktürme verbrannten in Berlin nach einem Luftangriff. Dipl.Ing. Ruschitzka musste in Wien innerhalb von 2 Tagen neue Pläne anfertigen. Die Flaktürme wurden dabei in einem Dreieck postiert, so dass sich die Schussweiten der schweren Flak, die Prof. Tamms auf 20-22 km bezifferte, überlappten. Die Standorte selbst wurden von der Stadt Wien und vom LGK (Luftgaukommando) bestimmt. Die Standorte waren so gewählt, dass, so Tamms, die Innenstadt gegen Luftangriffe und auch gegen Tiefflieger, verteidigt werden konnte. Für Testreihen wurden in Unterlüß Erprobungsstände gebaut.
Alle L-Türme waren wie im Altreich rechteckig, allerdings in einer schmaleren Ausführung, dagegen waren die G-Türme Stiftskaserne und Augarten mit 16 Ecken fast rund. An jedem Turm waren bis zu 500 Fremdarbeiter eingesetzt, besonders Jugoslawen und Griechen, aber auch italienische Militärinternierte sowie einige wenige österreichische Fachleute. Hinzu kamen Baueinheiten des RAD (Reichsarbeitsdienst) und der Wehrmacht, aber auch jüdische Zwangsarbeiter. Das Baumaterial wurde mit angelegten Feldbahnen, teilweise sogar mit Straßenbahnen von der Donau und vom Aspangbahnhof zu den Baustellen gebracht. Gebaut wurden die Wiener Flaktürme auf durchweg mindestens 2 m dicken Betonplatten. Verwendet wurde eine sehr harte Betonsorte, die mit einer Spiralbewehrung verstärkt wurde. Die Außenwände maßen 2 m, die Abschlussdecken bis zu 3,5 m. Auf die Türme selbst kamen Kräne, zum Teil auf Schienen, die auf dem Dach verlegt worden waren, womit sie ihre Flexibilität erhielten und alle vier 12,8 cm Zwillingsgeschütze auswechseln konnten. Die Bauzeit dauerte ein 1/2 Jahr, als letzter Turm war der G-Turm Stiftskaserne Frühsommer 1944 einsatzbereit. Die Geschützbettung war denen des Flakturms Wilhelmsburg ähnlich. Die Bedienung der 12,8 cm Flak war durch den Umstand, dass die Geschütze in den Türmen von Stahlkuppeln geschützt waren, vor Splittern und leichten Bombentreffern auf dem Turm einigermaßen sicher.
 

 

 

Im oberen Drittel der G-Türme wurden untere Plattformen für leichte Fla-Waffen angebracht, die aber anscheinend dort nie installiert wurden. Jeder Bunker hatte einen Brunnen und ein eigenes Kraftwerk. Genutzt wurden sie als Lagerstätten für wertvolles Kulturgut, sie beherbergten militärische Dienststellen, 15.000 Luftschutzsuchende fanden dort jeweils Platz. In allen G-Türmen wurden Lazarette eingerichtet, manche mit über 800 Betten. Rüstungsbetriebe wurden ebenfalls in den Flaktürmen untergebracht, so Bereiche der Flugmotorenproduktion, elektrische Röhren-und Munitionsfertigung. Auf allen drei L-Türme wurden "Würzburg-Riesen" sowie ein kleines "Würzburg-Gerät" oder ein FuMG vom Typ "Mannheim" installiert. Ferner gab es jeweils ein Kommandogerät 40 auf 6 m-Basis. Auch die Flaktürme in Wien wurden in städteplanerische Überlegungen des Architekten Tamms einbezogen. So liegt der Flakturm Stiftskaserne genau in der Achse der Wiener Burg und die Türme Augarten passten sich in den ältesten Barockgarten Wiens ein. Da man wusste, dass nach dem Endsieg eine Entfernung der Betonmassen unmöglich sein würde, sollten die Flaktürme im Stil der mittelalterlichen Staufferburgen in Deutschland und Italien mit Rohziegeln und französischem Marmor verkleidet werden, der in den Brücken bei Lyon, Paris und Orleans bereit lag. Der Transport fand auf Grund der alliierten Landung in der Normandie nicht mehr statt.

Die Flakbunker in Wien sollten sich bewährt haben. Im 7. Wiener Bezirk, wo der Flakturm Stiftskaserne stand, habe es die geringsten Bombenschäden in Wien gegeben, gezählt wurden nur 107 Luftkriegstote. Gleichwohl räumte Architekt Tamms nach dem Krieg ein, dass die "Schießdome", nicht die erwarteten militärischen Hoffnungen erfüllten, die man ursprünglich in sie gesetzt hatte.

 

"Ohne die militärische Zweckmäßigkeit dieser Bauten völlig verneinen zu wollen, wurden sie von Anfang an und vor allem als Stimmungsarchitektur konziperit."
Meint Jan Tabor

 

Wie in Berlin griffen die Wiener Flaktürme auch bei den Endkämpfen der österreichischen Hauptstadt ein und beschossen russische Truppengruppierungen nahe den Einfallstraßen im Süden, Südosten und Westen der Stadt. Dort waren die Einheiten der 4. und 9.Garde-Armee sowie der 6.Garde-Panzerarmee versammelt. Die 2.Batterie auf dem G-Turm Stiftskaserne schoss bis Laxenburg, Hennersdorf, Perchtoldsdorf, Rodaun und Mauer Sperrfeuer. Durch den Luftdruck gingen die Fensterscheiben in der gesamten Umgebung zu Bruch und in der Kaserne lockerten sich die Fensterstöcke. Die 1.Batterie auf dem Flakturm Arenberg schoss am 04.04.1945 Sperrfeuer auf Erdziele im Süden Wiens. Die Luftwaffenhelfer dieser Batterie sowie die weiblichen Flakhelferinnen waren bereits entlassen worden. Vier Tage und vier Nächte wurde ununterbrochen geschossen.

 

"Sie ist ein Monument aller und für alle Zeiten. Infolgedessen ist sie im üblichen Sinne ohne Gebrauchswert. Sie ist nutzlos wie eine reine Plastik. Aber sie ist Träger einer Idee, eines elementaren gefühls für Kraft, Beständigkeit und Lebenswillen."
Der Konstrukteur verglich sie mit den ägyptischen Pyramiden.

 

Im Gegensatz zu Berlin, wo alle Flaktürme bis auf den Rest des G-Turms Humboldthain zerstört worden sind, sind in Wien alle Türme erhalten geblieben. Bereits 1946 dachte Prof. Dr. Karl Krupsky daran, die Betonbauten zu verschönern. 1951 überlegte sich Prof. Erwin Böck, die Türme, wie ursprünglich beabsichtigt, zu ummanteln und 1953 kam die Idee auf, aus den Flaktürmen Großgaragen zu bauen. Keines dieser Bauprojekte wurde bis heute ausgeführt. 1990 wurden die Flaktürme, Besitz der Republik Österreich, der Stadt Wien geschenkt.

 

Arenbergpark

 

Der Blick vom L-Turm zum Geschützturm Arenbergpark.

 

Im Arenbergpark entstand der G-und L-Turm im Sommer 1943 mit der 1.Batterie der Turmflakabteilung 184. Der Falkturm hatte einen quadratischen Grundriss von 57 m x 57 m und war baugleich mit dem G-Turm in Wilhelmsburg/Hamburg. Bestückt war der G-Turm mit vier 10,5 cm Flak, ab Januar 1944 mit vier 12,8 cm Flak, dann mit vier Flak des gleichen Kalibers in Zwillingslafetten.
Nachdem bei den Endkämpfen 1945 die letzte Granate verschossen war, wurden Geschütze und technische Einrichtungen im 8.Stockwerk gesprengt. Die Besatzung des Flakturms verließ am 08.04.1945 den Bunker. Munitionsmangel hatte es nicht gegeben, noch nach der Kapitulation lagerten große Bestände an Flakgranaten in den Bunkern.

 

Heute wird der G-Turm vom Museum für angewandte Kunst und als Lagerraum (Kunst-Depot) genutzt, der L-Turm steht leer.

 

Stiftskaserne

 

Auf dem Gelände der Stiftskaserne entstand von Mai bis September 1943 der G-Turm, auf dem die 2.Batterie der Turmflakabteilung 184 stationiert wurde.
Der L-Turm lag etwa 500 m entfernt im Esterhazypark. Der Flakturm hier war mit einer Höhe von 45 m über alles der niedrigste in Wien. Er war mit 16 Ecken fast rund und maß 43 m im Durchmesser. Bestückt war der G-Turm mit vier 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafetten. Die Geschütze wurden durch Stahlkuppeln vor Seitenbeschuss geschützt.

 



Nach 1945 von den amerikanischen Besatzungssoldaten genutzt, später als Atombunker reaktiviert, vermutlich einer von zwei Regierungsbunkern. Der G-Turm wurde heute vom Bundesheer genutzt, ein Zutritt ist aus Geheimhaltungsgründen nicht möglich.



Der L-Turm im Esterhazypark hatte ein Keller, ein Erd-und 12 Obergeschosse. Angeblich soll der Leitturm einen Bombentreffer auf der obersten Plattform erhalten haben. Ob auf der unteren Plattform leichte Flak stationiert war, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Auch zu diesem Punkt gibt es gegenteilige Aussagen.
 

Seit 1958 wird der L-Turm vom "Haus des Meeres" als Meeresmuseum genutzt.

 

Augarten

 

Im Augarten entstand der G-und L-Turm mit der 3.Batterie der Turmflakabteilung 184. Er war mit 50,6 m (nach anderen Angaben 54 m) der höchste der Wiener Flaktürme. Er war mit 16 Ecken fast rund und maß 43 m im Durchmesser. Die Außenwände waren 2,50 m stark. Etwa 10 m unter dem Plateau führt eine Plattform rundum in 5 m Breite mit weit ausgreifenden Erkern, sogenannte Schwalbennester. Bestückt war der G-Turm mit vier 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafetten.
Im G-Turm wurden Radioröhren produziert und der Bürgermeister und sein Stab fanden in dem Flakturm Unterkunft und Diensträume. Im Bereich zwischen dem G-und L-Turm waren in den Parkanlagen Baracken gebaut worden, so für die Flakhelfer und "Blitzmädchen". Bei den letzten Gefechten im April 1945 erhielt der L-Turm mindestens 3 Artillerietreffer der Sowjets, alle im oberen Drittel des Turmes, von denen einer die Außenwand durchschlug.

 

Der Gefechtsturm im Augarten.



Die Österreichische Zeitung meldete am 22.11.1946, das einen Tag zuvor Kinder im Flakturm Krieg gespielt hätten, eine Zündschnur angesteckt und zwei Waggonladungen Flakmunition zur Explosion gebracht hätten. Das Resultat war ein Riss an der Nordwand. Niemand sei verletzt oder getötet worden, die Kinder blieben bis heute unerkannt. Nach anderen Angaben hätten seit dem Zeitpunkt der Explosion einige Kinder im betreffenden Bezirk gefehlt und seien nicht mehr aufgetaucht.
Die Russen versuchten, den G-Turm zu sprengen, die Spuren sind noch heute deutlich sichtbar. Die Türme im Augarten wurden nach dem Kriege zugemauert.


 

Ende



Früher Bollwerke gegen eine neue Form des Bombardements gegen ganze Städte, heute Denkmäler dieser Epoche des Massenkrieges, Massensterbens und der Versuch, sich gegen das Unvermeidliche zu stemmen. Der Bau dieser Giganten aus Beton und Stahl waren die logische Konsequenz der Wehrmachtsführung aus der verlorenen Lufthoheit über Deutschland. Man versuchte die großen und wichtigen Städte zu schützen, ebenso der Bevölkerung einen Halt und moralische Stütze in einer Zeit des ständigen Luftalarmzustands zu geben. Dabei wurden Sie zu Fluchtpunkten für die Bevölkerung, für die Versehrten des Krieges und zu umkämpften Mittelpunkten der Festungsschlachten im untergehenden Deutschen Reich.



Heute ist man davon abgekommen Sie zu sprengen, viele haben es versucht, doch schienen diese Bollwerke sich nicht zu Staub der Geschichte machen zu lassen. Sie blieben störrisch und heute ist die Gefahr zu groß in urbaner Umgebung diese Kolosse zu sprengen. Darum werden die großen Betonblöcke heute auf andere Weise genutzt. Gerade in einer Zeit der Suche nach dem Besonderen in Verbindung mit dem Nützlichen, haben sich die Falktürme von einer neuen Seite gezeigt. So sind die enorm dicken Wände der Türme eine optimale Isolation. Im Winter kann die Wärme nur sehr langsam entweichen, wobei im Winter die Kühle sich lange in den Türmen hält. Der einzige Nachteil dabei sind die kleinen Fenster und das Änderungen in der Baustruktur nur schwer bzw. unmöglich durchzuführen sind. Eine Tür, ein Fenster oder gar ein Kabelschacht lassen sich aufgrund der Massivität bzw. des vielen Stahls wie Anteil an Zement nicht verwirklichen. So kann es schon mal zu einem wahren Kraftakt werden, ein Bild aufzuhängen bzw. den dazu benötigten Nagel in die Wand zu schlagen. Dennoch überwiegt das Besondere, die Einzigartigkeit und eine neue Form urbaner Wohnkultur. Auch historisch hat man die Gebäude, die sonst nirgends auf der Welt entstanden und zu finden sind zu einer neuen Bedeutsamkeit gekommen. Man nutzt die Gebäude als Museen an historischer Stelle bzw. stellt die Denkmäler des Krieges als Sehenswürdigkeit vor.
 

 

 

In Stadt Wien hat man das Monster aus Beton sogar gerade wegen seiner Sicherheit und der Festungsarchitektur wiederentdeckt. Hinter den meterdicken Stahlbetonmauern soll das sicherste Datencenter Österreichs entstehen, also ein Bunker für sensible Daten von Banken bzw. Firmen, die einen sicheren Platz für geheime Forschungsdaten suchen. Einige Stimmen sprechen dagegen, diese Denkmäler des Krieges wieder einem neuen zivilen Zweck zuzuführen. Ein Datencenter kommt nur deshalb in Frage, weil es keine großen Umbauarbeiten geben müsse, die dem Denkmalschutz widersprächen. Bei den Wohnungen ist es etwas anderes, wobei Umbauarbeiten allein wegen des Aufwandes wegfallen.

 

Ein Denkmal in Beton, das seinen militärischen Nutzen nie erfüllen konnte, aber vielen Menschen in den letzten Tagen des Krieges Schutz bot!

Quellen

DMP Empfehlung



Webseite

berliner-unterwelten.de
luftschutz-bunker.de




Quellen

Valentin E. Wille, Die Flaktürme in Wien, Berlin und Hamburg: Geschichte, Bedeutung und Neunutzung, Verlag: Vdm Verlag Dr. Müller (Mai 2008)
Henning Angerer, Flakbunker: Betonierte Geschichte, Verlag: Ergebnisse-Verlag (November 2000)

http://flakturm.net/vision
http://berliner-unterwelten.de/geschich ... .63.0.html
http://www.unter-hamburg.de/Flakturm-Wi ... 446.0.html



Autor: Thor

Das Thema

Zündapp KS 750

 


"Mit 16 PS schaffte es das Gespann an guten Tagen auf 80 km/h"

 


 
Hubraum:
750 ccm
Zylinder:
2
PS /KW:
26 / 19
Hub:
85 mm
Höchstgeschwindigkeit:
95 Km/h
Mindestgeschwindigkeit:
3 Km/h
Verbrauch Straße:
6 Liter/100 km
Steigvermögen am Berg:
45 %
Wasserdurchfahrt:
bis 425 mm
Gänge:
4 Straße- 1 Gelände-
1 Rückwärtsgang
Antrieb:
Hinter- und Seitenwagenrad
Mit zusätzlicher Differentialsperre
Bremse:
Vorn Seilzug hinten ATE-Öldruck
Gewicht:
Leer 420 - Gesamt bis 840 Kg



Aus einer Zusammenarbeit mit den Firmen Krupp und Thiel wurde 1917 die Zünder- und Apparatebaugesellschaft Nürnberg gegründet. Die ersten Maschinen gingen 1920/21 aus der Produktion und durch Fließbandtechnik bzw. neue Innovationen, gehörte das Unternehmen bereits Ende der 1930er-Jahre zu den fünf bedeutendsten Motorradfabriken in Europa.
Mit dem Ersten Weltkrieg und auch danach, wurde die Produktion praktikabler Gebrauchsmotorräder immer wichtiger. Vor dem Zweiten Weltkrieg wollte das Unternehmen auch auf die Personenwagenherstelllung expandieren, doch das Projekt Porsche Typ 12 scheiterte.
Das als Wehrmachtsgespann bekannte Motorrad der Firma Zündapp mit der Typenbezeichnung KS 750 basiert auf den Forschungen zur Automobilproduktion der Firma. Der 1933 gebaute vierrädrige Schnell-Lieferwagen mit einem 400-cm³-Zweizylinder-Boxermotor und Hinterradantrieb, brachte die Vorlage die in einem Winkel von 170° liegenden Zylinder des Boxermotors, der nun auch in diesem Auftrag für die Wehrmacht eingebaut wurde. Vor allem die größere Bodenfreiheit unter den Zylindern machte das Motorrad für Planer der Heerestechnik aufmerksam.

Einleitung

Einleitung

 


Logo der Zünder- und Apparatebaugesellschaft Nürnberg

 

Die Firma Zündapp lieferte in den 1930er Jahren Motorräder an die Reichswehr. Ein entscheidender Nachteil war hier, dass diese nur leicht veränderten Zivilversionen und somit nicht den Militärischen Anforderungen gewachsen waren. Ende 1937 forderte das Heereswaffenamt ein Motorrad mit Beiwagen, dass mindestens 3 Soldaten mit voller Ausrüstung (500kg) tragen konnte, hohe Geländegängigkeit besaß, Schnell auf Straßen sowie als niedrigste Geschwindigkeit 4km/h fahren konnte, um auch in marschierenden Kolonnen mitfahren zu können. So entwickelte Zündapp die Motorräder KS 750 und BMW R 75 wurden speziell als Geländefahrzeuge für die Deutsche Wehrmacht entwickelt (70 % Übereinstimmung bei den Bauteilen). So konnte man eine einfachen Nachschub an Ersatzteilen gewährleisten - bis heute.
1939 wurden die ersten beiden Prototypen dem Oberkommando des Heeres zu Versuchsfahrten überstellt. Bis 1940 wurde die Zündapp KS 750 ständig weiter entwickelt, sodass 1941 die Serienproduktion in Nürnberg gestartet werden konnte.
Besonderes Augenmerk bei der Entwicklung wurde auf das angetriebene Seitenwagenrad und ein sperrbares Differential wie ein speziellen Rückwärtsgang gelegt. Durch diese Entwicklungsschwerpunkte konnte man den Wünschen des Heeres genüge leisten.

 

 

 


 
Produktionsjahr
Anzahl/Stück
1939
2
1940
7
1941
288
1942
7.228
1943
7.131
1944
3.515
1945
115
1946
205
1947
76
1948
68
 
Insgesamt
ca.18.695 Stück



Rahmen, Motor, Getriebe, Vordergabel und viele andere Bauteile sollten für den Gefechtseinsatz verstärkt werden und ergaben beim ersten Entwurf ein völlig neues homogenes Gespann, welches das OKH (Oberkommando des Heeres) in die engere Wahl nahm. Vorrausetzung war, dass 500 kg Nutzlast (ca. drei Soldaten mit Waffen, Munition und voller Feldausrüstung) transportiert werden müsse, das Krad eine Dauergeschwindigkeit von 80 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit 95 km/h erreicht, wobei auch eine Minimalgeschwindigkeit für das Fahren in Kolonnen mit 4 km/h angelegt wurde. Weitere wichtige Auflage für die Firma waren 4,5 × 16″ große Geländereifen, eine Mindestbodenfreiheit von 150 mm, ein Freiraum in den Schutzblechen, der es möglich machen sollte auch Gleitschutzketten aufzulegen. Beim Bau und der Entwicklung setzen sich die die Zündapp-Werke und das BMW-Werk durch, wobei ihre Ausführungen Zündapp KS 750 und BMW R 75 im Kriegsjahr 1942 vereinheitlicht wurden, um den Nachschub zu gewährleisten.
Die angestrebten Produktionszahlen wurden wie so oft nicht erreicht und Bombenangriffe in den letzten 3 Kriegsjahren legten die Produktion gänzlich lahm.
Das OKH und auch die Nachwelt traf eine einhellige Entscheidung, denn die Zündapp KS 750 war der BMW R 75 weit überlegen. Die Hauptgründe dafür lagen beim Hinterradantrieb, der hydraulischen Bremsanlage und die Robustheit der gesamten Konstruktion, die dennoch auf dem neusten Stand der Technik war.

Technik

Die Technik

 

 



Das Fahrgestell besteht aus einem mit bis zu 5mm starken, Ovalrohrrahmen aus Stahl, die Vordergabel ist eine gekapselte Parallelogrammgabel. Der Motor ist ein Zweizylinder-Boxermotor mit 750cm³ und 26Ps. Um die Kühlung selbst bei Marschgeschwindigkeit sicherzustellen, wurde ein Aluminiumzylinderkopf mit gerippter Oberfläche verbaut, der selbst bei großer Hitze gekühlt wurde. Die sonstigen Bauteile wurden zum Teil auf die Bedürfnisse des Militärs abgestimmt, so wurde unter anderem der Motor nicht auf Spitzenleistung (Geschwindigkeit) sondern auf Dauerleistung eingestellt, was den hohen Anforderungen im Felde gerecht wurde.
Der Tank hat ein Fassungsvermögen von 24 Litern, wovon 3 Liter Reserve sind. Auf dem Tank befindet sich ein Fach, wo der Fahrer Papiere und andere Unterlagen verstauen konnte.
Erstmals an diesem schweren Gespann kam eine hydraulische Bremse zum Einsatz, jedoch nur am Hinterrad und am Seitenrad. Das Vorderrad besitzt eine normale Innenbackenbremse die über einen Seilzug am Lenker betätigt wird.
Das Getriebe besitzt vier Straßen-, einen Gelände- sowie einen Rückwärtsgang. Besonders erwähnenswert zu nennen ist hier, dass das Differenzial im Hinterradantrieb 70% an das Hinterrad und 30% an das Seitenrad verteilt, sodass es möglich wurde ohne Gegenlenken geradeaus zu fahren, wie es sonst bei anderen Beiwagenmodellen üblich war.

Einsatz

(Wehrmachstsoldat in üblicher Kradfahrerkluft)

 

Einsatz an der Front



Sowohl in der Kälte Russlands, auf den Feldern der Normandie und auch in der Wüste Afrika's - nahezu überall wurde die Zündapp KS 750 in den verschiedensten Aufgabengebieten eingesetzt.

Gegenwart

Die Zündapp KS 750 heute

 

Heutzutage ist die KS 750 bei Sammlern und Oldtimer-Fans ein beliebtes Objekt. Auch in diversen Museen gibt es Ausstellungsstücke zu bewundern. Um eine voll restaurierte Maschine sein Eigen nennen zu können, muss man erstens Glück haben um überhaupt eine zu finden und zweitens einen fünfstelligen Eurobetrag zahlen. Ein guter Markt an Ersatzteilen und ein große Sammlergemeinde sichern das Fortgestehen dieser Fahrzeuge. Bis heute faszinieren diese Wehrmachtsgespanne wegen ihrer aufwendigen und robusten Technik.

 


(Emblem auf Motorräder der Firma Zündapp)


Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%BCndapp_KS_750 (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://www.wehrmachtsgespann.de/zuendap ... /index.htm (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%BCndapp (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://www.zuendapp-club.de/ (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://books.google.de/books?id=SfQUhe8 ... 50&f=false (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://books.google.de/books?id=JbeYqc5 ... 50&f=false (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://www.fahrzeugbilder.de (Letzter Zugriff 12.06.2011)
http://fahrzeuge-der-wehrmacht.de/Artik ... Ks750.html (Letzter Zugriff 12.06.2011)



Autor: von Schmidt / Freiherr von Woye

Das Thema

Minen der Wehrmacht

 

 

Allgemein

Allgemeines

 

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Landminen der Wehrmacht. Hierbei wird auf Anti-Personenminen und Panzerabwehrminen eingegangen.
Die Anti-Personenminen, heutzutage durch die UNO und die meisten Staaten der Erde geächtet, werden gegen Personen eingesetzt. Diese Minen haben einen geringen Auslösedruck. Ihre Verwendung ist: die eigenen Stellungen zu verstärken, feindliche Infanterie zu stoppen bzw. zu verlangsamen oder diese zu lenken.

Die Panzerabwehrminen sind, wie der Name schon sagt, gegen Panzer oder Fahrzeuge einzusetzen. Sie besitzen einen erheblich höheren Auslösedruck wie die Anti-Personenminen und damit eigentlich ungefährlich für die Infanterie. Sie werden ebenfalls zum verstärken der eigenen Stellungen eingesetzt, um feindliche Infanterie zu stoppen bzw. zu verlangsamen oder diese zu lenken. Man kann aber auch auf Grund des hohen Sprengstoffanteils der Panzerabwehrminen diese als Schnellladung benutzen um zum Beispiel Brücken zu sprengen.

 

 

 

Ein deutscher Pionier beim Minensuchen in der Wüste

 

 

 

[Ein deutscher Soldat beim Verlegen von Minen]

 

 

 

Soldaten beim Sondieren, dem Suchen nach Minen mit Hilfe von Metalldetektoren. Links sind britische Pioniere zu erkennen und rechts Deutsche.

Anti-Personenminen

Schützenabwehrminen oder Anti-Personenminen

 

Allgemeines zu Schützenabwehrminen oder Anti-Personenminen

 

Es ist egal ob man Schützenabwehrminen oder Anti-Personenminen sagt, denn es handelt sich dabei um die gleichen Minen, nur die Bezeichnung ist anders. Aus diesem Grund werde ich jetzt nur noch von Schützenabwehrminen reden. Es gibt bei diesen Minen unterschiedliche Funktionsweisen. Bei normalen Schützenminen tritt der Soldat auf die Mine, löst diese dabei aus und wird, in der Regel, als Einziger verletzt - dafür aber schwer. Der Tod tritt normalerweise nicht ein, da verletzte Soldaten mehr Personal binden als wenn dieser versterben würde. Eine zweite Variante sind die sogenannten oder auch Spring-Splitterminen genannt. Werden diese ausgelöst, "springt" die Mine in die Höhe und verletzt bzw. töten im Umkreis die Soldaten.
Bei Minen mit Entlastungszünder wird die Mine erst geschärft wenn man auf sie tritt bzw. wenn etwas auf sie gelegt wird. Wird dann das Gewicht von der Mine genommen löst sie aus.
Bei Minen mit einer gerichteten Ladung, z.B. die amerikanische Claymore-Mine, wird bei Auslösung der Mine nur in eine bestimmte Richtung eine Wirkung erzielt.


 

Schrapnelminen

 

Schrapnelmine 35



Diese Spring-Splittermine wird in den Boden eingegraben. Nach ihrer Auslösung und einer kurzen Wartezeit von 4,5 Sekunden sprang sie, durch eine 2g Pulverladung angetrieben, etwa 1,5 m hoch und zerlegte sich in 365 kleine Stahlkugeln und Stahlsplitter. Diese Splitter waren bis auf 20m tödlich und hatten eine verletzende Wirkung bis zu 100m. Eine andere Möglichkeit, zum Verlegen dieser Minen, war es, sie einfach in Bäume zu hängen. Marschierte Infanterie durch den Wald, sollten die Soldaten die Mine durch Stolperdrähte auslösen.
Die Mine konnte nicht nur mit dem S.Mi-Zünder 35 ausgestattet werden, sondern auch mit einem Zug-Zünder um sie als Stolperdrahtmine, Schleudermine oder Fußschlingenmine einzusetzen.

 



 

Hier kann man in der Mitte den Druckzünder und an den Seiten jeweils einen Zugzünder erkennen.



 

links: Schrappnellmine 35 ( Zünder in der Mitte ) rechts: Schrappnelmine 44 (Zünder weiter an den Rand gesetzt)

 

Schrapnelmine 40

 

Diese Mine sollte leichter als die S.Mi 35 sein, sowie wasserdicht. Seit 1939 war sie in der Erprobung und bis 1942 wurden etwa 80 Stück gebaut und erprobt. Auf Grund mangelhafter Leistungen wurde das Projekt fallen gelassen.

 

Schrapnelmine 44



Die seit 1944 hergestellte S.Mi 44 war ebenfalls eine Verbesserung der S.Mi 35. Sie war vom Aufbau und den Maßen der S.Mi 35 sehr ähnlich. Der bedeutendste Unterschied zwischen beiden Minen war, dass bei der S.Mi 35 der Zünder mittig auf dem Deckel eingeschraubt wurde und bei der S.Mi 44 außen am Rand des Deckels. Wegen einer zu komplizierten Fertigung und durch zu hohe Kosten bei der Fertigung wurde weiter entwickelt.


 

Schrapnelmine 45

 

Die Schrappnelmine 45 wurde im Februar 1945 als Standardmine in die Wehrmacht eingeführt. Diese Mine wurde aus gepresster Pappe hergestellt, der Durchmesser war 102mm und sie war 90 mm hoch. Sie wurde mit Bauschutt oder Metallschrott gefüllt und halte als Sprengladung die Bohrpatrone 28 mit 100g Sprengstoff.

 

Springmine 7,6cm

 

Dies ist eine Experimentalmine und ein Einsatz in den Streitkräften ist nicht bekannt. Sie sollte mit Hilfe von Gewehrkartuschen durch einfache Werfer verschossen werden. Die Höhe der Mine lag bei 150mm und der Durchmesser bei 76mm. Sie hatte, wie die Schrappnelmine 45, eine Bohrpatrone 28 als Sprengladung und wurde mit Bauschutt oder Metallschrott gefüllt.


 

Schützenminen

 

Anders als die Schrappnelminen oder Springminen sollten die Schützenminen nicht ganze Gruppen von Soldaten verletzen oder Töten, sondern sie wurden verlegt um gegen einzelne Soldaten zu wirken. Sie wurden zum Beispiel dazu verwendet um in Panzerabwehrminensperren verlegt zu werden und dort die feindlichen Pioniere bei ihrer Arbeit zu hindern, zu verletzen oder gar zu töten. Man muss auch sagen, dass die Schützenminen größtenteils als Provisorium oder Notlösung entstanden.

 

Schützenmine 42

 

Die Schützenmine 42 hatte die Ausmaße 10 x 13 x 5 cm. Sie wurde aus Sperrholz hergestellt und besaß den 200g schweren Sprengkörper 28 als Sprengladung. Durch diese Bauweise wurde den gegnerischen Soldaten das Auffinden sehr erschwert, da sie nur sehr schwach auf Metalldetektoren wirkten. Dies und der geringe Auslösedruck von 2,5kg, auf den Deckel, veranlasste die Wehrmacht ein generellen Wiederaufnahmeverbot der SchüMi 42 auszusprechen.

 

 

 

Schützenmine 42

 

 

 

Alle Bestandteile der SchüMi42. Das Holzgehäuse, der Zünder und der Sprengkörper

 

 

 

Das Schema der Schützenmine 42

 

große Schützenmine

 

Die große Schützenmine, oder auch SchüMi 400 genannt, hatte die Ausmaße 11,5 x 22 x 5cm. Sie besaß als Sprengladung zwei Sprengkörper 28 und damit 400g Sprengstoff in sich. Sie wurde genauso wie die Schützenmine 42 verwendet, hatte aber eine bessere Zündvorrichtung und war damit handhabungssicherer.

 

Schützendosenmine

 

Diese Mine wurde in 2 Varianten als Notlösung gebaut: Die große Variante hatte als Ausmaße eine Höhe von 75mm und einen Durchmesser von 200mm. Diese Blechschachtel wurde dann mit 150g Sprengstoff und Schrott gefüllt, eine Druckplatte oder ein Zugzünder 42 wurden angebaut. Bei einem Auslösedruck von etwa 20kg löste die Druckplatte dann aus.
Die kleine Variante, die ein Nachbau einer englischen Mine ist, war nur etwa 70mm hoch. Desweiteren war sie 45mm im Durchmesser und hatte eine Sprengladung von 70g. Ebenfalls durch eine Druckplatte gezündet löste diese bei einem Druck von 12kg aus.

 

 

 

Dosenminen im Vergleich zu einer Zündholzschachtel. Somit hier die kleine Variante zu sehen.

Teil II

behelfsmäßig hergestellte Schützenabwehrminen

 

Behelfsmine E5



Diese Mine war ganz einfach hergestellt. In einen einfachen Blechkasten wurden französische Handgranaten eingefügt. Die mittlere der insgesamt 5 Handgranaten wurde mit einem chemischen Zünder versehen. Trat jemand auf den Blechkasten, wurden Ampullen im Zünder zerbrochen, die Chemikalien reagierten miteinander und lösten eine chemische Reaktion aus. Diese hatte dann zur Folge, dass erst die mittlere Granate zündete, diese die anderen auslöste und somit alle 5 Handgranaten detonierten.

 


 

A-200

 

Die auch "Senftopf" genannte Mine hatte einen Durchmesser von 75mm und eine Höhe von 50mm. Bei einem Gesamtgewicht von 0,4kg hatte sie eine Sprengstoffmasse von 0,15kg. Des weiteren war in dieser Mine ein neuer chemischer Zünder eingebaut. Bei einem Druck von 6kg zerbrach in diesem Zünder eine Glasampulle und die Mine detonierte.

 

 

 

Der sogenannte Senftopf.

 

 

 

S-150



Die S-150 war wie die S-200 aufgebaut. Der einzige Unterschied war der etwas geringere Durchmesser von 60mm. Auch hier wurde der neue chemische Zünder eingesetzt der mit Schwefelsäure und Kaliumpermanganat arbeitet.

 


 

Stockmine 44

 

Diese Mine hatte einen Durchmesser von etwa 70mm und eine Länge von etwa 150mm. Die Sprengladung war eine Bohrpatrone 28 die mit einer Mischung aus Beton, Splitt und Metallschrott umgeben war. Die Stockmine 44 wurde größtenteils in Wäldern, Gestrüpp, Feldern oder Drahtverhauen eingesetzt. Nachdem die Mine im Boden, an Bäumen oder Büschen ( meist in einer Höhe von 1m ) befestigt waren, wurden am Minenzünder Stolperdrähte angebracht und verlegt. Marschierte dann Infanterie durch dieses Gebiet, lösten sie die Minen aus und hatte dadurch hohe Verluste zu beklagen. Der tödliche Wirkungsbereich lag bei etwa 60m.

 

 

 

Stockmine an einem Baum befestigt. Oben an der Mine ist der Zugzünder zu erkennen.

 

Glasmine 43



Durch die immer feiner werdenden Metallsuchgeräte, die auf immer geringere Mengen von Metall reagierten, war die deutsche Seite bemüht neue nicht auffindbare Minen zu entwickeln. Man entwickelte Minen aus Keramik sowie aus Glas, welches in der Herstellung einfacher war. So wurde die Glasmine 43 entwickelt. Diese 80mm hohe und 145mm breite Mine, kam 1944 zu ihrem ersten Einsatz. Der Sprengkörper 28, mit 200g Sprengstoff, der in der Mine verbaut war, detonierte, wenn der Deckel bei einer Belastung von 10kg zerbrach und dabei der Zünder ausgelöst wurde. Auf Grund von sprödem Material und den damit verbundenen Gefahren beim Verlegen, wurde die Glasmine 43 nur sehr zaghaft eingesetzt. Von 11 Millionen produzierten Minen kamen nur etwas mehr als 1 Million zum Einsatz, der Rest lagerte bei Kriegsende in Depots.

Panzerabwehrminen

Panzerabwehrminen

 

Tellerminen

 

Tellermine 29



Diese Panzerabwehrmine kam schon zu Zeiten der Reichswehr zum Einsatz. Diese etwa 255mm breite Mine hatte ein Gewicht von 6kg. Die Sprengstoffmasse betrug dabei 4kg. Diese Mine wurde in der Wehrmacht nur zu Ausbildungszwecken genutzt und ab etwa 1937 ausgesondert und durch die neu entwickelte Panzerabwehrmine 35 ersetzt.


 

Tellermine 35 und 35St



Ihr Gesamtgewicht lag bei 9,4 kg, wobei 5kg davon die Sprengstoffmasse war. Sie war im Gegensatz zu Tellermine 29 einfacher zu handhaben und schneller zu verlegen. Die Mine hatte, mit Zünder, eine Höhe von 110mm und eine Breite von 320mm. Der Auslösedruck lag bei 90kg. Dieser sehr geringe Auslösedruck für eine Panzerabwehrmine, sorgte dafür, dass bei einer Detonation der Mine, ein Großteil der Explosionsenergie einfach ins Leere ging ohne einen großen Schaden anzurichten.

 



 

Tellermine 35 ST

 

Um das Problem mit dem zu schnellen und zu wirkungslosem Detonieren in den Griff zu bekommen, wurde die Tellermine 35St entwickelt. Diese Mine mit einem Auslösedruck von 210kg, war aus Stahl hergestellt. Als Zünder wurde der T-Minenzünder 42 verwendet und durch die Verwendung eines kleineren Druckdeckels, konnte die Wirksamkeit der Minendetonation verbessert werden. Diese Variante der Tellermine 35 kam ab 1942 in die Truppe.

 

Tellermine 42



Diese Mine, deren Produktion im Jahre 1942 begann, hatte wie schon die Tellermine 35St einen Auslösedruck von 210kg. Durch diesen hohen Auslösedruck war gewährleistet, dass die Panzerkette komplett auf der Mine stehen musste um zu detonierten. So war wie bei der Tellermine 35St eine hohe Sprengwirkung auf Fahrzeuge möglich. Bei einer Höhe von 91mm und einem Durchmesser von 313mm hatte die Tellermine 42 ein Gesamtgewicht von 9,8kg. Der Sprengstoffanteil lag dabei bei 5kg.

 




 

Tellermine 43 "Pilz"



Diese Panzerabwehrmine wog etwa 9,9kg und sie hatte einen Durchmesser von 32cm sowie eine Höhe von 9 cm. Den Beinamen Pilz erhielt sie durch den Druckzünder, dieser sah in etwa aus wie ein Pilz. Der Auslösedruck des Zünders lag bei 320kg, somit lösten Fahrzeuge mit ihrem Gewicht die Mine aus aber Infanterie nicht.

 

der Zünder der am unteren Rand zu sehen ist gehört zu einer anderen Mine



 

Der Zugzünder der hier zu sehen ist konnte dazu verwendet werden um die Mine gegen Aufnahme zu sichern oder um sie manuell, also durch ziehen an einem Draht oder Seil, auszulösen.

 

Holz-Tellermine

 

Diese 10kg bzw. 12,5kg schweren Minen, sollten dem Gegner das Räumen erschweren, da sie nur einen sehr geringen Anteil an Metall enthielten. Da es aber bei der Erprobung sehr viele Unfälle gab, wurde die Entwicklung abgebrochen und eine Serienproduktion fand nie statt.


 

Panzerminen

 

leichte Panzermine

 

Diese Panzerabwehrminen wurden speziell für die Fallschirmjägertruppe entwickelt, um auch dieser Truppengattung die Möglichkeit zu geben Minen einzusetzen. Da sie nur ein Gesamtgewicht von 4kg hatte, konnten sie besser als Tellerminen 35 bei Luftlandungen mit abgesetzt und später durch die Infanterie transportiert werden. Die Minen hatten einen Durchmesser von 263mm, eine Höhe von 90 mm und sie waren mit 2kg Sprengstoff gefüllt. Der Auslösedruck dieser Mine lag bei 250kg. Der erste Einsatz hatte diese Mine bei der Luftlandung auf Kreta bzw. dessen Eroberung.

 

schwere Panzermine

 

Diese Mine wurde speziell zur Bekämpfung der russischen Panzers IS-2 entwickelt. Diese Mine hatte einen erhöhten Sprengstoffanteil von 10kg und sollte somit diesem schweren Panzer besser bekämpfen. Da der IS-2 aber die Ketten seines Vorgängers benutzte, wurde schnell im Kampfeinsatz erkannt, dass auch die Tellerminen wirksam gegen diesen Panzer waren. Dieser Grund führte schon sehr schnell wieder zur Einstellung der Produktion von schweren Panzerminen.

 

Holzmine 42

 

Die Holzmine 42 war so gebaut, dass sie durch Metallsuchgeräte nicht zu orten war. Die 32,5 cm breite und 31cm tiefe Mine hatte eine Höhe von 12cm und war mit etwas mehr als 5kg Sprengstoff gefüllt. Der Auslösedruck lag bei 220kg, dadurch hatte die Mine eine gute Sprengwirkung auf Fahrzeuge und die Ketten von Panzer. Diese waren dann leichte Beute für die Panzervernichtungseinheiten. Der Nachteil der Mine war, dass durch Feuchtigkeit diese Mine aufquoll und Leimkanten rissen. Dadurch wurden diese Minen sehr unsichere Kampfmittel, egal für welche Seite.

 

 

 

 

 

Holzmine 42 links und Panzerschnellmine rechts in einem Bild zum Vergeleich

 

Panzerschnellmine



Die Panzerschnellmine bestand ebenfalls aus Holz. Diese etwa 58cm breite und 31cm tiefe Mine hatte bei einer Höhe von 16cm einen Sprengstoffanteil von 5kg. Bei der Version A kam der Zugzünder 42 zum Einsatz und bei der Variante B ein chemischer Zünder. Wie schon bei der Holzmine 42 war die Feuchtigkeit ein großes Problem für diese Mine.


 

Topfmine 4531

 

Durch diese Bauweise war sie für die Metallsuchgeräte nicht zu orten, da diese nicht auf die Mine ansprachen. Die Topfmine 4531 hatte eine Höhe von 140 mm und einen Durchmesser von 317 mm. Diese aus Kunststoff bestehende Mine wurde ohne ein Metallteil gefertigt und die Zünderteile bestanden aus Glas. Der Auslösedruck lag bei etwa 140kg. Bei diesem Gewicht zerbrachen die Ampullen des chemischen Zünders und die Mine detonierte.

 

 

 

Riegelmine 43

 

Diese Minen, die sehr gut für eine Schnellsperre geeignet waren, hatten eine Länge von 80cm. Durch die Möglichkeit des schnellen Verlegens, wurden sie besonders gern gegen plötzlich auftretenden Panzerfeind genutzt. Bei einem Auslösedruck von 200kg löste der Zünder aus und die 4kg Sprengstoff setzten um. Ein Problem bei diesen Minen war, dass sie manchmal recht früh detonierten und so nur die Ketten von Panzern zerstört wurden. Somit war der Panzer zwar nicht zerstört aber bewegungsunfähig und ein leichtes Ziel für PaK oder Panzernahkämpfer. Ein großer Vorteil dieser Minen war, dass durch ihre Bauweise mit weniger Minen und Personal größere Geländeabschnitte schneller gesperrt werden konnte, als dies mit Tellerminen der Fall gewesen wäre.

 

 

 

Riegelmine 44

 

Die Riegelmine 44 war eine verbesserte Variante der Riegelmine 43. An Stelle des Zugzünders 42 wurde der T-Minenzünder 43 eingesetzt. Hierdurch wurden die Minen handhabungssicherer. Von den Abmaßen und vom Gewicht änderte sich nicht viel.


 

Hohlladungs-Springmine 4672



Da bei den normalen Panzerabwehrminen fast immer nur die Ketten der Panzer zerstört wurden, aber der Panzer sonst funktionsfähig blieb und mit Hilfe von Panzerabwehrwaffen oder Panzervernichtungstrupps vernichtet werden mussten, entwickelte das deutsche Militär die Hohlladungs-Springmine 4672. Hierbei wurde der Kopf einer Panzerfaust auf ein Brett montiert. Es wurde hierbei eine Dose auf diesem Brett befestigt und darin dann der Panzerfaustkopf eingebracht. Der Gefechtskopf durchschlug somit beim Auslösen von unten die Wanne des Panzers und vernichtete ihn. Als Zünder wurde hierfür der Kombinations- Knick/Kippzünder 43 verwendet. Diese Mine wurde erst ab 1945 eingesetzt.


 

Panzerstabmine 43



Da die Hohlladungs-Spring-Mine 4672 erst sehr spät zum Einsatz kam wurde die Panzerstabmine 43 als Ersatz entwickelt. Hierbei wurde eine Hohlladung mit einem Gewicht von etwa 1,6kg Sprengstoff auf einen Holzstab verbracht und mit dem Kombinations-Knick/Kipp Zünder 43 versehen. Da es sich um eine einfache Hohlladung handelte, und nicht um den Gefechtskopf einer Panzerfaust, musste die Panzerstabmine recht hoch platziert werden, damit die komplette Sprengwirkung auf die Panzerwanne einwirken konnte. Dies war der Grund, dass sie nur in hohem Gras oder bei Schnee gut getarnt eingesetzt werden konnte.



 

Hafthohlladungsmine HHL 3 und HHL 3,5

 

Die Hafthohlladungsmine HHL 3 diente zur Panzernahbekämpfung. An ihrem Körper waren 3 Magneten befestigt, mit deren Hilfe die Mine an der feindlichen Panzerung haftete. Die Mine besaß ein Gesamtgewicht von 3 kg und konnte bis zu 140mm Panzerstahl durchschlagen. Sie wurde ab Ende 1942 eingesetzt. Die Verbesserung der HHL3 war dann die HHL 3,5. Bei dieser Hafthohlladungsmine kam anstatt von gewöhnlichem Sprengstoff, der Gefechtskopf einer Panzerfaust zum Einsatz. Auch dieser wurde mit Hilfe der 3 Magneten am Panzer befestigt. Mit der Einführung der Panzerfaust in die Truppe verlor die Hafthohlladungsmine immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich abgeschafft.

 

 

 

[links die HHL 3 und rechts die HHL 3,5, die typische Form des PzFst-Kopfes ist erkennbar]


Quellen

Sandini-Sonderheft, "PIONIERE - Die deutsche Pioniertruppe von 1939-1945", Nr.9.
James Lucas, "Handbuch der Wehrmacht 1939 - 1945", Tosa Verlag, Wien (2001) ISBN: 3-85492-152-7
Paul Carell, "Die Wüstenfuchse - Mit Rommel in Afrika", Nannen-Verlag GmbH, Hamburg (1958)

http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Mine_(Waffe) (Letzter Aufruf 17.09.2011)
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Waffen/minen-R.htm (Letzter Aufruf 17.09.2011)



Autor: Panzermeyer